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Full text of "Sitzungsberichte der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Mathematisch-Naturwissenschaftliche Classe"

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OF 


COMPARATIYE    ZOÖLOGY, 

AT  nARYAßü  COllEGE.  CAMBRIDGE.  mIsS. 
jyoiintJcXi  bi)  prftote  sutscrfpiion,  fn  1861. 

From  the  Library  of  LOUIS  AGASSIZ. 


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SITZUNGSBERICHTE 


nKR   KAISF.RMOHKN 


ÜKiDGIllE  DER  WISSEICIIUFTEI. 


MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE  CLASSE. 


SIEBEN  UND  FÜNFZIGSTER  BAND. 


WIEN. 


AUS  DEK  K.   K.  HOF-  UND  STAATSÜBUCKEKEI. 


IN  COMMISSION  BEI  KARL   RF.nOLD'S  SÜHN,  BUCHHÄNDLER   l>KR   KAIS.   AKADEMIE 
DER    WISSENSCHAFTEN. 

1868. 


SITZÜ^GSBEKICIITE 


»EM 


MATHEMATISCH  -  NATURWISSENSCHAFTLICHEN 

CLASSE 


DKR  kaisp:ri.ichkn 


AKADKMIE   DER  WISSENSCH AKTKN. 


IVII.  «AND.  I.  ABTHEllllM. 

Jahrgang    1S68.   —   Heft  I  bis  A^. 

'^(Mi\  56  Cafflit  nnb  rinrm  1|oljSttinittt.) 


AUS  DKI!   K.  K.  II<»H-  UNO  STAATSlHilJCKEREI. 

IN  COMMISSION  BEI  KARL  GKROLD'S  SOHN,    BUCHHÄNDLER  DER  KAIS.  AKADEMIE 
DKR   WISSENSCHAFTEN. 


INHALT. 

Seite 

I.  !>)i(y.uiig;  vom  9.  Jiiiiner  1868:  Ubersitlit       3 

Butte,  Über  die  Rolle  der  Veränderungen  des  unorganischen 

Festen  im  großen  Maßstäbe  in  der  Natur 8 

Verson,  Zur  Insertionsweise  der  Muskelfasern.  (Mit  1  Tafel.)  63 

Klein,  Über  diis  Kpithel  der  Schleimhaut  und  die  Ausführungs- 
gänge der  Drüsen  des  weichen  Gaumens  und  der  Uvula 
des  Menschen 67 

II.  Sitzung  vom  16.  Jänner  1868:  Übersicht 70 

Feters,  Zur  Kenntniß  der  Wirbelthiere  aus  den  Miocensciiich- 
ten  von  Eibisw:ild  in  Steiermark.  I.  Die  Schildkröten- 
reste. (Auszug.) 72 

Fleischt,    Über   den    Bau   der   sogenannten   Schilddrüse  des 

Frosches.  (Mit  IT^fel.) 75 

Reiiss ,    Paläontologische   Beiträge.   (Zweite  .Fol^-i-.)    (Mit   3 

Tafeln.) 79 

m.  Silzuug  vom  23.  Jänner  1868:  Übersieht; HO 

Baue,  Werden  der  Menschheit   immer,   wie  jetzt.    Mineral- 

schäfze  zu  Gebote  stehen? 112 

Fitiiiiger ,   Kritische  Untersuchungen  über  die  der  natürlichen 

Familie  der  Spitzmäuse  (Soricesj  ungehörigen  Arten. 

(I.  Abtheilung.) '.         121 

Sffiloe/iback ,  Über  die  norddeutschen  Galeriten-Scbichten 
und  ihre  Brachiopoden-Fanna.  (Mit  3  lithogr.  Tafeln 
und  einem  Holzschnitte.) 181 

If.  SitKiing  vom  6.  Februar  1868:  Übersicht 227 

Suess .  Über  die  Äquivalente  des  Rothliegenden  in  den  Süd- 
alpen.  (Mit  2  lithographirten  Tafein.) 230 

Kner,  Über  Concliopoina  gadifurme  nov.  gen.  et  spec.  und 
Acaitthodes  aus  dem  Rotiiliegenden  (der  untern  Dyas) 
von  Let)ach  bei  Saarbriieken  in  Rlieinpieussen.  (.Mit 
8  litliographirlen  Tafeln.) ....         278 

W   Sitzung  vom  13.  Februar  ISGS:   Üb.Msieht 301» 

Li'ilgel) ,    Beiträge   -/.m-   Kniu  irklungsgcseliiclili    itcr  l'li;ihzen- 

orgaiie.  (Mit  ^Tafeln.) 308 


VI 


VI.  Shzung  vom  20.  Februar  1868:  Übersicht 343 

VII.  Nitziin^  vom  i2.  Miirz  1868:  Übersicht 347 

Steindachner ,  Ichtliyologischer  Bericht  über  eine  nach  Spa- 
nien und  Porfuuiil  unternommene  Reise  (V.  Forts.) 
(Mit  6  Tafeln.) 351 

Fitzinger,  Kritische  lJntersuchunp;en  über  die  der  natürlichen 
Familie  der  Spitzmäuse  (Sorices)  aiif(eiiörii,'en  Arten. 
(II.  Abthoilunsr.) 425 

Hüttcnhrfnnrr .   Untcrsuchunijen  iilier  die  Binnenmuskcin   des 

Auges 515 

Steindachner .   Über  eine  neue  Hj/lor an a- Art  von  C;ip-York  in 

Australien.   {Mit  1  Tafel.) 532 

Laube,  Die  Fauna  der  Schichten  von  St.  Cassian.  (Auszug.)  .        537 

VIII.  Sitzung  vom  19.  März  1868:   Übersicht 544 

IX.  Sitzung  vom  26.  März  1868:  Übersicht 548 

X.  Sitzung  vom  16.  April  1868:  Übersieht  . 553 

Baue ,  Über  die  jetzige  Theilnng  der  wissenschaftlichen  Ar- 
beit, so  wie  über  Granit  und  Metamorphismus-Theorien        557 
Fitzinger,  Kritische  Untersuchungen  über  die  der  natürlichen 
Familie  der  Spitzmäuse  (Sorices)  angehörigen  Arten. 

(III.  Abtheilung.) 583 

Peters  u.  Maly ,  Über  den  Staurolith  von  St.  Radegund,  (Mit 

1  Tafel.) 646 

Laube ,  Die  Fauna  der  Schichten  von  St.  Cassian.  IV.  Ahtheil. 

Gastropoden  II.  Hälfte.  (Auszug.) 661 

Steindachner,  Ichthyologischer  Bericht  über  eine  nach  Spa- 
.             nien  und  Portugal  unternommene  Reise.  (wSechste  Fort- 
setzung. (Mit  6  T;ifein.) 667 

V.  Zepharovich ,  Mineralogische  Mittheilungen.  (III.)  .    .    .    .        740 

XI.  Sitzung  vom  23.  April  1868:  Übersicht 753 

Peters,  Zur  Kennlniß  der  Wirbelthiere  aus  den  Miocenschich- 

ten  von  Eibiswald  in  Steiermark.  II.  (Auszug.)      .    .    .        756 

XII.  Sitzung  vom  30.  April  1868:  Übersicht 760 

Suess ,  Über  die  Äquivalente  des  Rothliegenden  in  den  Süd- 
alpen. (Schluß.)  (Mit  I.Tafel.) 763 

EltingshauHcn,  C.  Frh.  v.,  Die  fossile  Flora  d(  r  älteren  Braun- 

kohlei>rorm:iti..n  der  Wetterau.  (Mit  5  Tafeln.)     ...       .807 
Poscpny ,  Über  conccntrisch-schalige  Mineralbildungen.  (Mit 

2  Tafeln.) 894 

liiibnaff,    Bei'riiu'e  zur  Konntniß    der  Struclur  des  Knorpels. 

(Mit  1  Tafel.) 012 


VII 

Seite 

XIII.  Sitzung  vom  14.  Mai  1868:  Übersicht   .    .   • 919 

V.  Winiwarfer,  Zur  Anatomie  des  Ovariums  der  SSugethiere. 

(Mit  1  Tafel.) 922 

UUik,  Mineral-chemische  Untersuchungen 929 

XIV.  Sitzung  vom  22.  Mai  1868:  Ül)ersicht 948 

Yotmg ,  Zur  Anatomie  der  ödematösen  Haut.  (Mit  1  Tafel.)  .  951 

Woronichin ,  Zur  Anatomie  der  indurativen  Pneumonie.  (.Mit 

1  Tafel.) 958 

Steindachner,  Ichthyologische  Notizen  (VII).  (Mit  5  Tafeln.)  965 

Reitz,    Beiträge   zur  Kenntiiiß   des  Baues   der  Placenta   des 

Weibes.  (Mit  1  Tafel.) 1009 

Fitzinger ,  Geschichte  des  kais.  kön.  Hof-Naturalien-Cabinetes 

zu  Wien.  (II.  Abtheilung.) 1013 

Verson,  Beitrüge  zur  Kenntniß  des  Kehlkopfes  und  der  Tra- 
chea. (Mit  1  Tafel.) 1093 

Gussenbauer ,  Über  die  Muskulatur  der  Atrioventricularklap- 

pen  des  Menschenherzens   1103 

Klein,  Über  die  Vertheilung  der  Muskeln  des  Oesophagus. 

(Mit  1  Tafel.) Uli 


SITZUNGSBERICHTE 


DER 


KAISRHLK  HEN  AKADEMIE  DER  WISSENSriIAFTEN. 

MATHEMATISCH -NATUIIWISSENSCHAFTLICHK  CLASSE. 

LYii.  um, 

ERSTE   ABTHEILÜNG. 
1. 

Enthält  die  Abliandlung-en   aus  dem  Gebiete  der  Mineralogie,  Botanik, 
Zoologie,  Anatomie,  Geologie  und  Paläontologie. 


Sitzb.  (1.  muthem.-iiiiluiw.  Cl.  LVII.  Bd.  1.  Ahth. 


I.  SITZUNG  VOM  9.  JÄNNER   18G8. 


Se.  Excellenz  der  k.  li.  Minister  des  Innern,  Herr  Dr.  Giskra, 
eröffnet  der  Akademie,  mit  Zusclirift  vom  2.  Jänner  I.  J.,  daß  er  das 
ihm  von  Sr.  k.  k.  apostol.  Majestät  allcrgnädigst  übertragene  Amt 
am  1.  Jänner  d.  J.  angetreten  liabe,  und  versichert  die  k.  Akademie 
der  Wissenschaften  der  kräftigsten  Förderung  ilirer  Interessen. 
Ferner  richtet  der  k.  k.  Minister  Herr  Dr.  Berger  eine  Zuschrift 
ähnlichen  Inhaltes  dto.  o.  Jänner  an  die  Akademie. 

Das  c.  M.  Herr  Prof.  Dr.  E.  Mach  in  Prag  übersendet  eine 
vierte  Abhandlung  „über  den  physiologischen  Effect  räumlich  ver- 
theilter  Lichtreize"  nebst  einer  stereoskopischen  Durchsicht  der 
Wellenlängen  eines  zweiaxigen  Krystalies. 

Herr  W.  Schi  emulier,  k.  k.  Lieutenant  inOlmütz,  über- 
mittelt eine  Abhandlung:  „Einfluß  der  Sonne  auf  die  Wärme  der 
Erdoberfläche". 

Die  Redaction  der  „Zeitschrift  für  exacte  Philosophie"  zu  Halle 
und  Leipzig  übersendet  eine  Preisaufgabe  aus  dem  Gebiete  der 
Astronomie,  Geologie  und  Biologie. 

Herr  Prof.  Dr.  E.  Brücke  überreicht  eine  Abhandlung:  „Über 
das  Aufsuchen  von  Ammoniak  in  thierischen  Flüssigkeiten  und  über 
das  Verhalten  desselben  in  einigen  seiner  Verbindungen". 

Herr  Dr.  A.  Boue  macht  eine  Mittheilung  über  das  Vorhanden- 
sein von  Belemniten  in  der  Gosauformation,  über  den  Werth  der 
chronologisch-bibliographischen  Aufzählungen  in  den  physikalisch- 
natnrhistorischen  Wissenschaften  und  über  die  Herstellung  einer 
Eisenbahn  von  Belgrad  nach  Salonik. 

Derselbe  bespricht  ferner  den  Inhalt  seiner  Abhandlung  „über 
die  Rolle  der  Veränderungen  des  unorganischen  Festen  im  großen 
Maßstabe  in  der  Natur." 

Herr  J.  Prang  hofer,  Assistent  der  höheren  Mathematik  am 
Wiener  k.  k.  Pol\  technicum  ,   legt    eine  Abhandlung:    „Beiträge  zu 


einer  Aberscheii  Gleicluiiif;  uml  zu  eiiiein  Satze  von  Parseval" 
vor. 

Herr  Dr.  S.  Stricker  legt  folgende  drei  Abliandlungen  vor; 

1.  „l  l)er  die  passiven  Wanderungen  von  Zinnoherkörnelien 
durch  den  thierisclien  Organismus"  von  Herrn  Dr.  W.  Keitz  aus 
St.  Petersburg; 

2.  „Über  das  Epiliiel  der  Schleindiaut  und  die  Ausfübrungs- 
gänge  der  Drüsen  des  weichen  Gaumens  und  der  Uvula  des  IMenschen" 
von  Herrn  Em.  Klein; 

3.  ,,Zur  insertionsweise  der  Muskellasern"  von  Herrn  Med. 
Cand.  Enrico  Verson  aus  Padua. 

An  Druckschriften  wurden  vorgelegt: 

Academie     Imperiale    de    Medecine :     Memoires.     Tome    XXVII, 

r"  Partie ;  Tome  XXVHI,   l'"  Partie.   Paris,  I860  &r  1867:  4o. 

—  Bulletin.  Tome  XXX.  Paris,  1864—1860;  8«. 
—    —  des  Sciences,  Belles-Leltres  et  Arts  de  Lyon:    Memoires. 

Classe  des  Sciences.  Tome  XV*.  Lyon  et  Paris,  186Ö  —  66;  4». 
Akademie    der    Wissenschaften,    Königl.    Preuss. ,    zu    Berlin: 

Monatsbericht.  August    1867.   Berlin;  8". 
American  Journal    of  Science   and  Arts.    V^ol.  XLiV ,  Nrs.  130 — 

132.  New  Haven,  1867;  8». 
Annalen    der   Chemie   von  Wohl  er.    Liebig  &  Kopp.     N.  R. 

Band  LXVIII,  Heft  2;  V.  Supplementband,  2.  Heft.  Leipzig  &- 

Heidelberg,  1867:  8. 
Annales    des  mines.  VI*  Serie.  Tome  XI,  2".  Livraison  de  1867. 

Paris;  8» 
Apotheker-Verein,  allgem.  österr. :  Zeitschrift,  ö.  Jahrg.  Nr.  24; 

6.  Jahrgang,  Nr.  1.   Wien,  1867  &  1868;  80. 
Astronomische  Nachrichten.  Nr.  1671  —  1672.  Altona,   1867  & 

1868;  40. 
Bericht  des  akademischen  Lesevereins  zu  Prag,  1866 — 67.  Prag, 

1867;  80. 
Biblio  theque  Universelle  et  Revue  Suisse:  Archives  des  sciences 

physiques   et   naturelles.    N.   P.    Turne  XXX",    Nr.    118—111). 

Geneve,  Lausanne,  Neucliatel,  1867;  8". 
Carte   geologique  de  la  Neerhiiide.    (17  Feuilles)  in  Folio. 


Comptes  rendiis  des  seanoes  de  l'Academie  des  Seienees.  Tome 

I.XV,  Nr.  23—26.  Paris,  18G7;  4«. 
Cos  mos.    'S"   Serie.    XVP  Aiinee,    Tome  I,    11* — 13"  Livraisons; 

XVirAnnee,  Tome  II,  1"  Livraison.  Paris,  1867  &  1868;  8o. 
(ieii  ootscha  p,    Bataviaasch,    van   Künsten    en   Wetenschappen : 

Verhandelingeii.  Decl  XXXII.  Batavia,  1866;  4«.    —   Tijdselii-ift 

voor  Indisclie  Taal-,   Land-  en  Volkenkunde.   Deel  XIV,  Aflev. 

n  6:  d:  Deel  XV,  Aflev.    1—6;  Deel  XVI,  Aflev.  1.  Batavia  & 

■s  Hage,  1864,  1865  cV  1866:   8«.  —   Notnlen.   Deel  II,  Allev. 

1_4;  Deel  III,  Aflev.  1—2;  Deel  IV,  Aflev.  1.  Batavia,  1864. 

186Ö&  1866  :  8o.  —  Calalogus  der  Bibliotheek.  Batavia,  's  Hage, 

1864;  8o. 
Gerding,   Th.,   Geschichte  der  Chemie.   Leipzig,  1867;  80. 
Gesellschaft,    österr.,   für    Meteorologie:    Zeitschrift.    II.   Band, 

Nr.  13—24.   Wien,  1867;  8». 

—  allgem.  Schw  rizerische,  für  die  gesammten  Naturwissenschaf- 
ten: Nene  Denkschriften.  Band  XXII.  Zürich,  1867;  4».  — 
Actes.  SO*  Session.  1866.  Neuchatel;  8». 

—  natnrforsehende,  in  Bern:  Mittheilungen  aus  dem  Jahre  1866. 
Bern,  1867;  S*». 

Gewerbe  -  Verein,    n.  -  ö.  :    Verhandlungen    und    Mittheilungen. 

XXVIII.   Jahrg.,    Nr.    30—32;    XXIX.  Jahrg.,  Nr.    I.    Wien, 

1867  &  1668;  80. 
Giessen.  Universität:  Akademische  Gelegenheitsschriften.  1861) — 

1867;  40  &  80. 
Grunert,  Joh.  Aug.,  Archiv  der  Mathematik  u.  Physik.  XLVII.  Theil, 

3.    Heft.    Greifswald,    1867:   80. 
Haast,    Julius,   Beport   on    tlie   Headwaters   of  the   Biver   Bikaia. 

Christchnrch,  1867;  kl.  Folio. 
H  e  I  s  i  n  g  f 0  rs  ,     Universität :     Akademische    Gelegenheitsschriften. 

1865  &  1866;  4«  &  80. 
Hörn  es,    Moriz,   Die    fossilen   Mollusken   des   Tertiärbeckeiis    von 

Wien.  H.  Band,  Nr.  7  &  8.  Wien,  1867;  4o. 
Institut  National  Genevois:  Memoires.  Tome  XI*.   1866.   Gcneve, 

1867;  40.  —  Bulletin,  1866.  Nr.  30  —  31.  8". 
Ist  ituto,  B.,  Veneto,  diScience,  Lettere  edArti:  Memoire.  \\)l.\lll. 

Parte    3.   Venezia,   1867;   4«.    —    Atti.  Tomo   XU,  Serie  111', 

Disp.  10".  Venezia,  1866—67;  8". 


6 

Islituto,  R. ,   tecnico  di  Piilermo:   Gionutlc  ili  Soienze  naliirali  ed 

economiclie.  Anno  1867,  Vol.  III.  Fase.  1 — 3.  Palermo;  4«. 
.lahrltueh,  Berliner  Aslroiioniiselies  liir  1870.  Berlin,  1808;  8». 
Jali  res  l»e  rieh  t    ül)er    die  Fortseliri(l<'    der   Cltenüe   von   II.  Will. 

Für  1860.  2.  Heft.  Gießen,  1867;  8". 
Land-   und   l'orshvirthschaftliche  Zeitung.    17.  Jahrg.  Nr.   50 — -52. 

Wien,  1807;  4". 
Marburg,  Universität:  Akadeniisclie  Gelegenlieitsschriften.  1866 — 

1867;  4«>  c^-  8«. 
Mittheilungen    des   k.    k,   Genie-Coniite.    Jahrgang    1867,    9.  & 

10.  lieft.    Wien;  8o. 
Moniteur    scientitique.    264''  Livraison.    Tome  IX*",    Annee    1867. 

Paris;  4o. 
Museo  puhlico  de  Buenos  Aires:  Anales.  Entrcga  2''\  Buenos  Aires, 

1867;  4o. 
Reiehsl'orst verein,  ("sterr. :  Monalssehrifl  für  Forstwesen.  XVIi. 

Band,  Jahrg.  1867,   Seplemlier-  &  Oeloher-Ilelt.  Wien;   8". 
Bevne    des  cours    seienliji(jnes    et    litteraires    de    la    France    et    de 

l'etranger.    V*'  Annee,    Nr,  2— ,S.   Paris   tK;  Briixelies,    1867  — 

1868;  4«. 
Societe  Liniieenne  du  Nord  ile  la  France:   Mi-moires.  Annee  1866. 

Amiens,  1867;  8o. 

—  litteraire,  scienlifique  et  artistique  d'Apt:  Annales.  III'"  Annee. 
i 865— 1866.  Apt,  1867;  8. 

—  Imperiale  de  Medecine  de  Constanlinople:  Gazette  medieale 
dOricnl.   \l'' Annee,  Nr.  li  — 6.   Conslantinopie,  1867:   4". 

—  Linneenne  de  Lyon:  Annales.  Anni'e  180<).  N.  S.  Tome  XIV*". 
Paris,  1867;  4«'. 

—  des  Sciences  physiques  et  naliu-elles  etc.  de  Lyon:  Annales. 
IIP'  Serie.   Tomes  IX  &  X.  186Ö  cV  1866.   Lyon  &  Paris;   4". 

—  Imperiale  des  Naturalistes  de  Moscau:  Bulletin.  Tome  XL, 
Annee  1867,  Nr.  2.   Moscou;  8o. 

Society,    The  Chemical:    Journal.  Series  2,    Vol.   V.    July— Sep- 
tember, 1867.  London;  8». 

—  The  Anthropologieal,  of  London:  The  Anthropological  Review. 
Nrs.  18—19.  London,  1867;  8o.  —  List  of  Fellovvs.  1867; 
8".   —   Catalogue  of  Bocks.  1867;  8''. 


Society,  The  Linnean,  of  London:  Transactions.  Vol.  XXV,  Part  3. 

London,    1866;    4".    —    General  Index   to   the  Transactions. 

Vols.   I   to  XXV.   London,    1867;     4«.    —    Journal.    Botany: 

Vol.  IX,  Nrs.  38—39;  Zoology:  Vol.  IX,  Nrs.  34—35.  London, 

1866—1867;  8«.  —  List.  1866;  8». 
—   The  Natural  Ilistory,  of  Dublin:    Proceedings  for  the  Session 

1864—65.  Vol.  IV.   Part.  3.  Dublin,  1865;  8o. 
Upsala,  Universität:   Akademische  Gelegenheitsschriften.    1866  «fc 

1867;  8o,  4o  und  Folio. 
Verein  für  Natur^^  issenschaften  zu  Hermannstadt:   Verhandlungen 

und  Mittheilungen.  XVIII.  Jahrgang.    Nr.  1—6.  Hermannstadt, 

1867:  8o. 
Wiener    medizin.    Wochenschrift.    XVII.   Jahrg.    Nr.    100—104. 

XVIII.  Jahrg.  Nr.  1—3.  Wien,  1867  &  1868;  4o. 
Wochen-Blatt  der  k.  k.   steierm.  Landwirthschafts-Gesellschaft. 

XVI.  Jahrg.  Nr.  26.  Grazt,   1867;  4o. 
Zeitschrift  für  Chemie  von  Beilstein,    Fittig  und  Hübner. 

X.  Jahrg.   Nr.  21—22;   XI.   Jahrg.    Nr.  1,   Leipzig,  1867  & 

1868;  8o. 


über  die  Rolle  der  Verändertingen  des  im  organischen  Festen 
im  großen  Maßslabe  in  der  Natur. 

Von  dem  w.  M.  Dr.  A.  Bou6. 

Das  unorganische  Feste  unserer  Erde  ist  im  beständigen  Kampfe 
um  ihr  Verldeiben  wie  es  ist,  oder  mit  andern  Worten  es  ist 
immerwährenden  Veränderungen  ausgesetzt.  Letztere  werden  durch 
mechanische  oder  chemische  Wirkungen  hervorgerufen.  Unter 
den  erstem  stehen  oben  an  die  Resultate  der  Bewegungen  des 
Flüssigen,  mag  nun  letzteres  gasartig  wie  der  atmosphärische  Wind 
oder  wässerig  wie  die  Meeresfluthen ,  die  laufenden  sowohl  als 
die  in  die  Erde  infiltrirten  W^ässer.  oder  selbst  ein  durch  Kälte 
starr  gewordenes  Wasser  sein.  Die  anderen  mechanischen  Umände- 
rungen des  Unorganischen  werden  nur  durch  innere  Kräfte,  wie 
Erschütterungen,  Rutschungen.  Spaltungen,  Reibungen,  Umstürzun- 
gen und  Einstürzungen  hervorgebrachl,  indem  im  Erdballe  selbst  un- 
sichtbare Mächte  die  innere  Structur  der  Erde  und  ihre  verschiedenen 
Bestandtheile  beniitzt  zur  Hervorbringung  der  vulkanischen  Phäno- 
mene so  wie  auf  diese  Weise  zu  derjenigen  großer  Umänderungen 
an  der  Erdoberfläche.  Welche  Kralle  alles  dieses  verursacht,  bleibt 
uns  einstweilen  verborgen  und  erlaubt  nur  Muthmaßungen ,  bis  die 
Zukunft  uns  einnv.il  den  wahrscheinlicji  rythmischen  Causal-Verband 
der  erwähnten  Erscheinungen  mit  den  uns  bis  jetzt  bekannten 
Kräften  so  wie  mit  den  astronomischen  Eigenlhümlichkeiten  unseres 
Erdballes  erschließt. 

Die  chemischen  Wirkungen  sind  erstens  die  bekannten 
durch  die  atmosphärische  Luft  oder  ihre  Bestandtheile  iiervorge- 
brachten  Veränderungen  im  Unorganischen,  dann  die  Auflösungskraft 
der  reinen  so  wie  der  Mineralwässer,  weif  er  die  Umwandlungen, 
M't'lche  durch  gegenseitige  Affinität  der  Elementarkörper  durch 
katalytische  Kraft,  durch  Dissociafion  (siehe  Fournel  Acad.  de 
Lyon  l8Gy  24.  Jänn.)  oder  auf  elektrischem  Wege  zu  Stande  kom- 


über  die  Rdlle  der  Veriin(lprun"en  des  unorj^-anisclien  Festen  etc. 


9 


men.  Indessen  nacli  Umständen  modifieirt  oder  liefitrdert  diese  Ver- 
änderungen der  wichd'ge  Naturfactor  der  Fllektricität  iiiid  der 
Magnetismus  so  wie  ihre  Verbindung  in  ihrem  polymoridiiselien 
Standpunkte. 

Üher  die  nieelianiselien  Umänderungen  des  Unorganisclien  be- 
sitzen Mir  schon  sehr  viele  Thatsachen,  welche  täglich  an  Genauig- 
keit gewinnen.  Seit  den  letzten  40  Jahren  haben  sicli  besonders 
unsere  Kenntnisse  über  das  sogenannte  All  u  vial -Geh  ie  t  oder 
die  Hauptproducte  der  Zerstörung  und  Wegl'ührung  der  Meeres- 
fluthen  so  wie  der  lautenden  Wässer,  sehr  erweitert.  An  die  Stelle 
der  zwei  ehemals  angenommenen  großen  Abtheiluiigen  in  der 
Zeit  ist  nicht  nur  eine  große  Zahl  getreten,  sondern  man  hat  noch 
Beweise  genug  gefunden,  um  für  gewisse  Gegenden  oder  eigene 
Becken  höchst  wissenschal'tlich  gegründete  Zergliederungen  vorzu- 
schlagen, dessen  hervorbringende  Ursachen  man  aucli  entdeckt  hat. 
Unter  andern  hat  die  wunderhare  Erkenntniß  eines  ziemlich  kalten 
Zeitraumes  während  der  Alluvialzeit,  wenigstens  in  der  gemässigten 
Nordzone,  zu  diesen  neuen  Eroberungen  in  der  Geologie  der  obersten 
Erdhülle,  theilweise  viel  beigetragen.  Da  das  erratische  Phänomen 
in  Südamerika  auf  der  südwestlichen  Küsle  und  selbst  inNeu-Seeland 
bekannt  wurde,  so  ist  es  möglich,  daß  es  daselbst  auch  eine  Alluvial- 
Eiszeit  einmal  gab. 

Die  Winde,  diese  fiir  den  IMenschenverkehr  so  wichtigen 
atmosphärischen  Bewegungen,  sind  eigentlich  nur  gründlich  in 
unsern  Zeiten  beobachtet  und  ihre  innige  Verbindung  mit  Tempe- 
ratur sowohl  in  der  Entstehung  als  ihren  Riciitungen  nacli  bewiesen 
worden  (siehe  Dove,  IMaury  u.  s.  w.  Abb.).  Die  sogenannten 
Cyklonen  oder  Wirbelwinde  haben  manches  Meteorologische  aufge- 
klärt. (Siebe  Espy,  Piddington,  Redfield,  Poey,  Loomis, 
Dove  u.  s.  w.).  Unter  den  Windwirkungen  auf  das  Unorganische 
sind  uns  die  Dünenbildungen  viel  besser  bekannt  geworden,  jene 
Sandhaufen,  welche  selbst  als  förmliche  Hügel  am  französischen  Ufer 
des  biskaysclien  IMeerbusei.s  erschienen.  Das  Merkwürdigste  aber  ist, 
daß  die  Winde  die  Übertragung  von  sandigen  unorganischen  sammt 
zahlreichen  organischen  Wesen  von  einem  Continente  zum  andern  und 
selbst  von  einem  Welttheil  in  den  andern  vermitteln.  (S.  Ehren- 
berg's  Schriften).  Die  Herren  >'irlet  und  H.  de  Saussure  haben 
Iiie  und   da  in  Mexico  die  Bemerkung  gemacht,  vie  sehr  der  Staulf, 


10  B  0  u  e 

bosoiulers  bei  Wirbclwiiideii.  zur  llervorbringiing  des  Ackerbodens 
beiträgt.  (Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1857.  B.  15,  S.  129.  Coup  d'ocil.  sur 
r  Hydrologie  duMexique  1864,  S.  65.)  Diese  Tbatsacbc  findet  überall, 
l)esoiulers  aber  auf  felsigem  Boden  oder  auf  Rollsteinablageriingen 
seine  Bestätigung. 

Über  die  Infiltration  des  Wassers  im  Erdboden  baben 
uns  sowobl  Biscbof  (Cbem.  pliysik.  Geologie  1847.  B.  1,  S.  233) 
als  Daubree  (C.  R.  Ac.  d.  Sc.  P.  1861.  B.  52)  genugsam  Auf- 
scbluß  gegeben.  Da  aber  das  Wasser  immer  atmosphärische  Luft 
also  auch  Kohlensäure  mit  sich  führt,  so  steigert  sich  ihre  Autlösungs- 
kraft.  Die  Infiltrationen  dieses  Flüssigen  sind  Capillariläls-  und  cndos- 
mosische  Phänomene  unter  dem  Luftdrucke,  durch  welche  das 
Wasser  selbst  in  die  härtesten  Felsarten  eindringt  und  wohl  bis  zu 
den  Tiefen  gelangen  kann,  wo  der  Druck  der  Dilatationskraft  wegen 
der  Erdhitze  nacligibt  (Beruh.  Studer"s  Geologie  1864,  B.  2, 
S.  41);  das  Wasser  muß  dann  verdampfen  und  natürlicherweise 
unter  dieser  Form  viel  zu  den  Erderschütterungen  und  selbst  zu  den 
Vidcanischen  Katastrophen  beitragen  können.  In  allen  Fällen  müssen 
diese  unterirdischen  Wässer  sowohl  das  nur  tropfbare  als  das  wirk- 
lich fließende  Medium  manche  chemische  Zergliederungen  so  wie 
Reactionen  unter  den  Erzen  wie  unter  den  erdigen  Mineralien  be- 
fördern, was  Fournet  (Soc.  philomat.  Paris  1843.  S.  120),  De  la 
Neue  (dito  1854  24.  Juni),  Ebelmen  (ITiistitut  1851.  S.  409), 
H.  Rose  (Pogg.  Ann.  1852,  B.  86,  S.  49,  87  u.  470)  u.  s.  w.  aus- 
führlich besprachen. 

Was  die  Erschütterungen  unseres  Erdballes  betrifl't, 
haben  wir  in  den  Herren  Perrey  und  Maltet  die  wahren  Chroniker 
für  Erdbeben  erhalten,  indem  alle  andern  alte  und  neuere  dynamische 
Bewegungen  des  Erdbodens  viel  sorgfältiger  als  vor  40  Jahren  beob- 
achtet und  selbst  in  einen  theoretischen  Verband  gebracht  wurden  i). 
Seitdem  haben  in  der  physikalischen  Geographie,  die  Unterschiede 
der  äußeren  Gestalten  der  verschiedenen  Theile  des  Erdballes  sehr  an 
Schärfe  gewonnen  und  ihre  wahre  Bildung  ist  an  den  Tag  gekommen. 
Doch  in  dieser  Richtung  bleibt  noch  Manches  unvollkommen,  und 
vieles  das  in  spätem  Zeiten  wahrscheinlich  besser  verstanden  wird. 


Ij    Alexis  l't'rrey  Propositioii»  sur  It's  liemlik'iiu'iils  de  terrü  &:  les  volcaiis  formulees. 
J>.  ISCui.  8. 


über  die  Rolle  der  Veränderungen  des  unorganischen  Fes(en  etc.  1  1 

Die  kurze  Spanne  des  Menschenlebens  führte  eilig  zu  Theorien, 
welche  nur  theilweise  ihre  wahren  Beweise  hahen.  Man  übersieht 
gerne  l'ür  den  Augenblick  die  einzelnen  Mängel  in  der  niauchinal 
eiteln  lIoiTnung,  öni'fi  das  Anomale  doch  endlicli  in  dem  als  Axiome 
Aufgestellten  sich  einpassen  Mird,  anstatt  in  jenem  Außerordentlichen 
einen  Riegel  für  unsere  Phantasie  zu  sehen. 

In  allen  Fällen  bleibt  die  Thatsache  der  Verbindung  der  Vul- 
cane  mit  den  Erdbeben  obwohl  niclit  mit  allen,  indem,  wie  Kluge 
bemerkt,  Vulcane  am  zahlreichsten  und  thätigsten  in  der  Nähe  der 
Verbindungs-Gegenden  zweier  Continente  sind,  wie  wir  es  in  Mexico 
und  Ccntral-Amerika,  in  den  nördlichen  Theüen  der  Atlantik  und 
des  stillen  Meeres,  zwischen  Hinter-Indien  und  Auslralien  so  wie 
auch  im  mittelländischen  Meere  wahrnehmen.  Wo  Zerstückelungen 
und  Trennungen  ehemals  stattfanden,  bestehen  noch  deutlich  Spuren 
der  Kräfte,  Avelche  diese  Veränderungen  hervorbrachten. 

Seit  40  Jahren  A\urden  z.  B.  viele  Küstenländer  und 
Ränder  genau  aufgenommen  und  selbst  oft  mit  Höhenmes- 
sungen  verscliiedener  Art  in  Verbindung  gebracht  (in  England, 
Frankreich,  den  vereinigten  Staaten  Nord-Amerika"s  u.  s.  w .).  Nur 
solche  Aufnahmen  sammt  wahren  Küsten-Photographien  werden  in 
einigen  Jahrhunderten  reichlichen  Aufschluß  über  die  möglichen 
Veränderungen  des  Meeres -Niveauverhaltens  gegen  Continente  und 
Inseln  geben.  Diese  Bilder  der  Terrain -Contiguration  sammt  dem 
Wasser-Horizonte  werden  uns  dann  zeigen  ,  was  wir  über  die 
Stätigkeit  und  Veränderung  des  Wasserquantums  unseres  Planets 
wirklich  glauben  sollen,  denn  jetzt  finden  wir  wohl  auf  sehr  vielen 
Küsten  des  ganzen  Erdballes  unwiderrufliche  Beweise  von  Wellen- 
schlägen gegen  Felsen,  so  wie  von  Meeresufern  auf  dem  trockenen 
Boden  (siehe  Chamber's  Ancient  Sea  Margins  1848),  Mir  muth- 
massen  aber  kaum  was  für  einen  gesammten  Erdraum  Continente 
sammt  Inseln,  Avährend  der  Zeit  der  Hervorbringung  dieser  Merk- 
male, einnahmen.  Gab  es  einmal  wirklich  mehr  trockenen  Boden  als 
jetzt,  so  Avürde  das  jetzige  tiefere  Niveau  der  Oceane  sich  natur- 
gemäß erklären. 

Nun  in  dieser  speculativen  Richtung  haben  wirklich  nicht  nur 
die  Fortschritte  der  Geographie  und  Hydrographie,  sondern  auch  die 
paläontologischen  Folgerungen  über  die  jetzige  rationelle  Verbreitung 
der   Thiere    und  Pflanzen,    den   pliilosophischen    Theorien  IMaterial 


12  B  o  u  c'. 

geliefcrl.   ]M;m  l'itiid  sicli  uameiitlicli  vor  Riitlisclii,  i'üv  clt'i-en  Lösung 
kein  oiulci-er  i-icliliger  Ausweg-  als  dieser  erschien. 

Darum  ist  für  den  Theoretiker  die  atlantisehe  Allan tid 
kein  IMährclien  mehr,  aher  ihre  Lage  und  Beslandtheiie  denkt  er  sich 
ganz  anders  als  die  Phönicier  und  Griechen.  Es  muß  namentlich 
östlich  im  allantischen  Meere  nördlich  vom  Äquator  mehrere  große 
Inseln  gcgehen  haben,  von  denen  die  daselhst  wohibekannlen  vul- 
canischen  Inselgruppen  nur  sogenannte  Überreste  oder  Satelliten 
waren  ').  Dann  mußte  etwas  ähnliches  zwischen  Süd-Amerika  und 
Afrika  bestanden  liaben ,  da  man  aueli  daselbst  noch  einige  kleine 
theilweise  vnlcanische  Inseln  kennt.  Doch  für  letzteres  Verschwun- 
denes bot  uns  das  organische  Reich  in  beiden  Continenten  noch 
nicht  dieselben  Wahrscheinlichkeilen  als  für  die  ehemaligen  Inseln 
der  Nord-Allanlik.  Wenn  Edw.  Korbes  schon  das  Verschwinden 
der  letzleru  din-cli  die  lerliäre  und  jetzige  marine  Fauna  an  den 
britischen  iusehi  so  A\ie  durch  die  Landflora  und  Fauna  dieses 
Reiches  nachwies  (Mem.  geol.  Survey  of  Great  Brit.  1846,  B.  I, 
S.  336),  so  gaben  sich  Heer  (Bibl.  univ.  de  Geneve  18o6.  B.  32  u. 
Ausland  1857.  S.  405),  Gaudin  und  Sirozzi  Mühe  die  tertiäre 
Flora  Europa"s  mit  der  Amerika's  vermittelst  jener  allen  Inseln  zu 
verbinden  und  zu  erläutern  (Mem.  Soc.  helvet.  Sc.  nat.  I8G0.  B.  18, 


1)  Nie.  Desmiirest  Diss.  siir  l'Aiio.  jdiict.  de  rAiigleterre  et  de  la  Fraiire.  Aniiens 
17;>3,  12.  V.  Biier,  Versuch  üh.  d.  Atliinliker.  Fraiikf.  177T.  Charle.  .1.  Silvain, 
Bailly,  Letlres  sur  rAtlanlide  de  Platoii  et  l"aiic.  hist.  de  lAsie  P.  1778,  Lond. 
1779,  8.  J.  de  l'lsle  de  Sales,  Hist,  du  monde  primitif  ou  des  Atlantes.  P.  1780. 
2.  B.  8.  Court  de  Ge  bei  in,  Hisl.  pliilos.  d»  inoiide  primitif  1780,  B.  6,  S.  144  — 
194  mit  Charte.  Comte  I.  B.  Carle  Letlres  Americain.  dans  hu|.  oii  examiiic  Tori- 
gine  etc.  des  anc.  hahit.  de  TAmeriq.,  Tancienne  Communicat.  des  deux  Heniisplieres 
et  la  derniere  revolut.,  qui  a  fait  disj)arait.  l'Atlantide  trad.  de  TAnj^lais.  Bosloii  u. 
P.  1788,2.  B.  8,  H  um  I.Ol  dt  (J.  de  Phys.  1801,  8.^3,8.  33).  J.  S.  Bailly  Leüres 
sur  lAUaiitide  de  Piaton.  engl.  Üb.  1801,  2.  ß.  8.  Bory  de  St.  Vincent.  Essai  sur 
les  iles  Fortune'es  et  Tantiqne  Atlanlide  P.  1802.  4.  mit  Charte.  Fcirtia  d"ürban 
Hist.  et  tbeorie  du  delug-e  d'Og-yges  ou  de  iNoe  et  de  la  submersioii  de  PAtlantide. 
P.  1808.  12.  J.  de  Phys.  1809.  B.  69,  S.  llfi.  Tasch.  f.  Min.  1811,  B.  S.  S.  SGI. 
V.  Hoff,  Gesch.  d.  Veränderunf^  d,  Krdobernüchp  1822.  Bahama,  Üiierbleihsel 
eines  Continenles  (Ausland  183ü,  S.  211).  .Martin,  Ktudes  sur  le  Tiniee  dePlalon. 
B.  1,  S.  202  —  32(5.  Bibl.  univ.  Geneve  1.S42.  B.  37,  S.  24 —  27.  D'Ave/.ac, 
les  iics  fanlasli(|.  de  POce'au  occideulal  au  moyenage.  Fragment  inedit.  d'une  bi.st. 
des  iles  de  rAIViij.  P.  I84ü.  N  i  k  les  PAtlantide  de  Piaton  expli()ue'c  si'ientiliquement. 
.Nancy  186:;.  8. 


über  die  Rolle  der  Veriiiideniiij^eii  des  unorganischen  Festen  etc.  j  3 

l>il)l.  uiiiv.  (JoiK'vc  I8(JI,  H.  10,  8.  87),  was  unser  genialer  College 
Dr.  F.  Unger  auch  (hat.  (Die  versunkene  Insel  Atlantis  1860. 
8»).  Seitdem  ging  Herr  II.  Jenkins  in  seinen  hypothetischen  Conti- 
nenten  noch  weiter  und  niutlunaßte,  daß  die  mioeäne  Flora  und 
Fauna  Europas  mittelst  derselhen  Brücke  während  der  Eocänzeit 
aus  Amerika  gekommen  wäre  (Geol.  Mag.  1866,  B.  3,  S.  467 
und  Intellectual  Übserver  1866  Sept.).  Seit  dieser  Übersiedelung 
hätte  sich  dieses  Organische  in  Asien,  Afrika  und  in  dem  öst- 
lichen Meere  verbreitet  und  nur  ein  Theil  dieser  Flora  wäre  über 
Central-  und  Nordasien  und  Japan  nach  Amerika  zurückgekonmin. 
wie  auch  Asa  Grey  meint.  Die  amerikanische  Flora  wurde  seit  der 
Kreideperiode  bis  jetzt  wenig  verändert.  Diese  Muthmaßung  würde 
über  die  amerikanischen  tertiären  Formen  der  fossilen  Pflanzen 
der  unteren  Kreidefurmation  längs  des  Missouri  und  Niobrara  im 
Nebraska  •)  so  wie  über  die  zu  hastige  irrige  Altersbestinnnung  die- 
ser Pflanzen  durch  Dr.  Heer  im  Jahre  1858  eine  weitere  Erklärung 
bringen  2). 

Auf  der  südlichen  Seite  der  Atlantik  beweisen  wenigstens 
gewisse  eigenthümliche  Süßwässer-  oder  Erdmollusken  (Azoren,  cana- 
rische  Insel,  St.  Helena)  so  wie  selbst  Süßwässer  (Madera)  s)  und 
tertiärer  Kalk  (Insel  des  grünen  Vorgebirges),  daß  wie  in  den  Inseln 
des  griechisciien  Archipels  große  Strecken  Landes  versunken  oder 
zerstört  worden  sind.  Um  Süßwasser-Becken  zu  bilden  gehören  nicht 
nur  solche  Inseln,  sondern  die  umgebenden  Piänder  oder  Dämme, 
welche  daselbst  in  allen  Fällen  lehlen.  Auf  den  Inseln  St. Helena  und 
Tristan  d'Acunha  wächst  nach  Palm  er  der  Coiiyza  gimimifern 
(J.  geogr.  Soc.  L.  1860.  B.  30,  S.264).  Diese  Inseln  mit  derjenigen 
Alcension  genannten  möchten  wohl  ehemalige  versunkene  Continente 
oder  große  Inseln  andeuten  und  man  kann  selbst  von  der  einsamen, 
aus  älteren  Gesteinsarten  gebildeten  Insel  St.  Paolo  Ahnliches  muth- 


1)  Siehe  Hayden  Proc.  Ac.  nat.  Sc.  Philad.  1837.  Nr.  8—16.  S.  100  ti.  151,  1838. 
B.  9,  S.  139- 1S8.  Americ.  J.  of  Sc.  1860.  N.  F.  B.  29,  S.  286.  Marcou  Bull.  Soc. 
geol.  Fr.  1864.  ß.  21.  S.  142—146. 

2)  Siehe  Marcou,  aueh  Newberry  in  Edinb,  n.  phil.  J.  1860.  N.  F.  B.  12,  S.  303. 
Durch  Marcou  deutliche  Auseinandersetzung  hat  Lesquereux  Vertheidigung 
Heer's  Ansichten  gegen  die  Ne\vherry"s  keinen  Werth  mehr.  (Amer.  J.  of  sc. 
1860.B.  29,  S.  434  —  436.) 

^)   Sieiie  Ffartung's  geol.  Beschreib,  d.  Insel  Madera  u.  Porto  Santo  1866. 


14  B  o  u  e. 

nuisseii.  (Darwill  Geol.  of  the  Beagle  1844.  B.  2,  Phil.  Mag.  !84ö. 
3.  R.  ß.  26,  S.  344.)  Endlich  müssen  wir  wieder  in  Erinnerung 
bringen,  daß  bis  nach  der  Eocänzeit  und  vielleicht  selbst  noch  im 
Anfange  der  Miociinperiode ,  der  stille  Ocean  mit  dem  Atlantischen 
in  freier  Verbindung  durch  Central-Ameriica  stand.  Dieses  wurde 
durch  Vergleichung  der  marineu  älteren  tertiären  Faunen  an  den 
Küsten  und  in  den  Inseln  beider  Weltmeere  ausgemittelt  i).  Conrad 
und  Lyell  sind  einig  die  lebenden  Analogen  der  Miocän-Mollusken 
Nordamerika's  bis  zu  33  nördlicher  Breite  nur  in  der  Atlantik 
und  nicht  in  dem  stillen  Meere  zu  finden.  D'Orbigny  bestätigt 
dieses  und  erwähnt  nur  als  Ausnalime  die  Calyplraca  costcita,  welche 
niiocän  in  Aen  vereinigtiMi  Staaten  in  Valparaiso  lebt.  J.  C.  Moore 
aber  fügt  zwei  andere  Anomalien  hinzu,  namentlich  daß  die  Phos 
Vcraguc'Hsis  aus  St.  Domingo  in  der  Veragua- Bucht  und  Venus  puer- 
pera  aus  St.  Domingo  auch  in  dem  stillen  Meere  leben  (Quart.  J.  geol. 
Soc.  L.  18S0.  B.  6,  S.  52). 

Gehen  ^^  ir  aber  zum  Ocean  z  w  i  s  c  h  e  n  Afrika  und  Indien, 
so  finden  m  ir  in  der  Insel  Maurice,  in  der  la  Reunion-Insel  und  den 
sogenannten  Mascareignes  ähnliche  Andeutungen  von  ehemaliger 
großer  Länderausdehnung,  wie  Süßwasserkalk  und  Sandsteine,  einst 
unterseeische  Wälder,  eigenthümliche  Vögel,  Mollusken  u.  s.  w. 
Herr  G.  Clarke  fand  in  der  ersten  erwähnten  Insel  alle  Anzeigen, 
daß  sie  nur  ein  Theil  eines  einst  großen  Continents  war.  (Quart. 
J.  geol.  Soc.  d.  1867.  B.  23,  S.  190.)  Sclaler  stellt  selbst  die 
Hypothese  einer  Verbindung  Afrikas  mit  Indien  durch  Madagascar  und 
verschwundene  Inseln  auf.  Das  ist  das  Lemur-Land.  Doch  wenn  er  so 
weit  gebt,  die  Antillen  mit  Süd-Afrika  und  Madagascar  in  uralten 
Zeiten  zu  verbinden,  so  widerspricht  ihm  Jenkins,  welcher  die  Ver- 
setzung des  Organiseben  Westindiens  nach  Madagascar  nur  vermit- 
telst der  atlantischen  Atlantis  für  möglich  glaubt.  (Geol.  Mag.  18l)6. 
B.  3,  S.  465). 

Indem  inselreichen  Hinter-In  d  ien  hat  A.  R.  Wall  ace 
keine  Mühe  die  wahrscheinliche  ehemalige  ^'erbindung  nicht  nur  des 


1)  S.  Dr.  Antisell  in  Lieul.  F'.-irkH's  npimrt  oii  llie  exploint.  in  California  u  s.w. 
in  Report,  of  explorat.  a.  Siirvey  for  a  Hail  road  to  the  Pacific.  ISüT.  B.  7.  Amer. 
J.  of  Sc.  18S8.  B.  26,  S.  92.  Conrad  dito  S.  127.  D  u  n  c  a  n  .ähnliche  Miocänkor.iUeii 
in  den  Antillen  und  lebende  im  Stilleu  Ocean.  (Q.  J.  geol.  Soc.  L.  B.  19.  S.  40(5.) 


über  die  Rolle  der  Veriinderunfcen  des  unorg-anisclien  Festen  etc  1  O 

hiiilerindischen  Ai'cliipels  mit  dem  Coiitinente  »)  sondern  auch  die- 
jenige zwischen  der  Aru-Insel ,  Neu-Guinea,  Neu-Calcedonien  und 
Australien  zu  beweisen  a).  Die  Aru-Insel  ist  theilweise  versunken 
und  drei  Flußbette  durchziehen  sie  wie  Wassercanäle.  Diese  Gruppe 
von  Inseln  mit  denjenigen  Hinter  -  Indiens  besitzt  eigenthiimliche 
Vögel,  Marsupial-Thiere  und  selbst  eine  Art  Rhinoceros  haust  in 
denjenigen  neben  der  hiiiterindischen  Halbinsel.  Was  soll  man 
endlich  von  der  vulcanischen  Insel  St.  Paul ,  Amsterdam  und 
Crosett  denken,  kann  man  sie  in  Gedanken  mit  der  Insel  Kergueten 
verbinden? 

In  dem  stillen  Meere  haben  die  zahlreichen  Inselgruppen 
schon  lange  die  Vermuthung  eines  versunkenen  Continentes  im 
menschlieben  Geiste  und  besonders  bei  Weltumsegiern  angeregt  s). 
Möchten  es  aber  nicbt  zwei  gewesen  sein  oder  gab  es  nicht  erstlich 
eine  Gruppe  großer  Inseln  unter  den  Tropen,  wo  jetzt  so  viele  Archi- 
pele aultauchen,  und  dann  eine  andere  etwas  nördlicber,  ungefähr 
wo  die  Sandwichsinseln  liegen?  Auffallend  ist  es,  daß  in  allen  diesen 
Inseln  nicht  nur  alle  Flötzbildungen,  sondern  selbst  die  Merkmale  der 
tertiären  und  selbst  der  alten  Diluvialzeit  fehlen,   es  sind  nur  Meer- 


1)  Herr  Logan  hat  den  Beweis  davon  linguistiseli  geben  wollen,  indem  er  zeigte, 
daß  diese  Verbindung  vor  der  Ankunft  der  Indier  vorhanden  war,  da  die  Sprache 
der  hinterindisehen  Insulaner  mehrere  Ähnlichkeiten  mit  der  Thibet- birmanischen 
und  Tartar-japaiiesischeii  hat.  (Edinb.  a  phil.  J.  1851.  B.  öO,  S.  371 — 378.) 

2)  Ann.  a  Mag.  nat.  bist.  18ö8.  B.  20,  S.  47Ö.  Americ.  J.  of  Sc.  iSöS.  B.  2ö, 
S.  280. 

3}  Nach  ßuffon,  eine  große  Zone  zerstörten  Landes  von  Kamtschatka  bis  Neii- 
Britannien.  Hist.  nat.  1788.  B.  2,  S.  114.  J.  H.  M  a  c  c  u  1 1  o  c  h.  Großes  versunkenes 
Continent  in  der  Mitte  des  stillen  Meeres.  Researches  on  America  etc.  Baltimore 
1817.  Zeit.  f.  Min.  1826.  B.  1,  S.  448.  Darwin,  Geol.  obs.  on  volcanic  Islands  etc. 
Voy.  of  the  Beagle  L.  1844.  8.  oder  die  deutsche  Übers,  von  Dieffenbach 
1844.  Dana,  theilweise  gegen  Darwin's  Ansichten  Amer.  J.  of  Sc.  1843.  B.  4ö, 
S.  131  u.  310,  Charte.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1844,  S.  228.  Edinb.  n.  phil.  J.  1843. 
B.  33,  S.  341;  1833  B.  So,  S.  240.  Proc.  Americ.  Assoc.  N.  F.  1849.  ß.  2 ;  F.  H. 
V.  Kittlitz,  Ausland  18S8.  S.  120.  Mein  ecke,  Ausland  1864.  S.  48.  In  Dar- 
win's u.  Dana's  Werken  sind  besonders  die  Gegenden  des  stillen  Meeres  specifi- 
cirt,  wo  Versenkungen  oder  Hebungen  scheinbar  annehmbar  sind.  Der  einzige  Jam. 
Gay  Sawkins  will  in  den  süd-oceanischen  Inseln  keine  Versenkungen,  sondern 
nur  Hebungen  annehmen.  (Quart.  J.  geol.  Soc.  L.  1836.  B.  12,  S.  383.)  Auch  war 
einst  H.  V.  Streffleur  gegen  alle  Senkungen  u.  Hebungen.  (Entstehung  der 
Continente  1847.  S.  I.i3  — 196.) 


16  E5  o  u  e. 

iiiul  Fi'isfliwasst'r,  iilliniitU-  Sfiiiineiite  oder  Producte  mit  vulcaiii- 
sclu'ii  Miilcrioii  VL'fschii'dt'iK'r  Zeiten.  Diese  Eigeiithümlichkeit  uiiter- 
>elieidel  ganz  l»esoiiders  die  ticeaiiiselie  Welt  von  der  australischen, 
wo  man  in  letzterer  große  Senkungen  von  secuadareii  und  selbst 
eoeäiien  Gebilden  annehmen  muß.  Im  stillen  Meere  müßte  man  glau- 
ben, daß  die  Senkungen  großer  und  vollständiger  waren  und  daß 
last  das  ganze  jetzige  Feste  Oceaniens  in  der  Alluvialzeil  liervor- 
geliraeht  w  urde. 

Wenn  w  irklieli  so  große  Contiiiente  oder  Inseln  in  vielen  Mee- 
ren verschwunden  wären,  so  könnte  man  wolil  für  die  Erklärung 
der  Merkmale  des  niedrig  gewordenen  Oeean-Niveau,  anstatt  der 
Hebungslheorie,  nur  die  Hypothese  der  großen  Versenkungen  in  der 
Ki'dknisle  nach  den  tertiären  Zeiten  gelten  lassen.  W.  L.  Green  be- 
haujttet  selbst,  daß  allein  die  ungeheure  tiefe  Einsenkung  im  stillen 
Meere  hinreichend  gewesen  sein  würde,  um  das  Niveau  desOceans  um 
400—500'  tiefer  zu  legen  (Edinb.  n.  phil.  J.  1857.  2.  F.  B.  6,  S.  76). 
Diese  Höhe  wäre  ungefähr  diejenige  der  höchsten  verlassenen  jetzt 
trocken  gelegten  Meeresufer.  Uns  scheint  es  aber  besser,  alle  Meeres- 
versenkungen i)  im  Ganzen  gelten  zu  lassen  und  dann  kann  man 
sich  fragen,  ob  nicht  die  Centrifugalkraft  der  Erdbewegung  a)  lange 
Zeit  hat,  beitragen  zu  müssen,  vielmehr  Inseln  oder  ganze  Continente 
als  jetzt  überall  zwischen  den  Tropen  zu  erzeugen ,  welche  dann  nur 
viel  später  größtentbeils  sich  gesenkt  hätten,  als  die  längliche  von  Nord 
nach  Süd  sicherstreckende  und  südlich  zugespitzte  Form  der  jetzigen 
Continente  entstand  s).  Nur  Eines  in  dieser  Hypothese  scheint  sonder- 
bar, namentlich  daß  die  Schwere  in  so  späten  geologischen  Zeiten 
die  Centrifugalkraft  überwunden  bäl^e.  In  allen  Fällen  bleibt  es  auf- 
fallend, da(5>  die  jetzigen  höchsten  Berge  und  Plateaux  der  Erde  gerade 


')  Siehe  Dr.  H.  ß  int  ha  um,  VersenkunufPn  ii.  Hebungen  der  Erdkrusle  in  Amerika, 
in  den  stillen,  indischen  u.  atlantischeu  Oceanen.  in  Klein-Asien,  Süd-Afrika  u.  s.  w. 
r.Iobus  1866,  B.  10,  Lief.  4,  S.  HG— 118.  Lief.  7,  S.  220  —  222,  Lief.  8, 
S.  233—233. 

2)  Clausen,  Einfluß  der  Erdrotat.  auf  die  Bewegungen  der  Erdoberfläche.  Bull.  Ac. 
Sc.  St.  Pet.  1852.  2.  F.  B.  10,  l'ogg.  Ann.  18Ö3.  Suppl.  B.  4,  S.  13S.  II.  Buff. 
Ann.  d.  Chem.  u.  Pharm.  1860.  Suppl.  Bd.  4,  S.  207 — 226. 

3)  Der  berühmte  Beinhold  Förster  glaubte  annehmen  zu  müssen,  daß  die  Anstral- 
Spilxen  der  großen  Continente  durch  das  Drängen  der  Wässer  vom  Süden  aus  ent- 
st.mdfn.  uifi  den  Platz  der  untergesunkenen  Länder  cin/.uneiMnen. 


über  die  Rolle  der  Veränderungen  des  unorgniiisehen  Festen  etc.  1  • 

zwischen  den  Tropen  noch  liegen  wie  in  Süd-Amerika  der  Sorate, 
Illitnani,  Chimhorasso  und  die  hohen  Anden  überhaupt,  in  Afi-ika  die 
Camerongebirge,  der  Kihnaiuijora,  die  Mondgebirge,  Abyssinien,  und 
in  Asien  nahe  am  Wendekreis  des  Krebses  die  höchsten  Ketten  und 
Plateaux  in  der  Welt.  Sollte  man  darin  nicht  noch  ein  Bruchstück 
der  Wirkung  der  ehemaligen  Centrifugalkraft  unseres  rotirenden 
Erdballes  erkennen? 

Würde  hier  wirklicli  Elie  de  Beaumont's  Gedanken  von  der 
Möglichkeit  einer  Beckenversenkung  durch  das  immer  grüßer  wer- 
dende Gewicht  seiner  Sedimente  oder  Ablagerungen  theilweise 
wenigstens  seine  Anwendung  finden?  (Explicat.  de  la  Carte  geol.  de 
Fr.  1848.  B.  2,  S.  61 1 .  Notice  sur  les  syst,  de  montagnes  1852.  Bd.  3, 
S.  1344  adnotat.) 

Diese  unsere  gewagte  Hypothese  schließt  dennoch  gar  nicht  die 
andere  ziemlich  wahrscheinliche  und  von  vielen  physikalischen  Theo- 
retikern getheilte  Meinung  über  die  localen  Senkungen  und  He- 
bungen aus,  welchen  die  Erdkruste  seit  ihrem  ersten  Festwerden 
ausgesetzt  war.  Die  bestätigten  Thatsachen  dieser  Bewegungen  sind 
sehr  zahlreich  und  vermehren  sich  noch  alle  Tage,  so  daß  selbst 
eine  Anzahl  von  Gelehrten  darin  ein  regelmäßiges,  vielleicht  secu- 
läres  Gesetz  des  Erdballes  sehen  will  i).  In  allen  Fällen  beurkun- 
den uns  die  Erdbeben  nur  die  stärksten  Bewegungen  des  Bodens, 
indem  die  ganze  Folge  von  Erdvibrationsresultaten  nur  höchst  spär- 
lich zu  unserer  Kenntniß  gelangt.  Diejenigen,  welche  wie  Rob. 
Mall  et  und  J.  Bourlot  einen  feuerflüssigen  Körper  im  Erdballe 
noch  vermuthen,  erklären  sich  am  leichtesten  dieses  ewige  Rütteln 
und  diese  Unstätigkeit  der  continenten  Ränder  a),  keiner  hat  aber 


1)  T.  R.  Robinson,  Jährliche  Bewegung  der  Erdkruste  durch  Temperatiirwechsel, 
Trans,  roy.  Irish  acnd.  1841  B.  19,  S.  193,  Phil.  mag.  1846,  3.  F.  B.  29,  S.  81. 
J.  Phillips,  Über  Bewegungen  im  geschichteten  Gebirge.  Brit.  Assoc.  Cork 
1843.  J.  Reid,  Fortwährende  Bewegungen  in  der  Erdkruste.  Proc.  Glasgow, 
geol.  Soc.  1863.  B.  2.  Th.  1,  S.  40.  W.  Ferrel,  Bewegungen  des  Flüssigen  und 
Festen  im  Erdboden.  Amer.  J.  of  Sc.  1861.  N.  F.  B.  31.  S.  27 — 31. 

2)  Rob.  Mallet,  Tägliche  u.  seculäre  Bewegungen  der  Erdkruste.  Geol.  Soc.  Dublin 
11.  März  1846.  Phil.  mag.  1846.  3.  F.  B.  29,  S.  67  —  73.  J.  Bourlot  Reacf.  de  la 
haute  Temperat.  et  des  mouvemenfs  de  la  mer  igne'e  sur  la  croute  exlerieure  du 
globe.  Etudes  sur  les  mouvements  diurnes  ou  raarees  du  sol  P.  1863.  Dr.  R.  P. 
Stevens,  Seculäre  Hebungen  u.  Senkungen  Nordamerika's.  Ausland  1864,  S.  239. 
Vi  riet  seculäre  Erdoscillationen.  Bull.  Soc.  ge'ol.  Fr.  1849.  N.  F.  B.  6,  S.  616  — 623 

Sitzb.  d.  raathem.-naturw.  Cl.  LVll.  Bd.  1.  Abth.  2 


18  B  o  n  e. 

diese  Erdbewegungen  im  geologischen  Sinne  besser  zergliedert  als 
Herr  A.  Vezian.  Er  unterscheidet  namentlich  sechs  Arten  von  dyna- 
mischen Bewegungen :  1.  die  vibratorischen  oder  seismischen,  2.  die- 
jenigen, welche  sehr  langsam  während  der  geologischen  Zeiten  das 
Niveau  im  kleineren  oder  größeren  Theile  der  Erde  veränderten 
und  mit  Verrückungen  der  inneren  feuerflüssigen  Masse  in  Correspon- 
denz  standen,  3.  die  undulatorischen  Bewegungen,  welche  nur  wäh- 
rend einer  bestimmten,  obwohl  langen  Zeit,  in  gewissen  Gegenden  zu 
einer  Abwechslung  von  See-  und  Süßwasserbildung  Anlaß  gaben  oder 
überhaupt  die  geologischen  Becken  geogenisch  änderten,  4,  die  oseil- 
latorischen  Bewegungen,  welche  auf  viel  weitere  Strecken  der  Erde 
ihre  Wirkungen  wie  die  aufgeregten  Wellen  der  Fluth  fühlen  ließen; 
5.  die  sehr  langsamen  und  lang  dauernden  Anschwellungsbewegun- 
gen,  wodurch  Plateaux,  Massives  im  Großen  und  Centralhebungen 
geschaffen  wurden.  Endlich  die  linearen  orogenischen  Bewegungen, 
welche  mit  mehr  Kraft  und  weniger  Zeit  die  Gebirgsketten  nach  und 
nach  hervorgebracht  haben.  (C.  B.  Acad.  Sc.  P.  1860.  B.  50,  S.  814.) 
Es  gibt  aber  noch  eine  Theorie,  welche  gänzlich  .im  Wider- 
spruch mit  allen  dem  eben  Erwähnten  steht  und  die  man  nur  als 
Phantasie  stempeln  kann,  wenn  man  Beihen  vonKüsten-Photographien 
für  Jahrhunderte  besitzen  wird.  Nach  dieser  würden  die  Merkmale 
eines  ehemaligen  höhern  Niveau  der  Oceane  nur  den  durch  die  Erde 
allmälig  erlittenen  Wasserverlust  andeuten.  Unsere  Erde  schreite 
langsam  aber  unwiderruflich  zu  jenem  wasserarmen  Stande  unseres 
Mondes  zu»)-  Die  Herren  C.  Saemann  und  B.  Brison  gehen  selbst 
weiter,  denn  alle  Wässer  und  selbst  die  Luft  der  Erde  sollen  nach 
und  nach  in  ihrem  Innern  verschwinden  2). 


1)  S.  J.  Browall,  Hist.  u.  phys.  Uiitersuchun|fen  d.  vorgegeb.  Veimindening  des 
Wassers  u.  d.  Vergrößerung  der  Erde.  Stockh.  ITSß.  8. :  auch  französ.  L.  L. 
Liiiussio  Gilberfs.  Ann.  1809.  B.  31,  S.  323.  A.  M.  D.  Tauscher,  Über  die 
Möglichkeit  e.  noch  allmälig  fortwährende  Vergrößer,  u.  Ausbild.  d.  Erdkörpers 
im  Verhältniß  d.  allmüligen  Verniind.  d.  Wassers  auf  der  Erde.  Dresden  1821.  8". 
Jobard  (durch  die  Polar-Eisbildung)  C.  H.  Acad.  d.  Sc.  P.  1838.  B.  7,  S.  973. 
Delesse,  Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1861.  B.  19,  S.  87.  Nowak'sAbh.  über  unter- 
irdische Abflüsse  der  Meere  u.  Oceane  im  Lotos  1862 — 63.  Trautschold  (aus- 
führlich), Zeitschr.  deutsch,  geol.  Ges.  1863.  B.  13,  S.  411. 

-)  Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1861.  N.  F.  B.  18,  S.  322.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1862.  S.  94, 
Edinb.  n.  phü.  J.  1861.  N.  F.  B.  14.  S.  144. 


über  die  Rolle  der  Veriinderiingon  des  unorganischen  Festen  etc.  t  9 

Auf  unsere  Küstenländer- Aufnahme  zurückkommend,  möchte 
ich  bemerken,  daß  die  Küsten  zu  jenen  von  uns  entfernten  Zeiten 
keineswegs  zu  denselben  Photographien  wie  jetzt  wahrscheinlich 
Anlaß  gegeben  hätten.  Ueberhaupt  werden  auf  dem  Erdballe  manche 
Veränderungen  durch  eine  unwahrnehmbare  Verwitterung  der  Felsen 
und  des  felsigen  Bodens,  durch  atmosphärische  Abwaschungen  der 
Erdoberfläche,  durch  Verwüstungen  mittelst  Winde  (siehe  W. 
Wh i taker.  Quart,  geol.  Soc.  L.  1867.  B.  23,  S.  263)  bewirkt, 
so  daß  nicht  nur  die  Felsenhöhe  und  Conturen  einst  andere  sein 
werden ,  sondern  es  werden  auch  Thäler  so  wie  Hügel  oder 
Buckeln  entstanden  sein.  Überhaupt  bemerkten  wir  schon,  daß 
manche  unserer  Thäler  keinen  andern  Ursprung  haben.  Wenn 
selbst  möglicherweise  sehr  enge  Spalten  in  gewissen  bestimmten 
Bichtungen  für  gewisse  Gegenden  das  Hauptskelett  der  großen 
Thäler  wohl  oft  gaben,  so  erreichten  letztere  nur  immer  ihre 
jetzige  Vollständigkeit  durch  die  Erosionskraft  der  Gewässer,  wie 
man  es  so  schön  in  den  Bildern  der  sogenannten  Caiionsgegend 
am  oberen  Colorado,  in  jenen  vielseitig  abgezweigten  steilen  canal- 
artigen  Thälern  Nordamerikas  wahrnimmt.  (S.  Dana's  Geologie 
oder  Ives  und  Humphreys  Americ.  J.  of  Sc.  1862.  B.  33, 
S.  395.) 

Die  jetzige  oft  gebrauchte,  wohl  bequeme,  aber  hie  und  da  auf 
unsichern  Beweisen  stehende  Theorie  der  Erderhebungen  und 
Niedersenkungen  wird  nur  dann  zur  definitiven  genetischen  Er- 
klärung werden,  wenn  wir  solche  Configurationsbilder  aus  durch  Jahr- 
hunderte getrennten  Zeiten  besitzen  werden.  Denn  zum  Beispiel  selbst 
in  den  Fällen,  wo  augenscheinlich  das  Meer  vor  dem  trockenen 
Boden  gewichen  ist,  oder  wenn  man  will  das  Wasser  durch  Alluvium 
verdrängt  wurde ,  fehlen  uns  nur  zu  oft  ebensowohl  die  genaue 
physikalische  Besehreibung  als  vorzüglich  gänzlich  die  plastischen 
Bilder   der   ganzen  Umgebung. 

Wir  möchten  selbst  glauben,  dass  nur  auf  diesem  langwierigen 
Wege  diejenigen  Probleme  ihre  Lösungen  bekommen  werden,  wenn 
es  sich  um  Veränderungen  im  Gesichtskreise  einer  Lo- 
calität  gegen  die  andere  handelt.  Solche  Beobachtungen  fanden 
oft  ihre  Zweifler  oder  ihre  witzigen  Erklärer  durch  Waldausrodung, 
Umbauung  von  Gebäuden ,  locale  Senkungen  u.  s,  w. ,  und  doch 
am  Ende  mag  etwas  wahres   an  Manchem  sein.    Das  Unorganische 

2* 


20  B  o  H  e. 

ist  voriiiuUMlicli  im  Grossen  wie  im  Kleinen  durch  vielseitige  mecha- 
nische Ursachen  '). 

Durch  die  Fortsehritte  der  Chemie,  der  Mineralogie,  der  Geo- 
gnosie,  der  genetischen  Geologie  und  synllietischen  Petrologie  ist 
das  Feld  der  cliemischen  Veränderungen  des  Unorgani- 
schen ein  viel  größeres  geworden  und  hesonders  wurden  diese 
letzteren  in  einem  größerem  Maßstahe  in  der  Natur  erkannt.  Wenn 
auf  diese  Weise  die  mineralogischen  Gattungen  an  Bestimmungs- 
schärfe ausserordenth'ch  gewonnen  hahen  und  jetzt  noch  immer 
gewinnen,  so  ofTenbarten  sich  uns  jetzt  viele  als  falsche  Gattungen, 
nicht  nur  als  Spielarten,  sondern  vorzüglich  als  Pseudomorphosen. 
(Siehe  Blum's  Kataloge  u.  s.  w.)  Wir  sehen  dadurch  wie  vielseitig 
die  möglichen  Veränderungen  im  Unorganischen  sind,  mögen  diese 
nun  unsern  treien  Augen  sell)st  theilweise  entrückt  sein  oder  im 
Gegentheil  auf  natürlichem  oder  künstlichem  Wege  sich  bilden. 

Durch  die  Kenntnisse  dieser  obgleich  nur  oft  mikroskopischen 
oder  unsichtbaren  Veränderungen  des  kleinen  Unorganischen  auf- 
gerüttelt, haben  Geologen  so  wie  Chemiker  sich  weiter  in  jenem 
starren  Reiche  umsehen  müssen,  um  zu  ergründen,  welche  von  diesen 
Veränderungen  im  Kleinen  sich  im  grossen  Masstabe  noch  bewähren 
konnten.  Ob  immer  in  dieser  Richtung  das  richtige  Mass  bis  jetzt 
gehalten  wurde,  bleibt  für  den  Augenblick  ein  unberücksichtigtes 
Thema  oder  selbst  Controverse.  Doch  um  tüchtig  in  dieser  Richtung 
mit  wissenschaftlicher  Sicherheit  weiter  zu  schreiten,  bleiben  unsere 


ij  Wendelstadf,  Dorf  Stein  von  Neukirch  im  Nassauischen  sichtbar  geworden,  vor 
20  Jahren  war  es  unsichtbar.  (Moll's  N.  Jahrb.  d.  Berg-  u.  Hütteuk.  1824.  Bd.  5, 
S.  461.)  Zenker,  Der  Jenaer  Thurm  im  Ort  Steiger  nicht  mehr  sichtbar.  (Sen- 
kung?) Hist.  topogr.  Taschenb.  v.  Jena  1836.  Vir!  et,  Änderungen  in  der  Nähe 
der  Wüsten  u.  s.  w.  Bull.  See.  geol.  Fr.  1844.  N.  F.  B.  1,  S.  630.  Clement- 
Mullet,  Allmälige  Senkuug  des  Berges  von  Montgueux  (Aube)  Mem.  Soc. 
d'Agric.  Sc.  de  TAube  1847.  N.  97,  S.  37.  L'Institut  1847,  S.  394.  Bibl.  univ. 
r.eneve  1848.  4.  F.  Bd.  7,  S.  237—238.  Hitchcock,  Größe  der  Erosionen  im 
Vermont  durch  die  höchsten  Feisenspitzen  bewiesen.  (Amer.  Assoc.  Springfield 
1S;>!>.)  W.  K.  Scott,  Aus  dem  fiesiclitskreise  ein  für  eine  gewisse  Localität  ver- 
schwundener Berg  der  Green  Mountains  in  V^ermont.  (Amer.  J.  of  Sc.  1864.  N.  F. 
B.  38,  S.  243  —  248).  J.  Bourlot,  Etüde  sur  les  Denivelhitions  seculaires  des  ter- 
rains  superficiels.  P.  186ö.  8.  I.  M.  Ziegler,  Wirkung  der  atmosphärischen 
Kräfte  auf  die  äußere  Form  der  Berge.  Zur  Hypsometrie  der  Schweiz.  1860.  Le 
Globe.  Geneve  1867.  B.  6,  S.  111  —  120. 


über  die  Rolle  der  Veränderungen  des  uiiorjfanischen  Festen  etc.  2  1 

chemischen  Kenntnisse  aller  Felsartgattungen  und  besonders  die 
sogenannten  veränderten  und  verwitterten  noch  hinter  unseren 
Wünschen.  So  z.  B.  glauben  wir,  daß  zu  ihrer  Wahrheit  oder  Voll- 
ständigkeit die  Ausfüllungs-Theorie  der  Gänge  noch  manche  Aus- 
künfte aus  den  genauen  chemischen  Kenntnissen  nicht  nur  der 
Paragenesis  d«*r  zahlreichen  Mineralien  der  Gänge  und  ihrer  gegen- 
seitigen Lage,  sondern  ganz  besonders  aus  der  chemischen  Natur 
der  sogenannten  oft  buntfarbigen  Saalbänder  sciiöpfen  wird.  Dieses 
chemische  Territorium  längs  den  Gängen  erstreckt  sich  so  weit, 
als  die  gewöhnliche  Farbe  und  das  bekannte  Gefüge  der  die  Gänge 
umschließenden  Gesteine  nicht  zum  Vorschein  kommen. 

Wenn  man  in  diesem  besondern  Falle  die  Grenze  der  Ver- 
änderungen recht  genau  angeben  kann,  ist  das  keineswegs  der  Fall 
mit  der  ähnlichen  Umwandlung  ganzer  Felsenmassen.  Da  bleibt 
Einem  die  Natur  immer  die  Antwort  auf  die  neugierige  Frage  der 
Tiefe  jener  Metamorphosen  in  der  Erde  schuldig.  Doch  wo  besonders 
nur  der  Einfluß  der  Atmosphäre  und  der  Wässer  im  Spiele  ist, 
möchte  man  logisch  denken,  dass  die  Veränderung  oder  Metamorphose 
seine  Grenze  in  der  Tiefe  findet.  Wirklich  hat  man  auch  oft  Gelegen- 
heit in  den  Gängen  die  Grenzen  der  umgestalteten  verschiedensten 
Erze  zu  beobachten,  so  daß  die  obersten  Teufen,  wie  man  berg- 
männisch sicii  ausdrückt,  eine  ganz  andere  mineralogische  Zusam- 
mensetzung und  Natur  als  die  unteren  Teufen  haben.  Das  einfachste 
Beispiel  sind  die  Bleiglanzgänge  mit  obern  Ausfüllungs-Massen  von 
Kohlen,  Phosphor  und  arseniksaurem  Bleierz.  Nur  theilweise  gehören 
auch  hierher  die  sogenannten  Eisenhütten  ge^v^sser  anderer  Gänge, 
doch  ihre  Genesis  hat  manchmal  etwas  ganz  eigenthümliches. 

Die  ehemaligen  bekannten  Beispiele  der  Pseudomorphose  im 
grossen,  wohl  verstanden  geognostischem  Masstabe,  waren  beson- 
ders fast  nur  vier,  namentlich  die  Verwandlung  verschiedener  Schie- 
fer in  Thone,  diejenige  der  feldspathischen  Gesteine  wie  Granit 
und  Porphyr  in  Kaolin,  der  Uebergang  von  ganzen  Anhydritmassen 
im  Gyps  wie  bei  ßex  (Charpentier  1819),  die  Umwandlung  von 
Eisenoxyd  oder  Spatheisensteinlagern  oder  Gängen  in  Eisenoxydhydrat 
(z.  B.  bei  Vicdessos)  und  nebenbei  wurde  die  Bildung  des  Limonit 
oder  Rasensteins  im  kalten  Wasser ,  so  wie  diejenige  der  Eisen- 
undKalkpisolithen  inThermalwässern  erwähnt.  Die  neueren  Beobach- 
tungen   erlauben    uns    ähnliche    Metamorphosen    füi-   gewisse    tlion- 


22  BouJ. 

oder  feldspathreiche,  so  wie  für  magnesialialtige  Gebirgsarten 
anzunehmen,  indem  wenn  für  die  kalkigen  Felsarten  die  Pseudomor- 
pliosen  oft  in  kleinen  und  selbst  niitteJmässigen  Größen,  erkannt 
wurden,  über  die  ganz  Großen  noch  ein  gewißer  Nebel  der  Unsicher- 
heit sich  lagert.  Für  die  siliciumreichen  Felsgattungen,  die  Quarze, 
sind  unsere  jetzigen  Erfahrungen  leider  theilweise  noch  unzureichend, 
überhaupt  gibt  die  Geognosie  der  Silicate  die  schwersten  Räthsel 
zu  lösen. 

Da  die  Kaolin-Bildung  durch  ihr  erdiges  Aussehen  gegen 
die  festen  Nebengesteine  in  den  Augen  eines  Jeden  sich  als  sehr 
auffallend  gestaltet,  da  sie  noch  jetzt  deutlich  fortgeht  und  ein 
gemeinnütziges  Material  liefert,  so  erklärt  sich  das  alte  Wissen  über 
dieselbe.  Ihre  häufigste  Hervorbringung  geschieht  vermittelst  ge- 
wöhnlichen Granit,  Schriftgranit  oder  selbst  anderer  durch  besondere 
zur  Verwitterung  geneigte  Mineralien  (wie  Porzellanspatbe,  Labra- 
dor, Wernerite  u.  s.  w.),  ausgezeichnete  Abarten  dieser  krystallini- 
schen  Felsart  'j,  mögen  nun  diese  Gesteine  Stöcke  oder  Kuppen 
bilden  oder  nur  Gänge,  wie  es  oft  mit  den  Schriftgranit  der  Fall  ist, 
ausfüllen.  Die  Umwandlung  der  Porphyre  in  wahren  Kaolin  2)  ist 
aber  seltener,  obgleich  jene  Gesteine  ziemlich  oft  in  Thone,  beson- 
ders im  kleinen  Maßstabe  übergehen.  Diese  grossartige  Pseudomor- 
phose  scheint  auf  verschiedenen  Wegen  zu  Stande  zu  kommen.  So 
z.  B.  wäre  scheinbar  der  Fall  des  Trachyt-Kaolin  in  der  Toll'a  eine 
durch  warme  Wasserdämpfe  hervorgebrachte  Erscheinung  wie  es 
Forchhammer  selbst  vorschlug.  (Poggendorfs  Ann.  1535. 
B.  35,  S.  351.) 


1)  Siehe  Dolomieu  J.  de  Phys.  179ö  März.  ß.  42,  unfern  von  Passau.  Gehlen, 
Schweigg.  N.  J.  f.  Chem.  1811.  B.  !,  S.  443—437.  zu  Ohernzell.  Joh.  Nep.  Fuchs, 
Denkschriftend.k.MünchnerAkad.  f.  1818— 20.  ß.  7,  S.  63— 88.  Tasch.  f.  Min.  1823. 
B.  17,  S.  94 — 128.  Charpentier  Essai  sur  la  Constitut.  ge'ognost.  d.  Pyrenees  1823, 
S.  132.  Berzelius,  Jahresb.  1825.  B.  4,  S.  163,  in  Corn Wallis.  H.  S.  Boase, 
Phil.  mag-.  1837.  B.  10,  S.  348— 333.  Fouinet,  Ann.  d.  Cliim.  et  Phys.  1834.  ß.  55. 
S.  223—236.  N.  .lahih.  f.  Min.  1S36.  S.  83  —  88.  Alex.  B  r  o  n  g  n  i  a  r  t ,  Archiv. 
Mus.  d'hist.  nat.  1843.  B.  2,  S.  283—287.  Dauhree.  Bull.  Soc.  geol  Fr.  1848. 
N.  F.  B.  3,  S.  167—172. 

2)  Zu  Mörl  Dr.  G.  Karsten,  N.  Sohrilt.  Ges.  Nat.  Fr.  in  Berlin  1783.  B.  1.  S.  321 
—  337,  zu  Brachwiz  hei  Halle  (Saale).  Veitheim,  Tascheuli.  f.  Min.  1822.  B.  16 
S.  32,  zu  ToÜ'a,  Punzi,  SulT  origine  del  Aluminite  e  eaoliu  della  Tolfa  1858.  Att 
deir  Accad.  |;onlif.  de  nuov.  Lincei  1838. 


über  die  Rolle  der  Veränderungen  des  unorganischen  Festen  etc.  23 

Für  andere  Kaolin-Lagerstätteo  paßt  besser  die  Theorie  Ram- 
me Isberg's,  welcher  darin  eine  Reaction  der  Kohlensäure  sehen 
will  (Handwörterb.  Th.  1,  S.  336);  Fuchs  nimmt  noch  dazu  das 
Wasser  in  Anspruch  und  Bischoff  Säuerlinge.  (Das  Gebirge  Rheinl. 
Westphal.  J826.  B.  4,  S.  250—263,  die  Vulcan.  Mineralquellen  1826. 
S.  298  u.  seine  ehem.  Geolog.  1847.  B.  1,  S.  816.)  Fournet  be- 
kennt sich  zu  derselben  Ansicht,  behauptet  aber,  daß  diese  Reaction 
nur  in  solchen  Graniten  stattfindet,  dessen  mineralogische  ßestand- 
theile  leicht  auseinanderfallen,  weil  diese  gewöhnlichen  Granite  oder 
ihre  Bestandtheile  seit  dem  Augenblicke  ihres  Erscheinens  an  der 
Erdoberfläche  in  einem  eigenthiimlichen,  nicht  zur  Beständigkeit  ge- 
neigtem Gleichgewichte  sich  immer  befanden,  ßerthier,  Ebelmen, 
Forchhammer,  Malaguti  u.  s.  w.  scheinen  diese  Ansicht  zu 
bestätigen.  D'Omalius  d'Halloy  ohne  Specificirung  der  Gasart, 
nimmt  auch  seine  Zufluclit  zu  letzteren,  um  sich  die  Kaolinbildung 
längs  gewissen  plutonischen  Gängen  wie  die  der  Minette  zu  erklä- 
ren. (Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1853  N.  F.  B.  10,  S.  265.)  In  allen  Fällen 
hat  die  Theorie  der  Säuerlinge  viel  für  sich,  wenn  man  besonders 
erwägt,  daß  manchmal  nicht  allein  der  Granit  Kaolin  geworden  ist, 
sondern  daß  noch  dazu  der  Feldspath  des  umgebenden  Gneiß  auch 
eine  ähnliche  Umwandlung  auf  einer  gewissen  Breite  längs  den 
Granitgängen  erlitten  hat,  wie  man  es  z.  B.  unfern  Bareges  in  den 
Pyreneen,  bei  Ober-Hafnerzell  u.  s.  w.  beobachten  kann.  Doch  muß 
man  Malaguti's  Versuch  nicht  übersehen,  in  welchem  er  vermittelst 
eines  elektrischen  Stromes  Feldspath  in  Kaolin  verwandelte.  (Alex. 
Brongniart  in  Malaguti's  Abb.  über  KaoHne  1841,  Pogg.  Ann. 
1843.  B.  60,  S.  89.) 

In  der  Reihe  der  feldspathischen  Gebirgsarten  kennt  man  schon 
lange  in  großem  Maßstabe  den  Übergang  des  Trachyt-  in  Alun- 
stein  oder  Alunit,  denjenigen  des  Phonolit  in  eine  viel  weichere 
thonartige  Felsart,  wovon  der  gefleckte  Honestone  zu  Stair  im 
Steinkohlengebirge  Schottlands  (Essai  sur  TEcose,  S.  171)  eine 
interessante  Abart  ist  i)-  Da""  auch  besonders  der  Übergang  und 
die  förmliche  Umwandlung  des  dichten  und  porphyrartigen  Felsspath- 
felses  in  sog.  Thonstein.  Doch  da  stellt  sich  die  Schwierigkeit 
heraus  letztere  Gebirgsart  von  den  sehr  ähnlichen,  iür  das  Auge  als 


'J   Gulherlet  im  Rliön.  N.  Jaliil».  f.  Min.  1843.  S.  129. 


24  B  o  11  e. 

diclit  geltenden  zu  trennen,  da  muß  man  sich  mit  dem  Mikroskope 
helfen  und  sehen,  ob  diese  falschen  Thonsteine  nicht  in  brekzien- 
artige  übergehen,  oder  ob  Ähnliches  wenigstens  nicht  in  der  Nähe 
ansteht.  Allen  mineralogischen  Kennzeichen  und  aller  Analogie  nach 
sind  letztere  wahrscheinlich  nichts  anderes  als  zusammengebackene 
plu tonische  Materien,  wie  man  sie  im  trachy tischen  Gebiete  gründlich 
jetzt  kennt.  Indessen  diese  sogenannten  Thonsteine  können  noch 
chemisch  verändert  oder  unverändert  sein.  Sie  reihen  sich  an  den 
Bole  und  selbst  steinmarkigen  Tuff  an.  Sie  bestehen  wohl  manchmal 
selbst  nur  aus  feinen  feldspathischen  Theilen,  welche  unter  der 
Form  von  Asche  oder  Schlamm  aus  jenen  ältesten  vulcanischen 
Schlünden  herausgetrieben  wurden. 

Ähnliche  Bestimmungs- Schwierigkeiten  begegnen  wir  in  den 
sogenannten  grünlichen  oder  röthlichen  Wacken,  welche  auch  in 
groben  Bolen  übergehen.  Gewiße  augitreiche  Feisite  oder  schlecht- 
hin titulirte  Grünsteine  und  selbst  Basalte  (Puy  Crouelle  bei  Cler- 
mont)  verwandeln  sich  in  solchen  Wacken.  In  einigen  Fällen  ist  der 
Übergang  vollständig,  oder  die  untersten  oder  obersten  schlackigen 
Theile  von  Grünstein-  oder  Basaltströme  sind  in  Wackenmassen  durch 
die  Zeit,  das  Wasser  und  den  Druck  ummodelt.  In  andern  Lagerstätten 
scheinen  aber  diese  auch  nur  Aschen-Ausbrüchen  ehemaliger  Vulkane 
ihre  Entstehung  zu  verdanken.  Herr  Sartorius  v.  Waltershausen 
hat  diese  Thatsache  in  seinem  Palagoiiit  Islands  schön  illustrirt 
(Phys.  geognost.  Skizze  von  Island  1847)  und  Dr.  Carl  Hoffmann 
hat  es  bestätigt  (Verh.  k.  gcol.  Beichsanst.  1867.  S.  210).  Geikie 
und  Binney  haben  auch  unsere  Beobachtungen  darüber  in  dem 
untersten  Theile  der  altern  Steinkohle  Schottland's  ganz  richtig 
gefunden  (Geol.  Mag.  1864.  B.  1,  S.22— 26  und  Trans.  Manchester 
geol.  Soc.  1866.  B.  4,  N.  14).  Die  Neptunisten,  welche  solche 
Erklärungen  leugnen  oder  gerade  eben  so  lächerlich  als  unter  den 
alten  Desmarets  und  Faujas  finden,  kann  man  nur  zu  fleißigen  Beisen 
nach  brennenden  und  ausgelöschten  Vulcanen  aneifern.  Da  werden 
sie  genügende  Gelegenheiten  flnden  mit  der  multiformen  Hervor- 
bringung der  vulcanisch  -  plutonischen  Gesteine  sich  bekannt  zu 
machen.  Das  heißt,  wenn  man  nur  die  Wahrheit  und  nicht  die 
Befriedigung  eines  eiteln  Traumes  oder  einer  Katheder-Theorie  suchen 
gellt. 


über  die  Rolle  der  Veränderung'en  des  unorganischen  Festen  etc.  2») 

Die  Dolerite  und  Basfilte  sind  oft  sehr  großen  Verän- 
derungen unterworfen,  so  daß  selbst  die  Augiti^rystalle  fast  gänzlich 
verschwinden  oder  nur  künstlich  darin  durch  den  Mikroskop  wieder 
erkannt  werden.  Diese  augenscheinlich  durch  Wasser -Infdtration 
und  die  Kohlensäure  der  Luft  von  oben  nach  unten  hervorgebrachte 
Metamorphose  zeigt  sich  besonders  in  jenen  lavaartigen  Gesteinen, 
welche  unter  Meer  oder  selbst  Flußwasser  gefloßen  sind.  Doch 
wiederholen  wir  hier,  daß  wir  im  Puy  de  Dome  Gelegenheit  hatten, 
solches  (doch  nur  im  kleinem  Maßstabe)  im  Basalt  zu  beobachten, 
welches  an  der  Luft  nur  hat  fließen  können.  Im  letzteren  Falle  war 
diese  innere  Zersetzung  nur  ein  Werk  der  Tagewässer,  des  Regens. 

Im  Meere  mögen  die  Salztheile  des  Wassers  auch  ihren  Antheil 
an  der  gänzlichen  Umwandlung  der  einst  feuerflüssigen  Masse  so  wie 
an  der  Ausfüllung  ihrer  Gluth-  oder  Gasblasen  gehabt  haben.  Dazu 
gehörte  eine  langwierige  Infiltration,  Fortführung  der  elementar 
mineralogischen  eben  so  wohl  als  chemischen  Bestandtheilen,  deren 
Reactions-Resultate  wir  vorzüglich  in  den  mit  kieseligen  Mineralien, 
Zeoliten  und  grüne  Erde  gefüllten  Räumen  deutlich  ersehen.  Dieser 
lange,  zugleich  mechanische  und  chemische  Proceß,  fand  immer  von 
oben  nach  unten  Statt,  wie  es  die  allgemeine  Lage  der  Blasen 
beweiset,  da  sie  meistens  parallel  dem  Laufe  des  Lavastromes  und 
nie  auf  rechtwinkeligen  Linien  mit  der  Richtung  des  letztern  ,  zer- 
streut liegen.  Wenn  man  diese  Thatsachen  sich  vergewissert  hat,  so 
kömmt  Einem  die  sogenannte  Erklärung  eines  unberufenen  Dresdner 
Theoretikers  wirklich  possirlich  vor.  Er  stellt  sich  namentlich  den 
Basalt  als  einen  Teig  vor,  in  welchen  von  unten  Gasarten  gedrungen 
sind.  Natürlich  müßten  dann  die  Blaseräume  eine  ganz  andere  Form 
und  Richtung  nändich  die  der  Travertinräume  haben,  und  diese 
Gaswirkung  müßte  doch  auch  unter  den  Basalten  gefunden  werden, 
was  keinesfalls  der  Wahrheit  entspricht.  (Siehe  Aug.  Moriz  Franke 
Neue  Theorie  üb.  d.  Entstehung  d.  krystallinisch.  Erdrindeschichten. 
1867.) 

Überhaupt  scheint  die  theorische  Geologie  in  vulkanisch-pluto- 
iiischer  Ri(flitung  zur  Zeit  des  neunten  Decennium  des  vorigen  Jahr- 
hunderts für  eine  gewisse  Classe  der  jüngeren  Geognosten  systema- 
tisch zurückgeführt  worden  zu  sein.  Neben  positiven  chemischen 
Thatsachen,  besonders  solche  des  Laboratoriums  und  mit  fast  gänz- 
licher Vernachlässigung  oder  mit  unrechter  Erfassung  der  geognosti- 


26  ßoue. 

sehen  Lagerungen  tischt  uns  diese  Schule  die  sonderbarsten  Beweise 
ihrer  Weisheit  auf.  So  z.  JJ.  sollen  Ehrenberg's  Diatomen  auf 
vesuvianischen  kalt  gewordenen  Eruptionsproducten,  dem  Neptunis- 
mus dieses  Lava-Laboratoriums  beweisen.  (V  olger 's  Lotos  1863. 
B.  13.  S.  191.)  Wenn  man  auf  solche  Weise  Folgerungen  zieht,  so 
stünden  noch  besser  zu  Dienste  namentlicji  die  wohlbewährten 
^^ässerigen  Auswürfe  so  wie  die  tertiären  Schnecken  des  Vesuv,  die 
Fische  des  Moja  Amerika's  u.  s.  w.  Volger  leugnet  kurzweg  alle 
Verbindung  der  Erdbeben  mit  vulkanischen  Eruptionen.  Ein  anderer 
Rheinländer  beruft  sich  ganz  ernstlich  auf  den  Wassergehalt  der 
Grünsteine  und  Basalte,  welches  er  selbst  in  den  Blasenräumen 
fand.  (Fred.  Mohr.  Deutsche  Virteljahrschrift  und  Ausland  1863. 
S.  1073,  u.  s.  w.  1). 

Die  Diorite  oder  Ophite  in  den  Pyreneen  seit  Palassou  so 
genannt,  sind  in  gewissen  Gegenden  einer  sehr  bedeutenden  Meta- 
morphose unterworfen,  welche  so  mehr  autfällt,  weil  die  Hornblende- 
Gesteine  und  Schiefer  selbe  keineswegens  zeigen.  Dieses  gibt  einen 
Fingerzeig,  daß  der  größte  Bestandtheil  der  Ophite,  der  Feldspath, 
die  erste  Ursache  der  Umwandlung  sei.  Die  Gebirgsart  wird  weich 
und  erdig,  und  wechselt  seine  dunkle  schwärzliche  Farbe  für  eine 
lichte  gräuliche  oder  blauliche  um.  Die  Hornblende  und  die  zufälligen 
Glimmerkrystalle  verlieren  gänzlich  ihren  Glanz,  um  endlich  wenig- 
stens vor  dem  unbewaffneten  Auge  zu  verschwinden.  Gibt  es  etwas 
Epidot,  so  fällt  es  heraus  oder  verwittert  auch.  Auf  diese  Weise 
umformt,  kann  man  nicht  nur  gangförmige  Lager,  sondern  vorzüglich 
ganze  Kuppen  in  den  Pyreneen  so  wie  an  ihrem  nordwestlichen  aus 
Kreide  und  Eocen  bestehenden  Fuße  in  dem  Departement  des 
Adour  und  des  Landes  sehen.  Um  diesen  rundlichen  Kuppeln 
bemerkt  man  dann  ziemlich  oft  röthliche  und  grünliche  Mergel  mit 
etwas  Gyps,  eine  Masse,  welche  gewissen  Keupertheilen  ähneln.  Ob 
nun  das  Mineralogische  diese  eigenthümlichen  Lager  mit  der  Um- 
wandlung des  Diorit  in  einiger  Causal-\'('rbindung  steht  oder  nicht. 


Ij  Siehe  auch  Mohr,  Urspnin<j  deiTnicli) t-lilasenriiiime  (Verh.  naturhiJt.  Ver.  i'reuss. 
Rheinl.  1863.  FJ.  22.  l\.  2.  Sit/.b.  S.  ll'J),  seine  sowie  Pai  rots  Theorie  der  Steiii- 
kohleiihildiinj  durch  Meerpflanzen,  welche  Herrn  Adolph  Lasard  doch  zu  sonderbar 
fand  (dito  S.  68  u.  101  od.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1866,  S.747.  G.  G.  W  i  n  kl  er's  Island. 
l.'-GS  u.  s.  w.)  Kritik  der  Kifel  Beschreib,  von  Mitscherlioh.  (N.  Jahrb.  f.  Min. 
1860.  S.  423.) 


über  die  Rolle  der  Veränderungen  des  unorganischen  Festen  etc.  ^7 

lasse  ich  für  den  Aiii5eiil)liek  iineiitschiedeii.  (Siehe  Ann.  des  Sc.  nat. 
1824.  B.  3.) 

In  Ungarn  so  wie  in  Macedonien  erinnerten  uns  die  sogenannten 
älteren  erzführenden  Trachyte,  ehemalige  Grünsteine  oder  Saxiim 
metalUfcrum,  von  Schemnitz,  Nagyhänya  u.s.  av.  und  vonKarotova  an 
jene  französischen  umwandelten  Diorite.  Wir  fanden  da  dieselhen 
weichen  metamorphosirten  Gesteine  mit  denselhen  Farhen,  indem 
andere  Massen  ganz  unversehrt  danehen  stehen.  Da  diese  Umwand- 
lung noch  fortgeht,  kann  man  die  Wirkung  von  eliemaligen  Mineral- 
wässer oder  saure  Gasentwicklungen  kaum  in  Bereich  der  Bildun^s- 
theorie  ziehen.  Die  Kohlensäure  der  atmosphärischen  Luft  mit  dem 
RegenAvasser  waren  wenigstens  die  Hauptursachen. 

In  der  Reihe  der  magnesiahaltigen  Gebirgsarten  gibt 
es  keine,  welche  so  auffallende  Merkmale  der  Umwandlung  als  die 
verschiedenen  Serpentingattungen  besitzen.  Letztere 
wurden   nicht  nur  als  zahlreiche  Pseudomorphosen  in  kleinen  »)  ge- 


1)  Haidinger's  Ps.  nach  Olivin,  Fassa  (Gilbert's  Ann.  1823.  ß.  7ö,  S.  383). 
Vanuxem  (J.  Ac.  nat.  Sc.  Philadelph.  1823.  B.  8,  Th.  1,  S.  319);  Lychneil 
nach  Augit,  Tremolit  u.  schw.irzem  Granat.  (K.  Vetensch.  Acad.  Handling  f.  1826.) 
Breithaupt,  nach  Chrysolith,  Aug^it  u.  Hornblende  (Schweigg.  Jahrb.  f.  Chein. 
u.  Phys.  1831.  B.  63,  S.  281),  nach  Augit  (Berg-  u.  Hüttenin.  Zeit.  18Ö3,  S.  404). 
nach  Chrysolith  (dito  1866,  S.  53).  A.  Quenstedt  nach  Chrysolith  zu  Snarum 
(Norweg.)  (Pogg.  Ann.  183.3.  B.  36,  S.  370—379.  Bull.  univ.  Geneve  1836.  B.  3, 
S.  186;  Edinb.  n.  phil.  J.  1840.  B.  28,  S.  418).  Dasselbe  zu  Modum  (N.  Jahrb.  f. 
Min.  1841.  S.  671);  C.  K  ersten.  Nach  Granat  u.  Magneteisenstein.  (Erdm.  J.  f. 
prakt.  Chem.  1840.  B.  37,  S.  167.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1847,  S.  344.)  Blu  in  ,  nach  Glim- 
mer (erster  Nachtrag  zu  den  Pseudomorph.  1847;  nach  Spinell  (N.  Y.  St.).  Zweiter 
Nachtrag  18ö2).  R.  Hermann,  nach  Olivin  zu  Barsovka,  Ural  (J.  f.  prakt.  Chem. 
1849.  B.  46,  S.  223.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1830.  S.  460).  Gast.  Rose,  nach  Chry- 
solith zu  Snarum,  Hornblende  und  Augit  u.  über  die  Serpentinbildung.  (Monatsber. 
k.  preuß.  Ak.  d.  Wiss.  18Ö1,  S.  33—37.  Pogg.  Ann.  1831.  B.  82,  S.  511  —  330. 
Journ.  f.  prakt.  Chem.  18S1.  B.  32,  S.  409.  Berg-  u.  Hüttenm.  Zeit.  1831,  S.  316. 
N.  Jahrb.  f.  Min.  1832,  S.  839.  Edinb.  n.  phil.  J.  18S2.  B.  32,  360.  Bull.  univ. 
Geneve  1831.  N.  F.  B.  17.  S.  331),  nach  Hornblende,  Augit,  Diallagon,  Schiller- 
spath,  Granat,  Chondrodit,  Zeilanit  u.  Glimmer.  (Pogg.  Ann.  1833.  B.  82,  S.  311. 
Americ.  J.  of  Sc.  1834.  B.  17,  S.  129),  nach  Olivin  im  Snarum-Gneiss  (Zeitschr. 
deutsch,  geol.  Ges.  1839.  B.  11,  S.  147.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1860,  S.  230).  Th 
Scheerer,  nach  Hornblende,  Augit  u.  Olivin.  (Nachr.  v  d.  Göttiug.  Univ.  1834 
Nr.  4  u.  7,  S.  103.  Pogg.  Ann.  1834,  B.  91  (A.  F.  B.  1),  S.  378—400,  B.  92. 
S.  287—299.  fig.  1,  B.  93,  S.  93—113.  fig.  1  —  4.  Olivin  mit  e.  Bemerk,  über  die 
Bildung  des  Serpentins.  iJraunschw.  1633.    8.    L'lnstitut   1834,  S.  308.   (N.  Jahrb. 


28  Boue. 

fluiden,  sondern  Ficinus  hesclirieb  selbst  den  Dermatin  ßreit- 
haupt  als  eine  Stalactitentbrm  des  Serpentins  (Schrift,  d.  Drestln. 
Mineralüg.  Soc.  J819.  B.  1,  S.  215  —  229).  Da  man  Zweifel  erhob 
über  die  Wahrheit  unserer  geognostisch-geblogisehen  Darstellungs- 
weise des  Serpentins,  sowohl  im  Jahre  1824  (Ann.  Sc.  nat.  1824. 
B.  3,  S.  66  —  69)  als  im  Jahre  1864  (Akad.  Sitzber.  B.  49),  so  muß 
uns  die  hohe  Akademie  einige  Wiederholungen  nachsehen,  indem 
wir  diesen  interessanten  Theil  der  Lagerstätten  noch  ausl'ührlicher 
als  früher  besprechen  wollen. 

Die  Serpentin-Pseudomorphosen  wurden  ganz  besonders  durch 
Haidinger,  Breithaupt,  Quenstedt,  Kersten,  Gust.  Rose, 
Scheerer,  Blum  und  Bischoff  beschrieben  und  erläutert.  Sie 
erkannten  darin  die  chemischen  Umwandlungen  nicht  nur  des  Chry- 
solith oder  Olivin,  sondern  auch  die  der  Hornblende,  des  Augit,  des 
Diallagon  oder  Schillerspath,  Bronzit,  des  Granat,  Chondrodit, 
Spinell,  Zeilanit,  Glimmer,  Labrador,  Magneteisenstein,  Chromeisen 
und  Phlogopit.  Thatsache  ist  es,  daß  man  die  Ausbreitung  des  Chry- 
solithes, so  wie  selbst  die  des  Lherzolith  bis  in  letztere  Zeiten  nicht 
gehörig  kannte.  Doch  als  Gemengtheil  der  Gebirgsarten  ist  der 
Olivin  schon  sehr  lange  im  Basalt,  im  Dolerit,  im  Melaphyr,  in  Augit- 
porphyren,  trachytischen  Gesteinen  und  überhaupt  in  den  Trapparten 
der  Jüngern  Zeit,  so  wie  der  älteren  Steinkohlenbildung  bekannt 
(Essai  sur  l'Ecosse  1820.  s.  126  u.  237).  Als  Limhilith  verwittert, 
ist  dieses  Mineral  selbst  sehr  häufig  in  gewissen  Brekzien  oder  Trapp- 
Tuffen,  wo  es  dann  porphyrartig  auftritt  (dito  S.  267).  Gust.  Rose 
bemerkte  Olivin  selbst  im  mexikanischen  Obsidian  (Pogg.  Ann.  1827, 
B.  10,  S.  323)  und  Chrysolith-Krystalle  sind  im  Basalt  und  ähnlichen 


f.  Min.  1803,  S.  S65.J  G.  v.  Ratli,  nach  Labrador  Neurode,  Schlesien.  (Pog-g'. 
Ann.  185Ö.  B.  9ö ,  S.  liSl.)  Wehsky  (Zeilschr.  deutsch,  geol.  Ges  1838.  B.  10, 
S.  277.)  G.  Servin  stein,  nach  Phlogopit.  N.  Y.  (Zeitschr.  f.  Chem.  u. 
Pharm.  1860.  B.  3,  S.  13J ;  Sam.  Haughton  on  Serpentines  a.  Soapstones  1839. 
Haddle,  nach  Chromeisen.  Unst.  Shethuid.  (Phil.  Mag.  1839,  4.  F.  ß.  17,  S.U.) 
Gust.  Bise  ho  ff,  nach  Olivin  (Chem.  Physika!  Geologie.  1847,  ß.  2,  S.  236). 
R.  Blum.  Die  Pseudomorphosen  des  Mineralreiches  1843.  Nachträge  1847,  1852 
u.  1803,  S.  281.  N.  Jahrb,  f.  Min.  18G3.  S.  382,  Tschermak,  nach  Chloropheit 
u.  Kulheisenerze.  (Ak.  Sitzb.  18G7.  B.  36,  S.  280.)  Tamnau  u.  R.  Hermann 
liatten  einst  diese  auch  im  Ural  gefundenen  Pseudomorphosen  als  wahre  Krystalle 
ansehen  wollen.  (Pogg.  Ann.  1837.  B.  42,  S.  4C2.  J.  f.  prakt.  Chem.  1849.  B.  46, 
S.  2':2.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1830,  8.  43».) 


über  die  Rolle  <\er  Veriinderung'en  des  nnorn^aiiisclioii  Festen  etc.  20 

Gesteinen  Nichts  sehr  seltenes.  In  neuerer  Zeit  fand  mnn  dieses 
Mineral  auch  nicht  nur  im  Euphotid  (nach  G.  Rose  Zcitschr.  deutsch, 
geol.  Ges.  1867.  B.  19,  S.  270),  sondern  auch  im  körnigen  Kalk 
(nach  Tschermak  in  Stuhachthal),  im  Talkschiefer  (nach  Gust. 
Rose  und  Hermann  im  Ural,  Nord-Amerika  u.  s.  w.),  im  Schrift- 
Granit,  nach  Delesse  als  Fayalit  (Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1857.  B.  10, 
S.  571)  und  im  Eclogit  nach  Tschermak.  Der  Olivinfels  oder 
Lherzolit  fand  sich  bis  jetzt  zu  Lherz  oberhalb  Vicdessos  und  am 
Pass  Portet  in  denPyreneen,  bei  Ölten  in  Tirol,  in  Nassauischen 
(nach  San db erger  bei  Schwarzenstein)  in  baierischen  Wald- 
gebirge (nach  Tschermak),  in  Norwegen  (nach  Kjerulf)  am 
Ural  1)  und  in  Neu-Zeland  (Dunit  Ho  chst  etter's).  Da  nach 
Damour  (Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1862.  B.  19,  S.  413)  der  Lherzolit 
Enstatit  enthält,  so  bietet  sich  eine  noch  weitere  Ähnlichkeit  mit 
den  Olivin  des  Meteoreisen  dar,  welches  auch  mit  Enstatit  manchmal 
gemengt  ist  (Dr.  Kenngott  und  Haidinger  Akad.  Sitzber. 
1864.  2.  Abth.,  B.  49,  S.  467). 

Ohne  auf  die  26  Arten  von  Serpentin-Steatit-Pseudomorphosen 
des  Herrn  Hofrath  Haidinger  zu  weisen,  unter  denen  doch  nur 
20  eigentlich  hieher  gehören  (Handb.  d.  Minerj)lng.  1865.  S.  515), 
scheint  es  uns  etwas  voreilig  den  Olivinfels  allein  zum  Urgroßvater 
der  Serpentine  zu  erheben.  Obgleich  man  Chrysolithkrystalle  in  den 
Serpentinen  gewisser Localitäten  noch  nachweisen  kann,  so  folgt  nicbt 
daraus  die  Versicherung,  daß  dieser  Fall  für  alle  bekannten  Serpen- 
tinlager sich  bewähren  wird.  Außerdem,  wenn  die  Serpentintheile, 
ohne  alle  Merkmale  von  Krystallen,  möglichst  ungefähr  die  chemische 
Zusammensetzung  des  Olivin  geben,  so  ist  dieses  noch  kein  genü- 
gender Beweis,  daß  die  Zersetzung  des  Olivinfels  allein  Serpentin 
erzeugte;  denn  die  Möglichkeit  ist  ganz  und  gar  nicht  ausgeschlossen, 
daß  eine  andere  ziemlich  nahestehende  Felsart  durch  einfache  che- 
mische Umänderung  oder  selbst  durch  eine  solche  mit  gänzlicher 
Entfernung  gewisser  Bestandtheile  verbundene  ein  ziemlich  ähnliches 


*J  Herr  Ze  IT  en  II  er  spricht  von  einem  Augitfels  im  Berge  Kafschkanar  im  Ural. 
(Zeitsehr.  deutsch,  geol.  Ges.  1849.  ß.  1,  S.  478.)  Merkwürdigerweise  halten  die 
französisclieii  Mineralogen,  wie  Charpentier,  Brochant  u.  Cordier  anstatt 
den  Lherzolit  mit  Lei  ie  vre  als  Olivinfels  anzuerkennen,  ihn  ein  Augitfels  genannt. 
Dieser  Irrthum  des  Jahres  1810  dauerte  bis  in  den  vierziger  Jahren.  Darum  möch- 
ten wir  fragen,  ob  Herr  Zerrenner  auch  diesen  Irrthum  vielleicht  begangen  hat. 


30 


ß  o  u  e. 


chemisches  Product  als  das  Lherzolith  liefern  kann.  Ol»  in  jenem 
vorgesehenen  Falle  seihst  Olivinkrystalle  darin  eingesprengt  oder 
nicht  wären,  würde  Nichts  an  der  Wahrscheinlichkeit  meiner  Ein- 
wendung ändern. 

Die  Serpentine  im  Grossen  hahen  ganz  das  Ansehen  eines  ver- 
witterten und  chemisch  veränderten  Gesteines.  Zu  einer  hrekzien- 
artigen  Structur  gesellen  sich  aulTallende  Ritze,  Spalten  und  Ab- 
lösungstlächen,  welche  oft  gewölht  oder  schalig  erscheinen.  Sind 
Spuren  von  sogenannter  Schichtung  vorhanden,  so  gestaltet  sich  die 
Felsart  manchmal  plattenföimig,  wie  gewisse  Granite,  Sienite, 
Basalte  und  Phonolite.  (Siehe  Beck  zu  Westchester  in  Newyork 
u.  s.  w.)  Zur  Erklärung  der  massiven  oder  unregelmäßig  platten- 
förmigen  Structur  der  Serpeniine  muthmalU  Fournet,  dass  die  zu 
teigartige  Masse  ihre  wahrnehmbare  Bewegung  zu  sehr  erschwert. 
(Ann.  Sc.  phys.  et  nat.  Soc.  d' agric  de  Lyon  1841.  B.  4,  S.  149.) 
Gustav  Rose  aber  möchte  für  einen  zwischen  Serpentin  und  Granit 
in  Sejilesien  eingeschlossenen  geschichteten  Euphotid  eine  magnesia- 
artige Wirkung  der  Eruption  annehmen. 

Die  zersetzte  Natur  der  Serpentine  wird  auch  durch  seine  bunt- 
scheckigen Farben  gekennzeichnet,  denn  vom  dunklen  Schwarzen 
geht  es  daselbst  in's  dunkelgrüne,  grasgrüne,  rothgelbliche  und  selbst 
ins  weißliche  über,  so  daß  das  Gestein  unwillkürlich  an  den  äußern 
Eigenheiten  der  Gang  Saalbänder  erinnert.  Die  röthliche  Farbe 
wäre  nach  Fournet  ein  vorgerückter  Stand  derOxidation  wegen  der 
leichten  Durchdringlichkeit  der  Gesteine  für  Wasser  und  atmos- 
phärischen SauerstolT. 

Der  umgewandelte  Serpentin  ist  aber  eine  unstreitbare  alte 
bekannte  Thalsaehe  '),  doch  seine  Abstammung  richtig  zu  stellen, 
ist  eben  sowohl  eine  geognostische  Aufgabe  als  eine  der  mikro- 
skopischen Mineralogie  und  Chemie.  Doch  letztere  gewonnene 
Resultate  können  aber  nicht  mit  den  geognostisch  richtig  gestellten 
in  Widerspruch  kommen  ,  das  ist  der  Prüfstein  der  Untersuchung. 
Die  Hauptaufgabe  des  Geognosten  liegt  aber  in  Größen  als  der 
Mineralog  und    Chemiker,    weil    er  die  richtige  Lagerung  der  Fels- 


')  Fried.  Naumann,  Giist.  Rose,  Fournet  (Uull.  Sop.  geol.  F.  1846.  B.  4, 
S.  227).  Scheerer,  N.  Jaliih.  f.  Min.  18ö4,  S.  4;;i.  (Pogg.  Ann.  1854  B.  92, 
S.  612).    Ratli  (dito  18.1Ö    B.  9ö,  S.  3S1)  u.  s.  w. 


über  die  Rolle  der  Voriindoriingon  des  iinorg-iinischen  Festen  etc.  3  1 

arten  ausmitteln  muß.  Ist  dieses  einmal  hinlänglich  durch  competente 
Zeugen  festgestellt,  dann  kann  der  Geologe  dieses  mit  den 
mineralogisch-chemischen  Merkmalen  der  Gehirgsarten  in  rationelle 
Verhindnng  zu  bringen  trachten.  Dieser  Gang  der  Untersuchung 
scheint  uns  viel  logischer  als  derjenige  des  chemischen  IMineralog, 
welcher  wie  Bischof,  Gehirgsarten  im  Kleinen  und  seihst  Kleinsten 
gründlich  studirt,  vielleicht  selbst  synthetisch  darstellt  um  daraus 
seine  genetischen  Ansichten  zu  folgern.  Die  Lagerung  ist  für  diese 
Schule  eine  Nebensache  und  wenn  solche  für  ihre  Laboratorium- 
Hypothese  nicht  passt,  so  bleibt  sie  ganz  unberücksichtiget  oder  es 
werden  selbst  die  geognostischen  Thatsachen  aus  chemischer  Kigen- 
liebe  verfälscht  oder  ganz  widersinnig  verstanden.  Nun  solcher  Weise 
vorgeschlagene  Theorien  können  wirklich  in  einzelnen  Fällen  doch  in 
der  Natur  vorkommen ,  so  wie  ihre  Begründung  im  Laboratorium 
höchst  wissenschaftlich  sein  kann,  aber  gleiche  Producte  lassen  sich 
oft  auf  sehr  verschiedene  Wege  erreichen. 

Wenn  wir  für  jetzt  die  großen  Serpentinmassen  in  Augenschein 
nehmen,  so  kann  nur  ein  in  Lagerungs-Geognosie  Ungeübter  oder 
ein  chemischer  Liebhaber  des  Nassen  uns  leugnen,  dass  die  meisten 
Serpentine  die  verschiedenen  Lagerungsarten  der  Basalte,  der 
Porphyre  und  der  Trachyte  besitzen.  Zu  der  entschiedensten  und  von 
Bischoff  unerwähnten  plutonischen  Lagerung  kann  man  erstens  die 
Gangform  rechnen  und  besonders  jene,  in  welcher  die  Serpentine 
auch  mehrere  Gebilde  durchschneiden.  Sehr  oft  bilden  sie  kleinere 
oder  größere  stehende  Stöcke,  welche  dann  oft  wie  die 
Basaltischen  auf  gewissen  Linien,  wahrscheinlich  Spalten, 
an  einander  gereiht  sind  i).  Seltener  hat  man  die  Gelegenheit  wie 
in  Trapparten,  Basalten  und  Porphyren,  wahre  pilzförmige  Kup- 
pen Serpentins  zu  beobachten.    Der  Mineralstoff  hat  nicht  nur  eine 


1)  Hier  einige  der  aufTallendsten  und  großartigsten  Beispiele.  Von  beiden  Seiten  des 
Aosta  Thaies,  erstens  von  Livrogne  über  Aosta  zum  Val  Tourmanohe,  Zermatt  und 
Berg  Rosa,  dann  von  Gressaii  bis  Chatillon,  nach  den  Thälern  von  Chalant,  Gresoney 
und  Grande;  zweitens,  südlicher  von  Pondel  nach  Mont  Jovet  bis  Riva  und  im 
Seremenza-Tlial;  von  Cogne  bis  im  Val  di  Campo-reciero.  —  In  Graubiindten  von 
Ebosa  durcl)  den  obern  Theil  des  Plessur-Thales,  durch  Larel  bis  zu  Kloster  in 
Prättigau ;  in  Unter-Engadin,  von  Tarasp  nach  Naunders  ;  in  Italien,  von  Bübbio 
nach  Carrara,  von  Livorno  nach  iMontalcinn  :  in  Frankreich  in  Briaufonnois  (Hautes 
Alpes)  so  wie  in  den  Pyreneen  ;  in  Klein-Asien  (Tschihatscbef);  Syrien  (Russegger). 


32  B  o  u  e. 

Spalte  gefüllt,  sondern  er  hat  sich  auch  von  beiden  Seiten  anf  den  be- 
naelil)arlen  Felsen  ausgebreitet.  Dann  tritt  anch  der  Fall  ein,  daß  solche 
Kuppen  und  Stöcke  ganz  wie  jene  eben  erwähnten  plutonischen 
Felsarten  sieh  in  der  Länge  auf  fremden  B o d e n  a u  s- 
dehnen  und  die  Gestalt  von  seh wanzförmige  Buckeln 
mit  einem  größern  Höcker  an  ihrem  Eruptions-Ursprung  annehmen. 
In  letztern  Falle  liegt  die  Analogie  der  Lavaströme  sehr  nahe,  nur 
wäre  der  Serpentinteig  nicht  so  feuerfliissig  als  die  Lava  gewesen 
Herr  P.  Tschihatsch  ef  spricht  seihst  von  lavaartigen  Serpentin- 
striMuen  in  Kleinasien.  Endlieh  kommen  noch  dazu  andere  ganz  be- 
sünimte  plutonische  Merkmale,  namentlich  Varioliten  oder  Felsarten 
mit  kügeliörmigen  Absonderungen  wie  in  den  Glashütten,  seltener 
Mandel  stein  oder  schal  stein  artige  Massen  (Graubündten) 
und  B  r  e  k  z  i  e  n  oder  T  r  ü  m  m  e  r  h  a  u  f  e  n  der  durchbrochenen  Neben- 
gesteine. Letztere  sind  ganz  mit  denjenigen  der  Basalte,  Trappe, 
Diorite,  Porphyre ,  Siem'te  und  Granite  ebenbürtig.  Diese  Brekzien 
mit  Serpentin-Cement  enstehen  hie  und  da  aus  Flötzkalk-Fragmen- 
ten,  wie  in  Toskana,  bei  Grünhach  in  Niederösterreich  u.  s.  w.,  oder 
es  sind  Bruchstücke  von  grauem  einfachem  Flötz  oder  seihst  Eocen- 
schiefer  oder  von  talkigen  grünlichen  Schiefern,  wie  bei  Brus  in 
südwestlichen  Serbien,  bei  Bracco  und  Panigaro  in  Italien. 
Anderswo  sind  es  abgebrochene  eckige  Stücke  von  Weißstein, 
Hornblendegestein  oder  Gneiß  u.  s.  w.,  manchmal  in  einem  eisen- 
schüssigen oder  Eisenkiesel-Cement.  Bei  dem  Durchbruch  wurden 
die  abgerissenen  fremden  Gebirgsarten  ortweise  von  der  Seite 
geschoben  und  mit  in  die  Höhe  gehohen. 

Es  gibt  aber  auch  zahlreiche  Massen  Serpentins,  welche  im 
Talk-  oder  Glimmerschiefer  und  selbst  in  Gneiß  und  Weißstein  vor- 
kommen, welche  durch  ihre  Durchschnitte  den  gewöhnlichen  Ein- 
druck von  kürzern  oder  längern  Lager  oder  von  oval  zusam- 
mengedrückten großen  liegenden  Stöcken,  wie  ungefähr  die  des 
Topfstein  machen.  Diese  oft  mit  Talk  oder  seihst  weißem  Glimmer 
gemischte  Serpentine  haben  nicht  selten  ,  vorzüglich  die  nicht  sehr 
mächtigen,  eine  schime  apfelgrünliclie  Farbe  mit  weißlichen  unregel- 
mäßigen, hie  und  da  wie  schaligen  Ahlösungsfläehen  (Windisch- 
Matrei  in  Tirol,  Metzovo-Paß  iuEpirusj,  wodurch  sie  ein  schieferiges 
Ansehen  gewinnen.  Ihr  Erzgehalt,  meistens  Chrom-  und  Magneteisen, 
scheint   selbst  oit  gering  und  selbst  der  Diallagon   ist  nicht  immer 


über  die  Rolle  iler  Veriinderung-on  des  unorganischen  Festen  etc.  33 

in  Menge  vorhanden ,  besonders  wenn  diese  grünen  Gesteine  dem 
Topfstein  sich  nähern.  Im  erstem  dichten  Serpentin  aber  fehlt  das 
Diallagon  nie. 

Endlicli  kennt  man  auch  in  jenen  alten  oder  metamorphosischen 
Gebilden  Serpentine  in  viel  kleineren  blassen,  selbst  nur  in  kleinen 
Nieren,  Schnurren,  kleinen  Adern  im  körnigen  oder  halb 
krystallinischen  Kalk,  die  sogenannten  Ophicalce  so  wie  auch 
seltener  in  talkigen  und  andern  krystallinischen  Schiefern. 

Nach  dieser  Auseinandersetzung,  welche  mehrere  der  bedeu- 
tendsten Geologen  der  Gegenwart  unterschreiben  würden,  erstaunt 
man  im  Evangelium  der  jetzigen  chemisch  -  geologischen  Schule, 
namentlich  ß  i  s  c  h  o  f"s  chemisch  -  physikalische  Geologie,  kein 
Sterbenswort  von  den  meisten  aller  dieser  schon  lange  bekannten 
Thatsachen  zu  finden.  Doch  da  sein  Serpentin-Capitel  (B.  2,  S.  777 
bis  810)  fast  nur  seine  48  Lager  im  Weißstein  Sachsens  betrilft, 
so  hat  er  die  Weißstein-Brekzie  nicht  unerwähnt  lassen  müssen  ij. 
Wahrlich  ominös  ist  sein  Stillschweigen  über  die  von  uns  und 
andern  erwähnten  und  für  die  Geogenie  der  Serpentine  so  wichtigen 
Lagerverhältnisse  wie  jene  der  Serpentin-Gänge  u.  s.  w\  Darnach  der 
Herr  Chemiker  in  gediegener  Literatur  der  Geognosie  nicht  bewan- 
dert sein  muß  oder  er  beschuldigt  unsere  schätzbaren  Freunde  und 
Anhänger  so  wie  uns  selbst  einer  förmlichen  wissenschaftlichen 
Lüge.  Da  sein  Ruf  dadurch  bei  competenten  Richtern  nur  leiden 
kann,  würden  wir  auch  stillschweigen,  wenn  die  echten  Fortschritte 
des  geologischen  Wissens  durch  diese  unerklärliche  und  etwas 
unhöfliche  Manier  nicht  gehemmt  und  jüngere  Geister  dadurch 
besonders  in  grobe  Irrthümer  geführt  würden. 

Man  wird  uns  aber  fragen,  auf  welche  zahlreichen  Erfahrungen 
unsere  Behauptungen  beruhen  und  oh  man  einem  alten  durch  die 
k.  Leopold.  Carolin. -Akademie  Hutton  getauften  als  einem  erklär- 
ten Plutonisten  trauen  kann.  Wahrlich  gibt  es  ohne  der  neuen  Welt, 
Kleinasien,  Syrien  und  Indien  schon  in  Europa  allein  sehr  viele 
Serpentin-Lagerstätte.  (Siehe  für  Europa  ohne  Spanien,  Rußland 
und  die  Türkei  unser  geognost.  Gemälde  Deutschi.   1829,  S.  37  bis 


*)  Unter  33  Seiten  blieben  nur  eine  für  die  Serpentine  der  Fichtelgebirge  und  der 
baierischen  Walde  nach  Gumbel,  3  für  die  der  Vogesen  nach  Del  esse,  3  für 
die  Scandinavischen  und  Vg  Seite  für  die  der  westlichen  Alpen  nach  Fournet. 

Sitzb.  d.  mathem  -naturw.  Cl.  LVII.  Bd.  [.  Abth.  3 


34  B  o  u  e. 

46)  und  w  ir  liilireii  tleii  llainiiier  seit  ö5  .lalu-LMi,  so  daß  alle  unsere 
Beobachtungen  nicht  von  gestern  sind,  bestätiget  wurden  aber  die 
meisten.  Alle  europäischen  Serpentine  haben  wir  wohl  nicht  gesehen 
aber  glücklicherweise  doch  so  viele,  daß  alle  Arten  von  Serpentin- 
Lagerstätten  von  uns  nach  und  nach  gemustert  wurden  '). 

Ausgenommen  was  wir  über  die  jaspisartigen  Schiefer  neben 
den  Serpentin  druckten,  können  wir  heute  noch  alles  andere  was 
wir  im  Jaiire  1829  über  die  Lagerung  dieser  (iebirgsarten  referirten 
(Geogn.  Gemälde  Deutschi.  S.  37 — 46),  unterschreiben. 

Doch  wir  gestehen  unsere  Niederlage  gegenüber  unseren 
Antagonisten,  wenn  man  uns  nicht  folgendes  Axiom  der  Geognosie 
zugesteht,  namentlich  die  Theorie  der  Ausfüllung  der  Gänge  von 
oben  für  gewisse  Kalke,  Sandsteine,  Conglomerate,  Basalte,  Trachyte 


')  Nachdem  ich  während  meinem  S^/gjährigen  Aufenthalt  in  Schottland  Manches  da- 
selbst {gesehen  hatte  (Essai  sur  TEcosse  1820,  S.  33 — S5  u.  94)  hereiste  ich  Nord- 
Irland  und  England,  dann  fast  ganz  Frankreich,  die  Schweiz  und  Deutschland  sammt 
Österreich  (Grünbach,  Gottweit).  Besonders  wichtig  für  die  Serpentinlehre  war 
mir  meine  Durchforschung  der  Pyrenäen  von  Bayonne  bis  Pei-pignan  in  zwei  Reisen 
(Ann.  Sc.  nat.  1824.  B.  3,  S.  66 — 69),  dann  das  Walliser  Land  (im  J.  1823),  Grau- 
bündten  (im  .1.  1833),  der  Harz,  das  Erzgebirge  (.1.  de  Phys.  1822.  B.  94,  S.  302), 
Mähren  (in  den  J.  1821  u.  30),  Steiermark  (in  den  J.  1823,  32  u.  42),  Salzburg 
(in  denJ.  1826  u.  30),  Tirol  (in  den  J.  1823,  26  u.  34),  und  das  Alpenland  überhaupt 
(Chamounyu.  s.  w.).  Dann  besuchte  ich  auch Galizien,  Ungarn  (in  den  J.  1821  u.  30), 
das  Banat  (im  J.  1837).  Siebenbürgen  (im  J.  1825)  und  das  Illyrische  (in  den 
J.  1823  U.32).  In  Italien  war  uns  oft  die  Gelegenheit  Serpentine  recht  beobachten  zu 

.  können  ,  namentlich  in  Piemont  (im  J.  1823),  in  Ligurien  (In  den  .1.  1823  u.  32), 
in  Toscana  und  im  Bolognesisch-Modenesischen  (im  J.  1823).  Endlich  fanden  wir 
wieder  viele  verschiedene  Serpentine  während  den  J.  1837 — 39  in  Serbien,  Alba- 
nien und  Macedonien  (Turquie  d'Europe  1840.  B.  1 ,  S.  339—330).  Unter  den 
vielen  von  uns  besuchten  Gegenden  haben  wir  nicht  alle  zu  geognostischen  Schil- 
derungen benützt.  So  z.  B.  blieb  die  Frucht  unserer  gründlichen  Bereisung-  des 
centralen  Frankreichs  im  J.  1818,  so  wie  die  der  Normandie  ungedruckt.  So  be- 
weisen unsere  Schriften  kaum,  daß  wir  zweimal  das  Vicentinische  und  Süd-Tirol 
(Fassa,  Agordo  u.  s.  w.) ,  so  wie  die  Allgau  bereisten ,  noch  weniger  daß  wir 
Geologie  um  Rom  und  Neapel,  in  den  Vogesen  (1834)  bei  Befort,  Belley.  Chessy 
Grenoble,  Bex,  Porentrutt,  (iraubündten,  Glaris  (1833),  Solothurn,  Aargau,  Bern, 
St.  Galleu  (Ragatz),  Schwytz  u.  Uri  (1827),  so  wie  in  Savoyen  (Chamouny,  Sal- 
lenche,  Cluse,  Annecy,  Entrevernes,  Saleve,  les  Voirons,  Mont  Cenis  u.  s.  w.  trie- 
ben. Glücklicher  als  Palassou,  der  erste  Beschreiber  der  Pyrenäen,  welcher  in 
seinem  84.  Jahre  als  todt  in  Paris  bei  Seite  geschoben  wurde,  sind  wir  noch  im 
Stande,  unsern  VVidersaehern  die  unbestreitbarsten  Thatsachen  ins  Gedäclitniß  zu 
rufen. 


Üher  die  Rolle  der  Veriiiiderting^eii  des  unorganischen  Festen  etc.  35 

und  dergleichen  und  von  unten  für  die  meisten  sogenannten  plii- 
tonischen  Gebirgsarten.  Viele  Gänge  sehr  verschiedener  Art  durch- 
schneiden nicht  nur  die  Schichten  einer  Formation,  sondern 
mehrerer  Bildungen  zu  gleicher  Zeit.  Ausgefüllte  Spalten  sind  ein- 
mal abnorme  Zustände. 

Bewilligt  man  uns  aber  nicht  diese  Ausgangspunkte  und  be- 
streitet uns  vielleicht  selbst  die  nur  localen  Erscheinungen  sowohl 
der  Vulkane,  als  der  Basalte,  Trachyte,  Porphyre,  Diorite,  Olivinfelse, 
Serpentine ,  Sienite  und  Granite  ^),  so  können  wir  nur  unparteiischen 
Richtern  die  Entscheidung  lassen.  Die  brennenden  und  ungelöschten 
Vulcane  sind  einmal  zerstreut  auf  der  Erdoberfläche,  die  andern 
krystallisirten  Felsarten  sind  es  auch  auf  eine  solche  Weise,  daß 
es  eine  chemisch-physische  Unmöglichkeit  ist,  in  ihr  allgemeine 
chemische  wässerige  Niederschläge  zu  erkennen.  Solche  hätten 
zusammenhängendes  und  nicht  vereinzeltes  hervorgebracht.  Ist  einmal 
die  Localisirung  dieses  Mineralerzeugnisses  angenommen,  dann  kann 
man  über  ihre  locale  Hervorbringungs-Theorie  sich  Aveiter  streiten. 
Nun,  wenn  dieses  als  Axiom  auch  gelten  sollte,  so  wird  kaum  Jemand 
bestreiten  können,  daß  ein  Material,  das  den  Nebengesteinen  fremd 
ist  und  gangförmig  nicht  nur  eine,  sondern  mehrere  Formationen 
durchsetzt,  in  allen  Fällen  ein  locales  Ereigniß  im  Mineralreiche 
bleibt.  Seine  Ankunft  in  der  Spalte  von  oben  aus  ist  abgeschlossen, 
sonst  würde  das  Nebenland  davon  auch  ganz  oder  nur  theilweise 
wenigstens  noch  bedeckt  sein.  Aus  den  Nebengesteinen  wird  doch 
Niemand  so  wenig  Chemiker  sein,  um  an  chemische  sogenannte 
Ausschwitzungen  oder  Reactionen  mittelst  Mineral-Quellen  zu  den- 
ken, wenn  es  sich  um  die  rationelle  Erklärung  für  einen  Granitgang 
im  Silurischen,  für  einen  Porphyr  oder  Trappgang  im  altern  Stein- 
kohlengebilde, für  einen  Trachytgang  im  tertiären  oder  einen  Serpen- 
tingang im  Devonischen  Sandstein,  Lias,  Kreide  oder  selbst  Eocen, 
handelt.  In  diese  Sackgasse  ohne  Ausweg  werden  wir  jetzt  zeigen, 
daß  die  chemische  Schule  sammt  Professor  Bischof  mit  seiner 
ganzen  chemischen  Gelehrsamkeit  gerathen  ist. 

Viele  der  größeren  Serpentiu-lMassen  mögen  wohl  vom  Lher- 
zolith  oder  Olivin fels  abstammen,  der  Übergang  der  einen  Felsart  in 


*)  Die  Ahhandl.  des  Hrn.  E.  Weiß,  über  die  Feldspath-  u.  Quarzporphjrbildung 
(Naturk.  Verliandl.  Harleni  1866.  B.  23,  iliustrirte  schön  die  plutonische  Entste- 
hung der  Granite. 

3* 


36  Boue. 

der  andern  ist  eine  alt  bekannte  Thatsaehe.  (Siehe  Neumann's 
Geognosie.)  Doch  schienen  uns  schon  in  den  Jahren  1820  und  22  i), 
daß  auch  in  arewißen  Gee-enden  wie  in  den  Pvreneen ,  ein  schöner 
Diorit,  der  sogenannte  Opliit  des  Palassou  und  des  südlichen  Frank- 
reich, der  Stammvater  des  Serpentins  sein  konnte.  Der  Übergang 
des  einen  in  den  Andern  war  uns  höchst  aulTallend,  sowohl  zu 
St.  Pe  im  Gave  du  Pau  als  im  IJnretonsthal  und  diese  Thatsaehe 
fanden  wir  anderswo  hestäligl.  Da  aber  in  den  Pyreneen  zu  gleicher 
Zeit  Olivinfels  und  Ophit  anstehen,  so  könnten  wir  uns  in  jenem 
selbst  scheinl)aren  Übergang  irren,  wenn  namentlich  durch  mikro- 
skopische Untersuchung  ausgemittelt  würde,  daß  der  St.  Pe  und 
Buretons-Serpentin  nur  ein  umwandelter  Olivinfels  ist  und  keines- 
wegs ein  Diorit  je  war.  Aber  in  andern  Gegenden,  wo  derLherzolith 
bis  jetzt  nicht  gesehen  wnrde  und  wo  im  Gegentheil  viel  Diorit  und 
selbst  der  deutlichste  in  Menge  besteht,  bemerkten  wir  so  wie  andere 
dieselbe  Verbindung  zwischen  letzteren  und  dem  Serpentin.  So  sahen 
wir  Ähnliches  in  Klissura  im  südwestlichen  Macedonien  und  besonders 
in  dem  Myrtidenlande,  wo  manches  uns  an  Graubündten  erinnerte. 
Nun  der  im  letzten  Lande  am  besten  bewanderte  Geolog  Herr  Theo- 
bai d  bestätigte  unsere  Ansichten  (Verb.  Schweiz.  Ges.  f.  Naturwiss. 
1857.  S.  127).  Solche  Verschwesterung  der  Hornblendeggsteine 
mit  Serpentinen  fand  Breithaupt  in  Voigtland  (Schweigg.  N. 
Jahrb.  f.  Chem.  1831.  B.  61,  S.  283),  Sa ndb erger  im  Nassaui- 
schen (Über  d.  geol.  Verhältn.  von  Nassau  1847.  S.  651),  Gümbel 
im  Fichtelgebirge  und  baierischen  Walde  (Bischofs  Chem.  phys. 
Geol.  B.  2,  S.  786),  Kupffer  am  östlichen  Abhänge  des  Ural 
(Po gg.  Ann.  1829.  B.  16.  S.  272),  Bischof  gab  es  am  Huron-See 
an  u.  s.  w.  Dann  sieht  man  in  mehreren  Gegenden  den  deutlichsten 
Übergang  der  Serpentine  in  echte  Hornblende-Gesteine  oder  vice 
versa.  So  z.  B.  ist  dieser  Fall  für  die  drei  merkwürdigen,  ziemlich 
mächtigen  Serpentinsmassen  bei  Portsoy  in  Nord-Schottland  (Essai 
sur  l'Ecosse  1820.  S.  55 — 56)  2).   Anderswo  geht  der  Serpentin  in 


•)  Wie  reimen  sicli  diese  Jahreszahlen  mit  dem  dietaforischen  Ausspruche  Bischofs, 
daß  Breithaupt  die  erste  Nachricht  vou  der  Umwandlung-  der  Hornblende  und 
des  Diorit  in  Serpentin  in  die  Wissenschaft  brachte.  (Chem.  phys.  Geologie  1863. 
B.  2,   S.  778.) 

2)  L'enchainement  de  toutes  ces  roehes  y  est  admirable,  l'amphihole  passe  par  des 
nuaaces  insensibles  en  Serpentine,  das  unsere  eigenen  Woi-te  für  diese  im  J.  1814 
schon  gemachte  Beobachtung',  eine  Autfassung  vor  S4  Jahren. 


über  die  Rolle  der  Veränderungen  des  untirg^nnischen  Festen  efc.  3  7 

einer  merkwürdigen  Vfirietät  der  Horiililende-Schiefer  über,  wie  Jim 
Piz  dellas  Clavigliadas  im  Tiioi-Tliale  (Papon  Jahresber.  d.  naturf. 
Ges.  Graiii(iindten  N.  F.  B.  2,  S.  7).  Dieser  Fall  erklärt  ganz  natur- 
gemäß den  sogenannten  Serpentinschieler  des  Herrn  Del  esse  so 
wie  seine  chemische  Zusammensetzung,  (ßibl.  univ.  Geneve  1848. 
2.  F.  B.  8.)  Endlich  bemerkt  sehr  treffend  unser  verehrtester  College 
Herr  Prof.  Reuss,  daß  der  Serpentin  sammt  dem  Thone  zwischen 
dem  körnigen  Kalkstein  und  dem  Sienit  der  Forca  rossa  bei  Predazzo, 
wahrscheinlich  nichts  anderes  als  eine  Zersetzung  der  Hornblende 
für  die  erste  Felsart  und  des  Feldspath  für  den  Thon  wäre  (X. 
Jahrb.  f.  Min.  1840.   S.  153). 

Diese  Serpentine  sind  ganz  ])esonders  diejenigen,  wo  der  Dial- 
lagon  nie  fehlt  und  selbst  manchmal  sich  so  anhäuft,  daß  daraus  ein 
reines  Diallagon-Gestein  entsteht,  wie  wir  es  in  Rape  Thälchen  in 
der  Myrtida  so  wie  an  Bernina  sahen.  Herr  Tscbermak  gab 
mehrere  ähnliche  Localitäten  der  Schillersteine  im  vorigen  Jahre 
(Akad.  Sitz.  B.  36.  Nr.  2)  an,  und  Herr  von  Buch  erwähnt  diese 
Felsart  in  Finmark.  Diese  Serpentine  sind  in  engster  Verbindung 
mit  Euphotiden  (Gabbro),  Varioliten  und  gewissen  porphj ritischen 
Felsarten  wie  am  Harz,  in  Schlesien,  in  Ligurien,  im  südwest- 
lichen Serbien,  südwestlichen  Schottland,  am  Nordkap  (von  Buch) 
u.  s.  w.  Die  Vermengung  der  Euphotid-  und  Serpentinmassen  ist 
selbst  manchmal  so  groß,  daß  nach  unserm  bewährten  Freund  Prof. 
Gust.  Rose  es  in  Schlesien  bei  Volpersdorf  den  Anschein  hat,  der 
Euphotid  wäre  nur  ein  der  Umwandlung  in  Serpentin  noch  ent- 
gangenes Material.  Diese  Serpentine  enthalten  sehr  oft  gediegenes 
Kupfer  in  Trümmern  oder  selbst  auf  etwas  unförmlichen  Gängen  wie 
in  den  Niederungen  Toskana's,  in  den  Apeninnen  u.  s.  w.  Seltener 
ist  Piatina  eingesprengt  wie  im  Ural  und  Columbien  (Ecuador).  In 
andern  Gegenden  sind  diese  Gesteine  nicht  nur  reich  an  Kupfererze 
in  Gängen  und  Nestern  (Rat h,  Zeitschr.  deutsch,  geol.  Ges.  1865. 
B.  17,  S.  277),  sondern  auch  an  Blei,  Zink  u.  s.  w.  Erze  wie  z.  B. 
am  Obersee  in  Canada,  wo  so  viel  sogenannte  Trappfelse  Bergwerke 
enthalten.  Goldführende  Kiese  sind  auch  hie  und  da  vorhanden  wie 
in  Piemont.  Das  im  Serpentin  zerstreute  Chromeisen  häuft  sieh 
seltener  in  ziemlich  großen  Massen  an  ,  ^\  ie  auf  der  Insel  Unst,  einer 
der  Shetlands  und  am  Ural.   Chrvsotil-  und  Chlorit-Trünmier,  so  wie 


38  ß  o  u  j. 

manchmal  selbst  kleine  PartitMi  von  heil  grünem  Serpentin  bemerkt 
man  in  diesen  Gesteinen. 

Diese  Serpentine  bilden  Gänge  wie  in  Granbiindten  (Oberhalb- 
stein-Tbal) ,  in  Lignrien,  Toskana,  Stöcke  und  Kuppen  wie  in  den 
toscaniscben,  modenesiscben  und  Bologneser-Gegenden,  so  wie  in 
Kleinasien  (Tscbihatschef).  Ihre  anderen  Lagerungen  sind  oberhalb 
keilförmige  Gänge  mit  breiten  Seitenflügeln  wie  zu  Cravignola  bei 
Borghetto,  Prato  oder  große  Massen  und  Berge  wie  der  Zobtenberg, 
der  Bastberg,  der  Peterwardeinerberg,  gewisse  Berge  im  nördlichen 
Syrien  u.  s.  w.  Sie  durchsetzen  alle  Gebilde,  vom  krystallinischen 
Schiefer,  besonders  den  Glimmer,  Talk-  und  Hornblende-Schiefern  an 
bis  zur  Kreide  und  dem  Eocen.  Beispiele  der  ersten  Gattung  fanden 
wir  zu  Portsoy  in  Banffshire,  im  Walliserlande,  in  Piemont,  in  der 
Türkei  u.  s.  w.  Im  Silurischen  können  wir  die  Serpentine  und 
Euphotiden  zwischen  ßallantrae  und  Girvan  im  südwestlichen  Schott- 
land, die  von  Lizardpoint  in  Cornwallis,  einige  der  Pyreneen,  die  bei 
Pristina  im  alten  Dardanien,  einige  Nord-Scandinaviens  aufzählen. 
Zu  den  Serpentinen  im  Devonischen  (wenn  nicht  noch  im  Siiurischen) 
gehören  die  von  Anglesea  (Henslow,  Cambridge  philos.  Soc.  Trans. 
1822.  B.  I,  T.  2,  S.  359).  Der  Serpentin  durchschneidet  den  Trias 
und  noch  jüngere  Gebilde  wie  der  Lias  u.  s.  w.  im  Davosthale,  in 
Grauhündten  (Escher  Bibl.  univ.  Geneve  Archiv  1864.  N.  F.  B.  21, 
S.  152),  bei  Tarasp,  in  Italien  u.  s.  w.  Serpentingänge  in  der 
unteren  Kreide  sind  bei  Genua  und  zwischen  dieser  Stadt  und  la 
Spezzia's,  auf  der  Insel  Elba,  in  den  Apenninen  und  in  Serbien  (Avala- 
Berg  bei  Belgrad)  u.  s.  w.  Im  Eocen  beobachteten  wir  Serpentin- 
gänge und  Stöcke  eben  sowohl  in  Nord-  und  Central-Italien  als  in 
Nord-Albanien  und  vielleicht  Serbien.  Herr  Herbich  theilt  Beob- 
achtungen über  das  Persanyer-Gebirge  in  südöstlichen  Siebenbürgen 
am  Altttuß  mit,  welche  viel  Ähnlichkeit  mit  denjenigen  eben  bespro- 
chenen haben  mögen  (Verb.  u.  Mitth.  d.  siebenb.  Ver.  f.  Naturwiss. 
1864.  B.  17,  S.  172).  Der  Serpentingang  in  den  Aveyron,  Correze 
und  Lot-Departement  ist  liO  Stunden  lang.  (Ann.  d.  Min.  1817.  S.334.) 

Wir  müßten  glauben  auf  diese  Weise  hinreichende  Beweise  des 
pintonischen  Ursprungs  der  Serpentine  gegeben  zu  haben  und  bemer- 
ken, daß  schon  im  Jahre  1733  der  wackere  Job.  Jac.  Ferber  den 
Serpentin  des  Traversoberges  in  Toskana  kurzweg  eine  alte  Lava 
nannte.    (Briefe    ans    d.  Wälschland    über   nalürl.   Merkwürdigk.   d. 


über  die  Rolle  der  Veränderungen  des  unorp:anisclien  Festen  etc.  39 

Landes.)  Unter  denjenigen,  welche  den  eruptiven  Charakter  der 
Serpentine  wenigstens  theilweise  nicht  anzunehmen  für  gut  fanden, 
ragt  wirklich  unter  den  hewährten  geologischen  Schriftstellern  nur  der 
einzige  Herr  Alphonse  Favre  hervor.  In  der  Schweizer  Naturforscher- 
Versammlung  zu  Zürich  im  Jahre  1864  wollte  dieser  sonst  gute 
Beohachter  den  platonischen  Ursprung  und  Charakter  der  Tiroler- 
und  Grauhündtuer-Serpentine  im  Trias  und  Jüngern  secundären 
Formationen  nicht  anerkennen,  was  ihm  aber  eine  tüchtige  Zurück- 
weisung durch  Lory,  Mortui  et  und  besonders  durch  den  in  den 
Alpen  so  bewanderten  Escher  zuzog.  Letzterer  bestätigte  besonders 
die  Ganglagerung  der  Serpentine  des  Lins ,  Melche  wir  auch  auf- 
nahmen und  andeuteten,  indem  die  anderen  auf  den  Umstand  sich 
beriefen,  daß  örtlich  oder  auf  einer  gewissen  Strecke  diese  Gänge 
fast  lagerartig  wie  der  Basalt,  iniFlötzgehilde  eingeschoben  sind,  was 
wir  auch  bestätigen  könneni).  Ausserdem  wie  stimmt  diese  Meinung 
des  Herrn  Favre  mit  seiner  weiter  unten  erwähnten,  wo  er  Serpen- 
tinbildung dem  Metamorphismus  zuschrieb,  zusammen  (Bull.  Soc.  geol. 
Vv.  I80I.  B.  8,  S.  624).  Wenn  mau  solches  in  der  Mitte  von  kry- 
stallinischem  Schiefer  gelten  lassen  kann,  so  paßt  diese  Theorie  nicht 
für  Serpentine  in  petrefactenreichen  wenig  geänderten  Flötz-Gebilden. 
Wenn  neben  solchen  competenten  Männern  als  Kenner  sehr 
vereinzelte  Stimmen  von  viel  weniger  gereisten  Gelehrten  in  den 
Annalen  der  Wissenschaft  zu  sammeln  sind,  so  glauben  wir  doch 
nicht  im  Unrecht  zu  sein.  Darum  gewahrten  wir  auch  mit  Erstaunen 
den  Irrthum  des  fleißigen  Kenners  der  Mineralogie  und  Geologie  des 
Mittel-Rheines,  denn  weder  der  Olivinfels  noch  der  Serpentin,  sein 
Halbbruder  können  ein  chemisches  neptunisches  Product  genannt 
werden  (N.  Jahrb.  f.  Min.  1867.  S.  173).  Dieses  folgt  ganz  natur- 
gemäß aus  der  Lage  des  Olivinfels  in  der  Tiefe  der  Erde,  wie  Herr 
W^olf  es  sehr  richtig  für  das  ausgeworfene  Gemenge  von  Olivin  und 
ßiotit  am  Laacher  Krater-See  beurtheilt  (Zeitsch.  deutsch,  geol.  Ges. 
1867.  B.  19,  S.  4Ö1  u.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1867.  S.  865)  und  wie 
wir  es  für  die  Oiivinfels-Fragmente  im  Ardeche's  Basalt  auch 
bewiesen  (Sitzber.  1867.  L  Abth.  B.  56,  S.  254).  Wenn  aber  die 
Vulcane  Island's  und  Neapel's  keine  Feuerberge  sind,  so  wird  wahr- 
scheinlich der  Laacher-See  nur  eine  gewöhnliche  Pfütze  sein. 


1)    Bibl.  iiniv.  et  Rev.  Suisse  Geneve  Archiv.  1864.  N.  F.  B.  21.  S.  132. 


40  B  o  u  e. 

Endlich  kommt  bei  der  geographisclien  Verbreifung  der  Ser- 
pentine noch  der  Umstand  in  Beriicksiclitigung,  namentlich  ihre 
kr ater förmige  Vertheilung  in  gewissen  Gegenden  wie 
z.  B.  um  der  großen  Vertiefung  des  Piemont.  Vor  uns  haben  schon 
andere  letztere  mit  einem  großen  gegen  Osten  offenen  Krater  ver- 
glichen und  auf  ähnliche  Vertheilungsformen  überhaupt  für  alle 
Eruptivniassen  sich  berufen.  Doch  diese  Ansicht  beruht  auf  der 
Voraussetzung,  daß  einst  unsere  Erde  der  mit  großen  Kralern  be- 
deckten Mondes-Oberfläche  sehr  äiiidich  war,  und  daß  darum  die 
späteren  Eruptionen  auf  den  Rändern  besonders  dieser  Vertiefungen 
stattfanden.  Diese  Theorie  ist  aber  nicht  allgemein  angenommen, 
weil  mehrere  Geologen  für  solche  Ansichten  kein  Herz  sich  fassen 
können. 

Was  die  Serpentine  im  Glimmer,  Talk  und  Chlorit- 
schiefer  so  wie  in  Gneiss  betrifft,  so  gehört  ihre  Enträthselung, 
wir  gestehen  es,  zu  den  schwierigsten  Problemen,  besonders  wenn 
in  derselben  Gegend  oder  ihrer  Nachbarschaft  die  eben  besprochene 
Gattung  Serpentine  mit  diesem  vorkommen,  Avie  z.  B.  im  piemonte- 
sischen  Gebiete.  Obwohl  von  Hornblendegesteinen  begleitet,  wie 
z.  B.  in  Berg  Jovet  im  Aostathal ,  im  Salzburgischen  u.  s.  w. ,  so 
vermißt  man  bei  dieser  magnesiahaltigen  Ablagerung  meistens  die 
Euphotiden  und  besonders  die  Varioliten.  Doch  auf  diesen  negativen 
Charakteren  möchten  wir  nicht  unsere  vorgeschlagene  Unterscheidung 
stützen,  sondern  auf  der  eigenthümlichen  Lagerung  dieser  Felsarte'n. 
Wir  könnten  auch  auf  die  vielen  Chloritgänge  sammt  eingesprengten 
Talk,  Speckstein,  Strahlstein,  Chalcedon  und  Kalkspath  wenigstens  in 
den  Weißstein-Serpentinen  hinweisen.  Doch  solche  Mineralien  so  wie 
Trümmer  von  edlem  Serpentin  und  Chrysotil  sind  in  den  andern  Ser- 
pentinen obgleich  seltener,  auch  nicht  ausgeschlossen.  Seltener  aber 
sind  Quarzgänge  im  Serpentin  mit  eckigen  Fragmenten  von  Serpentin 
und  talkigen  oder  chloritischen  Saalbändern  (Bischof  Geol.  B.  2, 
S.  793).  Wie  B.  Studer,  Adolph  Schlagintweit  und  Andere, 
glaubten  wir  fast  immer  eine  größere  oder  kleinere  Unregelmäßig- 
keit in  den  Berührungsflächen  der  Serpentine  und  der  sie  umgebenden 
Schiefer  wahrzunehmen.  Anstatt  Parallelismus  der  Lage  bestehen 
daselbst  gebogene  Linien  so  wie  größere  oder  kleinere  Ecken.  Das 
eine  Gestein  greift  oft  in  dem  andern  ein,  wie  überhaupt  bei  Berüh- 
rung des    körnigen  Kalksteines   mit   den  krysfallinischen  Schiefern 


über  die  Rolle  der  Veränderungen  des  unorganischen  Festen  etc.  41 

Übergänge  von  Serpentin  in  Chlorit  oder  Talkschiefer  sind  außerdem 
längst  bekannte  Thatsaehen  (Bischof  Geologie  1863.  B.3,  S.  786). 

Weiter  muß  man  bedenken  ,  daß  Durchschnitte  von  liegenden 
Stöcken  nicht  den  gründlichen  Beweis  mehrerer  immerfort  parallel 
laufenden  Lager  durch  ein  Schiefergehilde  liefern.  U'ie  viele  lager- 
artige Basalte  wurden  als  wahre  Gänge  anerkannt.  So  z.  B.  werden 
uns  der  Serpentin  im  Gneiss  zu  Snarum  (Bübert,  Gea  Norwegica 
H.  i,  S.  137),  der  300  Fuß  mächtige  Serpentin  im  Greiner  Gneisse 
von  Tirol  u.  s.  w.  als  große  linsenförmige  Stöcke  und  nicht  als  förm- 
liche Lager  beschrieben,  was  im  Gegentheile  nach  Gümbel  im 
Fichtelgebirge  und  baierischen  Waldgebirge  der  Fall  wäre  (Bi- 
schofs Geolog.  B.  2,  S.  786).  Solche  abwechselnde  Serpentin- 
lager sahen  wir  auch,  aber  meistens  in  Gesellschaft  mit  wahren 
Stöcken  namentlich  im  Schiefergebilde,  welche  man  zu  den  urältesten 
zählt  oder  wenn  man  diese  Sprachweise  nicht  mundrichtig  findet,  im 
metamorphischen  Gebiete  der  älteren  und  jüngeren  Zeit  wie  z.  B.  im 
Walliser-Lande,  im  Berg  Bosa,  in  Dardanien  bei  Pristina  und  südlich 
von  Katschanik,  in  manchen  Gegenden  Skandinaviens,  Nordamerika's 
u.  s.  w. 

Zu  jenen  Bildungszeiten  müßten  aber  ganz  besondere  Kräfte  der 
Wärme,  der  Chemie  und  Dynamik  gewaltet  haben,  wie  die  Herrn 
T.  Sterry  Hunt  (Americ.  J.  of  Sc.  1858.  N.  F.  B.  25,  S.  102), 
Daubree  (Mem.  Ac.  d.  Sc.  de  Paris.  Savans  etrang.  1862.  B.  17), 
Del  esse  und  andere  sehr  gut  es  dargestellt  haben.  Ob  man  wohl 
Herrn  Gage 's  Meinung  annehmen  konnte,  daß  Serpentin  durch  die 
Reaction  von  alkalischen  Wässern  auf  magnesiahaltige  Gesteine  ent- 
standen sei  (Del esse 's  Rev.  de  Geologie  1866.  B.  4,  S.  104). 
So  hat  auch  z.  B.  Alb.  Müller  den  Topfstein  des  Maderan-  und 
Etzli-Thales  als  eine  metamorphische  Masse  erklärt  (Verb,  naturf. 
Ges.  in  Basel  1866.  B.  4,  S.  o59,  N.  Jahrb.  f.  Min.  1867.  S.  368). 
So  bemerkt  man  manchmal  im  Gneiss  weiße  oder  röthliche  Felsit- 
nieren,  welclie  selbst  in  porphyritischen  übergehen,  und  doch  als 
metamorphische  chemische  Producte  mit  den  eigentlichen  eruptiven 
Porphyr-Bildungen  nichts  gemeines  haben.  Auf  ganz  ähnliche  meta- 
morphische Weise  erklären  sich  B.  v.  Cotta  so  wie  Del  esse  die 
großen  linsenförmigen  Eisen-  oder  Kupferkies-Stöcke  in  den  Schie- 
fern des  Rammeisberg,  zu  Agordo,  Schmöllnitz  in  Ungarn,  Domokos- 
Poschorita  in  Siebenbürgen ,   in  Huelca  und  Rio  Tinlo    in  Spanien, 


42  B  o  u  e. 

ZU  Fahlun  in  Schweden  u.  s.  w.  (B.  u.  Hüttcnm.  Zeit.  1864.  S.  372. 
Delesse  Revue  d.  Geologie  1866.  S.  131).  Ein  Übergang  von  den 
fremden  Stöcken  in  den  Sciiiefern  ist  immer  bemerkbar.  Nach 
unserer  bescheidenen  Meinung  würden  wir  selbst  geneigt  sein,  wenn 
nicht  allen  Weißsteinen,  wenigstens  einen  Theil  dieser  letzteren 
Bildung  einer  sehr  weit  vorgerückten  Metamorphose  zuzuschreiben. 
Gil)t  man  aber  die  Möglichkeit  der  metamorphischen  Bildung 
von  Glimmer,  Talk  und  Chloritschiefer  u.  s.  w.  auf  diese  Weise  zu, 
so  gehört  keine  große  Einbildungskraft  um  diejenige  von  Serpentin- 
Nieren  und  kurzen  Lager,  durch  locale  große  Anhäufungen  von 
Älagnesia  u.  s.  w.  sich  zu  denken  und  wirklich  stimmen  mehrere 
berühmte  und  gereiste  Geologen  uns  bei  •).  Bischof  erwähnt  selbst 
eine  ähnliche  Meinung  von  G  um  bei  um  zahllose  Wechsel  von 
Urtlionschiefer  (!),  Hornblendegesteine,  Serpentine  und  Chlorit- 
schiefer in  Lagern  oft  nur  einige  Zoll  mächtig  im  Fichtelgebirge  und 
bairischen  Wald  sich  zu  erklären.  Nirgends  müI  er  gangförmige 
Merkmale  gesehen  haben  (Bischofs  Geolog.  B.  2,  S.  786—787). 
Das  Wie  in  diesen  Umwandlungen  gehört  zur  Metamorphismus- 
Theorie,  über  welche  man  sich  dann  weiter  streiten  kann,  ohne  im 
Geringsten  die  fest  gegründeten  geognostischen  Lagerungen  der 
anderen  Serpentine  zu  berühren.  Dem  ungeachtet  glauben  wir  auf 
unserem  Standpunkte  beharren  zu  müssen,  namentlich  daß  unter  der 


*)  IJ 1  u  m  ,  H.Müller,  Naum.iiin,  Cotta,  Serpentin  ist  eine  Pseuiloniorphose  des 
Kclogit,  des  Hornhiendefels,  des  Üiorit.  des  Eupliotid  (Erläuterung  zur  geognost. 
Karte  etc.  Königr.  Saolis.  1836  — 4r)),  Böbert  (Keilliau's  Gaea  Norwegica  1838. 
H.  1.  Edinb.  n.  pliii.  J.  1837.  B.  2o,  S.  206).  Fallou  u.  Müller  im  Weißstein 
Sachsens  (Milth.  a.  d.  Osterl.  Naturf.  Ges.  zu  Altenhurg  1842.  B.  .•>,  S.  219. 
Cotta"s  Geologie  1846,  S.  168  u.  289).  Jam.  Dana,  Mefamorpliismus  vermittelst 
magnesialiiiltigcr  Wärmewiisser  (Amer.  J.  of  Sc.  1843.  B.  45,  S.  120).  J.  Four- 
net,  durch  Metaniorphisnius  im  Vogesen  Kalkstein  neben  Granit  (Bull.  Soc.  geol. 
Fr.  1840.  N.  F.  B.  4,  S.  231).  Euphotidcn,  so  wie  Serpentine,  metamorphische 
Producte  (Ann.  Sc.  pliys.  et  nat.  Soc.  d'agric.  etc.  de  Lyon  1849.  B.  1.  Proces  v. 
S.  XLVIII).  B.  Studer,  mit  Kalkstein  u.  Dolomit  im  Walliser  Land  ,  in  Piemont 
(Edinb.  n.  phil.  J.  1849.  B.  46,  S.  168).  C.  Weiß,  am  Todtmoos  (Pogg.  Ann. 
18;;0.  B.  1,  S.  461.  iN.  .lahrb.  f.  Min.  1863,  S  721).  Alph.  Favre  im  Berg  Iseran 
(Bull.  Soc.  geol.  Fr.  ISiil.  B.  8,  S.  624).  Th.  Sterry  Hunt,  Canada  (dito  1855. 
B.  12,  S.  1031.  C.  R.  Ac.  d.  Sc.  P.  1857.  B.  44,  S.  996).  —  Clifton  Sorby 
mikroskopische  Untersuchung  über  Glimmerscliiefer  (Quart.  .1.  geol.  Soc.  L.  1863. 
ß.  19,  S.  401). 


über  die  Rolle  der  Veränderungen  des  unorganischen  Festen  etc.  43 

großen  Anzahl  von  Serpentinlagern  im  krystallinisclien  Scliieler- 
gebirge,  doch  wenigstens  einige  zur  Ganghiklung  gehören  mögen. 
Über  jedes  Lager  oder  Lager-Complex  wünschten  wir  ein  förmliches 
Gericht  nach  hinlänglicher  Umforschung  gelialten  zu  sehen. 

Granaten  kommen  in  den  Serpentinen  dieser  Galtung  vor, 
welche  mit  der  Weißstein-Bildung  (Penig  in  Sachsen  u.  s.  w\)  oder 
mit  Eclogiten  wie  bei  Waldheim,  im  Schwarzwald,  bei  Karlstätten 
in  Niederösterreich,  im  Aosta-Thal  u.  s.  w.  oder  mit  granatreichen 
Schrillgranit-Gängen  wie  bei  Portsoy  (Sehottland)  verbunden  sind. 
Diese  Varietät  Pyrop  genannt  ist  weltbekannt  im  Serpentin  zu  Zöblitz 
in  Sachsen,  in  der  Nähe  von  Namiest  in  Mähren  (0])orny  Verh. 
Briinn  Naturhistoi*.  Ver.  1866.  B.  5),  zu  Gralienhof  (N.-Österreiciij, 
in  dem  vogesischen  Serpentin,  zu  St.  Nicolaus  (Wallis),  zu  Musa 
und  im  Aosta-Thal  <),  in  dei'Nähe  von  Portsoy  u.  s.  w.  Anderswo  sind 
selbst  die  Hornblende  Gesteine  in  der  Nähe  der  Serpentine  granat- 
haltig,  wie  z.  B.  am  Huron-See  in  Nord-Amerika  u.  s.  w. 

Der  Eklogitist  nur  eine  sehr  localchemische  Veränderung  der 
Weißsteine,  in  welchen  erstere  Felsart  übergeht,  indem  er  auch  hie 
und  da  zum  granathaltigen  Serpentin  wird ,  wichtige  Älorkmale  eines 
ähnlichen  chemischen  Processes  l'iir  alle  drei  Felsarten  wie  es  auch 
Bischof  annimmt  (B.  2,  S.  787).  Er  gibt  auch  zu,  daß  der  Weißstein- 
Serpentin  von  Breccien  aus  Granulit,  Hornblendegestein  und  Eisen- 
kiesblöcken in  einem  verwitterten  Serpentinteig  nicht  nur  begleitet 
wird,  sondern  dass  noch  an  beiden  Seiten  dieser  Trümmerhaufen 
ein  von  Eisenkiesel,  Schwarzeisenstein,  Chlorit,  Quarz,  Hornblende 
und  Asbest  durschwärmten  Serpentintuf  sehr  merkwürdig  ist.  (Dito 
S.  799  —  800.) 

Die  chemischen  Erklärungen  Bischofs  sind  sehr  sinnreich  und 
auch  theilweise  wahrscheinlich,  aber  solche  Reactionen  können  wohl 
einem  dichten  Gesteine  eine  brekzienähnliche  Gestalt  wie  der  Ser- 
pentin geben,  doch  sie  werden  nie  solche  Felsarten  in  eine  Breccie 
verwandeln,  welche  aus  eckigen  Fragmenten  sehr  verschiedener  Ge- 
steine wie  Granit,  Kalk,  Schiefer  u.  s.  w. ,  besteht.  Da  fällt  man 
wieder   in    die   alten    schottischen,    neptunischen   und   lächerlichen 


')  Siehe  Fournet's  große  Ahli.  über  die  Serpentine  zwischen  Wallis  und  Ulsans  in 
Ann.  Sc.  phys.  et  nat.  See.  d'agrie.  etc.  de  Lyon  1848.  ß.  4,  S.  12G  u.  1846.  B.  9 
S.  1—112. 


44  R  0  u  e. 

Theorien  der  gleichzeitigen  Formation  der  Conglomerate  undBrekzien. 
Die  falsche  Möglichkeit  bildet  aber  für  unsere  Gönner  eine  Stütze,  un> 
die  genetische  Wichtigkeit  des  Bas.'dt,  Tracliyt,  Phonolit ,  Pechstein, 
Porphyt,  Diorit,  Serpentin,  Sienit  und  Granit-Brekzien  (siehe  Guide  du 
geologue-Voyageur  1835.  B.  1 ,  S.  453 — 456)  zu  neutralisiren.  So 
versteigt  sich  selbst  das  gründlich  chemische  Wissen,  wenn  dieses  im 
Laboratorium  bleibt  und  in  der  Natur  sich  nicht  umsieht. 

Eine  dritte  seltenere  Art  des  Serpentins  ist  der,  welcher 
in  augi  tisch  e  n  Felsarten  seinen  Ursprung  nini  m  t  und  in 
diesen  allmälig  übergeht.  In  diesem  Falle  kommt  dem  Mineralogen 
die  häufige  Metamorphose  des  Augit  in  einer  weichen  grünlichen,  ser- 
pentinähnlichen Materie  sehr  zu  Statten.  Möchten  auch  einzelne 
Chrysolithe  oder  Olivine  in  jenen  Trapparten  angenommen  werden 
müssen,  so  verschwinden  sie  gegen  die  Menge  der  Augite.  Diese 
Gebirgsart  landen  wir  nie  anders  als  in  Gängen  oder  Stöcken  im  devo- 
nischen Sandstein  Großbritanniens,  Lyell  besehrieb  davon  einen 
großen  Gang  im  rothen  Sandstein  Forfarshire's  (Edinb.  J.  ol"  Sc. 
1825.  B.  3,  S.  112).  Wir  sahen  Ähnliches  im  südwestlichen  Schott- 
land und  fanden  diese  Felsart  auch  in  dem  untern  Theile  der  Stein- 
kohlenformation in  der  Insel  Inchcolm  in  der  großen  Meeresbucht 
vor  Edinburg  (Essai  sur  TEcosse  S.  176)  *). 

Endlich  gibt  es  kleine  Partien  von  oft  hellgrünem 
Serpentin,  der  sogenannten  edlen  Art  in  körnigem  oder  halb 
krystallinischem Kalke  wie  bei  Connemara  in  Irland  (Harkness  brit. 
Assoc.  Rep.  f.  1865.  Trans.  S.  59)  und  zu  Predazzo  oder  in  solchen 
mit  Talkblättern  untermischten  Kalksteinarten.  Nach  der  multiformen 
Metamorphose  der  Serpentine  muß  man  zur  Erkenntniß  des  Urvaters 
solcher  Serpentine  jede  Örtlichkeit  und  ihre  Mineralien  in  Betracht 
ziehen  und  dann  sein  Urtheil  lallen.  Unter  den  zahlreichen  in  Steatit- 
Serpentin  verwandelte  Mineralien  möchten  wir  ganz  und  gar  nicht 
die  Chrysolith-Metamorphose  in  diesem  Falle  ganz  ausschließen.  Doch 
in  manchen  von  uns  besuchten  Lagerstätten  der  Art  deutele  die  Nach- 
barschaft von  Tremoliten  eher  auf  Pseudomorphosen  der  Hornblende, 
wiez.  B.  in  Gentilt  (Schottland),  Gullsjö  u.  s.  w.  Anderswo  wie  zu  Pre- 
dazzo möchte  man  vielleicht  eher  die  kleinen  serpentinartigen  Nester  im 


')   N;tcli  Z  L-j)  lia  ro  V  i  ch  ciilstiiiid  der  Si-rpentiii  im  Gueiss  zu  lieiclieusteiii,  aus  eiuciii 
iiug^itischfeldspatliischen  Gesleine.    (Lolos  1SC7.  S.  113.) 


über  die  Rolle  der  Veränderungen  des  unorganischen  Festen  etc.  f^Q 

krystallinischeii  Kalk  iheil\\eise  zurHornbleiule  und  tlieilweise  wenig- 
stens zu  dem  Augit  zurückl'ühren.  \A'ir  finden  selbst  die  Erwähnung 
der  Umwandlung  eines  Dolomites  in  Topfstein  ')  und  dem  genauen 
Gust.  Rose  schienen  die  Serpentin -Trümmer  im  krystallinischen 
Schiefer  zu  Rothzechau  in  Schlesien  nur  ein  Zersetzuiigsproduct  des 
Dolomit  (Bischofs  Geologie  B.  2,  S.  785). 

Man  bemerkt  wenigstens  deutlich,  daß  gewisse  Mineralien  zer- 
setzt wurden,  und  in  dieser  Steatit-Serpentin  Stande  mit  dem  Kalkcarbo- 
nate  sich  mischten  oder  in  diesem  als  kurze  Nester,  Blätter  oder  nur 
Adern  auftreten.  Diese  Ophicalce  bilden  kurze  Lager  oder  Nieren 
wie  die  Anhäufungen  vonTalk  und  Glimmerblätter  in  selben  Gesteinen. 
Dana  will  sich  diese  Bildung  durch  kieselhaltige  Thermen  erklären, 
welche  auf  den  Kalk,  die  Magnesia  und  die  Salze  des  iMeereswassers 
eine  Reaction  geübt  haben.  (Amer.  J.  of  Sc.  1844.  B.  47,  S.  13ö.) 

Enthielt  der  körnige  oder halbkrystallinische  Kalkstein  thierische 
Überbleibsel  wie  der  Eocoonkalk,  so  lagerte  sich  in  den  Höhlungen 
der  Fossilien  wie  die  Kammer  der  Foraminiferen  oder  um  den  Spa- 
thosen Petrefacten  Steatit  -  Serpentin  und  Chrysolith  so  wie  Kalk- 
spath.  Rlöchte  man  aber  in  den  andern  aufgezählten  Serpentin-Gat- 
tungen auch  Thierreste  einst  finden ,  was  uns  schon  höchst  zwei- 
felhaft scheint ,  so  würden  solche  nur  in  jenen  brekzienartigen 
Massen  zu  finden  sein,  Melche  hie  und  da  die  Serpentine  umzingeln 
und  aus  Fragmenten  von  den  sie  umgebenden  Flötzkalk  oder  Schiefer 
in  einem  Serpentin-Cement  bestehen.  Das  wäre  dann  ein  Gegenstück 
zu  ähnlichen  sogenannten  muschelhaltigen  altern  und  Jüngern  Trapp- 
brekzien,  mit  welchen  die  ehemaligen  Neptunisten  ihre  Meinung  zu 
stützen  glaubten,  weil  sie  die  natürliche  Art  einer  solchen  neptuno- 
plutonischen  Bildung  nicht  kannten.  (Siehe  meine  adnotat.  Akad. 
Sitzb.  1864.  B.  49,  S.  2o9u.  Quart.  J.  geol.  Soc.  L.  1 865.  B.  22.  S.188.) 

Wenn  aber  der  Serpentin  ein  Umwandlungsproduct  ist,  kann 
man  die  Frage  aufwerfen,  ob  dieser  Procef^  auch  fortgeht, 
oder  ob  das  Gestein  nur  verändert  an  der  Erdoberfläche  erschien. 
Wenn  man  bemerkt,  wie  gewisse  Granite  noch  immer  sich  in  Kaolin 

')  Gurlt  zu  Gulbrandsdalen,  Norwegen.  (Verb,  naturhist.  Ver.  Preuss.  Rheinl.  1863. 
B.  20.  Tb.  2.  Sitz!..  S.  126.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1864.  S.  79.  .Mining  a.  Smelt.  Mag. 
1863.  B.  4,  S.  HO.  Dr.  Otto  Volger  erbat  sich  die  Priorität  dieser  Meinung. 
(N.  Jahrb.  f.  Min.  1864.  S.  339  u.  seine  Entwicklungsgeschichte  der  Mineral,  der 
Talkgliramer-Familie  1834.3 


46  B  o  u  e. 

verwaiuleln,    wenn  man  das  inerkwürdige  Steatitwcrdcn  der  Ophite 
(Dax  II.  s.  w.)  kennt,  so  würde  man  für  die  erste  Meinung  mehr  als  für 
die  letztere  geneigt  sein.    IMehrere  Gelehrte  hahen  auch  wenigstens 
Chrysolith  sich  unter  ihren  Augen  hilden  sehen,  wie  Cesar  von  Leon- 
hard  und  Del  esse  (Ann.  der  Min.  1850.  B.  18,  S.  349).  Es  stellen 
sich  dagegen  aber  große  Anomalien.  So  z.  B.  der  aus  Olivin,  Enstatit, 
Picotit  und  Diopsid  bestehende  Lherzolilh  >)    zu  Lherz  und  im  Paß 
Portet  liefert  den  Anblick  einer  unwirthlichen  Wüste.  Sie  ist  wie  das 
todte  Meer  der  Alpen  mit  dem  großen  Unterschied,  daßKryptogamen- 
Gewächse  wie  Lichenen  kaum  auf  dieser  Felsart  Erdtheilchen  genug  für 
ihr  Leben  finden  können.    Ahnliches  bemerkt   man   im  Olivinfels  zu 
Ölten  in  Tirol  und  selbst  in  den  großen  Bruchstücken  desselben  im 
Basalt  des  Volant  Thaies  in  der  Ardeche.   Warum  dieses  Verhältniß, 
wenn  wir  annehmen,  daß  der  Serpentin  meistens  nur  chemisch  verar- 
beiteter Olivinfels  sei?  Man  wird  uns  antworten,  daß  fast  dieselben  Ano- 
malien zwischen  den  schönsten  Dioriten  und  den  erdigen  steatitartigen 
Ophiten  oder  zwischen  gewissen  Graniten  und  Kaolin-Graniten  in  der 
Natur  bekannt  sind.  Daraus  würde  aber,  nach  uns,  der  Schluß  folgen, 
daß  die    chemische   Natur  jener  so    verschiedenen  Gesteinen-Reihe 
nicht  dieselbe  sein  müsste,    oder  daß  die  veränderten  Lherzoliten, 
und  vielleicht  auch   Dioriten  gazartigen  oder  wässerigen  Einflüssen 
eine  Zeit  ausgesetzt  waren,    was  mit  den  unveränderten  nicht  ge- 
schehen ist.     Indessen  nach  unsern  Erfahrungen    über  die  S^erpen- 
tinbrekzien  zeigt  ihre  Textur  deutlich,  daß  die  sie  mitführende  Masse 
eine  teigartige  und  keineswegs  eine  sprödartige  war.    Dann  kommt 
noch  dazu  der  Umstand    der   sogenannten  örtlichen   Veränderungen 
der  Nebengesteine,  was  ehemals  Plutonisten  nur  als  Feuer- Wirkungen 
gelten  lassen  wollten,  weil  manches  an  die  gebrannten  undgerötheten 
Thone,    Schiefer  und  Sandsteine  der  Pseudovulkane  der  Steinkohlen 
erinnert.     Die  Schiefer-,   Mergel-    und    Kalksteine  erscheinen    ver- 
härtet, kieselig  und  jaspisartig  geworden  und  verschiedenartig  gefärbt. 
Nun  diese  Veränderungen,  wohl  nicht  allein  eine  Folge  der  chemischen 
Metamorphose    der   Serpentine,    könnten   doch   auch    von    Kohlen- 
säure und  Kiesel  enthaltenden  thermalen  Mineralwässern  herstammen, 
welche  nach  den  Eruptionen  der  Serpentine  zu  diesen  Umwandlungen, 

1)   Siehe   Danioiir   Bull.    Soc.  geol.    de  Fr.    1862.   B.  29,   S.  413  u.   n.  Jahrb.  f.  Min. 
1863,  S.  Oo. 


über  die  Bolle  der  Veränderungen  des  unorganischen  Festen  etc.  47 

SO  wie  auch  wahrscheinlich  theilweise  wenigstens  zu  derjenigen  der 
Ur-Felsart  der  Serpentine  Anhiß  gaben.  Die  rüthlichen,  gelblichen  und 
grünen  Farben  dieser  groben  Jaspis-Abarten  stammen  von  Eisentheil- 
ehen desselben  Ursprunges  ab. 

Unter  der  Reihe  der  kalkigen  Gebirgsarten  ist  die  dolo- 
mitische Umwandlung  die  großartigste,  was  wir  im  Kleinen 
kennen,  bewährt  sich  im  großen  Maßstabe.  Auf  diese  Weise  ent- 
standen und  entstehen  noch  jetzt  nicht  nur  reine  Dolomite,  sondern 
auch  die  unreinen,  wohlbekannt  als  grauer  Aschlager  und  die  mag- 
nesiahaltigen ,  zelligen,  mehr  oder  weniger  krystallinischen  Raueh- 
wacken.  Die  riclitige  Theorie  scheint  uns  diejenige,  welche  dazu  die 
Hilfe  des  Mineralwassers  oder  nur  die  des  mit  Kohlensäure  geschwän- 
gerten Wassers  (Rischof)  annimmt.  Wenn  nun  diese  Wässer 
kohlensaure  Magnesia  enthalten  mögen  i),  so  ist  damit  nicht  gesagt, 
daß  in  altern  geologischen  Zeiten  Dolomite  auch  durch  schwefelsaure 
Magnesia-Reaction  und  unter  einer  höheren  Temperatur  2)  oder  selbst 
durch  Chlormagnesias)  oder  durch  wasserlose  Chlormagnesia  Dämpfe*) 
sich  vielleicht  haben  bilden  können.  Cordier  und  Leymerie 
erklären  sich  die  Bildung  der  Dolomite  durch  eine  Reaction  von  Kohlen- 
säure der  natronhaltigen  Thermalwässer  auf  dem  Chlorcalcium  des 


1)  Coquand,  Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1841.  B.  12,  S.  343.  1849.  B.  6,  S.  322.  Jackson, 
Amer.  J.  of  Sc.  1843.  B.  43,  S.  140.  Nauck,  Pogg.  Ann.  1848.  B.  75,  S.  129. 
Brüder  Rogers,  Amer.  Assoc.  1848.  Amer.  J.  of  Sc.  B.  6,  S.  396.  Benj.  Silli- 
man,  Amer.  Assoc.  1848.  Amer.  J.  of  Sc.  1848.  B.  6,  S.  401.  Forchhammer, 
Danske  Videnskab.  Selsk.  Forh.  1849.  S.  83.  ßrit.  Assoc.  1849.  Erdm.  J.  f.  prakt. 
Chera.  1830.  B.  49,  S.  32.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1832.  S.  834.  Bibl.  iiniv.  Geneve.  1830 
B.  13,  8.  241.  Scheerer,  Beiträge  zur  Erklärung  der  Dolomitbildung  1863. 
Verh.  k.  Leop.  Carol.  Ak.  B.  32,  Th.  1.  Boue',  Akad.  Sitzb.  1834.  B.  12,  S.  422 
u.  431.  1839.  B.  37,  S.  364.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1866.  S.  374.  Thermalwässpr. 
Dana  Amer.  J.  of  Sc.  1843.  B.  43,  S.  120.    1844.  B.  47,  S.  133. 

2)  Haidinger,  Trans,  roy.  Soc.  Edinb.  1827.  Collegno,  Bull.  Soc.  geol.  Fr. 
1834.  B.  6,  S.  110.  Sartorius,  Pogg.  Ann.  1833.  B.  94,  S.  133.  N.  Jahrb.  f. 
Min.  1833.  S.  737. 

3)  Virlet,  C.  R.  Ac.  Sc.  P.  1835.  B.  1.  S.  271.  Alph.  Favre  u.  Marignac  dito 
1849.  B.  28,  S.  364.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1849.  S.  742.  Edinb.  n.  phil.  J.  1849.  B.  47, 
S.  86.    Bibl.  univ.  Gene've  1849.  B.  10,  S.  194. 

*)  Frapoli:,  Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1S47.  N.  F.  B-4,  S.  831.  Pogg.  Ann.  1846.  B.  69, 
S.  301.  Durocher,  C.  R.  Ac.  d.  Sc.  P.  1831.  B.  33,  S.  64.  Phil.  Mag.  1851. 
N.  F.  B.  2,  S.  304.  Bibl.  univ.  Geneve  1851.  N.  F.  B.  18,  S.  343.  Sainte  Ciaire 
Deville,  C.  R.  Ac.  d.  Sc.  P.  1838.  B.  47,  S.  89,  91. 


4ö  Boue. 

Meenvassers,  welches  in  den  Urzeiten  dann  nicht  so  viel  Chlornatrium 
enthalten  hätte  *).  (Siehe  für  die  künstlicli  erzeugten  Dolomite.  Sitzh. 
1864.  B.  51,  S.  66.) 

Die  Rauchwacken  ~)  sind  meistens  in  der  Nachbarschaft 
oder  in  Begleitung  von  Gyps.  Doch  dieses  in  geologischen  Zeiten 
durch  die  Einwirkung  von  Schwefel  Wasserstoff  s)  oder  selbst  von 
Scliwefelsäuredänipl'en  *)  auf  dichten  oder  kürtiigen  Kalkstein  gebil- 
det, ist  ein  cher]iisches  Product,  welches  heut  zu  Tage  nur  im  kleinen 
und  kleinsten  Maßstabe  vorkommt.  Braun  erzählt  von  in  Gyps 
umformten  Muschelkalk  durch  Infdtration  schwefelsauren  Natron  ent- 
haltender Wässer  (N.  Jahrb.  f.  Min.   1844.  S.  39). 

In  Solfataren  bilden  sich  auf  diese  Weise  Selenitkrystalle  oder 
oder  selten  durch  die  Zersetzung  von  Eisenkies  in  verschiedenen 
Kalkfelsen  und  Gesteinen  verschiedenen  Alters,  kleine  Partien  von 
dichtem  Gypse  (Ells,  Mähren)  s).  Ein  sehr  ähnlicher  Process  ist  die 
Verwandlung  des  Kalksteins  in  Gyps  neben  der  Kupfermasse  zu 
Agordo  (L.  Pasini  Atti  della  3  Riunione  di  Sc.  ital.  Firenze  1841. 
S.  186).  Die  selenite  Krystallbildung  der  künstlichen  Wasserkam- 
mer im  Salzgebirge  der  Alpen  oder  in  Bergwerk-Stollen  derselben 
Gattung  von  Gebirgen  oder  in  jenen  reich  an  Schwefeleisen,  sind 
bekannte  Thatsachen.  In  den  sogenannten  Soffioni  oder  Bor  enthalten- 
den   Wärmewasser -Ausdünstuuffen    in    Italien    bemerkt    man    die 


<)  T.  Sterry  Hunt  Report,  geol.  Survey  of  Canada  18ö7,  18Ö8.  Amer.  .T.  of  Sc.  18"j7. 
N.  F.  B.  26,  S.  109.  1839.  B.  28,  S.  .360.  Phil.  Maj?.  1858.  B.  6,  S.  379.  1839. 
N.  F.  B.  18,  S.  153.  Quart.  J.  geol.  Soc.  L.  1860.  B.  16,  S.  133.  C.  R.  Ac.  de  Sc. 
P.  1862.  B.  34,  S.  1193.  Cordier  dito  B.  34,  S.  294.  Leyuierie,  Elements  de 
Min.  et  de  Ge'ologie  1861.  Mem.  Ac.  de  Toulouse  1864. 

2)  Für  ihre  Bildung.  Siehe  Cotta.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1848.  S.  134.  T.  St.  Hunt.  Amer. 
J.  of  Sc.  1837.  B.  24,  S.  272  u.  Bihl.  »niv.  Geneve  1837.  4.  F.  B.  36,  S.  268. 
Cnmbel,  Zeitschr.  deutseh.  geol.  Ges.  1866.  B.  18,  S.  391. 

3)  Bischof,  Schweig-g-.  J.  f.  Chem.  1832.  B.  66,  S.  147.  Coquand,  BuH.  Soc.  geol. 
Fr.  1840.  B.  11,  S.  386.  1841.  B.  12,  S.  343.  1848.  B.  6,  S.  116.  Despines, 
Aix  in  Savoyen.  Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1844.  N.  F.  B.  1,  S.  741.  .Marchison,  dito, 
Edinb.  n.  phil.  J.  1830.  B.  30,  S.  21.  Wang-enheim  v.  Qualen,  Corresp.  Blatt. 
Naturh.  Ver.  Riga  1838.  S.  83.  Delesse  fC.  R.  Ac.  de  Sc.  P.  1862.  B.  32,  S.912.) 

*)  Boue,  Essai  sur  l'Ecosse  1820.  S.  413.  Tasch.  f.  Min.  1823,  S.  277.  Voltz, 
Jahrb.  f.  Min.  1831.  H.  2.  Elie  de  Beaumont.  Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1841.  B.  12, 
S.  347.  Cotta,  Geologie  1846.  S.  130.  Boisse,  Ann.  d.  Min.  1843.  B.  8,  S.  31. 
Hunt.  Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1833.  B.  12,  S.  1306. 

5)    Diday,   Ann.  d.  .Min.  1847.  B.  11,  S.  409. 


ÜbiT  die  Rolle  der  VerändtTiiiig^eii  des  iinoryanisclieii  (•'esten  ete.  49 

Bildung  nicht  nur  von  vielem  kohlensauren  Kalk,  aher  auch  von  dich- 
tem so  wie  krystallisirlem  Gyps  und  sch\vefelsaurem  Natron  (Ilaiiiil- 
ton  Quart.  J.  oC  Geol.  Soe.  L.  1845.  B.  1,  S.  297). 

Herr  Webster  heobachlete  2  Fuß  dicke  Lager  von  Salz  und 
Gyps  auf  den  Küsten  der  Insel  Ascension,  dessen  Ursprung  er  in  den 
Wellenbewegungen  des  Meeres  einzig  zu  finden  glaubt  (Voy.  of  the 
Chanticleer.  1855.  B.  2,  S.  319)  i). 

Hierund  da  verbinden  sieh  die  Kai  kst  ein -Trümmer  zu 
mehr  oder  weniger  festen  Breccien  vermittelst  der  auflösenden  Kraft 
der  Kohlensäure,  welche  dann  eine  Art  von  Kilt  verursacht.  Dasselbe 
geschieht  mit  den  Kreide-Trümmern,  welche  oft  dann  das  Auge 
täuschen  künnem  (W.  Whitaker  Phil.  Mag.  1861.  4.  F.  B.  22, 
S.  325.) 

Eine  eigenthümlich  kleine  Bildung  ist  die  Verhärtung  des 
Kalksteinschleim,  wenn  dazu  geeignete  Oertlichkeit  wie  Pfützen, 
kleine  Becken  oder  große  Felsenlöcher  sich  finden.  Es  bildet  sich 
auf  der  Oberfläche  der  Kalkfelsen  mehr  oder  weniger  nach  der  Kalk- 
stein-Gattung ein  weißgrauer  oder  röthlicher  Schlamm,  welcher  von 
dem  Begenwasser  weggespült,  dann  hie  und  da  zu  einer  sehr  un- 
reinen Kreide  Anlaß  gibt,  wie  man  es  z.  B.  zwischen  Hallein  und 
Berchtolsgaden  u.  s.w.  beobachtet.  Es  ist  derselbe  Schlamm,  welcher 
in  Knochen,   Höhlen  und  Spalten-Breccien  noch    unreiner  erscheint. 

Ob  die  sogenannten  verrottenen  Kalkstein -Partien,  die  Bot- 
tenstone  der  Engländer,  von  einfacher  und  noch  jetzt  sich  fort" 
setzender  Verwitterung  herrühren,  möchte  ich  fast  glauben,  da 
dazu  nur  die  Kohlensäure  nothwendig  war.  (Siehe  V.  Martin  Mem. 
Manchester  Lit.  a.  pliilos.  Soc.  1813.  N.  F.  B.   2,  S.   313.) 

Es  scheint,  daß  das  sal p ete r saure  Natron  mit  wasser- 
losen schwefelsauren  Natron  und  Glauberit  auf  der  Pampa  de 
Tamarugalia  zu  Tarapaca  in  Peru  und  zu  Iquique  in  Chili  sich  nicht 
mehr  bilden  s),  aber  das  Gegentheil  findet  für   folgende  Salze  statt. 


1)  Math,  dd^  Dombasle,  Cause  du  voisinage  du  sulfate  de  chaux  et  du  sei.  Ann.  des 
mines  1821.  B.  6,  S.  149  — 1Ö9. 

2)  Mariano  de  Rivero,  Ann.  de  Chim.  et  Phys.  1821.  B.  18.  S.  442,  Quart.  J.  of 
Sc.  L.  1822.  B.  11,  S.  436.  Edinb.  n.  phil.  J.  1841.  B.  31,  S.  431.  Ch.  Darwin, 
Travels  of  nat.  bist.  u.  s.  w.  1839.  Deutsch.  Übers.  B.  2,  S.  133.  N.  Jahrb.  f.  Min. 
1843.  S.  366.  John  H.  Blake,  Amer.  J.  of  Sc.  184S.  B.  44,  S.  1.  L'Institut  1843. 
S.  120.  Boue',  Mem.  Soc.  geol.   Fr.    1848.   B.  3.  Th.  1,   S.  166.   Will.  Bollaert, 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  LVll.  Bd.  1.  Abth.  4 


50  Boüe. 

namentlich  das  K ü c h e n s a I z  auf  gewissen  Wüsten  i),  der  Salpe- 
ter (siehe  Bibliographie  dazu  am  Ende  dieser  Abh.) ,  der  Nitro- 
calcit  des  Herrn  Shopard,  das  kohlensaure  Natron  2),  der 
Borax  s),  der  AI  aun  (Budoshegy,  Tolfa  u.  s.  w.)  *),  das  schwe- 
felsaure Eisen,  (Dr.  H.  Lovetz.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1863. 
S.  665,  668),  die  schwefelsaure  Magnesia  ^),  der  koh- 
len-«), (Salmiak  in  Vulcanen)  chlor-  und  salpetersaure 
Am  moniak  (nach  Schönbein).  Doch  gehören  außer  den  sechs 
erstem  Salzen  alle  andern  sammt  dem  Nitrocalcit  zu  denjenigen,  welche 


J.  roy.  geogr.  Soc.  L.  1831.  B.  21,  vS.  99.  N.  Jalirl..  f.  Min.  ISüS.  S.  6.  Hilliger 
u.  Hugo  Reck,   Berg-  u.  Hütteimi    Zeit  1803.  S.  229. 

1)  Lavoisier,  Chlorsäure  Bildung  in  bewolinten  Orten.  S.  Chemie.  B.  1,  S.  253. 
Piilrin,  .1.  tie  Pliysiq.  1800.  B.  ."jO,  S.  248.  IVA  u  b  u  is  s  o  n\s  üeognosie  1834.  B.  2, 
S.  485.  Rn  SS  egger,  Karsten's  ii.  Archiv  f.  Min.  1841.  B.  16,  S.  380.  Bec- 
querel,  Erklärung  dui-eh  das  Aufsteigen  des  Wassers  vermittelst  der  Capillarität 
im  Wüstensand,  wo  es  Salz  auflösl,  (Traite  de  Phys.  1844.  B.  2,  S.  249.)  Hom- 
maire  de  Hell.  Voy.  pittorcs«).  liist.  et  scienl.  dans  la  Steppe  de  la  Riissie  nierid. 
1841.   u.  s.  w. 

2)  N.   Bergmann.  J.  1798.   B.  2,   S.    171-  179.    L.   Palcani.   Mem.   Soe.   ital.    1797. 

B.  8,  S.  77.  Expedit.  Scientifiq.  d'Egypte  1809.  2.  Aufl.  1821.  Humboldt,  .1.  des 
min.  1811.  B.  29,  S.  106.  Beudant,  Voy.  en  Hongrie  1822.  Berghaus,  Ann. 
1834.  2.  F.  B.  10,  S.  373.  Bischofs  Geolog.  Leonhard's  Tasch.  d.  Fr.  d. 
Geologie  1846.  S.  37.  Hunt,  Americ.  J.  of  Sc.  1865.  N.  F.  B.  39,  S.  182. 

3)  WiH.  Blanc  im  Thibet.  Lond.  phil.  Trans,  f.  1787.  P.  2,  S.  297.  Pater  F.  Jos.  de 
Rovato  (dito  S.  301  u.  471),  Forster  dito  (S  pr  en^gel's  Beitrag  z.  Volk.  u. 
Landesk.  1788.   B.   9   u.  Voigts   Mag.   f.   Phys.  u.  s.  w.    1794.    B.  6,  H.  3,   S.  39), 

C.  G.  Hillinger  zu  Tarapaca  Peru.  (Annuario  nacional  de  Peru  f  1860.  Lima 
1860.  S.  191.)  Hugo  Reck  dito.  (Berg-  u.  Hüttenm.  Zeit.  1863.  S.  229). 

*)  Müller,  Zeitschr.  deutsch,  geol.  Ges.  1854.  B.  6,  S.  707.  Will.  Keene  (Delesse, 
Revue  d.  Geologie  f.  1861,  S.  123). 

5)  Proust,  in  Andalusien  (I.  de  Phys.  1788.  B.  32,  S.  246).  Dr.  Mohr,  Pseudo- 
vulcane.  (Auu.  d.  Chem.  u.  Pharm.  1840,  B.  35,  S.  239).  Ramon  de  la  Sagra,  in 
Spanien.  (Erdm.  J.  f.  prakt.  Chem.  1856.  B.  66,  S.  236).  Saemann  u.  Guyar- 
det,  Exp.  sur  la  format.  de  sulfate  de  Magnes.  aus  eiivirons  de  St.  Jean  de 
Maurienne,  Savoie  1862.  8. 

••)  In  Vulcanen  u.  Pseudovulcanen.  Ann.  of  phil.  1813.  B.  5,  S.  464,  in  Vulcanen 
(Edinb.  n.  phil.  J.  1826.  B.  1,  S.  193).  Chr.  Kapp,  Dufweiler  Pseudovulcan. 
(N.  Jahrb.  f.  Min.  1836,  S.  201.)  R.  Bunsen,  in  Islandischen  Laven.  Ann.  der 
Chem.  u.  Pharm.  1847.  B.  62,  H.  1,  gegen  Sartorius.  (Island  S.  116.)  Ann.  de 
Chem.  1848.  B.  65,  S.  72.  Phil.  Mag.  1858.  4.  F.  B.  16,  S.  368.  Bischof 
(Geologie  1847.  B.  2,  S.  113  u.  119.)  Ranieri,  für  Bunsen's  Meinung.  (Liebigs 
Ann.  d.  Chem.  1837.  B.  104  Phil.  Mag.  1838  4.  F.  B.  HS.  S.  369.)  Napoli,  am 
Vesuv.  (Rendiconto  dell  Accad.  di  Sc.  di  Napoli  1862  fasc.  7  —  8.) 


über  die  Kolle  der  Verüiidenirif^eii  des  iitiurgauischen  Festen  etc.  [)  [ 

nur  in  der  Natur  in  kleinem    Quantum  und  selbst  im  kleinsten  Maß- 
stabe vorkommen. 

Es  ist  ein  ähnlicher  Fall  wie  mit  manchen  kleinen  Mineralien 
wie  zum  Beispiel  der  Aluminit,  welcher  scheinbar  den  Platz  von 
Eisenkiesknollen  eingenommen  hat  i),  der  Halloysit  oder  Len- 
ziiiit  (Daubree  Bull.  Soc.  geol.  Fr.  18o9.  B.  17,  S.  567).  Der 
Vivianit  oder  Eisenphosphat  ^),  der  seltenere  erdige  Phosphorit 
(Marmarosch),  möglichst  auch  die  dichte  Gattung  (Gümbel,  Münch. 
Acad.  1864.  S.  325,  Gir ardin,  C.  R.  Acad.  Sc.  d.  P.  1842.  Oct. 
Malaguti  (dito  1861.  B.  S3,  S.  442).  Sandb erger  N.  Jahrb.  f. 
Min.  1864,  S.  631.  H.  Rose  (in  einer  Eierschale  des  Guano).  Die 
Barytsalze  s),  die  Chlorsäure  der  Vulcane,  der  durch  Subli- 
mation, durch  Schwefelwasserstoff  oder  Verwitterung  des  Blei- 
glanz oder  Eisenkies  gebildeter  Schwefel,  die  Schwefelsäu  re*}, 
die  Borsäure  5),  der  Flusspath  der  Thermalquellen  e) ,  ein 
seltener  Glimmer  ^)    und  ein  Feldspat h  ähnliches  Mineral,  alle 


1)  Schreber,  Litholog.  Hallensis  1759,  Salzb.  medic.  Zeitg.  1792.  B.  t,  S.  334. 
Saussure,  Schere r's  allg.  J.  d.  Chem.  1802.  B.  8,  S.  470.  Keferstein,  durch 
alaunhältige  Wässer  veränderter  Kalkstein.  Tasch.  f.  Min.  1816.  B.  9.  Th.  2,  S.  3ö. 
H.  Müller,   De  tert.  formationis  mineris  alumlnicis.  Berlin  1833.  4. 

2)  P.  P.  Pallas,  Reise  durch  verschied.  Provinz,  d.  russisch.  Reich.  1771.  B.  1, 
S.  34.  Dr.  John,  durch  vegetabilische  Zersetzung  zu  Spandau.  Chem.  Untersuch. 
S.  307.  Tasch.  f.  .Min.  1813,  S.  363.  Ann.  d.  Min.  1816.  B.  1,  S.  444.  A.  T.  Wieg- 
mann, Kastner's  Archiv  f.  Naturl.  1827.  B.  12,  S.  422.  N.  Act.  Ac.  nat.  Cur.  1837. 
B.  18,  S.  XV.  Bertrand  de  Lom,  durch  vulcanisch  verändert.  Apatit.  C.  R.  Ac. 
d.  Sc.  P.  1843.  B.  20,  S.  439.  Seh  lossb  er  ge  r ,  im  thierisch.  Körper,  Würtemb. 
naturw.  Jahresb.  1847.  B.  3,  H.  1,  S.  30.  Liebig's  Ann.  d.  Chem.  u.  Phar.  1849. 
B.  62,  S.  382.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1848.  S.  374.  J.  Niki  es,  im  menschl.  Körper. 
Amer.  J.  of  Sc.  1836.  N.  F.  B.  21,  S.  403. 

3)  W.  Haidinger,  Schwerspalh-Krystalle  im  Carlsbader  Wasser,  Jahrb.  k.  k.  geol. 
Reichsanst.  1834.  B  3,  H.  1,  S.  142.  Jahrb.  f.  Min.  1834,  S.  683.  Kuhlraann, 
durch  Steinbruchwasser  gebildet.    C.  R.  Ac.  d.  Sc.  P.  1837.  B.  43,  S.  787. 

*)  Durch  Schwefelwasserstoff  zu  Acqua  Santa.  NachEgidi,  Edinb.  n.  phil.  J.  1829. 
B.  7,  S.  364.  Eaton,  durch  Eisenkieszersetzung.  Americ.  J.  of  Sc.  1829.  B.  33, 
S.  239.  Quart.  J.  of  Sc.  1819.  B.  27,  S.  200. 

5)  Bischofs  Geolog.  1847.  ß.  1,  S.  669.  B  o  u  e,  Mem.  Soc.  geol.  de  Fr.  1848.  B.  3, 
S.  172.   Rob.  Warrington,  Edinb.  n.  phil.  J.  1833.  2.  F.  B.  1,  S.  230. 

6)  Berzelius,  zu  Carlsbad.  Gilberfs  Ann.  1823.  B.  74.  S.  133  u.  138.  Daubree, 
in  ähnlich.  Quellen  zu  Plombieres.  Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1839.  B.  13,  S.  368. 

'j  ISauwerk,  Crells  chem.  Ann.  1786.  B.  1,  S.  309—316.  Dr.  Jenzsch,  im 
Melapbyr-Thone.  Pogg.  Ann.  1838.  B.  103,  S.  620. 


J)  2  B  o  II  e. 

beide  letztere   sclieinbai-   in    derselben  Zeit    auf  nassem  Wege   zu 
Stande  gekommen  i). 

In  der  Bildung  nocb  begriffen  ist  der  Guano,  weleher  in 
bedeutenden  Massen  alle  Umwandlungsstufen  der  Vögel-Excremente 
bis  zum  festen Meißlichen  oder  grauen  Felsen  zeigen.  Der S t r u  v i  t  ist 
aucb  eine  ähnlicbe  Bildung  (Amtl.  Ber.  d.  24.  Vers,  deutsch.  Naturf. 
1846.  Th.  8,  S.  2(J4  u.  Min.  S.  51). 

Unter  den  b  r  e  n  n  b  a  r  e  n  M  i  n  e  r  i  a  1  i  e  n  verwittert  wohl  manch- 
mal der  Bernstein  so  wie  aucb  die  schwarze  und  braune 
Kohle  im  kleinen,  das  letztere  geschiebt  meistens  durch  die  Zer- 
setzung des  Schwefelkies.  Nur  gewisse  Gattungen  von  Koblen  zei- 
gen Metamorphosen  im  großen  Maßstabe,  es  sind  dann  die  von  Berg- 
leuten genannten  verrottenen  Kohlenlager,  welche  erdiger 
und  weniger  zusammenhängend  als  die  andern  Gattungen  scheinen. 
Sind  Kohlenlager  abgebrannt,  so  stellen  sich  Asche  und  andere  Pro- 
ducte  der  Verbrennung  ein. 

In  den  Q  u  arzgebil  den  sind  uns  keine  Umwandlungen  im 
Großen  bekannt.  Die  sogenannte  Verwitterung  der  Quarzfelse  ist 
nur  eine  Auflösung  gewisser  Theile  von  den  übrigen  vermittelst 
Sprünge,  worin  Feuchtigkeit  eindringt,  obgleich  im  Kleinen  die 
Feuersteine  und  die  Opale  etwas  der  Art  zeigen,  und  Eis  darin  sich 
im  Winter  ausdehnt.  Auf  diese  Weise  bilden  sich  am  Fuße  der  Quarzit- 
berge  Schuttkegel  wie  bei  den  Kalkbergen,  doch  sind  in  letzterem 
Falle  die  Bruchstücke  vorzüglich  für  den  magnesiahaltigen  Kalk  3- 
bis  6-  und  8-kantige,  indem  ausser  gewisse  grobe  Jaspis  (Bianconi's 
Esc.  geol.  nel  territ.  porrettano  1867.  T.  3)  die  Quarzfragmente  mei- 
stens keine  solche  an  der  Regelmäßigkeit  streifende  Formen  darbieten. 
Der  Configuration  nach  bilden  die  Quarzberge  Reihen  von  spitzi- 
gen Bergen  (NW.  Schottland)  oder  nur  isolirte  breite  Zuckerhüte  oder 
dreieckige  Pyramiden   wie   der  Schiballion  (Schottland)   oder  man 


<)  Söcliting,  Zeitschr.  deutsch,  geol.  Ges.  1858.  B.  11,  S.  147.  Dr.  Jenzsch, 
Saniden-Kryst.  in  verwittert.  Melaphyr-Thone,  Pogg.  Ann.  1838.  B.  105,  S.  618, 
652.  A.  Knop,  im  S.-iudstein  u.  porphyritisclien  Conglomerat,  Beiträge  z.  Keniitn. 
<1.  Steinkohlenf.  u.  s.w.  im  Krzgebirgc  Bassin  18Ö9.  iN.Jalirb.  f.  Min.  1859.  S.  595. 
Volger  dito,  dito  1861.  S.  7.  —  Für  die  Feldspathbildung  im  Allgemeinen.  Siehe 
Dr.  E.  Weiss,  wichtige  optische  Beitrüge  zur  Kenntniß  d.  Feldspathbildung  u. 
Anwendimg  auf  die  Entstehung  von  Quarztrachyt  u.  Quarzporphyr.  Gekrönte 
Schrift.  Harlem  1866.  4.  2.  T.    Zeitschr.  deutsch,  geol.  Ges.  1865.  B.  17,  S.  435. 


über  die  Rolle  der  Veränderungen  des  unorganischen  Festen  etc.  53 

sieht  vor  sich  mauerälinh'che  Berge  mit  gewölbten  Kuppen  oder 
abgestumpften  Ki'iplen  wie  im  Taunus  und  westlichen  Indostan. 
Diese  Massen  sind  immer  in  einer  Schielerhülle,  welche  durch  die 
leichtere  Verwitterung  eher  als  das  feste  Silicat  versclnvind(  t. 
Manchmal  hat  es  uns  geschienen,  daß  die  isolirten  Quarzherge  nur 
in  sehr  großem  Maßstabe  die  geMÖhnlichen  Nieren  oder  Mandel  des 
quarzigen  Glimmertalk  und  Chloritschiel'er  vorstellen. 

Obgleich  die  Quarzbildung  im  Kleinen  (Quarzkryslall,  Ilyalilh, 
Chalcedone,  Jaspis)  durch  Mineralwässer  oder  überhaupt  auf  nassem 
Wege  fortgehen  kann,  bleibt  die  Bildungstheorie  des  echten  Quarz- 
fels viel  schwerer  als  die  derQuarzite,  welche  letztere  mikroskopisch 
untersucht,  nur  immer  mehr  oder  weniger  dichte  zusanimengepreßle, 
manchmal  verkieselte  oder  verkohlte  Sandsteine  sind.  Für  die  Quarz- 
felsen finden  wir  in  der  Natur  nur  die  Bildung  des  Kieselsinter  durch 
Thermalwässer(  Island,  Californien)  und  diejenigen  des  Trippelsteines 
durch  die  Kieselpanzer  der  Infusorien,  doch  welcher  himmelweiter 
Unterschied  zw  ischen  beiden  Producten. 

In  der  Natur  sehen  wir  den  Quarzfels  im  kleinen  Maßstabe 
Gänge  bilden ,  welche  in  sehr  verschiedenen  Formationen  von  den 
ältesten  bis  zu  den  jüngsten  gefunden  werden.  In  altern  Formationen 
so  wie  in  dem  Kryslallinischen  überhaupt,  tragen  die  Quarzgänge  die 
Bildungsmerkmale  Thermalwässer  oder  thermaler  wässeriger  Dämpfe, 
welche  wie  noch  jetzt  durch  ihren  Natrongehalt  die  Kieselerde  in 
Auflösung  hielten.  Mit  diesen  Silicaten  im  amorphen  Zustande  sind 
Quarz-Krystalle,  Jaspisarten  (Daubree  Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1839. 
B.  17,  S.  568),  eben  so  als  verschiedene  Metalle  und  besonders 
geschwefelte,  namentlich  Gold,  Rutil,  Wolfram,  Schwefel,  Molybden 
u.  s.  w.   abgesetzt  worden. 

Herr  Posepny  hat  in  den  goldführenden  Quarzlagern  und 
Gängen  zu  Gyalu  in  Siebenbürgen  Structur-Verhältnisse  gefunden 
und  abgezeichnet  (Verb.  k.  k.  geol,  Reichsanst.  1867,  S.  98), 
welche  lebhaft  an  denjenigen  der  Agathen  erinnern.  Er  glaubt 
darin  eine  großartige  Pseudomorphose  des  Kalkstein  gefunden  zu 
haben,  indem  er  uns  die  Möglichkeit  einer  andern  Erklärung  doch 
nicht  ganz  verschließt,  namentlich  daß  wir  es  da  mit  einer  quarzi- 
gen Gangausfüllung  zu  thun  haben.  Kieselhaltige  Thormalwässer 
hätten  die  Spalten  theÜM  eise  agathmäßig  ausfüllen  und  zugleich  die 
kalkigen  Nebengesteine  etwas  verkieseln  können. 


54  Bon  e. 

Docli  wenn  man  auC  diese  Art  die  Qiiarzbiklung  etwas  begreifen 
kann,  so  ist  diese  Erklärungsart  für  die  großen  Quarzberge  nicbt 
slichbaltig,  man  muß  da  wieder  seine  ZnlUicht  zu  dem  großartigen 
Chemismus  der  uräitesten  Zeit,  namentlich  der  krystallinischen  Schie- 
ferbildung zurückgreifen.  Ob  man  wohl  in  diesem  eigenthiimlichen 
Laboratorium  Ejaculationen  von  sehr  kieselerdereichen  Wässern  an- 
nehmen oder  selbst  solche  von  weicher  teigartiger  Kieselerde  sich 
denken  könnte?  Die  letztere  hätte  sich  auf  diese  Weise  tiiciiweise 
in  den  altern  Schiefern  angehäuft  oder  sie  in  theilweise  von  unten, 
theilweise  von  oben  gefüllten  Gängen  durchsetzt.  Dieser  Meinung 
scheint  die  Thatsache  des  sogenannten  cylinderfürmigen  goldführen- 
den Quarz,  des  amerikanischen  Barrelquarz,  günstig,  das  Gold  hat 
sich  zwischen  den  Rollen  abgesetzt  (Amer.  J.  of  Sc.  1864.  B.  38, 
S.  104).  Aber  gerade  wegen  dem  Umstände  der  mit  Quarz  aus- 
gefüllten Spalten,  möchten  wir  zweifeln,  daß  wie  gewisse  Theo- 
retiker meinen ,  alle  alten  Quarzfelsen  umgeänderte  Sandsteine 
oder  Aggregate  sein.  Wir  ptlichten  der  Meinung  des  verewigten 
Macculloch  gänzlich  bei,  indem  wir  die  Quarzfels-Materie  eben 
so  uralt  als  die  des  Granit  halten,  ohne  darum  zu  zweifeln,  daß  es 
viele  jüngere  Quarz-Gebirgsarten  in  Lagern,  Stöcken  und  Gängen, 
wie  z.  B  im  Silurischen  u.  s.  w.  gibt,  welche  theilweise  metamor- 
phosirte  Sandsteine  ,  theilweise  Thermalwasser-Niederschläge  sein 
werden.  Wenn  der  tertiär  zellige  Mühlstein-Quarz  sich  nicht  mehr 
bildet,  so  ist  es  möglich,  daß  dieses  der  Fall  mit  dem  Schwimmkiesel 
(St.  Ouen  u.  s.  w.)  sein  mag. 

Die  Scbiefersteine  wie  die  Sandsteine  und  Conglomerate 
verwittern  wolil ,  aber  selten  glaubt  man  wirkliche  Umwandlungen 
und  nicht  nur  allein  Zerbröcklungen  zu  gewahren.  In  einem  solchen 
Stadium  findet  man  z.  B.  manche  Schiefer-Partien  auf  den  Seiten 
der  Metallgänge,  wo  Verkieselung,  grüne,  rothe  und  gelbe  Färbungen 
u.  s.  w.  bemerkt  werden.  Dann  gibt  es  Schiefer,  welche  zur  Zer- 
setzung geneigte  Mineralien  oder  Bestandtheile  enthalten.  So  fanden 
wir  z.B.  in  Central-Bosnien,  bei  Egripalanka  und  Samakov  in  Macedonien 
sehr  bedeutende  Massen  von  Glimmer  undThonschiefergebirge  in  einer 
weichen  graubräunlichen  Materie  zersetzt,  so  daß  man  daraus  das  reiche 
Eisenglimm  er  erz  leicht  auswaschen  konnte.  Anderswo  unfern 
der  Granite  fanden  wir  zu  Pouzac  bei  Bagneres  de  Bigorre  in  den 
Pyrenäen  dieselbe   Schieferbildung  gänzlich    in    Thon    verwandelt. 


über  die  Rolle  der  Veränderungen  des  unorganischen  Festen  etc.  J)5 

ohne  ihre  Schichtung  wie  in  der  Türkei  verloren  zu  haben.  Diese 
letzteren  Schiefer  waren  aber  voll  Co  uzerani  t-Krystallen.  [n 
allen  Fällen  lieferten  und  liefern  noch  die  Sehiefergesteine,  sowohl 
die  altern  als  die  Jüngern  Schieferthone  sammt  den  feldspathisclien 
Felsarten  das  Material  zu  den  Thoneninassen  aus  allen  Zeiten. 

Die  Gneisse  verwittern  auch  und  bilden  ähnliche  weiche 
Felsen,  doch  dieses  ist  nur  eine  Folge  der  Kaolinumwandlung  ihres 
Feldspathes.  Der  Grussand,  die  französische  Arene  des  Granit, 
ist  eine  bekannte Thatsache  (Morven,  Insel  Arran,  Schottl.,  Kirklisse, 
Thracien).  Das  ist  aber  wieder  meistens  nur  eine  mechanische, 
besonders  durch  Wasser-Infiltration  hervorgebrachte  Zersetzung,  die 
Wirkung  des  Atmosphärischen  tritt  später  dazu,  der  Feldspath  wird 
früher  als  der  Glimmer  angegriffen.  Ähnliche  Kohlensäure  ent- 
haltende Wasser-Infiltrationen  bringen  hie  und  da  Zeolithe  (Stilhite 
besonders),  in  Trachyt  eben  sowohl  als  im  drusenreichen  Granit,  wie 
in  Glen  Rosa  in  der  Insel  Arran,  Schottl.  u.  s.  av,  vor.  Der  Sienit  ist 
auch  manchmal  einer  bedeutenden  Zersetzung  ausgesetzt,  wie  es  uns 
Del  esse  in  den  Vogesen  (Ann.  d.  Min.  1848.  4.  F.  B.  13,  S.  668), 
Wittstein  (M.  Jahrb.  f.  Min.  1863,  S.  309),  Bischof  im  Oden- 
wald (Geolog,  ß.  3,  S.  362)  beschrieben.  Zwischen  ßania  und 
Samakov  in  der  Türkei  hatten  wir  auch  Gelegenheit  Sienit-  so  wie 
Granitzersetzung  zu  beobachten. 

Unter  den  Erzen  gibt  es  außer  der  großartigen  Umwandlung 
des  Spatheisenste in  auf  Lagern  oder  Gängen  in  Eisenoxyd- 
Hydrat,  diejenigen  desselben  Erzes  in  Roth  eisen  stein,  die  des 
Brauneisenstein  in  Ankerit,  die  des  Eisenspath  in  was- 
serhaltigen phosphorsauren  Eisenoxyd,  die  Bildung  der 
Oker,  die  Umwandlung  des  Eisenkies  und  Manganoxyd  in 
Hydrate.  Die  ()t itbildung  sieht  man  noch  im  Kleinen  fortgehen. 
Weiter  können  wir  noch  an  den  so  häufigen  Zersetzungen  und  Um- 
wandlungen einiger  gesch  we  fei  I  er  Metalle  wie  Blei,  Zink, 
Eisen,  Kupfer,  Antimon,  Arsenik  und  Mangan  erinnern,  unter  welchen 
das  von  Blende  herstammende  Galmey  einen  wichtigen  Platz 
einnimmt. 

Wie  gewisse  Wässer  Raseneisenstein  bilden,  so  ent- 
stehen durch  kalte  Säuerlinge  noch  jetzt  Eisenhydrate  so  wie 
kohlensaures  Eisenoxydul  und  Manganoxyd.  Schwefel- 
eisen  und   Zink  sind   noch  Producte  unserer  Zeit.   In  den  Schlün- 


!l  6  B  0  u  e. 

den  der  Vulcane  setzen  sieh  nielil  mir  Schwefel,  sondern  durch 
Sublimation  Chloreisen,  Chlormagnesium,  chlorsaures 
Kupfer,  Eisenoxyd,  M  agnetei  sen  oder  Eisenoxydul,  so 
wie  Magnoferrit  (Ra  m  melsberg,  Pogg.  Ann.  1859.  B.  407. 
S.  454)  ab.  Die  von  dem  Innern  der  Erde  auf  der  Erdoberfläche  durch 
plutonische  Kräfte  erschienenen  Metalle  sind  besonders  in  Verbindung 
mit  Schwefelsäure  allein  oder  Arseniksäure.  Alle  andern  metallischen 
Säuren  sind  ein  viel  selteneres  Vorkommen.  Die  Fluor-Kieselsäure 
scheint  eine  ziemlich  bedeutende  Rolle  in  der  Erdball-Genesis  ge- 
spielt zu  haben,  aber  Phosphor,  Bor  und  H  y  d  r  o  c  h  1  o  r -  S  ä  u  r  e 
so  wie  Brom  und  Jod  ziemlich  selten  gewesen  zu  sein. 


Bibliographie  des  Salpeters. 

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Ba  Idassari   Oss.  sul.  sale  della  Creta  Sienna.  1750. 
Kareiberg,   (tlanold),  Salpeters  fortplantning  och  formering  St.  1756.  8.   — 

Gott.  gel.  Anz.   1751.  S.  855.   —  Unterracttelse  von  Salpeters  Imnoga  til 

Wärkning  u.  s.  w.  St.  1737.  8.  —  Gott.  gel.  Anz.  1758.  S.  1382. 
Fabricius  (Phil.  Conr.),    Diss.  de  sale  alcali  fino  minerali.    Be^p.  Schulze. 

Ilelmst.  1756.  4. 
Vogel    (Rud.    Aug.),   Diss.  de  nat.  alcali  minerali <.  Resp.   Riboek.   Götling. 

1763.  4. 


über  die  Rolle  der  Verändcrung-en  des  unorgaiiisclieii  !-'esten  etc.  37 

Woeldicke    (Severin),  Diss.  de  sale  murarlo  Hafn.  1764.  8. 

Cartheuscr   (Fred.  Aug.)  ,    Min.  Abh.  1771.  S.  117.  Beckmann's  Hihi.  1771. 

B.  2,  S.  117. 
Tronson    du   Condray,    Hozier's   Introd.    aux  ohs.  sur  lu  Pliys.  1772.  B.  2, 

S.  147 — 131.  —   Meni.  sur  )a  meillcure  methode  d'extraiie  ef  de  raffiner 

le  Salpelre.  Upsal  u.  P.   1774.  8. 
V.  Roda     (Ernst,    Adam,    Lulh.),    Abli.  üb.  d.   v.  d.  naturf.   Gos.  zu  Danzig 

auTgigel).  Frage  von  d.  l  rsachen  d.  verderbl.  Salpeterfrasstis  an  d.  Mauern 

u.  d.  Mitfein  ihm  vorzubeugen  u.  s.  \v.  I'reissehrift.  Allenburg  1772.  4.  — 

Beckmann's  Bihl.  17  2.  B.  3,  S.  594.  (Schleelit.) 
Beckmann's  Bihl.  177o.  B.  G,  S.  325. 
Mutzer   (Franz),  Diss.  de  genesi  nitri  noslii.   Wien  J775.  4.  — Wasseiberg's 

Opera  minor  medica  fasc.  I.  S.  433. 
Instru  ct.  sur  l'e'tablissement  des  Nitrieres  et  sur  ia  fabrieat.  du  S;tlpetre  etc. 

P.  1777.   4.    —    P.  An  11  (171)4)  8.   196  u.  4  Kupt.   Beckmann's  Bibl. 

1778.  B.  9,  S.  344. 
Berger   (Jean),  Versuche  zu  Helsirgfors.  Vef.  acad.  Handling.  1777.  S.  193. 
Deutsch,  Übers.  Schwed.  akad.  Abb.  1777.  S.  179. 
Pfingsten    (J.    H.) ,    Sammlung,   v.  Nachricht,    u.    Beob.  üb.    d.  Erzeug,  u. 

Verfertig,  d.   Salpeters  v.  Macquer.   d'Arcy,   Lavoisier,   Sage  u.  Baume. 

Dresden  1778.  8.   Beckmann's  Bibl.  1784.  B.  13,  S.  56  ((heilweise  aus  d. 

Mem.  Ac.  roy.   de  Sc.   de  Paris). 
Cornette,  sur  la  formation  du  Salpetie  et  sur  les  moyens  d'augmenter  t-n 

France  la  produefion  de  ce  sei  P.  1778  u.  1779.  Mem.  de  Math,  et  Phjs. 

Ac.  d.  Sc.  F.  f.  1777.   B.  2.   Mem.  S.  1.  Beckmann's    Bibl.  1781.  B.  II, 

S.  420.  Deutsche  Übers,  v.  Pfingsten.  Dresden.   1781.  8.  4.  K. 
DeLorgna,   Mem.  de  Math,  et  Phjs.  Ac.  d.  Sc.  P.  f.  1777.  B.  2,   S.  167. 

Mem.  presentes  a  l'Acad.  1786.    B.   II.    —    Hist.  de   ce  qui  s'est  passe 

relatjvement  aux  prix  proposes  sur  la   formation  du  Salpetre,   dito  Hist. 

S.  1-198. 
Thouvenel,  Brüder,  dito  Mem.  S.  55.  Roziei's  Obs.  sur  la  Pliys.  1786.  B.  29, 

8.  264,  mit  Lametherie's  Bern.  S.  272—275. 
Gavinet  et  Chevrand,  zweiter  Preis  über  diese  Frage,  dito  Mem.  S,  268 

und  327. 
Beunie   (J.  B.  de)  dito  S.  371. 
St.  Omer   (Comte  Thomassin  de)  dito.  S.  399. 
Romme  (dito  S.  421  u.  478). 
Fabrication   (dito  S.  633). 
Weber   (J.  A.),    Vollst,  theoret.  u.  pract.  Abh.  v.  d.  Salpeter  «.  d.  Zeugung 

desselben  u.  s.  w.  Tübing  1779.  8. 
P  i  e  t  s  c  h  (J.  G.).  Abh.  v.  Erzeugung  des  Salpeters.  Preisabh.  Berl.  Ak.  B.  1780. 4. 
Saluces    (Comte  de),  Essais  sur  le  Salpetre  artifioiel  Turin  1782.  Deutsche 

Üb.  Crell's  Chem.  Entdeck.  1784.  B.  8,  S.  6. 
Becker    (Job.  Phil.),   Entdeckte  Salpetersäure  in  d.  animalisch.  Ausleerung, 

nebst  einer  Abh.  v.  Salpeter.  Dessau  1783.  8.  Supplement  D.  1784.  8, 


58  B  o  u  e. 

Reuss     (Christ.   FiIimI.),    Beob.,    Versuche  u.    Krfiihning   üh.    den  Salpeter. 

vorlheilhaft.  Verfertignngsarten  u.  s.  w.  Tuhing.  1782.  8.    —  Erste  Fort- 

selzung.  T.  178i>.  8.   —   Zweit.'  Forts.  178(5.  8. 
Massey  (Jam.),    Mem.  lit.  Soc.  of  Manchester  1785.  2.  Ausg.  B.  1,  S   184. 

—  Ileceuil  de  Mem.  et  des  pieces  sur  la  Format,  et  ia  f;ibricat.  du  Salpetre 

(^Tiiouvenel  damalig.  Pulver-Conimissiir).    F.  1786.  4.  —   Mein,  de  Math. 

et  Phys.  presentees  ä  l'Ac.  d.  Sc.  de  P.  1786.  B.  1 1. 
Fiedler    (Karl  Wilh.),    Griindl.  Anweisung  z.  vortheilhaft.   Salpeter- Kr/eu- 

gung  u.  s.  w.  Cassel  1786.  8.  —  Beekmann's  Bibl.  1787.  B.  14.  S.  2S3. 
Koenig    (F.    W.),    Teehnol.    Beitrag  z.   Kcnnln.    d.  Salpeterfrasses  an  dem 

Gemäuer  u.  laufenden  Schwanimes  an  dem  Holzwerke  d.  Gebäude.  Tüb. 

1788.  8.  Taf. 
Bullion    (de),    Mem.  sur  les  Moyens  d'obtenir  le  nitre  ou  salpetre  de  terros, 

de   le    purifier   u.    s.    w.    (Mem.    d' agricuiture  P.  1791.    Winter.  S.  38). 

Instruet.  sur  l'etablissement  des  Nitrieres  et  sur  la  fabricat.  du  salpetre. 

I'.  1794.  8.    -   L' Art  d.  fabriquer  le  Salin  et  la  Potasse  u.  s.  w.  P.  1794. 

4.  —  (J.  d.  Phys.  1794.  ß.  44,  S.  321  -323). 

Lax  mann  Vom  Salpeter.  St.  Petersb.  179S.  8.  -  Moll's  Jahrb.  f.  B.  u.  H. 
179§.  B.  2.  S.  298.  Chaptal's  Traite  sur  le  Salpetre.  P.  1796.  8. 

Humboldt   (Alex.  von).    (Gilbert's  Ann.  1799.  B.  1,  S.  313.) 

Saussure  (Theod.),  Schwefelsaure  Thonerde  wird  an  der  Luft  ein  Ammo- 
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Ptiys.  1809.  B.  69,  S.  107—113).  —  Salpetersäure  und  salpetersaure 
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thierischer  Materien  gebildet.    Molfs    N.  Jahrb.  d.  B.  u.  H.  1845.  B.  3, 

5.  128,  Ann.  d.  Ch.  et  Phys.  1818.  B.  9,  S.  200,  Karsten's  Archiv  f. 
Bergb.  1820.  ß.  3,  S  220.  Ann.  d.  Ch.  u.  Phys.  1823.  B.  24,  S.  411. 
Saucrstolf  u.  Stiekstdfl'  in  Berührung  mit  porösem  Kalk  sammt  Feuchtigkeit. 
1826.  B.  33,  S.  0.  Ann.  d.  Min.  1827.  2.  F.  ß.  1,  S.  127.  Edinb.  n.  phil. 
J.  1827.  B.  1,  S.  193.  Edinb.  J.  of  Sc.  1827.  B.  6,  S.  350.  —  Annahme 
dieser  Theorie  durch  T.  Graham.  Phil.  Mag.  1827.  N.  F.  B.  1,  S.  172— 
ISO  u.  durch  Braconnot  (Ann.  d.  Ch.  u.  Phys.  1827.  B.  35,  S.  260.  Pogg. 
Ann.  1827.  B.  10,  S.  506  u.  Quart.  J.  of  Sc.  L.  1828.  B.  24,  S.  205)  und 
nicht  Annahme  durch  Gay  Lussac  Ann.  de  Ch.  et  Phys.  1827.  B.  34,  S.  86. 
Lotigchamp's  Antwort  (dito  S.  213).  Iloehmütliiger  Acad.  Bericht  mil 
einigen  Personalitäten.  Ac.  d.  Sc.  d.  P.  4.  Aug.  1828.  Übers.  Phil.  Mag. 
u.  Ann.  of  phil.  1829.  B.  6,  S.  139  —  und  doch  wieder  Longchamp  C.  R. 
Ac.  d.  Sc.  1».  1856.  ß.  2,  S.  475. 

Pulli  (Pielro)  Trattato  teorico  practico  sulla   raccolta  del  Nitro.  Napoli  1813. 

2.  ß.  8.  ßibl.  ital.  1818.  B.  10,  S.  364. 
Gehlen    (A.  F.) ,    Kassl.  Anleit.  z.  d.  Erzeugung  u.  Gewinnung  d.  Salpeters 

(K.  baier.  Regierung).   Nürnberg  1813  u.  1815.  8. 


Chei-  die  Rolle  der  Veräiideiimgeii  des  unorg:anischen  Festen  elo.  59 

Kidd  (Dr.  John),  in  Kellern  Lond.  rny,  Soe.  16.  .länn.  1814.  Lond.  pSil.  Trans. 

1814.  Th.  2,  S.  Ö08.  Ann.  of  pl.il.  1814.  B.  4,  S.  68.  1815.    B.  6.  S.   138. 

Phil.  Mag.  1814.  B.  14,  S.  415). 
Becker    (C.  F.),  Theor.  praet.  Aniuit.  z.  künsO.  Krzenfjun*?  u.  Gewinnung  d. 

Salpeters.   Braiinscliw.  1814.  8. 
Hauy    (A.  J.),     Sidpeler- Krystiille    (Ann.    d.  CIk  ni.    et  IMiys.    1820.    B.    14, 

S.  85-96). 
Giovenc    (("7.  W.),    Mem.   della  Soc.  ital.  res.  in  Modena  1820.  B.  18.  fasc.  2. 

S.  254—275.    Ginrn.    encycloped.  di   Napoli  1821.  B.  2.  art  4.  —  Bibl. 

ital.  1822.   r..  25,   S.  303.  Giorn.  areadico  Borna  l:isc.  34,  Zeifschr.  f.  Min. 

1825.  Febr.  S.  168. 
Fontenelle     (Julia),     Ac.  d.  Sc.  F.  29.  Nov.  1823    (J.   d.  Pharniac.   1824. 

Jan.   N.    14.   Schweig.   J.   d.    Ch.    u.  Phys.    1825.    B.   43,    S.   233  -237. 

Addenda  durch  Schweigger.  S.  238—241). 
Lieb  ig    (Ann.  d.  Ch.  u.  Phys.  1827.  B.  3.^,  S.  329,  Ann.  d.  Min.  1828.  2.  F. 

ß.  3,    S.  130).    Die  organisciie  Clieni.  in  ihrer  Anwend.  a.  Agricult.    Br. 

1840.  S.  253.  Agricult.  Chen.ie  1842.  S.  56  u.  263. 
Fournet    (I/Institut  1833.  14.  Dec.  S.  258,  Bull.  Soc.  geol.  Fr.    1834.  B   5, 

S.  177). 
Kühl  mann     (Fr.),    auf  Mauern    (Ann.   d.   Chem.   u.   Pharm.    1841.    B.  38, 

S.  42—53).    Echo  du  monde  savant  1841.   B.  1 ,    S.  209,  569,  579,  585, 

594,  611. 
Boussingault  Ammoniak  schon  in  der  Luft  bei  der  ersten  Erscheinung  des 

Organischen  auf  der  Erde  (Economie  agriiole  1843  u.  1855.   Üeulsche  Üb. 

B.  2,  S.  461.  J.  f.  prakt.  Chem.  1S34.  B.  3.  S.  160)  durch  G.  Bischof  als 

falsch  erklärt  (s.  Geolog.  1846.  B.  1  ,  S.  634). 
Pagenstecher,    Bildung  im  Sandstein  (Mitth.  d.  naturf.  Ges.  in  Bern  1845. 

S.  101—105). 
Dumas    Kuhlmann's  Theorie   verificirt,   mit  Ammoniak   fjesehwäiigcrte   nasse 

Luft  gegen  durch  flüssige  Potasche  naß  gem:ichte  Kreid.-,  Erhöhung  der 

Temperatur  auf  100    und  Wassers toffgas  sammt  Salpeter  bilden  sich.   — 

(C.  B.  Ac.  d.  S.  P.  1846.  30.  Nov.  B.  23.  Bibl.  univ.  Geneve  Archiv.  1846. 

B.3,  S.405.  LTnstitut  1846.  N.674,  Araer.  J.  ofSc.  1847.  N.  F.  B.3,  S.261.) 
Schönlein,   (C.  T.),  Spontane  Nilrificat.  Roy.  Soc.  L.  1846.  12.  Ft-b.  (Lond. 

phil.  Trans.  1846.  Th.  2.  art.  7,  Phil.  Mag.  1846.  3.  F.  B.  29,  S.  45,  47. 

Pogg.  Ann.  1846.  B.  67,   S.  211-217,   Bibl.  univ.  Geneve  Archiv.  1846. 

B.  I,  S.  311.    1861.  N.  S.  B.  12,  S.  382-391,   Bericht  d.  Verh.  naturf. 

Ges.  Basel  1851.  B.  9,  S.  22,  Verh.  u.  s.  vv.  1861.  B.  3,  S.  117—208). 
Bischof    (Gust.),    (Edinb.  n.  phil.  J.  1844.   B.  37,  S.  52).    Salpetersäure 

durch  eleklr.  Funken  in  der  Luft  erzeugt,    (s.  Ch.  Phys.  Geologie  1847. 

B.  2.  S.  123). 
Beichenbach,  (R.  v.),  (Jahrb.  k.  k.  geol.  Beichsanst.  1850.  B.  I,  S.  316). 
Eilet,  (Edinb.  n.  phil.  J.  1854.  B.  57,  S.  367). 
Schönbein,    Phil.    Mag.   1856.    4.   R.    B.  12,  S.   457,   Bibl.   univ.   Geneve, 

Archiv.  1856.  4.  F.  B.  33,  S.  346. 


00  Boue. 

Hayes    (Ä.    A.)    u.  Rogers  (W.  B.),  in  Hohlen  (Proc.  Bost.  Soc.  nat.  liisf. 

1856.  B.  5,  S.  333). 
T  utile,  durch  Kupfer- Vermittlung  (Ann.  d.  Chem.  u.  Pharm.  lSr>7.    B.  100, 

S.  283). 
Desmarest  C.  R.  Ac.  de  Sc.  P.  1836.  B.  43,  S.  89,  316-318.  N.  Jahrb.  f. 

Min.  1858.  S.  688. 
Bou  s  singau  it,    tliierisclio  Materie  notlnvendig.    CR.  Ae.   de  Sc.   P.  1857. 

B.  44.  S.  108—118.  Pelouze's  Bern.   S.  119.  Antwort.    S.  119.    Vailiant's 

Bestät.  für  das  südl.  Russl.  S.  119. 
Kühl  mann     (Fried.),    Rolle   des  Eisenoxyds    (C.    R.    Ac.   d.   Sc.    P.   1859. 

B.  49,  S.  257,  428  u.  9G8). 
Thenard    (P.)  (dito  S.  289— 292). 
Mangon    (Herve),    gegen   Kuhlman    u.  Thenard    (dito.   S.  315 — 317,  gegen 

Milien  1861.  B.  51,  S.  598). 
Milien    (E.),  (dito.  1860.  B.  51,  S.  548—552.  Phil.  Mag.  1860.  4.  F.  B.  20. 

S.  516). 
Antwort  an  Mongon  (C.  R.  Ac.  de  Sc.   P.  1860.   B.  51,   S.  819). 
Peligot   (C.  R.  Ae.  d.  Sc.  P.  1860.  B.  51,  S.  552.). 
Houzeau    Nitrificat.    des  Ammoniak    unter   niedrig.  Temperat,  gegen  Millon 

(dito  S.  764). 
Craig,    (Dr.    B.    F.),    (Ann.    Rep.    Board    of   Regenfs   of  Sniithson.   Instif. 

1861.  art.  11). 
Goppelsroeder    (Dr.   Fried.),    (Verh.  naiurf.  Ges.  zu  Basel  1863.    B.  3, 

S.  255—268.  Pogg.  Ann.  1862.  B.  115,  S.  125-137). 
Luna   (Torros  Munos   de),   Dieselbe  Theorie   als  Millon's  Ahli.,   welche  in  d. 

Ak.   d.   Wiss.  den   Accessit-Preis    im  ,1.   1862  gewann  (Mem.   Acad.  de 

Sciencias  de  Madrid  1864). 
Hunt  (T.  Sterry).  (C.  R.  Ac.  de  Sc.  P.  1862.  B.  55,  S.  400.  Phil.  Mag.  18(i3. 

4.  F.  B.  25,  p.  27,29,  Amer.  J.  of  Sc.  1863.  N.  F.  B.  35,  S.  271). 
Bohlig   (E.),    Ammoniak  Nitrit   in  der  Luft  (Ann.  d.  Chem.  u.  Pharm.  1863. 

B.  125,  S.  21—33,  Amer.  J.  of  Sc.  1863.  B.  35,  S.  423). 
Schoenbein  S.  W.  .1.  I.iebig  u.  Nickle's  Theorie  (dito  S.  426). 
Schaeffer    (Ge.  C.) ,    Priorität-Ansprüche  dos  Dr.  Craig  gegen  Hunt's  Theo- 
rie.   (Ann.  Rep.  Smithson.  Instit.  f.   1861.  S.  305.  Amer.  J.  of  Sc.  1863. 

B.  35,  S.  409—411). 
Kuhlmann  (Fred.)   R.  C.  Ac.  d.  Sc.  P.  1846.  P.  24.  Ann.  d.  Ch.  et  Phys. 

1847.  3.  F.  B.  20.  S.  223—238. 
Jones  (H.  Benee)  Ann.  d.  Ch.  et  Phys.  1832.  3.  F.  H.  35.  p.  176—205. 

lu  verschiedenen  Ländern. 

Kefersfein's  Deutschland  1828.  B.  5,  H.  3.  Zeitg.  Nr.  6,  S.  21-22. 
Frankreich.    —    Clou  et    u.   Ant.   Laur.    Lavoisier    in    der   kreidereichen 

Toiirraine  u.  Saiiitonge    (Frankr.).   Mem.  Math,  et  Phys.  Ac.  roy.  Sc.  P. 

1777.  B.  2.  Mem.  S.  503  u.  571. 
Rochefoucauld  (Herzog  von)  (dito.  S.  610). 


über  die  Rolle  der  Veränderungen  des  unorganischen  Festen  etc.  6  I 

Claubry  (Gautier  de).  Kreide  der  Pariser  Becken.  Ann.  Sc  nat.  1832. 
B.  28,  S.  448,  Ann.  d.  Cli.  u.  Phys.  1833.  B.  52,  S.  24,  Ann.  d.  Min. 
1834.  3.  F.  B.  5,  S.  545,  Bull.  Soc.  geol.  de  Fr.  i834.  B.  5,  S.  177, 
Amer.  J.  of  Soc.  1835.  B.  28,  S.  292. 

Auf  Kalkstein  zu  Lormont,  Gironde  (L' Institut  1844.  B.  12,  S.  17G). 

Pedroni  (Sohn),  Kreide  u.  tert.  Kalkst,  der  Gironde  (Act.  Soc.  Linn.  Bor- 
deaux 1845.  B.  13,  S.  167). 

Deutschland.  —  Nacliriclit  von  einem  um  Helmstedt  entdeckten  Salpeterstein 
1732.  (?) 

Ungarn.   —   Torkos  (T.  J.),  Diss.  de  sale  minerali  alcalieo  na'ivn  pMnnonjeo 

Viennae  1763.  Deutsche  Chers.  1766. 
Moser  (Dr.  Ignaz)    (Jahrb.  k.  k.  geol.  Reichsanst.  1850.  ß.  1.  S.  453—472 

N.  Jahrb.  f.  Min.  1854.  S.  216). 
Szabo    (J.)  (dito  H.  2,  S.  324— 342). 
Ragsky    (Dr.  Ign.)  (dito  1851.  B.  2,  H.  2,  S.  166). 
Italien.    —    In  Höhlen  zuMolfetta,  Puglia,  Neapolitan.    (Physika!.  Arbeit,  d. 

einträchtig.  Fr.  zu  Wien  v.  Born  1783.  B.  1.  4.  Viertelj.  S.  74). 
Fortis    (Abbate  Alb.),  Mem.  storicofisico  del  nitro  minerali  di  Molfetta  1787. 

(Opuscoli  Scelti  di  Milano  1787.  B.  10,  S.  145,  1788.  B.  11.  S.  145.) 
Raniondi  (oder  Ramondini)  (V.),  Lettera  relativa  alla  questione  insorta  tra 

A.  Fassano  e  T Abbate  Fortis  intorno  il  nitro   del  Pulo  di  Molfetta  Napoli 

1787. 
Zimmermann,   Voy.  ä  la  nitriere  naturelle  ä  Molfetta  dans  la  terre  de  Bar. 

en  Pouille  Par.  1789.  8.  (Rozier's  J.  d.  Phys.  1790.  B.  36,  S.  109—118.) 

De  la  metherie's  Bem.  S.  117—118. 
Carburi    (Cte    Je.    Bapt.),    Ohne  Pflanzen  u.  thierische  Materie  zu  Molfetta 

(dito  S.  62 — 63).  Von  d'Arcet  u.  Lavoisoir  geleugnet  (dito  S.  63 — 65). 
Klaproth,  Analyse  jenes  Salpeters  (Beiträge  1795.  B.  I,  S.  317.  Rammels- 
-      berg's  Chem.  Min.  1841.  B.  2,  S.  113). 
Tommaselli,  Dialoghi  tre  sopra  Karte  di  fare  il  nitro  u.s.  w.  Verona  1792.  8. 

Spanien.  —  Proust  (Ludw.),  in  Andalusien  u.  um  Madrid.  (Rozier's  J.  de 
Phys.  1788.  R.  32,  S.  246,  Ann.  de  bist.  nat.  Madrid  1799.  B.  1,  H.  2. 
S.  136,  140). 

Fernandez    (Domin.  Garcia)  in  Asturien  (dito  H.  1,  S.  46). 

Townsend  (Jos.),  A  Journey  through  Spain,  1791.  Deutsche  Übers.  B.  1, 
S.  220,  225.  B.  2,  S.  209. 

Podolien.  —  Wolf  (Nathan  Math.),  Ratio  confieiendi  nitrum  in  PodoHa 
(Kreideboden).  (Lond.  phil.  Trans.  1763.  S.  356.) 

Russland.  —  Lowitz   (Tobias),  um  Bigsk  Nov.  Act.  Ae.  Petrop.  1791.  B.  9. 

S.  35). 
Bnghanof  im  Kolyvaner  Gouvernement  u.  besonders  neben  den  Fluß  Kata- 

nove,  150  Weerst.  von  Bigsk  (dito  Hist.  S.  34). 
Bonsdorff  (von),  im  muscbelreichen  Übergangskalk  zu  Reval  (N.  Jahrb.  f. 

Min.  1835.  S.  627). 


QZ        Boue.    Über  die  Rolle  der  Veränderungen  des  unorganischen  Festen  etc. 

Egypten.  —  Lister    (Martin)   (Land.  phil.  Trans.  1685.  S.  836). 
Andreossy,  Beiielit.  I\Iem.  siir  TEgypte  pondant  la  canipagne  de  Bonaparte. 

S.  34-39.  Deutsche  Üb.  S.  29—33. 
Eden,  The  Search  of  the  nitre.  L.  1846. 
Algerien.  —  Mi  Hon   (E.)    (C.  R.  Ac.  d.  Sc.  P.  1860.  B.  51 ,  S.  289  u.  1864. 

B.  59,  S.  232). 
Mesopotamien.  —  Beauchamp  bei  Bassora.  Voy.  de  Bagdad  ä  Bassora  le  long 

de   i'  Euphrate   (Lichtenberg's   Mag.  f.  d.  neuest,  a.  d.  Phys.  1782.  B.  3, 

Th.  2,  S.  133). 
Indien.   -   Lond.  phil.  Trans,  f.  1665.  S.  103. 

Hayne  am  Ganges  (N.  Schrift,  d.  Ges.  Naturf.  Fr.  Berl.  1799.  B.  2,  S.  372). 
Davy    (John),  In  22  Höhlen.  Insel  Ceylon.  Ann.  d.  Ch.  u.  Phys.  1824.  B.  25, 

S.  209— 214.    Ann.  d.  Min.   1825.    B.   10,  S.  109,  Bull.  Soc.  philomat.  P. 

1825.  S.  55,  Zeitschr.  f.  Min.   1826.  B.  1 ,  S.  185.  Schweigg.  J.  d.  Ch   u. 

Phys.  1825.  B.  43,  S.  227). 
Tyticr,  salpetersaure  Luft  zu  Tirhoot  (Ostindien).    Trans,  med.  a.  Phys.  Soc. 

of  Caicutta  1829.  B.  4,  Edinb.  n.  phil.  J.  1832.  B.  10,  S.  177,  Phil.  Mag. 

1831.  B.  9,  S.  151,  Pogg.  Ann.  1831.  B.  23,  S.  160,  Bihl.  univ.  Geneve 

1831.  B.  48,  S.  118. 
Stevenson    (J.),  in    der  Tirrhoote  Gegend  (J.  Asiat.  Soc.  of  Bengal  1833. 

B.  2,  Nr.  1,  S.  2-3). 
Im  Königreich  Oude  kommt  das  meiste  Salpeter  vor,  im  J.  1861   kam  daher  % 

des  im  Handel  vorgekommenen  Salpeters. 
Vereinigte  Staaten  Nordamerika'S.    —    Brown    in    Kalkhöhlen    Kentucky's 

(Trans,   amer.    phil.   Soc.   of  Philad.   1809.    B.  6.    —    Bruce's   Amer. 

Mineralog.    J.  1810.  B.  1,    S.   100,    Amer.   J.    of  Sc.   1818.   B.  1,   H.  2, 

S.  146). 
Schoolcraft  in  Höhlen  auf  dem  Merriniak  u.  zu  Gasconade,  Missouri  (siehe 

Beschreibung  der   Bleibergwerke  daselbst    (Quart.   J.   of   Sc.  L.  182(T. 

B.  9,  S.  194) 
Brasilien.   —   in  Kalk-Höhlen.  Travels  into  Ihe   Inferior  of  Brazil  1813,  oder 

deutsche  Reise  nach  Brasilien  1817  (Ann.  d.  Min.  1817.  B.  2,  S.  233). 
Ecuator.   —  Boussingault    zu  Tacunga   am  Fusse   des  Cofopaxi.  Salpeter- 
säure durch  langsame  Verbrennung  d.  azotisch-organischen  Materien,  sehr 

verschieden  von  derjenigen  durch  die  Luft,  die  Ehktricität  oder  den  Ozon 

f^ewonnenen  (C.  R.  Ac.  d.  Sc.  P.  1804.  B.  59,   S.  218—223). 
Pera.   _  Oombey,  (Rozier's  Obs.  s.  la  Physiq.  1780.  B.  1,  S.  212). 
Chili.    —    Hofstetter,    Zerlegung  (Ann.  d.  Chem.  u.  Pharm.  1843.  B.  45, 

S.  340,  N.  Jahrb.  f.  Min.  1846.  S.  235). 


Verson.   Zur  Insertioiisweise  der  .'Muskclfaserii.  o3 


Zur  Jnsertionsweise  der  Muskelfasern. 
Von  Enrico  Verson. 

(Mit  1   Tafel.) 

Bei  der  fleißigen  Bearbeitung,  deren  sich  die  quergestreiften 
Muskeln  schon  erfreuten,  herrseht  doch  noch  eine  gewisse  V^erwir- 
rung  in  den  Angaben,  welche  verschiedene  Forscher  über  den  Ansatz 
der  Muskelfasern  machen. 

Es  ist  nicht  lange  her,  daß  Salt  er  und  mit  ihm  Huxley  noch 
den  directen  Übergang  der  Zungenmuskeln  des  Frosches  in  Binde- 
gewebsbiindel  schilderten.  Letzterer  stellte  sich  den  Übergang  der 
Muskelfibrillen  in  das  Sehnengewebe  so  vor,  daß  er  die  Fleischlheil- 
chen  als  in  das  Sehnengewebe  eingeschaltete  Körper  ansah,  unge- 
fähr wie  die  Kalkkürnchen  im  Knochen.  An  den  Hautmuskeln  des 
Frosches  und  an  gekochten  Augenmuskeln  von  Säugethieren  wurde 
hingegen  eine  stumpf  zugespitzte  Endigung  der  Muskelfasern  nach- 
gewiesen. (Bruch.  Über  Bindegewebe.  Zeitschrift  f.  wissensch. 
Zoologie,  Bd.  VI,  H.  2.) 

Noch  weiter  ging  Leydig  und  beschrieb  (in  Müller's  Archiv, 
Heft  I,  n,  p.  50)  einen  continuirlichen  Übergang  des  Sarcolemma  in 
die  Sehne,  den  er  bei  Muskeln  von  Arthropoden  ganz  bestimmt 
gesehen  zu  haben  angibt.  „Die  Sehnen"  —  sagt  er  —  „öffnen  sich 
gegen  den  Muskel  hin  zu  cylindrischen  Schläuchen,  welche  die 
Muskelfaser  umhüllen,  und  so  das  Sarcolemma  darstellen";  eine 
Beobachtung,  welche  1864  auch  von  Schrönn  für  dieselbe  Thier- 
classe  bestätiget  wurde.  Ahnlich  spricht  sich  auch  Fick  (Über 
Anheftung  der  Muskelfasern  an  die  Sehnen.  Müller's  Archiv  1856) 
aus;  nur  sollen  nach  demselben,  Fäden  des  zugehörigen  Sehnen- 
bündels sich  noch  in  das  Innere  des  Schlauches  hinein  erstrecken, 
vielleicht  zwischen  die  Fibrillen  der  Primitivfaser  selbst.  Für  den 
Flußkrebs  stellt  Häckel  (Müller's  Archiv,  pag.  469)  eine  solche 
Verbindung  ganz  in  Abrede.  Indem  nach  seinen  Untersuchungen  das 
Sarcolemma  dadurch  entsteht,  daß  die  Membranen  der  Bildungs- 
zellen mit  einander  verwachsen,   soll  das  Bindegewebe  der  Sehnen 


(14  Vers  OD. 

nicht  luil  (lern  eigentlichen  Sarcolemniaschlaiich  in.näliere  Verbindung 
treten,  sondern  nur  mit  dem  Perimysium  interinim  und  externum. 

Wesentliehe  Aufhelhingen  verdanken  wir  den  Untersuchungen 
von  Rollet,  Herzig  und  B  i  e  s  i  a  d  e  c  k  i. 

Während  man  sieh  liis  damals  den  Muskel  als  eine  Längs- 
anlagerung von  gleich  langen  Fasern  dachte,  welche  von  einem  Inser- 
tionspunkte  bis  zum  andern  liefen,  gelang  es  Rollet  (Über  freie 
Enden  quergestreifter  iMuskelfasern  im  Innern  der  Muskeln,  Sitzungs- 
bericht d.  Wiener  Akad.  d.  Wissensch.  Juni  1856)  zuerst  nachzu- 
Aveisen,  daO>  die  einzelnen  Fasern  auch  viel  kürzer  sein  können  als 
die  Entfernnng  der  zwei  Insertionspunkte  beträgt,  und  in  diesem 
Falle  mit  zugespitztem  Ende  frei  auslaufen.  Herzig  und  ßiesia- 
decki  (Sitzungsber.  d.  Wiener  Akad.  d.  Wissensch.  Bd.  XXX.  1858, 
und  Bd.  XXXHI.  1859)  anderntheils  entschieden  durch  die  Unter- 
suchungsweise mit  Glycerin,  daß  die  Muskelfibrillen  selbst  nie  mit  dem 
Sebnengewebe  in  Verbindung  treten,  während  B  i  1 1  r  o  t  h  (M  ü  1 1  e  r's  Ar- 
chiv, 1858,  p.  163)  an  den  quergestreiften  Fasern  der  Froschzunge  Aus- 
läufer und  deren  Zusammenhang  mit  Bindegewebskörpercben  beschreibt. 

A.  Weismann  (Über  die  Verbindung  der  Muskelfasern  mit 
ihren  Anhaltspunkten.  Henle  und  Pfeuffer's  Zeitscbrift,  Bd.  X., 
pag.  126)  nimmt  eine  doppelte  Verbindungsart  zwischen  Muskel- 
fasern und  Sehnengewebe  an:  Verkittung  und  Einhillsung,  u.  z,  finde 
letztere  in  jenen  Fällen  statt,  wo  die  Verlaufsrichtung  der  Sehnen- 
fasern und  des  Muskelprimitivbündels  dieselbe  ist. 

Margö  endlicb  (Denkschriften  der  Wiener  Akad.  Bd.  20, 
Abtb.  2,  pag.  2)  kommt  nach  seinen  Entwicklungsstudien  über  die 
Muskeln  zu  dem  Schlüsse,  daß  das  Sarcolemma  nicht  Zellenmembran 
ist,  sondern  sich  aus  bindegewebigem  Blastem  aufbaut  Für  ihn  ist 
also  das  Sarcolemma  ein  direct  in  die  Sehne  übergebender  Schlauch. 

Bei  histologischen  Studien  des  Kehlkopfes,  die  ich  zu  ande- 
rem Zwecke  ausführe,  hatte  ich  vielfach  Gelegenheit,  Muskeln  zu 
sludiren,  welche  nach  der  gewöhnlichen  Redensart  sich  ohne  Sehne 
direct  in  das  Perichondrium  inseriren;  meines  Wissens  wurden  solche 
noch  nie  berücksichtigt.  Auch  ich  überzeugte  mich  nun  von  der 
abgeschlossenen  Endigung  der  eigentlichen  Muskelfibrille,  deren 
Formen  schon  von  Herzig  und  Biesiadecki  zur  Genüge  beschrie- 
ben wurden.  Ich  fand  aber  gleichzeitig,  daß  beim  Menschen 
der    Sarcolemmasch  lauch  allmähl  ig    sich    verjüngend, 


Zur  In.sertion.swt-i.se  der  Miiskclfiisern.  (J3 

regelmäßig  über  das  Ende  des  F  i  b  r  i  1 1  e  u  p  a  c  k  e  t  e  s  sich 
fortsetzt,  und  endlich  in  einen  Faden  ausgeht,  der 
in  das  Pe  ri  ch  on  d  rinm  eintritt,  und  hier  mit  den  übri- 
gen  Bindegewebsfasern  weiter  verlauft. 

Dieser  Faden  erscheint  in  der  Mebrzalil  der  Fälle  einfach  und 
glatt,  zuweilen  finden  sich  in  seinem  Verlaufe  Kerne  eingestreut. 
Ich  beobachtete  auch  Bindegewebsfäden  zwischen  den  Muskelfasern 
zu  solchen  Sarcolemmascldäuchen  laufen,  welche  das  Perichondrium 
nicht  erreichen;  der  Faden  erweitert  sich  unmittelbar  in  das  Sar- 
colemma. 

Nach  der  angeführten  Beobachtung,  welche  den  directen  Über- 
gang von  Sarcolemma  in  Bindegewebe  auch  für  die  Menschen  dar- 
thut,  wendete  ich  mich  daran  zu  untersuchen,  ob  nicht  zwischen 
den  Sehnen  und  den  Muskeln  von  Säugethieren  ähnliche  Beziehun- 
gen walten,  ich  war  aber  dabei  nicht  so  glücklich  zu  sicheren  Resul- 
taten zu  gelangen. 

Mazerationsmethoden  Hessen  mich  völlig  im  Stiche,  da  ich 
dabei  immer  Veränderungen  zunächst  am  Sarcolemma  beobachtete, 
was  ich  ja  eben  verhüten  wollte.  Halbgediehene  Mazerationen  mit 
nachfolgender  Härtung  behufs  Anfertigung  von  Schnitten,  führten 
mich  eben  so  wenig  zum  Ziele;  ich  beschränkte  mich  daher  auf 
feine  Schnitte  aus  in  Chromsäure  gehärteten  Präparaten.  Was  den 
Unterschied  zwischen  geradem  und  schiefem  Ansätze  der  Muskel- 
fasern betrifft,  so  kam  ich  zu  der  Überzeugung,  daß  keine  prin- 
cipielle  Verschiedenheit  besteht.  Ich  sah  immer  ein  bestimmtes 
Sehnenbündel  zu  einer  zugehörigen  Muskelfaser  treten  (Fick)  und 
deren  Sarcolemma  in  sich  aufnehmend,  eine  Weile  zwischen  den 
Muskelfasern  fortlaufen,  um  sich  allmälig  zu  verlieren,  oder  zuerst 
noch  eine  andere  Faser,  weiche  eben  nicht  ganz  bis  zur  Sehne 
herabläuft,  ebenso  zu  umgreifen.  Wenn  ich  aber  auch  an  den  ge- 
nannten Fortsetzungen  des  Sehnengewebes  in  die  Zwischenräume 
der  Muskelfasern  eine  allmälige  Verdünnung  wahrnahm,  so  konnte 
ich  doch  nie  eine  wirkliche  Verbindung  derselben  mit  dem  Muskel- 
schlauch constatiren;  letzterer  endet  meist  etwas  zugespitzt,  und 
von  dieser  Spitze  aus  siebt  man  allerdings  einen  dunklem  Doppel- 
contour  in  das  umhüllende  Sehnengewebe  einfallen,  welchen  ich  aber 
nicht  als  Faden  zu  deuten  vermochte. 


Sitzb.  d.  niatlieni.-iiiilurw.  Cl.  LVII.  Bd.  I.  Ahtli. 


(>  (j  V  e  r  s  o  n.   Zur  liisertiuiisweise  der  Muskelfasern. 


Tafel  -  Erklärung. 


Fig.  1.  Muskelfasern,  welche  mitten  im  Muskelbauche  endigen;  das  verjüngte 
Sarcolemmaende,  mit  einem  Kerne  besetzt,  schließt  sich  den  übrigen 
Bindegewebsfasern  an.  Aus  dem  M.  thjireoarytenoideus  des  Kindes. 

„  2.  Aus  demselben  Muskel  Fasern,  welche  sich  neben  dem  Vf  inkel  der 
C.  thyreoidea  inseriren.  Die  fadenförmige  Fortsetzung  des  Sarcolemma 
geht  in  das  Perichondrium  ein. 

„  3.  Isolirtes  Sarcolemmaende,  durch  leises  Auszupfen  des  nachgiebigeren 
Fibrillenpackefes  dargestellt.  Die  Fasern  der  Sehne  umschließen  es, 
lassen  aber  keine  deutliche  Verschmelzung  erkennen.  Vom  M.  gastro- 
cnemius  des  Kaninchens. 

„  4.  Forlsätze  des  Sebnengewebes  zwischen  die  3Iuskelfasern;  dieselben 
verlieren  sich  allmählig.  M.  gastrocnemius  des  Kaninchens. 


E.Versor).  Zur  hiseil  ions    Wrisc   der  Muskeln 


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.Sily.uMi-sli.l  k.Aki..l..l  W.  in.-.tli.n;i(m-u-  (  l .  I,\  U  |5,|    i.  Al.lli    Ki  (If, 


Klein.    Über  das   Epitliel   der  Schleimhaut   etc.  ß"? 


Über  (las    Epithel  der  Schleimhaut   und   die    Ausführungs- 
gänge  der  Drüsen  des  weichen  Gaumens  und  der  Uvula  des 

Menschen. 

Von  Emanael  Klein. 

Überall,  wo  über  den  Bau  des  weichen  Gaumens  und  der  Uvula 
des  Menschen  gehandelt  wird,  führt  man  an,  daß  die  obere  Fläche  des 
ersteren  und  die  iiintere  Fläche  der  letzteren  von  einem  cylindrischen 
Flimmerepithel  bekleidet  sind;  man  sagte,  das  ganze  obere  Cavum 
des  Pharinx,  das  beim  Schlingen  durch  die  hintere  Fläche  des  Zäpf- 
chens von  dem  darunterliegenden  mit  derMundhöhle  communicirenden 
Cavum  abgeschlossen  und  von  den  Anatomen  cavum  phuryngo  nasale 
genannt  wird,  sei  von  einer  Schleimhaut  ausgekleidet,  welche  Flim- 
merepithel trägt. 

Nun  beruht  dies,  wie  ich  mich  zur  Genüge  überzeugt  habe, 
wenigstens  für  den  erwachsenen  Menschen  auf  einem  Irrthum.  Die 
Sache  verhält  sich  folgendermaßen:  Im  neugebornen  Kinde  findet 
sich  allerdings  an  der  dem  Cavum  pharyngeum  zugekehrten  Fläche 
des  Gaumens  und  der  Uvula  Flimmerepithel,  ganz  so,  wie  es  für  die 
unteren  Theile  der  Schleimhaut  der  Nasenhöhle  und  den  oberen 
Abschnitt  der  Rachenhöhlenschleimhaut  angegeben  wird;  im  erwach- 
senen Menschen  jedoch  trifft  man  sowohl  an  der  oberen  Fläche  des 
weichen  Gaumens,  als  an  der  hinteren  des  Zäpfchens  auf  ein  geschich- 
tetes nicht  flimmerndes  Pflasterepithel.  Es  verhält  sich  dieses  wie  in 
so  vielen  Fällen,  daß  die  tiefsten  Schichten  palissadenartig  an  einander 
gelagert,  weiter  nach  oben  polyedrisch  und  ganz  oben  endlich  abge- 
plattet wie  zu  Platten  vereinigt  angetroffen  werden.  An  den  gut 
conservirten  Durchschnitten,  welche  ich  aus  der  Uvula  des  neugebor- 
nen Kindes  gewonnen  habe,  fand  ich  immer  an  der  Spitze  derselben 
Pflasterepithel,  und  erst  weiter  hinauf  an  der  hinteren  Fläche  Flim- 

5» 


G8  Klein. 

merzellen;  beim  erwachsenen  Menschen  jedoch  findet  man  sowohl  an 
der  vorderen  als  auch  an  der  hinteren  Fläche  in  ihrer  ganzen  Aus- 
dehnung Pflasterepithel,  nur  ist  es  an  der  ersteren  im  Allgemeinen  in 
größerer  Schichtung  vorhanden  als  an  der  letzteren. 

Auch  am  weichen  Gaumen  des  Erwachsenen  unterscheidet  sich 
das  Pflasterepitliel  der  oberen  Fläche  nur  in  weniger  Beziehung 
von  dem  der  unteren.  Beide  verlaufen  an  der  darunter  liegenden 
Mucosa  nicht  geradlinig,  sondern  bilden  mit  ihren  tieferen  Schichten 
stellenweise  Arcaden,  die  durch  das  papillenartige  Vorgedrängtwerden 
derselben  begründet  sind.  In  diesen  Papillen  sind  Capillargefäße  deut- 
lich wahrzunehmen.  Die  Ausbuchtungen  der  tiefen  Epithelschichten 
sind  an  der  unteren  Fläche  des  weichen  Gaumens  und  der  vorderen 
Fläche  der  Uvula  im  Allgemeinen  zahlreicher  als  an  der  oberen  und 
respective  hinteren.  Beim  neugebornen  Kinde  finden  sie  sich  nur 
an  der  unteren  Fläche  des  weichen  Gaumens  und  der  vorderen 
Fläche  der  Uvula,  fehlen  somit  dort,  wo  Flimmerepithel  angetroff'en 
wird. 

Die  unterste  Schichte  des  Pflasterepithels  der  oberen  Fläche 
des  weichen  Gaumens  zeigt  ziemlich  regelmäßige ,  senkrecht  auf  das 
darunter  liegende  Gewebe  aufstehende  viereckige  Zellen,  deren  Kern 
ebenfalls  senkrecht,  also  parallel  der  Axe  der  Zellen  gestellt  ist. 
Dieses  trifft  wohl  auch  an  manchen  Stellen  der  unteren  Fläche  zu, 
aber  nicht  so  regelmäßig  wie  oben,  da  sie  an  jener  meist  eben  so 
polyedrisch  wie  die  höher  gelegenen,  nur  kleiner  und  mit  rundlichen 
Kernen  angetroffen  werden. 

Was  nun  die  Ausführungsgänge  der  acinösen  Drüsen  im  wei- 
chen Gaumen  anlangt,  so  habe  ich  an  einigen  und  besonders  schön 
an  einem  derselben  prächtige  cylindrische  Flimmerzellen  gefunden, 
was  um  so  auff'allender  ist,  da  die  Schleimhaut  in  der  ganzen  Aus- 
dehnung ringsumher  geschichtetes  Pflasterepithel  trug.  Ich  habe 
durch  mündliche  Mittheilung  von  meinem  Collegen  Herrn  Verson 
auch  für  die  Ausführungsgänge  der  acinösen  Drüsen  der  Epiglottis 
dasselbe  erfahren. 

Diese  merkwürdige  Erfahrung  wird  durch  die  oben  angeführten 
Befunde,  daß  gewisse  bezeichnete  Epithelstrecken  im  Kindesalter 
flimmern,  ergänzt.  Es  weist  uns  darauf  hin,  daß  die  Drüsen  mit 
Flimmerzellen  ursprünglich  in  einer  Schleimhaut  saßen ,  Avelche 
gleichförmig  Flimmerepithel    trug    und    daß  die  Metamorphose   des 


Ober  das  Epitliel  der  Schleimhaut  etc.  ßQ 

Flimmerepithels  in  Pflasterepitliel  sich  nur  auf  die  Ohorfläche  be- 
schränkt habe,  so  dali  die  Drüsen  in  ihren  Ausf'ührungsgängen 
davon  verschont  geblieben  sind. 

Da  die  Ausführungsgänge  der  Schleimdrüsen  das  Seeret  der- 
selben an  die  Obertläche  zu  befördern  haben,  so  ist  es  ganz  gut 
denkbar,  daß  ihnen  dort,  wo  sie  schon  ein  ziemlich  großes  Lumen 
erreicht  haben,  die  vorhandenen  Flimmerzellen  durch  die  Bewegung 
ihrer  Cilien  sehr  gut  zu  statten  kommen. 


k 


I 


70 


II.  SlTZUxNG  VOM   16.  JÄNNER   1868. 


Der  Secretär  legt  folgende  eingevsendete  Abhandlungen  vor: 

„Zur  Kenntniß  der  Wirbelthierfauna  aus  den  Miocenschichten 
von  Eibiswald  in  Steiermark.  I.  Schildkrötenreste",  von  dem  c.  M. 
Herrn  Prof.  Dr.  K.  Peters  in  Graz. 

Diese  Abhandlung  ist  für  die  Denkschriften  bestimmt. 

„Über  die  Ströme  in  Nebensehließungen  zusammengesetzter 
Ketten"  von  Herrn  Anton  Waszmuth,  Assistenten  für  Physik  am 
Polytechnicum  zu  Prag. 

Das  Comite  des  Marien -Vereins  zur  Beförderung  der  kath. 
Mission  in  Central-Afrika  übermittelt  ein  in  französischer  Sprache 
verfaßtes  Reise- Journal  des  verstorbenen  Provicars  Dr.  Knob- 
le c  h  e  r. 

Herr  Prof.  Dr.  E.  Brücke  übergibt  eine  Abhandlung  des 
Herrn  Ernst  Fleischl:  „Über  den  Bau  der  sogenannten  Schild- 
drüse des  Frosches". 

Herr  Prof.  E.  Suess  legt  eine  Abhandlung:  „Über  die  Äqui- 
valente des  Rothliegenden  in  den  Südalpen"  vor. 

Herr  Prof.  J.  Redtenbacher  überreicht  eine  Abhandlung: 
„Chemische  Untersuchung  des  Milchsaftes  der  Äntiaris  toxicaria^ , 
von  den  Herren  Dr.  J.  E.  de  Vry  und  E.  Ludwig. 

Herr  Prof.  Dr.  Aug.  Em.  Reuss  legt  eine  Abhandlung:  „Palä- 
ontologische Beiträge"  (II.  Folge)  vor. 

Das  c.  M.  Herr  Dr.  Edmund  Weiß  übergibt  eine  Abhandlung, 
betitelt:   „Beiträge  zur  Kenntniß  der  Sternschnuppen". 

An  Druckschriften  wurden  vorgelegt: 

Academie  Imperiale  des  Sciences  de  St.  Petersbourg:  Memoires. 

Tome  XI,  Part  2.   St.  Petersbourg,  1867;   8o.   (Russisch.) 
Accademia    dclle  Scienze  fisiche  e  matcmatiche  di  Napoli:  Atti. 

Dalla  fondazione  sino  all'anno  1787.  Napoli  1788;  4«;  N.  S. 


71 

Vol.  ir.  Napoli,  186S;  4o.  —  Rendiconto.  Anno  IV,  (iSßS) 
Fase.  50— 12o;  Anno  V,  (1866)  Fase.  lo_12o;  Anno  VI, 
(1867)  Fase,  lo— 5o.  Napoli;  4o. 

—  —  deir  Istituto    di    Bologna:    Memorie.     Serie   II.    Tomo   VI, 
Fase.  4.  Bologna,  1867;  4o. 

Akademie,  Koninkl. ,  van  Wefensehappen  te  Amsterdam:  Ver- 
slagen en  Mededeelingen.  Afdeeling  Letterkunde.  X.  Deel. 
Amsterdam,  1866;  80.  —  Processen-Verbaal.  Afd.  Natiiur- 
kiinde.   18G6  — 1867;  80.  —  Jaarbock.  1866.  8«. 

Cosmos.  3"  Se'rie.  XVII"  Annee  ,  Tome  II,  2"  Livraison.  Paris, 
1868;  80. 

Gesellschaft  der  Wissenschaften ,  Oberlausitzische:  Neues  Lau- 
sitzisches Magazin.    XLIV.  Band,  1.  Heft.  Görlitz,  1867;  80. 

—  Zoologische ,    zu    Frankfurt    a*/M.  :     Der    zoologische    Garten. 
VIII.  Jahrgang,  1867,  Nr.  7—12.  Frankfurt  a/M. ;  8». 

Gewerbe  -  Verein,  n. -ö.:  Verhandlungen  und  Mittheilungen. 
XXIX.  Jahrg.  Nr.  2.  Wien,  1868;  8". 

Isis.  Jahrg.  1867,  Nr.  7—9.  Dresden;  80.      ' 

Mittheilungen  aus  J.  Perthes'  geographischer  Anstalt.  Jahr- 
gang 1867,  XII.  Heft.   Gotha;  4o. 

Reichsanstalt,  k.  k.  geologische:  Jahrbuch.  XVII.  Band,  1867. 
Nr.  4.  Wien;  4o. 

Revue  des  cours  scientifiques  et  litteraires  de  la  France  et  de 
l'etranger:  V*  Annee,  Nr.  6.  Paris  &  Bruxelies,  1868;  4». 

Society,  The  Royal  Geographica!,  of  London:  Proceedings. 
Vol.  XI,  Nr.  6.  London,  1867;  80. 

Wiener  landwirthschaftliche  Zeitung.  Jahrg.  1868,  Nr.  1 — 2. 
Wien;  4o. 

—  medizin.  Wochenschrift.  XVIII.  Jahrgang.  Nr.  4 — S.  Wien, 
1868;  40. 

Zeitschrift  des  österr.  Ingenieur-  und  Architekten -Vereins. 
XIX.  Jahrg.   11.  &  12.  Heft.  Wien,  1867;  4o. 


72  Peters. 


Zur  Kcnulniß  der  Wirhellhiere  aus  den  Miocenschiclifen  von 
Eihisivald  in  Steiermark. 

I.   Die  Schildkrötenreste. 
Von  Rarl  F.  Peters. 

(Auszug'  aus  einer  für  die  Denkschriften  bestimmten  Abliandlung.) 

Die  Zahl  von  bestimmbaren,  zum  Theil  sehr  werthvollen  Wirbel- 
thierresten  aus  dem  Kohlenbecken  von  Eibiswakl,  Wies  und  Steieregg 
hat  sich  im  Laufe  der  letzten  Jahre,  insbesondere  durch  den  Eifer 
und  die  Sachkenntniß  des  Herrn  Franz  Melling,  k.  k.  Verwesers, 
so  reichlich  vermehrt,  daß  eine  umfassende  Bearbeitung  derselben 
um  so  mehr  wünschenswertli  schien,  als  das  geologische  Alter  der 
Ablagerungen  dieses  Reviers  durch  ihre  Zahn-  und  Knochenreste 
genauer  bestimmt  werden  kann.  Manche  von  diesen  Wirbelthier- 
species,  welche  sich  auf  die  Classen:  Säugethiere,  Reptilien  (Schild- 
kröten, ein  Crocodil)  und  Fische  vertheilen,  sind  geeignet,  zur 
Charakteristik  der  älteren  Vertebratenfauna  der  österreichischen 
Miocengebilde  wesentlich  beizutragen  und  sie  mit  den  Ablagerun- 
gen anderer  Länder,  namentlich  den  so  genau  abgegrenzten  Stufen 
der  Miocenformation  Frankreichs  näher  zu  verknüpfen  als  dies  vor 
wenigen  Jahren  möglich  war  <). 

Ich  mache  nun  den  Anlaiig  zu  dieser  Bearbeitung  mit  einer 
Darstellung  der  Scliildkröten,  von  denen  nur  eine  Art,  Tinonyx 
stiriacus  Peters,  schon  vor  Jahren  genugsam  charakterisirt  werden 
konnte,  eine  zweite  aber,  dem  Formenkreis  der  Sippe  Chelydra  an- 


*)   Verpl.   Suess   in    den  Verli.'indliing^en   der    k.   k.   geolog-.  Reiclisanstalt   von   1867, 
S.  6  und  Sitzun-^sl.eriilite  der  k.  Akad.  d.  Wissenscii.  XLVII.  Bd..  S.  306.  Mai  186.*?. 


Zur  Kenntniß  der  Wirljelthicrfauna  aus  den  Miocenscliichten  etc.  73 

gehörig,  vorläufig  nur  angedeutet  wurde  (Peters,  Denkschriften  der 
kais.  Akademie  der  Wissensch.,  mathem.-naturw.  Cl.  IX.  Bd.,  18öö, 
und  Beiträge  z.  Paläontographie  Österreichs  von  Fr.  Ritter  v.  Hauer, 
Wien  1858). 

Zur  Kenntniß  der  erstgenannten  Art  einige  Beiträge  liefernd, 
vermag  ich  nun  nachstellende  Arten  nach  vvohlerhaltenen  Exemplaren 
darzustellen. 

fhelydropsis  nov.  genus. 

Jene  chelydraartige  Schildkröte  unterscheidet  sich  von  der  in 
der  Art  Chelydra  serpenthia  noch  gegenwärtig  lebenden  Sippe: 

1.  durch  die  Doppelbildung  der  (knöchernen)  Nuchalplatte, 
welche  selbst  an  alten  Individuen  in  eine  Nuchal-  und  eine  Post- 
nuchalplatte  zerfällt; 

2.  durch  die  Anwesenheit  doppelter,  in  zwei  Reihen  übereinan- 
der liegender  Randschilder  an  der  dritten  bis  achten  Marginalplatte ; 

3.  durch  ihre  mehr  winkelig  ausgeprägte  ßescliaffenheit  minder 
breiter  Neuralplatten. 

Nichts  destoweniger  steht  diese  Schildkröte  der  echten  Chelydra 
viel  näher  wie  der  Macroclemmys  Temmincki  Troost. 

Die  einzige  hier  vorkommende  Art  hat  einen,  zumal  im  Pygalthciie 
ausgeprägten  Kiel  und  wurile  deßhalb  Chelydropsis  carinata  genannt. 

Ein  vortrefflich  erhaltenes  Exemplar,  welches  der  Darstellung 
zu  Grunde  gelegt  wurde,  befindet  sich  in  der  Sammlung  des  Herrn 
A.  Letocha,  k.  k.  Kriegscommissärs  in  Wien. 

Emys,  zwei  Arten. 

Emys  (ClemmysJ  pygolopha  Peters,  eine  kleine,  an  der 
Steißplatte  gekielte  und  überdies  am  inneren  Drittel  der  Costalnähtc 
jederseits  mit  vier  schwachen  Seitenhöckern  versehene  Art,  von  der 
das  Rückenschild  in  Verbindung  mit  dem  Plastron  und  einigen  mitt- 
leren Marginalplatten,  erhalten  ist;  ein  Unicum  im  Besitze  des  Herrn 
A.  Letocha. 

So  wie  ChelydrojJsis  carinata  kommt  auch  diese  Schildkröte  in 
den  thonigen  Schiefern  vor,  welche  das  Kohlenflötz  von  Eibiswald- 
Wies  bedecken. 

Emyg  MeUingi  Peters,  eine  große  Art,  von  der  wir  zur  Zeit 
nur  das  Brustbauchschild  (zum  größten  Theile)  kennen,  aus  der 
Kohle  selbst. 


/4         Peters.    Zur  Kennfniß  d.  Wirbelthierfauna  aus  d.  Miocenschichten  etd 

Trionyx  stiriacus  ist  mit  Tr.  ferox  Schneider  ziemlich  nahe 
verwandt;  Chelydropsis  gehört  einer  ausschließlich  amerikanischen 
Familie  an,  und  beide  herrschen  durch  Größe  und  Individuenzahl. 

Wir  dürfen  also  den  Charakter  dieser  Chelonierfauna  als  einen 
vorwiegend  amerikanischen  bezeichnen.  Ein  Befund,  der  mit  den 
Resultaten  der  phyto-paläontologisehen  Untersuchungen  über  die 
steiermärkische  Braunkohle  wohl  übereinstimmt. 


Fleisehl.  Über  den  Bau  der  sog.  Schilddrüse  des  Frosches.  75 


Über   den  Bau  der  sogenannten  Schilddrüse    des  Frosches. 
Von  Ernst  Fleischl. 

(Aus  dem  physiologischen  Institute  der  Wiener  Universität.) 
(Mit    1    Tafel.) 

Wenn  man  beim  Frosch  von  der  glandula  carotidis  nach  ein- 
wärts gegen  den  Kelilkopf  geht,  .so  stößt  man  auf  einen  röthlich  gel- 
ben, rundlichen,  Stecknadelkopf-  bis  hanfkorngroßen  Körper,  die  so- 
genannte glandula  thyreoidea  des  Frosches. 

Die  mikroskopische  Untersuchung  dieses  Körpers  ergibt,  daß 
seine  äußerste  Schichte  eine  Bindegewebshülle  ist.  Die  Fasern  die- 
ses Bindegewebes  sind  regelmäßig,  parallel  angeordnet.  Von  dieser 
Bindegewebshülle  gehen  nach  innen  Platten  und  Leisten  aus  und 
durchsetzen  das  Gewebe  des  Oi'ganes,  indem  sie  es  in  kleinere  Bäume 
abtheilen. 

Diese  Bäume  sind  von  Zellen  erfüllt,  jedoch  nicht  so,  daß  eine 
die  andere  unmittelbar  berührt;  sondern  die  Zellen  sind  eingelagert 
in  ein  Gerüste,  ähnlich  dem  in  der  Marksubstanz  der  Lymphdrüsen, 
und  ähnlich  dem,  welches  Basch  (diese  Berichte  LL  2,  pag.  420) 
im  Zottenparenchym  beschrieben  hat.  Der  Leib  der  Zellen  erscheint 
fein  granulirt.  —  Außerdem  finden  sich  sowohl  in  den  Bindegewebs- 
zügen,  als  auch  zwischen  den  Zellen  größere  und  kleinere  Anhäufun- 
gen von  Fettzellen  eingestreut.  An  einem  Hilus,  der  nach  außen  zu 
gewendet  ist,  treten  Gefäße  und  Nerven  ein.  Die  Nerven  verzweigen 
sich  noch  im  Bindegewebsgerüste,  ihre  feineren  Äste  dringen  in  die 
Zellenhaufen  ein,  wo  sich  die  doppeltcontourirten  Fasern  sehr  weit 
verfolgen  lassen. 

Der  Grund,  warum  ich  von  diesem  Gebilde  spreche,  liegt  nicht 
in  dem  bisher  erwähnten,  sondern  in  dem,  nun  zu  beschreibenden, 
eigenthümlichen  Verhalten  seiner  Blutgefäße. 

Ich  lasse  einem  Frosch  eine  Injectionsmasse,  bestehend  aus 
Leim  und  löslichem  Berlinerblau  aus  der  fein  ausgezogenen  Spitze 
eines  Glasrohres  durch  die  angeschnittene  venu  cava  inferior  in  das 


76  F  1  e  i  s  (■  h  I. 

Heiz  rinnen.  Von  da  wird  sie  durch  die  Herzaction  des  Frosches  im 
ganzen  Körper  herumgepunipt.  Sobakl  die  Injectionsmasse  erstarrt 
ist,  nehme  ich  die  Drüsen  herans  und  härte  sie  durch  einige  Tage  in 
Alkohol,  bette  sie  dann  in  eine  Mischung  von  Wachs  und  Ol  ein, 
mache  feine  Durchschnitte,  die  in  Carminlösung  gefärbt,  dann  ent- 
wässert und  in  Terpentinöl  angesehen  werden. 

Aus  der  Beobachtung  so  behandelter  Präparate  ergibt  sich,  daß 
das  ganze  Organ  von  einem  groben,  großmaschigen  Gefäßnetze 
durchzogen  ist.  Die  Grundlage  des  Netzes  sind  Stämme,  welche  die 
gewöhnlichen  Capillaren  an  Dicke  bei  weitem  übertreffen,  und  welche 
allenthalben  mit  einander  communiciren.  Außerdem  stehen  diese 
Siämmchen  auch  durch  sparsam  vertheilte  Gefäße  von  capillarer 
Feinheit  mit  einander  in  Verbindung  und  dann  finden  sich  noch  sel- 
tener Anastomosen,  vermittelt  durch  Gefäße  von  solcher  Feinheit, 
daß  unmöglich  ein  Blutkörperchen  sie  passiren  kann.  Ein  eigentliches 
Capillarnetz  existirt  demnach  in  diesem  Organe  nicht,  sondern  es 
existiren  blos  vereinzelte  capillare  Verbindungen  der  gröberen  Ge- 
Ü'ißie,  die  dafür  vielfach  untereinander  anastomosiren.  In  den  Maschen 
dieses  Gefäßnetzes  liegen  Inseln  von  Zellen. 

Die  physiologische  Ergänzung  zu  dem  so  rudimentär  entwickelten 
Capillarsystem  zeigte  sich  bei  der  Untersuchung  von  Präparaten, 
welche  mit  der  Spritze  injicirten  Thieren  entnommen  waren. 

Icii  binde  den  Tubus  einer  Injectionsspritze  in  das  angeschnit- 
tene Herz  oder  in  eine  der  Aorten  des  Frosches  ein  und  injicire  die- 
selbe Masse,  die  ich  früher  verwendete. 

Die  Drüsen  wurden  auf  die  oben  angegebene  Wc'se  behandelt, 
boten  aber  ein  ganz  verschiedenes  Aussehen  dar.  Jede  der  früher 
gefäßlos  gesehenen  Zelleninseln  war  nun  in  eben  so  viele  kleine  Inseln 
zerfallen,  als  sie  Zellen  besaß,  indem  feinste  Strömchen  der  Injec- 
tionsmasse zahllose  Verbindungen  zwischen  den  Gefäßen  herstellten, 
und  zwar  waren  sowohl  die  Capillaren  mit  den  oben  angeführten, 
dickeren,  das  Netz  eigentlich  constituirenden  Stämmchen  verbunden, 
als  auch  diese  letzteren  untereinander.  —  Nun  waren  blos  zwei  Deu- 
tungen dieses  Bildes  möglich.  Entweder  diese  zahllosen  Verbindun- 
gen der  Geläße  untereinander  waren  präexistente  Blutplasmabahnen, 
entsprechend  den  wandungslosen  Lymphbahnen  in  Lymphdrüsen  und 
Darmzotten  —  oder  das  zweite,  reichere  Bild  ist  das  Resultat  eines 
Extravasates.  Gegen  letztere  Deutung  sprechen  folgende  Gründe; 


über  den  Bau  der  sogenannten  Schilddrüse  des  Frosches.  ff 

i.  Ein  so  regel müßiges  Extravasat  ist  an  sicli  nicht  wahrschein- 
lich, seine  jedesmalige  Wiederholung  unglaublich. 

2.  Der  Anhlick  der  Präparate  selbst  spricht  gegen  die  Annahme 
eines  Extravasates. 

Es  sind  die  Durchmesser  der  interstitiellen  Bahnen  constant  ein- 
ander gleich. 

Auf  jedem  Querschnitt  sind  unzählige  Communicationen  der 
interstitiellen  Bahnen  mit  den  Gefäßen  sichtbar. 

Die  Zellen  sind  durchaus  nicht  aufgeschwemmt  in  der  blauen 
Masse,  sondern  liegen,  wie  aus  der  Vergleichung  mit  nicht  injicirten 
Präparaten  hervorgeht,  in  ihrer  natürlichen  Anordnung  von  ihrem 
sehr  zarten  Gerüste  festgehalten. 

3.  Ich  habe  auch  an  besonders  gelungenen  Präparaten  von 
Thieren,  die  sich  selbst  uijicirt  hatten,  Stellen  gefunden,  an  denen 
die  interstitiellen  Bahnen  injicirt  waren. 

Wenn  somit  einerseits  der  Unterschied  zwischen  den  durch  Herz- 
kraft und  den  mit  der  Spritze  injicirten  Präparaten  zeigte,  daß  der  Inhalt 
der  Blutgefäße  schwieriger  in  die  interstitiellen  Bäume  eindringt,  als 
in  die  gewöhnlichen  Capillaren,  so  zeigen  auf  der  anderen  Seite  die 
sub  3  besprochenen  Stellen,  daß  in  Bücksicht  auf  sie  die  Herzkraft 
xur  Anfüllung  dieser  Bäume  hinreichend  gewesen  war,  was  um  so 
mehr  ins  Gewicht  fällt,  als  ich  an  Winterfröschen  arbeitete,  bei  denen 
die  Energie  der  Herzcontractionen  bekanntlich  sehr  herabgesetzt  ist. 

4.  Schließlich  muß  erwähnt  werden,  daß  auch  an  den  mit  der 
Spritze  injicirten  Fröschen  sich  in  andern  Organen  keinerlei  Extra- 
vasate fanden,  und  auch  keinerlei  ähnliche  Anordnung  der  blauen 
Masse  im  Gewebe,  wenn  man  in  Bücksicht  auf  letzteren  Punkt  von  der 
Milzpulpa  absieht. 

Es  erscheint  somit  die  folgende  Annahme  gerechtfertigt: 
Während  in  den  meisten  Organen  der  Thiere  das  gesammte 
Blut  durch  ein  System  von  so  engen  Capillaren  Hießt,  daß  nur  eine 
Reihe  von  Blutkörperchen  in  ihnen  wandert,  so  geht  hier  das 
G  e  s  a  m  m  t  b 1 u  t  durch  weniger  regelmäßig  angeordnete 
und  verhält  nißmäßig  weite  Gefäß  bahnen  aus  den  Ar- 
terien in  die  Venen  über;  dafür  ist  aber  dem  Plasma 
noch  e i n  S y s t e m  von  e n g e n  W e g e n  eröffnet,  in  d  e m  e s 
sich  fortbewegen  un  d  das  Gewebe  «Iure  hl  ranken  kann 
ohne  das   Gefäßinnere  zu  verlassen. 


7o  Fleisch  1.    Über  den  Bau  der  sogeii;inuteii  Schilddrüse  des  Frosches. 


Erklärung  der  Abbildung-en. 


Fig.  i.  Ein  Stück  ans  dr-r  durch  eigene  Herzkraft  injicirten  Drüse  bei 
lOOmaliger  Vergrößerung. 

Fig.  2.  Ein  Stück  aus  der  mit  der  Spritze  injicirten  Drüse  bei  loOmaliger 
Vergrößerung.  In  der  Mitte  eine  große  Arterie,  aus  der  die  Injectionsmasse 
herausgefallen  ist. 

Fig.  3.  Ein  anderes  Stück  aus  einer  mit  der  Spritze  injicirten  Drüse  bei 
290ma]iger  Vergrößerung. 

Fig.  4.  Dient  dazu,  bei  480maliger  Vergrößerung  zu  veranschaulichen,  wie 
die  Zellen  in  das  Gerüste  eingelagert  sind  und  wie  die  Masse  in  die  Zwischen- 
räume des  Gerüstes  vertheilt  ist. 

Die  Vergrößerungszahlen  wurden  ermittelt  durch  directes  Messen  von 
Object  und  Zeichnung. 


K  Fli'isclil.Hau  iUt  sol!'.  Schildilrii.sr  des  l'riisclu': 


^^^i^'^^j^ 


Silzungsb  der  k  Ak.-ul  il  Wissen  stt-müth  iialiinw  CI    I.\1l    Bii .  I .  AlWli  IXü.S 


I 


Reuss.    Paläontologische  Beiträge.  79 


Paläontologische    B eiträg e. 

(Zweite  Folge.) 

Von  dem  w.  M.  Prof.  Dr.  Ä.  E.  Renss. 

(Mit  3  Tafeln.) 


5.  Über  eineo  neuen  fossilen  Limax. 

Von  einer  reichen  Landsehaeckenfauna  läßt  es  sich  schon  im 
vorhinein  vermuthen,  daß  es  ihr  auch  an  Vertretern  der  Familie  der 
Limaeiden  und  Arioniden  nicht  fehlen  werde.  Offenhar  gilt  dies  auch 
von  den  fossilen  tertiären  Faunen  dieser  Art,  mithin  auch  von  der 
Fauna  des  Süßwasserkalkes  von  Tuchoi-ic  in  Böhmen,  deren  grosse 
Übereinstimmung  mit  der  Fauna  des  Landschneckenkalkes  von  Hoch- 
heim ich  schon  früher  dargethan  habe  i).  Schon  im  Jahre  1860  war 
ich  in  der  Lage,  68  Species  derselben  zu  beschreiben,  und  zwar 
53  Landschnecken  (1  Cyclostoma,  2  Acicula,  1  Vitrina,  2  Succi- 
nea,  24  Helix,  Z  Bulimus,  6  Glnndina,  7  Piipa  und  eben  so  viele 
ClausiUci)  und  15  Süßwassermollusken  (4  Limnaeus,  6  Planor- 
bis  ,  1  Ancylus,  1  Äcrochasma  und  3  Cyclas).  Bei  der  sehr  be- 
schränkten Verbreitung  des  Tuchoficer  Süßwasserkalkes  ist  dies 
ohne  Zweifel  ein  sehr  großer  Formenreichthum,  welcher  die  Zahl 
der  bisher  aus  ganz  Böhmen  bekannt  gewordenen  Land-  und  Süß- 
wasserconchylien  übertrifft.  Die  schon  früher  ausgesprochene  Über- 
zeugung, daß  damit  noch  nicht  die  gesamte  Formenfülle  der  Fauna 
von  Tuchofic  erschöpft  sei,  findet  darin  ihre  Bestätigung,  dass  ich 
schon  jetzt  einen  Nachtrag  zu  derselben  zu  liefern  im  Stande  bin.  Bei 
fortgesetzten  sorgfältigen  Forschungen  wird  die  Bereicherung  gewiß 
eine  noch  beträchtlichere  werden. 


1)  H.  V.  Meyer  und  Reuss,  die  tertiären  Süßwassergebilde  Böhmens  und  ihre 
fossilen  Thierreste  im  zweiten  Bande  der  Paläontographica  (mit  12  Tafeln).  — 
Reuss,  die  fossilen  Mollusken  der  tertiären  Süßwasserkalke  Böhmens  im 
42.  Bde.  der  Sitzb.  d.  k.  Akad.  d.  Wissensch.  (p.  55—83,  mit  3  Tafeln). 


O  0  [{  e  II  s  s . 

Unter  ilen  Beitriigoii,  \\  olc-lie  ich  jetzt  zu  der  geuaimten  Fauna 
liefern  kann,  ist  die  Autfindung  einer  l'ossilen  Litna.v-Avl  der  interes- 
santeste, uni  so  mehr,  als  fossile  Reste  aus  dieser  Gattung  bislier  nur 
in  sehr  hesehränkler  Anzahl  bekannt  geworden  sind.  Der  Grund  die- 
ser Erscheinung  liegt  sehr  nahe.  Manche  der  hieher  gehörigen  Gat- 
tungen haben  keine  Spur  eines  Schalenrudinientes  aufzuweisen 
{^Limacella  Blainv.,  Megimathinni  v.  \\nss.,Eiimelusl{ii\'.  u.a.); 
bei  anderen  wird  die  Schale  nur  durch  isolirte  oder  gehäufte  Kalk- 
granidationen  vertreten  (^Ariou  Fer.):  oder  die  wirklich  vorhandene 
Schaleist  doch  gewöhnlich  sehr  klein,  dünn  und  zerbrechlich,  so 
dass  sie  der  Zerstörung  leicht  unterliegt  und  nur  unter  besonders 
günstigen  Verhältnissen  im  fossilen  Zustande  erhalten  werden  kann. 

Mit  Sicherheit  ist  bisher  nur  eine  fossile  Species  der  Gattung 
L/wrt.r  bekanntgeworden.  Es  ist  dies L.  Lar^d^e  D  u  p.  aus  den  Tertiär- 
schichten von  Sansan  i).  Auf  eine  andere  fossile  Schale  mit  spiral 
eingerolltem  Wirbel  von  Baloukkeni  in  Rumelien  wurde  von  Des- 
hayes  die  G&tlung  Viquesnelia  gegründet  {V.  lenticularis  Desh.  2) 
Außer  den  genannten  wird  noch  eine  zweite  Limcuv-Avt  aus  dem  Plei- 
stocän  von  Maidstone  erwähnt  s)  und  wohl  irriger  Weise  mit  dem 
weit  verbreiteten  lebenden  L.  agrestis  L.  identificirt.  Sie  ist  viel  zu 
wenig  bekannt,  um  vorläufig  eine  nähere  Berücksichtigung  finden  zu 
können. 

Die  neue  Species,  deren  Miltheilung  ich,  gleichwie  der  übrigen 
unten  zu  beschreibenden  Arten,  der  Güte  des  Hrn.  Dr.  Schwager, 
derzeit  in  München,  verdanke,  wurde  bisher  nur  in  wenigen  Exem- 
plaren in  einem  weichen  mergeligen  Gesteine  gefunden,  das  ein- 
zelne Nester  und  Schichten  in  dem  festen  Süf^wasserkalke  zusammen- 
setzt. Aus  demselben  lassen  sich  selbst  die  kleineren  und  zarteren 
Pelrefacten  ziemlich  leicht  und  unversehrt  auslösen.  Die  Schale  ist 
beiläufig  5  Mm.  lang  und  3.5  Mm.  breit,  dabei  ziemlich  dick,  beson- 
ders in  der  Nähe  des  Wirheiendes.  (Jegen  den  Vofderrand  verdünnt 
sie  sich  sehr  langsam.  Im  Umi'isse  nähert  sie  sieh  unter  den  mir  be- 
kannten Limax-kview  am  meisten  jener  von  L.  varicgalus  Drap.  *). 

')    Dupiiy    in  Journal  de  conchyliologie  ISöO.  I,  p.  301.  T.  liJ,  Fig.  1. 
'-')    Deshayes   in  .Journal  df  conclij  liologle  V.  pag.  289.  T.  7,  Fig.  14 — 17. 
*)    .'Morris,    catal.  of  british  foss.  pag.  2153. 

*)   .M  <)  »1  u  i  n  -  Ta  n  (1  o  n   liist    iiat.   des   niolliisques   (err.  ft  Huv.    de   France  II,   p.  25 
T.  3,  Fig.  8. 


Paliiontolofrisclio   ReHräpe.  ^  | 

Sie  ist  etwas  vierseitis^-oval  mit  nur  wenig  gebogenen  heinahe  paral- 
lelen Seitenrändern.  Der  Vorderrand  bildet  einen  schwachen  Bogen; 
das  hintere  Ende,  nur  wenig  breiter  als  das  vordere,  erscheint  dage- 
gen mehr  weniger  schief  abgestutzt,  indem  der  sehr  kurze,  etwas 
gegen  eine  Seite  gerückte  Wirbel  auf  der  entgegengesetzten  Seite 
gewöhnlich  durch  einen  kleinen  Anhangslappen  ilherragt  wird,  der 
aber  vom  Wirbel  durch  keinen  Ausschnitt  gesondert  ist ,  wie  bei  L. 
variegatus.  Die  wenig  gewölbte  Oberseite  ist  mit  gedrängten  un- 
gleichen, feinen,  aber  dem  bewaffneten  Auge  deutlichen,  etwas  schie- 
fen concentrischen  Anwachsstreifen  bedeckt.  Gegen  den  rechten 
Seitenrand  verdünnt  sich  die  Schale  langsam;  der  linke  Rand  bleibt 
dagegen  beträchtlich  dicker  und  trägt  in  seiner  vorderen  Hälfte  eine 
schmale  ziemlich  tiefe  Längsfurche.  Die  nur  wenig  concave  Unter- 
seite zeigt  besonders  in  ihrem  hinteren  Theile  unregelmäßige  läng- 
liche Rauhigkeiten.  Die  fossilen  Schalen  sind  schwach  durchschei- 
nend und  dunkel  erbsengelb.  Ich  bezeichne  die  Species  wegen  der 
ziemlich  beträchtlichen  Dicke  der  Schale  mit  dem  Namen :  L.  crassi- 
testaRss.  (Taf.  1,  Fig.  1.) 

Ich  ergreife  die  Gelegenheit,  der  gegebenen  Beschreibung  des 
neuen  Ltma.v  noch  die  Namen  einiger  anderer  fossiler  Species  bei- 
zufügen, welche  ich  neuerlichst  aus  dem  Süßwasserkalk  von  Tu- 
choi-ic  kennen  gelernt  habe.  Diese  sind: 

1.  Helix  multicostata  Thom.  (Taf.  1,  Fig.  2.) 
Thomae    im  Jahrb.  d.  Ver.  f.  Naturk.  in  Nassau.   184S.  II.    pag.  143.   — 
Sandberger,  die  Conehyl.  d.  Mainz.  Tertiärbeckens,  pag.  io.  T,  2, 
Fig  9. 

Aus  der  bei  Tuchofic,  so  wie  bei  Hochheim,  reichlich  vertrete- 
nen Gruppe  Patula  Held.  Die  an  ersterem  Fundorte  sehr  seltenen 
Exemplare,  deren  größtes  II  Mm.  in  der  Breite  und  5  Alm.  in  der 
Höhe  mißt,  stimmen  mit  jenen  von  Hochheim  beinahe  vollkommen 
überein.  Mit  Ausnahme  des  glatten  ersten  Embryonalumganges  zei- 
gen alle  übrigen  Windungen  die  sehr  deutlich  ausgesprochene  Rip- 
penstreifung.  Die  Rippen  sind  scharf,  ungleich  und  treten  am  letzten 
Umgange,  an  dessen  Endtheile  der  ohnedies  nicht  sehr  deutliche 
peripherische  Kiel  verschwindet,  sehr  oft  weiter  auseinander  und 
werden  durch  breitere  flache  Zwischenfurchen  gesondert,  in  welche 
sich  nicht  selten  sehr  feine  ZM'ischenrippen  einschieben.  Auf  der 
Unterseite  des  Gehäuses  werden  die  Rippen  allmälig  schwächer  und 

Sitzb.  d.  mathera.-nadirw.  Cl.  LVH.  Bd.  I.  Abth.  Ö 


82  R  e  u  s  s. 

treten  auch  iu  der  Umgebung  des  tiefen  und  ziemlich  weiten  Nabels 
nicht  mehr  schärfer  hervor. 

2.  Pupa  subcouica  Sandb.  (Taf.  1,  Fig.  3.) 
Sandberger   I.  c.  pag.  51.  T.  5,  Fig.   7;  T.  35,  Fig.  11. 

l'uiia  duliiim  antiquum  A.  B  r  a  u  n  in  Deutsche  Naturf.  Versamml.  1842.  p.  149. 

Es  liegenmir  nur  vier  Exemplare  vor,  bei  denen  die  Beschaffenheit 
der  Mündung  viel  zu  wünschen  übrig  läßt.  Sie  ist  theils  verbrochen,  theils 
mit  nicht  entfernbarer  Gesteinsmasse  grußentheils  erfüllt.  Ich  bin  daher 
nicht  im  Stande,  trotz  der  vollständigen  Übereinstimmung  im  Total- 
habitus und  in  der  Zahl  und  Beschaffenheit  der  Umgänge  die  Identität 
unserer  Exemplare  mit  der  Sandb erger'schen  Species  außer  allen 
Zweifel  zu  setzen.  Ich  beobachte  nur  einen  kleinen  aber  sehr  deut- 
lichen Zahn ,  der  auf  dem  oberen  Theil  der  Spindelwand  senkrecht 
steht.  Doch  mögen  noch  andere  Falten  vorhanden  sein,  welche  weiter 
zurück  in  der  Mündung  liegen.  Es  ist  dies  um  so  eher  möglich,  als 
auch  die  von  Sandberger  1.  c.  gegebene  Abbildung  in  der  von 
Gestein  erfüllten  Mündung  der  Schnecke  die  Zahnfalten  nicht  erken- 
nen läßt. 

3.  Papa  Schwager!  n.  sp.  (Taf.  1,  Fig.  5.) 

Sie  hat  in  der  Form  des  Geiiäuses,  so  wie  in  der  Zähnung  der 
Mundränder  sehr  große  Ähnlichkeit  mit  dem  Carycliium  costulatum 
Sandb.  i),  ist  jedoch  viel  größer  und  zeigt  bei  genauerer  Unter- 
suchung manchen  Unterschied  in  den  Details.  Das  2.S  Mm.  hohe 
Gehäuse  ist  länglich-eiförmig  und  spitzt  sich  nach  oben  allmälig  zu. 
Es  besteht  aus  sechs  mäßig  gewölbten  Umgängen,  die  nur  langsam 
an  Höhe  zunehmen  und  durch  schmale,  aber  ziemlich  tiefe  Nähte 
gesondert  werden.  Die  Mündung  ist  halbelliptisch  und  verhältniß- 
mäßig  sehr  klein,  indem  ihre  Höhe  nicht  viel  über  ein  Viertheil  der 
Gesamthöhe  des  Gehäuses  beträgt.  Der  wenig  verdickte  äussere 
und  der  etwas  zurückgeschlagene  innere  Mundsaum  werden  durch 
einen  schwachen  callösen  Umschlag  verbunden.  Zwei  stark  vorra- 
gende dünne,  blättrige  Faltenzähne  stehen  in  etwas  schräger  paral- 
leler Richtung  auf  der  Mündungswand  und  ein  etwas  kürzerer,  eben- 
falls dünner,  wenig  schrägerauf  dem  untern  Dritttheil  des  Spindelran- 
des und  endlich  zwei  sehr  kleine  Zahnhöcker  etwa  in  der  Mitte  des 


1)  Sandberger,  I.  c.  p.  393.  T.  35,  Fig.  19. 


Paläontologisctie  Beiträge.  83 

äußeren  Miindungsraiides.  Ein  sehr  enger  Nabelritz.  Die  Oberfläche 
der  Schale  ist  mit  Ausnahme  der  Embryonalwindung  mit  sehr  feinen 
gleichen  und  regelmäßigen,  schräge  nach  rückwärts  gerichteten 
Rippenstreifen  bedeckt,  welche,  dicht  aneinander  gedrängt,  durch 
sehr  schmale  Furchen  getrennt  werden.  Unter  dem  Mikroskope 
nimmt  man  in  diesen  Zwischenfurchen  Spuren  einer  zarten  Spiral- 
streifung  wahr. 

Von  dieser  Species,  welcher  ich  den  Namen  ihres  Entdeckers, 
des  Herrn  Dr.  Schwager  beigelegt  habe,  liegt  mir  bisher  nur  ein, 
jedoch  wohlerhaltenes  Exemplar  vor. 

4.  Papa  sp.  Sehr  klein  und  dünnschalig,  der  P.  subtilissimn 
A.  Br.  sp.  i)  sehr  ähnlich,  aber  mit  fünf  Umgängen.  Die  stärkeren 
Streifen,  welche  in  größeren  Abständen  die  zarten  gedrängten  An- 
wachslinien nach  Sandberger's  Beschreibung  und  Abbildung  unter- 
brechen ,  konnte  ich  an  den  freilich  nicht  besonders  gut  erhaltenen 
Exemplaren  nicht  beobachten.  Es  bleiben  daher  noch  manche  Zweifel 
übrig,  ob  dieselben  wirklich  der  genannten  Species  angehören. 

o.  Yalyata  leptopomoides  n.  sp.  (Taf.  1,  Fig.  4.) 

Die  6  Mm.  hohe  und  an  der  Basis  5.5  Mm.  breite  Schnecke  ist 
der  V.  jnscinaUs  Müll.  sp.  ähnlich  und  zeigt  im  Totalhabitus 
manche  Übereinstimmung  mit  einzelnen  Cyclostoma-Formen,  z.  B. 
mit  Leptopoma  inornatiim  Sandb.  a),  welche  Ähnlichkeit  durch  den 
Namen  angedeutet  werden  soll.  Auch  an  Littorhiella  inflata  Fauj. 
sp.  3^  findet  manche  Annäherung  statt,  die  jedoch  durch  die 
Beschaffenheit  der  Mündung  sogleich  beseitigt  wird. 

Das  Gehäuse  ist  breit-kegelförmig,  zugespitzt,  mit  schiefer  ge- 
wölbter tief  genabelter  Grundfläche  und  fünf  stark  convexen,  beinahe 
runden  Umgängen,  welche  durch  sehr  tiefe  Näthe  gesondert  werden. 
Sie  nehmen  rasch  an  Dicke  zu  und  der  letzte  löst  sich  am  Ende  von 
dem  vorletzten  etwas  ab,  so  daß  die  Gestalt  der  Mündung  durch  den 
letzteren  nicht  beeinflußt  wird.  Dieselbe  ist  vollkommen  kreisrund,  mit 
zusammenhängendem  scharfem  Mundsaum.  Der  Deckel  ist  mir  bisher 


')   Sandberger,  1.  c.  pag.  34.  T.  6,  Fig.  2.    —    Bulimus  suhtilissimus  AI.  Braun 
in  Walchner's  Geognosie.  2.  Auflage  pag.  1137. 

2)  Sandberger,  I.  c.  p.  6.  T.  6,  Fig.  12. 

3)  Sandberger   1.  c.  pag.  84.  T.  VI,  Fig.  O'  — 9"- 

6* 


84  K  e  u  s  s. 

unbekannt  geblieben.  Gedrängte  ungleiche  feine,  etwas  rückwärts  ge- 
richtete Anwachsstreifen  bedecken  die  Oberfläche  der  Schale. 

6.  Candona  polystlgma  n.  sp.  (Taf.  1,  Fig.  6.) 

Der  erste  Ostracode,  welchen  ich  aus  den  Süsswassersciiichten 
von  Tuchoric  kennen  zu  lernen  Gelegenheit  hatte.  Ob  derselbe  der 
Gattung  Candona  oder  Cypris  zugerechnet  werden  müsse,  kann  an 
dem  Fossilreste  nicht  entschieden  werden  ;  ich  habe  wegen  der  Ähn- 
lichkeit im  Umrisse  mit  Candona  Candida  Müll.  sp.  u.  a.  die  erst- 
genannte Gattung  vorgezogen. 

Die  etwa  1  Mm.  langen  und  sehr  mäßig  gewölbten  Klappen  sind 
nierenförmig- eiförmig.  Das  gerundete  und  stark  zusammengedrückte 
Vorderende  ist  beträchtlich  schmäler  als  das  flach  bogenförmige,  bei- 
nahe abgestutzte  und  wenig  schiefe  Hinterende.  Der  hintere  Rand 
stößt  mit  dem  in  seinem  hinteren  und  mittleren  Theile  nur  schwach 
gebogenen  Rückenrande  in  einem  abgerundeten  beinahe  rechten  Win- 
kel zusammen;  erst  im  vorderen  Theile  biegt  sich  der  Dorsalrand 
stärker  gegen  das  Vorderende  der  Klappe  hin.  Der  Ventralrand  ist 
beinahe  gerade,  kaum  merklich  eingebogen. 

Die  Schalenoberfläche  ist  mit  unregelmäßigen  seichten  Grübchen 
dicht  bedeckt,  wodurch  sie  ein  fein  netzförmig- runzeliges  Ansehen 
erlangt.  Die  Ventralansicht  beider  vereinigten  Klappen  ist  zugespitzt- 
elliptisch.  — 

Durch  die  hier  gegebenen  Beiträge  hat  die  Fauna  des  Süß- 
wasserkalkes von  Tuchoric  neuerdings  eine  Bereicherung  erfahren, 
indem  die  Zahl  ihrer  Species  auf  75  gestiegen  ist.  Davon  gehören 
54  den  Heliceen,  12  den  Limnaeaceen,  3  den  Cyclasideen,  2  den 
Aciculaceen,  je  eine  den  Cyclostomaceen,  Limacideen,  Paludinideen 
und  Ostracoden  an.  Die  letztgenannten  drei  Familien  haben  erst 
durcli  die  neuesten  Untersuchungen  ihre  Vertreter  gefunden.  Auch 
die  Zahl  jener  Species,  welche  der  Tuchoricer  Kalk  mit  dem  Land- 
schneckenkalk von  Hochheim  gemeinschaftlich  besitzt,  ist  dadurch 
vermehrt  worden.  Sie  beträgt  jetzt  2t  Arten,  mithin  28  Perct.  Die 
schon  früher  ')  ausgesprochene  Ansicht  von  der  Übereinstimmung 
beider  Ablagerungen  in  Betreff  ihres  geologischen  Niveau  findet 
darin  eine  wiederholte  Bestätigung. 


IJ    Reuss   in  d.  Sitzungsber.  d.  k.  Akad.  d.  Wiss.  Bd.  42,  pag.  GO. 


Paläontolofjische  Beiträge.  ^Jj 


6.  Über  ein  neues  Vorkommen  von  Gongerienschichten  in 
Siebenbürgen. 

Mein  verehrter  Freund  Herr  Sectionsrath  Fr.  Ritter  v.  Hauer 
überließ  mir  einige  Petrefacten  aus  Siebenbürgen  zur  Untersuchung, 
welche  der  k.  k.  Ingenieur  Herr  Ferd.  Burghart  der  geologischen 
Reichsanstalt  mitgetheilt  hatte  «).  Sie  stammen  aus  einem  neu  eröff- 
neten Steinbruch  am  Hahnenhach  eine  Stunde  südöstlich  von  Arhe- 
gen  zwischen  Mediasch  und  Hermannstadt.  Das  einschliessende 
Gestein  ist  ein  ziemlich  fester  graulichweißer  feinkörniger  Sand- 
stein mit  zahlreichen  silberweißen  Glimmerschüppchen.  Die  darin 
fest  eingewachsenen  Versteinerungen  lassen  in  Betreff  ihres  Erhal- 
tungszustandes Vieles  zu  wünschen  übrig.  Die  calcinirte  sehr  zer- 
brechliche Schale  ist  nur  mehr  in  vereinzelten  kleinen  Partieen  vor- 
handen oder  fehlt  an  den  meisten  bis  auf  unbedeutende  Spuren 
gänzlich,  so  daß  man  sich  auf  die  Beurtheilung  von  Steinkernen 
beschränkt  sieht.  Die  Bestimmung  daher  selbst  der  Gattung  war  mit 
großen  Schwierigkeiten  verknüpft  und  blieb  in  manchen  Fällen  sehr 
zweifelhaft  oder  wurde  selbst  ganz  unmöglich.  Von  der  anderen  Seite 
erregen  die  genannten  Fossilreste  doch  ein  so  hohes  Interesse,  daß 
ich  mich  zur  Mittlieilung  auch  der  mangelhaften  Untersuchungsresul- 
tate verpflichtet  fühle. 

Die  beobachteten  Arten  sind : 

I.  Limnaeas  nobilis  n.  sp.  (Taf.  2,  Fig.  1,  2.) 

Die  in  Rede  stehende  Schnecke,  von  welcher  vier  Exemplare 
zur  Untersuchung  vorlagen ,  verräth  bei  flüchtiger  Betraciitung  der 
allgemeinen  Formenverhältnisse  eine  auflallende  Ähnlichkeit  mit  Velu- 
tina  Flem.  Dieselbe  verschwindet  aber,  sobald  man  die  Details  ge- 
nauer in  das  Auge  faßt  und  sich  erinnert,  daß  bei  der  genannten 
Gattung  noch  niemals  gerippte  Schalen  beobachtet  worden  sind. 
Auch  darf  man  nicht  vergessen,  daß  man  es  bei  den  Gongerien- 
schichten mit  einer  Ablagerung  des  brakischen  Wassers  zu  thun 
hat,  in  welcher  das  Auftreten  der  rein  marinen  Velutinen  unerklär- 
bar wäre. 


')    Reuss   im  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt  1866.  XVI.  Sitzb.  pag.  ö-i. 


86  R  e  u  s  s. 

Vielmehr  stimmt  unser  Fossilrest  trotz  manchen  nicht  scharf  und 
deutlich  genug  hervortretenden  Charakteren  mit  der  Gattung  Lim- 
fiaeus  überein.  Der  von  den  typischen  Formen  auffallend  abwei- 
chende Totalhabitus  kann  als  kein  Gegengrund  gelten ,  denn  die 
Gestalt  der  Limnaeen  ist  überhaupt  sehr  wandelbar  und  bietet  alle 
Zwischenstufen  dar  von  der  schlanken  Spindelform  der  lebenden 
Acella  graciUs  Jay  und  der  fossilen  Limnaeus  subulatus  Sow.  i) 
und  L.  atteuuattis  Hisl.  =)  aus  den  Süßwasserschichten  von  Talank- 
hedi  im  Nagpurdistricte  Centralindiens  bis  zu  der  niedergedrückten 
Kugelform  des  L.  veluthius  Desh.  s)  aus  der  Krim,  dessen  Name 
schon  auf  die  Analogie  des  Umrisses  mit  Velutina  erinnert.  Ja  selbst 
an  Formen  mit  auseinander  gezogenen,  von  einander  getrennten  Um- 
gängen fehlt  es  nicht.  Sie  bilden  die  Gattung  Camptoceras  Benson. 

Unter  den  lebenden  Limnaeiden  schliesst  sich  unsere  Species 
zunächst  wohl  an  die  Gattung  Ämphipepha  Nilss.  an,  wenngleich 
sich  an  einem  überdies  in  mancher  Beziehung  mangelhaften  Fossil- 
reste die  Identität  der  Gattung  nicht  nachweisen  läßt.  Ich  habe  den- 
selben daher  vorläufig  der  umfassenden  Gattung  Limnüeus  angereiht. 

Die  eigenthümlichen  Sculpturverhältnisse,  das  Vorhandensein 
senkrechter  Rippenfalten,  eine  so  ungewöhnliche  Erscheinung  sie 
auch  bei  Lhmiaeus  sein  mögen,  können  kaum  ein  Bedenken  erregen, 
da  sie  sich  auf  übereinstimmende  Weise  bei  L.  Adelinae  Forb.  *) 
aus  den  Tertiärschichten  Lyciens  wiederfinden. 

Ich  lasse  nun  die  Besehreibung  des  Siebenbürgischen  Fossiles 
folgen. 

Das  Gehäuse  ist  niedergedrückt-kugelig,  breiter  als  hoch,  oben 
abgestutzt.  Die  Zahlenverhältnisse  des  Höhendurchmessers  zum 
Breitendurchmesser  stellten  sich  an  den  vier  vorliegenden  Exemplaren 
in  folgender  Weise  heraus: 


1)    Quart.  Joiirn.  geol.  Soc.  XVI,  pag-.  188.  T.  5,  Fig.  19. 

~)   Quart.  Journ.  geol.  Soc.  XVI,  p.  188.  T.  S,  Fig.  20. 

•')  .Mein.  geol.  sur  la  Crimee  par  Verneuil,  suivi  d'observations  sur  les  foss.  de  cette 
peninsule  par  Deshayes  in  Meni.  de  la  Soc.  geol.  de  France  1838.  III.  1.  pag.  64. 
T.  5,  Fig.  12 — 14.  —  Demidoff  voyage  dans  la  Russie  inerid.  et  la  Crimee  II. 
pag.  790.  Atlas  Moll.  Tab.  3,  Fig.  2. 

*J  Spratt  and  Edw.  Forbes  travels  of  Lycia  II.  p;ig.  117.  lig.  «•  —  Die  Species 
wurde  schon  früher  von  Cantraine  unter  dem  Namen:  Adelina  elegans  be- 
schrieben. Sie  war  demselben  aus  Italien  zugekommen,  ohne  daß  ihm  jedotli  die 
Fiiritlslätle  näher  beltuniil  geworden  wäre. 


Paläontologische   Beiträge.  87 

Bei  Nr.  1   (dem  kleinsten  Exemplare) 

verhalten  sie  sieh  wie     ....    13  Mm.  :  18  Mm. 
2  17-20 

»«"  «  »  n  »  ....-Cl„r  CO        „ 

„     „     4  (dem  größten  Exemplare)  ver- 
halten sie  sich  wie 25     „     :  28     „ 

Man  zählt  nur  drei  Windungsumgänge,  von  denen  die  inneren 
zwei  sehr  klein  und  eingesenkt  sind ,  so  daß  das  Gewinde  vollkom- 
men niedergedrückt  und  abgestutzt  erscheint.  Nur  die  erste  Win- 
dung ragt  gewöhnlich  als  sehr  kleines  Knöpfchen  etwas  über  das 
Niveau  der  zweiten  vor. 

Der  letzte  Umgang  ist  dagegen  sehr  groß,  bauchig  und  ragt 
mit  dem  unteren  Ende  weit  über  den  vorletzten  hinaus,  während 
das  obere  Ende  mit  demselben  in  gleichem  Niveau  liegt  und  von  ihm 
durch  eine  tiefe  rinnenartige  Nath  gesondert  wird.  Durch  die  selir 
rasche  und  starke  Breitenzunahme  der  letzten  Windung  wird  das 
Gewinde  zugleich  sehr  excentrisch. 

Die  sehr  weite  Mündung  ist  beinahe  rundlich  und  wird  durch 
den  vorletzten  Umgang  nur  wenig  modificirt.  Der  bogenförmige 
äußere  Mundrand  ist  dünn  und  scharf,  im  unteren  Theile  etwas 
zurückgeschlagen.  Der  innere  ebenfalls  dünne  Spindelrand  erscheint 
auch  etwas  zurückgeschlagen  und  scheint  in  seinem  oberen  Theile 
einen  dünnen  Umschlag  auf  dem  vorletzten  Umgang  zu  bilden.  Die 
vorliegenden  Exemplare  sind  jedoch  zu  mangelhaft  erhalten,  um  eine 
bestimmte  Ansicht  darüber  zu  erlangen. 

Die  Oberfläche  der  dünnen  Schale  ist  mit  starken  und  breiten, 
mäßig  gebogenen,  verticalen  Rippenfalten  geziert,  welche  durch  tiefe 
und  beinahe  eben  so  breite  Zwischenfurchen  geschieden  werden.  Die 
Species  kömmt  in  dieser  Beziehung  mit  dem  schon  erwähnten  L.  Ade- 
lina Forb.  überein.  An  den  kleineren  Steinkernen  werden  diese 
Falten  ganz  undeutlich.  Überdies  zeigt  die  Schale  noch  feine  un- 
gleiche Anwachsstreifen. 

2.   Cardium  ondatam  n.  sp.  (Taf.  2,  Fig.  3,  4.) 

Diese  Species  verräth  manche  Ähnlichkeit  mit  einzelnen  der 
zahlreichen  Cardium- Arten,  welche  D e s h a y e s  i)  und  Rousseau  2) 

1)   Mem.  soc.  ge'ol.  de  France  1838.  III.  1.  pag.  46 — S9. 

")   Deniidoff    voyage    dans    la    Russie    merid.    et    la    Crimee    II.    pag.    803—  818. 
T.  6—10. 


88  Heuss. 

aus  den  Tertiärschichten  der  Krim  beschreiben,  ohne  jedocli  mit  einer 
derselben  völlig  identisch  zu  sein.  Am  meisten  näiiert  sie  sich  im  Um- 
risse dem  C.  cavinatum  Desh.  und  dem  C.  modiolare  Rouss. 

Die  Schalenklappen  sind  sehr  ungleichseitig,  quer-vierseitig- 
oval, am  vordem  kurzen  Ende  abgerundet  und  viel  niedriger  als 
hinten,  wo  die  Schale  beinahe  schräg  abgestutzt  erscheint.  Der  Hin- 
terrand stößt  mit  dem  sehr  wenig  gebogenen  unteren  Rande  in  einem 
abgerundeten,  90°  nicht  viel  übersteigenden  Winkel  zusammen  und 
bildet  ein  vorspringendes  Eck.  In  den  kurzen  vorderen  Rand  dagegen 
geht  der  Mantelrand  in  ununterbrochener  Rundung  über. 

An  den  drei  vorliegenden  Exemplaren  verhält  sich  die  Höhe  zur 
Länge : 

1.  wie 15       Mm.  :  25  Mm. 

2.  „      15.5     „    :26     „ 

3.  „      17.5     „    :28     „ 

also  im  Mittel  wie  16  Mm.  :  25.5  Mm. 

Der  vorwärts  iibergebogene  Wirbel  ragt  nur  schwach  über  den 
wenig  gebogenen  Schloßrand  vor  und  liegt  am  hinteren  Ende  des 
ersten  Dritttheils  der  Schalenlänge.  Von  dem  Wirbel  läuft  über  den 
Rücken  der  Schale  eine  Kante  herab,  in  der  Nähe  des  Wirbels  am 
schärfsten  ausgesprochen,  im  weiteren  Verlaufe  sich  allmälig  etwas 
verflachend,  aber  immer  noch  deutlich  bleibend. 

Durch  diesen  Kiel  wird  vom  Schalenrücken  eine  ziemlich  aus- 
gedehnte, im  unteren  Theile  nur  schwach  geneigte  Hinterfläche 
abgegrenzt. 

Die  Oberfläche  der  Schale  ist  mit  22 — 23  scharfrückigen ,  an 
den  Seiten  dachförmig  abschüssigen,  mäßig  hohen  vom  Wirbel  aus- 
strahlenden Rippen  bedeckt,  welche  durch  eben  so  breite  oder  noch 
breitere  flache  Zwischenrinnen  geschieden  werdeu.  Am  vorderen 
Theile  der  Schale  stehen  sie  gewöhnlieh  etwas  gedrängter  und  erhe- 
ben sich  zu  geringerer  Höhe.  Die  auf  der  erwähnten  Rückenkante 
liegende  Rippe  pflegt  am  stärksten  hervorzuragen  und  steht  von  den 
Nachbarrippen  am  weitesten  ab.  Auf  der  Hinterseite  zählt  man  5  —  6 
Rippen,  welche  ebenfalls  weiter  von  einander  gerückt  sind  und  sich 
mehr  verflachen. 

Über  die  Radialrippen  und  ihre  Zwischenfurchen  verlaufen  sehr 
gedrängte  und  ungleiche,  schwach  wellenförmig  gekrümmte  Anwachs- 
streifen ,  durch  welche  die  Schale  etwas  blättrig  erscheint.    In  ziem- 


Paliiontologische   Beiträge.  89 

lieh  regelmäßigen  Abständen  erheben  sich  diese  Streifen  auf  den 
Rippen  zu  kleinen  schuppig-blättrigen  Hervorragungen.  Am  wenig- 
sten tritt  diese  Erscheinung  im  vorderen  Theile  der  Schale  hervor. 

Auch  auf  den  Steinkernen  behalten  die  Rippen  großentheils  ihre 
scharfkantige  Beschaffenheit  bei ,   wenn  sie  gleich  an  Höhe  verlieren. 

3.  Cardiom  sp. 

Kleine  Steinkerne  mit  anhängenden  Schalenpartikeln  gehören 
offenbar  einer  zweiten  Cardium-Art  an,  die  im  Umrisse  mit  C.  sub- 
detitatum  Desh.  i)  einige  Ähnlichkeit  besitzt,  ohne  jedoch  in  den 
übrigen  Merkmalen  damit  übereinzustimmen.  Die  Schale,  deren  Höhe 
sich  zur  Länge  beiläufig  wie  14.5  :  18  Mm.  verhält,  ist  quer -oval, 
wenig  ungleichseitig,  vorne  gerundet,  hinten  schwach  abgestutzt, 
ohne  Rückenkiel.  Der  beinahe  mittelständige  Wirbel  ist  übergebogen, 
stärker  gewölbt  als  bei  C.  siibdeiitatum. 

Auf  dem  Rücken  der  Schale  zählt  man  etwa  16  Rippen,  die  am 
Wirbel  sehr  scharfrückig  hervortreten.  Zwischen  je  zwei  derselben 
scheint  sich  in  weiterem  Verlaufe  eine  sehr  flache  Zwischenrippe 
einzuschieben.  Auf  der  Vorder-  und  Hinterseite  der  Schale  ver- 
flachen sich  die  Rippen  sehr.  Über  die  ferneren  Charaktere  geben 
die  Steinkerne  keinen  genügenden  Aufschluß. 

4.  Cardiam  sp. 

Es  liegen  noch  Steinkerne  einer  dritten  kleineren  Art  vor.  Das 
vollständigste  Exemplar  ist  13  Mm.  lang  und  10,5  Mm.  hoch,  quer- 
oval, vorne  gerundet,  hinten  schwach  abgestutzt,  ziemlich  stark  ge- 
wölbt, mit  ühergebogenem  beinahe  mittelständigem  W'irbel,  ohne 
Rückenkante.  Die  Schalenoberfläche  wird  durch  zahlreiche  flache 
Radialrippchen  geziert,  die  durch  etwas  schmälere  Furchen  mit  fla- 
chem oder  selbst  etwas  convexem  Boden  geschieden  werden.  An 
beiden  Seiten  der  Schale  verflachen  sie  sich  etwas.  Über  Rippen  und 
Furchen  laufen  endlich  sehr  gedrängte  und  scharf  ausgesprochene 
ungleiche  vertiefte  Anwachsstreifen. 

5.   CoDgeria  triangolaris  Part  seh. 

Ich  habe  nur  eine  von  dem  umgebenden  Gesteine  an  der  Innen- 
seite nicht  trennbare  Schale  vor  mir,   die  wegen  ihres  dreiseitigen 


»)   Deshayes  1.  c.  p.  57.  T.  1,  Fig.  16—18. 


90  Reu  SS. 

Umrisses  wohl  unzweifellinft  der  genannten  Species  angehört,  aber 
wegen  der  Kleinheit  und  Dünne  der  Schale  und  der  geringen  Ent- 
wicklung des  triangulären  Lappens  von  einem  jugendlichen  Indivi- 
duum abstammen  muß. 

6.  lelanopsis  sp. 

Endlich  muß  noch  eines  Bruchstückes  einer  Melanopsis  Erwäh- 
nung geschehen,  welche  nach  den  erkennbaren  Merkmalen  kaum  von 
M.  Martuiiana  Fer.  verschieden  sein  dürfte. 

Die  einzelnen  hier  namhaft  gemachten  fossilen  Reste  bieten 
schon  wegen  ihres  sehr  mangelhaften  Erhaltungszustandes  nur 
wenige  sichere  Anhaltspunkte  dar.  Dagegen  fällt  die  Gesamtphy- 
siognomie der  Fauna,  welche  durch  diese  Überreste  repräsentirt 
wird,  desto  mehr  in  das  Gewicht.  Sie  verräth  einerseits  eine  große 
Analogie  mit  der  in  den  brakischen  mehr  weniger  ausgesüßten  Wäs- 
sern des  südöstlichen  Europa  und  des  Avestlichen  Asiens  lebenden 
Muschelfauna  (der  arab.  caspischen  Fauna);  anderseits  bietet  sie 
eine  große  Übereinstimmung  dar  mit  den  Vorläufern  derselben,  näm- 
lich der  Fauna  jener  Tertiärschichten,  welche  man  von  der  darin 
vorwiegend  entwickelten  Muschelgattung  Congeriu  (Dreissena,  Ti- 
chogoniaj  mit  dem  Namen  der  Congerienschichten  zu  belegen  pflegt. 
Über  ihre  Aveite  Verbreitung  hat  Herr  Sectionsrath  Fr.  v.  Hauer 
schon  vor  längerer  Zeit  Auskunft  gegeben  *).  Sie  haben  sich  aus  den 
ausgesüßten,  in  Beziehung  auf  ihre  Ausdehnung  sehr  reducirten,  auf 
mehr  weniger  isolirte  Becken  beschränkten  Überresten  eines  tertiären 
Meeres  abgelagert,  nachdem  sich  die  marinen  Depots  der  Tertiärzeit 
schon  sämtlich  gebildet  hatten. 

Den  westlichsten  Punkt  ihrer  Entwicklung  haben  sie  im  Wiener 
Becken  erreicht.  Von  da  erstrecken  sie  sich  durch  das  südliche 
Steiermark  —  daselbst  aber  nur  spärlich  entwickelt — ,  durch  das  ge- 
sammte  Südungarn  und  die  angrenzenden  Länder,  nordwärts  bis  in 
die  Thäler  der  Karpathen,  südwärts  bis  beinahe  an  den  Fuß  des 
Balkan  reichend.  Weiter  ostwärts  lassen  sie  sich  bis  nach  Südruß- 
land und  Kleinasien  verfolgen,  wenn  gleich  von  Spratt  jüngere  dilu- 


1)  über  die  Verbreitunj;;'   der  Inzersdorfer  (Congerieii-)  Schichlen  in  üsterreicli  im 
Jahrbuche  der  k.  k.  geol.  Heiebsanstalt  1860.  1.  pag.  I  ff. 


Paläontologische  Beiträge.  Q\ 

viale  SiißAvasserablageriingen  vielfach  mit  den  tertiären  Congericn- 
schichten  verwechselt  worden  sind  '). 

In  Siebenbürgen  selbst  sind  sie  bisher  schon  an  mehreren 
Punkten  nachgewiesen  worden.  Wir  finden  dieselben  in  der  Geologie 
Siebenbürgens  von  Ritter  Fr.  v.  Hauer  und  Dr.  Stäche,  pag.  41 
und  603  namentlich  verzeichnet.  Sie  sind  jedoch  durchgehends  mehr 
weniger  auf  die  Nachbarschaft  des  das  Innere  des  Landes  umgür- 
tenden Gebirgskranzes  beschränkt,  und  zwar  mit  Ausnahme  der  iso- 
lirten  im  nördlichen  Hochthale  von  Kapnik  gelegenen  und  lange  nur 
durch  den  Bergbau  aufgeschlossenen  Depots s)  sämtlich  demsüdliclien, 
westlichen  und  südöstlichen  Theile  desselben  angehörig.  Im  ersteren 
finden  wir  sie  bei  Groß-  und  Klein-Pold  und  Orh'is  bei  Reußmarkt.  zu 
Stammerndorf  und  Heitau  bei  Hermannstadt,  so  wie  zu  Galt  in  SO. 
von  Reps.  Am  Westrande  des  Beckens  sind  sie  bekannt  von  Halmagy 
und  im  Valye  Lyasza  im  Körösthale,  so  wie  zu  Hoswe  und  Györtelek 
in  N.  von  Szilagu  Somlego  und  endlich  zuOlahlapad  nordwestlich  von 
Nagy-Enyed.  Dem  südöstlichen  Rande  gehört  der  reichste  Fundort 
Siebenbürgens  an  Petrei'acten  der  Congerienschichten  an,  nämlich 
Arapatak  in  0.  von  Marienl)urg  und  außerdem  eine  zweite  Fundstätte 
zwischen  Nußbach  und  Rolhbach  in  N.  von  iMarienburg.  Die  Ver- 
steinerungen, welche  alle  diese  Fundstätten  geliefert  haben,  be- 
schränken sich  bisher  auf  die  geringe  Anzahl  von  13  Arten,  unter 
denen  man  4  Arten  der  Gattung  Congeria,  eben  so  \ie\e  Melanopsis, 
3  Pidudlna  und  endlich  je  eine  Melania  und  Nerita  zählt. 

Keiner  der  bisher  bekannten  Fundorte  ist  weiter  in  das  Innere 
des  Landes  vorgeschoben  und  obwohl  über  ihrVorkommen  im  Innern 
des  von  Tertiärschichten  erfüllten  siebenbürgischen  Beckens  von  vorne 
berein  kaum  ein  Zweifel  obwalten  konnte,  so  ist  doch  Arbegen  der 
erste  bisher  bekannt  gewordene  dem  Centrum  des  Landes  näher  ge- 
rückte Fundort  von  Congerienschichten.  Das  schon  dadurch  geweckte 
Interesse  wird  noch  wesentlich  durch  den  Umstand  erhöht,  daß   die 


1)  C.  Peters  vorläufiger  Bericht  über  eine  geologische  Untersuchung  der  Do- 
hrudscha  in  den  Sifzungsber.  d.  k.  Akad.  d.  Wiss.  in  Wien.  B.  SO,  p.  16. 

^)  Erst  H.  Wolf  hat  in  neuester  Zeit  die  Congerienschichten,  wenn  gleich  in  sehr 
geringer  Entwicklung  in  Kajinik  am  Tage  nachgewiesen  und  zwar  gehören  sie 
einem  tieferen  Congeria  Pavtsehi  führenden  Niveau  der  obigen  Abtheilung  an.  Auch 
bei  Nagjbanya  wui-den  sie  \on  ihm  entdeckt.  (Verhandl.  der  k.  k.  gcol.  Reichs- 
anstalt 1865,  pag.  254.) 


92  Reu  s  s. 

Petrefacten  von  Arbeiten  von  jenen  der  übrigen  genannten  Fundorte 
beträchtlich  abweichen  und  eine  weit  größere  Übereinstimmung  mit 
der  cardienreichen  pontischen  Gruppe  der  Congerienschichten  zeigen. 
Möge  die  Miltheilung  meiner  noch  sehr  lückenhaften  Notiz  bald  zu 
genauerer  Durchforschung  und  umfassenderer  Ausbeutung  des  inte- 
ressanten Fundortes  führen. 

7.  Neue  Fundorte  von  Valenciennesia  annulata  Rousseau. 

In  A.  V.  Demidoffs  V^oyage  dans  la  Russie  meridionale  et  la 
Crimee  II.  pag.  791  (Atlas,  Mollusques  Taf.3,Fig.7)  hat  Rousseau 
die  Schale  eines  höchst  merkwürdigen  Gasteropoden  beschrieben 
und  abgebildet,  der,  im  Umrisse  einem  riesenhaften  Ancylus  gleichend, 
sich  doch  so  wesentlich  davon  unterscheidet,  daß  er  zum  Typus  einer 
selbstständigen  Gattung  erhoben  wurde.  Rousseau  belegte  dieselbe 
zuerst  —  im  Atlas  —  mit  dem  höchst  sprachwidrig  gebildeten  Namen: 
Valenciemiensis,  den  er  später  im  Texte  seiner  Beschreibung  mit 
Valencieimitis  vertauschte.  Bourguignat  >)  verbesserte  ihn,  indem 
er  ihn  in  Valenciennia  umwandelte,  worauf  ihn  Fischer  2)  noch 
sprachrichtiger  in  Valenciennesia  umgestaltete,  welchen  ich  hier 
auch  beibehalte.  Der  Rousseau'sche  Speciesname  ,,afi7iulata"  ist 
sehr  bezeichnend. 

Das  hier  besprochene  Fossil  wurde  in  den  oberen  Schichten  der 
mittleren  Tertiärabtheilung  am  Cap  Kamiouch-Bouroun  in  der  Krim 
gesammelt,  wo  es,  begleitet  von  Limnaeus  peregi'inus  und  velutinus 
Desh.,  Planorbis  rotella  Rouss.,  Paludina  Casaretto  Rou§s., 
Congeria  aperta  Desh.  sp.,  Cardium planum  Desh.,  C.  carinatum 
Desh.,  C.  crenulatnm  Rouss.,  C.  acardo  Desh.  und  C.  modiolare 
Rouss.,  in  Menge  vorkömmt,  also  durchgehends  in  Gesellschaft  von 
Conchylien  des  süßen  und  brakischen  Wassers. 

In  der  neuesten  Zeit  überzeugte  man  sich  jedoch,  daß  dem 
Fossile  ein  viel  ausgedehnterer  Verbreitungsbezirk  zukömmt. 

Bei  Gelegenheit  seiner  letzten  Anwesenheit  in  Pest  sah  Herr  Sec- 
tionsrath  Ritter  v.  Hauer  Exemplare  desselben ,  dessen  Bruchstücke 


1)  Auienites  iiiiilacologiques  in  der  Revue  et  magasin  de  Zoologie  2de  Ser.  VII.  185S, 

§.  23.  p.  29,  T.  1,  l<'ig.  1,  2;   T.  2,  Fig.  1. 
«)   Journal  de  conchyiiologie  2de  Ser.  III.  1838,  p.  318. 


Paläontolopische   Beiträge.  93 

Steirikernen  von  Inocerameii  täuscheiifl  ähnlich  waren,  im  dortigen 
Museum  und  verölTenth'chte  darühei*  eine  kurze  Notiz  in  den  Verhand- 
lungen der  k.  k.  Reichsanstalt  (Bericht  vom  31.  Juli  1867,  Nr.  11, 
pag.  234),  in  der  er  die  Ähnlichkeit  mit  bauchigen  Limnaeen  mit  nie- 
dergedrücktem Gewinde,  z.  B.  f^.  nobilis  R  s  s.  von  Arhegen ,  hervor- 
hebt. Ihm  verdanke  ich  die  freundliche  Mittheilung  eines  mitgebrach- 
ten Exeraplares,  das  jedoch  zu  fragmentär  war,  um  seinen  Bau  gründ- 
lich zu  studiren. 

Durch  gütige  Vermittlung  des  Herrn  iJirectors  !)r.  Hörn  es  ließ 
mir  Herr  v.  Hantken  mit  dankenswerther  Zuvorkommenheit  sämt- 
liche in  Pest  befindliche  Exemplare  zur  Untersuchung  zukommen. 
Von  denselben  gehören  sieben  dem  Pester  Museum,  sechs  dem  Herrn 
Prof.  Szabo  an.  Mit  Ausnahme  eines  kleinen  fragmentären  Exem- 
plares,  das  Herr  v.  Hantken  nach  seiner  Mittheilung  im  Jahre  1860 
selbst  aus  den  Congerienschichten  von  Totis  westlich  von  Gran  in 
Ungarn  sammelte,  stammen  die  übrigen  sämtlich  von  Beoscin  in 
Syrmien  (Taf.  3,  Fig.  1—3). 

Im  Oetober  1867  entdeckte  Herr  Prof.  Hofmann  aus  Pest 
dieselbe  Versteinerung  endlich  auch  in  der  Wallachei ,  auf  einer 
Anhöhe  an  der  Straße  zwischen  Arkj'niy  und  Bradisceny,  nahe  west- 
lich an  erstgenanntem  Orte.  Die  dort  gesammelten  fragmentären, 
aber  deutlich  erkennbaren  Exemplare  erhielt  ich  durch  gütige  Ver- 
mittlung des  Herrn  v.  Hantken  ebenfalls  zur  Ansicht. 

Die  zur  Untersuchung  vorliegenden  Exemplare  lassen  sämtlich 
noch  manches  zu  wünschen  übrig.  Niu-  drei  derselben  sind  in  ihrem 
ganzen  Umfange  erhalten  und  von  diesen  gehören  zwei  überdies  dem- 
selben Individuum  an,  indem  sie  den  Abdruck  der  Ober-  und  Unter- 
seite darstellen.  Alle  übrigen  sind  mehr  weniger  unvollständige 
Bruchstücke.  Bei  den  meisten  ist  vorzugsweise  der  hintere  unterhalb 
des  Wirbels  gelegene  Theil  des  Randes  abgebrochen  und  in  diesem 
Falle  nimmt  das  Fossil  die  schon  früher  hervorgehobene  täuschende 
Ähnlichkeit  mit  einem  Steinkerne  eines  Inoceramns  an. 

Aber  auch  die  in  ihrem  ganzen  Umfange  erhaltenen  Exemplare 
sind  entstellt,  indem  sie  von  oben  niedergedrückt  erscheinen,  was  bei 
der  beträchtliciien  Ausdehnung  und  Dünne  der  Schale  leicht  erklär- 
bar ist.  Dieselbe  ist  überdies  beinahe  stets  verschwunden.  Nur  an 
dem  fragmentären  Stücke  von  Totis  und  noch  mehr  an  jenen  aus  der 
Wallachei  sind  noch  anhängende  Schalenreste  wahrzunehmen, 


t/nt  R  e  u  s  8. 

Die  Größe  (br  untersuchten  Exemplare  ist,  wenn  auch  sehr 
veränderlich,  doch  stets  heträchtlich.  Das  größte  derselhen  mißt 
118  Mm.  in  der  Länge  und  etwas  ülier  90  Mm.  in  der  Breite.  Bei 
dem  zweiten  vollständigeren  Exemplare  beträgt  die  Länge  95,  die 
Breite  90  Mm.  Kleinere  Stücke  messen  dagegen  nur  68,  das  kleinste 
nur  40  Mm.  in  der  Länge.  Der  Umfang  des  gesamten  Gehäuses, 
welcher  bei  der  Dünne  der  Schale  mit  jenem  der  weit  geöffneten 
schüsseiförmigen  Mündung  zusammenfällt,  ist,  wie  die  angegebenen 
Maße  zeigen,  sehr  breit  -  elliptisch  oder  beinahe  kreisförmig; 
jedoch  darf  nicht  übersehen  werden,  daß  in  Folge  der  Depression 
der  Schale  das  Verhältniß  zwischen  Länge  und  Breite  wesentlich 
geändert,  nämlich  der  Breitendurchmesser  beträchtlich  vergrößert 
worden  sein  muß. 

Der  Rücken  der  Schale  ist  bauchig  gewölbt,  am  höchsten  in  der 
Nähe  des  Wirbels ,  der  am  hinteren  Ende  der  Schale  liegt  und 
hakenförmig  nach  hinten  herabgekrümmt  ist.  Von  da  senkt  sich  die 
Schale  gegen  den  bogenförmigen  Vorderrand  nur  allmälig.  Steiler 
fällt  sie  gegen  die  Seitenränder  ab,  am  steilsten,  beinahe  senkrecht 
am  hinteren  Ende.  Jedoch  ist  dies  nur  an  normalen  Exemplaren 
wahrzunehmen,  an  den  vorliegenden  ist  selbst  der  Hinterrand  in 
Folge  der  eingetretenen  Compression  beinahe  tlach  ausgebreitet. 

Aus  demselben  Grunde  ist  auch  die  an  der  rechten  Seite  des 
Hiiiterrandes  vom  Wirbel  herabziehende  Siphonalrippe,  welcher  an 
der  Innenseite  der  Schale  eine  starke  furchenartige  Einbiegung  ent- 
spricht, vollkommen  ausgeglichen  und  verschwunden.  Sie  wird  nur 
noch  durch  einen  merkbaren  Sinus,  den  die  concentrischen  Falten 
der  Schale  an  dieser  Stelle  bilden,  angedeutet.  Eben  so  ist  von  der 
kleineren  rippenartigen  Ausbiegung,  welche  die  linke  Seite  des 
Hinterendes  normaler  Schalen  darbietet,  keine  Spur  mehr  wahr- 
nehmbar. 

Die  sehr  dünne  Schale  wird  von  starken  und  hohen,  scharf- 
rückigen,  dachförmig  abfallenden  concentrischen  Falten  bedeckt,  die, 
am  Wirbel  schwach  beginnend,  in  immer  weiteren  concentrischen 
Bögen  sich  herumlegen  und  zugleich,  je  näher  der  Schalenperipherie, 
desto  höher  sich  erheben.  Sie  stehen  ziemlich  gleich  weit  von  einan- 
der ab;  doch  zeigen  sie  in  Beziehung  auf  Abstand  und  Höhe  stel- 
lenweise einige  Unregelmäßigkeit.  Ihre  Zahl  ist  auch,  abgesehen  von 
der  Größe  der  Schale,   schwankend.  An  dem  grüßten  der  vorliegen- 


Paläontologische  Beiträge.  95 

den  Exemplare  zähle  ich  vom  Wirbel  bis  zur  Peripherie  im  Ganzen 
30  Falten,  von  denen  jedoch  einzelne  nicht  bis  an  den  Seitenrand 
hinabreichen,  sondern  schon  an  der  rechten  Rückenseite  bald  ab- 
brechen. Besonders  ist  dies  bei  den  dem  Wirbel  näher  liegenden 
Falten  der  Fall.  Am  gedrängtesten  und  daher  auch  am  zahlreichsten 
stehen  sie  auf  den  Exemplaren  aus  der  Wallache!.  Auf  den  Falten 
und  in  ihren  Zwischenfurchen  verlaufen  überdies  zahlreiche  ge- 
drängte, ungleiche  concentrische  Anwachsstreifen.  Die  in  der  von 
Rousseau  gegebenen  Abbildung  angedeuteten  Radiallinien,  wodurch 
die  Oberfläche  der  Schale  gleichsam  fein  gegittert  erscheint,  konnte 
ich  an  den  mir  vorliegenden  Fossilresten  nirgends  wahrnehmen; 
wohl  aber  zerbricht  die  Schale  in  der  dadurch  angedeuteten  Rich- 
tung äußerst  leicht  und  unterliegt  deßhalh  auch  so  sehr  der  Zer- 
störung. Es  scheinen  also  durch  die  genannte  unterbrochene  Strei- 
fung nur  die  erwähnten  Bruchrichtungen  angedeutet  zu  werden.  Die 
concentrischen  Falten  und  Streifen  treten  auch  auf  der  Innenseite 
der  Schale  vollkommen  deutlich  hervor.  Von  einem  Muskeleindruck 
ist  dagegen  keine  Spur  wahrzunehmen. 

Faßt  man  alle  beschriebenen  Charactere  der  F.  annulata  zu- 
sammen, so  ergibt  sich  nachstehende,  beinahe  in  ihrem  ganzen  Um- 
fange schon  von  B  o  u  r  g  u  i  g  n  a  t  ')  formulirte  Diagnose : 

„Y.  testa  tenuissima,  leite  ovato-oblonga ,  gibboso-convcwa, 
postice  in  umboiiem  acutum  deflexum  protracta  et  praerupte  de- 
clivi;  hl  latere  postico  dextro  costa  siphonali  ampla,  a  vertice  ad 
marginem  usque  sinuatum  decurrente ;  superficie  acute  concen- 
trice  plicata  et  striata;  apertura  latissima  ovata;  margine  te7iui 
acuto". 

Über  die  Stellung  der  Gattung  Valenciennesia  im  zoologischen 
Systeme  sind  sehr  verschiedene  Ansichten  ausgesprochen  worden. 
Von  allen  Seiten  ist  jedoch  die  Ähnlichkeit  der  Schale,  welche  allein 
zur  Beurtheilung  vorliegt,  einerseits  in  Betreff  ihrer  Gesamtphysio- 
gnomie mit  Ancylus,  andererseits  wegen  des  Sinus  auf  der  hinteren 
rechten  Seite  der  Schale,  der  wahrscheinlich  einer  mit  den  Respira- 
lionsorganen  in  Verbindung  stehenden  Siphonairöhre  zur  Aufnahme 
gedient  haben  mag,  mit  der  Gattung  Siphonaria  geltend  gemacht 
worden.  Bourguignat  sieht  daher  darin  eine  Übergangsform  zwi- 


*)  Re^Tie  et  magasin  de  Zoologie  par  Guerin-Meneville  2de  Ser.  VII.  1833.  pag.  30, 


96  R  e  u  SS. 

scheu  beiden  geiuuinten  Gattimt'en,  welche,  nach  ihren  Begleitei-n  in 
den  sie  beherbergenden  Schichten  zu  schließen,  in  brakischem 
Wasser,  vielleicht  an  der  Einmündung  größerer  Flüsse,  gelebt  haben 
mochte. 

Deshayesi)  versetzt  sie  ebenfalls  zu  den  Limnaeaceen  und 
zwar  in  die  Unterabtheilung  der  Ancylinen,  deren  Reihe  er  damit 
eröffnet,  um  sie  auf  diese  Weise  in  die  größtmögliche  Nähe  von 
Siphoiiarla  zu  bringen.  Es  scheint  dies  bei  den  mehrfach  hervor- 
gehobenen Analogien  auch  die  naturgemäßeste  Stellung  zu  sein,  in- 
dem Ancyhis  dann  den  einfachsten  Süßwassertypus  darstellt,  von 
welchem  Valenciennesin  sich  durch  das  Vorhandensein  der  Siphonai- 
röhre entfernt,  um  sich  dagegen  durch  dieselbe  einerseits  an  Sipho- 
naria,  anderseits  an  Camptonyx  Bens,  anzunähern,  welche  Gat- 
tung gleichzeitig  das  terrestre  Ancylinenglied  bildet.  In  anderer 
Richtung  —  durch  eine  im  Innern  der  Schale  befindliche  Querlamelle, 
ähnlieh  wie  bei  Crepidula  —  weichen  sodann  Gwidlachia  Pfeift'., 
Poeyia  Bourg.  und  Latia  Gray  von  ÄJicylus  ab. 

Eine  etwas  divergirende  Ansicht  spricht  Fischer  «)  aus,  indem 
er  Vrdencietmesia  mit  Camptonyx  nicht  nur  nach  dem  Vorgange  von 
Adams  2^  in  Gray's  Familie  der  Otiniden  versetzt,  sondern  beide 
selbst  in  einer  Gattung  —  Valenciennesia  —  zusammenfaßt.  Der 
letztere  V^organg  dürfte  nicht  ganz  begründet  erscheinen,  da  die  Ver- 
muthung  Fischer's,  daß  Valenciennesia  ein  Landbewohner  sei,  in 
den  sie  begleitenden  Fossilresten,  welclie  durchgehends  den  Mollusken 
des  süßen  und  brakischen  Wassers  angehören,  eben  keine  Stütze 
findet.  Wie  schon  Bourguignat  bemerkt,  scheint  sie  vielmehr 
ebenfalls  im  brakischen  Wasser  gelebt  zu  haben  und  dann  dürfte  es 
wohl  erlaubt  sein,  trotz  dem  mit  Camptony iV  analogen  Baue  der  Schale 
auf  eine  etwas  verschiedene  Organisation  des  Thieres  zu  schließen. 
Darum  würde  aber  auch  nicht  zu  billigen  sein,  Bewohner  des  festen 
Landes  und  des  Wassers  in  derselben  Gattung  zu  vereinigen.  Ich 
ziehe  es  daher  vor,  mit  Deshayes  und  Anderen  beide  Gattungen 
gesondert  zu  halten. 


Ij    Descr.  des  anini.  saus  vertelires  decouv.  dans  le  bass.  teil,  de  Paris.  II.  (>.  695. 

-)   Journal  de  Conchyliologie  S''*"  Sor.  III.  pag.  376. 

3)    11.   aiid    A.   A  d  a  m's  the  geiiera  of  recent  moUusca  II.  pag-.  644. 


Piiliiontologische  ßeiträg-e.  97 

Von  Totis  bei  Gran  und  von  Arkany  in  der  VVallaehei  liegt  mir 
nichts  von  den  die  Valenciewiesia  begleitenden  Versteinerungen  vor. 
Beocsin  in  Syrmien  scheint  jedoch  daran  sehr  reich  zu  sein ;  nur  hat 
man  es  dort  diirchgehends  mit  Steinkernen  zu  thun.  Die  Arten  sind 
daher  theiis  schon  deshalb,  theils  wegen  der  starken  Compression 
der  fossilen  Reste  schwer  oder  gar  nicht  mit  Sicherheit  zu  bestimmen. 
Ich  beobachtete  Limnaeus  veluthms  Desh.,  der  von  Verneuil  und 
von  Dem  id  off  bei  Kamiouch-Bouroun  unweit  Kertsch  gesammelt 
wurde,  ein  Cavdium,  welches  wohl  mit  C.  edenfulum  besh.  i)  über- 
einkommen dürfte,  sowie  auch  ein  anderes  kleineres  Cardium  von 
gerundet-ovalem  Umriß,  das  mit  dem  von  Eich  wald  2)  nach  bloßen 
Steinkernen  beschriebenen  noch  sehr  problematischen  C.  littorale 
Eichw.  von  Odessa  einige  Ähnlichkeit  besitzt. 

Die  gemachten  Beobachtungen  reichen  hin,  um  darzuthun,  daß 
die  Schichten,  in  denen  neuerdings  die  Valenciennesia  anmdata  ent- 
deckt wurde,  in  paläontologischer  Beziehung  vollständig  mit  jenen 
von  Kamiouch-Bouroun  übereinstimmen.  Hier  wie  dort  bietet  die 
Fauna  neben  der  Valenciennesia  den  Limnaeus  velutinus  und  Car- 
dien,  die  theils  denselben,  theils  höchst  verwandten  Arten  angehören. 
Sobald  die  neuen  Fundorte  in  ausgedehnterem  Maße  werden  durch- 
forscht und  ausgebeutet  sein,  wird  sich  die  Übereinstimmung  als  eine 
noch  vollständigere  herausstellen. 

Es  kann  keinem  Zweifel  unterliegen,  daß  die  fraglichen  Schich- 
ten sämtlich  in  dasselbe  geologische  Niveau  zu  versetzen  sind.  Ihre 
Fauna  weiset  mit  Sicherheit  nach,  daß  sie  den  Congerienschichten 
angehören,  die  sich  alle  aus  in  hohem  aber  ungleichem  Grade 
ausgesüßtem  Wasser  abgelagert  haben,  welche  Aussüßung  jedoch 
nach  vollendeter  Ablagerung  der  marinen  Miocänschichten  schon  in 
der  Bild  ungsepoche  der  Cerithienschichten  —  der  sarmatischen  Periode 
—  begonnen  hatte.  Ihr  Fortschreiten  kann  entweder  nur  an  der  Ein- 
mündung größerer  Flüsse  stattgefunden  haben  oder  in  Lagunen,  in 
denen  durch  langdauernde  Abschließung  vom  Meere  und  durch  Zu- 
strömen süßen  Wassers  der  Salzgehalt  auf  ein  sehr  niedrigesVerhältniß 


1)   D  eshay  e  s   I.  c.  pa^.  j7.  T.  3,   Fig.  3  —  6.   —   Rousseau   in  Demidoff  I.  c.  pag-. 

807.   T.  7,  Fig.  4.   —   Es  wird   von   Börnes   auch   von   Arpad  in   SO.  von  Fiinf- 

kircheu  beschrieben. 
2j   Eichwald,   Lethaea  rossiea  IH.  pag.  99.  T.  6,  Fig.  1. 
SiUb.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  LVH.  Bd.  I.  Abth.  7 


98  R  e  u  s  s. 

reducirt  worden  ist.  Es  dürfte  nicht  erlaubt  sein,  aus  der  Gegenwart 
von  Süßwassermollusken,  z.  B.  der  Gattungen  Limnaeus,  Planorhis, 
Paludina,  auf  eine  Schichtenbildung  aus  süßem  Wasser  zu  scliließen, 
da  Cardien  in  demselben  kaum  gedeihen  und  sich  reich  entwickeln 
konnten,  während  es  von  der  anderen  Seite  bekannt  ist,  wie  leicht 
sich  viele  Süßwasserschnecken  allmälig  an  einen  selbst  nicht  unbe- 
trächtlichen Salzgehalt  ohne  jede  Störung  ihrer  Lebensfunctionen 
zu  gewöhnen  vermögen. 

Die  Abweichungen  der  Fauna  der  Congerienschichten  an  ver- 
schiedenen Punkten  ihres  Vorkommens  sind  offenbar  theils  durch  ihr 
verschiedenes  Alter,  theils  durch  mannigfache  locale  Einflüsse  be- 
dingt, die  sich  in  isolirten  abgeschlossenen  Becken  stets  leicht,  wenn 
gleich  in  verschiedenem  Maße,  geltend  machen,  theils  endlich  durch 
beiderlei  Ursachen  zugleich.  Unter  den  aus  beiden  Quellen  hervorge- 
henden Ursachen  der  Abweichungen  in  der  Fauna  nimmt  insbeson- 
dere der  verschiedene  Salzgehalt  des  Wassers,  in  welchem  die 
Mollusken  gelebt  haben,  einen  hervorragenden  Platz  ein. 

Abgesehen  von  kleineren  Divergenzen,  welche  gehörig  zu  wür- 
digen der  Zukunft  vorbehalten  bleiben  muß,  sind  es  hauptsächlich 
zwei  Niveaus,  die  man  schon  jetzt  in  der  umfassenden  Gruppe  der 
Congerienschichten  zu  unterscheiden  vermag.  Sie  lassen  trotz  man- 
cher Übereinstimmung,  die  bei  Gliedern  derselben  Gruppe  nicht  wohl 
fehlen  kann,  sehr  beträchtliche  und  auffallende  Divergenzen  in  ihrer 
Fauna  erkennen.  Die  eine  derselben  kann  man  wegen  der  fast  aus- 
schließlich ihr  7.\\\ommenÄex\Melnnopsis- Arten  {M.Marthnnna  Fer., 
M.  Bouei  Fer.,  seltener  M.  imprcssa  K  ra  us  s  u.  a.)  mit  dem  Namen 
der  Melanopsidenschichten  belegen.  Sie  führen  nebstbei  eine  Unzahl 
von  Congeria  snbglobosa  P  a  r  t  s  c  h ,  C.  spath ulata  P  a  r  t  s  c  h  ,  C. 
triangularis  P.,  kleine  Cardien  (C.  apertum  v.  M.  und  C  conjimgens 
Partsch),  überdies  Arten  von  ünio ,  Paludina,  Planorbis,  Valvata 
u.  s.  w. 

Doch  werden  sich  auch  innerhalb  dieser  Abtheilung  in  der  Folge 
gewiß  mehrere  gesonderte  Niveaus  unterscheiden  lassen.  Denn 
bisweilen  findet  man  die  Melanopsiden  und  die  Congerien  in  getrenn- 
ten Lagerstätten  und  dann  pflegen  die  ersteren  ein  höheres  Niveau 
eijizunehmen.  Auch  manche  an  Unionen  von  theilweise  nordameri- 
kanisehem  Habitus  reiche  Schichten  scheinen  einem  solchen  höheren 
Horizonte  anzugehören,  wenn  sie  nicht  noch  jüngeren  Alters  sind. 


Paläontologische   ßeiträg'e,  99 

Überhaupt  nehmen  die  jüngeren  Congerienschichten  eine  immer 
größere  Menge  von  Siißwasserformen  auf  und  gehen  endlich  in  reine 
Süßwasserablagerungen  über.  Deßhalb  ist  hier  große  Yorsiclit  nöthig, 
um  nicht  diluviale  oder  selbst  noch  jüngere  limnische  Schichten, 
welche  an  noch  lebenden  Molluskenformen  mehr  weniger  reich  sind, 
in  den  Bereich  der  Congerienstufe  einzubeziehenund  somit  das  Gebiet 
derselben  weit  über  die  Gebühr  auszudehnen. 

Dagegen  dürfte  Congeria  Partschi  Cziz.,  welche  nie  in  Gesell- 
schaft der  C.  subglobosa  auftritt,  so  wie  C  CzHekiUövn.,  schon  ein 
etwas  tieferes  Niveau  der  Congerienschichten  andeuten. 

Die  zweite  Gruppe  derselben  —  die  Cardienschichten  —  wird 
vorzugsweise  durch  eine  große  Menge  Cardien,  zum  Theile  mit  abnor- 
mem Schloßbaue,  welche  von  Deshayes,  Rousseau  und  Hörn  es 
beschrieben  worden  sind,  characterisirt.  Ihnen  gehören  ferner  an: 
Coiigeria  rhomboidalis  Hörn,  und  C.  aperta  Desh.  ')  sp.,  mehrere 
Limnaeaceen,  zum  Theil  von  eigenthümlicher  Physiognomie,  wie  L.  ve- 
lutinus  Desh.,  L.  nobi/is  Rss.,  die  merkwürdige  Valenciennesia  aii- 
nidataRoüss.,  endlich  Paludina-  und Planorbis-Arten,  welche  aber 
durchgehends  von  jenen  der  Melanopsidenschichten  verschieden  sind. 

Die  geographische  Verbreitung  beider  Schichtengruppen  ist 
nicht  vollkommen  dieselbe.  Die  Melanopsidenschichten  erstrecken 
ihren  Verbreitungsbezirk  viel  weiter  gegen  Westen  und  Norden  und 
sie  sind  es  allein,  welche  noch  im  Wiener  Becken  2^  ihre  reichliche 
Entwicklung  gefunden  haben.  Die  Cardienschichten  dagegen  sind 
bisher  auf  Ungarn  und  ihre  Nebenländer  beschränkt  geblieben  und 
dehnen  ihre  Existenz  bis  auf  die  pontischen  Länder  aus.  Sie  ver- 
breiten sich  daher  viel  weiter  nach  Süden  und  Osten,  in  Gegenden, 
wo  die  Schichten  der  ersten  Gruppe  bisher  noch  nicht  nachgewiesen 
worden  sind. 

Die  cardienreichen  Congerienschichten  sind  bisher  schon  an 
vielen  Punkten  angetroffen  worden.  Die  schon  früher  aufgezählten 
Fundstätten  der  Valenciennesia  anmdata  zeichnen  sich   insgesamt 


0    C.  aperta  Desh.  sp.  ist,   wie  ich  mich  in  den  reichlialtigen  Sammlungen  des  k.  k. 

Hof-Mineraliencabinets  überzeugte,  neuerlichst  auch   in  der  ersten  Abtheilung  der 

Congerienstufe    gefunden    worden    und    zwar    bei    Radmanest    unweit    Lugos    im 

ßanate. 
2)  Dieses  bildet  überliaiipt  die  Westgrenze  der  Congerienschichten,  die  über  dieselbe 

nirgends  gegen  Westen  weifer  hinausschreiten. 

7* 


100  Reuss. 

durch  eine  vollkoininene  Gleichartigkeit  ihres  Gesteines  aus.  Es  ist 
dies  ein  sehr  feinerdiges  gelhliches  oder  gelhhchgraues  thonig-kalki- 
ges  Gestein,  das  stark  an  der  Zunge  hängt  und  sich  in  Salzsäure 
unter  lehhal'teni  Brausen  löst  mit  Hinterlassung  eines  mäßigen  sehr 
feinen  theils  tlockigen,  theils  sandigen  Rückstandes  i)-  An  anderen 
Orten  liegen  dagegen  die  Petrelacten  in  einem  Gesteine  von  abwei- 
chender und  sehr  wechselnder  IJeschaffenheit  eingebettet.  Bald  ist  es 
ein  mehr  weniger  thoniger  oder  sandiger  Tegel,  bald  ein  gewöhnlich 
thoniger  feinkörniger  Sandstein,  bald  ein  fester  quarziger  Sandstein, 
in  welchem  man  es  meistens  nur  mit  Steinkernen  zu  thun  hat.  Solche 
Fundorte  sind:  Arpjul  in  SW.  von  Fünfkirchen,  die  Umgegend  von 
Hidas  und  Szegszard,  Kaptalania  nordöstlich  von  Sümeg  (Ungarn), 
Arbegen  in  Siebenbürgen,  Borowo  in  Slavonien,  Cernawoda  in  Bul- 
garien, Rassowa  in  der  Dobrudsclia  2)  u.  a.,  und  ihre  Zahl  wird 
durch  fortgesetzte  Untersuchungen  gewiß  noch  beträchtlich  vermehrt 
werden. 

Die  beträchtlichen  Verschiedenheiten ,  welche  zwischen  beiden 
Gruppen  der  Congerienstufe  obw  alten ,  führen  mit  großer  Wahr- 
scheinlichkeit zu  dem  Schlüsse,  daß  beiden  in  vielen  Fällen  ein  ver- 
schiedenes Alter  zukomme.  Welche  jedoch  die  ältere  sei,  kann  kaum 
direct  mit  Sicherheit  entschieden  werden.  Man  hat  zwar  an  manchen 
Orten  beide  Schichtengruppen  beobachtet,  aber  niemals  in  relativer 
Überlagerung  in  demselben  Proiile  vereinigt,  sondern  stets  nur  neben 
einander  gelagert.  Will  man  jedoch ,  wie  es  nicht  unwahrscheinlich 
ist,  zugeben ,  daß  die  zahlreichen  größeren  Cardien  in  einem  noch 
etwas  salzreicheren  Wasser  gelebt  haben ,  die  Melanopsidenschich- 
ten,  in  denen  schon  eine  größere  Zahl  von  Süßwasserformen  auf- 
taucht, sich  dagegen  aus  einem  noch  mehr  ausgesüßten  Wasser  ab- 
gelagert haben,  so  würde  es  vielleicht  erlaubt  sein,  für  die  ersteren 
ein  etwas  höheres  Alter  in  Anspruch  zu  nehmen.  Für  diese  Ansicht 
spricht  übrigens  der  in  den  obersten  Schichten  der  Melanopsidenfüh- 
renden  Gruppe  stattfindende  Übergang  in  wahre  Süßwassergebilde, 


1)  Die  Gleichförmigkeit  der  Gesteinsinasse  wird  liiii  und  wieder  durcli  einzelne  Blatt- 
abdriicke  ,  so  wie  diircli  meist  vereinzeUe,  selten  truppweise  versammelte  Stein- 
kerne  winziger  Ostracoden  unterbrochen.  Dieselben  liaben  im  Umrisse  Ähnlichkeit 
mit  Cytheridea  Miilleri  v.  M.  sp.,  gestatten  jedoch  keine  nähere  Bestimmung,  weil 
nie  eine  Spur  der  Schale  erhalten  ist. 

*)  Petei's   Grundlinien  zur  Geographie  und  Geologie  der  Dobrudscha.  II.  pag.  53. 


Piiläontolog-ische    Beitiiige.  101 

der  von  der  im  Laufe  der  Zeit  eingetretenen  vollständigen  Aussfißung 
der  betretenden  Wasserbecken  Zeiigniß  gibt.  Damit  würde  endlich 
aiicli  das  alleinige  Auftreten  der  ersten  (iriippe  in  dem  Wiener 
Beciien,  also  an  der  Grenze  des  Verbreitungsbezirkes  der  Congerien- 
scbicbten  überhaupt,  wohl  im  Einklänge  stehen,  so  wie  auch 
das  Vorbandensein  beider  Gruppen  an  einer  Localität  und  das 
Erscheinen  von  schon  oben  angedeuteten  vermittelnden  Zwischen- 
stufen in  dem  Processe  der  allmälig  immer  weiter  vorschreitenden 
Aussüßiung  des  Wassers  seine  naturgemäße  Erklärung  fände.  Dadurch 
wird  jedoch  die  gleichzeitige  Entstehung  beider  Schichtengruppen 
keineswegs  ausgeschlossen.  Während  sich  in  einzelnen  Becken  oder 
doch  an  den  Rändern  derselben,  wo  ein  reicheres  Zuströmen  süßen 
Wassers  statt  hatte,  Melanopsidenreiche  Schichten  bildeten,  konnten 
sich  zu  gleicher  Zeit  in  anderen  Becken  oder  im  Inneren  derselben, 
im  Gebiete  eines  noch  etwas  salzreicheren  specifisch  schwereren 
Wassers,  Ablagerungen  der  zweiten  oder  pontischen  Gruppe  bilden. 
Ja  an  wieder  anderen  Punkten  konnte  selbst  zur  gleichzeitigen  Ent- 
stehung rein  limnischer  Gebilde  Gelegenheit  geboten  werden.  Daß 
durch  diese  Erwägungen  die  Beurtheilung  des  Alters  der  obermiocä- 
nen  Tertiärbildungen  sehr  wesentlich  erschwert  wird,  liegt  klar  am 
Tage.  Im  Falle  der  gleichzeitigen  Ablagerung  würden  beide  innerhalb 
der  Congerienstufe  unterschiedene  Gruppen  nur  als  verschiedene 
durch  locale  Einflüsse  bedingte  Facies  derselben  aufzulassen  sein. 
Die  bestimmte  Lösung  dieser  und  anderer  damit  zunächst  verknüpf- 
ter Fragen  muß  jedoch  erst  von  fortgesetzten  umfassenden  Unter- 
suchungen erwartet  werden.  Dieselben  werden  uns  ohne  Zweifel  auch 
noch  die  weitere  Verbreiiung  der  Valenciemwsia  anmilata  innerhalb 
der  pontischen  Gruppe  der  Congerienstufe  kennen  lehren,  wo  über- 
haupt die  Gesteinsbeschaffenheit  sich  zur  Erhaltung  der  sehr  dünnen 
und  leicht  zerstörbaren  Schale  dieses  Gasteropoden  eignete. 

8.  Foraminiferen  und  Ostracoden  ans  den  Schichten  von 
St.  Gassian. 

I.  So  überraschend  groß  die  Zahl  und  Mannigfaltigkeit  der  Fora- 
miniferen ist,  welche  der  Lias  bisher  schon  dargeboten  hat,  so  scheint 
doch  dieser  Reichthum  sogleich  zu  verschwinden,  sobald  man  etwas 
tiefer,  in  das  Gebiet  der  Trias  herabsteigt.  Wenigstens  ist  die  Zahl 
jener,  die  aus  den  ihr  zugehörigen  Schichtencomplexen  bisher  bekannt 


102  Reuss. 

wordeil  sind,  .Tusnehmend  klein  geblieben.  Zum  Tbeile  mag  wohl 
auch  die  BeschalTenheit  ihrer  Gesteine,  welche  meistens  der  Erhal- 
tung winziger  Kalkschalen  nur  wenig  günstige  Verhältnisse  darboten, 
die  Schuld  daran  tragen.  Denn  es  sind  meistens  sandige  Gebilde  und 
compacte  Kalksteine,  denen  wir  hier  begegnen.  Darin  mögen  nun  die 
Schalen  der  Foraminil'ercn,  selbst  wenn  sie  vorhanden  waren,  durch 
die  im  höheren  Grade  stattfindendeAuslaugung  verloren  gegangen  sein 
oder  sie  sind  in  der  umgebenden  Kalkmasse  so  fest  eingebettet,  mit 
derselben  so  innig  verschmolzen,  daß  an  ihre  Isolirung  nicht  zu 
denken  ist.  Selbst  dünne  Schliffe  lassen  unter  dem  Mikroskope  höch- 
stens ihre  Durchschnitte  wahrnehmen,  welche  doch  nie  zur  sicheren 
Bestimmung  der  Species  führen  können. 

C.  Schwager  hat  1864  einige  Foraminlferen  aus  den  Kössener 
Schichten  beschrieben  i),  welche  aus  den  thonigen  Terebratel- 
schichten  im  Bette  des  Elternbaches  bei  Vils  in  Tirol  stammen.  Es 
sind;  Nodosaria  bucculentu,  collisa  und  detoniata,  die  aber  wohl 
einer  und  derselben  Species  angehören  dürften;  eine  sehr  fragmen- 
täre  Marginulbia  (M.  iiicertu) ;  Cristellaria  3Ieriani;  TextUnria 
exigua  und  eine  noch  zweifelhafte  GlobuUna  (Gl.  nuduj. 

Schon  früher  hatte  Schafhäutl  2^  durcli  Ätzen  mit  Säuren  das 
Vorhandensein  zahlreicher  kleiner  Schalen  in  den  Kalksteinen  der 
rhätischen  Gruppe  nachgewiesen,  die  er  ohne  genauere  Untersuchung 
mit  neuen  Namen  belegt,  die  aber  ohne  Zweifel  zum  großen  Theile 
nur  als  Fragmente  größerer  Schalen  aufzufassen  sind.  Nur  der  klei- 
nere Theil  stellt  unzweifelhafte  Foraminiferenschalen  dar. 

Mit  größerer  Bestimmtheit  hat  Gümb  el  sj  die  Gegenwart  der 
letztgenannten  Thierreste  in  den  Kalksteinen  derselben  Gruppe  nach- 
gewiesen nnd  dieselben  vorläufig  auf  die  Gattungen  Vagimdbia,  Cu- 
tu'olina  und  FlabeUina  bezogen.  Hieher  gehört  auch  der  Chaetetes 
cylindricus  aus  dem  Kalksteine  der  Zugspitze,  in  welchem  Gümbel 
zuerst  *)  die  Charaktere  der  Foraminiferengattung  Dactylopora  er- 
kannte und  welche  später  auch  von  Eck  s)   in  Menge  in  den  ober- 


•)   Dr.  A.  V.  Dittmar,   die  Contortazone  1864.  pag.  108.  T.  3,  Fig.  8—14. 
2J   Untersucliunf^eii  des  südhaierischen  Alpeng-ebirg-es  pag.  41  ff.  Taf.  13. 
^)    Geogiiost.  Beschi'eihung  der  baierischen  Al|)en  pag.  359,  391,  399  u.  s.  w. 
*)   Leonh.   u.   Geinitz  Jahrb.  d.  Min.,  Geol.  u.  l'etrcf.  18ß6.  p.  565. 
^)   Dr.   Eck,   über  die  Formationen  des  bunten  Sandsteines   und  des  IVluseheliialkes  in 
Oliersclilesien  1865.  pag.  86. 


Paläontologische  Beiträge.  103 

schlesTsclieu  Kalksteinen  aus  demselben  Niveau  aufgefunden  wurde. 
Meine  eigenen  Untei'suchungen  haben  diese  Anschauungsweise  be- 
stätigt '). 

In  der  Folge  hat  Pi-of.  Peters  s)  ausführlichere  Miltheihingen 
über  Foraminiferen  im  Dachsteinkalke  gemacht.  Er  hat  an  dünnen 
SchlilTen  desselben  erkannt,  daß  das  Gestein  aus  dem  Echernthale  bei 
Hallstadt  zu  mehr  als  80  Pct.  aus  Schalen  von  Globigerinen  besteht, 
denen  nur  wenige  dickschalige  Textilarien  beigemengt  sind.  Auch 
an  zahlreichen  Orbulinen  und  einzelnen  Miliolideen  (Qiiinquelocii- 
lina?)  fehlt  es  nicht. 

Ähnliche  Resultate  bot  die  Untersuchung  der  Dachsteinkalke 
von  anderen  Fundorten.  So  z.  B.  fand  Peters  im  Kalksteine  von 
der  Javoriem-Alpe  nächst  dem  oberen  Isonzothale  ausschließlich  die 
Schalen  einer  langhalsigen  Lagena- Art,  ähnlich  der  L.  tenuis  B  o  r  n  e  m. 

Ich  muß  endlich  noch  der  zahlreichen  schönen  Foraminiferen 
Erwähnung  thun,  welche  R.  Jones  und  W.  Parker  ^^  aus  dem 
blauen  Thon  von  Chellaston  bei  Derby  beschrieben  und  abgebildet 
haben,  den  sie  vermuthungsweise  der  oberen  Trias  einordnen.  Das 
Alter  ihrer  Lagerstätte  ist  daher  jedenfalls  noch  zweifelhaft,  um  so 
mehr,  als  die  Fossilreste  schon  in  ihrem  Gesamthabitus  eine  unge- 
meine Ähnlichkeit  mit  den  Foraminiferen  des  unteren  Lias  verrathen, 
von  denen  Terquem  eine  überraschende  Formenfülle  aus  der  Um- 
gebung von  Metz  beschrieben  hat  und  welche  ich  selbst  aus  dem  deut- 
schen Lias  kennen  gelernt,  aber  noch  nicht  publicirt  habe. 

Aus  den  Schichten  von  S.  Cassian  ist  bisher  nur  ein  einziger 
Fossilrest  erwähnt  worden,  der  den  Foraminiferen  angehören  könnte. 
Aus  den  oberen  Thonen  des  genannten  Fundortes  beschreibt  nämlich 
Schauroth  ^)  kleine  sehr  dünne  Scheibchen,  welche  das  Ansehen 
eines  Orbituliten  haben  und  die  er  daher  mit  dem  Namen  Orbitulifes 
Cassianicus  belegt  (I.  c.  pag.  o27.  Taf.  2,  Fig.  13).  Jedoch  ist  diese 
Bestimmung  sehr  zweifelhaft.  Ich  habe  diese  Scheibchen  selbst  aucli 


^)  Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  1866.  pag.  200.  Ich  halte 
damals  die  Bemerkung  GiimbeTs  übersehen,  da  ich  sie  in  einem  Aufsatze  mit  dem 
Titel:  „Comatula  oA&v  Bclemnites  in  den  Nummulitenschichten  des  Kressenhergesu 
nicht  vermuthen  konnte  (Leonhard  u.  Geinitz  neues  Jahrb.  u.  s.  w.  1866 
pag.  364). 

2)  Jahrb.  d.  geoi.  Reichsanstalt  1863.  pag.  293  ff. 

S)    Quart.  Journ.  of  the  geol.  Soc.  Nov.  1860.  pag.  432  ff.  Taf.  19,  20. 

*)    Sitzungsberichte  d.  k.  Akademie  d.  Wiss.  in  Wien  1833.  B.  17,  p.  326,  527. 


1  04  R  p  II  s  V 

gefunden  und  sorgfallig  untersucht,  nie  uhev  die  geringsten  Spuren 
von  organischer  Struetur  daran  zu  erkennen  vermocht,  Avelclie  zu  der 
oben  angeführten  Bestimmung  berechtigen  würden. 

Die  Zahl  der  Foramfiiiferen,  welche  die  Trias  bisher  geliefert 
hat,  ist  daher  sehr  gering  und  jede  Bereicherung  derselben  muß 
erwünscht  sein,  da  sie  das  Dunkel  aufzuhellen  geeignet  ist,  welches 
noch  über  der  Bhiznpodenfauna  dieser  Epoche  schwebt. 

Herr  Dr.  Laube,der  neueste  Monograph  der  reichen  Fauna  von 
S.  Cassian,  hat  von  seiner  im  verflossenen  Herbste  dahin  unternom- 
menen Untersuchungsreise  einige  Proben  der  thonigen  Mergel  mit- 
gebracht, welche  die  allbekannten  und  in  allen  Sammlungen  verbrei- 
teten Fossilreste  umschließen.  Er  iil)ergab  mir  dieselben  gefälligst 
zur  näheren  Prüfung  und  es  gelang,  durch  Schlämmen  eine  wenn 
gleich  geringe  Anzahl  von  Foraminiferen  und  Ostracoden  daraus  zu 
gewinnen,  die  freilich  in  Beziehung  auf  ihren  Erhaltungszustand  Vie- 
les zu  wünschen  übrig  lassen  und  theilweise  nur  eine  generische 
Bestimmung  gestatten.   Ich  lasse  ihre  Aufzählung  hier  folgen. 

1.  Glandolina  obconica  n.  sp.  (Taf.  1  ,  Fig.  7.) 

Sie  ist  ei-kegelförmig,  oben  gerundet,  nach  abwärts  sich  all- 
mälig  zur  Spitze  verschmälernd.  Im  oberen  Theile  unterscheidet 
man  mit  Mühe  fünf  Kamniernähte  als  undeutliche  Linien;  an  der  der 
Spitze  zunächst  gelegenen  Partie  vermag  man  sie  nicht  mehr  zu  er- 
kennen. Die  Höhe  der  letzten  Kammer  beträgt  weniger  als  ein  Dritt- 
theil  der  Gesamlhöhe  des  Gehäuses. 

GL  strobilus  Rss.  ')  aus  dem  Septarienthon  ist  sehr  verwandt; 
jedoch  ist  die  letzte  Kammer  höher  und  mehr  zugespitzt,  das  untere 
Ende  des  größeren  Gehäuses  stumpfer. 

In  den  untersten  Schichten  von  S.  Cassian. 

2.  Cristellaria  sp. 

Eine  sehr  kleine  Species,  oval,  scharfrückig,  oben  zugespitzt, 
mäßig  gewölbt.  Die  Mündung  rund.  Die  Nathlinien  sind  nicht  wahr- 
nehmbar. 

In  den  Schichten  mit  Cardita  crenata. 

W.   ."Harjjinulina  sp.  (Taf,  1,  Fig.  8.) 

In  denselben  Schichten  fand  ich  eine  Maryinul'ma,  etwa  6  Mm. 
lang,  zusammengedrückt,   im  Querschnitte  oval,   \n\  unteren  Theile 


1)   Reuss,  Seplaiienthoii  paj,'.  UO.  T.  2.  Fig.  24. 


I 


Paläontologische   Beiträge.  105 

li.'ikenföriiiig  umgebogen,  übrigens  gerade.   Die  Kammergreiizeu  sind 
nicht  sichtbar. 

Die  Species  ist  nicht  näher  bestiniinbar.  Im  Umrisse  ähnelt  sie 
manchen  längeren  Exemplaren  von  Cristellaria  gladius  Phil.  sp. 
(Reu SS  Septarienthon.  Tat'.  2,  Fisjj.  3.3.) 

4,  Olobigerina  sp.? 

Im  Umrisse  nähert  sie  sich  der  Gl.  triloba.  Jedocli  bleibt  selbst 
die  generische  Bestimmung  zweifelhaft. 

ö.   Polymorphiiia  (Globalina)  sp.? 

Selir  zweifelhaft  wegen  des  schlechten  Erhaltungszustandes. 

Gleich  der  vorigen  in  den  unteren  Oolithschichten. 

6.  Polyuiorphina  sp. 

In  den  Schichten  mit  Carditu  crenata.  Oval ,  mit  rundlicliem 
Querschnitt  und  kaum  erkennbaren  Nathlinien. 

7.  Textilaria  sp. 

Ein  schleclit  erhaltenes  Exemplar  einer  kleinen  kurzen  und 
dicken  Species,  ähnlicii  der  T.  conuhis  Rss.  Ebenfalls  in  den  Cur- 
rf?Ya-Schicliten. 

8.  Tornuspira  filiformis  n.  sp.  (Taf.   I,  Fig.  9.) 

Sehr  kleine  ebene  Scheibchen,  die  aus  einer  in  12 — 13  Win- 
dungen Spiral  eingerollten,  fast  fadenförmigen  Röhre  besteben,  welcbe 
nur  äußerst  langsam  und  wenig  an  Dicke  zunimmt.  Über  die  Ober- 
flächenbeschaffenheit geben  die  schlecht  erhaltenen  Exemplare  keinen 
Aufschluß. 

Die  sebr  ähnliche  (^^.  po/j/</^;Yt  Rss.  'j  aus  dem  Septarieiithon 
weicht  ab  durch  beträchtlichere  Größe  und  seicht  schüsseiförmige  Ver- 
tiefung des  Geiiäuses  und  durch  etwas  größere  Dicke  der  Röhre; 
jedoch  sind  diese  Unterschiede  von  keiner  großen  Bedeutung. 

Einzelne  Exemplare  schlämmte  ich  aus  den  C^/?y/«7«- Schichten 
aus,  etwas  besser  erhaltene  fand  ich  an  Stellispongien  anhaftend. 

9.  Biloculina  sp.  (Taf.  1,  Fig.  10.) 

In  den(V«Y/<V«-Sciiichten  findet  man  nicht  selten  eina  Bllocu/ma, 
die  ich,  so  auffallend  dies   auch  erscheinen  mag,   von    li.  ampliico- 


*)   Reuss,   Beiträge  z.   Keiiiitniß  d.  tert.  Foramioifereufauna   in   den  Sit/.ungsber.  d. 
k,  Akad.  d.  Wissensch.  Ld.  48,  pag.  39.  T.  1.  Fig.  1. 


106  R  e  u  s  s. 

iiica  Rss.  •)  kaum  zu  unterscheiden  vermag.  Es  scheint  diese  Spe- 
eies  üherhaupt  sehr  verhreitet  zu  sein,  da  sie  schon  nach  den  bishe- 
rigen Erfahrungen  aus  demMitteloligocän  bis  in  die  jetzige  Schöpfung 
heraufreicht.  Denn  Williamson's  B.  ringens  carinata  ^)  stimmt 
damit  vollkommen  überein.  Doch  muß  die  bestimmte  Entscheidung 
über  die  triasischen  Formen  bis  zur  Untersuchung  zahh*eicherer,  noch 
besser  erhaltener  Exemplare  vertagt  werden. 

Das  Gehäuse  ist  im  Umrisse  beinahe  kreisrund,  in  der  Mitte  auf 
beiden  Seiten  gleichförmig  und  mäßig  gewölbt,  daher  linsenförmig. 
Die  Peripherie  ist  in  ziemlich  beträchtlicher  Ausdehnung  ringsum 
stark  zusammengedrückt,  so  daß  die  mittlere  Wölbung  von  einem 
beinahe  l)lattartigen  Saume  umgeben  erscheint.  Am  vorderen  etwas 
abgestutzten  Ende  desselben  steht  die  sehr  niedrige  aber  breite 
linienfürmige  Mündung. 

10.  In  den  unteren  Oolithschichten,  so  wie  in  den  Cardita- 
Schichten  kommen  häufig  kleine  Kügelchen  vor,  die  bei  starker  Ver- 
größerung mit  zarten  körnerartigen  Höckerchen  bedeckt  erscheinen, 
zwischen  welche  feine  Poren  eingesenkt  zu  sein  scheinen.  Im  Innern 
zeigen  sie  keine  Spur  von  Structur,  sondern  bestehen  durchaus  aus 
dichter  Kalksteinmasse.  Im  Äußeren  besitzen  sie  große  Ähnlichkeit 
mit  Orbulinen,  jedoch  läßt  sich  ihre  wirkliche  Übereinstimmung  damit 
keineswegs  nachweisen. 

Dieselben  Kügelchen  von  sehr  regelmäßiger  Rundung  liegen  in 
großer  Anzahl  in  einem  dunkelgrauen  dünnplattigen  Schiefer  einge- 
bettet, aber  immer  in  Pyrit  umgewandelt.  An  ihnen  treten  die  Kör- 
ner der  Außenfläche  besonders  deutlich  hervor. 

Noch  weit  räthselhafter  sind  andere  2.5  —  3  Mm.  im  Dureh- 
messer haltende  kugelige  Körperchen,  welche  sich  ziemlich  häufig  in 
Gesellschaft  der  vorgenannten  finden  (Taf.  1,  Fig.  11).  Über  ihre 
Oberfläche  laufen  4 — 5  leistenartige  Rippchen  von  einem  Ende  zum 
anderen  herab,  wodurch  ihr  Querschnitt  winklig  wird.  Die  Rippen 
stehen  nicht  immer  in  gleicher  Entfernung,  ragen  oft  sehr  ungleich 
hervor,  ja  einzelne  derselben  verschwinden  beinahe  gänzlich.  Oft 
sind  sogar  nur  zwei  derselben  vorhanden,  welche  gleichsam  einen 
Gürtel  um  den  kugelförmigen  Körper  beschreiben. 


1)   Reuss,   Septarieiitlion,   pag.  7. 

~J    VVilliumson,  on  the  recent  Foraraiuifeia  of  gre;it  Britain.  T.  7.  Fig.  172 — 174. 


i 


Paliiontologische  Beiträge.  107 

Ob  eine  ÜlTming"  vorhanden  sei  oder  nicht,  kann  nicht  mit 
Bestimnitiieit  entschieden  werden.  An  manclien  Exemplaren  glaubt 
man  eine  solche  ■wahrzunehmen.  Wo  die  Rippen  abgerieben  sind, 
beobachtet  man  an  ihrer  Stelle  bisAveilen  Rinnen,  so  daß  es  scheint, 
als  ob  die  Rippen  selbst  hohl  gewesen  wären.  Über  alle  übrigen  Ver- 
hältnisse der  in  Rede  stehenden  Körperchen,  deren  Oberfläche  übri- 
gens sehr  uneben  ist ,  bleibt  man  in  vi'dliger  Ungewißheit.  Im  Falle 
daß  sie  wirklich  den  Foraminil'eren  angeliiiren,  MÜrden  sie  der  Gat- 
tung Lagena  beigezählt  werden  müssen  und  man  könnte  sie  dann  als 
L.  poly(jona  bezeichnen. 

Nebenbei  soll  übrigens  erwähnt  w  erden,  daß  sie  in  ihrer  Gestal- 
tung manche  Ähnlichkeit  mit  den  in  den  miocänen  Süßwassergebil- 
den Böhmens,  Württembergs  u.  a.  verbreiteten  Früchten  der  Grevia 
crenata  Heer,  die  ich  früher  unter  den^amen Pi/re/iella  lacunosa^) 
beschrieben  hatte,  verrathen, 

II.  Ostracoden  sind  schon  in  früherer  Zeit  in  den  Triasschichten 
beobachtet  worden.  Seebach  2j  beschreibt  aus  dem  Keuper  von 
Weimar  Buirdia  pyrus,  B.  procera,  B.  teres  und  Cythere  dispar. 
Im  Muschelkalke  werden  von  demselben  nur  nicht  näher  bestimmbare 
Steinkerne  angegeben. 

Aus  dem  Muschelkalke  von  Recoaro  führt  v.  Schauroth  sj 
zwei  Arten  an:  Bairdiatriasina  und  calcuria.  Ich  selbst  habe  eine 
Species  —  Cythere  frateima —  aus  den  dem  mittleren  Keuper  ange- 
liörigen  Raibler  Schichten  namhaft  gemacht  *). 

Aus  den  Raibler  Schichten  führt  überdieß  Sand  berger  5)  eine 
neue  Bairdia  (ß.  subcylhidrica  Sandb.)  als  characteristisch  an, 
welche  er  auch  im  Fränkischen  Keuper  wiederfand.  Es  mangelt  je- 
doch bisher  die  nähere  Beschreibung  und  Abbildung  derselben. 

Die  von  Dr.  Laube  mitgebrachten  Schlämmproben  von  S.  Cas- 
sian  haben  ebenfalls  einige  Ostracodenschalen  geliefert,  aber  nur  in 
geringer  Anzahl.  Diese  sind : 


1)  Sitzh.  d.  k.  Akail.  d.  Wiss.  B.  42,  pag.  83.  T.  3.  Fig.  19. 

2)  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  Bd.  9,  pag.  199.  ff.  T.  8.  Fig.  1—3. 

5)  Sitzb.  d.  k.  Akad.  d.  Wiss.  in  Wien.  Bd.  34.  pag.  350.  T.  3.  Fig.  19,  20. 

*)  Sitzb.  d.  k.  Akad.  d.  Wiss.  Bd.  36.  Abth.  1.  pag.  3.  Fig.  7. 

*)  Sandberger  in  Leonhard  u.  Geinitz  neu.  Jahrb.  d.  Min.  1866,  p.  41. 


108  Reus». 

1.  fythere  fassiaiia  n.  sp. 

Im  Umrisse  ist  sie  der  initteltertiären  C.  cicatricosa  Rss.  und 
KiKkreii  Arien  dieser  Gruppe  verwandt.  Die  Klappen  sind  schief- 
eiförmig, vorne  l)reit  und  etwas  schief  gerundet,  hinten  zugespitzt  und 
in  einen  kurzen  (h-eleckigen  Lappen  auslaufend.  Der  Bauchrand  ist 
sehr  wenig  hogenförmig,  fast  gerade;  der  Rückenrand  dagegen  hildet 
einen  starken  Bogen.  BeideEnden  sind  zusammengedrückt.  Der  Rücken 
erheht  sich  fast  gleichi'örmig  zur  mäßigen  Wölhung,  die  auf  der 
Bauchseite  nur  wenig  rascher  ahliillt,  als  gegen  die  Rückenseite.  Die 
Schalenoberfläche  erscheint  hei  stärkerer  Vergrößerung  rauh.  Andere 
Sculpturverzierungen  konnte  ich  nicht  entdecken. 

Selten  in  den  untersten  Schichten  von  S.  Cassian. 

2.  Cytherella  limbata  n.  sp. 

Es  liegen  nur  vereinzelte  Klappen  vor,  welche  einen  sehr  breit- 
ovalen Umriß  haben.  Beide  Enden  sind  breit  zugerundet,  das  vordere 
jedoch  etwas  breiter.  Der  Rückenrand  stellt  einen  starken  Bogen  dar, 
während  die  Biegung  des  Ventralrandes  viel  geringer  ist.  Sämtliche 
Ränder  gehen,  ohne  einen  Winkel  zu  bilden,  gerundet  in  einander 
über.  Die  rechte  Klappe  ist  beträchtlich  größer  als  die  linke,  die  von 
ihr  am  Rande  umfaßt  wird.  Die  erstere  ist  längs  der  Peripherie  nie- 
dergedrückt und  erst  in  einigem  Abstände  vom  Rande  erhebt  sie  sich 
zur.  mäßigen,  beinahe  centralen  Wölbung.  Diese  erscheint  dadurch 
von  einer  schmalen  furclienartigen  Depression  umsäumt ,  welche  am 
hinteren  Ende  am  s('In\  äclisten  ausgebildet  ist.  Am  stärksten  gibt  sie 
sich  am  Rücken-  und  Bauchrande  zu  erkennen.  Der  innerste  Theil 
des  letzteren  erhebt  sich  sogar  wieder  etwas  zu  einer  leistenartigen 
Falte,  die  von  der  Rückenwölbung  durch  die  erwähnte  Furche  ge- 
schieden wird.  Die  kleine  Klappe  zeigt  diese  BeschalTenheit  des  Ran- 
des nicht  und  erscheint  gleichmäßig  und  etwas  stärker  gewölbt  als 
die  rechte.  Die  Schalenobertläche  ist  glatt. 

Selten  in  den  Schichten  mit  Cardita  crenata  und  in  den  unte- 
ren Oolithschichten. 

Die  Abbildungen  beider  Ostrrcoden  können  leider  vorläufig 
nicht  gegeben  werden,  weil  die  wenigen  Exemplare  durch  einen 
unglücklichen  Zul'all  in  V^erlust  gerathcn  sind. 


KfiiCs    pDlaeoHl    ßeilrärfp.  II 


Taf.l. 


3- 


,jj!!''3^       '(flC"»^'^' 


-  «J".^ 


bli.  StTohrr^er  deletlnh  A  3  k"k  Hof-u  CTäat5;ii-r-.'.ckerei 

Fi(j  .  1 .  Liincu»:    cra6:^itestu   n  ■sji .  2.  Hf.liljc    multic/MfaC'i  77/ont . 
■j.  Pu/iu    .fubconvcu    Sanoib.  ^.  Valnata    le/^tofiuniouJf-.s-  /i  s-ft..')  Punxt 
Schwagert  n  -^p.ö.Candona  polyHigma  n.^vp.  .7.0landiiliruv  obcojiica.  n.sp. 
Z-Mcurginulinci  ■ffi..9.CorniM'p.ira  ßliformr-r  n-itilO  Bilitnilina  'S-p-ll  Ltinmfj  ip? 


Sitziiiu^-.sb.d.kAkad  dU'i.s.seLlilimatli  iiaUirw  (1  lAlI.lJd  1  Ablli .  liUJa. 


Kciil's    [).il;i  iiiiil  .  l'M-ilfüyc 


t  h 


I.V. 


2  «- 


S.a.. 


-**iiNte|Ä; 


Joh  StroTimayer  del.  et  i::::  A-d-kl:  Hof-u  Staatsdruckerei 

'Fiq.1.  2    Linnitii'ii.s     iiiiluli.i    n    .\fi.    ■)',//    farilin/n     untkifiMii    rt    ,y/t. 

■j.  Vnlrii ririini'jia      unmilata    Houss 


Sitziitit^-.sl)  (1  k  Akad  (IVfissralHi  matli  luilurw  Cl  I.VII.  Bil  fAbth .  1868 


I!,.|l(.s     1..iI:h Hr-llr:i'j-r.    II 


Va/,nrinmrsi,i    „nniilut.,     l:i>iil:< 
Silziiin'sb  il  ItAk.i.l  aWi.ss.'ulilMii^lh  iwiUinv  (1  I.VIIli.l  l.\blh  IHÜS 


PalJlontolojjisclie   Beiträge.  109 


K  V  k  I  ä  r  u  n  g    d  e  r    A  1)  b  i  I  <l  ii  n  g-  e  n. 


Tafel  I. 
Kifj.     I.  Limax  ciünsitesla  n.  sp.  «  Ansicht  der  oberen  FJiiehe,  ö  linke  Uaiid- 
ansielit.  Beide  verjjriißert. 

„  2.  Ik'lix  mullicosldla  'Mioni,  «  Spiralseite,  f>  Nabelseite,  r  Mündungs- 
seite, sämtlich  in  nafii  lielier  (iröße,  d  ein  Stück  der  Sehalen- 
ob  rtläehe  vergrößert. 

„  3.  Pupa  aubconica  Sandb.  a  Mündungsansicht  vergrößert,  h  ein  Slück 
der  Schalenoberfliiche  stärker  vergrößert. 

„  4.  Valvatn  Icptopomoides  n.  sp.  u  Mündungseile,  b  Rüekenseile,  c  Spin- 
delseite, sämtlich  vergrößert. 

„  5.  Pupa  Schtoageri  n.  sp.  a  Mündiingsseite.  h  Rückenseite,  beide  ver- 
größert, c  ein  Stück  der  Sebalenoberfläche  stärker  vergrößert. 

„  6.  Caiulona  poli/sligma  n.  sp.  n  seitliche,  b  Baucliansidil ,  beide  ver- 
größert. 

„     7.   Glcindulina  obeonica  n.  sp.  Vergrößerte  Seilenansieht. 

„     8.  Marginuliiia  sp.   Vergrößerte  Seitenansicht. 

„     9.   Curnuspira  filiformis  n.  sp.  Vergrößerte  Flächenansicht. 

„  It).  Bilocidina  sp.  a  Flächenansicht,  b  Mündungsansicht.  Beide  ver- 
größert. 

„   11.  Lac/oia  sp.'?  Vergrößerte  Seitenansicht. 

Tafel  II. 
Fig.    1.  Limnaeus  7iobilis  Rss.  sp.  «Rückenseite,  6  Mündungsseite,  c  Spiral- 
seite. 
„     2.  Derselbe.  Sleinkern.   a  Rückenseite,  b  Spiralseite. 
„     3.   Cardium  ntidatiini  n.  sp.    a  Rückenansicht,    b  ein  Stück    der  Schale 

vergrößert. 
„     4.  Dasselbe.  Ansicht  eines  Steinkernes. 
„     ä.    Valenciennesia  annidata  Ron  SS.  Vergrößertes  Schalenstück. 

Tafel  III. 

Fig.     1.    Vcdenciennesia  anmdaia  Rou  SS.  Obere  Ansicht. 
„       2.  Dieselbe.  Obere  Ansicht  eines  kleineren  fragmenlären  Exemplares. 
„      3.  Untere  Ansicht  desselben  Exemplares. 


110 


III.  SITZUNG  VOM  23.  JÄNNEIi  1868. 


Herr  Prof.  Dr.  Fr.  Rochleder  in  Prag  übersendet  eine  „Notiz 
über  die  Peetinkörper". 

Herr  Prof.  Dr.  E.  Brücke  bespricht  den  Inhalt  der  in  der 
Sitzung  am  16.  Jänner  vorgelegten  Abhandlung:  „Über  die  soge- 
nannte GUnulula  thyreoidea  des  Frosches",  von  Herrn  E.  Fl  ei  sc  hl. 

Herr  Dr.  A.  Boue  überreicht  eine  Abhandlung,  betitelt: 
„Werden  der  Menschheit  immer,  wie  jetzt,  Mineralschätze  zu  Gebote 
stehen?" 

Das  c.  M.  Herr  Prof.  Dr.  Ferd.  Ritter  v.  Hochs tetter  legt 
eine  Abhandlung:  „Über  das  Längenwachsthum  der  Knochen"  von 
Herrn  Dr.  Gustav  Jaeger  in  Stuttgart  vor. 

Das  c.  M.  Herr  Dr.  G.  Tschermak  hält  einen  Vortrag  über 
den  Sylvin  (Chlorkalium)  von  Kalusz  in  Galizien. 

Herr  Karl  Exner,  absolvirter  Hörer  der  Philosophie,  über- 
reicht eine  Abhandlung:  „Über  die  Maxima  und  Minima  der  Winkel, 
unter  welchen  Curven  von  Radien  durchschnitten  werden." 

Herr  Dr.  U.  S  c  h  1  o  e  n  b  a  c  h  legt  eine  Abhandlung :  „Über  die 
norddeutschen  Galeriten-Schichten  und  ihre  Brachiopoden-Fauna" 
vor. 

An  Druckschriften  wurden  vorgelegt : 

Academie  Imperiale  des  Sciences  de  St.  Petersbourg:  Memoires. 

Tome  XII.,  Part.  I.  St.  Petersbourg,  1867;  8".  (Russisch). 
Apotheker-Verein,  allgem.  österr. :  Zeitschrift.  6.  Jahrg.  Nr.  2. 

Wien ;  8o. 
Au  wer  s,     A. ,    Bestimmung    der    Bahn    des    Cometen    III.    1860. 

(Abhdign.   der  k.  Pr.  Akad.  d.  Wiss.  zu  Berlin,  1867.)  Berlin, 

1867;  4o. 
Beobachtungen,    Schweizer  Meteorologische:    IV.  Jahrg.   März 

bis  Mai  1867.  Zürich,  1867;  4o. 


111 

Carl,  Ph.,  Repertoriiim  für  physikalische  Technik  etc.  III.  Band. 
5.  Heft.   München  1867;  S«. 

Comptes  rendus  des  seances  de  l'Academie  des  Sciences.  Tome 
LXVI.  Nr.  1.  Paris,  1868;  4o. 

Cosmos.  3"  Serie.  XVIP  Annee,  Tome  II,  3"  Livraison.  Paris. 
1868;  8o. 

Gesellschaft,  Naturforschende ,  in  Basel :  Verhandlungen. 
IV.  Theil,  4.  Heft.  Basel,  1867;  8o.  —  Burkhardt,  Fritz, 
Üher  die  physikalischen  Arheiten  der  Societas  physica  helve- 
tica  17Ö1—1787.  Festrede.  Basel,  1867;  8o.  —  Festschrift, 
herausgegeben  zur  Feier  des  SOjährigen  Bestehens  der  Natur- 
forsch.  Gesellsch.  in  Basel.  1867.  Basel,  1867;  8o, 

Gewerbe -Verein,  n.  -  ö. :  Verhandlungen  und  Mittheilungen. 
XXIX.  Jahrg.,  Nr.  3.  Wien,  1868;  8o. 

Halle  ,  Universität  :  Akademische  Gelegenheitsschriften  aus  dem 
Jahre  1867,  4«  &  8o. 

Jahrbuch,  Neues,  für  Pharmacie  und  verwandte  Fächer  von  F. 
Vorwerk.  Band  XXVHI,  Heft  ö  &  6.   Speyer,  1867;  8o. 

Lotos.  XVII.  Jahrgang.  December  1867.  Prag;  8«. 

Miquel,  F.  A.  W. ,  Sur  les  affinites  de  la  flore  du  Japon  avec 
Celles  de  l'Asie  et  de  TAmerique  du  Nord.  —  Sur  le  caractere 
et  r  origine  de  la  flora  du  Japon.  —  Sur  les  erables  du  Japon. 
(Extraits  des  „Archives  Neerlandaises«  T.  II,  1867.)  8". 

Mittheilungen  des  k.  k.  Artillerie -Comite'.  Jahrgang  1867,  7  & 
8.  Heft.  V^ien;  8o. 

Moniteur  scientifique,  265''  &  266"  Livraisons.  Tome  X%  Annee 
1868.  Paris;  4o. 

Revue  des  cours  scientifiques  et  litteraires  de  la  France  et  de 
l'etranger.  V*  Annee,  Nr.  7.  Paris  &  Bruxelles,  1868;  4o. 

Societe  des  Sciences  naturelles  de  Neuchatel:  Bulletin.  Tome  VII, 
3*=  Cahier.  Neuchatel,  1867;  8o. 

Wiener    landwirthschaftliche   Zeitung.     Jahrgang   1868  ,    Nr.   3. 
Wien;  4«. 
—  medizin.    Wochenschrift.     XVIII.    Jahrg.    Nr.    6  —  7.     Wien, 
1868;  40. 

Z  e  i  t  s  c  h  r  i  f  t  für  Pharmacie  von  B  e  i  1  s  t  e  i  n ,  F  i  1 1  i  g  und  H  ü  b  n  e  r. 
XI.  Jahrgang.  N.  F.  IV.  Band,  2.  Heft.  Leipzig,  1868;  8o. 


112  Bon  e. 


Werden   der  Menschheit  innner ,    wie  jelzl,    Müteralschälxe 
zu    Gebote  stehen  ? 

Von   (lern  \v.   M.   Dr.  A.   Bou^. 

Als  unleugbare  Thatsachc  steht  fest,  daß  alles  Metallische  sich 
abnützt,  und  daß  dieses  besonders  lur  die  edlen  Metalle  gilt.  Diese 
abgenützten  Theilchen  bleiben  aber  in  dem  vom  Menschen  bcM'obnten 
l}oden  versteckt.  Man  könnte  daher  annehmen,  daß  nach  vielen 
Jahrtausenden  wenigstens  selir  bevölkerte  Gegenden  der  Erde  viel- 
leicht hie  und  da  als  ausbeutbai-  für  den  Bergbau  erklärt  werden 
könnten.  Wie  viel  nützliches  IMetall  ist  schon  auf  diese  Weise  vor 
den  Augen  der  Menschen  verschwunden.  Wie  klein  ist  zum  Beispiel 
das  jetzt  noch  vorhandene  Münz-  und  Schmuck-Quantum  der  alten 
Völker. 

Auf  der  andern  Seite  aber  ist  der  den  Menschen  erreichbare 
Metallschatz  eine  zwischen  gewissen  Grenzen  bestimmbare  Größe, 
und  er  ist  nnr  bis  zu  einer  gewissen  Tiefe  im  Erdballe  zu  verfolgen. 
Unter  den  Metallen  wird  nur  wenig  Eisen  und  Kupfer  durch  Vulkane 
sublimirt,  indem  gewisse  Wässer  viel  Raseneisenstein  absetzen, 
Petroleum  in  Menge  aus  der  Erde  herausquillt,  verschiedene  Salze 
und  Erdarten  durch  Mineralwässer  abgelagert  werden,  indem  Torf 
so  wie  in  tropischen  Ländern  etwas  Braunkohle  sich  fort  und  fort 
bilden.  In  der  Voraussetzung,  daß  das  Mineral-Reieh  Jahrtausende 
nur  in  der  jetzigen  Weise  fortgehen  kann,  so  würde  es  möglich 
sein,  ungeriihr  den  Zeitraum  zu  berechnen,  wo  alle  Bergwerke  ihre 
Arbeit  einstellen  werden.  Doch  unter  den  Erzen  werden  am  ersten 
die  selteneren  Silber-,  Gold-  und  Quecksilber-Bergwerke  aufhören, 
dann  die  vom  Platin,  Antimon,  Blei,  Zink,  Mangan  u.  s.  w.  und  viel 
später  die  Eisenbergwerke,  welche  die  zahlreichsten  und  die  größten 
Erzmassen  darbieten.  Nach  dem  frühern  oder  spätem  Eingehen  der 
verschiedenen  Bergwerke  wird  der  Preis  der  Metalle,  nach  einer 
gewissen  Scala,  steigen,  um  endlich  nur  einige  Zeit  für  die  Reichen 


Werden  der  MpiispIiIi.  iiiiiiiPr,  wie  jetxt.  Miiieriilscliiitze  zu  Geb.  stehen?      113 

kaufhar  zu  sein,  indem  der  andere  Theil  der  Menschheit  schon  sie 
enthehren  wird  müssen.  Zu  gleicher  Zeit  werden  viele  der  mensch- 
lichen Industrie  oder  seiner  Ökonomie  nützliche  Säuren  und  Salze 
im  Preise  steigen  und  endlich  auch  nicht  mehr  zu  hahen  sein,  da 
manche  dieser  Gegenstände  nur  auf  eine  wohlfeile  Weise  aus  Metall- 
erzen gewonnen  werden.  Das  einzige  Metalleisen  ist  üherall  ausge- 
breitet und  häufig,  so  daß»,  obgleich  es  durch  den  Rost  sieh  mehr  als 
andere  leicht  abnützt,  die  Zeit,  wo  das  Eisen  den  Menschen  zu 
fehlen  anfangen  wird,  gewiß  sehr  weit  von  uns  ist. 

Obgleich  die  geschichtliche  Menschheit  nur  auf  6-  oder  nehmen 
wir  selbst  12.000  Jahre  an  zurückgeht,  so  bemerkt  man,  daß  sehr 
viele  Örtlichkeiten,  wo  Erze  einst  gegraben  wurden,  jetzt  nicht  mehr 
bauwürdig  oder  selbst  ganz  erzleer  geworden  sind.  So  z.  B.  für 
die  phönizischen  Zinn-Bergwerke  in  der  Bretagne,  für  mehrere 
ägyptische,  griechische,  römische  und  seihst  hispano-amerikanische 
Gold-  oder  andere  Bergwerke.  Vorzüglich  tritt  dieser  Fall  für  Berg- 
werke im  Alluvial -Gebiete  auf,  wie  wir  es  in  manchen  unserer 
europäischen  Flußthäler  bemerken,  wo  ehemals  die  Goldwäschereien 
blühten.  Natürlicherweise  ist  das  Erzsuchen  in  schon  durchstöberten 
oder  theilweise  seihst  ausgewaschenen  Gerollen  eine  der  unfruch- 
barsten  bergmännischen  Arbeiten.  Aber  selbst  für  andere  Bergwerke 
der  Alten  helfen  tiefere  Stollen-,  Pump-  und  Dampfmaschinen  so  wie 
verbesserte  Metallurgie  keineswegs  immer,  denn  das  Erz  ist  einmal  aus- 
gebeutet oder  es  bildete  nur  die  oberen  Teufen  gewißer  weiter  unten 
fast  oder  ganz  tauber  Gänge.  Wenn  es  so  ist,  wie  wird  es  dann  mit 
der  Möglichkeit  des  Bergbaues  nach  einem  doppelten  oder  dreifachen 
langen  Zeiträume  bestellt  sein;  man  wird  gar  keinen  Bergbau  mehr 
treiben  ki^nnen  und  wo  noch  etwas  zu  haben  sein  könnte,  werden  die 
Erze  zu  tief  liegen. 

Überhaupt  hat  die  Natur  durch  die  Art  der  Verbreitung  und 
die  eigenthümlichen  Lagerstätten  der  Metalle  in  Gängen  und  Lagern 
für  die  Bedürfnisse  des  Menschen  reichlich  gesorgt.  Wenn  besonders 
so  viele  Spalten  in  der  Erde  nicht  wären  hervorgebracht  worden,  so 
würden  die  meisten  so  nützlichen  Metalle  den  Menschen  unbekannt 
geblieben  sein ,  welche  nur  im  Innern  der  Erde  scheinbar  ange- 
häuft sind. 

Darum  muß  die  menschliche  Vorsorge  die  Bergwerke  so  vor- 
theilhaft  als  möglich  ausbeuten  und  dieses  wird  vorzüglich  der  Fall 

Silzb.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  LVII.  Bd.  I.  Alifh.  8 


114  B  o  u  e. 

für  seltene  Metalle,  wie  z.  B.  für  das  so  iiützliche  Quecksilber  so  wie 
für  das  der  jetzigen  Industrie  fast  unentbehrlich  gewordene  Kupfer. 
Vom  letztern  Metall  kennen  wir  wold  ziemlich  viele  bedeutende  Berg- 
werke in  mehreren  Weltgegenden,  obgleich  die  Zahl  der  letzteren 
selbst  schon  beschränkt  ist.  Aber  mit  dem  Quecksilber  ist  dieses  ein 
anderes,  denn  in  Europa  gibt  es  eigentlich  nur  zwei  große  Berg- 
werke der  Art,  namentlich  Idria  und  Almaden ,  zu  welchen  man  die 
theilweise  verfallenen  in  der  Rheiupfalz  und  nur  hie  und  da  in  den 
Alpen  und  Ungarn  viel  kleinere  beizählen  kann.  Ob  das  rationellste 
Princip  der  Staatswirthschaft  für  Bergwerke  heute  befolgt  wird, 
bezweifle  ich  sehr,  weil  vorzüglich  die  jetzige  Tendenz  der  Auflassung 
des  Grubenbaues  vom  Staate  aus  scheinbar  die  allgemeine  zu  werden 
droht.  Private  werden,  sagt  man,  wohlfeiler  arbeiten  und  mehr 
produeiren.  Der  Staat  wird  nicht  so  belastet  und  zugleich  von  den 
Beichthum  der  industriellen  Bürger  Nutzen  ziehen.  Doch  die  Frage, 
auf  wie  lange  Zeit  solche  Verhältnisse  dauern  werden,  daran  denkt 
man  gar  nicht.  Man  verläßt  sich  auf  Inspectionen  für  die  Regelung 
des  ordentlichen  Bergbaues  und  besonders  tröstet  man  sich  mit  dem 
Gedanken  der  vielen  Jahrhunderte  oder  -Tausende,  welche  bis  zu 
der  Erschöpfung  der  jetzigen  Bergwerke  verfließen  werden. 

Das  Leben  der  Menschen  ist  wohl  sehr  kurz,  aber  die  Lebens- 
dauer der  Menschheit  kann  Niemand  berechnen,  so  daß  man  es  doch 
einmal  schwer  bereuen  wird,  die  Bergwerke  in  solcher  Weise  gebaut 
zu  haben,  daß  sie  nicht  am  längsten  haben  dauern  können.  Der 
Privat-  oder  Actien-Inhaber  wird  nie  so  sorgfältig  als  Regierungen  in 
seinem  Baue  an  die  Zukunft  denken,  man  mag  daselbst  was  immer  für 
eine  Controls-Ausübung  ersinnen.  Außerdem  wird  die  längstdauernde 
Wohlfahrt  der  benachbarten  Bevölkerung  ihm  immer  ziemlich  gleich- 
giltig  sein,  was  es  einer  Staats-Regierung  nicht  sein  kann.  Er  wird  sich 
immer  geschwinder  als  der  Staat  bereichern  wollen;  darum  verfallen 
bergmännische  Unternehmungen  so  oft  in  Raubbau,  welche  die 
Bergwerke  erschöpfen  und  die  Aufnahme  ihres  regelmäßigen  Baues 
für  die  Zukunft  selbst  unmöglich  machen.  Die  besten  Beispiele 
haben  wir  davon  in  dem  mit  Bergwerken  gesegneten  England ,  wo 
Privat-Industrie  so  in  Schwung  ist  und  wo  doch  seit  den  zwei  letzten 
Decennien  ordentliche  Bergwerksschulen  errichtet,  so  wie  mehr 
bergmännische  Ordnung  eingeführt  wurden.  (Die  Schule  zu  Penzance 
in  Cornwallis  fing  im  J.  1839,  die  von  Wales  im  J.  1845  und   die 


Werden  der  Menschh.  iiiimcr,  wie  .je(zt.  Minei-Hlschätze  zu  (Jul).  stehen?     1  1  Ü 

Londoner  im  November  des  Jahres  1851  an.)  Man  erstaunt,  wenn  man 
daselbst  gewisse  Bergwerke  wie  die  von  Blei  zum  Beispiel  besucht.  Viele 
Naturschätze  gehen  daselbst  durch  den  handgreiflichsten  Raubbau  für 
die  zukünftige  Generation  unwiderruflich  verloren.  In  den  Steinkohlen- 
Gruben  sieht  es  fast  eben  so  schlecht  aus,  obgleich  man  vielleicht  jetzt 
da  nicht  mehr  durch  große  brennende  Kohleuhaufen  ganze  Gegenden 
auf  solche  vergeuderische  Art  in  der  Nacht  beleuchtet.  Sie  verbauen 
nur  die  vortheilhaftesten  Lagerstätten  dieses  ihnen  so  nothwendigen 
Minerals,  anstatt  überall  methodisch  von  oben  an  oder  wenigstens 
in  einer  gewissen  Tiefe  anzufangen  und  dann  nach  einander  alle 
Nebenlager  auszuhauen  und  die  ausgebauten  durch  das  taube  Material 
der  Stollen  wieder  auszufüllen.  Es  ist  schon  so  weit  gekommen,  daß 
das  Parlament  über  diese  Unwirthschaft  sich  hat  Bericht  erstatten 
lassen  i).  Außerdem  haben  die  Engländer  um  so  mehr  Ursache, 
diese  für  ihr  Leben  und  Industrie  so  wichtige  Frage  zu  erörtern, 
daß  Berechnungen  darüber  uns  nur  als  momentane  Grübeleien 
erscheinen.  Ihre  Einwohnerzahl  so  wie  ihre  Industrie  wächst  immer 
fort,  indem  ihr  Kohlen-Export  keine  Grenzen  in  der  ganzen  Welt  bis 
jetzt  kennt,  so  daß  diese  drei  Factoren  alle  Berechnungen  zu 
Schande  machen.  Auf  ihr  kleines  Holzquantum  können  sie  sich  nicht 
verlassen,  würde  man  selbst  wieder  anfangen  wollen,  die  kahlen 
Berge  der  Grafschaften  Cornwallis ,  Wales,  Schottlands  u.  s.  w.  mit 
Bäumen  zu  bepflanzen.  Nur  ihr  Torf  bietet  ihnen  einen  reichen  sich 
immer  erneuernden  und  aufgespeicherten  Schatz. 

Die  aufgestellten  Rechnungen  der  Engländer  über  die  M'ahr- 
scheinliche  Dauer  ihres  heimatlichen  Kohlenvorrathes  gewähren 
wahrhaftig  wenig  Trost;  denn  die  rationellsten  Männer  berechnen, 
daß  England  nur  noch  Kohlen  für  einige  hundert  Jahre  besitzt.  So 
meint  Sir  Will.  Armstrong,  daß  in  212  Jahren  die  Engländer  ihr 
brennbares  Material  ändern  oder  anderswo  holen  müssen.  (Brit. 
Assoc.  f.  1863.)  W.  Stanley  Jevons  versetzt  aber  diesen  Zeitpunkt 
schon  in  110  Jahre,  er  tröstet  sich  aber  mit  dem  Gedanken  von 
tiefern  Schächten  und  Stollen  wenigstens  bis  4000  Fuß,  die  Stein- 


'J  Jevons  (W.  J.),  Tlie  coal  question  ,  iin  Inquiry  concerning-  tlie  progress  of  tlie 
nation  a.  the  probable  exhaustion  ol  the  coal  Supply  L.  186ö.  8.  (yiiart.  J.  ol'  Sc. 
1866.  B.  3,  S.  459— 479J.  Vivian  (Hussey)  dito  im  Parlament  1866.  12.  Juni 
(dito  S.  423.) 


116  B  0  II  e. 

kohlen  vertiefen  sieh  bis  10000  Fuss.  Doch  diese  letzte  Aushilfe  hat 
auch  ihre  Grenze,  so  z.  B.  daß  es  kaum  Menschen  möglich  scheint, 
die  unter  der  Stadt  London  in  einer  Tiefe  von  etwa  7000  Fuß  noch 
bauwürdige  Steinkohle  bergmännisch  zu  erreichen.  Gegen  diese 
gCAvichtigen  Stimmen  kommt  die  des  Herrn  Edw.  Hüll  nicht  auf, 
welcher  dem  Steinkohlenbau  in  England  eine  Dauer  von  1000  Jahren 
vindiciren  möchte  (llow  long  will  our  Goal  field  last  L.  1862.)  i). 
Eine  Mächtigkeit  von  90  Scbuh  für  alle  Kohlenschichten  angenom- 
men, so  würde  man  damit  6800  Jahre  auskommen. 

Überhaupt  ist  die  geognostische  Verbreitung  der  Kohlenflötze 
eine  der  merkwürdigsten  geologischen  Thatsachen,  denn  unleugbar 
ist  die  größte  Anhäufung  des  brennbaren  Materials  in  sehr  alten 
Zeiten  geschehen.  Größtentheils  wurde  dieses  auf  trockenem  Boden 
oder  unter  nicht  sehr  tiefen  Süßwasserbecken  bewerkstelligt,  wie  es  die 
torfähnlichen  Steinkohlenablagerungen  so  wie  die  Süßwassermuschel- 
Bänke  bezeugen ,  indem  anderswo  solche  Gebilde  deutlich  an  Insel- 
Ufern  unter  dem  Meereswasser  entstanden  oder  nach  ihrer  Bildung 
wenigstens  kamen,  da  sie  mit  Gesteinen  abwechseln,  welche  Meer- 
thier-Überbleibsel  enthalten.  In  beiden  Fällen  aber  wurden  die 
Kohlenablagerungen  durch  Alluvial-Gebilde  mehrmals  gestört.  Diese 
Abwechslungen  von  Conglomerat,  Sandstein,  Mergel  und  Schiefer- 
thon  mit  Kohlen  mögen  wohl  in  einem  engeren  Verbände  mit  Jahr- 
zeiten Abwechslungen  gewesen  sein.  Solche  Überschwemmungen  von 
süßem  Wasser  erinnern  an  die  Überfluthung  der  amerikanischen 
Tropen-Savannen  während  der  Regenzeit.  Daher  stammen  die  noch 
in  den  Steinkohlenflötzen  aufrecht  stehenden  Bäume,  ein  Fall,  welcher 
noch  jetzt  bei  der  Überschwemmung  stattfindet.  Dem  ungeachtet 
bleibt  die  Ausdehnung  gewisser  Kohlenbecken,  wie  die  England's 
und  Nordamerika's,  ein  wahres  Räthsel,  wenn  man  vorzüglich  z.  B. 
eine  Verbindung  zwischen  den  Englischen,  Belgischen  und  West- 
phalisclien  annimmt.  Ansialt  einer  Ebene  muß  man  sich  daselbst 
mehrere  VVasserläule  denken,  welche  alle  zu  gewissen  Zeiten  aus 
ihrem  Bette  austraten,  und  keineswegs  zu  gleichförmigen  Alluvial- 
und  Pflanzentheil-Ablagerungen  Anlaß  gaben.  Daher  auch  die  Folge 
der  Steinkohlenlager  von  einer  Gegend  zur  andern  sehr  verschieden 


'J    E.  n.  Hirkenlii'id  ((.'olliciy  (iiiindian  IStJti.    B.  12,  S.  'iSS  \i.  S.  7),  u.  B  e  <l  1  i  n  g- 
toM  für  di'ii  siidlii'lK-ii 'l'lu'il  des  nerzoglliiims  Wales  (dilo  S.  Uli)). 


Werden  der  Mensclih.  immer,  wie  jetzt.  MinerMlschiitze  zu  Geh.  stehen?     117 

erscheint  und  schon  ursprünghch  die  Stratification  vonder  horizontalen 
öfter  abweichen  mußte,  um  eine  theihveise  unregelmäßige  zu  werden. 
Die  weitere  Erörterung  über  die  Bewegungen  im  Erdboden,  welche 
zur  Hervorbringung  aller  anderen  Eigentbümlichkeiten  dieser  Gebilde 
nothwendig  gewesen  sind,  lasse  ich  als  meiner  jetzigen  Notiz  fremd 
ganz  bei  Seite. 

Dann  kommt  die  bis  jetzt  ungelöste  Frage,  warum  solche 
Kohlenablagerungen  nicht  zu  allen  Zeiten  stattgefunden  haben.  Das 
Pflanzenreicli  einmal  auf  der  Erde  hörte  nie  auf  und  die  Florenreiche 
veränderten  sich  nur  fort  und  fort  bis  zu  unserer  Zeit,  und  doch  fand 
sie  nur  zu  gewissen  Zeiten  die  Mittel,  einen  Theil  ihres  Schmuckes  im 
Erdboden -Herbarium  aufzubewahren  und  vorzüglich  in  gehöriger 
Menge  zur  Kohlenerzeugung  aufzustapeln.  Es  müssen  da  ganz  be- 
sondere Umstände  obwaltet  haben,  um  nur  das  Vermodern  und 
Verschwinden  des  Ptlanzenstoffes  während  so  vielen  geologischen 
Zeiträumen  zu  gestatten,  indem  nur  zwischen  dem  obern  Muschelkalk 
und  Keuper,  in  dem  Lias,  in  der  untern  Kreide  und  tertiären  Zeit 
wahre  Kohlenflötze,  oft  auch  mit  Süßwasser  oder  brakischem  Wasser 
Muscheln  entstanden;  die  kleinen  silurischen  und  permischen  Kohlen- 
Ablagerungen  kann  man  nur  als  den  Anfang  und  das  Ende  der 
großen  altern  Steinkohlenperiode  ansehen ,  die  eine  war  mehr  marin, 
die  andere  mehr  Continental.  Doch  der  Unterschied  zwischen  dem 
tertiären  und  jenem  Kohlengebilde  ist  sehr  groß,  und  die  Identität 
der  Ablagerungsart  trifft  nicht  immer  zusammen,  besonders  wenn  es 
sich  um  die  in  engen  Thälern  deutlich  angehäuften  oder  ange- 
schwemmten untergegangenen  Wälder  der  Tertiärzeit  handelt. 

Der  einzige  Trost  für  die  Zukunft  der  Menschheit  würde,  nach 
unserer  Meinung,  in  der  gegebenen  Möglichkeit  neuer  Erfindungen 
und  anderer  volkswirthschaftlichen  Einrichtungen  als  jetzt  bestehen, 
welche  sowohl  Steinkohle  als  edlere  und  nützlichere  Metalle  entbehr- 
lich machen  könnten.  Sonst  geht  die  Menschheit  und  ihre  Civilisation 
auf  einer  schiefen  Bahn ,  an  vvelchem  Ende  nur  ein  schrecklicher  Ab- 
grund sein  kann.  Es  würde  ein  Zeitpunkt  eintreten,  wo  die  Völker- 
Cultur  anstatt  vorwärts  rückwärts  gehen  würde.  Die  Zeit  des  Stein- 
alters würde  theihveise  wenigstens  an  der  Stelle  des  größten 
möglichsten  Gebrauches  der  Metalle  wieder  eintreten.  Setzen  wir 
z.  B.  den  Fall,  daß  alle  edlen  Metalle  und  selbst  Kupfer  ausgingen, 
so  könnte  man  wohl  leicht  sich  andere  Münzzeichen  denken,  aber  die 


118  B  o  u  e'. 

Industrie  würde  schrecklich  durch  eine  solche  Katastrophe  getroffen 
werden.  Dieses  wieder  ein  Wink  über  die  Vergänglichkeit  der 
jetzigen  Schöpfung,  welche  ganz  und  gar  nicht  für  die  Ewigkeit 
berechnet  zu  sein  scheint. 

Doch  nach  der  wunderbaren  Art  wie  in  der  Natur  gewöhnlich 
Alles  sich  ausgleicht,  wie  z.  B.  in  den  intimen  Verhältnissen  zwi- 
schen Meerwasser,  Regen  und  Flußwasser,  in  den  gegenseitigen 
Lebensverhältnissen  der  Thiere  und  Pflanzen,  in  der  immerwährenden 
Fruchtbarkeit  des  animalisch-  und  vegetabilisch  ^gemisteten  Bodens 
u.  s.  w. ,  nach  diesem,  meinen  wir,  muß  dem  Menschen  die  Hoffnung 
schimmern,  daß  Unverhofftes  oder  noch  unbekannte  Lebensfactoren 
für  ihn  erstehen  werden.  Würde  es  den  Menschen  möglich  werden, 
den  größten  und  besten  Theil  der  abgenutzten  Metalle  aus  dem  Erd- 
boden wieder  heraus  zu  bekommen,  so  würde  dadurch  die  Menschheit 
wenigstens  mit  den  ihr  unentbehrlichen  Metallen  für  eine  wahre 
Ewigkeit  versorgt  sein.  Dann  könnten  künstliche  chemische  feste 
Mischungen  einiger  bis  jetzt  zu  wenig  beachteten  und  doch  immer 
vorhandenen  Elemente  wie  Aluminium  u.  s.  w. ,  einige  Metalle  für 
manche  Industriezweige  ersetzen,  indem  man  in  der  organischen 
Chemie  möglichen  Ersatz  fiir  Stoffe  aus  der  Mineral-Chemie  ermitteln 
könnte,  wenn  man  diese  letztern  sich  nicht  mehr  verschaffen  könnte. 
An  der  Stelle  der  Mineralkohle  müssten  Surrogate  wie  Torf,  Holz, 
Ölgattungen  und  besonders  diese  durch  chemische  Zubereitungen 
veredelte  Producte  treten.  Mit  der  Wiederbewaldung  aber  von  kahlen 
Gebirgen  wie  in  den  brittischen  Inseln,  Süd-Europa  u.  s.  w.,  wird  es 
immer  sehr  langsam  gehen,  weil  die  Erde  auf  dem  fast  nackten  Fels 
oder  auf  dem  mit  Heidekraut  karg  bedeckten  Boden  für  Baum- 
pflanzung nicht  hinreicht.  Dann  lassen  die  Gräser  die  Baumsamen 
nicht  aufwachsen  und  der  Wind  bleibt  überall  ein  schreckliches 
Hinderniß  für  solche  Baum-Anpflanzungen. 

Die  Zahl  der  Menschheit  ist  fortwährend  im  Wachsen,  aber  man 
bemerkt,  daß  es  doch  in  der  Natur  gewisse  Gesetze  gibt,  welche 
dieser  Zahl  bestimmte  Grenzen  anweiset.  So  z.  B.  wo  zu  viel 
Menschen  zusammenleben,  greifen  Krankheiten  ein,  welche  ihre  Zahl 
vermindern.  Dann  die  Vergrößerung  der  Städte -Bevölkerung  ist 
keineswegs  ohne  Grenzen,  denn  sie  brauchen  ein  gewisses  nutz-  und 
trinkbares  Wasserquantum.  Ist  dieses  nicht  mehr  vorhanden,  so  rückt 
die  Notli wendigkeit  des  Auseinandergehens  der  Menschen  an,  und  ihre 


Werden  der  Menschh.  immer,  wie  jetzt,  Mineralschätze  zu  Gelt,  stehen  ?     119 

Zahl  bleibt  dann  actioiiär.  Darum  sehen  wir  auch  schon,  z.  B.  daß 
man  in  London  das  Wasser  selbst  aus  der  weit  gelegeneu  Grafschaft 
Wales  holen  will.  Möchte  aber  die  sonderbare  Theorie  des  allmäligen 
Wasser-Verschwindens  auf  Erden  eine  Wahrheit  sein,  so  würde  dem 
Leben  des  Menschen  seine  gewisse  Grenze  selbst  durch  die  Natur 
gesetzt  sein. 

Hat  aber  unsere  Erde  ihre  letzte  Umwälzung  oder  Umstaltung 
durchgemacht?  Werden  nie  wieder  neue  Theile  der  im  Erdhall  ver- 
grabenen Metalle  zum  Vorschein  an  die  Oberfläche  kommen?  Das 
scheint  nach  allem  dem  Wenigen  was  wir  über  unsern  Wohnort  so 
wie  über  die  Astronomie  schon  wissen  nicht  der  Fall  zu  sein. 
Obwohl  Astronomen  höchst  ungern  zugeben  möchten,  daß  cosmische 
Begebenheiten  im  Welträume  auf  unserer  Erde  einen  höchst  bedeu- 
tenden Einfluß  haben  könnten,  so  kann  man  ihnen  dagegen  manche 
Thatsachen  erwiedern,  welche  fast  den  Beweis  liefern,  daß  sowohl 
Welten  noch  entstehen,  als  andere  zu  Grunde  gehen.  Wir  brauchen 
nur  in  unserem  Sonnensysteme  an  die  merkwürdigen  Phasen-Ver- 
änderungen an  unserer  Sonne,  an  die  Menge  der  kleinen  Asteroiden, 
an  das  Zodiacallicht,  an  die  Sternschnuppenzonen,  an  die  Meteoro- 
lithen  und  an  die  Theilung  (Komet  Biala)  so  wie  das  Verschwinden 
gewisser  Kometen  erinnern.  Im  Welträume  aber  sehen  wir  sogar 
Sterne  aufgehen  und  andere  ganz  verschwinden  und  alle  Nebel- 
massen haben  wir  noch  nicht  in  Sterne  aufzulösen  gelernt.  Können 
wir  von  Grenzen  des  Weltraumes  sprechen?  Kennen  wir  genau  die 
Bewegungen  der  Weltsysteme  so  wie  selbst  die  der  unsern? 

In  allen  Fällen  muß  man  die  Vorsorge  der  Natur  für  den 
Menschen  in  der  Verbreitung  der  Metallschätze  bewundern,  denn  als 
in  Urzeiten  nur  niedere  Thierclassen  den  Erdball  belebten,  gab  es 
keineswegs  so  viel  Metall  an  der  Erdoberfläche  als  jetzt.  Eisen  und 
Kupfer  bilden  als  Lager  die  metallischen  Hauptmassen  des  krystalli- 
nischen  Schiefers ,  welche  man  bis  jetzt  als  die  urälteste  Erdkruste 
betrachtet.  Der  Ursprung  aber  der  meisten  andern  nützlichen  Metall- 
Lagerstätten,  sowohl  in  Gängen  als  Stöcken  und  Nestern,  fällt  nicht 
in  die  paläozoische,  sondern  in  die  mesozoische  und  ganz  beson- 
ders in  die  tertiäre  und  Alluvial -Zeit.  Es  bildet  sich  selbst  auf 
diese  Weise  für  den  dem  Menschen  bestimmten  Metallschatz  eine 
Art  von  steigender  Scala  der  Größe  von  der  Urzeit  bis  zu  unserer 
Zeit.   Merkwürdigerweise  finden  sich  die  größten  Massen  der  edelsten 


120    Boue.  Werilen  d.  Mensclih.  immer,  wie  jetzt,  Mineralsch.  zu  Geb.  stehen? 

Metalle  ganz  besonders  nur  in  AUuvial-Ablagerungen  und  im  Tertiär 
aufgestappelt;  etwas  davon  ist  wohl  in  der  mesozoischen  und  selbst 
in  der  paläozoischen  Zeit  aus  dem  Schooße  der  Erde  gekommen, 
aber  sowohl  dieses  als  das  spätere  hervorgebrachte  wurde  durch 
Zerstörungen  und  Wegschwemmung  verschiedener  Arten  den  Men- 
schen noch  leichter  zugänglich  gemacht.  Endlich  bekommen  wir 
durch  die  Kenntniß  der  jetzigen  Bergwerke  so  wie  der  meisten 
ehemals  ausgebeuteten  den  deutlichsten  Beweis  wieder,  daß  der  lange 
vorhistorische  Zeitraum  des  Vorhandenseins  der  Menschen  auf  Erden 
keineswegs  doch  nach  Millionen  von  Jahren  zu  berechnen  sein 
kann. 


FitÄinger.   Kritische  Untersucli,  der  Spitzmäuse  ^5orjcfS^.  121 


Krithche  Untersuchungen   über  die  der  nainrlichen  Familie 
der  Spitzmäuse  (Sorices)  angeliörigen  Arten. 

(I.  Abtheilung.) 

Die   Gattung-en   Gymmira,  Paradoxodon  und  Pachyuru  enthaltend. 

Von  dem  w.  M.  Dr.  leop.  Jos.  Fitzinger. 

Die  Familie  der  Spitzmäuse  (Sorices)  ist  eine  derjenigen  unter 
den  Säugethieren ,  bei  welchen  eine  sorgfältige  Sichtung  der  ihr 
angehörigen  Formen  am  meisten  Noth  thut,  und  aus  diesem  Grunde 
habe  ich  mir  auch  diese  Aufgabe  gestellt. 

Allerdings  war  es  mir  nicht  gegönnt,  eine  besonders  große  Zahl 
von  Arten  durch  Autopsie  kennen  zu  lernen  und  dieselben  einer 
näheren  Untersuchung  zu  unterziehen,  obgleich  das  Wiener  Museum, 
an  welchem  ich  die  Säugethier- Sammlung  durch  eine  Reihe  von 
Jahren  zu  verwalten  hatte,  bezüglich  dieser  Familie  vielleicht  das 
reichste  unter  den  europäischen  Museen  ist  und  unter  denselben  nur 
noch  die  Museen  zu  Paris,  Leyden  und  Berlin  einen  grösseren  Reich- 
thum  an  hierher  gehörigen  Formen  aufzuweisen  haben.  In  den  indi- 
schen und  nordamerikanischen  Museen  sind  es  blos  die  heimatlichen 
Formen,  welche  dort  stärker  vertreten  sind. 

Bevor  ich  mich  zur  wissenschaftlichen  Behandlung  des  Gegen- 
standes selbst  wende,  betrachte  ich  es  für  nöthig,  einige  Worte  vor- 
auszusenden, welche  die  Grundsätze  darlegen  sollen,  die  mich  hierbei 
geleitet  haben. 

Über  die  Abgrenzung  der  Arten  herrscht  —  wie  bekannt  —  bis 
zur  Stunde  noch  unter  den  Naturforschern  so  mancher  Zweifel  und 
ihre  Ansichten  hierüber  gehen  nicht  selten  sehr  weit  auseinander. 

Viele  unter  ihnen  suchen  die  von  den  verschiedenen  Autoren  auf- 
gestellten Arten  nach  den  Menigen  in  ihren  Beschreibungen  darge- 
botenen Erkennungsmerkmalen  mit  einander  zu  vereinigen,  manche 
andere  wieder  haben  den  Weg  der  Trennung  eingehalten,  weil  unsere 
Kenntniß  von  diesen  Foniien  nur  sehr  unvollständig  ist. 


122  Fitzinger. 

Zu  einem  sicheren  Schlüsse  in  dieser  Beziehung  zu  gelangen, 
ist  zur  Zeit  geradezu  unmöglich,  da  das  vorhandene  Material  viel  zu 
unzureichend  ist,  um  sichere  Anhaltspunkte  zu  gewinnen. 

Allerdings  hahen  wir  bei  einigen  unserer  einheimischen  Arten, 
deren  Beobachtung  —  da  sie  uns  zugänglicher  sind  —  auch  mit 
weit  geringeren  Schwierigkeiten  als  bei  ausländischen  verbunden  ist, 
Erfahrungen  gewonnen,  welche  uns  berechtigen,  gewisse  von  ein- 
ander abweichende  Formen  für  nur  zufällige  Abänderungen  einer 
und  derselben  Art  zu  erklären.  Aber  bei  keiner  derselben  sind  wir 
im  Stande  die  Grenzen  festzustellen,  innerhalb  welcher  ihre  Veränder- 
lichkeit zu  schwanken  vermag. 

Wenn  uns  dieß  aber  schon  bei  unseren  inländischen  Arten  nicht 
möglich  ist,  um  wie  viel  weniger  wird  es  erst  bei  fremdländischen 
der  Fall  sein,  welche  wir  nur  äußerst  selten  genauer  beobachten 
zu  können  Gelegenheit  haben  und  von  denen  uns  die  allermeisten 
nur  aus  kurzen  und  oft  höchst  ungenügenden  Beschreibungen  be- 
kannt sind. 

Um  desto  verwerflicher  ist  daher  der  von  den  neueren  Natur- 
forschern so  häufig  eingeschlagene  Weg,  Formen  mit  einander  zu 
vereinigen,  welche  man  nur  sehr  oberflächlich  kennt. 

Dieser  Vorgang,  welcher  seit  dem  Bekanntwerden  der  Darwin'- 
sehen  Lehre  beinahe  zur  allgemeinen  Bichtschnur  geworden  ist,  hat 
der  Wissenschaft  thatsächlich  mehr  Schaden  gebracht,  als  er  ihr 
genützt  hat. 

Die  heillose  Verwirrung  in  der  Synonymie,  welcher  wir  in  den 
neueren  zoologischen  Werken  fast  allenthalben  begegnen,  liefert  wohl 
den  klarsten  Beweis,  welche  Folgen  aus  demselben  für  die  Kenntniß 
der  verschiedenen  Formen  erwachsen  sind. 

Es  sei  mir  erlaubt,  hier  etwas  näher  in  diesen  Gegenstand  ein- 
zugehen. 

Die  Lehre  Darwin' s,  welche  bald  eine  rasche  Verbreitung  und 
ein  zahlreiches  Heer  von  Anhängern  gefunden,  ist  von  manchen  unter 
ihnen  in  einer  Weise  ei-läutert  und  erweitert  worden,  daß  der  Gründer 
derselben  seine  eigene  Schöpfung  kaum  mehr  erkennen  würde. 

Die  beiden  Hauptsätze,  auf  welche  sich  dieselbe  stützt,  nämlich 
„der  Kampf  um  das  Dasein"  und  „die  natürliche  Züchtung",  haben 
Veranlassung  geboten  Schlüsse  daraus  abzuleiten,  die  weit  über  den 
Grundgedanken  liinausrcichen. 


Kritische  Untersuchungen  über  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  123 

Die  Erweiterer  jener  Lehre  suchen  den  Beweis  zu  führen,  daß 
die  Formverschiedenheit  der  organischen  Körper  auf  einer  alhnäii- 
gen ,  theils  durch  natürliche  Züchtung  oder  Züchtung  nach  freier 
Wahl,  theils  durch  klimatische  Einwirkungen  und  Bodenverhältnisse 
herbeigeführten  Unihildung  einer  gewissen  Grundform  beruhe,  welche 
Veränderung  vielleicht  einen  Zeitraum  von  Jahrtausenden  in  An- 
spruch nahm. 

Auf  diese  Ansicht  gestützt,  sucht  man  die  große  Zahl  der  uns 
bis  jetzt  bekannt  gewordenen  Formen  dadurch  zu  vermindern,  daß 
man  sie  auf  eine  bestimmte  Grundform  zurückführt. 

Man  begnügt  sich  aber  nicht  damit,  nur  nahe  verwandte  Formen 
miteinander  zu  vereinigen,  sondern  geht  in  neuester  Zeit  so  weit,  — 
gestützt  auf  scheinbare  Übergänge,  —  nicht  blos  Arten  einer  und 
derselben  Gattung,  sondern  sogar  verschiedener  Gattungen  als  Ver- 
änderungen einer  willkürlich  angenommenen  Art  oder  Grundform  zu 
betrachten. 

Ja,  ich  habe  Gelegenheit  gehabt  unter  den  jüngeren  Natur- 
forschern Verfechter  dieser  veränderten  und  völlig  verunstalteten 
Darwin'schen  Lehre  kennen  zu  lernen,  welche  des  festen  Glaubens 
sind,  daß  sich  alle  organischen  Geschöpfe  auf  eine  einzige  Urform 
werden  zunickführen  lassen. 

Daß  bei  dieser  Gattung  von  Forschern  aber  nicht  blos  der  Ge- 
danke, durch  eine  —  zwar  gesuchte,  wenn  auch  den  Naturgesetzen 
geradezu  nicht  widerstreitende  —  Erklärungsweise  ihrer  Entstehung 
und  erlittenen  Veränderung  die  Verminderung  eines  fast  unüberseh- 
baren Heeres  von  verschiedenen  Formen  und  die  Vereinfachung  der 
Wissenschaft  anstreben,  das  leitende  Princip  sei,  das  sie  zu  solchen 
Schlüssen  ermuthiget,  sondern  daß  auch  noch  ein  ganz  anderer 
Factor  hierbei  mitwirke,  ist  jedem  Denker  klar.  Denselben  jedoch  zu 
nennen,  will  ich  sorgfältigst  vermeiden. 

Wenn  auch  nicht  zu  leugnen  ist,  daß  auch  dieses  Streben  ein- 
mal dahin  führen  kann,  unser  Wissen  —  obgleich  nach  einer  ganz 
anderen  Richtung  hin  —  wesentlich  zu  bereichern,  so  entsteht  doch 
die  Frage,  was  für  diejenigen,  welche  sich  mit  der  Erkenntniß  der 
organischen  Geschöpfe  beschäftigen,  durch  ein  solches  Resultat  ge- 
wonnen ist. 

Gesetzt  auch  den  Fall,  daß  es  unseren  Forschungen  mit  der 
Zeit  gelingen  sollte,  den  wirklichen  Bestand  solcher  Übergänge  von 


124  F  i  t  2  i  n  g.  e  r. 

seither  für  selbststäiulig  gegoltenen  Formen  thatsächlich  zu  beweisen, 
so  wäre  der  Gewinn,  welcher  hieraus  für  die  Wissenschaft  erwächst, 
keineswegs  von  der  Art,  daß  man  hierin  einen  Triumph  über  die  von 
den  Anhängern  der  älteren  Schule  vertheidigte  Lehre  erblicken  und 
der  von  denselben  bisher  befolgten  Behandlungsweise  dieses  Gegen- 
standes gänzlich  entsagen  könnte. 

Im  Gegentheile  würde  dann  das  ßedürfniß  erst  recht  hervor- 
treten, die  Wiedererkennung  der  verschiedenen  Formen,  —  wenn 
sie  auch  nur  für  Abänderungen  einer  und  derselben  Grundform  an- 
genommen werden  müßten,  —  durch  Feststellung  ihrer  Merkmale 
uns  selbst  und  auch  anderen  zu  ermöglichen. 

Selbst  wenn  es  wirklich  einmal  dahin  kommen  sollte,  daß  wir 
nur  einige  Dutzend  von  Grundformen  oder  wohl  gar  nur  ein  einziges 
Urthier  annehmen  zu  müssen  genöthiget  wären,  so  bliebe  uns  nichts 
anderes  übi'ig  —  vorausgesetzt,  daß  wir  unser  seit  Jahrhunderten 
mühsam  errungenes  Wissen  nicht  gänzlich  aufgeben  und  die  Wissen- 
schaft gleichsam  vernichten  wollten,  —  als  wieder  zu  der  schon 
ursprünglich  befolgten  Methode  unsere  Zuflucht  zu  nehmen  und  die 
tausendfältig  sich  bekundenden  Verschiedenheiten  dieser  Urform 
durch  Angabe  ihrer  Merkmale  uns  m  ieder  erkennbar  und  unterscheid- 
bar zu  machen. 

Überhaupt  ist  es  die  Aufgabe  derjenigen,  welche  sich  mit  der 
descriptiven  Naturgeschichte  beschäftigen,  die  Naturkörper  so  zu 
betrachten,  wie  sie  sind,  und  nicht  wie  sie  geworden  sind. 

Deßhalb  habe  ich  auch  —  getreu  der  Gepflogenheit  der  älteren 
Schule,  —  die  einzelnen  dieser  Familie  angehörigen  Formen  so  ab- 
gegrenzt, wie  sie  von  den  verschiedenen  Autoren,  die  uns  mit  den- 
selben bekannt  machten,  geschildert  worden  sind  und  durch  Bei- 
fügung ihrer  oft  nur  schwer  zu  sichten  gewesenen  Synonymie,  die 
verschiedenen  Ansichten  der  einzelnen  Fachmänner  über  die  Zusam- 
mengehörigkeit gewisser  Formen  ersichtlich  gemacht.  Zusammen- 
ziehungen habe  ich  nur  in  jenen  Fällen  vorgenommen,  wo  die  Iden- 
tität durch  die  von  uns  gewonnenen  Erfahrungen  völlig  außer  allen 
Zweifel  gestellt  wurde. 

Ich  bin  aber  weit  davon  entfernt,  etwa  die  Behauptung  auf- 
stellen zu  wollen,  daß  alle  hier  aufgeführten  Arten  sich  in  der  Folge 
auch  als  selbstständige  bewähren  und  erhalten  würden;  doch  scheint 
es  mir  jedenfalls  folgerichtiger  und  gerechtfertigter  zu  sein,  dieselben 


Kritische  Untersuchungen  über  die  Spit/mäuse  (Soriccs)  etc.  121) 

in  SO  lange  für  solche  zu  betrachten,  his  nicht  durch  directe  Erfah- 
rungen das  Gegentheil  erwiesen  worden  ist,  als  sie  mit  anderen  For- 
men zu  vereinigen,  deren  Zusammengehörigkeit  blos  auf  Vermuthun- 
gen  und  Voraussetzungen  beruht,  und  jeder  sicheren  Grundlage 
entbehrt. 

Nur  wenn  wirkliche  —  nicht  aber  blos  scheinbare,  —  das  ist 
wenn  stufenweise  Übergänge  in  minder  wesentlichen  und  nach 
unserer  bisherigen  Erfahrung  der  Veränderlichkeit  unterworfenen 
Merkmalen  zwischen  denselben  bestehen,  sind  wir  berechtiget,  solche 
Formen  miteinander  zu  vereinigen  und  die  sich  ergebenden  Verschie- 
denheiten als  Varietäten  zu  betrachten. 

Nachdem  ich  somit  über  die  von  mir  befolgten  Grundsätze  ge- 
nügenden Aufschluß  gegeben  zu  haben  glaube,  gehe  ich  zum  eigent- 
lichen Gegenstande  dieser  Abhandlung  über  und  füge  nur  noch  bei, 
daß  ich  sorgfältigst  bestrebt  ^^'!^v,  alles  was  uns  seither  in  physio- 
graphischer  Hinsicht  über  die  verscliiedenen  Formen  bekannt  ge- 
worden, in  soweit  mir  nur  immer  das  vorhandene  Material  zugäng- 
lich war,  zu  sammeln,  und  daß  ich  nichts  verabsäumt  habe,  um  der 
vorliegenden  Arbeit  die  möglichste  Vollständigkeit  zu  geben. 


Die  Familie  der  Spitzmäuse  steht  bezüglich  der  allgemeinen 
Körperform  der  ihr  angehörigen  Glieder  zwischen  der  Familie  der 
Igel  (Erinacei)  und  jener  der  Maulwürfe  (Talpae)  gleichsam  in 
der  Mitte,  indem  sie  scheinbare  Übergänge  zu  denselben  sehr  deut- 
lich erkennen  läßt.  Namentlich  sind  es  die  Gattungen  Rattenschwanz- 
rüssler  {Gymmira)  und  Bisamrüssler  (Myognle) ,  welche  diese 
Übergänge  zu  vermitteln  scheinen,  und  zwar  erstere  zu  den  Igeln, 
letztere  zu  den  Maulwürfen. 

Alle  zeichnen  sieh  durch  eine  nieiir  oder  wenigerstark  gestreckte 
Schnauze  aus,  die  in  eine  die  Oberlippe  ziemlich  weit  überragende, 
sehr  bewegliche  spitze  Nase  endiget,  welche  mit  einziger  Ausnahme 
der  Gattung  Rattenschwanzrüssler  (Gymnura)  immer  von  rüssel- 
f(»rmiger  Gestalt  ist  und  bei  den  Gattungen  Sehlitzrüssler  (Soleno- 
donj  und  Bisamrüssler  (Myoyale)  einen  wahren  Rüssel  bildet.  Die 
Augen  sind  durchgehends  klein  oder  sehr  klein  und  freiliegend,  die 
Sohlen  kahl  und  nur  eine  einzige  Art,  nämlich  die  schmalköpfige 
Dickschwanzspitzmaus  (Pachyurn  heterodnn),  ist  bis  jetzt  bekannt. 


1  2  C  F  i  (  z  i  n  >,'  e  r. 

bei  welcher  sich  unterlialb  des  Fersengeleiikes  eine  behaarte  Stelle 
findet.  Sämmtliche  Arten  treten  auch  beim  Gehen  mit  ganzer 
Sohle  auf. 

Wie  im  äußeren  Körperbane,  so  sehließt  sich  auch  in  An- 
sehung der  Skelethiidung  die  Familie  der  Spitzmäuse  (Sorices) 
einerseits  an  jene  der  Igel  (Erinacei),  anderseits  an  die  der  Maul- 
würfe (Talpae)  an. 

Der  Schädel  ist  bei  allen  Gliedern  dieser  Familie  langgestreckt, 
je  nach  den  vier  Haupttypen  aber,  welclie  dieselbe  umfasst,  wesent- 
lich verschieden. 

Bei  der  Gattung  Raltensehwanzrüssler  (GymimrnJ ,  welche 
einen  scheinbaren  Übergang  zur  Familie  der  Igel  (Erinacei)  über- 
haupt und  insbesondere  zur  Gattung  Borstenigel  (Centetes)  darstellt, 
nähert  er  sich  in  seinen  Umrissen  jenem  dieser  Gattung  und  erinnert 
in  seiner  Form  auch  autTallend  an  den  Schädel  der  typischen  Spitz- 
mausformen (Sorices),  doch  unterscheidet  er  sich  von  beiden  durch 
das  Vorhandensein  eines  vollständig  ausgebildeten  Jochbogens. 

Die  zweite  Hauptform,  welche  sämmtliche  typische  Spitzmaus- 
formen (Sorices)  umfaßt,  zeichnet  sich  durch  einen  auch  am  Hinter- 
haupte verhältnißmäßig  schmalen  und  am  Schnauzentheile  ziemlich 
stark  zusammengedrückten  Schädel  aus,  auf  welchem  längs  der  Mitte 
der  Stirn-  und  Scheitelbeine  eine  schmale  Leiste  verläuft.  Auch  die 
Lambdaleisten  sind  bei  mehreren  und  insbesondere  bei  den  größeren 
Arten  der  Gattung  Dickschwanzspitzmaus  (Pachyura)  ziemlich  stark 
entwickelt. 

Das  Jochbein  fehlt  und  die  Paukenhöhle  ist  unten  nur  durch 
eine  Haut  geschlossen.  Das  Schläfenbein  ist  mit  einem  besonderen 
Fortsatze  versehen,  welcher  zur  Aufnahme  eines  auch  vom  Unter- 
kiefer ausgehenden  Gelenkfortsatzes  bestimmt  ist.  An  der  Innenseite 
des  hohen  Kronfortsatzes  befindet  sich  eine  tiefe  dreiseitige  Grube. 

Der  Schädel  der  dritten  Hauptform  oder  der  Gattung  Schlitz- 
rüssler  (Solenodon)  erinnert  in  seiner  Bildung  ebenso  sehr  an  jenen 
der  typischen  Spitzmäuse  (Sorices),  als  den  der  Gattung  Bisam- 
rüssler  (Myogale),  und  insbesondere  schließt  er  sieb  rücksichtlich 
seiner  Form  zunächst  dem  Schädel  der  letztgenannten  Gattung  an. 
Er  fällt  nach  vorne  zu  allmälig  ab  und  wie  bei  de>i  typischen  Spitz- 
inausformen  (Sorices),  fehlt  demselben  das  Jochbein  und  ist  die 
Paukenhöhle  unten  durch  eine  Haut  geschlossen.   Der  Rüssel  wird 


Kritische  Untersuchung-en  iil)er  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  127 

wie  bei  den  Maulwürfen  (Tfilpae),  durch  ein  am  unteren  Rande  des 
Nasenaussclinittes  am  Zwischenkiefer  befindliches  Knöchelchen  ge- 
stützt. Der  Kronfortsatz  ist  breit  und  hoch. 

Bei  der  vierten  Hauptform  dieser  Familie,  welche  durch  die 
Gattung  Bisamrüssler  (Myogale)  repräsentirt  wird,  tritt  die  nahe 
Verwandtschaft  mit  den  Maulwürfen  (Talpae)  auch  am  Schädel 
deutlich  hervor.  Derselbe  ist  durch  einen  vollständigen,  aber  nur 
sehr  dünnen  stabförmigen  Jochbogen  ausgezeichnet,  das  Hinterhaupt 
ist  aufgetrieben  und  auf  der  Mitte  des  Hinterhauptbeines  befindet 
sich  eine  besondere  wulstige  Hervorragung,  indem  von  demselben 
ein  blattartiger  dreispitziger  Fortsatz  ausgeht,  der  das  Schädeldach 
überragt.  Auch  ist  die  Hinterhauptsschuppe  über  jedem  Condylus 
von  einer  ziemlich  großen  Öffnung  durchbrochen.  Die  pyramidalen 
und  ziemlich  aufgetriebenen  Felsentheile  des  Schläfenbeines  berühren 
sich  vorne  und  stossen  mit  dem  inneren  unteren  Flügelfortsatze  des 
Keilbeines  zusammen.  Die  Foramina  incisiva  sind  groß  und  der  Ober- 
kiefer ist  in  der  Nähe  der  Gaumenbeine  von  zwei  schmalen  spalt- 
förmigen  Öffnungen  durchbrochen.  Das  Schläfenbein  sowohl,  als  auch 
der  Unterkiefer  sind  eben  so  wie  bei  den  typischen  Spitzmäusen 
(Sor'ices),  mit  einem  besonderen,  aber  stärkeren  Fortsatze  versehen. 
Der  Kronfortsatz  ist  wie  bei  diesen  hoch,  doch  fehlt  die  dreiseitige 
Grube  an  der  Innenseite  desselben  und  der  Winkelfortsatz  ist  auch 
breiter. 

Die  Zahl  der  Wirbel  ist  bei  dieser  Familie  nicht  nur  nach  den 
Gattungen,  sondern  auch  nach  den  Arten  verschieden  und  ändert 
nach  den  bisherigen  Erfahrungen  bei  den  Lenden-,  Kreuz-  und 
Schwanzwirbeln  bisweilen  selb.<;t  bei  einer  und  derselben  Art.  In  so- 
weit wir  die  Skelete  bis  jetzt  kennen,  scheint  die  Zahl  der  Wirbel 
zwischen  44  und  Gl  zu  schwanken,  doch  ist  diese  Zahl  keineswegs 
als  eine  feststehende  zu  betrachten,  da  uns  die  Skelete  der  kurz- 
schwänzigen  Arten  seither  völlig  unbekannt  geblieben  sind  und  bei 
deren  näherer  Kenntniß  sich  die  Zahl  der  Wirbel  um  ein  Bedeutendes 
vermindern  würde. 

Die  Wirbelzahl  vertheilt  sich  bei  den  nachstehenden  Arten 
welche  wir  bezüglich  ihrer  Wirbelsäule  ganz  oder  theilweise  kennen, 
folgendermaßen. 


128 


F  i  t  z  i  II  g  e  r. 


So  zeigen 


Rficfceii- 
wirbel 


Pachijurd  crasslcaiida       14 
„         miirina 14 


„         etrusca  .  . 
Crocidura  sacralis  . 
~        hirta 


annellata 
cancscens . 
aranea  .  . . 


13 
14 
14 
14 
13 
13 

„      ....      14 
„        leucodon ...      13 

Sorcx  alpiiius 14 

„     vulgär  in 14 

«        14 

„     pngmaeus 14 

Soriculuti  tu'grescnis  .       ? 


Lenileii- 
wirbel 


8 

6 

6 
5-6 
5—6 

6 

6 

6 

6 

6 

6 

6 

6 


Cronsopus  fodiens 


13 
13 
13 
13 
13 


6 


wirl.ol 
9 
3 

3 
4 
4 
4 
4 
3 
4 
4 
4 
3 
4 
3 


Schwaii?.- 
wirbel 


Gesamiulz. 
mit  EinsrhI. 
d.  7  Halsw.  Nach 


18 

17 
16 
17 
18—19 
18 
18 
17 
15 

9 

20 
17? 
16 
14 

1  O  ohne  die 
äusserste  Spitze   9 


9 

49 
45 

48 
48—50 
48—49 

48 

46 

46 


47? 

47 
44 


19 
17 

18 

27 
30 


48 
48 
48 
58 
6t 


Ell  IC  II I). 
Fall. 
Wag;ii. 
Pclers. 


naiiboiit. 
Goiiiiiiiii^. 


Wagii. 

Gciiiiiiiiig. 

Wagn. 

Bl;<b. 

Daubciit. 

Ciiv. 

Geiuiiiiiig. 

Wagn. 


Myogalc  moschata   ...      1 3  6  5 

„       pijrenaica  ...      13  6  5 

Zu  den  besonderen  Eigenthümlichkeiten  dieser  Familie  gehört 
die  Ausscheidung  einer  scharf  und  sehr  stark  nach  Moschus  riechen- 
den Flüssigkeit,  welche  wahrscheinlich  allen  Gliedern  derselben  zu- 
kommt. Diese  Flüssigkeit  wird  in  besonderen  Drüsen  abgesondert, 
welche  sich  entweder  an  den  Leibesseiten  und  zwar  meist  näher  den 
Vorder-  als  den  Hinterfüßen,  bisweilen  aber  auch  hinter  ihrer  Mitte 
befinden  und  sich  äußerlich  durch  einen  meißelartigen,  mit  zwei 
Reihen  kurzer  Haare  besetzten  Wulst  oder  eine  spaltartige  Vertie- 
fung zu  erkennen  geben,  oder  unterhalb  des  Schwanzes  in  geringer 
Entfernung  von  seiner  Wurzel  liegen,  je  nach  den  verschiedenen 
Gattungen  und  Arten  mit  zwei  oder  mehreren  Ausführungsgängen 
versehen  und  bei  erwachsenen  Männchen ,  insbesondere  aber  zur 
Zeit  der  Paarung  am  vollständigsten  entwickelt  sind.  Bei  Weibchen 
sind  dieselben  oft  nur  sehr  schwer  aufzufinden  und  bei  jungen 
Thieren  sind  sie  durcliaus  nicht  sichtbar. 

Sämmtiiche  dieser  Familie  angehörige  Arten  führen  ein  unter- 
irdisches Leben,  indem  sie  sich  entweder  selbst  Löcher  oder  Gänge 
im  Nveiclien  Boden   der  Erde  wühlen   oder  im   harten  Boden  die  ver- 


Kritische  Unfersucbungen  über  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  129 

lassenen  Löcher  von  Mäusen  und  Maulwürfen  zu  ihrem  Aufenthalte 
benützen.  Manche  suchen  auch  in  Häusern,  Heuschobern  oder  Dün- 
gerhaufen,  unter  Baumwurzehi,  Steinhiücken  und  Moos,  oder  in 
Felsenhöhlen  Schutz.  Einige  gehen  auch  gerne  in's  Wasser  und 
manche  iialten  sich  fast  beständig  in  demselben  auf  und  können 
nicht  blos  vortrefflich  schwimmen,  sondern  auch  tauchen. 

Die  meisten  sind  nächtliche  oder  halhnächtliche  Thiere  und  nur 
sehr  wenige  scheinen  vollkommene  Tagthiere  zu  sein.  Die  in  den 
nördlicheren  Gegenden  wohnenden  Arten  bringen  den  Winter  in 
ihren  Löchern  und  Höhlen,  einige  aber  auch  in  Häusern,  Scheunen 
oder  Ställen  zu,  ohne  jedoch  einen  Winterschlaf  zu  halten,  obgleich 
sie  zu  dieser  Zeit  nur  wenig  oder  gar  keine  Nahrung  zu  sich  nehmen 
und  manche  Arten  verlassen  sogar  mitten  im  Winter  beim  Eintritte 
milder  Witterung  ihre  Verstecke  und  gehen  nicht  selten  selbst  auf 
dem  verschneiten  Boden  umher. 

Alle  nehmen  nur  thierische  Nahrung  zu  sich  und  verschmähen 
jede  vegetabilische  Kost.  Vorzüglich  sind  es  Insecten  und  deren 
Larven  oder  auch  Würmer,  welche  ihre  Hauptnahrung  bilden,  doch 
nähren  sich  viele  nebstbei  auch  von  kleinen  Säugethieren  und  Vögeln, 
und  einige  selbst  von  kleinen  Fischen ,  Fischeiern,  Egeln,  Krebsen 
und  Schnecken.  Sie  sind  durchgehends  sehr  gefräßig,  fressen  täglich 
so  viel  als  ihr  eigenes  Gewicht  betragt  und  können  den  Hunger  nur 
sehr  kurze  Zeit  ertragen;  ja  viele  verzehren  sogar  ihre  eigenen 
Jungen. 

Ihre  Stimme  besteht  theils  in  scharfen,  feinen  zwitschernden 
Tönen,  theils  in  quickenden  und  pfeifenden  Lauten,  die  je  nach 
den  verschiedenen  Gattungen  und  Arten  auch  verschieden  sind. 

Unter  ihren  Sinnen  sind  der  Geruch  und  das  Gehör  am  meisten 
ausgebildet,  das  Gesicht  dagegen  nur  sehr  schwach. 

Ihre  Bewegungen  sind  rasch  und  behende,  und  zwar  sowohl 
beim  Gehen  als  beim  Ijaufen.  Alle  sind  aber  scheu  und  flüchtig,  und 
suchen  sich  schon  bei  dem  geringsten  Geräusche  in  ihre  Schlupf- 
winkel zu  verbergen. 

Ihre  Lebensweise  ist  durchaus  ungesellig  und  immer  wohnen 
sie  nur  einzeln  oder  halten  sich  höchstens  paarweise  zusammen. 

Die  Zahl  ihrer  Jungen  schwankt  zwischen  4  und  10,  die  wohl 
bei  allen  Arten  kahl  und  mit  geschlossenen  Augen  und  Ohren  zur 
W^elt  kommen. 

Sitzl).  d.  mathem.-naturw.  Gl.  LVII.  Bd.  I.  Abth.  9 


130  Filzinge  r. 

Sämmtliche  Arten  sind  friedliche,  harmlose  inul  völlig  unschäd- 
liche Thiere,  welche  die  Gefangenschaft  nur  sehr  kurze  Zeit  ertra- 
gen und  sich  in  derselben  eben  so  unverträglich  zeigen,  als  im  Zu- 
stande der  Freiheit.  Nur  die  größeren  suchen  sich,  wenn  sie  ange- 
griffen werden,  durch  Beißen  zu  vertheidigen. 

Familie  der  Spitzmäuse  (SORICESJ. 

Charakter.  Die  Backenzähne  sind  spitzzackig.  Der  Leib  ist 
nur  mit  weichen  Haaren  oder  bisweilen  auch  mit  eingemengten  län- 
geren Borstenhaaren  bedeckt.  Die  Hinterbeine  sind  deutlich  länger 
als  die  Vorderbeine.  Die  Krallen  der  Vorderfiiße  sind  keine  Scharr- 
krallen. 

1.  Gatt.  RattenseliwanzriUsler  fMwytnnufay, 

Der  Leib  ist  mit  weichen  Haaren  und  eingemengten  längeren 
Borstenhaaren  bedeckt.  Vorder-  und  Hinterfiisse  sind  fünfzehig. 
Die  Zehen  sind  frei.  Die  Schnauze  ist  stark  verlängert  und  endiget 
in  eine  über  die  Unterlippe  ziemlich  weit  hervorragende  spitze  Nase. 
Die  Ohren  sind  ziemlich  groß,  kurz,  nur  wenig  aus  den  Haaren  her- 
vorragend und  nicht  durch  einen  besonderen  Lappen  verschließbar. 
Der  Schwanz  ist  lang,  gerundet,  geringelt  und  geschuppt,  beinahe 
völlig  kahl  und  an  der  Würze!  nicht  dicker  als  im  weiteren  Verlaufe. 
Sohlen  und  Zehen  sind  nicht  gewimpert.  Eckzähne  befinden  sich  in 
jedem  Kiefer  zwei.  Die  Sehneiden  der  unteren  Vorderzähne  sind 
nicht  gezähnelt  und  an  ihrer  Hinterseite  mit  keinem  Ansätze  ver- 
schen. Sämmtliche  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß.  Im  Ober- 
kiefer sind  jederseits  vier  Liikenzähne  vorhanden.  Die  Krallen  sind 
zurückziehbar ,  jene  der  Vorderfüsse  nicht  größer  als  die  der 
Hinterfüße.  Die  Augen  sind  klein. 

n  4    j 

Zahnformel:    Vorderzähne   — ,    Eckähne ,  Lücken- 

6  1-1 

^  ^  ^    Q 

zahne ,  Backenzähne  =  44. 

4—4  3—3 

1.  Der  welssköpfige  Knitcnsehwauzrussler  (Gymnura  Rnf'flesii). 

G.  nigra,    capite  colloque  albis,   setia  in  vertice  nigris,    in 

durso  albis  intern/ i,vfis:  canda  "/^  corporis  longitudine,  in  dimidio 

apicali  alba. 


Kritische  Untersuchungen  über  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  131 

Viverra?   gymnuru.    Ral'fles.    Linnean  Transact.    V.   XIII.   P,  I. 

p.  272. 
Gymura   Rafflesii.     Horsf.    Vig.    Zool.    Jouni.    V.    III.    (1827.) 

p.  246.  t.  8. 
„  „  Lesson.  Mammal.  p.  171.  Nr.  4ö4. 

„  „  Fisch.  Syiiops.  Mammal.  p.  152.  Nr.  1. 

„  „  Wagler.  Syst.  d.  Amphib.  t.  15. 

J.  Müller.  Verhandel.  V.  I.  p.  26. 
„  „  Wagn.    Sehreber    Säiigth.    Suppl.    B.    II. 

S.  46.  Nr.  1. 
„  „  Gray.  Mammal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  81. 

Reiche  nb.     Natm-g.     Raubth.      S.    327. 
flg.  459. 
„  „  Cantor.  Journ.   of  the  Asiat.  Soc.  V.  XV. 

p.   190. 
„  „  Blainv.  Osteograph.  Insectiv.  p.  59.  t.  6. 

(Schädel,  Gebiß). 
„  „      Var.  a..  Wagn.  Schreber  Säugeth.  Suppl.  B.  V. 

S.  534.  Nr.  1.  a. 
Gyynnura  Rafflesi.  Giebel.  Säugeth.  S.  916. 

Die  größte  Form  in  der  ganzen  Familie,  indem  sie  nicht  viel 
kleiner  als  der  Steinmarder  (Maries  Foina)  ist.  Die  Körperform  im 
Allgemeinen  erinnert  theils  durch  den  untersetzten  Bau,  theils  durch 
den  langen,  geringelten  und  geschuppten  kahlen  Schwanz  an  die 
Gestalt  einer  Ratte  (RattnsJ.      « 

Der  Kopf  ist  langgestreckt,  die  Schnauze  stark  verlängert, 
nach  vorne  zu  verdünnt  und  stumpfspitzig.  Die  Nasenlöcher  liegen  seit- 
lich an  der  äußersten  Spitze  der  Schnauze  und  sind  mit  etwas  vor- 
springenden Rändern  versehen.  Die  Ohren  sind  ziemlich  groß,  rundlich, 
nur  wenig  aus  dem  Pelze  hervorragend  und  kahl.  Der  Schwanz, 
welcher  2/3  der  Körperlänge  einnimmt,  ist  gerundet,  von  mäßiger 
Dicke,  an  der  Wurzi'l  nicht  dicker  als  im  weiteren  Verlaufe,  beinahe 
völlig  kahl  und  nur  bei  jungen Thieren  spärlich  mit  kurzen  anliegenden 
Haaren  besetzt.  Die  Beine  sind  verhältnißmäßig  etwas  kurz.  An  den 
Vorderfüssen  sind  die  Innen-  und  Außenzehe  kurz,  die  drei  mittleren 
Zehen  lang  und  fast  von  gleicher  Länge.  Die  Zehen  der  Hinterfüsse 
sind  merklich  länger  und  bieten  rücksichtlich  ihrer  Länge  ein  ähn- 
liches Verhältniß   dar.    Die  Krallen  sind    nicht   sehr   stark,  schmal. 


132  Fitzinger. 

sichelförmig  gekrümmt,  sehr  spitz  und  zurückziehhar;  jene  der  Vor- 
derluße  sind  nielit  grüßer  als  die  der  Hinterfüsse.  Die  Körper- 
behaarung ist  weich  und  wollig  und  auf  der  Oberseite  des  Körpers 
mit  einigen  längeren  rauheren  Haaren  und  steiferen  Borstenhaaren 
untermengt.  Die  Zehen  sind  auf  der  Oberseite  mit  kurzen  dünn- 
stehenden  Haaren  besetzt.  Die  Schnurren  sind  lang.  Im  Oberkiefer 
sind  jederseits  vier  Lüekenziihne  vorhanden  und  sämmtliche  Zähne 
sind  durchaus  einfarbig  weiß.  Die  Zunge  ist  groß,  weich  und  ziem- 
lich glatt. 

Die  Färbung  des  Rumpfes  und  der  Beine  ist  schwarz,  auf  dem 
Rücken  mit  einzelnen  weißen  Borstenhaaren  untermengt.  Kopf  und 
Hals  sind  bis  zu  den  Schultern  weiß,  und  nur  auf  dem  Scheitel  zwi- 
schen den  Ohren  und  am  Hinterkopfe  sind  einige  schwarze  Haare  ein- 
gemengt. Über  die  Augen  zieht  sich  ein  schwarzer  Längsstreifen  gegen 
die  Schnauze  und  die  Schnurren  sind  theils  weiß,  theils  schwarz. 
Der  Schwanz  ist  in  seiner  Wurzel hälfte  schwarz ,  in  der  End- 
hälfte weiß. 

Körperlänge 1'     2"     3'"    Nach  Raffles. 

Länge  des  Schwanzes  ....  10''     6'" 

„      des  Kopfes 4"     3'" 

„      des  Rüssels 8"' 

Breite  des  Kopfes  zwischen  den 

Ohren      1"     6'" 

Abstand  der  Augen     ....  1" 

Schulterhöhe •  5" 

Rumpfhöhe 4"     6'" 

Länge  des  Vorderlußes    ...  i"      9'" 

„     des  Hinterfußes     ...  2" 

Vaterland:  Halbinsel  Malakka,  die  Inseln  Singapore,  Sumatra 
und  mehrere  andere  Sunda-Inseln.  Raffles  entdeckte  diese  Art  in 
Sumatra  und  gab  die  erste  Beschreibung  von  derselben.  Farqu- 
har  erliielt  sie  aus  den  Wäldern  von  Malakka,  das  britische  Museum 
von  Singapore  und  S.  Müller  traf  sie  noch  auf  einigen  andern 
zum  Sanda-Arehipel  gehörigen  Inseln. 

Nach  der  Angabe  von  Farcjubar  soll  sie  einen  starken 
Moschusgeruch  verbreiten,  doch  hat  man  bis  jetzt  noch  nicht  ermit- 
telt, wo  der  Silz  der  Absonderungsdrüsen  sei. 


Kritische  üntersucliuiigen  über  die  Spitzmäuse  fSorkcf!)  etc.  133 

2.   Der  gelblichweisse  Ratteuschwanzrüssler  (Gymnnra  borneotica). 

G.  ex  flavescente  -  alba ,  iiotaeo  sestis  nigris  int  ermixt  o ; 
cauda  2/3  corporis  longitudine. 

Gymmira  Bafflesii.    Waterh.    Ann.  of  Nat.  Hist.   scc.  Ser.  V.  XL 
p.  529. 
„  „  Var.  ß.  Wagn.   Schreber  Säugtli.  Suppl.  B.  V. 

S.  534.  Nr.  1.  ß. 

Diese  Art,  welche  wir  nur  nach  einer  von  Waterhouse 
gegebenen  Beschreibung  kennen,  kommt  mit  dem  weiüköpfigen 
Rattenschwanzrüssler  (^G.  Ra/flesüJ  in  der  Größe  und  Gestalt 
sowohl,  als  auch  in  der  Bildung  und  in  den  Verhältnissen  der  ein- 
zelnen Körpertheile  vollständig  überein  und  unterscheidet  sich  von 
derselben  lediglich  durch  die  verschiedene  Färbung  des  Körpers. 

Die  Färbung  ist  auf  der  Ober-  sowohl  als  Unterseite  des  Kör- 
pers einfarbig  gelblichweiß  und  nur  auf  der  Oberseite  sind  einzelne 
schwarze  Borstenhaare  eingemengt. 

Vaterland.  Borneo.  Zuerst  von  Waterhouse  beschrieben 
und  von  demselben  nur  für  eine  Farbenabänderung  des  weißschwänzi- 
gen  Rattenschwanzrüsslers  (^G.  RafflesiiJ  betrachtet. 

Meiner  Ansicht  zufolge  bildet  dieselbe  aber  eine  selbstständige 
Art,  da  die  Abweichung  in  der  Färbung  zu  bedeutend  ist,  um  sie 
mit  der  genannten  Art  zu  identificiren  und  uns  auch  aus  manchen 
anderen  Säugethier-Familien  bekannt  ist,  daß  Borneo  zwar  mit  den 
auf  dem  indischen  Festlande  und  einigen  Sunda-Inseln  vorkommen- 
den Arten  manche  sehr  nahe  verwandte,  aber  eben  durch  die  Färbung 
deutlich  voneinander  geschiedene  Formen  gemein  hat,  welche  man 
für  selbstständige  Arten  anzunehmen  berechtiget  ist. 

2.  Gatt.  $icli\vai*zzaliiispitzinaii.«i  fParttdoooodotiJ. 

Der  Leib  ist  nur  mit  weichen  Haaren  bedeckt.  Vorder-  und 
Hinterfüsse  sind  fünfzehig.  Die  Zehen  sind  frei.  Die  Schnauze  ist 
stark  verlängert  und  endiget  in  eine  über  die  Unterlippe  ziemlieh 
weit  hervorragende  spitze,  rüsselförmige  Nase.  Die  Ohren  sind 
groß,  kurz,  freiliegend  und  durch  einen  an  ihrem  Grunde  befindlichen 
Lappen  verschließbar.  Der  Schwanz  ist  mittellang,  gerundet, 
geringelt  und  geschuppt,  beinahe  völlig  kahl,  nur  mit  einzelnen  lan- 


1  »>4  P"  i  t  7,  i  a  g  e  r. 

gen,  abstehenden  nnil  nach  rückwärts  gei'icliteteu  Winiperliaareii 
besetzt,  und  an  der  Wni'zel  dick,  allinällg  sich  verdünnend.  Sohlen 
und  Zehen  sind  nicht  gewimpert.  Eckzähne  fehlen.  Die  Sciineiden  der 
unteren  V'orderzähne  sind  nicht  gezähnelt  und  an  ihrer  Hinterseite  mit 
keinem  Ansätze  versehen.  Sämmtliehe  Zähne  sind  braunschwarz  und 
endigen  in  weiße  Spitzen  und  Scluieiden.  Im  Oberkiefer  sind  jeder- 
seits  vier  Liickenzähne  vorlianden.  Die  Krallen  sind  nicht  zurück- 
ziehhar,  jene  der  Vorderf'üssc  nicht  größer  als  die  der  Hinteri'üsse. 
Die  Augen  sind  sehr  klein. 

Zahnformel:    V'(»rderzähne  ,    Eckzähne  ,  Lücken- 

2  0-0 

zahne  ,  Hackenzähne ,  =  30. 

2—2  3  —  3 

1.  Die  bengalische  Schwarjizahnspilzmaus^Ao'af/o.torfow  melanodon). 

P.  uuicolor f'uscus,  gastreaeo  vix  pallidiore ;  pedibus  caudaque 
ex  nigrescente-flnvidh,  inf'rn  obscurioribns ;  cauda  dimidio  cor- 
pore longlore. 

Sorex  melanodon.  Blyth.  Journ.  of  tlie  Asiat.  Soc.  of  Bengal.  1855. 
Fase.  1, 
Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  805. 
Nr.   15. 
PnradoxodoN  melanodon.   Wagn.   Schreber  Säugth.    Suppl.  B.  V. 

S.  805.  Nr.    15. 

Eine  höchst  ausgezeichnete  Form,  welche  den  Typus  einer 
besonderen  Gattung  bildet  und  mit  keiner  anderen  verwechselt  wer- 
deli  kann.  Sie  gehört  zu  den  kleinsten  Arten  in  der  ganzen  Familie 
und  ist  fast  von  derselben  Größe  wie  die  Zwerg-Spitzmaus  (Sorex 
pygmaeus). 

Die  Ohren  sind  groß,  freiliegend  und  kahl.  Der  Schwanz,  des- 
sen Länge  mehr  als  die  halbe  Körperlänge  einnimmt,  ist  gernndet, 
an  der  Wurzel  dick,  allmälig  sich  verdünnend,  fast  völlig  kahl  und 
nur  mit  einzelnen  langen,  abstehenden  und  nach  rückwärts  gericliteten 
Wimperhaaren  besetzt.  Die  Füsse  sind  beinahe  kahl.  Im  Oberkiefer 
sind  jederseits  vier  Lückenzähne  vorhanden  und  sämmtliehe  Zähne 
sind  pech-  oder  braunschwarz  und  endigen  in  weiße  Spitzen  und 
Schneiden. 


Kritische  Untersiitliuiigen  üher  die  Spitziiiäusc  (Soi-ites)  etc.  135 

Die  Färbung  des  Körpers  ist  einfarbig  braun,  ohne  Spur  eines 
röthlichen  Anfluges  und  auf  der  Unterseite  kaum  heller  als  auf  der 
Oberseite.  Der  Schwanz  und  die  Füsse  sind  scbwärzlichgelb,  nach 
unten  zu  dunkler.  Schnauze  und  Ohren  sind  von  derselben  Farbe, 
die  Krallen  sind  weiß. 

Körperlänge 1"   10  »/g"' 

Länge  des  Schwanzes 1"        s/^"' 

„       des  Hinterfußes  sanimt  den  Krallen      -  ^^/k" 

Vaterland.  Ostindien,  Bengalen,  wo  Blyth  diese  Art,  die  er 

in  einem   Hause   zu   Caloutta    traf,  entdeckte   und   welche   er    auch 

zuerst  beschrieb. 

3.  Gatt.  Diekscliwaiizspitziiiaii8  {^Pachynvuy» 

Der  Fjeib  ist  nur  mit  weichen  Haaren  bedeckt.  Vorder-  und 
Hinterfüsse  sind  fünfzehig.  Die  Zehen  sind  frei.  Die  Schnauze  ist 
stark  verlängert  und  endiget  in  eine  über  die  Unterlippe  ziemlich 
weit  hervorragende  spitze,  rüsselförmige  Nase.  Die  Ohren  sind 
groß,  kurz,  freiliegend  und  durch  einen  an  ihrem  Grunde  befind- 
lichen Lappen  verschließbar.  Der  Schwanz  ist  lang  oder  mittellang, 
vierkantig  oder  gerundet,  geringelt  und  geschuppt,  mehr  oder 
weniger  dicht  oder  spärlich  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  und 
einzelnen  eingemengten  hingen,  abstehenden  und  nach  rückwärts 
gerichteten  W^imperhaaren  besetzt,  und  an  der  Wurzel  dick  oder 
ziemlich  dick,  allmälig  sich  verdünnend.  Sohlen  und  Zehen  sind 
nicht  gewimpert.  Eckzähne  fehlen.  Die  Schneiden  der  unteren 
Vorderzähne  sind  nicht  gezähnelt  und  an  ihrer  Hinterseite  mit  keinem 
Ansätze  versehen.  Sämmtliche  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß. 
Im  Oberkiefer  sind  jederseits  vier  Lückenzähne  vorhanden.  Die 
Krallen  sind  nicht  zurückziehbar,  jene  der  Vorderfüsse  nicht  größer 
als  die  der  Hinterfüsse,  Die  Augen  sind  sehr  klein.  Eine  besondere 
Absonderungsdrüse  befindet  sich  an  den  Leibesseiten,  näher  den 
Vorder-  als  den  Hinterbeinen,  oder  auch  unterhalb  des  Schwanzes, 
in  geringer  Entfernung  von  der  Wurzel. 

Zahnformel:    Vorderzähne  — ,  Eckzähne -^^— ,  Lücken- 

2  U--0 

4 4  4 4 

zahne ,  Backenzähne  =  30. 

2  —  2  3  —  3 


136  Fitzinge  r. 

1.  Die  rostrückige  Dickschwanzspitzniaus.  (Pachyiira  Dtivernoyi.) 

P.  notaeo  pallide  cinereo,  leviter  ferrugineo-lavato  ;  gastraeo 
dilnte  griseo;  cauda  dimidio  corpore  parum  longiore. 
Sorex  iudicus.  Rüppell.  Neue  Wirbelth.  S.  40. 

„     gigajiteus.  Duvern.  Mem,  de  laSoc.  d'liist.  nat.  d.  Strasbourg. 

V.  II.  Suppl.  3.  p.  3. 
„      indictis?  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  72. 
Crocidurn  indica?  Wagn.  Scbreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  72, 
Sore.v  giganteiis.   Duvern.    Guei-in  Magas.  d.  Zool.  1842.  p.  25. 
t.  45. 
„      crassicaudus.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  554. 
Nr.  21. 
Crocidura  crassicauda.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  554. 

Nr.  21. 
Pachyura  crassicauda.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.B.  V.  S.  554. 

Nr.  21. 
Sorex  Indiens.  Giebel.  Säugeth.  S.  905. 
Crocidura  indica.  Giebel.  Säugeth.  S.  905. 
Pachyura  gigantea.    Fitz.   Heugl.    Säugeth.  Nordost-Afr.  S.  29. 
Nr.  1.  (Sitzungsber.  d.  math.  naturw.  Cl.  d. 
kais.  Akad.  d.  Wiss.  B.  LIV.) 
Sehr  nahe  mit  der  Mumien-Dickschwanzspitzmaus  (P.  crassi- 
cauda) verwandt  und  auch  lebhaft  an  die  Riesen-Dickschwanzspitz- 
maus (P.  gigantea)  erinnernd ,  unterscheidet  sich  diese  Form  von 
der  erstgenannten  Art  durch  den  längeren  Rüssel,  die  größeren  Ohren, 
den  etwas  längeren,  gerundeten  und  an  der  Wurzel  merklich  dickeren, 
auch  bei  Weitem  nicht  so  dicht  behaarten  Schwanz  und  die  ver- 
schiedene Färbung.  Von  der  letzteren  trennen  sie  die  verhältnißmäßig 
etwas  kleineren  Ohren  und  die  abweichende  Färbung.   Mit  beiden 
stimmt  sie  aber  bezüglich  der  Körpergröße  so  ziemlich  überein. 

Der  Kopf  ist  gestreckt,  der  Rüssel  lang,  doch  nicht  besonders 
spitz.  Die  Ohren  sind  groß,  freiliegend  und  kahl.  Der  Schwanz,  dessen 
Länge  etwas  mehr  als  die  halbe  Körperlänge  einnimmt,  ist  an  der 
Wurzel  überaus  dick,  fast  von  derselben  Dicke  wie  der  Hinterleib, 
im  weiteren  Verlaufe  allmälig  sich  verdünnend ,  beinahe  kegelförmig, 
gerundet  und  an  der  Wurzel  dicht,  so  wie  der  Leib  behaart,  dann 
aber  nur  spärlich  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  und  einzelnen  ein- 


Kritische  Untersuchungen  über  die  Spitzmäuse  {SoricesJ  etc.  13T 

gemengten  langen,  abstehenden  und  nach  rückwärts  gerichteten 
Wimperhaaren  besetzt.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  vier  Lüeken- 
zähne  vorhanden  und  sämmtliche  Zähne  sind  durchaus  eiid'ärbig  weiß. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  licht  aschgrau ,  mit  schwachem 
rostbräunlichen  Anfluge,  die  Unterseite  hellgrau. 

Einzelne  Körpermaße  sind  nicht  angegeben. 

Vaterland.  Aegypten  und  der  westliche  Theil  von  Arabien, 
wo  diese  Art  den  Beobachtungen  RüppelTs  und  Heuglin's  zu 
Folge  in  allen  Häfen  des  rothen  Meeres  angetroffen  wird. 

Schimper  hat  dieselbe  in  Ober-Aegypten  gesammelt  und  Du- 
vernoy,  welcher  in  dem  von  Schimper  mitgebrachten  Exemplare 
Isid.  Geoffroy's  „Sorea^  giganfeus"  erkennen  zu  sollen  glaubte, 
die  erste  Beschreibung  und  Abbildung  von  ihr  geliefert.  Wagner 
suchte  die  Ansicht  Duvernoy's  aber  zu  widerlegen  und  betrachtete 
diese  Form  als  nicht  von  der  Mumien-Dickschwanzspitzmaus  (^P. 
crassicaudaj  für  verschieden.  Rüppell  warf  sie  mit  der  indischen 
(P.  indica),  kahlschwänzigen  (P.  muriita)  und  Mauritius -Dick- 
schwanzspitzmaus (7*.  cnpensisj  zusammen, 

2.  Die  Munüen-Dlckschwanzspitzmaus  (Pachyura  crassicaudaj. 

P.  imicolor  pallide  cinerea,  gastraeo  vix  dilutiore ;  pe- 
dibus  candaque  ex  cinero-albidis ;  caiida  vel  dimidii  corporis 
longitudine,  vel  paullo  breviore. 

Grande   musaraigne.  Oliv.  Voy.   en  Egypte.   t.    23.   fig.    1.  A-E. 
(Schädel.) 
„  „  Geoffr.  Catal,  rais  et  bist,  des  Antiq.  decouv. 

en  Egypte  par  Passalacqua.  1826. 
Sorecc  crassicaudus.  E  li  r  e  n  1). 

„  Lichten  st.     Verhandl.    d.    Gesellsch.    naturf. 

Fr.  z.  Berlin,  B.  I.  S.  381,  Nr,  1. 
Lichtenst,    Bullet,     des    Sc.     nat.    V,    XVIII. 
p,  279.  Nr,  1. 
„  Fisch.  Synops,  Mammal.  p.  663,  Nr.  16.  a. 

„  W' agier.  Syst,  d.  Amphib.  S.  14. 

„  Lichtenst.    Darstell,  neuer  Säugeth.  t.  40. 

figl. 
Snncus  sacer.  Ehre  n  b.  Symb.  phys.  Dee.  II. 


138  Fitzinger. 

Sorex  crassicaudns.  Duverii.  Mem.  de  la  Soc.  (riiist.  nat.  d.  Stras- 
bourg. V^  II.  Supp].  3.  p.  ö. 
Blainv.  Ann.  des  Sc.  nat.  2.  Sei-.  V.  X.  p.  20. 
Wagn.   Schrebei-  Säiigth.  Suppl.   B.  II.  S.  74. 
Nr.  17. 
Crocidura  crassicauda.    Wagn.    Schi-eber    Säugth.   Suppl.    B.  II. 

S.  74.  Nr.  17. 
Sorex    crassicaudus.    Duvern.     Guerin    Magas.     d.    Zool.    1842, 
p.  23.  t.  44. 
„  „  S  u  n  d  e  V.     Vetensk.     Akad.     Handl.     1842. 

p.   176,  178. 
„       murinus.   Gray.   Mammal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  78. 
„      crassicaudatus.  Temin.  Fauna  japon.  V.  I.  p.  26. 
„      crassicaudus.     B  e  i  c  b  e  n  b.      Naturg.    Raubtb.     S.     342. 
fig.  505. 
Crocidura   crassicauda.    R  e  i  c  b  e  n  b.    Naturg.    Raubtb.    S.   342. 

fig.  505. 
Sorex  crassicaudus.     Wag  n.     Scbreber    Säugtb.     Suppl.    B.    V. 

S.  554.  Nr.  21. 
Crocidura   crassicauda.    Wagn.    Scbreber   Säugtb.    Suppl.    B.  V. 

S.  554.  Nr.  21. 
Pachyura  crassicauda.    Wagn.    Sclireber    Säugtb.    Suppl.  B.   V. 

S.  554.  Nr.  21. 
Sorex  crassicaudus.  Giebel.  Säugeth.  S.  904, 
Crocidura  crassicauda.  Giebel.  Säugeth.   S.  904. 

„  crassicaudata.    Heugl.    Fanna    d.    rotb.    Meer.    u.    d. 

Somali-Küste.  S.  14. 
Pachyura  crassicauda.  Fitz.  Heugl.  Säugetb.  Nordost-Afr.  S.  30. 
Nr.  3.  (Sitzungsber.  d.  matb.  naturw.  Cl. 
d.  kais.  Akad.  d.  Wiss.  B.  LIV). 
Diese  der  rostrückigen  Dicksclnvanzspitzmaus  (P.Duvernoyi) 
sebr  nahe  stehende  Art,  deren  Verwandtschaft  auch  mit  der  Riesen- 
Dicksclnvanzspitzmaus  (C.  gigantea)  nicht  zu  verkennen  ist,  unter- 
scheidet sich  von  beiden  Formen  durch   den   kürzeren  Rüssel,  die 
kleineren  Ohren,  den  etwas  kürzeren  und  an  der  W^urzel  verhältniß- 
mäßig  minder  dicken,  vierkantigen  und  auch  weit  dichter  behaarten 
Schwanz,  so  wie  durch  die   verschiedene  Färbung.    Bezüglich  der 
Größe  kommt  sie  mit  der  erstgenannten  Form  überein. 


I 


Kritische  Untersuchiiiij;eii  ülier  Mit»  Spitzinüuse  fSoricea)  etc.  I»i0 

Der  Kopf  ist  langgestreckt  und  ziemlich  flach,  der  Riißel  mäßig 
lang  und  nicht  sehr  spitz.  Die  Ohren  sind  groß  und  freiliegend.  Der 
Schwanz,  dessen  Länge  die  haihe  Körperlänge  oder  wenigstens  nahezu 
dieselhe  erreicht,  ist  fast  vierkantig,  an  der  Wurzel  ziemlich  dick, 
8  Linien  im  Umfange  haltend,  allmälig  im  weiteren  Verlaufe  sich 
verdünnend,  heinahe  kegelförmig,  und  ziemlich  dicht  mit  kurzen  an- 
liegenden Haaren  und  einzelnen  eingemengten  langen  ,  ahstehenden 
und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren  besetzt.  Die  Körper- 
hehaarung  ist  kurz,  dicht  und  etwas  filzig.  Im  Oberkiefer  sind  jeder- 
seits  vier  Lückenzähne  vorhanden  und  sämmtliche  Zähne  sind  durch- 
aus einfarbig  weiß. 

Die  Färbung  des  Körpers  ist  einfarbig  trüb  silbergrau ,  auf  der 
Unterseite  kaum  etwas  heller.  Der  Schwanz ,  die  Füsse  und  die 
Schnurren  sind  mehr  graulichweiß  gefärbt.  Die  kahle  Haut  der 
Rüßelspitze ,  der  Ohren  und  des  Schwanzes  ist  bräuidich-fleisch- 
farben,  an  trockenen  Bälgen  dunkelbraun. 

Körperlänge       ö"   6"  Nach  Lichten  stein. 

Länge  des  Schwanzes 2"   9'" 

„       des  Kopfes  bis  zu  den  Ohren  1"   3'" 

„       desRüßels 4"' 

„       der  Ohren 3'" 

Breite  der  Ohren 4" 

Abstand  der  Ohren 7" 

Länge    des     Unterarms    bis    zur 

Krallenspitze 1" 

„        der     Fußwurzel     bis    zur 

Krallenspitze Si/a'" 

Körperlänge 5"    4'"  Nach  Wagner. 

Länge  des  Schwanzes 2"   ö'". 

Vaterland.  Ägypten  und  die  Westküste  von  Arabien,  wo  diese 
Art  in  allen  Hafenplätzen  des  rothen  Meeres  vorkommt.  In  der  Um- 
gegend von  Suez  ist  sie  sehr  gemein  und  nach  Heugliu  eben  so 
häufig  auch  auf  der  Insel  Dahlak.  Seiner  Vermuthung  zu  Folge  soll 
sie  durch  Schiffe  in  die  Hafenplätze  jener  Gegenden  verschleppt 
worden  sein. 

Dieselbe  Art  wird  auch  im  einbalsamirten  Zustande  in  den  alt- 
ägyptischen Gräbern  zu  Theben  und  in  den  Vogelgräbern  Aquisir  bei 
Memphis  in  Ober-Ägypten  angetroffen. 


140  Fitzinger. 

0 1  i  Y  i  e  r  und  E  t  i  e  n  n  e  G  e  o  f  f  r  o  y  haben  uns  zuerst  mit  dieser 
Form  nach  einbalsaniirten  Individuen  hekannt  gemacht,  die  späterhin 
von  Ehrenberg  lebend  in  Ägypten  angetrolTen  und  von  Lichten- 
stein beschrieben  wurde. 

Ehrenberg  gibt  nur  drei  Lückenzähne  im  Oberkiefer  an  und 
Duvernoy  und  Temminck  sind  demselben  in  dieser  Angabe 
gefolgt.  Doch  hat  sich  Wagner  an  dem  von  Lichtenstein  be- 
schriebenen Ehrenberg'schen  Original-Exemplare  im  Museum  zu 
Berlin  die  Überzeugung  verschafft ,  daß  diese  Angabe  auf  einem  Irr- 
tliume  beruhe,  und  nicht  drei,  sondern  vier  Lückenzähne  im  Ober- 
kiefer vorhanden  sind,  wornach  diese  Art  auch  nicht  der  Gattung 
Wimperschwanzspitzmaus  (Crocidnra)  angehört,  sondern  zur  Gat- 
tung Dickschwanzspitzmaus  (Pachyura)  gerechnet  werden  muü. 

3.  Die  stablgraue  Diekschwanzspitzmaus  (Pachyura  cinereo-aenea). 

P.  notaeo  obscure  cinereo,  in  ruf'o-fuscum  vergente,  nitore 
metallico;  gastraeo  cinereo;  cauda  dimidii  corporis  longihidine, 
cum  pedibus  colore  ?iotaei. 

Sorex  indicus.   Var.  cinereo-aenea.  Rüppell.  Mus.  Senckenberg. 

B.  III.  S.  133. 
„      sericeus.Süi\(\ey.  Vetensk.  Akad.  Handl.  1842.  p.  171,  177. 
„      Hedenborgi.  Wagn.  Schreher  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  550. 
Nr.  26. 
Crocidura Hedenborgi.  W ngn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.556. 

Nr.  26. 
Sorex  indicus.  Giebel.  Säugeth.  S.  905. 
Crocidtira  indica.  Giebel.  Säugeth.  S.  905. 

Pachyura  cinereo-aenea.  Fitz.  Heugl.  Säugeth.  Nordost-Afr.  S.  30. 
Nr.  2.  (Sitzungsber.  d.  math.   naturw.  Cl. 
d.  kais.  Akad.  d.  Wiss.  B.  LIV.) 
Diese   Form,    welche   der   rostrückigen    Diekschwanzspitzmaus 
(P.  DuvcrnoyiJ  sehr  nahe  steht  und  in  der  Körpergestalt  im  Allge- 
meinen sich  zunächst  derselben  anschlieül ,    unterscheidet  sich  von 
ihr  außer  der  geringeren  Größe,  durch  den  etwas  kürzeren  Schwanz 
und  die  ihr  eigenthümliche,  metallisch  glänzende  Färbung. 

Der  Schwanz,  wcIcIkm'  die  halbe  Körperlänge  einnimmt,  ist  an 
der  Wurzel  sehr  dick,  allmälig  sich  verdünnend,  beinahe  kegelförmig, 
gerundet,    und  nichtsehr  dicht  mit  kurzen  anliegenden  Maaren  und 


Kritische  Untersuchung^en  über  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  141 

einzelnen  eingemengten  langen,    abstehenden   und   nach  rückwärts 
gerichteten  Wimperhaaren  besetzt. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  dunkelgrau,  in  Rothhraun  über- 
gehend und  von  einem  Metaliglanze  überflogen;  die  Unterseite  des- 
selben ist  aschgrau.  Die  Füsse  und  der  Schwanz  sind  von  der  Farbe 
der  Oberseite  des  Kürpers.  Die  Krallen  sind  bräuniich-hornfarben, 
die  Schnurren  von  der  Wurzel  angefangen  schwarz ,  gegen  die  End- 
spitze zu  weißlich. 

Kürperlänge 4"  8'" 

Länge  des  Schwanzes     .         2"  4'" 

Vaterland.  Schoa.  Von  Rüppell  von  dorther  erhalten  und 
auch  zuerst  beschrieben. 

S  u  n  d  e  V  al  1  betrachtet  diese  Form  für  identisch  mit  der  Seiden- 
Wimperschwaiizspitzmaus  (C.  sericea),  während  sie  Wagner  zur 
kafTebraunen  Wimperschwanzspitzmaus  (C.  Hedenhorgi)  zieht.  Beide 
Ansichten  sind  aber  offenbar  irrig,  wie  aus  einer  Vergleichung  der 
Beschreibung  derselben  klar  und  deutlich  hervorgeht.  Obgleich  die 
Zahl  der  Lückenzähne  im  Oberkiefer  von  Rüppell  nicht  angegeben 
wurde,  so  glaube  ich  doch  keinen  Fehlgriff  zu  begehen,  wenn  ich 
die  fragliche  Form  der  Gattung  „Pachyura^  einreihe,  da  die  son- 
stigen körperlichen  Merkmale  zu  Gunsten  dieser  Annahme  sprechen. 

4.  Die  bruungraue  Dicksckwanzspitziiiaus  (Pachyura  Temminckü). 

P.  nolaeo  ohscure  fusco-griseu ,  in  juiiioribus  lei'iter  riif'es- 
ceute-fusco  lavuto,  gasfraeo  obscure  cinerea;  cauda  (limidii  cor- 
poris longitudine. 

Sorex  myosnrus.  Temni.  Van  d.  HoevenTijdsch.  V.V.  (1839).  p.  286. 
Wagn.    Schreber  Säugth.    Snppl.   B.    II.    S.    74. 
Note  11. 
Crocidura  niyosura.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Siippl.  B.   II.  S.  74. 

Note  11. 
Sorex  indicus.  Temm.  Fauna  japon.  V.  I.  p.  2ö. 

„      serpentarius.  Reichen  b.  Naturg.  Raubtii.  S.  340. 
Crocidura  serjjentaria.  Reichenb.  Naturg.  Raubtb.  S.  340. 
Sorex  myosuros.   Wagn.   Schreber   Säugth.   Snppl.  B.  V.  S.  öö2. 

Nr.  19. 


142  Fitiinger. 

Crocidura    myosurn.     Wagii.    Schieber    Säugth.    Suppl.    B.    Y. 

S.  552.  Nr.  19. 
Pachyiira  myosura.     Wagn.     Schreber    Säugth.    Suppl.     B.     V. 

S.  552.  Nr.  19. 
Wir  kennen  diese  Form  nur  aus  der  von  Temmi  nek  gegebenen 
Beschreibung,  aus  welcher  zu  ersehen  ist,  daß  dieselbe  mit  de  "  indi- 
schen Dickschwanzspitzmaus  (P.  inilica)  sowohl,  als  auch  mit  der  kahl- 
schwänzigen  (P.  nmrina)  verwandt,  aber  dennoch  sicher  von  beiden 
verschieden  ist.  Schon  das  Vorkommen  allein  rechtfertiget  diese 
Ansicht,  da  doch  nicht  wohl  anzunehmen  ist,  daß  Arten,  von  denen 
die  eine  dem  südlichsten  Theile  von  Ost-Indien ,  die  andere  der 
Äquatorial-  und  Tropenzone  Asien's  angehört,  sich  bis  über  den 
30.  Grad  Nordbreite  erstrecken  sollte. 

Aber  nicht  blos  dieses  weit  verschiedene  Vorkommen  ist  es, 
welches  ihren  Unterschied  von  den  genannten  Arten  begründet,  son- 
dern vielmehr  das  Vorhandensein  gewichtiger  Merkmale,  welche  gegen 
ihre  Zusammengehörigkeit  mit  diesen  Arten  sprechen.  Von  beiden 
unterscheidet  sie  sich  durch  den  weit  schmächtigeren,  beinahe  gleich- 
dicken, vierkantigen  und  an  seiner  Wurzel  auch  viel  dünneren 
Schwanz,  so  wie  durch  die  verschiedene  Färbung. 

In  dieser  Beziehung  steht  sie  der  rattenschwänzigen  Dick- 
schwanzspitzmaus (P.  serpentaria)  weit  näher,  doch  ist  sie  mit  der- 
selben aus  dem  oben  angeführten,  auf  die  geographische  Verbreitung 
iezüglichen  Grunde  sowohl,  als  wegen  ihrer  durchaus  verschiedenen 
Färbung  keineswegs  zu  vereinigen. 

Die  Ohren  sind  groß  und  freiliegend.  Der  Schwanz,  welcher  von 
halber  Körperlänge  ist,  ist  an  der  Wurzel  ziemlich  dick,  nur  wenig 
dicker  als  im  weiteren  Verlaufe,  seiner  größten  Länge  nach  fast  von 
gleichem  Umfange,  verbältnißmäßig  etwas  schmächtig,  vierkantig,  und 
schon  von  der  Wurzel  angefangen  beinahe  völlig  kahl,  da  er  nur  sehr 
spärlich  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  und  einzelnen  eingemengten 
langen,  abstehenden  und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren 
besetzt  ist.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  vier  Lückenzähne  vorhanden 
und  sämmtüelie  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  tief  dunkel  brauiigrau,  die  Unter- 
seite dunkelgrau.  Nur  bei  jungen  Thieren  ist  die  Oberseite  des  Kör- 
pers s(;hwach  rötlilicbbraun  überflogen,  da  die  äußersten  Haarspitzen 
bei  denselben  von  rölhlichbrauner  Farbe  sind. 


Kritische  Untersuchungen  über  die  Spitzmäuse  (SoricesJ  etc.  143 

Körperlänge 5" 

Länge  des  Schwanzes 2"  6'" 

Entfernung  der  Augen  von  der  Rüßelspitze  .  9"'. 
Vaterland.  Japan,  wo  diese  Art  sehr  häufig  ist  und  von  Siebold 
entdeckt  wurde.  Temminck  hat  dieselbe  zuerst  beschrieben,  hielt 
sie  aber  nicht  von  der  indischen  Dickschwanzspitzmaus  (P.  indicn), 
mit  welcher  er  auch  die  kahlschwänzige  (P.  murina)  vereinigte,  für 
verschieden. 

5.  Die  rattenschwäazige  Dickschwanzspitzniaas  (Pnchyura 
serpentariaj . 

P.  notueo  cinerea,  rufescente-lavato,  gastraeo  pallide  cinereo ; 
caiida  dimidio  corpore  vel  paullo  longiore,  vel  breviore,  nigres- 
cente. 

Sorex  serpentnrins.   Isid.   Geoffr.   Belang.   Voy.  aux   Ind.   Zool. 
p.  1 1 9. 
iiidl€ns?W'ng\\.  SchreberSäugth.  Suppl.  B.  II.  S.  71.  Nr.  14. 
Crocidura   indica.  Wagn.  Schreber   Säugth.  Suppl.  B.  11.  S.  71. 

Nr.  14. 
Soreo)  serpentarius.  Temm.  Fauna  japon.  V.  I.  p.  26. 

Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  340. 
Crocidurn  serpentnria.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  340. 
Sorex'  knndianuü.    Kelaart.  Journ.    of    the    Asiat.    Soc.    V.    XX. 
p.  164,  18Ö.   —  V.  XXI.  p.  350.  —  V.  XXII. 
p.  412. 
„        serpentarius.    ßlyth.   Journ.   of  the  .4siat.   Soc.   of  Bengal. 
1853.  Fase.  1. 
Wagn.      Schreber     Säugth.     Suppl.      Bl.    V. 
S.  553.  Nr.  20.  —  S.  803.  Nr.  3. 
Crocidura  serpentaria.    Wagn.    Schreber   Säugtli.    Suppl.    B.    V. 

S.  oo3.  Nr.  20.  —  S.  803.  Nr.  3. 
Pachyura  serpentaria.    Wagn.    Schreber    Säugth.    Suppl.     B.    V. 

S.  5Ö3.  Nr.  20.  —  S.  803.  Nr.  3. 
Sorex  indicus.  Giebel.  Säugeth.  S.  90o. 
Crocidura  indica.  Giebel.  Siiugeth.  S.  905. 

Eine  mit  der  braungrauen  Dickschwanzspitzniaus  (P.  Tem- 
minckii)  sehr  nahe  verwandte  Art,  welche  sich  von  derselben  haupt- 
sächlich durch  die  Färbung  unterscheidet. 


144  Fitzinger. 

Die  Ohren  sind  groß  und  freiliegend.  Der  Schwanz  dessen  Länge 
etwas  über  die  halbe  Kürperlänge  oder  auch  nicht  ganz  dieselbe  er- 
reicht, ist  an  der  Wurzel  ziemlich  dick,  nur  wenig  dicker  als  im  wei- 
teren Verlaufe,  seiner  größten  Länge  nach  last  von  gleicheui  Umfange, 
verhältnißmäßig  etwas  schmächtig,  vierkantig,  und  schon  von  der 
Wurzel  angefangen  beinahe  völlig  kahl,  indem  er  nur  sehr  spärlich 
mit  kurzen  anliegenden  Haaren  und  einzelnen  eingemengten  langen, 
abstehenden  und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren  besetzt 
ist.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  vier  Lückenzäinie  vorhanden  und 
sämmtliche  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  aschgrau  und  röthlich  überflogen, 
die  Unterseite  bellgrau.  Der  Schwanz  ist  sclnvärzlich. 

Körperlänge 3"  H'"  Nach  Isi  d.  Geoffroy. 

Länge  des  Schwanzes    ...  2"  1 '" 

Körperlänge 5"  5'"  Nach  Temminck. 

Länge  des  Schwanzes    .    .    .  2"  9" 

Körperlänge 4"  9'"  Nach  Wagner. 

Länge  des  Schwanzes     .    .    .2"  1'". 

Vaterland.  Ost-Indien,  Bengalen,  Coromandel,  Mergui,  Ceylon 
und  Isle  de  France.  Leschenault  brachte  sie  von  Pondichery  an 
der  Küste  Coromandel  und  späterhin  auch  Belanger.  Temminck 
erhielt  sie  aus  Bengalen,  und  Kelaart  und  Blyth  von  Mergui  und 
aus  der  Gegend  von  Kandia  auf  Ceylon.  Durch  Quoy,  Gaimard  und 
Andouin  kamen  auch  Exemplare,  angeblich  auf  Isle  de  France  ge- 
sammelt, in  das  Museum  nach  Paris.  Ob  dieselben  wirklich  aber  da- 
selbst gefunden  wurden,  und  ob  sie  nicht  vielleicht  durch  Schiffe  da- 
hin verschleppt  wurden ,  ist  bis  jetzt  noch  nicht  entschieden.  Isid. 
Geoffroy  hat  diese  Art  zuerst  beschrieben. 

Wagner  war  früher  im  Zweifel,  ob  diese  Art  von  der  indischen 
Dickschwanzspitzmaus  (P.  indica)  specifisch  verschieden  sei,  da 
nach  der  von  Isid.  (ieoffroy  gegebenen  Beschreibung  nur  in  der 
Scliwanzform  und  zum  Theile  auch  in  seiner  Färbung  eine  Verschieden- 
heit gefunden  werden  könne,  obgleich  schon  Isid.  Geoffroy  her- 
vorhob, daß  das  Grau  der  Oberseite  des  Körpers  reiner,  daher 
nicht  so  stark  röthlich  überflogen  als  bei  „P.  indica'''-  und  der 
Schwanz  schwärzlich  und  nicht  braunroth  ist.  Später  aber,  nachdem 
er  selbst  ein  Exemplar   dieser    Form   erhalten    hatte,    änderte    er 


Kritische  Untersuchungen  über  die  Spitzmüuse  (Sorices)  etc.  1  ^O 

seine  frühere  Ansicht  und  sprach  sich  für  die  Selbstständigkeit  der 
Art  aus. 

6.  Die  langohrige  Dickschwanzspitzmaus  (Pachynra  aurictilata). 

P.  notaeo  pallide  griseo  ,   leviter  rufescente-lavato ,  gastraeo 
e.v  alhido-griseo',  cauda  dimidio  corpore  pur  um  fongiore. 
Pachyurd  auricidata.  Fitz.  Kollar.  Über  Ida  PfeilFer's  Sendung,  v. 

Natural.  S.  6.  (Sitzungsber.  d.  math.  naturw.  Cl.  d.  kais. 

Akad.  d.  Wiss.  ß.  XXXI.  S.  342.) 

Diese  seither  noch  nicht  beschriebene  und  von  mir  nur  kurz 
angedeutete  Form  schließt  sich  zunächst  an  die  rattenschwänzige 
Dickschwanzspitzmaus  (P.  serpentariaj  an,  von  welcher  sie  sich 
jedoch  ausser  der  geringeren  Größe,  durch  die  beträchtlich  längeren 
Ohren,  den  an  der  Wurzel  dicht  behaarten  Schwanz  und  die  weit 
hellere  Färbung  unterscheidet. 

Die  Ohren  sind  groß  und  freiliegend.  Der  Schwanz,  welcher 
etwas  länger  als  der  halbe  Körper  ist,  ist  an  der  Wurzel  ziemlich 
dick,  nur  wenig  dicker  als  im  weiteren  Verlaufe,  seiner  größten  Länge 
nach  fast  von  gleichem  Umfange,  verhältnißmäßig  etwas  schmächtig, 
schwach  vierkantig,  an  der  Wurzel  dicht  behaart,  dann  aber  nur 
sehr  spärlich  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  und  einzelnen  einge- 
mengten langen,  abstehenden  und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimper- 
haaren besetzt.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  vier  Lückenzähne  vor- 
handen und  sämmtliche  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  hellgrau  mit  schwachem  röthlichen 
Anfluge,  die  Unterseite  weißlichgrau.  Der  Schwanz  ist  dunkler  grau. 

Körperlänge  ungefähr 4" 

Länge  des  Schwanzes  etwas  über 2". 

Genauere  Körpermaße  abzunehmen  habe  ich  leider  unterlassen, 
da  ich  mir  eine  nähere  Beschreibung  dieser  Form  für  spätere  Zeiten 
vorbehielt,  woran  ich  jedoch  durch  veränderte  Verhältnisse  gehindert 
wurde. 

Vaterland.  Madagascar,  wo  Ida  Pfeiffer  diese  Art  erhielt, 
von  welcher  sie  jedoch  nur  ein  einziges  Exemplar  nach  Europa 
brachte,  das  mit  den  übrigen  von  ihr  gesammelten  Naturalien  in  das 
Wiener  Museum  kam. 

Sitzb.  d.  mathem. -naturw.  Cl.LVIf.     [Jd.  I.  Abth.  10 


146  Fitzinge  r. 

7.  Die  Ittauritias-Dickschwanzspitzniaas  (Pachynra  mmiritiana). 

P.  notaeo  e.v  rufesceiite  cinerea- fusco ,  gastraeo  cinerea, 
rostri  laterihus  ferrngineis ;  candaf&re  dimidii  corporis  longitudine, 
supra  ferruginea. 

Sorex  Capensis.  Geoffr.  Ann.  du  Mus.  V.  XVH.  p.  i84.    Nr.  9. 
t.  4.  fig.  2. 
Des  mar.    Nouv.  Dict.  dliist.  nat.  V.  XXII.  p.  66. 
Nr.  10. 
„        Des  mar.  Mammal.  p.  lo2.  Nr.  241. 

Fr.  CuY.    Dict.   des  Sc.  nat.  V.  XXXIII.  p.  427. 

Nr.  9. 
Isid.  Geoffr.  Dict.  class.  V.  XI.  p.  325. 
„  „        Lichtenst.  Verband),  d.  Gesellsch.  naturf.  Fr.  z. 

Berlin.  B.  I.  S.  381.  Nr.  7. 
Lichtenst.   Bullet,  des  Sc.  nat.  V.  XVIII.  p.  279. 
Nr.  7. 
„       Indiens?  Cuv.  Regne  anim.  Edit.  II.  V.  1. 
„      Capensis.  Griffith.  Anim.  Kiiigd.  V.  V.  p.  299.  Nr.  9. 
„      Sonneratii.  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  580.  Nr.  17. 
„      Geoffroyi.  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  664.  Nr.  18.  a. 
„      capensis.  Wagler,  Syst.  d.  Amphib.  S.  14. 
„      Sonneratii.    Isid.    Geoffr.     Belang.    Voy.    aux   Ind.   Zool. 

p.  109. 
„      indicus.  Blainv.  Ann.  des  Sc.  nat.  2.  Ser.  V.  X.  p.  20. 
„      indicus?    Wagn.     Scbreber  Säugth.    Suppl.  B.  II.    S.  70. 
Nr.  14. 
Crocidura  indica?    Wagn.  Scbreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  70. 

Nr.  14. 
Sorex  murinus.  Gray.  Mammal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  78. 
,,      franciciis.  Schinz.  Synops.  Mammal.  B.  I.  S.  273. 
„       indicus.  Temm.  Fauna  japon.  V.  I.  p.  25. 
„       indicus .9  R  e  i  c h  e  n b.  Naturg.  Raubth.  S.  339,  384.  fig.  7  I  9. 
Crocidura   indica?    Reich enb.    Naturg.    Raubth.    S.    339,    384. 

fig.  719. 
Sorex  Sonnerati?  Reich  enb.  Naturg.  Raubth.  S.  339. 
Crocidura  So7merati?  Reich enh.  Naturg.  Hauldb.  S.  339. 
Sorex  Muuritianus.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  341. 


Kritische  Untersuchung eii  üher  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  147 

Crocidura  Mauritiann.  Reich eiib.  Natiu'g.  Raubth.  S.  341. 
Sorecc  myosuros.  Wagn.  Schreber  Säiigth.  Suppl.  B.  V.   S,  552. 

Ni-.  19. 
Crocidura  myosnra.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  552. 

Nr.  19. 
Pachyura  myosura.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  552, 

Nr.  19. 
Sore.v  indicus.  Giebel.  Säugeth.  S.  905. 
Crocidura  indica.  Giebel.  Säugeth.  S.  905. 

Nahe  mit  der  indischen  Dickschwanzspitzmaus  (P,  indica) 
verwandt,  von  derselben  aber  außer  der  geringeren  Größe,  durch 
die  schlankere  Gestalt,  den  niedereren  Kopf,  die  längere  und  spitzere 
Schnauze  und  den  längeren  Schwanz,  so  wie  zum  Theile  auch  durch 
die  Färbung  verschieden. 

Der  Körperbau  ist  ziemlich  schlank,  der  Kopf  verhältnißmäßig 
nieder,  die  Schnauze  lang  und  spitz.  Die  Ohren  sind  groß,  freiliegend 
und  kahl.  Der  Schwanz,  dessen  Länge  nahezu  die  halbe  Körperlänge 
erreicht,  ist  an  der  Wurzel  ziemlieh  dick,  im  weiteren  Verlaufe 
allmälig  sich  verdünnend,  gerundet  und  ziemlich  dicht  mit  kurzen 
anliegenden  Haaren  bedeckt,  zwischen  denen  einzelne  längere,  abste- 
hende und  nach  rückwärts  gerichtete  Wimperhaare  eingemengt  sind. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  röthJieh-graubraun,  die  Unter- 
seite grau.  Die  Seiten  der  Schnauze  und  die  Oberseite  des  Schwanzes 
sind  lebhafter  und  beinahe  roströthlich  gefärbt. 

Körperlänge ....  3"  8'" 

Länge  des  Schwanzes I"  9"'. 

Vaterland.  Isle  de  France,  von  wo  sie  Peron  brachte,  nach 
dessen  Exemplar  Geoffroy  diese  Art  zuerst  aufgestellt,  beschrieben 
und  abgebildet  hat.  Später  wurde  auch  ein  Exemplar  von  Capitän 
Band  in  ebendaher  in  das  Museum  nach  Paris  gebracht. 

Isid,  Geoffroy,  der  das  Peron'sche  Exemplar  in  neuerer 
Zeit  untersuchte,  glaubte  nach  einer  Vergleichung  desselben  mit 
dem  S  0  n  n  e  r  a  t  'sehen  Original-Exemplare  der  indischen  Dickschvvanz- 
spitzmaus^P.  indica)  oder  seinem  „Sore.v Son7ieratii",  daß  die  Dif- 
ferenz, welche  zwischen  diesen  beiden,  von  seinem  Vater  aufge- 
stellten Arten  besteht,  größtentheils  von  der  Präparation  der  Bälge 
herrühre  und  sah  sich  veranlasst,  beide  Arten  mit  einander  zu  ver- 

10* 


148  Fitzinger. 

einigen.  Auch  Cuvier  hielt  es  für  wahrscheinlich,  daß  sie  mit  der 
indischen  Dickschwanzspitzmaus  (P.  indica)  identisch  sei. 

8.  Die  indische  Dicksel.wanzspitzuiaus  (Pachyura  itidicaj. 

P.  iiotaeo  cincreo,  rufu-vel  flavo-lai'afo,  gastraeo  griseo,  intcr- 
dum  in  fluvidiun  vcrgente;  caudu  fere  dimidii  corporis  lojujituditie, 
rufo-fnsca. 

Musnraigne  musquee  de  l  Inde.    Bufl'on.    Hist.  nat.  d.  Quadrup. 

Suppl.  VII.  p.  281.  t.  71. 
Sore.v  Indiens.  Geoffi-,  Ann.  du  Mus.  V.  XVIII.  p.  183.  Nr.  8. 

Geoffr.  Mem.  du  Mus.  V.  I.  p.  309.  t.  15.  fig.  1.  2. 
„  „       Des  mal".   Nouv.  Dict.  d'hist.  nat.    V.  XXII.  p.  66. 

Nr.  9. 
„  „       Desmar.  Mammal.  p.  152.  Nr.  240. 

Encycl.  meth.  t.  30.  fig.  3. 
„       Fr.  Cuv.  Dict.  des  Sc.  nat.  V.  XXXIII.  p.  426.  Nr.  8. 
Is id.  Geoffr.  Dict.  class.  V.  XI.  p.  325. 
„      Sonneratii.  Isid.  Geoffr.  Mem.  du  Mus.  V.  XV.  p.  132. 
„  „  Licht  enst.  Verhandl.  d.  Gesellsch.  naturf.  Fr. 

z.  Berlin.  B.  I.  S.  381.  Nr.  6. 
L  i  c  h  t  e  n  s  t.  Bullet,  des  Sc.  nat.  V.  XVIII.  p.  27<). 
Nr.  6. 
„      Indiens.  Cuv,  Re'gne  anim.  Edit.  II.  V.  I. 

Griffith.  Anim.  Kingd.  V.  V.  p.  298.  Nr.  8. 
„      Sonneratii.  Fisch.   Synops.  Mammal.    p.  258,    580,  664. 

Nr.  17. 
„      giganteus.  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  258.  Nr.  18. 
„      indicus.   Wag  1er.  Syst.  d.  Amphib.  S.  14. 
„      Sonneratii.  Sykes.  Proceed.  of  the  Zooi.  Soc.  V.  I.  (1830J 

p.  99. 
„  „  Isid.    Geoffr.     Belang.    Voy,    aux   Ind.    Zool. 

p.  109. 
„      indicus.  Blainv.  Ann.  des  Sc.  nat.  2.  Se'r.  V.  X.  p.  20. 

Wagn.    Schreber    Säugth.    Suppl.   B.   II.    S.  70. 
Nr.  14. 
Crocidiira  indica.    Wagn.   Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  70. 
Nr.  14. 


Kritische  Untersuchungen  über  die  Spitzmüuse  (Soricea)  etc.  149 

Sorex  So7ineralii.  Duvern.  Guerin  Magas.  d.  Zool.  1842.  p.  27. 
t.  46. 
„      murimis.   Gray.  Mammal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  78. 
„      indicus.  Temm.  Fauna  japon.  V.  I.  p.  25, 

R  c  i  ch  c  n  b.  Naturg.  Raubtli.  S.  339.  fig.  500. 
Crocidura  indica.  Reichenb.  Naturg.  Raubth,  S.  339.  fig.  500. 
Sorex  Soiineratl  Reichenb.  Naturg,  Raubth.  S,  339. 
Crocidura  Sonnerati.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  339. 
Sorex  myosnra.  Wagn.   Schreber    Säugtii.  Suppl.  B.  V.   S.  552. 

Nr.  19.  —  S.  803.  Nr.  2. 
Crocidura  myosnra.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  552, 

Nr.  19,  —  S.  803.  Nr.  2. 
Pachynra  myosnra.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  552. 

Nr.  19.  —  S.  803.  Nr.  2. 
Sorcx  indicus.  Giebel.  Säugeth.  S.  905. 
Crocidura  indica.  Giebel.  Säugeth.  S.  905, 

Obgleich  in  manchen  ihrer  Merkmale  mit  der  Mauritius-Dick- 
schwanzspitzmaus (P.  manritiana)  verwandt,  neigt  sich  diese  Form 
doch  weit  mehr  der  Riesen-Dickschwanzspitzmaus  (P.  yiga?ifeaj  zu, 
unterscheidet  sich  aber  von  beiden  durch  mancherlei  ihr  zukommende 
Merkmale. 

Sie  ist  nicht  nur  grölJier  als  die  erstere,  sondern  auch  bei 
Weitem  nicht  so  schlank  gebaut,  ihr  Kopf  ist  höher,  die  Schnauze 
kürzer  und  minder  spitz ,  der  Schwanz  ist  verhältnißmäßig  etwas 
kürzer  und  auch  die  Färbung  bietet  einige  Verschiedenheiten  dar. 

Von  der  letzteren,  welcher  sie  nur  wenig  an  Größe  nachstellt, 
unterscheiden  sie  außer  dem  minder  stark  gestreckten  Kopfe  und 
dem  kürzeren  Rüssel,  der  kürzere  und  an  seiner  Wurzel  bei  Weitem 
nicht  so  dicke  Schwanz  und  die  völlig  abweichende  Färbung. 

Ihre  Gestalt  ist  untersetzt,  der  Kopf  nur  wenig  gestreckt,  der 
Rüssel  nicht  sehr  lang  und  auch  nicht  besonders  spitz.  Die  Ohren 
sind  groß,  freiliegend  und  kahl.  Der  Schwanz,  dessen  Länge  nicht 
ganz  die  halbe  Leiblänge  erreicht ,  ist  an  der  Wurzel  ziemlich  dick, 
im  weiteren  Verlaufe  allmälig  sich  verdünnend,  gerundet  und  mit 
ziemlich  dicht  stehenden,  kurzen  anliegenden  Haaren  und  einzelnen 
längeren,  abstehenden  und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren 
besetzt.  Die  Absonderungsdrüse  an  den  Leibesseiten  ist  sehr  deutlich 
sichtbar. 


130  Fi  tz,  ingcr. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  asciigrau  und  röthlich  oder  gelb- 
lich überflogen,  die  Unterseite  hellgrau  und  bisweilen  in"s  Gelbliche 
ziehend.  Der  Schwanz  ist  braunroth. 

Körperlänge      ......  3'  8'"  Nach  Isidor  Geo  ffroy. 

Länge  des  Schwanzes  .    .    .1"  7'" 

Körperlänge 5"  6'"  Nach  Reichen  ha  eh. 

Länge  des  Schwanzes  .    .    .1"  6'", 

Offenbar  beruht  die  R  e  i  c  h  e  n  b  a  c  h  'sehe  Angabe  der  Schwanz- 
länge auf  einem  Druckfehler  und  sollte  es  statt  \"  G'",  2"  6'"  heißen, 
da  er  in  seiner  Beschreibung  ausdrücklich  bemerkt,  daß  der  Schwanz 
von  halber  Leibeslänge  sei. 

Vaterland.  Ost-Indien  und  von  Sonne  rat  in  Pondichery 
an  der  Küste  Coromandel  entdeckt  und  von  Buffon  zuerst  beschrie- 
ben und  abgebildet.  Nach  Sykes  soll  diese  Art  in  Dekan  und  Bom- 
bay sehr  häufig  sein  und  gemeinschaftlich  mit  der  Riesen  -  Dick- 
schwanzspitzmaus (P.  gigantea)  vorkommen. 

Wagner  hielt  diese  Art  für  identisch  mit  der  kahlschwänzigen 
Dickschwanzspitzmaus  (P.  murina). 

9.  Die  kahlschwänzige  Dickschwanzspitzuiaus  (Pachyiira   murinn). 

P.  notaco  obscure  nigro-fiisco,  gastraeo  paidlo  dilutiore',  caiida 
dimidio  corpore  parum  longiorc. 
Sorecc  murinus.    Linne.    Syst.  nat.    Edit.   XII.  T.  I.  P.  II.  p.  74. 

Nr.  4. 
Mausekopf.  Müller.  Natursyst.  ß.  I.  S.  302. 
Sore.v  murinus.  Sehr  eher.  Säugth.  B.  III.  S.  576.  Nr.  8. 

Er X leb.  Syst.  regn,  anim.  P.  I.  p.  124.  Nr.  6. 
„  „  Zimmerm.  Geogr.  Gesch.  d.  Mensch,  u.  d.  Tiiiere. 

B.  II.  S.  384.  Nr.  310. 
,.      mijosurus.  Pallas.   Act.  Petropol.  1781.  T.  II.  p.  337.  t.  4. 

fig.  1. 
^      murinus.  Boddaert.  Elench.  anim.  V.  I.  p.  124.  Nr.  8. 

Gmel  in.  Linne  Syst.  nat.  T.  I.  P.  I.  p.  114.  Nr.  4. 
Murine  shrcu\  Pennant.  Synops.  Quadrup.  p.  309.  Nr.  238. 

Shaw.   Gen.  Zool.  V.  1.  P.  II.  p.  ö39. 
Sorcx  myosurus.   Geoffr.   Ann.  du  Mus.  V.  XVII.  p.  185.  Nr.  10. 
t.  3.  fig.  2,  3. 


Kritische  Untersucluing-en  iiher  die  Spitzmäuse  (Soriccs)  etc.  151 

Sorex  myosurus.  Des  mar.   Nouv.  Dict.  d'hist.  nat.   V.  XXII.  p.  67. 
Nr.  11. 
Des  mar.  Mammal.  p.  1S3.  Nr.  242. 
Fr.  Ciiv.    Dict.  des  Sc.  nat.  V.  XXXIII.   p.  427. 

Nr.  10. 
Isid.  Geoffr.  Dict.  class.  V.  XI.  p.  328. 
„      7nur'ums.  Isid.  Geoffr.  Mem.  du  Mus.  V.  XV.  p.  128. 
„  „  Lichtenst.  Verhandl.  d.  Gesellscli.  naturf.  Fr.  z, 

Berlin.  B.  I.  S.  381.  Nr.  8. 
Lichtenst.  Bullet,  des  Sc  nat.  V'.  XVIII.  p.  279. 
Nr.  8. 
„      Indiens?  Cuv.  Regne  anim.  Edit.  II.  V.  I. 
„      caerulescens.  Var.  Raffles. 
„      myosurus.  Griffith.  Anim.  Kingd.  V.  V.  p.  300.  Nr.  10. 

rnnritius.  Fisch.   Synops.  Mammal.  p.  2ö9,  664.  Nr.  18.  *  . 
„      Sonneratii?  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  259,  664.  Nr.  18. 

myosurus.  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  259,580.  Nr.  19. 
„     myosuros.  Wagler.  Syst.  d.  Amphib.  S.  14. 
„      murhius.  Isid.  Geoffr.  Belang.  Voy.  aux  Ind.  Zool.  p.  124. 

indicus.  Blainv.  Ann.  des  Sc.  nat.  2.  Ser.  V.  X.  p.  20. 
„      myosurus.   S.  Müller.  Verhandel.  V.  I.  p.  26. 

Wagn.    Schreber  Säugth.    Suppl.    B.  II.    S.  72. 
Nr.  15. 
Crocidura  myosnra.  Wagn.  Schreber  Säugth.    Suppl.  B.  II.  S.  72. 

Nr.  15. 
Soresc  murinns.  Gray.  Mammal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  78. 
indicus.  Temm.  Fauna  japon.  V.  I.  p.  25. 
„      murimis.  Reich enh.  Naturg.  Raubth.  S.  340. 
Crocidura  murina.  Reich enb.  Naturg.  Raubth.  S.  340. 
Sorex  myosurus.  Reich  enb.  Naturg.  Raubth.  S.  341.  fig.  496. 
Crocidura  myosura.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  341.  fig.  496. 
Sorex  murinus.  Cantor.  Journ.  of  the  Asiat.  Soc.  V.  XV.  p.  191. 
„  „  Blyth.  Journ.  of  the  Asiat.  Soc.  of  Bengal.  1855. 

Fase.  I. 
„      myosuros.  Wagn.   Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V,  S.  552. 
Nr.  19.  —  S.  803.  Nr.  2. 
Crocidura  myosura.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  552. 
Nr.  19.  —  S.  803.  Nr.  2. 


15  2  F  i  t  z  i  u  g  e  r. 

Pacliyura  7ni/ofivrn.  Wagii.  Schreher  Säugtli.  Siippl.  B.  V.  S.  552. 

Nr.  19.  —  S,  803.  Nr.  2. 
Sorex  »luritius.   Giebel.  Säugeth.  S,  904. 
Crocidura  murhui.   Giebel.    Säugetb.    S.  904. 
Pacliyura  myuHuros.  Filz.  Siiiigetb.  d,  Nov;ira-Expedit.  Sitzungsber. 

d.  matii.  iiaturw.  Cl.  d.   kais.  Akad.  d.  Wiss. 

B.  XLIL  S.  392. 
Aucb  diese  Form  stebt  der  indiseben  Dickscbwanzspitzmaus 
(P.  indicu)  ziendieb  nabe ,  doeb  weicbt  sie  in  mannigracher  Bezie- 
bung  von  derselben  ab,  und  insbesondere  sind  es  der  gestrecktere 
Kopf,  der  nierklicb  längere,  nur  sebr  spärlicb  bebaarte  und  daber 
beinabe  völlig  kabl  erscbeinende  Scbwanz,  so  wie  die  gänzlicb  ver- 
scbiedene  Färbung,  welcbe  sie  von  derselben  unterscheiden. 

Ibr  Kopf  ist  langgestreckt,  die  Lippen  sind  angescbwollen  und 
die  großen,  freiliegenden  Obren  sind  nur  mit  einem  kaum  bemerkbaren 
Haarantluge  besetzt,  so  daß  sie  beinabe  völlig  kabl  erscheinen.  Die 
Füsse  sind  bis  zur  Mitte  des  Vorderarmes  und  des  Schienbeines  fast 
gänzlich  von  Harren  entblößt  und  die  Sohlen  und  Fußballen  mit 
kahlen  Schwielen  besetzt.  Der  Schwanz,  dessen  Länge  etwas  melir 
als  die  Hälfte  der  Körperlänge  i)eträgt,  ist  an  der  .Wurzel  sehr  dick 
und  angescbwollen,  nach  binten  zu  allmälig  verdünnt,  beinabe  kegel- 
förmig, gerundet,  sebr  fein  geschuppt  und  nur  sehr  spärlich  mit 
kurzen  anliegenden  Haaren  besetzt,  zwischen  denen  seiner  ganzen 
Länge  nach  einzelne  lange,  abstehende  und  nach  rückwärts  gerichtete 
Wimperhaare  eingemengt  sind,  daber  allenthalben  die  kahle  Haut 
sehr  deutlich  sichtbar  ist  und  er  beinahe  vollkommen  kahl  erscheint. 
Im  Oberkiefer  sind  jederseits  vier  Lückenzäbne  vorhanden  und 
sämmtliche  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  dunkel  schwärzlich-braun,  die 
Unterseite  etwas  heller.  Die  kahle  Haut  der  Lippen,  der  Obren  und 
der  Füsse  ist  schmutzig  weißlich-fleischfarben,  am  Schv  anze  etwas 
dunkler  und  in's  Bräunliche  ziehend.  Die  Krallen  sind  weißlich. 


Körperlänge 

.  4" 

4"' 

Nach  Pallas 

Länge  des  Schwanzes 

.  3" 

4'" 

„      des  Hinterfußes     . 

, 

9'" 

„      des  Kopfes     .    .    . 

.  1  ' 

5'" 

„      der  Obren      .    .    . 

. 

3V. 

/// 

Breite  der  Obren      ,    .    . 

^ 

^"' 

Kritische  Uiitersueluing'eii  über  die  Spitzmiiiise  (Suricci)  etc.  1  o3 

Entfernung   der  Augen   von 

der  Riisselspitze   ....         8'/o"' 
Entfernung  der  Augen    von 

den  Ohren 4'" 

Körperlänge  nach  der  Kriim- 

muno- 4'  2''       Nach  Wagner. 

Körperlänge  in  gerader  Rich- 
tung      3"  9  " 

Länge  des  Schwanzes  .    .    .2"  4'" 

„      des  Hinterfulks      .    .         9'" 

„      des  Kopfes     .    .    .    .1"  6'" 

„      der  Ohren      ....         S'/^'" 

Breite  der  Ohren     ....         5" 

Entfernung   der  Augen   von 

der  Rüsselspitze   ....         8'" 
Entfernung  der  Augen   von 

den  Ohren 4 i/o'" 

Körperlänge 2"  4"'       Nach  Isidor  Geoffroy. 

Länge  des  Schwanzes  .    .    .  1  "  8". 

Ohne  Zweifel  beruht  die  Angabe  der  Schwanzlänge  bei  Pallas 
auf  einem  Druckfehler,  da  er  bei  den  Ausmaßen  des  Skeletes  die 
Länge  der  Schwanzwirbelsäule  zu  2"4i/o"'  angibt,  daher  die  Schwanz- 
länge nicht  3"  4",  sondern  nur  2"  4"  betragen  kann,  was  auch  mit 
den  Messungen  von  Wagner  übereinstimmt.  Die  Länge  der  ganzen 
Wirbelsäule  gibt  Pallas  zu  4"  8",  jene  des  Schädels  zu  l"  an. 

Isidor  Geoffroy,  der  offenbar  ein  noch  ziemlich  junges  Tiiier 
beschreibt,  gibt  den  Schwanz  als  vierkantig,  geschuppt,  fein  und 
kurz  behaart,  und  in  seiner  Wurzelhälfte  mit  langen,  nach  rückwärts 
gerichteten  Wimperhaaren  besetzt,  an.  Die  Farbe  der  Oberseite  des 
Körpers  bezeichnet  er  als  dunkelbraun,  jene  der  Unterseite  und  der 
Innenseite  der  Gliedmaßen  als  bräunlichgrau. 

Die  einzige  wesentliche  Differenz,  welche  zwischen  dieser  von 
Isid.  Geoffroy  gegebenen  Beschreibung  und  jener  von  Pallas 
und  Wagner  besteht,  bezieht  sich  auf  die  Form  des  Schwanzes, 
der  nicht  —  Avie  die  beiden  letztgenannten  Autoren  angeben  —  ge- 
rundet, sondern  vierkantig  sein  soll.  Möglich  ist  es,  daß  diese  Eigen- 
thümlichkeit  den  jungen  Thieren  dieser  Art  zukommt;  doch  kann  sehr 
leicht  auch  —  wie  Wagner   dieß  vermuthet,  —   die  vierkantige 


154  Fitz  innrer. 

Gestalt  des  Schwanzes  bei  dem  Geoffroy'schen  Exemplare  nur 
durch  Eintrocknen  des  Schwanzes  während  der  Präparation  ent- 
standen sein. 

Alhino's  scheinen  bei  dieser  Art  nicht  selten  vorzukommen  und 
Pallas  beschreibt  einen  solchen  und  bildet  denselben  auch  ab,  dessen 
Körperlänge  zu  3"  7'"  und  dessen  Schwanzlänge  zu  2"  angegeben 
wird,  daher  auch  bei  diesem  der  Schwanz  etwas  länger  als  die  halbe 
Kürperlänge  ist.  Irrthümlich  ist  aber  die  von  ihm  ausgesprochene 
Ansicht,  daß  die  weiße  Färbung  dem  weiblichen,  die  schwärzlich- 
braune dem  männlichen  Thiere  zukommt,  da  das  von  Wagner  be- 
schriebene schwärzlichbraune  Exemplar  der  Würzburger  Sammlung 
weiblichen  Geschlechtes  war. 

Vaterland.  Hinter-Indien,  Arakan,  Khasya  und  die  malayische 
Halbinsel,  sowie  auch  Java  und  die  meisten  übrigen  Inseln  desindischen 
Archipels,  Cantor  traf  sie  aufder  malayischen  Halbinsel  und  Blyth 
erhielt  sie  sowohl  von  dieser,  als  auch  von  Khasya  und  Arakan.  Linne, 
Pallas  und  I  s  i  d.  G  e  o  f  fr  o  y  geben  Java  als  das  Vaterland  derselben 
an  und  das  Exemplar  des  Würzburger  Museum's,  nach  welchem 
Wagner  diese  Art  beschrieb,  stammt  gleichfalls  von  Java.  Eben  so 
beobachtete  sie  S.  Müller  auf  allen  von  ihm  besuchten  Inseln  des 
indischen  Archipels.  Daß  sie  aber  auch  in  Nepal,  — wie  Horsfield 
angibt,  —  und  inVorder-Indien,  —  wie  Wagner  behauptet,  —  vor- 
kommen soll,  ist  nach  den  Erfahrungen  von  Blyth  durchaus  irrig 
und  beruht  wohl  nur  auf  einer  Verwechselung  mit  anderen  verwandten 
Arten. 

Zelebor,  welcher  die  Novara-Expedition  begleitete,  brachte 
ein  Exemplar  dieser  Art  von  Madras  für  das  Wiener  Museum  mit, 
das  er  daselbst  erhalten,  aber  nicht  selbst  gesammelt  hatte.  Ohne 
Zweifel  stammt  dasselbe  aus  einer  andern  indischen  Gegend.  Linne 
liat  uns  zuerst  mit  dieser  Art  bekannt  gemacht,  von  welcher  er  jedoch 
nur  ein  ganz  junges  kaum  3  Zoll  langes  Exemplar  beschrieb.  Cuvier 
und  Blainville  sind  der  Ansicht,  daß  dieselbe  mit  der  indischen 
Dickschwanzspitzmaus  (P.  indica)  zusammenfalle,  wogegen  jedoch 
schon  die  Verschiedenheit  in  der  Schwanzlänge  spricht,  und  Et. 
Geoffroy  und  Desmarest  nehmen  sonderbarer  Weise  die  weiße 
Abart  als  den  Typus  an. 


Kritisclie  Untersucliungen  iil)er  die  Spitzmäuse  (^SnviccsJ  etc.  IDO 

10.  Die  afghanische  Dickschwanzspitzmaas  (Pachynra  Grijjithi). 

P.  imicolor  nigro-f'usca,  leviter  rufescente-lavata ;  cauda  di- 
midio  corpore  parum  breviore. 
Sorex  Gri/fitJii.  Horsf.  Catal.  of  the  Mamm.  of  the  East-Iiul.  Comp. 

p.  134. 
„  Wagn.   Sclireber  Säugth.    Suppl.   B.  V.  S.  5S3. 

Nr.  19.  * 
Crocidura  Grijfithi.   Wagn.  Sclireber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  553. 

Nr.  19.  . 
Pachynra  Griffithi.  Wagn.  Sehreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  553. 

Nr.  19.  ^ 
Sorex  myosuros.    Var.?   Wagn.    Schreber  Säugth.    Suppl.    B.  V. 

S.  553.  Nr.  19.  *  —   S.  803.  Nr.  2. 
Crocidura  7)iyosura.  Var.?   Wagn.   Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V. 

S.  553.  Nr.  19.  *  —  S.  803.  Nr.  2. 
Pachynra  myosura.  Var.?  Wagn.  Schreber  Säugth.   Suppl.  B.  V. 

S.  553.  Nr.  19.  *  —   S.  803.  Nr.  2. 
Sorex  tnurinns?  ßlyth.   Journ.  ofthe  Asiat.  Soc.  of  Bengal.  1855. 

Fase.  1. 
Giebel.  Säugeth.  S.  904.  Note  9. 
Crocidura  murina?  Giebel.  Säugeth.  S.  904.  Note  9. 

Nur  aus  einer  kurzen  Beschreibung  von  Horsfield  bekannt, 
aus  welcher  jedoch  zu  entnehmen  ist,  daß  diese  Form  der  kahlschwän- 
zigen  Dickschwanzspitzmaus  (P.  niuriua)  sehr  nahe  steht  nud  auch 
mit  der  Wald-Dickschwanzspitzmaus  (P.  nemorivaga)  verwandt  sei. 
Von  beiden  unterscheidet  sie  der  merklich  kürzere  Schwanz  und  die 
Färbung,  von  letzterer  trennen  sie  noch  die  verhältnißmäßig  kleineren 
Ohren  und  die  kürzere,  weichere  und  völlig  anliegende  Behaarung. 

Die  Ohren  sind  groß,  freiliegend  und  gerundet.  Der  Schwanz, 
welcher  nicht  ganz  die  halbe  Körperlänge  erreicht,  ist  an  der  Wurzel 
dick ,  im  weiteren  Verlaufe  allmälig  sich  verdünnend ,  beinahe  kegel- 
förmig, und  seiner  ganzen  Länge  nach  nur  sehr  spärlich  mit  kurzen 
anliegenden  Haaren  und  einzelnen  eingemengten  langen,  abstehenden 
und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren  besetzt.  Die  Körper- 
behaarung ist  kurz,  weich  und  anliegend.  Im  Oberkiefer  sind  jeder- 
seits  vier  Lückenzähne  vorhanden  und  sämmtlicbe  Zähne  sind  durch- 
aus einfarbig  weiß. 


156  Fitz  i  II  g  er. 

Die  Ober-  sowolil  als  auch  die  Unterseite  des  Körpers  ist  ein- 
tarbig  scbwärzlichbraiin ,  mit  sclnvacheni  rötblicben  Scbiller. 

Körperlänge 5"  9'" 

Länge  des  Schwanzes    .    .     • 2"  6'". 

Vaterland.  Afghanistan  nach  der  7\ngabe  von  Horsiield,  der 
diese  Art  zuerst  beschrieben.  Bl  y  th  zieht  diese  Angabe  aber  in  Zweifel 
und  hält  es  für  weit  walirscheinlicher,  daß  die  Provinz  Arakan  in 
Hinter-Indien  die  Heimat  dieser  Form  sei. 

Wagner  spricht  die  Ansicht  aus,  daß  dieselbe  nur  eine  ganz 
dunkle  Abänderung  der  kahlschwänzigen  Dickschwanzspitzmaus  (^P. 
miirina)  darstelle  und  auch  Blyth  betrachtet  sie  liir  identisch  mit 
dieser  Art. 

11.  Die  blaugraoe  Dickschwanzspitzmaas  (Pachyurn  coernlescensj. 

P.  iiotneo  paUlde  cinerco,  in  coernho-schistaceinn  rergente, 
plus  miiiusve  fitsccscente-vel  ex  flavido-ferrngineo-Iavato  ;  gustraeo 
dilutiore  grlseo-albesceiäe ;  caiida  fere  dimidii  corporis  longitudine. 
Parfuming  shreic.  Pennant.  Hist.  of  Quadrup.  V.  II.  p.  222. 
Sorex  Pilorides.  Shaw.  Mus.  Leverian.  V.  I.  P.  I.  p.  31.  t.  8. 
„     caerulescens.  Shaw.  Gen.  Zool.  V.  I.  P.  II.  p.  533. 
„  „  Raffles.  Linnean  Transact.  V.  XIII.  p.  255. 

„      giganteus.  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  2S8.  Nr.  18. 
„      indicus.  Blainv.  Ann.  des  Sc.  nat.  2.  Ser.  V.  X.  p.  20. 
„      Nepalensis.  Hodgs.  Catal. 

„      coendescens.   Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  69. 
Nr.  13. 
Crocidura  coendescens.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  11.  S.  09. 

Nr.  13. 
Sorex  moschidus.  Robins.  Assam.  p.  96. 

„      murinus.   Gray.  Mammal.  ol"  the  Brit.  Mus.  p.  78. 
„      giganteus.  Temm.  Fauna  japon.  V.  I.  p.  25. 
„      caerulescens.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  339. 
Crocidura  coendescens.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  339. 
Sorex  caerulescens.    Blyth.    .Tourn.  ol"  the  Asiat.  Soc.  of  Bengal. 
Fase.  1. 
„  „  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  E.V.  S.  551. 

Nr.  18.  —  S.  803.  Nr.  1. 


Kritische  üiitersuchung-en  über  die  Spitzmäuse  (SoricesJ  etc.  157 

Crocidura   coerulescens.    Wagn.    Schreber  Säugth.    Suppl.  B.   V. 

S.  551.  Nr.  18.  —  S.  803.  Nr.  1. 
Pachyura   coerulescens.    Wagn.    Schreber  Säugth.    Suppl.   B.    V. 

S.  551.  Nr.  18.  —S.  803.  Nr.  1. 
„  Fitz.  vSäugeth.  d.  Novara-Expedit.  Sitzungs- 

ber.  d.  math.-naturw.  Cl.  d.  kais.  Akad. 

d.  Wiss.  B.  XLII.  S.  392. 

Die  größte  Art  der  Gattung,  indem  sie  selbst  die  Riesen-Diek- 
schwanzspitzmaus(7'.<7<V/«/«/6?rt^  an  Größe  noch  übertrifft,  von  welcher 
sie  sich  außerdem  noch  durch  den  kürzeren  Schwanz  und  die  ver- 
schiedene Färbung  unterscheidet. 

Die  Ohren  sind  groß,  freiliegend  und  kahl.  Der  Schwanz,  dessen 
Länge  nahezu  die  halbe  Körperlänge  einnimmt,  ist  an  der  Wurzel 
überaus  dick,  fast  von  derselben  Dicke  wie  der  Hinterleib,  im  weiteren 
\' erlaufe  allmälig  sich  verdünnend,  beinahe  kegelförmig,  gerundet, 
und  an  der  dicken  Wurzel  sehr  dicht  wie  der  ganze  Leib  behaart, 
von  da  aber  ziemlich  spärlich  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  besetzt, 
zwischen  denen  einzelne  längere,  steife,  abstehende  und  nach  rück- 
wärts gerichtete  Wimperhaare  eingemengt  sind,  so  daß  die  kahle 
Haut  deutlich  sichtbar  ist.  Die  Körperbehaarung  ist  kurz ,  sehr  dicht, 
fein  und  weich,  dieFüsse  sind  kurz  und  spärlich  behaart.  Der  Rüssel 
und  die  Augengegend  sind  kahl.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  vier 
Lückenzähne  vorhanden,  von  denen  die  beiden  mittleren  sich  beinahe 
völlig  gleich  sind.  Sämmtüche  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß. 
Die  Absonderungs  -  Drüse  an  den  Leibesseiten  ist  sehr  deutlich 
sichtbar. 

Die  Färbung  ist  auf  der  Oberseite  des  Körpers  licht  silber-  oder 
aschgrau,  mit  trüb  blaulichem,  in's  Schieferblaue  ziehenden  Anfluge 
und  auf  dem  Rücken  mehr  oder  weniger  deutlich  bräunlich  oder 
schmutzig  rostgelb  überflogen;  auf  der  Unterseite  heller  und  mehr 
in's  Weißliche  ziehend.  Die  Mehrzahl  der  Schnurren,  so  wie  die 
spärliche  Behaarung  der  Füsse  und  des  Schwanzes  sind  weiß.  Die 
kahle  Haut  des  Rüssels,  der  Augengegend,  der  Ohren,  der  Füsse  und 
des  Schwanzes  ist  am  lebenden  Thiere  licht  röthlich- fleischfarben, 
am  ausgebälgten  hellgelblich. 

Kiu'perlänge <^"    yi  jjj^  nahe  an  9' 

Länffe  des  Schwanzes 3"  6'". 


158  F  i  t  z  i  n  g  e  r. 

Peiinaiit  mid  Shaw  geben  die  Körperläiige  auf  beinahe  8" 
die  Länge  des  Schwanzes  auf  3"  6'"  an.  Bei  älteren  Thieren  scheint 
der  Schwanz  etwas  kürzer  als  bei  jüngeren  zu  sein. 

Vaterland.  Nepal,  Vorder-Indien  und  der  angrenzende  Theil 
von  Hinter-Indien,  nach  Raff) es  auch  Sumatra  und  nach  Pennant 
Java  und  die  benachbarten  Inseln  des  indischen  Archipels.  Den  Beob- 
achtungen Blyth's  zufolge  ist  sie  in  Nepal,  Bengalen  und  im  Thale 
vom  Assam  gemein,  imSylhet  selten  und  verschwindet  schon  inArakan. 
Auf  der  malayischen  Halbinsel  fehlt  sie.  Lamare-Picquot  sammelte 
sie  in  Vorder-Indien,  Raffles  beobachtete  sie  in  Bengalen  und  Su- 
matra und  Frauen  fei  d  brachte  sie  mit  der  Novara-Expedition  aus 
Madras. 

Die  in  den  Seitendrüsen  sich  absondernde  Flüssigkeit  soll  nach 
der  Angabe  von  Raffles  einen  sehr  starken,  moschusartigen  Geruch 
verbreiten. 

Blainville  vereiniget  diese  von  Pennant  zuerst  beschriebene 
Art  irrigerweise  mit  der  indischen  Dickschwanzspitzmaus  (P.indica). 

12.  Die  Riesen-Dickschwaüzspitzmaus  (Pachyura  giyantea). 

P.    ntiicolor  cinerea,    mf'esceiite-  vel  fUivido-lavuta;  cauda 
diiindio  corpore  'paullo  lo7igiore. 
Sorex  gifjanteus.  Isid.  Geoffr.  Dict.  class.  V.  XI.  p.  326. 

..       "         .,  Isid.  Geoffr.  Mem.  du  Mus.  V.  XV.  p.  137.  t.  4. 

hg.  3. 
Lichten  st.   Verhandl.  d.   Gesellsch.   naturf.   Fr. 

z.  Berlin.  B.  I.  S.  381.  Nr.  3. 
Lichtenst.  Bullet,  des  Sc.  nat.  V.  XVIII.  p.  279. 
Nr.  3. 
„       Indiens.  Fr.  Cuv.  Geoffr.    Hist.   nat.  d.  Mammif.  Fase.  40. 
Indiens?  Cuv.  Regne  anim.  Edit.  II.  V.  I. 
giganteus.  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  258,  664.  Nr.  18. 

Sykes.Proceed.  oftheZooI.  Soc.V.  I.  (1830).p.99. 
Isid.  Geoffr.  Belang.  Voy.  aux  Ind.  Zoo),  p.  117. 
indicns.   Blainv.  Ann.  des  Sc.  nat.  2.  Ser.  V.  X.  p.  20. 
Hodgs.  Catal. 

Wagn.  Schreher  Säuglli.  Suppi.  B.  II.  S.  70.  Nr.  14. 
€rocidur<(  indien.   Wagn.    Schreher  Säugth.   Suppl.   B.   II.  S.  70. 
Nr.  14. 


Kritische  Untersuchiinj,'^en  ül)er  die  S|>itzniini$e  (Soriccs)  etc.  lo*' 

Sorev  giganteus.  Siindev.  Vetensk.  Akail.  Handl.  1842.  p.  175. 
murbim.  Gray.  Manimal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  78. 
gifßfütteus.  Temni.  Fauna  japon.  V.  I.  p.  2S. 

Reiehenh.  Natui-g.  Raubth.  S.  340.  lig.  502. 
Crocldurn  gigfüitea.  Reich eiib.  Natui-g.  Raubth.  S.  340.  (ig.  502. 
Sorex'  mnrinus.  Hoilgs.  Ann.  of  Nat.  Hist.  V,  XV.  p.  269. 

coerulescens.    Blyth.    Jouni.  of  the  Asiat.  Soc.    of  Beiigal. 
Fase.  1. 
VVagn.  Schreber  Säugtb.  Suppl.  B.  V.  S.  Ö5I. 
Nr.  18.  -  S.  803  Nr.  1. 
Crocidura  coerulescens.  Wag  ii.  Scbreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  ööl . 

Nf.  18.  —  S.  803.  Ni-.  1. 
Pdchyura  coerulescens,  W  a  g  n.  Scbreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  oöl . 

Nr.  18.  —  S.  803.  Nr.  1. 
Sorex  indicus.   Giebel.  Säugeth.  S.  90S. 
Crocidura  hidica.  Giebel.  S.  905. 

Nebst  der  graublauen  Dickschwanzspitzmaus  (P.  coerulescens) 
die  grüßte  Art  der  Gattung  und  allerdings  mit  der  indischen  Dick- 
schwanzspitzmaus (P.  indicti)  ziemlich  nahe  verwandt,  aber  von 
derselben  sowohl  durch  den  gestreckteren  Kopf  und  den  längeren 
Rüssel,  als  auch  durch  den  längeren  und  an  seiner  Wurzel  beträcht- 
lich dickeren  Schwanz,  so  wie  durch  die  verschiedene  Färbung  deut- 
lich unterschieden. 

Die  Körpergestalt  ist  untersetzt,  der  Kopf  gestreckt,  der  Rüssel 
lang  und  nicht  besonders  spitz.  Die  Ohren  sind  groß,  freiliegend  und 
kahl.  Der  Schwanz,  welcher  etwas  mehr  als  die  Hälfte  der  Körper- 
länge einnimmt,  ist  an  der  Wurzel  überaus  dick,  im  weiteren  Ver- 
laufe allmälig  sich  verdünnend,  beinahe  kegelförmig,  gerundet  und 
an  der  dicken  Wurzel  dicht  so  wie  der  Leib  behaart,  dann  aber  nur 
spärlich  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  besetzt,  zwischen  denen  ein- 
zelne längere,  abstehende  und  nach  rückwärts  gerichtete  Wimper- 
haare eingemengt  sind.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  vier  Lückeii- 
zähne  vorhanden  und  sämmtliche  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß. 
Die  Ober-  sowohl  als  die  Unterseite  des  Körpers  sind  grau  und 
röthlich  oder  fahlgelb  überflogen,  da  sämmtliche  Haare  an  der 
Wurzel  grau  sind  und  in  röthliche  oder  fahlgelbe  Spitzen  endigen. 

Körperlänge 5"  4'"  Nach  Isi  do  r  Geoffroy. 

Länge  des  Schwanzes  .    .    .3" 


1  60  Fi  tzi  n  ger. 

Körperläiige 6"  3'"       Nach  Temminck. 

Länge  des  Schwanzes  .    .    .  3"  1 — 2'" 
Entfernung  der  Augen  von  der 

Riisselspitze 10'". 

Vaterland.  Ost-Indien,  Bengalen.  Belang  er  brachte  diese 
Art  aus  Pondichery,  und  Sykes  traf  sie  in  Dekan  und  Bombay,  in 
derselben  Gegend,  wo  auch  die  indische  Dickschwanzspitzmaus  (P. 
indica)  yoYkomvixi.  Nach  der  Angabe  von  Htfdgson  soll  sie  auch  in 
den  unteren  und  mittleren  Regionen  von  Nepal  angetroffen  werden. 
Cuvier  glaubte  dieselbe  mit  der  indischen  Dickschwanzspitz- 
maus (P.  indica)  vereinigen  zu  dürfen, 

13.  Die  AVald-Dickschwanzspitziuaus  (Pachyuru  nemorivagnj. 

P.  nnicolor,  ex  coenileo-cinerea,  notaeo  fiiscescente-  lavato, 
ffdstraeo  paUidiore;  caiida  •/;■  corporis  longitudine. 
Sorex'  nemorivagus.  Hodgs.  Ann.  of.  Nat.  Hist.  V.  XV.  p.  269, 
„      murinns.  Horsf.  Catal.  of  the  Mamm.  of  the  East-Ind.  Comp. 

p.  134. 
„  „     Jun.  Gray.  Hodgs.  Catal.  p.  16. 

„      myosuros.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.V.  S.  äS3,  Note  1. 
Crocidnra  myosura.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.V.  S.  ö53. 

Note  1. 
Pachyura  myosura.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.   B.  V.  S.  553. 

Note  1. 
Sorex  nemorivagus.  Blyth.   Journ.  of  the  Asiat.    Soc.   of   Bengal. 
1855.  Fase.  1. 
Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  803. 
Nr.  5. 
Crocidnra   nemorivaga.   Wagn.     Schreber    Säugth.    Suppl.    B.  V. 

S.  803.  Nr.  5. 
Pachyura    tiemorivaga.    Wagn.    Schreber   Säugth.    Suppl.    B.    V. 

S.  803.  Nr.  5. 
Sore.v  itidicus.   Giebel.  Säugeth.  S.  905.  Note  1. 
Crocidnra  indica.  Giebel.  Säugeth.  S.  905.  Note  1. 

Diese  in  Ansehung  der  Gestalt  und  Färbung  einigermaßen  an 
d'e  blaugraue  Dicksehwanzspitzmaus  (P.  coernlescensj  erinnernde 
Art,  unterscheidet  sich  von  derselben  sowohl  durch  die  beträchtlich 
geringere  Größe,  als  auch  durch  den  längeren  Schwanz. 


Kritische  Uiiteisucliuiij^en  iiljer  die  Spitzmäuse  (Surices)  etc.  161 

Der  Kopf  ist  nicht  sehi*  langgestreckt  und  ziemlich  hoch ,  die 
Wangengegend  nicht  angeschwollen.  Die  Ohren  sind  groß  und  frei- 
liegend, die  Füsse  kurz  und  nur  spärlich  behaart.  Der  Schwanz, 
welcher  ungefähr  -/.  der  Körperlänge  einnimmt ,  ist  an  der  Wurzel 
sehr  dick,  nach  rückwärts  zu  allmälig  sich  verdünnend,  beinahe 
kegelförmig,  und  ziemlich  spärlich  mit  kurzen  anliegenden  Haaren 
und  einzelnen  eingemengten  langen,  abstehenden  und  nach  rückwärts 
gerichteten  Wimperhaaren  besetzt.  Die  Behaarung  des  Körpers  ist 
verhäitnißmäßig  etwas  lang,  nicht  besonders  weich  und  etwas  locker. 
Im  Oberkiefer  sind  jederseits  vier  Lückenzähne  vorhanden  und 
sämmtliche  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Färbung  ist  auf  der  Oberseite  des  Körpers  einfarbig  bläu- 
lich-aschgrau und  auf  dem  Rücken  etwas  bräunlich  überflogen,  auf 
der  Unterseite  des  Körpers  heller. 

Körpeilänge  ungefähr 3"6"' 

Länge  des  Schwanzes  etwas  über 2". 

Eine  genauere  Angabe  der  Maaße  fehlt. 

Vaterland.  Nepal;  von  Ho dgson  daselbst  entdeckt  und  auch 
zuerst  beschrieben. 

Gray  erklärte  diese  Form  für  ein  halberwachsenes  Thier  der 
blaugrauen  Dickschwanzspitzmaus  (^P.  coerulescens),  welcher  Ansicht 
aber  ßlyth  entgegen  trat.  Dagegen  scheint  es  ihm  für  wahrschein- 
lich, daßH  orsfield 's  „5'orea?wiMrMms"  mit  der  Wald-Dickschwanz- 
spitzmaus (P.  nemorivagaj  identisch  sei, 

14.  Die  flachköpfige  Dickschwanzspitzmaas  (Pachyiira  soccata). 

P.  unicolor,  plus  minusve  obscure  ex  fnscescente  coeruleo- 
schistacea,  pedibus  nigrescentibus ;  cauda  fere  3/3  corporia  longi- 
tudine,  infra  nigrescente. 

Sori'V  soccatus.  Hodgs.  Ann.  of  Nat.  Hist.  V.  XV.  p.  270. 
Corsira  nigrescens.  Gray,  Ann.  and  Mag.  of  Nat.  Hist.  V.  X.  p.  261. 
Sorex  nigrescens.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  546. 
Nr.  7. 
„     soccatus.  Blyth.  Journ.  of  the  Asiat.  Soc.  of  BengaL  1855. 
Fase.  1. 
Wagn.     Schreber   Säugth.   Suppl.   B.  V.  S.  803. 
Nr.  4. 

Sitzb.  d.  niathera.-ni)tur\v.  Cl.  LVil.  ßd.  I.  Abth.  \\ 


1  0  «w  F  i  t  z  i  II  g  e  r. 

Pachyura  soccata.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S,  803. 

Nr.  4. 
Crocidura  soccata.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  803. 

Nr.  4. 
Sorex  indicus.  Giebel.  Saugeth.  S.  905.  Note  I. 
Crocidura  indica.   Giebel.  Säugth.  S.  905.  Note  1. 

„  soccata.  Fitz.  Säugeth.  d.  Novara-Exped.  Sitzungsber.  d. 

math.-iiaturw.  Cl.  d.  kais.  Akad.  d.  Wissensch. 

B.  XLII.  S.  392. 

* 

Obgleich  in  der  Größe  und  den  körperlichen  Verhältnissen  mit 
der  Wald-Dickschwanzspitzmaus  (P.  nemorivagaj  verwandt,  unter- 
scheidet sich  diese  Form  von  derselben  sowohl  durch  die  Gestalt  des 
Kopfes,  als  auch  durch  die  weit  dichtere  Behaarung  der  Füsse  und 
des  Schwanzes. 

Der  Kopf  ist  langgestreckt ,  breit  und  flachgedrückt,  und  in  der 
Wangengegend  stark  angeschwollen.  Die  oberen  Vorderzähne  sind  sehr 
starkgekrümmt.  Die  Ohren  sind  groß  und  freiliegend,  die  Füsse  verhält- 
nißmäßig  stark  und  bis  zu  den  Krallen  ziemlich  dicht  behaart.  Der 
Schwanz,  dessen  Länge  nahezu  2/3  der  Körperlänge  beträgt,  ist  an  der 
Wurzel  sehr  dick,  allmälig  sich  verdünnend,  beinahe  kegelförmig,  und 
ziemlich  dicht  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  und  einzelnen  einge- 
mengten langen,  abstehenden  und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimper- 
haaren besetzt.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  vier  Lückenzähne  vor- 
handen und  sämmtliche  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Ober-  sowohl  als  auch  die  Unterseite  des  Körpers  ist  ein- 
farbig dunkler  oder  heller  schmutzig-  oder  bräunlich -schieferblau, 
welche  Färbung  sich  auch  über  die  Oberseite  des  Schwanzes  er- 
streckt und  an  den  Leibesseiten  bis  zu  den  Gliedmassen  herabreicht. 
Die  Unterseite  des  Schwanzes  und  die  Füsse  sind  schwärzlich. 

Körperlänge 3"  6"'    Nach  Hodgson. 

Länge  des  Schwanzes    .    .    .    .    2"  1  '/a'". 

Vaterland.  Nepal  und  Ober-Indien,  insbesondere  Sikim, 
Blyth  hat  aus  Sikim  ein  Exemplar  erhalten,  daß  sich  durch 
einen  verhältnißmäüig  stärkeren  Kopf  und  stärkere  Beine,  dichtere 
Behaarung  der  Füsse  und  des  Schwanzes,  und  merklich  dunklere  Fär- 
bung unterscheidet.  Wahrscheinlich  beruhen  diese  Unterschiede  aber 
nur  auf  einer  Geschlechtsverschiedenheit. 


Kritische  UnlersHchiingen  über  die  Spitzmäuse  (Soriccs)  etc.  1(j3 

Ein  vonZeleboi'  angeblich  in  Hong-kong  gesammeltes  und 
mit  der  Novara-Expedition  an  das  Wiener  Museum  gelangtes  Exem- 
plar, scheint  mir  jax  dieser  Art  zu  geliören,  obgleich  ich  bei  demsel- 
ben nur  drei  Lückenzähne  im  Oberkiefer  zählte,  weßhalb  ich  auch 
jene  Art  zur  Gattung  Wimperschwanzspitzmaus  ^Croc/rf?«'«^  zog.  Es 
ist  indeß  möglich,  daß  ich  mich  hierin  geirrt  habe  und  ich  muß 
daher  eine  nähere  Aufklärung  hierüber  dem  Einsammler  überlassen, 
der  als  mein  Nachfolger  gegenwärtig  die  Säugethier-Sammlung  des 
Wiener  Museums  verwaltet. 

15.  Die  sehmalköplige  Dickschwanzspitzmans  (Pachyuraheierodon). 

P.  unicolor  palUde  ex  rufescente  coeruleo-schistacea,  pedibus 
diliitioribus ;  cauda  fere  2/3  corporis  longiUidine,  subius  dilutiore; 
plantis  infra  calcaneum  mactda  pilosa. 

Sorex  heterodon.   Blyth.  Journ.  of  the  Asiat.  Soc.  ofBengal.  18o5. 
Fase.  1. 
Wagn.  Schreber   Säugth.  Suppl.    B.  V.  S.  804. 
Nr.  6. 
Crocidura  heterodon.    Wagn.    Schreber     Säugth.     Suppl.    B.    V. 

S.  804.  Nr.  6. 
Pachyiira  heterodon.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  804. 
Nr.  6. 
Eine  der  flachköpfigen  Dickschwanzspitzmaus  (P.  soccata)  sehr 
nahe   stehende   Art,    welche   wir  bis   jetzt   nur    aus    einer    kurzen 
Beschreibung  kennen,  die  uns  Blyth  von  derselben  mitgetheilt  hat. 
Die  wesentlichsten  Merkmale,  durch  welche  sie  sich  von  der- 
selben  unterscheidet,   sollen  in   der  Gestalt   des  Schädels  und  der 
oberen  Vorderzähne ,  in  der  verschiedenen  Behaarung  der  Füsse  und 
zum  Theile  auch  in  der  etwas  abweichenden  Färbung  bestehen. 

Die  Körpergröße  und  das  Verhältniß  der  Länge  des  Schwanzes 
sind  beinahe  dieselben.  Der  Kopf  ist  langgestreckt  und  flach- 
gedrückt, aber  viel  schmäler  und  in  der  Wangengegend  weit  weni- 
ger angeschwollen  als  bei  der  flachköpfigen  Dickschwanzspitzmans 
(P.  soccata),  und  auch  die  oberen  Vorderzähne  sind  nicht  so 
stark  gekrümmt.  Die  Ohren  sind  groß  und  freiliegend,  die  Füsse  bei- 
nahe völlig  kahl  und  nur  unterhalb  des  Hackengelenkes  der  Hinter- 
füsse  befindet  sich  ein  behaarter  Flecken.  Der  Schwanz,  dessen 
Länge  ungefähr  gegen  2/3  der  Körperlänge  einnimmt,  ist  an  der  Wurzel 

11» 


164  Fitzin -er. 

sehr  dick,  allmälig  sich  verdüniieiid,  beinahe  kegelförmig,  ziemlich  dicht 
mit  kurzen  anliegenden  Haaren  und  einzelnen  eingemengten  langen, 
abstehenden  und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren  besetzt. 
Im  Oberkiefer  sind  jederseit«  vier  Lückenzähne  vorhanden  und  sämmt- 
liche  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Färbung  dw  Ober-  sowohl  als  auch  der  Unterseite  des  Kör- 
pers ist  einfarbig  bell  schmutzig  oder  bräunlich-schieferblau  und  von 
derselben  Färbung  ist  auch  die  Oberseite  des  Schwanzes.  Die  Unter- 
seite desselben  und  die  Füsse  sind  viel  blasser  gefärbt. 

Korperlänge .    .    3"  6" 

Länge  des  Schwanzes  etwas  über 2". 

Genauere  Körpermaaße  sind  nicht  angegeben. 
Vaterland.   Hinter-Indien  wo  diese  Art  in  den  Khasyabergen 
vorkommt,   daselbst  von  Blyth   entdeckt  wurde   und   die   er   auch 
zuerst  beschrieb. 

16.  Die  russfärbige  Dickschwunzspitzmaus  {Pachyura  montanaj. 

P.  unicolor  fnliginea,  yastraeo  pallidiore ,  tibüs  infra  pedi- 
busqtie  cinerascentibvs ;  canda  dimidio  corpore  parum  loiigiore. 
Sorex  moutmms.  Kelaart.  Journ.  of  the  Asiat.  Soc.  V.  XX.  p.  163. 
„     Kelanrti.  Blyth.  Journ.  of  the  Asiat.  Soc.  of  Bengal.   1855. 

Fase.  1. 
„     montanus.   Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.    B.  V.  S.  804. 
Nr.  9. 
Crocidura  motitana.  Wagn.  Schreber.  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  804. 

Nr.  9. 
Pachyura  montana.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  804. 
Nr.  9. 
Nahe  mit  der  rostfarbigen  Dickschwanzspitzmaus  (P.  f'erru- 
gineuj  verwandt ,  aber  etwas  größer  als  dieselbe  und  durch  die 
behaarten  Füsse,  so  wie  auch  durch  die  abweichende  Färbung  deut- 
lich von  derselben  verschieden. 

Die  Ohren  sind  groß,  freiliegend,  nicht  über  die  Höhe  des 
Kopfes  hinaus  ragend,  gerundet  und  kahl.  Der  Schwanz,  dessen 
Länge  etwas  mehr  als  die  halbe  Körperlänge  beträgt,  ist  mit  kurzen 
anliegenden  Haaren  und  einzelnen  eingemengten  langen,  abstehenden 
und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperbaaren  besetzt.  Die  KiU'per- 
bebaarung  ist  weieli,  der  untere  Theil  der  Beine  und  die  Füsse  sind 


Kritische  Untersiiuhiingeii  über  die  Spitzmäuse  {Sortfes)  etc.  165 

mit  kurzen  anliegenden  Haaren  besetzt,  die  Schnurren  lang,  die 
Krallen  kurz.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  vier  Lückenzähne  vor- 
handen und  sämmtliche  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  rußschwarz,  ohne  röthlichen 
Anflug,  die  Unterseite  heller.  Der  untere  Theil  der  Beine  und  die 
Füsse  sind  graulich,  die  Schnurren  silbergrau. 

Körperlänge 3"  9'"  Nach  Kelaart. 

Länge  des  Schwanzes 2"  3" 

„     des  Hinterfußes 8'". 

Vaterland.  Ceylon,  wo  diese  Art  in  den  Gebirgsgegenden 
angetroffen  wird,  und  daselbst  von  Kelaart  entdeckt  und  auch 
zuerst  beschrieben  wurde. 

Seiner  Angabe  zufolge  soll  sie  durchaus  keinen  Geruch  ver- 
breiten und  schon  dadurch  sich  auffallend  von  der  rostfarbigen  Dick- 
schwanzspitzmaus (^P.  ferruginea)  unterscheiden. 

17.  Die  rostfarbige  Dickschwanzspitzinaus   (Pachyiira   ferruginea). 

P.  unicolor  ferrugineo-brunnesens ,  coeruleo-lavata. 
Sorex  montanus.  Blyth.  Journ.  of  the  Asiat.  Soc.  V.  XX.  p.  163. 
—  V.  XXI.  p.  350. 
„     ferruginetis.  Kelaart.  Journ.  of  the  Asiat.  Soc.  V.  XX.  p.  185. 
„     montanus.  Blyth.  Journ.  of  the  Asiat.  Soc.  of  Bengal.  1855. 

Fase.  1. 
„     ferrugineus.   Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  804. 
Nr.  8. 
Crocidura  ferruginea.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  804. 

Nr.  8. 
Pachyura  ferruginea.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  804. 
Nr.  8. 
Fast  von  derselben  Größe  wie  die  rußfärbige  Dickschwanz- 
spitzmaus (P.  montana)  und  nur  wenig  kleiner  als  dieselbe,  unter- 
scheidet sie  sich  von  dieser  Art  beinahe  lediglich  durch  die  unbehaar- 
ten Füsse  und  die  V^erschiedenheit  in  der  Färbung  des  Köspers. 

Die  Ohren  sind  groß  und  freiliegend ,  der  untere  Theil  der 
Beine  und  die  Füsse  kahl.  Der  Schwanz  ist  mit  kurzen  anliegenden 
Haaren  und  einzelnen  eingemengten  langen,  abstehenden  und  nach 
rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren  besetzt.  Die  Behaarung  des 
Körpers  ist  weich.    Der  Zahnbau  stimmt  ganz  mit  jenem  der  kahl- 


166  Fitzinge  r. 

schwänzigen  D'icksclw^  nnzs\ntzmüus  (P.  tinirmaj  überein,  da  im  Ober- 
kiefer jederseits  vier  Lückeiizähne  vorhanden  und  sämmtliche  Zähne 
durchaus  einfarbig  weiß  sind. 

Die  Färbung  ^er  Ober-  sowohl,  als  Unterseite  des  Körpers  ist 
rostbraun  und  blau  überflogen. 

Maaße  sind  nicht  angegeben,  doch  dürfte  nach  dem  angedeute- 
ten Größenverhältnisse  zu  P.  montana  die  Körperlänge  ungefähr 
3"  6"'  betragen. 

Als  eine  besondere  Eigenthümlichkeit,  wodurch  sich  die  rost- 
farbige von  der  i'ußfärbigen  Dickschwanzspitzmaus  (P.  montana^ 
unterscheiden  soll,  wird  der  höchst  unangenehme  Geruch  angegeben, 
den  sie  verbreitet,  während  derselbe  der  letzteren  Art  fehlen  soll. 

Vaterland.  Ceylon. 

Die  erste  Beschreibung  dieser  Art  rührt  von  Blyth,  welcher  ihr 
den  Namen  „Sore.v  motiianus"  gab,  und  Kalaart,  welcher  gleich- 
zeitigeine nahe  mit  ihr  verwandte  Art  mit  demselben  Namen  bezeich- 
nete, schlug  für  die  Blyth'sche  Art  die  Benennung  „Sorex  ferru- 
gineus"  vor. 

18.  Die  schwarze  Dickscbwanzspitzmaus  (Pachyura  nigra). 

P.  noiaeo  ex  nigrescente-fusco,  rnbido-lavaio ;  gastraeo  cine- 
rascente;  cauda  ultra  2/3  corporis  longitiidine. 
Sorex  niger.  El  Hot.  Horsf.  Catal.  of  the  Mamm.  of   the  East-Ind. 

Comp.  p.  135. 
Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  S66.Nr.50. 

—  S.  804.  Nr.  7. 
„     Newera?  Wagn.    Schreber  Säugth.   Suppl.   B.  V.   S.   566. 

Nr.  50. 
Crocidura  Newera?  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V^  S.  566. 

Nr.  50. 
Sorex  niger.  Blyth.  Journ.  of  the  Asiat.    Soc.   of  Bengal.    1855. 

Fase.  1. 
Crocidura  nigra.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  804. 

Nr.  7. 
Pachyura  nigra.  Wagn,  Schreber   Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  804. 

Nr.  7.      - 
Sorex  murinus?  Giebel.  Säugeth.  S.  904.  Note  9. 
Crocidura  murina?  Giebel.  Säugetb,  S.  904.  Note  9. 


Kritische  Üntersucliiingen  über  die  Spitzmäuse  (^Sorices)  etc.  IßT 

Die  einzige  Original-Mittheilung,  welche  wir  über  diese  Form 
besitzen,  besteht  in  einer  sehr  kurzen  Beschreibung,  welche  Hors- 
f  i  e  Id  von  derselben  gegeben.  Aus  den  hierin  angeführten  Merkmalen 
geht  hervor,  daß  sie  von  gleicher  Größe  wie  die  schieferschwarze 
Wimperschwanzspitzmaus  ^Croc/rf?«"«  i\e?rer«^  sei,  dasselbe  Längen- 
verhältniß  des  Schwanzes  darbiete  und  sich  nur  durch  die  etwas  ver- 
schiedene Färbung  von  dieser  unterscheide.  Über  das  Gebiß  und  die 
Art  der  Behaarung  des  Schwanzes  gibt  die  Horsfield'sche  Beschrei- 
bung keinen  Aufschluß,  daher  man  auch  nicht  mit  Sicherheit  bestim- 
men kann,  welcher  Gattung  sie  eigentlich  angehöre  und  noch  weniger 
ihre  Identität  mit  der  schieferschwarzen  Wimperschwanzspitzmaus 
(Crocidura  Neivera)  behaupten  kann.  Nur  auf  die  Autorität  Blyth's 
gestützt,  der  —  obgleich  er  sie  nicht  selbst  gefunden,  —  sie  der  Gat- 
tung Dickschwanzspitzmaus  (^Pachyura)  zuweiset,  reihe  auch  ich 
sie  dieser  Gattung  ein  und  muß  es  der  Zukunft  überlassen,  über  die 
Richtigkeit  dieser  Ansicht  zu  entscheiden. 

Der  Schwanz  nimmt  etwas  mehr  als  2/3  der  Körperiänge  ein. 

Die  Färbung  der  Oberseite  des  Körpers  ist  schwärzlichbraun, 
und  röthlich  überflogen ,  jene  der  Unterseite  graulich. 

Körperlänge 3"  6'" 

Länge  des  Schwanzes 2"  6'". 

Vaterland.  Vorder-Indien,  Madras,  woselbst  sie  von  Elliot 
entdeckt  wurde.  Horsfield  hat  dieselbe  zuerst  beschrieben. 

19.  Die  toskanische  Dickschwanzspitzmaus  (^P«c/i?/?<7'«  etruscaj. 

P.  notaeo  sordide  coerulescente-cinereo,  pallide  brminescente- 
vel  rufescente-lavato,  lateribus  dilittioribus,  gastrneo  griseo  ;  cauda 
dimidii  vel  paidlo  ultra  2/3  corporis  longitudiue,  supra  ex'  brunnes- 
cente-cinerea,  subtus  dilutiore. 

Sorea;  Etruscns.  Sa  vi.  Nuovo  Giorn.  di  letterati.  Nr.  1.  p.  60.  t.  5. 
Desmar.  Mammal.  Suppl.  p.  335,  823.  Nr.  234. 
bis. 
„  „  Isid.  Geoffr.  Dict.  class.  V.  XL  p.  319. 

„      leucodon?  Gloger.  Nov.  Act.  Acad.  Leop.  Carol,  Nat.  Curios. 

V.  XIIL  P.  IL  p.  499. 
„      Etruscns.  Griffith.  Anim.  Kingd.  V.  V.  p.  302.  Nr.  12. 
Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  252,  579.  Nr.  2. 


168  F  i  tz  i  n  ger. 

Crocidura  etrusca.  Wagler.  Isis.  1832.  S.  275. 

Nathus.  Wiegm.  Arch.  B.  III.  Th.  IL  S.  153.  — 

B.  IV.  Th.  I.  S.  45. 
Sorex  etruscus.  Lenz.  Naturg.  B.  I.  S.  78. 
Pachyura  etrusca.  S  e  1  y  s  L o  n  g c  h.  Micromammal.  p.  32. 
Sorex  Etriiscus.  Keys.  Blas.  Wirbelth.  Europ.  S.  17.  Nr.  113.  — 

S.  60. 
Crocidura  Etrusca.  Keys.  Blas.  Wirbelth. Europ.  S.  17. Nr.  113.  — 

S.  60. 
Pachyura  etrusca.  Bonaparte.    Iconograf.  della  Fauna  ital.  t.  19. 

flg.  2. 
Sorex  etruscus.  Wagn.   Schreber.   Säugth.    Suppl.   B.  II.   S.  67. 

Nr.  11. 
Crocidura  etrusca.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  67. 

Nr.  11. 
Sorea?  etruscus.  Duvern.   Guerin  Magas.   d.   Zool.    1842.   p.  41. 

t.  54. 
Sundev.  Vetensk.  Akad.  Handl.  1842.  p.  175. 
Sorex  hetruscus.  Beiehenb.  Naturg.  Baub-th.  S.  338,  fig.  481. 
Crocidura  hetrusca.  Beiehenb.  Naturg.  Baubth.  S.  338.  fig.  481. 
Sorex  etruscus.  Coquerel.  Ann.  des  Sc.  nät.  3.  Ser.  V.  IX.  p.  195. 

t.  11.  fig.  2.  (Schädel.) 
Wagn.   Schreber    Säugth.   Suppl.  B.  V.   S.  555. 

Nr.  22. 
Crocidura  etrusca.   Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  555. 

Nr.  22. 
Pachyura  etrusca.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  555. 

Nr.  22. 
Sorex  etruscus.  Giebel.  Säugeth.  S.  902. 
Crocidura  etrusca.  Giebel.  Säugeth.  S.  902, 

Eine  der  kleinsten  unter  den  europäischen  Arten  dieser  Familie 
und  von  derselben  Grüße  wie  die  Zwerg-Spitzmaus  (iS'oreA"pi///Wrt(??/.sJ. 
Der  Büsscl  ist  verhältnismäßig  nichtsehr  lang.  Die  Ohren  sind 
groß  und  freiliegend,  und  auch  die  Klappen  an  der  Innenseite  dersel- 
l)en  sind  ziemlich  stark  entwickelt.  Der  Schwanz,  dessen  Länge 
etwas  über  -/g  oder  mindestens  die  halbe  Körperlänge  einnimmt,  ist 
gerundet,  an  der  Wurzel  etwas  eingeschnürt,  verhältnißmäßig  ziem- 
lich    dick,  gegen  das  Ende  zu  rasch  verdünnt,   und  nicht  sehr  dicht 


Kritische  Untersiiohungen  illier  die  Spifzmäusp  (Soriees)  etc.  J  69 

mit  kurzen,  anliegenden  Haaren  und  einzelnen  eingemengten  langen, 
abstehenden  und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren  besetzt. 
Die  Füsse  sind  nur  sehr  spärlich  behaart,  der  Rüssel  ist  kahl.  Im 
Oberkiefer  sind  jederseits  vier  Lückenzähne  vorhanden,  von  denen  der 
zweite  und  dritte  sich  völlig  gleich  sind,  und  sämmtliche  Zähne  sind 
durchaus  einfarbig  weiß.  Die  Drüsen  an  den  Leibesseiten  sind  nicht 
sichtbar. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  schmutzig  blaulichgrau,  in's 
licht  Bräunlich-  oder  Röthlichgraiie  ziehend ,  da  die  blaulichgrauen 
Haare  in  licht  bräunlich-  oder  röthlichgraue  Spitzen  endigen.  An  den 
Leibesseiten  geht  diese  Färbung  allmälig  in  Hellgrau  über,  das  sich 
über  die  ganze  Unterseite  verbreitet.  Die  kahle  Haut  der  Rüsselspitze 
und  der  Füsse  ist  fleischfarben  und  die  Härchen  der  letzteren  sind,  so 
wie  auch  die  Krallen  weißlich.  Der  Schwanz  ist  auf  der  Oberseite 
bräunlichgrau,  auf  der  Unterseite  heller  und  die  langen  Wimperhaare 
sind  weißlich. 

Körperlänge 1"  10'"  Nach  Savi. 

Länge  des  Schwanzes     ....  11" 

Gewicht .    .         36  Gran. 

Körperlänge 1"    8 — 9"' Nach  Reich enb. 

Länge  des  Schwanzes     ....    1" 

Körperlänge 1"    1'"  Nach  Wagner. 

Länge  des  Schwanzes     ....    1". 

Vaterland.  Süd-Frankreich,  Toskana,  Neapel,  Sicilien  und 
Algier.  Savi,  welcher  diese  Art  zuerst  beschrieb,  entdeckte  sie  bei 
Pisa  in  Toskana.  Späterhin  erhielt  sie  das  Wiener  Museum  auch  aus 
Sicilien,  wo  sie  von  Da  hl  in  der  Umgegend  von  Palermo  einge- 
sammelt wurde,  und  Nathusius  aus  Algier.  Sie  hält  sich  gewöhnlich 
unter  Wurzeln,  in  hohlen  Stämmen  und  unter  abgefallenem  Laube 
auf  und  sucht  zur  Winterszeit  Zuflucht  in  den  Düngerhaufen. 

20.  Die  kriniische  Dickschwauzspitzniaas  (Puchyura  maveolens). 

P.  notdeo  einer eo-brunnescente,  gastraeo  pedibnsque  (dbidis; 
cauda  fere  dimidii  corporis  longitiidine. 

Sorex  suaveolens.  Pallas.  Zoograph,  rosso-asiat.  V.Lp.  133.  t.  9. 
fig.  2. 
„  Schi nz.  CuvierThierr.  B.  L  S.  876. 

„  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  253.  Nr.  3.  «. 


170  Fitzin^er. 

Sorex  suaveolens.  Rathke,    Mem.    de   l'Acad.    d.    Petersb.    V.   III. 
p.  295. 
„      etrtiscus?  Rathke.  Mem.  de  l'Acad.  de  Petersb.  V.  III.  p.  295. 
„     suaveolens.  Nathus.  Wiegm".  Archiv.  B.  III.  Th.  JI   S.  153. 

Wagn.    Schreber   Säugth.  Suppl.  B.  II.    S.  68. 
Nr.  12. 
Crocidura  suaveolens.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  68. 

Nr.  12. 
Sorex  suaveolens.  Reichenb.  Nafurg.   Raubth.   S.  338.   fig.  498. 
Crocidura  suaveolens.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  338.  fig.  498. 
Sorex  suaveolens.  Blas.  Bericht  über  die  19.  Versamml.  deutsch. 
Naturf.  S.  87. 
„     etruscus.   Wagn.    Schreber  Säugth.   Suppl.    B.   V.    S.  555. 
Nr.   22. 
Crocidura  etrusca.  Wagn.  Schreber.  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  555. 

Nr.  22. 
Pachyura  etrusca.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  555. 

Nr.  22. 
Sorex  etruscus.  Giebel.  Säugeth.  S.  902. 
Crocidura  etrusca.  Giebel.  Säugeth.  S.  902. 

Wir  kennen  diese  Form  bis  jetzt  nur  aus  einer  Beschreibung 
und  Abbildung,  welche  Pallas  von  derselben  gegeben,  und  aus  einer 
s))äteren  Beschreibung,  die  uns  von  Rathke  mitgetheilt  wurde. 

Aus  beiden  scheint  hervorzugehen,  daß  sie  ungeachtet  ihrer 
nicht  zu  verkennenden  nahen  Verwandtschaft  mit  der  toskanischen 
Dickscbwanzspitzmaus  (P.  etrusca),  welche  sie  auch  an  Größe  nur 
wenig  übertrifft,  dennoch  und  zwar  sowohl  durch  den  dünneren 
Rüssel,  als  auch  durch  den  kürzeren  Schwanz  verschieden  sei. 

Der  Rüssel  ist  verhältnißmäßig  nicht  sehr  lang,  kürzer  als  jener 
der  weißbauchigen  Wimperschwanzspitzmaus  (C.  leucodonj  oder  wie 
Rathke,  von  welchem  diese  Angabe  herrührt,  dieselbe  nennt,  des 
„Sorex  araneus",  und  sehr  stark-verdünnt.  Die  Ohren  sind  groß  und 
freiliegend.  Der  Schwanz,  dessen  Länge  nahezu  die  halbe  Körper- 
länge einnimmt,  ist  gerundet,  an  der  Wurzel  schwach  eingeschnürt, 
in  der  ersten  Hälfte  dicker  als  in  der  Endliälfle,  und  mit  kurzen  an- 
liegenden Haaren  und  einzelnen  eingemengten  langen,  abstehenden 
inul  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaai'cn  besetzt.  Unterhalb 
des  Schwanzes  befindet  sich  der  Angabe  von  Pal  las  zufolge   eine 


Krilisclie  Untersuchungen  über  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  I  7  1 

Drüse,  welche  jederseits  einen  Ausfüliningsgang  hat  und  eine  sehr 
angenehm  und  schwach  nach  Moschus  riechende  Flüssigkeit  ab- 
sondert. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  graulicbbraun,  die  Unterseite 
weißlich.  Der  Schwanz  ist  von  derselben  Färbung  wie  der  Körper, 
oben  graulicbbraun,  unten  weißlich.  Die  Füsse  sind  gleichfalls  weiß- 
lich gefärbt. 

Körperlänge 2"  1'"  Nach  Rathke. 

Länge  des  Schwanzes 1". 

Vaterland.  Krim,  wo 'diese  Art,  welche  von  Pallas  zuerst 
beschrieben  wurde,  in  Gärten  und  Wäldern  vorkommt. 

Rathke  sprach  die  Vermutbung  aus,  daß  diese  Form  vielleicht 
mit  der  toskanischen  Dickschwanzspitzmaus  {P.  efruscaj  identisch 
sein  könnte,  welcher  Ansicht  aber  Na  thusius  und  nach  ihm  auch 
Wagner  entgegentraten.  Späterhin  änderte  jedoch  Wagner  seine 
frühere  Meinung  und  vereinigte  unbedingt  beide  Formen  miteinander. 

Eine  besondere  Eigenthümlichkeit  der  krimischen  Dickschwanz- 
spitzmaus (^P.  suaveolens) ,  welche  seither  noch  bei  keiner  anderen 
Art  in  der  Gruppe  der  Spitzmäuse  bemerkt  worden  ist  und  an  die 
Arten  der  Gattung  Bisamrüßler  (Myogale)  und  Rohrrüßler  (31acro- 
iicelis)  erinnert,  wäre  das  von  Pallas  behauptete  Vorhandensein 
einer  Absonderungsdrüse  unterhalb  des  Schwanzes,  und  es  wäre  daher 
von  hoher  Wichtigkeit,  in  dieser  Beziehung  auch  bei  anderen  Arten 
genauere  Untersuchungen  anzustellen. 

21.  Die  karzkrallige  Dickschwaozspitzniaus  (Pachyura  micronyx). 

P.  notaeo  iialUde  castaneo,  in  riifum  vergente,  gastraeo  dilu- 
tiore,  griseo-lavato ;  caiula  fere  3/4  corporis  longitudiiie,  supra 
rnfescente-brunnea,  irtfra  ruhido-albida. 

Sorex  micronyx.  Blyth.  Journ.  of  the  Asiat.  Soc.  ofBengal.  18S5. 

Fase.  1. 
Wagn.  Schreber  Säugth.   Suppl.  B.  V.  S.    804. 

Nr.  11. 
Crocidura  micronyx.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.804. 

Nr.  11. 
Pachyvra  micronyx.  Wagn.  Sclnvber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.804. 

Nr.  1 1 . 


172  Fitzinger. 

Diese  zu  den  kleinsten  unter  den  asiatischen  Formen  dieser 
Gattung  gehörige  Art  ist  von  derselben  Größe  wie  die  toskanische 
Dickschwanzspitzmaus  (P.  etrusca)  und  ziemlich  nahe  mit  der  kahl- 
füssigen  Dickschwanzspitzmaus  {P.  nudipes)  verwandt,  unterschei- 
det sich  von  derselben  aber,  außer  der  etwas  abweichenden  Färbung, 
durch  die  verhältnißmäßig  kleineren  Ohren,  den  etwas  längeren 
Schwanz,  die  mit  dünnstehenden  Haaren  besetzten  Füsse  und  die  auf- 
fallend kürzeren  und  kleineren  Krallen. 

Die  Ohren  sind  groß  und  freiliegend,  der  Schwanz,  welcher 
nahe  an  s/4  der  Körperlänge  einnimmt,  ist  verhältnißmäßig  etwas 
dick,  allmälig  sich  verdünnend,  und  ziemlich  spärlich  mit  kurzen, 
anliegenden  Haaren  und  einzelnen  eingemengten  langen,  abstehenden 
und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren  besetzt,  so  daß 
allenthalben  die  kahle  Haut  durchblickt.  Die  Füsse  sind  mit  dünn 
gestellten  Haaren  besetzt,  welche  die  Krallen  überragen,  die  Krallen 
überaus  kurz  und  klein.  Die  Drüsen  an  den  Leibesseiten  sind  nicht 
sichtbar.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  vier  Lückenzähne  vorhanden 
und  sämmtliche  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  sehr  licht  kastanienbraun,  viel  blasser 
und  mehr  in's  Rothe  ziehend  als  bei  irgend  einer  anderen  der  kleinen 
asiatischen  Arten,  die  Unterseite  etwas  heller  und  stärker  silbergrau 
überflogen.  Die  Oberseite  des  Schwanzes  ist  röthlichbraun,  die  Unter- 
seite röthlichweiß  oder  beinahe  fleischfarben. 

Körperlänge 1"  T'/a"' 

Länge  des  Schwanzes 1"  i^/z". 

Vaterland.  Vorder-Indien,  Kemaon  und  Landour,  woher 
Blyth  diese  Art  erhielt,  welche  er  nach  zwei  Exemplaren  zuerst 
beschrieb. 

22.   Die  kahlfössige  Dickschwanzspitzmaus  (Pachynru  nudipes). 

P.  notaeo  ohscure  rnfescetife-f'usco,  nigro-fusco  variegato, 
gastraeo  düiitiore,  griseo-lavato ;  cauda  f'ere  -/^  corporis  longi- 
tudine. 

Sorej;  nudipes.  B I  y  t  h.  Journ.  of  the  Asiat.  Soc.  öf  Bengal.  1 855. 
Fase.  1. 
Wagn.    Schreber    Säogth.    Suppl.    B.  V.  S.  805. 
Nr.  13. 


Kritische  Untersuchungen  iilier  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  1  7  U 

Crocidura  midipes.  Wagu.  Sehreber  Säugtli.  Suppl.  B.  V.  S.  805. 

Nr.  13. 
Pachyura  midipes.   Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  805. 
Nr.  13. 

Von  der  Größe  der  toskanisclien  Dickschwanzspitzinaus  (l\ 
etruscn),  daher  eine  der  kleinsten  Arten  dieser  Gattung  und  zunächst 
mit  der  kurzkralligen  Dickschwanzspitzmaus  (P.  micronyx)  ver- 
wandt, von  welcher  sie  sich  jedoch  durch  die  merklich  größeren 
Ohren  —  welche  auch  größer  als  bei  allen  übrigen  kleinen  asiatischen 
Arten  dieser  Gattung  sind,  —  so  wie  durch  den  etwas  kürzeren 
Schwanz,  die  völlig  kahlen  Füsse,  die  längeren  Krallen  uu-d  zum 
Theile  auch  durch  die  Färbung  unterscheidet. 

Die  Ohren  sind  groß  und  freiliegend.  Der  Schwanz,  dessen 
Länge  nahezu  3/3  der  Körperlänge  erreicht,  ist  verhältnißmäßig  etwas 
dick ,  allmälig  sich  verdünnend ,  nur  sehr  spärlich  mit  kurzen  anlie- 
genden Haaren  und  einzelnen  wenigen  eingemengten  langen,  abste- 
henden und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren  besetzt,  daher 
er  beinahe  völlig  kahl  erscheint.  Die  Füsse  sind  kahl  und  die  Drüsen 
an  den  Leibesseiten  groß  und  deutlich  wahrnehmbar.  Im  Oberkiefer 
sind  jederseits  vier  Lückenzähne  vorhanden  und  sämmtliche  Zähne 
sind  durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist,  ähnlich  wie  bei  der  gemeinen 
Spitzmaus  (S.  vulgiirisj,  schwach  glänzend  dunkel  röthlichbraun  und 
etwas  schwärzlichbraun  gesprenkelt,  jene  der  Unterseite  heller,  mit 
silbergrauem  Schimmer.  Der  Schwanz  ist  auf  der  Oberseite  wie  der 
Rücken  dunkel  röthlichbraun,  auf  der  Unterseite  lichter.  Die  kahle 
Haut  derVorderfüsse  und  der  Zehen  der  Hinterfüsse  ist  fleischfarben. 

Körperlänge 1"  9'"     . 

Länge  des  Schwanzes 1"  3/4'". 

Vaterland.  Hinter-Indieii,  Tenasserim,  woher  Blyth  diese  Art 
erhielt,  die  er  auch  zuerst  beschrieb. 

23.  Die  Zwerg-UickschwanzspitzinaQS  (Pachyura  pygmaea). 

P.  unicolor  fidiginea,  gastraeo  dilutiore  ;  cauda  dimidio  cor- 
pore paiUlo  longiore. 

Sorex  pygmaeus.  Hodgs.  Ann.  of  Nat.  Hist.  V.  XV.  p.  269. 
Cor sira  pygmaea.  Gray.  Horsf.  Catal,  of  the  Mamm.  of  tbe  East- 
Ind.  Comp. 


I  T^  F  i  t  z  i  II  g'  e  r. 

Sore.i-  pygmaeus?   Wagii.  Sehreber  Säiigtli.  Suppl.   B.  V.  S.  345. 
Nr.   6. 
"     pygmaeus.   Blyth.  Jouni.  of  the  Asiat.  Soc.  of  Bengal.  1858. 
Fase.  1. 
Wagn.  Schreber  Säiigtli.  Suppl.  B.  V.   S.  804. 
Nr.  10. 
Crociditra  pygmaea.  Wagn,  Scbreber  Säiigth.  Suppl.  B.  V.  S.  804. 

Nr.  10. 
Pucliyura  pygmaea.  Wagn.  Schreber  Säugtb.  Suppl.  B.  V.  S.  804. 
Nr.  10. 

Wir  keinien  diese  Form,  welche  zu  den  kleinen  Arten  dieser 
Gattung  gehört,  nur  aus  einer  sehr  unvollständigen  Beschreibung, 
die  wir  der  Mittheilung  von  llodgson  zu  verdanken  haben.  Aus 
derselben  geht  hervor,  daß  sie  mit  der  schwärzlichbraunen  Dick- 
sehwanzspitzmaus  (P.  Perrottetii)  nahe  verwandt,  aber  merklich 
größer  als  dieselbe  und  auch  durch  die  Färbung  von  ihr  verschie- 
den ist. 

Die  Ohren  sind  kahl,  und  der  Schwanz,  welcher  etwas  über  die 
halbe  Körperlänge  einnimmt,  ist  nur  spärlich  behaart.  Die  Drüsen  an 
den  Leibesseiten  sind  nicht  sichtbar. 

Die  Färbung  des  Körpers  ist  einfarbig  rußbraun,  auf  der  Ober- 
seite <lunkler,  auf  der  Unterseite  heller.  Die  kahle  Haut  der  Ohren 
und  des  Schwanzes  ist  dunkel  fleischfarben. 

Körperlänge 2" 

Länge  des  Schwanzes 1''  2^/^" 

„    Kopfes 8iX"' 

„       des  Vorderfußes .         3'" 

„     Hinterfußes ^^/J". 

V^aterland.  Ost-Indien,  wo  diese  Art  im  Unterholze  und  auch 
auf  Feldern,  selten  aber  in  Häusern  angetroffen  wird. 

Hodgson,  von  w«;lchem  die  einzige  uns  vorliegende  Beschrei- 
bung dieser  Form  herrührt,  bemerkt  ausdrücklich,  daß  man  bei  die- 
ser Art  keine  Seitendrüsen  gefunden  habe  und  daß  dieselbe  auch 
keinen  moschusartigen  (ierucb  verbreite.  Ob  diese  Drüsen  wirklich 
fehlen,  ist  sehr  zu  bezweifeln,  da  dieselhcn  wohl  mir  l»ci  den  ge- 
schlechlsreifen  Männchen  (leiitlich  entwiekelt  sind  und  wahrscheinlich 
auch  nur  zu  gewissen  Zeiten  jene  nach  Moschus  riechende  Flüßigkeit 


Kritische  Uiitersuchiiiigeii  über  die  Spitiiiiäuse  (Surices)  etc.  l7o 

absondern,  die  allen  zu  den  typischen  Gattungen  dieser  Familie  ge- 
hörigen Arten  eigen  ist. 

Gray  hält  diese  Form  für  identisch  mit  der  Zwerg-Spitzmaus 
(S.  pygmaeuxj,  worin  er  jedoch,  —  wie  dieß  schon  Blyth  nachge- 
wiesen, —  sicher  im  Irrthume  ist.  Abgesehen  von  der  durciiaus  ver- 
schiedenen Heimat  dieser  beiden  Formen,  unterscheidet  sie  sich  nicht 
nur  durch  die  größere  Länge  des  Schwanzes ,  welche  ihr  eigen  ist, 
von  der  Zwerg-Spitzmaus  (S.  pyymaeus) ,  sondern  wohl  auch  noch 
durch  andere  Merkmale,  wie  aus  den  kurzen  Andeutungen  von 
Hodgson  hervorzugehen  scheint.  Denn  da  derselbe  von  kahlen 
Körpertheilen  spricht,  welche  seiner  Art  eigen  sind,  so  können  doch 
wohl  nur  die  Ohren  und  der  Schwanz,  vielleicht  aber  auch  noch  die 
Fiisse  unter  denselben  verstanden  worden  sein,  obgleich  er  diese 
Tlieile  nicht  ausdrücklich  nennt.  Ist  dieß  aber  der  Fall,  so  treten  die 
Ohren  bei  derselben  weit  mehr  aus  dem  Pelze  hervor  und  ist  der 
Schwanz  auch  viel  spärlicher  behaart,  als  bei  „Sore.v  pygmaeus'^ . 

Auf  diese  Gründe  gestützt ,  reiht  Blyth  die  H  o  d  g  s  o  n'sche 
Form  der  Gattung  „Pnchytira''  ein,  welcher  Ansicht  auch  ich  mich 
anschließen  zu  sollen  glaube. 

24.  Die  schwärzliclibraune  Dickschwanzspitziiiaus  (Pachyurn 
Perrottetü). 

P.  notaeo  obscure  uigrescente-fusco,  interilum  leoiter  castaneo- 
lavato ,  gastraeo  paiillo  dilutiure,  griseo-lavato  ;  caiida  Vs  corporis 
longitudiue,  vel  purum  breviore. 

Sorex  Perrotteti.  Duvern.  Guerin  Magas.  d.  Zool.   1842.   p.  29. 
t.  47. 
Sundev.  Vetensk.  Akad.  Handl.  l842.  p.  175. 
Reich enb.  Naturg.  Raubth.  S.  341. 
Crocidiira  Perotteti.  Reichen!).  Naturg.  Raubth.  S.  341. 
Sorex  Perrotteti?  Blyth,  Journ.  of  the  Asiat.  Soc.  of  Bengal.  185i>. 
Fase.  1. 
„     Hodgsonii.  Blyth.  Journ.  of  the  Asiat.   Soc.  of  Bengal.  185b. 

Fase.  1. 
„     Perrotteti.  Wagn.  Schreber   Säugth.   Suppl.  B.  V.  S.  5oS. 
Nr.  23.  —  S.  804.  Nr.  12. 
Crocidiira  Perrotteti.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  355. 
Nr.  23.  —  S.  804.  Nr.  12. 


k 


176  F  i  t  ;t  i  u  g  e  r. 

Pachyura  Perrotteti.  Wagn.  Sclireber  Säiigtli.  Suppl.  B,  V.  S.  555. 

Nr.  23.  S.  804.  Nr.  12. 
Sorex  indicus.  Giebel.  Säugetli.  S.  905. 
Crocidura  indica.  Giebek  Säugeth.  S.  905. 

Die  kleinste  unter  den  asiatischen  Arten  dieser  Gattung  und 
noch  etwas  kleiner  als  die  toskanische  Dickschwanzspitzmaus  (P. 
ctrnscaj,  von  welcher  sie  sich  außer  der  dichteren  Behaarung  der 
Fiisse  und  des  Schwanzes,  hauptsächlich  durch  die  völlig  verschie- 
dene Färbung  unterscheidet. 

Die  Ohren  sind  groß  und  t'reiliegend.  Der  Schwanz,  dessen 
Länge  2/3  oder  nahezu  "/-^  der  Körperlänge  einnimmt,  ist  an  der 
Wurzel  dick,  im  weiteren  Verlaufe  allmalig  sich  verdünnend,  und 
ziemlich  dicht  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  und  einzelnen  einge- 
mengten langen,  abstehenden  und  nach  rückwärts  gerichteten  Wim- 
perhaaren besetzt.  Die  Füsse  sind  ziemlich  dicht  behaart,  die  Krallen 
nicht  sehr  klein.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  vier  Lückenzähne  vor- 
handen und  sämmtliche;Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Färbung  der  Oberseite  des  Körpers  und  der  Leibesseiten 
ist  dunkel  schwärzlichbraun,  bisweilen  mit  einem  schwachen  kasta- 
nienbraunen Anfluge,  jene  der  Unterseite  nur  wenig  lichter  und  etwas 
graulich  überflogen.  Der  Schwanz  ist  auf  der  Oberseite  dunkelbraun, 
auf  der  Unterseite  lichter.  Die  Vorderfüsse  sind  heller,  die  Hinter- 
füsse  dunkler  braun  behaart.   Die  Krallen  sind  weißlich. 

Körperlänge 1"    5"  Nach  Duvernoy. 

Länge  des  Schwanzes     ....         11'" 

Körperlänge 1"    6  "  Nach  Blytli. 

Länge  des  Schwanzes     ....     1". 

Vaterland.  Ost-Indien,  Nyl-Gherrys,  wo  dieseArt  von  Perrot- 
tet in  einer  Höhe  von  nahe  an  7000  Fuß  über  der  Meeresfläche  ent- 
deckt wurde.  Blyth  erhielt  sie  aus  Dartschiling.  Die  erste  Beschrei- 
bung derselben  hat  Duvernoy  gegeben,  und  Blyth,  welcher  nicht 
völlig  sicher  war,  ob  die  von  ihm  aus  Dartschiling  erhaltene  Form 
wirklich  identisch  mit  derselben  sei,  schlug  für  sie,  falls  sie  sich 
als  verschieden  bewähren  sollte,  den  Namen  „Sorex  Hodgsonii'* 
vor.  Der  Unterschied,  welcher  aber  zwischen  seiner  und  der  von 
Duvernoy  gegebenen  Beschreibung  besteht,  ist  so  gering,  daß 
man  beide  Thiere  als  zu  einer  und  derselben  Art  gehörig  betrachten 
muß.  Vielleicht  beruht  die  ganze  Differenz  in   der  Schwanzlänge, 


Kritische  Untersuchungen  über  <iic  Siiitziniiusc  fSoriccs)  etc.  W  7 

welelie  l>ei  dem  Blylirselien  Exemplare  etwas  größer  ist  und  der 
kastanienbraune  Anflug  auf  der  Oberseite  des  Körpers  inn*  auf  einer 
geschlechtlichen  Verschiedenheit,  indem  Blyth's  Exemplar  ein 
Weibchen  war,  was  um  so  wahrscheinlicher  ist,  als  er  demselben 
auch  die  Seilendrüsen  abspricht. 

21}.  Die  schwarzbraune  Dickschwanzspltzmaos  (Pachyura  atrnta). 

P.  iiotaeo  nigro-fnsco ,  leciter  rubido-Iacaio ,  gastraeo  ohscu- 
r'iore,  pedibns  nigro-fuscis;  cauda  supra  nigrescenfe-fusca,  infra 
nigrescente. 

Sorex  atratus.  Blyth.  Journ.  of  the  Asiat.   Soc.  of  Bengal.   185J). 
Fase.  1. 
Wagn.    Schreber   Säugth.   Suppl.    B.    V.    S.   80Ö. 
Nr.  14. 
Crocidiira  atrata.  Wagn.  Schreber  Säugth,  Suppl.  B.  V.  S.  805. 

Nr.  14. 
Pachyura  atrata.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.    S.  805. 
Nr.   14. 

Diese  höchst  unvollständig  bekannte  Art,  welche  wirblos  aus  einer 
kurzen  Beschreibung  kennen,  die  Blyth  nach  einem  verstümmelten 
Exemplare,  dem  der  Kopf  gefehlt,  entworfen  und  uns  mitgetheilt  hat, 
scheint  durch  die  überaus  dunkle  Färbung  ihres  Körpers,  welche  sich 
über  die  Füsse  und  den  Schwanz  erstreckt,  von  allen  übrigen  uns 
bis  jetzt  bekannt  gewordenen  indischen  Arten  verschieden  zu  sein 
und  sich  als  eine  selbstständige  zu  bewähren.  Sie  gehört  zu  den 
kleinsten  unter  den  asiatischen  Arten  und  ist  zunächst  mit  der 
schwärzlichbraunen  Dickschwanzspitzmaus  (P.  Perrotteti'Q  ver- 
wandt, mit  welcher  sie  auch  bezüglich  ihrer  Größe  übereinzukommen 
scheint. 

Der  Schwanz  ist  ziemlich  dicht  mit  kurzen  anliegenden  Haaren 
besetzt,  zwischen  denen  einzelne  längere,  abstehende  und  nach  rück- 
wärts gerichtete  Wimperhaare  eingemengt  sind.  Auch  die  Füsse  sind 
kurz  und  ziemlich  dicht  behaart. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  dunkel  schwärzlichbraun ,  mit 
schwachem  röthlichem  Anfluge,  die  Unterseite  dunkelgrau.  Die  Füsse 
und  die  Oberseite  des  Schwanzes  sind  schwärzlichbraun,  die  Unter- 
seite desselben  ist  schwärzlich. 

Länge  des  Schwanzes 1". 

Sif/.b.  d.  ii.afliem.-iKituiw.  CI.  LVil.  Cii.  I.  Al.th.  12 


178  F  i  t  7.  i  n  }>  e  r. 

Vaterland.  Hinter -Indien,  Kliasya-Gehirge.  Blyth  war  es, 
der  diese  Art  entdeckte  und  zuerst  beschrieb. 

26.  Die  schlanke  Dickschwanzspitzmaus  (Pachyura  gracilis). 

P.  notaeo  obscurc  castaneo,  /aferibus  geiihque  dUutioribus, 
(jastraeo  griseo,  pectore  obscuriore ;  cauda  fere  2/3  corporis  lon- 
gitudine. 

Sore.v  gracilis.  Blainv.  Ann.  des  Sc.  nat.  2.  Ser.  V.  X.  p.  120. 
„  _  Blainv.  Ann.  etrang.  V.  IL  t.  14.  fig.  8. 

Sundev.  Vetensk.  Akad.  Handl.  1842.  p.  175. 
Coquerel.  Ann.  des  Sc.  nat.  3.  Ser.  V.  IX.  p.  193. 

t.  11.  fig.  3.  (Schädel). 
Wagn.  Schreber   Säugth.    Suppl.    B.  V.    S.  555. 
Nr.  24. 
Crocidura  gracilis.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  555. 

Nr.  24. 
Pachyura  gracilis.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.   B.  V.  S.  555. 

Nr.  24. 
Sorex  etruscus?  Giebel.  Säugeth.  S.  902.  Note  9. 
Crocidura  etrusca?  Giebel.  Säugeth.  S.  902.  Note  9. 

Eine  höchst  ausgezeichnete  Art  und  zugleich  eine  der  kleinsten 
nicht  nur  unter  den  afrikanischen  Arten  dieser  Gattung,  sondern 
unter  sämmtlichen  Arten  der  ganzen  Familie ,  indem  sie  nicht  größer 
als  die  toskanische  Dickschwanzspitzmaus  (P.  etrusca)  ist. 

Die  Ohren  sind  groß  und  freiliegend,  und  die  inneren  Klappen 
bei  Weitem  nicht  so  stark  entwickelt  als  bei  dieser  und  der  ihr  ver- 
wandten madagaskarischen  Dickschwanzspitzmaus  (^P.  madagus- 
cariensis).  Der  Schwanz,  welcher  nahezu  2/3  der  Körperlänge  ein- 
nimmt, ist  an  der  Wurzel  sehr  dick ,  im  weiteren  Verlaufe  allmälig 
sich  verdünnend  und  etwas  zusammengedrückt,  und  ziemlich  dicht 
mit  kurzen  anliegenden  Haaren  und  einzelnen  eingemengten  langen, 
abstehenden  und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren  besetzt. 
Im  Oberkiefer  sind  jederseits  vier  Lückenzähne  vorhanden,  von  denen 
der  zweite  kleiner  als  der  dritte  ist,  und  sämmtliche  Zähne  sind 
durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  dunkel  kastanienbraun ,  welche 
Färbung  an  den  Leibesseiten  und   den  Wangen   lichter  wird;   die 


Kritische  Untersuchungen  über  <Hc  Spit/.inniise  (Soriccn)  etc.  1  79 

Unterseite  ist  graulich,  an  der  Brust  etwas  dunkler  als  am  Bauche. 
Der  Schwanz  und  die  Füsse  sind  lichtbraun. 

Körperiänge 1"  7'"  Nach  Coquercl. 

Länge  des  Schwanzes 1". 

Vaterland.  Süd-Afrika,  Cap-Colonie.  Die  erste  Notiz  über 
die  Existenz  dieser  Art  erhielten  wir  von  Blainville,  und  Coque- 
rel  hat  dieselbe  zuerst  n<äher  beschrieben. 

27.  Die  madagaskarische  Dickschwanzspitzniaus  (Pachyura  madagas- 

cariensisj. 

P.  7iotaeo  obscure  fuscescente-  cinereo ,  gastraeo  pallidiore; 
cauda  parum  ultra  -/s  corporis  longitudiiie. 
Sorex  madagascariensis.  Coquerel.  Ann.  des  Sc.  nat.  3,  Ser.  V. 

IX.   p.   193.   t.   11.   fig.   1.  (Thier  und 

Schädel.) 
„  „  Wagn.    Schreber   Säugth.   Suppl.    B.  V. 

S.  556.  Nr.  25. 
Crocidura  madagascariensis.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B- V. 

S.  556.  Nr.  25. 
Pachyura  madagascariensis.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V. 

S.  556.  Nr.  25. 
Sorex  etrusciisl  Giebel.  Säugeth.  S.  902.  Note  9. 
Crocidura  etrusca?  Giebel.  Säugeth.  S.  902.  Note  9. 

Diese  zu  den  kleinsten  Formen  in  der  Familie  der  Spitzmäuse 
gehörige  Art,  welche  fast  von  derselben  Größe  wie  die  schlanke 
Dickschwanzspitzmaus  (^P.  gracilis)  ist,  unterscheidet  sich  von  der- 
selben sowohl  durch  die  viel  größeren  Ohrenklappen,  als  auch  durch 
den  etwas  längeren  und  an  der  Wurzel  minder  dicken  Schwanz,  und 
die  verschiedene  Färbung. 

Die  Ohren  sind  groß,  freiliegend  und  kahl,  mit  sehr  stark  ent- 
wickelten inneren  Klappen.  Der  Leib  ist  verhältnißmäßig  sehr 
schlank  und  schmächtig.  Der  Schwanz,  dessen  Länge  etwas  über 
2/3  der  Körperlänge  einnimmt,  ist  an  der  Wurzel  merklich  dicker  als 
im  weiteren  Verlaufe ,  dann  aber  dünn  und  schmächtig,  und  ziemlich 
dicht  mit  kurzen  anliegenden  Ilaaren  und  einzelnen  eingemengten 
langen,  abstehenden  und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren 
besetzt.  Die  Körperbehaarung  ist  dicht,  weich  und  glänzend,  die 
Schnurren   sind  ziemlich  lang.    Im  Oberkiefer  sind  jederseits  vier 

13* 


180  Fifzingcr.    Kritische  Ui)tersucluiiiL>eu  üIxt  ilie  Spitzmäuse  etc. 

Lückeiizähnc  vorliaiiden  und  siimmtliche  Zähne  sind  durchaus  oin- 
fjirbig  weiß». 

Die  Obersoite  des  Körpers  ist  dunkel  bräunlichgrau ,  die  Unter- 
seite etwas  heller.  Die  Schnurren  sind  weiß,  die  längsten  derselben 
an  der  Wurzel  schwarz.  Die  Krallen  sind  bräunlich-hürnfarben. 

Körperlänge 1"  G'/a'" 

Länge  des  Schwanzes 1"     i/^'". 

V  a  t  e  r  1  a  n  d.  Madagaskar,  wo  C  o  q  u  e  r  e  1  diese  Art  an  der  Nord- 
küstc  entdeckte,  die  er  auch  zuerst  beschrieb. 


Schloenliaeh.   Über  ilie  noiddeulschen  (ialeriten-Schichten  de.  181 


Über  die  norddeutschen   Gal er iten- Schichten  und  ihre 
Brachiopoden-Fauna. 

Von  Dr.  V.  Schloenbacb. 

(Mit  3  lithographirten  Tafeln  und  einem  Holzschnitte.) 


I.  Geologischer  Theil. 

Seit  der  Veröffentlicliiing  von  Strombeck's  „Gliederung  des 
Planers  im  nordwestlichen  Deutschland  nächst  dem  Harze"  «)  gilt 
es  als  ausgemacht,  daß  jene  Schicht,  welche  von  ihm  nach  der 
Petrefacten-Art,  die  ganz  besonders  häufig  darin  vorkommt  und 
daher  als  bezeichnend  für  dieselbe  betrachtet  werden  düvf  {Galcrites 
oder  Echinoconus  albogalerus  var.  subconica) ,  mit  dem  Namen 
Galeriten-Schicht  belegt  wurde,  seiner  Abtheilung  des  „oberen 
Pläners"  angehört  und  eine  in  mancher  Beziehung  eigenthümliche 
Modification  des  zweiten  Gliedes  dieser  Abtheilung,  der  „weißen 
Brongniarti- Schichten"'  bildet.  Strombeck  selbst  spricht  sich  an 
der  betreffenden  Stelle  über  dies  Verhältniß  mit  folgenden  Worten 
aus:  „Die  Galeriten-Schichten  sind  synchronistisch  mit  den  weißen 
Brongniurti-&c\\\c\\it\\.  Wo  die  einen  vorkommen,  fehlen  die  anderen. 
Jene  ersetzen  hin  und  wieder  auch  einen  Theil  der  Scaphiten- 
Schichten,  so  am  Fleischerkamp  bei  Salzgitter  und  zwischen  Wed- 
lingen  und  Beuchte  unweit  Goslar  (Hannover);  dann  umschließen 
sie  auch  einige  der  Species  aus  den  Scaphiten-Schichten,  obwohl 
immer  als  Seltenheiten."  Herr  v.  Strombeck  betrachtet  also  die 
„Galeriten-Schichten",  wie  hieraus  hervorgeht,  rein  als  eine  Facies, 
welche  nicht  immer  innerhalb  der  gleichen  Altersgrenzen  auftritt, 
sondern  bald  nur  auf  einen  einzigen  bestimmten  paläontologischen 
Horizont,  bald  auf  mehrere  sich  erstreckt  und  folgerichtig  in  letzterem 


')  Neues  Jahrb.  für  Mineral,  etc.   ISö",  i>.   7öj;   und  Zeitschr.  d.  d.   geol.  üe3.  !X, 
ISäT,  p.  415. 


J82  SchloeiihHcli. 

Falle  als  ein  paläontologisch  gegliederter  Complex  von  Schichten 
betrachtet  werden  muß».  Kurz  es  würden  hiernach  die  Galeriten- 
Schichten  Herrn  v.  Strombeck's  nicht  immer  ein  und  dasselbe  sein, 
sondern  je  nach  den  verschiedenen  Localitäten  eine  verschiedene 
Bedeutung  haben  ganz  in  ähnlicher  Weise,  wie  die  Korallen-Schich- 
ten des  oberen  Jura,  das  „Corallien"  vieler  französischer  Geologen, 
welcher  letztere  Name  zu  so  vielen  Mißverständnissen,  Irrthümern 
und  Verwirrungen  Veranlassung  gegeben  bat  '). 


')  Lediglich  die  Folge  eines  solchen  Mißverständnisses  scheint  es  mir  auch  zu  sein, 
wenn  Prof.  Hebert  in  einer  seiner  neuesten  Arbeiten  (iJeuxieme  note  sur  les 
calcaires  a  Terebr.  diphya  etc.,  im  Bulletin  Soc.  ge'ol.  2,  XXIV,  18  fevr.  1867, 
p.  393)  sich  darüber  ereifert,  daß  „die  deutsche  Scliule"  mit  dem  „etage  coral- 
lien,"  welches  doch  eine  von  den  französischen  und  englischen  Geologen  seit  lange 
anerkannte  und  bestimmt  festgestellte  Epoche  der  großen  jurassischen  Periode 
darstelle,  so  kurzen  Proceß  mache  und  dasselbe  einfach  als  eine  Facies  des  „etage 
kimmerldien"  oder  „oxfordien"  erkläre. 

Was  Oppel  und  Waagen  —  denn  diese  nebst  Benecke  scheint  Hebert 
an  jener  Stelle  besonders  im  Auge  gehabt  zu  haben  —  bekämpfen  wollten ,  war 
nach  meiner  Auffassung  der  Sache,  in  der  ich  mich  nicht  zu  irren  glaube,  jener 
weit  verbreitete  Irrfhuni,  in  dem  besonders  auch  viele  französische  Geologen  mit 
Orbigny  an  der  Spitze  befangen  waren,  für  den  aber  Herr  Hebert  gewiß  nicht 
wird  in  die  Schranken  treten  wollen.  Man  ging  nämlich  von  der  Ansicht  aus,  daß 
die  im  oberen  Jura  in  großer  Verbreitung  vorkommenden  korallenreichen  Schichten, 
in  denen  man  eine  Anzahl  den  meisten  Localitäten  gemeinsamer  Arten  zu  erkennen 
glaubte,  nur  einem  und  demselben  geologischen  Horizonte  angehörten,  den  man 
als  „e'tage  corallien"  bezeichnete.  Dagegen  wiesen  Oppel  und  Waagen  zur 
vollkommensten  Evidenz  nach ,  daß  nicht  nur  wenigstens  zum  Theil  diese  ver- 
meintlich identischen  Arten  in  der  That  von  einander  specifisch  verschie- 
den seien,  sondern  daß  solche  korallenreiche  Schichten  sich  in  ganz  verschie- 
denen geognostischen  Horizonten  im  Bereich  des  oberen  Jura  wiederholen,  daß 
auch  durch  ihre  Faunen  ihre  Gleichalterigkeit  mit  verschiedenen  Schichten 
des  oberen  Jura  sich  erweisen  lasse  und  sie  demnach  lediglich  als  in  Folge 
localer  Verhältnisse  veränderte  Facies  jener  betreffenden  Schichten  angesehen 
werden  müssen.  Wenn  sie  daher,  von  der  gewiß  berechtigten  Ansicht  ausgehend, 
daß  die  Bezeichnung  „Corallien",  die  fast  jeder  Autor  in  einem  verschiedeneu 
Sinne  gebraucht,  die  dadurch  eine  nur  schwer  zu  entwirrende  Confusion  hervor- 
gerufen hatte,  und  die  zudem  als  Namen  für  eine  Etajje  sehr  wenig  glücklich  ge- 
wählt erschien,  am  zweckmäßigsten  vermieden  werde,  nur  eine  «Oxford-"  und 
eine  „Kimmeridge-Gruppe"  annahmen  und  die  Grenzen  dieser  beiden  sehr  be- 
stimmt feststellten,  so  konnten  sie  damit  nicht  beabsichtigen,  den  Werth  und  die 
Bedeutung  des  echten  englischen  „Coral  rag",  welches  allerdings  von  gewissen 
französischen    und    deutschen  Autoren    (z.    B.    von    Hebert   als   Corallien,    von 


über  die  norddeutsch.  Galeriten-Seliichten  u.  ihre  Braehiopoden-Fauna.      I  83 

Dagegen  scheint  es  mir  richtiger  dies  Verhältniß  so  aufzufassen, 
daß  man  den  Anfang  der  Scaphiten-Schichten,  die  iiher  den  Gale- 
riten-Schichten  in  typischer  Entwickelung  an  vielen  Localitäten  zu 
beobachten  sind,  erst  da  annimmt,  wo  das  massenhafte  Vorkommen 
der  Galeriten  und  der  dieselben  begleitenden  Fauna  gänzlich  auf- 
hört, um  so  mehr,  da  gleichzeitig  eine  Veränderung  der  lithologi- 
schen  BeschafTenheit  an  dieser  Grenze  aufzutreten  pflegt.  Daß  „als 
große  Seltenheiten"  dieScaphiten  schon  mit  den  Galeriten  vorkommen, 
kann  ich  nicht  als  unbedingten  Beweis  für  die  Strombeck'sche 
Auffassung  betrachten,  da  diese,  wenn  auch  ebenfalls  nur  als  große 
Seltenheiten,  in  dein  weißen  Pläner  mit  LioceramusBrongniarti  auch 
an  solchen  Stellen  vorkommen,  wo  die  Galeriten  gänzlich  fehlen.  Wenn 
sich  aber,  wie  Herr  v.  Strombeck  selbst  sagt,  ganz  scharfe  Grenzen 
zwischen  den  verschiedenen  Gliedern  des  obern  Pläners  überhaupt 
nicht  ziehen  lassen,  so  würde  es  geradezu  unmöglich  sein,  an  jenen 
von  ihm  citirten  Localitäten  innerhalb  des  Vorkommens  der  Galeriten 
eine  auch  nur  ungefähre  Grenze  zu  bezeichnen,  von  wo  aus  diese 
einerseits  als  Äquivalent  des  weißen  Pläners  mit  Inoceramus  Bron- 
gniarti,  anderseits  als  solche  des  Scaphiten-Pläners  zu  betrachten 
wären.  So  ist  es  mir  z.  B.  nicht  gelungen,  in  den  von  Strombeck 
angeführten  Steinbrüchen  am  Fleischerkamp  bei  Salzgitter,  dieser  in 
unmittelbarer  Nähe  meines  bisherigen  Vl^ohnortes  gelegenen  und 
daher  von  mir  selbst  sowohl,  als  von  meinem  Vater  unzählige  Male 
besuchten  und  in  jeder  Beziehung  genau   durchforschten  Localität 


F.  A.  Roemer  als  oberes  oder  eigentliches  Coral  rag)  richtig  erkannt  war,  zu 
bestreiten.  Es  konnte  sich  vielmehr  nur  um  die  Frage  handeln,  ob  es  richtiger 
und  zweckmäßiger  sei,  diesen  Schichtencomplex  als  obere  Abtheilung  der  Oxford- 
gruppe zu  betrachten,  oder  als  besondere  Gruppe  zwischen  Oxford  und  Kimmeridge 
gelten  zu  lassen.  Die  Entscheidung  hierüber  scheint  mir  jedenfalls  neben  dem 
unwiderleglich  hergestellten  Beweise,  flaß  das  „Corallien"  der  meisten  Autoren 
nichteinen  bestimmten  Horizont ,  sondern  nur  eine  bestimmte  Entwicklungsform 
oder  „Facies"  gewisser  verschiedener  Horizonte  darstellt,  von  untergeordnetem 
Werthe  und  Interesse. 

In  diesem  Sinne  scheint  mir  —  abweichend  von  der  Ansicht,  die  Herr  Prof. 
Hebert  wohl  lediglich  in  Folge  der  ihm  mangelnden  Kenntniß  der  deutschen 
Sprache  sich  darüber  gebildet  hatte  —  die  Stellung  aufgefaßt  werden  zu  müssen, 
welche  Oppel  und  Waagen  gegen  das  „Corallien"  eingenommen  haben;  hätte 
Herr  Hebert  die  Sache  so  angesehen,  so  zweifle  ich  nicht,  daß  er  sich  weniger 
energisch  gegen  die  Auffassung  der  „deutschen  Schule"  ausgesprochen ,  ja  daß  er 
die  ganze  Controverse  gar  nicht  angeregt  haben  würde. 


184  S  ch  1  o  e  n  l)ac  h. 

eine  paläontologische  (ilirdtTiiiiLi;  der  Galeriteii-Schichten  naclizinvci- 
scn :  vielmehr  scheinen  sieh  sämmtliche  dort  vorkommende  Arten 
sowohl  in  den  tieferen,  als  in  den  höheren  Schichten  zu  finden, 
nnd  nur  von  einigen  Arten  ließ  sich  nachweisen,  daß  dieselhen 
zwar  in  gewissen  Lagen  sich  hesondcrs  häufig  finden,  in  den  ande- 
ren aher  durchaus  iu"cht  fehlen;  zudem  hleibt  dicGesteinsbeschafFen- 
licit  von  der  unteren  bis  zur  oberen  Grenze  dieselbe, 

Profil  der  Pläner-Schichlen  am  „Fleischi'rkanip",  westlich  von 

Salzgitter. 

Das  nicht  uninteressante  Profil  der  jüngeren  Kreideschichten, 
welche  sich  an  dieser  Localität  beobachten  lassen,  ist  folgendes: 

Über  dem  zum  obersten  Gault  gehörigen  Flammenmergel 
folgt  zunächst  der  Schichtencomplex  des  unteren  (cenomanen) 
Pläners,  dessen  Gesammtmächtigkeit  hier  etwa  21 — 22  Meter  be- 
trägt, sodann  darüber  der 

rothe  PI  an  er  mit  Inoc.  labiatus 3  Meter 

derGaleriten-Pläner,  mindestens     ...     26      „  , 

endlich  der  Scaphi ten-Pläner,  dessen  Mächtigkeit  sich  an 
dieser  Stelle  nicht  erkennen  läßt,  weil  seine  obere  Grenze  nicht  auf- 
geschlossen ist. 

Im  Galeriten-Pläner  zeichnet  sich  eine  Bank,  welche  etwa 
9  Meter  über  seiner  unteren  Grenze  liegt,  durch  ungewöhnliche 
Häufigkeit  der  übrigens  durch  die  ganze  Mächtigkeit  der  Schicht 
verbreiteten  IJrachiopoden -Arten  aus.  Außer  den  Brachiopoden 
finden  sich  an  dieser  Localität  im  Galeriten-Pläner  besonders  fol- 
gende Arten :  i) 


1)  st  10 ml)  eck,  dessen  Verzeichniß  (Jer  in  den  (ialeriten-Schichten  vorkommenden 
besonders  cli»rakteristischen  Petrefacten  sich  vorzug-sweise  auf  die  Erfunde  vom 
FleisciieiLamp  bei  Salzgitter  gründet  (Zeitsehr,  d.  d.  geol.  Ges.  18S7,  p.  416  u. 
N.  Jahrb.  i8S7,  p.  780),  nennt  folgende,  von  denen  er  die  mit  *  versehenen 
als  vorwaltend  bezeichnet:  "  Inoecramiis  Brongniarti  G  o\Ai.;  lihynchuncUa  Mar- 
tini Mant.,  Manlellana  Sow?;  "  Terebratiila  semiglohosa  Sow.,  carnca  S  o  w. ; 
Terehralulina  striatula  Mant.;  Ananchytcs  ovatits  Lam.;  Holaster  sp.  nov. ; 
Micraster  cor  anyuimim  ]j»m.;  *  Galer itca  albotjalems  Lam.,  suhrottinda  Ag. ; 
Cidaris  Sorigncti  Des.  Von  diesen  sind  ISIiynchunclla  Martini  und  MantcUaiia  fein- 
■  und  grobgi'ripple  Varielälcn  der  unten  beschriebenen  Uli.  Cuvieri ;  Tcrcbr.  semi- 
glohosa und  carnca  kleine  läiigliehe  und  groüe  runde  Varieliilen  von   T.  stihrotiinda; 


über  die  nrn-ildetitseli.  Calorilen-Scliielifen  ii.  ihre  Brnrliinpoden-Fauna.      1  öÖ 

Zahlreiche  Fischzähne  verscliiedencr  Arten: 
Ammonites  peramplus  Mant.  (ziemlich  selten). 
Scaphites  Geinitzi  Orb.  (selten). 
hioceramiiR  Brongniarti  Mant.  (häii(ig). 
Echinocorijs  (jibba  La  in,  sp.  (nicht  selten). 
Holaster  planus  Mant.  sp.  (nicht  selten). 

„        sp.  nov.  (selten). 
Iiifulaster  e.vcentricus  Forb.  (nicht  häufig). 
S  k2  1         »       Hagenoici  0  r  b.  (sehr  selten). 


(O     — 

%  "^ I  Micraster  breviporiis  Ag.   (nicht  sehr  selten). 

>■  f^ 

—   3 
5^ 


Galerites  (^Echinoconus)  suhconicus  Orb.   (sehr  häung). 
Disco'idea   infera  Desor  (selten). 


a  - 


g  c  I  Salenia  granulosa  Forb.  (zieml.  selten). 

„        Boin-geoisi  C  o  1 1.  ?  (selten). 
Cidaris  cretosa  Mant.  (selten). 

„       subvesieiilosa  Orb.  (nicht  selten). 

„       clavigera  Koen.  (nicht  häufig). 
Cystispongia  bursa  Qu.  sp.   (nicht  selten). 

Als  besonders  wichtig  möchte  ich  den  Lioceramus  Brongiiiarti 
(nach  der  von  Geinitz  und  Strombeck  eingeführten  präcisen 
Deutung)  ansehen,  der  auch  in  den  obersten  Schichten  des 
Galeriten-Pläners  am  Fleischerkamp  noch  häufig  vorkommt  und  im 
Scaphiren-Pläner  sich  nirgends  mehr  findet.  Höchst  eigenthümlich 
ist  die  gänzliche  Veränderung  der  Facies,  wenn  man  von  diesen 
Steinbrüchen  im  Streichen  der  Schichten  in  östlicher  Richtung  zu 
dem  auf  der  Höhe  des  Ringelberges  gelegenen,  nur  etwa  o  Minuten 
entfernten  großen  Steinbruche  geht.  Dieser,  der  eigentlich  aus 
einer  Reihe  an  einander  stossender  kleiner  Steinbrüche  besteht,  in 
denen  die  Gesteine  sämmtlicher  aufeinander  folgenden  Schichten 
des  oberen  Pläners  sehr  deutlich  aufgeschlossen  sind,  ergibt  folgen- 
des Profil: 


Tlina.  striatula  =  Tlina.  c/irysalis;  Ananchytes  ovatiis  =  Echinocorijs  ffibba  Lam. 
sp. ;  Holaster  sp.  nov.  =  Hol.  planus  A  g. ;  Micraster  cor  anyiiinum  =  Mier. 
breviporus  Ag.;  Galerites  albogalerus  und  ««6ro<K?irfa  Varietäten  derselben  Art, 
die  Cotteau  oben  a\s  Echinoe.  mbconicus  bezeichnet  bat;  Cidaris  Soriyneti  ^ 
C.  clavigera  Koen. 


loü  Schloenhach. 

Profil  der  Pliiner-Schichtca  am  Riogclbcrge  bei  Salzgitter. 

Die  Schichten  fallen  ohne  erkennbare  Discorilanz  sämmtlich 
mit  50 — 52°  nach  VV^esten  ein. 

Über  dem  etwa  54  Meter  mächtigen  Flammenmergel 
(Zone  des  ^w?m.  splendens)  folgt  nicht  ganz  deutlich  aufgeschlossen 
der  Thonmergel  mit  Bei.  N/tlmus  (Tourtia);  dann  mit  etwa 
33-5  Meter  Mächtigkeit  der  untere  Pläner  m\t  Am m.  Mantelli, 
varians,  Scaphifes  aequalis,  Inoceramiia  enneiformis  etc.  (Zone  des 
Scaphites  nequfilis);  hierauf  der  graue  PI  an  er  mit  Ainm.  Roto- 
magenais,  Holaster  subqlohosus  etc.,  etwa  10 Meter  mächtig.  Hier- 
mit hat  man,  von  Osten  her  ansteigend,  die  Höhe  des  Berges  erreicht 
und  in  der  folgenden  Schicht  beginnt  der  Steinbruch;  es  ist  dies 
ein  splitteriger  weißer  Kalk,  sehr  arm  an  Petrefacten,  worin  sich 
noch  keine  gut  erhaltene,  sicher  bestimmbare  Arten  fanden;  wahr- 
scheinlich repräsentirt  diese  etwa  15  Meter  mächtige  Schicht 
Strombeck's  „armen  Rotomagensis-Pläner"  und  würde  also  noch 
zur  Zone  des  Amm.  Rotomagensls  zu  rechnen  sein. 

Scharf  abgeschnitten  ist  die  obere  Grenze  dieser  Schicht 
gegen  den 

rothen  PI  an  er  (Zone  des  Inoc.  laldatusj,  der  in  Wechsel- 
lagerung mit  einigen  helleren,  fast  weißen  Zwischenschichten  eine 
Mächtigkeit  von  41  Meter  erreicht;  Inoceramus  labiatus  so  wie  auch 
Inoceranms  Brongniarti  sind  überall  häufig,  seltener  Terebratula 
suhrotunda  und  Rhynchonella  Cuvieri,  sehr  selten,  aber  durchaus 
charakteristisch  Galerites  subrotundus. 

Der  weiße  Brongniarti -^\'Äntv  (Zone  des  Inoceramus 
Brongniarti  und  Ammonites  Woollgarei  ^))  zeichnet  sich  außer 
dem  sehr  häufigen  Vorkommen  des  aus  der  vorhergehenden  Schicht 
heraufgehenden  eben  genannten  Inoceramus,  neben  dem  /.  labiatus 
hier  gänzlich  fehlt,  besonders  durch  die  Häufigkeit  seiner  Brachio- 
podeu  ganz  in  derselben  Weise  aus,  wie  der  Galeriten- Pläner 
am  Fleischerkamp.  Dagegen  ist  hier  von  den  am  Fleischerkamp  so 
häufigen  Galeriten  {Galerites  subconicus)  noch  keine  Spur  gefuii- 


0  Diese  für  den  gleichen  Horizont  in  HöhmGi)  und  in  Frnnkreieh  so  bezeichnende, 
auch  in  Sachsen  etc.  vorkommende  Art  wurde  von  Herrn  F.  iS  e  c  k  m  n  n  n  aus 
Braunschweig  in  dem  „weißen  /iroiit/niarii-Pläner"  hei  VVolfenl)iil(el  aufgefunden. 
Vergl.  Neues  Jahrb.  1860,  p.  lill. 


I 


Üher  ilie  norddeutsch.  G;ileriten-Schiclitcn  ii.  ihre  Bracliinpoden- Fauna.     18/ 

den;  eben  so  wenig  von  Cystispongia  hursa,  Tercbrntiiln  Becksi, 
Ter.  defluxa,  Rhynclioiiella  veiitrlplanata,  welclie  aiLs.sehließlich  in 
Begleitung  der  Galeriten  vorzukomnien  scheinen.  Die  Mächtigkeit 
dieses  Complexes  beträgt  26  Meter. 

Der  Sc aphiten -Pläner  (Zone  des  Scaphites  Geinitzi)  gibt 
sich  schon  beim  ersten  Hanimerscblage  durch  den  kh'ngenden  Ton  und 
durch  seine  leiclvteSpaltbarkcit  zu  erkennen.  Auf  den  Spaltungsflächen 
liegen  gewöhnlich  die  etwas  zusammengedrückten  Petrefacten,  von 
denen  man  die  charakteristischsten  Arten,  namentlich  die  Cephalo- 
poden  (Baculites,  Hamitea,  Helicoceras,  Scaphites  Geinitzi,  Am- 
monites  peramphis  und  Neptuni^  in  der  Regel  bald  findet;  eben  so 
die  häufig  vorkommenden  Fucoiden  auch  Holaster  planus  und  In- 
fulaster,  fast  immer  sehr  schlecht  erhalten,  sind  nicht  selten,  so  wie 
Rhynchonella  Cuvieri,  Terehratula  (Megerle'iaJ  lima  und  Terebra- 
tula  suhrotunda  und  der  auch  in  dem  gleichen  Niveau  bei  Dresden  so 
häufig  vorkommende  kleine  glatte  Pecten,  der  gewöhnlich  ah  P.  Nilsso7ii 
bezeichnet  wird.  Der  durchweg  fast  schneeweiße,  splitterige,  nie  mas- 
sige Bänke  bildende  Kalk,  der  eine  Mächtigkeit  von  etwa  33  Meter 
erreicht,  nimmt  nach  oben  zu  eine  grauere  Farbe  an  und  es  beginnt  der 

Cuvieri-Pläner  (Zone  des  Micraster  cor  testudinarium  und 
Inoceramus  Cuvieri)  mit  mehr  oder  weniger  dickplattigen  grauen 
Kalkbänken ,  zwischen  denen  sich  anfänglich  dünne,  aber  nach  oben 
zu  immer  mächtiger  werdende  und  häufiger  sich  wiederholende  Mer- 
gelschichten einschalten.  In  den  tiefsten  Lagen  findet  sich  neben 
Micraster  breviporus,  der  auch  in  den  beiden  vorhergehenden 
Schichten  bereits  auftrat,  Micraster  cor  testudinarium  sehr  häufig; 
außerdem  bereits  Inoceramus  Cuvieri;  die  Scaphiten,  Hamiten  und 
Amm.  peramplus  finden  sich  hier  zum  letzten  Male,  aber  bereits 
als  Seltenheiten.  In  den  höheren  Schichten,  wo  die  Mergel  die  Über- 
hand gewinnen,  fehlen  die  genannten  Cephalopoden  gänzlich,  Mi- 
craster cor  testudinarium  wivd  seltener,  Inoceramus  Cuvieri  dasresren 
immer  häufiger  und  größer,  und  es  stellt  sich  jene  reiche  Spongi- 
tarien-Fauna  ein,  durch  welche  die  Mergel  dieser  Zone  so  ausge- 
zeichnet sind.  Hier  findet  sich  auch  ziemlich  häufig  in  den  obersten 
Schichten  jene  problematische,  in  der  böhmischen  Kreide  so  häufige 
Art,  welche  von  Reuss  i)  Si\s  Achilleum  rugosumheschriehen  und  von 

1)    Venstein.  d.  böhm.  Kreidp,  U,  p.  70,  t,  20,  f.  i. 


löö  Schlocilbach. 

F.  A.  Roemer  ')  neuerdings  zu  Amorphospongia  gestellt  wurde. 
Deutlich  aufgeschlossen  ist  dieser  Schichtencomplex  hier  nur  in 
einer  Mächtigkeit  von  48  Meter;  indessen  setzt  derselhe  noch  sehr 
weit  in  das  Hangende  des  Aufchlusses  fort,  wie  man  sich  an  ein- 
zelnen entblößten  Punkten  überzeugen  kann,  wird  dabei  immer  mer- 
geliger und  geht  schließlicb  in  einen  Mergelthon  über,  welcher  in 
der  zwischen  den  Dörfern  Haverlah  und  Klein  Elbe  belegenen  Ziegelei 
zur  Ziegelfabrikation  benutzt  wird  und  bereits  das 

tiefste  Niveau  der  „Quadraten-Kreide''(ZonedesMcr. 
cor,  augidnum  bei  Hebert)  repräsentirt,  wie  die  darin  vorkommenden 
Exemplare  von  Belenmitcs ßlerceylM  a  y  e  r,  verus  M  i  1 1.  sp.  und  Marsu- 
pifes  Mlllerl  Mant.  beweisen.  Dies  sind  die  jüngsten  Schichten, 
welche  in  der  das  Innnerste-Thal  bildenden  Mulde  auftreten. 

Daß  bei  einer  so  geringen  Entfernung,  wie  diejenige  zwischen 
den  Steinbrüchen  am  Ringelberge  und  am  Fleischerkamp  ist,  eine  so 
eigenthümliche  Veränderung  der  Facies  einer  und  derselben  Schicht 
eintreten  konnte  und  dieselbe  überhaupt  nur  eine  so  beschränkte  räum- 
liche Verbreitung  an  dieser  Stelle  gewonnen  hat,  muß  einigermaßen 
auflallend  erscbeinen  und  läßt  sich  wohl  kaum  anders  erklären,  als  daß 
man  annimmt,  die  localen  Verhältnisse  am  Fleischerkamp  seien  zur 
Zeit  der  Ablagerung  der  betreffenden  Schichten  aus  dem  Meere  den 
Lebensbedürfnissen  der  Echinodermen,  namentlich  der  Galeriten  an- 
gemessener und  daher  einer  zahlreicheren  Eritwickelung  derselben 
förderlicher  gewesen,  als  an  denjenigen  Punkten,  wo  die  Galeriten 
nicht  gefunden  werden.  Welcher  Art  aber  diese  localen  Verschie- 
denheiten gewesen  und  wodurch  sie  herbeigeführt  sein  mögen,  ist 
Avohl  gegenwärtig  schwer  mit  einiger  Bestimmtheit  zu  sagen.  Man 
weiß  im  Allgemeinen,  daß  die  Echinodermen  nicht  in  großen  Meeres- 
tiefen, sondern  vorzugsweise  an  flacheren,  seichteren,  nicht  allzuweit 
von  der  Küste  entfernten  Stellen  auf  unebenem  felsigem  Boden  leben, 
MO  sie  den  Einwirkungen  der  Brandungen  und  der  Ebbe  und  Fluth 
niclit  mehr  ausgesetzt  sind  ')•  D-'^ß  '>m  Fleischerkamp  die  Verhältnisse 
ähnliche  gewesen  seien,  läßt  sich  mit  den  sonstigen  Beobachtungen 
in  jener  Gegend  sehr  wold  vereinbaren.  Denn  es  ist  wohl  unzweifel- 


*)    l'alaeontosrnpbica  XUI,  p.  !j6. 

'■)   Sielie    ilen    iiitei'ess:iiitcii   Arlikel    üher  die  Seeigel   in   Gressly's    „ErinneruDgen 
eines  Nalurlbrsfliers  iiHsSiuirriinkreieh"  (Alliuni  v.  Combe-Varin,   I8C1,  p.  2  CD  fl'.j. 


über  die  norddeutsch.  Galeriteii-Sehicliton  u.  ihre  Brachio[ioden-Fauna.      1  ö9 

liaft,  daß  während  der  Ablagerung  wenigstens  eines  Theiles  der 
Juraformation  ein  ziemlich  ausgedehntes  und  wahrscheinlich  ziem- 
lich flaches  Festland  mit  Haclien  Ufern  bestanden  bat,  welches  erst 
zur  Zeit  der  Ablagerung  der  unteren  Kreidebildungen  (des  Neocom 
oder  Hils)  allmälig  wieder  bis  zu  einer  mäßigen  Tiefe  unter  die 
Meeresoberfläche  niedergetaucht  ist.  Die  Existenz  eines  solchen 
Festlandes,  welches  von  dem  viel  älteren  des  Harzes  durch  eine 
wahrscheinlich  ziemlich  schmale,  aber  wohl  ziemlich  tiefe  Meerenge 
getrennt  war,  geht  mit  Bestimmtheit  daraus  hervor,  daß  in  der 
ganzen  Gegend  nördlich  von  Goslar  bis  nach  Grasdorf,  Hoheneg- 
gelsen  und  Morse  bei  Fallersieben  von  Ablagerungen  aus  der  Zeit 
zwischen  der  Bildung  des  braunen  Jura  und  der  des  unteren  Hils 
keinerlei  Spuren  vorhanden  sind  ');  es  fehlen  solche  selbst  in  den 
Conglomeraten  unserer  Hilsbildungen,  welche  an  Petrefactenresten 


1)  Die  von  Dr.  Brauns  (Amtl.  Bericht  üb.  d.  40.  Versamml.  deutsch.  Naturf.  und 
Ärzte  zu  Hannover,  im  J.  1863,  p.  166;  Paiaeontographica  XIII,  p.  240,  1866) 
geäußerte  Vermuthung,  daß  die  von  meinem  Vater  in  die  Zone  der  Avicula  con- 
torta  gerechneten  Schichten  bei  Steiniah  (Neues  Jahrb.  1862,  p.  löäj  nicht  dieser, 
sondern  der  Wälderformation  angehören  möchten .  scheint  mir  jeglicher  Begrün- 
dung zu  entbehren;  denn  das  Vorhandensein  bunter  Mergel,  welche  in  Nord- 
deutschland bekanntlich  nicht  nur  in  der  Wälderformation  (als  sog.  „Münderer 
Mergel"),  sondern  auch  in  der  Lettenkohlen-,  Keuper-  und  rhätischen  Formation, 
ja  selbst  schon  im  Buntsandsteine  vorkommen ,  kann  unmöglich  als  Grund  ange- 
sehen werden ,  jene  Schichten  in  die  Wälderformation  zu  versetzen.  Auch  die 
Ansicht,  daß  das  aus  jenen  Schichten  stammende  Knochenschild  eines  Sauriers  aus 
der  Sammlung  meines  Vaters ,  welches  der  geologischen  Section  der  Hannover"- 
schen  Versammlung  vorgelegt  wurde,  auf  diese  Formation  hindeute,  fand  noch  in 
der  betreffenden  Sitzung  selbst  sogleich  sehr  entschiedenen  W'iderspruch  von  Seiten 
des  competentesten  Kenners,  Herrn  H.  v.  .Meyer"s.  Auch  nach  späterer  genauerer 
rntersuchung  der  betreffenden  Exemplare,  die  meinVater  Letzterem  zugesendet  hatte, 
bestätigte  derselbe  vollkommen  s>'ine  erste  Aussage,  daß  jene  Reptilienreste  keine 
näheren  Beziehungen  zu  Formen  aus  den  Wälderbildungen,  sondern  vielmehr  zu 
solchen  aus  dem  Keuper  und  der  rhätischen  Stufe  erkennen  ließen.  Ganz  willkür- 
lich und  unbegründet  erscheint  es  auch,  daß  Dr.  Brauns  die  Richtigkeit  der 
Bestimmungen  von  Avicula  contorta  und  Taeniodon  praecursor  und  Ewaldi  anficht. 
Die  diesen  ßestin)muugen  zu  Grunde  liegenden  Exemplare  sind  durchaus  nicht 
„fragmentarische",  und  namentlich  erstere  auch  durchaus  nicht  „zu  wenig  cha- 
rakteristisch, um  die  Frage  über  ihr  Alter  mit  Bestimmtheit  beantworten  zu  kön- 
nen". —  Gänzlich  ausgeschlossen  wird  aber  die  Möglichkeit, 
die  fraglichen  Schichten  als  zur  Wälderformation  gehörig  zu 
deuten,  durch  den  Umstand,  daß  sehr  deutlich  charakterisir ter 
unterer    Lias    mit  Ammonites   planorbis    und    Johnatoni    im    Han^ 


190 


S  c  li  1  0  e  n  b  a  f  li. 


aus  dem  Lias  und  aus  eiuigcMi  Schichten  des  hraunen  Jura,  die  sich 
darin  in  abgerolltem  Zustande  auf  secundärer  Lagerstätte  finden,  so 
reich  sind.  Ob  dies  Festland  aber  erst  zur  Zeit  der  Bildung  des 
oberen  Jura's  aufgetaucht  ist  oder  vielleicht  schon  theilweise  zur 
Zeit  der  Ablagerung  der  rhätischen  Schichten  bestanden  haben  oder 
wenigstens  unmittelbar  nach  Bildung  derselben  über  die  Oberfläche 
des  Meeres  emporgehoben  sein  mag,  scheint  zweifelhaft.  Die  jetzt  an 
manchen  Stellen  deutlich  nachweisbare,  unmittelbare  Auflagerung 
der  oberen  Hilsschichten  auf  den  Sandsteinen  der  rhätischen  Stufe 


genden  derselben  .luftritt,  auf  welchem  dann  unmittellinr  die  Eisensteine 
der  Hils-  oder  Neocomformation  ruhen.  Diese  Thatsache,  auf  welche  ich  Herrn 
Dr.  Brauns  schon  vor  der  Publication  seiner  beiden  citirten  Aufsätze  auf- 
merksam gemacht  hatte,  scheint  derselbe  dadurch  entkräften  zu  wollen,  daß  er, 
wie  allerdings  richtig  ist,  anführt,  die  Localität,  wo  diese  Überlagerung  beobachtet 
wurde,  sei  nicht  genau  dieselbe,  wie  jene,  welche  mein  Vater  im  Jahre  1862  be- 
schrieben hat.  Allerdings  sind  beide  in  gerader  Richtung  im  Streichen  der  Schich- 
ten um  etwa  S — 7  Minuten  von  einander  entfernt,  und  erstere  wurde  erst  nach 
Veröffentlichung  der  citirten  Abhandlung  meines  Vaters  durch  einen  zum  Zweck 
der  Abführung  des  Wassers  aus  der  Grube  „Marie"  bei  Steiniah  angelegten  Canal 
aufgeschlossen.  Dieser  Umstand  kann  aber  die  Uichtigkeit  meiner  oben  ausgespro- 
chenen Behauptung,  daß  die  von  Brauns  als  Wälderformation  angesprochenen 
Schichten  von  unterem  Lias  überlagert  werden,  durchaus  nicht  umstoßen.  Denn 
die  an  der  letztgenannten  Localität  unter  dem  unteren  Lias  folgenden  Schichten 
sind  ganz  die  gleichen  und  bilden  die  Fortsetzung  von  jenen ,  welche  bei  der 
Grube  „Bartelszeche"  unmittelbar  vom  llilseisenstein  überlagert  werden  und  von 
meinem  Vater  als  „BoneI)ed-Gruppe"  bezeichnet  waren.  Dies  geht  nicht  nur  aus 
der  Gesteinsbeschaffenheit ,  auf  die  Dr.  Brauns  so  großes  Gewicht  zu  legen 
scheint,  und  aus  den  Lagerungsverhältnissen ,  sondern  namentlich  auch  aus  den 
von  ihm  freilich  mit  einiger  Geringschätzung  behandelten,  aber  trotzdem  für  die 
Bestimmung  unserer  rhätischen  Schichten  so  höchst  wichtigen  organischen  Resten 
hervor;  diese  sind  im  Abzugscanal  der  Grube  „Marie"  außer  mehreren  anderen 
für  die  rhätische  Stufe  characteristischen  dieselben,  wie  jene  oben  genannten  bei 
iler  „Bartelszeche"  vorkommenden.  —  Auch  die  Angabe,  es  scheine  nach  den 
Lagerungsverhältnissen  und  der  Gesteinsbeschaffenheit  bei  der  „Bartelszeche"  von 
den  fraglichen  Schichten  bis  zu  den  Hilseisensteinen  keine  Unterbrechung  in  der 
Ablagerung  der  Schichten  stattgefunden  zu  haben  und  dieser  Umstand  befürworte 
gleichfalls  die  Deutung  der  ersteren  als  zur  Wälderformation  gehörig,  ist  nicht 
stichhaltig;  denn  selbst  wenn  jene  Schichten  zur  Wälderformation  gehörten, 
würde  d(,ch  zwischen  ihnen  und  den  darauf  lagernden  Eisensteinen,  welche  aner- 
kanntermaßen z\im  obersten  Hils  gehören  ,  eine  Lücke  in  der  vollständigen 
Schichtenfol;;e  vorhanden  sein.  Auch  ist  wohl  nicht  wahrscheinlich,  daß  feinkörnige 
Sandsteine  und  grobe,  cephalopodenreiche  Congiomerate  in  unmittelbarer  zeitlicher 
Folge  auf  einander  abgelagert  sein  sollten. 


über  die  norddeutsch.  Galeriten-Schichton  u.  ihre  ßrachiopodeii-Fauna.     191 

könnte  iiiüglichcr  Weise  dadurch  erklärt  werden,  daß  die  Seliiehten 
des  Lias  und  braunen  Jura  an  jenen  Stellen  durch  die  Gewässer  des 
Hilsmeeres  vollständig  weggewaschen  wären  und  die  Niederschläge 
des  letzteren  sich  sodann  unmittelbar  auf  die  rhätischen  Gesteine  auf- 
gelagert hätten.  Daß  in  der  Tliat  das  Hilsnieer  Gesteine  aller  dieser 
Schichten  weggeschwemmt  hat,  geht  unzweifelhaft  aus  den  darin 
gemengt  sich  findenden  gerollten  Petrefacten  aus  fast  allen  Horizon- 
ten hervor;  so  habe  ich  darin  z.  M.  AmnwmtesJoluistoui  S  o  w.,  anyii- 
latus  Schlot  h.,  Dacoei  S  o  w.,  margaritatus  M  o  n  t  f.  sp.,  spinatus 
Brug.  (die  beiden  letzteren  besonders  zahlreich);  ferner  zahlreiche 
Faiciferen-Formen,  deren  Erhaltungszustand  in  der  Regel  eine  speci- 
fische  Bestimmung  nicht  erlaubt,  Ämm.  cf.  Humphries(üius  So w., 
Amm.  Parkinsoni  Sow. ,  etc.  gesammelt.  —  Ob  es  aber  nicht 
bei  der  bedeutenden  Widerstandsfähigkeit,  die  man  z.  B.  den  ziem- 
lich mächtigen  und  sehr  festen,  in  diesem  Gebiete  auftretenden  Kal- 
ken der  unteren  Hälfte  des  mittleren  Lias  und  den  harten  sandigen 
Kalken  des  untersten  Lias,  deren  Reste  sich  ohnehin  in  den  Conglo- 
meraten  nur  sehr  selten  finden,  gegen  eine  solche  Action  zuge- 
stehen muß,  richtiger  ist,  das  erste  Auftreten  des  Festlandes  weiter 
zurück  in  die  rhätische  Epoche  zu  verlegen,  lasse  ich  dahin  gestellt. 
Eine  Discordanz  der  auf  einander  folgenden  Schichten,  die  für  diese 
Frage  entscheidend  sein  würde,  ist  noch  nirgends  beobachtet.  Daraus, 
so  wie  aus  der  Gesteinsbeschaffenheit  der  Ablagerungen,  welche  sich 
zuerst  aus  dem  Meere  niederschlugen,  das  diese  Gegenden  in  der  Periode 
der  unteren  Kreide  wieder  überfluthete  (Neocom-Conglomerate)  geht 
aber  hervor,  daß  dies  Festland  sich  wahrscheinlich  sehr  allmälig  und 
ziemlich  gleichmäßig,  aber  auch  nicht  sehr  tief  unter  das  Niveau  des 
Meeres  herabgesenkt  hat.  Wahrscheinlich  blieben  sogar  noch  hie  und 
da  kleine  Inseln  bestehen ;  wenigstens  läßt  sich  auf  diese  Weise  die 
Erscheinung,  daß  an  gewissen  Localitäten  die  ältesten,  an  gewissen 
anderen  aber  jüngere  Glieder  der  unteren  Kreide  unmittelbar  auf  den 
älteren  Gesteinen  ruhen,  wohl  am  einfachsten  erklären. 

Unter  den  übrigen  Aufschlußpunkten  der  Galeriten-Schichten 
sind  besonders  zu  nennen:  ein  Steinbruch  zwischen  Weddingen  und 
Beuchte  unweit  Vienenburg  (Hannover)  in  der  Ockerkette ');  ferner 

1)   Wegen  dieser  topographischen  Bezeichnung  s.  Zeitschr.  d.  d.  geol.  (ios.  XV,  1S63, 
p.  -iü3. 


192  S  e  ii  1  0  t' II  I.  :i  c  li. 

die  Umgebungen  von  Ahaus,  l)eson(lei\s  Gniös  und  Oeding  im  Re- 
gierungsbezirk Münster  (Westphalen).  Alle  übrigen  Localitäten  sind 
weniger  gut  aufgeschb)ssen  und  weniger  gut  bekannt.  Auch  von  den 
el)en  genannten  erscheint  für  stratigraphische  Beobachtungen  nur  die 
Loeab'tiU  in  der  Ockerkette  geeignet.  Die  Aufschlüsse  bei  den  west- 
phälischen  Orten  bestehen  in  einer  ziemlich  großen  Anzahl  von  Stein- 
brüchen, durch  die  aber  nur  dieGaleriten-Schichten  selbst  aufgedeckt 
sind,  ohne  daß  dieselben  das  Hangende  oder  Liegende  erkennen  ließen. 
Dieselben  sind  von  F.  Roemer  in  seinem  Aufsatze  über  „die  Kreide 
Westphalens"  ')  genauer  beschrieben  und  damals  als  wahrschein- 
liche Äquivalente  der  weißen  Schreibkreide  gedeutet  und  dem  Kreide- 
mergel von  Coesfeld  und  den  Baunibergen,  also  den  jüngsten  Glie- 
dern der  westphälischen  Kreide  gleichgestellt  worden,  nachdem  auch 
Geinitz  in  seinem  „Quadersandsteingebirge"  das  Vorkommen  als 
„obern  Kreidemergel"  bezeichnet  hatte.  Daß  diese  Altersbestimmung 
uin-iclitig  war,  sprach  Strombeck  an  der  früher  citirten  Stelle  in 
seiner  „Gliederung  des  Pläners"  aus,  wo  er  den  kreidigen  Kalken 
von  Graes  ihre  richtige  Stellung  im  „obern  Pläner"  (Galeriten-Pläner) 
anweist.  Übrigens  versicherte  mich  kürzlich  Herr  Professor  Hos  ins 
aus  Münster,  daß  auch  in  der  Gegend  von  Ahaus  der  rothe  Pläner 
unter  jenem  vorhanden  sei  und  sich  in  ganz  ähnlicher  Entwickelung 
zeige,  wie  nördlich  vom  Harze. 

Sehr  deutlich  ist  die  Auflagerung  des  Galeriten-Pläners  auf  dem 
rothen  Pläner  sichtbar  in  dem  Steinbruche,  welcher  sich  am  Fahr- 
wege zwischen  Beuchte  und  Weddingen  in  der  Ockerkette  befindet; 
die  Localität  wird  von  den  Umwohnern  „Schlangenberg"  genannt. 
Dort  sind  in  den  unteren  Schichten  des  Galeriten-Pläners  besonders 
die  Brachiopoden,  namentlich  Terebratula  Becksi  häufig,  in  den 
oberen  Echinodermen.  Das  unmittelbar  Hangende  der  letzteren  ist 
nicht  deutlich  aufgeschlossen,  dagegen  befindet  sich  in  nächster 
Nähe  auf  der  anderen  Seite  des  Weges  ein  Steinbruch,  in  dem  die 
oberen  Lagen  des  „Scaphiten-Pläners"  und  ein  Theil  des  „Cuvieri- 
Pläners"  (Zonen  des  Scaphltes  Geinitzi  und  des  Inoceramus  Cuvieri 
und  Micrustcr  cor  teiitudbmrlum)  aufgeschlossen  sind. 

Andeutungen  von  dem  Vorkommen  dos  Galeriten-Pläners  finden 
sich   auch   am  Harlyberge   bei  Vienenburg  (Hannover)   in   nächster 


0   Zeitschr.  d.  d.  ^eol.  Ges,  VI,  1834,  p.  20S. 


über  die  norddeutscli.  Galeriten-Schiclilon  u.  ihre  Brapliiopoden-Fauna.      103 

Nähe  des  großen  Eisenbahn-Durchschnittes  der  Linie  Braunschweig-. 
Harzburg.  Die  Verhältnisse  an  dieser  Localität,  auf  die  ich  noch  mit 
einigen  Worten  eingehen  muß,  sind  eigenthiimlicher  Art.  Der  ge- 
nannte Eisenbahn-Durchschnitt  deckt  nämlich  den  „oberen  Pläner" 
(im  Strom  beck'schen  Sinne)  in  einer  Längen -Erstreckung  von 
1Ö5  Schritten  auf,  und  zwar  sind  alle  Schichten  vom  rothen  Pläner 
mit  Inoceramus  labiatus  aufwärts  bis  zu  dem  „Cuvieri-Pläner"  mit 
Micraster  cor  teshidlnarmm  und  mit  den  Spongitaricn  deutlich  zu 
beobachten.  Etwas  weiter  nördlich  von  letzterem  liegt  sodann  noch 
eine  Mergelgrube  in  der  Nähe  der  Eisenbahn,  in  welcher  die  Mergel 
der  Zone  des  Micraster  cor  anguinum  und  Belemnites  Merceyi  ge- 
wonnen werden,  am  sogenannten  „Linsenkampe".  Bei  näherer  Be- 
trachtung findet  man  indessen  bald ,  daß  die  Lagerungsverhältnisse 
des  obern  Pläners  durchaus  nicht  ungestört  sind,  sondern,  wahrschein- 
lich unter  dem  Einflüsse  des  im  Liegenden  in  der  Nähe  befindlichen 
mächtigen  Gypsstockes  der  oberen  Buntsandstein-Bildungen  ziemlich 
verworren  erscheinen.  Das  Verdienst,  auf  diese  Thatsache  zuerst  auf- 
merksam geworden  zu  sein,  und  die  dortige  Reihenfolge  der  Schichten 
bestimmt  festgestellt  zu  haben,  gebührt  meinem  Vater,  dem  Ober-Salin- 
inspector  A.  Schloenbach  zu  Salzgitter.  Es  liegt  mir  ein  genaues, 
umstehend  gezeichnetes  Profil  dieses  Eisenbahn -Einschnittes  vor, 
welches  derselbe  bereits  im  Jahre  18S6  aufgenommen  hat  und  von 
dessenRichtigkeit  ich  mich  sj)äter  selbst  auf  wiederholtenExcursionen, 
die  ich  unter  seiner  Führung  gemacht,  überzeugen  konnte.  Danach 
beginnt  der  Einschnitt  südlich  mit  steil  aufgerichteten,  gegen  Norden 
einfallenden  Schichten  des  rothen  Pläners,  auf  den  dann  normaler 
„weißer  5ro?i^w/r<r^/-Pläner"  und  „Scaphiten-Pläner"  folgt.  Mitten  in 
diesem  treten  plötzlich  Knickungen  der  Schichten  ein  und  es  erscheint 
gleich  darauf,  auf  den  weißen  Scaphitenkalk  aufgelagert,  ein  grauer 
Mergelkalk,  steil  geschichtet,  der  die  Fauna  der  zum  unteren  (ceno- 
manen)  Pläner  gehörigen  Zone  (\es  Ammouites  Rotonuige/isif!  führt;  auf 
diesen  folgt,  wieder  mit  gestörter  Lagerung,  anscheinend  nach  Süden 
einfallend,  der  harte  weiße  Kalk,  welcher  von  Strombeck  in  dieser 
Gegend  als  oberstes  Glied  der  Cenomanschichten  betrachtet  und  mit 
dem  Namen  „armer  Rotomagensis-Pläner"  bezeichnet  ist.  Hiernach 
folgt,  abermals  in  discordanter  Lagerung,  sehr  steil  gegen  Süden  ein- 
fallend, weißer  Scaphiten-Pläner.  ofl*enbar  die  Fortsetzung  des  wei- 
ter südlich  erwähnten;  dann  mit  seliwäelierer  Neigung  gegen  Süden 

Sifzb.  d.  mntliem.-natiiiw.  Tl.  LVfI.  Bd.  I.  Abfh-  13 


194 


S  c  h  I  o  e  n  1»  a  c  h. 


iester  Mergelkalk,  der  in  jeder  Bezieluuig  den  unteren  Lagen  der 
Zone  des  Micr.  cor.  testudinarium  entspricht,  und  endlieh  die 
oberen  mergeligeren  Lagen  derselben  Zone,  Diese  ganze  letztere 
Partie,  von  der  nördlichen  Grenze  des  ^Rotomage^ms-?\v^\\QVli''  bis 
an  das  Ende  des  Durchschnittes  befindet  sich  ofTenbar  in  über- 
gekippter Lagerung,  indem  die  jüngeren  Gesteine  immer  die  älteren 
zu  unterteufen  scheinen.  Erst  in  der  bereits  erwähnten  Mergelgrube 
am  Linsenkamp  ist  das  Einfallen  der  Mergel  der  Zone  des  Micraster 
cor  anguinum  wieder  ein  normales  nördliches. 

In  diesem  Durchschnitte  nun  ist  keine  Spur  der  Facies  des 
Galeriten-Pläners  bekannt.  Steigt  man  dagegen  am  südlichen  Aus- 
gange den  westlichen  Abhang  des  Berges  hinan,  so  wird  man  ober- 
halb des  Durchschnittes  auf  einige  Felsen  stoßen,  die  aus  dem  Wald- 
boden hervorragen  und  aus  hellröthlichen  Gesteinen  bestehen.  In 
diesen  Gesteinen  finden  sich  nicht  selten  große,  schöne  Exemplare 
der  Terebratula  Becksi  und  —  anscheinend  in  derselben  Schicht 
—  Galerites  subrotundiis  und  Galerites  Rotomagensis ,  also  zwei 
Arten,  welche  in  dem  eigentlichen  Galeriten-Pläner  nicht  vorkom- 
men, sondern  der  nächst  tieferen  Zone  des  Inoceramus  labiatus 
angehören. 

Bei  den  überhaupt  abnormen  V^erhältnissen  an  dieser  Localität 
wäre  es  wohl  voreilig,  bestimmt  anzunehmen,  daß  hier  Terebratula 
Becksi,  welche  an  keinem  anderen  Fundorte  im  rothen  Pläner  be- 
kannt geworden  ist,  wirklich  bereits  in  der  Zone  des  Inoceramus 
labiatus  gelebt  habe.  Vielmehr  scheint  es  mir,  daß  nur  eine  ein- 
gehendere Local-Untersuchung,  die  allerdings  an  der  betreffenden 
Örtlichkeit  mit  einigen  Schwierigkeiten  verbunden  ist,  aber  gewiß 
interessante  Resultate  ergeben  würde,  das  Abweichende  in  den 
dortiffen  Verhältnissen  erklären  könnte. 


fTo  SeJirittc. 

a.  Grauer  Pläner  mit. 1mm.  Äo^omagre/isis,-  b.  Krmer  Rotomagen8is-P\?tnev  {S  ir 
c.  Rother  Pläner  mit  Tnoc.  labiatus;  d.  Weißer  Pläner  mit  Iiioc.  Bromjniarti ;  e.  Sc: 
Pläner ;  f.  Harter  und  f' .  Loser  mergeliger  Cuvieri-?\?mtr. 


o  mh.); 
phiten- 


über  die  norddeutsch.  Giileritcii-Scliicliteii  u.  ilire  l5r;ic'liioiio(len-Fiiuna.      191) 


II.  Paläontologischer  Theil. 

Kritisches  Verzelchniss  der  in  den  norddeutschen  Galeriten-Schichten 
vorkommenden  Brachiopoden-Arten. 

Im  ganzen  Gebiete  der  norddeutschen  Kreideformation  finden 
sieh  wohl  nur  wenige  Schichten,    die  in  Bezug  auf  den  Reiclithum 
ihrer  Brachiopoden-Fauna  den  Galeriten-Schichten  den  Rang  streitig 
machen  können,  und  zwar  gilt  dieser  Satz  vorzugsweise  hinsichtlich 
der    großen    Anzahl    an    Individuen.    Wenn    schon   überhaupt   die 
Galeriten-Schichten    im    Vergleich   mit   den  übrigen   Gliedern  des 
„oberen  Pläners"  (im  Strombeck'schen  Sinne)  als  sehr  reich  an 
Versteinerungen  bezeichnet  werden   müssen,   so  beträgt  die  Menge 
der   darin  vorkommenden  Brachiopoden   weit  über  die  Hälfte  aller 
organischen  Reste,  und  nur  die  Echinodermen  und  wieder  unter  die- 
sen nur  jene  Formen,  welche  den  Namen  für  die  allgemein  gebräuch- 
lich gewordene  Bezeichnung  dieser  Facies  der  Zone  des  Inoceramus 
Broiigniarti  und  Ämmonites  Woollgarei  hergegeben  haben,  können 
daneben  in   Betreff  ihrer  Wichtigkeit  in    Betracht  kommen.    Zum 
Beweise  dessen  mögen  nachstehende  Zahlen  dienen,  welche  die  rela- 
tive  Anzahl   der   an   einer   zwar  ziemlich   gut  ausgebeuteten,  aber 
räumlich   ziemlich   beschränkten    Localität,   am   Fleischerkamp   h'ei 
Salzgitter  (Hannover),  im  Laufe  einiger  Jahre  von  meinem  Vater  und 
mir  in  den  Galeriten-Schichten  gesammelten  besser  erhaltenen  Exem- 
plare  einiger    der   wichtigsten   Petrefacten- Arten    angeben.    Unter 
4000  Stück  Petrefacten  von  dort  befinden  sich  nämlich  : 
1252    Terebratiila  subrotunda; 
1209   Galerites  albogalerus; 
627  Rhynchonella  Cuvieri; 
410   Terebratiila  Bechsi; 
132  Megei'Ieia  lima; 
102  Ananchytes  gihba; 
80  Fischzähne  verschiedener  Arten ; 
38  Holaster,  verschiedene  Arten; 
35   Cyatispongin  bursa ; 
34  iVicraster,  verschiedene  Arten; 
23  Rhynchonella  plicatilis; 

13* 


1  9  G  S  c  h  1  ü  e  n  1»  a  c  h. 

22   Terebrntuluui  chrysulis ; 
12   Terebratula  (?)  deßnxa; 

9   TerebratuUna  rigifia; 

d  Scaphites  Gcinilzi; 

4  Cardinster  sp. ; 

4  Inftdaster  sp. ; 

1  Disciua  alta; 
etc.,  etc.,  etc. 
Inoceramus  Brongniarti  ist  in  dieser  Liste  niclit  mit  genannt, 
Avei!  derselbe  zwar  sehr  häufig  ist,  aber  fast  stets  so  schlecht  erhal- 
ten, daß  man  es  selten  der  Mühe  werth  hält,  ein  Exemplar  mitzu- 
nehmen und  daher  die  Zählung  der  in  der  Sammlung  befindlichen 
Exemplare  einen  sehr  unrichtigen  Begriff  von  seiner  Häufigkeit  geben 
würde.  Es  darf  wohl  als  annähernd  richtig  bezeichnet  werden,  wenn 
man  seine  Verhältnißzahl  zwischen  150  und  200  setzt.  Alle  anderen 
Gattungen,  von  denen  namentlich  noch  Ammonites  (als  Seltenheit 
Amrn.  peramplus),  Aptychus,  Spondylas,  Pecten,  Ostrea,  Cidaris, 
Sidenia,  Parasmilia,  Cribrospoiigia  etc.  vorkommen,  sind  von  sehr 
untergeordneter  Bedeutung.  Zweimuskelige  Bivalven  sind  fast  gar 
keine  vorhanden.  Die  Galeriten-Schichten  müssen  somit  als  eine 
ausgezeichnete  Brachiopoden-  und  Echinodermen-Facies  bezeichnet 
werden. 

In  dem  „weißen  Brongiiüirti-WiiW'dv'' ,  dem  in  Norddeutschland 
weit  verbreiteteren  Äquivalente  der  Galeriten-Schichten,  treten  da- 
gegen die  Brachiopoden  und  Echinoderinen  an  Häufigkeit  sehr  gegen 
die  Inoceramen  zurück;  dagegen  treten  Cephalopoden  in  denselben 
in  etwas  größerer  Häufigkeit  auf,  namentlich  Ammonites  peramplus. 
Noch  größer  wird  der  Facies-Unterschied,  wenn  man  sich  weiter 
nach  Süden  wendet.  Denn  in  Böhmen,  wo  nach  meinen  Untersuchun- 
gen die  Äquivalente  des  Galeriten-  und  weißen  Bronguiarti-Wdwev» 
in  der  kürzlich  von  Gümbel  ')  näher  festgestellten  mittleren 
Schicht  (4)  der  mittleren  Stufe  (H)  der  Plänerliildimgen  zu  finden 
sind,  haben  wir  es  vorzugsweise  mit  einer  Cephalopoden-  und 
Bivalven-Facies  zu  thun. 

Da  nun  also  in  unseren  norddeutschen  Galeriten-Schichten  die 
Brachiopoden   unstreitig   mit   den    Echinodermen    die   größte   Rolle 


0    Neues  Jalirbuch  für  Min.  1867,  p.  797. 


über  die  norddeutsch.  Galeriten-Schiehten  u.  ihre  Brachiopoden-Fauna.     19^ 

spielen,  die  Kenntniß  derselben  aber  bis  jetzt  keineswegs  dem  in 
neuerer  Zeit  so  sehr  vorgeschrittenen  Standpunkte  unserer  Er- 
fahrungen über  diese  Thierelasse  entsprach,  so  schien  es  mir  nicht 
unwichtig,  die  in  unseren  norddeutschen  Galeriten-Schiehten  vorkom- 
menden Arten  einem  genaueren  Studium  zu  unterziehen,  dessen  Re- 
sultate auf  den  nachfolgenden  Blättern  enthalten  sind.  Vielleicht  ist 
es  mir  vergönnt,  später  einmal  auch  die  übrigen  organischen  Reste 
in  ähidicher  Weise  zu  bearbeiten.  Namentlich  würde  eine  speciellere 
Untersuchung  der  Echinodermen  von  großem  Interesse  sein. 

Bevor  ich  mich  zur  Besprechung  der  einzelnen  Arten  wende, 
sei  es  mir  gestattet,  eine  übersichtliche  Tabelle  ihrer  verticalen  Ver- 
breitung, wie  sich  solche  aus  der  V^ergleichung  mit  den  in  anderen 
Schichten  der  Kreide-Formation  vorkommenden  Formen  ergeben  hat, 
mit  wenigen  erläuternden  Worten  hier  voranzustellen.  Die  Zahl  sämmt- 
licher  mir  aus  den  Galeriten-Schiehten  bekannt  gewordenen  Arten 
beträgt  zwölf.  Von  diesen  erscheinen  nach  den  bisherigen  Beobach- 
tungen nur  zwei  sicher  ganz  ausschließlich  auf  die  Galeriten- 
Schiehten  beschränkt,  Terebratula  (?)  defliuva  und  Rhynchonella 
ventriylanata ;  höchstwahrscheinlich  darf  aber  auch  Terebra- 
tula Becksi  zu  diesen  gerechnet  werden.  Zugleich  treten  diese  ge- 
nannten Arten  nur  in  Begleitung  der  Galeriten  auf  und  sind  der  Fa- 
cies des  „weißen  Bro)igniarti-P\iiners''  durchaus  fremd.  Auch  die 
horizontale  Verbreitung  dieser  Arten  ist  eine  sehr  beschränkte,  da 
sie  mit  Ausnahme  eines  einzigen  in  Frankreich  gefundenen  Exem- 
plars von  Terebratula  Becksi  alle  drei  nur  im  nordwestlichen 
Deutschland  gefunden  werden.  Die  übrigen  Arten  besitzen  fast  alle 
eine  große  verticale  und  horizontale  Verbreitung;  nur  Terebratula 
Carteri  und  Discina  alta  machen  hievon  eine  Ausnahme.  Letztere, 
die  sich  übrigens  in  Folge  ihrer  großen  Kleinheit  leicht  der  Beobach- 
tung entzieht,  ist  bis  jetzt  nur  aus  den  Umgebungen  von  Salzgitter 
bekannt,  wo  sie  in  zwei  unmittelbar  auf  einander  folgenden  Schichten 
vorkommt.  Es  ist  bekannt,  daß  auch  die  lebenden  Arten  dieser  Gat- 
tung eine  sehr  geringe  horizontale  Verbreitung  haben.  Terebratula 
Carteri  dagegen  besitzt  zwar  eine  ziemlich  geringe  verticale  Ver- 
breitung, kommt  aber  in  ziemlich  weit  von  einander  entfernten  Ge- 
genden gleichzeitig  vor. 


198 


S  c  li  I  o  p  II  Ii  a  e  h. 


1. 

2, 

3. 

4. 

Ii. 

0. 

7- 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 

Tcrcbratiila  (  Tliiia.J  rigida  S  o  \v. 
^        „            chri/salis  S  e  li !  o  t  li 

sp.   .. 
sp.  .. 

1 

Ii 

111 

IV 

V 

* 

? 
1 

* 

? 

* 

* 
* 

* 

„     Becksi  A.  R  0  e  m 

„  (?)  defluxa  S  c  h  1  o  e  n  b.  sp. 
„     fiMeffO'l.J  lima  D  e  f  r 

IlOV.     . 

Jthijnchonella  Cuvieri  0  r  b 

„  vetitriplannta  S  c  h  1  o  e  n  b.  s 
„     plicatilis  S  0  w.  s  p 

3.  nov. 

Urania  Parisiensis  D  e  f  r 

üiscina  alta  S  c  h  1  o  e  n  b.  sp.  nov. 

Anmerkung.  Ein  Stern  *  in  Columne  I  bedeutet  das  Vorkommen  in  dem  cenomanen 
Pläner,  11  in  der  Zone  des  Inoc.  labiatus,  111  in  der  Zone  des  Amm.  WooUyarei, 
wo  solche  nicht  als  Galeriten-Facies  entwickelt  ist,  IV  in  der  Zone  des  Scaphües 
Geinitzi,  V  in  jüngeren  Kreideschichlen. 

1.  Terebratala  (Terebratallna)  rigida  Sow.  sp. 
Taf.  1,  Fig.  1,  2. 
1829.   Terebraliila  rigida.  Sow.,  Min.  C.  VI,  p.  69,  t.  S36,  f.  2. 
1866.   Terehratulina  rigida  Sch\ Od nh.,  Krit.  Stud.,  p.  17,  t.  I,  fig.  10— 17. 

Palaeontographica  XIII,  6,  p.  283,  t.  38,  f.  10—17. 

Bemerkungen  und  Vorkommen.  Nach  meinen  früheren 
Mittheilungen  über  diese  Art  a.  o.  a.  0.  habe  ich  hier  nur  Weniges 
zu  bemerken.  Sie  muß  im  Galeriten-Pläner  geradezu  als  eine  Selten- 
heit bezeichnet  werden.  Es  liegen  mir  aus  dieser  Schicht  nur  20 
Exemplare  vor,  welche  von  Ahaus  (Westphalen),  aus  der  Gegend 
von  Salzgitter  (Hannover)  und  von  Beuchte  unweit  Goslar  (Hanno- 
ver) stammen;  dieselben  gehören  ausschließlich  meinen  Varietäten 
a  und  7  an. 

2.  Terebratala  (Terebratulina)  clirysalis  Schloth.  sp. 
Taf.  1,  Fig.  3-3. 
1813.    Terebralif  Utes  c/irysalis  Schloth. ,  in  Leonii.  Tascbenb.,  VII,  p.  113. 
1866.   Terehratulina  chrf/salin  Schlocnb.,  Mrlt.  Stud.,   p.  11,  (.  I,  fig.  3—4; 
Palaeontogr.  XIII,  6,  p.  277,  t.  38,  f.  3,  4. 

Bemerkungen  und  Vorkommen.  Auch  bei  dieser  Art  ver- 
weise  ich  wegen  der  ausführlicheren  Beschreibung   und   sonstigen 


I 


über  die  norddeutsch.  Galeriteii-Schichten  ii.  ihre  Brachiopoden-Fauna.       1  9»' 

Angaben  auf  meine  oben  citlrte  frübere  Arbeit  und  kann  mich  daber 
bier  auf  einige  Notizen  über  ihr  Vorkommen  im  Galeriten-Pläner 
beschränken.  Obgleich  mir  über  70  Exemplare  von  Ahaus,  aus  der 
Gegend  von  Salzgitter  und  von  Beuchte  unweit  Goslar  aus  dieser 
Schicht  vorliegen,  gehört  sie  darin  doch  zu  den  verhältnißmäßig  sel- 
teneren Erscheinungen,  wenn  man  berücksichtigt,  wie  große  Mengen 
von  den  anderen  Arten  mir  zur  Verfügung  gestanden  haben.  Die 
vorhandenen  Exemplare  gehören  ihrer  Mehrzahl  nach  derjenigen  Varie- 
tät an,  welche  Terebratida  striatula  Mant.  entspricht;  doch  sind 
auch  fast  alle  anderen  Varietäten,  namentlich  z.  ß.  TerehratuUna 
elegans  Orb. ,  Faujasi  Roem.,  Defrcmcei  B von gn.,  ainnculata 
Roem.  etc.  durch  entsprechende  Formen  vertreten. 

3.  Terebratala  snbrotanda  S  o  w. 
Taf.  i,  Fig.  6—12. 

1813.    Terebratida  siibroümda  Sow.,  M.  C.  I,  p.  4S  z.  Tb.,  t.  IS,  fig.  1  (non 
fig.  2). 

—  „         mhundata  Sow.,  M.  C.  I,  p.  47,  t.  13,  fig.  7. 

—  „         semigJobosa  Sow.,  M.  C.  I.,  p.  48,  t.  1 5,  fig.  9. 
1833.  „  „         B  u  c  h ,  Üb.  Terebr.,  p.  96. 

1837.  „  „         Bronn,  Leth.  geogn.  p.  6S7,  t.  30,  fig.  11. 

—  „  carnea  Bronn,  Leth.  geogn.  p.  6S4  z.  Tb.  t.  30.  fig.  13. 
1841,  „  semiglobosa  k.  Roem. ,  Kreid.,  p.  43. 

—  „  intermedia  A.  Roem.,  Kreid.,  p.  43. 

—  „  carnea  A.  Roem.,  Kreid.,  p.  44  z.  Tb. 

—  „  ow«/a  A.  Roem.,  Kreid.,  p.  44  z.  Tb. 

—  „  minor  A.  Roem.,  Kreid..  p.  44  z.  Th.  (Fundort  Alfeld.) 
1846.  „  carnea  Reuss,  Verst.  böbm.  Kr.  II,  p.  oO  z.  Th.,  f.  26. 

fig.  9-11. 

—  „         s2ibrotiinda  Reuss,  Verst.  böhm.  Kr.  II,  p.  SO. 

—  „         punctata  Reu  SS,  Verst.  böhm.  Kr.  II,  p.  Sl. 

—  „         clongata  Reuss,  Verst.  böhm.  Kr.  II.  p.  Sl. 

—  „         semiglobosa  Reuss,   Verst.   böbm.  Kr.   II,    p.  Sl   z.  Tb. 

l.  26.  fig.  S-8. 

—  „         snbiindafa  Reuss,  Verst.  bÖhm.  Kr.  II,  p.  Sl. 

—  „         obesa  Reuss,  Verst.  böhm.  Kr.  II,  p.  Sl. 

—  „         acuta  Reuss,  Verst.  böhm.  Kr.  II,  p.  Sl. 

1850.  „         carnea  Geinitz,    Quadersandst. ,    p.   214  z.  Th.    (mit 

Ausnahme  der  außerdeutschen  und  der  Fundorte:  Lin- 
dener  Berg,  Lemförde,  Vaels,  Rügen). 

18S7.  „         semiglobosa  u.  carnea  Stromb. ,  Zeitschr.  d.  geol.  Ges. 

IX,  p.  416,  417  und  Neues  Jahrb.,  p.  780,  787. 


200  Schlo  e  nbach. 

1865.    Terebratula  semiglübüsa  ii.  ovata  Heinr.  Credn.,  Erläulcr.  z.  geogn. 
Karte  von  Hannover,  p.  40. 
—  „         semiglohosa  \\.  c«r«f'ftz.Tli.  der  meisten  deutsch.  Geologen. 

Bemerkungen,  Zu  der  Beschreibung  und  den  Darstellungen, 
welche  Davidson  von  dieser  in  ihren  Formverhältnissen  so  außer- 
ordentlich variabeln  Art  gibt  (Monogr.  Cret.  Brach.,  p.  64,  t.  8, 
1.  6 — 18),  in  deren  Auffassung  ich  ganz  mit  dem  ausgezeichneten 
englischen  Paläontologen  übereinstimme,  habe  ich  einige  Ergänzun- 
gen in  Betreff  des  inneren  Baues  mitziitheilen;  auch  habe  ich  mich 
veranlaßt  gesehen,  statt  des  von  ihm  adoptirten  Namens  T.  semi- 
glohosa dem  Prioritätsrechte  gemäß  T.  subrotiinda  aufzunehmen. 

Zunächst  ist  es  mir  gelungen,  theils  durch  Schliffe,  theils  durch 
Präparation  angewitterter  Stücke  die  Schleife  vollständig  kennen  zu 
lernen.  Sie  ist  derjenigen  der  Terebratula  carnea  so  wie  der  lebenden 
T.rltrea  (die  auch  im  Äußeren  unserer  Art  zum  Verwechseln  gleicht) 
ungemein  ähnlich  und  besteht  aus  zwei  sehr  kurzen,  schwach  divergi- 
renden,  ansteigenden  Lamellen,  welche  etwa  in  der  Mitte  kurze  stumpfe 
Fortsätze  tragen  und  ungefähr  bei  i/g  der  Länge  der  kleinen  (Dor- 
sal-) Klappe  durch  eine  schwach  gegen  den  Schnabel  zurück  ge- 
krümmte Lamelle  (Brücke  bei  Suess)  mit  einander  verbunden  sind. 
Alle  diese  Lamellen  sind  im  Verhältniß  zu  ihrer  Länge  sehr  breit. 
In  der  kleinen  Klappe  sind  die  beiden  Adductor- Eindrücke  sehr 
kräftig,  aber  ziemlich  klein,  und  ganz  von  den  großen  Ovarien 
umgeben.  Von  den  Adductor-Eindrücken  aus  laufen  zwei  divergi- 
rende  schmale  Furchen  gegen  die  Stirn  hin,  und  in  der  Mitte  zwi- 
schen diesen  und  den  Rändern  der  Schale  fügen  sich  zu  diesen  noch 
zwei  ähnliche  schwächere  hinzu,  die  nicht  immer  deutlich  zu  erken- 
nen sind.  In  der  großen  (Ventral-)  Klappe  zeichnen  sich  zwei  vom 
Sclmabel  ausgehende  divergirende  Furchen  aus, welche  etwa  i/^ — 1/5 
der  Schalenoberfiäclie  einschließen  und  zwischen  denen  die  Muskel- 
eindrücke sich  befinden;  auch  ihnen  schließen  sich  seitlich  noch  zwei 
ähnliche  schwiich'ere  Furchen  an.  Die  Lage  der  Muskel  stimmt  mit 
derjem'gen  von  Terebr.  vitrea  und  cariiea  überein.  Die  Adductor- 
Male  liegen  zunächst  der  Schnabelspitze  inid  berühren  einander.  Die 
Relraclor-Male  liegen  näher  nach  der  Slirn  zu,  also  mehr  nach  vorn; 
die  Stielmuskel-Male  lehnen  sich  an  die  inneren  Seiten  der  Median- 
furchen an,  und  liegen  zwisclien  den  beiden  anderen  Paaren.  Die 
Ovarien  nelimen  seitwärts  von  den  Hauplfurchcn  einen  noch  grüße- 


über  die  norddeutsch.  Galeiiten-Schichteii  u.  ihre  Bracliiopoden-Fauna.      ^01 

ren  Raum  ein,  als  in  der  anderen  Klappe.  Die  Schale  ist  bei  beiden 
Klappen  meist  in  der  Wirbelgegend  ziemlich  stark  verdickt;  doch 
variirt  dies  sehr,  da  sie  namentlich  bei  den  flachen  Formen  in  der 
Regel  überall  dünn  bleibt. 

Von  den  echten  Terebrateln  hat  E.  Deslongchamps  bekannt- 
lich seit  einiger  Zeit  die  Section  Epithyris(W  Coy),  als  deren  Typus 
er  Terebratida  vitrea  annimmt,  abgetrennt,  anscheinend  ohne  zu  be- 
rücksichtigen, daß  nach  Davidson  gerade  Terebratula  vitrea  als 
Typus  von  Terebratula  Lhwyd  gilt.  —  Der  Nnme  Epithyris  wurde 
zuerst   1841   von  Phillips  (Figs.  and  Descr.  of  the  Palaeoz.  Foss., 
p.  54)  aufgestellt  für  eine  Gruppe,  welche  mit  Clelothyris  (^^=  Atrypa 
Dalm.)  und  Hypothyris  (=  Rhynchonella  Fisch.)   den  Namen 
Terebratula  (im  Sinne  L.  von  Buch's)  ersetzt  und  sich  von  ersterer 
Gruppe  durch  die  nicht  bis  an  die  Schloßlinie  reichende  Durchbohrung 
des  Schnabels,  von  Hypothyris  aber  durch  den  abgestutzten  durch- 
bohrten Schnabel  unterscheiden  sollte.  Epithyris  Phill.  würde  daher 
in  diesem  Umfange  die  ganze  große  Gattung  Terebratula  im  neueren 
Sinne   mit  fast  allen  Deslongchamps'schen  Sectionen  umfassen. 
Später  wurde  nun  von  King  und  M'  Coy  die  Bedeutung  des  Namens 
Epithyris    enger  begrenzt,   indem    derselbe   ausschh'eßlich   für  be- 
stimmte Sectionen  benutzt  wurde.    So  schlug  King  i)  vor,  ihn    für 
eine  genau  beschriebene  Formengruppe  zu  fixiren,  als  deren  Typus 
Schlotheim's  Terebratulites  e^72<7rt^«s  angenommen  wurde.  Indes- 
sen sollte  consequenter  Weise  eine  solche  engere  Begrenzung  eines 
vorhandenen  Gattungsnamens  nur  in   der  Weise  zulässig  sein,  daß 
derselbe    auf  diejenige  Abtheilung  angewendet  würde,  welcher   die 
von  dem  Autor  des  Namens  zuerst  angeführten  Beispiele  angehören 
—  ein  Princip,  das  King  in  Bezug  auf  den  Phillips'schen  Namen 
nicht  befolgt  hat.  Diese  oder  ähnliche  Erwägungen  scheinen  I\PCoy  2) 
veranlaßt  zu  haben,  für  diese  Abtheilung  seinen  schon  früher  aufge- 
stellten, aber  ungenügend  begründeten  Namen  6'<?w</«</a  in  V' erschlag 
zu  bringen ,  und  dagegen  Epithyris  für  diejenige  Section  gelten  zu 
lassen,  aufweiche  auch  Eug.  Deslongchamps  diesen  Namen  an- 
gewendet hat. 

Wenn    man   indessen    die  Beschreibungen,  welche  Deslong- 
champs von  seinen  beiden  Sectionen  Terebratula  und  Epithyris  in 

*)   Monogr.  Perm.  Foss.,  1830,  p.  146. 

-)    Brit.  Palaeoz    Foss.  in  the  Mus.  of  t^aniLr.,  1855,  p.  408. 


202  Seh  lo  en  1.  ach. 

(1er  Paleontologie  fran^aise  gibt,  aufmerksam  durchliest,  so  sieht 
mau,  daß  danach  die  einzigen  Unterschiede  zwischen  beiden  fol- 
gende sind: 

1.  Das  Foramen  ist  bei  Terebrutula  ziemlich  groß,  bei  Epi- 
thyris  mäßig  oder  sehr  klein. 

2.  Das  Armgerüst  besteht  aus  zwei  ansteigenden  Lamellen, 
welche  bei  Tcrebratula  mit  der  breiten  Brücke  (harre  transversale) 
durch  zwei  sehr  kurze  rückkehrende  Lamellen  verbunden  sind,  wäh- 
rend sie  bei  Epithyris  direct  an  die  leicht  gebogene  Brücke  befesti- 
get sind. 

3.  Der  Schloßfortsatz  (apophyse  calcaneenne)  ist  bei  Terehra- 
tnla  wenig,  bei  Epithyris  oft  sehr  stark  entwickelt. 

4.  Im  Innern  der  kleinen  Klappe  befinden  sich  bei  Epithyris 
vier  mehr  oder  weniger  deutliche  radiale  Längsfurchen ,  welche  bei 
Terehratula  fehlen. 

Zunächst  ad  L  bemerke  ich,  daß  nach  Des  Ion  gc  harn  ps'  eige- 
nen Angaben  und  Beobachtungen  i)  Epithyris  curvifro?is  durchaus 
kein  so  kleines  Foramen  besitzt,  und  daß  bei  seiner  Section  Tere- 
hratula das  Foramen  gar  nicht  immer  größer  ist. 

Ad  2.  Epithyris  subovo'ides  Eng.  Desl.  (=  Terehratula  sul- 
ccUifera  Schloenb. ,  non  Terehratula  suhovo'ides  A.  Roem.)  hat, 
wie  zahlreiclie  mir  vorliegende  französische  und  deutsche  Exemplare 
beweisen,  sehr  deutlich  ausgebildete  rückkehrende  Lamellen,  wie 
Deslongchamps  selbst  übrigens  (Brach,  jur. ,  t.  38,  f.  2)  sehr 
richtig  zeichnet. 

Ad  3.  Ist  nach  Deslongchamps  selbst  kein  constantes 
Merkmal. 

Ad  4.  Auch  dies  Merkmal  ist  sehr  inconstant,  da  D  e  s  1  o  n  g  c  h  a  m  p  s 
selbst  diese  vier  Furchen  bei  seiner  Epith.  subovo'ides  (1.  c.  t.  37, 
f.  4  a,  t.  38,  f.  1  b)  nicht  zeichnet.  Bei  Terehratula  suhrotunda 
sind  dieselben  oft  sehr  deutlich,  oft  gar  nicht  erkennbar. 

Wenn  hiernach  Terebratida  stibrotunda  im  Del  ongchamps' 
sehen  Sinne  zur  Section  Epithyris  M''  Coy  (non  Epith.  King)  ge- 
zogen werden  müßte,  so  dürfte  anderseits  aus  obiger  Auseinander- 
setzung hervorgehen,  daß  diese  Section,  abgesehen  von  der  incorrec- 


1)   Brachion.jur.iss.  (Paleoiit.  iVaiif.),  |).  IST,  t.  49,  f.  1  —  8,  und  Etudes  eiit.,  p.  32, 
t.  9,  f.  1—8. 


über  die  norddeutsch.  Galeriten-Scliicliteii  u.  ihre  r.raeliioiiodon-F'auna.     liijo 

teil  Ainveiulung  des  Namens  auf  diese  Abtlicihiiig,  nicht  dieselben 
Ansprüche  auf  Anerkennung  als  gleichwerthige  Section  neben  der 
eigentlichen  Terebratula  hat,  wie  die  übrigen.  Ich  schließe  mich  daher 
Davidson  an,  der  diese  Abtheilung  einfach  mit  Terebratula  im 
engeren  Sinne  vereinigt. 

Da  Davidson  sich  über  die  Synonymik  dieser  Art  und  über 
ihre  Beziehungen  zu  den  nahestehenden  Formen  ziemlieh  ausführlich 
ausgesprochen  hat,  so  brauche  ich  darüber  nicht  Vieles  hinzuzufügen. 
—  Zunächst  führt  Davidson  selbst  unter  seinen  Citaten  T.  subro- 
tnnda  Sow.  an,  deren  erste  Figur  ohne  Zweifel  die  Art  darstellt,  mit 
der  wir  uns  hier  beschäftigen.  DaßSowerby  sodann  irrthümlich  auch 
noch  andere  Formen  damit  vereinigt  hat,  kann  nach  dem  bestehenden 
Gebrauche  kein  Grund  sein,  den  Namen,  welcher  die  Priorität  vor 
T.  semiglobosa  hat,  zu  verwerfen.  Ich  glaube  daher  consequenter 
Weise  den  Namen  T.  siibrotiinda  aufnehmen  zu  sollen. 

Außer  den  von  dem  ersten  Autor  der  Species  gegebenen  Namen 
habe  ich  oben  in  der  Synonymen-Liste  nur  einige  der  wichtigsten 
deutschen  Citate  angeführt,  da  die  übrigen  bei  Orb.igny  und  Da- 
vidson leicht  nachgelesen  werden  können.  Von  anderen  möchte  ich 
noch  Terebratula  Bolliana  Uagenow  i)  hervorheben,  welche  spä- 
ter von  Boll  ~)  mit  Terebr.  albenus  Leym.  identificirt  und  als  ver- 
schieden von  T.  subrotimda  (semiglobosa)  betrachtet  wird.  Ob- 
gleich Boll  eine  Vereinigung  mit  dieser  letzteren  Art  „ganz  unmög- 
lich" hält,  kann  ich  doch  nach  sorgfältiger  Untersuchung  von  weit 
über  tausend  Exemplaren  nicht  umhin  mich  Davidson's  Ansicht 
anzuschliessen,  der  die  betreffende  englische  Form  (auf  deren  Ab- 
bildung sich  Boll  bei  seiner  Beschreibung  bezieht)  für  nicht 
specifisch  verschieden  vom  Typus  der  T.  subrotimda  hält.  Aus  den 
z.  B.  bei  Salzgitter  vorkommenden  Exemplaren  eine  continuirliche 
Reihe  von  Übergängen  von  Formen  wie  Davidson  t  8,  f.  IS  und 
Ifi  zu  t.  8,  f.  6 — 9  zusammen  zu  stellen  ist  durchaus  nicht  sch^ver, 
da  keines  der  von  Boll  angeführten  Unterscheidungs-Merkmale  con- 
stant  ist.  Im  Berliner  mineralogischen  Cabinete  zeigte  mir  Herr  Pro- 
fessor Beyrich  die  von  Boll  an  ihn  eingesendeten  Exemplare 
von  „Terebr.  Bolliana",  welche  vollständig  mit  den  Vorkommnissen 
unseres  Galeriten-Pläners  übereinstimmen.  Auch  die  feine  Streifung, 

1)    Boll,  Mekl.  Archiv  VII,   p.  7S. 
")  Ibid.  X.   p.  42. 


204  Schloenbach. 

welche  Boll  an  den  mecklenburgischen  Exemplaren  beschreibt  (var. 
striatnlaj,  kommt  bei  uns  vor,  wenn  auch  seltener.  —  Ahnliches 
gilt  von  Terebi'fiiulajulinensis  Hag.  ')• 

Wegen  der  Unterschiede  der  T.  subrotimda  von  Ter.  caniea, 
die,  einmal  aufgefaßt,  immer  unschwer  zu  erkennen  sind,  verweise 
ich  auf  Davidson.  Die  Citate  der  T.  carnea  aus  dem  norddeutschen 
Pläner  dürften  sich  ohne  Ausnahme  auf  T.  suhrotundn  beziehen, 
da  mir  in  diesen  Schichten  nie  eine  Spur  der  echten  T.  carnea  vor- 
gekommen ist.  Auch  was  Bronn  in  der„Lethaea"  auf  t.  30,  f.  13  als 
T.  carnea  abgebildet  hat,  ist  entschieden  nicht  diese,  sondern  die 
große  runde  Varietät  der  T.  siihrotimda,  wie  sie,  der  Abbildung  genau 
entsprechend,  so  häufig  im  norddeutschen  oberen  Pläner  vorkommt. 
Übrigens  äußerte  Bronn  selbst  schon  in  seiner  zweiten  Auflage  der 
Lethaea,  p.  6^4,  Bedenken,  ob  das  abgebildete  Exemplar  wirklich  zu 
T.  carnea  gehöre. 

Vorkommen.  Terebratula  subrotimda  ist  eine  der  häufigsten 
und  verbreitetsten  Brachiopoden-Arten  der  Kreideformation.  Unmit- 
telbar über  den  obersten  Schichten  des  unteren  (cenomanen)  Pläners 
mit  Amm.  Rotomagensis,  ja  möglicher  Weise  sogar  schon  in  diesen 
selbst  beginnend,  findet  sie  sich  in  den  nächst  höheren  Schichten 
über  dem  rothen  Pläner  mit  Inoceramus  labiatus,  in  den  „weißen 
ß7"o//^/»V«"/ /-Schichten"  mit  Inoceramus  Brongniarti  und  Atnmonltes 
WooUgarei  sehr  häufig.  Ganz  besonders  mannigfaltig  in  ihren  For- 
men und  häufig  tritt  sie  aber  an  jenen  Localitäten  auf,  wo  diese 
Schicht  in  der  Form  des  Galeriten-Pläners  entwickelt  ist;  indessen 
sind  im  Ganzen  in  dieser  Schicht  die  kleineren  eckigeren  Formen 
überwiegend  über  die  großen  runden.  Letztere  dagegen  bekommen 
das  Übergewicht,  so  wie  man  in  der  Schichtenfolge  höher  hinauf- 
steigt, namentlich  in  der  Oberregion  des  Scaphites  Geinitzi  in  Be- 
gleitung des  Spondyhis  spinosus  und  des  Micraster  breviporus  und 
cor  testudhiariiim.  Mit  dem  Auftreten  des  Belemnites  Merceyi  und 
Micraster  cor  auguinum  scheint  unsere  Art  ausgestorben  zu  sein, 
da  mir  dieselbe  in  dieser  Zone  noch  von  keiner  Localität  mit  Sicher- 
heit bekannt  geworden  ist.  Ihre  verticale  Verbreitung  liegt  also 
genau  innerhalb  der  Grenzen  des  Strombeck'schen  „obe.'en  Plä- 
ners" ;  auch  darf  man  ziemlich  sicher  sein,  sie  überall  zu  finden,  wo 


')    (!(ill,   Mi'ikl.  Aroliiv  X.  p.  44. 


über  die  norddeutsch.  Galeritoii-Schichten  u.  ihre  Bniehiopoden-Fauna.      205 

Schichten  aus  dieser  Abtheihing  vorhanden  sind.  AiilTallend  ist  nur 
gegenüber  der  ungemeinen  Häufigkeit  der  Terebratala  subrotunda 
in  den  Galeriten-Schichten  im  Norden  des  Harzes,  wo  sie  mit  Rhyn- 
chonella  Cuvieri  um  den  ersten  Rang  in  Bezug  auf  die  Häufigkeit 
der  vorkommenden  Petrefacten  wetteifert,  ihre  verliältnißmäßig 
große  Seltenheit  in  diesen  Schichten  bei  Ahaus  in  Westphalen. 
Diese  Erscheinung  bildet  ein  bemerkenswerthes  Analogon  zu  dem 
Verhalten  der  Rhynchünella  ventrlplanata  (s.  unten),  die  bei  ihrer 
großen  Häufigkeit  am  letzteren  Orte  so  ungemein  selten  im  Norden 
vom  Harze  ist. 

Ein  Verzeichniß  der  norddeutschen  Fundorte  dieser  Art  dürfte 
nach  Obigem  wohl  überflüssig  sein;  indessen  will  ich  ein  Vorkom- 
men nicht  unerwähnt  lassen,  welches  ich  dem  mineralogischen 
Cabinet  zu  Berlin  entnehme.  Es  ist  auf  der  Etiquette  als  „Plänerkalk- 
stein  von  Harsleben  zwischen  Halberstadt  und  Quedlinburg"  bezeich- 
net und  wird  vermuthlich  den  in  dortiger  Gegend  verbreiteten  Sca- 
phiten-Schichten  angehören.  Die  Exemplare  sind  zum  Theile  von 
einer  unföi-mlichen  Masse  von  angewittertem  Schwefelkies  umgeben, 
in  der  sie  mit  noch  erhaltener  Schale  stecken,  während  ihr  Inneres 
von  einem  Schwefelkieskerne  ausgefüllt  ist,  welcher  mit  außerordent- 
licher Feinheit  und  Schärfe  alle  Unebenheiten,  Eindrücke  etc.  der 
Innenseite  der  Schale  reproducirt.  Ähnliches  kommt  zuweilen  im 
oberen  Pläner  Westphalens  (Exemplare  von  Rheine  in  den  Samm- 
lungen der  polytechnischen  Schule  zu  Hannover  und  der  Akademie 
zu  Münster)  und  Böhmens  vor. 

Das  Vorkommen  in  England  stimmt  mit  dem  norddeutschen 
ganz  überein;  nur  dasjenige  im  Gault  (Red  Chalk  von  Hunstan- 
ton  nach  Davidson,  p.  66,  113,  t.  8,  f.  17)  scheint  noch  etwas 
zweifelhaft.  Orbigny  stellt  T.  suhrutunda  fsemtghbosaj  in  sein 
etage  senoinen,  welches  zum  Theile  dem  Vorkommen  in  Deutsch- 
land entspricht.  Übrigens  scheint  er,  wie  viele  andere  französische 
Autoren,  manche  hierher  gehörige  Formen  auch  unter  dem  Namen 
Terebrattila  obesa  zu  führen,  welche  Art  er  in  das  obere  turonien 
verweist;  wenigstens  habe  ich  in  den  französischen  Sammlungen  öfter 
deutliche  Exemplare  unserer  vorliegenden  Art  des  oberen  Pläners 
als  Ter.  obesa  bezeichnet  gesehen  und  mich  überzeugt,  daß  manche 
Citate  der  letzteren  in  französischen  geognostischen  Arbeiten  sich  in 
Wirklichkeit   auf  T.  subrotunda  beziehen.  Ich  selbst  habe  T.  sub" 


200  Sei.  I  oen  bi)  (•  I,. 

rofnmhi  aus  mehreren  französischen  Schichten,  die  unserem  „oberen 
Pläner"  entsprechen,  mitgebracht. 

Die  Citate  der  T.  semiglobosa  aus  schwedischer  Kreide  sind 
wohl  mit  großer  Vorsiclit  aufzunolimen,  da  in  Scliweden  nur  ungleich 
jüngere  Kreidebildungen  nachgewiesen  sind,  als  diejenigen,  welche 
bei  uns  und  überall  sonst  die  Lagerstätte  dieser  Art  sind.  Die  Abbil- 
dung, welche  Hisinger  i)  gibt,  ist  ofTenbar  lediglich  eine  Copie 
der  Sowerby'schen  Figur.  Eichwald^)  citirt  T.  snhiotunda 
und  semiglobona  aus  der  „crnie  blanche"  verschiedener  russischer 
Localitäten;  erstere  scheint  nach  der  Beschreibung  (Abbildungen 
sind  nicht  gegebenj  wohl  nur  eine  Varietät  der  T.  carnea  zu  sein, 
während  letztere,  welche  von  anderen  Fundorten  stammt,  allerdings 
unserer  in  Rede  stellenden  Art  entsprechen  könnte. 

4.  Tercbratula  Carteri  Dav. 
Taf.  2,  Fig.  1,  2. 
i8S8.   Terebralula  C«r/m  Da vids.,  Cret.  Brach.,  p.  72,  t.  7,  fig.  3. 

Bemerkungen.  Es  liegt  mir  eine  Reihe  von  mehr  als  fünfzig 
Exemplaren  einer  Tercbratula  vor,  deren  Ähnlichkeit  mit  der  oben 
citirten  englischen  Art  abgesehen  von  der  Größe  eine  solche  ist, 
daß  ich  die  specifische  Übereinstimmung  mit  derselben  für  ziem- 
lich unzweifelhaft  halte,  zumal  da  die  Lagerstätten  beider  analog 
sind.  Unter  meinen  norddeutschen  Exemplaren  ist  jedoch  keines, 
welches  die  Länge  von  30  Millimetern  überschreitet  und  die  durch- 
schnittliche Größe  der  anscheinend  erwachsenen  Exemplare 
beträgt  sogar  nur  22 — 25  Millim. ,  wahrend  Davidson  für  sein 
englisches  etwa  vierzig  Millim.  (20  lines)  angibt.  Die  Form  ist  ge- 
wöhnlich nicht  so  fünfeckig,  sondern  an  den  Seiten  mehr  gerundet, 
als  Davidson  zeichnet;  doch  kommen  auch  ganz  übereinstimmende 
vor.  Auch  der  Sinus  und  die  Aufbiegung  der  Stirn  ist  nicht  immer 
so  deutlich  ausgebildet.  Der  Schnabel  steht  zuweilen  etwas  mehr 
hervor,  so  daß  ein  breites  Deltidium  sichtbar  wird. 

Durch  SehlitTe  ist  es  mir  gelungen,  die  Schleife  darzustellen: 
sie  ist  sehr  kurz  (nur  etwa  y*  der  Länge  der  kleinen  Klappe)  und 
besteht  aus  zwei  breiten  ansteigenden  Lamellen,  die   fast  parallel  zu 


')   Leth.  suecica,  t.  24,  f.  2. 

2)  Leth.  rossica,   X.  livriiison,  1867,   p.  283. 


über  die  norddeutsch.  Galeritcn-Scliichten  ti.  ihre  Brachiopoden-Faiina.     20  < 

einander  gehen  und  an  ihrem  vorderen  Ende  durch  die  halhniond- 
förmig  rückwärts  gebogene  Brücke  verbunden  werden.  Ein  Dorsal- 
»eptum  ist  nicht  vorhanden.  Der  Brachial-Apparat  hat  also  eine 
große  Ähnlichkeit  mit  dem  von  Terebrntula  suhrotunda,  cnrnea 
vitrea  etc. ,  welche  auch  in  den  übrigen  inneren  Merkmalen  eine 
große  Ähnlichkeit  mit  Terebr.  Carteri  erkennen  lassen. 

Der  Charakter  der  Art  ist  schon  im  Jugendzustande  sehr  deut- 
lich, so  daß  dieselbe  immer  leicht  zu  erkennen  ist.  Von  Terebrn- 
tula subrotunda,  mit  der  sie  zusammen  vorkommt,  unterscheidet 
sie  sich  durch  den  viel  schmäleren  und  mit  größerem  Foramen  ver- 
sehenen Schnabel;  auch  bildet  die  aufgebogene  Stirn  stets  eine 
gerade  Linie  ohne  eigentliche  Biplication,  welche  oft  bei  T.  sub- 
rotunda, namentlich  bei  den  dickeren  Formen  vorhanden  ist. 

Ob  Orbigny  bei  Aufstellung  seiner  südfranzösischen  Tere- 
bratula  Toucnsana  i)  unsere  Art  im  Auge  gehabt  hat,  läßt  sich 
aus  der  kurzen  Phrase,  mit  welcher  er  dieselbe  beschreibt,  nicht 
mit  Sicherheit  schließen;  doch  würde  dieselbe  ungefähr  auf  Tere- 
bratula  Carteri  passen:  „Espece  avec  le  pH  de  la  region  palleale  du 
Ter.  semifjlobosa,  mais  toujours  plus  de'primee,  ä  labre  plus  saillaiit, 
Le  Beausset  (Var.),  Martigues  (Bouches-du-Biione)." 

Vorkommen.  Die  horizontale  Verbreitung  der  Terebratuhi 
Carteri  scheint  sich  nach  den  seitherigen  Beobachtungen  auf  Eng- 
land und  das  nordwestliche  Deutschland  zu  beschränken,  wern  man 
nicht  die  einstweilen  noch  unsichere  eben  genannte  T.  Toucasana 
Orb.  aus  dem  südlichen  Frankreich  hinzunimmt.  Auch  die  verticale 
Verbreitung  ist  geringer,  als  bei  den  meisten  anderen  in  ihrer  Beglei- 
tung auftretenden  Arten.  Ich  kenne  sie  nur  aus  dem  Galeriten-  und 
weißen  Brongniarfi-PU'inev.  so  wie  als  große  Seltenheit  aus  dem 
Scaphiten-Pläner,  d.  h.  also  aus  den  Zonen  des  Amm.  Woollgarei 
und  des  Scaphites  Geinitzi.  Das  von  Davidson  angegebene  Vor- 
kommen in  Grey  Chalk  bei  Dover  stimmt  damit  annähernd  überein, 
da  diese  Schicht  dem  Niveau  unseres  norddeutschen  „oberen  Plä- 
ners" angehört,  eine  schärfere  Parallelisirung  der  norddeutschen 
mit  den  englischen  Schichten  der  oberen  Abtheilnng  der  Kreide- 
formation aber  bis  zur  Zeit  leider  noch  nicht  ermöglicht   worden  ist. 


1)   Prodrome  Fl,  p.  2ö8,  e't.  22.  no.  961. 


208  Schi  ocn  ha  eil. 

oligleieh  di 
nahe  sind. 


oligleieh  die  Beziehungen  zwischen  beiden  offenbar  außerordentlich 


5.  Terebratula  Becks!  A.  Roeni. 

Taf.  2,  Fig.  3-9. 

1841.    Terebralula  üecksi  A.  Rocm.,   Kreidegob.,  p.  44,  t.  7,  fig.  i8. 
1850.  „  „       Gein. ,  Quadersitndst.,  p.  214. 

i8S4.  „  „       F.  Roem.,  Zi'itschr.  geol.  Ges.  VI,  p.  211. 

1857.  „  „       Strom  heck,    Zuitschr.   geol.  Ges.  IX,    p.  417 

und  N.  Jahrb.,  p.  786. 
1865.  „  „       Heinr.  Credner,   Erläut.  zur  geogn.  Karte  von 

Hann.,  p.  40. 

Beschreibung.  Schale  von  veränderlicher  Gestalt,  meist 
etwas  gerundet  dreieckig;  eben  so  lang  oder  länger  als  breit;  Dicke 
meist  bedeutend  im  Vergleich  zur  Breite,  doch  sehr  veränderlich. 
Die  größte  Dicke  ist  etwa  bei  »/g  bis  höchstens  '/o  der  Länge  vom 
Schnabel  ab,  die  größte  Breite  bei  2/„  oder  wenigstens  zwischen  der 
Mitte  und  der  Stirne  gelegen.  Schalenoberfläche  glatt,  nur  mit  An- 
wachslinien versehen,  die  nicht  stark  hervortreten.  Schalenstructur 
sehr  fein  pimktirt. 

Dorsalklappe  vom  Wirbel  aus  sehr  steil  ansteigend  und  stark 
gewölbt  und  sich  dann  bis  zur  Stirn  ganz  abplattend,  an  der  Stirn 
meist  ohne  Sinus  mit  einer  breiten  Zunge  mäßig  in  die  größere 
Klappe  eingreifend.  Ventralkiappe  mit  einem  kurzen,  nur  wenig  über 
den  Wirbel  der  kleinen  Klappe  hervorragenden  sehr  schwach  ge- 
krümmten Schnabel  versehen,  der  von  einem  ziemlich  großen 
Foramen  oft  fast  senkrecht  gegen  die  Längsaxe  abgestutzt  wird.  Das 
aus  zwei  mit  einander  verwachsenen  Plättchen  bestehende  Deltidium 
ist  sehr  deutlich  ausgebildet  und  ziemlich  breit,  und  bildet  eine  von 
sehr  stumpfen  Kanten  begrenzte  falsche  Area.  Die  Schale,  die  in  der 
Bichtung  von  dem  Schnabel  bis  zur  Stirn  sehr  wenig  gewölbt  ist, 
zerfällt  in  drei  ziemlich  gleich  breite,  sehr  schwach  gewölbte,  aber 
ziemlich  stark  gegen  einander  geneigte  Flächen,  von  denen  die  mitt- 
lere durch  die  Stirnlinie  und  durch  zwei  vom  Schnabel  nach  deren 
Enden  verlaufende  stumpfe,  kielartige  Kanten ,  die  beiden  anderen 
durch  diese  Kanten  und  die  ausgebogenen  Seitenränder  der  Muschel 
eingeschlossen  werden. 

Im  Inneren  der  kleinen  Klappe  ist  ein  Dorsnlseptum  nielit  vor- 
handen. Die    Schleife  reicht    kaum  weiter   als    '/^   der   Länge   der 


UbiT  die  nordileutscli.   fiHleritt'M-.ScIiicIiteii  ii.  ihre  l{iaehiot)0(leil-Faunii.     cOa 

kleinen  Klappe  und  besteht  aus  zwei  schwach  divergirenden  anstei- 
genden Lamellen,  an  die  sich  die  kurzen,  nur  etwa  1/4 — «/j  so  langen 
rückkehrenden  Lamellen  anschließen,  welche  durch  die  schmale 
Brücke  mit  einander  verbunden  sind.  Auch  im  Schnabel  der  großen 
Klappe  sind  keine  Ventralsepta  oder  Zahnplatten  vorhanden.  —  Die 
Anordnung  und  Form  der  Muskel  und  übrigen  Eindrücke  ist  sehr 
ähnlich,  wie  bei  Terebratula  subrotunda. 

Bemerkungen.  Terebratula  Becksi  ist  eine  so  ausserordent- 
lich variable  Art,  daß  man  bei  geringem  Materiale  versucht  sein 
würde,  die  extremen  Varietäten  für  verschiedene  Species  zu  halten. 
Auf  der  einen  Seite  nähern  sich  gewisse  Formen  durch  gerundeten 
Umriß,  breitere  Gestalt,  stärkere  Krümmung  des  Schnabels  zuweilen 
der  lerebratula  subrotunda,  ohne  daß  jedoch  wirkliche  Über- 
gänge zu  derselben  stattfinden;  andererseits  wird  die  Gestalt  so  lang 
und  schmal  und  ausgesprochen  dreieckig,  daß  sie  keiner  anderen 
mir  bekannten  Art  der  Gattung  Terebratula  mehr  ähnlich  sieht; 
diese  letztere  Varität  zeichnet  sich  dabei  durch  eine  scharfe  Stirn - 
kante  und  große  Dicke  in  der  Nähe  des  Schnabels  aus,  welche  be- 
wirkt, daß  die  Schioßkanten  außerordentlich  stumpf  werden,  ja  daß 
die  Ränder  der  beiden  Klappen  sich  hier  sogar  nicht  selten  unter 
einem  Winkel  vereinigen,  der  180  und  selbst  noch  darüber  erreicht. 
Die  langen  schmalen  Varietäten  erreichen  selten  eine  solche  Größe, 
wie  sie  bei  den  breiten  gerundeten  vorkommt.  Ich  lasse  hier  Mes- 
sungen von  vier  der  größten  mir  vorliegenden  Exemplare  folgen : 

Länge         Breite         Dicke  Verhältnißzahleii 


,1:! 


III. 

IV. 


von  Ahaus,  breite 

{ 

32 

33 

21  M 

gerundete  Form 

38 

35 

23    , 

von  Vienenburg 

(Mittelform) 

40 

32 

25    , 

von  Ahaus,  lange 

dreieckige  Form 

30 

20 

17    , 

100:103      :66 
100:    92      :60V3 

100:    80      :62V2 


100:    662/3:56% 

Die  einzigen  bekannten  Arten,  welche  einige  Ähnlichkeit  mit 
den  typischen  Formen  des  Terebratula  Becksi  haben ,  sind  die 
jurassischen  Terebratida  Paumardi  Eng.  Desl.  •)  und  Hoheneg- 
geri  Suess  2).    Indessen  fallen  doch  die  Unterschiede  bei  der  Ver- 


'j  Paleont.  frang.,  Brachinp.  jurass.,  p.  169,  t.  43,  f.  1  —  3. 
2)  Brachiop.  d.  Stramberger  Seh.  I,  p.  42,  t.  4,  f.  18—20. 
Sil/.b.  d.  iiiathein.-iiahirw.  Cl.  LVII.  Bd.  I.  Abtb.  H 


210  Schloenbach. 

glcicliiiiig  (1er  Abbildungen  so  leicht  in  die  Augen,  daß  es  überflüs- 
sig wäre,  dieselben  hier  noch  einzeln  aufzuzählen. 

Nachdem  unsere  Art  von  A.  Roemcr  einmal  gut  beschrieben 
und  in  ihrer  Eigenthümlichkeit  kenntlich  abgebildet  war,  scheint 
dieselbe  von  den  späteren  Autoren  stets  richtig  erkannt  zu  sein,  um 
so  mehr,  da  die  wichtigsten  Fundorte  von  Roemer  ebenfalls  bereits 
richtig  angegeben  waren. 

V 0  r  ko  m m  e  n.  Bei  außerordentlicher  iocaler  Häufigkeit  scheint 
doch  die  verticale  Verbreitung  unserer  Art  eine  ziemlich  beschränkte 
zu  sein.  Sie  findet  sich,  wie  es  scheint,  nie  anders  als  in  Gesell- 
schaft der  Galeriten,  und  zwar  tritt  sie  bei  Vienenburg  (Hannover) 
zuerst  in  der  obersten  Abtheilung  des  rothen  Pläners,  der  vielleiclit 
dort  schon  den  Übergang  zum  „weißen  Bro?igniarti-P\iinev^  (Zone 
des  Amm.  Woollgarei)  bildet,  auf;  über  die  eigentliümlichen  Ver- 
hältnisse an  dieser  Localilät  habe  ich  schon  oben  im  geologischen 
Theile  gesprochen.  An  allen  anderen  Fundorten  scheint  Ter.  Becksi 
dem  rothen  Pläner  (Zone  des  Inoc.  labiatusj  noch  fremd  zu  sein 
und  sich  vielmehr  ganz  auf  den  darüber  liegenden  eigentlichen 
Galeriten-Pläner,  das  Äquivalent  der  Zone  des  Amm.  Woollgarei  zu 
beschränken.  In  diesem  findet  sie  sich  nicht  selten  überall,  wo  der- 
selbe im  nordwestlichen  Deutschland  entwickelt  ist,  so  daß  ich  mir 
eine  Aufzählung  der  einzelnen  Fundorte  ersparen  darf.  Die  be- 
kanntesten Fundorte  sind  Graes  unweit  Ahaus  (Westphalen)  und  der 
Fleischerkamp  bei  Salzgitter  (Hannover);  an  ersterem  Fundorte 
kommt  T.  Becksi  in  sehr  schöner  Erhallung  als  häufigstes  Fossil 
nächst  den  Galeriten  und  Rhynchonella  ventriplanata  vor;  ich  habe 
von  dort  nahe  an  tausend  Exemplare  aus  meiner  und  verschiedenen 
anderen  Sammlungen  untersucht.  Im  echten  „Scaphiten-Pläner" 
(Zone  des  Scaph.  Geinitzi)  koinite  T.  Becksi  bisher  noch  nicht 
nachgewiesen  werden,  wie  sie  denn  auch  in  der  Facies  des  „weißen 
Bronymarti-V\i\neiY&" ,  dem  normalen  Äquivalent  der  Galeriten-Schich- 
ten,  zu  fehlen  scheint.  So  liabe  ich  z.  ß.  in  den  Steinbrüchen  auf 
der  Höhe  des  Ringelberges  bei  Salzgitter,  wo  sich  in  dem  „weißen 
Bi'07igniur(i -WÄnev"  eine  an  Bhynchonella  Cuvieri  und  Terebratnla 
suhrotunda  sehr  reiche  Schicht  befindet,  nie  eine  Spur  der  T.  Becksi 
gesammelt,  während  ich  in  den  fünf  Minuten  im  gleichen  Streichen 
entfernten  Steinbrüchen  am  Fleischerkamp  seit  mehreren  Jahren  mit 


Ülier  die  uorddeutsfli.  Galeritcii-Schichteu  u.  ihre  Brachiopoden-Fauna.     ä1  1 

meinem  Vater  in  der  entsprechenden  Galeriten-Schicht  nahe  an  tau- 
send Exemplare  derselben  aufgehoben  habe. 

In  neuester  Zeit  scheint  Terebratula  Becksi  auch  im  westlichen 
Frankreich  aufgefunden  zu  sein;  wenigstens  erinnere  ich  mich,  im 
August  vorigen  Jahres  in  der  paläontologischen  Sammlung  der  Sor- 
bonne zu  Paris  ein  von  Prof.  Hebert  gesammeltes  Exemplar  dieser 
Art  gesehen  zu  haben,  dessen  speciellerer  Fundort  aber  leider  mei- 
nem Gedächtnisse  entschwunden  ist. 

6.  Terebratula  (?)  defloxa  S  c  h  I  o  e  n  b.  sp.  nov. 
Taf.  2,  Fig.  10—12. 

Beschreibung.  Kleine  Art  von  drei-  bis  fünfeckigem  Um- 
risse mit  abgerundeten  Ecken,  wenig  oder  gar  nicht  länger  als  breit, 
nicht  stark  gewölbt,  mit  breiter,  mit  einem  Bogen  gegen  die  Bauch- 
seite gekrümmter  Stirn.  Schalenoberfläche  glatt;  Anwachslinien  meist 
nicht  stark  markirt.  Schalenstructur  sehr  fein  und  dicht  punktirt. 
Die  größere  Klappe  hat  einen  breiten,  stark  gekrümmten,  stumpfen 
Schnabel,  der  mit  scharfen,  eine  breite,  aber  ziemlich  niedrige  Area 
begrenzenden  Schnabelkanten  versehen  ist  und  von  einem  ziemlich 
großen  Foramen  parallel  zur  Längsaxe  abgestutzt  wird.  Letzteres 
reicht,  da  die  breiten  Deltidialplatten  bei  keinem  der  von  mir  unter- 
suchten Exemplare  mit  einander  verwachsen  sind  oder  sich  berühren, 
bis  zum  Wirbel  der  kleinen  Klappe.  Gegen  die  Stirn  zu  bildet  sich 
in  der  Mitte  der  übrigens  ziemlich  gleichmäßig  gewölbten  großen 
Ventralklappe  ein  deutlich  von  stumpfen  Kanten  begrenzter  flacher 
Wulst  aus,  der  meist  in  der  Mitte  etwas  abgeplattet  ist.  Die  mit 
einer  breiten,  fast  geraden  Schloßlinie  versehene  kleine  Klappe  ist 
sehr  schwach  gewölbt  und  zwischen  dem  Wirbel  und  der  Mitte  be- 
ginnt ein  tiefer  Sinus ,  der  von  zwei  stumpfen ,  nach  den  Ecken  der 
Stirn  sich  ziehenden  Kanten  begrenzt  wird  und  dem  Wulst  der 
anderen  Klappe  entspricht. 

Vom  inneren  Bau  ist  sehr  Avenig  bekannt;  die  kleine  Klappe 
besitzt  ein  sehr  kräftiges  vom  Wirbel  aus  bis  über  die  Mitte  hinaus 
sich  erstreckendes  Dorsalseptum,  die  größere,  auf  jeder  Seite  des 
Deltidiums  im  Schnabel  kräftige  Zahnplatten,  wie  sie  bei  Macan- 
drewia,  Megerleia,  Terebratella,  Rhynchonella  etc.  vorhanden  sind. 
Die  Muskeleindrücke  sind  sehr  schwach  und  undeutlich. 

ir 


212  S  C  h  1  o  .•  II  1.  ;i  c  li. 

Bemerkungen.  Die  genei'ische  Stellung-  dei'  T.  deflu.va  muß» 
nach  der  obigen  Beschreibung  einigermaßen  zweifelhaft  erscheinen. 
Denn  während  einerseits  durch  das  Dorsalseptuni,  die  Zahnplatten, 
die  scharfen  Schnabelkanten  nahe  Beziehungen  zu  Macnndrcwia, 
namentlich  zu  der  Formenreilie  der  Iwpressae  (Terebrntula  septi- 
//e/Y<  Love  n)  angedeutet  erseheinen,  wird  sie  (hirch  die  nicht  mit 
einander  verwachsenen  Deltidial-Plättchen  und  das  verhältnißmäßig 
überhaupt  ziemlich  große  Foramen  wieder  von  diesen  entfernt  und 
anscheinend  mehr  in  die  Nähe  von  Megerleiti  (Kinyia)  gerückt, 
auch  Kraussia  pisuni  Lam.  sp.  und  Terebratella  Bonchardi  Dav., 
so  wie  Mngas  Geuiitzi  Schloenb.  dürften  zu  vergleichen  sein. 
Jedenfalls  aber  ist  es  unmöglich,  eher  zu  einer  Gewißheit  über  diese 
Frage  zu  kommen,  als  bis  man  Specielleres  über  den  inneren  Bau, 
namentlich  über  die  Gestalt  des  Brachialapparates  weiß.  Leider  sind 
jedoch  alle  meine  Bemühungen,  denselben  durch  Schlifle  in  verschie- 
denen Richtungen  kennen  zu  lernen,  bisher  erfolglos  gewesen. 

Die  Charaktere  der  T.  deflu.va  sind  so  eigenthümliche  und  leicht 
erkennbare,  daß  sie  schwer  mit  anderen  Arten  zu  verwechseln  ist. 
Nur  etwa  Magns  Gebdtzi  bietet  einige  äußerliche  Ahidichkeit,  ist 
aber  stets  viel  stärker  gewölbt  und  besitzt  einen  spitzeren  Schnabel. 

Vorkommen.  Terebratuhi  defluxn  ist  mir  l)is  jetzt  aus- 
schließlich aus  dem  Galeriten-Pläner,  und  zwar  nur  von  den  beiden 
Fundorten  Fleischerkamp  bei  Salzgitter  (Hannover)  und  Graes  bei 
Ahaus  (Westphalen)  bekannt  geworden.  Sie  gehört  auch  hier  zu  den 
Seltenheiten;  denn  nur  den  in  großem  Maßstabe  vorgenommenen 
Ausbeutungen  an  diesen  beiden  Localitäten  habe  ich  es  zu  verdan- 
ken, daß  ich  im  Ganzen  etwa  vierzig  Exemplare  dieser  Art  unter- 
suchen konnte ,  die  sich  theils  im  geologischen  Cabinet  zu  Berlin, 
theils  in  der  geologischen  Sammlung  der  Akademie  zu  Münster 
(Westphalen),  theils  in  der  Sammlung  des  Herrn  Forstmeisters  von 
Unger  in  Seesen  und  in  meiner  eigenen  befinden. 

7.  Terebratala  (Megerleia)  lima  De  fr. 
Taf.  3,  Fip.  1,2. 
1828.   TerebratulalimaDefr.,  Di«f.  LFII.  p.  156. 

Ich  darf  mich  bei  dieser  Art  ganz  auf  die  ausführlichen  Mitthei- 
lungen beziehen,  die  ich  kürzlich  (Brachiop.  d.  nordd.  Cenom. ,  in 
„geogn.-paläont.  Reitr.  I,  3,  1867,  p.  469  [69]«)  über  dieselbe  ge- 


über  die  norddeutsch.  (Jaleriten-Scliichteii  u.  ihre  Brachiopoilen-Fauua.      213 

macht  habe,  und  hebe  niii'  noch  hervor,  dali  die  in  den  Galeriten- 
Schichten  in  ziemlich  großer  Häufigkeit  vorkommenden  Exemplare 
durchschnittlich  den  kleineren  Formen  mit  etwas  fünfeckigem  Um- 
risse und  mit  flacher  Dorsalklappe  angehören.  Die  Tuberkeln  auf  der 
Schalenoberfläche  sind  nur  in  wenigen  Fällen  stellenweise  bei  beson- 
ders gut  erhaltenen  Exemplaren  von  Ahaus  (Westphalen)  zu  sehen. 
In  den  Sammlungen  norddeutscher  Kreidepetrefacten  ist  das  Vorkom- 
men unserer  Art  im  Galeriten-Pläner  seit  lange  bekannt;  indessen 
wurde  dieselbe  früher  meist  nach  Strombeck's  Vorgange  als 
Waldheimia  sp.  nov.  bezeichnet. 

8.   Rhyochonella  fuTieri  Orb. 
Taf.  3,  Fig.  3,  4. 

1833.    Terebradtln  pisnm  Buch,  Üb.  Terebr.,  p.  47  (nonLam.) 
1841.  „  „     A.  Roem.,  Kreid.,  p.  38. 

—  „         Mantelliana  h.  Roem.,  Kreid.,  p.  39  z.  Th.  (non  Sow,) 

1846.  „         pisim   Reuss,    Verst.   böhm.  Kreid.    II,    p.   48,    t.  2S, 

fig.  17—20. 

—  „         ManlclÜana  R  euss,  Verst.  böhm.  Kreid.  II,  p.  48,  t.  25, 

fig.  21,  22. 

1847.  Rhynchonella  Cnvieri  Orh.,  Cret.  IV.  p.  39,  t.  497,  fig.  12-15. 
1850.   Tercbratula  pisum  G  ein. ,  Quadersandst. ,  p.  210  z.  Th. 

—  „         Mantelliana  G ein.,  Quadeieandst. ,  p.  210  z.  Th. 

1854.  „         plicatilis  var.  minor  F.  Roem.,   Zeitschr.  geol.  Ges.  VI, 

p.  210. 

1855.  Rhynchonella  Cnvieri  Dav.,  Cret.  Rrach,,  p.  88,  t.  10,  fig.  50—54. 
1857.  „  Martini  und  Mantellana   (z.  Th.)    Stromb.,    Zeitschr. 

geol.  Ges.  IX,  p.  416,  417;  N.  Jahrb.  786,  787. 
Terebratula   pisum.   und    Mantellinna,    Rhynchnnella   Ciwieri    vieler 
deutscher  Geologen. 

Bemerkungen    und    Vorkommen.   Der   innere  Bau    dieser 
Art,  namentlich  die  Muskel-  und  Gefäß-Eindrücke,  die  ich  an  Stein- 
kernen beobachten  konnte,  sind  durchaus  normal  und  geben  keine  Ver- 
anlassung  zu  weiteren   Bemerkungen.   Sie  findet  sich  im  Galeriten- 
Pläner  in  ungemeiner  Häufigkeit  und  variirt  auch  in   Folge   dessen 
außerordentlich,  namentlich  in  Hinsicht  auf  ihre  Größe,  auf  die  An- 
zahl der  Rippen  und  auf  die  Aufbiegung  der  Stirnlinie.  Trotzdem 
wird  man,  wenn  man  die  von  Orbigny  und  Davidson  gegebenen 
Beschreibungen  und  Abbildungen  aufmerksam   liest  und  vergleicht, 
selten  über  die  Bestimmung  vorliegender  Exemplare   in  Zweifel  sein. 


214  Schloenbach. 

Von  der  in  mancher  Beziehung-  nahestehenden  Rhynchonelln 
ManteUana  ')>  mit  welcher  Rhynch.  Ctivieri  früher  öfter  verwechselt 
ist  (die  Citate  der  Rhynch.  Mantellana  aus  oberem  Planer  dürften 
sich  sämmtlich  auf  grobrippige  Formen  der  Rh.  Ctivieri  beziehen), 
unterscheidet  sie  sich  durch  die  weniger  scharfen  und  erst  gegen  die 
Mitte  hin  recht  deutlich  werdenden,  auch  fast  immer  noch  zahlreiche- 
ren Rippen.  —  Über  das  Verhältniß  zu  Rhynch.  ventriplannta  ver- 
gleiche man  unten  die  Bemerkungen  zu  letzterer  Art. 

Rhynchonelln  Ctivieri  ist  in  Norddeutschland  von  der  Zone  des 
Inoceramus  labiatiis  (rother  Pläner)  aufwärts,  wie  es  scheint,  durch 
die  ganze  Folge  der  jüngeren  Kreideschichten  verbreitet;  wenigstens 
weiß  ich  für  jetzt  z.  B.  die  in  der  oberen  Kreide  mit  Belemnites 
3Ierceyi  Mny.  bei  Linden  unweit  Hannover,  in  den  Schichten  mit 
Belemnites  quadratiis  und  Coeloptychium  bei  Biewende  unweit  Wol- 
fenbüttel (Braunschweig),  sowie  in  der  Unterregion  der  Schichten 
mit  Bei.  mucronutiis  bei  Ahlten  unweit  Hannover  vorkommenden 
Exemplare  nicht  von  den  typischen  französischen  zu  unterscheiden. 
Auch  aus  den  Kreideschichten  des  Petersberges  bei  Maestricht  wurde 
sie  öfter  citirt;  doch  ist  in  neuerer  Zeit  jenes  Vorkommen  durch 
Bosquet  als  besondere  Art  unter  den  Namen  Rhynchonella  David- 
soni  2)  abgetrennt;  indessen  hat  dieser  ausgezeichnete  Kenner 
fossiler  Brachiopoden  die  Unterscheidungsmerkmale  leider  bis  jetzt 
noch  nicht  veröffentlicht.  Eine  sehr  nahestehende,  vielleicht  iden- 
tische Form  findet  sich  auch  im  dänischen  Faxekalk. 

In  der  französischen  Kreide  hat  Rhynchonella  Cuvieri  das 
Maximum  ihrer  Entwicklung  in  Schichten,  welche  unserem  „weißen 
Brongniarti-  und  Galeriten-Pläner"  entsprechen;  dieselben  werden 
daher  wohl  als  „Zone  ä  Rhynchonella  Cuvieri^  bezeichnet;  doch 
kommt  die  Art  auch  sclion  in  älteren  Schichten  vor  und  geht  gleich- 
falls noch  in  jüngere  hinauf.  Ahnlich  ist  es  in  der  englischen  Kreide. 


1)  Vergl.   Schloenbach,   Brachio|».   d.    iionld.   Ceiioiii.   in   geogu.  -  palüoiit.    ßeitr. 
I,  3,  p.  41)4  (94),  t.  23  (.'S),  f.  11. 

2)  Starin  g,   Bodem  v.  Nedeiland  II,  p.  ;{92,  IJlfS ;  18G0. 


über  die  norddeutsch.  Galeriten-Schichten  u.  ihre  Brachiopoden-Fauna.       410 

9.  Rhynchonelln  Tentriplauata  Schloenb.  sp.  nov. 
Taf.  3,  Fig.  8-iO. 
18Ö4.   Terehratida  of.  T.  Mantelliana  F.  Ro einer,  Zeitschr.  d.  d.  geo1.  Ges., 
VI,  p.  210. 

Beschreibung.  Abgerundet-dreieckig,  meistens  etwas  län- 
ger als  breit,  seltener  umgekehrt.  Die  größte  Breite  ist  unterhalb, 
die  größte  Dicke  in  der  Mitte  der  Länge.  Die  Schale  ist  mit  10 — 16 
groben  abgerundeten  Bippen  versehen,  welche  die  Wirbel  entweder 
ganz  glatt  lassen  und  erst  gegen  die  Mitte  hin  beginnen,  oder  doch 
nur  sehr  undeutlich  bis  in  die  Wirbel  zu  verfolgen  sind,  während  sie 
nach  der  Stirn  zu  immer  stärker  werden.  Concentrische  Anwachs- 
linien kaum  bemerkbar.  Die  Klappen  sind  verschieden  stark  gewölbt, 
die  kleinere  viel  stärker  als  die  große  Ventralklappe ,  welche  oft  fast 
ganz  glatt  ist  und  nur  mit  einem  sehr  flachen,  oft  sogar  kaum  be- 
merkbaren Sinus  in  die  kleinere  eingreift.  Die  Stirn  ist  daher  sehr 
w^enig  aufgebogen  und  die  Kanten  liegen  fast  alle  in  einer  Ebene. 
Die  Seitenkanten  sind  sehr  stumpf,  die  Stirnkante  etwas  schärfer. 
Schnabel  der  großen  Klappe  spitz  und  nur  wenig  übergebogen. 
Foramen  fein  und  ganz  von  einem  stark  convexen  Deltidium  mit  röh- 
renförmiger Ausbreitung  umgeben. 

Bemerkungen.  Es  ist  von  vorn  herein  anzunehmen,  daß  eine 
Art,  die  in  so  außerordentlicher  Häufigkeit  auftritt,  wie  die  vorste- 
hend beschriebene,  auch  nicht  unerhebliche  Varietäten  hervorbringen 
muß,  und  dies  ist  denn  auch  in  der  That  der  Fall.  Die  Varietäten 
lassen  sich  im  Allgemeinen  von  zwei  Gesichtspunkten  aus  zusammen- 
stellen, nämlich  nach  der  Art  der  Berippung  und  nach  den  Formver- 
hältnissen. In  ersterer  Beziehung  sind  dicht  gerippte  (mit  bis  zu  16 
Rippen)  von  solchen  mit  wenigen  Rippen  zu  unterscheiden,  so  wie 
solche,  bei  denen  die  Rippen,  wenn  auch  undeutlich,  schon  in  der 
Nähe  der  Wirbel  beginnen,  von  denen,  welche  bis  zu  einer  größeren 
Entfernung  von  den  Wirbeln  aus  glatt  bleiben,  indem  die  Rippen  erst 
später  sich  ausbilden.  Alle  diese  Formen  sind  durch  die  deutlichsten 
Übergänge  mit  einander  verbunden.  —  In  Bezug  auf  die  Formenver- 
hältnisse kommen  neben  schmalen,  langen  Formen  andere  vor,  deren 
Breite  der  Länge  mindestens  gleich  ist;  bei  den  breiten  Formen  ist 
gew  öhnlioh  das  steile  Abfallen  der  kleinen  Klappe  nach  den  Rändern 
sehr  auOallend,  während  die  Mitte  von  einer  fast  ebenen,  zuweilen 


216  S  c  h  I  o  e  II  I)  n  c  h. 

sogav  etwas  deprimirten  Fläche  eingenommen  wird.  Auch  das  Ver- 
hältniß  zwischen  der  Dicke  und  den  anderen  Dimensionen  ist  nicht 
geringen  Schwankungen  unterworfen.  In  weit  engeren  Grenzen  he- 
wegt  sich  dagegen  die  Veränderlichkeit  in  Bezug  auf  den  Sinus, 
welcher  meist  ganz  fehlt  und  nur  selten  einigermaßen  deutlich  aus- 
gebildet ist,  dann  aber  immer  hei  großer  Breite  sehr  flach  bleibt.  Im 
Jugendzustande  ist  unsere  Art  stets  verhällnißmäßig  breiter  und 
immer  ohne  Sinus;  die  Winkel,  unter  welchen  die  Klappenränder 
sich  mit  einander  verbinden,  sind  noch  stumpfer,  als  im  ausgewach- 
senen Zustande;  der  Schnabel  stark  abstehend. 

Rhynchonella  ventriplunata  ist  wohl  zunächst  zu  vergleichen 
mit  der  sie  stets  begleitenden  Rh.  Cuvieri;  die  wichtigsten  Unter- 
scheidungs-Kennzeichen der  letzteren  sind  die  größere  Anzahl  und 
Feinheit  der  bei  erträglicher  Erhaltung  deutlich  von  den  Wirbeln  bis 
zur  Stirn  zu  verfolgenden,  in  der  Wirbelgegend  nicht  selten  dichoto- 
mirenden  Rippen,  die  stets  deutliche  Ausbildung  des  Sinus  und  die 
breitere  Form.  —  Ferner  dürfte  bei  der  Vergleichung  in  Betracht  zu 
ziehen  sein  Rhyticho?iella  Mantellana  Sow.  sp.  Wie  Davidson  i) 
diese  Art  festgestellt  hat,  unterscheidet  sie  sich  von  unserer  vorlie- 
genden gleich  auf  den  ersten  Blick  leicht  durch  die  scharfen,  von  den 
Wirbeln  ausgehenden  Rippen  und  den  weit  stumpferen  Schnabel; 
auch  der  Sinus  der  cenomanen  Art  ist  in  der  Regel  deutlicher  ausge- 
bildet. Etwas  näher  der  Rh.  ventriphmatu  steht  schon  Orbigny's 
Rh.  MantelUma,  von  der  auch  Davidson  sagt,  daß  die  Abbildun- 
gen derselben  von  der  So werby'schen  Art  abweichen,  obgleich  er 
sie  unter  der  Synonymik  von  Rh.  Mantellana  Sow.  sp.  anführt. 
Indessen  unterscheidet  sieh  auch  Orbigny  Pal.  fr.,  Cret.  IV,  t.  498, 
f.  1 — 5  durch  viel  rundere  und  flachere  Form,  so  wie  durch  die  scharf 
und  deutlich  in  den  Wirbeln  beginnenden  Falten;  auch  fehlt  ihr  das 
charakteristische  Kennzeichen  der  Rh.  ventriplanuta,  die  flache  Ven- 
tralklappe und  die  stumpfen  Klappenränder. 

Dagegen  wäre  es  nicht  unmöglich,  daß  die  von  Davidson  ohne 
Species-Bestimmung  auf  t.  10,  f.  47  —  49  abgebildete  Rhyuchonella 
aus  dem  „Chalk"  von  Charing,  über  die  ich  im  Text  keine  Auskunft 
finde,  die  Jugendform  einer  Varietät  mit  ausgebildetem  Sinus  dar- 
stellte;  wenigstens  stimmen  der  gerade  Schnabel,  das  kleine  Fora- 


'j    Cret.  Br;K-h.,  \>.  «7,  f.   12,  C.  20—23- 


Üher  die  norddeutsch.  Galeriteii-Schichten  u.  ihre  Brachiopoden-Fauna.      .C  I  < 

men,  die  flache  Ventralklappe,  die  glatte  Wirbelgegend  und  die 
geringe  Anzahl  der  Rippen  mit  unserer  Art  der  Galeriten-Sehichten 
überein,  während  allerdings  die  Umrisse  runder  sind,  als  sie  bei  die- 
ser zu  sein  pflegen. 

Andere  Arten  dürften  bei  der  Vergleichung  kaum  in  Frage 
kommen. 

In  den  norddeutschen  Sammlungen  sowohl  wie  in  der  paläonto- 
logischen Literatur  wurde  unsere  Art  l)isher  meistens  unter  Rhyn- 
chonella Mantellana,  seltener  nwXtv  Rhynchonella  pisiim  o(\ci'  Cuvieri 
mitbegriffen.  Ferd.  Roemer  erkannte  zuerst  richtig  ihre  Merkmale 
und  gab  am  oben  angeführten  Orte  eine  kurze,  aber  gute  Beschrei- 
bung derselben  unter  den  Namen  Terebratida  cf.  T.  Mantellana, 
indem  er  ausdrücklich  bemerkte,  daß  die  Formen  von  Ahaus  nicht 
recht  mit  der  englischen  Art  dieses  Namens  übereinstimmten.  Auch 
Strombeck  >)  hat  vielleicht  unter  dem  Namen  „Rhynchonella 
Mantellana  Sow.  ?"  unsere  Art  mit  einbegrifl'en;  wenigstens  ist  mir 
die  wirkliche  Rh.  Mantellana  Sow.  sp.  in  den  betrefTenden  Schich- 
ten nie  vorgekommen;  die  Mehrzahl  der  so  von  ihm  bezeichneten 
Arten  dürfte  indessen  zu  Rhynch.  Cuvieri  zu  rechnen  sein. 

Vorkommen.  Rhynchonella  venh'iplanata,  in  den  Galeriten- 
Sehichten  bei  Ahaus  nächst  den  Galeriten  das  häufigste  Petrefact,  ist 
an  anderen  Fundorten  eine  sehr  große  Seltenheit,  so  daß  unter  den 
mehreren  Tausenden  von  Individuen  der  Classe  der  Brachiopoden, 
welche  ich  aus  den  Galeriten-Sehichten  Norddeutschlands  außer  von 
Ahaus  untersucht  habe,  nur  zwei  sicher  zu  dieser  Art  gehörige 
Exemplare  sich  befinden,  von  denen  ich  das  .eine  am  Fleischerkamp 
bei  Salzgitter  selbst  gesammelt  habe.  Das  zweite  befindet  sich  in 
der  in  Hildesheim  aufgestellten  Original-Sammlung  A.  Roemer's, 
welche  die  Materialien  zu  dem  im  Jahre  1841  publicirten  Kreide- 
werke lieferte.  Dasselbe  ist  ohne  Speciesbestimmung  als  vom  „Rin- 
gelberge bei  Salzgitter"  stammend  etiquettirt,  womit  wahrscheinlich 
ganz  dieselbe  Localität  gemeint  ist,  da  der  „Fleischerkamp",  der  be- 
kannteste Fundort  für  die  Galeriten-Sehichten  in  der  Gegend  von 
Braunschweig,  am  westlichen  Fuße  des  „Ringelberges''  liegt.  Außer- 
dem ist  mir  Rh.  ventriplunata  weder  aus  den  gleichalterigen  Schich- 


^)    Neues  Jahrb.  1857,  p.  786,  B.  6a  und  üb. 


äIö  Schloeiibach. 

teil  anderer  Fundorte,  noch  aus  älteren  oder  jüngeren  Schichten  be- 
kannt geworden. 

10.  Rhynchonella  plicatilis  Sow.  sp. 
Taf.  3,  Fig.  5-7. 
1816.   rcrrbrafuln  plicadUs  Sow.,  M.  C.  II,  p.  37,  f.  118,  üg.  1. 
1833.  „  „      Blich,  Üb.  r<;/eör.,  p.  Sl  z.  Th.  (mit  Ausschluß 

der  Fundorte  Essen  und  Sudnierberg). 
1837.  „  „      Bronn,  Leth.  geogn.,  t.  30,  fig.  9. 

1841.  „  octoplicata  A.  Roein. ,  Kreid.,  p.  38  (non  Sow.). 

—  „  plicatilis  und  laevigata  A.  Roem. ,  Kreid.,  p.  39. 

1846.  „  „  „    octojylicnta   Reuss,     Versf.   böhm.   Kreid. 

II,  p.  47,  48,  t.  25,  fig.  10-16. 
1850.  „  Juglcri  und    octoplicata   z.  Th.   Gein.,    Quadersandst.. 

p.  208. 
1857.  Hhynchonella  plicatilis  typ.   et  var.   octoplicata  Stromb. ,  Zeitschr. 
gcol.  Ges.  Ix,  p.  417;  N.  Jahrb.,  p.  787. 
Bhi/tichonclla  plicatilis,  octoplicata  und  Jugleri  vieler  norddeutscher 
Geologen. 

Bemerkungen.  Obgleich  zu  den  häufigsten  und  verhreitetsten 
Brachiopodenarten  der  Kreideformation  gehörig,  ist  diese  Art  doch 
oft  unrichtig  aufgefaßt  worden.  Die  Mehrzahl  der  neueren  Autoren 
hat  sich  der  Auffassung  angeschlossen,  die  namentlich  Orbig ny  i) 
und  Davidson  -')  zu  begründen  gesucht  haben,  daß  niynxWoh  Rhyn- 
chonclfa  plicatUis  und  octoplicata  nicht  von  einander  zu  trennen 
seien.  Dagegen  beliarrte  Hebert  s)  hei  der  Ansicht,  daß  dieselben 
zwei  verschiedene  Arten  darstellen,  von  denen  die  letztgenannte  auf 
eine  ganz  bestimmte  Lagerstätte,  d'ieZone des Iielem?ütes)nucro7iatus, 
beschränkt  ist.  Bei  meiner  letzten  Anwesenheit  in  Paris  (im  August 
1867)  hatte  ich  durch  die  Gefälligkeit  des  Herrn  Professors  Hebert 
Gelegenheit,  eine  große  Anzahl  von  Exemplaren  aus  der  „eraie  de 
Meudon  ä  Belemnites  muo'onatns'''  zu  sehen,  welche  derselbe  als  die 
wahre  typische  Form  der  Sowerby'schen  Terebratula  octoplicata 
betrachtet  und  die  in  der  Tbat  mit  der  Som  erby'schen  Abbildung 
dieser  Art  gut  übereinstimmen;  auch  versicherte  Herr  Hebert,  dafJ» 
dieselbe  Form,  welche  Davidson  nicht  genügend  erkannt  zu  haben 


1)  Paleont.  franf.,  Cret.  IV,  p.  4«. 
'*)   Monogr.  Cret.  Brach,  p.  T.S. 
»)    iJiiUef.  geol.  Fr.  2,  XVI,  p.  149. 


über  die  norddeutsch.  Galeriten-Sehichten  u.  ihre  Brachiopoden-Fauna.      219 

scheine,  in  den  äquivalenten  Schichten  von  Norwich  sehr  constant 
sei.  In  der  That  sind  auch  mir  Ühergäiige  von  dieser  durch  ihre  stets 
einfachen,  gerundeten  Rippen,  durch  ihren  breiten,  von  einem  regel- 
mäßig gerundeten  Bogen  der  Stirnlinie  gebildeten  Sinus,  durch  die 
gerundeten  Schnabelkanten,  und  durch  ihre  breite  Gestalt  ausgezeich- 
neten Art  zu  der  sehr  variabeln  Rh.  pUcatilis  nicht  vorgekommen, 
so  viel  ich  auch  Exemplare  beider  Formen  untersucht  habe.  Wenn  ich 
früher  >)  bemerkte,  Rhijnchonella  octopUcata  sei  wahrscheinlich 
nicht  von  Rh.  pUcatiUs  zu  trennen,  so  liegt  darin  nach  meiner 
jetzigen  Ansicht  in  so  fern  ein  Irrthum,  als  ich  damals  solche  Formen 
für  Typender  Sowerby'schen  octopUcata  hielt,  die  ich  in  Wirk- 
lichkeit auch  jetzt  noch  als  bloße  Varietäten  der  pUcatilis  betrachte, 
die  ich  aber  jetzt  nicht  mehr  für  die  wahren  Repräsentanten  der 
echten  octopUcata  halte.  Dagegen  hatte  ich  die  letztere,  die  auch  in 
der  norddeutschen  Kreide  an  einigen  Localitäten  nicht  sehr  selten  in 
der  Zone  des  Relemiiites  mucrotiatus  vorkommt,  auch  damals  schon 
als  eine  besondere  Art  erkannt,  glaubte  jedoch,  daß  ein  Namen  für 
dieselbe  noch  fehlte,  während  ich  mich  jetzt  überzeugt  habe,  daß  sie 
als  Rhynch.  octopUcata  Sow.  sp.  bezeichnet  werden  muß.  Hebert 
hat  eine  gute  Abbildung  dieser  Art  in  dem  5.  Bande  der  2.  Serie 
der  Memoires  de  la  Societe  geologique  de  France,  t.  29,  f.  12,  ver- 
öffentlicht. 

Ganz  abweichend  hiervon  ist  die  Ansicht  Dr.  Herrn.  Credner's, 
welcher  RhynchoneUa  octopUcata  aus  den  „Mucronaten-Mergeln" 
von  Ahlten  bei  Hannover,  Rhynch.  pUcatiUs  aber  aus  dem  „Cenoman 
des  Dimmerberges  bei  Hilters  unweit  Osnabrück"  citirt  2).  Ohne 
Zweifel  ist  unter  letzterem  Citate  das  Vorkommen  im  Grünsande  des 
„Timmerberges"  bei  „Hüter"  unweit  Osnabrück  zu  verstehen,  wel- 
ches Geinitz  als  Terebratula  Juyicri  s)  bezeichnet  hat,  welches 
aber  nicht  dem  Cenoman  angehört,  sondern  wahrscheinlich  dem 
oberen  Pläner  (Zone  des  Scaphites  Geinitzi),  wie  ich  an  einer 
anderen  Stelle  zeigen  werde;  diese  Form  gehört  anerkannter  Maßen 
unzweifelhaft  der  RhynchoneUa  pUcatiUs  Sow.  sp.  an.  Andererseits 
aber  geht  aus  dem  Umstände,  daß  Credner  bei  seiner  Rh.  octopU- 
cata von  Ahlten  antidichotomirende  Falten  beschreibt,  hervor,  daß 


1)  Zeitsehr.  geol.  Ges.  1866,  p.  £72. 

2)  Zeitsehr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  XVI,  p.  Sö6. 

3)  Sachse's  iialurhislor.  Zeilschr.  11,  p.  164,  t.  1,  f.  6—8. 


220  Schloenbach. 

die  Formen,  die  er  unter  dieser  Bezeichnung  im  Auge  hatte,  nicht  jener 
selteneren,  eben  bestimmter  festgestellten  echten  Sowerby'schen 
octoplicata  angehören.  In  Betreff  dieser  Formen  kann  ich  nur  wie- 
derholen ,  daß  ich  nach  sorgfältiger  Vergleichung  von  mehr  als 
300  Exemplaren  aus  den  verschiedensten  Schichten  und  Gegenden 
zu  denselben  Resultaten  über  deren  specifische  Untrennbarkeit  ge- 
langt bin,  wie  sie  Davidson  in  seiner  großen  Monographie  nieder- 
gelegt hat.  Die  deutlichsten  Übergänge  scheinen  mir  alle  jene  For- 
men, die  Davidson  (Cret.  Brach,  t.  10,  f.  1 — 17,  37 — 40)  in  so 
schönen  Abbildungen  zur  Anschauung  gebracht  hat,  mit  einander  zu 
verbinden,  so  daß  man  ihnen  liöchstens  den  Werth  von  Varietäten 
beilegen  darf.  Damit  ist  indessen  durchaus  nicht  ausgesprochen,  daß 
nicht  gcAvisse  von  diesen  Varietäten  in  gewisser  Weise  für  bestimmte 
Schichten  bezeichnend  sein  könnten,  sondern  es  soll  nur  die  That- 
sache  constatirt  werden,  daß  sich  gewisse  Formen  nicht  striet 
an  gewisse  Schichten  binden,  wenn  sie  auch  vorwiegend  in 
denselben  sich  finden.  So  entspricht  z.  B.  die  Mehrzahl  der  Exem- 
plare aus  dem  Galeriten-Pläner  den  Formen,  die  Davidson  am 
angeführten  Orte  in  Fig.  3  und  37  dargestellt  hat,  aber  daneben  feh- 
len auch  solche,  wie  Fig.  1  und  12  nicht.  Formen  wie  Fig.  1  und  16 
sind  vorzugsweise  in  der  Zone  des  Bei.  mncronatus  so  wie  auch  in 
der  des  Scaphites  Geinitzi  inid  Spondylns  spiuosiis  häufig,  in  wel- 
cher letzteren  sich  seltener  auch  Fig.  37  findet;  u.  s.  w. 

Besonders  eigenthümlich  ist  eine  Varietät,  die  ich  noch  nirgends 
abgebildet  finde,  und  die  ich  daher  noch  kurz  erwähnen  muß.  Es 
liegt  mir  davon  besonders  ein  schönes  Exemplar  aus  dem  Galeriten- 
Pläner  zwischen  Beuchte  und  Weddingen  vor,  außerdem  nur  sehr 
wenige  schleclit  erhaltene  und  nicht  so  deutlich  ausgeprägte  Stücke 
von  anderen  Fundorten.  Dnsselbe  gehört  seiner  Gestalt  nach  jener 
Form  an,  die  Davidson  in  Fig.  37  abgebildet  hat;  auch  die  Feinheit 
der  Rippen  stimmt  mit  dieser  Figur  überein.  Dagegen  bilden  sich  auf 
beidenKlappen  schon  von  derMitte  an,  etwasieben  flache,  wellenartige 
Radialrippen  aus,  auf  denen  die  feineren  Rippen  ungestört  verlaufen, 
um  erst  ganz  in  der  Nähe  des  Randes  durch  Antidichotomie  zu  einer 
weit  geringeren  Anzahl  von  Rippen  sich  zu  vereinigen. 

Durch  vorsiclitiges  Absprengen  der  Schale  ist  es  mir  gelungen, 
einige  Steinkerne  herzustellen,  an  denen  man  die  Muskel-  und  Gefäß- 
eindrücke deutlich  erkennen  kann. 


über  ilie  norddeutsch.  Ualeriteii-Sfliifliteii  u.  ilire  BracliioiiDdeii-Fauna.       Hl 

V  ü  rk  u  111  ni  e  n.  Die  verticale  Verbreitung  der  RlujnchoneUa  pli- 
catilis  in  der  deutschen  Kreidetormation  ist  eine  große.  Sie  scheint 
zuerst,  und  zwar  gleich  in  verschiedenen  Varietäten ,  im  Galeriten- 
Pläner  aufzutreten,  wo  sie  indessen  nocli  nicht  besonders  häufig  ist, 
während  sie  in  der  tieferen  Zone  i\ki&  Inucerumiis  l((biatiis  noch  nicht 
nachgewiesen  wurde.  Dagegen  geht  sie  dann  durch  alle  jüngeren 
Schichten  bis  in  die  Kreide  mit  Bei.  mucronatiis  hinauf.  Am  häufig- 
sten findet  sie  sich  wohl  mit  SpondyJus  spinosus  in  den  oberen 
Lagen  der  Zone  des  Scuphites  Geinitzi ,  sowie  auch  in  den  oberen 
Lagen  der  Zone  des  Belenmites  mucronatus.  Fundorte  anzuführen 
würde  zu  weit  führen ,  da  dieselben  außerordentlich  zahlreich  sind. 
Doch  will  ich  nicht  unterlassen  zu  bemerken,  daß  unsere  Art  in  den 
so  außerordentlich  brachiopodenreichen  Galeriten  -  Schichten  von 
Ahaus  zu  den  großen  Seltenheiten  gehört,  da  ich  von  dort  nur  ganz 
wenige  Exemplare  untersuchen  konnte,  F.  Roenier  kannte  sie  von 
dort  gar  nicht.  —  In  Frankreich  und  England  ist,  so  viel  man  aus 
den  betreffenden  Angaben  in  der  Literatur  schließen  kann,  die  ver- 
ticale Verbreitung  ganz  analog  derjenigen  in  Norddeutschland. 

11.  frania  Parisiensis  Defr. 
Taf.  3,  Fig.  11. 
1818.   Crania  Parisietisis  Defr.,  Dict.  W,  p.  313,  Nr.  3. 
1866.         „  „         Schioenbach,  Krit.  Stud.,  p.  37,  t.  3,  tig.  18— 

22.  (Haläoritogr.  XIII.) 

Bemerkungen  und  Vorkommen.  Bei  dieser  Art  kann  ich 
lediglich  auf  das  früher  an  der  oben  citirten  Stelle  von  mir  Mitge- 
theilte  verweisen.  Weitere  Funde  dieser  seltenen  Art,  als  jenes  Exem- 
plar von  Beuchte  unweit  Goslar  (Ffannover)  sind  im  Galeriten-Pläner 
Norddeutschlands  seitdem  nicht  gemacht  worden. 

12.  Disciua  alta  Schloenbach  sp.  nov. 
Taf.  3,  Fig.  12. 

Beschreibung.  Sehr  kleine,  kurz  ovale  oder  fast  kreisrunde 
Art,  von  der  nur  die  größere  freie  Klappe  bekannt  ist.  Diese  ist 
conisch  und  besitzt  einen  subcentralen,  nur  wenig  nach  hinten  ge- 
rückten, einen  Winkel  von  etwa  90 — 100°  bildenden  Scheitel.  Die 
Oberfläche  der  sehr  dünnen  ,  wie  bei  der  lebenden  Discina  laevis 
glänzend  hellbraun  gefärbten  Hornschale  ist  mit  feinen  Anwachslinien 


liiiii  S  c  li  1  o  e  II  I)  :i  c  h. 

und  mit  sehr  zarten  Wärzchen  diclit  heselzt.  Der  Rand  der  Schale 
ist  etwas  ahgeplattet.  Die  Ainvachslinien  sind  auch  auf  dem  Stein- 
kerne deutlich  sichtbar.  —  Miiskeleindrüeke  etc.  nicht  bekannt. 

Bemerkungen  und  V  o  r  k  o  m  m  e  n.  Nur  zwei  in  meiner  Samm- 
luu!^  befindliche  Exemplare  dieser  Art  sind  mir  bis  jetzt  bekannt 
geworden,  von  denen  das  eine  aus  dem  Galeriten-Pläner  vom  „Flei- 
scherkamp" bei  Salzgitter  stammt  und  selbst  auf  einen  Galeriten  auf- 
gewachsen ist,  das  zweite  aus  den  unteren  Lagen  der  Zone  des 
Scaphites  Gehnlzi  vom  Windmühlenberge  bei  Salzgitter;  letzteres 
steckt  in  einem  Gesteinsstücke,  auf  welches  es  nicht  aufgewachsen 
ist  und  befindet  sich  daher  offenbar  nicht  auf  der  Stelle,  wo  es 
gelebt  hat;  man  muß  daher  annehmen,  daß  es  etwa  durch  Strö- 
mungen oder  auf  andere  Weise  aus  der  seichten  Meeresregion,  in 
der  es  gewohnt  hat,  in  das  tiefere  Meer,  aus  dem  sich  die  an  Am- 
moneen  so  reichen  Scaphiten-Schichten  niedergeschlagen  haben, 
fortgeführt  ist.  Beide  Exemplare  haben  nur  einen  Durchmesser  von 
etwa  2'/2  Millimetern. 

Nur  eine  sehr  geringe  Anzahl  von  Arten  der  Gattung  Discina 
sind  aus  der  Kreideformation  bis  jetzt  bekannt  gemacht  worden;  auch 
muß  das  Vorkommen  der  vorstehend  beschriebenen  Art  in  einer  an 
Terebratuliden  so  reichen  Schicht,  wie  es  der  Galeriten-Pläner  ist, 
als  etwas  Anormales  betrachtet  werden,  wenn  auch  die  Zahl  der  be- 
kannten Individuen  dieser  Art  nur  eine  minimale  ist  »)•  —  Archiac  2) 
beschrieb  eine  Orbicula  lamellosa  (non  ßrod. ,  non  Hall) ,  welche 
Orbigny  im  Prodrome  unerwähnt  läßt,  während  Coquands)  sie  in 
sein  Campanien  stellt.  Orbicula  ciiiata  Müll,  ist  nach  Bosquet 
wahrscheinlich  kein  Brachiopode,  sondern  gehört  zu  Placitnopsis  *). 
—  Die  einzige  Art  der  Kreideformation,  die  Orbigny  kannte,  ist 
Dhcina  (Orhiculoidea)  subradiata  Orb.  sp.  &)  aus  dem  französi- 
schen Aptien;  von  dieser  unterscheidet  sich  Discina  alta  durch  das 
Fehlen  der  Radialreifen;  ebenso  sow  Discina  Hnmphriesana  Sow. 
aus  dem  englischen  und  französischen  oberen  Jura.  — Aus  dem  Gault 


1)  Vergl.   Suess,   Woliiis.  A.  Brachiop.,  in  Sitzl).  Wien.  Akad.  XXXVU,  p.  42;    18S9. 

2)  Mem.  Soc.  geol.  Fr.  II,  p.  181,  t.  12.  f.  7. 
^)   Synopsis,  p.  124. 

*>    Staring,   ßodein  v.  Nedtil.  II,  p.  388,  Nr.  520. 
*)  Prodr,  II,  p.  120,  et.  \b,  no.  144. 


über  die  norddeutsch.  Galerifeii-Scliicliten  u.  ihre  BmchiopoJen-Faun«.       /iZö 

des  nordöstlichen  Frankreichs  wurde  von  Buvignier  <)  eine  flache, 
nur  mit  concentrischen  Anwachsringen  versehene  Discma  unter  dem 
Namen  Orbicula  Argonnensis  beschrieben.  —  Discma  Cellensis 
Suess  aus  den  Kössener  Schichten  (Zone  der  Avic  cnntorta)  ist 
dadurch  verschieden,  daß  die  Wärzchen  in  ziemh'ch  entfernten  ra- 
dialen Reihen  stehen;  auch  ist  die  Form  runder. — Bei  der  liasischen 
Discina  papyracea  fehlen  solche  Wärzchen  ganz  und  auch  die 
Anwachslinien  sind  mehr  vereinzelt;  ferner  ist  die  Farbe  der  Schale 
eine  ungleich  dunklere.  — Alle  übrigen  Arten  dürften  zurVergleichung 
weniger  in  Betracht  zu  ziehen  sein ,  da  die  Abweichungen  so  augen- 
fällige sind,  daß  eine  Verwechslung  nicht  leicht  möglich  ist. 


Erklärung    der    Abbildungen. 


Die  Figuren  sind  fast  alle  in  natürlicher  Größe  gezeichnet;  wo  eine  Ver- 
gi'üßerung  angewendet  ist,  wird  die  natürliche  Größe  stets  durch  Figur  a  der 
betreft'enden  Js'umnier  dargestellt.  Die  Original -Exemjilare  befinden  sieh  mit 
alleiniger  Ausnahme  von  Taf.  3,  Fig.  11  in  meiner  Sammlung;  sie  stammen 
sämmtlich  aus  dem  Galeriten-Pläner. 

Tafel  I. 

1.  Terebrntulu   (TerehratnlinaJ   rigida    Sow.    vom    Fleischerkanip    bei 

Salzgilter  (Hannover). 

2.  „  „  „  Sow.     von    Gratis     bei    Ahaus 

(Westphalen). 
3  — S.  „  „  chrysalts  Schloth.   sp.  vom  Fleisclier- 

kamp    bei  Salzgitter;    vcrsch.  Varie- 
täten. 
6,  7.  „         s^/^To^HHß?«  So  w.  vom  Fleischerkamp  bei  Salzgiüer. 

8.  „  „         Sow.  von  Graes  bei  Ahaus. 

9.  „  „         Sow.  vom  Fleischerkamp  bei  Salzgitfer,  lange 

eckige  Varietät. 
10 — 12.  „  „         ebendaher,  zur  Erläuterung  des  inneren  Baues. 


9    Statistique  ge'ol.  Meuse,  Atlas,  1832,  p.  27,  t.  20,  f.  4ö,  46, 


Ot^  S  e  h  I  o  e  n  b  :i  f  li.    Üher  «üe  iiordilfiiUfheii  (i.ilt'riteu-ScIiioliteii  etc. 


Tafel  II. 

\,  2.   Terebratula  Carter iDiW.  vom  Fleisclieikamp  bei  Salzj^itler. 
3 — 5.  „  Deckst  A.  Rocm.  von  Graes  bei  Ahaus,  vorsch.  Varietälen. 

6.  „  „      A.  R Clin,  vom  Fleischorkainp  bei  Salzgitter. 

7,  8.  „  „      A.  Roeiu.  vom  Harlybeige  bei  Vienenburfi  (Han- 

nover); zur  Erläuterung  des  inneren  Baues. 
9.  „  „      vom  Fleiscberkamp    bei  Salzgitter;    um  die  Form 

der  Schleife  zu  zeigen. 
10, 11.    Terehratula  (?)  defluxa  Schloenb.  sp.  nov.  von  Graes  bei  Ahaus. 
12.  „  „       Schloenb.    vom    Fleischerkamp   bei    Salz- 

gitter. 

Tafel  III. 

1,  2.   Terebvatula  (Megerte'iu)  limn  Uefr.  von  GraSs  hei  Ahaus. 
3,  4.  Rhynchonella  Ciivieri  Orh.  vom  Fleiscberkamp  bei  Salzjiitter. 

5.  „  plicalüis  Sow.  sp.  von  Graes  bei  Ahaus. 

6.  „  „       Sow.    sp.   von    Beuchte  unw.   Goslar   a.  Harz; 

Varietät. 

7.  „  „Sow.   sp.    vom   Fleischerkamp    bei  Salzgitter; 

zur  Erläuterung  des  inneren  Baues. 

8.  „  veiitriplanahi  Schloenb.   sp.   nov.  vom  Fleiscberkamp 

bei  Salzgitter. 
9,  10.  „  „  Schloenb.  sp.  nov.  von  Graes  bei  Ahaus. 

11.  Crania  Farisiensis  De  fr.  von  Beuchte  unw.  Goslar  a.  Harz;   aus  der 

Sammlung  des  Herrn  Hüttenmeisters  Stern  zu 
Ocker  bei  Goslar. 

12.  Discina  alta  Schloenb.  sp.  nov.  vom  Fleischerkamp  bei  Salzgitter. 


ScIil«»(Mi((;ifli  .    Il.ilctilfii    Si  liiclilfii. 

Ib.  1C  li 


T^.f.   1. 


J.  'J.TTrhratuiii'iJ    rif/fdf/y  <Vot>?    .\y7..'J.)T''rp?frai/f.l/r/<'    r///y.)V/., 
f)  /^'.  TerfhratfUl^^  .^u-hroln.nda  -Soin. 
Sitzudüsb.d.k.Akad.d.W.iiiatli    ii«lin\v.('l.l,VII.B(l.-l.Al)tli.  18 (Hi 


/  I  Ul  II        Vfl . 


Scilloonba-cil     liiilci  il  cii    Srliirlil.ii 
la.  ic 


Inf.  IJ. 


.  -    ;    ,-  ..      -     ■■.,  Aus  ^.hkrTofri:  "'aa^£arui>er= 

1.  i' .Trn'firoliilti     /'/irh'ri    Dm}.  •'>  !f  ■  Tnf/n/iliiia     Brch-yi    Boe/// .////'.'■  Tfrr 
hratalfi  (^)  fj/'f/nan   ■Sr/i/orrtli.  .vp  .  ?iiw 
S4l/,iiii«.slj.(l.k.Akacl.rl.\V.inatli.]iatnrw.('l.l.VII.ßd.  1.  Aitlli .  18  6». 


)Sciilr)(fili;uli  .    (J;(l<'ri(cii    ScJiicIiirji. 


I- <.  Mrf^rrlnd     liina    Drf'r..).U.li/iijiir/HJ/n'//a    Cifuifrf 
Orl) .  ■')    hHliijHchonrIla    f^ilicd.iiJi.i  ■Soitj     ■\yi .  fS   ll> .  ßhijnr/ionrUa     ufit/ri 
iilii itiitn    .Srli Uieiiii.  -tfi .  non  .  II .('iftiiin  Pnr/.y/rf/-sf.\  Dt' fr.  1'! .  l)i.\///i<t    r////t 
■Srlilofnh .  s/i .  nun . 
Sit/.uni;.sl».d.k.Akarl.fl.W.  nijttli.ii.-iliirNN-.Cl.LVII.B.l.   I.Ablli.  \i\U\. 


\ 


SITZLINGSBERICHTE 


DER 


KAISEKLK  HEN  AKADEMIE  DEH  WISSENSCHAFTEN. 

MATHEMATISCH- NATUR VVISSENSCHAFTLICHK  CLASSE. 
ERSTE  ABTHEILUNG. 

2. 


Enthält  die  Abhandliin^-en   aus  dem  Gebiete  der  Mineralogie,  liolanik, 
Zoologfie,  Anatomie,  Geoloi>ie  und  Paläontologie. 


Sit/,l,.  (1.  iiKilhein.-iiatiuw.  Cl.  LVII.  Bd.  I.  Abth.  15 


227 


IV.  SITZUNG  VOM  6.  FEBRUAK   1868. 


In  Verhinderung  des  Präsidenten  übernimmt  Herr  Prof.  Redten- 
b  ach  er  als  Alterspräsident  den  Vorsitz. 

Herr  Hofrath  W.  Ritter  v.  Haidinger  übermittelt  ein  an  ihn 
gerichtetes  Schreiben  des  Directors  der  Sternwarte  zu  Athen,  Herrn 
Dr.  J.  F.  Julius  Schmidt,  „über  einen  Besuch  auf  Santorin  vom  4. 
bis  9.  Jänner  18G8". 

Herr  Vice-Director  K.  Fritsch  übersendet  eine  Abhandlung 
über  „die  Eisverhältnisse  der  Donau  in  den  beiden  Jahren  1862/3 
und  1863/4«. 

Herr  Prof.  Dr.  R.  Maly  zu  Olmütz  übermittelt  die  erste  Abthei- 
lung seiner  „Untersuchungen  über  die  Gallenfarbstoffe". 

Der  Secretär  legt  Photographien  von  Herrn  Bayer  in  Warschau 
zur  Ansicht  vor,  welche  direet  in  Farben  nach  der  Methode  des  Herrn 
Poitevin  erhalten  wurden. 

Herr  Director  Dr.  K.  Jelinek  überreicht  eine  Abhandlung: 
„Über  eine  neue  Art  der  Beobachtung  an  Heberbarometern",  von 
Herrn  Prof.  AI.  Handl  in  Lemberg. 

Herr  Prof.  Dr.  R.  Kner  übergibt  eine  Abhandlung:  „Über  die 
in  Thoneisenstein-Nieren  eingeschlossenen  thierischen  Überreste  aus 
der  unteren  Dyas  (dem  Rothliegenden)  von  Lebach  bei  Saarbrücken. 

Herr  Prof.  Dr.  A.  Bauer  überreicht  eine  von  ihm  gemeinschaft- 
lich mit  Herrn  C.  Klein  durchgeführte  Untersuchung  „über  die 
Einwirkung  von  Zinnchlorid  auf  Amylalkohol"  nebst  einer  von  ihm 
und  Herrn  E.  Verson  ausgeführten  Arbeit  „zur  Geschichte  des 
Benylens". 

Herr  Baron  Dr.  Mundy  hält  einen  Vortrag  über  die  zweck- 
mäßigste Einrichtung  von  Irren-Colonien. 

15* 


228 

An  Druckschriften  wurden  vorgelegt: 
Academie  Imperiale  des  Sciences  de  St.  Petersbourg.  Memoires. 

VIP  Serie.  Tome  X,  Nr.  2.  St.  Petersbourg,  1867;  4". 
Akademie  der  Wissenschaften,  Königl.  Preuss.,  zu  Berlin:  Monats- 
bericht. September,  October  1867.  Berlin;  8«. 
Annalen  der  k.  k.  Sternwarte  in  Wien.  Dritte  Folge.  XIV.  Band. 
Jahrgang  1864.  Wien,  1867;  8«. 
—  der  Chemie  von  W  o  h  1  e  r,  L  i  e  b  i  g  &  K  o  p  p.  N.  B.  Band  LXVIII, 
Heft  3;  V.  Supplementband,  3.  Heft.  1867;  Band  LXIX,  Heft  1. 
1868,  Leipzig  &  Heidelberg;  8o. 
Apotheker -Verein,    allgem.    österr.  :     Zeitschrift.     6.    Jahrg. 

Nr.  3.  Wien,  1868;  8». 
Astronomische  Nachrichten.  Nr.  1673—1676.  Altona,  1868;  4«. 
Bibliotheq  ue  Universelle  et  Bevue  Suisse:  Archives  des  Sciences 
physiijues  et  naturelles.  N.   P.  Tome  XXX.  Nr.  12ü.   Geneve, 
Lausanne,  Neuchatel,  1867;  8". 
Cantani,    Arnoldo,    Addizioni    e   note    originali   alla   sua    seconda 
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Comptes    rendus    des    seances    de    TAcademie    des    Sciences. 

TomeLXVl,  Nr.  2—3.  Paris,  1868;  4». 
Cosmos.  3'  Serie.  XVIP  Annee,  Tome  II,  4""— 5*'  Livraisons.  Paris, 

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Duval,  Jules,   Gheel,   ou  une   colonie  d'aliene's  vivant  en  famille  et 

en  liberte.  Paris,  1867;  8o. 
Fräser,  Thomas  B. ,  On  the  physiological  Action  of  the  Calabar 
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Jahrg.,  Nr.  4—5.  Wien,  1868;  8». 
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229 

Reichert,  C.  B. ,  Über  ä'ie  contiaciWe  Si\hstm\7.  CSarcode,  Proto- 

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Reichsforst  verein ,     österr. :     Monatsschrift    für    Forstwesen. 

XVH.  Band.  Jahrgang  1867.  November-  uiul  December-Heft. 

Wien;  8". 
Revue    des   cours   scientifiques    et   liüeraires    de    la  France   et  de 

Telranger.  V'Annee,  Nrs.  8—9.  Paris  »5c  Bruxelles,  1868;  4o. 
Sc  herz  er,  Karl  v.,  Statistisch-cunimerzielle  Ergebnisse  einer  Reise 

um  die  Erde,  unternommen  an  Bord  der  österr.  Fregatte  Novara 

in  den  Jahren  1857 — 1859.  (Zweite  Auflage.)  Leipzig  &  Wien, 

1867:  kl.  4o. 
Society,    The    Geological ,    of  Glasgow:    Traiisactions.    Vol.    II, 

Part  3.  Gias-ow,  1867;  8«. 
Verein,  naturhist.-medizin.,  zuHeidelberg:  Verhandlungen.  BandIV, 

5.  Heft.  8". 
V  i  e  r  t  e  I  j  a  h  r  e  s  s  c  h  r  i  f  t    für    wissenschaftliche   Veterinärkunde. 

XXVIH.  Band,  2.  Heft.  Wien,  1867;  8«. 
Wiener  Landwirthschaftliehe    Zeitung.    Jahrg.    1868,   Nr.    4  —  S. 

Wien;  8». 
—   medizin.    Wochenschrift.    XVIIl,  Jahrg.,    Nr.    8—11.    Wien, 

1868;  4o. 
Zeitschrift  für  Chemie  von  Beilstein,  Fittig  und  Hübner. 

X.  Jahrg.  N.  F.  IIL  Bd.,  24.  Heft;  XI.  Jahrg..  N.  F.  IV.  Band, 

3.  Heft.  Leipzig,  1867  &  1868;  8». 


230  s,M..s. 


Über  die  Äquivalente  des  RothHegenden  in  den  Südalpen. 
Von  dem  w.  M.  Ed.  Suess. 

(Mit  2  lithogra|iliirteii  Tafeln.) 
(Vorgelegt  in  der  Sitzung  vom  16.  Jänner  1868.) 


1.    Abschnitt. 
Val  Sugana.  Cima  d'Asta. 

Währeiiil  im  Laufe  der  letzten  Jahrzehnte  die  Gliederung  der 
mesozoischen  Ahlagerungen  in  den  Ostalpen  von  Jahr  zu  Jahr  schärfer 
erfasst  und  in  Bezug  auf  die  Gleichstellung  der  Hauptgruppen  mit 
ausseralpinen  Vorkommnissen  manches  wichtige  Ergehniß  sicher- 
gestellt wurde,  ist  für  die  Vergleichung  der  unter  denselben  liegen- 
den, sehr  mächtigen  Massen  mit  den  Ablagerungen  anderer  Länder 
verhältnißmäßig  wenig  erreicht  worden.  Allerdings  hat  sich  die 
Zahl  der  Fundorte  von  Versteinerungen  innerhalb  der  paläozoisclien 
Gebiete  ziemlich  vermehrt  und  umlassen  dieselben  Vertreter  aller 
Hauptabtheilungen  von  den  unteren  Gliedern  der  obersilurischen 
Gruppe  bis  zu  den  pflanzeni'ührenden  Schiefern  der  Steinkohlen- 
formation. Es  reicht  hin  neben  dem  Thonscliiefer  von  Dienten,  an 
die  vielfach  gegliederten  Devonischen  Ablagerungen  von  Gratz,  an 
die  marinen  Ablagerungen  der  Steinkohlenl'ormation  von  Bleiberg 
und  vielen  anderen  Punkten,  endlich  an  die  pflanzenführenden 
Schichten  derselben  Formation  vom  Steinadler  Joch  und  von  der 
Stangalpe  zu  erinnern.  Nichtsdestoweniger  sind  diese  Vorkomm- 
nisse zu  sporadisch  geblieben,  um  ein  zusaniinenhängendes  Bild 
der  Ausbreitung  einer  oder  der  anderen  dieser  Ablagerungen  zu 
selialVen  und  unsere  geologischen  Karlen  geben  nacli  dieser  Rieh- 
tiiiig  liin  nur  ein  selir  lückenhaftes  Bild. 

Es  knüpfen  sich  aber  an  die  strengere  Erkenntniß  gerade  der 
älteren  Flötzbildungen  mehrere  der  grötJiten  und  schwierigsten 
Fragen  der  Alpen  -  Geologie  und  ist  ein  richtigerer  BegrilT  des 
Wesens  der  sogenannten  rentralmassen,  so  wie  ein  besseres  Ver- 


Üher  die  Äquivalente  des  Rotlilieg-enden  in  den  Siidalpen.  231 

ständniß  für  die  Hauptfragen  des  Aulbaucs  der  Alpen  eben  nur  auf 
diesem  Wege  zu  hoffen.  Die  Überzeugung  von  der  Wichtigkeit 
dieser  großen  und  schwierigen  Aufgabe  ist  es  denn  auch,  mehr  als 
die  Aussicht  auf  irgend  m  eh'he  große  und  entscheidende  Entdeckun- 
gen srewesen,  welche  mich  veranlaßt  hat,  im  I^aufe  der  letzten  drei 
Jahre  auf  wiederholten  Reisen  an  der  Südseite  der  Alpen  ihr  neuer- 
dings Aufmerksamkeit  zu  schenken. 

Die  Siidalpen  wurden  für  diese  Studien  vorgezogen ,  weil  die 
Zahl  der  bekannten  Fundorte  paläozoischer  Fossilien  hier  eine 
grössere  und  die  Verbreitung  der  Ablagerungen  beträchtlicher  ist  als 
im  Norden,  Der  erste  Schritt  zu  weiterer  Erkeniitniß  mußte  von 
einem  bekannten  und  zuverlässigen  Horizonte,  also  von  der  Basis  der 
Trias  aus  versucht  werden.  Endlich  mußten  an  entfernten  Punkten 
entworfene  Profile  verglichen  werden,  und  ich  dehnte  daher  meine 
Beobachtungen  auf  das  ganze  Streichen  des  südlichen  Abhanges,  so 
weit  er  unserem  Reiche  zufällt,  d.  h.  von  der  schwei^rischen  bis 
an  die  bosnische  Grenze  aus. 

Dem  südlichen  Theile  der  österreichischen  Alpen  fehlt  an  vielen 
Stellen  jener  regelmässige  Parallelismus  der  Bruch-  und  Beugungs- 
linien, welcher  die  Trias  der  Nordalpen  so  sehr  auszeichnet.  Älteres 
Gebirge  tritt  auf  sehr  weiten  Strecken  innerhalb  der  südlichen  Neben- 
zone liervor,  was  im  Norden  nirgends  der  Fall  ist.  Es  erscheinen  sog;»- 
große  Massen  von  Gesteinen  mit  krystallinischer  Structur  außerhalb 
des  Streichens  der  Mittelzone,  wie  jene  gewaltige  Gruppe  der  Cima 
d'Asta- Gebirge,  die  man  vielfach  als  s.elbständige  Centralmassen 
anzusehen  geneigt  ist,  welchen  Begriff  man  sogar  auf  das  große 
Porphyr  -  Gebirge  von  Botzen  ausgedehnt  hat.  Wäre  diese  An- 
schauung richtig,  würden  diese  Massen  in  der  That  selbständige 
Erhebungs-Centra  darstellen,  an  denen  jüngere  Gebirgsscbichlen 
durchbrochen  und  aufgerichtet  wären,  so  dürfte  man  hoffen,  an  den 
Flanken  des  Adamello  oder  der  Granit-Masse  von  Brixen,  oder  der 
Cima  d'Asta,  oder  der  granitischen  Gebirge  von  Schwarzenbacb  und 
Kappel  in  Kärnten  eine  mehr  oder  minder  mächtige  Entwicklung 
einer  älteren  sedimentären  Schichtenreihe  zu  finden,  wie  gegen  die 
Mittelzone  hin.  Dies  ist  aber  wie  sich  bald  zeigen  wird  ganz  und  gar 
nicht  der  Fall,  und  so  tritt  dem  Geologen,  welcher  die  paläozoischen 
Bildungen  der  Südalpen  durchwandert,  in  diesen  außerhalb  der  Mit- 
telzone liegenden  Massen  eine  weitere  Frage  entgegen. 


232  s  "''««• 

Bphält  man  nun  aber  auch  die  Basis  der  Trias  als  Ausgangs- 
punkt für  diese  Aufgabe  im  Auge,  so  gelangt  man  beim  Beginne  der 
Arbeit  im  Westen  der  Monarchie  an  scheinbare  Widersprüche, 
welche  erst  durch  weitere  Vergleichungen  gelöst  werden.  Aus  dem 
Süden  nach  Tirol  reisend,  findet  man  in  Ober-Italien  an  vielen  Stel- 
len,  z.  B.  in  dem  isolirten  Kessel  von  Recoaro,  als  Liegendes  der 
Trias  eine  mächtige  Masse  von  grobtlaserigem  Thonglimmerschiefer 
(glimmerreichem  Thonschiefer)  ent])Iößt,  welcher  häufig  Kupfer, 
Bleiglanz,  Fahlerz  oder  Eisen  führt.  Noch  unmittelbar  bei  Trient 
liegt  die  Trias  auf  Thonglimmerschiefer,  in  welchem  sich  alte  Berg- 
baue befinden.  Gegen  Norden  liegt  aber  unter  der  Trias  der  Porphyr 
von  Botzen  und  nichts  kann  auffallender  sein,  als  die  Verschiedenheit, 
welche  in  dieser  Beziehung  zwischen  dem  Gebiete  von  Trient  und 
jenem  von  Botzen  herrscht ').  Dem  Eisacktbale  aufwärts  folgend, 
sieht  man  endlich  unter  dem  Porphyr  grauen  Schiefer  wieder  hervor- 
tauchen, welcher  bis  an  den  Diorit  von  Klausen  und  weiterhin  bis  an 
den  Granit  von  Brixen  anhält.  In  den  Nordalpen  aber  fehlt  der  Por- 
phyr unter  der  Trias,  und  nimmt  der  Thonglimmerschiefer  wieder 
seine  Stelle  ein. 

Die  große  Porphyrmasse  von  Botzen,  seit  und  vor  L.  v.  B  u  c  h  der 
Gegenstand  so  vieler  Untersuchungen,  ist  bei  aller  ihrer  Ausdehnung 
doch  nur  ein  Tbeil  einer  Anzahl  noch  viel  weiter  ausgebreiteter  wie- 
derholter Ergüsse  oder  Decken,  welche  sich  nach  verschiedenen  Seiten 
hin  mit  abnehmender  Mächtigkeit  unter  den  Triasbildungen  ausdeh- 
nen und  an  entfernten  Stellen  in  demselben  Horizonte  zum  Vorschein 
kommen,  so  z.  B.  in  südwestlicher  Richtung  in  den  Judicarien.  Es 
versteht  sich  von  selbst,  daß  diese  Ergüsse,  zwischen  dem  älteren 
Schiefer  und  der  Triasformation  liegend,  alle  die  späteren,  mit  der 
Erhebung  der  Alpen  in  Verbindung  stehenden  Bewegungen  der 
geschichteten  Gebirge  mitgemacht  haben.  Es  war,  um  den  vor  langer 
Zeit  von  Boue,  seither  von  Peters  bei  der  Schilderung  der  dem- 
selben Horizonte  angehörigen  Quarzporphyre  Krain's  gebrauchten 
Ausdruck  zu  wiederholen ,  ihr  Verhalten  gegenüber  der  Erhebung 
der  Alpen  ein  durchaus  passives.  Von  einer  unmittelbar  durch  die 
Eruption   des  Porphyrs  von  Botzen  veranlaßten  Erhebung  der  aul- 


')   Eine  lel)endig^e  Schilderung-  dieses  Contrastes   findet  man   in  L.  v.  Bucirs  {resani- 
nielt.  Schriften,  I,   S.  333  ii.  fol-r. 


Vhc'V  ilii'  Ät|iiivali'nfr  des  Holhliejfi'iKlfii  in  den  Sii(l:il|>eii.  ZAo 

liegenden  Kiilk-  und  Dohnnilniassen  lüuin  soniil  nielil  die  Rede  sein, 
wenn  aiieli  eine  so  gewallige  Masse,  zwischen  die  sedimentären  IJii- 
diingen  eingeschaltet,  an  den  Stellen  ihrer  griißten  Mächtigkeit  diircis 
das  passive  Verhalten  derselhcn  gegeniiher  dem  von  der  Mittelzoue 
her  erfolgten  Seitendriuke  und  dnrcli  ihren  in  der  Hege!  grölk'ren 
Widerstand  gegen  Erosion  und  Ahwilterung  Ersclieinungen  herhei- 
iiihren  konnie.  wie  sie  sons!  nur  an  selhsländigen  Erhehungsdomen 
angetrofien  werden. 

Resouders  auffallend  und  iiherzeugend  ist  in  dieser  Beziehung 
das  Verhalten  ihs  Porphyrs  gegeniiher  der  granitischen  Masse  der 
Cima  d'Asta.  Der  Granit  sammt  seinem  Gürtel  von  Thonglimmer- 
schiel'er  ist  von  einem  aufgehrochenen  Ringe  von  Poiphyr  umgehen, 
der,  gegen  Norden  geschlossen,  gegen  Süden  allerdings  mehrfach 
unterhrochen  ist,  welcher  sich  jedoch  sammt  den  auflagernden  Massen 
von  Triashiidungen  zum  Granit  der  Cima  d'Asta  eben  so  verhält,  wie 
die  Triashiidungen  des  Schiern  und  der  Mendola  zum  Porphyr  hei 
Rotzen.  Die  Karte  des  Tiroler  montanistischen  Vereines,  F.  v.  Hauer's 
neue  Übersichtskarte  von  ÖsteiTeich ,  so  wie  die  von  G.  v.  Ra  th 
verötTentlichten  SkizzcMi  aus  der  Asta-Masse  'j  lassen  dieses  Verhäll- 
niss  deutlich  crkeiincii. 

Betrachten  wir  jedoch  der  Reihe  nach  die  liier  unter  der  Ti'ias 
folgenden  Bildungen. 

Unmittelhar  unter  den  glimmerigen  und  mehr  oder  minder 
schielVigen  Lagen  der  Posid.  Clarai  liegt  allenthalhen  ein  grellroth 
gefärl)ter  Sandstein.  Er  liegt  auf  dem  Porphyr,  und  wo  dieser  fehlt, 
in  der  Regel  unmittelliar  auf  dem  Thonglimmerschllefer;  zuweilen 
enthält  er  kleine  Kohlensehmitzen.  L.  v.  Buch,  welcher  diesem 
rothen  Sandstein  einen  eigenen  Abschnitt  seines  berühmten  „geogno- 
stischen  Gemäldes  von  Süd-Tiro!"  widmete 2),  hielt  ihm  v>egen 
seiner  Verbindung  mit  dem  Porphyr  für  das  Rothe  Todtliegende  Thü- 
ringens. Rieht hofen,  welchem  man  ebenfalls  sehr  zahlreiche  und 
zuverlässige  Beobachtungen  über  denselben  verdankt"),  nannte  ihn 
„ G r  ö  d  n  e  r  S  a  n  d  s  t  e  i  n"  nach  dem  Gröden  -  (Gredina)  Thale, 
welches  bei  Kollmann  in  die  Eisack  mündet,  und  rechnete  ihn  ziu" 


')    Die  Lag-orai-Kettc  und  das   Ciiiui  d"  Asfa-fiehirge ,  .lahib.    Geol.  Reichsanst.    ISGO, 

S.  231  —  128. 
-)   Mineialo^'.  Taschenbuch  für  1824,   H,   S.  311  — 318. 
3)    Geogn.  Beschreib,  d.  Umjjeg.  v.  Predaxio  u.  s.  w.  S.  4U,  44,  47,  161  ii.  a.  a.  O. 


234  S  u  e  s  s. 

unteren  Trias.  Der  letzteren  Ansicht  hat  sich  in  neuerer  Zeit  die 
Mehrzahl  der  österreichischen  Geologen  angeschlossen;  wenn  man 
aher  erwägt,  daß  die  Grenze  des  Grödner  Sandsteins  gegen  oben, 
niiuilich  gegen  die  glimmerreichen  Lagen  mit  Posid.  Clnrai  (Richt- 
hot'en's  „Schichten  von  Seiss")  in  der  Regel  eine  deutliche  ist, 
während  nach  unten,  also  gegen  den  Porpliyr  hin,  die  scharfe  Ab- 
grenzung mehrfach  geläugnet  worden  ist,  dass  im  Gegentheile  Porphyr 
und  Grödener  Sandstein  von  vielen  Reobachtern  als  eng  verbundene 
Bildungen  angesehen  werden,  ja  daß  Richthofe n  selbst  (S.  47) 
auf  die  Ähnlichkeit  der  Beziehungen  hindeutet,  welche  in  den  Alpen 
zwischen  Porphyr  und  Grödener  Sandstein,  in  Mittel -Deutschland 
zwischen  Porphyr  und  Rothliegendem  herrschen,  möchte  es  scheinen, 
als  ob  für  die  ältere,  v.  Buch'sche  Ansicht,  welche  den  Grödener 
Sandstein  der  Dyas  zutheilen  möchte,  eben  so  viele  Gründe  in  Süd- 
Tirol  sprechen,  als  für  die  Zutheilung  zum  bunten  Sandstein. 

Die  Verfasser  der  großen  geologischen  Karte  des  Tiroler  Ver- 
eines wußten  den  rothen  Sandstein  scharf  von  dem  rothen  Werfener 
Schiefer  zu  trennen,  und  zogen  es  ebenfalls  vor,  denselben  dem 
Rothliegenden  zuzuzählen  i).  Ich  habe  mich  von  der  Selbständig- 
keit dieser  beiden  Glieder  an  der  ganzen  Erstreckung  des  südlichen 
Abhanges  unserer  Alpen  überzeugt,  glaube  aber,  daß  auch  nach 
unten  hin  in  den  übrigen  Theilen  der  Alpen  eine  gute  Abgrenzung 
vorhanden  ist,  und  daß  die  rothen  Sandsteinlager,  welche  in  Süd- 
Tirol  die  Verbindung  mit  dem  Porphyr  herzustellen  scheinen,  eben 
schon  einer  tieferen  Gruppe  angehören. 

Der  Grödener  Sandstein  ist  in  der  Regel  schon  aus  der  Ferne 
diu'ch  die  grell  rothe  Färbung  des  Bodens  kennbar.  Seine  Mächtig- 
keit wechselt  auf  eine  sehr  bemerkenswerthe  Weise,  denn  während 
Richthofen  Punkte  nennt,  an  denen  er  zu  8  —  900  Fuß  anschwellen 
soll,  sieht  man  ihn  an  anderen  Stellen  zu  einer  Bank  von  wenigen  Fußen 
zusammenschrunipfen.  Selir  häufig  ist  er  von  Gyps  begleitet,  welcher 
bald  selbständige  Lager  im  Hangenden  bildet,  bald  nur  in  Gestalt 
von  feinen  Schnüren  den  Sandstein  selbst  nach  allen  Bichtungeu 
durchzieht.  Trinker  erwähnt  auch  Kalktrümmergesleine  und  Rauch- 
waeke  mit  dem  Gyps,  welche  ich  niclit  selbst  zu  sehen  Gelegenheit 
hatte  2). 

')   Trinker,   Peli'df^r.  iMliiiilcriing'eii  /..  g'eogn.  Kartf  v.  Tyml.  4".  lötSS,  S.  (56. 
2J    Kl.,  (las.    S.  6:J. 


fJher  die  Äquivalente  des  Kothliegendeii  in  den  Siidalpen.  235 

Die  unter  dem  Grödener  Sandstein  liefindliclie  große  Porphyr- 
masse sammt  ihren  deckenförmigen  Aushreitungen,  welche  R  icli  t- 
hofen  als  das  Ergehniß  mehrerer  aufeinanderfolgender  Eruptionen 
dargestellt  hat,  ist  sowohl  im  Hangenden  als  auch  im  Liegenden  von 
sehr  mannigfaltigen  Tu(T-,Breccien-  oder  conglomerat- artigen  Bildun- 
gen, seihst  von  rothen  glimmerigen  Schiefern  vom  Aussehen  der 
Werfener  Schiefer  begleitet,  welche  auf  kurze  Strecken  hin  sich 
auskeilen  oder  anschwellen  und  üherhaupt  je  nach  der  Ortlichkeit  so 
sehr  wechseln,  daß  ,eine  weitere  Gliederung  derselhen  sich  nicht 
durchführen  liißt.  Es  scheint  jedoch  im  Liegenden  des  Porphyrs  das 
Ersclieinen  von  dunkel  braunrothem  Conglomerat  mit  Quarzgeröllen 
eine  ziendich  allgemeine  Regel  zu  sein.  Ganz  ähnliche  Conglomerate, 
zuweilen  zahlreiche  Porphyrgerölle  enthaltend ,  erscheinen  z.  B.  im 
westlichen  Kärnten  in  liöherem  Horizonte  als  Einlagerungen  im 
Grüdener  Sandstein. 

Das  Liegende  aller  dieser,  fast  ausnahmslos  roth  oder  nelken- 
braun gefärbten  Gesteine  ist  der  Thonglimmerschiefer.  Mit  diesem 
beginnt  ein  neues  und  gegen  die  auflagernde  Gruppe  sich  gut 
abgrenzendes  Glied  der  älteren  Sedimentär  -  Gebilde.  Stnder's, 
Escher's,  insbesondere  aber  Theobai  d"s  trelTliche  Arbeiten  über 
Graubündten  lassen  keinen  Zweifel  darüber,  daß,  so  wie  der  Grüdener 
Sandstein,  die  Porphyre  und  Conglomerate  Süd-Tirol's  dem  Verru- 
cano  und  den  nur  im  Gebiete  des  letzteren  erscheinenden  Por- 
phyren der  östlichen  Schweiz  entsprechen,  so  auch  der  sogenannte 
Thonglimmerschiefer  dieses  Theiles  unserer  Alpen  die  unmittelbare 
Fortsetzung  des  Casannaschiefer's  von  Graubündten  ist.  Seine 
Lage  unter  dem  Verrucano  ist  dieselbe.  Dort  wie  hier  sind  es  die- 
selben Erze,  welche  viele  kleine  Baue  veranlaßt  und  fast  zu  eben  so 
vielen  Enttäuschungen  geführt  haben.  Seine  wechselnde  petrogra- 
phische  Beschaffenheit  ist  dieselbe,  indem  er  bald  als  echter  Thon- 
schiefer,  bald  glinimcrig,  talkig  oder  mit  dem  Aussehen  alt  kry- 
stallinischer  Schiefer  auftritt  <)  und  eben  diese  Mannigfaltigkeit  des 
Gesteins  ist  es,  welche  mich  den  in  der  Schweiz  üblich  gewordenen, 
einer  Örtlichkeit  entnommenen  Namen  jeder  anderen  Bezeichnung 
vorziehen  läßt.  Bevor  ich  jedoch  zur  Besprechung  derselben  über- 
gehe,   bleibt    eine    EigcHthümlichkeit    der    vorhergehenden    Gruppe 


')   Tlu'ohald,    üeol    Besciireilmng  von  (iraiiliiinilti-ii,  I,  S.  43  —  47. 


236  S  u  e  s  s. 

ZU  berühren,  Melelic  für  die  weiteren  Vergleieliungen  von  Be- 
deutung ist. 

Trinker  erwähnt  ')  einen  Fund  von  Quecksilber  und  Zinnober 
in  rothem  Sandstein  bei  Sagron  unweit  Primör.  Dieses  Auftreten 
hängt  wohl  mit  dem  mächtigen  und  in  neuester  Zeit  mit  so  viel 
Glück  aufgesclilossenen  Quecksilbervorkommen  von  Vairalta  bei 
Agordo  zusammen.  Die  von  Trinker  2j,  Stapffs)  und  G.  vom 
Rath*)  verölTenlliehten  Beschreibungen  gehen  ein  deutliches  Bild 
dieses  merkwürdigen  Punktes,  den  ich  leider  nicht  selbst  gesehen 
habe.  Eine  Vergieichung  des  Rath'schen  Profiles,  welches  dem 
OConnor  Stollen  entnommen  ist,  mit  dem  begleitenden  Kärtchen 
lehrt,  daß  dieser  Stollen  vom  älteren  Schiefer  zum  Alpenkalke  geführt 
ist,  daß  dabei  die  Schichten  dem  Alpenkalke  aufzulagern  scheinen, 
und  daß  sie  sich  daher  in  überstürzter  Lagerung  befinden.  Die 
sciieinbaren  Hangendschicliten  der  Quecksilbermasse  sind  also  ihr 
wahres  Liegendes.  Zunächst  durchfährt  dieser  Stollen  eine  größere 
Masse  von  quarzreichem  Conglomerat(Verrucano),  wie  es,  wie  Trin- 
ker richtig  bemerkt,  in  der  Regel  zwischen  Quarzporphyr  und  Tlion- 
glimmerschiefer  zu  liegen  pflegt,  hierauf  den  Quarzporphyr  und  Por- 
phyrsandslein, etwas  rothen  Sandstein,  und  erreicht  dann,  in  einer 
größeren  Masse  von  Talkschiefer,  den  von  dunklem  graphitischem 
Schiefer  umgebenen  Erzstock.  Dieser  umschließt  nach  G.  v,  Rath 
gerundete  Körner  von  Gyps,  Kalkspath  und  auch  von  Quarz.  In  seinem 
wahren  Hangenden  werden  Schichten  von  rothem  Glimmer,  Sand- 
stein und  schwarzem  Graphitschiefer  angeführt,  dann  folgt  abermals 
Talkschiefer. 

Es  folgt  hieraus ,  daß  die  mächtige  Masse  von  Talkschiefer, 
welcher  das  Quecksilbervorkommen  hauptsächlich  angehört,  noch  unter 
dem  Grödener  Sandstein  liegt.  Herr  Bauer,  welcher  den  O'Connor- 
Stollen  anlegte,  hat  mir  eine  schöne  geschliffene  Probe  von  Porphyr 
aus   demselben    gezeigt ,    weicher   durch   und    durch   mit   Zinnober 


•)  Petrogr.  Erläuterung-en,   S.  68. 

2)    Die    Enlstehuiij;    und    der     erste    Aufschwung    der   Quecksilhergrube    Vallalta    hei 

Agordo.   Jahrb.  geol.  Reichsanst,  IX,  1858,  S.  442—444. 
')  Üb.    d.  Vorkoninien   v.    Quecksilbererzen  zu  Vallalta  ;   Bornemann    undKerl's 

Berg-  und  llüttenm.  Zeitung,  1861,  XX,  S.  419— 42*1. 
*)   Üb.   d.  yuecksilbcrgrube  VaUalta   in   d.  V'enetianer  Alpen.    Zeitscbr.  deutsch,  geol. 

Ges.  XVI,  1864,  S.  121  —  135  u.  Taf.  II. 


nbf'r  flio  Ä(Hiivnlentr  des  Hofhlk'giMiden  in  «Ion  Siidalpen.  COI 

imprägnirt  ist,  wie  iliii  Staplt'  als  „Ziimoher-Porpliyr"  heschreiht. 
Stap ff  bezeichnet  das  liegende  Trumni  des  Porphyrlagers  sogar  als 
die  eigentliche  Erzlagerstätte,  und  betont  die  volle  Gleichheit  des 
graphitischen  Schiefers  von  Vall'alta  und  des  später  zu  berührenden 
Silberschiefers  von  Idria. 

Der  Casannaschiefer,  welcher  allentbalben  den  Porphyr  und  die 
Conglomerate  unterteuft,  und  wo  diese  fehlen  unmittelbar  unter  dem 
rotheii  Sandstein  sichtbar  wird,  ist  durch  Val-Sugana  hin  ein  aus 
zahlreichen,  welliüren,  zuweilen  auch  eigenthümlich  verdrückten  mem- 
branüsen  und  seidenartig  glänzenden  Glimmerflasern  zusammenge- 
setztes Gestein,  welches  häufig  Quarzlinsen,  seltener  auch  Kalk  ein- 
schließt. An  vielen  Orten  ist  er  durch  seinen  Erzreichtluim  kennbar. 
Er  führt  Kupferkies,  Fahlerz,  silberhaltigen  Bleiglanz  und  Blende 
oder  Spatheisenstein.  Man  kann  ihn  geradezu  als  die  erzführende 
Zone  Süd-Tirol's  bezeichnen,  denn  es  kann  als  eine  seit  lange  fest- 
gestellte Thatsache  angesehen  werden,  daß  die  zahlreichen,  aller- 
dings zum  großen  Theile  aufgelassenen  Baue  auf  Kupfer  oder  Blei- 
glanz ,  welche  sich  von  Pergine  über  Levico .  rings  die  Asta-Masse 
umgebend,  bisPrimör  und  bis  zu  dem  großen  Stocke  desVal-Imperina 
(Agordo)  ziehen'),  demselben  Streifen  von  Casannaschiefer  ange- 
hören, welcher  hier  unter  dem  Porphyr  oder  dem  Grödener  Sandstein 
hervortritt.  Ringsum  trennt  dieses  Gestein  den  Granit  der  Asta  von 
dem  Porphyr  und  dem  Grödner  Sandstein,  und  im  Norden  und  Süden 
vom  Granit  befinden  sich  in  demselben  die  alten  und  neueren  Baue 
auf  Kupfer  bei  Roncegno,  im  Torrente  Maso,  dann  im  Val-Calamento, 
Val-Sorda  und  Conserie.  Trinker  hat  sie  aufgezählt  und  beschrie- 
ben 3) ,  und  zugleich  eine  trefTliche  Darstellung  des  Casannaschiefers 
dieser  Gegend  gegeben. 

Die  Lagerung  des  Casannaschiefers  gegen  den  Granit  der  Cima 
d'Asta  ist  eine  höchst  bemerkenswerthe.  L.  v.  Buch  hatte  den 
Schiefer,  allerdings  nicht  nach  eigenen  Beobachtungen,  als  den  Granit 
mantelförmig  umlagernd  dargestellt.  G.  v.  Rath,  welchem  wir  die 
ausführlichsten  Beobachtungen  über  diesen  eigenthümlichen  Gebirgs- 
stock  verdanken,  beschrieb  indessen  an  mehreren  Punkten  der  Nord- 


•)   Fuchs,   Sitzungsb.  18ä0  hat  die  Verhältnisse  bei  Agordo  in  einem  eigenen  Profile 
dargesteUt. 

3)   Petrogr.   Erläuterungen,   S.  27—56;   vgl.   auch   Foetferle,    Jahrb.   VHI,   1857, 
S.  787. 


238  S  u  e  s  s. 

und  Ostseitc  ein  Wegfallen  des  Schielers  vom  Granit,  während  er  an 
der  ganzen  Südseite  von  Toreegno  an  dem  einen  bis  7Aim  Canal  San 
Boro  am  anderen  Ende  der  Masse  die  Schiefer  gegen  NW.,  also 
gegen  den  Granit  fallen  sah  (a.  a.  0.  S.  122  u.  folg.)  i)-  Hätte  diesen 
gewissenhaften  Beobachter  der  Zufall  von  Seurelle  (NO.  von  Borgo), 
wo  er  tertiäre  Petrefacten  sammelte,  in  das  naheliegende  und  tief  ein- 
gerissene Bett  des  Torrente  Maso  geführt,  welche  hier  aus  der  Granit- 
Masse  hervorkömmt,  er  würde  den  Schlüssel  zu  dieser  Erscheinung 
und  zugleich  einen  der  lehrreichsten  und  merkwürdigsten  Aufschlüsse 
in  den  Südalpen  getroffen  haben.  Herr  Waagen  aus  München  ist 
mein  freundlicher  Begleiter  bei  einer  zweimaligen  Begi^luing  dieser 
Strecke  gewesen  und  wir  konnten  die  nachfolgende  Lagerung  beob- 
achten.  (Vergl.  Taf.  I,  Fig.  1.) 

An  der  rechten  Seite  des  Torrente  Maso  ruht  in  großer  Aus- 
dehnung die  Granitmasse  des  Salubio  auf  dem  flach  darunter  fallen- 
den Casannaschiefer,  welcher  hier  ziemlich  viel  Quarzgänge  führt, 
während  auf  der  linken  Seite  die  ganz  ähnliche  Granitmasse  der  Cima 
Bavetta  zwar  ein  wenig  gegen  Norden  zurücktritt,  aber  ebenfalls 
deutlich  vom  Casannaschiefer  unterteuft  wird.  Die  beiden  Granit- 
berge bilden  einen  Theil  der  hinter  ihnen  sich  erhebenden  Cima 
d'Asta.  Die  Zone  von  Casannaschiefer  an  ihrem  Fuße  ist  auffallend 
schmal;  unter  der  Cima  Ravetta  befindet  sich  in  demselben  ein  auf- 
gelassener Bau  auf  Kupfer,  welcher  auch  auf  der  Tiroler  Karte 
bemerkt  ist. 

Das  rechte  Ufer  des  Wildbaches  bietet  nun  thalwärts  die  besseren 
Aufschlüsse.  Der  Casannaschiefer  legt  sich  hier  auf  eine  ebenfalls 
N.  fallende  Masse  von  weißem  Kalkstein,  den  wir  für  identisch 
hielten  mit  dem  durch  Benecke  genauer  bekannt  gewordenen 
lichten  Kalkstein  der  Juraformation  von  Trient.  Dieser  Kalkstein, 
welcher  mitten  vom  Bache  durchrissen  ist,  bildet  an  jeder  Seite  des- 
selben ein  Riff.  Er  ruht  auf  einer  wenig  mächtigen  Folge  von  dünnen, 
rothen  Schichten,  welche  überfüllt  sind  mit  rothen  Hornsteinknollen, 
die  stellenweise  zu  Bänken  vereinigt  sind,  wie  sie  bei  Trient  im  Lie- 
genden des  Lagers  des  Amm.  ncanthicns  erscheinen.  Unter  den 
rothen  Schichten  (anstatt  wie  bei  Trient  über  ihnen)  folgt  nun  die  Lage 


'}  Auch  die  Tiroler  Karte  deutet  schon  bei  ßieiio  unweit  Strigno  das  entgegengesetzte 
Fallen  des  Schiefers  an. 


über  die  Äquivalente  des  Ro(liliej;ciideii  in  den  Südalpen.  230 

äesÄmm.  acanthicus  mit  zahlreichen,  schlecht  erhaltenen  Ammoniten 
aus  der  Gruppe  der  Inflaten;  unter  dieser  liegt  mit  gleicher  Neigung 
nach  N.  der  mächtigere  Diphyenkalk  als  ein  dünnplattiger ,  rother 
Knollenkalk  mit  planulaten  Ammoniten  und  Phylloceratiten,  und  diesen 
unterteuft,  die  vordere  Seite  des  Riffes  bildend,  zuerst  Biancone,  dann 
die  dünngeschichtete  Scaglia.  Unmittelbar  unter  der  Scaglia  treten 
wechselnde  Bänke  von  Mergel  und  Kalkstein,  weiterhin  auch  Nulli- 
porenkalk  auf,  und  sie  führen,  neben  anderen  alt-tertiären  Fossilien 
zahlreiclie  Nummuliten  und  Serpula  splrulaea.  Die  Schichten  stellen 
sich  dabei  immer  steiler  und  die  obersten  Lagen,  welche,  wie  ich 
bei  einer  anderen  Gelegenheit  zu  zeigen  haben  werde,  beiläufig  dem 
Horizonte  von  Barton  entsprechen,  biegen  sich  unmittelbar  an  dem 
Falle  des  kleinen  aus  dem  Vallunga  herabkommenden  Gießbaches 
knieförmig  um,  so  daß  sie  aus  der  verticalen  Stellung  plötzlich  in 
sanftes  Südfallen  übergehen  und  mit  dieser  Neigung  unter  die  breiten 
Alluvionen  der  Breuta  hinabtauchen. 

Man  sieht  daher  im  Torrente  Maso  eine  außerordentlich  lange 
Reihe  von  Formationen  durch  Schichten  von  wunderbar  geringer 
Mächtigkeit  vertreten,  welche  sämmtlich  sich  in  überstürzter  Lage- 
rung befinden,  so  daß  die  alt-tertiären  Schichten  von  jenen  der 
Kreideformation,  diese  von  jurassischen  Kalksteinen,  diese  letzteren 
vom  kupferführenden  Casannaschiefer  überlagert  werden,  auf 
welchen  allen  erst  der  Granit  der  Cima  d'Asta  lastet.  —  Unter 
den  vorliegenden  Alluvionen  der  Brenta  streicht  wahrscheirdich 
der  Rand  der  aufgebrochenen  Porphyrdecke  durch,  welcher  bei 
Borgo  am  Mte.  Zaccon  unter  dieselbe  binabtaucht  und  vielleicht 
weiter  im  Osten  durch  die  colossalen  Blöcke  angedeutet  ist,  die  G.  v. 
Rath  zwischen  M.  Silana  und  M.  Agara  aus  der  Gegend  des  Val 
Telvagola  anführt.  Die  tiefsten,  unmittelbar  gegenüber  vom  Torr. 
Maso  an  der  Südseite  der  Brenta  am  Fuße  des  M.  Civerone  her- 
vortretenden Schichten  gehören  dem  Grödener  Sandstein  an,  über 
welchem  Herr  Benecke  nach  einer  freundlichen  Mittheilung  feinen 
glimmerigen  Sandstein  mxiPosid.  Clarai  unA  anderen  Fossilien  ange- 
troffen hat. 

Wenn  man  nun,  in  der  Richtung  des  Profiles  am  Maso,  d.h.  von 
Nord  nach  Süd  gehend,  den  Thalboden  der  Brenta  und  den  Grödner 
Sandstein  am  Fuße  des  M.  Civerone  überschritten  und  diesen  aus 
Kalkstein  bestehenden  Berg  selbst  erstiegen  hat,  erreicht  man  einen 


240  s  u  p  s  s. 

mitten  durch  die  set'uiidäi'eii  Massen  hinstreicheiideu  Streiten  von 
nntteltertiärer  Midasse ,  zu  deren  Altersbestimmung  es  hinreicht 
Cerithium  lignitarum  und  Panopaea  Fanjasi  zu  nennen,  welche  den 
M.  Civerone  von  den  hohen  weißen  Abstürzen  der  Cima  Dodici 
trennt  und  von  Sandstein,  Conglomerat  und  Lignit  begleitet  ist'). 
Dieser  eingekeilte  Streifen  liegt  im  Torrente  Pissavacca,  oberhalb 
Olle,  also  im  Westen  des  Civerone  ziemlich  flach;  hier,  gegenüber 
vom  Maso  aber  stehen  die  Schichten  an  einer  Stelle  ganz  vertical, 
an  einer  anderen  Stelle  fallen  sie  sehr  steil  N. ,  an  einer  dritten 
eben  so  steil  S.,  wie  ich  theils  aus  den  Aufschlüssen,  theils  aus  den 
mir  an  Ort  und  Stelle  von  dem  Leiter  der  Lignitgruben,  Herrn  Giov. 
Fiori  aus  Strigno  gemachten  Mittheilungen  ersehen  konnte. 

Der  Bau  des  Val-Sug;uia  zwischen  Strigno  und  iJorgo  ist  nun, 
so  weit  ich  ihn  zu  erkennen  im  Stande  wai-,  der  folgende : 

Die  Granitmasse  der  Cima  d'Asta  ist  von  der  Mittelzone  der 
Alpen  her  überschoben.  Der  Casanna- Schiefer,  welcher  sie  im 
Norden  überlagert,  unterteuft  sie  daher  im  Süden.  Jüngere  Sedi- 
mentär-Schichten ,  mit  einem  Theile  der  Juraformation  beginnend, 
greifen  zwischen  das  ältere  Flötzgebirge  ein.  Eine  Gruppe  von  Kalk- 
steinen, welche  mit  dem  weilten  Kalk  etwa  im  Horizonte  der 
Posidonien-Schichten  des  braunen  Jura  zu  beginnen  scheint  und  bis 
zur  Scaglia  reicht,  taucht  östlich  von  Strigno  auf,  ist  am  Maso 
üherbogen ,  bildet  indem  sie  sich  aufrichtet  und  eine  Wendung  im 
Streichen  macht,  mit  leichter  Neigung  nach  Ost  den  Schloßberg 
von  Borgo,  und  südlich  von  der  Brenta,  neuerlich  im  Streichen 
gekrümmt,  den  M.  San  Lorenzo.  Die  älteren  tertiären  Schichten 
ruhen  auf  diesen  Kalksteinen,  wie  auf  einer  halben  Schüssel.  Ihre 
Schichtenköpfe  laufen  durch  die  Weingärten  bei  Scurelle  hin,  sie 
sind  ebenfalls  am  Maso  überschoben,  streichen  aufgerichtet  unter 
Telve  und  dann  östlich  geneigt  am  Ostabliange  des  Schloßberges 
von  Borgo  hin.  —  M.  Lefre  und  M.  Civerone,  jetzt  durch  die 
Brentaspalte  getrennt,  bilden  einen  einst  zusammenhängenden,  abge- 
sunkenen Theil  des  Kalkgebirges  und  lassen  an  ihrem  Fuße  gegen 
die  Cima  d'Asta-Masse  hin  einen  zusammenhängenden  Gürtel  von 
rothem  Grödner  Sandstein  erkennen,  unter  den  sich  weiterhin  noch 


1)  Eine  Liste  von  Conchylien   von  dieser  Stelle  hat  kiirzlieli  'I'ii.    Fuchs  veröirent- 
licht;  Verh.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanst.  1868,  S.  50. 


I'ber  die  Äquivideiite  des  Rothliegciiden  in  den  Siidaipen.  24-1 

der  Poi'jiliyr  des  M.  Zaccoii  einschiebt »).  Ein  Streifen  von  inittel- 
tertiäreii  Scliieiiten  taucht  hoch  aufgerichtet  hinter  M.  Lefre  auf, 
streicht  quer  über  das  Brentathal  und  hinter  dem  M.  Civerone  fort, 
beide  Berge  von  der  Hauptmasse  der  Kalkalpen  scheidend.  Die 
größte  Aufrichtung  dieser  jungen  Bildungen  entspricht  der  Über- 
schiebung am  Maso. 

Es  kann  hienach  kaum  einem  Zweifel  unterliegen,  daß  die 
gesammte  gewaltige  Masse  der  Asta  in  einer  verhältnißmäßig  späten 
Zeit  von  der  Seite  der  Mittelzone  der  Alpen  her  eine  Überschiebung 
über  junge  Sedimentgebilde  erlitten  hat. 

Wenn  früher  erwähnt  worden  ist,  daß  Casanna-Schiefer,  Por- 
phyr und  Kalkalpen  sich  in  dieser  Gegend  etwa  so  zum  Granit  ver- 
halten, wie  bei  Botzen  die  Massen  des  Schiern  und  der  MendoJa  zum 
Porphyr,  so  kann,  wenn  ich  nicht  irre,  nach  dem  eben  Gesagten  die- 
ser Vergleich  auch  in  so  ferne  gelten,  als  man  den  Granit  den  großen 
Erscheinungen  gegenüber,  welche  den  Alpen  die  Hauptzüge  ihres 
heutigen  Baues  gegeben  haben,  ebenfalls  eine  vollkommen  passive 
Rolle  spielen  sieht.  Der  Granit  der  Cima  d'Asta  stellt  sich  für  alle 
ähnlichen  Untersuchungen  gleichsam  als  eine  todte  Masse  dar, 
w'elche  dem  Casanna-Schiefer  eingelagert  ist,  oder  ihn  unterteuft. 


2.    Abschnitt. 

Turrach.  —  Der  grosse  kärntnerische  Schieferzug.  — 
Unteres  Gailthal. 

Im  nördlichen  Kärnten  lagert  in  dem  Gebiete  der  Mittelzone 
selbst,  zwischen  den  Ausläufern  der  Tauern  im  Westen  und  der  Sau- 
alpe im  Osten,  eine  mächtige  und  ausgedehnte  Masse  von  Gesteinen, 
welche  den  höheren  Abtbeilungen  der  paläozoischen  Gruppe  ange- 
liören.  In  der  Gegend  V(»n  Turrach  greifen  diese  Gebilde  nach  Steier- 
mark über  und  umschließen  sie  das  bekannte  Vorkommen  von  fossilen 
Pflanzen  der  Steinkohlenformation  und  von  Anthraeit  an  der  Stang- 
alpe. Von  diesem  wichtigsten  Theile  liegen ,  abgesehen  von  älteren 


')   Am  Fuße  des  Lefre,   xieinlicli   weil   uiitei'   dem   (jyps,   köniuit    das   untere  yuaiit- 

conglomerat  zum  Vorschein;   von  Porphyr  sah  ich  nur  zweifelhafte  Spuren. 
Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  LVIl.  ßd.  I.  Ahth.  16 


242  S  11  e  s  s. 

Schriften  ')  mehrere  Beschreibungen  aus  der  neuesten  Zeit  vor,  und 
zwar  die  von  Rolle 2)  nnd  von  Sturs)  vom  J.  1854,  von  Peters 
aus  dem  ,1.  185i>*)  und  von  Vinc.  Pichler  aus  dem  J.  1858*),  von 
welchen  die  beiden  letzten  mit  großer  Ausführlichkeit  alle  Einzeln- 
heiten dieser  Vorkommnisse  behandeln.  Aus  allen  diesen  Arbeiten 
sind  die  folgenden  Thatsachen  als  feststehend  hervorgegangen. 

Über  dem  Gneiß,  und  von  demselben  nur  durch  ein  wenig 
mächtiges  sandiges  oder  an  Arkose  erinnerndes  Gebilde,  wohl  üuch 
durch  etwas  krystallinischenThonschiefer  getrennt,  liegt  eine  gewal- 
lige Kalkmasse,  in  der  Regel  mehrere  hundert  Fuß  (nach  Pichler 
900— 1200  Fuß)  mächtig,  welche  Stur,  Peters  und  V.  Pichler 
übereinstimmend  als  ein  Äquivalent  des  Kohlenkalkes  angesehen 
haben  «)•  Diese  Kohlenmasse  enthält  zahlreiche  und  bedeutende 
Lager  von  Eisenerzen,  da  und  dort  auch  etwas  Bleigianz,  Kupferkies 
und  Fahlerz.  Sie  unterteul't  in  weitem  Bogen,  eine  gewaltige  Mulde 
bildend,  alle  höher  folgenden  Schichten.  Diese  letzteren  zerfallen  in 
drei  Hauptgruppen,  den  unteren  grauen  Schiefer,  das  Hauptconglo- 
merat  und  den  oberen  Schiefer.  Das  Hauptcongiomerat,  aus  eckig  ab- 
gerundeten Körnern  von  Haselnuß-  bis  über  Faustgröße  und  zwar  fast 
ausschließlich  von  weißem,  glasigem,  stark  durchscheinendem  Quarz 
mit  unscheinbarem,  meist  farblosem  Quarz-Bindemittel  bestehend  ^), 
ist  in  der  Regel  von  grauweißer  oder  weißer,  stellenweise  jedoch 
von  rother  Farbe,  zeichnet  sich  durch  seine  große  Wetterbeständig- 
keit aus,  und  enthält  in  unregelmäßig  eingeschalteten  Lagen  den 
pflanzenführenden  Schiefer  und  Anthracit.  Östlich  vom  Staiignock  hat 
sich  der  untere  Schiefer  ausgekeilt  und  liegt  das  Hauptcongiomerat 
unmittelbar   auf   dem   Kalkstein,   südöstlich    vom   Groß-Turrachsee 


1)  Unger  hat  die  erste  genaue  Schilderung  im  Jahre  1840  in  seiner  Schrift  „Über 
ein  Lager  foss.  Pflanzen  auf  der  Stangali>e"  (Steierm.  Zeitschr.  I,  S.  140  u.  folg.) 
gegeben;  die  fossilen  Farrenkräuter  finden  sich  schon  erwähnt  in  den  anonymen 
„Fragmenten  l.  Mineralog-.  u.  botan.  (leschichte  Steyenn.  u.  Kärnteri's  t>".  Kla- 
genf.  1783"  S.  30. 

2)  Jahrb.  V,  S.  364—370. 

3)  Jahrb.  V,   S.  839,  Taf.  V.  Prof.  XXXIV  u.  XXXV. 
*)  Jahrb.  VI,   S.  185—239. 

5)  Jahrb.  IX,  S.  18;>— 239.  in  den  letzten  Tagen  Fcrd.  Seeland  im  Jahrb.  d. 
karnln.  Mus.  VIII,  1868,  S.  118  —  120. 

6)  Vergl.  Jahrb.  VI,  ;)26  u.  IX.  S.  22.'>. 

7)  Pichler.   S.  209. 


(iher  die  Aquivak'iite  iles  Rotliliegeiideii  in  den  Siidaliipii.  24  3 

keilt  sich  (.Uigcgen  das  Conglomerat  aus,  so  daß  der  obere  Schiefer 
uiHiiittelhar  auf  dem  unteren  ruht.  Der  alte  sogenannte  „Kupferbau" 
von  Turrach ,  in  welchem  jetzt  Flinze  und  Brauneisenstein  gewonnen 
werden,  befindet  sich  knapp  im  Hangenden  des  Hauptcongiomerates, 
also  im  unteren  Theile  der  oberen  Schiefergruppe.  Rolle  hat  am 
Turrach-See  Spuren  von  Zinnober  gefunden,  welche  er  dem  Horizont 
des  Kupferbaues  zuweist ').  Auch  die  Zinnobervorkommnisse  der 
Gegend  von  Reichenau  fallen  in  das  Gebiet  der  oberen  Schiefer'^). 
Die  petrographischeBeschaftenheit  dieser  oberen  Schiefer  ist  eine  ver- 
schiedenartige; bald  sind  sie  grau,  bald  grün  und  dickschiefrig.  Bei 
Turrach  umschießen  sie  zwei  Bänke  von  Dolomit,  von  welchen  das 
tiefere  ziemlich  ansehnlich  ist;  es  liegt  im  tiefsten  Theile  der  Schie- 
fer und  bildet  das  Hangende  des  Kupferbaues. 

Es  stellt  somit  fest,  daß  in  diesem  Theile  der  Alpen  Eisenerze, 
Kupferkiese  und  Fahlerze  (im  Kupferbau,  Pichler,  S.  219)  und 
Zinnober  in  dem  oberen  Schiefer,  und  zwar  in  einem  höheren  Hori- 
zonte vorkommen,  als  die  Anthracitlager  und  die  Flora  der  Stang- 
alpe, daß  aber  auch  unter  dem  Anthracitlager  mächtige  Lager, 
insbesondere  von  Eisenerz,  in  dem  wahrscheinlichen  Äquivalente  des 
Kohlenkalkes  vorhanden  sind.  — 

Knapp  am  südlichen  Rande  der  Mittelzone  der  Alpen  tritt  in  der 
Gegend  von  Lienz  ein  mächtiger  Zug  von  Kalkbergen  aus  Tirol  nach 
Kärnten  über,  welcher  sich  mit  OSO.  Streichen  zwischen  der  Drau 
und  Gail  hinstreckt  und  dort,  wo  sich  diese  beiden  Flüsse  vereinigen, 
am  Dobraez  bei  Villaeh  abbricht.  Die  Therme  von  Villaeh  bezeichnet 
sein  Verschwinden.  Eine  Strecke  weiter  im  Osten  tritt  jedoch  west- 
lich von  Loibl  abermals  eine  Kette  von  ähnlichen  Kalkbergen  hervor, 
welche  als  ihre  Fortsetzung  anzusehen  ist.  Dieses  östliche  Stück  be- 
greift den  großen  Gerlouz,  den  Obir,  die  Petzen  und  Oisterza  und  er- 
reicht am  Ursulaberge  die  Ostgrenze  Kärntens,  so  daß  von  Lienz 
in  Tirol  bis  in  die  Gegend  von  VVindischgratz  in  Steiermark  eine  in 
ihrer  Mitte   allerdings  unterbrochene  Kette   von   Kalkgebirgen   sich 


f)  Jahrb.  1834,  V,  06». 

')  Peters  zählt  (S.  ö38j  das  Ziiniober-Vorkoiniiieii  an  der  Itolrasten  bei  Keiehenau 
(in  grünem  Schiefer)  zum  oberen,  jenes  /.wischen  Reichenau  und  dem  Turrach-See 
zum  unteren  Schiefer.  Picliler  rechnet  (S.  'ilO)  das  ganze  Reichenauer  Thal 
zum  oberen  Schiefer. 


244  S  u  e  s  s. 

verfolgen  läßt.  Auch  tlas  östliche  Stück  liegt,  so  weit  es  nicht  im 
Norden  von  der  erweiterten  Ebene  des  Drauthales  begrenzt  ist, 
luiap[t  am  siidlichen  Rande  der  Mittelzone.  Die  Gesteine  gehören  der 
Triasfbrmation,  der  rhätischen  Stufe,  an  wenigen  Stellen  dem  Lias 
oder  braunen  Jura  an. 

Südlich  von  dieser  Kalkkette  verläuft,  ihr  vollkommen  parallel, 
ein  Streifen  von  Schiefer,  welcher  bald  als  Glimmerschiefer,  bald  als 
Thonglimmerschiefer  oder  glimmerreicher  Thonschieier  bezeichnet 
worden  ist.  Er  streicht  aus  Tirol  her  durch  das  Gailthal  herab ,  ver- 
schwindet etwa  dort,  wo  die  westliche  Kalkkette  endet,  unter  den  Auf- 
schwemmungen der  Gail,  erscheint  hierauf  hinter  der  östlichen  Kalk- 
kette wieder  und  setzt  über  den  Loibl,  über  Zell,  Ebriach,  Kappel, 
Schwarzenbach  und  Javoria  bis  an  die  steirische  Grenze  fort.  In  sei- 
nem östlichen  Theile  ist  er  von  granitischen  und  syenitischen  Fels- 
arlen  begleitet.  Seine  Gesammtlänge  beträgt  in  dieser  Auffassung 
(d.  h.  vom  westlichen  Ende  des  westlichen  bis  zum  östlichen  Ende  des 
östlichen  Stückes)  mehr  als  24  Meilen. 

Auf  diesen  Streifen  von  Schiefer  folgt  gegen  Süden  abermals  eine 
Kette  von  hohen  Kalkbergen,  welche  jedoch  von  paläozoischem  .\lter 
sind.  Diese  mächtige  Kette,  welcher  z.  B.  der  M.  Antola  und  M.  Pa- 
ralba,  der  Paß  auf  der  Plecken,  der  Hochtrieb  und  Trohkofel  und  im 
Osten  die  ganze  Linie  der  Karavanken  zufallen,  ist  in  ihrer  Mitte 
nicht  unterbrochen.  Sie  hat  an  vielen  Punkten  Versteinerungen  der 
Steinkohlenformation,  an  einer  Stelle  i)  auch  Reste  geliefert,  welche 
vielleicht  einer  anderen  Stufe  des  paläozoischen  Gebirges  angehören, 
über  welche  sich  jedoch  im  Augenblicke  noch  kein  ganz  bestimmtes 
Urtheil  fällen  läßt. 

Südlich  von  diesem  paläozoischen  Gebirge  sieht  man  imWesten 
;uif  eine  größere  Strecke  hin  Gebirge  der  Triasformation  folgen, 
während  im  Osten  das  paläozoische  Gebirge  selbst  eine  große  Breite 
erreicht  und  sehr  verwickelte  Verhältnisse  eintreten,  welche  hier 
vorläufig  nicht  in  Betracht  kommen. 


I)  Beim  Bade  Vellach,  Tgl.  Jahrb.  IX,  1858,  Verh.  S.  39.  Mein  damals  ausgesprochener 
Wunsch  nach  besserem  Materiale  ist  unertüllt  geblieben ;  Herr  l>i|>old  nnd  Herr 
Cubanz  haben  die  Fundstätte  vergebens  aufgesuciit.  Auch  Herr  Barrande  hat 
das  hier  gefundene  Schwanzstück  von  Bronteus  nicht  mit  Entschiedenheit  einer 
böhmischen  Art  "leichstellen  können. 


rhor  (üp  Äqiiivali'nti»  iIps  Rothlie(r('<><l<'i)  ">  '1''"  Sii(l:il|ipn.  4^4-5 

Ivs  ist  also  in  Kärnten  südlich  von  der  Mittel/one  erst  eine 
Keihe  von  mesozoischen  Bergen,  dann  ein  Streifen  von  Schiefer, 
hierauf  eine  Kette  von  paläozoischen  Bergen  vorhanden. 

Rosthor n,  dessen  im  Jahre  1853  von  Caiiaval  herausgege- 
hener  „Beiträge  zin*  Mineralogie  nnd  Geognosie  von  Kärnten"  i)  als 
die  Grundlage  aller  neueren  Arlteiten  liher  dieses  merkwürdige  Land 
angesehen  werden  müssen,  kannte  und  beschrieb  diesen  Parallelis- 
mus der  Gebirgszüge  selir  richtig,  Zugleicli  unterschied  er  jedoch 
mit  großem  Scharfblicke  in  Kärnten  zweierlei  Systeme  von  Urgebir- 
gen,  welche  nach  seinem  Ausdrucke  „ihren  Gesteinsarten  nach,  durch 
ihre  Zusammensetzung,  Structur  und  l^agerungsverhältnisse,  selbst 
durch  ihre  Verbreitung  und  das  Verliältniß  ihrer  Stellung  zu  ein- 
ander" bestimmt  gesondert  seien  (Beitr.  S.  7).  Die  eine  Gruppe 
wollte  er  die  des  Gneisses,  die  andere  die  der  Urschiefer,  oder  die 
eine  jene  des  Central-Granitgneisses,  die  andere  die  des  Albit-Gneis- 
ses  oder  des  Turmalin- Granites  nennen. 

Der  ersten  Gruppe  zählte  Rostborn  die  der  Mittelzone  im  stren- 
geren Sinne  in  der  Nähe  der  Tauern  angehörigen  Gesteine  zu,  wäh- 
rend der  zweiten  Gruppe  alle  bisher  erwähnten  jüngeren  paläozoi- 
schen Schiefergesteine,  so  wie  der  durch  die  mesozoische  Kette  ab- 
getrennte Schieferstreifen  zugerechnet  wurden. 

Dieser  Streifen  von  Schiefer  ist  seither  sehr  verschieden  beur- 
tbeilt  worden.  Im  Westen  liat  ihn  Stur,  welchem  wir  eine  sehr 
genaue  geologische  Schilderung  der  westliehen  Gebirgstheile  ver- 
danken 3j ,  als  identisch  mit  dem  Glimmerschiefer  des  „großen 
Gümmerschieferzuges  '  der  Mittelzone  angesehen  s).  Im  Osten  da- 
gegen, wo  er  mit  granitischen  und  anderen  Massengesteinen  in 
Verbindung  steht,  trennte  ihn  Lipoid  als  wesentlich  verschieden 
von  dem  „altkrystalliniscben"  Schiefer  der  Kor-  und  Saualpe,  und 
betrachtete  ihn  als  eine  jüngere,  metamorphische  Bildung*). 

leb  will  mich  zunächst  auf  die  westliche  Hälfte  des  Zuges 
beschränken. 


1)  Jahrb.  d.  naturhistor.  Museum's  in  Kärnten,  H,  Jahrg-. ;  auch  selbstündi<^  unter 
dem  Titel:  Übersicht  der  Mineralien  u.  Felsarten  Kärnten's;   8**  Klag-enf.  18.'>4. 

-)  Die  geolog.  VerhäUnisse  der  Uran.  Isel,  Moll  u.  Gail  u.  s.  w.  .lahrli.  VII,  iSj6. 
S.  403  —  460. 

3)   A.  a.  O.   S.  416. 

*)   Kriiiuterunii  oeol.  Dnrchschnitle  aus  d.  ösll.  Kärnten,  Jahrb    VII,  ISäO,  S.  ;J42. 


Die  Zdiic  von  Schiet'er .  welclu'  ,  ilcii  .südliclisUMi  Saum  der 
Miltelzone  darstellend,  das  Kalkgebirge  in  der  Umgegend  von  Lienz 
nach  Norden  begrenzt,  ist  von  den  Tiroler  Geologen  von  jeher  dem 
erzfülirenden  Thoiiglimmerscliiel'er  Siid-Tirors,  also  dem  Casaniia- 
Seliieter  beigezählt  ^\ urden.  und  zw  ar  sow  ohi  seiner  petrograpliischen 
Beschaffenheit  wegen,  als  aiieli  wegen  der  zahlreichen  alten  Baue, 
insbesondere  auf  Kupfer,  Bleiglanz  und  Spatheisenstein,  welche  von 
Ahfaltersbach  über  den  Lienzer  Berg  nach  Nickolsdorf  sich  liin- 
zieiien  i).  Kleine  Partien  von  rothem  Sandstein  stellen  sich  hier 
zwischen  dem  Schiefer  der  Mittelzone  und  dem  Kalkgebirge,  z.  B.  bei 
dem  Triestacher  See  unweit  Lienz  ein  2),  doeli  ist  der  Seitendruck, 
welchen  das  (Jebirge  erlitten,  ein  so  gewaltiger  gewesen,  daß  die 
Sciiichten  rächeriörmig  zusammengedrückt  wurden  und  der  rothe 
Sandstein  nach  N. ,  also  scheinbar  gegen  die  Mittelzone  hin  ver- 
flächt. Überliaupt  ist  das  gesammte  Kalkgebirge  von  I^ienz  bis  Villach 
ähnlichen  Einwirkungen  ausgesetzt  gewesen.  Stur  bat  es  außer 
Zweifel  gesetzt,  daß  das  abnorme  Einfallen  des  Kalkgebirges  nach 
Nord,  d.  h.  unter  die  Schiefer  der  Mittelzone,  längs  der  Drau  aus  der 
Gegend  von  Lienz  bis  in  jene  vonDellacb  und  Greifenburg  anhält,  und 
erst  östlieh  von  liier  das  Südfallen  der  Trias  eintritt ").  Dieser  Umstand 
darf  nicht  aus  dem  Auge  gelassen  werden,  wenn  man  die  Lagerung 
des  Scbieferstreifens  am  südlichen  Bande  des  Triasgebirges  richtig 
beurtheilen  will. 

Die  wScbichtstellung  dieses  Scbieferstreifens  im  Gailthale  ist  nach 
Stur  eine  solche,  daß  er  von  Mauthen  abwärts,  also  in  bei  weitem 
dem  größten  Theile  des  Gailtliales,  wo  sein  Vorkommen  nur  an  der 
Nordseile  des  Flusses  bekannt  ist,  und  er  hier  durchaus  nach  Nord 
verflächt,  also  unter  die  Trias  hinabtaucht,  und  dabei  durch  die 
Breite  des  Thalbodens  von  der  südlichen,  paläozoischen  Gebirgskette 
getrennt  bleibt.  Bei  Mauthen  seihst  ist  er  an  beiden  Ufern  bekannt, 
imd  l'ällt  im  Norden  nördlich  unter  die  Trias,  im  Süden  südlich  unter 
das  paläozoische  Gebirge  (Stu  r,  S.  422).  Mau  hat  sich  bewegen 
lassen,   dieses  Hinabtauchen  d<;s  Schiefers  unter  die  paläozoischen 


'(   T  r  i  ti  k  (•  r,    pclrof;!-.    lüliiiiteiuiif!'!'!! .    S.    40.     Nördlicli    von    Lenfliiig'   im   (iaiMliüle 

eiwiihnt  S  1 11  r  kk'iiii'  lOiiiliigeruiij^eii  von  Si);i(lit'is(Misti'iii  In  ilt'iiisrilicn  fS.  4I(>). 
-)    V-;!.  Tiroler  Kiirte  Bhill  VMI  ii.  S  I  ii  r ,    S.  4'24. 
-)    S  I  11  r  A.  iiiif;.  ().  S.  4-1   II.  4IUt.  U;iiii'i-.    (Ii'mI.   Ihirtlisfhii     diT   \I|mmi.  Sil/.iiiif;slier. 

I»;;?.  XXV.  s.  :ii'j. 


ri>pi-  ilic  Ä.|iiiviilciiti'  lies  K.>Uilict;eii<tPii  in  <l.»ii  Siidiilpcii.  24  / 

Kalksteine  selidii  wegen  seines  krystalliiiischen  Ausseliens  als  normal 
anzusehen ;  andererseits  konnte  jedoch  nicht  geläugnet  werden,  dal> 
am  Nordufer  der  Gail  die  Trias,  an  ihrem  Fuße  von  einem  Saume 
von  typischem,  rothem  Grödener  Sandstein,  in  der  Nähe  von  Lukau 
unter  diesem  auch  von  rothem  Quarzporphyr  hegleitet  dem  Schieler 
in  vollkommen  concordanler  Weise  anlruht,  so  daß  an  der  Ahlage- 
rung  dieser  Gehilde  iinmittelhar  auf  den  Schiefer  nicht  zu  zweifeln 
ist.  Um  nun  dem  Widerspruche.  daCs  an  einer  Thalseite  paläozoische 
Massen,  an  der  anderen  die  Trias  und  der  Grödener  Sandstein  auf 
dem  Schiefer  ruhen,  einigermaßen  Rechnung  zu  tragen,  hat  man 
sich  zu  der  Annahme  geneigt,  daß  das  Schiefergebirge  des  Gailthales 
zwischen  Hermagor,  Sillian  und  Lienz  zur  Zeit  der  Ablagerung  der 
Grauwacken-  und  Steinkohlenformation  ein  Festland  gebildet  habe. 
(Stur,  S.  459,  Hauer,  S.  320}.  Ich  gestehe,  daß  ich  im  Anblicke 
der  riesigen  und  wilden  Massen  des  paläozoischen  Gebirges  an  der 
südlichen,  der  steilen  weißen  Wände  der  Trias  an  der  nördlichen 
Thalseite  und  des  schmalen  Schieferstreifens  zwischen  ihnen  zu  einer 
wesentlich  verschiedenen  Anschauung  gelangt  bin. 

Als  L.  V.  Buch  den  oberen  Theil  des  Gailthales  bei  Maria 
Lukau  besuchte,  fand  er  den  Schiefer  des  Gailthales,  welchen  er  als 
Glimmerschiefer  bezeichnete,  an  dieser  Stelle  mit  etwa  80  Grad 
Süd  fallend  auf  das  rothe  Todte  (den  Grödener  Sandstein  und  die 
begleitenden  Felsarten)  gelagert,  während  in  sehr  geringer  Entfernung 
davon  das  rothe  Todtliegende  nacli  Norden  unter  den  Kalkstein  liel. 
Den  Porphyr  sah  Buch  auf  kurze  Strecke  unter  dem  rothen  Sand- 
stein; er  folgerte,  daß  Porphyr  und  rothes  Todtes,  welche  als  keil- 
förmige. Masse  zwischen  Glinunerschiefer  und  Kalkstein  eingedrängt 
worden,  beide  erhoben  und  sie  als  scharfe  Grate  und  Ketten  zurück- 
geschlagen hätten  i).  —  Solche  nach  abwärts  gerichtete  Fächer 
entstehen,  wie  wir  wissen,  nicht  selten  in  Gebirgen,  welche  einem 
beträchtlichen  Seitendrucke  ausgesetzt  waren.  Stur  hat  sehr  ver- 
wickelte ähnliche  Schichtstellungen,  z.  B.  bei  dem  Bleihause  nördlich 
von  Kötschach  beschrieben,  wo  eine  ähnliche  keiliörmige  Masse  von 
rothem  Sandstein  in  ilu-er  Fortsetzung  sich  sogar  trennt  und  aus 
ihrer  Mitte  nochmals  den  Schiefer  hervorti-eten  läßt  (Stur,  S.  422, 
Diirclischn.  VII  und  Vlll).   Diese  längs  <lem  vSüdrande  der  Triaskette 


')   Miiipralog.  Tasclieiili.  für  1824,   2.  Ahth.   S.  420-422. 


248  s  u  p  .1  s. 

,u;elegeiieii  StclltMi  sind  nur  neue  HeU'i'^c  für  diesclhoii  Krittle,  welche 
die  entsprechenden  iiördliehen  Theile  i\i'v  Triaskelte  scheinhar  unter 
die  (Jesteine  der  Mittelzone  hinabtanehen  ließen.  Wo  im  Norden  die 
ahnornien  Lageningsverliältnisse  beobachtet  werden,  liegen  im  Süden 
diese  fächerförmigen  Verdriickungen ,  nnd  als  solche  betrachte  ich 
auch  den  nach  ahwiirls  gerichteten  Fächer,  den  der  Schiefer  bei 
Mauthen  bildet,  indem  er  im  Süden  südlich  nnler  die  paläozoische 
Kette,  im  Norden  nördlich  unter  die  Triasketfe  fällt.  In  diesem  Falle 
wäre  der  wSchiefer  des  Gailthales,  trotz  seines  krystallinischen  Aus- 
sehens jünger  als  der  Kohlcnkalk  und  unmittelbar  älter  als  Porphyr 
und  Grödener  Sandstein,  wäre  die  Schichtfolge  längs  dem  Nord- 
gebänge  des  Gailthales,  wo  Porphyr  und  Grödenci-  Sandstein  auf  dem 
Schiefer  lagern,  als  vollkommen  normal,  sein  Hinahtauchen  unter  die 
paläozoischen  Gesteine  bei  Mauthen  als  Folge  der  Verdrückung 
anzusehen  '). 

Westlich  vom  Dobracz  treten  die  Wände  des  Triasgebirges  ein 
wenig  zurück  inid  Schiefer  und  Grödener  Saiulslein  sind  an  dem 
Fuße  desselben  in  größerer  Ausdehnung  durch  eine  lieihe  von  tiefen 
Gräben  aufgeschlossen,  unter  welchen  der  NiUschgrahen  (in  seinem 
oberen  Theile  Windischer  Graben  genannt)  dei-  bedeutendste  ist. 
Sanftes  grünes  Hügelland  zieht  sich  hier  bis  an  die  Wände  des 
Kalkgebirges  und  bis  Kreuth,  wo  die  tiefsten  Stollen  der  ausgedehn- 
ten Bauten  <les  Bleyberger  Krzrevieres  angeschlagen  sind.  Die 
Ortschalten  Tratten.  Kerschdorf,  S.  Georg,  Labientschach,  Nötsch 
und  mehrere  andere  liegen  auf  diesem  älteren  Vorlande  des  Kalk- 
gebirges, und  innerhalb  desselben  tritt,  getrennt  von  dem  paläozoischen 
Hochgebirge,  an  der  anderen  Seite  des  breiten  Gailthales,  eine  seit 
langer  Zeit  bekannte  Masse  von  versteinerungsreichem  Steinkohlen- 
gebirge auf.  Hier  mußte  es  sich  entscheiden  lassen,  ob  der  Schiefer 
wirklich  älter  als  der  Kohlenkalk  und  die  ganze,  mächtige  Serie  der 
paläozoischen  Gebirge,  und  ob  die  Hypothese,  daß  der  erstere  ein 
altes  Festland  darstelle,  haltbai'  sei  oder  nicht.  Ich  habe  deßhalb 
diese  Stelle  aufgesucht  und  begangen  '-).  Das  Resultat  war  das 
folgende. 


1)  l'^s  l)ilik't  /..  I{.  iiTi  westlichen  Tlieile  der  Salzburger  Alpen  der  Werfeiier  Schiefer 
«'inen  iihuliclien  verkehrten  Fächer  zwischen  den  Knilcilpen  und  dem  iiltercn  (iehirge. 

-)  Ut-rr  Bei'gbeaniter  fii-ögcr  «us  llleylierj;  ist  dabei  iiiclii  ausdauernder  Kübrei' 
"eweseii. 


Ober  Hi(»  Ä(Hiivnleiifi'  dt's  l!oHilies;('ii'ipi>  i»  <•♦'">  Südalpen.  240 

(>jis  besagte  Vorland  liildet  l»eiläiilij;'  ein  i-eelifwiiikliiies  Dreieck, 
dessen  rechter  Winkel  .yej^-en  Nord  bei  Kreuth  liegt,  dessen  kürzere 
Kathete  von  Kreuth  längs  dem  westlichen  Fuße  des  Oobracz  in  die 
Gegend  östlich  vorn  Orte  NiUsch  herahläuft,  während  sich  die  längere 
in  fast  ostwestlicher  Richtung  von  Kreuth  gegen  Förolacli  zieht.  Die 
Hypothenuse  wird  von  der  (irenze  dieses  älteren  Gebirges  gegen  die 
Alluvioncn  der  Gail  gebildet;  der  mehrfach  erwähnte  Ort  Nötsch 
liefft  nahe  ihrem  südöstlichen  Ende:  von  ]iier  läuft  der  tiefe  Nötsch- 
graben  nördlich  gegen  Kreuth. 

In  Nötsch  steht  großschuppiger  Thonglimmerschiefer  an ,  dem 
Casannaschiefer  Süd-Tirors  ganz  und  gar  gleich;  er  fällt  NO.: 
geht  man  westlich  vom  Nötschgrahen  über  das  wellige  Vorland  hin, 
so  sieht  man  gleich  oberhalb  Nötsch  diesen  Schiefer  sehr  flach  ONO. 
verflachen,  im  Orte  Labientschach  neigt  er  sich  nnr  sehr  wenig,  und 
zwar  0.,  wenig  in  N.,  an  der  Straße  oberhalb  Labientschach  dagegen 
sehr  flach  S.  etwas  in  0.,  oberhalb  der  Kirche  von  S.  Georgen  schon 
ziemlich  flach  SW.  lu  dieser  ganzen  westlichen  Gegend  wendet  sich 
also,  stets  flach  bleibend,  das  Fallen  allmählig,  und  zwar  so,  daß  die 
Schichten  unter  die  kürzere  Kathete  (den  Dobracz)  hinabtauchen, 
sich  dagegen  gegen  die  längere  Kathete  erheben.  Längs  dieser 
letzteren  Linie  ist  weiterhin  fast  ausschließlich  die  Neigung  nach 
S.  und  SV^\  zu  sehen.  Nicht  weit  unter  Kerschdorf  legt  sich  auf 
den  Thonglimmerschiefer  eine  derbere  Masse,  welche  hauptsächlich 
aus  Kalkschiefer  und  Kalk  besteht,  welcher  an  seinen  Schichtflächen 
mit  talkigen  Häutchen  belegt  ist.  Der  Kalk  ist  einige  Klafter  mächtig, 
meist  licht  gelblich,  stellenweise  auch  blaugrau  und  von  kleinen 
Gängen  von  Quarz,  Schwefelkies  oder  Kalkspath  durchzogen.  Talk 
erscheint  in  stärkeren  Schüppchen  auf  den  Flächen,  und  zwar  in 
grell  lichtgrüner  Farbe;  eben  so  ist  er  in  den  unmittelbar  liegenden 
Theilen  des  Thonglimmerschiefers  zu  sehen.  An  seinem  untersten, 
vorwaltend  schiefrigen  Theile  führt  der  Kalk  Zinnober  und  erscheinen 
Tropfen  von  gediegenem  Quecksilber.  Das  Erz  erscheint  meist  als 
rotber  Beschlag  auf  den  Klüften,  theils  in  Verbindung  mit  den 
kleinen  Kalkspath-  und  Schwefelkiesgängen;  auf  den  Quarzgängen 
scheint  es  seltener  zu  sein.  Quert  man  von  hieraus  den  SW.  fallen- 
den Thonglimmerschiefer,  der  nicht  gar  zu  mächtig  zu  sein  scheint, 
so  erreicht  man  bei  den  südlichsten  Häusern  von  Kerschdorf  ein 
grünliches  aphanitisches  Gestein,  das  zunächst  an  die  (jruudmasse 


250  s  II  p  s  s. 

manchei"  SchaLsteiiie  des  (lülllhales  friuiierl  und  steiler  SVV.  fällt: 
es  wird  mit  gleichem  Fallen  von  schwarzem  Schiefer  mit  gelhen 
oekerigen  Klüften  unterteui'1 ,  welcher  schon  ganz  und  gar  an  die 
Schiefer  der  Sleinknlilenronnation  erinnert.  Der  untere  Theil  des 
Ahiianges  oberhalb  Kerschdorf  ist  von  einer  allen  Moräne  bedeckt 
und  erst  über  derselben  kommt  grünlicher  glimmeriger  Schiefer  zum 
Vorschein,  der  liei  gleichem  Streichen  senkrecht  steht.  Knapp  hinter 
denselben  ragt  parallel  und  senkrecht  das  lichte  Quarzconglomerat 
der  Steinkohlenforination  hervor  und  führt  in  Zwischenlagen  undeut- 
liche Pflanzenreste.  Weithin  ragt  längs  der  längeren  Kathete  auf 
diese  Weise  mit  senkrechter  Scliichtstellung  die  wSteinkohlenformation 
hervor,  gegen  welche  sich,  wie  gesagt,  der  Thonglimmerschiefer 
immer  steiler  aufrichtet. 

Die  Reihenfolge  Aväre  demnach  hier  folgende:  Schiefer  und 
Quarzconglomerat  als  höchstes  Glied  der  Steinkohlenformation, 
darauf  schwarzgrauer  Schiefer,  wahrscheinlich  dem  vorhergehenden 
Gliede  zuzuzählen,  das  aphanitische  Gestein,  auf  diesem  der  Thon- 
glimmerschiefer mit  den  zinnoberführenden  Kalklagen. 

Dringt  man,  anstatt  über  das  Hügelland  hinzugehen,  von  Nötsch 
aus  in  den  Nötschgraben  ein,  so  kann  man  auch  höhere  und  im 
Windischen  Graben  eben  so  auch  noch  tiefere  Schichten  sehen. 

Der  unterste  Theil  des  Nötschgrabens  ist  in  ONO.  fallenden 
Thonglimmerschiefer  eingeschnitten ;  große  Blöcke  von  Gyps  gleiten 
von  dem  Geliänge  des  Dobracz  zum  Bache  herab.  Es  zweigt  bald 
ein  östlicher  Arm  ab;  in  diesem  aufsteigend  sieht  man  über  dem 
Thonglimmerschiefer  schiefrigen  Kalkstein  mit  grell  lichtgrünen 
Talkblätlchen,  welcher  oline  Zweifel  den  zinnoberführenden  Lagen 
von  Kerschdorf  entspricht.  Etwas  höher  läuft  ein  kleiner  Seiten- 
graben im  Streichen  dieser  Lagen  und  des,  Tlionglimmerschiefers, 
welcher  letztere  hier  30  —  40  rein  N.  geneigt  ist.  Bald  biegt  er  sich 
zu  steilem  S.  Fallen  um  und  bricht  mit  einer  Verwerfung  ab.  Jenseits 
derselben  trifft  man  sofoi't  Schichten,  wie  sie  durch  ganz  Kärnten 
hin  in  dem  tieferen  Theile  der  Werfener  Schiefer  zu  sehen  sind, 
inid  zwar  zunächst  dünne  wechselnde  Lagen  von  blaugrauem,  thoni- 
gem  und  glimmerfreiem  Schiefer  und  von  härteren  Lagen  von  der- 
selben Farbe,  die  von  gro(k'n  Höhlungen  voll  von  gelbem  Ocker 
diirt'hzogen  sind;  sie  fallen  Süd  und  enthallen  Abdrücke  einer 
kleinen  gerippten  Myttphoria.   Diese  Ablagerungen  sind  einige  Klafter 


HIpci-  IUI-  Äc|iiiv;ilfilt<-  ili-s  l!,.tlilii';;.'t|.lHii   in  .I.mi   .Sii.l;il|icn.  251 

mächlig',  imtl  werden  von  chenHäcliigeii  Ränken  von  lii-lilgelhlicliem 
Sandstein  unterteuCt.  die  molirfaeh  mit  ähnlichem  blaugranem  ScliieCer 
wechseln.  Auch  die  ockerigen  Höhlungen  erscheinen  in  diesen  Ein- 
schaltungen zwiscJien  den  Sandsleinbänkeii  wieder.  Viele  von  den 
blaugrauen  Bänken  sind  an  ihrer  l'nlerseite  mit  einem  Netze  von 
Wülsten  bedeckt.  Unter  diesem  Complex  liegt  Schiefer,  dessen 
Flächen  mit  Glimmerschiii)pclien  bedeckt  sind ;  er  isl  zumeist 
schwarz,  nur  in  einzelnen  Ijagen  rotli  und  enthält  undeutliche  soge- 
nannte Myaciten.  Dieser  Schiefer  bildet  ein  schönes  Gewölbe,  dessen 
Schenkel  45°  S.  etwas  in  W.  und  N.  etwas  in  0.  geneigt  sind.  Das 
nördliche  Fallen  hält  jedoch  nicht  an;  eine  neue  Verwerfung  macht 
demselben  ein  Ende  und  folgt  dasselbe  Gebilde  mit  südlichem  Fallen; 
erst  neigt  es  sich  sanft,  dann  steiler,  endlich  erscheint  unter  Lagen 
von  blaugrauem  Schiefer  eine  große  Masse  von  rothem  Grödener 
Sandstein,  mit  eingestreuten  Lagen  von  Conglomerat.  Sein  Verflachen 
ist  25°  ONO. 

Man  gewahrt  also  hier  nur  Thonglimmerschiefer,  die  Spuren 
des  zinnoberführenden  Lagers ,  Grödener  Sandstein  und  Unter- 
abtheilungen des  Werfener  Schiefers. 

Ähnlich  verhält  es  sich  in  dem  Hauptstamme  des  Nötschgrabens. 

Der  Thonglimmerschiefer  neigt  sich  hier  NNO.  ,  dann  NO. 
endlich  liegt  er  flach,  fast  schwebend.  An  der  linken,  iistlichen 
Seite  bemerkt  man  das  Durchstreichen  der  Wölbung  des  Werfener 
Schiefers,  bald  darauf  den  Grödener  Sandstein.  Wichtiger  sind  die 
Aufschlüsse  an  der  Westseite.  Hier  zeigt  ein  großer  Aufschluß  die 
blaugrauen  thonigen  Scliiefer  mit  Wülsten,  50  SSO.  geneigt,  knapp 
darunter  mit  gleicher  Neigung  den  Grödener  Sandstein,  welcher 
ganz  concordant  auf  dem  Thonglimmerschiefer  liegt.  Die  Grenze  ist 
auf  eine  Entfernung  von  zwei  Schritten  entblößt.  Das  SSO.  Fallen 
des  Thonglimmerschiefers  hält  an,  wird  allmälig  steiler,  bis  derselbe 
wieder  plötzlich  abbricht  und  der  ganze  hohe  Abhang  nur  von  den 
dicken  rothen  Bänken  von  Grödener  Sandstein  und  Conglomerat 
gebildet  wird.  Der  Graben  ist  hier  einige  hundert  Fuß  tief  einge- 
schnitten, beide  Abhänge  sind  gut  entblößt  und  der  rothe  Grödener 
Sandstein  sticht  in  seiner  Farbe  und  massigen  BeschaflTenheit  so  grell 
von  dem  grünlich-grauen  Thonglimmerschiefer  ab,  daß  man  deutlich 
eine  sehr  aulTallende  tektonische  Ersclieinung  beobachten  kann. 
Durch  eine  Strecke  von  etwa  \i){)  Schrillen  hin    neiyt  sieh   niindich 


2J>2  s  11  p  s  s. 

im  niiti'fi'ii  TIkm'Ic  des  liiilicii  Gt'li;iiiu«\*<  der  Tlinnuliiiniu'rscliii't'er 
;>()  —  3ö°  vS.  bis  SSO.,  wälii't'iKl  der  knapp  auf  ihm  liegende  rotlie 
Sandstein  unter  ähnlichem  Winkel  rein  0.  fällt.  Die  Neigung  beider 
ist  ;dso  fast  um  ciucu  rechten  Winkel  verschieden,  und  man  möchte 
um  so  mehr  an  urs|irüngliche  Discordanz  der  Lagerung  glauben,  als 
die  grol)en  Bänke  i]es  Sandsteins,  in  der  Kichlung  des  Streichens 
geschnitten,  eine  Anzahl  von  horizontal  hinlaufenden  Schichtfugen 
über  dem  geneigten  Thonglimmerschiefer  zeigen.  Nichtsdestoweniger 
halte  ich  die  Discordanz  durch  dieses  vereinzelte  Vorkommen  nicht 
für  erwiesen,  sondern  setze  voraus,  daß  in  diesem  von  zahlreichen 
Verwerfungen  durchkreuzten  Gebiete,  ein  locales  Tbergleiten  der 
Massen  die  Veranlassung  zu  einer  Erscheinung  gegeben  hat,  welche 
sonst  mit  der  an  zaiilreichen  Punkten  im  (iailthale  überhaupt,  ^^^e 
in  dieser  beschränkteren  Umgebung  von  allen  Beobachtern  bestätig- 
ten vollkommen  concordanten  Auflagerung  der  rothen  Sandsteine  auf 
dem  Schiefer  in  Widerspruch  stehen  würde. 

Über  große  Blöcke  des  Grödener  Sandsteins  gelangt  man 
endlich  zu  den  in  demselben  betriebenen  Brüchen,  in  welchen,  genau 
wie  in  Süd-Tirol,  auch  Gestellsteine  für  die  Schmelzwerke  gewon- 
nen werden.  Der  Sandstein  ist  hier  4 — 500  Fuß  mächtig  und 
enthält  in  den  verschiedensten  Horizonten  Gerolle  von  Porphyr,  von 
dunkelroth  überrindetem  Quarz,  seltener  auch  von  krystallinischen 
Schiefern. 

Aus  dem  Graben  gegen  Labientschach  (etwa  gegen  W.)  auf- 
steigend, sieht  man  \s  ieder  den  rothen  Sandstein  concordant  auf  dem 
Thonglimmerschiefer  ruhend,  welcher  S.  etwas  in  0.  verflächt,  wie 
in  der  Sohle  des  Grabens.  Von  hier  aus  die  Straße  gegen  Bleyberg 
verfolgend ,  gelangt  man  plötzlich  an  das  (iehänge  des  oberen 
Theiles  des  Windischen  Grabens  und  zugleich  an  ein  großes  und 
schönes  Profd,  Avelches  über  die  Reihenfolge  der  Ablagerungen  kaum 
mehr  einen  Zweifel  läßt.  (Taf.  i,  Fig.  2.) 

In  der  Mitte  erscheint  hier  der  Tbouglimmerscbiefer,  steil  gegen 
Süden  geneigt;  zur  Rechten  ist  er  vom  rothen  Grödener  Sandstein 
überlagert,  zur  Linken  sieht  man  ihn  auf  den  Schichten 
der  Steinkohlen  formation  ruhen. 

Die  den  Schiefer  zunächsl  unlerteufenden  Lagen  haben  eine 
ähnliche  Zusammensetzung,  sind  jedoch  derber;  sie  führen  Quarz- 
gänge  von  ganz  gleicher  BeschalVtiilicil   wie  jene  im  Thonglimmer- 


('her  die  Äquivalente  des  Rothliej;enden  in  eleu  Siidal|ien.  <v5o 

schiefei'.  Erst  etwas  tiefer  erscheint  ein  grünes,  tulTähnliches  Ge- 
stein in  Begleitung  einer  anderen  dunkelgrünen  Felsart,  dem  soge- 
nannten Diorit  von  Bieyherg.  Diese  letzteren  Gesteine  selieinen 
durch  Chergänge  verbunden  zu  sein.  Unter  ihnen  lagert  sofort  iji 
dicken  Bänken  das  lichte  Quarzconglomerat  der  Steinkohlenformation, 
wie  es  auch  in  Kerschdorf  im  Liegenden  des  Thonglimmerschiefers 
heohaelitet  wurde.  Es  ist  von  Sandsteinhänken  begleitet  und  mit  und 
unter  denselben  liegen  milde  schwarze  Schiefer,  an  ihren  Flächen 
mit  feinen  Glimmerschüppchen  bedeckt.  Die  mächtigere  untere  Partie 
derselben  führt  verschiedene  marine  Fossilreste  unter  denen  kleinere 
Prodncten  w\\i\  FcHCstella  plebeja  die  häufigsten  sind;  Spuren  von 
Farreuwedeln  und  Calamiten  sind  ihnen  beigemengt.  Darunter  folgen 
einige  Bänke  von  schwarzem  Kohlenkalk  voll  von  Productus  gigd'i- 
teiis.  Stielen  von  Potcriocrinus  und  Cyathophylhim,  in  Begleitung 
von  einer  sehr  harten,  dunkelgrünen  Breccie;  neuerdings  folgt  etwas 
schwarzer  Schiefer  und  wieder  schwarzer  Kalkstein  mit  Prod.  gigan- 
teus  und  Poteriocriniis.  Diesen  unterteuft  bei  ununterbrochenem 
Südfallen  eine  größere  Masse  jener  grünen  dioritischen  Gesteine, 
welche  an  der  Grenze  gegen  den  Thonglimmerschiefer  erwähnt 
worden  sind  und  mit  denselben  erscheint  die  dunkle  Breccie  wieder, 
welche  insbesondere  dort  ein  auffallendes  Aussehen  gewinnt,  wo  in 
ihr  scliwarzgrünes  Bindemittel  zahlreiche  Stücke  von  weißem  körni- 
gem Kalkstein  eingeschlossen  sind.  Unterhalb  der  amerikanischen 
Schmelzhütte  taucht  unter  derselben  eine  neue  Bank  von  schwarzem 
Kalkstein  hervor,  welche  unzählige  und  riesige  Schalen  von  Pro- 
ductus mit  Crinoidenstielen  und  Cyathophyllum  enthält  und  von 
rosenrothen  Gypsschnürehen  durchzogen  ist. 

Nun  legt  sich  eine  ansehnliche  Moräne  quer  über  das  Thal,  man 
kann  jedoch,  gegen  Kreuth  fortgehend,  noch  im  Wassergraben  der 
M  ühlbach'schen  Hütte  die  südfallenden  Bänke  des  Kohlenkalkes 
beobachten  und  zugleich  wahrnehmen,  daß  durch  diesen  engen 
Graben  ein  Hauptbruch  hinläuft,  welcher  den  rothen  Sandstein  mit 
ganz  verschiedenem  Fallen  in  das  Niveau  des  Kohlenkalkes  herab- 
bringt. Es  ist  wichtig  zu  bemerken ,  daß  der  rothe  Sandstein  dem 
Kohlenkalke  weder  angelagert  ist,  noch  ihn  irgendwo  bedeckt;  er 
stößt  im  Gegentheile  mit  einer  sehr  deutlichen  Bruchlinie  an  ihm  ab, 
ist  weiterhin  an  der  Wodlei'schen  Hütte  in  größerem  Maßstabe  auf- 


!^  Jj4  S  u  e  s  s. 

<;('st'lilosseii,  zeigt    dort   einige   luitergeoriliiete  Verschiebungen  unfl 
lallt  endlieh  0.  etwas  in  N. 

In  dieser  Gegend  ist  der  große  Bleyberger  Revierstollen  ange- 
schlagen. Weiterhin  sind  die  Hangendsehichten  des  Grödener  Sand- 
steines gut  aul'gesehlossen,  dabei  jedoch  allerdings  gewunden  und 
von  mehreren  Störungen  durchschnitten.  Sie  bestehen,  wie  im 
unteren  Theile  des  Nötschgrabens,  aus  wechselnden  Bänken  von 
mürbem,  gelblichweißem  und  ebenflächigem  Sandstein,  von  schwarzem 
Schiefer  mit  Glimmerschüppchen,  blaugrauem  thonigem  Schiefer 
und  derberen  Bänken  mit  Wülsten  an  der  Unterseite;  nur  in  diesen 
letzteren  trilTt  man  auch  hier  die  kleine  gerippte  Myophoria ;  undeut- 
liche Abdrücke  sogenannter  Myaciten  linden  sich  in  allen  Bänken. 
JJer  Sandstein  ist  gegen  unten  vorwaltend. 

Über  dieser  Gruppe  liegen  verbogene  Bänke  von  dünngeschich- 
leter  Rauchwacke  und  von  glimmerigsandigem  Schiefer,  welcher  bald 
schwarzgrau,  bald  roth  und  dann  dem  gewöhnlichen  Werfener  Schiefer 
der  Nordalpen  ähnlich  ist.  Endlich  folgen  viele  Bänke  von  dünn- 
geschichtetem dunkelgrauem  Kalk,  welcher  an  der  Luft  weißgelb  ver- 
wittert und  hoch  oben  noch  glimmerig-schiel'rige  Zwi.'^chenmittel  ent- 
hidf.  Gyps  kömmt  in  Adern  und  Schnüren  von  den  ersten  dünnen 
Bänken  von  Rauchwacke  bis  in  diese  oberen  Bänke  vor.  Die  Masse 
des  Dobracz  baut  sich  darüber  aus  den  höheren  Gliedern  der  Trias- 
formation auf. 

Die  Fossilien  des  Kohlenkalkes  im  Windischen  Graben  sind  seit 
vielen  r)ecennien  bekaimt  und  dieses  Prolil  seihst  ist  in  seinem  oberen 
Theile  zu  wiederholten  Malen  beschrieben  worden.  Es  genügt,  hier 
an  die  Darstellungen  desselben  von  Mobs  aus  dem  Jahre  1807'), 
von  L.  V.  Buch  aus  dem  Jahre  18242)  von  Sedgwick  und  Mur- 
chison  vom  Jahre  1830  3)  und  jene  von  Foetterle  aus  dem  Jahre 
18S6*)  zu  erinnern.  Das  Alter  der  Pro(lactun-V(\\\vQW{\tn  Schichten 
ist   von   jeher   richtig    erkannt    worden,  Studer   nannte    schon    im 


1)   Moll's  Efemeriden,   Bd.  IH,  S.  161  u.  lolg. 

3)   Mineralog.  Taschenb.   f.  1824,  2.  A  bth.  424-  4;il  ,   d:il)ei   t-in   iL;eolonis(lifs  Kiiit- 

chen  des  Gailtliales. 
^)    A   Sketch  ol   tlie  Sdiiitiiit'  of  llie  Knsleni-Al|>.s,    iVaiisiicI.   (ieol.   Sof.  2.    ser.  Hl, 

1>.  306,  307. 
*)   .lahrl».  (jeol.  Reiilisaii,s(.  VII.    S.  373. 


i'ber  (lii-  Ai|tiiviil('lit('  des  Rotliliop;i'ii(k'n  in  den  Sildiilpcn.  23  5 

Jahre  1829  Produclus  Martini  von  hier  ')  und  auch  den  rothen 
Sandstein  hat  schon  L.  v.  Buch  jenem  von  Süd-Tirol  gleichgestellt. 
Wenn  die  normale  Lagerung  des  Thonglimmerschiefers  zwischen 
beiden  bisher  unbeachtet  blieb,  kann  das  wohl  nur  dem  Umstände 
zugeschrieben  werden,  daß  seine  petrographische  BeschalTenheit  auf 
jeden  Besucher  von  vorneherein  den  Eindruck  eines  viel  älteren  Ge- 
birges machte  2).  Nichtsdestoweniger  hat  es  nicht  an  einigen  scharf- 
sinnigen Männern  gefehlt,  welche,  mit  den  Verhältnissen  in  Süd-Tirol 
aufs  genaueste  bekannt,  in  der  im  Gailthale  sich  wiederholenden 
unmittelbaren  Lagerung  des  rothen  Sandsteins  auf  demThonglimmer- 
schiefer  nur  die  Fortsetzung  der  tirolischen  Schichtenfolge  sahen,  so 
Wilh.  Fuchs  im  Jahre  1846  sj  und  insbesondere  Trinker  im 
Jahre  18Ö3*). 

Das  Bild,  welches  mir  von  dem  Baue  dieser  kleinen  Ausbuchtung 
erwuchs,  ist  demnach  beiläufig  das  Folgende. 

Das  ältere  Gebirge  bildet  hier  eine  schalenförmige  Scholle, 
deren  Höhlung  nach  Süd  gerichtet  ist,  während  sie  mit  scharfem 
Bruche  gegen  Nord  und  Nor.I-Ost  endet  und  gleichsam  an  das  Trias- 
gebirge angepreßt  ist.  Der  Band  dieser  Scholle  läuft  oberhalb  Tratten 
und  Kerschdorf  hin,  kömmt  mit  einer  Beugung  unter  Kreuth  in  den 
Windischen  Graben  hinab  und  läuft  durch  den  Wassergraben  der 
Mühlbach'schen  Hütte  hin.  Er  wird  auf  dieser  ganzen  Strecke  von 
der  Steinkohlenformation  gebildet.  Dieser  ist  innerhalb  der  flachen 
Concavität  der  Schale  der  Thonglimmerschiefer  aufgelagert,  welcher 
identisch  ist  mit  dem  Casannaschiefer,  auf  ihm  liegt  in  der  Gegend 
von  Labientschach  der  rothe  Sandstein.  —  Nördlich  von  dem  Bruche, 
welcher  diese  Scholle  nach  Nord  begrenzt,  kömmt  unterhalb  Kreuth 
derselbe  rothe  Sandstein  als  tiefstes  Glied  zum  Vorschein  und  wird 
von  der  Trias  überlagert. 

Demnach  würde  nicht  nur  der  rothe  Sandstein  des  Gailthales 
übereinstimmen  mit  jenem  von  Süd-Tirol,  sondern  das  Quecksilber 
läge  bei  Kerschdorf  beiläufig  im  Horizonte  des  Vorkommens  von 
Vallalta,  der  Schiefer  des   östlichen   Gailthales   wäre   identisch  mit 


•)   Mineral.  Taschenb.   f.  1829,  S.  746. 

-)   Buch,     Mohs,     Studer   und    viele    andere   anerkannte   Autoritäten   haben    ihn 

schlechtweg  als  „Gliiiinierschiefcr"  bezeichnet. 
3)   Beiträge  zur  Lehre  der  Erzlagerstätten,   S.  19.  "iO. 
*)  PetrogT.  Erläuterungen,  S.  66,  Anmerkung. 


256  s  II .'  s  s. 

jenem  von  Recüiiro,  Trieiil  iiiitl  V;il-Sug;tiia  iiiid  dem  rasanna- 
Scliicfer  in  Grauhtiiidteii.  dieser  wäre  jünger  als  die  Schichten  der 
Steiiikoldenlormiitioii  hei  Hieyherg  und  man  hätte  an  keiner  dieser 
letzteren  Punkte  eine  fjiieke  in  den  Ahlagerungen  zwischen  Casaniia- 
Schiefer  und  N'ernieano  anzunehmen. 

Daß  diese  Anschauungsweise  von  der  Lagerung  des  Thonglim- 
merscliiel'ers  hei  Dleyherg  die  richtige  sei,  ergiht  sich  noch  aus  einem 
anderen  Umstände. 

Schon  Rosthorn  erwähnte  zwei  Vorkommnisse  von  Zinnober 
am  jenseitigen,  nürdliclien,  der  Mittelzone  zugekehrten  Abhänge  des 
Triasgebirges  von  Bh-yberg,  und  zwar  bei  Paternion  und  i)ei  Dellach 
im  Drauthale  ').  Hr.  Gröger  hat  den  Punkt  bei  Paternion  (im  Buch- 
holzgraben  bei  Stockenboj)  autgesucht;  er  fand,  einer  freundlichen 
Mittheilung  zufolge,  hier  eine  concordant  nach  Süden,  also  von  der 
^iiltelzone  der  Alpen  wegfallende  Scliichtenreibe,  welche  oben  aus 
den  mächtigen  Massen  der  Triasformation,  darunter  aus  dem  hier 
sehr  mächtigen  rotlien  Grödeiicr  Sandstein  und  unter  diesem  aus  dem 
Thonglimmerschiel'er  besteht.  Knapp  unter  dem  ruthen  Sandstein  be- 
finden sieh  im  obersten  Theile  des  Thonglimmerschiefers,  die  Zinnober- 
lager, deren  bisher  vier  bekannt  sind. 

Der  Zinnober  bei  Stockenboj  liegt  also  im  Horizonte  des  Sehurfes 
bei  Kerschdorf  und  sind  wohl  beide  Vorkomnuiisse  als  vollkommen 
übereinstimmend  anzusehen,  die  Zone  von  Kalkstein  aber,  welche 
nach  den  Aufnahmen  unserer  Reichsgeologen  mit  südwestlichem 
Fallen  von  Lind  bis  gegen  Paternion  hinzieht,  wird  der  Steinkohlen- 
forination  zufallen  müssen. 


3.    Abschnitt. 
Östliches  Kärnten.  Vellach-Thal.  Unter-Steiermark. 

Das  östliche  Stück  der  großen,  cpier  durch  Kärnten  ziehenden 
parallelen  Gesteinszonen  entspricht  dem  westlichen  nicht  nur  in  so 
ferne,  als  auf  eine  Kette  von  mesozoischen  Kalkgebirgen  ein  Streiten 
von  Schiefer  und  auf  dicssen  eine  aus  paläozoischen  Ablagerungen 
aufgebaute  Kette   folgt,  sondern   es   stellt    sich  auch  eine  Reihe  von 

')    IS  <i  s  t  h  I)  in    II.    C;iiiHv;il,    .Mineiiil.  Kaniteirs.    S.  äil,   (51. 


über  die  Äqiiiviileiite  des  Holhliegcndeii  in  den  Siidalpen.  lüoi 

Ziiinobervorkommnisseii  ein,  welche  iiiiierhall»  des  Schieferstreifens, 
nacli  einigen  Angaben  auch  innerhalb  des  rothen  Sandsteines,  ans  der 
Gegend  von  Zell  im  Winkel  über  Kajipel  und  das  Loppeinthal  bis 
Jaworie  östiich  von  Schuarzenbacli,  also  bis  knapp  an  die  Ostgrenze 
des  Landes  sich  hinziehen  und  an  mehreren  Punkten  Veranlassung  zu 
bergniännisclii'u  Arbeiten  gegeben  haben.  Ein  wesentlicher  Unterschied 
gegenüber  dem  V\  eslen  liegt  dagegen  in  dem  Auftreten  von  graniti- 
schen und  syenitischen  Gesteinen  innerhalb  der  Schieferzone.  Rost- 
horn  hat  diese  Gesteine  sammt  dem  Schiefer  selbst  stets  von  jenen 
der  Mittelzone  abgetrennt,  wie  ich  bereits  erwähnt  habe;  Lipoid 
hat  die  Schieler  als  jüngere  melamorphische  Gebilde  angesehen;  die 
Hypothese,  daß  hier  ein  Festland  der  paläozoischen  Zeit  bestanden 
habe,  deren  Unhaltbarkeit  in  Bezug  auf  das  Gailthal  nach  den  eben 
angeiührten  Tiiatsachen  wohl  zugegeben  werden  wird,  ist  in  Bezug 
auf  dieses  östliche  Stück  der  Kette  niemals  auch  nur  angeregt 
worden,  obwohl  die  Erscheinung,  aufweiche  hin  sie  gegründet  wurde, 
nämlich  ein  Streifen  von  Schiefer  auf  den  im  Norden  Triasgebilde, 
im  Süden  paläozoische  Berge  folgen,  hier  in  derselben  Weise 
vorhanden  ist  wie  dort.  Die  zahlreichen  und  mit  großer  Mühe 
von  Lipoid  aufgenommenen  Profile  >)  sind  dagegen  unter  der 
Voraussetzung  entworfen,  daß  die  Massengesteine  des  Thonglimmer- 
schiefers,  wie  z.  B.  die  Granite,  als  eruptive  Gesteine  einen  wesent- 
lichen Eintluß  auf  die  Erhebung  des  Gebirges  selbst  ausgeübt  hätten. 
Ich  habe  mich  von  der  Richtigkeit  einer  solchen  Annahme  nicht  über- 
zeugen köimen,  sondern  habe  nur  Deckenstücke,  d.  h.  Lagermassen 
gefunden,  deren  Rolle  bei  der  Erhebung  des  Gebirges  wohl  eine 
ganz  eben  so  passive  war,  als  jene  der  Porphyrdecken  Süd-Tirols 
oder  des  Granites  der  Cima  d'Asta. 

Das  schönste  und  vollständigste  Protil,  welches  ich  hier  kennen 
gelernt  habe,  ist  im  Vellachthale  bei  Kappel  vorhanden  und  läuft  quer 
auf  das  Streichen,  fast  rein  nordsüdlich.  Die  Stelle  ist  dieselbe,  auf 
welche  sich  die  treiflichen  älteren  Untersuchungen  von  S  tu  der  2) 
und  Boue  '^),  und  zum  Theile  auch  die  späteren  Angaben  von 
Scheuche nstuel    *)   beziehen. 


')   Jiiiiili.  Vn,  1856.  Erläuterung  geol.  Durchschnitte  aus  tl.  östl.  Kärnten.  S.  33-Z— 346. 
~)   Zeitschr.  f.  Mineralogie,  1829,  H,  S.  738  — 7ä0. 
3)   Mem.  de  la  Soc.  ge'ol.  I83ö,   II.   p.  61— Ti. 

*)   Schrift,  d.  k.  russ.  (Jesellsch.  f.  Mineralog^ie,  1»42.  I.  Bd.,  2.  Abth.  S.  231—238. 
Sitzh.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  LVIl.  Bd.  I.  Abth.  17 


!<i58  S  11  e  s  s. 

Kappcl  liegt  knapp  südlich  von  den  weißen  Felswänden  der 
Trias.  Schon  wenn  man,  vum  Norden  her  sich  dem  Orte  nähernd, 
diurh  die  Schliielit  j^eiit,  welche  die  \'cllach  durch  das  Triasgehirge 
entweichen  läßt,  sieht  man  zu  seiner  Hechten  (gegen  Westen),  wo 
die  Masse  des  Trobenlelsens  in  jähen  Wänden  abstürzt,  die  Schichten 
der  Trias  senkrecht  stehen,  zum  Beweise,  daß  diese  ganze,  mächtige 
Masse  sich  in  einer  höchst  alinormen  Lage  befindet.  Noch  mehr 
staunt  man  zu  gewahren,  daß  gegen  Kappel,  also  gegen  den  Casanna- 
schiefer  hin,  sich  in  der  Trias  anstatt  des  erwarteten  Vertlächens 
nach  Norden  eine  immer  tlaciiere  Neigung  nach  Süd,  also  unter 
den  Schieler  hin,  einstellt.  Große  Schichttlächen  von  Triaskalk 
sind  insbesondere  über  der  l'ementfabrik  entblößt  und  eine  weite, 
steil  nach  Süd  einschiessende  Platte  ist  an  ihrer  oberen  Kante  mit 
einem  allen  Thurme  gekrönt.  Wo  das  Thal  sich  erweitert  kömmt  das 
Triasgebirge  an  der  Westseite  desselben  in  Gestalt  von  mehreren 
Hügeln  zu  demselben  herab,  welche  den  südliehen  Fuß  des  Troben- 
felsens  bilden  und  welche  ohne  Ausnahme  das  südliehe  Verflachen 
zeigen.  Es  ist  zunächst  dünngeschichteter,  schwarzbrauner,  bitu- 
minöser Kalkstein  entblößt,  ausgezeichnet  durch  große  Knoten  auf  den 
Schichtflächen  ;  er  fällt  noch  60 — 7  t)  südlich,  sehr  wenig  in  Ost.  Die 
nächstfolgende,  niedrigere  Hügelreihe  besteht  aus  wohlgeschichtetem 
graubraunem  Dolomit,  welcher  unter  etwa  3ö  nach  derselben  Rich- 
tung geneigt  ist.  Er  bildet  breite  Flächen  und  an  dem  Hammerwerke 
am  Ebriachbache  erscheint  über  diesem  Dolomit  eine  geringe  Spur 
von  braunem,  rauhflächigem  Kalkschiefer  mit  verkohlten  Pflanzen- 
stielen. Nun  folgt  roth  und  grün  geflammter  Schiefer,  der  schon  dem 
Werfener  Schiefer  angehört,  ebenfalls  südlich  fällt  und  folglich  von 
der  gesammten  vorderen  Hälfte  des  Trobenlelsens  unterteuft  wird.  Es 
kann  kein  Zweifel  darüber  sein,  daß  die  ganze  mächtige  Masse  über- 
gebogen, daß  also  die  entblößte  Schichtenreihe  die  verkehrte  ist  und 
ich  will  sofoi-t  hinzufügen,  daß  diese  Umbeugung  mit  beständiger 
Neigung  nach  Süden  durch  das  ganze  Profil  bis  zur  Steinkohlenfor- 
mation anhält.  Indem  ich  also  die  Ablagerungen  in  der  Stellung 
beschreibe,  in  welcher  ich  sie  in  der  Natur  angetroflen  habe, 
erscheinen  durcliwegs  die  jüngeren  Bildungen  unter  den  älteren. 

Der  rothe  und  grüne  ebenflächige  Schiefer  an  der  Eliriach, 
welche  von  West  in  die  Villach  mündet,  zeigt  da  und  dort  Anflüge 
von    Malaeliil.   Die  Villacli  hat   miwcil   von  ilem  erwähnten  Hammer- 


L'Ikm-  ille  A(|ui\;iii'iile  ilcfs  l;ntliliej;i'iiil<'ii  in  den  Siiil.iipiMi.  2o0 

weikc  ein  Stück  des  Ahliaiiges  foi'tgerisseii  iiml  iiuiii  kann  Schritt  liii- 
Schrill  ciic  weitere  Folge  hedhachteii.  Das  Fallen  ist  (hirchgäiigig 
etwa  yO°  südlich.  Der  rothe  und  grüne  Schiefer  unterteul'l  eine 
größere  Anzahl  von  rotlien,  scliielrigen  und  glimnierigen  Lagen  vom 
Aussehen  des  gewöhnlichen  VVerfener  Schiel'ers,  welche  gegen  oheii 
mit  liläulichgrauem,  hlätterigem  und  glimmerlVeiem  Schiefer  wechseln, 
\N  ie  er  hei  Nütscii  heschriehen  worden  ist.  Es  folgt  ein  klein  wenig 
schwar/er  Scliiefer  mit  kleinen  Glimmerhlättchen  auf  ilen  Flachen 
und  der  S[)iir  einer  gestreiften  IMusciiel  (Aviciila  Veuetiauu?), 
eim'ge  i^agen  von  gelber,  heslauhter  Rauchwaeke  iriit  Quarzausklei- 
dungen in  den  Hohlräumen  und  vom  Aussehen  der  Zechsteiiulolomite. 
welche  innig  verbunden  scheinen  mit  den  nächst  höheren  Lagen  von 
hartem  weißgrauem  Kalkstein  mit  grünen  Flasern  ,  die  hier 
wegen  der  Umstürzung  des  Gehirges  auf  ilin-n  oberen  Flachen  mit 
Wülsten  bedeckt  sind  (statt  auf  ihren  unteren)  und  den  mit  Wülsten 
bedeckten  derberen  Lagen  des  Nötschgrabens  und  Windischen 
Grabens  entsprechen ').  Diese  gesammte  Schichtfdlge  von  dem 
rothen  glimmerigen  Schiefer  an  ist  hier  nur  wenige  Klafter  mächtig. 
Auf  dieser  schon  im  unteren  Gailthale  geschilderten  Serie  von 
Schichten  liegt  der  rothe  Grödener  Sandstein.  Er  mißt  nur  wenige 
Fuß,  ist  jedoch  durch  seine  grelle  Färbung,  sein  grobes  Gefüge  und 
die  zahlreichen  Gerolle  von  Quarz,  welche  er  enthält,  auch  aus  einiger 
Entiernung  schon  zu  erkennen;  er  ist  von  Gypsschnüren  durchzogen 
und  soll  (iyps  aus  demselben  an  dieser  Stelle  gewonnen  worden 
sein.  Das  Hangende  des  rothen  Sandsteins  bildet  ein  dunkel- 
grünes aplianitisches  Gestein,  nach  allen  Richtungen  von  Ser- 
pentinadern durchzogen  und  von  zahlreichen  Klüften  din-chkreuzt, 
welche  zum  Theile  mit  Asbest  besetzt  sind.  Stellenweise  sieht 
man  nur  Serpentin.  Gegen  oben  verlieren  sich  die  Serpentin- 
adern und  das  aphanitische  Gestein  zeigt  zahlreiche  Schüppchen 
von  grünem  Talk,  auffallend  erinnernd  an  die  grünen  Talk- 
schüppchen  in  dem  zinnoberführenden  Kalkstein  hei  Kerschdorf. 
Noch  etwas  höher  wird  die  Färbung  des  Gesteins  etwas  lichter   und 


1)  Solche  Wülste  kennt  iniiii  ;in  vielen  Orten  im  tieferen  Theile  der  Werfener  Schiefer. 
Lipoid  versileicht  sie  in  Ober-Krain  mit  Bhizncorallium  (Jahrb.  1857.  VIU, 
S.  213);  Stur  erwähnt  sie  im  oberen  (iailthiile  (e.  d.  1856,  VI,  S.  417);  Guri- 
on i  in  der  Val  Camonica  (Sulla  Sucess.  norm.  elc.  4",   1835,  p.  10)  u.  s.  w. 

17* 


260  S  II  e  s  s. 

liegen  viele  Brocken  von  zerlVessenen  Quarzgängen  herum,  g;inz 
ähnlich  jenen,  die  man  /,.  B.  in  dem  Gebiete  des  sogenannten  Grau- 
wackcnschiefers  von  Reiclienau  hei  Gloggnitz  antrifft.  Weiterhin 
nimmt  die  Felsart  wieder  mehr  den  Charakter  eines  dunklen  Ser- 
pentins an  und  wechselt  mit  purpurrothen  Schichten. 

Im  Hangenden  dieser  lehrreichen  Enthlößung  und  ganz  in  ihrer 
Nähe  soll  vor  Zeiten  ein  Schürf  auf  Zinnober  bestanden  haben.  In  der 
Fortsetzung  der  Streichiuigslinie  und  in  demselben  dunkelgrünen 
Gesteine  ist  am  jenseitigen  Thalgehänge  „an  der  Brekarca"  über  dem 
Mauthhause  von  Kappel  ein  größerer,  aufgelassener  Bau  auf  Queck- 
silber sichtbar  und  in  weiterer  Fortsetzung  gegen  Osten  bis  in  das 
Loppeinthal  hin  sind  noch  mehrere  ähnliche  Baue  zu  sehen;  selbst 
der  entferntere  Fund  im  Jaworiethale ,  bildet,  wie  bereits  erwähnt 
wurde,  nur  eine  Fortsetzung  dieser  Vorkomnniisse,  welche  gegen 
Westen  über  Zell  im  Winkel  mit  jenen  bei  Nötsch  in  Verbindung 
stehen  werden. 

Das  Profil  setzt  sich  am  deutlichsten  an  dieser,  der  rechten  Seite 
des  Vellachthales  fort.  Viel  purpurrother  Schiefer  liegt  hier  am  Ge- 
hänge herum  und  scheint  mehrfach  dem  grünen  aphanitischen  Ge- 
steine eingelagert;  er  ist  verschieden  von  den  rothen  Schiefern  der 
Triasformation.  Die  Felsart  geht  endlich  in  dunkelgrünen  Schiefer 
mit  zahlreichen  Talkschnppen  über,  auf  welchen  an  der  Mündung  des 
Loppeinthales  ein  gelber  und  röthlicher,  sehr  zersetzter  Granitit  folgt'). 
Dieser  bildet  einen  Rücken,  an  dessen  jenseitigem,  südlichem  Fuße 
eine  sehr  kleine  Lage  von  rötblichem  Schiefer  und  schiefrigem  Kalk 
mitten  durch  den  Granitit  zu  streichen  scheint;  leider  ist  sie  nur  sehr 
wenig  aufgeschlossen.  Auf  den  Granitit  folgt  eine  ziemlich  mächtigeLa- 
germasse  von  dunklerem  hornblendereichem  Syenit,  von  dioritischem 
Aussehen,  da  und  dort  von  (längen  oder  kleinen  Lagern  von  einem 
lichten  Syenit  durchzogen;  stellenweise  ist  es  ganz  dichter  Hornblende- 
fels. Nach  diesem  steht  in  geringer  Stärke  ein  schöner  Syenitporphyr  von 
lichter  Farbe  an,  welcher  zweierlei  Feldspatlie  enthält,  deren  einer  die 
Umrandung  des  anderen  bildet  und  in  welchem  man  ferner  kurze  Säulen 


')  Prof.  I'eters  findet  dieses  Gestein  iiheroins(iininend  mit  jenem,  welches  er  vor 
kurzem  aus  mehreren  Theilen  der  Üobrudseha  beschrieben  hat,  wo  (ir:initil  in 
Verbindung-  mit  Phylliten  nnd  Quarziten  unter  Verhältnissen  erscheint,  welche  in 
der  That  jenen  des  östlichen  Kärntens  außerordentlich   ähnlich   zu  sein  scheinen. 


VUfv  IUP  .\()iiiviil<M(tp,  rles  Rothlien^Piulen  in  ili'n  Siidalpeii.  261 

von  llonihleiidi'  und  (Miigewachsene  graue  Quarzkrystalle  sieht  •). 
Neuerdings  folgt  ein  Gestein,  welches  dem  Granitit  desLoppeinthales 
vollkommen  gleicht,  aber  nur  unbedeutende  Mächtigkeit  erlangt,  und 
auf  dieses  wieder  eine  Masse  des  dunklen,  dioritähnlichen  Syenites. 
Die  meisten  dieser  Menig  mächtigen  Lagen,  insbesondere  der  schöne 
Syenitporpliyr,  lassen  sich  weithin  durch  das  obere  Mißthal  gegen 
den  Ouschowa-Paß  verfolgen. 

Hiemit  ist  das  Profil  an  der  Mündung  des  bedeutenden,  von 
Ost  kommenden  Remscheniggrabens  angelangt,  die  von  einer  Schutt- 
masse zum  großen  Theile  verlegt  ist,  welche,  einer  Moräne  nicht  un- 
äluilich,  sich  quer  über  dieselbe  legt.  Der  Remscheniggraben  zeigt 
in  seinem  tieferen  Theile,  insbesondere  in  der  Nähe  der  Sägemühle 
feinblättrigen   gefältelten   Thonschiefer,  Avelcher  west-nord-westlich 


1)  Prof.  V.  Hochstetter  hat  diesen  Syenit-I'orpbyr  genauer  untersucht;  ich  glaube 
die  mir  freundlichst  niitgetheilte  Note  wörtlich  wiedergeben  zu  sollen:  „Es  ist 
dies  ein  Syenitporpliyr,  jedoch  nicht  in  dem  Sinne,  welchen  Gust.  Rose  mit  diesen 
Namen  verbindet,  indem  er  denselben  auf  die  quarzfreien  Felsitporphyre  anwen- 
det, sondern  als  ein  h  ornble  n  d  h  a  1 1  i  ger  Granitporphyr.  In  einer  fein- 
körnigen, aus  Quarz,  Feldspath,  schwarzem  Glimmer  und  Hornblende  gemengten 
Grundmaße  liegen  größere  Krystallausscheidungen  derselben  Gemengtheile,  Quarz 
in  grauen  Körnern  und  abgerundeten,  aber  doch  ganz  deutlichen  Doppelpyramiden 
bis  zu  fünf  Linien  Durchmesser,  und  zweierlei  Feldspath.  Die  größeren  Krystalle,  bis 
zu  acht  Linien  lang,  bestehen  aus  blaßllelschfarbigem  Orthoklas,  der  ziemlich  frisch 
ist  und  deutlich  spiegelnde  Blätterbriiche  hat.  Diese  Orthoklaskrystalle  sind  ohne 
Ausnahme  eingefaßt  oder  überzogen  mit  einer  1/3  Linie  starken  Rinde  eines 
schneeweißen  triklinischen  Feldspathes,  der  auf  seiner  Hauptspaltuugsfläche 
deutliche  Zwillingsstreifung  zeigt  und  dessen  Masse  nicht  scharf  abgegrenzt  ist 
von  der  Orthoklasmasse.  Dieser  schneeweiße  triklinische  Feldspath  kommt  über- 
dies in  kleineren  und  größeren  ziemlich  frischen  Krystallen  von  tafelförmiger 
Gestalt  in  der  Grundmasse  selbständig  ausgeschieden  vor;  diese  werden  bis 
zwei  Linien  dick  und  fünf  Linien  lang.  Die  Hornblende  Ist  bräunlichschwarz  und 
erscheint  in  kurzsäulenförmigen  Krystallen  his  zu  einer  Länge  von  vier  Linien  bis 
zwei  Linien  Dicke :  sie  hat  matte,  zum  Fasrigen  neigende  Spaltungsflächen.  Der 
schwarze  Magnesiaglimmer  endlich  zeigt  kleine,  sechsseitig  begrenzte  Blättchen 
oder  kurze  Säulen  l)is  zu  einer  Linie  Durchmesser.  Andere  Gemengtheile  konnte 
ich  in  dem  mir  übergebenen  Handstücke  nicht  auffinden.  Der  Menge  nach  vor- 
herrschend sind  die  Feldspathe,  dann  folgt  der  Quarz,  dann  die  Hornblende,  endlich 
der  Glimmer.  Ich  bemerke  nur  noch ,  daß  ich  ähnliche  Syenitporphyre  in  Böhmen 
als  Gangmasse  im  Gneißgebirge  bei  Wollin  beobachtet  habe".  —  Dieses  eigen- 
thüniliche  Gestein  hat  schon  vor  langer  Zeit  die  Aufmerksamkeit  erst  Hacquet's 
dann   S  t  u  d  e  r"s  auf  sich  gezogen  (Jahrb.  f.  Mineral.  1829,  IL  742). 


202  s...  SS. 

strciflil,  sehr  steil  süd-siid-wesllieli  geneigt  isl  iiiul  welelier  hier  den 
gritßleiiTlieil  des  Casiuma-Seliierers  aiismaelit.  Zahh-eiche Blöcke  von 
honilileiidereieheni  Syenil  liegen  an  derselben  Stelle  in  der  Thalsohle, 
welche,  wie  es  seheint,  die  Grenze  zwischen  Syenit  und  Casanna- 
schiefer  bezeichnet.  --  Die  dem  Streichen  des  Casannaschicfers 
entsprechende  Stelle  des  Vellachthales  zeigt  fast  allenthalhcn 
nur  flache  und  iiherwachsene  Gehänge  ;  an  einzelnen  Stellen,  wie 
z.  r>.  über  dem  Gehöfte  (]cii  Bauers  Bertel,  wird  das  Gestein 
siehlhar;  an  diesem  Punkte  ist  der  Schiefer  klüftig,  nicht  gefältelt,  der 
Glimmer  nur  in  sehr  kleinen  weißen  Schüppchen  ausgeschieden. 

Das  Thal  verengt  sich  jdötzlich;  von  den  sanften  Gehängen  des 
Schiefers  trennen  sich  scharf  die  ersten  Lagen  einer  ziemlich  mäch- 
tigen Masse  von  lichten  Dolomit-  und  Kalkablageruugen,  welche  nun 
folgt.  ZnM;i('h«t  setzt  mit  nordwestlichem  Streichen  ein  Riß'  von  hläu- 
lichem,  splittrigem  Dolomit  quer  über  das  Thal,  auf  dieses  folgt  eine 
leichte  Senkung  des  Bodens,  welche  bedeckt  ist,  auf  welcher  jedoch 
viele  Trümmer  von  weißem  Kalkstein  herumliegen,  der  durch  einge- 
schaltete schwarze  Thonflasern  gleichsam  marmorirt  aussieht  und  dem 
,,Schnürlkalk''  der  steierischen  Eisenlager  ähnlich  wird;  dann  ist  am 
linken  Ufer  eine  größere  Wand  von  geschichtetem,  dolomitischem 
Kalkstein  (Uitblößt,  welche  deutlich  die  kniefla-mige  Beugung  der 
Schichten  zeigt.  Im  oberen  Theile  neigen  sich  dieselben  südlich,  ent- 
sprechend den  bisher  angeführten  Schichtengruppen,  am  Fuße  der 
Wand  aber  fallen  sie  nördlich.  An  beiden  Gehängen  kömmt  nun, 
unmittelbar  vor  dem  ersten  Hammerwerke,  weicher,  schwarzer  Tlum- 
schiefer  mit  vielen  sehr  kleinen  weissen  (ilimmerschüppchen  zuTage, 
welcher  zahlreiche  Versteinerungen  der  Kohlenformation,  und  zwar 
Sowohl  Meeresthiere  {Productus  und  andere  Brachiopoden,  zahlreiche 
Fcneslellc'ti  u.  s.  w.)  als  auch  einzelne  Bruchstücke  von  Landpflanzen 
enthält.  Er  entspricht  ganz  und  gar  dem  Thonschiefer,  welcher  im 
Windischen  Graben  dieselben  Versteinerungen  führt;  im  ßachbette 
unter  dem  Hammerwerke  wiederholt  er  die  knieförmige  Beugung  iWv 
v(U"lierge!ienden  Kalkmassen  :  seine  Mächtigkeit  ist  nicht  hedeulmd. 
Er  steht  zugleich  in  inniger  N'erbindung  mit  dem  zunächst  folgenden 
Compltx  von  liehlem  dümiplaltigem  Quarzsandstein  und  Bänken  von 
weißem  Quarzconglomerat,  welche  letztere,  iilter  dem  Hammerwerke 
sehr  schön  entblößt,  wie  die  Schiefer  oben  steil  südlich,  dann  nach 
erfolgter  Umbeugung   im  Bachbelte   ni»rdlich    fallen,  dabei   mehrere 


rixT  (He  .\iniiv;il('nte  des  lioIhlie'^ciuli'Ti  In  di'ii  Siifliilppn.  -^OO 

iiiiter,-i()i-iliiL'lt'  FiiUcii  l)i!(l(Mi(l  ').  Uiiiuittt-lhar  auf  das  Oiiarzconglo- 
nieral  folgt  eine  erste,  einen RilT  quer  iiher  das  Thal  liildende  Masse  von 
dunkelgrauem  Koldenkalkstein  mit  zahlreichen  Auswitterungen  von 
Poferi(>crh/u.'i-S{'\e]cn  und  Braehiopodeiischalen.  Einzelne  Schicht- 
tlächen  desselhen  sind  mit  kloinen  rfihren förmigen  Vertiefungen 
Iiedeekt,  welche  schon  Boue  aufgeialien  waren  und  welche  man 
auch  im  Qnarzsandstein  und  im  vorhergehenden  schwarzen  Thon- 
schiefer  sehen  kann. 

Üher  den  ersten,  nicht  mächtigen  Bänken  von  Kohlenkalk  folgt 
erst  eine  nochmalige  Einschaltung  von  lichtem,  diinnplattigem,  hier 
etwas  «ilimmerigem  Ouarzsandstein.  dann  endlich  die  Hauptmasse  des 
dunkelgrauen  Kohlenkalkes  bei  dem  zweiten  Hammerwerke. 

Seihst  wenn  die  knieförmige  Beugung  der  tieferen  Lagen  dieses 
Profiles  nicht  sichtbar  wäre,  dürfte  es  wohl  kaum  eines  weiteren 
Beweises  für  die  Behauptung  bedürfen,  daß  diese  gesammte  Schicli- 
lenlblge  mit  InbegrilT  der  Trias  überstürzt  sei,  und  zwar  wie  es 
scheint,  (h'.rch  eine  Kraft,  welche  nicht  aus  der  Richtung 
der  Miltelzone  gewirkt  hat,  vielleicht  durch  Senkung. 

Die  normale  Schichtenfolge  ist  daher  im  Vellachlhale:  Kalk, 
Quarzcongiomerat,  Sandstein  und  Schiefer  der  Steinkohlenformation, 
üher  diesem  eine  Masse  von  lichtem  Kaik  und  Dolomit,  dann  der 
Casannaschiefer,  in  dessen  Hangendem  Syenitporphyr,  Syenit  und 
(iranititlager  erscheinen,  dann  grüne  Wacke  mit  Talkschüispchen 
und  Quecksilber,  gegen  oben  Serpentin,  ein  Complex,  welcher  ohne 
Zweifel  dem  Quecksilber-l'ührenden  Kalk  mit  Talkschüppchen  bei 
Nötsch  und  dem  Talkschiefer  mit  Quecksilber  von  Vall'alta  entspricht; 
endlich  folgt  auf  diesem,  wie  allenthalben,  der  rothe  Grödener  Sand- 
stein, welcher  die  Unterlage  der  Trias  ausmacht.  — 

Wenn  man  den  Remscheniggraben  aufwärts  und  über  den 
Ouschowa-Paß,  dann  durch  das  obere  Mißthal  über  Koprein  nach 
Schwarzenbach  geht,  überzeugt  man  sich  leicht  davon,  daß  außer 
der  Gruppe  von  granitischen  und  syenilischen  Gesteinen,  welche  im 
Hangenden  des  Casanna-Schiefers  erwähnt  worden  sind,  ein  zweites, 
tieferes  und  dem  Liegenden  des  Schiefers  angehöriges  Lager  von 
Massengestein    vorhanden    ist ,    welches    aus    einer    weißen ,    dem 


^)   Es  sind  dieselben,   deren  Alinliclikeil    mil  dem  Pudding  von  Valorsine  St  u  der  vor 
vierzig  Jahren  bemerkte. 


264  s  II  o  s  s. 

Toiinlit  sehr  naht-  stellenden  Felsarf ')  bestellt,  die  vorläiitijf  als 
Toiiali  tgii  eitJ«  iH-zeicIiiiet  werden  nia«;.  welches  sieh  jedoeli  {^egeii 
Westen  auskeill  nnd  di<'  Profilliiiie  der  N'ellaeli  nicht  erreicht.  Li- 
poid hat  diesen  „Zuü;"  ganz  rieliti«'  erkannt  und  auf  den  Aufnahms- 
karten  als  ..(xneiß"  ansgeschieden^).  Fast  der  ganze  Weg  von  der 
Mündung  des  Remscheniggrahens  bis  Schwarzenbach,  liegt  in  dem 
Streichen  der  Ahtheilnng  des  Casanna-Schiefers,  welche  zwischen 
dem  Granitit  und  Syenit  von  Kappel  einerseits  und  dem  Tonalitgnciß 
andererseits  liegt.  (Ta)'.  li,  Fig.  2).  Gegen  Ost,  in  der  Umgebung 
von  Koprein,  wo  die  Umbeugung  der  Schichten  in  eine  vertieale 
Aufrichtung  derselben  übergegangen  ist,  treten  diese  verschieden- 
artigen Felsarten  in  sehr  auffallender  Weise  hervor.  Knapp  an  den 
weißen  südlichen  Abstürzen  derTriaskalksteine  der  Petzen  laufen  als  eine 
schwarze,  zackige  Mauer  Granitit  und  Syenit  hin,  einem  riesigen 
Gange  wohl  vergleiclibar.  Die  Thalsohle  besteht  zum  großen  Theile 
aus  großflasrigem  Casannaschiefer,  von  dem  man  übrigens  auch 
große  eckige  Scherben  in  den  granitischen  Teig  eingebettet  sehen 
kann.  Den  südlichen,  rechten  Abhang  bildet  meistens  der  Tona- 
litgneiß. 

Bei  dieser  allgemeinen  Beständigkeit  des  Streichens  ist  es  um 
so  auffallender,  daß  auf  der  Höhe  des  Ouschowa-Passes  eine  scheinbare 
Anomalie  eintritt.  Nachdem  man  von  Ost  über  Tonalitgneiß  aufwärts 
gestiegen  ist,  sieht  man  nicht  nur  zur  Rechten  in  geringer  Entfernung 
die  Kuppen  der  Triaskette  sich  erheben  ,  sondern  auch  zur  Lin- 
ken (gegen  Süd)  erhebt  sich  eine  öde  und  zerrissene  Masse  von 
lichtem,  Iheilweise  dolomitischein  Kalkstein,  geschichtet  und  äußer- 
lich dein  Plattenkalke  durchaus  ähnlich  ;  sie  bildet  die  Kämme  der 
Ouschowa  und  des  Liepi-Vrh  und  fällt  südlich  gegen  Sulzbach  ab. 
Lipo  Id  fand  in  derselben  große  Muschekjuerschnitte,  welche  er  für 
die  Dachsteinbivalve  hielt ;')  und  ich  seihst  habe  dort  ähnliche  Reste 
gefunden. 


')  Indem  ich  dieses  Gestein  dem  Toiialit  ver<;leiche,  beinfe  icli  mich  zugleich  auf  ilie 
Autorität  der  Herren  H  o  e  h  s  t  e  1 1  e  r  u.  I'eters.  Es  unterscheidet  sieh,  wie  es 
»clieint,  nur  durch  eine  Anljij^e  zur  Fiiriiilelstruclur.  S  I  n  d  e  i-  n;ninte  es  llorn- 
hlende-Gneiss. 

■-)    Auch  im  .liihrh.   18S(>,  VII.  Verli.   S.  :{t!ö  erwiihnt. 

•')   .Ishrh.  1857.   VIII.    S.  4;)9. 


n)er  die  Äqiiivalontp  «les  Roll)liefr<*nilen  in  <1eii  Siidiilpen.  26 i) 

DicÄiiiilicIikt'it  mit  dem  Plattoiiknlke  ist  wie  gesaij^t.  eine  au(k'r- 
ordentliclit'.  .'(her  tcnl/,  (Icrscllx'ii  und  tiMttz  der  Querschnitte  großer 
Bivalven  kann  kaum  <'in  Zweifel  danilier  obwalten,  daß  diese  Masse 
die  Fortsetzung  des  lichten,, ueschicliteten  und  theilweise  dolomitisclien 
Kalksteins  sei,  welcher  an  der  Vellaeh  in  ansehnlicher  Mächtigkeit 
zwischen  dem  Casanna-Schiefer  und  den  [)etrefaetenluhrenden  Lagen 
der  Steinkohlenformation  liegt. 

Die  Kenntniss  von  der  Lagerung  dieser  lichten  Dolomit-  und 
Kalksteinmasse  erleichtert  außerordentlich  das  Verständniß  des 
Baues  der  gegen  Süd  und  gegen  Südost  folgenden  Gebirge,  wo  man 
an  zahlreichen  Stellen,  insbesondere  in  Krain  und  in  Süd-Steiermark 
lichten  Kalkstein  mit  großen  Bivalvenquerschnitten  in  unmittelbarer 
Autlagerunff  über  den  Conglomeraten  und  Schiefern  der  Steinkohlen- 
formation  getrotfen  bat.  In  den  Karawanken  schwillt  diese  Masse 
zu  bedeutender  Mächtigkeit  an.  während,  wie  es  scheint,  der  Casanna- 
Schiefer  im  Hangenden  ganz  verschwindet.  Hier  ist  sie  zuerst  von 
Foetterle  und  Peters  als  „oberer  Kohlenkalk"  ausgeschieden 
worden,  während  man  die  bivalvenfübrenden  Partien  als  isolirte 
Flecken  von  Daclisteinkalk  ansah.    — 

Der  kärntnerische  Schieferzug  stellt  sieh  demnach  vom  Gail- 
thale  bis  an  die  Ostgrenze  des  Landes  als  das  Streichungsgebiet  eines 
der  Sehichtenfolge  des  Gebirges  normal  eingefügten  Gliedes  dar, 
welches,  aus  den  Gesteinen  des  Casannaschiefers  bestehend,  Lager- 
massen von  Granitit,  Syenit,  Syenitporphyr  und  Tonalitgneiß  umfaßt, 
in  seinen  hangenden  Theilen  den  durch  seinen  Talkgehalt  ausge- 
zeichneten Horizont  der  Quecksilbervorkommnisse  darstellt,  dabei 
gegen  Nord  von  den  jüngeren  Ablagerungen,  und  zwar  zunächst  vom 
Grödener  Sandstein  ,  dann  von  der  Trias,  gegen  Süd  aber  zuerst 
vom  weißen  oberen  Kohlenkalk,  dann  von  den  versteinerungsreicbeu 
Schiefern  und  den  weißen  Conglomeraten  der  Steinkohlenformation, 
endlich  vom  unteren  Kohlenkalk  begleitet  ist. 

Jenseits  der  östlichen  Grenze  Kärntens  ändern  sich  diese  Ver- 
hältnisse. 

Die  nördlich  vorliegende  mesozoische  Kette  der  Petzen,  der 
Oisterza  und  des  Ursulaberges  endet  südlich  von  Windischgratz  und 
der  Schieferzug  tritt  in  unmittelbare  Verbindung  mit  dem  ausge- 
dehnten Schiefergebirge,  welches  von  Klagenfurt  und  r>l('ylierg  her 
die  Mittelzone  der  Alpen  begleitet.   Hier  tauclit  die  große  Granitmasse 


2  ()  (5  S  u  e  s  s. 

des  Hneher^ebirges  auf.  Rolle  hat  die  ausführlichste  Beschrei- 
iMing  dieses  Geliirges  gegeben  ').  Es  geht  aus  derselben  hervor,  daß 
nördlich  vom  Bacher,  zwisclien  diesem  und  der  Centralmasse  der  Kor- 
und Sau-Alpe,  die  Höhen  dt's  Poßnick-  und  des  Remscheniggebirges 
aus  den  untersten  Gliedern  der  Trias,  aus  grünem  und  grauem 
Schiefer,  und  unter  diesen  aus  erzführendem  Glimmerschiefer  be- 
steben, in  welchem  auf  Blciglanz  und  Kupfer  gebaut  wird.  Ich 
kann  hinzufügen,  daß  es  der  typiscbe  Grödener  Sandstein  ist,  welcher 
in  der  Nähe  der  Eisenbahnstation  Wuchern  diese  Schiefer  über- 
lagert 3).  Ein  Theil  derselben  gehört  somit  gewiß  der  Fortsetzung 
der  Schiefer  des  Vellach-  und  des  Mißtbales  und  zugleich  jener 
Schieferzone  an,  in  welcher  im  Westen,  bei  Stoekenhoj,  auf  Queck- 
silber gebaut  wird,  an.  Nun  ist  der  Granit  des  Bacher  verschieden 
von  den  Gesteinen  der  Mittelzone,  wie  dies  Stur  neuerdings  be- 
stätigt hat  3)  und  schließen  sich  die  schieferigen  Gesteine  an  denselben, 
ohne  eine  nachweisbare  Einschaltung  der  Steinkohlenformation  oder 
anderer  paläozoischer  Schichten,  so  wie  der  erzführende  Schiefer  im 
Val-Sugana  sich  an  den  Granit  der  Asta-Masse  schmiegt. 

Es  fehlt  mir  jedoch  an  hinreichender  persönlicher  Anschauung 
in  diesem  Gebiete,  um  sagen  zu  können,  ob  eine  solche  Gleichstel- 
hnig  der  Granite,  der  Asta  und  des  Bachers  wirklich  zulässig  ist. 

Südlich  vom  Bachergebirge  setzen  sich  die  unter  dem  Casanna- 
schiefer  liegenden  Schichten  und  insbesondere  die  Sleinkohlenfor- 
matioii  in  fast  ununterbrochener  Weise  fort,  ohne  am  Granit  des 
Bachers  bekannt  zu  sein.  Spatheisensteinlager  gesellen  sich  zu  diesen 
älteren  Schichten  und  haben  unter  dem  Namen  der  Weitensteiner 
Eisenvorkommuisse  Gelegenheit  zu  mancherlei  Discussionen  gege- 
ben*). Schon  von  einem  Punkte,  welcher  ohne  Zweifel  dem  nur  durch 
eine  kurze  Strecke  von   den  jüngeren   vulcanischen  Gesteinen   des 


')   .liilnl).  1837,  Vm,   S.  266  u.  folj?. 

~)   Stilller   hat   vor   sehr    l;\nger  Zeit    die   rolhen   Gesteine    von    (jrifen    (NO.   von 

Vülkermarkt)  den  tallih:iUi<{'en  Conglomeraten  der  östlichen  Schweiz  gleichgestellt. 

(Min.  Taschenbuch,  1829,  S.  733). 
8)  Jahrb.  1864,  XIV,   S.  439. 
*)   Morlot,    Ber.   d.   Freunde   d.  Natiirw.    1849,   V,   S.  177;    Rolle    Jahrb.    18Ö7, 

Vlll.   S.  427;    Zollikofer    eb.  das.    1859,   X,    S.   206;    Stur,   eb.   das.   1764, 

XIV,  S.  439  u.  an  anderen  Orten. 


I 


über  die  Äquivalente  des  liolliliefreiiden  in  den  Siidiilpen.  26  i 

Smrekouz  unterbrochenen  Zuge  von  Kolilenkalk  angehört,  weleher  an 
der  W'lliu'h  beschrieben  wurde,  nämlich  von  Sehünstein,  geht,  wie 
Stur  gezeigt  h;it,  der  Zug  dieser  Weiteusleiner  Eisenvorkommnisse 
aus  und  quert  OSO.  streichend,  das  südliche  Steiermark.  F»ei 
Weitenstein  selbst  führt  der  Kalkstein  Productus  com  ')  und  die 
begleitenden  Quarzsandsteine  und  Quarzconglomerate  enthalten 
kleine  Kohlenflötzchen.  An  der  Gonobitzer  Gora  setzt  sicli  dieser 
Zug  fort  2)  nnd  erreicht  endlich  die  kroatiselie  Grenze. 

Im  Süden  von  diesem  Zuge  tauclit  noch  an  mehreren  Punkten, 
wie  z.  B.  an  den  Gehängen  des  Rudenza- Berges  bei  Windisch  Lands- 
berg, Spatheisenstein,  Quarzconglomerat  und  Kohlenkalk  hervor.  Ein 
großer  Theil  der  lichten  Kalksteine  und  Dolomite,  deren  Einlagerung 
in  die  älteren  Schiefer  in  Süd-Steyermark  man  durch  ein  verwickel- 
tes System  von  Verwerfungen  und  Überschiebungen  zu  erklären 
versucht  bat-)  dürfte  dem  oberen  Kohlenkalke  zufallen. 


I 


4.    Abschnitt. 
Ende  bei  Szamobor.  —  Tergove. 

Gegen  Südost  nimmt  der  Reichthum  der  süd-steiriscben  Spath- 
eisensteinlager  zu,  Sie  erlangen  in  den  benachbarten  Theileii 
Kroatiens  und  der  Militärgrenze  eine  viel  größere  Bedeutung;  sie 
wiederholen  sich  mehrfach  über  einander  innerhalb  der  unter  dem 
Grödener  Sandstein  liegenden  Schiefer,  und  sind  in  den  meisten 
Fällen  von  Kupferkiesen  im  Hangenden  oder  im  Liegenden  begleitet. 

Das  merkwürdige  Land,  aus  welchem  ich  jetzt  einige  Beobach- 
tungen anzuführen  habe,  nämlich  der  südwestliche  Theil  Kroatien's 
sammt  dem  Gebiete  der  Banal-Grenz-Regimenter,  ist  in  Bezug  auf 
die  allgemeinen  Grundzüge  seines  geologischen  Baues  erst  im  Laufe 
der  letzten  Jahre  durch  Stur  genauer  bekannt  geworden*),  und 
wer  in  demselben  gereist  ist,  wird  dankbar  die  Aufopferung  unil  die 


1)   Rolle,  .].il>rl..  18")-,   VIII,   S.  420. 

3)    Zoll  i  koler,   Jiilirb.  185»,  X,   S.  207. 

3)   z.  B.  Züllikofer,  Jalnii.  Ibö9,  X,  S.  104,    lüg.  2. 

*)   Jahrl).  XllI,    18C3,   S.  485  —  523. 


268  Suess. 

AnsdaiRM'  anerkeiiiicii,  weU'lie  crfoi-derlieh  waren,  um  unter  (leii 
herrsclit'iiden  Verliälliiisseu  zu  einer  so  klaren  llbersieht  auch  der 
entlegensten  Theile  dieses  Gebietes  zu  gelangen. 

Das  Bergland  südlich  von  der  Save  besteht  aus  einer  von 
Westen,  aus  dem  Gebiete  des  Karstes,  herüberreichenden  Decke  von 
Ablagerungen  der  Kreidelbrmation,  insbesondere  Caprotinenkalk,  aus 
welcher  an  vielen  Stellen  die  Trias  hervorragt,  als  deren  Unterlage 
die  älteren,  sogenannten  „Gailthaler-Schichten"  sammt  den  Erzlagern 
erscheinen. 

Im  westlichen  Theile  dieses  weiten  Gebietes  wurde  zuerst 
durch  Foetterle  im  Jahre  1855  •)  näherer  Aufschluß  über  die 
ältesten  Gebirgsglieder  gegeben.  Diese  fallen  der  Steinkohlenforma- 
tion zu,  wie  durch  die  Auffindung  bezeichnender  Versteinerungen 
{Productus ,  Orthis  u.  s.  w.)  bei  Mrzla  Wodica  (0.  von  Fiume) 
gezeigt  wurde;  im  Sandsteine  bei  Fucsine  (S.  von  Mrzla  Wodica) 
fand  Foetterle  Pflanzenabdrücke.  Rother  Sandstein  und  Dolomit 
überlagern  das  ältere  Gebirge,  in  dessen  oberstem  Theile,  nahe  unter 
dem  rothen  Sandstein,  die  Schiefer  auf  eine  längere  Strecke  hin  Ein- 
lagerungen von  Brauneisenstein  umfassen.  —  Nördlich  von  diesen 
Punkten  ,  bei  Trstje  südlich  von  Csubar  (SW.  von  Gotschee)  fand 
Foetterle  Zinnober.  Nach  seinen  gütigen  Mittheilungen  findet  sich 
derselbe  hier  in  der  Gestalt  von  linsen-  bis  erbsengroßen  Körnern, 
welche  in  abgerolltem  Zustande  in  einem  fast  graubraunem  Sandstein 
enthalten  sind ,  welcher  dem  unteren  Theile  der  Werfener  Schichten 
zugezählt  wird. 

Ahnlich  verhält  es  sich  mit  der  Gliederung  des  Gebirges  weiter 
im  Norden  und  im  Osten. 

Wenn  man  von  der  durch  ihren  Reichthum  an  fossilen  Fischen 
bekannten  Eisenbahnstation  Pod-Sused,  westlich  von  Agram,  gegen 
Süd  quer  über  das  Savethal  nach  Szamobor  fährt,  wird  man  durch 
die  sanften  und  gestreckten  Formen  der  V  orhügel,  an  deren  Fuß  und 
Abhängen  das  Städtchen  liegt,  unwillkürlich  an  die  tertiären  Um- 
säumungen der  Gegend  von  Wien  erinnert.  Es  ist  jedoch  weißer, 
bröckliger  Dolomit,  welcher,  zu  runden  Umrissen  abgevvittert,  an 
dieser  Stelle  den  Rand  des  Gebirges  ausmacht.  Im  Orte  Szamobor 
selbst  ist  er  an  einer  Stelle  deutlich  geschichtet  und  fällt  nach  Süd. 

«)  .lahih.  VI,   S.  417. 


über  die  Äquivalente  des  Rothlieg-eiidon  in  den  Siidalpcn.  269 

Das  hier  inündende  Tlial  ist  ebeiil'alls  in  diesen  Dulüinit  ein- 
geschnitten und  erst  nach  etwa  andertliaibstiindiger  Wanderung 
erreicht  man  die  ersten  Spuren  der  älteren  Schieter,  nicht  lange 
darauf  den  Bergort  Rüde.  V  u kotin o  vi  c  ')  und  Stur  2)  haben 
Beschreibungen  der  Erzlagerstätte  von  Bude  verölTentlieht.  Man 
besitzt  ferner  eine  ausführliche,  schon  aus  dein  Jahre  1815  stam- 
mende Darstellung  von  Lemairc").  Als  ich  den  Ort  im  Herbste 
1867  besuchte,  fand  ich  das  Werk  aufgelassen  und  die  Anlagen  im 
Verfalle. 

Die  Spitze  des  Dreifaltigkeits-Berges ,  welcher  sich  an  der 
linken  Seite  über  der  Ortscliaft  Bude  erhebt,  stellt  sich  von»  Thale 
und  insbesondere  vom  jenseitigen  Gehänge  aus  als  eine  kegelförmige 
Masse  von  lichtem  Dolomit  dar,  welche  von  einem  grellrothen  Saume 
umgürtet  und  von  dem  dunkleren  und  sanfteren  Gehänge  des  tieferen 
Theiles  des  Berges  abgegrenzt  ist.  Es  ist  dies  wirklich  Trias-Dolomit, 
dessen  unterer  Theil  nicht  sichtbar  ist;  der  rothe  Saum  besteht  aus 
Grödener  Sandstein,  welcher,  an  einer  Fahrstraße  in  etwas  größerem 
Maße  aufgeschlossen,  ganz  wie  imVellachthale  nach  allen  Richtungen 
von  Gyps  dui'chdrungen  ist.  Unter  dem  rothen  Sandstein  scheint 
eine  wenig  aufgeschlossene  und  minder  mächtige  Lage  von  milderen, 
schwarzem  Thonschiefer  mit  zahlreichen  Glimmerschüppchen  zu 
folgen  und  unter  dieser  befindet  sich,  in  der  Nähe  der  Dreifaltigkeits- 
Kirche  ein  35  Klafter  langer  Stollen  auf  Eisen.  Das  Gestein,  in 
welches  derselbe  getrieben  wurde ,  ist  ein  dunkles  und  eisen- 
schüssiges Quarzconglomerat,  welches  seiner  Lage  wie  seiner  Be- 
schaffenheit nach  dem  Verrucano-Conglomerat  entspricht  und  zwar 
nam.entlich  jenen  eisenreicheren  Abänderungen,  welche  im  Vorarlberg 
häufig  sind.  Der  ganze  übrige  Abhang  besteht  aus  Schiefer  von  der 
gewöhnlichen  Beschaffenheit  der  Casanna- Schiefer.  Aus  diesem 
stammt  wohl  der  Pflanzenrest,  welchen  Stur  mit  einigem  Zweifel  zu 
Sigillaria  stellte  *). 


1)  Jahrb.  18ÖÖ,  VI,  Verh.  S.  166. 

2)  Jahrb.  1863,  XUf,  S.  490,  491. 

8)   Notice   sur    les    niines    de    cuivre    pyriteux    de   Zamobor;   Joiirn.    des  Mines,   vol. 

XXXVIII,  p.  33—36. 
*)   Lemaire    erwähnt  das  Vorkommen   von   Anlhr.Tcit   in   der  finibe,   und   stellt  aus 

diesem  (Jrunde  (im  .1.  1813J  die  Lagerstätte  von  Rüde  im  Alter  der  Steinkohle  des 

nördlichen  Frankreich  gleich  (p.  43,  öO). 


270  su.-.i. 

Die  wichtigsten  Baue  von  Uude  heiindeii  sich  näher  der  Thal- 
sohle, am  rechten  Gelihänge  gegeiüiher  vom  Dreilaltigkeits-Berge. 
Sie  wurden  eine  Zeit  lang  auf  Kupfer,  zuletzt  auf  Eisen  hetrieben.  Es 
sind  drei  Stollen  über  einander  vorhanden.  Der  tiefste,  Wlasiestollen 
lieferte  etwas  Gyps,  Eisen  und  das  meiste  Kufd'er,  namentlich  aus 
seinen  drei  Schächten  Barbara,  ^laria  und  Joseph;  der  nächsthöhere 
Dreifaltigkeitsstollen  lieferte  Gyps  und  Eisen;  der  höchste  KokeU 
Stollen  gab  Gyps  und  schlechtes  Eisen.  Die  vorhandenen  Gruben- 
karten geben  als  Hauptstreichen  bor.  13-6,  mit  dem  Vertlächen 
48  SW.  an:  die  Profile  der  Grubenkanzlei,  in  welche  mir  die 
Einsiclit  gewährt  wurde,  geben  bei  reclilsinnisch  mit  dem  Ah- 
hange  vertlächenden  Schichten  im  Hangenden  etwas  Kalk,  unter 
diesem  das  Gypslager,  das  Lager  von  Spatheisenstein,  in  seinem  Lie- 
genden von  Kupferkies  begleitet  und  unter  diesem  die  Grauwacke  an. 
Den  Hangendkalk,  welcher  der  unteren  Trias  angehören  müßte,  habe 
ich  nicht  gesehen,  dagegen  wenigstens  in  den  oberen  Stollen,  bemerkt, 
daß  sie  unmittelbar  in  dem  Gypslager,  nämlich  im  Grödener  Sand- 
stein, angeschlagen  sind.  Das  Spatheisensteinlager  selbst  enthält 
zahlreiche  große  und  kleine  Gerolle  von  Quarz  und  Kieselschiefer 
und  entspricht,  wie  am  Dreifaltigkeits-Berge,  dem  Verrueano.  Nach 
einer  gütigen  Mittheilung  des  Herrn  Directors  Schönbuch  er  in 
Tergove,  welcher  durch  lange  Zeit  in  Rüde  beschäftigt  war,  befindet 
sich  jedoch  in  dem  sogenannten  Grauwackenschiefer  noch  ein  zweites 
tieferes  Lager  von  Spatheisenstein  und  Kupferkies,  welches,  da  die 
Schichten  gegen  die  Teufe  sich  aufrichten,  vielfach  als  ein  Erzstock 
aufgefaßt,  aber  noch  nicht  in  größerem  Maße  abgebaut  worden  ist. 

Die  zu  Tage  sichtbare  Schichtfolge  am  Dreifaltigkeits-Berge,  so 
wie  die  vorliegenden  Erfahrungen  aus  der  Grube  stimmen  also  auf 
eine  befriedigende  Weise  überein,  und  es  ist  sicher,  daß  die  Spath- 
eisensteinlager von  Rüde  nicht  weit  unter  dem  Grödener  Sandstein 
liegen. 

Einem  ähnlichen  oder  ein  wenig  tieferen  Horizonte  gehören  die 
Eisenerze  zu  Topuszko  an  der  Petrova  gora  an,  welche  nach  Stur 
(S.  499)  den  Gailthaler-Schichten  eingelagert  sind.  Auch  in  diesem 
Gebirge  entdeckte  Stur  Spuren  von  Ptlanzenabdrücken  in  den 
Schiefern.  Ich  habe  diese  Stelle  nicht  besucht. 

Der  weiteren  südöstlichen  Fortsetzung  dieser  Vorkommnisse 
gehören  die  reichen  Erzlagerstätten  der  Umgebung  von  Tergove  in 


ri)iT  die  Äquivalente  ties  Rothliegeiiduii  iii  den  Siid;iliieii.  27  1 

der  Militärgreiize  (II.  Banal-riegimeut)  an,  welche  Vukotiiio vic 
schon  im  Jahre  1855  der  Lagerstätte  von  Rüde  dem  Alter  nach 
gleichstellte. 

Lipoid  gab  im  Jahre  I806  <)  eine  Beschreibung  des  außer- 
ordentlichen Reichthumes  dieser,  wie  er  damals  schon  richtig  er- 
kannte, in  die  „Gailthaler-Schichten"'  eingeschalteten  Lagerstätten, 
über  welchen  nach  seiner  Angabe  der  rothe  Sandstein,  der  Werfener 
Schiefer  und  Triaskalksteine  auftreten.  Kupfererze,  Bleiglanz,  Fahlerz 
und  insbesondere  Spatheisenstein  sind  es,  welche  diese  Lager  aus- 
machen. 

Im  Jahre  1863  lieferte  Stur  2)  eine  ausführlichere  Schilderung 
dieser  Vorkommnisse,  in  welcher  Lipoides  Angaben  über  die  Lage- 
rung bestätigt  und  viel  weiter  ausgefülirt  wurden. 

Ein  kurzer  Aufenthalt  in  Brslinac  bei  Tergove  hat  mir  durch 
die  zuvorkommende  Führung  und  vielfache  Miltheilungen  des  Werks- 
directors  Herrn  Schönbucher  so  eigenthümliche  Bestätigungen 
der  in  anderen  Theilen  der  Alpen  gemachten  Beobachtungen  über  den 
wahren  Horizont  der  Thonglimmerschiefer  gebracht,  daß  ich  dieser 
Gegend  eine  ausführlichere  Besprechung  widmen  muß. 

Von  Sissek  über  Petrinia  und  von  dort  über  Jakubevac  und 
Makovo  nach  Süden  reisend,  erlangt  man  am  Ende  des  großen  Samarica- 
Waldes,  am  Rande  eines  langen  und  ziemlich  steilen  Abfalles,  uner- 
wartet eine  weite  Fernsicht  über  die  Grenzgebirge  und  die  zunächst- 
liegenden Theile  Bosnien's.  In  der  Tiefe  des  Vordergrundes  liegen 
dunkle  und  gedehnte  Rücken,  welche  die  Thäler  des  Zirovac- 
Baches  bei  Tergove  und  der  Unna  bei  Novi  undDvor  verbergen;  über 
ihnen  hebt  sich  weithin  sichtbar  eine  lichte  Ebene,  aus  welcher  in 
großer  Feine  in  edlen  Formen  ein  Hochgebirge  aufragt,  welches 
man  hier  mit  dem  Gesammtnamen  Rissovac  zu  bezeichnen  pflegt; 
rechts  von  demselben  (gegen  Süd-West)  sieht  man  die  schroffen  Ab- 
stürze der  Liccaner  Alpen,  zwischen  diesen  und  dem  Rissovac  in 
größerer  Entfernung  eine  dritte  Gruppe  von  liohen  Bergen.  Die  öst- 
lichen Ausläufer  des  Rissovac  werden  von  einer  sehr  hohen,  ziemlich 
isolirten  und  weit  entfernten  Pyramide  überragt.  Gegen  Südost  ver- 
liert sich  die  Ebene  in  blauen  Duft  und  werden  nur  die  sanfteren 
Umrisse  niedrigerer.  Berge  bemerkbar. 

1)  Jahrb.  VIl.  Verh,  S.  848—830. 

2)  Jahrb.  XIII,  S.  302 -SOS. 


272 


S   U   <!  S  S. 


Dieser  sialliche  Abl'all  der  Sainari(;a  besteht,  wie  Stur  riclitii>- 
bemerkte,  aus  steil  iiacb  Norden  geneigtem,  gb"nimerreieheii  Flysch, 
welcher  Fiicoiden,  die  bekannten  hibyrinthCürmigen  Zeichnungen  und 
tropfenförmigen  Wülste  auf  den  Schielittlächen  zeigt.  Im  unteren 
Theile  des  Abhanges  ragt  in  sehr  auffallender  Weise  eine  Anzahl 
kleiner  felsiger  Klippen  aus  dem  Boden  liervor,  welche  aus  Grünstein 
bestehen.  Sie  gehören  einem  gru(J»en  Zuge  von  Serpentin  und  einem 
dunklen  Grünstein  an,  welcher  von  Stur  (S.  5ü9)imLjeskovac-Thale, 
westlich  von  dieser  Stelle,  beschrieben  wurde,  und  den  ich  auch 
weiter  im  Osten,  längs  der  türkischen  Grenze,  etwa  eine  Stunde  süd- 
lich von  Kostaiiiica  traf.  Dort  greift,  in  einer  Breite  von  etwa 
3/4  Meilen,  weißer  Leitliakalk  mit  Spondyl.  crassicosta  und  Ostred 
crassicostuta  von  Bosnien  nacii  Österreich  herüber,  in  regelmäßigen 
weißen  Bänken  längs  der  Unna  den  schwarzen  Serpentinritfen  unmit- 
telbar aufgelagert,  und  zieht  sich  bis  au  A^w  Südrand  der  Samarica 
herein,  wo  die  Buine  Pedail  noch  auf  weißem  Nulliporenkalk  (mit 
großen  Steinkernen  von  Conus)  erbaut  ist. 

In  der  Richtung  von  Rujeva^  abwärts  gehend,  trifft  man  auf 
eine  große  Mannigfaltigkeit  von  Gesteinen;  Stur  hat  in  dieser  Ge- 
gend Kreideschichten  mit  Inoceramns,  rothe  Kalkmergel  mit  Apty- 
c/ius  und  Werfener  Schiefer  unterschieden.  Alle  diese  Schichten 
zeigen  eine  sehr  veränderliche  Neigung  und  verrathen  eine  Störung, 
welche  in  der  Bichtung  des  Hauptstreichens  durch  das  Gebirge  läuft. 
Dem  Thalgrunde  etwas  näher  schließt  sich  an  diese  Vorkommnisse 
eine  Reihe  von  gerundeten  Kuppen,  welche  in  wirrem  Gemenge  ge- 
wundene Schiefermassen  und  zerrissene,  stellenweise  vor  Jahren  in 
Abbau  gewesene  Putzen  von  Eisenstein  und  Kupfererzen  enthalten. 
Erst  südlich  von  diesen  Kuppen,  im  Thale  desZirovacbaches  stellt  sich 
ein  allgemeines  und  gleichförmiges  Fallen  der  Schichten,  und  zwar 
gegen  Süd -West  ein. 

Der  Zirovac-Bach  mündet  bei  Podove  (Dvor)  in  den  Grenzfluß 
Unna;  seiner  Thalfurche  gehören  die  Ortschaften  Tergove  undBrslinac 
an.  Das  Tergovaner  Erzgel)irge,  wie  wir  es  nennen  wollen,  wird  diurh 
diesen  Bach  gegen  Nord  von  der  übrigen  Landschaft  abgetrennt  und 
stellt  sich  von  Norden  her  als  eine  aus  dunkeln,  bewaldeten,  zusammen- 
hängenden Bücken  gebildete  Masse  dar,  welche  sich  nur  wenige 
hundert  Fuß  über  das  Thal  erhebt.  Eine  Kuppe  im  Westen  trägt  die 
Schloßruine    Gvozdansko.    Der   vordere   Theil  der  Abhänge  besteht 


i'lifi   ilif  Ai|iii\:ilciilc  dr.s  Rofliliryciidfn  in  rliMi  Sii(l;iliirn  273 

giiiiz  aus  (k'ii  or/fiiliiciMlcii  (icldidcii  und  den  Lagei'ställiMi.  Die  lic- 
iVrcii  Italien  lallen  clwa  iiiil  iO  .^iiducstlicl),  die  liuliereii  sleiler  bis 
zu  (i'i,  \\(diei  jedoeli  aueli  diese  li("dieren  in  der  Teul'e  in  llaehere 
Las^eruni;  ülx  ryelieii :  g<\i>eii  Süd  ersidieint  aueli  eine  (irujipc  von 
('nt<;en('nselzf  (Nurd-Ost)  lallendeii  Ijaf-ern.  welelic  vielleicht  als  die 
Gegenniit-c!  der  höheren  Lag'er  aulzufasseii  sind.  Endlieh  treten  im 
Hangenden  einztdner  Theile  des  Gebirges  die  von  Stur  nachgewie- 
senen (Glieder  der  Triasl'urniation  aul". 

(icgen  Ost  wird  das  Erzgebirge  von  der  Unna  durclisehnilteii 
und  tindet  seine  Fortsetzung  auf  türkischem  Gehi<>te  l)ei  IVovi;  höchst 
wahrscheinlich  zieht  es  sich  noch  sehr  weit  in  das  türkische  Gebiet. 

Das  (iebirge  besteht  aus  Schieler,  der  bald  gntßtlaseriger  Thon- 
glimmerschiefer,  bald,  und  namentlich  in  den  höheren  Schieiilen 
schwarzer  'l'lHHiscIiiel'cr  mit  Glinunersc!iü|i[)chen  ist;  zuweilen  ent- 
hält er  kleine  Sandsteinlagen  oder  nntergcürdnete  liänke  von  rein- 
körnigem  grauem  Conglomerat.  Im  tiefsten  Theile  sind  mehrere  Kalk- 
lager vorhanden.  Die  eingeschalteten  Lager  bestehen  hauptsächlich 
ans  Spatheisenstein  und  Quarz,  doch  kommen  iu  einzehien  Horizonten 
auch  Kupferkies  und  Bleiglanz  in  größerer  Menge  vor.  Der  erstere 
scheint  keinem  der  Lager  gänzlich  zu  fehlen  und  zeigt  sich  in  der 
Weise,  daß  er  ein  Band  im  Hangenden  und  im  Liegenden  oder  auch 
nur  an  einer  Seite  des  Lagers  bildet  und  nur  selten  im  Quarz  in  der 
Mitte  des  Lagers  erscheint.  Die  Lager  selbst  nehmen  durch  stellen- 
weise Contractionen  die  Gestalt  von  flachen  und  zusammenhängenden 
Linsen  von  großer  Ausdehnung  an,  welche  jedoch  an  bestimmte  Hori- 
zonte gebunden  sind  i). 

Das  tiefste  Glied  des Tergovaner Erzgebirges  bildet  einFlötz  von 
grauem  Kalkstein  und  eisenhaltiger  Rohwand,  gegenüber  Germosany 
(Turski  potok);  die  entblößte  Mächtigkeit  beträgt  bis  150  Klafter, 
dasselbe  ist  40°  weit  von  einem  Stollen  durchquert.  Unmittelbar  auf 
diesem  Kalkstein  ruht  .das  Eisenerzlager  von  Todorovico  Brdo. 
Turski  potok  und  Liccarovac  ;  als  südliche  Fortsetzung  desselben 
Lagers  sind  die  Kupferkiesvorkommnisse  von  Mirkovic  Potok  anzu- 
sehen. Über  diesem  Lager  folgt  etwas  Schiefer,  dann  Roh  wand  und 
auf  dieser  der  Victoria-Eisenerzzug.  mit  einem  Lager  V(ui  Kupferkies 
im  Hangenden;  hier  kamen  Krystalle  von  Bleiglanz  vor. 

')    Die    naiiifolgendcn   Angilben    stiiUeu   sich   hiiuptsüehlich   auf  die    Krlaliiiingcn   des 

Herrn  Dir.  S  e  li  ö  n  h  ii  c  h  e  r. 
Sit/.h.  d.  matliein.-n.itinw.  11.  I.VII.  Kd.  I.  Ahlli.  18 


274  Sirt'ss. 

AhrniiaLs  l'olgl  i'lwiis  Um  her  Srliii-lt-r,  dann  eine  neue  00 — 70 
Maller  mäehtige  Masse  von  Uoinvand  und  schwarzem  Kalk  niil  weissen 
Adern,  und  unmittelhar  auf  diesen  das  Erzlager  von  Jokimpotok, 
V^ineeuzi,  Harhara,  Koszavinograd,  der  Jnliusbau  (als  Kupferkiesbau 
im  Hangenden  des  Kisensteines),  Guhovac  und  Katlinovac.  —  An 
diese  Schichtfolge  seiilielJ»!  sieli  zimäelist  ein  im  Graben  von  Brslinac 
entldilßtes  I*rolil  an,  und  zwar  erselieiul  nun  Schiefer  mit  einem 
kleinen  Kujd'erldatle  und  einem  mäehligen  Eisenerzlager  im  Han- 
genden. Daraul'  folgt  ein  weiteres  Eisenerzlager,  das  in  seiner  nörd- 
lichen Fortsetzung  beiSamardia  sich  als  ein  von  Kupferkies  begleiteter 
Sjiatheisensteinzug  darstellt.  Ein  verwittertes  Kieslager  liegt  darüber 
und  auf  der  Höhe  des  Jovico  Brdo  und  der  Sestina  Kossa  folgt  ver- 
willerter  Spatheisensleiu. 

In  dem  überlagernden  Schiefer,  einem  großflasrigen,  nicht  eben- 
tliichigen,  von  einzelnen  feinsaiidigen  Schmitzen  durchzogenen  glim- 
merigen Tlionschiefer  ist  es  mir  gelungen,  eine  Anzahl  bestimmbare 
Ptlanzenreste  aufzutinden,  über  welche  weiterhin  berichtet  werden 
wird.  Der  Fundort  liegt  unweit  Vdu  der  Rezanovic-Mühle,  südlich  vom 
Dorfe  Gvozdansko,  am  Westahliange  des  früher  erwähnten  Schloß- 
berges gleichen  Namens,  welcher  zu  dem  Höhenzuge  der  Sestina 
Kossa  gehört  •).   Das  Streichen  ist  hier  hör.  20,  Verfl.  50     in  W. 

Höher  folgen  mehr  ebentlächige,  nie  sandige,  mit  Glinnner- 
schüppchen  bedeckte  und  in  der  Teufe  dunkle  Schiefer  ohne  Ver- 
steinerungen und  in  ihnen  das  reiche  Lager  von  Gradzki  Potok,  das 
Hau|dlager  vou  Kupferkies,  auf  welches  eben  der  neue  Tagschacht 
niedergebracht  wird.  Es  enthält,  wie  gesagt,  verhältnißuiäßig  das 
meiste  Kupfer,  doch  kommen  auch  Bleiglanz,  Eisenstein  und  Quarz  vor. 

Noch  über  diesem  liegt  als  Hängendstes  das  Ferdinandi- 
Lager,  in  welchem  die  alten  Baue  des  15.  und  16.  Jahrhunderts 
umgiugen;  es  besteht  aus  silherhälligem  Blei,  dann  aus  Kupferkies 
und  Spatheisenstein. 

Die  Fthuizenreste  iu  dem  memhranösen  Tlionschiefer  von  Gvoz- 
dansko zeigen  keine  Spur  von  kohligen  Stolfen,  sondern  sind  nur  als 
zarte  Gerippe  von  Schwefelkies  zwischen  den  Flasern  des  Schiefers 
sichtbar.  Größere  Stämme  sin(t  selten:   auch  bei  ihnen  ist  die  kohlige 


')    Die  Kupfererze   von  (Jvo/.ilniisko  winden  .selion  von  il;ic'i|net   beschrieben.    Oryc- 
togr.  Carniol.  IV,   S.  14  u.  Col^. 


nbor  ilic  Äqiiiviilf'iite  des  Rotliliepreridcn  in  den  Siidalpeii.  27ö 

Hülle  vollkommen  entfernt  und  ein  Netz  von  Schwefelkiesleisten  ver- 
riitli  die  einstigen  Sprünge  und  Spalten  in  derselben. 

iJie  ersten  Stücke,  welche  ich  an  dieser  Stelle  auflas,  schienen 
zuei  Arten  des  Rothliegenden  und  eine  Art  aus  der  obersten  Zone 
der  Sleink(ddenfonnalion  anzudeuten.  Seitherige  Aufsamnilungen 
haben  Stur  in  die  Lage  versetzt,  diese  Flora  mit  Bestimmtheit  dem 
obersten  Vegetationsgürtel  der  Steinkohlenformation  gleichzustellen ') ; 
diesem  Resultate  hat  sich  Prof.  Geinitz  angeschloßen.  Nach  diesen 
letzten  Untersuchungen  kennt  man  von  Tergove  folgende  Arten: 

Cnlamites  Suckoivl  B  r  o  n  g. 
Neuropterk  anriculata  B  r  o  n  g. 
Alethopteris  uqtiilina  Schi. 
Stif/maria  ficoidcs  Brong. 

Von  diesen  bedecken  insbesondere  die  Reste  der  Neuropteris 
anriculata  mi  sehr  großer  Menge  die  Flasern  des  Schiefers;  ihre 
Ähnlichkeit  mit  Odontopteris  ohtnsiloba  Na  um.  hatte  früher  Dyas- 
pflanzen  in  Tergove  vermuthen  lassen. 

Der  erzführende  glimmerreiche  Thonschiefer  von  Gvozdansko,  der 
Liegendschiefer  von  Rüde,  welcher  dort  unter  den  Äquivalenten  des 
Verrucano  und  dem  Grödener  Sandstein  liegt,  und  mit  ihm  der  Thon- 
glimmerschiefer  oder  Casanna-Schiefer  des  gesammten  südlichen 
Abhanges  unserer  Alpen  umfaßt  somit  die  höchsten  Abtheilungen  der 
Steinkohlenformation ;  ob  diese  große  Gruppe  stellenweise  auch 
Theile  der  Dyas  in  sich  begreife,  werde  ich  an  einer  später  folgenden 
Stelle  zu  erörtern  haben.  Die  Thatsache  aber,  daß  die  Flora  des  erz- 
führenden Schiefers  von  Tergove  einem  höheren  Horizonte  angehöre, 
wie  jene  der  Stangalpe,  entspricht  nicht  nur  vollständig  den  Lage- 
rungsverhältnißen  des  erzführenden  Thonglimmerschiefers  in  anderen 
Theilen  der  Alpen,  sondern  gibt  zugleich  volles  Zeugniß  für  die 
Wichtigkeit  der  im  Laufe  der  letzten  Jahre  in  Bezug  auf  die  Gliede- 
rung der  Steinkohlenformation  erreichten  Resultate.  Die  tieferen 
Flötze  von  Kalk  und  Rohwand  bei  Tergove  entsprechen  ihrer  Lage 
nach  dem  oberen  Kohlenkalke,  welcher  sich  an  mehreren  Punkten 
in  eine  Anzahl  getrennter  Kalklager  zu  scheiden  scheint. 


<)  .lahil).  1868.  XVIII,  S.  l.'iS. 

18* 


270  sues.s. 

Kiir  die  etwaige  Aiiiialime ,  (lalA  mit  dem  tiefsten  Kalktlol/  liei 
Germosaiiy  auch  schon  der  milere  K(dileiikalk  erreicht  sei,  hegen  vor- 
hiudg  keine  Beweise  vor. 

V^om  Hangenden  der  er/l'iihrenden  (iehihle  liahe  ich  nur  jenen 
Tlu'il  gesehen,  weh'her  hings  der  liirkisehen  Grenze,  gegenüher  von 
Novi  an  der  Unna  enthliißl  ist.  Slur  hat  eine  Beschreibung  dieser 
Stelle  gegel)en.  Der  hellt  riilhliehviolette ,  mihle  Schiefer  und  die 
Bänke  von  röthhchvioh'ltem,  auch  grauem  Kalk  mit  weißen  Adern, 
welche  ich  hier  sah,  und  welche  jenen  vollktmunen  gleichen,  die 
ii.irdlicli  von  Rujevac  in  der  Nähe  von  Griinstein  anstehen,  wurden 
von  meinem  Vorgänger  an  beiden  Stellen  zum  W'erfener  Schiefer  ge- 
zählt. Mich  erinnerten  diese  (Jesteine  einigermalkn  an  jene,  welciie 
in  der  Nähe  der  QuecksilhergruheM  bei  Kappel,  also  unter  dem  Grö- 
diiier  Sandstein  liegen;  da  jedoch  Stur  unweit  davon  i1/;y^/c.  Fas- 
saeiisis  antraf,  wird  wohl  die  Auffassung  als  Werfener  Schiefer  die 
richtige  sein. 

Es  ist  eine  unter  den  Fachmännern  dieser  Gegend  verbreitete 
Ansicht,  datJ»  die  zahlreichen  Vorkomnmisse  von  Eisen  und  Kupfer 
welche  in  südöstlicher  Richtung  durch  einen  so  grollen  Theil  von 
Bosnien  hin  bekannt  sind,  z.  B.  bei  Stari  Majdan,  Banyaluka,  zwischen 
Travnik  und  Serajevo  (Busovac,  Fojnica,  Kresevo,  Visoka  u.  s.  f.) 
als  die  Fortsetzung  der  Lagerstätten  von  Rüde,  Topuszko  und  Ter- 
gove  anzusehen  seien.  Es  gilt  mir  als  eine  Bestätigung  dieser  Ansicht^ 
daß  auch  Quecksilber  in  beträchtlicher  Menge,  hauptsächlich  in  den 
Bergen  von  Inatsch  l)ei  Kreschewo  (w  esllieh  von  Serajewo)  getrofl'eu 
wird  ')  und  daß  man  auch  den  rothen  Sandstein  aus  dieser  Gegend 
kennte). 


Ij  Conra.l,  »«'rieht  a.  d.  kais.  tüik.  Minist,  tl.  ofl'.  Arbeiten  v.  31.  Mai  1866;  leider 
mir  im  Aii.sznge  ahgednicki  in  d.  Ann.  d.  Miiies,  VI  Ser.,  t.  X,  p.  593;  Blau  in 
Zeitschr.  d.  Ges.  f.  Krdknmle  /.u  Berlin,  1867,  II,  S.  SOGi  vgl.  auch  Wolf.  An- 
sichten iib.  d.  geogn.  Mont.  Vei'hiillnisse  Bosnien'«  ;   8".    Ciran,  1847.  S.  l'l.  18. 

2j    R(iskiewicz,   Studien  üh.  Bosnien  u.  die  Herzegowina,  8**,  1868,   S.  146. 


Dübi'arz 


Siiels-  Siidnlli''" 


..^^äa^icfc.. 


Air       y, 


Fig.i.  Torrente  JVlaso  be.Jßorgo    (YJl  ^ugana) 


l  d  k  kHofii  ,!t»Maam?l«r( 


iiu'kIi  ilkAkiiil  d.W.iMHlii  rniturv  11  L\TI.Ji(i.i  Ahth.lSfiS 


Suels  Sii(i.il|if 


llrinsilir'mi;  limbn 


i\  ulAiU^^i-^-Ä^-^^^^^— V 


Krsles  Harnfmerk 


feL 


riji'Yeflarh-ThaUe,  Jfappel 


A^/''''obrAri 


J^- 


rig2,  JälicH  .0.T,  Oiischawa-parse  g.|.nOsl 


♦ 


Üliei-  ilie  Äi|iii\  ;ili-ti(e  des  RnÜilieg-cnilcii  fn  den  SiiHjilpen.  277 


E  r  k  1  ä  1-  u  n  g    der    Tafeln. 


Tafel  I. 
L  Fig^.     i.  Profil  des  Torrenio  Mitso  Im  Val  Sugana. 

„       2.    Wiuiliseher  Graben  Ix^i  Bleyberg. 

■  Tafel  II. 

„      i.    Profil  des  Vellachlhales. 

„      2.   Blick  vom  Ousehowa-Passe  gegen  Ost. 


27(S  Kl.  (M-. 


IJhev  Conchopoma  gadifoime   nov.  (jen.  et  spec.   und  Acan- 

lliodos  ((UH  (lern  Itothliegeiuhn  (der  untern  Dyas)  von  Lehach 

/jei  Saarbrücken  in  Rheinpreussen. 

Von  dem  w.  M.  Prof.  Dr.  Rud.   Kner. 

(Mit  8   lithogiiiphirten  Tafeln.) 

Aii«>ertgt  diircli  das  Interesse,  welclies  mir  im  verflossenen 
.lüliif  das  Sludium  des  Xefiaca?ithus Decheni  ^(iw'ähiia,  von  welchem 
die  kostbarsten  Stücke  sich  in  den  Thoneisenstein-Nieren  von  Lebach 
bei  Saarbrücken  vorfanden,'  begab  ich  mich  während  der  letzten 
Ferien  nach  Saarbrücken,  theils  um  den  Herren  Doctoren  Jordan 
und  Weiss,  die  mit  seltener  Zuvorkommenheit  und  Bereitwilligkeit 
mir  ihre  Schätze  zu  wissenschal'tliclier  Verfügung  stellten,  persönlich 
meinen  wärinslen  Dank  auszusprechen,  theils  um  ihre  reichen 
Sammlungen  vollständiger  kennen  zu  lernen  und  mir  dadurch  ein 
umfalMMuleres  Bild  der  fossilen  Fischfauna  jener  Gegend  zu  ver- 
schallen. Indem  mich  die  genannten  Herren  in  der  liebenswürdigsten 
Weise  aufnahmen,  gestatteten  sie  mir  nicht  nur  volle  Einsicht  in  ihre 
Samndnngen,  sondern  auch  die  Auswahl  jener  Exemplare,  die  mir  für 
meine  Studien  besonders  geeignet  schienen,  und  die  sie  mir  zu  diesem 
Beliufe  nach  Wien  zu  senden  sich  gütigst  bereit  zeigten.  Die  Ergeb- 
nisse dieser  Studien  und  Untersuchungen  bilden  nun  den  Inhalt  der 
Arbeit,  welche  ich  hieniit  vorzulegen  die  Ehre  habe.  —  Sie  umfaLU 
zwar  mir  zwei  Gattungen  von  Fischen  und  eine  Arthropoden-Gattung 
aus  derClasse  der  IMyriopoden'),  dürfte  aber  gleichwcdd  keinen  werth- 
Inscn  l>t'i!iag  zur  Kenntniß  der  fossilen  Fauna  {\{'s  Bolhliegenden  von 
BlicinpreMssen  liefern.  —  Die  Galtungen  Anih/i/jtferus  und  Rhab- 
doU'jtis  liflJi  ich  V(U'sätzIich  unberücksichtigt,  da  sie  in  ihren  wesent- 
licluMi  Mcrknialcn  scIkmi  bekannt  und  auch  von  Pi-of.  Troschel 
im  \l\.  .laliruam;«'   der  \  crl dl.  d.   naiurf.  Ver. .   Nene  Foljje  IV   in 

1)   Li'»7.lfre   iiberlie(.\   icli  ii;icliliilyliili  llfirii    Hr.  Di.iiiii    Jii    .li'ri;i   aiil    dessen  Wunsch 
zur  Ifcailipitniij^.  im  Kinvt'istiindnil^   mi(  Hi-nri   Dr.  Jonian. 


\ 


über  Conchopoma  f/adiforme  nov.  g-en.  et  spec.  und  Acanthodes  etc.        !2  /  9 

dessen  Benbaelitunijeii  über  die  Fische  in  den  Eisennieren  des  Saar- 
brückner  Steinkohlengebirges  besprochen  und  theihveise  abgebildet 
wurden,  obwohl  sich  allerdings  in  der  Sammlung  des  Herrn  Dr. 
Jordan  noch  Exemplare  vorfinden,  die  namentlich  über  die  Bezah- 
nung  noch  genauem  und  schönern  Aulschluß  gewähren,  als  dies 
durch  Prof.  Troschel  (s.  Tat".  II,  Fig.  14—17  1.  c.)  geschah.  Vor 
allem  glaube  ich  aber  nachträglich  zu  meiner  Arbeit  über  Xenacan- 
tJuis  (Aprilheft  der  Sitzungsber.  d.  kais.  Akad.  d.  Wissensch.  1867) 
anluhren  zu  sollen,  daß  ich  bei  Herrn  Dr.  Jordan  ein  Exemplar 
von  Xenacnnthus  sali,  welches  mir  über  zwei  mir  nicht  klar  ge- 
wordene Verhältnisse  erwünschte  Auskunft  gab.  Erstlich  zeigt  es 
das  Auge  vollständig  in  der  Seitenansicht,  während  alle  mir«<rüher 
zugänglich  gewesenen  Exemplare  selbes  nur  mehr  errathen  als 
erkennen  ließen  und  ich  entnahm  daraus,  daß  es  genau  an  der  ver- 
mutbeten Stelle  liege,  aber  durch  oblonge  Form  der  Augenlidspalte 
ganz  an  das  Auge  der  Squaliden  mahne;  zweitens  ersah  ich,  daß 
den  Gaumen  unterhalb  des  Auges  wirklich  eine  Zahnbinde  besetzt 
halte,  welche  ganz  ähnlich  geformte  Zähne,  wie  die  der  Kiefer  enthält. 
Indem  ich  mich  nun  dem  Inhalte  der  vorliegenden  Arbeit  zu- 
wende, beginne  ich  zunächst  mit  der  neuen  Gattung,  für  welche  ich 
auf  Grund  der  Form  der  Deckelstücke  den  Namen  Conchopoma 
vorschlage  und  die  ich  zuerst  in  zwei  kleineren  Exemplaren  kennen 
lernte,  welche  mir  durch  die  Güte  des  Herrn  Dr.  Weiß  noch  vor 
den  Ferien  zugesendet  wurden,  die  sieb  aber  derzeit  nicht  mehr  in 
meinen  Händen  befinden.  Ich  schicke  die  Beschreibung  der  einzelnen 
Individuen  voraus,  da  sich  der  Charakter  und  das  Gesammtbild  der 
Gattung  erst  aus  ihnen  ergibt.  Im  Vergleich  zu  den  übrigen  Gattungen 
dieser  Formation ,  zu  AmbJypteriis ,  Rhabdolepis ,  Acanthodes  und 
Xenacanthns  scheint  sie  im  Ganzen  daselbst  viel  seltener  vorzu- 
kommen .  findet  sich  aber  nach  brieflicher  Mittheilung  von  Dr. 
Weiß  außer  Lebach  auch  in  Schwarzenbach  (am  nördlichen  Flügel 
der  Hauptmulde  des  Saarbrückner  Kohlenrevieres)  vor,  von  wo  aber 
auch  Herrn  Dr.  Weiß  nur  drei  Exemplare  bekannt  wurden. 

Gatt.   Conchopoma  nov.   gen. 

Die  ersten  mir  durch  Dr.  Weiß  zugesandten  Exemplare  dieser 
Gattung,  die  wie  alle  übrigen  iji  den  bekannten  Eisensteingeoden 
eingeschlossen  waren,  zeigten  in  der  Seitenansicht  von  links  zwei 


2 (SO  K  n  ..  ,. 

Iii(li\  itliiL'ii  vuii  iiiihodt'iilt'riiU'i'  (IitilJii'  (iiid  iiiinlfii'lieiii  Erlialliiiigs- 
/.iisIiiimIo:  das  f]frößeiv,  niiiulcr  g;iil  crliiiltoiit'  m;i(J»  fast  7  Wr.  Zoll, 
das  kleinere  mir  G"  ['".  Am  erstereii  leldle  /um  Thcile  der  Kopl'  und 
das  Ende  des  Selnvanzes,  MÜhrend  das  kleinere  Itis  znr  Seliwanz- 
s|iilze  erlialten  war.  Die  K(t(>Hiinge  Itetrng  '/,,  der  (iesamnillänge. 
die  K»»|d*lii(lie  war  nur  wenig  geringer  als  die  Länge,  die  Schnauze 
stark  gewiditl,  {\vr  Mund  endsländig  mit  gleich  langen  Kiefern,  aber 
ni(dil  erkennitarer  \\  eite  der  Mnndsjialte.  Vdii  der  Mitte  des  oberen 
Mnndrandes  ragten  5 — G  leine  gerade  koniselie  Spitzzähne  vor  und 
es  war  w alirseiieiidieh ,  daß»  aueli  der  Gaumen  und  die  Seiten  der 
Kieler  mit  mehreren  Reihen  oder  IJinden  von  Zähnen  besetzt  waren, 
da  sieb  zahlreiche  l'jndrüeke  stnmi)ler  Zäline  erkennen  lie(.V'n,  doch 
waren  weder  die  IJezahnung  genauer  zu  ermitteln,  noch  auch  das 
Auge  und  die  übrigen  Verhältnisse  {]{'s  Kopfes  und  seine  Hedeekung. 
Dagegen  zeigten  die  muthmalMiehen  Deekelslücke  im  scharfen  Ab- 
drucke die  aulTallend  muscbelälinlielie  Form,  auf  welche  der  gewählte 
(Gattungsname  sich  bezieht.  Ks  hatten  sich  zwei  solcher  muschel- 
äliidicher  Stücke  von  ungleicher  (irfd^e  und  in  verschiedener  Stellung 
;ibgf(lni('kl.  Das  gröiJtere,  mit  dem  Wirbel  nach  aufwärts  gerichtete 
Stück,  der  wahrscheinliche  Hauptdeckel  zeigte  nicht  blos  im  UmritJ» 
ganz  die  Korni  einer  Musebelklappe ,  sondern  auch  die  0j)erfläche 
durch  ('(»nccntrisclie  Zuwachsstreifen  nebst  feinen  dicht  gesäten 
K(inicrn  und  (J rübchen  uneben.  Hinter  diesem  großen  muschel- 
iVirmigen  Deckel.slücke  lag  etwas  höher  ein  ganz  ähnlich  geformtes 
viel  kleineres,  jedoch  mit  na<'b  abwärts  gerichtetem  Umb(».  Umnittcl- 
bar  hinter  letzterem  lolgte  der  breite  und  stai'ke  Schultergürtel,  an 
welchen  sich  etwa  in  lialber  Höhe  eine  breite  vielstrahlige  Brust- 
llosse  anlegte,  die  jedoch  nur  theilweise  zu  erkennen  war.  In  dieser 
Gegend  befand  sich  eine  breite  und  sehr  unebene  Bruchstelle,  zufolge 
deren  weder  sicher  zu  entnehmen  war,  ob  Bauchllossen  noch  ob 
etwa  eine  vordere  Rückenflosse  vorlianden  waren.  Deutlieh  begann  die 
RückcMflosse  erst  etwas  hinter  ballter  Totallänge,  ging  aber  dann  als 
piri|)lieriscbe  conlinuirliche  Flosse  in  die  Schwanz-  und  Afterflosse 
über.  Den  Saum  dieser  Flossen  bildeten  gedrängt  stehende  feine 
faserähnliche  Strahlen,  deren  mittlen'u  und  längsten  fast  [/.,"  er- 
rei"hten  und  die  auf  stärk<'rc  aber  kürzere  Träger  sich  stützten, 
deren  vordere  nur  </;.  .  weiter  zurück  etwa  nur  '/..,  so  lang  wie  die 
Flossenslrahlen  stdbst  waren   \\\n\   deren   bis   zur  C'audale  34 — 35  zu 


Ülicr  Clin  /lOjtuma  (/iidifoiini'  imv.   i;eii    fl   s|iec.  und    Aiuiilliddi-.s  t-lc.  CO  1 

zälik'ii  waren.  Diese  Tiiiyer  slaiiticii  über  elieii  so  \ieleii  Donil'ort- 
siilzen,  die  aber  noch  kiii/er  und  släiker  naeli  hinten  geneigt  Avaren, 
so  dalS  die  letzten  lasl  wagreehl  zu  liegen  kamen.  Noch  längere  liis  an 
■ö"  li(die  nornl'orlsälze  raglen  üherdies  vor  Keginn  der  Dorsale  ziem- 
lich geraile  auf  und  zwar  lü  in  der  Zahl,  die  sich  wie  lalsche  Trägci' 
ansnelnnen.  Die  Afterflosse  begann  genau  dem  Anfang  der  Dorsale 
gegeniiber.  zeigte  ganz  denselben  Bau  nnd  ließ  nnr  um  einige 
Klosscniräger  weniger  (32  —  33)  als  jene  erkennen.  Von  VN  irhel- 
körpern  Mar  keine  Spur  zu  sehen,  nur  Ihcilweise  von  kleinen  drei- 
eckigen uheren  und  unteren  IJogensclienkcln :  die  Cluu'da  lid  last 
geradlinig  mit  slumpfer.  kaum  merklich  nach  aufwärts  gehogencr 
Spitze  ans.  Lange,  dünne  und  sanft  gebogene  Rippen  umgürteten 
die  Seiten  des  Rumpfes,  und  zwar  in  der  Zahl  von  mindestens  20  bis 
22  Paaren.  —  Die  Haulbedeckung  bestand  in  sehr  dünnen  länglichen 
Schuppen,  die  auch  die  Flossen  bis  gegen  den  Saum  überdeckten 
und  deren  Oberfläche  fein  längs  gestreift  und  gefurcht  war;  (jri'd.W, 
l  nuilS  inid  Lagerung  derselben  ließ  sich  nicht  genau  erkennen. 

\  011  derselben  Gattung  nnd  Art  liegen  mir  derzeit  noch  sieben, 
aus  der  Sammlung  (\c?:  Herrn  Dr.  Jordan  stammende  Individuen 
in  Doppelplatten  vor,  deren  Beschreibung  ich  nach  den  ilmcn  ange- 
klebten Nummern  folgen  lasse,  w'obei  ich  aber  selbstverständlich 
stets  nur  jene  Partien  und  Tiieile  besonders  hervorliebe,  die  an  dem 
betrelVenden  Individuum  am  vorzüglichsten  oder  nur  an  ihm  allein 
erhallen  und  zu  erkennen  sind. 

Die  Doppclplalte  Nr.  1  schließt  das  größte  Individuum  ein. 
dessen  Totallänge  etwas  über  1'  beträgt,  das  aber  namentlich  bezüg- 
lich des  Kopfes  ziemlich  schlecht  erhalten  ist  und  nur  manche  Details 
«leutlich  erkennen  läßt.  Der  Umriß  des  Kopfes  ist  gar  nicht  erkenn- 
bar; nur  die  Abdrücke  der  Zahnplattcii  am  Gaumen  und  im  Unter- 
kiefer, nebst  einigen  kleinen  Spitzzähucn  des  UiiterkieJ"errandes,  doch 
geben  sie  weder  genügenden  Aufschluß  über  die  Art  der  Bezahiuing 
noch  die  Zahnformeu.  Außerdem  liegen  nur  ein  Paar  Deckknochen 
der  Scheitelgegend  frei,  deren  Deutung  aber  auch  nicht  möglich  ist. 
Von  den  Deckelstücken  ist  nur  ein  muschelförmiges  (wahrscheinlich 
das  kleinere  hintere)  vorhanden,  dessen  Umbo  nach  aufwärts  gerich- 
tet und  viel  näher  dem  Vorder-  als  Hinterrande  liegt  und  ilessen 
concenlrischc  Streifen  oder  Furchen  stark  aiisgcjirägt  sind.  Die 
Brustflosse  ist  blos   llu-ilweise  abgedrückt   und   nur  erkennbar,   daß 


282  K  n  e  r. 

sie  direct  hinter  der  Scapula  in  der  Höhe  der  Wirbelsäule  eingelenkt, 
vielstrahlig  und  ziemlich  lang  (etwa  \-/s")  war.  Die  Chorda  nimmt 
vorne  in  der  Breite  von  4'"  und  noch  am  Schwänze  von  3'"  die  ganze 
Länge  der  Wirbelsäule  ein,  Wirbelkörper  fehlen  ganz,  nur  an  den 
oi)eren  und  unteren  Bogenschenkeln  legen  sich  seitlich  dünne  Platten 
an,  von  denen  die  langen,  gebogenen  und  hohlen  Dornfortsätze  sich 
erheben,  und  zwar  hier  48 — 50  obere  und  21 — 22  untere,  welchen 
etwa  24  Rippen  vorhergehen.  Die  beiden  ersten  der  hinter  den  Rippen 
folgenden  unteren  Dornfortsätze  gehen  in  starke  und  lange  Stütz- 
strahlen oder  Träger  der  hier  beginnenden  Afterflosse  über,  deren 
im  Ganzen  22  zu  zählen  sind  und  denen  eben  so  viele  Dornfort- 
sätze über  ihnen  entsprechen.  Von  den  dünnen  eigentlichen  Flossen- 
strahlen der  Anale  hat  sich  nur  ein  Theil  erhalten,  die  mitunter  ganz 
deutliche  Gliederung  zeigen,  und  häufig  auch  gabiig  getheilt  sind. 
An  der  einen  Platte  sind  beide  Bauchflossen  an  einander  liegend 
abgedrückt;  sie  scheinen  sich  nicht  auf  Beckenknochen  gestützt 
und  wenigstens  je  8  — 9  Strahlen  enthalten  zu  haben,  die  bis  zum 
Beginne  der  Anale  zurückreichten.  Die  Beschuppung  hat  sich  an 
vielen  Stellen  völlig  erhalten,  namentlich  längs  der  Seite  des  Schwan- 
zes, sowohl  die  Chorda  als  die  Flossenträger  und  selbst  die  Strahlen 
bis  gegen  den  Saum  überdeckend.  Auch  sind  schon  hier  einzelne 
Röhrchen  des  längs  der  Chorda  verlaufenden  Seitencanales  erkennbar 
und  zahlreiche  Schuppen  liegen  zerstreut  an  der  Kehle,  zum  Beweise, 
daß  diese  bis  zur  Symphyse  überschuppt  war.  —  Die  mikroskopische 
Untersuchung  einzelner  freiliegender  Kopfknochen  ergab,  daß  sie 
aus  echter  Knochensubslanz  bestanden .  in  dem  ohne  Schwierigkeit 
sich  große  Knochenzellen  mit  radiären  Ausläufern  erkennen  ließen. 
Auf  Taf.  I,  Fig.  1  ist  das  mit  Nr.  2  bezeichnete  Individuum  in 
natürlicher  Größe  abgebildet,  das  nur  wenig  kürzer  als  das  vorige 
in  der  Seitenansicht  fast  vollständig  bis  nahe  zur  Schwanzspitze 
vorliegt.  Es  ist  bezüglich  der  Wirbelsäule  sammt  Fortsätzen  und 
Trägern,  des  Schultergürtels,  der  Brust-  und  Bauchflossen  und 
namentlich  der  Zähne  das  besterhaltene  Exemplar,  dagegen  fehlen  an 
der  peripherischen  Flosse  die  eigentlichen  Strahlen  größtentheils, 
auch  sind  die  Kopiknochen  und  muschelförmigen  Deckelstücke  nur 
nndentlich  zu  erkennen.  Im  Vergleich  zu  anderen  erscheint  der  Kopf 
bedeutend  kürzer,  da  seine  Länge  nahezu  nur  '/s  der  totalen  aus- 
iiiaclil.    Die  feinen  Spitz-  oder  Hechelzähne  in  der  Mitte  der  Kiefer 


rher  Concfiopoma  r/adi forme  nov.  gpn.  ot  spec.  und  Acanthodcs  etc.         Zoo 

sind  sehr  sclnvacli  sichthar,  hingegen  die  hinter  ihnen  befindlichen 
großen  Zahnplatten  am  Gaumen  und  gegenüber  im  Unterkiefer  sehr 
gut  und  viele  Zähne  an  ihnen  noch  in  Substanz  erhalten,  wie  die 
beifolgenden  Abbildungen  zeigen.  Am  Vomer  scheinen  sie  auf  einer 
einfachen  Platte  gestanden  zu  haben,  die  vorne  fast  s/*"  bi'eit,  nach 
hinten  zugespitzt,  daher  dreieckig  und  wenigstens  eben  so  lang  wie 
breit  war.  Die  Zähne  standen  auf  ihr  in  dichten  Reihen,  waren 
ungleich  groß,  dick  cylindrisch,  an  der  Spitze  etwas  gebogen  und 
unter  ihr  breit  löffelartig  vertieft  (Fig.  1  a);  bei  kleineren,  wahr- 
scheinlich weniger  abgenützten  Zähnen  fehlt  aber  diese  lötTelformige 
Vertiefung.  Diese  Zähne  sehen  einigermassen  manchen  Schlund- 
zähnen vonCyprinoiden  ähnlich.  Ob  die  zweite  ihr  gegenüber  liegende 
Zahnplatte,  welche  ganz  gleich  geformte  Zähne  wie  die  obere  trug, 
dem  Unterkiefer  oder  etwa  der  Zunge  angehört  habe,  muß  ich  frag- 
lich lassen,  möchte  aber  letzteres  deßhalb  glauben,  da  sie  stets  der 
oberen  Gaumenplatte  gegenüber  liegt  und  es  daher  nicht  wahr- 
scheinlich ist,  daß  etwa  beide  neben  einander  am  Gaumen  lagen, 
wenn,  auch  der  Kopf  meist  einen  starken  Seitendruck  erfahren  haben 
und  demzufolge  die  Gaumeuzahnplatte  mag  der  Quere  nach  zu  liegen 
gekommen  sein,  denn  auch  dann  wäre  -  nicht  wohl  zu  verstehen, 
weßhalb  die  eine  Zahnplatte  stets  unterhalb  der  anderen  wiire  zu 
liegen  gekommen,  und  weßhalb  diese  dann  stets  bedeutend  kleiner 
war.  Wären  beide  Zahnplatten  nur  die  Hälfte  einer  oberen  Gaumen- 
platte gewesen,  so  wären  sie  wahrscheinlich  auch  gleich  groß  oder 
symmetrisch  gewesen.  —  An  der  einen  dieser  Gegenplatten  sind 
parallel  dem  Rande  der  breiten  Gaumenzahnplatte  noch  ähiiliclie 
stumpfspitze  Zähne  m  ie  an  der  Vomerplatte  zu  sehen,  und  zwar 
deren  3 — 4  in  Längsreihen,  von  denen  gegen  die  Kiefermitte  lange 
und  dünne  Hechelzähne  zu  erkennen  sind.  Es  scheint  demnach,  daß 
die  Bezahnung  im  Ganzen  folgende  war:  Die  Mitte  der  Kiefer  hielten 
dünne  Spitzzähne  besetzt,  den  Gaumen  eine  breite  und  lange  dreieckige 
Zahnplatte  mit  cylindrischen  stumpfspitzenSpitzzähnen,  der  gegenüber 
im  Unterkiefer  (auf  dem  Zungenbeine?)  eine  ähnliche  kleinere  sich 
befand;  ob  jedoch  die  Seiten  der  Kiefer  und  zwar  beider  oder  etwa 
nur  des  oberen,  auch  mit  mehreren  Reihen  stumpfer  Zähne  geiiflastert 
war,  darüber  ließ  mich  dieses,  bezüglich  der  Bezahnung  am  besten 
erhaltene  Exemplar  noch  unklar.  An  der  Kehlseite  gewahrt  man  ein 
Paar    rinnenförmiger   Knochenfragmente,    die    dem    erst    später  zu 


284  K  M  e  r. 

bespreclu'iitU'ii  Kit'iiU'ii;ij»[iarale  angoliörtcii.  Oii'  Dcckelsliicke  inul 
selbst  das  große  miisclieirürmige  Stiiek  sind  sehr  iiiidentlieh ,  der 
Ijutnei'iislheil  des  kräftigen  Sehultergürtels  ist  dagegen  bis  znr 
Clavicnlarplatte,  die  ins  Gestein  eingesenkt  ist,  wolii  erlialten.  Hinter 
ihm,  genau  in  der  Höhe  der  Wirhelsänie  h'nkle  sieh  die  lange,  viel- 
sfraldige  Brustflosse  ein,  die  naeh  hinten  zugespitzt  2'/3"  Ijänge 
besaß  und  mindestens  1  '/;/'  breit  war,  indem  der  obere  Saum  bis 
gegen  das  Riiekenprofil  und  der  untere  bis  an  den  l^mbeugungs- 
winkel  des  Seliultergürtels  naeli  vorne  reichte.  Sie  enthielt  zahh-eiche 
dünne,  aber  nicht  hinge  Strahlen,  deren  Zahl  nieht  genau  sieh 
angeben  läßt;  ihre  Form  errinnert  aufTallend  an  jene  von  Dip- 
lerns  ValeNciemiesii  wie  sie  bei  Dr.  Pander  <)  auf  Tat".  Hl 
abgebildet  ist.  —  Längs  der  Wirbelsäule  sind  I>0  obere  Dornfort- 
sätze zu  zählen,  über  den  letzten  25  stehen  eben  so  viele  schwach 
gebogene  Strahlenträger  für  die  Dorsale  und  diesem  gegenüber  eben 
so  viele  für  die  Afterflosse.  Rippen  zählt  nuin  22,  von  denen  die 
vorderen  die  kürzesten  und  fast  gerade  naeh  abwärts  gerichtet,  die 
mittleren  die  längsten  und  dünnsten  und  stark  nach  hinten  geneigt 
und  alle  sehwach  gebogen  sind;  nur  an  den  vorderen  3  —  4  ist  die 
Convexität  des  Bogens  nach  vorne,  an  allen  folgenden  aber  nach 
hinten  gerichtet.  Sie  reichen  bis  zu  den  2 — 3  unteren  Dornfortsätzen, 
die  zusammen  zur  Stütze  der  hier  beginnenden  Afterflosse  ver- 
schmelzen. Die  Sirahlenträger  der  peripherischen  Flosse  sind  durch- 
wegs länger  als  die  Dornfortsätze,  über  denen  sie  stehen  und  zwar 
die  längsten  8"  lang,  alle  schwach  gebogen  und  gleich  jenen  mit 
der  l'onvexilät  nach  rückwärts.  Die  Dornfortsätze  neigen  sich  aber, 
je  näher  der  Caudalspitze  um  so  mehr  nach  hinten  und  liegen  zuletzt 
fast  wagrecht  der  Corda  auf  und  nehmen  an  Länge  viel  mehr  als  die 
Träger  ab.  Der  Verlauf  Ai^s  Seitencanales  macht  sieh  längs  der 
ganzen  Chorda  durch  die  Abdrücke  der  ziendich  weilen  und  langen 
Finzcinihrehen  kenntlich;  längs  der  Seiten  des  Rumpfes  haben  sich 
über  ganze  Strecken  die  zarten  längs  gestreiften  Rhombenschuppen 
in  natürlicher  Lagerung  erhalten. 

V^on  der  Doppelplatte  Nr.  3  gebe  ich  auf  Taf.  Hl,  Fig.  1  ii  nur 
die  Abbildung  des  großen  muschelförmigen  Deckelstückes  eines 
großen    Exemplares   in    natürlieher  (Jröße.    von   dem    übrigens   nur 


')    nie  Cli-niiiliptci  iiicii. 


Convliopoinii  ijuilif'oiiin-  iiov.  i<i'ii.  e(  .s|teo.  iiinl  Acautltodc»  »•(<•.  2oO 

noch  eiiizelrio  Koprscliililcr  und  zalilri-iclie  lose  dnrclu'inander  lie- 
gende Rippen ,  Triiger  und  Flossenstralileii  sich  ci-liidteri  hahen, 
die  aber  völlig  außer  Zusammenhang  keine  nähere  Beschreihung  und 
Deutung  gestatten.  Zu  erwähnen  sind  nur  noch  zwei  kleine  niuseliel- 
ahnliche  Stücke  von  gleicher  Form  wie  das  ahgchildete  große,  die 
aber  weit  hinter  dem  Kopfe  und  erkennbaren  Scbultergiirtel  /wischen 
Rippen  und,  Trägern  eingebettet  liegen  und  von  denen  das  eine  mit 
dem  Wirbel  nach  auf-,  das  andere  nach  abwärts  sieht,  die  wohl  auch 
dem  iJeckelapparate  angehören  mochten,  ohne  daß  sich  aber  für  ihre 
Lage  und  Bedeutung  Anhaltspunkte  gewinnen  ließen. 

In  Fig.  1  (Taf.  II)  ist  das  in  der  Doppelplatte  Nr.  \  tt  einge- 
schlossene Kopffragmenl  sammt  Vorderrumpf  eines  ziendich  großen 
Individuums  abgebildet,  das  stark  flachgedrückt  und  von  der  Kehlseite 
sichtbar  ist.  Zunächst  sind  breite,  kräftige  Clavicularplatten  erkennbar, 
die  in  der  Mittellinie  unter  einem  stumpfen  Winkel  zusammenstoßen : 
über  das  hintere  breite  Ende  des  einen  Astes  sind  einzelne  losge- 
trennte Kiemenstrahlen  gelagert  und  die  Beschuppung  der  ganzen 
Umgegend  ist  größtentheils  sehr  gut  erhalten.  Vor  dem  einen  Aste 
und  zugleich  weiter  nacli  auswärts  liegt  wieder  die  große  Deckel- 
muscbel,  von  der  anderen  Seite  gewahrt  man  nur  einen  unvollstän- 
digen Abdruck. 

Etwa  5"  vor  der  Clavicula  liegt  querüber  ein  schmales 
Knoehenstück ,  an  dessen  vorderem  Rande  eine  Reihe  von  theils 
spitzen,  theils  am  Ende  knopfartig  verdickten  Zähnen  abgedruckt 
sind;  unweit  vor  diesem  Knochen  dem  Rande  der  Platte  genähert,  liegt 
ein  Theil  der  Gaumenzahnplatte  frei  ;  vor  dieser  noch  an  der  Run- 
dung, die  dem  Umriß  des  Mundrandes  selbst  zu  entsprechen  scheint, 
ist  endlich  eine  Anzahl  der  spitzen  Randzähne  zu  erkennen.  Jederseits 
hinter  der  Gaumenzahnplatte  liegen  symmetrisch  zwei  nach  hinten 
divergirende  etwa  %^/'i"  breite  rinnenförmige  Knochen,  tlie  ohne 
ZM'eifel  dem  Kiemengerüste  angehörten;  ein  ähnlicher  fast  1  U"  langer 
und  4"  breiter  liegt  symmetrisch  auch  hinter  derClavicularplatte.  Daß 
die  ganze  Kehlseite  übrigens  bis  gegen  den  Kieferrand  dicht  beschuppt 
Mar,  ist  sehr  deutlich.  —  Die  Platte  Nr.  4  b  enthält  nur  ein  Schwanz- 
ende ohne  die  Spitze  aber  mit  Dornfortsätzen  und  Trägern  und  wohl 
erhaltener  Beschnppung,  die  sich  auch  über  die  periplierische  Flosse 
erstreckt,  und  zwar  bis  zur  Spitze,  welche,  obwohl  fehlend,  doch 
anscheinend  von  Fiossenstrahlen  rings  umgeben  war.  Das  hier  vorlie- 


286  K  n  e  r. 

geiule    Stück  wnr   übrigens   das    «M-ste   Mas  Mcrr   Dr.  Jordan  von 
dieser  Ga(tim«>  sclioii  vor  länj^erer  Zeit  aiirgeriiiideii  hatte. 

Kig.  2  auf  Tal".  1  zeigt  von  der  Seitenansielit  ein  wohlerhaltenes 
aber  kleines,  in  der  Dojipelplatte  Nr.  li  eingeschlossenes  Individnnm, 
welches  din'cli  gedrungene  und  hohe  (iestalt  derart  von  den  Exemplaren 
Nr.  1  und  2  ahwcielit,  daß  man  sich  versm-iil  l'iihlen  könnte,  selbes 
l'iir  eine  andere  Species  zu  hallen.  Die  Koptlänge  ist  hier  nämlich  nur 
3-/^niaI  in  der  Tdlailange  begrilTen  (bei  Nr.  1  und  2  aber  bedeutend 
über  4mal,  obwohl  bei  letzteren  noch  die  Spitze  des  Schwanzes  fehlt); 
die  größte  Rumpfböhe  vor  der  Rückenflosse  beträgt  hier  i/g  der  Ge- 
sammtlänge  (bei  Nr.  2  last  nur  i/^)  und  selbst  am  Schwanzstiele 
bleibt  diese  llölie  zu  Folge  der  hohen  |)eripherischen  Flosse  naliezn 
die  gleiche,  dennoch  enthalte  ich  micli  vorerst  der  Annahme  einer 
zweiten  Species  und  glaube,  daß  diese  Messungsnnterschiede  doch 
blos  vom  Alter  und  (»röße  abhängig  sein  dürften.  Der  wahrscheinlich 
ziemlich  natürliche  Umriß  des  Kopfes  zeigt,  daß  er  nahezu  gleich  hoch 
wie  lang  und  an  der  Stirn-  und  Keblseite  fast  gleich  convex  war. 

Theilweise  sind  die  Spitzzähne  beider  Kieler  erkennbar,  besser 
aber  hinter  ihnen  die  Abdrücke  der  größeren  Ptlasterzähne  der  obern 
und  untern  Zahnplatte.  Hinter  der  langen  (Gaumenplatte  liegen  zwei 
muschelförmige  Deckelstücke  zumTheile  über  einander,  die  bis  an  den 
Scbultergürlel  zurückreichen,  dessen  breiter  und  dicker  Himierus 
nach  unten  sich  leistenartig  erhebt  nnd  eine  ziemlich  hohe  und  scharfe 
Kante  bildet.  Die  Brustflosse  ist  nur  schwach  angedeutet;  die  Zahl  der 
Dornfortsätze,  Rippen  nnd  Strahlenträger  stimmt  mit  den  größeren 
Exemplaren  überein,  nur  erscheint  die  Rippenzahl  hier  noch  größer, 
weil  viele  derselben  paarig  vorhanden  sind.  Von  den  in  natürlicher 
Lage  befindlichen  Bauchflossen  sind  nur  einige  Strahlen  theilweise 
siebtbar.  Seitenlinie  und  Beschuppung  verhalten  sich  wie  bei  den  vor- 
hergehenden Exemplaren. 

Die  Doppelplatte  Nr.  H  umschließt  ein  stark  depresses  Kopfstück, 
das  auf  Taf.  IV,  Fig.  1  dargestellt  ist,  und  das  die  Oberseite  des 
Kopfes  und  den  Unn-iß  desselben  nahezu  vollständig  zur  An- 
schauung bringt;  blos  rechterseits  scheint  ein  Theil  des  Hinterkopfes 
zu  fehlen  und  eine  Verschiebung  der  Scheiteldeckknochen  nach  rechts 
stattgefunden  zu  haben.  Die  größte  Breite  des  Kopfes  beträgt  am 
Hinterhanpte  3",  die  Länge  von  der  Mitte  des  Kieferrandes  bis  zum 
hinteren   des  Schulterknochens  3''  5'",  das  Schnauzenprofil  ist  daher 


1 


I^bpi-  Conc/iojinma  iji(difoiinc  iiov.  f;eii.  i'l  s|iec.  und  Acttnthodes  etc.         4ö7 

purabolisch.  In  der  Mille  derselben  sieht  mau  theilweise  die  am  Rande 
stehenden  Spitzzähne  und  hinter  ihnen  liegt  die  grüße  Vomer-  und 
Gaumenzahnplatte,  die  aus  zwei  getrennten  Partien  bestanden  zu 
haben  scheint,  einer  vordem  schmälern,  der  (|ueren  Vomerplatte  an- 
gehörigen,  auf  der  man  in  vorderer  Reihe  noch  kurze,  stumpfsjdtze 
Zähne  erkennt,  welchen  nach  hinten  4 — o  Reihen  kleiner,  rundlicher 
Pflasterzähne  folgen.  Dann  erst  nach  einem  schmalen  zahnlosen 
Zwischenraum  folgte  die  große  Gaumenzalinplalte,  die  bis  über  das 
Keilbein  zurückreichte  und  die  ganze  Breite  des  Gaumens  einge- 
nommen haben  muß.  wie  sich  nach  den  Eindrücken  mehrerer  großer 
kugeliger  Pflasterzähne  entnehmen  läßt,  die  weit  zurück  in  gleicher 
Querlinie  mit  dem  darüber  liegenden  muthmaßlichen  Scheitelschilde 
zu  sehen  sind.  Außerdem  dürften  auch  die  seitlich  an  die  Vomerplatte 
grenzenden  Gaumenbeine  eine  schmale  Längsbinde  von  Zähnen  ge- 
tragen haben.  Von  den  muschelförmigen  Deckelslücken  ist  nur  theil- 
weise linkerseits  das  kleinere  zu  erkennen. 

Die  richtige  Deutung  der  verschiedenen  sichtbar*  n  Deckschilder 
des  Oberkopfes  ist  wohl  kaum  möglich,  da  die  rechte  Seite  des  Kopfes 
theilweise  fehlt,  theils  auch  die  vorhandenen  Schilder  verschoben  und 
ihre  Umrisse  schadhaft  geworden  sind.  Das  mit  1  bezeichnete  Schild 
halte  ich  für  das  Parietale,  ob  aber  dann  das  sich  an  dessen  Außenrande 
anlegende  (2)  als  Frontale  posterius  und  das  vorne  zwischen  beide 
sich  einschiebende  Schild  (3)  als  Frontale  anlerius  zu  deuten  ist, 
muß  um  so  mehr  unentschieden  bleiben,  als  über  die  Augen,  Nasen- 
gruben u.  s.  w.  alle  Andeutungen  fehlen.  Wenn  das  Schild  1  wirk- 
lich dem  Parietale  entspricht,  so  ist  dann  das  hinter  ihm  sich  an- 
reihende als  Occipitale  super  um  zu  deuten. 

Vom  Kiemengerüste  ist  nur  fragmentarisch  ein  rinnenartig  aus- 
gehöhltes Stück  eines  Kiemenbogens  erhalten.  Die  mikroskopische 
Untersuchung  einzelner  Splitter  von  Kopf  knochen  ergab,  daß  sie  aller- 
dings echte  Knochenzellen  mit  strahligen  Ausläufern  enthalten,  aber 
nur  sehr  zerstreut,  die  Hauptmasse  scheint  zellenlose  Dentinsubstanz 
gewesen  zu  sein. 

Fig.  2  auf  Tai'.  IV  zeigt  das  Schwanzende  eines  großen,  viel- 
leicht des  größten  Individuums  sub  Nr.  7  von  mehr  als  ß'/a"  Länge 
mit  22  oberen  Dornfortsätzen,  zu  denen  die  kurzen  ganz  wagrecht 
liegenden  der  äußersten  Schwanzspitze  nicht  mitgezählt  sind,  und 
denen  eben  so  viele  Strahlenträger,  zum  Theile  von  1  i/a"  Länge  ent- 


^ÖO  K   II  P  r. 

«'iilspi-celicii,  auf  welche  erst  die  eij^entliclieii  (Ilieilei-sli-alileii  lolgteii, 
die  ohne  Zweifel  rings  um  die  Seliw  anzspil/e  i-eiehteii  und  nur  g;iuz 
zulelzl  rasch  aii[>;in<it'  ahnaliiiieii.  l)a(Jt  die  gan/.e  |)eri|dierische Flosse 
l»is  an  den  Saum  iil)ersehn|i|il  war.  isl  aus  den  Ahdrüekeii  der 
Sehu[i|ien  vrdlig  zweircllos. 

vSuehl  man  nun  aus  den  lieseliriehenen  ein/.cliitMi  l'^indsliicken 
ein  Gesammlhild  i\i'v  (lalhini;  und  ihres  Tharaklers  zu  gewinnen,  so 
dürfte  sieh  lolgendes  Hesullal  herausslellcn:  Die  Ko|>ll;inge  hefriig  hol 
kleineren  Individuen  heiläidig  1/4  der  Gesammllänge,  hei  gri'dJieren 
aher  kaum  "/, :  der  Kopf  war  wenigstens  gleiidi  hreil  wie  hoch,  oder 
hrcilcr.  der  Alnml  endsländig.  Die  Mitte  heider  Kiefer  war  V(m  einer  ein- 
fachen Ueihe  (sfdnverlich  von  mehreren)  spitzer  Zähne  heselzt,  der 
N'omer  und(iaumen  miteiner  hiciten  und  langen  Platte  größerer,  dicker 
theils  kugeliger,  theils  stuinpfspilzer  Ptlasterzähne:  eine  ähnliche 
Zahnplaltc  stand  ihr  gegenüher  im  Unterkiefer,  wahrscheiidich  aid' 
dem  Zungeiiheine,  und  wohl  auch  die  (Gaumenbeine  trugen  eine 
schmale  Längshinde  ahnlicher  Zähne.  Der  Oherkopf  war  mit  dünnen, 
radiär  gefm-chlen  Schildern  oder  Deckknoidien  belegt. 

Das  muthmai^lich  kleine  Auge  lag  seitlich  dem  v(M-dern  Schuau- 
zenrande  genähert.  Die  Kiemenspalte  wurde  von  muschelförmigeii 
Deckelstücken  überlagert,  und  zwar  vvabrscheinlich  von  zwei,  einem 
bedeutend  grid.V'rn  Hauptdeckel,  dessen  Wirbel  nach  aufwärls  nml 
einem  kleinern,  dessen  l'mho  nach  abwärts  gekehrt  gewesen 
scheint.  Der  Schultergürtel  bestand  aus  einem  breiten  kräftigen  Hu- 
merus,  an  den  an  der  Kehle,  ähidich  wie  bei  vielen  Siluren  und  Lo- 
ricaten.  unter  einem  Winkel  zusammenstoßende  breite  Clavicular- 
platten  sich  anlegten.  Die  Kiemenhögen  bildeten  breite  rinnenförmige 
Kno(dien.  die  Kiemenslrahlcn  waren  ziemlich  kiu'z  und  dünn.  Der 
N'orderrumpf  war  hidier  als  der  Kopf  und  die  Tolalgeslalt  mahnte  ins- 
hesundeie  zuf(dge  der  hohen  und  weil  ausgechdinten  peripherischen 
Flosse  an  Plem-onecliden.  Die  Rückenllosse  begann  aher  erst  nach 
halber  Totallänge,  und  ging  gegen  die  Schwanzspitze  rasch  niederer 
werdend,  als  inngreifende  Flosse  in  die  eben  so  wie  sie  gehaute  After- 
flosse über,  nahe  vor  welcher  die  ziemlich  kleinen,  wenigstrahligen 
Bauchflossen  standen.  Die  zahlreichen  dünnen  (Jliederstrahlen  der 
umfassenden  verticaleii  Flosse  slützleii  sich  auf  lange,  dünne  und  hohle 
Träger,  die  seihsl  auf  ähidichen  JJornfortsätzen  ruhten.  Die  Brust- 
flosseu  waren  hinler  dem  Schultergürtel  etwa  in  halber  Körperhöhe 


Üher  CumliDpoina  ijadiformc  iiov.  yen.  et  spuu.  und  Acanlhodcs  etc.         2ot) 

eiiiuclenkt,  liiiii-er  als  broit  iiiii!  vicistrahli«'.  Der  Wirbelsäule  fehlten 
knöcherne  Körper  t^änzlich  inid  die  Chorda  lief  breit  und  geradlinig 
bis  an  das  Schwänzende  ans,  nur  obere  und  untere  schmale  Bogen- 
stücke  kamen  theihveise,  insbesondere  aber  lange  und  dünne  Üornfort- 
sätze  zur  Knlwicklung,  die  wie  bei  Coelacanthen  sämmtlich  hohle 
Röhren  bildeten  ;  eben  so  waren  die  zahlreichen  Rippen  hohl.  Der 
ganze  Rumpf  war  bis  an  dieFlossensänme  mit  dünnen,  nicht  emailirten 
vSchuppen  bedeckt,  die  zwar  meist  längliche  Rhombenform  zeigten, 
jedoch  bedeutend  variirten,  indem  sie  bald  gleich  hoch  wie  lang, 
bald,  und  zwar  namentlich  gegen  das  Rücken-  und  Bauchprofil,  bedeu- 
tend länger  als  hoch  waren  und  dann  die  Rhombenform  verlierend,  in 
eine  Spitze  ausliefen.  Am  verscliiedeiidsten  in  Form  und  Größe 
zeigten  sie  sieh  an  der  Bauchseite  hinter  den  Clavicularplatten,  wo- 
selbst sie  statt  der  feinen  und  diehten  Längsstreifen  und  Furchen  mit 
von  einem  excentrisclien  Mittelpunkte  strahlig  auslaufenden  Leisten 
versehen  waren  und  dadurch  jenen  an  der  Brust  vieler  Loricarinen 
ähnelten.  Der  Seitencanal  verlief  parallel  mit  der  Wirbelsäule  in  glei- 
cher Höhe  und  hinterließ  die  Eindrücke  der  ziemlich  weiten  und 
langen  Einzelröhrchen,  die  sich  bis  gegen  die  Schwanzspitze  ver- 
folgen lassen. 

Sieht  man  sich  nun  um  die  nächste  Verwandtschaft  dieser  in- 
teressanten Gattung  um,  behufs  der  Stellung  die  ihr  im  Systeme  an- 
zuweisen wäre,  so  dürfte  mit  alleiniger  Berücksichtigung  der  fossilen 
Fische  kaum  eine  andere  Wahl  bleiben,  als  sie  zunächst  den  Coela- 
canthinen  zu  stellen  oder  GiebeFs  honiocerken  Dipterinen,  obwohl 
sicher  ist,  daß  sie  auch  von  allen  hieher  gezählten  Gattungen  sehr 
wesentlich  abweicht  und  eher  als  Vertreter  einer  eigenen  Familie 
angesehen  zu  werden  verdiente.  Daß  sie  überhaupt  den  Ganoiden  nur 
dann  eingereiht  werden  kann,  wenn  man  den  Begriff  derselben  in  so 
laxem  und  weiten  Sinne  auffaßt,  wie  es  leider  fast  noch  allgemein 
üblich  ist,  bedarf  wohl  keiner  näheren  Auseinandersetzung.  Geht  man 
hingegen  von  der  Ansicht  aus,  daß  die  fossilen  Fische  nur  als  vor- 
bereitende Formen  möglichst  den  in  der  Gegenwart  vertretenen 
Typen  einzureihen  seien,  so  kann  es  sich  dann  nur  um  die  Frage 
handeln,  mit  welcher  größeren  Gruppe  von  gliederstrahligen  (malaco- 
oder  arthropteren)  Knochenfische  die  vorliegende  Gattung  am 
nächsten  verwandt  sich  zeige.  Dann  läßt  sich  aber  füglich  nur  an 
solche  Gruppen  denken,  die  sich  durch  gestreckten  Leib  und  starke 

Si»/.l..  .1.  iiiiilliL'iii.-iii.tiiiw.  Cl.  I.VII.  D.i.  I.  Ahtli.  It) 


290  K  n  e  r. 

Kiitwifkluiig  der  verticaloii  Flossen  auszeichnen.  Zu  solchen  gehören 
altiM'  null,  da  die  IMcuroucctidcii  wühl  nicht  in  Betracht  kommen  kön- 
nen, die  Siluroiden,  (Jadoideii  und  manelie  Galtungen,  die  als  inter- 
mediäre Sulit'ainilien  der  Clupeiden  bezeichnet  werden.  Unter  diesen 
würde  ich  mich  unbedenklich  l'ür  die  Gadoiden-Verwandtschaft  aus- 
sprechen, wenn  nicht  die  erst  weit  rückwärts  beginnende  Dorsale  und 
die  hauehständi-icn  Ventralen  als  sehr  gewichtige  Bedenken  dagegen 
sprächen.  Aber  auch  unter  dm  Silurdiden  wie  den  Clupeiden.  wiilke  ich 
keine  lebende  (jaltung,  mit  welcher  unsere  fossile  in  nähere  Bezie- 
hung zu  bringen  wäre,  und  da  sich  an  irgend  andere  Gruppen  und 
Familien  noch  weniger  denken  läßt,  so  scheue  ich  mich  nicht,  ganz 
einlach  zu  bekennen,  daß«  diese  fossile  Gattung  eine  derjenigen  ist, 
lii'i  denen  vorerst  ohne  blolk;  h\  pitthelisehe  Annahme  der  genetische 
Zusanuuenhang  der  lebenden  mit  den  fossilen  Fischen  nicht  luglich 
nachzuweisen  ist.  Nur  als  Verniuthung  glaube  ich  aussprechen  zu 
dürfen,  daß  diese  (Jattung  ein  Glied  in  der  Entwicklungsreihe  der 
gliederstrahligen  Knocbenfisciie  bildete,  aus  welcher  im  Laule  der 
Zeiten  allmälig  die  jetzigen  Gruppen  und  Familien  der  Weichflosser, 
insbesondere  die  der  Siluroiden  und  Gadoid(!n,  hervorgingen.  Indem 
ich  für  die  Bezeichnung  der  Art  den  Ausdruck  (jadiforme  wähle, 
will  ich  damit  nur  auf  die  Ähnlichkeit  in  der  Gesammtform  hin- 
deuten, und  zugleich  die  Bezeichnung  nach  dem  Fundorte,  etwa 
Ichacense  vermeiden,  da  die  Bezeichnungsweise  nach  einem  Fundorte 
überhaupt  mir  nicht  räthlich  erscheint,  weil  sie  auf  der  sich  oft  später 
als  unrichtig  erweisenden  Annahme  eines  bloß  localen  Vorkommens 
beruht. 

Zur  Gattung  Acanthodes  Ag. 

Fnler  den  zahlreichen  E.vemplaren  dieser  Gattung,  welche  die 
SU  schönen  Sammlungen  der  Herren  Dr.  Jordan  und  Weiß  ent- 
halten, fanden  sich  mehrere  Stücke  von  vorzüglicher  Schönheit  vor, 
durch  welche  es  nnjglich  wurde,  sich  von  dieser  theils  ungenügend, 
theils  unrichtig  erkannten  Gattung  ein  vollständigeres  Bild  zu  ver- 
scIialVeti,  als  dieses  die  bisher  bekannt  gemachten  Darstellungen  und 
Abbildungen  gewährten.  Die  werlhvollsten  und  instructivsten  Stücke 
lin.len  sich  Im  züulicli  dieser  tJatlung  in  der  Sanunlung  des  Herrn  Dr. 
W  eiß   \()r,   luid   seiner  be.snndern  (iiite  verdanke  ich  die  Zusendung 


Über  Citiic/iiijiijiiia  ijadifiniic  iio\.  ^t'ii.  et  siuc.  und  Mifidliodcs  etc.         29  i 

(IcrsellHMi  /Hill  Ik'luile  genauerer  Uiitersiichiiiig-,  und  lasse  deren  Be- 
s(*hreil(unj>en  und  Abbildungen  bier  zunächst  folgen. 

Tal"..'),  Fig.  1  zeigt  in  seb\\aeber V'ergrößerMiig(et\va  um  die  i'op- 
pelte  Länge)  das  mil  Nr.  1174  bezeichnete  Stück,  das  in  gerüstetem 
rötblicbeniThoneisenstein  eingeschlossen,  demzulbige  selbst  von  weiß- 
licher Farbe,  allerdings  das  kleinste  Exemplar  von  allen  ist,  aber  die  ganze 
(lestalt  sanimt  allen  Flossen  in  iiatürlicben  Umrissen  und  derart  woliler- 
liaÜen  zeigt,  daß  es  das  voilsläiidigslc  l>iid  eines  Aaml/iotics  gewahrt 
und   als   waiires   Prachtstück   gtilen  kann.   Es  gibt  die  Seilenansiclit 
des  Fisches,   \<in  dem  nur  die  Spitze  des  nberen  ('au(lalla|»|iens  und 
das  Scbiiauzenende  vom   vordem   Aiigenrande  angelangen  Iclilt.   Die 
Totallänge  beträgt  zwar  sebeiiibar  nur  2  '  2'",   ist  aber  in  VVirklicli- 
keit  etwas  größer,  da  der  Fiseli  in  seliw  acbgekrümmler  Lage  und  mit 
der    VVtilbung  des   Hauclies  iiaeli  abwärts   und    etwas   eingi-bogeiiem 
liiicken  abgedruckt  ist.  I)ie  grüüsle  llidie  über  dem  Stachel  iler  Baueh- 
Ibtssen  ist    ö'/^nial   in   der  Tülallänge   begrilVeii,   die   Kopttänge  V(tm 
Vurdern  Augenramie  bis  zum  vScbiilterkiioehen  beträgt  nahezu  V'4 seiner 
Länge,   die  Höhe  des  Schwanzslieles  vor  der  Candale  ist  der  halben 
Kiirperhöhe  beinahe  gleich,  die  Höhe  am  llinterhaupte  etwas  geringer 
als  die  größte  Körperhöhe.   Der  Durchmesser  des  kreisrunden  Auges 
beträgt  fast  '/^  der  Koplläiige,   es  steht  nahe  dem  Scheitelfu-olile  drei 
Diameter  von  der  Kiemenspalte  entfernt  inul  war  daher  der  kurzen 
abgerundeten  Schnauze  bedeutend  näher.   Sehr  gut  eriialten  sind  die 
Kiemenbügen  sammt  Bechenzähnen,  uml   zwar  von  beiden  Seiten  in 
der  Zahl  von  vier  abgedrückt,  nebst  den  dünnen  und  langen  am  Ende 
etwas  verbreiterten  Zungenbeinhörnern  und  den  zablreiclien  an  sie  sich 
anheftenden   kurzen    dünnen    Kiemenstrahlen;    ferner    die    Scbulter- 
kiinehen  sanimt  den  Brusttlossenstacheln,  deren  zwei  vorhanden  sind, 
nämlich  der  bisher  allein  bekannte  längere  und  stärkere  am  äußern 
Flossenrande,  dessen  Länge  hier  fast  5"  beträgt,  und  ein  zweiter  kür- 
zerer und  schwächerer  am  Innenrande  der  Flosse.  Doch  werde  ich  aus- 
führlicher über  das  Kiemengerüst  und  die  Brusltlossen  bei  den  folgenden 
größeren  Exemplaren  noch  zu  sprechen  kommen.   Der  \'enti  alstachel 
ist  hier  kaum  2"  lang  und  o'"  weit  vom  groß>en  Pectoralstaeliel  eiil- 
lernt  und  steht  ganz  am  Bauchrande.   Etwa   J)  "  hinter  ihm  ragt  der 
Analstachel  nach  abwärts  vor,  der  nächst  den  Pecloralen  der  läimste 
(kaum    1"  kürzer)  und  etwas  dünner  ist.   Die  Länge  i\cs  Scliuaiiz- 
stückes  liiiiter  ihn,  bis  zur  l'üsis  des  untern  ('andaljappcn^  koiiiiiit  der 


292  Kner. 

vorhandenen  Koptlänge  fast  gleich.  Der  bedeutend  kürzere  Dorsal- 
stachei  steht  um  2"  näher  dem  Schwänze,  so  daß  sein  Abstand  von 
der  Basis  des  oberen  Caudallappens  bloß  bei   5"  beträgt.  Nur  hinter 
dein  Dorsalstaehel  sind  noch  Spuren  weicher  Flossenstrahlen  zu   er- 
kennen;  der  untere  in  eine  Spitze  auslaufende  Caudallappen  ist  voll- 
sländig,  der  längere  obere  nur  tiieilweise  erhalten.  Die  Scliujipen  be- 
deckten nicht  nur  den  ganzen  Rumpf  samnit  Caudale,  sondern  auch 
den  Kopf,  wie  sich  an  dem  Verlauf  der  Seitenlinien  und  Kopfcanäle 
entnehmen    läßt    und   sämmtliche    Flossen    bis    an  den    Saum;    sie 
nehmen  an  den  Seiten  des  Schwanzes  bedeutend  an  Größe  zu,  doch 
sind  sie  durchwegs  zu  klein,  um  bei  diesem  Exemplare  nähere  An- 
gaben zu  gestatten.  Was  den  Verlauf  der  Kopfcanäle  und  Seitenlinien 
betrilft,  so  geht  ein  Zweig  zunächst  vorne  über  das  Auge  und  es  hat 
hier  sogar  den  Anschein,  als  ob   über  das  obere  Auge  zwei  solche, 
Zweige  verliefen,  der  eine  dem  obern  der  andere  dem  untern  Augen- 
rande genähert;  doch  kann  dieß  wohl  Täuschung  sein  und  der  untere 
Zweig   der   supraorbitale    des  zweiten   tiefer   liegenden  Auges   sein. 
Bald  liinter  dem  Auge  verschwinden  beide  Zweige,  dagegen  wird  als- 
bald der  Verlauf  der  oberen  Seitenlinie  deutlich,  und  zwar  anfangs 
nahe  dem  Profil  des  Hinterkopfes,  dann  aber  biegt  er  rasch  gegen 
die  Schultcrknochen  herab  und  zieht  dann  anfangs  dem  Rückenprofil 
genähert  mit  leichten  Schwankungen  über  iialber  Kürperliöhe  bis  zu 
Ende  der  Dorsale;   erst  am  Schwanzstiele  senkt  er  sich  zur  halben 
Höhe  herab  und  läßt  sich  dann  bis  in  den  Winkel  der  beiden  Caudal- 
lappen verfolgen.  Eine  zweite  Seitenlinie  beginnt  gerade  hinter  dem 
Schulterknochen,  die   dann   dem  Bauchrande  parallel  bis  über  den 
Analstachel  (!'"  über  ihm)   zurück  verläuft  und  hinter  diesem  sich 
plötzlich    zum    untern    Profilrande   senkt  und   in   halber  Länge  des 
lliissenfreien  Schwanzstieles  verschwindet.  Eine  dritte  Linie  verläuft 
vom  Pectoralstacbel  angefangen,  hart  am  Bauebrande,  ist  aber  nur 
bis  zum    Ventralstachel  deutlich,   und   scheint  bald  hinter   ihm    ihr 
Ende  zu  erreichen,  Mas  jedoch  nicht  genau  zu  erkennen  ist,  weil  die 
ganze  Bauchgegend  vom  Ventral-  iiis  zum  Analstachel  von  Abdrücken 
organischer  Reste  dicht  besetzt  wird,  die  eine  nähere  Beachtung  und 
Erörterung  verdienen.   Sie  liegen  in  einer  Doppelreihe  dicht  hinter 
und  übereinander  inid   nur  zunächst  der  nahe  vor  der  Anale  gelegen 
gewesenen  Art.TnirMidiint,^  in  einfacher  Reihe.   Dr.   Weiß  erklärte  sie 
für  die  Schalen  einer  Ealhcria,  die  er  als ^J.s^Ä.  ^6V/<?//a  bezeichnet  n\n\ 


ÜI)Pr  Cnnclinpnma  (/ndl forme  nov.  gen.  et  spec.  und  Avanlhodex  etc.         ÄtI«) 

die  ziemlich  liäiifiir  neben  ^<Y«/Mo^/t\9-ExempIareri  in  den  Lebacher 
Schiebten  sich  vorfinden  soll  ').  Ffält  man  an  der  Dentunj?  dieser 
Einschlüsse  als  Überreste  von  Estherien  fest,  so  ergibt  sich  dann  als 
nothwendige  Sehlnßfolgerung,  daß  Estheria  tenella  zur  Nahrung  für 
Acanthodes  eben  so  diente,  wie  dieser  nicht  selten  als  Beute  dem 
Xenacanthns  Decheiiii  verfiel;  aber  auch  dann  dürften  etwa  folgende 
Punkte  kaum  ohne  hypothetische  Annahmen  zu  erklären  sein.  Wenn 
die  Estherien  wirklicli  als  Nahrungsmaterial  benützt  wurden,  wie 
konnten  sie  sich  mit  ihren  zarten  dünnen  Schalen  noch  am  Ende  des 
Darnicanales  so  unversehrt  erhalten,  daß  man  nicht  bJotJ»  ibre  ganze 
Form,  sondern  selbst  noch  Spuren  <les  Thieres  durch  sie  erkennen 
kiinn?  Dies  würde  eine  wohl  sehr  unwahrscheinliche,  äußerst  langsame 
Verdauung  voraussetzen,  da  die  Schalen  bis  zunächst  dem  After  noch 
unversehrt  sich  zeigen.  Weßhalb  wurde  die  zarte  Schale  nicht  ver- 
daut oder  wenigstens  zerbrochen  und  wie  erklärt  sich,  daß  sie  noch 
so  weit  hinten  in  regelmäßiger  Doppelreihe  übereinander  dicht  ge- 
lagert sind?  Diese  Lagerung  setzt  jedenfalls  nicht  nur  einen  noch  bis 
zum  Ende  weiten,  sondern  auch  geradlinig  verlaufenden  Darmcanal 
voraus,  bei  welchem  nicht  füglich  an  eine  Spiralklappe  zu  denken 
ist,  höchstens  an  ring-  oder  kreisförmige,  deren  allerdings  auch  bei 
lebeiulen  Fischen  sich  vorfinden.  Das  Gewicht  aller  dieser  Bedenken 
bewog  mich,  auf  eine  andere  Deutung  jener  ohne  Zweifel  organischen 


')  nie  Gattung  £s<Äerio  wird  von  B  ii  r  in  e  i  s  t  e  r  ,  als  zunächst  verwamU  u\\i  Limnadia 
den  Phyllopoden  beig-ezählt;  ob  sie  wirklich  diesen  oder  den  Ostracoden  {Isaura, 
Jassa)  näher  steht,  dürfte  wenijjstens  bei  dieser  fossilen  Form  nicht  zu  ermitteln 
sein.  Der  Form  ihrer  Schale  nach  wurde  üiirigens  Estheria  auch  zu  den  Muscheln 
gerechnet  und  namentlich  Quenstedt  führt  in  der  neuen  Auflage  seines  Hand- 
buches der  Petrefactenkunde  die  Lehacher-Art  als  Posidonoinya  tenella  an.  Nach- 
träjjlich  schickte  mir  Dr.  Weiß  ein  Fundstück  mit  diesen  Estherien  und  ich 
überzeugte  mich,  daß  die  Form  der  Schale  und  ihre  concentrische  Furchung  in 
derThat  aufl'allend  mit  jenen  der  Einschlüsse  in  der  Bauchhöhle  Aes  Aeanthodes  üher- 
einstiiniiit ,  doch  veru)ochte  ich  gerade  an  diesen  keine  Spur  des  im  Ahdrucke 
4lurch  die  dünne  Schale  durchschimmernden  Thieres  selbst  zu  erkennen  ,  während 
ich  bei  mehren  der  in  den  Acanthodes  eingeschlossenen  Exemplare  Theilc  des 
Thieres  selbst  unter  der  Schale  durchschimmern  zu  sehen  glaube.  Tiamenilich  die 
dicken  und  langen  Fühler  und  einige  Bauchringe.  Bei  Vergleichung  mit  der 
lebenden  Jassa  pcluf/ica  linde  ich  heziiglieh  der  Formähnlichkeit  der  Schale  große 
Ähnlichkeit  uiit  dieser  mulliuialMicIien  IC.sl/itria  tenella,  clie  nur  etwa  um  die  Hälfte 
liIciiiiM    als  Jassa  war. 


29;  K.MT. 

Eiiisclilüsst'  zu  simirii.  Es  regle  sieli  in  mir  die  \  enmiilmiig,  ob  sie 
iiielit  elwa  die  Abdrücke  von  eingerollten  Nematoden  (Spiropteren) 
sein  kiliiiiteii.  Bekanntlich  linden  sich  nicht  selten  Fische  vor,  deren 
Darm  an  der  Anßenwainl  dicht  mit  Heilien  spiropterenälinlicher  Nema- 
toden besetzt  ist.  wie  dies  nanienliicji  bei  Lepidopus  derart  häniiy 
ist,  (lal's  man  sie  last  bei  allen  Individnen  niassenhalt  vorfand 
nnd  zwar  ebenralls  in  zwei  oder  mehr  Längsreihen  übereinander 
sitzend  ').  Dieconcentrischen  Furchen  der  angei)liclien  Estheriens<-halen 
machen  nahezn  den  Eindruck  von  Spiralwindiingen  nnd  weder  der 
Silz  noch  die  Lagerung  oder  Größe  der  einzelnen  (lebilde  würden 
gegen  diese  N'ei'muthnng  ein  namhalles  Bedenken  bilden  und  selbst 
nicli!  die  W'eichlieil  eines  solchen  Wurmes,  da  sich  gerade  bei  diesem 
kleinen  Aiutiilliodea  sogar  die  zartesten  Theile  des  Kiemenaj)parates 
so  vorzüglich  abdrückten.  Wesentlich  bedenklich  erscheint  da- 
gegen niu",  daß  man  die  Spiridtouren  nicht  ringsherum  verfolgen, 
sondern  meist  nur  die  halben  Umgänge  nachweisen  kann,  daß  wirklich 
Esthericn  häiilig  neben  Acmithodea  abgedrückt  vorkommen  nnd  daß 
man  unter  den  concentrischen  Furchen  der  hier  im  Darme  einge- 
schlossenen Schalen  noch  Spuren,  tVcilich  undeutliche,  des  geglie- 
derli-n  Tliieres  selbst  durchschimniern  si(  lit.  Jedenfalls  erscheinen 
diese  Einschlüße  von  Interesse,  welche  Deutung  man  ihnen  auch 
immerhin  geben  will. 

Die  zwei  (jcgonplatten  einer  Eisennierc  sub  Nr.  1200  enl halten 
in  senkrechlem  Durchschnitte  den  Kopf  und  Vorderrumpf  eines  großen 
liidivitluums  und  zwar  mit  den  Schullerknochen  und  Stacheln  beider 
Brusttlossen,so  daß  der  V'orderrumpf  von  unten,  der  Kopf  aber  von  der 
Seite  abgedruckt  erscheint.  Die  Länge  des  Kopfes  vom  vordem  noch 
siclil baren  Sehnauzenendc  bis  zum  Schulterknoehen  beträgt  4"  3'", 
die  Höhe  i\vs  Kopfes  vom  Ende  {\{ii>  llnlerkiel'ers  senkrechl  aufwärls 
ist  nur  wenig  geringer  (4"  \").  Tal.  VI,  Fig.  1  zeigt  die  Abbildung  in 
n;;liirlielier  (Jröße,  da  dieses  Stück  besonders  lehrreich  ist,  indem 
namentlich  der  starke  und  lange  Unterkieler,  das  Kiemengerüst  mil 
(vier  vielleicht  fünf)  Kiemenbogen  und  die  Hechenzähne  vorzüglich 
erhallen  sind;  auch  lassen  sich  feine  Spilzzähne  am  Kieferrande  e;- 
kennen  und  besonders  beachtenswerlh  ist.  daÜN  jede  Brusltlosse  nicht 


<)   Auch   iliis  /,(M)I()f;isi-Ii('   MiisiMitn   dtT  liiMtM-siliil    licwalirt    i-iiu-ii   solduMi  I.rpiilnpus- 
iJarin. 


\ 


über  Cni'chnpiitna  i/nilifarmr  nnv.  «-on.  et  spec.  mnl  Acntilhodes  etc.  .^"5 

bloß  am  iitilM-ni  Rande  einen  fj'"'"^^^*"  langen  Slacl  el  triitj,  sondern 
einen  älinliclien,  nur  selnvächern,  aneli  atn  inneni  Rande  und  da(i 
zwischen  beiden  die  iiherseliup|ite  Klossenhaut  mit  kurzen  aber  zald- 
reieben  Strablenelenienlen,  entweder  wirklich  gegliederten  oder  nur 
faserigen  Strahlen  versehen  war.  Durch  das  N'orliandensein  eines 
äußern  und  inncrn  l'ectnralstacliels .  vuii  dem  sclion  das  kleine 
Exemplar  Tat'.  V,  Fig.  1  Zeu;:ni(5i  gab,  errinnerl  diese  Gattung 
einigermaßen  an  die  lebende  (Jattung  Teuthis  oder  Amphucanthus, 
nur  daß  bei  dieser  der  äußere  und  innere  Strahl  der  Bauch  flössen 
ein  Stachel  ist.  hei  Acmithodex  hingegen  in  den  Brustflossen. 

Die  Länge  iles  slai'keu  [^nterkielers  beträgt  hier  2'/V«  seine 
Hidie  am  liiuleren  Knde  5  und  ganz  zuletzt  6";  er  war  nicht  länger 
als  i\K'v  (diere  Kieler  und  nur  schwach  nach  aufwärts  gebogen;  beide 
Kieferränder,  der  untere  und  obere  (Hb  ein  gesonderter  Zwischeu- 
kiefer  vorhanden  war,  ist  nicht  zu  ermitteln)  trugen  feine  kleine 
Spitzzähue  in  ziemlich  dichter  Reihe.  Die  Weite  der  Mundspalte  ist 
nicht  hesiimmbar,  doch  sicher  scheint,  daß  ein  knöcherner  Gaumen 
sammt  N'onier  und  ein  eben  solches  Kiefersuspensorium  vorhanden 
war,  wie  auch,  daß  die  Kiemenbogen,  wie  bei  vielen  Clupeiden,  sehr 
weil  in  die  Mundhiihle  vorragten  und  daß  an  das  kurze  Zungenhein 
sich  lange  dünne  H(irner  anhefteten,  die  bis  unter  das  Ende  des 
Oberkiefers  reichten  und  mit  zahlreichen  kurzen  und  dünnen  Kiemen- 
strahlen, besetzt  waren.  Da  hier  die  Zuugenheiuliiirner  knapp 
an  den  Unterkiefer  anliegen,  so  sind  aucli  hier  die  Kiemeu- 
strableu  nicht  zu  sehen.  Hinter  dem  Ende  des  Unterkiefers  legte  sicli 
ein  starker  und  ziemlich  hoher  Knochen  an,  der  vielleicht  dem 
Quadralo-jugale  entsprach  und  unter  und  hinter  dem  die  Abdrücke 
der  Kiemenbogen  und  Rechenzähne  folgen.  Die  breiten  rinnenarlig 
ausgehrdilten  Slücke  der  Kiemenbogen  sind  zum  Theile  voi'trcITlich 
erhalten  und  zwar  liegen  deren  vier  (vielleicht  S'(\n()  hinter  einander: 
an  ihrer  Norder-  und  liineuseile  sitzen  die  zalilreichen  langenRechen- 
zähiie  auf,  die  flache,  klingentörmige  Gebilde  darstellen,  mit  längs-' 
gefurchter  Oherfläche  und  freier  nach  vorne  gerichteter  Spitze  ( Fig.  1  a^. 
Am  Rande  des  aufsteigenden  Stückes  des  vierten  Kiemenhogens  zählt 
man  Ins  zum  Winkel,  wo  selbes  nach  vorne  UMd)icgt,  14 — 1i>  S(dche 
messertormige  Rechenzähne,  von  denen  die  längsten  '^'/o  "  erreichen 
und  am  dritten  noch  längeren  Kiemenbogen  eheinlaselbst  über  20. 
Da  der  ganze  Kopf  schief  ins  Gestein  eingesenkt  ist,  so  bekommt  man 


296  K  n  .  r. 

auch  noch  einen  Tlu'il  (h-r  Kicnienhüj^cn  der  anderen  (reehlen)  Seite 
zu  sehen.  —  Der  Obertheil  des  Scliädels  sammt  dem  Augen i-inge  ist 
sehr  /erstört,  doch  machen  Bruchstücke  von  Knochen  gewilJi,  dit(5> 
auch  entweder  Deckknochen  oder  doch  eine  knöcherne  Schiidelkapsel 
vorlianden  war.  Zufolge  der  schielen  Lage  des  Kopfes  dürften  nahe 
dem  Stirnprotije  die  Abdrücke  heider  Augen  übereinander  zu  er- 
kennen sein;  doeh  bleibt  die  Deutung  dieser  ganzen  Parthie  des 
Kopfes  unsicher.  Unmitteliiar  an  <las  Ende  des  Kiemenapparates 
schließen  sich  die  starken  Schulterknochen  der  beiden  Brusttlossen  an. 
Auch  hier  bildet  wie  stets  der  starke  Stachel  des  äußern  Randes  der 
Flosse  mit  dem  röhrigen  Schulterknochen  einen  rechten  Winkel.  Die 
Länge  des  letztern  beträgt  hier  fast  genau  1 ",  seine  Dicke  in  der  Mitte 
2"',  an  d(!m  breitern  Ende,  mit  dem  er  an  den  Stachel  grenzt,  aber 
5'";  sein  anderes  Ende  scheint  frei  in  zwei  Spitzen  auszulaufen, 
keinen  Gelenkkopf  besessen  und  lose  im  Fleische  gesteckt  zu  haben; 
wie  (ließ  auch  wohl  mit  den  Stacheln  selbst  der  Fall  war.  Der  große 
Pectoralstachel  ist  zwar  nur  einerseits  theilweise  erhalten,  abei'  sehr 
kräftig,  näiidic!.  über  2 'Z^'"  breit,  bei  einer  Länge  von  1"  5'",  längs  der 
Mitte  gekielt  und  beiderseits  des  Kieles  gefurcht.  An  seinem  InnenramI 
und  längs  des  Schulterknochens  reihen  sich  dann  in  der  Breite  von 
7 — l^lz"  die  zahlreichen  Abdrücke  bis  7"  langer  strahlenähnlichen 
Gebilde  an,  die  scln\erlicli  gegliederte,  sondern  einfache  Faser- 
strahlen waren  und  wie  bei  faserstrahligen  Flossen  in  die  über- 
schuppte Flosseniiaut  eingesenkt  waren. 

Auch  die  Gegenplatten  Nr.  1201  (auf  Taf.  VIII)  umfassen  den  Kopf 
und  einen  großen  Theil  des  Rumpfes  bis  zur  Dorsale  von  einem  nur 
wenig  kleineren  Individuum,  dessen  Koptlänge  ebenfalls  4"  betrug  und 
der  einige  hübsche  Details  zur  Anschauung  bringt.  Das  vermuthliche 
Zungenheinhorn  liegt  hier  frei  neben  dem  Futerkiefer  und  liinterdessen 
oberen  Rande  sind  zahlreiche  dünne  Kiemensti-ahlen  zei-slreut  umher- 
gelagert. Es  zeigt  sich,  daß  der  Unterkiefer  nur  sanft  gebogen  und 
nicht  länger  als  der  obere  war  und  am  Rande  feine  Spitzzäline  trug; 
zur  Bildung  des  obern  Mundrandes  scheinen  Zwischen-  und  Oberkiefer 
beigetragen  zu  haben  und  erstcrer  etwa  7'",  letzterer  8'"  lang  gewe- 
sen zu  sein;  das  vordere  Ende  des  Oberkiefers  war  nur  wenig  liTdier 
als  V" ,  das  hinlere  breitere  über  2'";  die  ganze  Länge  der  Mund- 
spalte betrug  an  tiem  vorliegenden  Exemplare  nahezu  1"  2'",  die 
Länge  des  Unterkiefers  volle  2".  Zähne  am  Zwischen-  und  Oberkiefer 


l'lipf  Cijiuhiipouia  (fadi forme  iiov.  sfii.  et  spec.  iiiii]  AcuiUhodcs  clo.  /t\)  t 

sind  nicht  ei-kcmiliar".  Dit;  KieinciiboGfon  rt'iclitcii  his  i;t'H('ti  den  Auraiiu; 
des  OhorkielVi's  iittcli  vorwärls.  Das  Profil  der  Scliiiaiize  bildeU'  bis 
zum  crliabendsten  Scheitelpunkte  ein  Bogensegment.  Die  größte 
Koptliöhe  daselbst  hinter  den  Augen  maß  21/3".  Die  Augen  standen 
nahe  dem  Schnauzenrande  und  sind,  da  der  Kopf  stark  ineijuetscht 
wurde,  liier  beide  durch  die  theihveise  erhaltenen,  gewölbten 
kuiichernen  Augenringe,  deren  Oberfläche  feinkörnig  war,  kenntlich. 
Der  Längsdurchmesser  des  unteren  Augenrandes  (d.  h.  des  iinkenj 
beträgt  über  '/o",  der  Abstand  vom  andern  hier  ganz  nahe  am  obern 
Profilraude  sichtbaren  oder  die  scheinhare  Stirnbreite  zwischen  beiden 
etwa  5'".  Hinter  den  Augenringen  deckten  den  Scheitel  wahr- 
sclieinlich  ebenfalls  ki'irnig  rauhe  Schilder,  deren  Zahl  und  Umrisse 
aber  unsicher  bleiben  (auch  Römer  bildet  deren  ab).  Der  Abdruck 
des  Kiemengerüstes  und  der  Rechenzähne  ist  hier  wenig  deutlich, 
gut  sind  hingegen  wiederdie  beiden  Brustflossenstacheln,  von  denen  der 
eine  21/3"  lange  und  1 '/a'"  breite  sich  eng  an  Atw  Scliulterknochen 
anlegt  und  unter  sich  zahlreiche  Faserstrahlen  zeigt;  der  andere, 
dessen  Spitze  abgebrochen,  aber  etwas  entfernt  vom  Schulterknochen 
liegt  und  dessen  festsitzendes,  in  die  Flossenhaut  eingesenktes  Ende 
ohne  Spur  einer  Gelenkverdickung  in  eine  schief  abgestutzte  dünne 
Spitze  ausläuft;  auch  neben  ihm  sind  Faserstrahlen  sichtbar,  der 
zweite  innere  Pectoralstachel  jedoch  fehlt  an  beiden  Flossen.  Ob  das 
weit  zurück  am  Rande  des  Rumpfes  aus  der  Haut  vortretende  kurze 
Stachelfragment,  der  Dorsale  oder  Anale  angehörte,  läßt  sich  bei  der 
stark  verdrehten  Lage  des  Rumpfes  nicht  entscheiden.  Von  den 
Seitenlinien  sind  theihveise  Ale  beiden  oberen  zu  erkennen,  und  zwar 
wird  die  mittlere  nur  durch  eine  Furche  bezeichnet,  welche  nach 
oben  und  unten  von  viereckigen,  nur  etwas  größeren  und  aufstehenden 
Schuppen  eingesäumt  wird,  die  nicht  bloß  an  ihrer  äußeren  emailirteu 
und  glänzenden  Oberfläche  mehr  weniger  gewölbt  sind,  sondern  sich 
häufig  in  eine  niedere  Spitze  oder  einen  excentrischen  Höcker  erheben. 
Mit  den  Nummern  1202  und  1203  sind  zwei  sehr  instructivc 
Schwanzstücke  bezeichnet,  aus  denen  ersichtlich  wird,  daß  die  Schwanz 
flösse  nicht  blos  mit  einer  starken  skeletlichen  Grundlage,  sondern  auch 
entweder  mit  weichen  Glieder-  oder  nur  mit  Faserstrahlen  ringsum 
versehen  war.  Die  Länge  des  einen  größern  Stückes  Tat".  VII,  Fig.  1, 
beträgt  J)"  3",  doch  fehlt  noch  die  äußerste  Spitze  des  obern  längeren 
und    schmäleren    liappens.   Die   Höhe    der  Caiidale  mißt  5"  und  fast 


K  n 


clienso  vifl  die  IJirih'  des  mitcrn  Lappens,  während  die  des  ohern 
Lappens  soueil  er  erhallen  isl,  niu-  1"  2'"  beträgt.  Das  Individnuni, 
dem  diese  Fhisse  angehörte,  war  daher  von  besonderer  GrütJte,  die 
Höhe  des  vSchwanzstieles  vor  Beginn  der  fandale  niilJ»t  1"  10".  War 
nun  diese,  sowie  bei  dem  kh'inslen  Exeniphire  aneh.  (h'r  iialhen  Ki>r- 
perhi'die  nahezu  gh'ieh,  so  iä(U  dies,  da  die  grölMe  Hohe  meistens 
,^'/:.nial  in  der  Gesainmthinge  enthalten  war,  auf  eine  Totallänge  von 
18  —  20"  wenigstens  sehliel^en,  und  es  dürfte  somit  alle  bekannten 
Individuen  an  (irölje  iibertrolVen  haben.  Das  zweite  etwas  kürzere 
Stück  Tat",  V,  Fig.  2,  slanunte  von  einem  nur  wenig  kleineren 
fiidividuum.  Beide  Stücke  machen  crsichllich,  dalJi  die  Chorda, 
wie  bei  ächten  (lanoiilen  und  Squaliden,  durch  den  längern  und 
selimälcrn  ohern  t'audallappen  bis  nahe  zu  dessen  Spitze  sich 
erstreckte ,  dalJi  knöcherne  Wirbelelemente  w  eiter  vorne  sränzlich 
fehllen  und  daß  solche  erst  vor  Ende  der  Chorda  bei  ihrem  Ein- 
tritte in  die  Flosse  auftraten.  Zwischen  die  hier  ziendicb  großen 
quadratischen  und  dicken  Schuppen,  die  den  ganzen  Schwanz 
und  die  Flosse  bis  an  den  Saum  überdecken,  eingebettet  liegt  längs 
des  (diern  Randes  der  Ch(u-da  eine  [leihe  von  14 — ^15  länglich  rhom- 
bischen Schildern,  die  als  Schindeln  das  Rückenmarksende  von 
nhcn  deckten,  während  iiiilerhalb  desselben  von  der  fjostreuunngs- 
slelle  des  untern  [^appeus  kni'ichcrne  untere  Rogeuschenkel  zur  Enl- 
w  icklung  kommen,  die  als  h(dilc.  kurze  aber  weite  |{öhren  in  gleicher 
Zahl  wie  jene  vorkauten  und  die  meines  Eraclilens  nicht  sowohl  als 
untere  Dorid'ortsätze,  wie  vielmehr  als  Sirahlenträger  für  den  unteren 
Caudallappen  fungirten.  Solcher  Rogenscbenkel  und  Strahlenträger  sind 
l)ei  Iteidcn  Exemplaren  im  Ganzen  12  zu  zählen,  v(mi  denen  die  vier 
letzten  kürzer  als  die  vorhergehemlen  sind  und  weiler  von  ihnen  und 
zwar  in  ungleichen  Zwischenräumen,  abstehen.  Auf  sie  folgten  dann  erst 
bis  zum  Saume  des  Caudallap[)ens  die  zahlreichen  langen  und  dünnen 
Faserstrahlen.  .Amobern  Caudallappen  fehlen  Rogenschenkel  und  Strah- 
lenträger, doch  gewahrt  man  auch  hier  dünne  Faserstrahleu  unter  den 
Schup|)en  der  sie  üherkleidenden  Haut.  —  Die  Schuppen  erscheinen 
hier  fast  glei{;h  dick  wie  hoch  und  lang,  und  die  lueislen  au  der  Ober- 
fläche convex.  Sie  liatleu  daher  eine  fast  kubische  Geslall  und  lagen 
derart  in  schiefen  Reihen,  daß  nuui  sie  nicht  imiiassend  mit  den 
Granitwürfeln  des  Wiener  Straßenptlasters  oder  wie  R(imer  mit 
Mosaiksteinchen  vergleichen  kann. 


über   Cniicfiapowfi  (ja<Ufi>riiie  nov.   ^i'H.   t-t   spcr.   iiTi.l  Acuiilhiiilrs  etc.  .l\S\) 

Zwei  (;("i;('ii|»lj(ll('n  siil>  Nr.  1204,  die  den  Abdruck  eines 
l{iiiii|irslfi('k('s  imhI  /.\v;ir  des  Vorderrmn|ifes  bis  hinter  den  l)ni-s:il- 
iiiid  AiKilslacliel  eiitli;dt('ii.  jedoeli  keine  Spur  nielir  von  den  Kru^t- 
tlossen,  sind  noch  insbesondere  erwiibnensw  ertb  we^en  der  l>esebu[t- 
piing  der  beiden  Seitenlinien  und  der  unter  der  Haut  dnrebsebirnniernden 
Abdrüeke  der  seitliehen  großen  Rumpfmuskeln,  wie  sie  auf  Taf.  V'II, 
Fig.  2  dargestellt  sind.  Die  Lagerung  der  Muskelbündel,  aus  denen 
sie  bestellen,  in  zwei  fjängsreiheu  übereinander,  die  sieh  unter  Win- 
keln schneiden,  deren  Spitze  naeJi  vorwärts  sieht,  ist  genau  dieselbe 
wie  bei  lebenden  Fischen.  Diese  großen  Muskelscbichten  bilden  mit 
zwei  schiefen  Längsreiben  kleinerer  Muskelbündel,  deren  die  obere 
längs  des  Rückens,  die  untere  des  Bauches  verlauft,  deutliche  Zick- 
zacklinien. Die  zwischen  den  beiden  mittleren  oder  Hauptreihen  dieser 
Muskelscbichten  befindliche  Trenuungsfurche,  in  der  sie  fast  unter 
rechten  Winkeln  an  einander  stoßen,  verlauft  längs  der  Seilen  des 
Rumpfes  gerade  da  wo  über  ihr  die  obere  Seitenlinie  hinzieht,  wäh- 
rend die  zweite  Seitenlinie  mindestens  7 '"  tiefer  dem  Hauchrande 
genähert  verläuft  und  indem  sie  sich  vorne  noch  mehr  senkt,  sich 
noch  weiter  von  ihr  entfernt.  Sogar  die  Sehnen  zwischen  den  ein- 
zelnen Muskelbündeln  sind  tbeilweise  im  Abdruck  zu  erkennen,  so 
daß  es  stellenweise  scheint,  als  wären  Abdrücke  von  Rippen  sichtbar, 
die  jedocIi  ganz  siclier  lehlteu.  Sowohl  hinter  dem  Dorsal-  m  ie  dem 
Analstachel  ist  die  völlig  überschuppte  Flossenhaut  als  breiter  Lappen 
sammt  den  eingesenkten  Faserstrahlen  zu  erkennen  und  auch  der 
Verlauf  der  dritten  Seitenlinie  noch  tlieilweise  zu  verfolgen.  Gerade 
der  Mangel  eines  knöchernen  Skeletes  und  die  dadurch  bedingte 
Weichheit  des  Rumpfes  und  die  ausnehmend  kleinen  Schuppen, 
welche  auch  den  ganzen  Kopf  überdeckten,  machen  erklärlich,  wie 
sich  nicht  blos  das  Kiemengerüste  mit  allen  Rechenzähnen,  sondern 
auch  die  Abdrücke  der  Rumj)fmuskeln  so  deutlich  erhalten  konnten. 
Aus  ticn  vorstehenden  Beschreibungen  und  Abbildungen  ergibt 
sich  nmi  nicht  Itlos  ein  vollständigeres  Gesammtbild  der  (Jattung, 
sondern  auch,  dal's  alle  früheren  Angaben  und  Darstellungen  mehr 
oder  minder  mangelhaft  oder  unrichtig  waren  und  daß  der  Charakter 
der  Gattung  nicht  unwesentliche  Modificationen  erfahren  muß.  \\  as 
zimächst  die  ideale  Figur  1  auf  PI.  a  in  den  Recherch.  tom.  I  von 
Agassiz  betrifft,  so  ist  diese  vielfach  unrichtig;  der  Unterkiefer 
steht  zu  weit  vor.  die  Flossenverhältnisse  sind  verfehlt,  die  Rauch- 


300  Kne. 

flössen  ganz  vergessen,  vom  Kiemengeriistc  so  wenig  eine  Andentnng. 
wie  von  einer  skeletlielien  Grnndlage.  Prof.  Quenstedt's  An- 
galien in  seiiM'in  Handhuclie  der  Peti-et'actenknnde,  Tühing.  1851 
sind  nnr  kinv,  nnd  die  Al)l)ildnngen  von  Arjoithod.  Brmi/ni  auf"  Taf.  15 
ziendieli  unklar,  doch  deutet  er  vieUaeli  richtiger  als  namentlich 
Prof.  Ferd.  Römer,  der  zwar  die  ausführlichsten  Angahen  und  die 
am  schiinslen  au!^geführt«Ml  Abbildungen  h'eferte,  aber  häufig  minder 
gut  deutet  und  hierin  in  vielen  Punkten  auch  von  Prof.  H.  Troschel 
übertreffen  wird.  Letzterer  gibt  in  den  Verhandlungen  des  natur- 
bistorischen  V^ereins  fürRheinlande  und  Westphalen  XIV.  Jahrg.  neue 
Folge  IV  ganz  richtig  an:  das  Veriiiiltniß  der  Kopf-  zur  Totailänge, 
dalJ»  die  Schnauze  kurz  und  der  Kopf  nicht  deprefJt  war,  ferner  die 
Form  der  Schuppen  und  den  Verlauf  der  Seitenlinien.  Nur  ist  Fig.  3 
auf  Taf.  1  in  dieser  Beziehung  nicht  gut;  übrigens  machen  alle  Figu- 
ren auf  Taf.  1  keinen  Anspruch  auf  Genauigkeit,  besonders  Fig.  1 
zufolge  der  Seitenlinien  und  der  Flossenhäute,  Fig.  6  dagegen  wegen 
des  Brustflossenstachels  und  der  Faserstrahlen.  Ziemlich  gut  ist  der 
Unterkiefer  in  Fig.  8  auf  Taf.  2  abgebildet  mit  dein  unten  fest  anlie- 
genden Zuiigenbeinhorne  und  den  Kiemenstrahlen  nebenbei;  auch 
die  Deutung  und  Darstellung  der  Rechenzähne  ist  gut.  Der  ausführlichen 
lieschreibung  t]eiiAcantho{les gracüis,  welche  Prof.  Ferd.  Römer  in 
der  deutschen  geologischen  Gesellschafts-Zeitschr.  1857  (über  Fische 
und  Pflanzen  führende  Mergelschiefer  des  Rothliegenden  bei  Klein- 
Neundorf,  besonders  über  Aca?ithodes  grncilis  =  Holacanthodea 
gmci/ls  lieyr.  Monatsber.  der  Berliner  Akad.  1848,  S.  24—33) 
lieferte,  sind  auf  Taf.  3,  f)  hübsch  ausgeführte  Abbildungen  beigege- 
ben, von  denen  Fig.  1  die  ideal  ergänzte  Abbildung  des  ganzen 
Fisches  zeigt  und  die  folgenden  Figuren  einzelne  Details  darstellen,  die 
viel  Richtiges  aber  auch  Falsches  enthalten.  Ganz  unrichlig  ist  der 
Kopf  dargestellt,  im  Ganzen  zu  klein  und  kurz,  namentlich  der  Mund 
schlecht,  das  Auge  zu  klein,  die  Form  der  Kiemenbogen  und  ihre 
Deutung  nicht  gelungen;  die  Kiemenstrahlen  werden  als  tischbein- 
artige Stäbchen  bezeichnet,  die  sich  schief  an  di(>  dünnen  Unterkie- 
feräste (meine  Zuiigenbeinhörncr)  anfügen.  Als  gut  sind  überhaupt 
von  allen  Figuren  zu  bezeichnen  Fig.  8  b  und  8  c,  als  vielfach  un- 
richtig Fig.  1  und  2,  als  unklar  oder  nur  Iheilweise  gelungen  Fig.  3, 
ö,  6,  7  und  9:  die  Kienienbogeii  und  Recheiizähiie  wurden  ungenü- 
gend erkannt,  ebenso  die  Seitenlinien,  und  die  Angabe,  dali  Zähne 


1 


Übel'  Conc/iopoiiiu  ijudifurme  iiov.  yi-ii.  et  spec.  uinl  Acuntlindcn  etc.  301 

fehlen,  erwies  sieh  eheiilalls  als  unrichtig.  Bezüj^lieh  der  Schuppen 
der  Seitenlinie  und  der  Form  des  Brusttlossenstachels  ist  Römer 's 
Abbildung  besser  als  jene  von  Troschel,  dagegen  ist  die  Flossen- 
haut hinter  der  Brust-  und  Afterflosse  wieder  bei  Römer  zu  lang  und 
groß,  die  mehrfachen  Seitenlinien  und  die  ungleiche  Grüße  der 
Schuppen  und  dieForm  der  Schwanzflosse  sind  ebenfalls  bei  Römer 
ungenau.  Romer's  Angaben  und  Figuren  beziehen  sich  zwar  zu- 
nächst auf  den  als  gracilis  bezeichneten  Acanthodes,  der  den  schwar- 
zen Schiefern  des  Rothliegenden  im  Rieseiigebirge,  insbesondere  von 
Klein-Neundorf  eigen  sein  und  sich  von  dem  Acanthodes  Bronnü 
Ag.  des  Saarbriickener  Gebirgs  unterscheiden  soll.  Römer  bezeich- 
net zwar  die  Übereinstimmung  zwischen  beiden  selbst  als  so  groß, 
daß  sich  nur  schwierig  specifische  Unterschiede  zwischen  ihnen  fest- 
halten lassen,  gleichwohl  aber  glaubt  er  mehrere  solche  angeben  zu 
können.  In  wieferne  selbe  verläßlich  und  stichhältig  sind,  dazu 
mögen  noch  folgende  Angaben  und  Bemerkungen  dienen. 

Römer  hebt  als  unterscheidende  Merkmale  des  Acanth.  gra- 
cilis von  Ac.  Bronnii  hervor:  die  schlankere  Totalgestalt,  etwas 
größere  Schuppen,  und  die  relativ  stärkeren  und  weniger  gebogenen 
Flossenstacheln;  die  Körperhöhe  gibt  er  auf  weniger  als  1/9  der  To- 
tallänge an  und  die  Länge  des  Kopfes  bis  zum  Schulterknochen  auf 
kaum  Ve ,  während  diese  bei  unseren  Lebacher  Exemplaren  minde- 
stens 1/4  der  Totallänge  beträgt.  Diesen  V^erhältnissen  nach,  wie  auch 
bezüglich  der  Entfernung  des  Ventralstachels  von  dem  pectoralen 
und  analen  ließe  sich  allerdings  mit  Recht  schließen,  daß  der  A. 
f/mcilis  von  Klein-Neundorf  von  den  Lebacher  Acanthoden  specifisch 
verschieden  sei  und  dafür  würde  auch  das  abweichende  Verhältniß 
des  obern  zum  untern  Caudallappen  und  die  Angabe  sprechen,  daß 
mit  Ausnahme  der  Augenringe,  der  schmalen  Unterkieferäste  und  der 
Schulterknochen  keine  Spur  eines  inneren  Skeletes  sich  vorfinde  und 
daß  auch  jede  Spur  von  Zahnen  in  den  Kiefern  fehle.  Erwiesen  sich 
alle  diese  Unterschiede  und  Angaben  wirklich  stichhältig,  so  ließe 
sich  an  wirklicher  Artverschiedenheit  um  so  weniger  zweifeln,  als 
noch  für  die  Lebacher  Acanthodes  das  oben  factisch  nachgewiesene 
Vorkommen  eines  zweiten  inneren  Pectoralstachels  und  einer  mehr- 
fachen Seitenlinie  als  hochwichtige  Unterscheidungsmerkmale  hinzu- 
kämen. Von  Römer  geschieht  allerdings  der  beiden  zuletzt  genannten 
Merkmalebei  ^c.  ^r.  keine  Erwähnung;  nebst  der  gewöhnlichen  Sei- 


o  0  2  K  11  e  r. 

li'iiliiue  erwähnt  tu- nur  noch  dernietlianen  an  dtü"  Hauclisoite,  hält  aber 
(las  Anl'treten  einer  zweiten  höher  liej^entlen  nur  l'iir  eine  Täuscliung, 
die  dadnreh  entslehe,  (la(!>  man  ilie  Seitenlinien  der  enlgegengesetz- 
(en  Seite  des  Fisches  diirchscliininiern  sehe.  Ans  dem  verschiedenen 
Anseilen,  welches  die  dicken  last  knhisciien  Schii|(pen  in  der  That 
an  ihrer  äußeren  oder  (dieren  und  der  glanzldsen  gewölbten  Unter- 
lläche  gewäiiren,  erkennt  man  allerdings  lei(dil  die  Schuppen  dir 
rechten  und  linken  Körperseite,  und  es  ist  in  V\  irklichkeit  nicht  sel- 
ten, daß  man  an  einem  und  demselben  Stücke  Schuppen  von  der 
rcclitt'n  und  linken  Körperiiälfte  erhallen  lindet.  Aber  gleichwohl 
licridil  die  Angabe  einer  doppelten  Seitenlinie  (nebst  einer  ventra- 
len) nicht,  wie  Römer  vermnthet,  auf  bloßer  Täuschung.  Römers 
\'ermuthung  ließe  sich  auch  kaum  mit  jener  Annahme  in  Einklang 
bringen,  daß  die  Dicke  des  Fisches,  d.  h.  der  Querdurchmesser  des 
Rumpfes  nicht  ganz  unbedeutend  gewesen  sein  nn'ige;  denn  obwohl 
es  ihn  berremdel ,  daß  von  den  Eingeweiden  und  W'eichtiieilen  sicli 
keine  Spin-  zwischen  der  besciiuppten  Haut  der  rechten  und  linken  Seile 
ei'halten  habe,  so  könne  docli,  wie  Römer  meint,  die  Dicke  des 
Rumpfes  deßhalb  nicht  gar  unbedeutend  gewesen  sein,  weil  sonst  gar 
zu  wenig  Raum  für  die  Bauchhöhle  und  die  Eingeweide  geblieben  wäre. 
Diese  Annahme  w iire  zwar  schon  deßhalb  niclil  nölhig,  weil  es  un- 
ter den  lebenden  Fischen  nicht  wenige  langgestreckte  und  derart  com- 
presse  Formen  gibt,  daß  man  nicht  bloß  kaum  l)egreift,  wie  die 
Eingeweide  in  der  schmalen  Bauchhöhle  Platz  luiden,  sondern  wo  in 
der  That  diese  nicht  Raum  genug  in  ihr  vorfinden  (Bandlische,  Pleu- 
ronectiden  und  einige  Siluridenj;  aber  es  ist  überliaupt  die  Beliauj)- 
tiing.  daß  sich  nie  ein  Abdruck  von  VVeichtheilen  erhielt,  nicht  rich- 
tig, wie  aus  den  vorhergehenden  Beschreibungen  und  Abbildungen 
ersichtlich  ist,  wo  bei  Fig.  1  auf  Taf.  V  der  Inhalt  des  Verdammgs- 
rohres  (die  Estheriensciialen)  und  bei  Fig.  2,  Taf.  Vll  die  Rumpl- 
muskeln  im  Abdruck  erhalten  sind,  und  die  beiden  Schwanzstücke 
Zeugniß  geben,  daß  auch  ein  rudimentäres  inin-res  Skelet  zur  Ent- 
wicklung kam. 

W  as  nun  das  N'oikonunen  eines  zweiten  inneren  Bruslflossen- 
stachels  anbelangt,  so  wäre  dieses  ohne  Zweiftd  von  noch  größerem 
(»ewichle  bezüglich  der  wS[»eciesfrage  als  alle  übrigen  erwiihnlen  Ab- 
weichungen, die  wohl  auch  nur  von  ungleichen  Erhaltungszusländen, 
von  Größe  und  Altersunterschieden  hernihren  könnten,  und  der  Klein- 


über  Cuiwhopoma  yadifurme  nov.  gen.  et  spee.  uinl  Acanthodea  etc.  uüt> 

Neiiiidorfer  Acantli.  gracilis  Rom.  wäre  entschiedeii  wenigstens 
s|)ecifiseh,  wo  nicht  generisch  von  dem  Lebacher  A.  Bronnii  zu 
trennen,  wenn  nur  bei  letztem  sich  ein  zweiter  innerer  Brustflossen- 
stachel vortände.  Doch  dies  ist  keineswegs  der  Fall.  Ein  ziendich 
großes  und  gut  erhaltenes  Exemplar  des  Acanth.  gracilis  von  Klein- 
Neundorf,  welches  im  Besitze  des  kais.  Hof-Mineraliencabinetes  sich 
befindet,  zeigt  ebenfalls  ganz  deutlich  den  zweiten  innern  uiul  klei- 
nern Hrustflossenstachel,  und  es  erscheint  daher  befremdend,  daü  bei 
den  zahlreichen  Individuen,  welche  Römer  zu  vergleichen  Gelegen- 
lieit  hatte,  niemals  ein  solcher  bemerkt  wurde.  Allerdings  mögen 
sowohl  im  Rolhliegenden  des  Erz-  und  Riesengebirges  wie  jenem  des 
Sarbrückner  Kohlenrevieres  zweierlei  Arten  von  Acunthodes  vorkom- 
men: Eine  mit  nur  einfachem  äußern,  und  die  andere  nebst  diesem 
nocii  mit  einem  innern  Pectoralstachel  und  letztere  mag  auch  viel- 
leiclit  viel  seltener  gewesen  sein,  denn  auch  unter  den  so  zahlreichen 
Exemplaren ,  die  ich  in  Saarbrücken  zu  vergleichen  Gelegenheit 
hatle,  fand  ich  nur  wenige  vor,  die  einen  doppelten  Pectoralstachel 
besaßen.  Daher  mag  sich  auch  erklären,  daß  keinem  der  früheren 
Beobachter  von  Acanthodes  zufällig  Individuen  der  letzteren  Art  un- 
ter die  Hände  kamen.  So  viel  steht  aber  fest,  daß  beide  muthmaß- 
liche  Arten  sowohl  dem  Rothliegenden  des  westlichen  wie  des  östli- 
chen Deutschland  zukommen,  und  daß  der  Artunterschied  zwischen 
A.  Bronnii  und  gracilis  nicht  auf  dem  Mangel  oder  der  Gegenwart 
des  zweiten  Brustflüssenstachels  beruhe.  Als  ein  brauchbarer  Artunter- 
schied scheint  sich  mir  vielmehr  die  Stellung  der  Ventralen  zu  be- 
währen. Bei  Römer'sFig.  1  von  Ac.  gracilis  steht  der  kleine  Ven- 
tralstachel den  Brustflossen  viel  näher  als  der  Anale  und  ebenso  ver- 
hält sich  seine  Stellung  aucli  bei  dem  gracilis  von  Klein-Neundorf 
im  kais.  Hof-Mineraliencabinete.  Noch  andere  mehr  oder  minder 
brauchbare  Artunterschiede  dürften  die  bereits  von  Römer  hervor- 
gehobenen abgeben,  nämlich  die  bei  Ac.  gracilis  gestrecktere  Total- 
gestalt und  die  verhältnißmäßig  bedeutend  größeren  Schuppen;  da- 
gegen möchte  ich  auf  die  Stärke  und  Krümmung  der  Stacheln  weni- 
ger Gewicht  legen.  (Daß  auch  dem  A.  gracilis  die  Stützknochen  für 
die  Caudallappen  nicht  fehlen,  davon  gibt  unser  Klein-Neundorfer 
Exemplar  ebenfalls  klares  Zeugniß.)  Ob  sich  etwa  noch  andere 
brauchbare  rnlei'schiede  auffinden  lassen,  muß  einstweilen  dahin- 
gestellt bleiben. 


304  Kner. 

U'a.s  schließlich  die  Stellung'  der  GaUuiig  Acnnthodes  im 
Systeme  hetrilTt,  so  kann  nieiiui-  Ansicht  nach  kein  Zweifel  darüher 
bestehen,  daß  sie  den  Ganoiden,  in  dem  Sinne,  wie  man  diese 
aufzulassen  pflegt,  einzureihen,  ahei'  keineufalls  den  S(jualiden 
zunächst  zu  stellen  sei,  und  weder  den  Mulosteis  beizuzählen 
sei,  nach  überhaupt  irgend  einer  lebenden  oder  fossilen  Gruppe 
oder  Familie,  sondern  vielmehr  zu  jenen  Formen  gehöre,  die  sich 
in  unsere  Systeme  dermalen  nicht  einreihen  lassen,  die  wir  als 
exstincte  Typen  ansehen  müssen,  und  bei  denen  wir,  wenn  wir  sie 
auch  als  vorbereitende  und  Übergangsformen  auffassen  wollen,  doch 
den  Übergang  und  Zusammenhang  mit  den  Formen  der  (Gegenwart 
vorerst  nicht  nachzuweisen  vermögen.  Die  Eigenthümlichkeit  eines 
Stachels  am  Auf^en-  und  Innenrande  einer  Flosse  findet  sich  zwar 
ausnahmsweise  auch  bei  Fischen  der  Jetztzeit  vor,  bei  diesen  jedoch 
nicht  bezüglich  der  Brust-  sondern  der  Bauchtlossen,  und  kommt 
überhaupt  nur  bei  Fischen,  nämlich  den  Teuthiern  (^Amphacanthus) 
vor,  die  nicht  im  entferntesten  einen  Vergleich  mit  Acanthodes  zu- 
lässig machen. 


I'n.f.  Klier,  rbur  (■oiirlio|..pnia  ri .  gen  u.  Acaiilhodes  Ag'. 


^B?^H?!ÖF=*i,  «J""^ 


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KudScl.nT.il  iL.^l  Hii  §ez  u  lith 


SllzNN-.sl.  ,l.k.,\k.ul  ,1  \V.Mia1li.iia1ui-w.n.LVn.Bcl.  1. Alilh.  1868. 


lil 


Aue  d  k  klof-ii  StaalsiruAe: 


I 


Prof.  Klier.  Hhi-r  Ion.  I,u|."riia  ii.  »Mi-iiAiaiüliocIes  Ag'. 


Tat.  II. 


Sud.  Sdiörni  11  d  Sat  |ez  u  lith 


Aus  d  k  klot-a.  Staatsdrudkete: 


.■iilziiii^-sli  il.k..\k;ul,,}  W.m;i1li,iia|.Mi-w.Cl.LVI[,B(l    1.  Alith.  IlStiS. 


Prof.  Kner    (Tbin-  ConcliofiotriH  n  .  gcri.u.  Acanthodes  Afi".  Taf.UI. 


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Eud.  "clioiin  -    i  Nat  gez  u  lit;}i  Auö  d  k,kIiof-u,St,aatsctrucTce>. 

Sitzung'sb.d.kAkad.d  W.math.nafurw.C'I.LVII.Bd,  [  AMh.  1868. 


ProT.  Klier.  iT)«r  Coiifhopoma  n  .  «eii.u.Acanthodps  Ae-  Taf 


IV. 


^/-^ 


".,» .VV5', 


Rad.  Scnöiin  n.  d  ITat  gez  u  hth  A-ug  d  k  küot ,;  ^'raaucback-c- 

Sitzune.sb.d.k.Ak;id.(l  Vf.mfrth.jiaturw.n.LTII.Bd.  l.AWi.  1868. 


Pi'ol'.  KneT.  t'hrt'  ('()ii('liü|i(jiiiw  M  .  ^fii.u.  Acaiilliixics  A; 

1. 


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.•0:1.  .Strohmayer,  aei.  u .  lilii.  A,,ic  ui:  ■^.Jiui--a  Staa,i,:ai.-ac]ievjii. 

Sitzim^sb.rl.k.Akn,cl.(l  W.  nia1li,naturw.  ri.lYn."Bd.  T.  AMli.  1S68 


Ti'of .  Kjier.  Über  ('oiicliopomn  ii .  gen.u.  Acüiillioilfs  A; 

I.      .^ 


lidTI. 


Aus  d.k.k.Tiof-ü.StaatsdTuci-ei-    -««aaaBB^"  ,Juh.  Strohma/er  del.  ii.litli. 

SitzuTi^sb.d.k.Akad.tnf.inai]i.3tatiirw,a.LVIl.B(l.  l.AMh.i868. 


Erof .  Kner.  ITber  l'üucliopiHiin  n   üf-nu.  AchuIIioiIj'.s  Ai^. 


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"<  Eci-uStaitsilruckeie: 


Sitzuiie'sb.d.k.Akadd  \V.7natl1.nafurv.n.  LVn.Bd.  I.  Abth.  1868. 


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B-of.  Rner.  über  ConrliofiomH  n  .  ^en.u.  Acauthofles  Aa 


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Ablli.lS68. 


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I'ber  CoiHhopiiiim  'jud/ forme  nov.  gen.  et  spec.  u.  Acantliodcs  de.  303 


I^jiklä  i'ung    der    Tafelnl 


Tafel  I. 

Fig.  1.  Conchopuma  gadiforme  m.  Seitenansicht  in  natürlicher  Größe. 
„     1  fl.  Eine  Gruppe  von  Zähnen  desselben,  vergrößert. 
„     2.   Ein  kleines  Exemplar  desselben,  in  natürlicher  Größe. 

Tafel  II. 

Fig.  1.  Fragment  eines    großen  Kopfes   mit    dem    muschelförmij^en   Kiemen- 
deckel, natürliche  Größe. 
„     2.  Schwanzende  eines  großen  Individuums,  in  natürlicher  Größe. 

Tafel  III. 

Fig.  1.  Kopf  und  Vorderrumpf,   ersterer  flach  gedrückt,  von   der  Kehlseite, 

natürliche  Größe. 
Fig.  i  a.  Einige  Schuppen,  vergrößert. 

Tafel  IV. 
Fig.  1.  Stark  depresses  Kopfstück  desselben  von  oben,  natürliche  Größe. 

Tafel  V. 

Fig.  i.   ylcßH^Aorfes  ^/'aciV/*,  etwa  um  die  Hälfte  vergrößert. 
„     2.  Schwanzstück  eines  größern  Individuums. 
„     2a.  Schuppen  von  oben,  b  von  unten. 

Tafel  VI. 

Fig.  1.  Kopf  und  Vorderrumpf  eines  großen  Exemplares,  von  der  Seite. 
„     1  a.  Einige  Rechenzähne  vergrößert. 

Tafel  Vn. 

Fig.  1.  Schwanzstück  wie  oben. 
„     2.  Rumpfstück  mit  Muskelabdrücken. 

Tafel  VIII. 
Kopf  und  Rumpf  eines  andern  Exemplares. 


Sitzl).  <1.  inattietii.-iiiiturw.  L'l.  LVIl.  Bd.  I.  Ahtli.  20 


306 


V.   SITZUNG  VOM   13.   FEBRUAR   1868. 


Herr  Dr.  H.  Leitgeb,  Professor  der  Botanik  au  der  k.  k.  Uni- 
versitjit  zu  Graz,  übersendet  eine  Abhandlung:  „Beiträge  zur  Ent- 
wiekelungsgesfhiehle  der  Pflanzenorgane". 

Herr  ProC.  Dr.  Ew.  Hering  überreicht  den  II.  Theil  seiner 
Abhandlung:  „Zur  Lehre  vom  Leben  der  Blutzellen". 

Derselbe  übergibt  ferner  eine  Abhandlung,  betitelt:  „Eine  Me- 
thode zur  Injection  der  Lymphbahnen  in  den  Lymphdrüsen",  von 
Herrn  Dr.  G.  Toi  dt,  k.  k.  Oberarzt  und  Assistenten  am  physiologi- 
schen Institute  der  k.  k.  Josephs-Akademie. 

. Herr  Dr.  G.  C.  La u b e  legt  die  IV.  Abtheilung  seiner  Abhand- 
lung: „Die  Fauna  der  Schichten  von  St.  Cassian"  vor. 

Herr  Dr.  S.  L.  Schenk,  Assistent  am  physiologischen  Institute 
der  k.  k.  Wiener  Universität,  überreicht  eine  Abhandlung:  „Beitrag 
zur  Lehre  von  den  Organanlagen  im  motorischen  Keimblatte". 

An  Druckschriften  wurden  vorgelegt: 

Annales  des  mines.  VI*  Serie.   Tome  XI,   3*  Livraison  de  1867, 

Paris;  8«. 
Bauzeitung,  Allgemeine.  XXXII.  Jahrgang.  VTL  — XIL  Heft,  nebst 

Atlas.  Wien,  1867;  4o  &  Folio. 
Biblioth  eque  Universelle  et  Revue  Suisse:  Archives  des  Sciences 

physiques  et  naturelles.  N.  P.  Tome  XXXI,  Nr.  12i.    Geneve, 

Lausanne,  Neuchatel,  1868;  8». 
Comptes    rendus    des    seances    de   TAcademie    des     Sciences. 

Tome  LXVI,  Nr.  4.  Paris,  1868;  4«. 
Cos  mos.    3''   Serie.  XVII*  Annee,    Tome  II,   6*  Livraison.    Paris, 

1868;  8«. 
Gewerbe -Verein,    n.  -  ö. :    Verhandinngen    und    Mittheilungen. 

XXIX.  Jahrg.  Nr.  6.  Wien,  1868;  8«. 


307 

Grunert,   Joli.  Aug.,   Archiv  der  iMathematik  und  Physik.  XLVII. 

Theil,  4.  Heft.  Greifsvvald,  1867;  8«. 
Moniteur  scientifique.    267*^  Livraison.    Tome   X',    Annee    1868. 

Paris;  4". 
Revue  des   eours   scientifiques   et   litteraires   de   la   France   et    de 

l'etraiiger.  V  Annee,  Nr.  10.  Paris  &  Bruxelles,  1868;  4». 
Society,   The  Royal   Dublin:   Journal.    Vol.    V,   Nr.    36.    Dublin, 

1867;  8o. 
Verein,  naturlorschender,  in  Brunn:  Verhandlungen.  V.  Bd.  1866. 

Brunn,  1867;  8o. 
Wiener  Landvvirthschal'tliche Zeitung.  Jahrg.  1868,  Nr.  6.  Wien;  4". 
—  inedizin.    Wochenschrift.    XVill.   Jahrg.    Nr.    12 — 13.    Wien, 

1868;  4". 
Zeitschrift    des   Österreich.  Ingenieur-    und  Architekten -Vereuis, 

XX.  Jahrgang.  1.  Heft.  Wien,  1868;  4«. 


20" 


308  teil  geb. 


Beilräye  zur  Eniwicklimgageschiclite  der  P/lanzenorgane. 
Von  U.  Icitgcb. 

(Mit  4  Tafeln.) 


l   Wachsthum  des  Stämmchens  von  Fontinalis  antipyretica. 

(Tar.   I  — IV.) 

Das  Stämmehen  von  Fontinalis  (inllpyretica  ist  ungemein  ein- 
fach gehallt.  Der  Querschnitt  zeigt  nur  zwei  anatomisch  wesentlich 
verschiedene  Theile :  einen  peripherischen,  der  aus  mehreren  Schich- 
ten ziemlich  stark  verdickter  Zellen  besteht  und  einen  mittleren 
Theil,  der  aus  ungefähr  doppelt  so  weiten  und  mehr  dünnwandig 
bleibenden  Zellen  gebildet  wird.  Ein  axiler  Strang  enger  Zellen  wie 
er  im  Stämmchen  so  vieler  Moose  (aller  akrokarpischen)  gefunden 
wird,  fehlt  hier  gänzlich.  Die  axilen  Zellen  unterscheiden  sich  in 
nichts  von  den  übrigen  des  mittleren  Tlieiles.  Auch  in  Bezug  auf  ihre 
Längenentwicklung  verhalten  sie  sich  gleich;  ihre  Enden  zeigen  sich 
f[uer  abgestutzt,  nie  spindelförmig.  Die  Zellen  des  peripherischen 
Theiles  sind  prosenchymatisch ,  und  im  allgemeinen  doppelt  so  lang 
als  die  des  mittleren  Theiles.  Übrigens  sind  diese  Theile  nicht  scharf 
von  einander  abgegrenzt,  und  vollends  in  sehr  alten  Stämmchen  ist 
auch  kaum  mehr  eine  Begrenzungszone  aufzutinden  (Taf.  IV,  Fig.  1). 

Die  Blätter  bestehen  zum  großen  Theile  nur  aus  einer  Zellenschicht. 
Die  Zellen  sind  prosenchymatisch  und  wenig  verdickt.  Ein  Mittelnerv 
ist  nicht  vorhanden.  Mit  weit  herablaufcnder,  über  i/g  des  Stengel- 
uinfanges  einnehmender  Basis  am  Slämmchen  befestigt,  verbreitert 
sich  das  Blatt  bis  gegen  seine  Mille  hin  ungemein,  nimmt  dann  gegen 
die  Spitze  hin  wieder  allmälig  an  Breite  ab. 

Die  Blätter  stehen  genau  nach  1/3.  An  schlanken  Stammspitzen 
mit  spärlicher  Sproßbildung  stehen  sie  dem  gemäß  selbst  anTheilen, 
die  von  der  Vegelalionsspilze  schon  ziemlich  entfernt   sind,   in  drei 


Beitrage  zur  Entwicklungsgeschichte  der  Pflanzenortrane.  309 

Längsreihen.  Dickere  Stammspitzen  mit  reichlicher  Sproßhildung, 
zeigen  sich  jedoch  sehr  stark  und  zwar  im  Sinne  der  Blattspirale  ge- 
dreht, nnd  es  werden  dadurch  die  horizontalen  Divergenzen  der  Blätter 
vergrößert. 


Die  Scheitelzelle  der  kegellürmigen  Vegetationsspitze  ist,  wie 
auch  Lorenz')  angibt,  dreiseitig.  Ihre  Grundfläche,  die  zugleich 
die  freie  Außenfläche  darstellt,  ist  sehr  stark  gewölbt  und  erscheint 
daher  in  der  Flächenansicht  nie  scharf  begrenzt.  Tiefere  Einstellun- 
gen, die  die  Scheitelzelle  im  optischen  Querschnitte  zeigen,  lassen 
jedoch  schließen,  daß  auch  ihrer  Außenfläche  ziemlich  genau  die 
Form  eines  gleichseitigen  Dreieckes  zukommt. 

Die  Seitenflächen  der  Scheitelzelle  sind  gleichschenkelige  ehene 
Dreiecke  mit  kürzerer  Basis.  Ihre  Grundlinien  (die  Seiten  der  freien 
Außenfläche  darstellend)  sind  mehr  oder  minder  stark  gekrümmte 
Bögen;  ihre  Schenkel  schließen  einen  Winkel  von  60 — 70°  ein.  Die 
Scheitelzelle  erscheint  daher  scharf  zugespitzt,  und  tief  in  das  Ge- 
webe eingesenkt. 

Die  in  der  Scheitelzelle  auftretenden  Theilungswände  sind 
immer  deren  Seitenflächen  genau  parallel.  Sie  folgen  eben  so  häufig  in 
rechtsläufiger  als  in  linksläufiger  Spirale  -)  aufeinander.  Entsprechend 
der  gegenseitigen  Neigung  der  Seitenflächen  der  Scheitelzelle  sind 
auch  die  so  gebildeten  Segmente  s)  anfangs  unter  einem  Winkel 
von  ungefähr  70  gegen  einander  geneigt.  Im  Laufe  ihrer  weiteren 
Entwicklung  verändern  sie  ihre  gegenseitige  Neigung  in  der  Weise, 


')   Studien  über  Bau  und  Entwickluiigsgescliichte  der  Laubmoose,  pag.  17. 

~)  Lorenz  (1.  c.  pag.  18)  sagt,  daß  die  Segmentspiraie  meist  links-,  zuweilen 
rechtsläufig  sei.  Ich  habe  beide  Richtungen  gleich  häufig  beobachtet.  Es  ist  näm- 
lich, wie  wir  später  sehen  werden,  die  Richtung  der  Segmentspirale  an  irgend 
einem  Sprosse  immer  von  der  des  betreffenden  Muttersprosses  abhängig.  Zwei  auf 
einander  folgende  Sproßgenerationen  zeigen  immer  antidrome  Segmentspiralen. 
Die  an  der  Unterlage  festhaftenden  Hauptsprosse  eines  ganzen  Verzweigungs- 
systemes  fand  ich  meist  mit  Linksdrehung;  die  Sprosse  zweiter  Ordnung  sind 
dann  antidrom,  die  dritter  Ordnung  endlich  den  Hauptsprossen  (Sprossen  erster 
Ordnung)  homodrom  u.  s.  f. 

^)  Die  Ausdrücke:  Segmente,  Sextanten,  Hauptwand,  Sextantenwand  etc.  brauche 
ich  hier  in  demselben  Sinne,  wie  sie  von  Nägeli  und  mir  auch  für  die  Wurzeln 
angewendet  wurden.  Ich  verweise  deßhalb  auf  unsere  Abhandlung  über  „Entste- 
hung und  Wachsthuin  der  Wurzeln"  in  N  ä  g  e  I  i"s  Beiträgen  zur  wissenschaftlichen 
Botanik.  Heft  IV. 


310  L.itsel.. 

dal!»  die  Hauptwände  später  wenigstens  in  ihren  inneren  Theiien,  anl' 
die  Längsachse  des  Stännmchens  senkrecht  zu  stehen  kommen. 

Ein  ähnliches  Horizontalwerden  der  Segmente  beschrieb 
P  ring  s  b  e  i  m  l'iir  Salvinia ,  R  e  e  (5>  für  Eqmsetum ,  N  ä  g e  1  i  nnd  icii 
für  die  Wurzeln  aller  Gefäßkryptogamem ;  es  scheint  überhaupt  bei 
Axenorganen,  deren  Scheitelzelle  sich  durch  schiefe  Wände  theilt, 
allgemein  vorzukommen. 

Zugleich  mit  dieser  Neigungsveränderung  der  Segmente  gleicht 
sich  auch  das  zickzackförmige  Ineinandergreifen  derselben  aus,  und 
gebt  in  ein  ebenes  Aneinanderstossen  über.  Es  wurde  dieser  Erschei- 
nung schon  an  einem  andern  Orte  <)  Erwähnung  gethan.  und  auch 
die  Erklännig  dafür  gegeben. 

Am  Stämmchen  von  Fontinnlis  und  wohl  auch  an  dem  aller  Moose 
werden  die  Verhältnisse  durch  die  schon  zunächst  der  Scheitelzelle  ge- 
bildeten Blattanlagen  in  so  fern  complicirter,  als  der  zum  Blatte  aus- 
wachsende Tbeil  des  Segmentes  ganz  andere  Lagenveränderungen  ein- 
geht, als  dessen  innerer  ausschließlich  Stammgewebe  bildender  Theil. 

Nägel  i  2)  hatte  für  Sphagmim  nachgewiesen,  daß  schon  der 
erste  Theilungsschnitt,  der  in  jedem  Segmente  gemacht  wird,  zur 
Bildung  der  Blattmutterzelle  führt.  Eine  Theilungswand,  ihre  Lage 
läßt  Nägeli  unentschieden,  zerlegt  das  Segment  in  einen  äußeren 
und  einen  inneren  Theil;  jener  wächst  zum  Blatte  aus,  dieser  bildet 
eine  Partie  des  dem  Stämmchen  angebörigen  Gewebes.  Hof- 
meister -)  tritt  dieser  Anschauung  bei,  und  sagt,  daß  diese  erste 
Tbeilungswand  senkrecht  auf  der  Längsachse  des  iStämmchens  stehe. 
Lorenz  *)  spricht  sich  bei  den  von  ihm  untersuchten  Moosen  über 
die  Lage  dieser  Wand  nicht  aus.  Seine  Abbildungen  (Taf.  L  Fig.  21, 
Taf.  IV,  Fig.  13)  lassen  verschiedene  Deutungen  zu. 

Bei  Fontbialis  ist  es  zweifellos,  daß  diese  erste  Wand  in  keinem 
Falle  auf  der  Längsachse  der  Wurzel  sonkrecht  steht,  sondern  eher 
als  mit  ihr  parallel  laufend  angesehen  werden  muß.  Ich  lege  auf  die 
Bestimmung  der  Lage  dieser  Wand  deßhalb  ein  großes  Gewicht, 
weil  wir  in  dem  Falle,  als  wir  sie  in  älteren,  von  der  Vegetations- 
spitze  weiter    entfernten    Segmenten    wieder    erkennen,    aus    ihrer 


1)  InderobeneitirteiiAbhamllung  ülier  „Kiitstehuiif;  uiidWaclistliiim  dcrWiirzelii"    p.itl. 

-)  Pflanzenphysiolog-isehe  Untersuchungen.  I.  Heft.  piig.  7G. 

3)  Zusätze  iinil  Fieiicliligiinffen  .  .  .  in  Pr  i  n  gs  h  e  i  ms  Jalirhiichern.  Bd.  III.  pag-.  2('>.j. 

*)  Studien  über  IJau  nnd  Entwieklnngsg-eschiclite  der  Laubmoose. 


Bpifriige  zur  Eulwiekliingsgescliichte  iler  Pfliiiizonnrnfanp.  311 

Lage  auch  die  Lagenveränderungen  ermitteln  können,  welche  die 
Segmente  in  ihren  verschiedenen  Theilen  erlitten  hahen.  Nun  sehen 
wir,  daß  die  Lage  dieser  Wand  —  und  ich  werde  später  nochmals 
darauf  zurückkommen  —  also  ihre  Neigung  gegen  die  Längsachse 
des  Stämmchens  sich  nur  wenig  ändert.  Nur  in  dem  Falle,  als  sie 
ursprünglich  nicht  genau  parallel  mit  dor  Längsachse  angelegt  wurde, 
muß  sie,  um  endlich  in  den  Parallelismus  zu  gelangen,  eine  unbedeu- 
tende Neigungsveränderung  durchmachen. 

Der  innerhalb  dieser  Wand  gelegene  Theil  des  Segmentes  wird 
horizontal.  Es  ist  diese  Lagenveränderung  die  nothwendige  Folge 
des  anfangs  überwiegenden  Breitenw  achsthumes  der  Segmente. 
Nehmen  wir  der  Einfaciiheit  lialher  ein  dreiflächiges  Körpereck  mit 
kleinen  Kantenwinkeln.  Die  dasselbe  bildenden  Flächen  wären  gleich- 
schenklige Dreiecke.  Lassen  wir  nun  ein  solches  Dreieck  parallel  zur 
Basis  gleichmäßig  wachsen,  d.  h.  daß  sich  jede  Flächeneinheit  um 
ein  gleich  großes  Stück  in  der  angegebenen  Richtung  ausdehnt,  so 
M'ird  die  betrefTende  Fläche  die  Dreieckform  zwar  beibehalten;  der 
Neigungswinkel  der  beiden  Schenkel  aber  wird  größer  werden.  Tritt 
dieser  Vorgang  nun  an  allen  Flächen  des  Körpereckes  ein,  das  heißt, 
wächst  jede  Fläche  parallel  zu  ihrer  Basis  stärker  als  in  der  darauf 
senkrechten  Richtung,  so  werden  nothwendiger  Weise  die  Kanten- 
winkel grösser  werden,  das  Eck  wird  stumpfer,  und  endlich  fallen 
die  Seitenflächen  in  eine  Ebene.  Es  ist  dieses  Breitenwachsthum  der 
Segmenle  wohl  in  allen  diesbezüglichen  Fällen  mit  ein  Grund  ihres 
Horizontal  Werdens.  Wo  ein  solches  Breitenwachsthum  fehlt,  dabehalten 
auch  die  Segmente  mehr  oder  weniger  ihre  ursprüngliche  Neigung,  wie 
wir  dies  besonders  schön  an  den  Blättern  der  Moose  beobachten  könnnen. 

Entsprechend  der  eben  erwähnten  Lage  der  ersten  Theilungs- 
wand  erscheint  auf  Längsschnitten  an  jedem  innerhalb  desselben  ge- 
legenen Segmenttheile  die  scheitelsichtige  Hauptwand  länger  als  die 
grundsichtige.  Später  sind  sie  gleiehlang.  Es  kann  dies  nicht  durch 
überwiegendes  Wachsthum  der  grundsichligen Hauptwand  geschehen, 
denn  dann  müßte  die  erste Theilungswand  des  Segmentes  später  eine 
andere  Neigung  gegen  die  Längsachse  des  Stämmchens  zeigen. 

Der  Grund  liegt  \ielmehr  darin,  daß  ein  Theil  der  scheitelsich- 
tigen Hauptwand  (welcher  nämlich  auch  als  Seitenwand  der  beiden 
seitlich  anliegenden  Segmente  erscheint)  sich  umstülpt,  und  später 
als  Längswand  erscheint.  (Vergl.  Taf.  1,  Fig.  2.) 


312  I.eitj,«!.. 

Betrachten  wir  zuerst  die  weitere  Entwieklung  des  äusse- 
ren Segmenttheil  es. 

Wie  schon  oben  erwähnt,  schneidet  die  erste  Theihingswand 
jedes  Segmentes  die  beiden  Hauptwände  desselben.  Es  ergibt  sich 
diese  ihre  Lage  unzweifelhaft  aus  Taf.  I,  Fig.  1,  2,  U,  Wand  a.  Sie 
läßt  sich  auch  in  den  älteren  Segmenten  deutlich  erkennen.  Bei 
Betrachtung  der  Vegetationsspitze  von  außen  wird  sie  wegen  ihrer 
Lage  nicht  zur  Ansicht  gelangen  können.  Auf  Querschnitten  jedoch 
wird  sie  in  Höhen,  wo  die  Segmente  nicht  mehr  stark  geneigt  sind, 
als  eine  die  Segmentfläche  tangential  durchsetzende  Linie  erscheinen 
(Taf.  H.  Fig.  6;  Taf.  ÜI,  Fig.  1 ,  Wand  r/).  Die  Lage  dieser  Wand 
stellt  sich  also  als  eine  ganz  verschiedene  gegen  jene  dar,  wie  sie 
Hofmeister  für  Sphagmim  angibt.  Hofmeister  sagt  ')»  daß  die 
erste  Theihingswand  senkrecht  auf  der  Längsachse  des  Stämmchens 
steht,  und  „die  der  Scheitelzelle  zugekehrte  Seitenwand  2)  und  die 
freie  Außenwand  schneidet".  Der  wesentliche  Unterschied  besteht 
also  darin,  daß  während  bei  Sphagmim  nur  der  scheitelsichtige 
(vordere)  Außentheil  eines  Segmentes  zur  Blattanlage  verwendet 
wird,  bei  Fontinalis  ein  aus  der  ganzen  Höhe  des  Segmentes  ge- 
nommenes Stück  in  die  Blattbildung  einbezogen  wird,  wenn  wir  eben 
diesen  ersten  Theilungsschrilt  des  Segmentes  schon  als  zur  Blatt- 
anlage gehörig  auflassen  wollen,  wofür,  wie  wir  später  sehen  werden, 
viele  Gründe  sprechen.  Bei  Sphagmim  müssen  also  Stengelquer- 
schnitte, je  nachdem  sie  in  verschiedenen  Höhen  geführt  werden,  in 
peripherischen  Theilen  einmal  durch  Blattbasen  gebildet  werden,  das 
andere  Mal  aber,  wenn  sie  nämlich  eines  der  Segmente  in  seiner 
grundsichtigen  (unteren)  Hälfte  trefl'en,  an  der  demselben  entspre- 
chenden Seite  ausschließlich  aus  dem  Stengeltheile  desselben  be- 
stehen. Bei  Fotithialis  besteht,  obige  Auffassung  der  äusseren  durch 
die  erste  Theilungswand  gebildeten  Abschnittszelle  vorausgesetzt, 
das  Stämmchen  seiner  ganzen  Höhe  nach  in  seinen  äußeren  Theilen 
aus  verwachsenen  Blattbasen.  Mit  dieser  Ansicht  stehen  auch  die 
Darstellungen  Lorenz's  für  Fissidens  und  Polytrichum  im  Einklänge 
(I.  c.  pag.  10,  24).  Aus  seinen  Ahbilduiigei.  (Taf.  I,  Fig.  21,  Taf.  IV, 
Fig.    13)    kann   man  auch    auf   einen    ähnlichen    Theilungsvorgang 


1)  L.  c.  piig.  ac.:;. 

')   Das  ist  die  sclieitelsiclilig-i'  MHtiplwHiul  des  Segiiieiites. 


BeitrSge  zur  Eiihvickliing-sgeschlctite  der  Pflanzenorgane.  O  I  o 

schließen.  Es  ergibt  sich  dies  besonders  bei  Betrachtung  der  gegen- 
seitigen Lage  der  in  der  zweitjüngsten  HIattanlage  (II.  f.  2)  sicht- 
baren Wände.  Die  die  Zellen  /wund  n  trennende  Wand  in  Fig.  21, 
f.  2,  kann  unmöglich  anders  gedeutet  werden ;  sie  muß  schon  ur- 
sprünglich als  die  beiden  Hauptwände  des  Segmentes  schneidend 
angelegt  worden  sein.  Dasselbe  ist  in  Fig.  1l>  II,  mit  der  die  Zellen 
m  und  n  trennenden  Wand  der  Fall  «). 

Ich  nenne  den  durch  diese  Theilungswand  (Wand  a  in  allen 
Figuren)  abgeschnittenen  äußeren  Theil  jedes  Segmentes,  den 
Blatttheil;  der  innere  soll  als  Stengeltheil  des  Segmentes  und 
die  diese  beiden  trennende  Wand,  als  Blatt  wand  bezeichnet 
werden.  Ich  bezeichne  den  ganzen  äußeren  Theil  deßhalb  als  Blatt- 
theil, weil  er  sich  in  der  weiteren  Entwicklung  von  dem  inneren  — 
dem  Stengeltheile  wesentlich  verschieden  verhält,  weil  ferner  in 
ihm  der  Blattcliarakter  schon  ausgesprochen  ist,  bevor  noch  weitere 
Theilungen  eintreten,  und  weil  ?er  in  der  That  theilweise  selbst  an 
der  Bildung  der  freien  Blattfläche  Antheil  nimmt. 

Es  ist  selbstverständlich,  daß  diese  beiden  Segmenttheile  sich 
im  verschiedenen  Grade  beim  Aufbau  des  Stämmchens  werden  bethei- 
ligeji  können.  Es  wird  dies  natürlich  abhängig  sein,  von  dem  stär- 
keren oder  geringeren  Dickenwachsthume  (in  Bezug  auf  das  Stämm- 
chen dem  Wachsthume  in  radialer  Richtung)  jedes  derselben.  Sd 
wird  nach  Lorenz  (1.  c.)  bei  Fissidens  nur  ein  kleiner  Theil  des 
(peripherischen)  Stengelgewebes  aus  dem  äußeren,  der  größte  Theil 
hingegen  aus  dem  inneren  Segmenttheile  (der  Zelle  m  in  Tai'.  I, 
Fig.  21,  f.  2)  gebildet;  bei  Polytrichum  dagegen  entwickelt  sich 
aus  dem  inneren  Segmenttheile  nur  das  axile  Gewebe  des  Stämm- 
chens (I.  c.  Taf.  IV,  Fig.  12,  13).  Bei  Fontimdis  ist  die  radiale 
Entwicklung  des  Blatttheiles  nur  wenig  geringer  als  die  des  Stengel- 
theiles.  Auf  Querschnitten  durch  ältere  Theile  des  Stämnichens  bildet 
jener  die  aus  engen  starkverdicklen  Zellen  bestehende  Randzone, 
dieser  das  axile  weitzellige  nur  wenig  verdickte  Gewelie  (Taf.  IV, 
Fig.  1).  In  diesem  Stadium  der  Ausbildung  lassen  sich  allerdings  ihre 
Grenzen  nicht  mehr  genau  bestimmen;  beide  Gewebetheile  geben 
vielmehr  allmälig  in  einander  über.  Auf  Querschnitten  durch  jüngere 


1)  Auch  bei  EquiseUnn  und  vielen  Farren   ist  der  peripherische  Theil  des  Stammes  aus 
verwachsenen  Blattbasen  prehiidet. 


314  Lt'it-eb. 

Stammtheile  ist  jedoch  die  Begrenzung  vollkommen  scharf  (Taf.   FI, 
Fig.  6,  Taf.  III,  Fig.  1,  4). 

Die  erste  im  Blalltheile  des  Segmentes  auftretende  Theilungs- 
wand  steht  senkrecht  auf  der  zuerst  gehiideten,  und  zerlegt  ihn  als 
Querwand  in  eine  scheitelsichtige  und  eine  grundsichtige  Hälfte 
(Taf.  I,  Fig.  1,  2,  3,  4,  5,  Wand  6).  Beide  Hälften  sollen,  da  sie 
nach  der  ohen  erörterten  Anschauung,  als  die  mit  dem  Stengelgewehe 
verhunden  hleibende  Blatthasis  zu  betrachten  sind,  als  Basilar- 
t  heile  (Basilarstücke)  des  Segmentes  bezeichnet  werden.  Ich  nenne 
die  scheitelslchlige  Hälfte  den  s c hei  tel  sieht  igen  (akroskopen, 
vorderen,  oberen)  Basilartheil ,  die  grundsichtige  hingegen  den 
grund sichtigen  (basiskopen,  hinteren,  unteren)  Basilartheil.  Die 
sie  trennende  Wand  mag  als  Basilarwand  bezeichnet  werden. 

Diese  Basilarwand  setzt  sich  an  die  Blattwand  ungefähr  in  der 
Mitte  der  Höhe  an;  nach  außen  schneidet  sie  die  basiskope  Haupt- 
wand des  Segmentes  nahe  an  der  Stelle,  wo  diese  in  die  freie 
Außenfläche  übergeht.  In  den  Figuren  (Taf.  I,  Fig,  1 — 5,  Wand  />) 
grenzt  die  Wand  b  allerdings  immer  an  die  an  der  Peripherie  gele- 
gene Wand  an.  Doch  muß  das  betreifende  Stück  der  freien  Außen- 
fläche noch  als  die  Verlängerung  der  basiskopen  Hauptwand  eines 
Segmentes  aufgefaßt  werden.  Wenn  man  nämlich  in  den  Figuren 
1  —  5  die  allmälige  Lagenveränderung  der  Hauptwände  betrachtet, 
die  anfangs  als  gerade  Linien  erscheinen,  endlich  bogenförmig  nach 
innen  verlaufen,  bis  sie  wenigstens  in  ihrem  inneren  Tlieile  auf  die 
Längsachse  des  Stämnichciis  senkrecht  zu  stehen  konunen,  so  muß 
man  nothsredrunsfen  zur  Ansicht  kommen,  daß  die  Blatttheile  der 
Segmente  bis  zum  Zeitpunkte  des  Auftretens  der  Basilarwand  weniger 
durch  das  Wachsthum  ihrer  Außenwände  als  vielmehr  durch  das 
ihrer,  den  Hauptwänden  angehörigen  Theile  sich  in  der  Hichliing 
ihrer  Axe  ')  verlängern.  Es  würden  also  nach  dieser  Anschauung  die 
äußeren  Segmenthälften  (die  Blatttheile  der  Segmente)  immer  stärker 
gegen  die  inneren  gekrümmt  werden,   imd  schließlich  theilweise  auf 


')  Nach  dem  Vorgange  Pr  in  gsli  ei  m's  (zur  Morphologie  vonSalvinia,  in  dessen 
.liihrl).  f.  w.  Bot.  Hl,  pag.  493)  bezeichne  ich  als  Axe  dos  Segmentes  die 
Gerade,  welche  von  der  Milte  der  durch  den  Zusaninienstoß  der  beiden  Seifen- 
fliieljen  des  Segnieiilcs  gebildeten  Kante  senkreilil  auf  die  Außenlläclie  gezogen 
wird. 


Beiträge  zur  Enlwirkliingsgoscliiclite  i\ov  Pflan/.enorgane.  31t) 

sie  senkrecht  zu  stehen  komnien.  Es  würde  dies  iiollnveiidiger  Weise 
ein  Überwiegen  des  Wachstliums  der  hasisko[ien  llauptwand  jedes 
Segmentes  sjesren  das  der  akroskopen  in  der  Richtung  der  Segment- 
achse  bedingen,  ^^'i^  beobachten  aber  auch  in  der  That  (auf  Längs- 
schnitten) eine  dadurch  bedingte  Verbreiterung  des  Grundes  jedes 
Blatttbeiles  (Taf.  I,  Fig.  2,  Segment  III  et  IV.  Fig.  3). 

Zur  Zeit  des  Auftretens  der  Basilarwand  und  unmittelbar  nach- 
her trifft  das  Wachsthum  hauptsächlich  jenen  Theil  der  basiskopen 
Hauplwand  des  Segmentes,  der  nach  innen  durch  die  Blattwand  (die 
im  Segmente  zuerst  gebildete  Wand)  nacli  außen  durch  die  Basilar- 
wand abgegrenzt  wird;  das  heißt,  die  basiskope  Wand  der  im 
Längsschnitte  anfangs  nahezu  dreieckigen  Zeile,  die  icb  als  das  basi- 
skope Basilarstück  des  Blatttbeiles  des  Segmentes  bezeichnet  habe 
(Taf.  I,  Fig.  2,  Segment  IV). 

In  Folge  dieses  Wachsthumes  wird  diese  Wand  anfangs  stark 
gekrümmt,  später  gebrochen  erscheinen,  so  daß  endlich  ihr  äußerer 
Theil  auf  dem  inneren  senkrecht  steht. 

Daß  sich  die  Basilarwand  (6)  in  der  That  an  ein  Stück  der 
basiskopen  Hauptwand  des  Segmentes  und  nicht  an  die  Außenwand 
desselben  ansetzt,  ergibt  sich  unzweifelhaft  aus  der  Betrachtung  dei- 
Fig.  2  in  Taf.  I.  Im  Segmente  III  ist  der  äußrere  (dem  Blatttheile  aii- 
gehörige)  Theil  seiner  basiskopen  Hauptwand  bedeutend  länger,  als 
das  durch  die  Wände  a  und  b  abgegrenzte  Stück  im  Segment  IV, 
auch  länger  als  das  von  der  Wand  «  bis  an  die  Peripherie  reichende 
Stück  der  grundsichtigen  Hauptwand  im  Segmente  VIII.  Dasselbe 
beobachten  wir  in  Taf.  I,  Fig.  1  ,  o.  Es  muß»  daher  zur  Begrenzung 
des  basiskopen  Basilarstückes  gegen  das  grundwärts  anliegende  Seg- 
ment nur  eil!  Stück  der  Hauptwand  verwendet  worden  sein,  das 
andere  Stück  muß  sich  nach  vorne  umgestülpt  haben. 

Wir  sehen  also  bei  der  Lagenveränderung  der  Segmente  die 
Hauptwände  in  verschiedener  Weise  betheiligt.  Es  ist  nicht  unin- 
teressant, in  dieser  Beziehung  die  bei  Foutinalis  zu  beobachtenden 
Erscheinungen  mit  denen  zu  vergleichen,  wie  Mir  sie  in  den  Sten- 
geln von  Equisetum,  Marsilia  und  Salvinia,  und  in  {\ew  (mit  drei- 
seitiger Scheitelzelle  wachsenden)  Wurzeln  der  Geläßkryptogamen 
finden.  In  den  Stengeln  oben  genannter  Pflanzen  bleibt  die  basiskope 
Hauptwand  jedes  Segmentes  unverändert:  von  der  akroskopen  bleiitt 
nur  der  Theil  unverändert,   der  von  der  basiskopen  Hauptwand  des 


316  L  e  i  f  g  e  b. 

scheitehvärts  anstoßenden  Segmentes  gedeckt  wird.  Ihr  ül)riger  seit- 
lich gelegener  Theil,  der  an  die  Seitenflächen  der  beiden  nächst  jün- 
geren Segmente  anstößt,  wird  grundwärts  umgestülpt  und  erscheint 
am  horizontal  gewordenen  Segmente  als  Theil  der  Seitenwand.  Bei 
den  Wurzeln  der  Gefäßkryptogamen  hleiht  die  basiskope  Hauptwand 
des  Segmentes  ebenfalls  unverändert.  Von  der  akroskopen  stülpt 
sich  eine  Randzone  ringsum  um,  so  daß  am  horizontal  gewordenen 
Segmente  nicht  nur  die  Seitenwände,  sondern  auch  die  an  die  Wur- 
zelhaube angrenzende  Außenwand  in  ihren  akroskopen  Theilen  von 
der  (umgestülpten)  Randzone  der  akroskopen  Hauptwand  gebildet 
werden  '). 

Bei  Fontinalis  geht  die  akroskope  Hauptwand  dieselben  Ver- 
änderungen ein ,  wie  in  dem  Stengel  der  oben  erwähnten  Pflanzen : 
von  der  basiskopen  wird  die  nach  außen  liegende  Randzone  schei- 
tehvärts umgestülpt,  und  bildet  am  horizontal  gewordenen  Seg- 
mente den  basiskopen  Theil  der  Außenwand. 

Wenn  wir  nun  das  Wachsthum  der  Hauptwände  und  deren 
Lageveränderung  in  der  eben  entwickelten  Weise  auffassen,  so  müßte 
die  Basilarwand  (6)  nach  außen  nothwendiger  Weise  an  ein  Seg- 
ment anstossen,  da  ja  die  von  ihr  getroffene  basiskope  Hauptwand 
vollkommen  von  dem  grundwärts  gelegenen  Segmente  gedeckt  wird. 
Sie  könnte  also  nie  an  die  Peripherie  des  Stämmchens  reichen.  An 
älteren  Segmenten  ist  dies  jedoch  ganz  ausnahmslos  der  Fall.  Es 
nöthigt  diese  Tbatsache  zu  der  Annahme,  daß  bis  zu  einer  gewissen 
Tiefe  eine  Trennung  der  Segmente  einer  Reihe,  das  heißt,  ein  Aus- 
einanderweichen ihrer  Hauptwände  stattgefunden  hat,  wie  es  ja  auch 
aus  der  Betrachtung  der  Längsschnitte  (Taf.  I,  Fig.  2,  Segment  HI 
und  IV,  Fig.  1,  5)  a  priori  geschlossen  werden  muß  -). 

Der  schon  beschriebene  Theilungsvorgang,  die  Bildung  der 
Basilarwand  hat  unzweifelhafte  Ähnlichkeit  mit  dem,  wie  ihn  Lorenz 
in  der  oben  citirten  Abhandlung  für  Fissidens  und  Polytrichum  in 
Bezug  auf  das  Auftreten  der  zweiten  Theilungswand  des  Segmentes 
beschrieb.  Bei  Fissufens  schneidet  im  Segmente  f.  2  (Taf.  I,  Fig.  21) 


1)  Ich  verweise  in  Bezug  auf  die  weiteren  Ausein-nndersetzungen  auf  die  schon  oben 
citirte  Abhandlung:    „Entstehung  und  Wachsthum  der  Wurzeln". 

')  Es  liat  dieser  Vorgang  um  so  weniger  etwas  Befremdendes ,  als  das  Ablösen  von 
Zellen  und  von  (;ewei)en  an  der  Oberfläche  und  im  Innern  der  Organe  eine  im 
Pflanzenreiche  allgemeine  Erscheinung  ist. 


Beiträge  zur  Entwicklungsgeschichte  der  Pflaniseimigane.  317 

die  Wand  2  die  zuerst  gebildete  Wand  ebenfalls  in  der  Hälfte  ihrer 
Höhe;  bei  Polytrichum  setzt  sie  sich  dagegen  unmittelbar  an  die 
akroskope  Hauptwand  des  Segmentes  an  (Wand  zwischen  n  und  o 
im  Segmente  W,  Taf.  IV,  Fig.  13). 

Die  weiteren  Wachsthumsvorgänge  der  beiden  Basilartheile 
lassen  sich,  was  die  genetische  Aufeinanderfolge  der  Theilungen 
betrifft,  nicht  mehr  mit  voller  Sicherheit  angeben. 

In  Bezug  auf  die  Entwicklung  des  akroskopen  zur  freien 
Blattfläche  auswachsenden  T  heil  es  ist  es  ungewiß,  ob  nicht  so- 
gleich durch  Bildung  einer  schiefen  auf  den  Flächen  der  Blattanlage 
senkrecht  stehenden  Wand,  der  dann  eine  nach  der  entgegengesetzten 
Seite  geneigte  folgt,  die  zweiseitige  Blattscheitelzelle  gebildet  wird. 
Diese  Wände  können  nur  gesehen  werden,  wenn  man  die  Blattanlage 
von  der  Fläche  betrachtet,  auf  Längs-  und  Querschnitten  müssen  sie 
wegen  ihrer  geneigten  Lage  der  Beobachtung  entgehen.  Auch  die  Beob- 
achtung senkrecht  auf  die  Blattflächen  hat  ihre  großen  Schwierig- 
keiten, weil  man  wegen  der  starken  Wölbung  nie  die  ganze  ßlattfläche 
auf  einmal  überblicken  kann.  Weiters  sind  die  W^ände  ungemein  zart, 
und  es  läßt  sich  bei  dem  Umstände,  als  die  Flächen  der  sich  decken- 
den einer  Blattzeile  angehörigen  Blätter  zunächst  der  Vegetations- 
spitze enge  an  einander  liegen,  oft  nicht  entscheiden,  w  elchem  Blatte 
die  beobachteten  Wände  angehören.  Taf.  H,  Fig.  2  zeigt  ein  junges 
Blatt,  dessen  basiskope  Fläche  durch  einen  Längsschnitt  blosgelegt 
wurde.  Es  sind  schon  zwei  Segmente  aus  der  ursprünglichen  Schei- 
telzelle abgeschnitten.  Die  durch  die  beiden  schiefen  Wände  1  und  2 
abgeschnittenen  Stücke  haben  sich  durch  Längswände  weiter  getheilt. 
Diese  Längswände  folgen  in  Bezug  auf  die  Zeit  ihres  Entstehens  von 
der  Blattmediane  gegen  die  Peripherie  aufeinander.  Eben  so  häufig 
beobachtet  man  auch  den  Fall,  daß  nach  Bildung  einer  der  Blatt- 
mediane zunächst  gelegenen  Längswand,  eine  auf  dieser  senkrechte 
und  den  ersten  schiefen  Wänden  (1  und  2)  parallele  Theilungswand 
auftritt,  der  dann  wieder  Längstheilungen  nachfolgen.  Taf.  I,  Fig.  6 
zeigt  eine  noch  jüngere  Blattanlage  im  Segmente  3.  Durch  die 
schiefen  Wände  1  und  2  ^hat  sich  die  Blattscheitelzelle  gebildet. 
(Vergl.  die  Erklärung  der  Abbildungen.) 

Auf  Längsschnitten  tritt  als  zunächst  sichtbare  Theilung  die 
Wand  c  auf  (Taf.  I,  Fig.  1 — 5).  Ich  zweifle,  daß  sie  einer  der  zuerst 
gebildeten  schiefen  Wände  (1  und  2  in  Taf.  II,  Fig.  2  und  Taf.  I, 


f>  1  o  L  e  i  t  g  L'  b. 

Fig.  6)  entspricht,  glaube  vielmehr,  daß  sie  einer  späteren  Theilung 
angehört,  weiche  senkrecht  aiiC  (h'ti  Längswänden  steht,  die  sich  in 
den  (hircli  die  ersten  schiefen  Wände  abgeschnittenen  Basisstücken 
ansgehildet  haben. 

Die  weiteren  auf  Ijängssclinitten  siclitharen  Theilungen  ergeben 
sich  in  ihrer  genetischen  Folge  aus  Taf.  1,  Fig.  4.  Die  Wand  rf  macht 
den  Blattgrund  zweischichtig;  e  schneidet  mittlere  Zellen  ab,  die 
zunächst  der  Mediane  des  Blattes  zu  Haaren  auswachsen.  Es  zeigt 
sich  diese  Theilungsfolge  auf  den  meisten  Längsschnitten.  (Man  ver- 
gleiche die  entsprechenden  Wände  in  Taf.  I ,  Fig.  1—5.)  Daß  übri- 
gens auch  hier  Unregelmäßigkeiten  vorkommen,  zeigt  Fig.  5,  wo  im 
fünftjüngsten  Segmente  die  Wand  d  ausgefallen  ist,  und  sich  e  un- 
mittelbar an  die  ßlattwand  (jt)  ansetzt.  Den  eben  erwähnten  Thei- 
lungen (^/ und  e)  gehen  übrigens  Badialwände  voraus.  Es  erhellt  dies 
aus  Betrachtung  der  Querschnitte,  die  durch  den  Blaltgrund  geführt 
wurden  (Taf.  [II,  Fig.  1,3,4).  Sie  entsprechen  ohne  Zweifel  den 
Längswänden  l  in  Tal".  II,  Fig.  2.  Es  wird  durch  sie  die  Peripherie 
des  Blattgrundes  in  mehrere  tangential  neben  einander  liegende  Zellen 
getheilt.  Von  diesen  erscheinen  anfangs  nur  die  mittleren  tangential 
getheilt.  Später  erst  erscheint  der  Blattgrund  seiner  ganzen  Breite 
nach  zweiscbichtig  (Taf.  II,  Fig.  6).  Es  folgen  also  die  tangentialen 
Theilungen  von  der  Mitte  des  Blattgruudes  gegen  die  Bänder  hin 
aufeinander. 

Die  weiteren  Theilungen  des  zur  Blatttläche  auswachsenden 
Basilarstückes  haben  nichts  bemerkenswerthes.  Die  Entwicklung  ist 
dieselbe,  wie  bei  den  Moosblättern  im  Allgemeinen.  Bei  dem  Um- 
stände, als  das  Blatt  von  FoHtinalis  keinen  Nerven  ausbildet  und  sich 
überhaupt  unter  den  Zellen  durchaus  keine  Verschiedenheit  bemerk- 
bar macht,  hatte  es  auch  weiters  kein  Interesse  ,  die  Theilungsvor- 
gänge  genauer  zu  studiren. 

Im  entwickelten  Zustande  ist  die  freie  Blattfläche  einschichtig 
und  nur  selten  finden  wir  sie  am  Grunde  in  Folge  einmaliger  tangen- 
tialer Theilung  zweischichtig  (Taf.  IV,  Fig.  2). 

Das  Flächenwachsthum  ist  besonders  stark  in  der  Mitte  des 
Blattes.  Man  erkennt  dies  schon  an  ganz  jungen  Blättern  an  der 
starken  Wölbung.  Durch  spätere  Längsstreckung  der  Zellen  geht 
diese  gleichniätJ>ige  Wölbung  allmälig  verloren,  und  es  bildet  sich 
in  der  Mediane  eine  kielartige  Falte. 


Beitiüj^e  zur  Eiitwickluiigsjreschichte  der  I'fl.iii/,t'inir;;iine.  dlt) 

Die  Entwicklung  des  basiskopen  Basilai- stück  es 
zeigt  wenig  bemerkenswerthes,  in  so  weit  nämlich,  als  es  an  dem 
Aufbaue  des  Stämmchens  Antheil  nimmt.  Auch  hier  gehen  die  radia- 
len Theilungen  den  tangentialen  voraus.  Man  beobachtet  sie  zu  glei- 
cher Zeit  mit  den  ihnen  entsprechenden  im  akroskopen  Basilarstücke- 
Dieser  Entwicklungsgang  wird  jedoch  nur  in  solchen  Segmenten  ein- 
gehalten, in  denen  keine  Seitensprossen  angelegt  werden.  Da  nun 
diese,  wie  wir  später  sehen  werden,  gerade  aus  dem  basiskopen 
Basilartheil  des  Segmentes  sich  entwickeln,  so  werden  dadurch  eigene 
Theilungsvorgänge  bedingt,  die  ich  später  bei  der  Sproßbildung  aus- 
führlicher besprechen  werde. 

Was  das  Breitenwachsthum  der  Basilart heile  betrifft, 
so  zeigen  dieselben  wesentliche  Verschiedenheiten.  Es  können  die 
diesbezüglichen  Verhältnisse  nur  im  Zusammenhange  mit  der  Betrach- 
tung der  gegensei ligen  Lage  der  Segmente  und  der  durch  dieselbe 
bedingten  Formentwicklung  derselben  weiter  erörtert  werden.  Für 
jetzt  sei  folgendes  bemerkt: 

Da  die  beiden  Basilarstücke  dem  äußeren  Theile  eines  Segmen- 
tes entsprechen,  und  in  Folge  des  Verlaufes  der  Blattwand  (pag.  3) 
das  basiskope  Basilarstück  aus  einem  näher  der  Längsachse  des 
Stämmchens  gelegenen  Theile  desselben  entsteht  und  dieses  seiner 
Anlage  nach  von  außen  (das  ist  von  der  Fläche)  gesehen ,  dreieckig 
erscheint,  also  von  vorne  und  außen  gegen  hinten  und  innen  an  Breite 
abnimmt,  so  muß  nothwendiger  V^eise  das  basiskope  Basilarstück 
schon  seiner  Anlage  nach  schmäler  sein,  als  das  akroskope.  Dies  ist 
natürlich  so  lange  der  Fall,  als  die  Durchschnitte  der  Hauptwände 
der  Segmente  im  Längsschnitte  als  gerade  oder  gebogene  Linien 
gegen  die  Achse  des  Stämmchens  verlaufen.  In  dem  Maße  aber,  als 
durch  überwiegendes  Wachsthum  der  basiskopen  Hauptwand  des 
Segmentes  (pag.  8)  der  äußerg  Theil  sich  stärker  gegen  den  inne- 
ren krümmt,  müßte  allmälig  ein  stärkeres  Breitenwachsthum  des 
basiskopen  Basüartheiles  Platz  greifen.  Würden  die  drei  aufeinander- 
folgenden Segmente  nun  nicht  so ,  wie  es  ihre  Entstehung  aus  der 
Scheitelzelle  mit  sich  bringt,  sich  in  spiraliger  Folge  decken,  sondern 
in  derselben  Höhe  liegen  und  mit  ihren  (radial  verlaufenden)  Seiten- 
wänden klappig  an  einander  stossen,  so  müßte  nothwendiger  Weise 
schließlich  das  basiskope  Basilarstück  nicht  allein  so  breit  sein,  als 
das  akroskope   desselben  Segmentes,   die  Segmente  eines  Umlaufes 


320  L  e  i  l  g  e  L. 

.nlso,  von  außen  gesehen,  mit  radialen  Längswänden  an  einander 
grenzen,  es  müßten  auch  jedes  Segment  ein  gleichgroßes  Stück  des 
Stammquerschnittes  einnehmen.  Da  nun  aber  die  Segmente  spiralig 
geordnet  sind,  so  erscheint  jedes  derselben,  so  lange  sie  noch  nicht 
iiorizontal  geworden  sind,  seitlich  von  den  beiden  der  Entstehung 
nach  nächst  älteren  Segmenten  eingeschlossen,  so  daß  auch  im  Quer- 
schnitte die  Segmente  zickzackförmig  in  einander  greifen  (Taf.  I, 
Fig.  7).  Da  nun  die  Hauptwände  der  Segmente,  in  so  weit  sie  dem 
ßlatttheile  angehören,  nicht  horizontal  werden,  sondern  theilweise 
selbst  eine  ganz  verticale  Lage  erhalten,  so  werden  wir  auch  an,  von 
der  Spitze  weiter  entfernten  Querschnitten  immer  den  Blatltheil  des 
einen  Segmentes  von  den,  den  beiden  nächst  älteren  Segmenten  an- 
gehörigen  Blatllheilen  seitlich  umlaßt  sehen.  So  weit  also  der 
Stammquerschnitt  von  den  ßlatttheilen  der  Segmente  eingenommen 
wird,  in  seiner  Randzone  nämlich,  wird  die  Ansicht  ungefähr  dieselbe 
geblieben  sein,  wie  zunächst  der  Scheitelzelle,  wo  die  Hauptwände 
der  Segmente  noch  die  anfängliche  Neigung  zeigen.  In  der  Rand- 
zone werden  also  die  Segmente  auch  jetzt  noch  zickzackförmig  in 
einander  greifen.  In  dem  Maße  nun,  als  die  Segmente  nach  außen 
convex  werden,  werden  die  Seilenwände  jedes  Segmentes  mit  der 
basiskopen  Hauptwand  desselben  einen  immer  größeren  Winkel  bil- 
den ,  bis  sie  endlich  mit  dieser  in  eine  Bogenlinie  zusammenfallen 
(Taf.  II,  Fig.  5,  Taf.  HI,  Fig.  Ij.  Von  den  drei  die  Peripherie  des 
Stammquerschnittes  einnehmenden  ßlatttheilen  wird  in  Folge  dessen 
das  älteste  mehr,  das  jüngste  weniger  als  i/^  der  Peripherie  ein- 
nehmen i). 

Bei  Fontinulis  kommt  jedoch  noch  ein  anderer  Umstand  in  Be- 
tracht, der  uns  erst  das  in  späteren  Stadien  so  bedeutende  Ueber- 
ureifen  der   Blattbasis   erklärt.    Es  nimmt  nämlich  am  entwickelten 


*)  Das  ÜbergTcifeii  der  HInttliasen  (Basilarsliieke)  erklärt  sich  also  aus  dem  Umstände, 
daß  die  sie  gnind-  und  sclieitelwärts  begrenzenden  Theile  der  Haiiptwände  nicht 
horizontal  werden,  sondern  sich  scheitelwärts  umstülpen.  Auch  die  Lorenz'sche 
Erklärung  des  Übergreifens  der  ßlattbasen  bei  Fissidens  (I.  c.  pag.  7)  setzt  ein 
solches  Geneigtbleiben  der  Hauptwände  voraus.  Wir  können  allgemein  sagen: 
Überall  dort,  wo  die  in  zwei-  und  dreiseitigen  Scheitelzelleii  sich  ausbildenden 
Wände  (wenigstens  in  ihren  peripherischen  Theilenj  gegen  die  Längsachse  geneigt 
bleiben,  und  die  ganze  Breite  eines  Segmentes  zur  Bildung  der  Blattanlage  ver- 
wendet wird,  werden  wii'  ein  Übergreifen  der  Itlaltbasen  beobachten. 


BeHräge  /.iir  Eii(wicklirnj,',sf;esfliichtp  der  PtI:inÄeii()rf;aiie.  321 

Stäinmchoii  die  Blatthasis  nahezu  zwei  Drittel  des  SteiigeUimlanges 
ein  (Tat.  IV,  Fig.  1). 

Das  hasiskope  Basilarslück  jedes  Blatttheiles  wächst  nämlich 
nicht  in  demselben  Maße  in  die  Breite,  als  dies  gemäß  seiner  ohen- 
erörterten  Neigiingsveränderiing  geschehen  sollte.  Seitlich  grenzen  an 
dasselbe  die  akroskopen  Basilarstücke  der  beiden  nächst  älteren 
Segmente.  Wenn  es  nun  durch  das  zunehmende  radiale  Wachs- 
thum  seiner  basiskopen  Hälfte  und  des  Stengeltheiles  auf  den  Um- 
lang eines  größeren  Kreises  hinaus  gedrängt  wird,  sollte  es  dem  ent- 
sprechend auch  in  die  Breite  (in  tangentialer  Richtung)  wachsen. 
Doch  hält  dies  sein  tangentiales  Waciisthum  nicht  gleichen  Schritt  mit 
dem  Dickenwachsthume  des  Stämmchens,  sondern  bleibt  hinter  dem- 
selben zurück.  Dafür  übernehmen  die  beiden  an  seinen  beiden  Sei- 
ten anliegenden  (akroskopen)  Basilarstücke  der  benachbarten  Seg- 
mente das  dadurch  bedingte  Breitenwachsthum.  Je  größer  nun  die 
Peripherie  des  Querschnittes  wird,  desto  größer  wird  auch  die 
Differenz  der  Bögen ,  die  einerseits  den  akroskopen  Basilarstücken 
der  beiden  älteren  Segmente  eines  Umganges ,  anderseits  dem  basi- 
skopen Basilarstücke  des  von  ihnen  eingeschlossenen  jüngsten  Seg- 
mentes entsprechen.  Da  nun  das  akroskope  Basilarstück  des  Blatt- 
theiles unmittelbar  in  die  freie  Blatttläche  auswächst,  so  wird  der 
Blattgrund  auch  ein  der  oben  erwähnten  Bogengroße  entsprechendes 
Stück  des  Stengelumfanges  einnehmen. 

Eine  einfache  Construction  möge  die  Sache  klar  machen:  In 
Tat".  II,  Fig.  8  A  ist  das  Ineinandergreifen  der  drei  aufeinander  fol- 
genden Blätter  auf  einer  ebengelegten  Cylinderfläche  schematisch 
dargestellt.  Die  Zahlen  I,  II,  III  bezeichnen  die  drei  scheitelwärts 
aufeinander  folgenden  Blätter,  deren  Basilarstücke  durch  ausgezogene 
Linien  erkenntlich  sind.  Ihre  freien  Blattflächen  sind  durch  punktirte 
Linien  angedeutet.  Die  kathodischen  Seiten  der  Blätter  II  und  III 
sind  ihrer  Stellung  gemäß  durch  die  anodischen  Seiten  der  Blätter  I 
und  II  gedeckt.  Die  Basilarstücke  jedes  Segmentes  sind  in  den  brei- 
teren akroskopen  zur  freien  Blattfläche  auswachsenden  und  den 
schmäleren  basiskopen  Theil  geschieden.  Der  Verticalabstand  der 
Blätter  ist  größer  angenommen,  als  dies  in  der  Vegetationsspitze 
der  Fall  ist.  Dort  liegen  sie  in  einer  sehr  flach  verlaufenden  Spirale 
und  es  schließt  die  kathodiscbe  Seite  des  Blattes  l  an  die  anodische 
Seite  des  basiskopen  Basilarstückes  des  Blattes  III  an.   Ffihi-cn  wir 

Sitzb.  (1.  mathem.-iiiituiw.  Cl.  LVII    B.I.  I.  Abth.  21 


322  Lei  t  geb. 

null  durch  die  Knospe  einen  Querschnitt  iji  der  Höhe  x  y,  so  durch- 
schneidet dieser  vom  Blatte  I  das  akroskope  Basilarstück  seiner 
ganzen  Breite  nach;  vom  Blatte  II  das  basiskope  und  die  anodische 
Seite  des  akroskopen,  vom  Blatte  III  nur  das  basiskope  Basilarstück. 
An  der  geschlossenen  Cyündertläche  würde  also  der  Querschnitt 
ungefähr  die  Anordnung  zeigen,  wie  sie  in  Fig.  8  Ä  schematisch 
dargestellt  ist.  Das  Blatt  I  erscheint  an  beiden  Enden  gleich  ent- 
wickelt; das  Blatt  II  ist  an  seiner  k'athodischen  Seite  breiter,  an 
seiner  anodischen  spitzt  es  sich  zu  (da  es  hier  in  seinem  akros- 
kopen Basilartheile  getrofTen  wurde).  Das  Blatt  III  ist  nur  in 
seinem  basiskopen  Basilartheile  getroffen.  Sein  ganzes  akroskopes 
Basilarstück  liegt  über  der  Schnitttläche.  Dies  gilt  auch  von  der 
kathodischen  Seite  des  dem  Blatte  II  angehörigen  akroskopen 
Basilartheiles  (in  der  Figur  durch  eine  punktirte  Linie  ange- 
deutet). 

In  der  Wirklichkeit  sind  nun  die  Grenzen  der  einzelnen  Theile 
selten  so  scharf  erkennbar,  als  wir  es,  um  die  Darstellung  zu  verein- 
fachen, in  diesem  Schema  angenommen  haben.  Hier  hatten  wir  die 
Voraussetzung  gemacht,  daß  die  dem  Blatttheil  des  Segmentes  grund- 
und  scheitelwärts  begrenzenden  Theile  der  Hauptwände  (so  weit  sie 
also  innerhalb  der  Peripherie  des  Stämmchens  gelegen  sind)  genau 
horizontal  seien.  In  der  Natur  ist  dies  höchst  selten,  zunächst  der 
Vegetationsspitze  nie  der  Fall.  Bei  der  allmäligen  Lagenveränderung 
der  Segmente  bleiben  diese  Theile  der  Hauptwände  lange  Zeit  ge- 
neigt. Man  sieht  dies  deutlich  in  Tat'.  I,  Fig,  1,  3,  4,  5  (minder  deut- 
lich in  Fig.  2).  Es  werden  daher  die  Blatttheile  der  vertical  überein- 
ander liegenden  Segmente  in  Ebenen  aneinander  grenzen,  die  mehr 
weniger  gegen  die  Längsachse  des  Stämmchens  geneigt  sind.  Wir 
werden  also  häufig  Querschnitte  erhalten  müssen,  deren  (einem  Blatt- 
theile entsprehende)  Bandzone  stellenweise  aus  den  Blatttheilen  zweier 
verschiedener  Segmente  gebildet  wird,  und  zwar  wird  dann  die 
Peripherie  von  Theilen  des  älteren  grundwärts  anliegenden  Segmen- 
tes eingenommen  werden.  Das  -gleiche  wird  dort  der  Fall  sein ,  wo 
die  akroskopen  Basilarstücke  je  zweier  spiralig  aufeinander  folgender 
Blätter  üitereinander  liegen.  Wenden  wir  diese  Thatsache  auf  die 
sf'hematische  Figur  8  ^  an ,  so  wird  der  Schnitt  xy  z.  B.  an  der 
Stelle,  wo  die  kathodische  Seite  des  Blattes  II  die  anodische  des 
Blattes  I  deckt,  an  der  Peripherie  Theile  des  Blattes  I,  nach  innen 


Beifriij;e  zur  EiitwickluiiiTsgescIiichte  der  Pfliin/.eimr^aiie.  OCO 

solche  des  Blattes  II  treffen.  Es  wird  iiiii'  eine  geringe  Veränderung 
der  Einstellung  des  Mikroskopes  nutlnv endig  sein,  um  allmälig  den 
einen  oder  den  anderen  ßlatttlieil  ganz  zur  Ansicht  zu  bringen.  Bei 
nur  wenig  höherer  Einstellung  (das  Präparat  von  der  Spitze  aus 
gesehen)  wird  vom  Blatte  11  die  kathodische  Seite  in  ihrer  ganzen 
radialen  Ausdehnung  erscheinen,  in  demselben  Maße  die  anodische 
des  Blattes  I  verschwinden.  Das  Blatt  wird  dadurch  seine  kathodische 
Seite  in  der  Weise  ergänzen,  wie  es  in  Fig.  8  B  durch  die  punktirte 
Linie  angegeben  ist. 

Die  ganze  hier  erörterte  theoretische  Deduction  wird  nun  durch 
die  Ansichten,  wie  wir  sie  durch  Längs-  und  Querschnitte  in  der 
That  erhalten,  vollkommen  bestätigt.  Tat".  II.  Fig.  3  zeigt  uns  einen 
(theilweise  schematisirten)  Längsschnitt  durch  die  Vegetationsspitze 
parallel  den  Flächen  einer  Blattzeile  von  innen  gesehen.   1,  2,  3,  4 
sind    die    übereinander   liegenden    Hauptwände.     Man    erkennt    sie 
leicht  an  den  Haaren,  die  an  ihnen  entspringen  (in  der  Zeichnung 
punktirt),   deren  Bildung  jj^.    11   besprochen  wurde.    In  jedem  der 
Segmente  beobachten  wir  eine  den  Hauptwänden  parallel  verlaufende 
Wand.  Sie  entspricht  der  Wand  b  in  Taf.  I,  Fig.  1 — o,  und  ist  in 
dieser  Figur  ebenfalls  mit  h  bezeichnet.  Diese  Wand  trennt  die  bei- 
denBasilarstücke  jedes  Segmentes.  Das  basiskope  erscheint  immer  viel 
niederer  als  das  akroskope,  das  sich  in  die  freie  Blattfläche  fortsetzt. 
Das  basiskope  Basilarstück  (^nij  ist  auch  in  jedem  Segmente  schmä- 
ler als  das  akroskope.  Es  wird  seitlich  von  den  akroskopen  Basilar- 
stücken  der   beiden  der  Entstehung  nach  nächst  älteren  Segmente 
begrenzt,  die  in  der  Zeichnung  imr  in  dem  untersten  Segmente  dar- 
gestellt sind  (^cc  und  ßj,  in  den   übrigen,   der  Deutlichkeit  wegen, 
weggelassen  wurden.    In  Taf.  II,  Fig.  4  sehen  wir  ein  Blatt  (III)  von 
seiner  (convexen)  Außenfläche.  Man  erkeinit  die  beiden  Basilartheile 
und   die   beiden   seitlich   angrenzenden  Blätter  (I   und  II).  An  der 
Hauptwand  1  sind  die  Haare  freiliegend,  an  der  mit  2  bezeichneten, 
scheinen  sie  durch  die  Blatttläche  durch,  h  ist  die  Basilarwand.  In 
Taf.  III,  Fig.  10  ist  bei  gleicher  Lage  des  Objeetes,  ein  Theil  der 
Blattfläche  von  Bd  weggeschnitten.  Die  Haare  an  der  Hauptwand  2 
liegen  daher  an  der  Oberfläche.  Auch  hier  erkennt  man  deutlich  die 
Basilarwand  b,  und  die  an  das  basiskope  Basilarstück  seitlich  anstos- 
senden  Theile  der  Blätter  i^l,  und  ^2.  Auch  an  den  Basilarstücken 
sind  die   oberflächlichen  Zellschichten    durch   den  Schnitt    entfernt. 

21 


3*^4  Lei  t  gel.. 

Taf.  III,  Fig.  9  stellt  ein  Präparat  mit  gleicher  Schnittriehtung ,  aber 
von  innen  gesehen,  dar.   In  beiden  Ansichten  (Fig.  9  und  10)  ist  die 
Wand   b  aus  später  zu  erörternden  Gründen  scheitelwärts  convex. 
Taf.  II,  Fig.  I  zeigt  uns  einen  axilen  Längsschnitt.  Bei  etwas  tieferer 
Einstellung,  die  die  abgewendete  Oberfläche  des   Stämmchens  zeigt, 
gehen   die  Hauptwände   der  Segmente   A  und  B  in   die   punktirten 
Linien  über.   Sie  stellen  die  Begrenzung  der  akroskopen  Basilarstücke 
(der  den  Segmenten  A  und  B  angehörigen  Blatttheile)  dar,  die  an  die 
basiskopen  der  Segmente  B  und  C  stossen,  wie  es  oben  theoretisch 
erörtert  wurde.   Daß  die  punktirte  Linie  im  Segmente  B  höher  liegt 
als  die  ihr  entsprechenile  Hauptwand  im  axilen  Längsschnitt,  erklärt 
sich  aus  der  oben  erörterten  geneigten  Lage  der  Hauptwände,  in  so 
weit  sie  den  Blatttheilen  angehören.    (Hier  sind  übrigens  die  Haupt- 
wände auch  im  Stengeltheile  noch  etwas  geneigt.    Vergi.  Taf.  III, 
Fig.   2).  Taf.  II,  Fig.  6  stellt  den   Querschnitt  durch   einen   schon 
ziemlich  entwickelten  Stammtheil  dar.  Die  Blätter  1  und  2  sind  in 
ihrer  freien  Blattfläche,  das  Blatt  3  in  seinem  akroskopen  Basilar- 
stücke durchschnitten.  Die  punktirte  Linie  zeigt  die  Fortsetzung  des- 
selben   in    die    freie    Blattfläche.     Die    gegen    das    Stengelgewebe 
ihn  begrenzenden  Wände,  die  der  Blattwand  a  (in  Taf.  I,  Fig.  1—5) 
entsprechen,  sind  stärker  gehalten.   Die  Grenze  ist  übrigens  auch  in 
der  Natur  deutlich  zu  erkennen.  Das  Basilarstück  ist  durch  wieder- 
holte tangentiale  Theilungen  mehrschichtig  geworden.  Die  dadurch 
bedingte  Anordnung  der  Zellen  in  radiale  Reihen  ist  besonders  an 
seiner  kathodischen  Seite  noch  deutlich  erkennbar.  An  beiden  Seiten 
spitzt  es  sich  zu,  und  nimmt  über  die  Hälfte  des  Stengelumfanges  ein. 
Vom  Blatte  4  sehen  wir  den  medianen  und  den  anodischen  Theil  des 
ükroskopen    Basilarstückes,    dessen    kathodischer    Theil    über   der 
Schnittfläche  gelegen  ist  (vergl.  Fig.  8  B  \xi\Apg.  15),  es  erscheint 
deßhalb  hier  auch  breiter  als  an  seiner  anodischen  Seite,  wo  es  sich 
wie  das  Blatt  1  zuspitzt.  Hier  umschließt  es  das  basiskope  Basilar- 
stück des  Blattes  5,  das  an  seiner  anodiseiien  Seite  vom  Blatte  3  um- 
schlossen erscheint  *).  Es  besteht  aus  fünf  horizontal  neben  einander 


'j  Daß  dieses  Basilarstück  ganz  iin  seinem  Gruntlp  (liirehschnitten  wurde,  zeigten  die 
Haare,  deren  Ursprung  ans  der  unmittelbar  tiefer  liegenden  Schiclife  am  Präparate 
deutlich  l.eohachtet  werden  konnte.  Die  Haare  gehen  für  die  genaue  Orientiruug 
unschätzbare  Anhaltspunkte  ab. 


Beitriifre  zur  Entwicklung:sg-eschlclite  der  Pflanzenorgane.  o3i) 

liegenden  Zellen,  in  denen  einmalige  tangentiale  Theilnng  eingetre- 
ten ist.  Es  nimmt  viel  weniger  als  ein  Drittel  der  Peripherie  ein.  In 
Taf.  III,  Fig.  1  ist  ein  jüngeres  Stadium  dargestellt.  Die  Vegetations- 
spitze liegt  abgekehrt.  Das  Blatt  i,  als  das  älteste  ist  nur  durch  die 
punktirte  Linie  angedeutet.  Sein  ganzer  Blatttheil  liegt  über  die 
Schnittfläche.  Das  Blatt  2  ist  an  der  Stelle  getroffen ,  wo  der  Blatt- 
theil in  die  freie  Blattfläche  übergeht.  Die  akroskope  Hauptwand  des 
Basilarstückes  begrenzt  das  Stämmchen  nur  an  dessen  kathodischer 
Seite.  Seine  anodische  Seite  liegt  (in  Bezug  auf  die  Zeichnung) 
höher.  Das  Blatt  3  ist  in  seinem  akroskopenBasilarstücke  und  zwar  in 
dessen  ganzer  peripherischen  Ausdehnung,  durchschnitten.  An  seiner 
kathodischen  Seite  erscheint  es  etwas  durch  das  Blatt  2  gedeckt.  Es 
ergibt  sich  dies  aus  der  oben  erwähnten  schiefen  Lage  der  Hauptwände. 
Vom  Blatte  4  sieht  man  nur  das  basiskope  Basilarstück,  eben  so  vom 
Blatte  5.  Im  Stengeltheil  erkennen  wir  deutlich  den  Verlauf  der  drei 
Hauptwände  (eigentlich  Seitenwände  der  Segmente),  der  schon  nahe- 
zu horizontal  liegenden  Stengeltheile  (der  Segmente),  die  zu  den 
Segmenten  gehören,  die  auch  die  Blätter  3,  4,  5  bildeten.  Die  zwei 
den  Stengeltheil  des  Segmentes  3  seitlich  begrenzenden  Hauptwände 
umschließen  einen  kleineren  Bogen,  als  es  dem  durch  den  Schnitt 
getroffenen  akroskopen  Basilartheile  desselben  Segmentes  ent- 
spricht, das  sich  auf  Kosten  der  basiskopon  Basilarstücke  4  und  S 
verbreiterte.  In  den  Segmenten  4  und  5  ist  der  dem  radialen  Verlauf 
der  Hauptwände  entsprechende  Bogen  grüßer,  als  der  durch  die 
Blatttheile  derselben  Segmente  (4  und  5)  eingenommene,  da  diese  in 
ihren  basiskopen  Basilarstücken,  die  im  tangentialen  Wachsthume 
zurückblieben,  durch  den  Schnitt  getroffen  wurden.  Diese  Differenz 
der  Bögen,  wie  sie  einerseits  den  Stengeltheilen,  anderseits  den 
Blatttheilen  entsprechen,  wird  natürlich  auf  Schnitten,  die  der  Sehei- 
telzelle  näher  liegen,  succesive  geringer  ausfallen,  weil  auch  die 
durch  das  ungleiche  tangentiale  Wachsthum  der  beiden  Basilarstücke 
entstehende  Differenz  gegen  die  Spitze  hin  immer  geringer  wird. 
Wir  sehen  dies  zum  Beispiele  in  Taf.  III,  Fig.  5,  wo  der  zweit-  oder 
drittjüngste  Segmentumlauf  getrofi'en  wurde.  Ein  noch  jüngeres 
Stadium  stellt  Taf.  II,  Fig.  5  dar. 

Die  seitlichen  Ränder  der  akroskopen  Basilarstücke  liegen  An- 
fangs ganz  in  der  Oberfläche  des  Stämmehens.  Später  überwachsen 
sie  die  benachbarten  Zellen,  wobei  sie  ihnen  entweder  fest  anliegen. 


326  I.eitgeb. 

und  so  mir  den  Qiiersclinilf  des  Stäinnieheiis  vergriK.Wrn ,  oder  sich 
von  ihnen  trennen.  Ersteres  ist  am  (irnnde  jedes  nkroskopen  Basi- 
larstückes  der  Fall.  Weiter  scheitelwärts  tritt  der  Rand  über  die 
Oberfläelie  des  Stämnichens  heraus.  Es  entstehen  auf  diese  Weise 
am  Stiinmichen  tlügehirtige  Anhänge,  die  alhnälig  in  die  freie  Biatt- 
tläche  übergehen;  oder  was  dasselbe  ist,  die  Blätter  erscheinen  mit 
stark  herablaufender  Basis  am  Stämmchen  befestigt.  An  Stellen ,  an 
denen  mit  freiem  Auge  oder  mittelst  der  Loupe  diese  flügelartigen 
Anhänge  nicht  mehr  wahrgenommen  werden  können,  erkennt  man 
an  Querschnitten  unter  dem  Mikroskope  noch  die  seitlichen  Ränder 
daran,  daß  an  diesen  Stellen  die  Zellen  hockerarfig  über  die  Peri- 
pherie vorstehen  (Taf.  IV,  Fig.  1). 

Es" ist  übrigens  wohl   natürlich,  dalJ»  die  Grenze  zwiscben  den 
beiden  Basilarstücken,  was  die  DiiTerenz  der  ihnen  entsprechenden 
Bögen  betrilTt.  in    der  Natur  nicht  so  scharf  ausgeprägt  sein  kann, 
wie  es  oben  bei  der  theoretischen  Betrachtung  der  Einfachheit  halber 
angenommen   und   der  scbematischen   Figur  Taf.   II,   Fig.  8  A   zu 
Grunde  gelegt  wurde.  Weiters  muß  wobl  berücksichtigt  werden,  daß, 
den  Theiluugen  der  Scheitelzclle  entsprechend,  jedes  nächst  jüngere 
Segment  höher  liegt ,  als  das  der  Entstehung  nach  ihm  unmittelbar 
vorhergehende,  daß  also,  wenn  die  kathodische  Seite  des  Blattes  1 
an  die  anodischc  des  dem    Blatte  3  angchörigen  basiskopen  Basilar- 
slückes  angrenzt,  die  Blatttheile  1  und  3  an  ihren  beiden  Seiten  ein 
ungleich  starkes  Längenwachsthum  werden  zeigen  müssen.  Zunächst 
der  Spitze,  wo  der  Blattcyklus  in  einer  sehr  flachen  Spirale  verläuft, 
wird  dieses  ungleichmäßige  Wachsibum  allerdings  kaum  bemerkbar 
sein.   Anders   jedoch   in  späteren   Stadien,   wo  nach  Streckung  der 
Inlt-rfoliartheile  der  Verticalabstand  der  Blätter  so  bedeutend   wird. 
liier  werden  zum  Beispiele  bei  linksläuliger  Segment-  und  also  auch 
Blatfspirale  die  aimdischen  Seiten  der  akroskopen  Basilarstücke  eine 
stärkere  Längenentwickelung  zeigen  müssen,  als  deren  kathodischc 
Seiten.  Es  wird  am  Blatte  3  z.  B.  die  seitlich  überwachsende  anodi- 
sche  Seite  bis  zur  Ursprungsstelle  der  freien  Blattfläche  des  Blattes  2 
reichen  müssen.   In  etwas  vorgerückteren  Stadien  werden  sich  also 
ilic  Blaltllicilc  auf  einer  eben  gelegten  Cylinderfläche  in  der  Weise 
ausnehmen,  wie  es  in  Taf.  II.  Fig.  7  schematisch  dargestellt  ist.  Es 
gelang  mir  allerdings  nicht,  diese  DilVcrcnz  der  Längen  beider  Sei- 
ten durch  direcle  Be(d»achtung  in  allen  Fällen  mit  Sicherheit  nach- 


ReifrSg'e  zur  Enfwickliingsgpsi'liichfc  der  PnHiizeiiorgaiie.  O  ■*  < 

zuwoiseii,  da  zur  Zeit,  als  dieselbe  überhaupt  bemerkbar  wird,  auch 
die  Begreuzuiigsliuien  der  Segmente  und  Segmenttheile  nicht  mehr 
erkannt  werden  können.  Aber  es  ergibt  sich  dieses  Verhältniß  noth- 
wendiger  Weise,  wenn  wir,  wie  es  oben  geschehen,  ein  überwiegen- 
des tangentiales  Wachsthum  der  akroskopen  Basilarstiicke  gegen- 
über der  hasiskopen  voraussetzen.  Diese  Annahme  wird  aber  durch 
die  directe  Beobachtung  bestätigt.  Man  könnte  allerdings  auch  an- 
neJimen,  dal.\  der  ganze  Blatttheil  des  Segmentes  wegen  der  ge- 
neigt bleibenden  Lage  der  scheitel-  und  grundsichtigen  Hauptwände 
seitlich  von  den  Blatttheilen  der  beiden  nächst  älteren  Segmente  um- 
schlossen wird,  und  auch  in  diesem  Falle  müßte  derselbe  immer 
weniger,  jeder  der  beiden  andern  mehr  als  ein  Drittel  der  Peripherie 
einnehmen.  Dann  aber  könnte  man  bei  wechselnder  Einstellung  nicht 
eine  so  rasche  Breitenzunahme  des  betreffenden  (basiskopen)  Basi- 
larstückes  scheitelw\^irts  (und  umgekehrt)  beobachten;  es  könnte  der 
Querschnitt  nie  Ansichten  geben,  wie  sie  in  Taf.  II,  Fig.  6,  Blatt  5 
und  Taf.  III,  Fig.  1  dargestellt  sind. 

Daß  übrigens  eine  solche  Längendifferenz  der  beiden  Seiten  des 
akroskopen  Basilarstückes  in  der  That  vorhanden  ist,  dafür  spricht 
vielleicht  die  Beobachtung  der  herablaufenden  Blattränder  am  ent- 
wickelten Stämmchen.  Wir  finden  nämlich  dieselben  selten  gleich 
lang,  sondern  es  ist  der  freie  anodische  (in  der  Blattspirale  höher 
gelegene)  Band  weiter  herablaufend ,  als  der  kathodische ,  was  nach 
den  oben  erörterten  Wachsthumsverhältnissen  nothwendiger  Weise 
eintreten  muß.  Da  jedoch  die  basipetale  Erstreckung  dieser  flügel- 
artigen Anhänge  durchaus  nicht  auch  mit  der  der  betreffenden  akro- 
skopen Basilarstücke  zusammen  fallen  muß,  so  möchte  ich  auf  diese 
Thatsache  kein  zu  großes  Gewicht  legen.  (Man  vergl.  Taf.  III, 
Fig.  6—8.) 

Ich  gehe  nun  zur  Entwicklung  des  Stengelt  heiles  der 
einzelnen  Segmente  über. 

Ich  habe  schon  oben  erwähnt,  daß  die  Hauptwände  der  Seg- 
mente zunächst  der  Scheitelzelle  gerade .  dann  bogenförmig  nach 
innen  verlaufen,  und  daß,  nach  Bildung  der,  das  Segment  in  Blatt- 
und  Stengeltheil  trennenden  Längswand,  dieser  allmälig  in  eine 
horizontale  Lage  übergeht.  Unmittelbar  nach  Entstehung  dieser 
Wand,  also  noch  zu  einer  Zeit,  wo  der  Stengeltheil  des  Segmentes 
eine  geneigte  Lage  hat,    sehen   wir  ihn  durch  eine  Sextanten- 


wand  ')  gelht'ilt.  Schi"  (leiillicli  sielit  man  diesen  Tlieiinngsvorgang 
an  Veiter  von  der  Scheitclzelle  enlfernten  Qnerschnitten  ,  wo  die 
Stengeltheile  der  Segmente  als  dreieckige  liorizontalliegende  Plat- 
ten erscheinen,  die  im  Centrnm  znsanimenstoßen  (Taf.  IIT,  Fig.  1 
und  ö).  .lede  dieser  dreieckigen  Platten  ist  durch  die  Sextaiitenwand 
in  zwei  nebeneinander  liegende  Zellen  (Sextanten)  zerfallen,  die  in 
Bezug  auf  ihre  Größe  um  so  ungleicher  sind ,  je  weiter  vom  Mittel- 
punkte entfernt  sich  die  Sextantenwand  an  eine  der  Seitenwände 
ansftzt.  Dabei  \\  ird  die  Blallwand  regehnäßig  in  der  Älilte  getrofVen, 
(hiiicr  die  Sextanten  an  der  Peripherie  gleich  breit  sind.  In  den  sel- 
lenslen  Fällen  fand  ich  die  Sextantenwände  in  den  Segmenten  eines 
Querschnittes  homodrom.  In  der  Regel  sehen  wir  ihren  Verlauf  in 
der  Weise,  wie  es  in  Taf.  III,  Fig.  1  und  5  dargestellt  ist.  Zwei  der 
Sextantenwände  setzen  sich  an  den  anodischen,  eine  an  der  katliodischen 
Seite  des  betreffenden  Segmentes  an").  In  Bezug  auf  die  weiteren 
Theilungen  läßt  sich  nur  so  viel  erwähnen,  daß  in  dem  größeren  bis 
ins  Centrum  reichenden  Sextanten  constant  durch  eine  Tangential- 
wand  eine  innere  Zelle  abgeschnitten  wird  s).  In  dem  kleineren  Sex- 
tanten treten  hingegen  meist  radiale  Wände  auf,  die  entweder  homo- 
drom der  Sextantenwand  sich  an  der  Seilenwand  des  Segmentes  an- 
setzen, oder  in  entgegengesetzter  Richtung  verlaufen,  und  die  Sex- 
tanteiiwand  treffen.  Die  weitere  Theilungsfolge  ist  für  das  in  Taf.  III. 
Fig.  1  dargestellte  Präparat,  aus  dem  beigegebenen  Schema  ersicht- 
lich (Fig.  1  B).  An  diesen,  wie  an  allen  ähnlichen  Präparaten  beob- 
achtet man  sogleich  auf  den  ersten  Blick,  daß  die  Theilungen  vor- 
wiegend in  centrifugaler  Richtung  vor  sich  gehen,  wodurch  sich  eine 
Übereinstimmung  mit  dem  (jieläßcylinder  der  Wurzeln  der  Gefäß- 
kryptogamen herausstellt. 

Am  Stämmchen  von  Fontinalis  hat  es  übrigens  weiter  kein  In- 
teresse, den  Theilungsvorgang  in  den  Stengeltheilen  der  Segmente 
genauer  zu  verfolgen ,  da  eine  Differenzirung  des  GeAvebes  in  mor- 
phologisch zu  unterscheidende  Elemente  nicht  stattfindet.  Ich  zweifle 
jedoch  nicht,  daß  bei  akrokarpischen  Moosen,  in  deren  Stämmchen 

')    Kiilslt'liiinn'  und  Waclistlmni  ilor  Wurzeln.  .  .  .  pag.  T'J. 

-)    Anoli  in   den  Wni/.eln  set/.en    sieh   die  Sexlanlenwünde  liiiiidger  :in  den  iinodischeil 

als  :in  den  kHlliodiselien  Seiten  an    (I.  c.    pag.  7'.t). 
*)   Aiieli    in  dieser  üezielinng  sehen  wir   die  vollkommenste  l  liereinstiinnMin^    mit  den 

Wiir/.eln  der  (iet'Sßkry|>»(igameii  (1.  c.  pag-.  79,  105). 


Beiträge  zur  Entwickliinprs^esohichtf  der  Pflanzenorgane.  O-cQ 

ein  Mittelsir.'tng  stets  vorhanden  ist,  derselbe  sieli  ans  morphologiseh 
bestimmten  Zellen  der  Sextanten  entwickelt,  nnd  es  wäre  dann  ganz 
wohl  möglieh,  daß  auch  in  dieser  Beziehung  mit  den  Getaßkrypto- 
gamen  eine  Übereinstimmung  bestände. 

Ich  habe  bis  jetzt  nur  das  Diekenwachsthum  des  Slämmchens 
btsjiroehen.  Was  das  Längenwaehstb  u  m  desselben  betrifft,  so 
wurde  oben  erwähnt,  daß  die  erste  Quertheilung  in  dem  Hlattlheile 
jedes  Segmentes  schon  sehr  früh  auftritt,  da  durch  sie  (Basilarwand) 
ja  die  Differenzirung  desselben  in  das  grund-  und  scheitelsichtige 
Basilarstiick  eingeleitet  wird.  Um  diese  Zeit  zeigen  die  Zellen  des 
axilen  Stengeltheiles  noch  keine  Querwände,  und  es  tritt  dadurch 
der  Unterschied  zwischen  Stengel-  und  Blatttheil  jedes  Segmentes 
um  so  auflallender  hervor  (Taf.  I,  Fig.  2,  Segment  V,  VI,  VII).  Einige 
Segmente  tiefer,  erscheinen  auch  die  Zellen  der  Stengellheile  quer- 
getheilt.  Die  Querwände  treten  mit  den  in  denBlatttheilen  entstandenen 
auf  gleicher  Höhe  auf.  Nur  wenig  tiefer  am  Stamme  erscheinen  die 
beiden,  die  Höhe  eines  Segmentes  bildenden  zwei  Zelllagen  nochmals 
quer  getheilt,  so  daß  nun  der  Stengeltheil  des  Segmentes  aus  vier 
Stockwerken  von  Zellen  besteht.  Die  weiteren  Theilungen  lassen  sich 
durch  directe Beobachtung  nicht  mehr  ermitteln.  Es  werden  nämlich, 
in  Folge  einer  nun  eintretenden  sehr  starken  Längsstreekung  die  An- 
fangs nahezu  in  derselben  Ebene  liegenden  Querwände  jedes  Stock- 
werkes verschoben,  und  die  Grenzen  der  Segmente  werden  ebenfalls 
undeutlich.  Doch  können  wir  aus  den  fertigen  Zuständen,  wie  sie  an 
ausgewachsenen  Slämmchen  beobachtet  werden,  auf  die  Zahl  der 
slattgefundenen  Quei-theilungen  zuriickschliessen.  DerVerticalabstaud 
zweier  übereinander  stehender  Blätter  beträgt  im  Durchschnitte 
2-3  Mill.  K^s  entspricht  dieser  Abstand  natürlich  der  Höhe  eines  Seg- 
mentes. Die  übereinander  liegenden  axilen  (dem  Stengeltheil  der 
Segmente  angehörigen)  Zellen  des  Stämmebens  stoßen  mit  nahezu 
horizontal  laufenden  Querwänden  aneinander,  und  haben  durcliscbniH- 
lich  0-26  Mm.  Länge.  Es  kommen  somit  ungefähr  8  Zellen  auf  dleHi)Iie 
eines  Segmentes,  was  also,  nach  Bildung  der  vier  Stockwerke  eine 
nochmalige  Quertheilung  sämmtlicher  Zellen  voraussetzt.  Wir  können 
also  sagen,  daß  in  den  Stengeltheilen  der  Segmente  sich  die  Quer- 
tbeilungen  dreimal  wiederholen. 

Die  den  Blatttheil  der  Segmente  zusammensetzenden  Zellen 
verhalten  sieh  in  dieser  Beziehung  anders.  In  entwickelten  Stamm- 


330  Leitgeb. 

tlu'ilon  sind  sie  im  Ganzen  doppelt  so  lang-  als  die  des  axilen  Ge- 
webes, und  an  beiden  Knden  zngespitzt,  so  daß  sie  sieh  auf  ziemlieh 
weite  Strecken  zwischen  einander  einschieben.  Es  ist  also  anzuneh- 
men, daß  in  ihnen  eine  Quertheiinng  unterbleibt.  Nur  dort,  wo  das 
akroskope  Basilarstück  in  die  IVeie  Blatttläehe  übergelit,  erscheinen 
sie  besonders  zunächst  der  Oberfläche  viel  kürzer.  Es  ist  zweifellos, 
daß  sie,  nach  Bildung  der  Blattscheitelzelle,  aus  dieser  entstanden 
sind,  obwohl  die  directe  Beobachtung  weder  die  Folge  der  Theilungen 
noch  eine  allfiillige  Regelmäßigkeit  der  Anordnung  erkennen  läßt. 


Das  Stämmchen  von  Fontinnlis  zeigt  eine  ungemein  reiche 
Verzweigung.  Die  Knospen  wachsen  entweder  zu  vegetativen 
Sprossen  aus,  oder  werden  reproductiv,  indem  sie  Antheridien  oder 
Archegonien  bilden.  Die  Blattspirale  ist  ausnahmslos  der  des  betref- 
fenden Muttersprosses  autidrom.  Da  die  Axen  erster  Ordnung  fast 
ausnahmslos  liuksläufige  Blatt- (also  auch  Segment-)  Spiralen  zeigen, 
linden  wir  an  den  Achsen  zweiter  Ordnung  Rechtsdrehung,  an  denen 
dritter  Ordnung  Linksdrehung  und  so  fort. 

Die  Stellung  der  Knospen  am  entwickelten  Sprosse  zeigt  in  so 
ferne  eine  gewisse  RegelmälJtigkeit,  als  die  Einfügungsstelle  meistens 
an  dem  herablaufenden  Blattrande  eines  ungefähr  auf  gleicher 
Höhe  stehenden  Blattes  liegt.  Sie  erscheint  eben  so  häufig  bis  zu 
einer  Stelle  grundwärts  gerückt,  wo  der  herab  laufende  Blatt- 
rand verschwindet,  als  auch  öfters  über  die  Einfügungsebene  des 
Blattes  emporgehoben.  Nach  zahlreichen  Beobachtungen  an  voll- 
kommen entwickelten  Stammtheilen,  wie  an  solchen,  an  denen 
die  Längsstreckung  noch  nicht  vollendet  war,  glaube  ich  es  als  allge- 
meine Regel  aufstellen  zu  können,  daß  die  Knospen  am  anodischen 
Rande  eines  mit  ihm  auf  ungefähr  gleicher  Höhe  stehenden  Blattes 
stehen;  also  bei  rechtsumläuliger  Blattspirale  am  linken,  bei  linksum- 
läufiger  am  rechten  Blattrande,  das  Blatt  von  außen  und  vom  Grunde 
aus  betrachtet.  Doch  auch  in  dieser  Beziehung  finden  wir  häufig 
genug  Ausnahmen.  So  sehen  wir  im  Schema  Taf.  III,  Fig.  0  bei 
rechtsläufiger  Spirale  auch  am  kathodischen  Rande  des  Blattes  2 
eine  Knospe  stehen:  im  Schema  Fig.  7  bei  linksläufiger  Spirale  die 
Knospen  ebenfalls  am  kathodischen  Rande;  in  Fig.  8  bei  linksläufiger 
Spirale  linden  wir  Knospen  an  beiden  Rändern  des  Blattes  3;  am 
Blatte  4  eine  solche  am  kathodischen  Rande. 


Beidägp  zur  Eiifwicklunosgescliichfe  der  Pfliin/.enorjjane.  do  I 

Hofmeistor ')  hat  für  Sphftgnum  die  Stelliiiio-  der  Knospen 
dahin  präeisirt,  daß  sie  sich  constant  am  linken  Blallrande  befinden. 
Ans  der  Betrachtui.g  fertiger  Znstände,  nnd  noeh  mehr  dnreh  direete 
Beohaehtnng  ihrer  Anlage  am  Seheitel  kommt  er  znr  Ansicht,  da(5> 
die  Anfangszelle  eines  Seitensprosses  nnmittelbar  znnäehst  derSchei- 
telzelle  von  einer  Blattnintterzelle  abgeschnitten  werde  (p.  271). 
Obwohl  nur  Darslelinng  inid  Zeicbnnng  (Taf.  VIII,  Fig.  \'.i)  nicht 
ganz  klar  ist,  glanhe  ich  Hofmeister  doch  recht  zn  verstehen, 
daß  er  eine  Knospe  mit  linkslänfiger  Spirale  vor  sieb  balle,  inid  daß 
die  Sproßmutterzelle  aus  dem  kathodiscben  Rande  einer  Blattnintter- 
zelle gebildet  wird.  Dann  würde  sich  allerdings  bei  linksläntiger 
Spirale  die  Stellung  der  Knospen  am  linken  Blaftrande  erklären.  Bei 
Rechtsdrehung  der  Segmentspirale  müßte  dann  in  dem  Falle,  als  wir 
uns  die  Knospenanlagen  in  derselben  Weise  gebildet  denken  (die 
sie  bildenden  Mutterzellen  also  wieder  am  kathodiscben  Rande  der 
Blattmntterzellen  abgeschnitten  würden),  die  Knospen  am  rechten 
Blattrande  gestellt  erscheinen.  Ist  dies  jedoch  nicht  der  Fall ,  und 
stehen  die  Knospen  constant  am  linken  Blattrande  (und  Hofmeister 
spricht  dies  p.  270  absolut  aus),  so  müßte  man  annehm(Mi ,  daß  bei 
Rechtsdrehung  der  Segmentsspirale,  die  auch  nach  Hofmeister 
(p.  26o)  öfters  vorkommt,  die  Knospenmutterzelle  von  dem  anodi- 
schen Rande  der  Blattmutterzelle  abgeschnitten  würde.  Mir  fehlt  der- 
malen das  Material  zur  Beobachtung,  und  ich  muß  mich  daher  auf 
diese  Erörterung  beschränken. 

Ich  habe  schon  oben  erwähnt,  daß  wir  bei  Foiäinalls  nicht  in 
allen  Fällen  die  Knospe  auf  den  linken  Rand  eines  Blattes  beziehen 
können,  und  daß  im  Gegentheile  bei  linksumläufiger  Spirale  die  Knos- 
pen sich  in  der  grüßten  Mehrzahl  der  Fälle  am  rechten  ßlattrande 
befinden.  Abgesehen  davon,  daß  bei  rechts-  und  linksläufiger  Spirale 
unzweifelhaft  Fälle  beobachtet  wurden,  wo  die  Knospe  an  den  rechten 
Rand  eines  Blattes  gerückt  war,  gibt  es  andererseits  auch  Fälle,  wo 
Knospen  an  beiden  Rändern  eines  Blattes  zu  beobachten  sind.  Ein 
hieher  gehöriger  Fall  wurde  schon  oben  besprochen  (Taf.  III,  Fig.  8). 
Ist  dann  dazu  noch  der  Verticalabstand  der  Blätter  schon  bedeutend, 
so  fällt  jede  Möglichkeit,  die  Knospe  auf  den  benachharten  Rand  des 
nächst  tieferen  Blattes  zu  beziehen,  von  selbst  hinweg  (Taf.  III,  Fig.  6). 


1)   Zusätze  und  Bericlitigungon.  .  .  .  Pr  i  ngsln' iins  Jahrliiichcr  111    png.  270. 


332  Lei  t  geb. 

Auch  tritt  häufig  der  Fall  ein,  daß  die  Knospe  in  Bezug  auf  ihren 
Verticalabstand  genau  in  der  Mitte  zwischen  zwei  Blättern  gelegen  ist, 
was  auch  in  Bezug  auf  ihre  horizontale  Divergenz  gegen  die  beider- 
seits benachbarten  Blattränder  nicht  selten  beobachtet  wird.  Gegen 
die  Hofmeist  er'sche  Darstellung  der  Bildung  der  Knospenanlage 
sprechen  aber  vor  Allem  jene  Fälle,  wo  zwei  Knospen  unmittelbar 
neben  einander  stehen  (Fig.  8,  Bl.  2).  Ich  habe  dies  zu  wieder- 
holten Malen  beobachtet.  Die  beiden  Knospen  stehen  meist  etwas 
schief  über  einander,  öfters  auch  horizontal  neben,  ein  andermal  ver- 
tical  über  einander.  Ich  habe  mich  mit  Hilfe  des  Mikroskopes  über- 
zeugt, daß  beide  direct  aus  dem  Stengel  entspringen,  daß  also  durch- 
aus nicht  die  eine  derselben  als  Tochterknospe  der  anderen  angesehen 
werden  kann,  wofür  weiter  noch  der  Umstand  spricht,  daß  sie  homo- 
drome  Segmentspiralen  zeigen  i).  Ich  glaube  nicht,  daß  es  möglich 
wäre,  diese  Stellung  nach  der  Hof  meist  er 'sehen  Darstellung  der 
Knospenbildung  bei  Sphagnum  erklären  zu  können. 

Bei  Fontinalis  entwickeln  sich  die  Knospen  aus  dem  basiskopen 
Basilarstücke  des  Blatttheiles  eines  Segmentes.  Es  ergibt  sich  dies 
schon  aus  der  Betrachtung  der  Längsschnitte.  In  Höhen,  wo  die 
Grenzen  der  Segmente  gi'iind-  und  scheitelwärts  noch  vollkommen 
scharf  erkennbar  sind ,  sehen  wir  an  der  dem  basiskopen  Basilar- 
stücke eines  Segmentes  angehörigen  Zelle  eine  überwiegende  Längen- 
entwicklung auf  Kosten  der  dem  oberen  Basilarstücke  angehörigen. 
Ihr  freier  Außenrand  erscheint  stark  nach  außen  gekrümmt.  Wir 
sehen  dies  in  Taf.  I,  Fig.  1  am  untersten  Segmente  der  rechts 
gelegenen  Reihe.  In  dieser  Zelle  sind  auch  schon  schiefe  Wände 
aufgetreten,  durch  die  eine  dreieckige  Zelle  abgeschnitten  wurde. 
Die  Aufeinanderfolge  der  schiefen  Wände  war  an  diesem  Präparate 
nicht  wahrzunehmen.  Noch  deutlicher  sehen  wir  die  Bildung  dieser 
dreieckigen  Zelle  in  Taf.  I,  Fig.  4  im  unteren  Segmente.  Hier  sieht 
man  auch,  daß  von  den  beiden  schiefen  Wänden,  die  scheitelwärts 
gelegene  die  ältere  ist.  Die  die  dreieckige  Zelle  grund-  und  scheitel- 
wärts begrenzenden  Zellen  (Theile  der  ursprünglichen  grundsichtigen 


^)  Bei  dem  in  dieser  Abhandlung  schon  mehrmals  erwähnten,  so  weit  die  Beob- 
aclitungen  reichen,  aiisii;ihnislii,s('ii  Gesetze  der  Antidromie  der  Blaltspiralen  an 
Sprossen  zweier  auf  einander  folgender  Ceneralinnen  ist  diese  Thalsaelie  gewiß 
nicht  zu  unterscliätzen. 


1 


Beiträge  zur  Eiitwickliingsgescliicliti-  der  Ptlanzeiior^ane.  333 

Basalzelle)  haben  sich  durch  tangentiale  Wände  weiter  getheilt,  ein 
Vorgang  der  in  dem  Falle,  als  schiefe  Wände  nicht  gebildet  werden, 
im  ganzen  basiskopen  Basilarstiicke  normal  auftritt  (Taf.  I,  Fig.  2 
Segment  VII,  VIII,  Fig.  3).  In  Taf.  I,  Fig.  3  sehen  wir  die  drei- 
eckige Zelle  schon  weiter  entwickelt;  es  hat  sich  aus  ihr  eine 
Knospe  gebildet,  deren  Entwicklung  gleich  ist  der  des  Mutter- 
sprosses. Weiters  sehen  wir  an  dem  nämlichen  Segmente  die  über- 
wiegende Längsstreckung  des  grundsichtigen  (die  Knospe  bildenden) 
Basaltheiles  gegenüber  dem  scheitelsichtigen. 

Ich  glaube,  daß  schon  aus  den  bis  jetzt  erörterten  Thatsachen 
sich  die  Entwicklungsgeschichte  der  Knospen  aus  dem  basiskopen 
Basilarstücke  eines  Blatttheiles  ergibt.  Daß  diese  dreieckige  Zelle 
die  Mutterzelle  einer  Knospe  ist,  ist  unzweifelhaft.  Es  könnte  vielleicht 
noch  der  Einwand  gemacht  werden,  ob  diese  Zelle  denn  wohl  dem 
basiskopen  Basilarstücke  eines  Segmentes  angehöre,  ob  sie  nicht 
vielleicht  als  Randzelle  eines  seitlich  gelegenen  Blatttheiles  aufzufassen 
sei,  was  bei  dem  starken  Übergreifen  der  Blattränder  immerhin 
möglich  wäre.  Es  könnte  dies  besonders  dann  leicht  der  Fall  seiu, 
wenn  der  Längsschnitt  das  Segment  ziemlich  weit  rechts  oder  links 
von  seiner  Mediane,  die  mit  der  Mittellinie  der  freien  Blattfläche  zu- 
sammenfällt, getroffen  hat.  Daß  dies  in  den,  obiger  Darstellung  zu 
Grunde  gelegten  Präparaten  nicht  der  Fall  war,  ergibt  sich  wohl 
schon  aus  der  genau  axilen  Lage  der  durch  das  Zusammenstossen  der 
rechts  und  links  gelegenen  Segmente  entstehenden  Zickzacklinie. 
Überdies  kann  man  sich  über  die  Richtung  der  Schnittebene  durch 
die  Betrachtung  der  Lage  der  (tiefer  oder  höher  liegenden)  dritten 
Blattzeile  vollkommen  sicher  überzeugen.  Ist  aber  der  Schnitt  genau 
parallel  den  Flächen  einer  Blattzeile  und  zu  gleicher  Zeit  axil  geführt, 
so  ist  es  namentlich  nahe  dem  Scheitel,  wo  ein  Übergreifen  der 
Ränder  der  Blattanlagen  noch  unbedeutend  ist,  unmöglich,  die  seit- 
lichen Blattränder  der  oberhalb  oder  unterhalb  der  Schnittebene 
gelegenen  Blattzeile  durch  den  Schnitt  zu  treffen  (Taf  II,  Fig.  5,  6, 
Taf.  III,  Fig.  1,  5). 

Diese  Verhältnisse  werden  uns  übrigens  am  Querschnitte  noch 
viel  klarer,  Taf.  III,  Fig.  4  Ä  zeigt  uns  den  Querschnitt  eines 
Stämmchens.  Er  entspricht  in  Bezug  auf  seine  Entfernung  vom 
Scheitel  ungefähr  dem  im  Längsschnitte  Taf.  I,  Fig.  3  dargestellten 
untersten  Segmente.  In  Bezug  auf  die  Gruppirung  der  durchschnit- 


334  Leitgeb. 

teilen  Segmente  und  deren  Ausbildung  hält  er  die  Mitte  zwischen  den 
in  Tat".  11,  Fig.  6  und  Tat".  Hl,  Fig.  1  dargestellten  Querschnitten. 
Daß  die  Knospe  a  dem  jüngsten  der  drei  durchschnittenen  Segmente 
angehört,  ist  wohl  unzueilVlhatt.  I)<'nn,  würde  man  sie  mit  einem  der 
i)eiden  seitlich  angrenzenden  Segmente  in  Verhiiulung  zu  bringen 
suchen,  so  würde  die  Peripherie  des  Querschnittes  von  nur  zwei 
Segmenten  eingentuiimen  sein.  Dies  ist  jedoch  unmöglich,  da  ja  die 
Randzone  jedes  Querschnittes  diu'ch  drei  Segmente  gebildet  sein 
muß.  Weilers  erscheint  der  Knospengrund  tief  in  das  Gewebe  des 
Stämmchens  eingesenkt,  was  also  auch  eine  Überwachsung  des 
(Ifilleii  S(^gmeiites,  von  einer  der  beiden  Seiten  aus,  durchaus  aus- 
schließt. Das  älteste  Segment  des  Querschnittes  wurde  in  seinem 
akroskopen  Basilartheile  durchschnitten.  Es  nimmt  schon  nahezu 
den  halben  Umfang  des  Querschnittes  ein.  In  seiner  Mitte,  aber 
einem  tiefer  liegenden  Gewebe  angehörig,  liegt  die  Knospe  ß, 
Fig.  4  B  zeigt  uns  dasselbe  Präparat  von  der  anderen  Seite.  Hier 
erscheint  der  Grund  der  Knospe  ß  durch  den  Schnitt  biosgelegt. 
Der  peripherische  Theil  des  ihr  zugehörigen  Segmentes,  der  früher 
(in  der  Ansicht  des  Präparates  von  der  anderen  Seite)  y.  der  Peri- 
pherie einnahm,  erscheint  auf  einen  viel  kleineren  Bogen  reducirt. 
Es  ist  dies  eben  der  viel  schmäler  bleibende  grundsichtige  Basilar- 
theil,  der  hier  dieselbe  Entwicklung  zeigt,  wie  in  Fig.  4  A,  der  die 
Knospe  a  tragende.  Seitlich  ist  er  begrenzt  von  den  scheitel- 
sichtigen Basilartheilen  zweier  ihrer  Entstehung  nach  nächst  älteren 
Segmente,  denen  nämlich,  die  den  Segmenten  2  und  3  in  Fig  4 
A  grundwärts  anliegen  (vgl.  pag.  15).  Auch  hier  reicht  die  Knospe 
tief  in  das  Gewebe  des  Stämmchens  hinein.  Die  Begrenzungswand 
der  Knospe  gegen  das  innere  Gewebe  des  Stämmchens  entspricht  der 
Blattwand  (a  in  Taf.  I,  Fig.  i—H,  Tai".  III.  Fig.  1),  durch  die  das 
Segment  in  den  Blatt-  und  den  Stengeltheil  zerfällt.  Taf.  III,  Fig.  3 
zeigt  ein  noch  jüngeres  Stadium  der  Knospenanlage.  Der  Blatttheil 
des  Segmentes  ist  in  seiner  Mitte  stark  radial  verbreitert.  Er  ist 
seiner  ganzen  Breite  nach  durch  radiale  Wände  getheilt.  Ent- 
sprechend dem  stärkeren  radialen  Wachsthume  in  seiner  Mitte  sind 
auch  hier  die  Zellen  stärker  radial  gestreckt,  und  erscheinen  auch 
schon  tangential  getheilt.  An  dieser  Figur  wie  auch  in  Taf.  III,  Fig.  1 
(Segment  4  und  ö)  ist  eine  der  radialverlaufenden  Wände  genau  in 
der  Mitte  gelegen.  Daraus  folgt,  daß,   wenn   endlich  durch  Bildung 


Beiträg'e  zur  Eiit«  ifkluujjsgescliichte  di-r  Fflanzeiiorgaue.  OOO 

von  schiefen  Wänden  die  Seheitelzelie  für  die  Knospe  gebildet  wird, 
diese  nicht  in  einer  median  gelegenen  Zelle,  sondern  rechts  oder 
links  von  der  Mediane,  für  diesen  Fall  also  in  einer  der  beiden  Zellen 
rn  und  n ,  auftreten  kann.  Dadurch  wird  aber  die  Knospe  in  ihrer 
weiteren  Entwicklung  nothwendiger  Weise  einem  der  beiden  seitlich 
gelegenen  Segmente  näher  gerückt  sein,  als  dem  andern.  Dies  sehen 
wir  auch  in  Fig.  4  B,  wo  sich  die  Knospe  ß  zweifellos  aus  der  Zelle 
n  entwickelt  hat.  Ich  halte  dies  für  den  Grund ,  warum  wir  an  ent- 
wickelten Zuständen  die  Knospe  meist  so  nahe  an  einen  der  Blatt- 
ränder (in  der  Regel  an  den  anodischen)  gerückt  sehen  (Taf.  III, 
Fig.  6,  7,  8).  Es  ist  dies  jedoch,  wie  schon  oben  bemerkt,  keine 
ausnahmslose  Regel;  wir  sehen  aber  dem  entsprechend  auch  in 
Fig.  4  B  die  Knospe  aus  der  anodisch  gelegenen  Zelle  entspringen, 
also  näher  an  den  kathodischen  Rand  eines  Blattes  gelegen. 

Auch  die  Tangentialschnitte  stehen  in  vollkommener  Überein- 
stimmung mit  der  eben  gegebenen  Darstellung  der  Entwicklungs- 
geschichte der  Knospen.  Taf.  III,  Fig.  9  stellt  einen  solchen  Schnitt 
dar.  Die  Blattfläclie  mit  den  dazu  gehörigen  Basilarstücken  erscheint 
von  innen  gesehen.  Bi,B^  sind  die  aus  den  beiden  nächst  älteren  Seg- 
menten gebildeten  Blätter.  ^3  ist  das  Blatt,  welches  zu  dem  Segmente 
gehört,  das  durch  die  Hauptwände  1  und  2  grund-  und  scheitelwärls 
begrenzt  wird.  Die  Wand  b ,  welche  als  Basilarwand  den  Blatttheil 
des  Segmentes  in  das  grund-  und  scheitelsichtige  Basilarstück  trennt, 
ist  stark  seheitelwärts  convex.  Das  grundsichtige  Basilarstück  ist  da- 
her in  seiner  Mitte  bedeutend  länger,  als  das  scheitelsichtige.  Dieses 
hat  sieh  fast  nur  durch  Längswände  getheilt.  In  dem  grundsiclitigen 
Basilarstücke  sehen  wir  eine  Knospenanlage,  deren  Entwicklung  schon 
ziemlich  weit  vorgeschritten  ist.  Mit  Sicherheit  läßt  sich  die  gene- 
tische Aufeinanderfolge  der  Hauptwände  wohl  nicht  mehr  bestimmen. 
Doch  wahrscheinlich  geschah  dies  in  der  Weise,  wie  es  die  auf  ein- 
ander folgenden  Zahlen  angeben  1). 

Nur  ist  es  dann  auffallend,  daß  auf  die  Wände  1  und  2  nicht 
eine   Wand  mit  gleicher  Divergenz   folgt,    sondern  daß  die  dritte 


1)  Den  Anhaltspunkt  zur  Bestimmung  der  Altersfolge  der  Segmente  bot  die  schon 
erwähnte  Thatsache ,  daß  die  Blattspirale  eines  Tochtersprosses  der  des  Mutfer- 
sprosses  ausnahmslos  antidrom  ist.  Die  Spirale  am  Muttersprossc  war  hier  rechts 
umiäuiig.   Die  Knospe  wird  daher  eine  links  umläutige  Spirale  zeigen  müssen. 


336  Leitgeb. 

VV^jtiid  wieder  mit  1  parallel  ist.  Die  Folge  dieses  Theilurigsvorgaii- 
ges  wäre  iiotlnveiidiger  Weise  die  gewesen,  daß  der  Knospengruiid 
w  eitcr  scheitelwärts  gerückt  hätte  erscheineii  müssen ,  und  es  ist 
wohl  niüglich,  daß  in  solchen  Unregelmäßigkeiten,  die  in  Bezug  aul' 
die  Theilungsvorgänge  bei  der  Anlage  von  Knospen  vorkommen, 
der  Grund  liegt,  daß  dieselben  gegenüber  dem  seitlich  gelegenen 
Hlattrande  in  ihrem  Verticalabstande  so  häufig  wechseln  (vergl. 
pag.  23).  Taf.  III,  Fig.  10  stellt  einen  ähnlichen  Schnitt  dar.  Die 
Knospe  ist  weniger  weit  entwickelt.  Das  Präparat  erscheint  von  außen 
gesehen.  ^,,  B,,  B^  sind  die  auf  einander  folgenden  Blätter.  V^om 
Blatte  3  ist  der  mediane  Theil  der  stark  gekrümmten  Blattfläche  durch 
den  Schnitt  entfernt.  In  dem  scheitelwärts  durch  die  Hauptwand  2, 
grundwärts  durch  die  Basilarwand  b  begrenzten  akroskopen  Basilar- 
stücke,  sind  die  Ursprungszellen  der  Haare  sichtbar  (vergl.  Taf.  I, 
Fig.  4,  Wand  e).  Das  basiskope  Basilarstück  zeigt  die  schiefen 
Wände  1  und  2 ,  wie  das  Präparat  in  Fig.  9.  Die  dritte  Wand 
tritt  hier  jedoch  mit  gleicher  Divergenz  gegen  1  und  2  auf.  Es 
ist  also  die  Knospenscheitelzelle  schon  durch  die  Wände  1  und  2 
gebildet,  während  in  Fig.  9  erst  nach  Bildung  der  Wand  3  die 
regelmäßige  Theilungsfolge  beginnt.  Auch  hier  ist  dife  Basilar- 
wand (6)  scheitelwärts  convex;  doch  nicht  in  dem  Maße,  wie  in 
Fig.  9 

Aus  der  Betrachtung  der  Fig.  9  und  10  ergibt  sich  übrigens 
noch  eine  andere,  an  allen  ähnlichen  Präparaten  beobachtete  That- 
sache.  Durch  die  Lage  der  ersten  schiefen  Wände  ist  die  Lage  der 
Segmente  bedingt.  Da  die  zwei  ersten  schiefen  Wände  gegen  die 
Längsachse  des  Stämmchens  gleich  geneigt  erscheinen,  so  wird  die 
Scheitelzelle  immer  eine  ihrer  Flächen  der  Spitze  des  Muftersprosses 
zuwenden.  Es  wird  dann  natürlich  auch  eine  der  Segment-  (und  Blatt-) 
Zeilen  der  Stammspitze  zugewendet  sein.  Betracliten  wir  ferner, 
z.  B.  in  Fig.  10  die  durch  die  schiefen  Wände  1  und  2  von  der 
Basilarzelle  abgeschnittenen  Stücke,  als  schon  zur  Knospe  gehörig  '), 
so  wird  das  durch  die  Wand  3  abgeschnitlene  Segment  das  jüngste 
des  ersten  Undaufes  sein.  Es  ist  nicht  uninteressant,  diese  Verhält- 
nisse mit  denen  zu  vergleichen,  wie  sie  von  Nägeli  und  mir  für  die 
Entwicklung  der  Wurzelzweige   bei  Gefäßkryptogamen   angegeben 


1)   Um  die  für  die  Wurzeln  der  tiel'äßkiyptogHnien  gelniiuelite  Aiiscliaiiung  t'estzuliiilleii. 


ni'iträp:^  zur  Entwicklungsgeschichte  der  Pflanzenorgaiie.  doT 

wurden  ').  Auch  doit  ist  die  Lage  der  Scheitelzelle  der  Tochterwurzel 
gegen  die  Miitterwurzel  genau  bestimmt,  und  zwar  kehrt  sie  dieser 
eine  Kante  zu.  Es  liegt  daher  eine  Segmentzeile  von  der  Spitze  der 
Mutterwurze!  abgekehrt  (die  beiden  anderen  Segmentzeilen  liegen 
ebenfalls  rechts  und  links).  Dabei  ist  aber  schon  die  erste  der  schie- 
fen Wände  von  der  Spitze  abgekehrt;  das  dadurch  gebildete  Seg- 
ment das  älteste  des  ersten  Umlaufes.  Es  ist  daher  bei  den  Wurzeln 
das  erste  ipergesteilte  Segment  auch  das  iUteste  des  ersten  Umlaufes; 
im  Stämmchen  von  Fontinalis  dagegen  das  jüngste.  Bei  der  Gesetz- 
mäßigkeit dieses  Vorganges  ist  es  wohl  möglich,  daß  er  durch 
dilTerente  Wachsthumsvorgänge  der  Mutterorgane  bedingt  wird.  Ich 
vermag  für  jetzt  allerdings  nicht,  in  dieser  Hinsiclit  irgendwelche 
Beziehungen  aufzufinden,  und  muß  mich  ])egnügen,  auf  diesen  merk- 
würdigen Unterschied  hinzuweisen. 

Es  ist  weiters  noch  ein  anderer  Unterschied  hervorzuheben,  der 
zwischen  der  Zweigbildung  an  Wurzeln  und  der  am  Stämmchen  von 
Fontinalis  besteht.  So  weit  unsere  Beobachtungen  reichten,  ließ 
sich  bei  den  Wurzeln  in  Bezug  auf  die  Bichtung  der  Segmentspiralen 
in  Mutter-  und  Tochterwurzeln  ein  Gesetz  nicht  nachweisen.  Wir 
fanden  eben  so  liäufig  homodrome  als  antidrome  Segmentspiralen. 
Nicht  so  ist  es,  wie  schon  oben  erwähnt,  hei  Fontinalis.  Die  Seiteii- 
sprossen  sind  ausnahmslos  antidrom  den  bezüglichen  Muttersprossen. 

Es  wäre  möglich,  daß  diese  Thatsache  mit  einer  anderen  Er- 
scheinung im  Zusammenhang  stände : 

In  der  Vegetationsspitze  zeigen  die  jungen  Blattanlagen  genau 
die  Divergenz  1/3.  Wir  beobachten  hier  keine  Drehung.  Mehrere 
Blattcyklen  entfernt,  ist  eine  solche  jedoch  schon  sehr  deutlich  wahr- 
zunehmen. Es  verhalten  sich  aber  in  dieser  Beziehung  die  Sprosse 
verschieden.  Solche,  welche  wenig  Knospenanlagen  entwickeln,  er- 
scheinen viel  weniger  stark  gedreht,  als  andere,  an  denen  die  Knos- 
pen in  großer  Zahl  angelegt  sind.  Es  gibt  Sprosse,  an  deren  Spitze 
fast  auf  jedes  Segment  eine  Knospe  kommt.  Diese  zeigen  denn  auch 
eine  ungemein  starke  Drehung,  die  dann  auch  weiter  scheitelwärts 
reicht,  als  an  Sprossen  mit  nur  wenigen  Knospenanlagen. 

Die  Drehung  ist  immer  der  Segmentspirale  homodrom.  Was 
immer  der  ursprüngliche  Grund  der  Drehung  sein  mag,    so  viel  ist 


»)   L.  e.    pag.  89. 
SitzL.  d.  mathein. -iiaturw.  II.  LVH.  üd.  I.  Ahth.  22 


3dO  L  P  i  t  g^  e  1». 

zweifellos,  ilaü  in  dein  Falle,  als  die  Knospe  eine  dem  Mntlei'spi-osse 
antidi'ome  Segment-  nnd  also  auch  Dreluingsspirale  zeigt,  die  Dre- 
hung am  letzteren  gefördert  werden  muß,  während  homodrome  Dre- 
hungen liemmend  auf  einander  einwirken  müssen. 

Die  Erklärung  des  Vorkommens  zweier  horizontal  neben  einan- 
der, oder  vertical  oder  schief  über  einander  stehenden  Knospen, 
dessen  oben  gedacht  wurde,  bietet  keine  Schwierigkeit.  Es  gelang 
mir  zwar  nicht,  die  Entwicklung  derselben  von  ihrer  ersten  Anlage 
an  zu  verfolgen.  Doch  ist  es  wahrscheinlich,  daß  bei  iiorizonta!  neben 
einander  stehenden  Knospen,  in  zwei  der  im  Querschnitte  nebeu 
einander  liegenden  Zellen  des  basiskopen  Basilarstückes,  durch  Bil- 
dung schiefer  Wände  Knospenscheitelzellen  entstehen  (vergl.  Taf.  III. 
Fig.  1,  3,  4,  Zellen  m,  ??).  Auch  die  schief  stehenden  Knospen  dürf- 
ten auf  ursprünglich  liorizontal  neben  einander  stehende  zurückzu- 
führen sein.  Es  ist  immer  eineKnospe  im  geringeren  Maße  entwickelt 
als  die  andere,  und  es  ist  schon  dadurch  nothwendiger  Weise  eine 
Verschiebung  ihrer  Einfügungsel)ene  bedingt.  Zur  Erklärung  vertical 
über  einander  stehender  Knospen,  sind  wir  gezwungen  anzunehmen, 
daß  im  basiskopen  Basilarstücke  vor  Bildung  einer  Knospenscheitel- 
zelle  eine  Theilung  durch  Querwände  stattgefunden  hat. 

Wenn  in  dem  Blatttheile  des  Segmentes  keine  Knospe  angelegt 
wurde,  so  verhalten  sich  beide  Basilartheile  hinsichtlich  des  Maßes 
ihres  Längenwachsthumes  gleich.  Wir  sehen  dies  in  Taf.  F.  Fig.  2, 
wo  selbst  im  Segmente  VIII  eine  Längendifferenz  noch  nicht  wahr- 
zunehmen ist.  Wenn  jedoch  im  basiskopen  Basilartheile  eine  Knospe 
angelegt  wurde,  so  überwiegt  das  Längenwachsthum  desselben  gar 
bald  das  des  akroskopen  Basilarstückes.  Dies  ist  der  Fall  in  Taf.  l, 
Fig.  1  im  rechts  untersten  Segmente,  das  '\n  Bezug  auf  seine  übrige 
Entwicklung  kaum  so  alt  erscheint,  als  das  Segment  VIII  in  Fig.  2. 
Dasselbe  beobachten  wir  in  Fig.  4  am  unferslen  Segmente,  wo  das 
basiskope  Basilarstück  nahezu  doppelt  so  lang  erscheint,  als  das 
akroskope.  Im  ülu-igen  z(Mgt  es  denselben  Entwicklungsgrad,  wie  das 
Segment  VIII  in  Fig.  2.  Noch  größer  ist  die  Längendilferenz  der 
beiden  Basilartheile  in  Fig.  3  im  untersten  Segmente,  wo  wir  abei- 
auch  schon  ein  alleres  Entwicklungsstadinm  vor  uns  halten. 

Betrachten  wir  niui  im  Zusammenhange  mil  den  eben  erürlerteii 
Thatsachen  die  Tangenlialsclinitle  Taf.  JH.  Fig.  0  und  10,  so  sehen 
wir,   (laß   diese    überwiegende  Längenentwicklnng  nicht  das  ganze 


Beitrüge  i^ur  EiiL«  ickluiigsgeschiehte  der  Pllaiueiiurgaiie.  dotl 

basiskope  ßasilarstück  trifft,  sondern  vorzüglich  in  der  Mitte  vor  sich 
geht.  Es  betheiligen  sich  dabei  vor  allen  die  durch  die  zwei  ersten 
schiefen  Wände  (t  und  2)  von  der  knospenbildenden  Basilarzelle  ab- 
geschnittenen Stücke. 

Wenn  man  Sproßenden  mit  reichlicher  Knospenbildung  unter- 
sucht, so  finden  wir  denn  auch  die  Knospe  an  den  Ursprung  der 
l'reien  Blatlfläche,  die  mit  ihr  demselben  Segmente  angehört,  hinaut- 
gerückt.  Da  wir  nun  wissen,  daß  sich  dieses  Segment  bis  zum  ver- 
tical  tiefer  stehenden  Blatte  erstreckt,  und  daß  die  Knospe  dem 
basiskopen  Basilartheile  angehört,  so  folgt  daraus,  daß  zur  Längs- 
streckung des  Blatttheiles  des  Segmentes  vorzüglich  das  basiskope 
ßasilarstück  beiträgt.  Je  weiter  wir  nun  mit  der  Untersuchung 
grundwärls  fortschreiten,  um  so  weiter  rückt  die  Knospe  von  der 
Blattbasis  nach  unten  und  steht  endlich  in  '/s ,  später  in  1/3  des  Ab- 
standes  zweier  vertical  über  einander  stehender  Blätter.  Daraus  folgt, 
daß  auf  das  überwiegende  Längenwachsthum  des  basiskopen  Basilar- 
stückes  ein  stärkeres  Längenwachsthum  des  akroskopen  folgt. 

Ich  habe  schon  früher  erwähnt,  daß  bei  der  Längsstreckung 
des  basiskopen  Basilarstückes  der  mediane  Theil  stärker  betheiligt 
ist,  als  die  seitlichen.  Dadurch  wird  nun  die  Einfügungsebene  der 
freien  Blattfläche  stärker  gegen  die  Spitze  geneigt.  Wenn  man  daher 
am  entwickelten  Stämmchen  Querschnitte  macht,  so  werden  jene, 
welche  die  Einfügungsstellen  der  Blattränder  treffen,  weiter  grund- 
wärts  gelegen  sein ,  als  die ,  welche  den  Grund  des  medianen  Blatt- 
theiles durchschneiden.  An  letzteren  Schnitten  wird  die  Blattbasis 
einen  viel  kleineren  Theil  des  Stengelumfanges  einzunehmen  scheinen, 
als  dies  in  der  That  der  Fall  ist  (vergl.  Taf.  IV,  Fig.  1  und  2  sammt 
Erklärung). 


340  Lei  t  geb. 


Erklärung-  der  Tafeln. 


Die  nicht  schcniiilischen  Fifruren  sind  sämiiitlicli  mit  dem  Söm  m  erin  g'- 
schen  Spiopfelclien  .y^ezfichni-t ;  die  in  (  )  stehenden  Zahlen  gehen  die  Ver- 
jjii'ßerung  an.  In  allen  Figuren  bezeichnet: 

li  die  Hanptwand, 

s  die  Sextantenwand, 

a  die  Blattwand, 

b  die  Dasilarwiind, 

c.  d,  e  Wände  des  akrosUopen  Basiiarstückes  in  ihrer  genetischen  Folge 
am  axilen  Längsschnitt, 

t  Haare. 

Tafel  I. 

Fig.  1.  (250).  Längsschnitt  durch  die  Terminalknospe.  Der  Schnitt  ist 
parallel  den  Flächen  der  einer  Blattzeile  anpehörigen  Blätter.  In  dieser,  wie  in 
den  folgenden  Figuren  ist  das  Gewebe  der  freien  Blattfläche  nicht  gezeichnet. 

Fig.  2.  (250).  Schnitt  wie  in  der  vorigen  Figur.  Die  Zahlen  I,  \\,  HI  etc. 
bezeichnen  die  Segmente  einer  Längsreihe  in  ihrer  Aufeinanderfolge  vom 
Scheitel  grundwärts. 

Fig.  3.  (250).  Blatttheile  der  Segmente  einer  Längsreihe.  Schnitt  wie 
Fig.  2.  Das  unterste  Segment  zeigt  eine  Knospe  im  Längsschnitt.  Die  nach 
links  sich  fortsetzenden  punktirfen  Linien  deuten  die  ins  Stamminnere  sich 
fortsetzenden  Hauptwände  der  Segmente  an. 

Fig.  4.  (250).  Wie  Fig.  3.  Die  Blatttheile  zweier  Segmente  darstellend. 
Im  unteren  Segmente  ist  die  Scheitelzelle  einer  Knospe  gebildet. 

Fig.  5.  (250).  Schnitt  wie  in  den  früheren  Figuren.  Die  Segmente  einer 
Längsreihe  im  medianen  Längsschnitte  zeigend. 

Fig.  6.  A  (250).  Vegetationsspitze  in  der  Längsansicht.  Die  Zahlen  1,  2. 
3,  etc.  geben  die  genetische  Folge  der  Segmente  an.  Segment  1  und  2  sind 
durchschnitten,  die  übrigen  unverletzt.  Segment  3  und  6  sind  von  der  Fläche 
(ihrer  Hauptwände)  gesehen,  v  die  Scheitelzelle.  Im  Segmente  3  ist  durch 
den  Schnitt  der  Blatttheil  bloßgelegt,  indem  der  Blattheil  des  grundwärts  an- 
liegenden Segmentes  entfernt  wurde,  h  die  hasiskope  Hauptwand  des  Segmen- 
tes 3,  an  der  Stelle,  wo  sie  an  das  tieferliegende  Segment  angrenzt.  Der  ober- 
halb b  (Basilarwand)  gelegene  zur  freien  Blattfläche  auswachsende  Tlieil  zeigt 
die  Blattseheitelzelle  gebildet.  (Die  punktirten  Wände  waren  im  Präparate  sehr 
undeutlich.)  Das  Kntwicklungsstadium  dieses  Segmentes  entspricht  ungefähr 
des  Segmentes  IV  in  Fig.  2. 


Beiträge  i^ur  Kiitwifkluiig-sgesehiclile  iler  l'HiiiizeiiormiiiL'.  ont  l 

Fig.  6.  B.  Opiischer  Längsschnitt  desselben  Präparates  .       k      .  ,•     i 
Fig.  6.  C.  Das  Segment  3  im  medianen  Längsschnitte      j 
Fig.  7.  A.  (2Ö0).  Ansicht  einer  Vegetationsspitze  von  obrn.  Die  Scheitel- 
zelle liegt  mit  ihrer  Außenfläche   über  der  Einstellungsebene.   Sie  erscheint 
hier  im  optischen  Querschnitte  (durch  die  punktirten  Linien  angedeutet). 

Fig.  7.  B.  (230),  Wie  ^1.  Das  Bild  wurde  erhalten,  durcli  successiv  tiefere 
Einstellung,  von  der  Scheilelzelle  an,  grundwärts.  (Vergl.  Fig.  2.) 

Tafel  II. 

Fig.  i.  (230).  Längsselinift  durch  eine  Vegetationsspilze.  Es  sind  nur  die 
Begrenzungslinien  der  Segmente  (und  Blätter)  gezeichnet.  Die  punktirten 
Linien  in  den  Segmenten  A  und  B  sind  durch  die  Einstellung  auf  die  (abgekehrt 
liegende)  Oberfläche  des  Präparates  erhalten,  und  stellen  die  Begrenzung  der 
auswachsendeu  akroskopen  Basilarstücke  dar. 

Fig.  2.  (330).  Junges  Blatt  von  der  Fläche  gesehen.  1  und  2  die  beiden 
erslen  schiefen  Wände,  die  die  Blaüscheitelzelle  gebildet  haben. 

Fig.  3.  (2S0).  Eine  Segmentzelle  von  innen  gesehen.  1,  2,  3,  4  die 
scheitelwärts  aufeinander  folgenden,  die  Segmente  begrenzenden  Hauptwände. 
Die  grundsichtigen  Basilartheile  erscheinen  viel  niederer  als  die  scheitelsich- 
tigen. (Vergl.  Taf.  1,  Fig.  2.  Segment  IV,  Vil,  VIII  und  Fig.  ö.)  Nur  im  unter- 
sten Segmente  sind  die  seitlich  anstossenden  Blätter  (a,  j3)  gezeichnet.  In  den 
anderen  Segmenten  sind  sie  weggelassen.  Die  Figur  ist  Iheilweise  schematisirt. 

Fig.  4.  (230).  Ein  Blattcyklus  von  außen  gesehen.  Vom  Blatte  III  sieht 
man  die  beiden  Basilartheile.  Die  an  der  Hauptwand  2  entspringenden  Haare 
scheinen  durch  die  Blattfläche  hindurch. 

Fig.  3.  (330).  Scheitelzelle  und  anliegende  Segmente  von  oben  gesehen. 
Man  sieht  die  convergirenden  Seitenkanten  der  Scheilelzelle. 

Fig.  6.  (230).  Querschnitt  durch  das  Stämmchen,  1  Millim.  von  der 
Spitze  entfernt,  i,  2,  ',\,  4  etc.  die  genetisch  aufeinanderfolgenden  Blätter  (oder 
Blatttheile).  Erklärung  im  Texte  pag.  324. 

Fig.  7.  Die  mit  dem  Stammgewebe  verwachsen  bleibenden  Blatttheile  auf 
der  eben  gelegten  Cylinderfläche,  nach  erfolgter  Längsstreckung.  Schematisch. 

Fig.  8.  .-1.  Abgerollter  Blattcyclus.  Der  Verticalabstand  der  Blätter  ist 
noch  unbedeutend.  Die  Blatttheile  sind  mit  ausgezogenen,  die  freien  Blattflächen 
mit  punktirten  Linien  angedeutet.  Sehematisch. 

Fig.  8.  B.  Derselbe  Blattcyclus  aufgerollt  und  im  Querschnitte  darge- 
stellt, x—y  in  A  ist  die  Schnittebene  für  die  Ansicht  B.  Schematisch. 

Tafel  III. 

Fig.  1.  (330).  Querschnitt  durch  ein  Stämrachen,  ganz  nahe  der  Vege- 
talionsspitze,  vom  Grunde  gesehen.  Das  älteste  Blatt  i  ist  nur  durch  eine 
punktirte  Linie  angedeutet.  Weitere  Erklärung  im  Texte,  pag.  323. 

Fig.  \.  B.  Theilungsschema  für  die  innerhalb  der  Blätter  3,  4,  3  gelege- 
nen Stengeltheile  der  Segmente.  In  jedem  Sextanten  geben  die  Zahlen  die 
genetische  Folge  der  Wände  an. 


34^       Leil  geb.   Beiträge  zur  EiiUvickliiiigsgescIiichte  der  Pflanzenorgaiie. 

Fig.  2,  (2Ö0).  Seitliche  Ansicht  einer  Knospe.  Man  sieht  tlie  stark  über- 
t,Meif'enden  Rlatthasen.  Die  punktirten  Linien  zeigen  sich  im  optischen  Längs- 
schnitt.  Ks  .sind  ilie  Hanptwiiiule  der  Segmente. 

Fig.  H.  (330).  (Jucrsclinitt  dnreh  ein  Segment  (parallel  den  Haiiptwiinden). 
Der  Blatttheil  wnrde  in  .seinen  basiskopen  Basilartheile  getroffen,  m,  n  radial 
auswachsende  Zellen  (iiir  I'ildung  der  Knospenanlage). 

Fig.  4.  .4.  (330j.  Ouerseimilt  durch  ein  Slämmchen  nahe  der  Vegetalions- 
si)itie.  Im  jüngsten  Segmente  des  (juerseliniltes  und  zwar  im  hasiskopeii 
FJasilartheile  ist  eine  Knospe  (a)  längs  durchschnitten.  An  dem  ältesten  Seg- 
mente, dessen  akroskoper  Basilartheil  durchschnitten  ist,  sieht  man  die  Knospe 
ß,  die  unter  der  Sehnittehene  liegt. 

Fig.  4.  /»'.  (330J.  Das  in  A  dargestellte  Präparat,  von  der  anderen  Seite 
(vom  Grunde  aus)  gesehen.  Die  Knospe  ß  erscheint  im  Längsschnitt;  der 
Blatttheil  des  Segmentes  ist  in  seinem  (viel  schmäleren)  basiskopen  Basilar- 
llif'ile  getroffen.  Weitere  Erklärung  im  Texte,  pag.  334. 

Fig.  5.  (330).  Querschnitt  durch  eine  Knospe  sehr  nahe  der  Spitze.  In 
dem  Stengeltheiie  der  Segmente  sieht  man  die  Sextantenwände  (^fij. 

Fig.  6,  7,  8.  Stellung  der  Knospen  (w)  zu  den  Blatlhasen,  auf  der  eben 
gelegten  Cyiindertläche  dargestellt.  Fig.  8  '/^  Miilim.,  Fig.  6  und  7  1  Centim. 
von  der  Spitze  entfernt. 

Fig.  9.  (330).  Längsschnitt  durch  den  Blatttheil  eines  Segmentes,  parallel 
der  Blatttläche.  Von  innen  gesehen.  /?,,  />'^,  B^  genetische  Aufeinanderfolge 
der  Blätter.  (Vergl.  Fig.  3  in  Taf.  II.) 

Fig.  10.  (330).  Schnitt  wie  Fig.  9.  Von  aussen  gesehen.  Der  mediane 
Theil  der  Blattfläche  ist  durch  den  Schnitt  weggenommen.  (Vergl.  Fig.  4  in 
Taf.  II.)  Die  weitere  Erklärung  dieser  und  der  früheren  Figur  im  Texte 
pag.  33ö. 

Tafel  IV. 

Fig.  I.  (2Ö0).  Querschnitt  durch  den  älteren  Theil  eines  Stämmehens. 
Bei  X  und  y  die  seitlichen  Bänder  der  herablaufenden  Blattbasis. 

Fig.  2.  (250).  Nächst  höherer,  der  Spitze  näher  geleger\er  Querschnitt. 
Der  mit  dem  Stengelgewebe  verwachsen  bleibende  Biattthoil  ist  nur  zunächst 
der  Blaftmediane  getroffen. 


H.|,,-ili:<-l'    l'xili^'r''    ^"''  Hnlwnkcliuii;-  il''f  l'i  l:Hiy,<-Mori;;iM(-^ 


AnbPolzöT  litVi 


kns  H   k.k.Hof-u.  ,'-:t.i  atsdruck?T  ' 


Sitziuiosb.d.kAkad  (IWisseiililiiiwilli  uatiiiw  II  IATllI{(lI.Al)Üi.l868. 


II .  I.cill^el).  i'if-ilfa£c    y.iii    Hiilwickrluni;   lici    l'f  luii/iCiiori;';i  iic 


'i;.r.i( 


Ant.Polr.er  litli .  -^^s  d_k  k  Hoi-u  Staatsdrucker ei- 

Sitzuiu;sb.iiltAk.idd.VVi.s.seulili.matli  iiiiturw  (l.LVIIl-Bd.IAbÜx.1868. 


H    L<>il"Vl»    IJciha-'i-    y.\w  Kulwiikclinii;"  lUr  PI  l'.'iiy.ciiofy'.iiif^. 


Tal, in. 


Ant  Folzerlirti.  -'-^  i  i^  k  ^^"^-^^  ^;a  ai^-druckei  e; 

Sitzuiio-.sb .  (1  k.  Ak-ad  (i  Wsseuicli  juatli  n«  Uinv  (1  TAX  Bd.  LAbÜi.  1868 . 


H.L«>ili:'<-l).  lifilräü'c    zur  Ktilwiikfliiiii;   «Ici    l'(  l-.iii/.ciioreariP. 


Taf.IV 


f<ru:iHH^/ 


Ant.Polzer  liU  Aus  d  k.k.Ho£-u.  Staatsdr  ackere; 

.  Sit/iiii^v^l'  il  l<.\k:ul  (IVVi.sseiilMijuiatli  n.iliirwCI.  iah:  15(1  1  Ablli,  18()8. 


34;] 


VI.  SITZUNG  VOM  20.   FEtllUJAR    18(58. 


Herr  ,[.  l*.  Wlacli.  ITii'sIlicIi  Lohkowit/Zsclier  BtM'jjverw.'ilter  zu 
Nekmirz  in  Böhmen,  übermittelt  eine  Alihnmllnng,  betitelt:  „Erster 
Versueb  einer  Geologie,  begründet  auf  die  Kraftsubstanzen  des  ;\Ia- 
gnelisnius  nnd  der  Elektrieiiät". 

Herr  Prof.  R.  Nienitsehik  in  (Jraz  übersendet  eine  Abhand- 
lung: ..Studien  über  Fläehen,  deren  zu  einer  Ave  senkrechte  Schnitte 
ähnliche  Ellipsen  sind". 

Herr  Dr.  Th.  Oppolzer  legt  eine  Abhandlung:  ,.Über  die 
Bestimmung  einer  Kometenbahn"  vor. 

Herr  Dr.  S.  Stricker  überreicht  eine  Aldiandlung:  ..Über  die 
Bildung  der  Keimblätter  im  Hühnerembryo,  von  Herrn  Dr.  Pere- 
meschko  aus  Kasan". 

An  Druckschriften  wurden  vorgelegt: 

.Apotheker- Verein,  allgem.  österr.:  Zeitscliril't.  0.  Jahrg.  Nr.  4. 

Wien,  1868.  8o. 
Astronomische  Nachrichten.  Nr.  1678.  Altona,  1868:  4o. 
Comptes  rendus  de  seances  de  1' Academie  des  Sciences.  Tome 

LXVI,  Nr.  3.  Paris,  1868;  4o. 
Cosmos.    3^  Xerie.    X\]V  Annee,    Tome  H,    T'  Livraison.    Paris. 

1868;  8o. 
(iewerbe- Verein  ,    n.  -  ö. :    Verhandlungen    und    i\Iittheilungen. 

XXIX.  Jahrg.  Nr.  7.   Wien,  1868;  8o. 
Istituto,  Reale,  Veneto  diScienze,  Lettere  edArti:  Atti.  Tome  XHI", 

Serie  IIP,  Disp.  V—2\  Venezia,  1867—68;  S". 
Land  bete,  der  steierische.  I.  Jahrgang.  Nr.  3.  Graz,  1868;  4". 
Mittheilungen   des   k.  k.  (ifMiie-foniite.    Jahrg.    1868,   1.   Helt. 

Wien;  8«. 
Osservatorio  del"  R.  Collegio  Carlo  Alberto  in  Moncalieri:  Bidlet- 

tino  meteorologico.  Anno  I.,  Vol.  I.  (l86o — 66):  Anno  H.,  Vol. 

(f.  (1866—67.)  Torino.  1866-1867;  4". 


344 

Qua  Irefages    de,  Observations  siir  une  brocluire  de  M.  Ed.  Cla- 

padere,   intitiilee   „De  la  Striicture  des  Aiinelides".  (Extr.  des 

Comptes-rendus,  t,  LXVI.)  4«. 
KeichsanstaU,  k.  k,  geologisehe:  Verhandlungen.   1868,  Nr.  3. 

Wien;  8". 
Hevue  des  cours    scientifiques    et  litteralres    de    la  France    et    de 

l'etranger,  V''  Annee,  Nr.  11.  Paris  &  Briixelles,  1868;  4». 
Soeiety,   the  Asiatie,   of  Bengal :   Journal.   Part  II,  Nr.    1.    1867. 

Calcutta;  8". 
\\  i  e  n  e r  Landwirthscliaftliche  Zeitung.  Jahrg.  1 868,  Nr.  7.  Wien ;  4". 
—  medizin.    Wochenschrift.    XVIII.    Jahrg.    Nr.    14 — 15.    Wien. 

1868;  4«. 


SITZUNGSBERICHTE 


DEH 


KAISEKLK  HEN  AKADEMIE  DEH  WISSENS!  IIAETEN 

MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHK  CLASSE. 

LVII.  BA^I). 

ERSTE  ABTHEILUNG. 

3. 

Kntliält  die  Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der  Mineralogie,  Uolanik, 
Zoologie,  Anatomie,  Geologie  und  Paläontologie. 


Sitzb.  d.  inathein.-naturw.  Cl.  LVII.  Bd.  I.  Ahth.  'i'i 


347 


Vn.  SITZUNG  VOM  12.  MÄRZ  1868. 


Der  Secretär  legt  folgende  eingesendete  Abhandlungen  vor: 

„Der  Meteorsteinfall  vom  30.  Jänner  1868  unweit  Warschau. 
Ein  Meteorit  aus  demselben  im  k.  fe.  Hof-Mineraliencabinete.  Nebst 
einem  Anhang  in  Bezug  auf  den  angeblichen  Meteorsteinlall  in  Baden- 
Baden",  vom  Herrn  Hofrathe  W.  Ritt.  v.  Haidinger. 

jjKritische  Untersuchungen  über  die  der  natürlichen  Familie  der 
Spitzmäuse  (Sorices)  angehörigen  Arten'-.  H.  Abtheilung,  von  Herrn 
Dr.  L.  Kitzinger. 

„Beiträge  zur  Kenntniß  der  Verbindungen  gepaarter  Cyan- 
metalle  mit  Ammoniak",  von  Herrn  Dr.  W.  F.  GintI,  Assistenten 
am  ehem.  Laboratorium  der  Universität  zu  Prag. 

Der  Präsident  der  Classe,  Herr  Hofrath  K.  Rokitansky  legt 
zwei  Abhandlungen  vor,  und  zwar:  a)  „Über  Keloid",  von  Herrn 
Dr.  J.  Collius  Warren  aus  Boston,  und  b)  „Zur  Anatomie  des 
Lupiis  erythematosus'',  von  Herrn  Dr.  W.  H.  Geddings  aus  New 
York. 

Herr  Prof.  Dr.  H.  Hlasiwetz  übergibt  eine  für  den  Anzeiger 
bestimmte  „vorläufige  Notiz  über  die  Zersetzung  des  Terpentinöls 
bei  der  Glühhitze".  Die  betreffenden  Versuche  wurden  von  ihm  ge- 
meinschaftlich mit  Herrn  Prof.  F.  Hinter  berger  ausgeführt. 

Herr  Director  K.  v.  Littrow  legt  eine  von  ihm  soeben  heraus- 
gegebene Brochure:  „Andeutungen  für  Seeleute  über  den  Gebrauch 
und  die  Genauigkeit  der  Methoden  die  Länge  und  Mißweisung  durch 
Circummeridianhöhen  zu  bestimmen"  vor,  mit  welcher  er  das  von  ihm 
in  den  „Sitzungsberichten"  LVl.  Band,  S.  349  gegebene  Versprechen 
einer  bündigen,  dem  Bedürfnisse  des  Praktikers  entsprechenden  Dar- 
stellung des  betreffenden  Verfahrens  erfüllt  zu  haben  glaubt. 

Das  c.  M.  Herr  Dr.  G.  Tschermak  überreicht  eine  Abhand- 
lung, betitelt:  „Ein  Hilfsmittel  zur  Entwickelung  der  Gleichung  des 
chemischen  Vorganges  bei  der  Mineralbildung". 

23 


;U(S 

Das  c.  M.  Herr  Dr.  F.  Stein  dach ner  legt  die  fünfte  Fort- 
setzung seines  „[chthyologischen  Berichtes  über  eine  nach  S[iaiiien 
und  Portugal  unternommene  Reise"  vor.  Derselbe  übergibt  ferner 
eine  Abhandlung:  „Über  eine  neue  Hyloratia-Avi  von  Cap  York  in 
Australien". 

Herr  Dr.  G.  T.  Tvaulie  überreicht  den  Schlul^  seiner  Abhand- 
lung:  „Die  Fauna  der  Schichten  von  St.  Cassian". 

Herr  Dr.  Tli.  ()|)[)olzer  legt  eine  Abhandlung:  „Definitive 
Hahnbestimmung  des  Planeten  (^j  Concordia"  vor. 

Herr  Dr.  A.  v.  Hü  ttenbrenner  übergibt  eine  Abhandlung: 
„Untersuchungen  über  die  Hinnemnuskeln  des  Auges". 

An  Druckscln-irten  wurden  vorgelegt: 
Academie  Imperiale  de  Medecine:    Bulletin.  Tome  XXXIl.   Paris, 

186«>— 1867;  8". 
Akademie  der  Wissenschaften,  Königl.  Preiiss.,  zu  Berlin:  Monats- 
bericht. Novendier  I8G7.  Berlin:  8". 
—    Südslavische,  der  Wissenschaften  und  Künste.  Arbeilen.  H.  Band. 

Agram,  1868;  8". 
Annalen    der    Chemie    und    Pharmacie    von    Wöhler,     Liebig 

&  Kopp.    N.   B.   Band  LXIX ,  Heft  2.    Leipzig  &  Heidelberg, 

1868;  8o. 
Aj)0  theker-Verein,    allgem.    österr. :  Zeitschrift.   6.  Jahrg.  Nr.  5. 

Wien,  1868;  8". 
Astronomische  Nachrichten.  Nr.  167{) — 1680.  Altona,  1868;  4". 
Bauzeitung,  Allgemeine.  XXXIII.  Jalirgang,  1.  Heft.  Nebst  Atlas. 

Wien,  1868;  4"  &  Folio. 
Carl,    Ph. ,    Repertorium  der  physikalischen  Technik  etc.    III.   Bd., 

6.  Heft.  München,  1867;  8«. 
Comptes  rendus  des  seances  de  1' Academie  des  Sciences.  Tome 

LXVI,  Nrs.  6—8.  Paris,  1868;  4". 
Cosmos.    S''  Serie.    XVIP   Annee,    Tome    H,    8* — 10'    Livraisons. 

Paris,  1868;  8o. 
Erlangen,  Universität:  Akademische  Gelegenheitsschriften.  1867. 

4».  &  8». 
Gesellschaft,  Deutsche  geologische:  Zeitschrift.  XIX. Band,  4.  Heft. 

Berlin,  1867;  8". 


(i  esc  1  Iscliii  l't ,  k.  k.  tiiälir.  -  scliles. ,  zur  DcCördcniim  (l(;s  Acker- 
baues, der  Natur- c*v' Ijaiuleskuiitle:  Sclirilteii.  XV.  Band.  Briiiiii, 
18G(J;  8". 

—  deutsche  elien\isclie,  zu  Berlin:  Berichte.  I.  Jahrgang,  Nr,  1 — 3. 
Berlin,  1868;  8". 

Gewerbe -Verei  n ,  n. -ö.:  Verhandlungen  und  Mittheilungen. 
XXIX.  Jahrg.  Nr.  8-10.  Wien,  1868;  8«. 

Isis:  Sitzungsberichte.  Jahrgang  1867,  Nr.  10  — 12.  Dresden, 
1868:  8». 

Jahrbuch,  Neues,  für  Pharinacie  und  verwandte  Fäclier  von  Vor- 
werk.  Band  XXIX,  Heft  2.  Speyer,  1868;  8". 

Jena,  Universität:  Akademisclie  Gelegenheitsschrilten  aus  dem  Halb- 
jahre 1868.  4".  ».V:  8«'. 

Land  böte,  der  steierische.  I.  Jahrgang,  Nr.  4.  Graz.  1868;  4". 

Lotes.  XVIIL  Jahrgang.  Januar  und  Februar  1868.  Prag;  8". 

Meredith  Read,  John  Jr.,  A  historical  Inquiry  concerning  Henry 
Huds(»ii  etc.  Albany,  1866;  8o. 

M  i  ttheil  ungen  des  k.  k.  Artillerie-Coniite.  Jahrgang  1868,  1.  Hell. 
Wien;  8». 

—  aus  J.  Perthes'  geographischer  Anstalt.  Jahrgangl868.  1.  Heil. 
Gotha;  4'». 

Moniteur   scientilique.    268*' — 269"    Livraisons.    Tome   \%    Annee 

1868.  Paris;  40. 
Museum  di^a  KTmigreiches  Böhmen:  Pamatky.  Rocnik  XIII:  Dil  VII, 

Svazek   4  —  6.    V  Praze,    1867;    40.   —    Casopis.   1868.  XL. 

Piocnik,  Sv.  4;   1867.  XLI.  Rocnik,  Sv.  1—4.  V  Praze;  S".  — 

Nestor's    russische    Chronik,    übersetzt    von    K.   J.    Krben. 

Prag,    1867;     8".     —    Vortrag    des     Geschäftsleiters.    Prag, 

1867;    8".     —     Vcrzeichnil'N    der  Mitglieder    der  Gesellscliat'f. 

Prag,  1867;  8o. 
Recht.    Das    Entwicklungsgesetz   der   Natur.   München,    1868;    8". 
Reichsanstalt,  k.   k.   geologische:   Verhandlungen.  Jahrg.  1868. 

Nr.  4.  8". 
Revue   des   cours   scientifiques    et   litteraires   de    la   France   et  de 

Tetranger.  V'  Annee,  Nr.  12—14.  Paris  cVr  Bruxelles,  1868;  4". 
Scarpellini,   Caterina,  Uatalogo    degli  uranatmi   (ossia  stelle  ca- 

denti)   osservati    aila    privata   stazione    meteorologica  di  R(una 

negli  anni  1861 — 18t)7.  Roma.  1868;  4". 


350 

Societe  Hollaiidaise  des  Sciences  a  Harlem:  Archives  Neerlan- 
(laises  des  seiences  exactes  et  naturelles.  Tome  II,  3™*  — 
5'"*  Livraisoiis.  La  llaye,  Bnixelles,  Paris,  Leipzig,  Londres  & 
New-York,  1867;  8<'. 

Societe  plul()mati(|ue  de  Paris:  Hiillelin.  Tome  I\  ,  .luin-AoTit  1807. 
Paris;  8». 

—  des  seiences  physiques  et  naturelles  de  Bordeaux:  Memoires. 
Tome  l  18Ö5;  Tome  II,  1863;  Tome  III,  V  Calner.  1864; 
Tome  IV,  ^  Cahier  (suite).  1866;  Tome  V,  1'— 2*^  Cahiers. 
1867.  Paris  &  Bordeaux;  8«. 

Society,  the   Royal   Geographical:   Proceedings.  Vol.  XII,  Nr.   1. 

London,  1868;  8o. 
Wiener  Landwirthschartliche  Zeitung.  Jahrg.  1868,   Nr.  8 — 10. 

Wien;  4o. 

—  Medizin.  Woclienschrilt.  XVIII.  Jahrg.  Nr.  16  —  21.  Wien, 
1868;  4«. 

Zeitschrift  für  Chemie  von  Beilstein,  Pitt  ig  und  Hübner. 
IX.  Jahrg.  N.  F.  IV.  Band,  4.  &  5.  Heft.  Leipzig,  1868;  8o. 

—  des  österr.  Ingenieur-  und  Arcliitekten-Vereins.  XX.  Jahrgang, 
2.  Heft.  Wien,  1868;  4o. 


Sl  e  i  n  il  :u' li  n  er.    lclilliyiilo;4-isclier   Berielit  olc.  OOl 


Irhl/iyohgisrher  lierichl  über  eine  nach  Spanien  und  Portugal 
unternommene  Reise. 

(V.  Fortsetzung.) 
Von  dem  c,  M.  Dr.  Franz  Steindn ebner. 

(Mit  6  Tafeln.) 


Übersicht  der  Meeresfische  an  den  Küsten  Spanien's  und 
Portugal's. 

(Fortsetzun  g-.) 

Farn,  .^coiiibridae. 

Gatt.  Scomber  (Art.)  Cuv. 

71.  Art.  Scouiber  scombrus  Lin. 

iSyn.  Scomber  vernalis,  Mitch.,  Fish,  of  New-York,  pag.  4'i3. 
„       grex,  Mitch.,  pt.,  ibid.,  pag.  422. 
„  „      et  vernalis,  Dekiiy,  New-York  Fauna,  pag.  101,  103, 

pl.  XII,  Fig.  34,  pl.  XI,  Fig.  32. 
„        vernalis,  S torer,  Fish,  of  Massach.  p.  41. 

[).  11-  (selten)  lO/^^^/V;  A.  1/1/V;  P.  20-21. 

Bei  ganz  kleinen  Exemplaren  von  4 — 4>/o  Zoll  Länge  ist  die 
Körpergestalt  sehr  gestreckt,  der  Kopf  stark  zugespitzt,  die  größte 
Körperhöhe  6«/^  bis  nahezu  ö^/omal,  die  Kopflänge  genau  oder  un- 
bedeutend mehr  als  4mal  in  der  Totallänge,  die  Länge  der  Schnauze 
genau  oder  etwas  mehr  als  3mal,  der  Augendiameter  42/5 — 4'/5mal, 
die  Stirnbreite  omal,  die  größte  Kopfbreite  fast  3-  bis  etwas  mehr 
als  23/5mal,  die  Länge  der  Brustflossen  circa  22/5mal,  die  der 
Ventralen  2s/4mal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Die  Höhe  des  Kopfes  gleicht  der  Entfernung  des  hinteren 
Deckelrandes  vom  Centrum  des  Auges,  übertrifft  daher  die  Hälfte  der 


3Ji2  S  r  .•  i  II  il  u  (■  h  n  f  r. 

Kopfliiii^e  nicht  htHleiiteiul.  Vüiiierzähiie  lelilen  vollstäiidi|j;\  doch  ist 
eine  lange  Reihe  von  Ganmenzähneii  vorhanden.  Die  Caudale  ist  in 
querer  Riehtunp^  mit  zick/ackfürniis:  gebrochenen,  braunen  Streiten 
geziert. 

Hei  Exemplaren  vdu  \) — IH"  Länge  dagegen  ist  die  größte 
Leibeshöiie  bald  etwas  mehr  oder  weniger  als  Hmal.  bald  gegen 
6i/omal.  die  Kopflänge  4>/:, — 4y7nial  in  der  Totallänge,  der  Augen- 
diameter  genau  oder  etwas  mehr  als  5 — 4'/ainal,  die  Schnauzeniänge 
3-  oder  ein  wenig  mehr  als  3mal,  die  Stirnbreite  last  43/4-  bis  etwas 
weniger  als  4mal,  die  Länge  der  Pectorale  2\\ — 2mal,  die  der 
Ventrale  circa  2'/.-  bis  etwas  mehr  als  2V;iitial,  die  Kopfbreite 
273  — 2'/3mal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Auf  jeder  Seite  des  Vomers  liegen  in  der  Kegel  nur  2 — 3  Spitz- 
zähnchen,  welche  ein  wenig  kleiner  als  die  der  Gaiunenbeine  sind. 

Die  Spitze  des  Unterkiefers  und  der  vorderste  Theil  der 
Sehiiauzentläche  ist  sow  ohl  bei  jungen  als  alten  Individuen  schwärzlich. 
Bei  kleinen  Exemplaren  ist  der  hinterste  Theil  der  Schnauze  in 
der  Mitte  unmittelbar  vor  den  Augen  weißlich,  bei  alten  aber  gleich 
dem  mittleren  Theil  der  Hinterhauptiläehe  nur  ganz  wenig  heller  als 
der  übrige  Theil  der  Ko]irobertläche  und  wie  dieser  mit  den  be- 
kannten, w  inMiiiiliiilich  gew  iiii(lenen.  schwärzlichen  Streifen  geziert. 
Auf  jeder  der  beiden,  naeh  hinten  convergirenden  Caudal- 
leistehen  sitzen  bei  alten  Exemplaren  circa  20  —  23  schmale,  ovale 
Schuppen,  welche  wie  Flossenslrahlen  aid"  einander  folgen,  luid  ihre 
Breitseite  einander  zuwenden. 

Exemplare  V(ui  L'i'I^änge  gehören  an  den  Küsten  der  iberischen 
Halbinsel  bereits  zu  den  größten  Seltenheiten. 

Meines  Eraehtens  sind  Sc  (pex  und  vernalis  Dekay,  Zool.  ol 
New-York,  Part  IV,  Fish.  p.  101,  103,  pl.XII,  Fig.  34,  pl.XI,  Fig.  3'> 
identisch  mit  Scomher  sconihrna  lAn.,  weder  in  der  Zahl  der  iJorsal- 
strahlen,  noch  in  der  Körpergestall,  Zeichnung  und  Färbung  zeigt 
sich  zwischen  diesen  ein  erheblicher,  wesentlicher  Unterschied. 

Dagegen  dürfte  Sc.  f/red'  Mitchili  nach  der  Formel  der  Dorsal- 
staclirl  zu  schließen  (0  \2)  zum  Theile  dem  Scco/ias  entsprechen. 
Nach  Dr.  (Jüniher  fällt  Scomher  fjrcv  M'itith.  et  Dekay  mit 
Scomher  piienmatophorus  zusanunen,  was  ich  theilweise  für  irrig 
halte,  indem  Dekay  in  der  Beschreibung  des  Sc.  gre.v  nirgends  das 
Vork men  einer  Schwimmblase  erwähnt,  und  die  Zahl  der  Dorsal 


Ichthyol.  Bericht  über  eine  mich  S|(anipn  ii.  Portugal  imternoiniii.  Rei.se.     oO»> 

stacliel  auf  12  angibt,  während  Sc.  pnenmatophorus  =S.  colias  stets 
nur  0 — 10  Dorsalstacliel  hesitzt. 

Leider  besitzt  das  Wiener  Museum  kein  Exemplar  des  Sc. 
scombriis  von  New- York,  denn  die  beiden  unter  der  Bezeichnung 
iSc.  vernalis  et  (fvex  \q\\V)v.  (jeder er  1829  eingesendeten  Indi- 
viduen gehören  zu  Sc  Colins. 

Sc.  .scombius  ist  an  sämmtlichen  Küslentheilen  der  iberisclieii 
Halbinsel  sehr  gemein  und  wird  fast  zu  jeder  Jahreszeit  zu  Markte 
gebracht.  An  der  Westküste  Portugals  zunächst  Lissabon  und 
Setubal  fing  man  diese  Art  in  großer  IiidividuenzabI  im  October 
18t)4  und  in  der  ersten  Hälfte  des  darauffolgenden  Monats,  in  der 
zweiten  Hälfte  November  aber  und  zu  Anfang  Decembers  sah  ich  sie 
nur  mehr  in  geringer  Menge  zum  Verkaufe  ausgeboten,  während 
Sconihev  volias  in  Unzahl  gefisclit  \>  urde.  Walirend  meines  Aufent- 
haltes in  Tenerife  (Ende  Februar,  März,  erste  Hälfte  April  1865) 
wurde  nicht  ein  Exemplar  von  Sc.  scombrus  an  (\q\'  Ostküste  Tene- 
rifes  gefangen. 

Wir  sammelten  vier  kleine  Exemplare  bei  Malaga  (Ende  April 
1865),  größere  bei  Barcelona,  V^alencia,  Cadix,  Lissabon,  La  Co- 
riina,'  (lijon,  Bilbao  etc. 

Vulgärname:  Estornino  (Cadix,  nach  Macbado),  Br<if 
(Barcelona),  Mncareu  (Galicien),  Sardn  (Portugal). 

72.  Art.  Sconiber  colias  Lin. ,  Gmel. 

Syn.  Scontber  piieiimalophorits,  LiirocLe,  Cuv.  Val.,  juv. 

„       qre:>;  Mitch.pt.?,  Fish,  of  New-York,  pag.  422. 
„  „     Cuv.  Val.,  Hist.  iial.  Poiss.,  t.  VIII,  p.  45. 

Scomber  pnetntiafophorus,  Laroche,  Cuv.  Val.  glaube  ich 
nach  Untersuchung  von  mehr  als  30  Exemplaren,  welche  ich  an 
der  Nord-  und  Ostküste  ^Spaniens,  bei  LissalHni  und  Tenerife  sam- 
melte, nur  für  die  Jugendform  des  Scomber  colias  halten  zu  sollen. 
Erst  bei  älteren  Exemplaren  des  Scomber  col{((S  tritt  der  Größen- 
unterschied  zwischen  den  Schuppen  des  Corseletes  und  jenen  der 
zunächst  liegenden  Theile  des  Bumpfes  ganz  deutlich  hervor  und  es 
lösen  sich  zugleich  diese  Pe('lorals('liii|)peii  minder  leicht  ab  als  die 
übrigen  Riimpfsrhiippen:  hei  jüngeren  Individuen  sind  ferner  nur  die 
Schiiiipen  ZMiiäehst  iiiilei'.  hei  älteren  aber  unter  iiiul  hinter  der  Pec- 
toralbasis  merklich  gritßer  als  die  übrigen  Leibesschuppen. 


O  «5  4  S  t  e  i  II  d  a  c  li  II  0  r. 

Daß  Scombcr  co/ias  mir  sieben  Stacheln  in  der  ersten  Dorsale 
besitze,  wie  Dr.  (1  (in  liier  iin  /weiten  Bande  des  vortretflichen 
Cataloges  der  Fische  im  britischen  Mnsenni  angibt,  ist  nicht  stich- 
hältig; ich  zählte  bei  jedem  der  von  uns  untersuchten  Exemplai-e  ver- 
schiedener Größe  stets  zehn  Stacheln,  von  denen  aber  der  letzte  sehr 
sehwach  entv^'ickell,  äusserst  kurz  ist,  im  hintersten  Theile  der 
Dorsalturche  im  Fleische  verborgen  liegt  (daher  leicht  übersehen 
werden  kann)  und  ausnahmsweise  auch  ganz  fehlen  mag  (s.Dekay's 
Beschreibung  von  Sc.  colias  in  „New-York  Fauna",  Fish.  pag.  104). 

Für  die  von  mir  vorgeschlagene  Vereinigung  des  Sc.  pneu- 
matophorus  Laroche  mit  Sc.  colias  dürfte  ferner  auch  der  Umstand 
sprechen,  daß  De  la  Roche  letztgenannte  Art  nicht  kannte,  und 
ausdrücklich  bemerkt,  daß  Sc,  pneumatophorus  an  den  Küsten  der 
Provence  vorkommen,  während  Cuvier  und  Valenciennes  von 
jener  Gegend  nur  den  S.  colias  anführen.  Endlich  sei  noch  erwähnt, 
daß  Sc  colias  an  der  ganzenNord-,  Süd- und  Ostküste  Spaniens  sowie 
auf  Tenerife  stets  Caballa  genannt  wird,  und  dass  denselben  Vulgär- 
namen auch  De  la  Roche's  Scomher  pneumatophorus  an  den 
Küsten  der  Balearen  und  Pythiusen  trägt  (docii  wurde  mir  öfters 
auch  Sc-  scombrus  unter  dem  Namen  Caballa  verkauft). 

Bei  Exemplaren  von  9"  Länge  und  darüber  liegen  stets  in  der 
unteren  Rumpfhälfte  zahlreiche  dunkelgraue,  rundliche  Flecken  oder 
Striche,  bei  jüngeren  Individuen  fehlen  diese  entweder  vollständig 
oder  sind  nur  schwach  entwickelt;  auch  bei  älteren,  längere  Zeit  in 
Weingeist  aufbewahrten  Exemplaren  verschwinden  die  im  Leben 
ziemlich  scharf  vortretenden  grauen  Flecken  häufig;  in  der  Zahl  und 
Anordnung  der  Querstreifen  in  der  oberen  Rumpfliälfte  stimmen  Sc. 
colias  und  pneumatophorus  vollkommen  überein. 

Die  Zahl  der  Zähne  ist  bei  den  einzelnen  Individuen  so  ver- 
schieden, daß  sie  keinen  Anhaltsjiiiiikl  zu  einer  Artuntersclieidung 
geben;  bei  Exemplaren  von  12 — 15"  Länge  zähle  ich  in  jeder  Unter- 
kieferhäll'te  60 — 75  Zähnclien.  Auch  in  der  Gestalt  der  Kopfkiiochen, 
so  weit  sie  äusserlicli  siclitbar  sind,  in  der  Zahl  und  Gestalt  der 
Wirbel  existirt  kein  bemerkbarer  Unterschied  zwischen  Sc  pneu- 
matophorus und  colias,  wie  bereits  Cuvier  und  Valenciennes 
erwähnen. 

Die  Höhe  des  Leibes  ist  bei  Exemplaren  von  8-/4 — 12'  Länge 
674 — 6mal,    die    Kopflänge    4'/3 — 4'/,.mal    in  der  Totallänge,   der 


Ichthyol.  Bericht  über  eine  nach  Spanien  u.  Portugal  unternomm.  Heise.     355 

Allgendiameter  4mal,  die  Stirnbreite  5 — 4y3mal,  die  Schnauzenlänge 
etwas  mehr  als  3mal,  die  Länge  der  Brustflossen  21/3— 2i/7mal,  die 
der  Ventralen  8</j  — äs/ämal,  die  Kopi'breite  endlich  22/5  — 2i/3mal  in 
der  Kopflänge  enthalten.  Sowohl  bei  alten,  wie  bei  jungen  Individuen 
liegt  stets  ein  heller,  weisslicher  Fleck  auf  der  Oberfläche  der 
Schnauze,  ein  zweiter  am  Scheitel.  Bei  grossen  Exemplaren  von 
15  — 161/2"  Länge  verhält  sich  die  Totallänge  zur  Bumpfhühe  wie 
51/3  oder  52/5  :  1  und  zur  Kopflänge  wie  41/,— '^Vs  •  1-  Die  Stirn- 
breite  ist  4y3mal,  die  Kopf  breite  genau  oder  ein  wenig  mehr  als 
2mal,  die  Länge  der  Pectoralen  2  — 2'/4mal,  die  der  Ventralen  etwas 
weniger  als  21/4 — 2'/3mal  in  der  Kopflänge  entiialten.  Längs  der 
Seitenlinie  zähle  ich  200 — 230  Schuppen. 

f^    in9)/n^/V;  A.l/l/V;  P.  20. 

Diese  Art  erhielt  ich  in  grolkn  und  zahlreichen  Elxemplaren 
gegen  Ende  November  und  anfangs  December  1864  bei  Lissabon 
und  Setubal,  viel  seltener  sah  ich  sie  kurze  Zeit  darauf  (Ende  Jänner 
bis  •Mitte  Februar  1865)  auf  den  Fischmärkten  zu  Cadix  und 
Gibraltar.  An  der  Ostküste  Tenerife's  fing  man  Sc.  colias  Ende  März 
1865  in  so  grolkr  Menge,  daß  ein  Doppelpfund  derselben  zu  Santa 
Cruz  de  Tenerife  um  3  Cuartos  verkauft  wurde,  während  man  im 
Februar  und  in  der  ersten  Hälfte  März  desselben  Jahres  ein  Pfund 
mit  8 — 15  Cuartos  bezahlen  mußte. 

Vulgärname:  Caballa  (Spanien,  Portugal,  Tenerife). 

Das  Fleisch  der  spanischen  Makrele  steht  an  Güte  und  Feinheit 
jenem  des  Scomber  scombrus  bedeutend  nach,  und  ist  insbesondere 
auf  Tenerife  wenig  geschätzt,  da  es  ziemlich  zähe  und  fett  ist  und 
zugleich  einen  thranigen  Beigeschmack  hat.  Auch  Scomber  scombrus 
wird  im  Norden  Spaniens  und  in  Portugal  weniger  beachtet  als  im  nord- 
westlichen Europa,  in  Istrien  oder  an  den  Küsten  des  schwarzen  Meeres, 
zumal  in  erstgenannten  Gegenden  an  größeren  und  schmackhafteren 
Fischen,  wie  Schollen,  Sparoiden,  Serranus-  und  Labi^cuv- Xi'ien,  Ga- 
doiden  etc.  kein  Mangel  ist. 

Scomber  colias  oder  die  spanische  Makrele  kommt  sowohl  an 
der  amerikanischen  wie  europäischen  Küste  des  atlantischen  Ocean 
vor,  zieht  im  Norden  bis  New-York  uml  an  die  Südküsten  Englands, 
im  Süden  bis  an  die  Küsten  Brasiliens  und  der  Cap-Colonien. 
Scomber  scombrus  reicht  noch  weiter  niich  Norden,  bis  an  die  Küsten 


35()  S  t  t'  i  II  il  :i  ('  h  II  c  r. 

[slands  und  (iröiilaiitls,  und  koininl  »laselhsl  in  gi'iißei'en  Zügen  vor 
als  Sc.  colifts,  der  bereits  bei  New- York  und  an  der  englisclien  Küste 
in  der  Regel  nur  in  geringer  Individuenzabl  gefischt  wird,  dürfte  je- 
doch im  Süden,  nach  den  bisherigen  Forschungen  zu  scldießen.  die 
Azoren  und  canarischen  Insehi  kaum  bedeutend  überschreiten. 

Gatt.  Thynnus  Cuv.  Val. 

73.  Art.   Thynnus  bracliyptcrus  r  u  V.   Val. 

I).  14/15— 14/lX:  A.  14/Vill. 

Von  dieser  Art  erhielten  wir  zwei  kleine  Exemplare  während 
unseres  Aufenthaltes  in  Malaga  und  Alicante. 

Bei  kleinen  Individuen  von  14  lö"  Länge  ist  die  größte 
Leibeshöhe  4-/^ — 4«/7mal,  die  Kopflänge  4'/^  — 4ä/5mal  in  derTotal- 
länge;  der  Diameter  des  Auges,  so  weit  es  äußerlich  frei  sichtbar 
ist,  circa  6mal,  die  Stirnbreite  3  — 3«/^mal,  die  Schnauzenlänge  circa 
32/. — 3i/omal,  die  Kopfbreite  circa  2mal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Die  Schnauze  nimmt  nach  vorne  rasch  an  Breite  ab,  das  hintere 
Ende  des  Oberkiefers  fällt  in  senkrechter  Richtung  unter  die  Mitte 
des  Auges,  Zwischen-  und  Unterkiefer  reichen  bei  den  von  uns  unter- 
suchten Exemplaren  gleich  weil  nach  vorne.  Die  Vomerzähne  sind  sehr 
zart  und  fein,  dicht  an  einander  gedrängt,  und  bilden  eine  ovale  Gruppe. 
Die  Länge  der  Pectorale  übertrifft  nur  wenig  die  Hälfte  der  Kopflänge. 

Nach  Brito  Cape  Mo  kommt  Th.  hracKypterus  sehr  häniig  an 
den  Küsten  Algai-biens  vor,  und  wir<l  daselbst  Albacora  genannt. 

74.  Art  Thynnas  thunnina  Cnv.   Val. 

Bei  einem  wohlerhaltenen  Exemplare  von  21  ^ 2"  Länge  stellt 
die  größte  Leibeshöhe  der  Länge  des  Kopfes  nur  wenig  nach; 
erstere  beträgt  nämlich  6"  l'",  letztere  ti'  9".  Die  Länge  der  Pec- 
torale lielrägt  4"  2",  die  größte  Höbe  der  ersten  Dorsale  3"  5'",  die 
Länge  des  oberen  Caudallappens  bis  zur  Basis  der  vordersten,  oberen 
Randstrahlen  4"  5  ". 

Die  größte  Breite  des  Kopfes  gleicht  beiläufig  der  Hälfte  der 
Kopflänge;  Unter-  und  Zwischenkiel'er  reichen  gleich  weit  nach 
vorne.  Dem  einzigen  von  uns  untersuchten  Exemplare  fehlen  die  Vo- 
merzähne vollständig.  Der  ganze  hintere,  stark  bogenförmig  gerim- 
dete  Band  des  Vordeckels,  so  wie  der  hintere  und  untere  Band  des 
Deckels  sind  mit  sehr  feinen  und  zahlreichen  Cilien  besetzt. 


Ichthyol.  Bericht  (ihci   eiiu-  "ach  S|)aiiicii  u.  I'oitiigal  mitermi Heise,     dö  1 

Uei"  Durchmesser  des  Auges,  so  weit  es  nach  aulien  frei  sicht- 
bar ist,  ist  73f.jx\a\,  die  Schnauzeiiläiige  mit  Ausschluß  des  vor- 
deren häutigen  Augenraiulla|i|itMis  S-z^mal  ,  die  Stirnbreite  circa 
S'/aiiial  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Die  zweite  Dorsale  und  die  Anale  sind  gleich  hoch,  doch  erreicht 
die  größte  Höhe  derselben  kaiiiii  mehr  als  circa  -/u,  der  Kopflänge. 
Hinter  den  Strahlen  der  Analf  liegen  an  dem  von  uns  untersuchten 
Exemplare  nur  (>  falsche  Flösselchen. 

D.  1S/13/VHI:  A.  S/ll/VI— Vü. 

Häutig  an  der  Ostküste  Spaniens  und  daselbst  sehr  geschätzt, 
seltener  an  den  südlichen  Küsten  Portugals.  Das  Wiener  Museum 
besitzt  auch  zwei  trockene  Exemplare  dieser  Art  aus  Persien,  welche 
von  Dr.  Kotschy  eingesendet  wurden. 

\'  u  1  g  ä  r  n  a  m  e :   Tunina  (Barcelona). 

75.  Art.  ThynnDS  vulgaris  C.  V. 

Sehr  gemein  an  sämnitliehen  Küsten  der  iberischen  Halbinsel  mit 
Ausnahme  der  \\  estlichen  Küste. 

Wir  besitzen  ein  Exemplar  aus  Malaga  von  50  Zoll  Länge  bei 
einer  Höhe  von  10"  7'";  Kopflänge  nahezu  12"  5",  Länge  der 
Pectorale  nahezu  83/5",  größte  Höhe  der  zweiten  Dorsale  6"  2'"; 
Länge  der  Ventralen  4ya";  Stirnbreite  41/3";  Länge  der  Caudale 
etwas  mehr  als  6". 

Vulgärname;  Atun  (Spanien),  Atum  (Portugal). 

76.  Art.  Thynnus  alalonga  Cuv.  Val. 

Kommt  nach  Machado  bei  Cadix  und  nach  Cuvier  und 
Valenciennes  an  der  Nordküste  Spaniens  häufig  vor;  ich  selbst  habe 
während  meines  Aufenthaltes  an  der  Nordküste  Spaniens  (August  bis 
October  1864)  kein  Exemplar  dieser  Art  gesehen.  Nach  Cuvier 
und  Valenciennes  beginnt  der  Fung  deR  Thy/rnus  alalonga  im 
Mai  und  ist  am  reichsten  gegen  Mitte  Juni. 

Vulgär name:  Albacora  (nach  Machado)  zu  Cadix,  Atum 
albacora  in  Portugal. 

77.  Art.  Thynnas  pelaniis  Cuv. 
Machado  führt  diese  Art  in  seinem  Cataloge  der  Fische  von 
Cadix  und  Huelva  an,  erwähnt  dagegen  auffallender  Weise  Pelamys 
sarda    nicht,    welche  Art  wir   im  Deeember  1864  und  Jänner  1865 


3  Ö  O  S  t  e  i  n  d  a  c  h  n  e  r. 

ziemlich  häufig  auf  den  Fischmärkten  von  Lissabon  und  Cadix 
sahen.  Nach  Lowe  kommt  Thynmis  pelamis  auch  an  den  Küsten 
Portugals  vor  und  wird  in  den  Küstengegenden  Spaniens  so  wie 
auf  den  canarischen  Inseln  Boatto  (nach  dem  arahischen  Bainito), 
in  Lissabon  (Jwf/ttf/o  (see.  Fjowe)  genannt;  das  Fleisch  diesesFisches 
ist  nicht  geschätzt. 

Gati.  Pelamys  Cuv.  Val. 
78.  Alt.    Pelamys  sarda  C.  Val. 

S  y  II.  Scomher  pelamys  Brunn. 
„       sarda  Bloch. 
„       mediterraneiis  D  e  I  a  r  o  e  h  e. 

n.  22/^  VIII— IX;  A.  2/13— 14/Vin. 

Bei  kleinen  Exemplaren  von  5  i/o  bis  nahezu  8"  Länge  ist  die 
größte  Höhe  des  Rumpfes  5  3/5  bis  etwas  mehr  als  omal,  die  Koptlänge 
41/3 — 4'/6mal  in  der  Totallänge,  der  Augendiameter  etwas  mehr  als 
ö — 6mal,  die  Schnauzenlänge  ein  wenig  mehr  als  3 — Ss/smal,  die 
Stirnbreite  4mal,  die  Länge  der  Pectorale  2'/3 — 2-/5mal  in  der 
Kopflänge  enthalten. 

Das  Schuppencorselet  der  Pecloralgegend  reicht  bei  eben  diesen 
Individuen  bald  bis  zur  Spitze  der  längsten  Pectoralstrahlen,  bald 
aber  um  die  ganze  Länge  der  Brustflossen  über  das  hintere,  äußerste 
Ende  derselben  hinaus. 

In  der  oberen  Hälfte  der  Rumpfhöhe  liegen  zahlreiche,  ziemlich 
breite  Querbinden  von  schwarzgrauer  Färbung,  von  Längslinien  ist 
nicht  die  geringste  Spur  vorhanden. 

Bei  Exemplaren  von  12"  Länge  ist  die  Körperhöhe  ein  wenig 
mehr  oder  etwas  weniger  als  5mal,  die  Kopflänge  unbedeutend  mehr 
als  4mal  in  der  Totallänge,  der  Diameter  des  Auges,  so  weit  es  nach 
außen  frei  liegt,  7 — 72/. mal,  der  ganze  Augapfel  bezüglich  seiner 
Länge  aber  6  — 6 '/omal,  die  Schnauzenlänge  3mal,  die  Stirnbreite 
4mal,  die  Länge  der  Brustflossen  circa  23/4mal  in  der  Kopflänge  ent- 
halten. Die  Schnauze  ist  zugespitzt,  überragt  jedoch  den  Unterkiefer 
nur  ganz  unbedeutend. 

Das  hintere  Ende  des  Oberkiefers  fällt  bei  geschlossenem 
Munde  in  senkrechter  Richtung  ein  wenig  hinter  den  hinteren 
Augenrand. 


Ichthyol.  Bericlit  iii)ei-  ciiif  nach  Spaiiieii   ii.  Horfiigal  uiiternuiniii.  Reise.     o5t7 

Die  dunkeln,  breiten  Querbinden  sind  bereits  von  schief  laufen- 
den, und  zwar  von  hinten  und  oben  nach  vorne  und  unten  ziehenden 
Längsstreifen  gleicher  Färbung  gekreuzt. 

Bezüglich  der  Länge  des  Schuppeneorseletes  zeigt  sich  auch 
bei  diesen  Exemplaren  mittlerer  Größe  dasselbe  Verhältnis  wie  bei 
den  früher  erwähnten  kleinen  Individuen  von  S1/3 — 8"  Länge. 

Bei  grossen  Exemplaren  von  20 — 22"  Länge  ist  die  Körperhöhe 
etwas  weniger  als  5 — ö'/sOial,  die  Koptlänge  circa  4ä/7mal  in  der 
Totallänge  (bei  natürlicher,  aufgerichteter  Stellung  der  Caudale),  der 
Durchmesser  des  Auges,  so  weit  es  frei  sichtbar  ist,  d^/^mn],  der  Dia- 
meter desganzenAugesaberßya — 7mal,  die  Schnauzenlänge  3mal,  die 
Stirnbreite  Si/,-  nahezu  d^/^m»],  die  Länge  der  Brustflossen  circa 
2'/5mal,  die  der  Ventralen  S'^mal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Das  Schuppencorselet  der  Pectoralgegend  reicht  bei  diesen, 
nahezu  völlig  erwachsenen  Individuen  nicht  über  die  Spitze  der  Brust- 
flossen hinaus. 

Die  Querbinden  des  Rumpfes  sind  vollständig  erloschen,  die 
schwach  gebogenen  Längsstreifen  aber  sehr  deutlich  ausgeprägt  und 
et\vas  breiter  als  bei  jüngeren  Exemplaren  (bis  zu  12"  Länge).  Aus 
der  großen  Ähnlichkeit  der  Körperzeichnung  erwachsener  Indivi- 
duen von  Pelamis  sarda  mit  Thynnus  pelamis  erklärt  sich  die  so 
häufig  vorkommende  V^erwechslung  beider  Arten  in  den  Werken 
älterer  Ichthyologen. 

Der  freie  Rand  des  Kiemendekels  ist  stets  gewimpert.  Die 
horizontallaufende  mittlere  Hautwulst  am  Schwanzstiele  entwickelt 
sich  zuweilen  ausnahmsweise  nur  auf  einer  Körperseite. 

Bei  einem  20"  langen  Exemplare  unserer  Sammlung  liegen  drei 
Zähnchen  in  einer  Längenreihe  in  der  Mittellinie  des  Vomers;  auf  das 
Vorkommen  oder  Fehlen  der  Vomerzähne  ist  somit  bei  den  Ge- 
schlechtern Scomber,  Thynnus,  Pelamys  etc.  kein  besonderes  Ge- 
wicht zu  legen. 

Pelamys  sarda  kommt  zu  gewissen  Jahreszeiten  an  den  Küsten 
der  iberischen  Halbinsel  und  Tenerife's  ziemlich  häufig  vor;  wir 
sammelten  mehrere  Exemplare  bei  Lissabon  (November,  December 
1864),  Cadix  und  Gibraltar  (Jänner,  Februar  I860),  Malaga  und 
Barcelona.  Auf  den  Fischmarkt  zu  Santa  Cruz  de  Tenerife  wurde  in 
den  Monaten  Februar,  März  1865  nicht  ein  Exemplar  dieser  schönen 
Art  gebracht. 


O  b  0  S  t  e  i  II  d  a  c  li  II  e  r. 

Die  von  Cuniide  in  dem  „Ensayo  para  uiia  hisloria  de  los 
Peces  de  Galicia  pag.  62"  unter  dem  Namen  Sfirritt  heschriehehe 
Art  ')  ist  nicht  identisch  mit  Pelamys  sarda,  sondern  entspricht 
gleich  dem  portugiesischen  Snrdtt,  dem  Scomber  Hcomhrus',  dagegen 
ist  Cornide's  „Cabidla"^  liestimrnt  verschieden  von  der  im  Osten 
und  Süden  Spaniens  C(d)uU<i  geiiainiten  Art  (Sc.  coluis) ,  und 
kann,  nach  der  Keschreiltinig  zu  urtheilen,  weder  ein  Scomber  noch 
ein  Thipuius  oder  Pefaniijs  sein,  da  die  falschen  Flösselchen  ver- 
einigt sein  sollen  -).  ('urnide's  Jionito  6  Bonitalo  endlich  fällt  mit 
J'elamys  sarda  zusannnen. 

Vulgärname:  Bonitol  (Barcelona),  ßouifo,  Bonitalo  ((iali- 
cien),  Serrii  (Portugal). 

(iail.   Auxis  Ciiv.   Val. 

79.  Art.   Auxis  Rochel  spec.   Piisso. 
Syii.  Sruinl/ci  Jiuchei  l{\s HO,  Iclitliyol.  de  Nice,  p.  t65. 

Thynnus  llocheanus  Risso,  Hist.  iiat.  de  l'Euiope  iiieriil.  t.  IM.  \\.  417. 
Auxis  vulgaris  Cuv.  Val.,  t.  VIII,  pag.  130,  pl.  216. 

D.  1 1/3/9/ \  III— IX;  A.  3/10-11/Vn;  P.  Tl. 

Wir  sammelten  von  dieser  Art  drei  Exemplare  bei  Lissabon,  Cadix 
und  Malaga. 

Bei  Individuen  von  12 — 12'/."  Länge  ist  die  gröIUe  Körper- 
höhe 53/3 — Ss/äHial,  die  Koptlänge  circa  4'/o-  etwas  weniger  als 
4»/5mal  in  der  Totallänge  (bis  zur  Spitze  der  Caudallappen  bei 
natürlicher,  verticaler  Stellung  der  Schwanzflosse)  enthalten.  Nimmt 
man  aber  die  Körperlänge  zwischen  der  Schnauzenspitze  und  dem 
hinteren  Rande  der  mittleren,  kurzen  (^audalstrahlen  als  Einheit  an, 
so  gleicht  die  Ko|)nänge  genau  '/^  derselben. 

Die  Länge  des  Auges,  so  weit  es  äu(J»erlich  sichtbar  ist,  beträgt 
genau  oder  nahezu  '/«,  die  Länge  des  ganzen  Auges  aber  circa 
3/jj_i/^  der  Koptlänge;  die  Schnauzenlänge  steht  der  Stirnbreite  ein 
wenig  nach  und  gleicht  der  Länge  des  Augapfels.  Die  Kopfbreite  ist 
circa  2mal  in  der  Koptlänge  enthalten. 


')   Scomber  pinnulis  quinque  in  extretiio  domo,  xtnna  brevi  ad  aiitiiii. 

2)  I.  c.  p.  68.  Cahalla ,  Scomber  hippos  pinnulis  iinitin,  operculis  postice  muculae 
niijrue  Scomber.  Rundetet.  Später  heiLSt  es  in  der  Beschreibung:  Se  difereneia  de 
ta  Sarda  en  que  esta  tiene  ....  entre  et  anus  y  la  aleta  que  sigue  hasta  fa  cnia  nnu 
espina  muy  uijuda  de  que  carece   la    Cahalln. 


Ichthyol.  Bericht  über  eine  nach  Spanien  u.  Portugal  unternomm.  Reise.     361 

Der  Kopf  verschmälert  sich  rasch  von  der  Stirngegend  bis  zur 
Schnauzenspitze,  die  Kiefer  reichen  gleichweit  nach  vorne;  die 
Mundspalte  ist  klein,  das  hintere  Ende  des  Oberkiefers  fällt  bei  ge- 
schlossenem Munde  senkrecht  unter  die  Mitte  des  Auges.  Die  Kiefer- 
zähne sind  äusserst  zart,  dicht  an  einander  gedrängt,  einreihig;  Vomer- 
und  Gaumenzähne  fehlen. 

Die  erste  Dorsale  enthält  bei  den  von  uns  untersuchten  Exemplaren 
(4  an  der  Zahl)  stets  11  Stacheln  ;  der  erste  derselben  ist  der  höchste 
der  Flosse  und  2^/'s  —  circa  2y5mal  in  der  Koptlänge  enthalten;  die 
Pectorale  gleicht  an  Länge  der  größten  Höhe  der  ersten  Dorsale  oder 
übertrifft  sie  ein  wenig;  die  Ventrale  erreicht  s/^  der  Kopflänge. 

Die  Länge  eines  Caudallappens  kommt  der  Entfernung  des  hin- 
teren Augenrandes  von  dem  hinteren  Deckelrande  gleich. 

Bei  einem  grösseren  Exemplare  von  il-fs"  Länge  ist  die  größte 
Leibeshöhe  circa  S'/a'T»al,  die  Kopflänge  42/5 mal  in  der  Totallänge, 
der  Augendurchmesser  5mal,  die  Schnauzenlänge  43/5mal,  die  Stirn- 
breite etwas  weniger  als  S^/omal,  die  Kopfbreite  circa  ly.mal,  die 
Länge  der  Pectorale  etwas  mehr  als  2mal,  die  Ventrale  nicht  ganz 
23/3mal,  die  Länge  eines  Caudallappens  circa  l^/gmal  in  der  Kopf- 
länge enthalten. 

V  u  1  g ä  r  n  a  m  e :  Juden,  Serra  (Lissabon). 

Gatt.  Naucrates  (Rafin.)  Cuv. 

80.  Art.  Naacrates  ductor  (spec.)  L  i  n. 

Diese,  fast  sämmtlichen  Meeren  der  gemäßigten  und  warmen  Zone 
eigenthümliche  Art  ist  seltener  an  der  Nord-  und  Westküste,  als  an 
der  Ostküste  der  iberischen  Halbinsel  zu  linden  und  erreicht  keine 
bedeutende  Größe.  Die  größten  Exemplare  unserer  Sammlung  zeigen 
eine  Länge  von  fast  13". 

Bei  jungen  Individuen  von  5"  Länge  ist  die  größte  Höhe  des 
Rumpfes  etwas  mehr  als  42/3 mal,  die  Kopflänge  circa  4y4mal  in  der 
Totallänge,  der  Augendiameter  5mal,  die  Stirnbreite  3i/,mal,  die 
Schnauzenlänge  circa  Sa/jUial,  die  größte  Kopfbreite  2mal  in  der 
Kopflänge  enthalten. 

Bei  Exemplaren  von  10 '/a — 12'/2 "  Länge  ist  die  größte  Rumpf- 
höbe  circa  43/5mal,  die  Kopflänge  4</3 — 43/4nial  in  der  Totallänge, 

Sitz.b.  (I.  inathem.-naliirw.  Cl.  I.VII.  Kd.  I.  Al.th.  24 


öOi  S  t  e  i  n  d  H  c  h  II  e  r. 

der  Augendiameter  G'/^ — 6mal,  die  Sehnauzenlänge  3inal,  die  Stirn- 
breite etwas  weniger  als  3  — Sy^mal,  die  grüßte  Kopfhreite  nicht 
ganz  2mal  in  der  Kopflänge  enthalten.  Die  Ventrale  ist  länger  oder 
nnr  eben  so  lang  wie  die  Pectorale  und  circa  1*  5  —  l'/smal  in  der 
Länge  des  Kopfes  begrilVen;  die  Länge  eines  Caudallappens  steht  der 
des  Kopfes  nur  wenig  nach. 

Die  äußerste  Spitze  der  Caudallappen  so  wie  das  obere,  resp. 
untere  Ende  der  ersten  Gliederstrahlen  in  der  Dorsale  und  Anale  sind 
stets  gelblichweiß  gefärbt. 

Die  Zahnbinde  in  den  Kiefern  ist  schmal  und  niclit  breiter  als  die 
auf  den  Gaumenbeinen.  Die  Vomerzähne  bilden  eine  nageiförmig  ge- 
staltete Gruppe;  die  Zahnbinde  auf  der  Mitte  der  Zunge  ist  lang, 
keulenförmig,  nach  hinten  zugespitzt.  Schnauze  und  Stirne  sind  ge- 
wölbt; das  hintere  tlnde  des  Oberkiefers  fällt  bei  geschlossenem  Munde 
in  senkrechter  Richtung  füst  genau  unter  den  vorderen  Augenrand. 

Bei  keinem  der  von  uns  gesammelten  Exemplare  enthält  die  erste 
Dorsale  mehr  als  3 — 4  Stachelstrahlen. 

Fundorte:  Barcelona,  Malaga,  Cadix,  Lissabon. 

Vulgärname:  Pez  Simon  (Südkiiste  Spaniens),  Romeiro 
(Lissabon). 

Gatt.  Echeneis  A  r  t  e  d  i. 
8L  Art.  Echineis  reniora  Lin. 

Kommt  selten  an  den  Küsten  Spaniens  und  Portugals  vor;  wir 
besitzen  mehrere  Exemplare  von  Valencia,  Gibraltar,  Lissabon.  Pro- 
fessor Mach  ad  0  führt  diese  Art  auch  in  dem  Cataloge  der  Fische 
von  Cadix  und  Huelva  an. 

Vulgär  na  me:  Remora  oder  jPe^«</or  (Spanien  und  Portugal), 
auch  Agarrador,  Peive  piolho  (Lissabon). 

Bei  kleinen  Exemplaren  von  3"  4"  —  4"  10'"  Länge  ist  die 
Länge  des  Haftapparates  am  Kopfe  nur  2*^ — 3mal,  die  Kopflänge 
etwas  mehr  als  4 — 4 1/5 mal  in  der  Totallänge,  die  Kopfbreite  circa 
li/g  —  lä/jmal  (oder  circa  ßi/smal  in  der  Totallänge),  der  Augen- 
diameter 6 — 62  5mal  in  der  Kopflänge  enthalten.  Die  Zahl  der 
Lamellen  an  der  Haftscheibe  beträgt  17  —  18,  die  Dorsale  enthält 
24 -2ö,  die  Anale  23  Strahlen. 

Bei  größeren  Exemplaren  von  8"  Länge  dagegen,  ist  die  Länge 
des  Haftapparates  circa  3 '/..mal,  die  Kopflänge  unbedeutend  mehr  als 


Ichthyol.  Bericht  über  eine  uacli  Spanien  u.  Portugal  unteruornm.  Reise.     oÖ3 

4'/amal  in  der  TufjiJlänge,  die  Kopl'breite  unmittelbar  vor  der  ßasi.s 
der  Brustflossen  l'/omal  (oder  6  ysmal  in  der  Totallänge,  oder  ein 
wenig  mehr  als  2mal  in  der  Länge  des  Haftapparates),  der  Augen- 
diameter  T'/^mal,  die  Länge  der  Pectorale  circa  ly^mal,  die  der 
Ventralen  nahezu  2mal  in  der  Koptlänge  enthalten.  18  Querlamellen 
in  der  Haftscheibe,  23  —  22  Strahlen  in  der  Anale  und  24  in  der 
Dorsale. 

82.  Art.  Echeneis  aaucrates  L  i  n  li  e. 

Diese  Art  scheint  noch  seltener  als  die  früher  erwähnte  an  den 
•^  Küsten  Iberiens  zu  sein,  da  ich  ungeachtet  eines  fast  einjährigen 
Aufenthaltes  in  den  bedeutendsten  Küstenstädten  Spaniens  und  Por- 
tugals nur  ein  Exemplar  zu  Valencia  und  ein  zweites  aufjiem  Fisch- 
markte zu  Malaga  vorfand.  Das  Wiener  Museum  besitzt  außerdem 
noch  einige  Exemplare  von  Sicilien  und  von  der  Südwestküste  Por- 
tugals (ohne  nähere  Angabe  des  Fundortes). 

Bei  jungen  Individuen  von  6  —  7"  fjänge  (von  Joh.  Natterer 
in  Cajutuba  gesammelt)  ist  die  Länge  des  Haftapparates  4 1/2 mal,  die 
Kopflänge  4'/3 — S'/^mal  in  der  Totallänge,  ^ie  grösste  Kopfbreite 
circa  1  Ye^^'»  *Jer  Augendiameter  etwas  mehr  als  7-  bis  nahezu  8mal, 
die  Länge  der  Pectorale  circa  I2  gmal,  die  der  Ventrale  circa  Is^mal 
in  der  Kopflänge  enthalten.  Die  größte  Höhe  des  stark  gestreckten 
Körpers  ist  bei  eben  diesen  jungen  Individuen  sehr  gering  und  ver- 
hält sich  zur  Kopflänge  wie  1  :  23/5'. 

23  Querlamellen  am  Haftapparate,  33  —  34  Strahlen  in  der 
Dorsale,  3ö  in  der  Anale.  Die  mittlerem  Strahlen  der  Caudale  sind 
bedeutend  länger  als  die  übrigen,^  der  hintere  Caudalrand  ist  daher 
zugespitzt ;  der  obere  und  untere  Rand  der  Caud«le,  der  obere  Rand 
der  Dorsale  und  der  untere  der  Anale  sind  gelWichweiß  gesäumt. 

Bei  großen  Exemplaren  YOii  17'/»"  Länge,  ist  die  Haftscheibe 
fast  4'/5mal,  die  Kopflänge  ^Ygmal  in  der^To^allänge,  der  Diameter 
des  Auges  8 — 8ygmal,~^i(e  Stifnbreite  zwischen  der  Mitte  der  oberen 
Augenränder  circa  2mal,  die  größte  Kopfbreite  etwas  weniger  als 
Is/jmal,  die  Länge  der  Pectorale»  welche  20 — 21  Strahlen  enthält, 
etwas  mehr  als  1  Ygmal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Die   Ventrale   ist  etwas   kürzer  als  die  Pectorale  und  wie  diese 

zugespitzt.  Die  Länge  der  Mundspalte  vom  Mundwinkel  bis  zur  Spitze 

des  weit   vorspringenden  Unterkiefers  verhält  sich  zur  Kopflänge  wie 

•>4» 


0  b  4-  S  t  e  i  II  d  a  c  h  II  e  r. 

1  :  2^^,;  der  vordere  Rand  des  Auges  fällt  etwas  vor  die  Mitte  der 
Kopflänge.  Die  grölke  Leibeshöhe  erreicht  circa  die  Hälfte  der 
Kopflänge. 

Bei  zwei  Exemplaren  von  17  Va  und  28 «/a"  Länge  ist  die  Cau- 
dale  am  hinteren  Rande  scliwach  concav;  hei  dem  kleineren  dieser 
beiden  Individuen  zeigt  der  Haftapparat  auf  der  Oberseite  des  Kopfes 
25,  bei  dem  zweiten,  dem  größten  der  12  Individuen,  wclelic  das 
Wiener  Museum  besitzt,  nur  23  Querlamellen.  Sowohl  in  der  Dor- 
sale wie  in  der  Anale  zähle  ich  bei  letzterem  37  Strahlen,  bei  dem 
ersteren  kleineren  aber  in  der  Dorsale  34,  in  der  Anale  36  Strahlen. 

Nach  Dr.  Günther's  Angabe  beträgt  die  Zahl  der  Kiemen- 
strahlen bei  den  Echeneis-Arten  7;  ich  zähle  aber  sowohl  bei 
Echeueis  naucrates  wie  Ech.  remora  stets  9  Kiemenstrahlen.  Von 
erstgenannter  Art  besitzt  das  Wiener  Museum  ein  Skelet,  welches 
13  Abdominal-  und  17  Caudalwirbel  zeigt. 

Vulgärname:  Pegador  (Spanien,  Portugal). 

Gatt.  Zeus  (Art.)  Cuv. 

83.  Art.  Zeus  faber  Linne. 
D.  10/22-24;  A.  4/21—23;  P.  13;  V.  1/7. 

Sehr  gemein  an  sämmtlichen  Küstentheilen  der  iberischen  Halb- 
insel, etwas  seltener  bereits  an  den  Küsten  der  eanarischen  Inseln. 
Das  Fleisch  des  Zeus  [aber  ist  sehr  zart,  weiß  und  wohlschmeckend, 
Meßhalb  größere  Exemplare  in  --besondere  an  der  West-  und  Nord- 
kiiste  der  iberisi-hen  Halbinsel  sehr  geschätzt  sind. 

Wir  besitzen  zahlreiche  Exemplare  von  La  Coruna,  Vigo, 
Lissabon,  Cadix,  Malaga,  Valencia,  Barcelona  und  Santa  Cruz  de 
Tenerite,  darunter  4  junge  Individuen  von  3"  7"'  —  4"  7"'  Länge. 
Auf  dem  Fischmarkte  von  Lissabon  sah  ich  zuweilen  Exemplare  von 
20"  Länge  und  darüber. 

Die  Zahl  der  Knochenplatten  an  der  Basis  der  Gliederstrahlen 
der  Rücken-  und  Afterflosse  ist  ziemlich  constant;  bei  kleinen  Indi- 
viduen von  3"  7'"  —  6"  Länge  kommen  längs  der  Basis  des  glieder- 
strahligen  Theiles  der  Dorsale,  wie  es  scheint,  stets  8,  an  der  Anale 
aber  7—8  platte  Knochenstücke  von  fast  regelmäßig  viereckiger 
Gestalt  vor,  während  bei  größeren  Exemplaren  an  der  Dorsalbasis 
7 — 9,  an  der  Analbasis  9  liegen. 


«>  /•  «^ 

Ichthyol.  Bericht  üIkm-  t-iiie  iiii<l)  S|i;iiiicii  ii.  I'(irtii^:il  uiitciüoiiirii.  Reise.     .iOO 

Jede  dieser  paarigen  Knoehenplatteii  trägt  zwei  Stacheln,  von 
denen  der  der  Basis  der  Flossenstrahlen  zunächstliegende  der 
längere  ist,  nur  bei  alten  Exemplaren  von  14 — 15"  Länge  und 
darüber  sind  die  beiden  Stacheln  einer  Platte  nahezu  oder  ganz 
gleich  lang. 

Bei  jungen  Individuen  ist  die  grüßte  Körperhöhe  genau  zwei- 
mal, bei  alten  mehr  als  2y,mal,  die  Kopflänge  bei  letzteren 
3 — 3i/>,mal  (circa  2\/2n\ü\  in  der  Körperlänge),  bei  ersteren  3mal 
(2>/3nial  in  der  Körperlänge)  in  der  Tolallänge  enthalten. 

Bei  jungen  Exemplaren  verhält  sich  die  Länge  des  Auges  zur 
Kopflänge  wie  1  :  3y4mal,  bei  älteren  wie  1  :  43/4.  Die  Dorsale  ent- 
hält stets  10  Stacheln,  deren  jeder  mit  einem  häutigen,  faden- 
förmigen Anhange  versehen  ist.  Der  erste  Dorsalstachel  ist  bei 
Exemplaren  von  14 — 15''  Länge  etwas  mehr  als  2yomal,  der  zweite 
oder  dritte  höchste  aber  nur  wenig  mehr  als  1  »/g — ly^mal,  der 
letzte  kürzeste  d^/om»]  in  der  Kopflänge  enthalten.  Bei  ganz  jungen 
Individuen  ist  der  dritte  Dorsalstachel  etwas  höher  als  der  zweite. 
Der  fadige  Anhang  des  dritten  Dorsalstachels  reicht  bei  manchen 
Exemplaren  bis  zum  hinteren  Bande  der  Caudale. 

Die  Zahl  der  Gliederstrahlen  in  der  Bückenflosse  nimmt  mit 
dem  Alter  etwas  zu  und  schwankt  daher  zwischen  22 — 24;  die 
Anale  enthält  21 — 23  Gliederstrahlen  und  stets  4  Stacheln. 

Die  Ventrale  ist  bezüglich  ihrer  Länge  bei  alten  Individuen 
33/äinal,  bei  jungen  2'/2 — 23/5mal,  die  Pectorale  bei  ersteren  circa 
10,  bei  letzteren  circa  7 — 7i/,mal,  die  Schwanzflosse  bei  jungen 
Exemplaren  etwas  mehr  als  4mal,  bei  erwachsenen  aber  42/3 — 4*/5mal 
in  der  Totallänge  enthalten. 

Der  Humerus  ist  bei  manchen  Exemplaren  über  der  Basis  der 
Pectorale  nach  hinten  in  einen  längeren  oder  kürzeren  Stachel  aus- 
gezogen, der  aber  nicht  selten  spurlos  fehlt.  Die  Scapula  trägt 
mehrere  Stacheln,  von  denen  sich  häufig  der  letzte  oder  hinterste 
auf  Kosten  der  übrigen  stärker  entwickelt ;  bei  einem  Exemplare  von 
Tenerife  zeigen  sich  nur  ganz  schwache  Spuren  von  Stacheln  auf  der 
Scapula.  Der  Vordeckel  scheint  bei  dieser  Art  ausnahmslos  ganz- 
randig  zu  sein. 

Vulgär name:  Peixe  gallo,  Alf'aquim  (Lissabon),  Pez  de  San 
Pedro  (Valencia,  Cadix),  Gall  (Barcellona),  San  Martiiio  (Gallicien), 
Pez  Gallo  oder  Gallo  San  Pedro  (Santa  Cruz  de  Tenerife). 


3^6  S  f  f  i  n  il  H  <•  li  II  c  r.  ■  ^^-■,. 

Vi>  >• 

■'  %  '',K. 

84.  Art.  '/icus  puugio  Cuv.   Val.  fr 

Kommt  seltener  als  Zcu^  /'aber  und  vielleicht  nur  an  der  Ost- 
kiiste  der  pyrenäischen  Halbinsel   vor;    sie  untersciieidet  sich  nach^ 
den   bisherigen   Untersuchungen   von  Ze?/s /«öer  eonstant  nur  durch.'" 
die  geringere  Anzahl  und  den  größeren  Umfang  derKnochenstücke  an-,  r- 
der  Basis  der  Gliederstralilen  der  Rückenflosse    und    vielleicht   auch     . 
durch  die  viel  bedeutendere  Stärke   so  wie  etwas  geringere  Länge 
der  Dorsalstacheln,  von  denen  der  dritte  stets  am  höchsten  ist.  .5; 

Während  die  Knochenstücke  an  der  Dorsalbasis  bei  Zeus  fnbct: 
nahezu  platt  und  viereckig  sind,  zeigen  sie  bei  Zeus  puiu/io  ein^ 
mehr   oder   minder  stark   gewölbte,  ovale  Gestalt;  bei  Exempiarfeil" 


■*,  ■■ 


sehr  geringer  und  mittlerer  Größe  (von  i"  7"  —  17"  Länge)  sin 
deren  nie  mehr  als  4 — f>  vorhanden  (bei  eben  so  großen  Exemplaren 
von  Z.  f'nberl  —  9).  Das  zweite  oder  das  dritte  dieser  Knochenstücke 
ist  durch  seine  besondere  Größe  und  die  starke  Wölbung  der  Außen- 
fläche ausgezeichnet  und  wie  das  dritte  oder  zweite  fast  regelmäßig 
elli|)tiscli  oder  oval  gestaltet.  Ander  Basis  der  Gliederstrahlen  der  Anale 
liegen  bei  den  von  uns  untersuchten  Exemplaren  (von  1"  7'"  —  9" 
Ijänge)  6 — 7  Knochenplatten  von  ähnlicher  Form  wie  hei  Zeus  fabei", 
bei  einem  größeren  Exeni[dare  von  mehr  als  17  '  Länge  aber  nur  fünf. 

Aul'  das  VorkoHimen  eines  oder  selbst  mehrerer  Stacheln  am  Vor- 
deckel ist  kein  besonderes  Gewicht  zu  legen,  da  ich  mehrere  Exem- 
plare des  Z.  puugio  besitze,  bei  welchen  diese  Stacheln  auf  einer 
Körjierseite  oder  auf  beiden  spurlos  fehlen;  auch  die  Größe  und  Zahl 
der  Slacliein  auf  der  Scapula  ist  sehr  variabel,  der  Stachel  am 
numerus  ist  aber  stets  deutlich  entwickelt,  und  sehr  häufig  wie  der 
hinterste  der  Scapula-Starlieln  (in  der  Regel  2)  von  sehr  beträcht- 
liclier  Länge  und  Stärke. 

Die  Staelieln  der  Dorsale  sind,  nach  den  von  uns  untersuchten 
Exemplaren  zu  urtheilen,  bedeutend  stärker  und  zugleich  etwas 
kürzer  als  hei  Zeus  f'aber:  die  obere  Profillinie  des  Kopfes  ist  lang 
gestreckt  und  fällt  fast  geradlinig  zur  Schnauzenspitze  ab,  sNährend 
sie  bei   Zeus  faber  etwas  stärker  gebogen  ist. 

Die  größte  Höhe  des  Körpers  ist  genau  oder  nahezu  2'/2mal, 
bei  ganz  jungen  Exeniplaren  nur  wenig  mehr  als  2mal,  die  Kopflänge 
fast  ',i  —  3'/.^mal,  bei  jungen  Exeniplaren  2'-/!^mn\  in  derTotalläiige,  der 
Angendiameter   Ay'^  —  4 '/.mal,  bei   ganz    kleinen  Exemplaren    von 


Ichthyol.  Bericlil  iibei-  eine  nach  S|iimieii  u.  Portugal  untcriiomm.  Reise.     o67 

1"  7'"  —  2"  7"  Länge  3'/«  —  S'/oiTial  in  der  Kopflänge  enthalten. 
Die  Länge  der  Ventrale  übertrilTt  bei  jüngeren  Exemplaren  die  des 
Kopfes,  steht  aber  bei  älteren  der  Kopflänge  ein  wenig  nach. 

Während  bei  jungen  Individuen  des  Zeus  faber  der  dritte,  bei 
älteren  der  zweite  Dorsalstachel  jeden  der  übrigen  an  Höhe  oder 
Länge  übertrift't,  erreicht  bei  Zeus  pungio  stets  der  dritte  Stachel 
die  bedeutendste  Höhe,  welche  bei  jüngeren  Exemplaren  (von  5 — 9" 
Länge)  circa  1 1/3  —  la/ämal,  bei  einem  älteren  Exemplare  von  ITi/a" 
Länge  aber  mehr  als  2mal  in  der  Kopflänge  enthalten  ist. 
D.  10/23—24;  A.  4/21;  V.  1/6;  P.  13. 

Wir  erhielten  zwei  Exemplare  dieser  Art  zu  Valencia  und 
Alicante;  das  Wiener  Museum  besitzt  überdies  noch  mehrere  Exem- 
plare von  Triest. 

Der  Vulgärname  von  Zeus  pungio  ist  von  jenem  des  Zeus 
faber  nicht  verschieden. 

Gatt.  Stromateus  (Art.)  Cuv.  Val. 
85.  Art.  Stromateus  fiatola  Lin. 

Ziemlich  gemein  an  der  Ostküste  Spaniens ,  seltener  an  der 
Westküste  Portugals;  wir  sammelten  mehrere  Exemplare  auf  den 
Fischmärkten  zu  Barcelona,  Malaga,  Valencia,  Cadix  und  Lissabon. 

V  u  I  g ä  r  n  a  m  e :  Pampano  (Spanien),  Pampo,  Pombo  (Lissabon). 

Die  größte  Leibeshöhe  ist  bei  Exemplaren  von  13y2  —  IS" 
Länge  etwas  mehr  oder  weniger  als  dreimal,  die  Kopflänge  6 —  etwas 
mehr  als  Sa/imal  in  der  Totallänge,  der  Augendiameter  5 1/5  —  Ss/gnial, 
die  Länge  der  Pectorale  etwas  mehr  als  li/s — la/smal»  «üe  größte 
Höhe  der  Dorsale  beiläufig  1^  smal,  die  der  Anale  circa  2mal  in  der 
Kopflänge  enthalten.  Die  Länge  der  Caudale  gleicht  I2/3  Kopflängen. 

Die  Mundspalte  ist  klein,  breiter  als  lang;  das  hintere  Ende  des 
Oberkiefers  fällt  bei  geschlossenem  Munde  in  senkrechter  Richtung 
vor  den  vorderen  Augenrand.  Die  Zähnchen  der  Kiefer  sind  dicht 
an  einander  gedrängt,  sehr  zart,  ihrer  ganzen  Höhe  nach  fast  gleich 
breit,  am  freien  Ende  abgestutzt;  nur  die  Zähnchen  zunächst  der 
Mundwinkeln  scheinen,  unter  der  Loupe  gesehen  am  freien  Rande 
sehr  fein  ausgezackt  zu  sein. 

Die  Seitenlinie  ist  schwächer  gekrümmt  als  das  Rückenprofil, 
web'lies    in    starker,    ziemlich   gleichmäßiger    Krümmung    von    der 


3  H  S  S  (  e  i  II  (I  a  c  h  n  P  I'. 

Schnauze  1ms  zuin  Beginnt*  der  Dorsale  sich  erhebt  und  hierauf  in 
schwächerer  Bogenkrümninng  längs  der  Dorsale  bis  zum  Schwanz- 
stiele abfällt.  Die  Zahl  der  Kiemenstrahlen  beträgt  sechs.  Die  schwach 
entwickelte  Ventrale  liegt  unter  der  allgemeinen  Hautbedeckung  ver- 
borgen. Über  der  Seitenlinie  hegen  längliche,  seltener  runde  Flecken 
von  goldbrauner  Färbung;  unter  der  Seitenlinie  fließen  sie  mehr 
oder  minder  vollständig  zu  Längsbinden  zusammen. 

Sämmtliche  Flossen  mil  .Ausnahme  der  Brustflossen  sind  dicht 
mit  kleinen  Schuppen  bedeckt.  19  .\hdominal-  und  27  (26  durch 
Synostose  bei  einem  Exemplare)  Caudalwirhel.  Auf  dem  Skelette 
eines  nahezu  1.3  langen  Kxemplarcs  heträgt  die  .Anzahl  der  Flossen- 
strahlen : 

D.  7  (an  H)/42  (43):  A.  3/3 5 :  P.  23:  L.  lat  c.  12K. 

8H.  Art,  Stroinateus  microchirus  (spec.)  Bonelli. 

Syn.  Seseriuus  niicrockiriia,  Cuv.  Val. 
Stromateits  microchiniti  B  o  n  a  p. 
Crnfrolnphus  microchirus  Bonelli. 

n.  6/40—43:  A.  3  29— 33:  V.  1/3. 

Kommt  an  der  Ostküste  der  j)yrenäischen  Halbinsel  seltener  als 
Stromateiis  fialola  vor  und  scheint  letztgenannter  Art  bedeutend 
an  (Jröße  nachzustehen.  Das  Wiener  Museum  besitzt  im  Ganzen 
12  Exemplare  i\e^  Stromiilens  microcliirus,  von  denen  wir  drei  bei 
Barcelona  und  Malaga  sammelten,  während  die  übrigen  an  den  Küsten 
Dalmatiens,   Siciliens  und  bei  Triest  gefischt  wurden. 

Bei  ganz  jungen  Exemplaren  von  1"  3'"  —  1"  9' Länge  ist  die 
Ventrale  vollständig  von  der  Bauchtläche  getrennt  und  die  einzelnen 
Strahlen  sind  nur  durch  eine  dünne  Haut  unter  sich  verbunden;  die 
größte  Leibeshöhe  ist  ferner  nahezu  oder  etwas  mehr  als  3mal,  die 
Koptlänge  circa  33/r,mal  in  der  Totallänge  enthalten. 

Bei  Exemplaren  von  3-/5  —  5'/./'  Länge  ist  die  größte  Leibes- 
höhe etwas  mehr  als  2'/, — 2y,.,n^ial,  seltenei"  nahezu  3mal,  die  Kopf- 
länge 43/5 — 43/4mal  in  der  Totallänge,  der  Augendiameter  circa 
4V5  —  4>/2mal  in  der  Kopflänge  hegritTen:  die  Ventralen  sind  bald 
noch  ganz  frei,  bald  längs  tieni  ganzen  Innenrande  durch  eine  Haut- 
falte an  die  Bauchlinie  geheltet,  in  dem  einen  wie  in  dem  anderen 
Falle  aber  noch  nicht  von  einer  dicken  Haut  umschlossen. 


Ichthyol.  Bericht  über  eine  nach  Spanien  u.  Portugal  unternnnini.  Reise.     369 

Bei  Exemplaren  von  8 — 8</.,"  Länge  verhält  sich  die  Totallänge 
zur  Körperhöhe  wie  2-/ 3 — 2^/5  :  1,  zur  Kopflänge  wie  S'/g — Si/gtl; 
der  Diameter  des  Auges  gleicht  '/j- — "A  d*"!'  Kopflänge,  die  Länge  der 
Caudale  erreicht  circa  1 ',  o  Kopflängen.  Die  Ventralstrahlen  sind 
hereits  von  einer  dicken,  gemeinsamen  Haut  umhüllt,  so  daß  sich  die 
einzelnen,  äußerst  kurzen  Strahlen  niclil  mehr  deutlich  von  einander 
unterscheiden  lassen  und  nur  längs  dem  äußeren  und  hinteren  Rande 
nicht  an  die  Bauchfläche  geheftet  sind. 

Kiemenstrahlen  sechs.  Die  Zahl  der  Gliederstrahlen  in  der  Dorsale 
und  Anale  scheint  sehr  hedeutend  zu  variiren  und  vielleicht  mit  dem 
Alter  abzunehmen,  während  die  Zahl  der  Querbinden  am  Rumpfe  mit 
dem  Alter  zunimmt  und  5  — 12  beträgt. 

Bei  Exemplaren  von  61/2"  Länge  und  darüber  lösen  sich  die 
Querbinden  häufig  in  einzelne,  rundliche  Flecken  auf. 

Bei  ganz  jungen  Individuen  ist  der  Rumpf  und  Kopf  röthlieh- 
braun  mit  einem  schwachen  Stiche  ins  Violette  und  mit  dunkel- 
violetten Punkten  übersäet,  die  Dorsale  und  Anale  mit  Ausnahme  des 
hellen  Randes  tief  bläulich  schwarz. 

Bei  alten  Exemplaren  zeigt  die  Dorsale  und  Anale  eine  etwas 
hellere,  grauviolette  Färbung;  die  untere  Hälfte  des  Rumpfes  ist 
häufig  goldgelb,  seltener  schmutzig  wässerig-violett,  die  obere 
Rumpfhälfte  bräunlich  violett. 

Die  Anale  ist  gelblich  bei  jungen  Individuen,  fast  rostroth  bei 
alten  und  am  hinteren  Rande  hell  grauviolett  gesäumt. 

Die  Schuppen  sind  endlich  hei  StromateusmicrocJni'ns  bedeutend 
kleiner,  als  bei  Str.  p'atola.  —  Vulgärname:  Panipano,  Pampol. 

Gatt.  Centrolophus  Lacep.,  Cuv.  Val. 
87.  Art.  Centrolophus  pompilus  Cuv.  Val. 

Selten  an  der  Ostküste  Spaniens  und  an  der  Westküste  Portugals 
(nach  Brito  Capello).  Wir  erhielten  während  unseres  fast  40tägi- 
gen  Aufenthaltes  in  Barcelona  ein  kleines  Exemplar,  ein  zweites, 
etwas  grösseres  in  Alicante. 

Bei  jungen  Individuen  von  8  —  9«//'  Länge  übertrifft  die  Körper- 
höhe die  Kopflänge  nur  unbedeutend  und  ist4'/4 — 42/3mal(bei  einem 
11"  langen  Exemplare  5mal),  die  Kopfläng«  42/3-,  etwas  mehr  als 
Smal  in  der  Totallänge,  der  Augendiameter  circa  Kmal  (bei  Indivi- 
duen von  11"  Länge  43/5mal)  in  der  Kopflänge  enthalten. 


370  Stei  n  d  ;)  eh  II  er. 

Die  Basislänge  der  Dorsale  verhält  sich  zur  Totallänge  wie 
1  :  2'/2  und  gleicht  daher  heiläufig  der  Hälfte  der  Körperlänge  (ohne 
Caiidale),  während  die  Basislänge  der  Anale  hei  Exemplaren  von 
9'/o"  Länge  etwas  mehr  als  4mal,  hei  kleineren  etwas  mehr  als 
4'/3mal  in  der  Totallänge  enthalten  ist. 

B.  7;  D.  38—40;  A.  24—25;  V.  1/5. 

In  der  Färhung  des  Körpers,  so  wie  in  der  Zeichnung  desselhen, 
stimmen  die  heiden  von  uns  untersuchten  Exemplare  der  spanischen 
Ostküste  genau  mit  Cuvier  und  Valencienne's  Ahhildung 
p1.  269  üherein. 

Vulgärname:  Pampano  (Alicante),  Pampol  (Barcelona), 
Pescada  preta  (Lissahon). 

Gatt.  Coryphaena  (Art.)  Cuv.  Val. 

88.  Art.  Coryphaeua  hippurus  Lin. 
Syn.   Coryphaena  dolphin  Cuv.  Val.   efc. 

D.  60—62;  A.  27—28. 

Von  dieser  Art  erhielten  wir  drei  Exemplare  während  unseres 
Aufenthalles  in  Santa  Cruz  de  Tenerife,  Lagos  und  Malaga  (April 
1865):  Professor  Machado  citirt  dieselhe  Art  auch  in  seinem  Cata- 
loge  der  Fische  von  Cadix  und  Huelva. 

Die  Länge  des  Kopfes  ist  hei  jungen  Exemplaren  von 
17"  10"  Länge  52/5mal  in  der  Totallänge  enthalten,  und  der 
größten  Leiheshöhe  gleich;  die  Länge  des  Auges  beträgt  1/5,  die 
Schnauzenläiige  nahezu  '/s,  die  Stirnbreite  s/ia  der  Kopflänge.  Die 
Entfernung  des  oberen  Augenrandes  von  dem  Beginne  der  Dorsale 
gleicht  fast  genau  der  Breite  der  Stirne.  Das  hintere  Ende  des  Ober- 
kiefers fällt  bei  geschlossenem  Munde  in  senkrechter  Richtung  etwas 
hinter  das  Centrum  des  Auges. 

Die  Dorsale  enthält  im  Ganzen  62  Strahlen  von  denen  die 
längsten  (17.  bis  18.)  kaum  die  Hüllte  der  Kopflänge  übertreffen. 
Das  hintere  Ende  der  Dorsale  ist  abgerundet;  die  ersten  Stralilen  der 
Dorsale  sind  sehr  kurz,  und  liegen  ganz  unter  der  dicken  Körperhaut 
verborgen,  welche  ich  an  dieser  Stelle,  um  die  Zahl  der  Strahlen  in 
der  Dorsale  genau  angeben  zu  können,  bei  einem  Exemplare  ablöste. 
Die  Länge  der  Ventralen  ist  circa  1  '/sUial,  die  der  Pectoralen 
etwas  mehr  als  \^/r,xn9\  in  der  Koptlänge  enthalten.  Die  Caudallappen 


Ichthyol.  Bericht  iiher  eine  nach  Spanien  ii.  Portugal  unternomm.  Reise.      »>  ^  I 

sind  stark  zugespitzt,  gleich  laug  und  übertreffen  die  Kopflänge  um 
11/2  Augendiameter. 

Die  .Anale  wird  von  27  Strahlen  gehildet,  von  denen  der  längste 
vierte  Sy.mal  inderKopflängeenthalten  ist.  [jängs  der  Basis  der  Dorsale 
ftegt  eine  Reihe  dunkler,  rundlicher  Flecken  von  bedeutender  Größe 
mit  mehr  oder  minder  hellem  Centrum  und  ausgezackten  Rändern, 
wie  sie  Bon  aparte  in  der  hekaimten  Fauna  italica  andeutet;  docii 
sind  sie  an  dem  von  uns  untersuchten  Exemplare  bedeutend  größer, 
und  nur  14—15  an  der  Zahl.  Die  übrigen  Flecken  des  Rumpfes 
sind  klein,  rund  und  unregelmäßig  über  die  Körperseiten  zer- 
streut. Der  tief  winkellörniig  eingebuchtete  liintere  Rand  der  lan- 
gen Scliwanzflosse  ist  dunkel  gesäumt.  Die  obere  Profillinie  des 
Kopfes  ist  bogenförmig  stark  gekrümmt,  und  zwar  am  stärksten  in 
der  Schnauzengegend. 

Zwei  größere  Exemplare,  von  denen  das  eine  bei  Lagos  (De- 
cember  1864),  das  andere  in  dem  weiten  Meerescanale  zwischen 
Tenerile  und  GranCanaria  gefischt  wurde,  unterscheiden  sich  von  den 
früher  beschriebenen  jüngeren  Individuen  in  mehreren  Punkten  und 
stimmen  fast  ganz  genau  mit  der  von  Cuvier  und  Valenciennes 
in  der  Histoire  naturelle  des  poissons  gegebenen  Abbildung  (pl.  266) 
überein;  sie  zeigen  wie  Coryphaena  dolphm  C.  V.,  einer  Varietät  von 
C.  hippurus,  zahlreiche  bellblaue,  theils  ovale,  theils  runde  Flecken 
auf  der  Rückenflosse. 

Die  Profillinie  des  Kopfes  ist  bei  alten  Exemplaren  von  C. 
Iiippurnfi  ähnlich  gekrümmt  wie  bei  jungen,  die  größte  Körperhöbe 
bei  einem  Exemplare  von  22"  1'"  Länge  circa  öVs^'d  (oder  nahezu  5mal 
in  der  Körperlänge  ohne  Caudale),  die  Kopflänge,  welche  die  Kopfhöhe 
beiläufig  um  die  Länge  eines  Auges  übertrifft,  etwas  mehr  als  yyjmal 
in  der  Totallänge,  der  .Niigeudiaineter  nahezu  ömal,  die  Schnauzenlänge 
fast  3nial,  die  Stirnhreite  'l^/ ,^\\\^A\,  die  Entfernung  der  Mitte  des 
oberen  Augenrandes  von  dem  Begiiuie  der  Dorsale  circa  2s/5mal,  die 
Länge  der  Pectorale  I  Yämal,  die  der  Ventrale  1 '/\mal  in  der  Kopflänge 
enthalten.  Die  Länge  der  stark  zugespitzten  Schwanzflossenlappen 
gleich'  circa  y^  Kopflängen. 

Die  Entfernnng  der  Narinen  vom  vorderen  Augenrande  beträgt 
circa  2/„  der  Augenlänge.  Das  hintere  Ende  des  Oberkiefers  fällt  bei 
geschlossenem  Munde  in  senkrechter  Richtung  etwas  hinter  die 
Augenmitte. 


o7*> 


S  t  e  i  II  <l  a  c  h  II  e  r. 


Die  spitzen  Kieferzähne  bilden  vorne,  in  der  Mitte  des  Zwisehen- 
iind  Unterkiefers  eine  sehr  breite  Binde,  an  den  Seiten  der  Kiefer 
steht  nur  eine  Zahnreihe.  Ein  großes,  rundliches  Paquet  kleiner 
Spitzzähne  liegt  am  Vomer  und  auf  der  Zunge.  Die  Gaumenzähne 
sind  in  einer  ovalen,  ziemlieh  breiten  Binde  gruppirt ,  die  der 
Außenreihe  übertreffen  in  ähnlicher  Weise  wie  in  der  Kiefermitte 
die  übrigen  Zähne  etwas  an  Größe. 

Die  Dorsale  beginnt  in  senkrechter  Richtung  genau  über  der 
hinteren,  knöchernen  Begrenzung  des  Auges ,  und  erreicht  über  dem 
16.  bis  19.  Strahle  die  bedeutendste  Höhe,  welche  die  Hälfte  der 
Koptlänge  ein   wenig  übertrifft. 

Die  Dorsale  enthält  60,  die  Anale  28  Strahlen.  Der  vierte, 
höchste  Analstrahl  erreicht  '/g  der  Koptlänge.  Der  erste  Analstraid 
ist  bei  dem  so  eben  beschriebenen  Exemplare  von  22"  1"  Länge 
von  dem  vorderen  Kopfende  Qi/,".  von  der  Basis  des  unteren  Cau- 
dallappens  7  '  7  ",  von  der  Basis  der  mittleren  Caudalstrahlen  81/2" 
entfernt,  somit  fällt  der  Beginn  der  Anale  nicht  genau  in  die  Mitte  der 
Körperlänge,  sondern  liegt  näher  zurCaudale  als  zur  Schnauzenspitze. 

Bei  dem  dritten,  größten  Exemplare  unserer  Sammlung  von  den 
canarischen  Inseln,  welches  35'  8'"  in  der  Totallänge  mißt,  beträgt 
die  Koptlänge  6"  3'",  die  größte  Leibeshöhe  6' ,  die  Schnauzenlänge 
2"  11/3",  die  Augenlänge  l"  '/V",  die  Augenhöhe  lü"',  die  Kopfhöhe 
5"  7</3"',  die  Länge  der  Pectorale  4"  4'",  die  der  Ventrale  5'  3«/«'", 
die  Caudallänge  8"6  ".  Die  Dorsale  wird  wie  bei  dem  Exemplare  von 
22"  1"' Länge  von  60,  die  Anale  von  28  Strahlen  gebildet;  der  höchste 
Dorsalstrahl  ist  4"  O'/a'",  der  letzte  Strahl  derselben  Flosse  1"  3'". 
der  achte  4'   6  "  lang. 

Abdominalwirbel   13,   Schwanzwirbel    17.  Kiemenstrahlen  7. 

Zunächst  der  Basis  der  Dorsalen  liegen  bei  älteren  Individuen 
stets  nur  kleine,  vollkommen  runde  Flecken,  welche  kaum  oder  nicht 
größer  als  die  übrigen,  theilweise  iiellblauen  (in  der  oberen  Rumpf- 
hälfte)  theilweise  goldbraunen  (im  unteren  Drittel  der  Rumpfliöhe 
vorkommenden)  Flecken  sind. 

Die  obere  Hälfte  der  Rumpfhöhe  ist  stets  bläulichgrau  mit  leb- 
haftem Silberschimmer,  die  untere  stark  gesättigt  hellgelb  oderweiß- 
'ichtgelb.  Hellblaue  Flecken  liegen  in  sehr  beträchtlicher  Zahl  auf  der 
schmutzig  grauvioletten  Dorsale,  erlöschen  aber  bald  bei  längere  Zeit 
in  Spiritus  aufbewahrten    Exemplaren;    die  Anale  ist  weißlichgelb. 


Ichthyol.  Bericht  ülier  eine  nach  Spanien  ii.  Hoilugal  untenjiiniin.  Reise.     3/3 

In  der  Zahl  der  Flossenstrahlen  stimmen  somit  alte  und  junge 
Hvemplare  ziemlich  genau  überein,  doch  ist  die  Koptlänge  bei  alten 
Exemplaren  stets  bedeutender  als  die  Höhe  des  Rumpfes  (bei  jungen 
Exemplaren  gleicht  die  Koptlänge  der  Riimpfhöhe)  und  die  großen 
Flecken  zunächst  der  Üorsalbasis,  welche  für  halberwachsene  In- 
dividuen charakteristisch  zu  sein  seheinen,  fehlen. 

V  u  I  g ä  r  n  a  m  e :  El  Austriaca  (Cadix  nach  Prof.   M  a  c  h  a  d  o). 

89.  Art.  Coryphaena  pelagica  (Linne)  Risso,  Bonap. 

S  y  n .  Lampugus  sieulus  C  u  v.  V  a  1 . 
Coryphaena  azorica  C.  V.  etc. 

D.  57;  A.  24—25. 

Wir  sammelten  von  dieser  äußerst  zierlichen  und  schlanken  Art, 
welche  in  den  südöstlichen  Theilen  der  spanischen  Küste,  so  wie  in 
Sicilien  nicht  besonders  selten  vorzukommen  scheint,  zwei  kleine  Exem- 
plare von  13 — 14"  Länge  bei  Motril  und  Malaga  (April  1865),  nach 
C  u  V  i  e  r  und  V  a  1  e  n  c  i  e  n  n  e  s  kommt  Coryphaena  pelagica  auch  in 
der  Nähe  der  Azoren  vor. 

Die  obere  Profillinie  des  Kopfes  erhebt  sich  bei  den  von  uns 
untersuchten  Exemplaren  minder  steil  zum  Nacken  und  ist  in  der 
Schnauzengegend  schwächer  gekrümmt  als  bei  der  früher  erwähnten 
Coryphaena  hippurus,  doch  stärker  gebogen  als  es  auf  Bona- 
p arte's  Abbildung  in  der  Fauna  italica  ersichtlich  ist. 

Die  größte  Körperhöhe  ist  bei  Exemplaren  von  13  — 14"  Länge 
etwas  geringer  als  die  Kopflänge  und  ein  wenig  mehr  als  6 — 6  2/,,  mal, 
die  Kopflänge  aber  5^  ,,— 55/8mal,  die  Länge  der  schlanken  Caudale 
4'/9— 4<2/i7mal  in  der  Totallänge,  der  Augendiameter  4 — 4i/2n^al, 
die  Schnauzenlänge,  welche  der  Stirnbreite  gleicht,  3  i/g — Si/^mal, 
die  Entfernung  des  oberen  Augenrandes  von  dem  Beginne  der  Dor- 
sale 23/4 — 3mal,  die  Länge  der  Pectorale  circa  l^/,-  etwas  mehr  als 
Is/imal,  die  Länge  der  Ventrale  l5/jg  — 1  i/^mal  in  der  Kopflänge 
enthalten. 

Die  Dorsale  enthält  bei  jedem  der  uns  zur  Beschreibung  vor- 
liegenden Exemplare  57,  die  Anale  24—25  Strahlen,  während  bei 
älteren  Individuen  die  Zahl  der  Dorsalstrahlen  nur  53 — 54  beträgt; 
eine  ähnliche  Verminderung  der  Strahlen  in  der  Dorsale  im  höheren 
Alter  zeigt  auch  C.  hippurus. 


374  S  t  e  i  n  d  a  f  h  n  e  r. 

Die  größte  Höhe  der  Dorsale  über  dem  17.  bis  19.  Stralile 
beträgt  nur  wenig  mehr  als  die  Haltte  der  Koptläiige.  17 — 18  rund- 
liche, dunkelbraune  Flecken  mit  hellerem  Centrum  liegen  zunächst 
der  oberen  Protillinie  des  Ko{)l"es  und  Rumpfes;  viel  kleinere  Flecken 
sind  bei  manchen  Individuen  über  die  Seiten  des  Körpers  bis  zur 
ßauchlinie  hinab  unregelmäßig  vertheilt,  während  sie  bei  anderen 
Individuen  spurlos  fehlen. 

Die  Enlferimng  der  einander  sehr  nahe  liegenden  Narinen 
gleicht  der  Hälfte  der  Augeidänge;  eine  ziemlich  tiefe  Furche  zieht 
vom  vorderen  Augenrande  zu  den  Narinen  wie  bei  Coryphueua 
hippurus. 

Die  Seitenlinie  erstreckt  sich  bis  zum  hinteren  Ende  der  mitt- 
leren, kürzesten  Caudalstrahlen  und  durchbohrt  circa  260  —  270 
Schuppen  bei  den  von  uns  untersuchten  Exemplaren. 

V u  1  g  ä  r  n  a  m  e :  Dorado. 

90.  Art.  Cor)^phaena  equisetis  Lin.  Val. 

Diese  Art  wird  zuweilen  in  der  Nähe  der  canarischen  Inseln,  sehr 
selten  im  Mittelmeere  gefischt.  —  Machado's  Coriphaena  impe- 
rialk  (C.  equisetis  Risso^  dürfte  höchst  wahrscheinlich  der 
C.  equisetis  L.  entsprechen;  leider  sind  Rafinesque's  und 
Riss  OS  Beschreibungen  von  Coryphaena  imperialis^^  und  C.  equi- 
setis ■2)  zu  unvollständig,  als  daß  sich  die  Identität  dieser  Arten  mit  C 
equisetis  Lin.  Val.  mit  voller  Sicherheit  nachweisen  ließe,  weßhalb 
auch  auf  Machado's  einfaches  Cital  kein  besonderes  Gewicht  gelegt 
werden  kann. 

V u  1  g  ä  r  n  a  m  e :  DorncIo  (Cadix  nach   M  a  c  h  a  d  o). 

Gatt.  Brama  (S  c  h  n  e  i  d.J  Riss  o. 

9j.  Art.  Brama  Raji  Bleck.  Sehn. 

Syn.  Chaedoton  umhrntns  Cabrera  (s.  Machado's   Catal.  de  los  Pete 
de  Cadix  eto.  pag,  23,  Species  ignotae). 

Diese  Art  sah  ich  in  zahlreichen  Exemplaren  auf  den  Fisch- 
märkten zu  Genua  und  Rareelona  in  den  Monaton  Juni  und  Juli  1864, 


')   Rüfinesque.  CarHtteri,  pag.  33,  84  spec. 
~)  Risso,  Iclithyologie  de  Niee,  pag.  179. 


k'htliyol.  Bericht  über  i-iiu'  iiaeli  S|>iinieii  u.  Portugal  uiiteriioimn.  Heise,     ol  O 

in  sehr  geringer  Individut'iizahl  zu  Malaga,  Valencia,  Cadix  und  Lis- 
sabon so  wie  auf  dem  Fiscinnarkte  zu  Santa  Cruz  de  Tenerife. 

Brama  Raji  hält  sich  in  betiächtlicher  Tiefe  auf  und  nähert 
sich  nur  zur  Laichzeit  in  kleinen  Schaaren  der  Küste,  sein  Verbrei- 
tungsbezirk ist  von  bedeutendem  l'nifange  und  erstreckt  sich  zum 
mindesten  von  den  Küsten  Englands  bis  zum  Cap  der  guten  Hoffnung; 
das  Fleisch  ist  wohlschmeckend  und  geschätzt. 

Das  größte  Exemplar  unserer  ^Sammlung  ist  23",  das  kleinste 
lö"  lang. 

Die  Länge  des  Kopfes  ist  stets  etwas  weniger  als  omal  {^i'^-j-i-, 
bis  4ayj.jmal),  die  größte  Hölie  des  Rumpfes,  welche  zwischen  der 
Einlenkungsstelle  der  Ventrale  und  dem  Beginne  der  Dorsale  liegt, 
etwas  mehr  oder  weniger  als  3mal  in  der  Totallänge,  der  Augen- 
diameter  bei  Exemplaren  von  lö"  Länge  etwas  weniger,  bei  großen 
Individuen  von  circa  23"  Länge  genau  4mal,  die  Schnauzenlänge 
32/3 — Syeni'*'.  flie  directe  Entfernung  der  Augen  von  einander 
32/3mal  (bei  großen  Exemplaren)  bis  33/5mal  i»  tler  Kopflänge 
enthalten. 

Der  hintere  Rand  des  Auges  fällt  genau  oder  nahezu  in  die 
Mitte  der  Kopflänge,  das  hintere  Ende  des  überschuppten  Oberkiefers 
in  senkrechter  Richtung  unter  den  hinteren  Augenrand. 

Die  vordere  Narine  bildet  einen  langen,  schief  gestellten  Schlitz 
und  liegt  ziemlich  nahe  dem  vorderen  Augenrande;  die  vordere 
Narine  ist  oval,  viel  kürzer  als  die  vordere  und  bei  alten  Individuen 
eben  so  weit  vom  vorderen  Augenrande  als  von  der  Schnauzenspitze 
entfernt,  während  sie  bei  jungen  Exemplaren  etwas  weiter  von  erste- 
rem  als  von  letzterer  abstellt. 

Die  Mundspalte  ist  nahezu  halb  so  lang  wie  der  Kop!",  schief 
nach  vorne  und  oben  gerichtet.  Die  Kieferzähne  sind  haken- 
förmig schwach  gekrümmt,  stark  zugespitzt;  im  Unterkiefer  sind 
die  Zähne  der  innersten  Reihe  bedeutend  länger  als  die  übrigen, 
insbesondere  zeichnen  sich  die  beiden  vordersten  Zähne  der  Innen- 
reihe durch  ihre  auffallende  Länge  und  starke  hakenförmige  Krüm- 
mung vor  allen  übrigen  aus.  Zunächst  den  Mundwinkeln  liegt  nur 
eine  Zabnreihe  im  Unterkiefer.  Im  Zwischenkiefer  dagegen  sind 
die  Zähne  der  Außenreihe  länger  als  die  der  übrigen ,  doch  nur 
eben  so  lang,  wie  die  gegenüberliegenden  Unterkieferzähne  der 
Außeiu'eihe. 


OiO  S  t  e  i  n  d  a  c  li  u  e  r. 

Die  Vomer-  und  Gaumenzäline  sind,  wenn  vorhanden ,  von 
geringer  Größe;  im  Vomer  liegen  die  Zähne  hei  einem  Exemplare 
unserer  Sammlung  in  einer  Reihe,  fehlen  aher  allen  übrigen  Exem- 
plaren vollständig.  Die  Gaumenzähne  hilden  eine  ziemlich  breite 
Binde,  sind  sehr  zahlreich  und  scheinen  nur  selten  zu  fehlen, 
wenigstens  vermisse  ich  sie  bei  keinem  der  von  uns  untersuchten 
Exemplare. 

Die  obere  Profillinie  des  Kopfes  ist  stark  gekrümmt,  und  zwar  bei 
jüngeren  Exemplaren  in  einer  fast  gleichmäßig  gebogenen  Curve. 
Bei  alten  Individuen  fällt  diese  Koptlinie  steiler  zur  Schnauze  ab  und 
ist  zugleich  schwächer  gebogen  als  bei  jüngeren,  außerdem  zeigt 
sich  noch  bei  ersteren  eine  ziemlich  tiefe,  quere  Einbuchtung 
unmittelbar  am  vorderen  Schnauzenende,  welche  bei  jungen  Exem- 
plaren nur  schwach  angedeutet  ist  oder  gänzlich  fehlt. 

Die  Nackenlinie  erhebt  sich  bis  zum  Beginne  der  Dorsale  und 
ist  bei  jungen  Exemplaren  schwach  bogenförmig  gekrümmt,  während 
sie  bei  ganz  alten  Exemplaren  fast  in  gerader  Richtung  und  zu- 
gleich etwas,  steiler  ansteigt.  Längs  der  Basis  der  Dorsale  ist  die 
Rückenlinie  schwacli  gebogen  und  senkt  sicli  allmälig  bis  zum 
Schwanzstiele.  Die  Bauchlinie  erreicht  ihren  tiefsten  Stand  am 
Beginne  der  Anale,  erhebt  sich  von  dieser  bis  zur  Einlenkungs- 
stelle  der  Ventrale  nur  wenig,  von  der  Ventralbasis  aber  angefan- 
gen bis  zur  Kinnspitze,  welche  bei  alten  Exemplaren  viel  schärfer 
als  bei  jungen  hervortritt,  in  starker  Bogenkrümmung;  längs  der 
Anale  steigt  die  Bauchlinie  rasch,  in  schiefer  Richtung  bis  zum 
Schwanzstiele  empor. 

Die  Pectorale  ist  von  aulfallender  Länge,  säbelföi-mig  gekrümmt, 
zugespitzt  und  circa  1  '/sUial  so  lang  wie  der  Kopf.  Der  hintere  Brust- 
flossenrand ist  concav  und  nur  im  untersten  Theile  schwach  convex. 
Die  ziemlich  tiefe  Grube  hinter  der  Pectoralbasis  wird  durch  eine 
fächerförmig  sich  ausbreitende  Gruppe  langer  Flügelschuppen 
überdeckt. 

Die  Ventralen  sind  kurz,  gleichen  an  Länge  nur  '/s  des  Kopfes 
und  zeigen  wie  die  Pectorale  eine  schmutzig  röthlichgelbe  Färbung. 
Die  Ventrale  ist  an  der  Unterseite,  und  zwar  die  vier  äußeren 
Strahlen  in  der  basalen  Längenhälfte,  der  innerste  Strahl  aber  der 
ganzen  Länge  nach  beschuppt;  eine  lange  Spornschuppe  liegt  an  der 
Außenseite  der  V^entralbasis. 


Ichthyol.  Berieht  iiher  eine  iiiH'h  .Spanien  n.  I'orliifjal  nntei'n<inini.  Reise.     3T7 

Der  vorderste  Tlieil  der  langen,  vollständig  beschuppten  Dorsale 
nnd  Anale  erhebt  sich  sicheirörmigziieinerziemiich  bedeutenden  Höhe: 
die  größte  Höhe  der  Dorsale  ist  1 '/o — Is/.mal,  die  der  Anale  22/5 
(bei  Exemplaren  von  15"  Länge)  — 2ma!  in  der  Koptlänge  enthalten; 
die  letzten  Strahlen  der  Dorsale  und  Anale  sind  ein  wenig  höher  als 
die  unmittelbar  vorangehenden. 

Die  Caudallappen  sind  stark  zugespitzt  und  säbeltörmig  ge- 
bogen ;  die  Länge  derselben,  vun  der  Basis  der  vordersten  Stütz- 
strahlen genommen,  gleicht  I  '/g —  1  '/s  Kopflängen.  Die  Caudale  ist 
wie  die  Dorsale  und  Anale  vollständig  mit  kleinen  Schuppen  bedeckt. 
Die  Schuppendes  Körpers  sind  von  sehr  verschiedener  Größe  und  regel- 
mäßiger, balistesähnlicher  Lagerung.  Die  größten  Rumpfschuppen 
liegen  in  der  unteren  Körperhälfte  und  sind  höher  als  breit,  nur  die 
Schuppen  zunächst  der  Bauchlinie  sind  eben  so  klein  wie  die  im 
obersten  Theile  des  Rückens  gelegenen  Schuppen.  Die  Schuppen  des 
Kopfes  sind  durchschnittlich  kleiner  als  die  des  Rumpfes,  die 
kleinsten  Kopfschuppen  liegen  zunächst  den  Augenrändern. 

Die  Seitenlinie  ist  in  der  Regel  nur  schwach  angedeutet  und  bei 
mehreren  der  von  uns  untersuchten  Exemplaren  stellenweise  nicht 
entwickelt.  Sämmtliche  Körperschuppen  sind  ziemlich  dünn  und  mit 
zahlreichen  zarten  Radien  und  Poren  versehen. 

Die  Färbung  des  Körpers  variirt  und  ist  bald  dunkelgrau,  !>ald 
dunkel  bräunlichviolett,  stets  aber  mit  lebhaftem  silbergrauen 
Schimmer  überflogen. 

Kiemenstrahlen  7,  Nebenkiemen  stark  entwickelt;  Rechenzähne 
an  der  Außenseite  des  ersten  Kiemenbogens  sehr  lang  und  mit  zahl- 
reichen haarförmigen  Stachelchen  besetzt. 

D.  3/33;  A.  2/28-30;  P.  22. 

Vulgärname:  Chaputa,  Freira  (Lissabon);  Castmiola  (Bar- 
celona), Xoputa  (Cadix),  Pez  toston  (Santa  Cruz  de  Tenerife). 

Gatt.  Schedophilus  Cocco. 
92.  Art.  Schedophilus  medasophagas  Cocco. 

Von  dieser  an  der  Ostküste  Spaniens  sehr  selten  vorkümnieiulen 
Art  erhielt  ich  zwei,  leider  stark  beschädigte  Exemplare  während 
meines  Aui'enthalles  in  Motril. 

Sitzh    (1.  niatheni.-natiiiw.  Cl.  I.VII.  Bd.  I.  .\l.lli.  25 


378  S  t  e  i  i;  (I  ii  r  li  II  e  r. 

Die  größte  Hohe  des  Körpers  ist  bei  Exemplaren  von  T'/a"  Länge 
genau  2mal  in  der  Körper-  oder  nahezu  2'/3mal  in  der  Totallänge, 
bei  kleineren  Exemplaren  von  4-/4"  Länge  aber  circa  2i/4mal  in  der 
Körper-  und  circa  3mai  in  der  Totallänge,  die  Kopflänge  bei  ersteren 
o-jUial,  bei  letzteren  aber  nur  unbedcnitend  mehr  als  3mal  in  der 
Körperlänge  enthalten. 

Der  Diameter  des  Auges  verhält  sich  zur  Kopflänge  wie  I  :  4"/^ 
bei  älteren,  wie  1  :  83/4  bei  jüngeren  Exemplaren;  die  Schnauzen- 
länge ist  stets  4mal,  die  Stirnbreite  beiläufig  3i/s — 3ma1  in  der  Kopf- 
länge enthalten. 

Die  Kiel'erzähne  sind  zart,  zahlreich,  am  freien  Ende  nur 
schwach  kegelförmig  zugespitzt  und  stehen  in  einer  Reihe  dicht 
gedrängt  neben  einander.   V^omer-  und  Gaumenzähne  fehlen. 

Das  hintere  Ende  des  Oberkiefers  fällt  bei  geschlossenem  Munde 
in  senkrechter  Richtung  ehvas  hinter  die  Mitte  des  Auges.  Die  Mund- 
spalte ist  schief  nach  oben  gerichtet,  die  Schnauze  vorne  abgerundet. 
Kiemenstrahlen  7,  Nebenkiemen  stark  entwickelt,  Rechenzähne 
an  der  Vorder-  oder  Außenseite  des  ersten  Kiemenbogens  sehr  lang. 
Die  Stacheln  an  und  zunächst  dem  Vordeckelwinkel  sehr  lang, 
und  wie  die  viel  kürzeren  am  unteren  Rande  des  Zwischendeckels  sehr 
gebrechlich. 

Die  Länge  der  Ventrale  gleicht  bei  jungen  Individuen  von  4  bis 
5"  Länge  circa  s/^  der  Totallänge,  Anale  und  Dorsale  nehmen  gegen 
den  hinteren,  zugespitzten  Winkel  an  Höhe  zu.  Die  Caudale  ist  an 
den  Winkeln  mäßig  zugespitzt  und  am  hinteren  Rande  schwach 
concav,  nicht  winkelförmig  eingeschnitten,  wie  Bonapa rte's  Ab- 
bildung zeigt. 

Die  Anale  enthält  bei  jedem  der  von  uns  untersuchten  Exemplare 
31  Strahlen,  von  denen  der  letzte  bis  auf  den  Grund  gespalten  ist. 

Die  obere  Profillinie  des  Körpers  erhebt  sich  von  der  Si'hnauzen- 
spitze  bis  zum  Beginne  der  Dorsale  und  zwar  steiler  bei  alten  als  bei 
jungen  Exemplaren;  sie  bildet  in  der  Schnauzen-Stirngegend  und  am 
Nacken  eine  starke Bogenkrümmung,  während  sie  in  der  Scheitelgegend 
stark  eingedrückt  ist.  Die  breite  Stirne  ist  querüber  stark  gewölbt. 

Die  Schuppen  des  Rumpfes  sind  klein,  rundlich  und  mit  zahl- 
reichen, deutlich  ausgeprägten  concentrischen  Ringen  versehen. 
Gegen  das  hintere  Ende  jeder  Schuppe  liegen  2 — 3  ziemlich  lange 
Stachelchen   hinter  einander   in  einer  horizontalen  Linie  und  stehen 


Iclithyol.  Bericht  über  eine  nach  Spanien  u.  I'orfujral  unternoiiini.  Reise.     370 

uiitei"  einem  spitzen  VV^inkel  von  der  Scluippenfläche  ah;  bei  jjanz 
jnngen  Plvemplaren  sind  sie  änßerst  schwach  entwickelt  und  scheinen 
den  kleinen  Schuppen  des  Kopfes  stets  zu  fehlen. 

Die  Zeichnung  des  Körpers  ist  nach  dem  Alter  verschieden;  hei 
jungen  Individuen  liegen  schwärzlichbraune,  sehr  verschieden  gestal- 
tete Flecken  und  Zickzackstreifeii  unregelmäßig  an  den  Seiten  des 
Rumpfes,  auf  der  Caudale  und  dem  basalen  Theileder  zart  beschuppten 
Rücken-  und  Afterflosse;  bei  alten  Exemplaren  von  circa  7'/^"  Länge. 
Dagegen  ziehen  ziemlich  breite  Binden  mit  mäßiger  Neigung  nach 
hinten  und  oben,  sind  in  der  Pectoralgegend  am  schärfsten  ausgeprägt 
und  verlieren  sich  über  der  Seitenlinie  vollständig,  während  sie  zu- 
nächst der  Bauchlinie  und  im  basalen  Theile  der  Anale  durch  große, 
schwach  angedeutete,  runde  Nebelflecken  ersetzt  werden.  Am  Kopfe 
laufen  stets  netzförmig  verschlungene,  dunkle  Linien  und  Streifen 
strahlenförmig  vom  Auge  aus.  Dorsale,  Anale,  Pectorale  imd  Ventrale 
gehen  gegen  das  freie  Ende  der  Strahlen  ins  Schwärzliche  über.  Die 
Grundfarbe  des  Körpers  ist  grünlichbraun. 

D.  35—47;  A.  31;  V.  1/5;  F.  21. 

93.  Art.  Schedophilus  Butter!  Heck,  (in  lit.) 
D.  36;  A.  23;  V.  1/5;  P.  21. 

Die  Körpergestalt  dieser,  wie  ich  glaube,  noch  unbeschriebenen 
Art,  ist  eben  so  gedrungen  wie  bei  Seh.  medusophagus;  die  obere 
Profillinie  des  Kopfes  steigt  aber  bedeutend  steiler  an  und  ist  in  der 
Schnauzengegend,  so  wie  insbesondere  am  Hinterhaupte  bis  zum  Be- 
ginne der  Dorsale  stärker  gekrümmt  als  bei  letzterer.  Die  Stirne 
ist  flach. 

Die  Höhe  des  Körpers  ist  nahezu  3nial  in  der  Total-  und  etwas 
mehr  als  2mal  in  der  Körperlänge,  die  Kopflänge  nahezu  2i/,mal  in 
der  Körperlänge,  der  Diameter  des  großen  Auges  23/5mal,  die  Breite 
der  flachen  Stirne  3'/2mal,  die  Länge  der  kurzen  Schnauze  fast  5mal 
in  der  Kopflänge  enthalten. 

Die  einreihigen  Kieferzähne  sind  länger,  minder  zahlreich  und 
stärker  zugespitzt  als  bei  Seh.  medusophagus  und  zugleich  haken- 
förmig gekrümmt,  die  Zähne  am  Vordeckel  viel  zahlreicher  aber 
bedeutend  kürzer  als  bei  letztgenannter  Art.  Die  Vordeckelzähne 
nehmen  nämlich  flen  ganzen  hinteren  und  unteren  Rand  des  Knochens 

23' 


3  80  S  t  p  i  n  rl  ;i  c  h  n  p  r. 

t'iii,  die    Zälinehen    am    Zw  iseliciKlcckel    dagegen  dürften  ein  wenig 
sliirkei'  als  hei  Seh.  mcdusophagus  sein. 

Die  Neutralen  erreichen  mit  der  Spitze  ihrer  horizontal  znriick- 
gelegten  Strahlen  die  Basis  der  ersten  Analstrahlen,  was  bei  Seh. 
nii'fliiüophfif/Ns  nicht  der  Fall  ist,  und  sind  bezüglich  ihrer  Länge 
nahezu  I  \  l^ny,^\  in  der  Kopflänge  enthalten  oder  circa  '/^  der  Total- 
lange  gleich. 

Die  Dorsale  enthält  nur  36,  die  Anale  23  Strahlen,  die  letzteren 
derselben  sind  leider  an  dem  uns  zur  Besehreibung  vorliegenden 
Exemplare  abgebrochen,  doch  dürfte  die  größte  Höhe  dieser  beiden 
Flossen  fast  in  die  Mitte  der  Flossenlänge  fallen. 

Die  (lestalt  und  Stnictur  der  Schuppen  ist  dieselbe  wie  bei 
Si'h.  incdusophdguf!,  doch  fehlen  die  Schuppenstacheln  dem  von  uns 
untersuchten,  nur  2"  5'"  langen  Exemplare;  höchst  wahrscheinlich 
dürften  sie  aber  bei  älteren  Individuen  zur  Entwicklung  kommen. 

Die  Grundfarbe  des  Körpers  ist  röthlichviolett,  die  des  Kopfes 
bräunlich;  der  ganze  Körper  ist  mit  dunkelvioletten,  zahlreichen 
Punkten  übersäet,  der  Rumpf  überdies  noch  mit  schwärzlichen,  nicht 
scharf  abgegrenzten  Querbinden  oder  querbindenfiirmig  gestellten 
Flecken  geziert,  welche  sich  auch  über  den  basalen  Theil  der  Rücken- 
uiKJ  Afterflosse  hinziehen.  Vor  dem  hinteren  concaven  Rande  der 
hell  bräunlicbgelben  Caudale  und  parallel  mit  demselben  liegt  eine 
von  dicht  an  einander  gereihten  Punkten  gebildete  Qiierbinde. 

Durch  die  aulTallende  Größe  der  Augen,  die  geringe  Zahl  der 
Dorsal-  und  Analstrahlen  und  das  Vorkommen  von  Querbinden  unter- 
scheidet sich  Seh.  Botteri  leicht  voi\  Seh.  medusophugui^. 
Fundort:  Barcelona  (und  Lesina  in  Dalmatien). 

Gatt.  Diana  Risso. 

94.  Art.   Diana  srmilouata  Risso. 

Syn.  Aulrodenii/is  con/phaenoides  C  ii  v.  V  a  1. 

Das  in  unserem  Resitze  beflndl  iche,  etwas  mehr  als  20"  lange  Exem- 
plar stimmt  in  der  Körpergestalt  und  Flossenform  ganz  genau  mit  der 
von  Cuvier  und  Valenciennes  gegebenen  Abbildung  (Hist.  nat. 
des  poissons,  Atlas,  pl.  270)  überein,  zeigt  dagegen  nur  wenig  Ähn- 
lichkeit mit  Bonapart e's  Abbildung  (in  der  Fauna  italica),  die  wir 
zum    mindesten    in  der  Kopfform   als  verfehlt  bezeichnen    möchten; 


Iclilhyol.  lieriflit  ül/er  eiiip  iiai-li  S(j;iiiieii  ii.  l*i.rlii^;il  uiiterii«iiiMi.  Heise.     Ool 

die  Länge  der  Dorsal-  und  Analsiralilen  dagegen  scheint  je  nach 
dem  Alter  verschieden  und  vielleicht  auch  vom  (ieschlechte  abhängig 
zu  sein. 

Die  größte  Höhe  des  Körpers  ist  ein  wenig  mehr  als  3mal,  die 
KopHänge  nahezu  4mal,  die  Länge  der  Pectorale  genau  4mal  in  der 
Kürperlänge  (bis  zur  Basis  der  mittleren  Caudalstrahlen),  der  Augeii- 
dianieter  etwas  mehr  als  6mal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Dorsale  und  Anale  sind  tief  blauschwarz,  Caudale  und  Pectorale 
orangegelb.  Der  Ventralstachel  ist  kurz,  stark  und  gezähnt.  Kiemen- 
strahlen 5,  Nebenkiemen  stark  entwickelt. 

Dem  von  uns  untersuchten  Exemplare,  N\'elches  leider  stark  be- 
schädigt und  ausgeweidet  ist,  fehlen  Zungenzähne. 

D.  22;  A.  18. 
Fundort:  Taragona. 

Gatt.  Ausonia  Risso. 

93.  Art.  Aasonia  Cuvieri  Risso, 
S  y  n.  Liivariis  impcrialls  R  a  fi  n. 

Kommt  nach  Machado  in  der  Meerenge  von  Gibraltar  und  zu- 
fälligerweise auch  an  der  Küste  nordöstlich  von  Cadix  vor,  wir  selbst 
erhielten  ein  trocken  präparirtes  Exemplar  in  Barcelona. 

Vulgärname:  Emperador  (nach  Machado). 

Gatt.  Lampris  Retz. 

96.  Art.   Lampris  luna  (spec.)  Lin. 

Selten  an  der  Westküste  Portugal's  und  bei  Tenerife,  noch 
seltener  wie  es  scheint  an  der  Ostküste  Spanien's.  Wir  salien 
mehrere  trockene  Exemplare  von  sehr  bedeutender  Gröüe  zu  Santa 
Cruz  de  Tenerife,  und  Barcelona  (im  Besitze  von  Privaten),  n\ eiche 
in  der  Nähe  dieser  Städte  gefangen  wurden. 


»( O  C  S  t  e  i  II  (I  :i  !•  Ii  n  e  r. 

Farn.   C'araii'Si'ida«'  Günther  (i)art. ). 

(thi  I.  Caranx  Cnv.  Val. 

97.  Art.  Caraux  (racliurus  (s|n'f.)  Lin..  Tiiv.  Vnl.  (part.). 
Syn.  Caranx  declivis  .Iimi. 

Die  kleinsten  Exemplare  iinseroi-  Sanimliinü- siiul  Ii'/,  — 4",  die 
größten  141/0"  lang. 

Die  Kopflänge  ist  nahezu  4  -  4yomal,  die  grüßte  I^eiheshöhe  Ss/4 
(hei  ganz  jnngeii  fndividnen)  his  önial  in  der  Totallänge,  der  Augen- 
diameter  hei  ganz  jungen  Exemplaren  von  S'/g — 8"  Länge  S'/j  bis 
Si/aTnal,  bei  älteren  von  1 1  — 1  ö"  Länge  aber  nahezu  4  — 4ysmal,  die 
Stirnhreite  zwischen  der  Mitte  der  oberen  Angenränder  4  — 4i/,ma]. 
ilie  Sehnanzenlänge  31/4 — Sytmal,  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Die  grüßte  Leibeshithe  fällt  in  der  Regel  zwischen  den  Beginn 
der  ersten  Dorsale  und  der  Einlenkungsstelle  der  Ventrale,  zuweilen 
aber  auch  zwischen  den  Beginn  der  zweiten  Dorsale  und  der  Anale. 
Charakteristisch  für  Carranv  frachurufi  ist  die  starke  bogen- 
fürniige  Krümmung  der  mit  Schienen  überdeckten  (unteren)  Seiten- 
linie luiter  dem  Beginne  der  zweiten  Dorsale.  Der  horizontal  verlau- 
fende, hinter  der  bogenfitrmigen  Krümmung  liegende  Theil  dieser 
vSeJtenlinie  ist  stets  etwas  länger  (durchschnittlich  um  eine  Augenlänge} 
als  die  vordere  llälfle.  Der  längs  der  Basis  der  Rückenflossen  hinlau- 
fende obere  Seiiencanal  theilt  sich  am  oberen  hinteren  Ende  des 
Kopfes  in  zwei  Aste,  einer  derselben  läuft  nach  vorne  zur  Stirne  und 
Schnauze,  während  der  zweite  Ast  im  Bogen  zum  oberen  Rande  des 
Kiemendeckels  zieht  und  sicli  daselbst  mit  der  zweiten  Seitenlinie, 
welche  mit  Schildern  oder  Schienen  bedeckt  ist,  an  deren  Beginne 
vereinigt. 

Die  säbelförmig  gebogene  Pectorale  ist  stets  ein  wenig  kürzer 
als  der  Kopf  und  endigt,  horizontal  zinnickgelegt,  nach  hinten  in 
senkrechter  Biehtiing  etwas  vor  dem  Beginne  der  Anale  (hei  Aus- 
schluß der  Vorstacheln). 

Der  dritte.  In'iehsle  Stachel  der  ersten  Dorsale  übertrifft  die 
Hallte  der  Kopflänge  mehr  oder  minder  bedeutend,  und  der  höchste 
(Jüederstrabl  der  zweiten  Dorsale  ist  circa  Vs"!'""'  •*^"  lang,  als  der 
bitchste  Stachel  der  ersten  Rückenflosse.  Nur  in  seltenen  Fällen 
gleichen  sieh  die  hüclisten  Strahlen  beider  Dorsalen  an  Hidie  und 
erreielien  genau  die  Hallte  der  Kdpllänge. 


Ichtliyol.  Bericht  üIut  eirn-  iiju'h  .SpKiiieii   ii.  Pni-tiigal  iiilteriiniiiin.  Keise.     OÖO 

Als  eine  Folge  des  ungeheuer  weiten  Verhreitungsbezirkes  dieser 
Art,  welcher  sämmtliche  Meere  der  gemäßigten  Zone  umfaßt,  ergibt 
sich  das  Auftreten  zahlreicher  Localvarietäten,  welche  in  der  Zahl  und 
Größe  der  Schilder  auf  der  unteren  der  beiden  Seitenlinien  bedeutend 
von  einander  abweichen. 

Die  an  der  Westküste  Europa's  von  Gibraltar  bis  Bergen  sehr 
häufig  vorkommende  Varietät  (car.  A  sive  vnlyarh)  ist  ausge- 
zeichnet durch  die  Größe  und  geringe  Zahl  der  Schilder  an  den 
Seiten  des  Rumpfes;  ihre  Zahl  beträgt  70  — 7o,  und  nur  selten 
76  —  79. 

Die  Schilder  der  Seitenlinie  sind  l'erner  bei  Variatio  A  sehr 
stark  entwickelt  (und  zwar  durchschnittlich  ein  wenig  höher  bei 
Exemplaren  von  der  Westküste  Europa's  als  bei  jenen  derselben 
Varietät  aus  dem  Mittelmeere)  und  längs  der  hinteren,  horizontal 
laufenden  Hälfte  der  Seitenlinie  nur  wenig  höher  als  in  dem  vorderen 
Theile;  zuweilen  sind  die  Schilder  beider  Längenhälften  an  Höbe 
nicht  von  einander  unterschieden,  die  höchsten  Schilder  erreichen 
an  Höhe  circa  Vg — Yio  der  Augenlänge. 

Eine  zweite  Varietät  (B)  ist  charakteristisch  für  das  Mittelmeer, 
weßhalb  ich  sie  als  Variatio  mediterraiiea  bezeichnen  möchte,  und 
kommt  nur  selten  an  der  Sudwestküste  Europa's  vor.  Bei  dieser 
schwankt  die  Zaiil  der  Rumpfschilder  zwischen  79 — 86.  Die  Schilder 
im  vorderen  Theile  der  Seitenlinie  (bis  zum  Ende  der  Krümmung 
unter  dem  Beginne  der  zweiten  Dorsale)  sind  unter  sich  gleich  hoch 
und  fast  nur  Vsmal  so  lioch  als  die  in  der  hinteren,  horizontal 
liegenden  Hälfte  der  Linea  lateralis  befindlichen  Schilder,  welche 
gleichfalls  schwächer  entw  ickelt  sind  ,  als  bei  der  Variatio  A.  Die 
größte  Leibeshöhe  finde  ich  bei  sämmtlichen  im  Wiener  Museum 
befindlichen  Exemplaren  der  z\\eiten  Varietät  aus  dem  Mittel-  und 
Marmora-Meere  nur  2y,,  der  Totallänge  gleich. 

Die  Zahl  der  (Jliederstralden  in  der  zweiten  Dorsale  beträgt  bei 
Caranx  trachiirus  in  der  Regel  30  —  32,  in  der  Anale  26 — 28; 
ausnahmsweise  kommen  jedoch  in  erstgenannter  Flosse  auch  33 — 33, 
in  der  Afterflosse  29 — 33  Gliederstrahlen  vor  und  zwar  sowoiil  bei 
Variatio  A,  als  bei  Var.  fi;  aus  diesem  Grunde  möchte  ich  Cai'anx 
(leclivis  Jen.  (Zool.  of  the  Voyage  of  H.  M.  S.  Beagle,  Fish., 
jtag.  68,  pl.  XIV)  nicht  als  Repräsentanten  einer  eigenen  Varietät 
hinstellen.    Günthers   Variatio  ilecliris   gehört  meines  Erachtens 


3§4  S  t  e  i  II  il  a  c  li  n  e  r. 

zur  Var.  A,  da  die  Zahl  der  Seitenschilder  nur  75  beträgt,  und 
entsjtricht  nicht  genau  dem  Caraiuv  deelivis  Jen.  (mit  82  Schildern 
längs  der  Seitenlinie). 

CaraiLV  trnchtirns  kommt  in  Unzahl  an  den  Küsten  Spaniens 
und  Portugals,  insbesondere  an  der  Nord-  und  Westküste  der 
iberischen  Halbinsel  in  den  llerbstmonaten  vor.  Sämmtliche  von  uns 
bei  Bilbao,  La  Coruna,  Vigo,  Porto,  fjissabon,  Setubal,  Cadix  und 
Gibraltar  gesammelte  Exemplare  gehören  der  Variatio  A  an.  Nur  ein 
einziges  Exemplar  unserer  Sammlung  von  Bilbao  trägt  86  Schilder 
an  der  Seitenlinie,  35  Gliederstrablen  in  der  zweiten  Dorsale  und 
31  Gliederstrahlen  in  der  Anale,  gehört  somit  der  Variatio  B  an  und 
unterscheidet  sich  somit  von  Caranx  deelivis  Jen.  durch  die  etwas 
geringere  H<dienentwicklung  der  Scliilder  im  vorderen  Theile  der 
Seitenlinie.  Die  Mehrzahl  der  in  Barcelona,  Malaga  und  Alicante 
gesammelten  Individuen  sind  der  Variatio  B  sive  mediterrnnea  ein- 
zureihen. Während  meines  Autenthaltes  in  Santa  Cruz  de  Tenerife 
sah  ich  nur  einige  wenige  Exemplare  von  Caranx  trachurus  (Var.  A 
und  B)  auf  dem  Fischmarkte,  dagegen  kam  Caranx  Cuvieri  Low  e 
in  Unzahl  vor. 

Die  größten  Exemplare  von  Caranx  trac/iurus  erhielten  wir  zu 
Cadix  und  Gibraltar,  sie  sind  14  bis  nahezu  15"  lang.  Im  November 
und  December  1864  wurden  tagtäglich  viele  Tausende  von  Exem- 
plaren in  Lissabon  zu  Markte  gebracht,  doch  erreichten  dieselben 
diirchscliuiltlich  nur  eine  Länge  von  (ji/g — Sy^"  T^änge. 

Das  Fleisch  von  Caranx  trachurus  ist  nicht  besonders  geschätzt, 
nichts  desto  weniger  ist  diese  Art  wegen  ihres  massenhaften  Vor- 
kommens an  der  Nord-  und  Westküste  der  iberischen  Halbinsel  von 
großer  Bedeutung  für  die  ärmere  Bevölkerung  der  Küstengegenden. 

Vulgärname:  Chicharro  (Galicien,  Lissabon,  Tenerife), 
Escrihanu  (Galicien  sec.  Cornide) ,  Xurel  oder  Jnrel  (Andalucien). 
^V>?W/ (Barcelona),   Carajvni  (jun.  sec.  Capello,  Lissabon). 

98.  Art.  Caranx  Cuviori  Lowe. 

Syn.   Caranx  trachiniis  Cuv.  V:il.,  Günflior.  part. 

Trachurus  fallax,  Br.  Capello,  Cat.  dos  peix.  dp  t'ortug. ,  Jörn,  de 
Scienc.  mathem.  etc.,  Nr.  4,  1.S67. 

Von  dieser,  sebr  nahe  mit  Caranx  trachurus  verwandten  Art 

erhielten    wir    nur  zwei   kleine  Exemplare    von   7'  Länge   während 


Ichthyol.  Bericht  über  eine  nach  Spanien  u.  Portugal  unternomni.  Reise.     3oO 

unseres  Aufenthaltes  in  Lissabon  und  Setuiial,  zahlreiche  dagegen 
und  zwar  bis  zu  IT"/,"  Länge  an  der  Ostküste  Tenerife's  (im  März 
und  April  18(j5). 

Die  größte  Leibeshöhe  ist  bei  Individuen  von  i'/^ — 8"  Länge 
53/4  — 6mal,  bei  alten  von  17'/,  Länge  nur  S'/jinal,  die  Kopflänge 
stets  etwas  mehr  als  4mal  (41/7 — ^^/^maV)  in  der  Totallänge,  der 
Augendiameter  'i^/o—^-/sm?i\  bei  jüngeren,  d^/^mn]  bei  älteren 
Exemplaren,  die  Stirnbreite  nahezu  oder  genau  4i/omal,  die  Schnau- 
zenlänge 31/4  —  S^/gmal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Der  Unterkiefer  springt  wie  bei  Caranx  trachurus  über  den 
Zwischenkiefer  vor,  das  hintere  Ende  des  Oberkiefers  fällt  bei 
geschlossenem  Munde  in  senkrechter  Richtung  unter  oder  nur  wenig 
hinter  das  vordere  Augenende  und  ist  in  seiner  vorderen  schmalen 
Längenhälfte  vollständig,  in  der  hinteren  breiteren  Hälfte  im  oberen 
Theile  von  dem  unteren  Augenringe  (bei  geschlossenem  Munde) 
überdeckt.  Feine  Zähnchen  liegen  am  V^omer  und  auf  der  Zunge. 

Die  erste  Dorsale  enthält  8  Stacheln,  die  zweite  32  Glieder- 
strahlen. Die  Pectorale  ist  bei  jungen  Individuen  stets  kürzer,  bei 
erwachsenen  aber  etwas  länger  als  der  Kopf.  Ein  schwarzer  Fleck 
am  Kiemendeckel. 

Im  Gegensatze  zu  Caranx  trachurus  ist  der  hinter  der  schwach 
bogenförmigen  Krümmung  liegende,  horizontal  verlaufende  Theil  der 
Seitenlinie  kürzer  (durchschnittlich  um  2/3  der  Augenlänge)  als  der 
vordere,  und  die  Schilder  der  Linea  lateralis  sind  stets  beträchtlich 
zahlreicher  und  schwächer  entwickelt  als  bei  Caranx  trachurus. 
Die  Krümmung  der  Seitenlinie  beginnt  erst  hinter  dem  Anfange  der 
zweiten  Dorsale,  senkrecht  unter  der  Basis  des  vierten  bis  sechsten 
Gliederstraliles  derselben. 

Die  Zahl  der  Seitenschienen  betragt  bei  24  Exemplaren  unserer 
Sammlung  93  —  99,  bei  einem  Exemplare  von  \l^/z"  Länge 
sogar  108. 

^'  ^/'32333'  '^'  ^/2raJ'  ^'-  '-''*•  93—108  (in  der  Regel  96—99). 

Cuvier  und  Valenciennes  geben  auf  pl.  246  (Hist.  nat. 
des  poissons)  eine  ziemlich  gelungene  Abbildung  dieser  Art,  welche 
eine  Länge  von  circa  18"  erreicht  und  durch  ihr  überaus  zahlreiches 
Vorkümmen   an   den  Küsten  der   canarischen  Inseln   und  Madeira's 


381) 


.S  t  f  i  II  il  :i  f  li  II  e  r. 


ausgezeichnet  ist,  aber  gieicli  Cavuiix  trachurua  luir  von  den  unteren 
Volksklassen  wegen  des  sehr  geringen  Preises  gekauft  wird. 

Vulgärname:  Churren,  Charre'u  (nd.^,  Chicharro  fraiicez 
(juv.  sec.  Br.  Capello)  in  Lissabon,  Chicharro  auf  Tenerile. 

99.  Art.  Caranx  rhonchos  GeofCr. 

Kommt  nur  sehr  selten  an  der  Süd-  und  Südostküste  Spaniens, 
ziemlich  liäulig  aber  in  den  (isllichen  Theilen  des  Mittelmeeres 
zwischen  Alexandrien  und  Beiruth  vor;  wir  sammelten  zwei  kleine 
Exemplare  hei  Malaga  und  Tanger. 

Die  Höhe  des  Rumpfes  steht  hei  kleinen  Exemplaren  von  G" 
Länge  der  Kopflänge  ein  wenig  nach  und  ist  nicht  ganz  4 »/.mal 
(circa  42/5mal)  in  der  Totallänge  enthalten.  Über  dem  horizontal 
verlaufenden,  hinteren  Theile  der  Seitenlinie  liegen  bei  den  im 
Wiener  Museum  befindlichen  Exemplaren  30  —  32  Schilder,  von 
denen  circa  21 — 23  in  Stachelspitzen  endigen. 

Der  Augendiameter  gleicht  (hei  kleinen  Individuen)  an  Länge 
der  Breite  der  Stirne  oder  circa  '/^  der  Kopflänge;  die  Sclmaiizen- 
länge  ist  circa  S'/^mal  in  der  Kopflänge  enthalten.  Ein  schwarzer 
Fleck  liegt  unterhalb  der  vorderen  Spitze  der  zweiten  Dorsale, 
welche  im  Leben  eine  schwefelgelbe  Färbung  zeigt. 

Die  beiden,  von  uns  untersuchten  Exemplare  von  6"  [jänge 
besitzen  30Gli('derstrahlen  in  der  zweitenBorsale  und  24  in  der  Anale. 

^-  %W=3ö/»'  ^-  2/4/''  ^-  '•♦^-  (2«-)  ^«-32. 

100.  Art.  Caranx  dentex  (spec.)  Bloch.   Sehn. 
S  y  n.   Scuniöer  dentex  B 1.  S  c  li  n. 

Caranx  lima,  Geoffr.,  Descript.  de  rE!,^ypte,  pl.  23,  fig.  3. 
„      Cuv.  Val.,  t.  IX,  pag.  80. 
„  „      Lowe,  Fish,  of  Madeira,  Transact.  Zool.  Soc.,  Vol.  II, 

1841,  pafj.  183. 
„       dentex  i^uw  y 'a\.  IX,  pag.  87;    Günllier,  Calal.  Hiit.  [\Iii.s. 

t.  II,  pag.  441. 
„       analis,  Cuv.  Va!.,    IX,  pag.  88;  Valenc,    Ichthyol,  des  11. 
Canar.  pag.  57,  pl.  XII  (nicht  gelungen). 

Kommt  nur  sehr  selten  an  der  Südküste  Spanien's  hei  Cadix, 
(jibrallar  und  Malaga  vor,  ist  aber  sehr  gemein  an  den  Küsten  der 
canarischen  Inseln  und  erreicht  daselbst  eine  Länge  von  mehr  als 
21  Zoll. 


k'htliyol.  liericlit  über  eine  naeli  S|(anieii  ii.  I'orliig^al  iiiiteriKiiiiiii.  Reise,     on  i 

Daß  diese  Art  keine  Vomer-  und  (iaunienzähne  besitze,  wie 
Dr.  (iüntber  angibt,  ist  nur  zum  Tbeile  richtig  und  daher  auch 
eine  Sonderung  der  Ca7'(ma^- Arien  in  solclie  mit  und  olme  Gaumen- 
zähne (s.   (lünther's  fatalog..  Vol.  U,  ]»ag.  424)  nicht  stichhältig. 

Bei  Exenndaren  bis  zu  81/0"  Länge  finden  sich  Vomer-  und 
Gaumenzähne  ausnahmslos  vor,  bei  älteren  Individuen  bis  zu  13" 
Länge  zeigen  sich  noch  Gaumenzähne  in  sehr  beträchtlicher  Zahl 
aber  von  geringer  Größe,  während  die  Vomerzähne  entweder  gänzlich 
fehlen  oder  nur  mehr  vereinzelt  vorkommen;  bei  völlig  erwachsenen 
Exemplaren  von  20 — 21"  Länge  und  darüber  sind  Vomer-  und 
Gaumenzähne  vollständig  verschwunden. 

■  Bei  jungen  Individuen  bis  zu  13"  Länge  liegen  sehr  häufig  in 
der  Mitte  des  Zwischen-  und  Unterkiefers  oder  nur  in  einem  dieser 
beiden  Knochen  zwei  Zahnreihen,  bei  alten  ist  stets  nur  eine  Zahn- 
reihe vorhanden.  Die  Kieferzähne  sind  kegelförmig  und  bei  alten 
Exemplaren  an  der  Spitze  sehr  stark  abgestumpft,  fast  körnig.  Die 
Gaumenzähne  sind  sammtartig  und  bilden  bei  jungen  Individuen  eine 
sehr  lange,  aber  nur  mäßig  breite  Binde;  die  Vomerzähne  sind  etwas 
länger  als  die  Gaiimenzähne,  insbesondere  wenn  sie  nur  vereinzelt 
:un  Vomer  stehen. 

Die  größte  Höhe  des  Körpers  fällt  unter  den  Beginn  der  zweiten 
Dorsale  und  ist  circa  32/5  —  3i/3mal,  die  Kopflänge  bei  jungen 
Exemplaren  bis  zu  13"  Länge  genau  oder  nur  unbedeutend  mehr  als 
4mal,  bei  alten  aber  S'/a — Ss/smal  in  der  Totallänge  enthalten.  Die 
Schnauzenlänge  verhält  sich  zur  Kopflänge  wie  1  :  2-/^ — 22/5,  die 
Slinibreite  zu  letzterer  w'ie  1  :  33/5  —  31/0.  Die  größte  Kopfhöhe  am 
hinteren  Ende  des  Occipitalkammes  steht  um  etwas  mehr  als  die 
Hälfte  der  Augenlänge  der  Kopflänge  (bei  Exemplaren  von  circa  12' 
Länge)  nach. 

Der  Unterkiet'cr  reicht  nach  vorne  nicht  so  weit  wie  der 
Zwischenkiefer  und  läßt  sich  mit  Ausnahme  junger  Exemplare  bis  zu 
9Ya'  Länge  ganz  unter  letzteren  zurückziehen;  bei  ganz  alten 
Exemplaren  verdicken  sich  die  Lippen  sehr  bedeutend,  eben  so  der 
vordere  Theil  der  Sclinauze.  Der  Augendiameter  ist  je  nach  dem 
Alter  43/5 — 5'/4mal  in  der  Kopflänge  enthalten.  Die  obere  Profdiinie 
des  Kopfes  ist  bogenförmig  mäßig  gekrünmit,  fällt  jedoch  ziemlich 
schief  nach  vorne  ab  und  ist  bei  älteren  Exemplaren  in  der  Narinen- 
gegend  etwas  stärker  eingedrückt  als  bei  jüngeren. 


OÖO  iS  t  e  i  II  tl  II  f  li  II  e  r. 

Die  vordere,  etwas  längere  Hälfte  der  Seitenlinie  ist  bogen- 
förmig gekrümmt  und  läuft  zum  größten  Theile  parallel  mit  der 
Riickenliiiie;  der  hintere  Tiieil  der  Linea  lateralis,  vom  dreizehnten 
Gliederstrahle  der  zweiten  Dorsale  (in  senkrechter  Richtung)  ange- 
fangen liegt  horizontal.  Die  Seiteidinie  durchbohrt  im  Ganzen  circa 
112  Schuppen  (bis  zur  Spitze  der  mittleren  Caudalstrahlen) ,  von 
denen  24  —  29  zu  Schienen  oder  Schildern  umgebildet  sind  und  in 
Stacheln  endigen. 

Die  Pectorale  ist  säbelförmig  gekrümmt  und  stets  länger  als  der 
Kopf;  die  Spitze  der  horizontal  zurückgelegten  Brustflossen  fällt  in 
senkrechter  Richtung  über  die  Basis  des  sechsten  bis  siebenten 
Gliederstrahles  in  der  Anale. 

Die  größte  Höhe  der  ersten  Dorsale  ist  bei  sehr  alten  Exemplaren 
2Y3mal,  bei  jüngeren  nur  wenig  mehr  als  2mal,  die  der  z\\eiten 
Dorsale  23/^ — 3mal,  bei  ganz  erwachsenen  Individuen  S^/smal  in  der 
Totallänge  enthalten. 

Die  Länge  der  Caudale  erreicht  bei  jungen  Individuen  nahezu 
die  Koptlänge,  bei  alten  kaum  4/5  der  Koptlänge.  Ein  schwarzer 
Querfleck  liegt  am  hinteren  Ende  des  Kiemendeckels. 

Wir  sammelten  3  Exemplare  an  den  Südküsten  Spanien's,  6  bei 
Santa  Cruz  de  Tenerife. 

Derzeit  kennt  man  als  Fundorte  dieser  Art  die  südlichen  Küsten- 
strecken des  iMittelmeeres  von  Alexandrien  iiis  Tanger,  Madeira,  die 
canarischen  Inseln,  Sanct  Helena,  Brasilien.  Nach  Risso  und 
Sassi  kommt  Caranx  dentex,  wenngleich  selten,  bei  Genua  und 
Nizza  vor. 

Vulgär name:  Xurel  (Tenerife,  Cadix),  Enxareo  (Madeira 
nacii  Lowe). 

101.  Art.   Caranx  (Gallichthys,  Scyris)  alexandrinns  Cuv.  Val. 

Syn.  Scyris  alexandrinn  Cuv.  Val.  IX,  pag.  132. 
Gallichthys  egyptiacus  C.  V.  IX,  pag.  176. 

Wir  erhielten  zwei  ziemlich  gut  erhaltene  Exemplare  dieser,  an 
den  südlichen  Küsten  nach  übereinstimmender  Aussage  erfahrener 
Fischer  nur  höchst  selten  vorkommenden  Art,  deren  eigentliche 
Heimath  das  inselarme  Ostbecken  des  Mittelmeeres  zwischen  Alexan- 
drien und  Heiruth  ist,  während  unseres  Aufenthaltes  in  Motril  (April 
1865);   das  größere  derselben  ist  4-/4",  das  kleinere  3"  11"  lang. 


Ichthyol,  liericht  iil)er  ein«'  nnch  S|iiini(>i)  ii.  Portiigril  tinternomm.  Reise,     oo" 

Die  größte  Höhe  des  Rumpfes  ist  genau  oder  ein  wenig  mehr 
als  ii/,mal,  die  Länge  des  Kopfes  Syg — Ss/smal,  die  Kopfhöhe 
2'/onial  in  der  Totallänge,  die  Länge  des  Auges  33/5  — Si/amal  in 
der  Kopflänge  enthalten. 

Die  Zwischen-  und  Unterkieferzähne  sind  sehr  klein ,  spitz, 
hakenf(»rmig  nach  innen  gekrümmt  und  hilden  im  vorderen  Theile 
der  Kiefer  zwei  Reihen ,  seitlich  stehen  sie  nur  in  einer  Reihe.  Die 
Querfläche  des  Vomers  fühlt  sich  rauh  an. 

Die  vordere  Profillinie  des  Kopfes  fiillt  äußerst  steil  zur  Schnau- 
zenspitze ab,  ist  nur  im  obersten  Theile  und  an  der  Schnauze  convex, 
im  größeren  mittleren  Theile  aber  concav. 

Der  Rücken  erhebt  sich  rasch  in  nahezu  gerader  Linie  bis  zum 
Beginne  der  zweiten  Dorsale,  und  senkt  sich  hierauf  unter  einem 
rechten  Winkel  längs  der  Basis  der  zweiten  Dorsale  etwas  minder 
rasch  in  äußerst  schwacher  Bogenkrümmung  zum  kurzen  Schwanz- 
stiele. 

Die  Peclorale  ist  stark  sichelförmig  gebogen,  zugespitzt  und 
erreicht  an  Länge  nicht  ganz  1/3  des  ganzen  Körpers  mit  Einschluß 
der  Caudale. 

Bei  den  beiden  von  uns  untersuchten  Exemplaren  wird  wie  bei 
Gallichthys  aegyptiacus  Ehr.,  C.  V.  die  erste  Dorsale  von  7  kurzen, 
und  ziemlich  stark  sich  über  einander  legenden  Stacheln  gebildet, 
welche  im  höheren  Alter  zum  Theile  verschwinden;  die  zweite  Dorsale 
enthält  einen  Stachel  und  21  Gliederstrahlen,  von  denen  die  sechs  ersten 
in  schwärzlich  gefärbte,  lange  Fäden  ausgezogen  sind,  von  denen  der 
vorderste  längste  des  ersten  Gliederstrahles  zuweilen  noch  bedeutend 
über  die  Spitze  der  Caudallappen  hinausreicht.  Ahnliche  fadenförmige 
Verlängerungen  zeigen  auch  die  drei  ersten  gegliederten  Analstrahlen 
und  der  erste  Gliederstrahl  der  Ventrale. 

Circa  136  —  140  Schuppen  zählt  man  längs  der  Seitenlinie, 
welche  in  der  vorderen  Längenhälfte  des  Rumpfes  einen  halbkreis- 
förmigen Bogen  bildet,  in  der  zweiten  Rumpfhälfte  dagegen  in 
horizontaler  Richtung  bis  über  die  Basis  der  mittleren,  kürzesten 
Caudalstrahlen  hinaus  sich  fortzieht.  Die  Schuppen  der  Seitenlinie 
sind  äußerst  klein,  nur  die  am  kurzen  Schwanzstiele  gelegenen 
9 — 10  Schuppen  sind  größer  als  die  übrigen,  aber  eben  so  wenig 
wie  diese  am  hinteren  Rande  in  einen  Stachel  oder  Zahn  verlängert, 
sondern  nur  an  der  Aussenfläche  ob  der  stärkeren  Entwicklung  des 


noo 


S  t  e  i  n  d  a  c  h  n  e  r. 


die  Sehii|)|ieii  durchbohrenden  Canales  mehr  gewölbt  als  die  voran- 
fjehenden  oder  nachfolgenden  Schuppen. 

Die  vom  Nacken  ziini  oberen  Augenrande  ziehende  Binde  ist 
von  zarten,  schwärzliclien  Pünktchen  gebildet  und  ziemlich  deutlich 
sichtbar,  die  übrigen  Querbinden  des  Rumpfes  heben  sich  von  dem 
silberfarbigen  Grunde  der  Körperseiten  nur  äußerst  schwach  ab. 

I).  7  (— S)/^;  A.  1/19;  L.  lat.  136— 14(K 

Gatt.  Seriola  Cuv.  Val. 
102.  Art.   Seriola  Uiimcrilii  Risso  (spec.) 

Auch  diese  Art  wird  nur  sehr  selten  an  der  Ost-  und  Südküste 
Spanien's  gefischt;  wir  erhielten  zwei  kleine,  5 — 6"  lange  Exemplare 
während  unseres  Aufenthaltes  in  Barcelona  inid  Alicante. 

Bei  diesen  beiden  Individuen  ist  die  größte  Leibeshöhe  (.'irca 
32/3  bis  nahezu  4mal ,  die  Kopflänge  4mal  in  der  Totallänge,  der 
Augendiameter  circa  3y5  — Ss/imal,  die  Schnauzenlänge  3mal,  die 
Stirnbreite  3  —  33/5mal  in  der  Kopflänge  enthalten.  Die  Kiefer 
reichen  gleich  weit  nach  vorne;  das  hintere  Ende  des  Oberkiefers 
fällt  bei  geschlossenem  Munde  in  senkrechter  Richtung  etwas  vor 
die  iMilte  des  Auges. 

Die  Länge  der  Ventralen  ist  O'/g— öy^mal,  die  der  Fectoralen 
7^5  mal  in  der  Totallänge  enthalten. 

Die  erste  Dorsale  beginnt  in  senkrechter  Richtung  über  dem 
Ende  des  ersten  Drittels  der  Pectorallänge  bei  einem  Exemplare  von 
6"  Länge,  bei  einem  zweiten  kleineren  Individuum  etwas  weiter 
nach  vorne,  oder  die  Entfernung  der  Basis  des  ersten  Stachelstrahles 
der  ersten  Dorsale  von  der  Schnauzenspitze  beträgt  nahezu  ein 
Drittel  der  Totallänge. 

D.  7/ — - — ;   4.  2/— i — :  W  21. 
'/;{o_32'   "*•  ^/20-2t  ' 

V  u  I  g  ä  r  n  a  m  e  :   Paloniida  (Barcelona). 

103.  Art.  Seriola  Lalandii  Cuv.  Val. 
Ein  Exemplar  dieser   Art,   deren  Vorkommen   an   den  Küsten 
Europa's  bis  jetzt  noch  nicht  bekannt  war,   ist  im  Xationalmuseum 
von    Lissabon    aufbewahrt    und    wurde    im    hohen  Meere  zunächst 
der  portugiesischen  Hauptstadt  gefischt. 

V  u  I  g  ä  r  n  a  m  e :  Anchona  (nach  Br.  (J  a  p  e  1 1  oj. 


k'lilliyol,  [>pi-i(lil  iilx'i-  eine  iiin'h  Spiiiiit'ii  ii.  l'oihi^';il  uiilenioiiim.  Rt'ise.     o«'  i 

G  a  1 1.  Lichia  C  u  v. 
1(14.  Art.  liichia  glauca  (spec.)  Liiiue. 

Kommt  ziemlich  selten  an  der  Ost-  und  Südkiiste  Spanien"»  vor, 
ist  aber  sehr  gemein  um  Tenerife  und  erreicht  eine  Länge  von  mehr 
als  14  Zoll. 

Bei  jungen  [iidividuen  von  nahezu  S"  Länge  ist  die  größte 
Leibeshöhe  nur  3 '/.mal,  bei  alten  von  t2'/o  — 14"  Länge  aber  33/4 
bis  ein  wenig  mehr  als  4mal  in  der  Totallänge  oder  bei  ersteren 
2^/5 mal,  bei  letzteren  etwas  mehr  als  2-/3  —  3m al  in  der  Körperlänge 
(bis  zur  Basis  der  mittleren  Caudalstrahlen),  die  Caiidale  nahezu 
oder  genau  3'/omal  in  der  Totallänge  enthalten. 

Die  Koijflänge  erreicht  bei  jungen  Exemplaren  von  5"  Länge 
genau  '5,  bei  älteren  von  7'/,"  Länge  circa  2/11,  bei  erwachsenen 
Individuen  von  14  — 14'/o"  Länge  genau  i/g  der  Totallänge. 

Die  Länge  des  Augendiameters  schwankt  zwischen  1/3 — 1/4  der 
Kopflänge;  die  Schnauze  ist  bei  Exemplaren  von  o"  Länge  durch- 
schnittlich kürzer,  bei  Individuen  von  7 1/2"  Länge  eben  so  lang,  bei 
alten  endlich  länger  als  das  Auge.  Während  das  hintere  Ende  des 
Oberkiefers  bei  ganz  jungen  Exemplaren  unter  das  Ende  des  ersten 
Längendrittels  des  Auges  oder  noch  etwas  weiter  zurückreicht,  fällt 
es  bei  alten  Individuen  in  senkrechter  Richtung  unter  den  vorderen 
Augenrand. 

Die  Seitenlinie  ist  über  der  Pectorale  schwach  gebogen  und 
erstreckt  sich  sodann  in  horizontaler  Richtung  über  die  Mitte  der 
Rumpfhöhe  fortlaufend,  fast  bis  zum  hinteren  Ende  der  mittleren 
Caudalstrahlen;  sie  durchbohrt  bis  zur  Basis  der  Caudale  circa 
100  —  106  Schuppen,  auf  der  Caudale  selbst  circa  6 — 9. 

D.  (5-)  6/-^;  A.  2/, 


25-26'  /(23-)24— 25 

Fundorte     der    von     uns    gesammelten    Exemplare:    Valencia, 
Cadix,  Tanger,  Santa  Cruz  de  Tenerife. 
V  u  1  g  ä  r  n  a  m  e :  Palometa. 

C  a  b  r  e  r  a's  Gnsterosteiis  cohimburms,  welchen  Prof.  M  a  e  h  a  d  0 
in  dem  schon  öfters  citirten  vortrefflichen  Kataloge  der  Fische  um 
Cadix  und  Hueiva  unter  den  ., Species  denominatae  a  Cabrera, 
hactenus  mihi  ignotae"  anführt,  ist  wie  der  Vulgärnanie  ..Palometa'* 
andeutet,  gewiß  identisch  mit  Lichia  glauca. 


d"'w  S  t  e  i  II  (I  a  e  h  II  e  r. 

lOö.  Art.  Liohia  amia  Linne  (spec),  Cuv.  Val. 

Unterscheidet  sich  in  vielen  Punkten  sehr  auffallend  von  Lichia 
ffhiucd  und  kommt  wie  diese  nur  selten  au  der  Ost-  und  Südküsle 
Spanieu"s  vor;  wir  sannnelten  zwei  Exemplare  hei  Barcelona  und 
Malaga. 

Lichia  amia  nähert  sich  in  der  Kopfgestalt,  Grölte  der  Mund- 
spalte, Kleinheit  der  Rumpl'schuppen,  und  inshesondere  durch  das 
Vorkommen  ziemlich  stark  entwickelter  Pseudohranchien,  welche 
bis  jetzt  von  den  Ichthyologen  übersehen  wurden ,  den  Arten  der 
Gattung  Chorinenius  und  ist  von  letzteren  wesentlich  nur  durch  den 
Mangel  von  Flösschenstrahleu  in  der  zweiten  Dorsale  und  Anale 
verschieden.  Lichia  glauca  besitzt,  wie  bekannt,  keine  Pseudo- 
klemen;  wäre  hierauf  ein  großes  Gewicht  zu  legen,  so  müßte  Lichia 
amia  generisch  von  ersterer  getrennt  werden. 

Während  bei  Lichia  glauca  die  obere  Profdlinie  des  Kopfes 
und  des  Rückens  bis  zum  Beginne  der  zweiten  Dorsale  einen 
zusammenhängenden,  nach  oben  convexen  Bogen  beschreibt,  der  in 
der  Schnauzengegend  am  stärksten  sich  krümmt ,  ist  sie  bei  Lichia 
amia  in  der  Hinterhauptsgegend  schwach  concav,  und  am  Beginne 
der  ersten  Dorsale  mehr  oder  minder  scharf  stumpfwinkelig  gebrochen. 
Der  vordere  Theil  der  Rüekenlinie  fällt  von  der  Basis  des  ersten 
Stachels  der  vorderen  Dorsale  in  fast  gerader  Richtung  steiler  zur 
Schnauze  ab,  als  die  hintere  Hälfte  derselben  längs  der  Basis  der 
ersten  Dorsale  bis  zum  Beginne  der  zweiten  ansteigt. 

Die  Stirne  ist  ferner  bei  Lichia  amia  bedeutend  breiter  und 
querüber  viel  schwächer  gebogen,  das  Auge  näher  an  die  Profdlinie 
der  Stirne  gerückt,  die  Mundspalte  länger,  die  Caudale  beträchtlich 
kürzer  als  bei  Lichia  fjlanca. 

Das  hintere  Ende  des  Oberkiefers  fällt  bei  geschlossenem  Munde 
in  senkrechter  Richtung  über  den  hinteren  Augenrand  hinaus,  genau 
in  die  Mitte  der  Kopflänge ,  während  es  bei  Lichia  amia  noch  vor 
die  Augenmitte  zu  liegen  kommt.  Die  Stirn-Scheitelleiste  ist  schwach 
entwickelt. 

Die  größte  Leibeshöhe  ist  bei  H</."  langen  Exemplaren  von 
Lichia  amia  4'/, mal,  bei  größeren  von  ()'/:,  —  i  \  \'.,"  Lauge  etwas 
mehr  als  33/5 — S^mal,  die  Kopflänge  4'/3 — 42/3mal,  die  Länge  der 
Caudale  circa  41/3 — 4'/3mal  in  der  Totallänge,  der  Augendiameter 


Ichthyol.  Bericht  über  eine  nach  Spanien  u.  Portug-al  unternomni.  Reise.     303 

5— Syainal,  die  Stirnbreite  82/5  bis  unbedeutend  mehr  als  3mal,  die 
Schnauzenlänge  ein  wenig  mehr  als  3 — 37'jmal,  die  größte  Höhe 
der  zweiten  Dorsale  und  der  Anale  circa  1  i/afnal  in  der  Kopflänge 
enthalten. 

Bei  jungen  Individuen  reicht  der  Unterkiefer  etwas  weiter  nach 
vorne  als  der  Zwischenkiefer,  bei  älteren  Individuen  aber  sind  die 
Kiefer  in  der  Regel  gleich  lang  und  nur  die  stumpfe  Kinnspitze  ragt 
ein  wenig  vor.  Die  Zahl  der  Zahnreihen  im  Zwischen-  und  Unter- 
kiefer und  die  Größe  der  Zähne  ist  bedeutender  als  bei  Lichia 
glauca,  die  Zähne  der  innersten  Reihe  sind  etwas  länger  als  die  der 
vorangehenden  Reihen  und  stark  nach  hinten  gebogen. 

Die  Ventrale  ist  etwas  kürzer  als  die  Pectorale  und  fast  2mal, 
letztere  Flosse  ein  wenig  mehr  als  I2/0 — 1  s^'^mal  in  der  Kopflänge 
enthalten ,  somit  kürzer  und  zugleich  minder  zugespitzt  als  bei 
Lichia  glauca. 

Der  Einschnitt  am  oberen  Rande  der  zweiten  Dorsale  hinter 
den  ersten,  sichelförmig  gebogenen,  höchsten  Strahlen  ist  bedeutend 
tiefer  als  bei  Lichia  glauca,   eben  so  verhält  es  sich  mit  der  Anale. 

Häufig  liegt  im  vordersten,  höchsten  Theiie  der  Anale  und 
zweiten  Dorsale  ein  schwärzlicher  Fleck,  doch  ist  er  nie  so  scharf 
abgegrenzt  und  intensiv  wie  Lichia  glauca  und  fehlt  durchschnittlich 
bei  älteren  Exemplaren  gänzlich  oder  ist  nur  schwach  angedeutet. 

Die  vordere,  längere  Hälfte  der  Seitenlinie  zeigt  einen  unregel- 
mäßigen Verlauf;  über  der  Pectorale  bildet  die  Seitenlinie  stets 
einen  stark  gekrümmten  Bogen,  senkt  sich  hierauf  in  schiefer 
Richtung  mehr  oder  minder  bedeutend  und  erreicht  ihren  tiefsten 
Stand  über  den  Vorstacheln  der  Anale,  deren  Basis  sie  I2/3  his 
nahezu  2mal  näher  liegt  als  der  Einlenkungsstelle  der  ersten  Strahlen 
der  zweiten  Rückenflosse,  Die  hintere,  viel  kleinere  Längenhälfte  der 
Seitenlinie  läuft  in  horizontaler  Richtung  über  die  Höhenmitte  des 
Rumpfes  hin  und  endiget  zugleich  mit  den  Schuppen  im  zweiten 
Längendrittel  der  mittleren  Caudalstrahlen. 

Die  Schuppen  sind  viel  kleiner  als  bei  Lichia  glauca,  lanzett- 
förmig (bei  L.  glauca  oval). 


D.  7/ — - — :   \.  2/—:  P. 

^20 -21'  ^20' 


20. 


Sitzb.  d.  inathein.-naturw.  Cl.  LVII.  Bd.  I.  Abth.  26 


394  Steindachner. 

Gatt.  Temnodon  Cuv.  Val. 
106.  Art.  Temnodon  saltator  Lin.   (spec.) 

Während  Caranx  trachurtis  nur  über  die  Meere  der  gemäßigten 
Zone  verbreitet  ist,  findet  sich  Temnodon  saltator  in  sämmtliehen 
Meeren  der  gemäßigten  und  tropischen  Zone  vor  und  scheint  in  den 
tropischen  und  subtropischen  Gewässern  häufiger  vorzukommen  als 
in  den  Seen  der  gemäßigten  Himmelsstriche. 

Das  kaiserliche  Museum  zu  Wien  besitzt  Exemplare  von  Spa- 
nien, Sicilien,  New- York,  Sydney,  Rio  Janeiro  und  Cajutuba,  die 
größten  dieser  Exemplare  von  der  brasilianischen  Küste  sind  22  bis 
241/2"  lang. 

Bei  Exemplaren  von  10"  Länge  ist  die  größte  Leibeshöhe 
zwischen  dem  Beginne  der  zweiten  Dorsale  und  der  Anale  3*/5mal, 
die  Kopflänge  circa  41/5 — 4i/6mal  in  der  Totallänge,  der  Augen- 
diameter  öi/tmal,  die  Stirnbreite  etwas  mehr  als  4mal,  die  Schnauzen- 
länge genau  4mal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Bei  erwachsenen  Exemplaren  von  22  —  241/2"  Länge  dagegen 
ist  die  Leibeshöhe  5 1/0 — ömal,  die  Kopflänge  iy^g — ^^/a"^^^  in  tler 
Totallänge,  der  Augendiameter  6  —  62/5 mal,  die  Stirnbreite  3'  3  bis 
Ss/smal,  die  Schnauzenlänge  33/5  — Ss/gmal,  die  größte  Höhe  der 
zweiten  Dorsale  21/,  —  2i/4mal,  die  der  Anale  22/5 — 3mal  in  der 
Länge  des  Kopfes  enthalten. 

Die  Caudale  ist  sowohl  bei  jungen  wie  alten  Individuen  der 
Kopflänge  gleich,  doch  bei  ersteren  am  hinteren  Rande  verhältniß- 
mäßig  viel  schwächer  eingebuchtet  als  bei  letzteren. 

Die  lange  Mundspalte  ist  schief  nach  oben  und  vorne  gerichtet, 
das  hintere  Ende  des  Oberkiefers  fällt  bei  geschlossenem  Munde 
unter  die  Augenmitte  bei  Exemplaren  von  10"  Länge,  bei  älteren 
Individuen  von  ISi/g  —  241/2"  Länge  aber  unter,  oder  noch  etwas 
hinter  das  hintere  Augenende. 

Die  Zwischen-  und  Unterkieferzähne  sind  einreihig,  comprimirt, 
von  dreieckiger  Gestalt  und  ziemlich  bedeutender  Größe,  und  mit 
der  Spitze  schwach  nach  innen  gekrümmt.  Die  Vomer-  und  Gaumen- 
zähne dagegen  sind  äußerst  zart,  sammtartig  und  dicht  an  einander 
gedrängt;  an  den  Gaumenbeinen  bilden  die  Zähne  eine  breite  Längs- 
binde, am  Vomer  die  Form  einer  halben  Ellipse.  Die  Zungenzähne 
verschwinden  im  höheren  Alter  vollständig. 


Ichthyol.  lierifhl  über  eine  nach  Spiinieii  u.  Püifiij,'al  uiiterMuinm.  Iteise.     39«) 

Der  hintere  Winkel  des  Vordeckels  ist  bald  mehr  bald  minder 
bedeutend  über  den  hinteren  Rand  vorgezogen,  und  wie  der  ganze 
untere  Rand  desselben  Knochens  sehr  fein  gezähnt. 

Die  Stacheln  der  ersten  Dorsale  sind  von  geringer  Stärke,  ihre 
Zahl  beträgt  stets  acht,  doch  liegt  der  letzte  kurze  Stachel  bei  alten 
Exemplaren,  älinlich  den  beiden  Vorstacheln  der  Anale  oft  ganz 
unter  der  Haut  verborgen. 

Die  Seitenlinie  durchbohrt  circa  1)7—  lOt»  Schuppen,  von  denen 
circa  6  —  8  auf  die,  mit  ziemlich  großen  Schuppen  überdeckte  Basis 
der  Schwanztlossen  zu  liegen  kommen.  Über  der  Seitenlinie  bis  zum 
Beginne  der  zweiten  Dorsale  liegen  8 — 9,  unter  derselben  bis  zur 
Afterspalte  circa  17 — 19  horizontale  Schuppenreihen. 

Die  zweite  Dorsale,  die  Anale  und  die  Caudale  sind  mit  kleinen 
Schuppen  vollständig  besetzt,  an  der  Pectorale  ist  nur  die  überhäutete 
Basis  beschuppt.  Die  Zahl  der  Gliederstrahlen  in  der  zweiten  Dorsale 
und  Anale  beträgt  in  der  Regel  20  —  27.  Die  Bauchlinie  zwischen 
der  Ventrale  und  Anale  ist  sehr  schneidig  wie  bei  den  Clupeen; 
etwas  minder  scharf  tritt  die  Bauchlinie  hervor. 

Temnodon  saltator  kommt  an  der  Süd-  und  Südostküste  Spa- 
nien's  und  an  der  Küste  Portugal's  in  der  Regel  nur  selten  vor;  wir 
besitzen  zwei  Exemplare  von  Malaga  und  Cadix;  auch  während 
unseres  Aufenthaltes  in  Santa  Cruz  de  Tenerife  fand  sich  innerhalb 
40  Tagen  nur  einmal  (Ende  März  1865)  ein  kleines  Exemplar 
auf  dem  Fischmarkte  dieser  Stadt  vor. 

Vulgärname:  Pez  rey  (Tenerife),  Anchooa  oder  Enchova 
(Lissabon). 

Gatt.  Capros  Lac. 

107.  Art.  Capros  aper  Linne  (spec.) 

Diese  Art  zeigt  nur  sehr  geringe  Abweichungen  in  den  Höhen- 
und  Längen -Verhältnissen  des  Leibes.  Wir  untersuchten  sechs 
Exemplare  von  ly^ — 5"  Länge;  bei  diesen  ist  die  größte  Körper- 
höhe etwas  weniger  als  2^/3  —  2»/ämal,  die  Kopflänge  etwas  mehr 
als  3mal  in  der  Totallänge,  der  Augendiameter  2^/5  —  22/3mal,  die 
Stirnbreite  S'/o  —  S^/amal,  die  Schnauzenlänge  etwas  mehr  als 
3 — S'/jUial  in  der  Kopflänge  enthalten. 

26* 


396  stein  (lachner. 

Die  Höhe  des  dritten  Stachels  der  ersten  Dorsale  verhält  sieh 
zur  Kopflänge  wie  1  :  [-/^ — 1  y^  (bei  älteren  Exemplaren),  die  Länge 
des  Ventr.ilstaclu'ls  zu  letzterer  wie  1  :  iy5  bis  nahezu  I2/3  (bei 
jüngeren  Individuen).  Eine  Reihe  von  Schuppen  liegt  an  der  Basis 
der  zweiten  Dorsale  und  Anale  wie  bei  dem  Hypsinotus  rubescens 
S  c  h  1  e  g. 

Bei  sämmtliclien  Exemplaren  des  Wiener  Museums  zähle  ich 
nicht  5  Kiemenstrahlen,  wie  Cuv.,  Valenciennes  und  Günther 
angeben,  sondern  6,  wie  bei  der  nächst  verwandten  Gattung  Hypsi- 
notus, welche  Dr.  Günther  in  die  Familie  der  Squamipinnes  reiht. 

Meines  Erachtens  müssen  sowohl  Zeus  wie  Capros  aus  der 
Familie  der  Sconibridae  Cuv.  Val.  und  der  Cnrnngidue  Günther 
entfernt  werden;  Zeus  dürfte  wohl  nach  Bleckers  Vorgange  als 
Repräsentant  einer  besonderen  Familie  angenommen  werden  (Cytti- 
dae) ,  welche  in  die  Nähe  der  Sconibridae  gestellt  werden  mag, 
während  Capros,  Hypsinotus  und  Caprophonus  (^Hypsinotoidei 
Blecker)  den  Übergang  der  Holocentriden  oder  Beryciden  zu  den 
Squamipinnes  vermitteln. 

Capros  aper  kommt  nicht  häufig  in  den  südlichen  Theilen  der 
Ost-  und  Westküste  der  iberischen  Halbinsel  und  um  Tenerife  vor, 
wir  sammelten  mehrere  Exemplare  bei  Gibraltar,  Cadix  und  Lissabon, 
so  wie  bei  Santa  Cruz  de  Tenerife.  Das  Wiener  Museum  besitzt 
überdieß  noch  einige  ganz  kleine  Exemplare  von  der  Küste  Siciliens. 

Vulgärname:   Ochavo  (Cadix). 

D.  9/24;  A.  3/23;  P.  15. 

Fam.  Xipliiidae. 

Gatt.  Xiphias  Artedi. 

108.  Art.  Xiphias  gladias  Lin. 

Kommt  in  den  südlichen  Theilen  der  spanischen  Meeresküste 
häufiger  vor>  als  im  Norden,  Westen  und  Osten  der  iberischen  Halbinsel. 
Wir  sahen  ziemlich  große  Exemplare  dieser  Art  auf  den  Fischniärkten 
von  Gibraltar,  Cadix,  Lissabon,  La  Coruiia  und  Barcelona,  so  wie  von 
Santa  Cruz  de  Tenerife.  Das  größte  der  in  unserem  Besitze  befind- 
lichen drei  Exemplare  ist  43"  lang  und  zeigt  folgende  Längen-  und 
Höhenmaße  am  Skelette: 


Ichthyol.  Bericht  üher  eine  nach  Spanien  u.  Portugal  unternomm.  Reise.     0«7  < 

Kopflänge ' 20"  T" 

Länge  des  Zwisclienkiefers  bis  zum  vor- 
deren Augenrande 15"  61/2'" 

Länge  der  Mundspalte  vom  hinteren  Ende 
des  Oberkiefers  bis  zur  Spitze  des  Zwi- 
schenkiefers      17"  2"' 

Stirnbreite i"  9'" 

Totallänge  des  Unterkiefers 6"   — 

Länge  der  Augenhöhle i"  8'" 

Körperhöhe 4"  6"' 

Länge  der  sichelförmig  gekrümmten  Brust- 
flosse             5"  8'" 

Höhe   der    Dorsale  am  ersten  gespaltenen 

Strahle 6"  2'" 

Länge  der  Basis  der  Rückenflosse  ....     14"   4"' 

Höhe  der  Anale 3"  4'" 

Basislänge  der  Anale 4  '  6". 

Die  Zahl  der  Abdominalwirbel  beträgt  14,  die  der  Caudal- 
wirbel  12. 

Bei  einem  zweiten,  bedeutend  kleineren  Exemplare  (mit  meh- 
reren Längsreihen  knöcherner  Tuberkel  mit  gezähnter  Leiste), 
welches  bezüglich  der  Höhe  der  einzelnen  Dorsal-  und  Analstrahlen 
fast  ganz  genau  mit  der  von  C  u  v  i  e  r  und  V  a  1  e  n  c  i  e  n  n  e  gegebenen 
Abbildung  (pl.  22o  der  Hist.  nat.  des  Poiss.)  entspricht,  beträgt 

die  Kopflänge 9"     T" 

die  Länge  der  Mundspalte  von  der  Spitze 
des   Zwischenkiefers    bis  zum   hinteren 

Ende  des  Oberkiefers 8" 

die  Länge  des  Auges,  so  weit  es  äußerlich 

sichtbar  ist —       8'" 

die  Stirnbreite      i"       1/3'" 

die  größte  Leibeshöhe      2"     Si/a'" 

die  Länge  der  Brustflosse 3"     Si/g'" 

die  größte  Höhe  der  Dorsale 3"     Is/j"' 

die  Länge  der  Caudale  (von  der  Basis  der 

vordersten  Stützstrahlen  gemessen)      .       4"     S^/s"' 
die  größte  Höhe  der  Afterflosse    ....       1"   IT" 
die  Totallänge  des  Körpers 24"     6'". 


398  X  t  e  i  im1  ;i  .•  h  II  (' r. 

Auf  die  drei  ersten,  rasch  au  Höhe  zunehmenden  Stacheln  der 
Dorsale  folgen  11  —  12  gespaltene  Gliederstrahlcn,  auf  diese  23 — 26 
einfache  und  zuletzt  3  gegliederte  und  gespaltene  Strahlen,  welche 
etwas  höher  als  die  unmittelhar  vorangehenden  (23— 2Gj  einfachen 
Strahlen  (hiegsamen  Stacheln?)  sind;  nur  ganz  junge  Exemplare 
unter  20"  Länge  mögen  hievon  eine  Ausnahme  machen  (s.  Cuv.  Val. 
Ahhild.  22S).  Kine  ähnliche  Ahwechslung  in  der  Structur  der  Strahlen 
zeigt  sich  auch  in  der  Anale,  \\('lclie  nur  einen  sogenannten  Stachel, 
G — 7  gespaltene  Gliederstrahlen,  b  einfache  und  zuletzt  wieder 
3  getheilte  und  gegliederte  Strahlen  enthält. 

Vulgärname:  Pez  espada  (Spanien,  Tenerife),  Jf/M^/tffo  oder 
Agulha  (Lissahon). 

Farn.  Oobiiciae. 

Gatt.  Gobius  Artedi. 

109.  Art.  Gobius  aoratus  Risso. 

Wird  nicht  selten  in  ziemlich  bedeutender  Anzahl  zunächst 
Barcelona  und  Taragona  gefischt,  und  erreicht  in  der  Regel  nur  eine 
Länge  von  3'/2". 

Die  Länge  des  Kopfes  ist  4 — 41/2^«'»  ^^'e  größte  Leibeshöhe 
bei  ganz  kleinen  Individuen  je  nach  dem  Geschlechte  62/3 — Sysmal, 
bei  erwachsenen  von  3  —  31/2"  Länge  in  der  Regel  6 — Tmal  in  der 
Totallänge  enthalten. 

Die  Augen  sind  sehr  nahe  an  einander  gerückt,  oval;  die  Mund- 
spalte ist  ziemlich  lang,  schief  gestellt;  das  hintere  Ende  des  Oberkie- 
fers fällt  bei  geschlossenem  Munde  in  senkrechter  Richtung  unter  die 
Mitte  des  Auges.  Der  Kopf  ist  nur  an  der  Ob 'rseite,  und  zwar  an  dem 
hinter  den  Augen  gelegenen  Theile  und  im  obersten  Stücke  des  Kie- 
mendeckels mit  Schuppen  bedeckt,  welche  kleiner  als  die  des 
Rumpfes  sind. 

Die  erste  Dorsale  enthält  sechs  biegsame  Stacheln,  die  zweite 
Rückenflosse  im  Ganzen  15,  die  Aliale  14  Strahlen.  In  der  Regel 
liegen  auf  beiden  Rückenflossen  scharf  ausgeprägte,  schwarzbraune 
Flecken  in  regelmäßigen  Längsreihen  und  nur  selten  fehlen  sie  fast 
vollständig.  Die  Caudale  ist  gleichfalls  in  der  Regel  mit  in  Querreihen 
gelagerten    Flecken   geziert,    die    Anale   am   unteren   Rande   dunkel 


Ichthyol.  Bericht  üIht  eine  mich  Spanien  u.  Poilugal  iinternomm.  Reise.     399 

gesäumt,  und  längs  der  Basis  häufig  gefleckt.  Der  große,  schwarze, 
last  viereckige  Fleck  an  dem  oberen  Theile  der  Pectoralbasis  fehlt 
nie  und  ist  daher  sehr  charakteristisch  für  diese  kleine  Gobhis-kvi, 
welche  im  adriatischen  Meere  weiter  verbreitet  zu  sein  und  häufiger 
vorzukommen  scheint,  als  an  der  Ostküste  Spaniens. 

Die  obersten  Strahlen  der  Pectorale  sind  zart,  doch  nicht  haar- 
förmig  und  nach  den  von  uns  untersuchten  Exemplaren  zu  schließen, 
von  den  übrigen  nicht  getrennt.  Die  Länge  der  Pectorale  und  der 
Anale  ist  sehr  variabel,  erstere  Flosse  ist  bei  jungen  Individuen  oft  nur 
4mal,  bei  älteren  öVomal  in  der  Totallänge  enthalten,  und  bald  etwas 
länger,  bald  kürzer  als  die  Ventrale. 

Längs  der  Seitenlinie  liegen  bei  jungen  Exemplaren  circa 
44 — 46,  bei  alten  SO  —  53  Schuppen  zwischen  dem  hinteren  oberen 
Ende  des  Kiemendeckels  und  der  Caudale.  Eine  äiinliche  bedeutende 
Zunahme  der  Sciiuppenzahl  bei  älteren  Individuen  findet  sich  auch 
bei  Gobius  mimiins  vor. 

Die  Seiten  des  Körpers  sind  hell  gelblichbraun,  die  einzelnen 
Schuppen  an  den  Rändern  dunkelbraun  gesäumt.  Längs  der  Seiten- 
linie liegt  zuweilen  eine  Reihe  brauner  Fleckchen  mit  verwaschenen 
Rändern. 

Das  Wiener  Museum  besitzt  Exemplare  dieser  Art  aus  dem 
Guarnero,  von  Spalato,  Lesina,  Palermo. 

110.  Art.  fiobias  quadrivlttatas  Stein  d. 

Diese  schön  gezeichnete,  kleine  Art  beschrieb  ich  bereits  nach 
zwei  ganz  jungen  Exemplaren,  welche  ich  im  Jahre  1861  bei  Lesina 
in  Dalmatien  sammelte,  in  dem  Archivio  per  la  Zoologia,  Vol.  II, 
fasc.  2,  pag.  341  —  342;  während  meines  Aufenthaltes  in  Barcelona 
(Juni  1864)  erhielt  ich  drei  etwas  größere  Exemplare  von  1"  3'''  bis 
1"  5'"  Länge. 

Der  Kopf  ist  stark  deprimirt  und  verschmälert  sich  nach  vorne 
ziemlich  bedeutend,  der  hintere  Theil  des  Rumpfes  ist  stark  compri- 
mirt.  Die  Länge  des  Kopfes  ist  weniger  als  4mal,  die  größte  Körper- 
höhe 71/3 — 7mal  in  der  Totallänge,  die  Breite  des  Kopfes  circa 
ly^mal,  die  Höhe  desselben  2mal,  die  Länge  des  Augendiameters  circa 
4mal,  die  der  Schnauze  fast  5mal  in  der  Koptlänge  enthalten. 

Der  Kopf  und  der  vorderste  Theil  des  Rückens  bis  zum  Beginne 
der  ersten  Dorsale  ist  schuppenlos :  große  Poren  mit  aufgeworfenen, 


400  S  t  «>  i  n  (1  a  c  li  n  p  r. 

scinvärzlielieii  Riiiulern  liegen  an  dem  oberen  Rande  der  Augen,  des 
Vordeckels  und  Deckels.  Fünf  Reihen  kleinerer  Poren  ziehen  vom 
unteren  Augenrande  quer  die  Wangen  hinab  und  sind  nach  unten  von 
einer  Längenreihe  von  Poren  begränzt.  Zwei  Porenreihen  bemerkt  man 
auf  der  Fläche  des  Kiemendeckels,  eine  am  hinteren  Rande  des  Vor- 
deckels, 

Der  Rumpf  ist  braun,  die  Flossen  zeigen  eine  schwärzlichbraune 
Färbung  und  sind  stets  am  freien  Rande  mehr  oder  minder  breit 
weißlich  gesäumt:  die  Schnauze  ist  bräunlichweiß.  Der  Raum 
zwischen  der  vordersten  weißliehen  Querbinde,  welche  ziemlich 
schmal  ist  und  an  den  Rändern  nicht  besonders  scharf  abgesetzt,  un- 
mittelbar hinter  den  Augen  liegt,  und  der  zweiten  breitesten  Querbinde, 
welche  am  hinteren  Ende  des  Kopfes  beginnt  und  nach  hinten  fast 
bis  zum  Reginne  der  ersten  Dorsale  reicht,  ist  zuweilen  etwas 
dunkler  braun  gefärbt  als  der  Rumpf,  da  er  hie  und  da  mit  dunkel- 
braunen Fleckchen  besetzt  ist. 

Der  vorderste  Theil  der  Peetorale  ist  weiß,  da  die  Nackenbinde 
seitlich  bis  zum  unteren  Rande  der  Peetorale  hinabzieht;  hierauf  folgt 
ein  tief  schwarzbrauner  Querfleck  von  geringer  Rreite;  der  übrige 
größere  Theil  der  Rrustflosse  ist  schmutzigbraun  und  geht  gegen  den 
hinteren  Rand  allmälig'  ins  Weißliche  über.  Unter  der  Loupe  zeigen 
sich  zahlreiche  Flecken  von  lichtbrauner  Färbung  am  ganzen  Körper, 
selbst  auf  den  weißen  Querbinden,  von  denen  die  dritte  zwischen  die 
beiden,  einander  sehr  genäherten  Rückenflossen,  die  vierte,  kleinste 
(von  fleckenähnlicher  Gestalt)  etwas  hinter  die  Basismitte  der 
zweiten  Dorsale  fällt  und  nur  ganz  unbedeutend  über  die  Seiten  des 
Rumpfes  hinabreicht. 

Die  Schuppen  des  Rumpfes  sind  sehr  zart  und  klein,  fein  ge- 
zähnt, circa  60  liegen  längs  der  Mitte  des  Rumpfes  zwischen  dem 
hinteren  Kopfende  und  der  Caudale  in  einer  Längsreihe. 

^^-  ^/tö=Ti'  ^-  ITTTö"'  ^-  1^— ^8;  L.  lat.  c.  60. 

111.  Art.  Crobias  minutus  Lin.  Gmel. 

Syii.  Gobixis  tinipunctatus  P.'irn. 

„      minittus  Giintli.  (exel.  Syn.  Cinh.  quadrimacvlatns  C.  V.)  arlult. 
_      Ekströmii  G  ü  n  t  h. 


Ichthyol.  Bericht  über  t>inp  niioli  Spanien  u.  Portu[r:iI  iinfernomm.  Reise.     4- 0  1 

Syn.   Gobius  elongattts  Canestr.,  .1.  Gobii  del  Golfo  di  Genova.  Arcli.  p.   I. 
Zoolotria,  t.  F,  fas.  2,  pag.  130,  tab.  VIII,  fitr  3— n  d. 
,.      mimäus  Canestr.,  ibid.  p.  148,  tab.  IX,  fig.  2 — 2  c;  juv. 
„      graciiis  Cabrera, 

Wir  untersuchten  mehr  als  hundert  Exemplare  dieser  Art, 
welche  in  Unzahl  an  den  Küsten  der  iberischen  Halbinsel  vorkommt 
und  sowohl  in  der  Zahl  der  Flossenstrahlen  der  zweiten  Dorsale  und 
Anale,  so  wie  in  der  Kijrperzeichnung  bedeutend  variirt.  Ganz  junge 
Exemplare  sind  verhältnißmiißig-  bedeutend  minder  gestreckt  und  die 
Zahl  der  Schuppen  längs  den  Seiten  des  Körpers  ist  bei  diesen  viel 
geringer  als  bei  erwachsenen  Individuen  von  2 — 21/3"  Länge. 

Die  Länge  des  Kopfes  ist  41/4  —  i'/gmal,  die  größte  Leibeshöhe 
nahezu  7 — S'/^'i^^'  in  der  Totallänge,  der  längere  Augendiameter  ein 
wenig  mehr  als  3-/^  — i^/ämid,  die  Kopfliöhe  2-  bis  circa  iy5mal,  die 
Koptbreite  l^g — 2mal  in  der  Koptlänge  enthalten.  Das  Auge  ist  oval, 
die  Stirnbreite  sehr  gering. 

Das  hintere  Ende  des  Oberkiefers  fällt  bei  jüngeren  Individuen 
senkrecht  unter  die  Mitte  des  Auges,  bei  älteren  etwas  vor  dieselbe. 
Die  Mundspalte  ist  schief  nach  oben  und  vorne  gekehrt,  der  Unter- 
kiefer springt  nach  vorne  nur  wenig  über  den  Zwischenkiefer  vor, 
die  Länge  der  Schnauze  steht  der  des  Auges  ein  wenig  nach.  Der 
zweite  biegsame  Stachel  der  ersten  Dorsale  ist  nur  ein  wenig  länger 
als  der  erste  oder  dritte  und  entweder  ganz  genau  oder  unbedeutend 
weniger  als  2mal  in  der  Kopflänge  enthalten.  Zwei  bis  drei 
mehr  oder  minder  deutlich  entwickelte  braune  oder  schwärzliche 
Binden  ziehen  über  die  erste  Dorsale  schief  von  oben  und  vorne  nach 
hinten  und  unten  ;  die  oberste  derselben  ist  von  der  darauftolgenden, 
zweiten  durch  einen  zuweilen  weißlichen,  breiteren  Zwischenraum 
getrennt.  Am  hinteren  Ende  der  zweiten  dunkeln  Binde  liegt  in  der 
Regel  ein  tiefschwarzer  oder  bläulichschwarzer  Fleck,  der  bei  sehr 
dunkler  Färbung  der  Dorsalbinden  fehlt. 

Die  zweite  Rückenflosse  steht  an  Höhe  der  ersten  kaum  nach 
und  zeigt  stets  eine  größere  Anzahl  schief  nach  hinten  und  unten 
ziehender,  schmalerBinden  als  diese.  Die  Zahl  derStrahlen  der  zweiten 
Dorsale  schwankt  zwischen  10 — 12  bei  den  meisten  der  von  uns  unter- 
suchten  Exemplare,   und    nur   selten   finden    sich    deren   im  Ganzen 

9  oder  13    vor;  die    Anale    enthält    in    der  Regel    11 — 12,   selten 

10  Strahlen.  Wegen    des    Vorkommens    von    14    Strahlen   in    der 


40^  S  t  e  i  n  (i  a  e  h  n  e  r. 

zweiten  DorsBle  Gobius  Ekströmii  von  Gohiiis  mbuitns  zu  trennen^ 
liaüe  ieli  Mtr  der  Hand  l'iir  ganz  unhereehtigl,  da  keine  anderweitigen 
Unterschiede  zwiselien  diesen  heideti  Arten  bekannt  sind. 

Sämmtliclie  Peetoralstrahlen  sind  durch  die  Flossenhaut  niil 
einander  verbunden  und  keiner  derselben  ist  haarförmig  gespalten. 
5 — 7  mehr  oder  minder  dunkel  gefärbte  Querbinden  zieren  die  Cau- 
dale,  deren  hinterer  Rand  nur  mäßig  coiivex  ist.  Die  Anale  ist  in  der 
Regel  Meißlichgelb,  selten  nimmt  sie  gegen  die  Spitze  der  Strahlen 
eine  etwas  schwärzlichgraue  Färbung  an. 

Der  Kopf  ist  stets  schuppenlos,  die  Schuppen  der  oberen  Rumpf- 
hälfte sind  an  den  Rändern  bald  mehr  bald  weniger  sehmal  dunkel- 
braun oder  fast  schwärzlich  gesäumt.  Längs  der  Seitenlinie  liegen  ent- 
weder nur  vier  ziemlich  große  rundliche  Flecken  oder  eine  bedeutend 
größere  Anzahl  viel  kleinerer  Häufchen  von  dicht  an  einander  ge- 
drängten schwärzlichen  Pünktchen;  ein  dreieckiger  schwärzlicher 
Fleck  nimmt  stets  die  Basis  der  Caudale  ein.  Am  oberen  Ende  der 
Peetoralbasis  bemerkt  man  eine  oder  zwei  Gruppen  schwärzlicher 
Pünktchen.  Vom  vorderen  Ende  des  unteren  Augenrandes  zieht  eine 
schmale  dunkle  Binde  in  schiefer  Richtung  nach  vorne  und  unten,  und 
von  der  Mitte  desselben  Äugenrandes  sehr  häufig  ein  zweiter,  minder 
scharf  ausgeprägter  dunkler  Streif  senkrecht  nach  unten.  Die  Kiefer- 
ränder sind  abwechselnd  hell  und  dunkel  gefleckt.  Der  vorderste Thell 
der  Unterseite  des  Unterkiefers  ist  häufig  intensiv  schwarzbraun. 

Die  Schuppen  sind  sehr  klein,  bei  jungen  Exemplaren  von 
1  J/o"  Länge  zähle  ich  deren  45 — 50,  bei  alten  circa  60 — 63  in  einer 
Längsreihe  zwischen  dem  hinteren  oberen  Ende  des  Kiemendeckels 
und  der  Caudale. 

Die  von  Professor  Canestrini  als  Gab.  m</««</Ms  beschriebenen 
ganz  kleinen  Exemplare  besitzen  gleichfalls  nur  40  —  44  Schuppen 
längs  der  Seitenlinie;  in  allen  übrigen  Eigenthümlichkeiten,  wie  in 
der  Körpergestalt,  Färbung,  Zeichnung  des  Körpers  stimmen  sie  genau 
mit  den  älteren  früher  beschriebenen  Exemplaren,  welche  60  Schuppen 
längs  den  Seilen  des  Körpers  besitzen,  überein,  dürften  daher  nicht 
von  Gab.  miiiutus  zu  trennen  sein,  wie  ich  anfangs  vermuthete. 

Fundorte:  Bucht  bei  Bilbao,  Barcelona,  Gibraltar,  Cadix. 

V  u  I  g  ä  r  n  a  in  e :   Cabrio  (Cadix). 


Ichthyol.  Rt'iii'h!  üher  eine  iiiioli  Spanien  u.  Portugal  iinttTiiomm.  Reise.     •4')o 

1  12.  Art.  Oobias  qnadrimacalatus  Cuv.  Val. 

S  y  n.   Gohins  Jeffreysü  G  ü  n  t  h..  An.  &  Majr.  of  Hist.  October  1867,  Vol.  20, 
Scr.  3,  pl.  V,  fisr.  6. 
„      rhodopterus  Güixih.  Catal.  Brif.  Mus.  Fish.,  Vol.  IIl,  p;tg.  16. 
„      reticulatus  Cuv.  Val.  T.  XII.  pag.  ,^0. 
„      pusillKs  Canestr.,  Archivio,  t.  I,  fasc.  1,  pag.  lö.i,  (ab.  VIII, 

fig.  4-4  c. 
„      quadrbiiaciilatus  Cuv.  Val.   I.  XII,   pag.  44. 
„  „  Canestr.  ibid.  pag.  139,  tab.  VIII,  fig.  1  —  ie. 

Diese  Art  ist  nicht  synonym  mit  Golnus  mimitns  L.  Gm.,  wie 
])i'.  Günther  annimmt,  sondern  eine  selbstständige  Art,  von  der 
wir  vier  Exemplare  in  Gibraltar  und  Barcelona  erhielten;  das  Wiener 
Museum  besitzt  überdieß  noch  einige  Exemplare  von  Palermo. 

Die  von  Dr.  Günther  als  Gobius  Jeffreysii  heschviehene  und 
abgebildete  .\rt,  fällt  mit  G.  quddrimaculatus  C.  V.,,  C  anestr.  zu- 
sammen, auch  G.  rhodopterus  Günther  =  G.  reticulatus  C  \ . 
dürfen  nicht  von  G.  quadrimaculatus  specifiseh  getrennt  werden. 

Nach  Cuvier  und  Valenciennes  wäre  zwar  die  Stirnbreite 
bei  Gob.  reticulatus  der  Hälfte  der  Augenlänge  gleich,  hierauf  aber 
kann  kein  Gewicht  gelegt  werden,  da  eben  diese  Autoren  ausdrücklich 
bemerken:  „Les  yeux  sont  aussi  plus  rapproches"  als  bei  Gobius 
Ruthetispari,  bei  welchem  nach  Cuv.  Val.  die  Entfernung  der 
Angen  mehr  als  einen  Diameter  betragen  soll.  Nun  sind  aber  in  der 
That  die  Augen  bei  Gobius  Ruthenspari  schon  einander  sehr  ge- 
nähert („the  interorbital  space  is  very  narrow",  sagt  Dr.  Günther), 
mithin  ist  bei  Gobius  reticulatus  Cuv.  Val.  der  Raum  zwischen 
den  Augen  noch  schmäler,  cl.  i.  von  sehr  geringer  Breite ,  wie  bei 
Gobius  Jeffreysii,  welcher  in  der  Zahl  der  Schuppen  und  Flossen- 
strahlen, so  wie  in  der  Färbung  und  Zeichnung  des  Rumpfes  genau 
mit  G.  quadrimaculatus  Cuv.  Val.,  Canest.  übereinstimmt. 

Die  Körpergestalt  ist  gestreckt,  fast  walzenförmig,  nur  der 
Schwanzsfiel  zunächst  der  Caudale  etwas  cumprimirt.  Die  Kopflänge 
ist  bei  Exemplaren  von  nahezu  3"  Länge  genau  oder  ein  wenig  mehr 
als  4mal,  die  größte  Leibeshöhe  nahezu  61/3 — 9mal  (bei  alten  Indivi- 
duen) in  der  Totallänge  mit  Einschluß  der  Caudale,  der  Augen- 
diameter  3</3 — S^/gmal,  die  Höhe  des  Kopfes  circa  'i'/em«'«!.  die 
Kopfhreite  etwas  weniger  oder  genau  2mal  in  der  Kopflänge  ent- 
halten. 


404  S  t  e  i  n  .1  ii  c  h  II  er. 

Die  Breite  des  knöchernen  Stirntheiles  zwischen  den  Augen  ist 
sehr  gering,  die  Schnauze  sowohl  querüber  als  der  Länge  nach 
stärker  gewölbt  als  bei  Gobius  mmutus  und  beiläufig  nur  2/3 mal  so 
lang  wie  das  Auge.  Die  Scheitelgegend  ist  nur  sehr  schwach  gewölbt 
oder  nahezu  flach. 

Die  Mundspalte  ist  lang,  schief  nach  oben  und  vorne  gerichtet, 
der  Unterkiefer  überragt  nach  vorne  ein  wenig  den  Zwischenkiefer, 
und  (las  hintere  Ende  des  Oberkiefers  fällt  bei  geschlossenem  Munde 
senkrecht  unter  das  vordere  Drittel  der  Augenlänge. 

Während  bei  Gobius  minutiis  der  Kopf  stets  schuppenlos  ist, 
reichen  bei  älteren  Exemplaren  des  Gobius  quadrimaculatus  die 
Schuppen  an  der  Oberseite  des  Kopfes  nach  vorne  bis  zur  Augen- 
gegend und  fehlen  nur  bei  jungen  Individuen. 

Die  Rumpfschuppen  sind  ziemlich  groß,  zwischen  dem  hinteren 
oberen  Ende  des  Kiemendeckels  und  der  Caudale  liegen  bei  älteren 
Individuen  stets  35 — 37,  bei  jüngeren  nur  circa  30 — 32  Schuppen 
in  einer  Längenreihe,  während  8 — ^9  Schuppen  zwischen  dem  Be- 
ginne der  zweiten  Dorsale  und  der  Anale  in  einer  Querreihe  zu 
zählen  sind. 

Der  zweite  Stachelstrahl  der  ersten  Dorsale  ist  bei  Männchen 
mehr  oder  minder  bedeutend  fadenförmig  verlängert,  auch  bei  Weib- 
clien  verhältnißniäßig  länger  als  bei  dem  Gobius  miuutus,  und  circa 
ly,  —  Is/smal  in  der  Kopflänge  enthalten.  Die  erste  Dorsale  enthält 
stets  6  biegsame  Stachelstrahlen,  die  zweite  Rückenflosse  wird  in  der 
Regel  von  10,  seltener  nur  von  9  Strahlen  gebildet.  Der  zweite 
Strahl  der  zweiten  Dorsale  ist  der  längste  der  Flosse,  ist  aber  kürzer 
als  der  zweite  Strahl  der  ersten  Dorsale. 

Sämmtliche  Flossen  mit  Ausnahme  der  Ventrale  sind  mehr  oder 
minder  deutlich  dunkel  gefleckt;  die  Fleckchen  liegen  stets  in  regel- 
mäßigen Reihen. 

Die  Pectorale  enthält  keine  haarförmig  gespaltenen ,  freien 
Strahlen  und  steht  der  Kopflänge  nur  um  die  Länge  des  Kiemen- 
deckels nach.  Die  Ventrale  ist  oval,  nach  hinten  etwas  zugespitzt  und 
reicht  eben  so  weit  wie  die  längere  Pectorale  zurück. 

In  der  Anale  zähle  ich  bei  den  im  Wiener  Museum  befindlichen 
Exemplaren  aus  Barcelona  nur  9  Strahlen,  bei  jenen  von  Gibraltar 
(und  Genua  nach  Canestrini)  kommen  auch  10  Strahlen  in  der 
Anale  vor. 


Ichthyol.  Bericht  iihpr  eine  nach  Spanien  ii.  Poitug^al  uiileinonnn.  Reise.     4  05 

Die  in  der  oberen  Hälfte  des  Rumpfes  gelegenen  Schuppen  sind 
am  freien  Rande  dicht  dunkelbraun  punktirt. 

Vier  ziemlich  große,  runde  oder  X  förmige,  schwärzliche  Flecken 
liegen  längs  der  Mittellinie  der  Rumpfhöhe,  an  der  Caudale  selbst 
sitzt  ein  schwärzlicher,  bindenförmiger  oder  auch  dreieckiger  Fleck. 
Die  Wangen  und  Deckelstücke  sind  mit  zahlreichen,  schwärzlichen 
Pünktchen  besetzt,  am  oberen  vorderen  Endtheile  der  Pectorale  zeigt 
sich  stets  eine  kleine  Gruppe  ähnlicher  Pünktchen. 

D.  6/^„;  A.  ^;  P.  18—19;  L.  lat.  30-37. 

112.  Art.  (iobias  quagga  Heck. 

Diese  kleine  zierliche  Art,  welche  ich  in  mehreren  Exemplaren 
bei  Malaga  fischte,  zeigt  eine  noch  schlankere  Körpergestalt  als 
Gobius  minutus  und  kommt  ungleich  seltener  als  diese  an  der  Ost- 
küste Spaniens  vor. 

Die  Länge  des  Kopfes  ist  etwas  weniger  als  41/3  —  4^/5 mal,  die 
Körperhöhe  7 — 8mal  in  der  Totallänge,  der  Augendiameter  3^/5  bis 
4mal ,  die  Schnauzenlänge  fast  7mal,  die  Kopfbreite  nicht  ganz 
2mal,  die  Kopfhöhe  genau  2mal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Die  Oberseite  des  vollkommen  schuppenlosen  Kopfes  ist  flach, 
der  Schwanzstiel  ziemlich  bedeutend  comprimirt,  die  Schnauze  am 
vorderen  Ende  fast  quer  abgeschnitten,  die  Mundspalte  stark  nach 
oben  gerichtet.  Die  Augen  sind  nahe  aneinander  gerückt,  rund.  Der 
Unterkiefer  überragt  nach  vorne  den  Zwischenkiefer  ein  wenig,  das 
hintere  Ende  des  Oberkiefers  fällt  in  senkrechter  Richtung  ganz  genau 
unter  oder  etwas  vor  das  Augencentrum. 

Die  beiden  Dorsalen  erreichen  nur  eine  mäßige  Höhe,  welche 
der  des  Rumpfes  etwas  nachsteht;  die  erste  Dorsale  ist  am  oberen 
Rande  abgerundet,  der  zweite  und  dritte  der  biegsamen  Dorsal- 
stacheln gleichen  sich  an  Höhe.  Im  oberen  Theile  der  ersten  Rücken- 
flosse liegen  2 — 3  Reihen  kleiner,  in  die  Länge  gezogener  Fleckchen 
von  dunkelbrauner  Färbung.  Die  Pectorale  enthält  keine  baarförmi- 
gen  Strahlen  und  ist  kürzer  als  die  Ventrale,  welche  nach  hinten  bis 
zur  ziemlich  langen  Genitalpapille  reicht  und  nahezu  so  lang  oder 
zuweilen  selbst  etwas  länger  als  der  Kopf  ist. 

Die  Caudale  zeigt  schwach  ausgeprägte,  bräunliche  Querbin- 
den.  Eine  Gruppe  kleiner  brauner  Punkte  liegt  im  oberen,  vorderen 


406  S  t  e  in  <1  a  eil  n  e  r. 

Tlieile  der  Pectorale,  eine  zweite  etwas  hinter  dem  hinteren  Rande 
des  Vordeekels.  Zwei  dunkle  Streifen,  gleiehlaüs  von  dicht  neben- 
einander h'egenden  Pünktchen  gebiklet,  ziehen  vom  unteren 
Augenrande  nacli  i]L'y  Trilcrseite  des  Unterkiefers. 

Am  den  Seiten  des  lUnnpfes  liegen  schmale  Querhinden,  4 — 5 
an  der  Zahl,  so  wie  ein  stark  ausgejirägter  dreieckiger  Fleck  unmittel- 
bar an  und  V(ir  der  Caudalbasis.  f)ie  erste  Querbinde  des  Rumpfes 
befindet  sieh  hinler  der  zurückgelegten  Spitze  der  Pectorale,  ist  stets 
schwächer  entwickelt  als  die  darauffolgenden  und  feldt  zuweilen 
spurlos,  die  zweite  fallt  über  den  Beginn  der  Anale,  ist  die  längste 
v(Mi  allen  und  am  schärfsten  ausgeprägt;  die  dritte  Querbinde  liegt 
über  dem  letzten  Analstrahl,  die  vierte  gehurt  dem  Scliwanzstiele  an 
und  breitet  sich  zuweilen  fleckenähnlich  aus.  Die  Schuppen  der 
oberen  Rumpfhälfte  sind  dunkelbraun  gerandet,  nur  an  drei  Stellen 
der  Rückenseite  scheint  die  dunkle  Umsäumung  stets  zu  fehlen ,  so 
zunächst  und  an  dem  Beginne  der  zweiten  Dorsale,  etwas  vor  dem 
hinteren  Basisende  der  zweiten  Dorsale  und  an  der  Oberseite  des 
mittleren  Theiles  des  Schwanzstieles.  Längs  der  Seitenlinie  liegen 
30  —  33  Schuppen.      • 

D.  6/— ?-qt;  A.  1/8-9;  L.  lat.  30—33. 

Das  Wiener  Museum  besitzt  Mohlerbaltene  Exemplare  dieser 
Art  von  Lesina  (Dalmatien),  Palermo,  aus  dem  Quarnero  und  der 
Umgebung  von  Malaga. 

113.  Art.  Crobios  jozo  Lin. 

Syn.   Gohius  longiradiatns  Risso,  Cuv.  Val.,  etc. 

Kommt  unendlich  häufig  an  den  Küsten  der  iberischen  Halbinsel 
vor  und  steigt  weit  in  die  Flüsse  hinauf;  wir  sammelten  zahlreiche 
Exemplare  von  nahezu  3 — 5'/s"  Länge  bei  Barcelona,  Valencia,  Ma- 
laga, Gibraltar,  Cadix,  in  dem  klaren,  kalten  Gebirgsbache  Guadaira 
bei  dem  Städtchen  Alcala  de  Guadaira  nächst  Sevilla,  bei  Setubal, 
La  Coruna,  so  wie  in  der  Bucht  von  Bilbao  nahe  vor  der  Einmündung 
des  Flusses. 

Die  Länge  des  Kopfes  ist  bei  Exemplaren  von  nahezu  3—41/3" 
Länge  41/2 — 4a/5mal,  die  größte  Leibeshöhe  gf/g — ^öVs^al  in  der 
Totallänge,  die  Kopfbreite  genau  oder  ein  wenig  mehr  als  1  '/smal, 
die  Kopfhöhe  circa    l"/4ma],die  Länge  des  Auges  3'/2— 4mal,  die 


Ichthyol.  Bericht  über  eine  liacli  Spiiiiicn  u.  I'orlii;;^!  iintfi-iiomni.  Heise.     40  i 

Schnaiizenlänge  A—i^/omiA  in  der  Kopflänge  enthalten.  Die  Länge 
der  Mundspalte,  welche  schief  nach  oben  und  vorne  gekehrt  ist,  iiber- 
triiTt  ein  wenig  die  des  Auges;  das  hintere  Ende  des  Oberkiefers 
fällt  senkrecht  unter  die  Mitte  des  Auges.  Die  Kiefer  reichen  gleich- 
weit nach  vorne. 

Sehr  größte  Poren  liegen  an  den  Rändern  des  Vordeckels,  am 
oberen  Rande  des  Kiemendeckels  und  des  Auges,  so  wie  am  oberen 
Theile  des  hinteren  Augenrandes.  Zahlreiche  Quer-  und  Längen- 
reihen sehr  feiner,  dicht  neben  einander  liegender  Poren  finden  sich 
an  den  Wangen  und  am  Kiemendeckel,  ferner  an  dem  beschuppten 
Scheitel  und  am  Nacken  bis  zur  ersten  Dorsale  vor,  deren  Stachel- 
strahlen bei  den  Männchen  mehr  oder  minder  bedeutend  fadenförmig 
verlängert  sind;  der  vierte  Stachel  der  ersten  Dorsale  ist  nicht  selten 
bei  Männchen  eben  so  lang  oder  noch  beträchtlich  länger  als  der 
Kopf.  Am  oberen  Ende  der  Flossenhaut  des  ersten  und  zweiten 
Dorsalstachels  liegt  ein  tiefschwarzer  Fleck,  zuweilen  auch  ein 
kleinerer  und  minder  scharf  abgegrenzter  Fleck  zwischen  den  zwei 
oder  drei  darauffolgenden  Stacheln  derselben  Flosse.  Unter  diesen 
Flecken  kommen  häufig  abwechselnd  hellere  und  dunklere  Längs- 
binden vor,  welche  in  der  Regel  auch  der  zweiten  Dorsale  und 
der  Anale  nicht  fehlen,  doch  nie  sehr  scharf  abgegrenzt  sind.  Die 
Caudale  ist  am  hinteren  Rande  abgerundet  und  zuweilen  der  Quere 
nach  gefleckt.  Die  zurückgelegten  Spitzen  der  letzten  Strahlen  der 
zweiten  Dorsale  und  der  Anale  reichen  bei  Männchen ,  nicht  aber 
bei  Weibchen  bis  zur  Rasis  der  zahlreichen  Stützstrahlen  der  Cau- 
dale zurück. 

Die  Ventrale  ist  in  der  Regel  etwas  kürzer  als  die  Pectorale, 
diese  nur  wenig  kürzer  als  die  Caudale. 

Durchschnittlich  liegen  38—40,  nach  Canestrini  35  —  43 
Schuppen  längs  den  Seiten  des  Rumpfes  zwischen  der  Pectoralachsel 
und  der  Caudale  in  einer  Längsreihe;  12—13  zwischen  dem  Reginne 
der  zweiten  Dorsale  und  der  Anale,  und  5  am  Schwanzstiele  selbst  in 
einer  vertikalen  Reihe.  Die  Schuppen  des  Scheitels  und  Nackens  bis 
zur  ersten  Dorsale  sind  bedeutend  kleiner  als  die  übrigen  Rumpf- 
schuppen. 

Längs  der  Mitte  des  Rumpfes  zieht  sich  eine  Reihe  schwai'z'er 
Punkte  hin,  zuweilen  kommen  daselbst  noch  sehr  groß>e  Nebel- 
flecken vor. 


408  Steindachner. 

Häufig  nehmen  sämmtliehe  Flossen  eine  sehwärzliehgraue  Fär- 
linng  an,  in  diesem  Falle  verschwinden  die  früher  erw  ahnten  dunkeln 
Quer-  oder  Längsbinden.  Die  Grundl'arbe  der  Körperseiten  selbst  ist 
bald  gelbliehbraun,  bald  schmutzig  dunkel-rostbraun,  die  Rumpf- 
sehuppen  sind  zait,  dunkelbraun  punktirt;  es  treten  diese  Punkte  bei 
der  helleren  Varietät  besonders  deutlich  hervor  und  häufen  sich  am 
meisten  zunächst  den  Schuppenrändern  an. 

Die  Bauchseite  ist  stets  heller  gefärbt  als  der  übrige  Theil  des 
Rumpfes. 

D.  6/j2Zri3'  A-  VII;  P.  17—18;  L.  lat.  35— 43. 

Vulgärname:  Burro  (Barcelona),  Pez  del  diablo  (Cadix 
nach  Mach  ado). 

114.  Art.  Oobias  croentatus  Lin. 

S  y  n.   GohiHs  geniporus  C  u  v.  V  a  1. 

Gobius  crueiitatus  L.  reiht  sich  zunächst  an  Gobius  jozo  und 
ist  wie  letztere  Art  ausgezeichnet  durch  das  Vorkommen  zahlreicher, 
schwärzlicher  Porenreihen  an  den  Wangen,  auf  der  Schnauze,  am 
Scheitel,  Nacken,  auf  den  Deckelstücken,  sowie  einzelner  großer 
Poren  am  Rande  des  Vordeckels,  auf  der  schmalen  Stirne  zwischen 
den  Augen  und  am  oberen  Theile  des  hinteren  Augenrandes;  die 
Porenreihen  sind  stets  stärker  entwickelt  als  bei  Gobius  jozo ,  dieses 
gilt  insbesondere  von  der  Trförmigen  Porengruppe  am  Scheitel;  die 
einzelnen  Poren  am  Vordeckelrande  dagegen  stehen  jener  von  Gobius 
jozo  an  Umfang  nach. 

Die  Kopflänge  ist  4 — 4'/5mal,  die  größte  Körperhöhe  bei  den 
von  uns  untersuchten  acht  Exemplaren  ^'*/--, — Ts/jmal  in  der  Total- 
länge ,  das  große,  runde  Auge  bezüglich  seiner  Länge  Ss/. — 4mal, 
die  Schnauzenlänge  durchschnittlich  4i/2'T^8l.  die  Kopfbreite  weniger 
als  2mal,  die  Kopfiiöhe  bald  genau  2mal,  bald  nur  etwas  mehr  als 
Is/gmal  in  der  Koptlänge  enthalten. 

Die  Mundspalte  ist  schief  nach  oben  und  vorne  gerichtet,  die 
Zwischen-  und  Unterkieferzähne  der  Außenreihe,  insbesondere  die 
vordersten  oder  mittleren  derselben  sind  bedeutend  länger  als  die 
Zähne  der  übrigen  Reihen,  zugespitzt  und  etwas  gekrümmt;  das 
hintere  Ende  des  Oberkiefers  fällt  senkrecht  unter  die  Mitte  des 
Auges. 


Iclitiiyol.  Bei-iflit  über  eine  naeli  Spiinieii  ii.  I'mtutjiil  unfernomni.  Reise.     4'09 

Der  oberste  Strahl  der  Pectorale  ist  haarförmig,  zuweilen  sind 
die  zwei  folgenden  Strahlen  im  hinteren  Längentheile  durch  keine 
gemeinsame  Haut  verhunden.  Die  erste  Dorsale  ist  am  oberen  Rande 
abgerundet,  der  längste,  dritte,  biegsame  Stachelstrahl  übertrifft  die 
Hälfte  des  Kopfes  in  der  Regel  ein  wenig  an  Länge;  die  zweite  Dor- 
sale und  die  Anale  nehmen  nach  hinten  an  Höhe  zu  und  die  Spitzen 
der  letzteren  Strahlen  reichen  bis  zu  den  zahlreichen  kurzen  Rand- 
strahlen der  Caudale  zurück,  deren  Länge  der  des  Kopfes  nahezu 
gleicht. 

Es  ist  kein  triftiger  Grund  vorhanden,  Gobius  f/eniporus  speci- 
fisch  von  Gobhis  cruentatus  zu  trennen;  erstere  Art  kann,  wie  aus 
der  Untersuchung  einer  großen  Zahl  von  Exemplaren  deutlich  her- 
vorgeht, nur  als  eine  Farbenvarietät  der  letzteren  betrachtet  Merden. 
Beide  stimmen  mit  einander  in  der  Zahl  der  Schuppen  und  Flossen- 
strahlen, in  den  relativen  Längen-  und  Höhenverhältnissen  der  ein- 
zelnen Körpertheile,  in  der  Entwicklung  der  Poren  genau  mit  ein- 
ander überein  und  unterscheiden  sich  in  der  Färbung  auch  nur  zum 
Theile.  Daß  bei  Gobiiis  geniporus  die  vordere  Verbindungshaut  der 
Ventralscheibe  fehle,  ist  irrig,  denn  sie  ist  deutlich  entwickelt,  aber 
sehr  dünn  und  von  heller  Färbung,  daher  leicht  zu  übersehen, 
während  sie  bei  Gob.  cruentatus  meist  schwärzlich  ist,  und  daher 
deutlicher  ins  Auge  fällt.  Überhaupt  zeigt  die  vordere  quere  Haut- 
falte der  Bauchflosse  große  V^ei'schiedenheiten  in  dem  Grade  ihrer 
Entwicklung  bei  einer  und  derselben  Art,  in  der  Regel  ist  sie  bei 
alten  Exemplaren  bedeutend  dicker  und  umfangreicher  als  bei  jungen 
Individuen. 

Auch  bei  Exemplaren  von  der  typischen  Färbung  des  Gobius 
cruentatus  beträgt  die  Zahl  der  Schuppen  in  der  Regel  o3 — S6,  wie 
bei  Gob.  geniporus  und  die  schwarzbraunen  Flecken  längs  der  Mitte 
der  Körperseiten  fehlen  weder  bei  der  einen  wie  bei  der  anderen 
Varietät.  Die  beiden  Dorsalen,  die  Pectorale  und  die  Caudale  sind 
mehr  oder  minder  deutlich  hell  und  dunkel  gefleckt,  je  nachdem  die 
Grundfärbung  der  Flossen  heller  oder  dunkler  ist;  die  V^entrale  ist  in 
der  Regel  schmutzig  schwärzlichgrau ,  bei  einem  Exemplare  unserer 
Sammlung  wie  die  übrigen  Flossen  hell  und  dunkel  (der  Quere  nach) 
gefleckt,  bei  zweien,  welche  der  Var.  geniporus  angehören,  milchig 
weiß.  Die  Anale  ist  bei  eben  diesen  zuletzt  erwähnten  zwei  Exemplaren 
gleichfalls  milchig  weiß  und  zunächst  dem  unteren  Rande  mit  äußerst 

Sitzli.  (].  mathem.-natiirw.  Cl.  LVII.  Bd.    I.  Ahth.  27 


^■lO  Steindachner. 

leinen  dunkeln  Pünktchen  übersäet.  Bei  Gobius  cruentatiis  im  enge- 
ren Sinne,  ziehen  mehr  oder  minder  regelmäßig  entwickelte,  dunkel 
rothbraune  Qnerbinden  vom  Rücken  bis  ZAir  Mitte  der  Körperseiten, 
selten  bis  zur  Bauchlinie  selbst,  herab,  alterniren  jedoch  mit  den 
stärker  ausgeprägten  dunkleren  Flecken  der  Seitenlinie,  deren  Schup- 
pen häufig  noch  schwarze  Punkte  tragen.  Bei  der  Var.  geniporus  ist 
die  obere  Hälfte  der  Körperseiten  ganz  unregelmäßig ,  dicht  mar- 
morirt. 

Die  Wangen  sind  zuweilen  gleich  dem  Kiemendeckel  vollständig 
oder  nur  zum  Theile  beschuppt,  oder  schuppenlos  (sowohl  bei  der 
einen  wie  bei  der  anderen  Varietät),  in  letzterem  Falle  tragen  sie 
stets  zahlreiche  schwärzliche  Pünktciien  und  zwei  dunkle  Querbinden, 
welche  vom  unteren  Augenrande  herablaufen. 

Canestrini  zählt  bei  Goh.  eruentatus  nur  48  Schuppen  längs 
der  Seitenlinie,  ich  selbst  finde  deren  J)3 — 56,  zuweilen  selbst  S8. 
Zwischen  dem  Beginne  der  zweiten  Dorsale  und  der  Anale  liegen 
durchschnittlich  14 — 15,  bei  alten,  gedrungenen  Exemplaren  selbst 
17  — 18  Schuppen  in  einer  Querreihe. 

P.  18;  D.  6/^3-^;  A.  1/13—12;  L.  lat.  53—58  (—48). 

Wir  erhielten  nur  wenige  Exemplare  dieser  Art,  die  im  adria- 
tischen  Meere  bei  Spalato,  Sebenico  und  Triest  sehr  gemein  ist, 
während  unseres  Aufenthaltes  in  Barcelona  und  Malaga.  Das  größte 
Exemplar  unserer  Sammlung  ist  51/3"  lang. 

115.  Art.  Gobias  exaDthematosas  Pall.,  Nordm.,  Kessl. 

Syn.  Gobius  capito  Cuv.  Val.,  T.  XII,  pag.  21,  adult. 

„      guttatus   Cuv.   Val.,   XII,    pag.  22;    Canestr.,    Arch.   p.  I. 
Zool..  Vol.  II,  fasc.  2,  pag.  124.  tav.  VII,  fig.  3-3  c, 
fav.  IX,  fig.  4. 
„      limhatus  Cuv.  Val,,  t.  XII,  p.  26,  juv. 

Nach  Untersuchung  zahlreicher  Exemplare  aus  dem  mittelländi- 
schen, adriatischen  und  schwarzen  Meere  in  den  verschiedensten 
Altersstufen  kann  ich  Gobius  exatithematosus,  capito,  guttatus  und 
limbatus  nur  als  Varietäten  einer  einzigen  Art  betrachten.  Bei 
genauer  Vergleichung  der  von  Cuvier  und  Valenciennes  gege- 
benen leider  zum  großen  Theile  ganz  obertlächlichen  Beschreibungen 
der  oben  in  der  Synonymie  angeführten  Arten  ergibt  sich  nicht  der 


Iclitliydl.  Bericlil  iihcr  eine  ii;irli  Spanien  ii.  Piirlii<5al  miternornin.  Reise.     411 

geringste  wesentliche  Unterscliied  in  der  allgemeinen  Kijrperform, 
so  weit  er  nicht  etwa  auf  Al'ersversehiedenheit  bernht,  in  der  Zahl 
der  Schuppen  oder  Hossenstrahlen,  so  wie  in  der  Zeichnung  des 
Rumpfes;  von  GoIhuh  fjuttalus  C.  V.  heißt  es  in  der  Histoire 
naturelle  des  Poissons:  „fort  semhlahles  a  ce  gohins  eapito,  et  qui 
approchent  de  sa  taille",  von  Gobins  Umbatus:  „semhlahle  au  gobius 
guttatus,  pour  les  formes  et  pour  les  proportions  de  l'oeil",  nur  soll 
hei  Gobins  guttatus  das  Auge  ein  wenig  kleiner  (cependant  Toeil  un 
peu  moins  petit),  und  die  schwarze  und  olivenhraune  Färbung  des 
Rumpfes  und  der  Flossen  schärfer  abgegrenzt  sein,  während  bei 
Gobius  Umbatus  das  Schwarze  an  den  Rändern  mehr  verwaschen  ist. 
Diese  geringfügigen  Unterschiede  in  der  Färbung  und  Zeichnung  so 
wie  in  der  Grüße  der  Augen  sind  ganz  bedeutungslos. 

Daß  bei  Gobius  eapito  die  Schwimmblase  fehle,  ist  gewiß  irrig. 
Ich  untersuchte  fast  sämmtliche  Exemplare  des  Wiener  Museums, 
darunter  alle  jene,  welche  äußerlich  ganz  genau  mit  Cuvier's  und 
Valencienn es' Beschreibung  von  Gobius  eapito  übereinstimmen, 
und  fand  stets  eine  ganz  deutlich  entwickelte  Schwimmblase;  diese 
ist  zartwandig,  rundlich,  silberglänzend,  nicht  innner  so  klein,  wie 
sie  Valenciennes  bei  Gobins  guttatus  beschreibt,  worauf  schon 
Canestrini  aulmerksam  machte,  und  kann  sehr  leicht  übersehen 
werden  oder  ganz  unkenntlich  sein,  wenn  durch  irgend  eine  Ver- 
letzung oder  Fäulniß  der  geringe  Luftinhalt  entweicht.  Die  Leber  liegt 
in  der  Regel  in  der  Mittellinie  des  Bauches,  zuweilen  aber  entwickelt  sie 
sich  mehr  nach  der  rechten  Körperseite,  zahlreiche  Schwankungen 
und  Übergänge  nehmen  jedoch  auch  dieser  Erscheinung  jede  Be- 
deutung. 

Sämmtliche  Flossen  mit  Ausnahme  der  Ventrale  sind  abwech- 
selnd hell  und  dunkel  gefleckt,  und  die  Flecken  sind  mehr  oder  min- 
der scharf  abgegrenzt  oder  stark  an  den  Rändern  verwaschen.  In  der 
Regel  sind  die  Flecken  im  hinteren  Theile  der  ersten  Dorsale  größer 
und  dunkler  als  in  dem  vorderen  Theile  derselben.  Bei  jungen  Indi- 
viduen von  33/4 — 41/2"  Länge  ist  die  Grundfarbe  des  Körpers  in  der 
Regel  sehr  hell  röthlichbraun,  bei  ganz  alten  grau;  bei  ersteren 
treten  die  dunkel-rothbraunen,  stets  etwas  unregelmäßigen  Querbin- 
den und  Marmorirungen  viel  schärfer  hervor  als  bei  alten  und  sind 
fast  immer  mit  tief  schwarzbraunen  Fleckchen,  insbesondere  zunächst 
und  in  der  Mitte  der  Körperseiten  gesprenkelt.  Die  Stirnbreite  nimmt 

27* 


4  I  Ä  S  t  e  i  n  d  it  o  h  II  e  r. 

mit  dem  Alter  zu,  auch  die  Schnauze  ist  bei  alten  Individuen  durch- 
schnittlich bedeutend  stärker  gekrümmt  und  fallt  steiler  zum  vorderen 
]\Iundrande  ab,  als  bei  jungen.  Bei  letzteren  ist  die  Länge  des  Augen- 
diameters  genau  oder  etwas  mehr  als  4mal,  bei  älteren  Exemplaren 
von  6 — 9"  Länge,  etwas  mehr  als  5  bis  fast  6nial  in  der  Kopflänge 
enthalten. 

Bei  alten  Individuen  erreicht  die  Stirnbreite  durchschnittlich  3/3 
der  Augenlänge,  bei  jungen  oft  kaum  die  Hälfte  der  letzteren. 

Die  Kopflänge  gleicht  in  der  Regel  y^,  die  Körperhöhe  nahezu 
1/5  bis  fast  i/e  der  Totallänge,  die  Kopfbreite  ist  1  ^/smal  bei  jungen, 
11/5  mal  bei  alten  Exemplaren ,  die  Kopfhöhe  l^/s  — ly^mal  in  der 
Kopflänge  enthalten.  Die  Schnauze  ist  in  derRegel  länger  als  das  Auge, 
sehr  selten  nur  eben  so  lang  wie  dieses,  und  verhält  sich  zur  Kopflänge 
wie  1  :  31/a — 4,  selten  wie  1  :  5.  Junge  Exemplare  sind  in  der  Regel 
verhältnißmäßig  viel  schlanker  als  alte,  doch  kommen  zuweilen  auch 
junge  Individuen  von  4 — 4'/V'  Länge  vor,  deren  Körpergestalt  auf- 
fallend gedrungen  ist  und  umgekehrt,  ohne  daß  andere  Merkmale 
eine  Art-Trennung  nöthig  machten.  Mehrere,  nicht  besonders  stark 
vortretende  Porenreihen  laufen  von  dem  unteren  Augenrande  aus; 
schärfer  ausgeprägt  sind  die  kurzen,  schwärzlichen  Porenlinien  am 
Scheitel. 

Die  Ventrale  bildet  eine  fast  kreisrunde  Scheibe  mit  mehr  oder 
minder  dicker  vorderer  Haut-Querfalte  und  ist  stets  bedeutend  kürzer 
als  die  Pectorale,  deren  obere  3 — 4  Strahlen  nach  hinten  in  zahl- 
reiche, haarförmige  Fäden  sich  spalten. 

Bei  fast  sämmtlichen  Exemplaren  unserer  Sammlung  sind  die  Rän- 
der der  Dorsalen  und  der  Anale  hell  gesäumt.  Hiiuflg  liegt  ein  schma- 
ler, halbmondförmiger  dunkler  Fleck  zunächst  dem  oberen  Flossen- 
bautende  der  ersten  Dorsale  zwischen  je  zwei  der  vier  letzten  Strah- 
len. Bei  sämmtlichen  in  Spiritus  aufbewahrten  Individuen  bemerkt 
man  zahllose  weiße  Linien  und  Fleckchen  in  regelmäßigen  Querreihen 
zwischen  den  breiten,  dunkeln  Fleckenbinden  auf  der  stark  entwickel- 
ten Pectorale. 

Der  obere  Theil  des  Kiemendeckels  und  die  Oberseite  des  Hin- 
terhauptes bis  zu  den  Augen  ist  beschuppt.  Die  Schuppen  des  Rum- 
pfes nehmen  gegen  die  Caudale  an  Größe  zu.  Bei  ganz  jungen  Indi- 
viduen liegen  längs  der  Mitte  der  Rumpfhöhe  zwischen  der  Pectoral- 


Ichthyol.  Bericht  übe:'  eine  nacli  Spitiiieii  u.  l'ortiiy^al  iiiift'inomm.  Reise.     -4  1  3 

achsel    und    der   Caudale   56  —  63,   bei   alten    nicht  selten   70  —  73 
Schuppen  in  einer  Längsreihe. 

D.  a/-J-rj;  A.  1/10-12:  P.  18;  L.  lat.  50—73. 
'13—14  ' 

Eine  ganz  vorzügliche  Abbildung  dieser  Art  ist  in  dem  Atlas  zur 
Fauna  pontica  (Pisces,  Tab.  X,  Fig.  1)  gegeben. 

Wir  sammelten  vier  kleine  und  z\\ei  große  Exemplare  von 
Gobius  exanthematosus  bei  Barcelona :  das  Wiener  Museum  besitzt 
überdies  noch  Exemplare  von  Genua,  Palermo,  Fiume,  Cattaro,  Triest 
und  aus  dem  sclnvarzen  Meere. 

116.  Art.  Gobias  paganellos  Lin.,  Cuv.  Vai. 

S  y  n.   Gobius  inelanio  P  a  11. ,   Norilni. 

„      bicolor  Cuv.  Val.  XII,  pag.  19. 

„       niffer,  part.,   Yarell,  Brit.  Fish.  2d.  Ed.,  t.  I,  pag.  281. 

„      Thomps.,  Ann.  &  Mag.  Nat.  Hist.  1839,  II,  pag.  417. 
„         „      Canestr.,    Arch.   p.    1.  Zool.,  t.  I,  fasc.  2,    pag.  133, 

tav.  VII,  fig.  2—2  e. 
„      vxaderensis  Cuv.  Val.,  XII,  pag.  55;  var. 
„      niger,  var.,  Lowe,  Proc.  Zool.  Soc.  1839,  pag.  84;  Transact. 
Zool.  Soc.  III,  pag.  10. 

Die  Mehrzahl  der  Ichthyologen  verwechselte  diese  kleine  Art 
mit  Gobius  niger  (Lin.),  Meleher  höchst  wahrscheinlich  dem  Mittel- 
meer-Becken iehlen  dürfte,  und  sich  hauptsächlich  durch  das  Vor- 
kommen einer  bedeutend  geringeren  Zahl  von  Schuppen  längs  der 
Seitenlinie  wesentlich  von  Gobius  pnganellus  unterscheidet. 

Letztgenannte  Art  ist  nicht  nur  im  mittelländischen,  adriatischen 
und  schwarzen  Meere  sehr  häufig  zu  finden,  sondern  kommt  auch  im 
atlantischen  Ocean  von  den  Küsten  Englands  bis  zu  den  canarischen 
Inseln  vor  und  nähert  sich  in  der  Körperform  dem  Gobius  exanthe- 
mutliosus  =  G.  capito.  Wie  Gobius  jozo  hält  sich  auch  Gobius  pnga- 
nellus im  Brack-  und  Süßwasser  zunächst  den  Flußmündungen 
gerne  auf. 

Die  Kiefer  reichen  nach  vorne  gleich  weit,  das  hintere  Ende 
des  Oberkiefers  fällt  unter  die  Mitte  des  Auges,  die  Porenlinien  an 
den  Wangen  treten  minder  scharf  als  bei  Gobius  cruentatus  und  G. 
jozo  hervor. 

Die  Länge  des  Kopfes  ist  bei  Exemplaren  von  21/3 — 43/3"  Länge 
unbedeutend  mehr  als  4 — 4y4mal,  die  Kopfbreite  nahezu  oder  genau 
1  i/omal,  die  Kopfhöhe  1 '/jj — Is/ämal  in  der  Kopflänge  enthalten.  Die 


414  S  t  .•  i  11  .1  ;,  f  li  II  e  r. 

Stinibreite  ist  oei-jng  und  diirclischiiitUich  ^/■^  der  Augeulänge  gleich, 
die  Sclinauzenliinge  stellt  der  Augeniänge  stets  ein  wenig  nach. 

Die  Ventralscheibe  ist  stark  gerundet  und  stets  kürzer  als  die 
Pectorale,  welche  hei  alten  Individuen  stärker  entwickelt  und  länger 
ist  als  hei  jungen.  Die  obersten  4 — 5  Pectoralstrahlen  sind  in  zahl- 
reiche haarl'ürmige  freie  Fäden  aufgelöst,  welche  ziemlich  lang  und 
nur  an  der  Basis  durch  eine  Haut  verbunden  sind.  Diese  Eigenthüm- 
lichkeit ,  welche  bei  keiner  anderen  europäischen  Art  so  deutlich 
ausgesprochen  vorkommt,  so  wie  der  ziendich  breite,  im  Leben 
orangegeibe  Saum  am  oberen  Rande  der  ersten  Dorsale  charakteri- 
sireii  (iobins  p(((/((tiellus,  der  in  der  Färbung  bedeutend  variirt. 

Die  erste  Dorsale  ist  am  oberen  Rande  abgerundet  und  erhebt 
sich  zu  keiner  bedeutenden  Höhe,  denn  der  dritte,  höchste  der  sechs 
liieffsamen  Stacheln  dieser  Flosse  ist  durchschnittlich  2mal  in  der 
Kopflänge  enthalten,  und  nur  wenig  länger  als  der  darauffolgende 
vierte.  Die  Strahlen  der  zweiten  Dorsale  nehmen  bis  zum  viertletzten 
allmälig,  im  Ganzen  somit  nur  wenig  an  Höhe  zu,  welche  die  der 
ersten  Dorsale  etwas  übertrifft,  und  sind  wie  die  der  Anale  bei  Männ- 
chen etwas  länger  als  bei  Weibchen.  Der  drittletzte,  längste  Strahl 
der  Anale  ist  eben  so  lang  wie  der  dritte,  höchste  Stachel  der  ersten 
Dorsale.  Die  zurückgelegten,  letzteren  Strahlen  der  zweiten  Dorsale 
berühren  mit  ihrer  Spitze,  insbesondere  bei  älteren  Männchen  die 
Basis  der  vordersten,  sehr  zahlreichen  und  kurzen,  oberen  Stütz- 
strahlen der  Caudale,  während  die  der  Anale  selbst  bei  Männchen 
nicht  so  weit  zurückreiciien. 

Nach  der  Zeichnung  luid  Färbung  des  Rumpfes  lassen  sich  drei 
Varietäten  unterscheiden,  die  von  Tu  vi  er  und  Valenciennes  als 
drei  besondere  Arten,  in  der  Histoire  naturelle  des  Poissons 
beschrieben  sind,  nämlich  als  Gohius  hicolor ,  paganellus  und  ma- 
dereiisis. 

Bei  der  ersten  derselben  (d.  hicolor)  sind  Körper  und  Flossen 
einfarbig  dunkel  braun  oder  schwärzlieh,  mit  Ausnahme  des  nie  fehlen- 
den gelben  vSaiimes  am  oberen  Bande  der  ersten  Dorsale  und  eines 
grolkn  Nebelfleckes  von  dunklerer  Färbung  unter  demselben.  Über- 
dies ist  der  untere  Rand  der  Anale,  der  Ventralrand,  der  hintere 
Rand  der  Caudale  und  der  obere  der  zweiten  Dorsale  sehr  häufig 
hell  (gelblich  oder  wei(5>l!ch)  eingefalU  wie  bei  den  zwei  übrigen 
Varietäten.    Das  Wiener  Museum  besitzt  mehrere  große  Exemplare 


Ichthyol.  Bericht  über  eine  nach  Spanien  u.  l'ortiig:;il  uiiternomm.  Reise.     415 

dieser  er.sten  Varietät  aus  dem  schwarzen  und  dem  Marmora-Meere, 
und  zwei  kleine  von  den  canarisclien  Inseln. 

Die  zweite  Varietät  (G.  pagnnellus  s.  str.^,  welche  sehr  häufig 
im  Mittelmeer  mit  Einschluß  des  adriatischen  Meeres  und  im  atlanti- 
schen Ocean  von  den  Küsten  Englands  his  Gihraltar  vorkommt,  und 
nur  sehr  selten  zunächst  Madeira  und  den  canarisclien  Inseln  gefischt 
wird,  zeigt  eine  mehr  oder  minder  hellbraune  Färbung  des  Rumpfes 
mit  nur  sehr  schwach  ausgeprägten,  unregelmäßigen,  dunkleren 
Querbinden  oder  Marmorirungen ,  deren  Ränder  stark  verwachsen 
sind,  und  ziemlich  große  schwarzbraune  Punkte  mit  verschwommenen 
Rändern  längs  der  Seitenlinie. 

Sämmtliche  Flossen,  mit  Ausnahme  der  gelblichen,  grauen  oder 
schwärzlichen  Ventrale  und  zuweilen  auch  der  Anale,  sind  dunkel 
gefleckt  oder  gebändert,  und  diese  Flecken  treten  je  nach  der  helle- 
ren oder  dunkleren  Färbung  der  Flossen  bald  schart"  bald  nur  sehr 
schwach  hervor  und  umschließen  zuweilen  ganz  kleine  helle  Flecken  von 
der  Grundfarbe  der  Flossen.  Die  untere  Fläche  des  Kopfes  ist  sehr 
häufig  querüber  hell  und  dunkel  gebändert,  oder  nur  gefleckt.  Zuweilen 
liegt  ein  größerer  schwarzer  Fleck  zwischen  den  zwei  letzten  Stachel- 
strahlen der  ersten  Dorsale. 

Die  dritte  Varietät  findet  sich  in  sehr  großer  Individuenzahl  zu- 
nächst den  felsigen  Küsten  von  Madeira  und  der  canarischen  Inseln 
vor,  zeigt  stets  eine  sehr  dunkle,  röthlichbraune  Grundfärbung  und 
zahlreiche,  ziemlich  regelmäßige,  stark  ausgeprägte  schwärzliche 
Querbinden,  welche  fast  bis  zur  Bauchlinie  herabreichen  und  an  den 
Rändern  etwas  verwaschen  sind.  Die  Flossen  sind  schwärzlich  oder 
dunkelbraun,  und  mit  alleiniger,  constanter  Ausnahme  der  Ventrale 
zur  Laichzeit  mit  himmelblauen,  runden  Fleckchen  geziert,  welche 
zuweilen  auch  im  hinteren  Theile  des  Rumpfes,  selten  am  ganzen 
Rumpfe  vorkommen. 

Das  Hinterhaupt  und  der  obere  Theil  des  Kiemendeckels  sind  bei 
G.  puganellus  stets  beschuppt  und  diese  Schuppen  sind  gleich  denen 
des  Nackens  kleiner  als  die  übrigen  Rumpfschuppen,  von  denen  die 
größten  in  der  Gegend  des  Schwanzstieles  liegen.  Zwischen  der 
Pectoralachsel  und  der  Caudale  zähle  ich  circa  52  (bei  jungen  Indi- 
viduen) bis  57  Schuppen,  auf  der  Caudalbasis  selbst  noch  2  —  4 
Schuppen  in  einer  Längenreihe,  16  —  20  Schuppen  liegen  zwischen 
dem  Beginne  der  zweiten  Dorsale  und  der  Anale  in  einer  Querreihe. 


4  1  6  S  I  .■  i  II  .1  :,  «•  li  II  .'  r. 

D.  6/—^;  A.  1/H— 13;  P.  18—19:  L.  lat.  52—57. 

Wir  erhielten  zahlreiche  Exemplare  dieser  Art,  welche  in  der 
Regel  nur  eine  Länge  von  4'/2  Zoll  an  den  Küsten  der  iherisclien 
Halhinsel  erreicht,  bei  Barcelona,  Valencia,  Alicante,  Gibraltar.  Cadix, 
Lissabon,  Bilbao,  und  bei  Santa  Cruz  de  Tenerife. 

Vulgärname:  Cubot  (Bnrcelona), 

Fam.     Callioii^niiilae. 

Gatt.  Callionymus  Lin. 
117.  Art.  rallioujinus  lyra  Lin. 

Kommt  zunächst  Cadix  und  fjissahon  sehr  häufig  vor;  wir 
sammelten  daselbst  sechs  Exemplare,  von  denen  das  größte,  ein 
Männchen,  71/3"  lang  ist,  im  December  1864  und  im  Jänner  1865. 

Vulgärname:  Lagaifn  oder  fa  Giiitarra  (Cadix),  Peixe 
pimentn  (Lissabon). 

118.  Art.  Callionymas  iiiai-ulatus  (Uafin.)  Bonap. 

Syii.   CaUioniimiis  cithara  et  C.  relivnlaliis  C  11  v.  Val. 

Ist  sehr  gemein  an  der  Ostkiiste  Spaniens  von  Barcelona  bis 
Malaga.  Das  größte  Exemplar  unserer  Sammlung  mißt  nahezu  5"  in 
der  Länge.  Bei  alten  xMännchen  ist  die  Zahl  der  in  drei  Reihen  an 
den  Seiten  des  Rumpfes  nahe  der  Bauchgrenze  liegenden  Silber- 
tlecken sehr  bedeutend,  die  der  schwarzen  Flecken  aber  gering. 

Die  Länge  des  Kopfes  ist  hei  Exemplaren  von  33/3 — ö"  Länge 
41/3 — 4'/,-,mal  in  der  Totallänge,  die  Kopfhreite  durchschnittlich  1 '/o 
bis  l'/sUial,  die  Länge  {\e$.  Auges  etwas  mehr  als  3 — 3*/omal  in  der 
Kopflänge  enthalten. 

119.  Art.  Callionymus  festivus  Fall.,  Nordm. 
Syn.   Cdllionijinun  dracunculKs  Bonap.,  F.  itul. 
„  piisiltvs  D  e  I  a  r  o  (•  li  0 ,  R  i  s  s 0. 

„  admirahüis  Riss  o. 

„  lacerta  C.  V. 

„  Morissonii  Canestr.,  Arcii.  per  I»  Zool.,  Tom.  II,  füsc.  I, 

(av.  IV,  fifT.  3-3  r. 

Scheint  viel  seltener  als  die  früher  erwähnte  Art  an  der  Ost- 
küste Spaniens  vorzukommen,   wir  erhielten  uur  ein  Männchen  (mit 


Ichthyol.  Hi'iirlit  iiher  eii)f  luirh  S|iaiiieii  ii.  Portugal  iiiiti'rnnnim.  Reise.      4-  1   / 

zahlreichen,  schmalen  Qiierbinden  von  silbergrauer  Färbung'  und 
stark  verlängerten  Strahlen  in  der  zweiten  Dorsale  und  in  der 
Caudale  etc.)  bei  Alicante.  Nach  Mach  ad  o  findet  sie  sich  auch 
l)»'i  Cadix  vor  und  M'ird  daselbst  Dragon  genannt.  Sehr  gemein  ist 
Callionymua  festimis  an  den  Küsten  Dalmatiens. 

120.  Art.  Callionyiuas  Jlorissonii  Risso  (?}. 

Syn.   Callionymits  festii'vs  Bonap.,  Fauna  ital. 
„  phaeton  Günth. 

Ein  Männchen  A'/o"  lang  von  Alicante. 

Die  Kopflänge  ist  3y,mal  in  der  Totallänge  (mit  Ausschluß  der 
über  den  hinteren  Caudalrand  hinausreichenden  fadenförmigen  Ver- 
längerungen der  mittleren  Caudalstrahlen),  die  Kopfbreite  nicht  ganz 
2nial,  die  Länge  des  Auges  nahezu  S'/a'i^^I»  die  Schnauzenlänge 
42/3mal  .in  der  Kopflänge  enthalten.  Der  Vordeckelstaehel  endigt  in 
zwei  Spitzen. 

121.  Art.  Callionymas  belenns  Risso. 
S  y  n.  Callionymue  belemis  Bonap.,  C  a  n  e  s  t  r. 
„  Rissoi  Cuv.  Val. 

„  belenus  Cuv.  Val. 

Die  Körpergestalt  ist  comprimirt,  der  Kopf  spitzt  sich  nach 
vorne  viel  rascher  und  bedeutender  als  bei  C.  maculatus  zu;  die 
Länge  des  Kopfes  ist  bei  den  von  uns  untersuchten  Exemplaren, 
deren  größtes  nur  2 '  und  2"  in  der  Länge  mißt,  genau  oder  ein 
wenig  mehr  als  4mal,  die  Kopfbreite  ö'/s — S'/omal  in  der  Total- 
länge, der  Augendiameter  33/4 — 4mal  in  der  Koptlänge  enthalten. 
Die  stark  zugespitzte  Schnauze  ist  eben  so  lang  wie  das  Auge,  der 
Zwischenkiefer  überragt  nur  wenig  den  Unterkiefer,  und  trägt  wie 
dieser  eine  Rinde  von  Spitzzähnchen,  von  denen  die  der  Außenreihe 
länger  als  die  übrigen  und  mit  der  Spitze  nach  innen  gekrümmt  sind. 
Der  stark  aufwärts  gebogene  Stachel  des  Präoperkels  endigt  in  drei 
Spitzen. 

Die  erste  Dorsale  enthält  drei  Strahlen  (Risso  gibt  wohl  die 
Zahl  derselben  irriger  Weise  zu  vier  in  der  Reschreibung  an,  bildet 
jedoch  nur  drei  ab),  von  denen  der  erste  etwas  länger  als  die  darauf- 
folgenden ist;  bezüglicii  der  Länge  der  Strahlen  dieser  Flosse 
zeigt  sich  kein  bedeutender  Unterschied  zwischen  den  beiden  Ge- 
schlechtern. 


418  S  t  e  i  n  «i  :i  c  li  n  e  r. 

Die  zweite  Dorsale  wird  von  7 — 8  Strahlen  gebildet,  von  denen 
der  letzte  bis  auf  den  Grund  gespalten  ist.  Während  bei  den  Weib- 
chen die  letzteren  Strahlen  an  Länge  den  vorangehenden  nachstehen, 
sind  bei  den  Männchen  die  letzteren  Strahlen  bedeutend  länger  als 
die  vorderen,  und  selbst  diese  verhältnißmäßig  länger  als  bei  den 
Weibchen.  Auf  die  Länge  der  letzteren  Strahlen  der  zweiten  Dorsale 
bei  Männchen  scheint  auch  das  Alter  einen  Einfluß  zu  nehmen, 
bei  dem  größten  Männchen  unserer  Sammlung  sind  die  zwei  letzten 
Strahlen  verhältnißmäßig  bedeutend  länger  als  bei  den  vier  übrigen 
kleineren  von  1"  9  "  Länge. 

Die  ganze  Rückseite  des  Körpers  ist  mit  feinen  braunen  Pünkt- 
chen, kleinen  Flecken  und  Linien  netzförmig  überzogen,  welche  hie 
und  da  größere  helle  Flecken  umschließen;  die  Seiten  des  Rumpfes 
schimmern  stets  silberfarben  und  sind  mit  rundlichen  tiefbraunen 
Flecken  geziert,  welche  bei  Männchen  auch  über  die  Rauchseite  sich 
ausdehnen  und  bei  diesen  größer  als  hei  Weibchen  sind.  Eine  dunkle, 
nicht  schaj'f  abgegränzte  Querbinde  liegt  an  der  Rückenseite  zu- 
nächst dem  Rasisende  der  zweiten  Dorsale.  Die  Anale  ist  bei  Männ- 
chen am  unteren  Rande  breit  schwärzlich  gesäumt,  und  zunächst  der 
Rasis  häufig  milchweiß  gefleckt  (in  ähnlicher  Weise  wie  bei  Call, 
belenas),  bei  den  Weibchen  zeigt  sich  nur  zuweilen  eine  schwache 
Spur  i'ines  schwärzlichen  Saumes. 

Die ersteDorsaleträgt schwärzlichbraune Stricbelcben in  mehreren 
Querreihen  und  hinter  dem  dritten  Strahle  einen  milchweißen  Fleck 
mit  schwarzer  Umrandung;  bei  Weihchen  ist  sie  zuweilen  ganz  schwarz. 

Die  zweite  Dorsale  enthält  viele  Längsreihen,  die  Caudale  und 
Peetorale  zahlreiche  Querreihen  schwarzbrauner  Punkte,  welche  sich 
zuweilen  auf  der  zweiten  Dorsale  zu  Längsstrichen  vereinigen.  Die 
Punkte  auf  der  zweiten  Dorsale  und  insbesondere  auf  der  Peetorale 
sind  kleiner  als  die  auf  der  Caudale  und  Ventrale,  zwischen  den 
dunkeln  Punkten  dieser  Flossen  liegen  häufig  ganz  kleine  Silberpünkt- 
chen oder  zarte  Streifen. 

Die  Geiiit;il[i!ipill.'  ist  bei  beiden  (icschlechlern  sehr  schlank, 
zugespitzt,  doch  hei  den  Männchen  nnjhr  als  zweimal  so  lang  wie  bei 
den  Weibchen. 

Ij.  3/7—8;  A.  8-9;  C.  12;  P.  15— 18;  V.  1/5. 

C(tlliofiynn(s  bclenus  itisso,  welcher  an  Größe  den  übrigen 
bis  jetzt  bekannten  europäischen  Ctilliouynius-Xvieii  bedeutend  nach- 


fchtliyol.  BirioM  über  eiiio  ii:i(li  Spanien  u.  Puitugiil  uiiternomra.    Reise.     419 

steht,  erhielt  ich  in  sechs  Exemplaren  (ein  Weibchen,  fünf  Männ- 
chen) bei  Barcelona;  das  Wiener  Museum  besitzt  überdies  noch 
Exemplare  dieser  Art  aus  Genua  und  Dalmatien. 

Farn.   Batraoliidae. 

Gatt.  Batrachus  (Bl.  Sehn.)  Cuv.   Val. 

122.  Art.  Batrachus  didactylas  Bloch,  Sehn. 

S  yn.  Batrachus  Güntheri  B  I  k  r. ,  Mein,  stir  Ics  Poiss.  de  la  Cote  de  Guinea, 
]iag.  101. 
„         didactylns  Bl.  Sehn.,  BIkr.,  ibid.  p.  99. 
„         planifrons  <luieh.,  Expl.  Seient.  Alger.,  Poiss.  p.  81. 
„         algcriensis   Giiich. ,  ibid.  pl.  3.,  etc.    (s.  Giinlh.    Catal. 
Vol.  III,   pag.  170—171). 

Diese  Art  kommt  sehr  liäufig  bei  Cadix,  Gibraltar,  viel  seltener 
bei  Malaga  vor,  wir  sammelten  acht  Exemplare  von  3"  10"  bis 
10"  Länge. 

Der  Kopf  nimmt  mit  dem  Alter  rasch  an  Breite  zu,  indem  zu- 
gleich die  Krümmung  am  Schnauzenrande  sich  immer  mehr  und  mehr 
verflacht.  Die  Länge  des  Kopfes  bis  zur  Spitze  des  oberen  Kiemen- 
deckelstachels  ist  circa  81/3-  bis  etwas  weniger  als  3mal  in  der  To- 
tallänge, der  Augendiameter  ein  \venig  mehr  als  ömal  (bei  jungen 
Exemplaren  von  3"  10"'  Länge)  bis  7mal  (bei  alten  von  10"  Länge) 
in  der  Kopflänge  enthalten. 

Die  Mundspalte  ist  stets  breiter  wie  lang,  das  hintere  Ende 
des  Oberkiefers  i'eicht  ein  wenig  über  die  Mitte  der  Kopflänge  zu- 
rück, die  Schnauzenlänge  ist  bei  jungen  Individuen  etwas  kürzer  oder 
eben  so  lang,  bei  alten  länger  als  der  Längendurchmesser  des  ovalen 
Auges. 

Der  Unterkiefer  überragt  nach  vorne  den  Zwischenkiefer  und 
trägt  bei  jungen  Individuen  in  der  Mitte  des  Knochens  zwei  Reihen, 
weiter  nach  hinten  nur  eine  Reihe  gleich  langer,  nach  hinten  gekrümm- 
ter Spitzzähne,  bei  alten  Individuen  dagegen  liegen  ganz  vorne  3 — 4, 
weiter  nach  hinten  zwei  Reihen  und  zuletzt  in  der  Regel  nur  eine  Reihe 
von  Zähnen,  von  denen  die  der  Symphyse  zunächststehenden  häufig  ein 
wenig  schwächer  und  kürzer  als  die  übrigen  sind.  Der  Zwischen- 
kiefer trägt  vorne  bei  jungen  Individuen  drei,  bei  alten  zuweilen 
selbst  fünf  Zahnreihen,  zuletzt  am  hinteren  Ende  nur  eine  Zahnreihe 


420  S  t  e  i  u  «1  ;i  o  h  II  e  r. 

die  zunächst  dem  vorderen  Ende  des  Zwisclieiikiefers  liegenden 
Zähne  sind  insbesondere  bei  alten  Individuen  viel  länger  als  bei  den 
übrigen.  Die  Vomerzähne  sind  bei  jungen  Individuen  ein-,  bei  älteren 
zweireihig,  die  Gaunienzähne  einreihig  ;  nur  bei  alten  Exemplaren 
zeigt  sieh  zunächst  dem  vorderen  Ende  der  Gaumenheine  zuweilen 
noch  eine  zweite  Zahnreihe.  Vomer-  und  Gaumenzähne  sind  bei  alten 
Individuen  häufig  etwas  stärker,  doch  nicht  länger  als  die  vordersten 
größten  Zwischenkieferzähne.  Der  obere  Stachel  des  Kiemendeckels 
ist  etwas  länger  als  der  untere  und  stark  nach  oben  und  hinten  ge- 
bogen, letzterer  nur  schwach  nach  unten  und  hinten  geneigt,  beide 
sind  stark  zugespitzt,  doch  von  der  dicken  Körperhaut  vollständig 
umhüllt. 

Bei  jungen  Individuen  zeigen  sich  auf  der  Oberseite  des  Kopfes 
stets  drei  schwarze  lünden,  die  vorderste  liegt  nahe  am  vorderen 
Ende,  die  zweite  am  hinteren  Ende  des  oberen  Augenrandes,  beide 
laufen  quer  über  die  breite  Stirne.  Die  dritte  Binde  ist  winkelförmig 
gebrochen  und  nimmt  nur  den  mittleren  Theil  des  Scheitels  ein. 
Vom  unteren  Augenrande  und  zwar  vom  vorderen  Theile  desselben 
zieht  eine  kurze,  gleichfalls  schwarze  Binde  etwas  nach  vorne  zum 
oberen  seitlichen  iMundrunde,  und  eine  zweite,  breite  und  lange  Binde 
vom  hintersten  Theile  des  Subocularrandes  mit  schwacher  Neigung 
nach  hinten  und  unten.  Bei  alten  Exemplaren  sind  diese  Binden  so 
wie  die  drei  großen  Rückentlecken  nur  mehr  schwach  angedeutet. 
Auch  die  kleinen  Schuppen  des  Körpers  sind  bei  jungen  Individuen 
viel  deutlicher  sichtbar  als  bei  alten,  deren  Körperhaut  viel  dicker 
als  hei   ersteren  ist. 

Die  zahllosen,  meist  eckigen  Körpertlecken,  welche  nur  durch 
weißliche  oder  hellbraune  Linien  von  einander  getrennt  sind,  zeigen 
bald  eine  fast  schwärzliche  bald  dunkel  rostbraune  Färbung  und  sind 
am  Kopfe  bedeutend  kleiner  als  am  Rumpfe. 

I).  3,22—20;  A.  Iti— 17;  V.  1/2;  P.  22— 2S. 

Vulgär  n  a  m  e  :   Sapo  (Cadix),   Charroco  (Lissabon). 

Lophius  f/udicensis  Cabr.,  von  Professor  Maebado  im  Kata- 
loge der  Fische  von  Cadix  und  Huelva  als  eine  ihm  unbekannte  Art 
namentlich  angefühlt  (pag.  24),  ist  nichts  anderes  als  Batrachus 
{/idnciylus. 


Ichthyol.  Berichf  über  eine  iiacli  Spanien  ii.  Porlufciil  uiiternoinm.  Reise.     4  ■»  I 

Farn.   Pe4li<*iilati. 

Gatt.   Lophius  Artedi. 
123.  Art.  Lophius  piscatorias  Linne. 

Lophius  piscatorius  ist  sehr  gemein  an  den  Küsten  der  iberi- 
schen Halbinsel;  wir  sammelten  mehrere  Exemplare  bei  Barcelona, 
Valencia,  Cadix,  Lissabon  und  La  Coruna,  das  kleinste  derselben  ist 
circa  21/3"  lang  und  zeigt  am  Humerus  nur  zwei  Stacheln,  während 
die  übrigen  deren  drei  besitzen.  Die  letzte  Dorsale  enthält  1 1  bis 
12  Strahlen. 

Vulgärname:  Tamboril  (Lissabon),  Rape  oder  Rap  (Barce- 
lona, Cadix). 

124.  Art.  Lophius  badegassa  Spin.  Bonap. 

Von  dieser  Art ,  welche  sich  von  Lophius  piscatorius  nur 
durch  die  geringere  Zahl  von  Strahlen  in  der  letzten  Dorsale,  sowie 
durch  eine  viel  hellere  (sehr  hell-  und  wässerig- chocoladbraunen 
Färbung  des  Rückens,  nicht  aber  constant  durch  den  Mangel  von 
Nebenstacheln  am  Humerus  unterscheidet,  erhielten  wir  zwei  trefllich 
erhaltene  Exemplare  von  S'/o — 9"  Länge  während  unseres  Aufent- 
haltes in  Cadix.  In  dem  Magen  des  9"  langen  Exemplares  lag  ein 
5"  5  "  langer  Mullus  barbatus. 

Die  Zahl  der  Humeralstacheln  beträgt  3,  wie  bei  Lophius  pis- 
catorius, die  der  Strahlen  in  der  letzten  Dorsale  nur  9. 

Auch  in  Bonaparte's  Abbildung  des  Loph.  budegassa  sind  drei 
Humeralstacheln  angedeutet. 

Die  größte  Kopfbreite  ist  2'/,mal  in  der  Totallänge  oder  circa 
2mal  in  der  Körperlänge  (ohne  Caudale)  enthalten. 

Vulgärname:  Rape  (Csidix). 


422  Steindachner. 


NACHTRAG. 


12K.  Art.   Pagrus  auriga  Valeiic.  (Iclitli.   des  lies  Canai*.  pag.  34.) 

Syn.   Par/nis  lirrllielotiN  n\. ,   Ffblli.  des  lies  Cannr.   p.  33. 

Die  größte  Höhe  des  RiiiiiptVs  ist  2-/3-  bis  nahezu  23/4111«!  (bei 
jungen  Individuen),  die  Kopfliinge  bis  zur  Spitze  des  flaclien  Operkel- 
stachels  3s/4mal  bei  jungen  Exemplaren,  etwas  mehr  als  4mal  bei 
alten  in  der  Totallänge,  der  Diameter  des  Auges  3 — 3*/amal,  die 
Stirnbreite  Oy^mal  (bei  jungen  Exemplaren),  etwas  mehr  als  3mal 
(bei  alten  Exemplaren)  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Der  Suborbitalring  ist  von  ziemlicher  Höhe  und  nur  1  '/oUial 
länger  als  hoch. 

Das  Jiintere  Ende  des  Oberkiefers  fällt  bei  geschlossenem  Munde 
in  senkrechter  Richtung  vor  die  Mitte  des  Auges.  Vier  Hundszähne 
liegen  vorne  im  Zwischenkiefer,  sechs  kleinere  zunächst  der  Symphyse 
des  Unterkiefers,  hinter  diesen  kleine  Spitzzähne;  an  den  Seiten 
dieser  beiden  Kiefer  sind  stets  zwei  Molarzaiinreihen  vorhanden. 

Acht  bis  neun  Schuppenreihen  auf  den  Wangen  zwischen  dem 
Winkel  der  Vordeckelleiste  und  dem  hinteren  Rande  des  Suborbital- 
ringes. Der  hintere  und  untere  Vordeckelrand  ist  sehr  fein  gezähnt. 

Die  Prolillinie  des  Kopfes  steigt  von  der  Schnauzenspitze  bis  zur 
Basis  des  fünften  oder  sechsten  Stachels  der  Dorsale  sehr  steil  in 
l)ogenföriniger  Krümmung  an.  Der  dritte,  vierte  und  fünfte  Stachel 
der  Dorsale  sind  mehr  oder  minder  bedeutend  verlängert,  in  der 
Regel  übertrifft  der  dritte,  seltener  der  vierte  Stachel  die  übrigen  an 
Länge,  welche  bei  manchen  Exemplaren  1/3  der  Totallänge  erreicht; 
die  Länge  des  fünften  Dorsalstacbels  ist  durchschnittlich  1  "/j  bis 
la/smal  in  der  Koptlänge  enthalten. 

Die  schwärzliche  Ventrale  erreicht  mit  der  Spitze  des  längsten, 
ersten  Gliederstrahles  sehr  häufig  (nur  bei  Männchen?)  die  Basis  der 
Anale  und  ist  circa  4yr, — 43/4mal  in  der  Totallänge  enthalten,  während 
die  Länge  der  Pectorale  Y,5 — ^,7  der  letzteren  erreicht.  Der  obere, 
längere  Caudallappen  verhält  sich  zur  Totallänge  wie  1  :  4'/4.  Von 
den  drei  Aiialstacheln  ist  der  zweite  am  stärksten  und  eben  so  lang 
oder  nur  wenig  kürzer  als  der  dritte. 


Ichthyol.  Bericht  über  eine  tincli  SpaniVn  u.  Portiig-al  iinternnrimi.  Reise.     '♦.^I» 

Längs  der  Seitenlinie,  welche  nur  bis  zur  Basis  der  Caudale 
sich  erstreckt,  liegen  öO  Schuppen;  sieben  Schuppen  zwischen  der 
Basis  des  ersten  Dorsalstachels  und  der  Seitenlinie,  15  — 16  zwischen 
letzterer  und  der  Basis  der  Ventrale  in  einer  Vertikalreihe. 

Fünf  l)is  sechs  vertikale  Binden  laufen  über  die  Seiten  des 
Kopfes  und  des  Rumpfes  hinab,  die  dritte  derselben  ist  die  breiteste 
und  fällt  mit  ihrem  oberen  Ende  auf  die  Basis  des  vierten  bis 
siebenten  oder  achten  Dorsalstachels.  Die  darauffolgende,  schmale 
Binde  zieht  von  der  Basis  des  letzten  Stachels  und  ersten  Glieder- 
strahles der  Dorsale  zur  Basis  der  Analstacheln,  die  vorletzte,  fünfte 
Binde  fallt  zwischen  die  vier  bis  fünf  letzten  Gliederstrahlen  der  Dor- 
sale und  der  Anale.  Die  Binden  sind  im  Leben  bräunlichrosenroth 
oder  goldbraun ,  selten  dunkelbraun,  und  erlöschen  bald  nachdem 
Tode  fast  vollständig.  Zuweilen  kommen  an  den  Körperseiten  so  wie 
im  basalen,  gliederstrahligen  Theile  derDorsale  und  der  Anale  kleine, 
runde  himmelblaue  Flecken  vor. 

Pagrus  anriga  kommt  nur  sehr  selten  an  der  Südküste  Spaniens 
vor,  ist  dagegen  sehr  gemein  an  den  Küsten  der  canarischen  Inseln. 
Wir  sammelten  zwei  kleine  Exemplare  von  23/3 — 3"  Länge  bei 
Gibraltar  und  Cadix,  und  sieben  Exemplare  von  5 — S'/."  Länge  bei 
Santa  Cruz  de  Tenerife.  In  letzterer  Stadt  nennt  man  diese  Art  Sanm 
Roquera (yon  Valenciennes  aus  Versehen  in  po(juerai\hgeiin{\evt), 
nicht  aber  Catalinetta,  welcher  Name  einer  anderen  ganz  verschie- 
'denen  Gattung  und  Species  zukommt. 


424  stein  dachner.     Ichdiyolojrischer   Bericht  etc. 


Erklärung   der  Tafeln. 


Tafel  I. 

Caranx  dentcx  Bloch,  Sehn. 

Tafel  II. 

Fig.  1.  Lichia  aniia  Lin. 
„    2.   Schedophilus  Botieri  Heck. 
„    3  und  4.  Gobius  quadrivittatus  Steind. 

Tafel  III. 
Fig.  i  und  2.   Gohlits  cruentatus  Lin.,  Seitenansicht  zweier  Varietäten. 
„    3.  Obere  Ansicht  des  Kopfes  (Fig.  2)  derselben  Art. 

Tafel  IV. 

Callionymus  Morissonii  Risse,  mas,  2mal  vergrößert. 
Fig.  I.  Von  der  Seite,  Fig.  2  von  oben,  Fig.  3  von  unten  gesehen. 

Tafel  V. 
Batrachus  didactybis  Bl.  Sehn.,  a  Obere  Ansicht  des  Kopfskelettes. 
b.  Vomer  und  Gaumenbeine  von  unten  gesehen. 

Tafel  VI. 

Zeus  pungio  C.  V.,  juv. 


Sl.'iiHliirliiii-i',  Kisili,.  S|.;niiiMii,'  ii,IVlii^al,v.(Vll 


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JiilzunL'stj.  «J  k  Ak.'ul.a.K.infifhiiatnrM'.n.LVn.ß.l    I.«,th,lfi68. 


Ana  ä  k.>.  Hot-a  Staatadnicksrei. 


Sl^llllhlclMU-f;   F..S.I1C    S| H'ilS    II    rollU^ill.S.lVIl 


^'.' 


SilKiingsb   d.kAkadil.W.Miutli.ualurM-.n.LVIl.liil.  I.Vlilli.lSCS. 


A\LS  ik-kKof-u.  Staatsdruckßrei 


SipinfiiH'iiiHM-  Fisciic  Spauini«  ii.  l'orl.igJils  JVI ). 


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Silz.n.vNb..!  k  Aka.l  .l.\ri.i'i.tl..iiah..u-n.[.Yll.B.I.  l.Ahlh  I8fi8. 


ShMiidiicImcr':  Fisclif  SfiuiiicnN  ii   i'oi  liii:iil,s /VI  i. 


TaC.IV. 


Vi 


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E<i.Konapi%,.Ti ■  d Jat  ^ez  ulitli.  Aus  l.k.l^.TlGf-ii. Staatsdruckßrä . 

SitzimVNb.fl.k  Akn.l.d.W.  iiiiitii.ii;ilm\rn.l,Vll.R(l    T.  Alilii  .1868. 


Sleiinliicliiief:  Msche  Sjiviiik-un  u    I'oi  tiiual.s  . 'VI : 


Taf.V. 


Mm 


..^ 


W 


n^    ^      W^ 


V 


Sitzim^sb.  d.lc.Akad.fl.W..iKilh  n;.iHi»r.ri.  LATl.^d.  J.Abth.l868. 


Slcimliicliiicr:  l'isdic  S|t;iMi(Mi',s  ii   l'ortiig;il,s  .  (VI '. 


'I-ilWI, 


Sil:<n!i-,'-,sb.d.k.Ak;ul.il.W.  nii(ll,.ii;ilinu-.('l.  I.VII.Bd^   I,  Alilli  .InfiK. 


Fitziuger.    Kritische  Untersuch,  über  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.      42b 


Kritische  Unfersuc/iungen  übe?'  die  der  natürlichen  Familie 
der  Spitzmäuse  (Sorices)  ungehörigen  Arten. 

II.  Abtheilung. 

(Die  Gattung^en  Crocidura,  Diplomesodon,  Feroculus,  Myosorex  und  Sorex  enthaltend.) 

V^on  dem  w.  M.  Dr.  Leop.  Jos.  Fitzinger. 

4.  Gatt.  Wiiiipersehwanzspitziiiaus  {~d*ocicliirr«^. 

Der  Leib  ist  nur  mit  weichen  Haaren  bedeckt.  Vorder-  und 
Hinterfüsse  sind  fünfzehig.  Die  Zehen  sind  frei.  Die  Schnauze  ist 
stark  verlängert  und  endiget  in  eine  über  die  Unterlippe  ziemlich 
weit  hervorragende  spitze,  rüsselförmige  Nase.  Die  Ohren  sind  ziem- 
lich groß,  kurz,  mehr  oder  weniger  stark  aus  den  Haaren  hervor- 
ragend, und  durch  einen  an  ihrem  Grunde  befindlichen  Lappen  ver- 
schließbar. Der  Schwanz  ist  lang  oder  mittellang,  vierkantig  oder 
gerundet,  an  der  Wurzel  bisweilen  zusammengedrückt,  geringelt  und 
geschuppt ,  mehr  oder  weniger  dicht  oder  spärlich  mit  kurzen  anlie- 
genden Haaren  und  einzelnen  eingemengten  langen,  abstehenden  und 
nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren  besetzt,  und  an  der  Wurzel 
ziemlich  oder  auch  nicht  besonders  dick,  allmählig  sich  verdünnend. 
Sohlen  und  Zehen  sind  nicht  gewimpert.  Eckzähne  fehlen.  Die 
Schneiden  der  unteren  Vorderzähne  sind  nicht  gezähnelt  und  an  ihrer 
Hinterseite  mit  keinem  Ansätze  versehen.  Sämmtliche  Zähne  sind 
durchaus  einfarbig  weiß.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  drei  Lücken- 
zähne vorhanden.  Die  Krallen  sind  nicht  zurückziehbar,  jene  der 
Vorderfüsse  nicht  größer  als  die  der  Hinterfüsse.  Die  Augen  sind 
sehr  klein.  Eine  besondere  Absonderungsdrüse  befindet  sich  an  den 
Leibesseiten,  meist  näher  den  Vorder-  als  den  Hinterbeinen,  bisweilen 
aber  auch  hinter  ihrer  Mitte. 

Zahnformel:     Vorderzähne  — ,    Eckzähne     ~    ,    Lücken- 
zahne  - — ^  ,  Backenzähne     ~      =  28. 

Stzb.  d.  inathera.-nalurw.  Cl.  LVII.  Bd.  I.  Abth.  28 


426  F  i  l  i  i  u  g  e  1. 

I .  Die  kaffeebraune  >Vimperschwanzspi(zmaas  (Crocidura  Hedenborgi). 

C.    unicolor  ex  rufescetite  mnbrino-fusca ,   nitore  metnlUco, 
gastraeo  vix  diliitiore ;  cauda  saturatiore,  bnsi  incrassata,  ultra  '/^ 
corporis  longitudine ;  pedibus  obsciirioribns. 
Sore.v  Hedenborgl  Sundev.  Vetensk.  Akad.  Ilandl.  1842.  p.  171, 
177. 
„     Hedenborgii  Reichen!).  Naturg.  Raiibth.  S.  348. 
Crossopus  Hedenborgii  Reiche  nb.  Naturg.  Raubth.  S.  348. 
Sore.v  Hedenborgl.   Wagn.  Schreber  Säugth,  Suppl.  B.  V.  S.  S56. 

Nr.  26.  t.  160.  B. 
Crocidura  Hedenborgl.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  556, 

Nr.  26.  t.  160.  B. 
Sore.i'  araneus.  Giebel.  Säugeth.  S.  901. 
Crocidura  aranea.  Giebel,  Säugeth.  S.  901. 

„       Hedenborgl.  Fitz.  Heugl.  Säugeth.  Nordost-Afr.  S.  30. 
Nr.  4.   (Sitzungsber.  d.  math.  naturw.   Cl.  d. 
kais.  Akad.  d.  Wiss.  B.  LIV.) 
Die  größte  Form  unter  allen  afrikanischen  Arten  dieser  Familie 
und  sowohl  hiedurch,    als  auch  durch  ihre  eigenthümiiche  Färbung 
höchst  ausgezeichnet  und   mit  keiner  anderen  Art  zu   verwechseln. 
Sie  ist  beträchtlich  größer  als   die  Mumien-Dickschwanzspitzmaus 
(P.  crassicauda) ,   indem   sie  nahezu  die  Größe  der  Riesen-Dick- 
schwanzspitzmaus (P.  glgantea)  erreicht. 

Der  Rüssel  ist  lang,  nicht  sehr  dünn  und  an  der  Spitze  stark 
gekerbt.  Die  Ohren  sind  ziemlich  groß,  frei  aus  dem  Pelze  hervor- 
ragend und  kahl.  Der  Schwanz ,  welcher  über  1/3  der  Körperlänge 
einnimmt,  ist  an  der  Wurzel  ziemlich  dick,  allmählig  sich  verdünnend, 
beinahe  kegelförmig,  und  ziemlich  dicht  mit  kurzen  anliegenden 
Haaren  und  einzelnen  eingemengten  langen,  abstehenden  und  nach 
rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren  besetzt.  Die  Behaarung  ist 
dicht,  weich,  anliegend  und  glänzend.  Etwas  hinter  der  Mitte  der 
Leibesseiten  ist  eine  5'"  lange,  der  Quere  nach  gestellte  Vertiefung 
bemerkbar,  welche  die  Lage  der  Seitendrüse  andeutet.  Im  Oberkiefer 
sind  jederseits  drei  Lückenzähne  vorhanden,  von  denen  der  letzte 
etwas  kleiner  als  der  mittlere  ist  und  sämmtliche  Zähne  sind  durch- 
aus einfarbig  weiß. 


Kritische  Dntersuchungen  über  die  Spitzmäuse  (Sotices)  etc.  427 

Die  Färbung  des  Körpers  ist  einfarbig  röthlieb  umber-  oder 
kalTcebohnen-brauii,  mit  metallischem  Schimmer,  auf  der  Unterseite 
kaum  etwas  licliter.  Der  Schwanz  und  der  untere  Tiieil  der  Füsse 
sind  dunkler  gefärbt.  Die  Schnurren  sind  schwärzlich  und  an  den 
Spitzen  etwas  heller,  die  kahlen  Ohren  und  Sohlen  sehwärzlichbraun, 
die  Krallen  bräunlich-hornfarben. 

Kürperlänge 5"  2'".  Nach  Sunde vall. 

Länge  des  Schwanzes     ....  2' . 

Körperlänge 6"  2".  Nach  Wagner. 

Länge  des  Schwanzes     ....  2"  6'". 

Vaterland.  Ost-Sennaar  und  Fazoglo.  Kotschy  hatte  die- 
selbe zuerst  in  Ost-Sennaar  entdeckt,  wo  sie  bald  darauf  auch  von 
Heden  borg  und  Heuglin  angetroffen  wurde.  Letzterer  brachte 
sie  auch  aus  Fazoglo,  wo  er  sie  in  der  Umgebung  von  Rosseres  sam- 
melte. Sie  hält  sich  vorzugsweise  in  menschlichen  Wohnungen  auf 
und  wurde  zuerst  von  Sundevall  beschrieben. 

2.  Die  Seiden-WimperschwanzspItzDiaus  {Crocidura  sericea). 

C.  notneo  paUide  cnno-rubido  vel  griseo-cinnamomeo ,  lateri- 
bus  clnernceis,    gastraen   cinereo,   leviter  flavido-Iacato;   cauda 
basi  hicrassata,  dimidio  corpore  purum  longiore. 
Sorex  sericeus.  Hedenborg.  Coli. 

Sun  de  V.  Vetensk.  Akad.  Handl.  1842.  p.  171,  177. 
Wagn.    Schreber  Säugth.   Suppl.   B.   V.   S.   ÖÖ7. 
Nr.  27. 
Crocidurn  sericea.  Wagn.  Schreber  Sängth.   Suppl.  ß.  V.  S.  557. 

Nr.  27. 
Sorex  araneus.  Giebel.  Säugeth.  S.  901. 
Crocidura  araiiea.  Giebel.  Säugeth.  S.  901, 

„        sericea.  Fitz.  H  e  u  g  1.  Säugeth.  Nordost-Äfr.  S.  30.  Nr.  6. 

(Sitzungsber.  d.  math.  naturw.  Cl.  d.kais.  Akad. 

d.  Wiss.  B.  LIV.) 

Ziemlich  nahe  mit  der  zimmtfärbigen  Wimperschwanzspitzmaus 

(C.  cinnnmomea)  verwandt,  aber  durch  die  völlig  frei  aus  den  Haaren 

hervorragenden    Ohren,    den    beträchtlich    längeren    und    dickeren 

Schwanz ,    und  zum  Theile  auch  durch  die  Färbung  von  derselben 

verschieden. 

28» 


'illjO  K  i  l  /.  i  II  >;  e  r. 

Die  Schnauze  ist  lang  und  spitz,  die  Nasenkuppe  tief  gespalten. 
Die  Oiiren  sind  ziemlieh  groß,  frei  aus  dem  Pelze  hervorragend,  kahl, 
und  an  den  Klappen  der  Innenseite  nieht  gewimpert.  Der  Schwanz, 
dessen  Länge  etwas  mehr  als  die  halhe  Körperlänge  einnimmt,  ist 
verhältiiißmäßig  ziemlich  dick,  allmählig  sich  verdünnend,  beinahe 
kegelförmig,  und  an  der  Wurzel  dicker  als  am  Mittelfusse.  Er  ist  ziem- 
lich dicht  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  und  einzelnen  eingemengten 
langen,  abstehenden  und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren 
besetzt.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  drei  Lückenzähne  vorhanden 
und  der  dritte  ist  von  derselben  Größe  wie  der  mittlere,  Sämmtliche 
Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß.  Die  Körperbehaarung  ist  dicht 
und  glänzend.  Die  Schwanzwirbel  sind  gerundet. 

Die  Färbung  der  Oberseite  des  Körpers  ist  einfarbig  licht  graulich- 
roth  oder  graulich-zimmtbraun,  jene  der  Leibesseiten  aschgrau,  und 
die  der  Unterseite  des  Körpers  aschgrau  und  etwas  gelblich  überflogen. 
Die  Füsse  sind  schmutzig  weißlich  behaart.  Die  Ohren  und  die  Sohlen 
sind  licht  fleischfarben  gefärbt, 

Körperlänge      ........     3"  4'".  Nach  Sundevall, 

Länge  des  Schwanzes     ....     1"  9"'. 

Körperlänge 3"  3".  Nach  Wagner. 

Länge  des  Schwanzes     .    <    .    .     1"  9'". 

Vaterland.  Sennaar  und Kordofän.  Diese  Art  wurde  zuerst  von 
K  0 1  s  c  h  y  in  Kordofän  und  bald  darauf  von  Heden  borg  und  H  e  u  g- 
1  i  n  auch  in  Sennaar  entdeckt  und  von  Sundevall  zuerst  beschrieben. 
Giebel  hält  sie  mit  der  Haus- Wimperschwanzspitzmaus  (^C.  aranea) 
für  identisch, 

3.  Die  silbergraue  Wimperschwanzspitzniaos  (Crocidura  argentata). 

C.  unicolor  argentata,  notaeo  levissime  rubido-lavato,  gastraeo 
in  abdominis  medio  albido;  rostro  fere  ad  oris  angulum  usque  fus- 
cescente ;  pedtbus  obscurioribm^  fusco-griseh,  nitide  flavido-pilosis ; 
cnuda  fere  Vs  corporis  longitudine,  tetragona,  basi  incrnssata, 
fusca,  flavido-pilosa;  rhinario  profunde  sulcato ;  aiiriculis  interne 
dense  pilosis. 

Sorex  argentatus.  Victorin.  Zoologiska  Anteckningar  under  en 
Resa  af  Caplandet.  p,  16,  Nr.  16,  (Vetensk, 
Akad,  Handl.  IS.'iS.  B.  II.  Nr,  10), 


Kritispfie  Untersuchungen  über  die  Spitzmäuse  (Soricea)  etc.  4i9 

Sorc.r  cyaneua?  Victoriu.  Zoologiska  Anteckningar  uiuler  eii  Resa 
af  Caplandet.  p.  16.  Nr.  16.  (Veten.sk.  Akad. 
Handl.  1858.  B.  II.  Nr.  10). 

Mit  der  Seiden- Wimperschwanzspitzmaus  (C.  scricea)  zwar 
ziemlich  nahe  verwandt,  doch  von  derselhen  niclit  nur  durch  die 
beträchtlich  geringere  Grüße,  sondern  auch  durch  die  Behaarung 
der  Ohren  und  die  Färbung  verschieden. 

Die  Nasenkuppe  ist  von  einer  tiefen  Längsfurche  durchzogen. 
Die  Ohren  sind  verhältnißmäßig  groß,  frei  aus  dem  Pelze  hervor- 
ragend und  die  Klappen  an  der  Innenseite  derselben  sind  dicht  mit 
straffen  Haaren  gewimpert.  Der  Schwanz,  dessen  Länge  nahezu  2/3 
der  Körperlänge  einnimmt,  ist  vierkantig,  an  der  Wurzel  ziemlich 
dick,  doch  nur  wenig  dicker  als  der  Mittelfuß,  im  weiteren  Verlaufe 
allmählig  sich  verdünnend,  nur  an  der  Wurzel  dicht  behaart,  dann 
aber  spärlich  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  und  einzelnen  einge- 
mengten langen  ,  abstehenden  und  nach  rückwärts  gerichteten 
Wimperhaaren  besetzt.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  drei  Lücken- 
zähne vorhanden  und  sämmtliche  Zähne  sind  durchaus  einfarbig 
weiß. 

Die  Färhung  des  Körpers  ist  einfarbig  silbergrau,  auf  dem 
Rücken  sehr  schwach  röthlich  überflogen,  da  die  einzelnen  Haare 
in  blaß  röthliche  Spitzen  endigen,  auf  der  Unterseite  rein  silbergrau 
und  nur  in  der  Mitte  des  Bauches  etwas  in's  Weißliche  ziehend.  Der 
Rüssel  ist  fast  bis  zu  den  Mundwinkeln  bräunlich.  Die  Füsse  sind 
dunkler  braungrau,  die  Haare  derselben  aber  an  der  Spitze  glänzend 
gelblich.  Der  Schwanz  ist  braun  und  die  Wimperhaare  desselben 
sind  gelblich. 

Körperlänge 2"  9"'.  Nach  Sundevall. 

Länge  des  Schwanzes 1"  8'". 

Länge  des  Hinterfusses  sammt  den 

Krallen 52/3'". 

Vaterland.  Süd-Afrika,  Cap  der  guten  Hoffnung,  wo  diese 
Art  in  den  Karroo's  vorkommt  und  von  Victorin  bei  Roodeval  ent- 
deckt wurde.  Sundevall  hat  dieselbe  in  den  von  J.W.  Grill 
veröfTentlichten  Entdeckungen  von  Victorin  in  einer  Anmerkung 
zuerst  beschrieben. 


430  F  i  t  /,  i  n  g  e  r. 

Er  Itetraclitete  dieselbe  für  eine  Form,  die  vielleicht  mit  der 
schieferLlaueii  Wimpersclnvanzspilzmaus  (C.  vyanea)  zusammen- 
fallt und  dieselbe  im  östlichen  Theile  von  Süd-Afrika  repräsentirt. 

4.  Die  kreuzfleckige  Wimperschwanzspitzinaus  (Crocidura  ancralh). 

(\  notaeü  puüide  ex  f'uscescente-flnvido  vel  dilutc  c'umamo- 
meo,  macida  sarrd/i  obscure  fuscn,  yaatraeo  ex  griseo-albido ; 
pedibus  ulbis;  cauda  basi  iNcrassafa ,  dimidio  corpore  paidlo  lon- 
(jiore;  auricuUs  intus  pilosis. 

Crocidura sficralis.  Peters.  Säugeth.  v.  Mossamb.  S.  82.  1. 18.  fig.  3. 
Sorex  sacralis.    Wagn.    Schreber  Säiigth.  Suppl.  B.  V.  S.  559. 

Nr.  32. 
Crocidura  sacralis.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V,  S.  559. 

Nr.  32. 
Sorex  sacralis.  Giebel.  Säugeth.  S.  903. 
Crocidura  sacralis.  Giebel.  Säugeth.  S.  903. 

Eine  schon  durch  ihre  Farbenzeichnung  höchst  ausgezeichnete 
Art,  welche  mit  keiner  anderen  verwechselt  werden  kann. 

Sie  ist  merklich  kleiner  als  die  rauhe  Wimperschwanzspitzmaus 
(C.  hirtaj,  mit  welcher  sie  allerdings  ziemlich  nahe  verwandt  ist  und 
unterscheidet  sich  von  derselben  ausser  der  verschiedenen  Färbung, 
durch  die  verhältnißmäl!>ig  kürzeren  und  an  den  Klappen  der  Innen- 
seite stärker  behaarten  Ohren ,  den  etwas  kürzeren  Schwanz  und 
die  weichere  Behaarung  des  Körpers. 

Die  Nasenkuppe  ist  tief  gespalten.  Die  Ohren  sind  ziemlich 
groIS,  breit,  frei  aus  dem  Pelze  hervorragend,  und  an  den  Klappen- 
rändern ihrer  Innenseite  ziemlich  stark  behaart.  Der  Schwanz,  welcher 
etwas  über  die  Hälfte  der  Körperlänge  einnimmt,  ist  an  der  Wurzel 
ziemlich  dick,  allmählig  sich  verdünnend,  beinahe  kegelförmig,  und 
ziemlich  dicht  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  und  einzelnen  einge- 
mengten langen,  abstehenden  und  nach  rückwärts  gerichteten  Wim- 
perhaaren  besetzt.  Die  Behaarung  des  Körpers  ist  kurz  und  weich. 
Im  Obei'kierer  sind  jederseits  drei  Lückenzähne  vorhanden  und  sämmt- 
liche  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Färbung  ist  auf  der  Oberseite  des  Körpers  blaß  bräunlich- 
gelb oder  zimmtfariten ,  mit  einem  dunkelbraunen  Flecken  in  der 
Kreuzgegend,    auf  der  Unterseite  weißgrau,   und  sämmlliehe  Ilaare 


Kritische  Untersiichiing-en  üIht  die  Spitzmäuse  fSorices)  etc.  4»>i 

sind  an  der  Wurzel  schiel'ergraii.  Der  Schwanz  ist  auf  der  Oberseite 
bräunliehgelb,  auf  der  Unterseite  vveißgrau  gefärbt.  Die  Fiisse  sind 
rein  weiß,  die  Scliimrren  weißlich  und  au  der  Wurzel  braun, 

Körperlänge 2"  7'". 

Ijänge  des  Schwanzes \"  ^^jz"  • 

„     der  Ohren 3'". 

„     des  Hinterfusses 0'". 

Vaterland.  Mozambique,  wo  Peters  diese  Art,  von  Welcher 
er  jedoch  nur  ein  junges  Weibchen  erhielt,  auf  der  Halbinsel  Caba- 
ceira  unter  dem  lo.  Grade  südlicher  Breite  entdeckte  und  nach 
welchem  er  seine  Beschreibung  entwarf. 

5.  Die  rauhe  Wimperschwanzspitzmaus  (Crocidiira  hirdi). 

C.  nolaeo  cinnnmomeo,  gastraeo  flavido-cinereo  ;  rostro  fascia 

Interali  obscuriore  ab  apice  ejus  ad  oculos  nsque  protensa :  candn 

basi   incrafisata ,    fere  2/3    corporis   Jomjitud'me;    auriculis   infus 

pilosis. 

Crocidura  hirta.  Peters  Säugeth.  v.  Mossamb.  S.  78.  t.  18.  fig.  2. 

Sore.v  hirtus.    Wagn.    Schreber   Säugth.    Suppl.  B.  V.    S.    558. 

Nr.  31. 
Crocidura  hirta.   Wagn.    Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  558. 

Nr.  31. 
Sorex  hirtus.  Giebel.  Säugeth.  S.  902. 
Crocidura  hirta.  Giebel.  Säugeth.  S.  902. 

Nur  wenig  großer  als  die  schiefergraue  Wimperschwanzspitz- 
maus (C.  canescensj,  welcher  sie  sich  in  manchen  ihrer  Merkmale 
ziemlich  nahe  anschließt,  aber  durch  die  kürzeren,  breiteren  und  auch 
kürzer  und  schwächer  behaarten  Ohren,  den  merklich  längeren 
Schwanz,  die  rauhere  Behaarung  des  Körpers  und  die  Färbung  sehr 
deutlich  von  derselben  verschieden. 

Die  Nasenkuppe  ist  tief  gespalten.  Die  Ohren  sind  ziemlich  groß, 
breit,  frei  aus  dem  Pelze  hervorragend  und  an  den  Rändern ,  so  wie 
auch  an  der  vorspringenden  Falte  ihrer  Innenseite  mit  kurzen  Haaren 
besetzt.  Der  Schwanz,  welcher  nahezu  ~!^  der  Körperlänge  einnimmt, 
ist  an  der  Wurzel  verhältnißmäßig  ziendich  dick,  im  weiteren  Ver- 
laufe allmälilig  sich  verdünnend ,  beinahe  kegelförmig,  und  ziemlich 
dicht  mit  kurzen    anliegenden  Haaren    und    einzelnen    eingemengten 


432  !•■  i  I  /.  i  ri  -  e  r. 

lungeii,  absteheiideii  iiiid  nach  nii-kwärts  gerichteten  Winiperhaareii 
besetzt.  Die  Behaarung  des  Körpers  ist  kurz  und  etwas  raiili.  Im 
Oberkiefer  sind  jederseits  drei  Liickenzähne  vorhanden  und  sämmt- 
liche  Zähne  sind  durchaus  einlarhig  wein>. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  zimnithiaiin ,  die  Unterseite  gelb- 
liehgrau  gefärbt  und  sämmthche  Haare  sind  an  der  Wurzel  sehiefer- 
grau.  Längs  der  Seiten  der  Schnauze  verläuft  ein  dunkler  Streifen, 
welcher  sich  vom  Rüssel  durch  die  Oberlippe  bis  zu  den  Augen  zieht. 
Der  Schwanz  ist  wie  der  Körper  oben  zinimtl)raun,  unten  gelblich- 
grau gefärbt.   Die  Krallen  sind  schmutzig  weiß. 

Körperlänge 3"  2'". 

Länge  des  Schwanzes 2"      y^' "• 

„     der  Ohren 4'". 

„     des  Hinterfusses ö'/^'". 

V^aterland.  Mozambique,  wo  Peters  diese  Art  in  der  Um- 
gegend von  Tette  antraf,  die  er  auch  zuerst  beschrieb. 

6.  Die  geringelte  Wlniperscliwanzspitzmans  fCrocidnrn  annellata). 

C.  notaeo  obscure  cinuamomeo ,  nlbido-irrorato ,  gustraeo  ex 
flavescente-albido  vel  griseo ;  cauda  basi  incrassata,  ^/\  corporis 
fongitudine;  auricuUs  intus  pilosis. 

Crocidura  annellata.   Peters.    Säugeth.  v.  Mossamb.  S.  83.  t.  18. 

fig.  5. 
Sorex  annellatns.   Wagn.   Schreber  Säiigth    Snppl.  jj.  V.  S.  560. 

Nr.  34. 
Crocidura  annellata.  Wagn.  Sehreber  Sänglli.  Siip|il.  B.V.  S.  üüO. 

Nr.  ;}4. 
Sorex  annellatns.  Giebel.  Säugeth.  S.  903. 
Crocidura  annellata.  Giebel.  Säugeth.  S.  903. 

Diese  der  rauhen  Winiperschwanzspitzniaus  (C.  hirta)  ziemlich 
nahe  stehende  Art,  welche  aber  etwas  größer  als  dieselbe  ist,  unter- 
scheidet sich  von  ihr  hau[ilsächlich  durch  den  belriichtlicji  längeren 
Schwanz,  v'  scdie  hiedene  }?ehaarung  der  Ohren,  das  längere  Körper- 
!iaar  und  die  abweichende  Färbung. 

Die  Nasenkuppe  ist  tief  gespalten.  i)ie  Ohren  sind  zieinlieli  gndJ», 
breit,   frei  aus  dem  Pelze  hervorragend,  kurz  lielianrl   und  am  Hände 


Kritisclie  Uiitersu('liiiiigi;ii  iil)cr  die  Spitzmäuse  (Soriees)  etc.  4do 

der  Klappeil  ilirer  Innenseite  mit  längeren  steilen  Haaren  besetzt.  Dei- 
Schwanz,  dessen  Länge  s/^  der  Körperlänge  einnimmt,  ist  an  der 
Wurzel  ziemlich  dick,  im  weitern  Verlaufe  allmählig  sich  verdünnend, 
beinahe  kegelförmig,  und  ziemlich  dicht  mit  kurzen  anliegenden 
Haaren  und  einzelnen  eingemengten  langen,  abstehenden  und  nach 
rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren  besetzt.  Die  Krallen  der  Vor- 
derfüsse  sind  etwas  kürzer  als  jene  der  Hinterfüsse.  Die  Heliaarung 
des  Körpers  ist  ziemlich  lang  und  rauh.  An  den  Leibesseiten  befindet 
sich  ein  kurz  behaarter  Streifen,  in  welchen  die  Seitendrüsen  münden. 
Im  Oberkiefer  sind  jederseits  drei  Lückenzähne  vorhanden  und  siiniinl- 
liche  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Oberseite  des  Körpers  erscheint  dunkel  zimmtbraun  und 
weißlich  gesprenkelt,  da  die  Haare,  welche  sämmtlich  an  der  Wurzel 
schiefergrau  und  in  der  Mitte  weißlich  sind,  in  dunklere  oder  hellere 
zimmtbraune  Spitzen  endigen.  Die  Unterseite  des  Körpers  ist  gelblich- 
weiß oder  silbergrau,  indem  die  Spitzen  der  an  ihrer  Wurzel  schiefer- 
grauen Haare  gelblichweiß  oder  silbergrau  gefärbt  sind.  Der  Schwanz 
ist  auf  der  Oberseite  dunkel  zimmtbraun,  auf  der  Unterseite  schmutzig 
weiß. 

Körperlänge 3"  4'". 

Länge  des  Schwanzes 2"  (3'". 

„     der  Ohren S^/g'". 

„     des  Hinterfusses 6". 

Vaterland.  Mozambique,  woselbst  diese  Art  von  Peters  in 
in  der  Umgegend  von  Tette  entdeckt  wurde,  die  er  auch  zuerst 
beschrieb. 

7.  Die  schiefergraae  Wimperschwanzspitzmaus  (Crocidura  canescensj. 

C.  notaeo  obsciü'e  cinereu-fusco ,  lateribus  cinerascentibus, 
gastraeo  albido-griseo  ;  ingliirle  ex  fuscescente-flavo ;  cnuda  basi 
incrassata,  dimidio  corpore  paullo  longiore;  auricuUs  intus 
pilosis. 

Crocidura  canescens.  Peters.  Säugeth.  von  Mossamb.  S.  83.  I.  18. 

fig.  4. 
Sore.v  canescens.  Wagn.    Schreher  Säugth.   Suppl.  B.  V.   S.  öS9. 

Nr.  33. 
Crocidura  canescens.  Wagn.  Schreher  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  i)5[), 

Nr.  33. 


434  K  it/.  in  2:t.  r. 

Sorex  cniiesvena.    Giebel.  Sätigeth.  S.  903. 
Crociilurn  canescens.   Giebel.  Säiigeth   S.  903. 

Diese  zunächst  mit  der  graulichfahlen  Wimperschwanzspitzmaus 
(C.  fulvastra)  verwandte  Art,  welche  auch  einigermaßen  an  die 
Seiden-Wimperscliwanzspitzmaus  (C.  serice(t)ennneii,  unterst-heidet 
sich  von  der  ersteren  ausser  der  merklich  geringeren  Kürpergrüße, 
durch  den  etwas  längeren  Schwanz  und  die  verschiedene  Färbung, 
von  der  letzteren  aber,  welcher  sie  gleichfalls  an  Größe  etwas  nach- 
steht, durch  die  gewimperten  Ohrklappen  und  die  abweichende 
Färbung. 

Die  Nasenkuppe  ist  tief  gespalten.  Die  Ohren  sind  ziemlich  groß, 
nicht  sehr  breit,  frei  aus  dem  Pelze  hervorragend  und  an  ihrem  hinteren 
Rande,  so  wie  auch  an  jenem  der  Klappen  an  der  Innenseite  derselben 
mit  feinen  Haaren  gewimpert.  Der  Schwanz,  dessen  Länge  etwas 
mehr  als  die  halbe  Körperlänge  einnimmt,  ist  an  der  Wurzel  verhält- 
nißmäßig  ziemlich  dick,  im  weiteren  Verlaufe  allmählig  sich  verdün- 
nend, beinahe  kegelförmig,  und  ziemlich  dicht  mit  kurzen  anliegenden 
Haaren  und  einzelnen  eingemengten  langen,  abstehenden  und  nach 
rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren  besetzt.  Die  Behaarung  ist 
kin-z,  fein  und  weich,  die  Schnurren  sind  fein  und  zahlreich.  Im 
Oberkiefer  sind  jederseits  drei  Lückenzähne  vorhanden  und  säniml- 
liche  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß.  Die  Schwanzwirbel  sind 
vierkantig. 

Die  Färbung  der  Oberseite  des  Körpers  ist  dunkel  graubraun,  an 
den  Leibesseiten  mehr  in's  Graue  ziehend  und  auf  der  Unterseite  all- 
mälig  in  Weißlichgrau  übergehend.  Sämmtliche  Haare  sind  an  der 
Wurzel  schiefergrau.  Die  Kinngegend  ist  bräunlichgelb.  Der  Schwanz 
ist  auf  der  Ober-  sowohl  als  Unterseite  ähnlich  wie  der  Rücken, 
aber  heller  graubraun  gefärbt.  Die  Schnurren  sind  weiß  und  an  der 
Wurzel  dunkelbraun.  Die  Vorderfüsse  sind  weißgrau,  die  Hinterfüsse 
blaß  bräuidich.  Die  Krallen  sind  schmutzig  weiß. 

Körperlänge 3". 

Länge  des  Schwanzes 1"  8'". 

„     der  Ohren 4'". 

des  Hinterfusses 6'". 

"  • 

Vaterland.   Mozambi<|ue.  Von  Peters  bei  Tette  entdeck!  und 

von  demselben  zuerst  beschrieben. 


Kritische  UnferstichiiiijTPii  iilier  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  4«>«5 

8.   Die  niariquinisehe  >Vimperscliwaiizspltzniaus  (Crocidura  mari- 

quensis). 

C.  iiotaeo  ex  fuscescente-riibido,  gastraeo  parum  dilntiore, 
marfiaritaceo-lavato  ;  cauda  basi  incrassata,  dimidio  corpore  parum 
longiore;  auricidh  fere  nudis. 

Sorex  mariquensis.  A.   Smitli.   Illustr.  of  the  Zool.  of  South. -Afr, 

V.  I.  t.  44.  fig.  1. 
Reiche  üb.    Naturg.    Raiibth.    S.  347,    384. 

fig.  721. 
Wagii.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  S64. 

Nr.  46. 
Crocidura  mariquensis.   Wagn.     Schi-eber   Säugth.    Suppl.   B.    V. 

S.  564.  Nr.  46. 
Sorex  mariquensis.  Giebel.  Säugeth.  S.  905.  Note  1.  Nr.  6. 
Crocidura  mariquensis.  Giebel,  Säugeth.  S.  905.  Note  1.  Nr.  6. 

Eine  sehr  ausgezeichnete  und  mit  keiner  andern  zu  verMech- 
selnde  Art,  welche  hezüglich  ihrer  Körperform  im  Aligemeinen  eini- 
germaßen an  die  graulichfahle  Wimperschwanzspitzmaus  (C.  f'iil- 
vustra)  erinnert,  mit  welcher  sie  auch  in  der  Größe  übereinkommt. 

Der  Kopf  ist  gestreckt  und  ziemlich  hoch,  der  Rüssel  lang  und 
spitz.  Die  Ohren  sind  ziemlich  groß,  gerundet,  stark  aus  dem  Pelze 
hervorragend  und  beinahe  völlig  kahl.  Der  Schwanz,  welcher  etwas 
mehr  als  die  halbe  Körperlänge  einnimmt,  ist  an  der  Wurzel  ziemlich 
dick,  allmählig  sich  verdünnend,  beinahe  kegelförmig,  und  ziemlich 
dicht  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  und  einzelnen  eingemengten 
längeren ,  abstehenden  und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimper- 
haaren besetzt.  Die  Behaarung  des  Körpers  ist  dicht  und  etwas  rauh. 
Die  Schnurren  sind  lang.  Sämmtliche  Zähne  sind  durchaus  einfarbig 
weiß. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  bräunlichroth,  die  Unterseite  etwas 
lichter,  mit  perlengrauem  Anfluge,  und  sämmtliche  Haare  sind  an  der 
Wurzel  graulich  schwarz.  Der  Schwanz  und  die  Füsse  sind  auf  der 
Ober-  und  Aussenseite  bräunlichroth ,  auf  der  Unter-  und  Innenseite 
heller. 

Körperläiige 3"     4'". 

Läntie  des  Schwanzes 1"   10'". 


436  K  i  f  /.  i  II  <•  e  r. 

Vaterland.  Süil-AtVika,  woselbst  A.  Smith  diese  Art,  welche 
Brauch  zuerst  beschrieb,  unter  dem  Wendekreise  des  Steinbockes 
entdeckte. 

Obgleich  über  die  Zahl  der  Lückenzähne  im  Oberkiefer  keine 
Angabe  vorliegt,  so  glaube  ich  doch  keinen  Fehlgriff  zu  begehen, 
wenn  ich  diese  Art  der  Gattung  Wimperschwanzspitzmaus  (Croci- 
dura)  einreihe,  da  die  äusseren  Körperme'rkmale  deutlich  dafür 
sprechen. 

9.  Die  grnalichfalilc  WimperschwanzspitÄmaus  (Crocidura  fulmstra), 

C.  notaeo  pallide  cinereo-fulvescente ,  gnstraeo  griseo-albido ; 
canda  basi  incrassata,  dimidii  corporis  longiludine ;  nurlculis  intus 
villosis. 

Sore.v  fulmister.  Sundev.  Vetensk.  Akad.  Handl.  1842.  p.  172.  178. 
„  „  Wagn.    Schreber   Säugth.   Suppl.  ß.  V.    S.   o57. 

Nr.  28. 
Crocidvra  fulmstra.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  557. 

Nr.  28. 
Sore.v  fnlmster.  Giebel.  Säugelh.  S.  905.  Note  1.  Nr.  4. 
Croc'idurd  f'nJvastrn.    Fitz.   Heugl.   Säugeth.  Nordost-Afr.   S.  30. 
Nr.    7.   (Sitziingsber.   d.  math.    naturw.    Cl.   d. 
kais.  Akad.  d.  Wiss.  ß.  LIV). 

Zunächst  mit  der  röthlichfahlen  (C.  rutilaj  und  ebenso  auch 
mit  dt'r  gelblichfahlen  Wimperschwanzspitzmaus  (C.  flavescensj 
verwaiuit,  unterscheidet  sich  diese  Form  von  beiden  durch  die  be- 
träehllich  geringere  Größe,  den  merklich  längeren  Schwanz  und 
zum  Theile  auch  durch  die  Färbung. 

Die  Nasenkuppe  ist  ziemlich  tief  gespalten  und  die  Klappen  an 
der  Innenseite  der  Ohren  sind  zottig-gefranset  behaart.  Der  Schwanz, 
dessen  Länge  die  halbe  Körperlänge  einnimmt,  ist  heinahe  vierkantig, 
an  der  Wurzel  ziemlich  dick,  im  weiteren  Verlaufe  allmählig  sich 
verdünnend,  beinahe  kegelförmig  und  nicht  sehr  dicht  mit  kurzen 
anliegenden  Maaren  und  einzelnen  eingemengten  längeren,  abstehen- 
den und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren  besetzt.  Die 
Behaarung  des  Körpers  ist  kurz,  verhältniOimäßig  etwas  rauh,  dicht, 
glatt  anliegend  und  glänzend.  Im  Oberkieler  sind  jederseits  drei 
Lückenzähne  vorhanden,  von  denen  die  beiden  letzteren  sich  an  Ge- 


Kritische  Untersuchunjjen  über  die  SpitziiiHuse  (Sorices)  etc.  4o  < 

stall  und  Größe  völlig  gleich  sind,  und  sämmtliehe  Zähne  sind  durch- 
aus einfarbig  weiß. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  hell  graulich-rothgelb,  die  Unter- 
seite graulichvveiß. 

Kürperlänge      3"  4'". 

Länge  des  Schwanzes 1"  8"'. 

Vaterland.  Seniiaar,  woselbst  Heden  borg  diese  Art  ent- 
deckte, die  Sundevall  zuerst  beschrieb. 

10.  Die  röthlichfahle  Wimperschwanzspitzmaus   (Crocidura  rutiht). 

C.  notaeo  pallide  fulvescente ,  gastraeo  flavido-griseo ;  caiida 
basi  incrassata,  ultra  1/3  corporis  hngitudme ;  aurindis  intus 
villosis;  rhinario  profunde  fisso. 

Sorejü  flavescens.    A.    Smith.   Illustr.    of  the  Zool.  of  South-Afr. 
V.  I.  t.  4b.  flg.  2. 
„      rutilus.  Sunde V.  Öfvers.  af K.Vetensk. Akad.  Fürhandl.  1846. 

p.   119. 
„     flavescens.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  5ö7. 
Xr.  29. 
Crocidura   flavescens.    Wagn.    Schreber    Säugth.    Suppl.    B.    V. 

S.  557.  Nr.  29. 
Sorex  rutilus.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V^  S.  807. 
Crocidura  rutila.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  807. 
Sorex  cinnamomeus?  Giebel.  Säugeth.  S.  904.  Note  6. 
Crocidura  cinnamomea?  Giebel.  Säugeth.  S.  904.  Note  6. 

Sehr  nahe  mit  der  graulichfahlen  Wimperschwanzspitzmaus 
(C.  fulvastra)  verwandt,  doch  von  derselben  durch  den  dickeren 
und  merklich  längeren,  vollkommen  vierkantigen  Schwanz,  so  wie 
auch  die  Färbung  sehr  deutlich  verschieden. 

Die  Nasenkuppe  ist  ziemlich  tief  gespalten  und  die  Klappen  an 
der  Innenseite  der  Ohren  sind  zottig-gefranset  behaart.  Der  Schwanz, 
welcher  über  '/s  der  Körperlänge  einnimmt,  ist  vierkantig,  an  der 
Wurzel  ziemlich  dick,  allmählig  sich  verdünnend,  beinahe  kegel- 
förmig, und  nicht  sehr  dicht  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  und  ein- 
zelnen eingemengten  längeren,  abstehenden  und  nach  rückwärts 
gerichteten  Wimperhaaren  besetzt.  Die  Behaarung  i\t^  Körpers  ist 
kurz,  verhältnißmäßig  etwas  steif,   glatt   anliegend   und   dicht.    Im 


4  O  O  F  i  t  z  i  n  g  e  r. 

Oberkiefer  sind  jederseits  drei  Lilckenzähne  vorhanden  und  sämmt- 
liche  Zähne  sind  dnrehan.s  einliirbij^'  weiß. 

Die  Oberseite  des  Kin-pers  ist  hell  röthh'chgelb,  die  Unterseite 
tVfIhliehjijraii  j^ofürbt. 

Kürperhingc 4"    4'".  Nach  A.  Smith. 

Länge  des  Schwanzes    ....     1"    9'". 
KntlVrnung  der  Augen    von  der 

Hüsselspitze ^'/a'"- 

KörpeHänge 4"     1".  Nach  Sundevai  I. 

Fjänge  des  Schwanzes    ....     1"  10  ". 
„      des  Hinterfusses  sammt  den  Krallen  T". 

Vaterland.  Süd-Afrika,  Port  Natal.  Von  A.  Smith  entdeckt 
nnd  znerst  beschrieben,  aher  irrigerweise  von  demselben  für  die 
gelblichfahle  Wimperschwanzspitzmaus  (^C.  flavescensj  gehalten,  bis 
Sundevall  diesen  Irrthum  aufgedeckt  und  die  Selbstständigkeit 
dieser  Art  erwiesen. 

1  i.  Die  gelbllfhfahle Wimpersehwanzspltzniaus (Crocidnra  flavescens). 

C.  notneo  pallide  nifescente-flavo,  gastraeo  dilute  cano  vel 
a/hido-gn'scü ;  rostro  f'nscia  angustn  fusca  ab  apice  ejus  sinclpnt 
versm  protensa;  caitda  baai  i/tcmssaia,  1/3  corporis  longitiidiue ; 
rhinario  leviter  fisso. 

Snre.v  flavescens.  Isid.  Geoffr.  Mem.  du  Mus.  V.  XV.  p.  126. 
Isid.  Geoffr.  Dict.  class.  V.  XI.  p.  324. 
„      Indiens?  Cuv.  Regne  anim.  Edit.  II.  V.  I. 
Sore.v  flavescens.  Lichten  st.  Verhandl.  d.  Gesellsch.  naturf.  Fr.  zu 
Berlin.  B.  I.  S.  381.  Nr.  4. 
Licht enst.  Bullet,  des  Sc.  nat.  V.  XVIII.  p.  279. 
Nr.  4. 
„  „  Fisch.    Synops.    Mammal.    p.    257,    580,    663. 

Nr.  16. 
„     cinnamomeus.   ßlainv.    Ann.   des   Sc.    nat.   2.   Ser.   V.   X, 

p.   120. 
,.     flavescens.  Isid.  Geoffr.  Belang.  Voy.  aux  Ind.  Zool.  p.  127. 
Isid.  Geoffr.  Guerin  Magaz.  d.Zool.  1833.  t.  13. 
„  Duvern.   Mem.  de  la  Soc.  d'hist.  nat.   d.  Strasb. 

V.  II.  Suppl,  3.  p.  3. 


Kritische  l'iitcrsuiiiuiiyi'ii  iiln-r  die  Spit/.miiiise  (Snrices)  etc.  4o«f 

Sorex  flavescens.  Wagii.    Schreber.  Säugth.    Suppl.  B.  II.   S.  74. 

Nr.  IG. 
Crocidura  flavescßns.  Wagii.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  74. 

Nr.  16. 
Sorej;  flavescens.    Bon  aparte.  Iconograf.  della  Fauna  ital.  t.    19. 

fig.  4. 
Sundev.  Vetensk.  Akad.  Handl.  1842.  p.  178. 
Reiche nb.  Naturg.  Raubth.  S.  341.  fig.  501. 
Crocidura  flavescens.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.341.  fig.  501. 
Sorex  flavescens.   Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  557. 

Nr.  29. 
Crocidura  flavescens.    Wagn.     Schreber    Säugth.    Suppl.    B.   V. 

S.  557.  Nr.  29. 
Sorex' capensis?   Wagn.    Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  558. 

Nr.  30. 
Crocidura   capensis?    Wagn.     Schreber    Säugth.     Suppl.    B.    V. 

S.  558.  Nr.  30. 
Sorex  cinnamomeus?  Giebel.  Säugeth.  S.  904.  Note  6. 
Crocidura  cinnaniomea?  Giebel.  Säugeth.   S.  904.  Note  6. 

Mit  der  zimmtlärbigen  Wimperschwanzspitzmaus  {C.  cinna- 
momeaj  und  noch  mehr  mit  der  haftnasigen  (^C.  capensis)  verwandt, 
unterscheidet  sich  diese  Art  von  der  ersteren,  außer  der  verschiedenen 
Färbung,  durch  den  höheren  Kopf,  den  längeren  und  spitzeren  Rüs- 
sel, die  weit  mehr  aus  dem  Pelze  hervorragenden  Ohren  und  den 
etwas  kürzeren  Schwanz,  von  der  letzteren  durch  den  viel  stärker 
gestreckten  Kopf,  die  schwach  gespaltene  Nasenkuppe,  den  etwas 
kürzeren  Schwanz  und  die  abweichende  Färbung. 

Der  Kopf  ist  sehr  stark  gestreckt  und  verhältnißmäßig  hoch, 
der  Rüssel  lang  und  spitz,  die  Nasenkuppe  nur  sehr  schwach  ge- 
spalten. Die  Ohren  sind  ziemlich  groß ,  nicht  besonders  breit,  stark 
aus  dem  Pelze  hervorragend  und  an  den  Klappen  auf  der  Innenseite 
zottig-gefranset  behaart.  Der  Schwanz,  dessen  Länge  1/3  der  Körper- 
länge beträgt,  ist  gerundet,  an  der  Wurzel  ziemlich  dick,  allmählig 
sich  verdünnend,  beinahe  kegelförmig  und  nicht  sehr  dicht  mit  kur- 
zen anliegenden  Haaren  und  einzelnen  wenigen  eingemengten  län- 
geren, abstehenden  und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren 
besetzt.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  drei  Lückenzähne  vorhanden 
und  sämmtliche  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß. 


440  F  i  t  z  i  n  !,'  e  r. 

Die  Fäi'huiig'  der  Oberseite  des  Körpers  ist  liell  riithiich-tahlgelli, 
jene  der  Unterseite  hellgrau  oder  weißlichgrau.  Die  Mundgegend  ist 
weiß  und  röthlich  überflogen.  Über  die  Stirne  und  den  Nasenrücken 
verläult  ein  seliiiirtler  brauner  Läiigsstreifen.  Die  Ohren  sind  weißlich 
behaart.  Der  Schwanz  ist  auf  der  Oberseite  sehr  licht  röthlicligrau, 
auf  der  Unterseite  weißlichgrau.   Die  Krallen  sind  weißlich. 

Junge  Thiere  **ind  auf  der  Oberseite  des  Körpers  dunkler,  auf 
der  Unterseite  heller  als  ältere  gefärbt. 

Körperlänge 4"  6'". 

Länge  des  Schwanzes      1"  6". 

Vaterland.  Kaffern-  und  Hottentotten-Land,  wo  Delalande 
diese  Art  entdeckte,  die  Isid.   Geoffroy  zuerst  lieschrieb. 

Cuvier  war  geneigt,  dieselbe  mit  der  indischen  Dickschwanz- 
spitzinaus  (P.  iiidica)  zu  vereinigen  und  Blainville  liielt  sie  für 
identisch  mit  der  zimmtfärbigen  Wimperschwanzspitzmaus  (C.  ein- 
namomea). 

12.   Die  haftniisige  Himperschwanzspltzinans  (Crociduru  capcnsinj . 

C.  notaeo  dilute  ex  flauido  ruf'o-f'usvo ,  gastraeo  cinereo,  flu- 
vldo-favnto ;  rostro  fuscescente-ruf'o  ;  cauda  basi  incrnssata,  paullo 
ultra  '/s  corporis  loiigitndine ;  rhinario  integro. 
Sorex  copotsis.  A.  Smith.  Illustr.  of  the  Zool.  of  South-Afr.  V.  L 
t.  45.  flg.  1. 
Wagn.  Schreber   Säugth.    Suppl.   B.   V.  S.  5Ö8. 
Nr.  30. 
Crociduru  capensis.  Wagn,  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  558. 
Nr.  30. 

Der  röthlichfahlen  Wimperschwanzspitzmaus  (C.  rutila)  ver- 
wandt, aber  durch  die  ungespaltene  Nasenkuppe  und  die  Färbung 
von  derselben  verschieden. 

Der  Kopf  ist  nicht  sehr  langgestreckt,  die  Nasenkuppe  ungespal- 
ten. Der  Schwanz  nimmt  etwas  über  '/^  der  Körperlänge  ein.  Der- 
selbe ist  an  der  Wurzel  ziemlich  dick,  allmählig  sich  verdünnend, 
beinahe  kegelförmig  und  nicht  sehr  dicht  mit  kurzen  anliegenden 
Haaren  und  einzelnen  eingemengten,  abstehenden  und  nach  rück- 
wärts geri(;hleten  Wimperhaaren  besetzt.  Im  Oberkiefer  sind  jeder- 
seits  drei  Lückeiizähne  vorhanden  und  sämmtliche  Zähne  sind  durch- 
aus einfarbig  weiß. 


Kritische  Uiitersucliuiigeii  ülier  «lii-  Spil^iiiäuse  (Surices)  ete.  441 

Die  Färbung  der  Oberseite  des  K(ir]it'rs  ist  licht  gelblich-roth- 
braun,  jene  der  Unterseite  aschgrau  und  gelblich  überflogen.  Die 
Schnauze  ist  bräunlichrntli. 

Kcirperlange 4". 

Länge  des  Schwanzes 1"   5'". 

Entfernung  der  Augen  von  der  Rüsselspitze      .     S'/a'". 
Vaterland.   Süd-Afrika,  Cap-Colonie,  wo  A.  Smith  dieselbe 
entdeckte  und  auch  zuerst  besehrieb. 

Wagner  spricht  die  Vermuthung  aus,  daß  SundevalTs 
„Sorecv  flavc'scenfi"  eher  zu  dieser  Art  als  zu  Isid.  Geoffroy's 
„Sorex  flavescenfi"  zu  gehören  scheine,  da  derselbe  die  Nasenkuppe 
kaum  gespalten  nennt,  doch  ist  diese  Ansicht  keineswegs  richtig. 

13.    Die   ziDimtfiirbi^e  Wimperschwaiizspitzinaus  (Crocidura   cinna- 

momea). 

C.  notaeo  cinnamomeo,  gastraeo  abrupte  argentato ;  cauda 
unicolore  cinnamomea,  infra  vLv  pallidiore,  bnsi  parum  incrassata 
tereti,  pauUo  ultra  '/s  corporis  longitudine. 

Sorex  cinnamomeus.  Lichten  st.    Verhandl.    d.  Gesellsch.    naturf. 
Fr.  zu  Berlin.  B.  U.  S.  381.  Nr.  2. 
„  „  Lichtenst.   Bullet,    des    Sc.    nat.    \.   XVJIL 

p.  279.  Nr.  2. 
„  „  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  663.  Nr.  16.  b. 

Wag  1er.  Syst.  d.  Amphib.  S.  14. 
„  „  Lichtenst.  Darstell,    neuer  Säugeth.    t.   39. 

Hg.  2. 
Sorex  crassicaudus.  Blainv.  Ann.  des  Sc.  nat.  2.  Ser.  V.  X.  p.  120. 
Myosorex  varius.  Gray.  Proceed.  of  the  Zool.  Soc.   V.  V.  (183T.) 

p.   124. 
Sorex  cinnamomeus.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  77. 

Nr.  21. 
Crocidura  cinnamomea.  Wagn.    Schreber   Säugth.    Suppl.   B.   II. 

S.  77.  Nr.  21. 
Sorex   cinnamomeus.      Sundev.     Vetensk.    Akad.    Handl.     1842. 

p.  179. 
Myosorex  varius?  Gray.  Mammal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  79. 
Sorex   cinnamomeus.    R  e  i  c  h  e  n  b.    Naturg.     Raubth.     S.    343. 
tig.  503,  504. 

Sitzb.  (I.  matheni.-nalurw.  Cl.  LVII.  Bd.  I.  Abth.  29 


442  Fi  tii  liger. 

Crocidura    cinnanwtuea.     Reichen!).    Naturg.    Raubth.    S.    343. 

fig.   .'J03,  Ii04. 
Sorex  cinnamomeus.  Wagii.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  562. 

Nr.  39. 
Crocidura  ci?i7iamomea.  Wagn.    Sehreber   Säugth.    Suppl.    B.  V. 

S.  502.  Nr.  39. 
Sorex  cinnamojneus.   Giebel.   Säugeth.   S.  904. 
Crocidura  cinnamomea.   Giebel.   Säugetli.  S.  904. 

Sowohl  mit  der  gelblichfahlen  Wimperschwanzspitzmaus  (C.  fla- 
vescens),  als  auch  mit  der  Seiden-Wimperschwanzspitzmaus  (^C.  se- 
ricea)  verwandt ,  aber  deutlich  von  beiden  unterschieden.  Von  der 
ersteren,  welcher  sie  noch  näher  steht,  scheiden  sie  der  niede- 
rere Kopf,  der  kürzere  und  minder  spitze  Rüssel,  die  weit  mehr  in 
den  Haaren  versteckten  Ohren,  der  etwas  längere  Schwanz  und  die 
abweichende  Färbung,  von  der  letzteren,  die  nur  wenig  aus  dem 
Pelze  hervorragenden  Ohren,  der  beträchtlich  kürzere  Schwanz  und 
die  verschiedene  Färbung. 

Der  Kopf  ist  sehr  stark  gestreckt  und  ziemlich  nieder,  der  Rüs- 
sel mäßig  lang  und  nicht  sehr  spitz.  Die  Ohren  sind  ziemlich  groß, 
nicht  besonders  breit  und  nur  wenig  aus  dem  Pelze  hervorragend. 
Der  Schwanz,  dessen  Länge  etwas  über  1/3  der  Körperlänge  ein- 
nimmt, ist  gerundet,  verhältnißmäßig  dünn ,  an  der  Wurzel,  wo  er 
4i/a  Linien  im  Umfange  hat,  nur  wenig  dicker  als  im  weiteren 
Verlaufe  und  dicht  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  und  einzelnen 
eingemengten  langen,  abstehenden  und  nach  rückwärts  gerichteten 
Wimperhaaren  besetzt.  Die  Schnurren  sind  lang.  Im  Oberkiefer 
sind  jederseits  drei  Lückenzähne  vorhanden  und  sämmtliche  Zähne 
sind  durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  zimmtbraun,  die  Unterseite  silber- 
grau und  beide  Farben  sind  ziemlich  scharf  von  einander  geschie- 
den. Die  Beine  sind  auf  der  Vorderseite  zimmtbraun,  auf  der  Hinter- 
und  Innenseite  silbergrau.  Der  Schwanz  ist  beinahe  einfarbig 
zimmtbraun,  auf  der  Unterseite  kaum  etwas  heller. 

Körperlänge 5"     6'".  N.  Lichten  st. 

Länge  des  Schwanzes 1"  11'", 

„      des  Kopfes  bis  zu  den  Ohren  1"     3". 

Länffe  des  Rüssels 4'". 


Kritische  Untersnchungen  iilier  di«  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  4^3 

Länge  der  Ohren 2", 

Breite  der  Ohren 4'", 

AhstJind  der  Ohren 9'". 

Lange  des  Unterarmes  bis  zur  Krallen- 
spitze         11'". 

Länge  des  Hinterfußes  bis  zur  Kral- 
lenspitze        8'". 

Länge  der  hinteren  Schnurren     .    .     1"    3", 
Junge  Thiere   unterscheiden  sich  von  den  alten  durch   das 
weichere  und  wolligere  Haar,  welches  die  Ohren  und   die  Augen  bei- 
nahe ganz  verhüllt,  so    wie  durch    die  weniger  röthliehe  Färbung. 
Ihre  Körperverhältnisse  sind  aber  dieselben. 

Vaterland.  Katfernland,  wo  diese  Art  in  waldigen  Gegenden 
an  der  Küste  vorkommt.  Lichten  stein  hat  dieselbe  zuerst  be- 
schrieben. 

Blainville  betrachtete  diese  Art  von  der  gelblichfahlen  Wim- 
perschwanzspitzmaus ("C. /?rtV6?sce/<.s^  nicht  für  verschieden  und  Gray 
glaubte  dieselbe  mit  der  gesprenkelten  Halbspitzmaus  (Myosorex 
varhisj  vereinigen  zu  dürfen. 

Die  Angabe  Li  chtenstein's,  daß  sicli  bei  der  zimmtfärbigen 
Wimperschwanzspitzmaus  nur  einige  wenige  lange  Haare  an  der 
Schwanzwurzel  befinden,  widerlegte  W^agner  nach  eigener  Unter- 
suchung der  im  Berliner  Museum  aufgestellten  Exemplare,  indem  er 
sich  überzeugte,  daß  auch  bei  dieser  Art  die  langen  abstehenden 
Wimperhaare,  so  wie  bei  allen  übrigen  derselben  Gattung  angehörigen 
Arten,  längs  der  ganzen  Ausdehnung  des  Schwanzes  vorhanden  seien. 

14.  Die  rostbraane  Wimperschwanzspitzmaas  (Crocidura  infumata). 

C.  7iotaeo  7iitide  ferruguieo  vel  palUde  clnnamomeo,  lateribus 
cinerascentibus,   gustraeo  albido;    cnuda   ex  griseo-ferruginea, 
infra  paullo  dilutiore,  ienui,   tetragona ,   fere  2/3  corporis  longi- 
tudine. 
Sorex  infumatus.    Wagn.    Schreber  Säugth.    Suppl.   B.  H.  S.  76. 

Nr.  19. 
Crocidura  infumata.  Wagn.   Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  76. 

Nr.  19. 
Sore.v  infiimatus.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  342. 

29» 


444  F  i  t  7.  i  n  g  e  I-, 

Croeidura  infumata.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  342. 

Sorex  infumalus.  Wa  gn.  Scbreber  Säugth.  Suppl.  B.V.  S.  502.  Nr.  40. 

Croeidura  infumata.  Wagn.  Scbreber  Säiigtb.  Suppl.  B.  V.  S.  562. 

Nr.  40. 
Sorex  cyaneus?  Giebel.   Säugetb.   S.  902.  Note  1. 
Croeidura  cyanea?  Giebel.  Säugetb.   S.  902.  Note  1. 
Croeidura    infumala.    Fitz.    II engl.   Säugetb.  Nordost-MV.  S.  30. 
Nr.  8.  (Sitzuiigslier.  d.  niatb.  uaturw.  Cl.  d. 
kais.  Akad.  d.  Wiss.  B.  LIV.) 

Ziemlicb  nabe  mit  der  Haus  -  Wimperscbwaiizspitzmaus  (C. 
aranea)  verwandt ,  welcbe  sie  am  Cap  der  guten  Hoffnung  zu  er- 
setzen scbeint,  von  derselben  aber  niebt  nur  durcb  den  längeren 
Scbwanz,  sondern  aucb  durcb  die  mebr  frei  liegenden  Ohren  sebr 
deutlicb  unterscbeiden. 

Die  Körperform  ist  scbmäcbtig,  der  Rüssel  sebr  spitz.  Die  Obren 
sind  verbältnißmäßig  groß,  frei  aus  dem  Pelze  hervorragend  und 
kahl.  Der  Scbwanz,  welcher  nahe  an  ~/^  der  Körperlänge  einnimmt^ 
ist  dünn  und  schmal,  fast  seiner  ganzen  Länge  nach  von  gleicher 
Dicke,  vierkantig,  und  nicht  sebr  dicht  mit  kurzen  anliegenden  Haaren 
besetzt,  zwischen  denen  ziemlicb  viele  längere,  abstehende  und  nach 
rückwärts  gerichtete  AVimperhaare  eingemengt  sind.  Die  Behaarung 
des  Köi'pers  ist  dicht.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  drei  Lückenzähne 
vorhanden. 

Die  Färbung  ist  auf  der  Oberseite  des  Körpers  glänzend  rost- 
oder  licht  zi-mmtbraun,  an  den  Leibesseiten  allmäblig  in's  Graue  und 
auf  der  Unterseite  in's  WeifMichgraue  übergebend.  Sämmtliche  Haare 
sind  an  der  Wurzel  dunkelgrau  und  endigen  auf  der  Oberseite  in 
licht  zimmtbraune,  an  den  Leibesseiten  in  graue,  und  auf  der  Unter- 
seite in  weißlichgraue  Spitzen.  Die  Füsse  sind  licht  röthlich-braun- 
grau.  Der  Schwanz  ist  graulich-rostbraun,  auf  der  Unterseite  nur 
wenig  beller.  Die  Schnurren  sind  theils  bräunlich,  theils  weißlich.  Die 
Rüsselspitze  ist  schwarz. 

Körperlänge 3"   1'". 

Länge  des  Schwanzes 1"  9»/2"'. 

Vaterland.  Süd-  und  der  östliche  Theil  von  Mittel-Afrika. 
Eckion  entdeckte  sie  in  der  Colonie  am  Cap  der  guten  Hoffnung 
und  Wagner  gab  die  erste  Beschreibung  von  ihr.  Später  wurde  sie 
auch  von  Heuglin  auf  den  Inseln  des   Bahr-el-abiad  bei  Chartum 


Kritische  Untersuchungen  iiher  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  *i4o 

getroffen,    doch  scheint  diese  nürdlicher  vorkommende  Form  kleiner 
als  die  capisehe  zu  sein. 

15.  Die  schieferblitue  »imperschwanzspitimaus  (Crocidiwa  cyauea). 

C.  notaco  nnicolore  ex  coerulescente-  schistaceo ,  gastraeo 
jKirum  dilutiore ;  cauda  tetiui,  fere  ^/^  corporis  longitudine. 

Sorex  cyaneus.  Duvern.  Mem.  de  la  Soe.  d'hist.  nat.  d. Strasbourg. 

V.  II.  Suppl.  3.  p.  2. 
„  „  Wagn.    Schreber  Säugth.    Suppl.   B.   II.    S,   76. 

Nr.  18. 
Crocidura  cyauea.    Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  76. 

Nr.  18. 
Sorex  cyaneus.   Duvern.    Guerin  Magas.  d.  Zool.   1842.   p.  21. 

t.  40,  41. 
Sundev.  Vetensk.  Akad.  Handl.  1842.  p.  180. 
Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  342. 
Crocidura  cyauea.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  342. 
Sorex  cyaneus.    Wagn.    Schreber  Säugth.    Suppl.  B.  V.    S.  563. 

Nr.  41. 
Crocidura  cyauea.    Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  563. 

Nr.  41. 
Sorex  cyaneus.  Giebel.  Säugeth.  S.  902. 
Crocidura  cyauea.  Giebel.  Säugeth.  S.  902. 

Etwas  größer  als  die  rostbraune  Wimperschwanzspitzmaus 
(C.  infiimata),  von  welcher  sie  sich  sowohl  durch  den  verhältniß- 
mäßig  etwas  längeren  Schwanz,  als  auch  durch  die  durchaus  ver- 
schiedene Färbung  des  Körpers  unterscheidet. 

Die  Schnauze  ist  lang  und  dünn.  Die  Ohren  sind  verhältniß- 
mäßig  groß,  frei  aus  dem  Pelze  hervorragend  und  kahl.  Der  Schwanz, 
welcher  beinahe  2/„  der  Körperlänge  einnimmt,  ist  dünn  und  schmal. 
Die  Schnurren  sind  zahlreich  und  lang.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits 
drei  Lückenzähne  vorhanden  und  sämmtliche  Zähne  sind  durchaus 
einfarbig  weiß.  Der  Schädel  ist  so  wie  jener  der  Haus-Winiper- 
schwanzspitzmaus  (C.  aranea)  gebildet,  mit  welcher  sie  auch  in 
Ansehung  des  Zahnbaues  vollständig  übereinkommt. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  einfarbig  schiefergraublau,  die 
Unterseite  etwas  lichter.  Die  Nasenkuppe  ist  schwarz. 


440  Fil  zinj,-i'r. 

Köi'perliiiige 3"  4'" 

Länge  des  Seliwiinzes 2". 

Vaterland.  Siid-AlVika,  wo  diese  Arl  am  Eleplianten-Flnsse 
entdeckt  wurde.   Duvernoy  hat  dieselbe  zuerst  beschrieben. 

Sundevall  spricht  die  Ansicht  aus,  daß  die  von  Duvernoy 
gegebene  Beschreibung  und  Abltildung  dieser  Art  nicht  ganz  richtig 
sei,  und  daß  diescll)e  vielmelir  in  sehr  naher  Verwandtschaft  mit  der 
silbergrauen  Wimperschwanzspifzuiaus  (C.  argenttita)  zu  stehen 
scheine,  welche  zu  den  dickschwänzigen  Formen  dieser  Gattung 
gehiirt.  ja  vielleicht  nur  eine  Varietät  derselben  bilde,  die  den  west- 
lichen Tlieil  von  Süd-Al'rika  bewohnt,  während  die  letztere  mehr  dem 
östlichen  Theile  eigen  ist.  Welche  Anhaltspunkte  ihn  zu  dieser 
Ansicht  bestimmen,  ist  mir  nicht  hekainit  und  ich  möchte  daher  nicht 
wagen,  mich  derselben  anzuschließen. 

Mi.    Die  geheiligte  Wimperschwanzspitzmaus  fCrocidura  religiosa). 

C  anicolor  e.v  f'uscesceiite-fjrisca  vd  f'asco-cinerea ;  candu 
tetragona,  tiltra  -/s  corporis  longifudi/ie. 

Soreoe  religiosns.    Geoffr.   Catal.  rais.  et  bist,  des  Antiq.  decouv. 
en  Egypte  par  Passalacrjua.  1 826.  p.  294, 295. 
Isid.  Geoffr.  Dict.  class.  V.  XI.  p.  323. 
Isid.  Geoffr.  Mem.  du  Mus.  V.  XV.  p.  128. 
„  „  Lichtenst.    Verhandl.  d.  Gesellsch.  naiurf.  i^^r. 

zu  Berlin.   B.  IL  S.  381.  Nr.  5. 
„  „  Lichtenst.     Bulletin   des   Sc.    nat.    V.    XVIII. 

p.  279.  i\r.  5. 
Fi  seil.    Synops.  Mammal.  p.  257,  663.  Nr.  15. 
SuHCUfi  siteer.  Elirenb.  Symb.  phys.  Dec.  II. 
Sore.v  crassicandus.    Wagn.  Schreber  Säugth.  Sup{tl.  B.  II.  S.  74. 

Nr.  17. 
Crocidura  crassicatida.  \\ii'j;n.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  74, 

Nr.  17. 
Sorex'  religiosns.    Wagn.   Schreber  Säugth.   Suppl.   B.  II.  S.  75. 

Note  13. 
Crocidura  religiosa.  Wagn.   Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  75. 

Note  13. 
Sore.v    critssicaadas?     S  u  n  d  e  v.    Velensk.    Akad.    Ilandl.    1842. 
p.  176,  178. 


Kritische  Untersiichuiig-en  ül>er  die  Spitzmäuse  (^Sorices)  etc.  44  ^ 

Sore.v  religiostis.  Reicli  l'iiI).  Nftdirg.  Raubtli.  S.  342. 

Crocidura  religiosn.  Reiclienb.  Naturg'.  Raultlh.  S.  'M2. 

Sorex  cntssicaudns.  Wagn.  Schreber  Säuglh.  Siippl.  B.  V.  S.  äS4. 

Nr.  21.  Note  1. 
Crocidura  crassicaiida.  Wagn.  Schreber Säugth.  Siippl.  B.  V. S. 5ö4. 

Nr.  21.  Note  1. 
Pachyura  crassicauda.  Wagn.  SclireberSäugtli.  Suppl.  B.  V.  S.  054. 

Nr.  21.  Note  1. 
Sore.v  crassicatidus.  Giebel.  Säugeth.  S.  904. 
Crocidura  crassicauda.  Giebel.  Säugeth.  S.  904. 
Crocidura  rcligiosa.    Fitz.    Heugl.    Säugeth.  Nordost-Afr.  S.  30. 
Nr.  5.    (Sitzungsber.  d.  math.    naturw.  Cl. 
d.  kais.  Akad.  d.  Wiss.  B.  LIV.) 

Die  ersten  Beschreibungen ,  welche  wir  von  dieser  Art  erhalten 
haben,  rühren  von  Etienne  und  Isidor  Geoffroy.  Denselben  zu 
Folge  würde  sie  zu  den  kleinsten  Formen  in  der  Familie  der  Spitz- 
mäuse gehören  und  nur  wenig  größer  als  die  toskanische  Dickschwanz- 
spitzmaus (P.  etriisca)  sein. 

Späterhin  theilte  auch  Lichtenstein  eine  kurze  Beschreibung 
derselben  mit,  in  welcher  die  Körpergröße  jedoch  tur  weit  bedeuten- 
der angegeben  wird  und  nicht  viel  geringer  erscheint  als  jene  der 
kahlschwänzigen  Diekschwanzspitzmaus  (P.  7nuriua). 

Die  Merkmale,  welclie  sich  aus  jenen  Beschreibungen  für  diese 
seither  imr  im  einbalsamirten  Zustande  bekannt  gewordene  Form  er- 
geben, lassen  sich  in  nachstehender  Weise  zusammenfassen. 

Die  Innenzehe  der  Vorderfüsse  ist  sehr  kurz.  Der  Schwanz, 
welcher,  zurückgelegt,  wenigstens  das  Hinterhaupt  erreicht,  und 
dessen  Länge  über  ^/s  der  Körperlänge  einnimmt,  ist  sehr  deutlich 
vierkantig. 

Die  Färbung  ist  einfarbig  bräunlich-  oder  mäusegrau. 

Körperlänge 2".  Nach  Isid.  G  eoffroy. 

Körperlange 4".  Nach  Lichtenstein. 

Länge  des  Schwanzes       ....     2"  9'". 

Vaterland.  Ober-Agypten,  wo  sie  einbalsamirt  in  den  alt- 
ägyptischen Gräbern  zu  Theben  angetrofFen  wird ,  aber  seither  noch 
nicht  im  lebenden  Zustande  wieder  aufgefunden  worden  ist. 

Ehrenberg  glaubte  diese  Form  mit  seinem  ^Suncns  sacer" 
vereinigen  zu  dürfen,  welcher  identisch  mit  derMumien-Dickschwanz- 


448  F  i  t  z  i  n -f  p  r. 

Spitzmaus  (P.  crnssiamda)  ist.  Siindeviill  deutete  gleichfalls 
(larauf  hin,  daß  dieses  nur  idos  im  einhalsumirten  Zustande  bekannte 
Thier  vielleicht  mit  dci"  Miiniien-Dickschwanzspilzmaiis  fP.  crassl- 
Crt//f/r/y  zusammenfallen  könnte,  und  Wagner,  welcher  früher  dessen 
Selbstständigkeit  als  Art  anerkennen  zu  sollen  erachtete,  sprach  sich 
späterhin  unbedingt  für  die  Zusammengehörigkeit  dieser  beiden  For- 
men aus. 

Meiner  Meinung  zu  Folge  gehört  sie  nicht  einmal  derselben 
Gattung,  sondern  jener  der  Wimperschwanzspitzmaus  fCrocidtiroJ 
an  und  dürfte  entweder,  wie  zu  vermuthen  ist,  eine  selbstständige 
Art  bilden,  oder  was  wohl  möglich  wäre,  mit  der  Weg-Wimper- 
schwanzspitzmaus (^C.  viaria)  zusammenfallen. 

Da  indeß  weder  über  den  Zahnbau  jener  nur  als  einbalsamirt 
bekannten  Form,  noch  über  das  Verhältniß  der  Dicke  des  Schwanzes 
eine  Angabe  vorliegt,  so  bleibt  es  unentschieden,  welche  Ansicht  die 
richtigere  sei.  Auf  die  vierkantige  Form  des  Schwanzes  kann  kein 
besonderes  Gewicht  gelegt  werden,  da  dieselbe  nur  die  Folge  der 
Vertrocknung  sein  kann. 

17.  Die  >Teg->Vimperschwanzfspitzinaus  (Crocidiira  viaria). 

C.  notaeo  cinereo-rvbido ,  gastrneo  pallide  griseo;  cauda 
tenui,  basi  compressa,  apicem  versus  tercti,  fere  ~/^  corporis  lon- 
(fitudine. 

Sorex  viarius.    Isid.  Geoffr.  Relang.   Voy.  aux  Ind.  Zool.  p.  127. 

„  „  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  U.  II.  S.7G.  Nr.  20. 

Crocidtira  viarin.   Wagn.    Schreber  Säugth.   Suppl.  B.  II.  S.  76. 

Nr.  20. 
Sorex  viarius.  Reichenb.  Nafurg.  Kaublh.  S.  ^41. 
Crocidiira  viaria.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  341. 
Sorex   viarius.    Wagn.    Schreber  Säugth.  Suppl.  R.  V.    S.  ö6ö. 

Nr.  48. 
Crocidtira  viaria.    Wagn.    Schreber  Säugth.   Suppl.  B.  V.  S.  565. 

Nr.  48. 
Sorex  Cija//ens?  Giebel.   Säugeth.  S.  902.  Note  1. 
Crocidiira  cyanea?  Giebel.  Säugeth.  S.  902.  Note  1. 
Crocidiira  viaria.  Fitz.  Heugl.  Säugeth.  Nordost-Afr.  S.  30.  Nr.  9. 

(Sitzungsber.    d.   math.    naturw.    Cl.   d.    kais. 

Akad.  d.  Wiss.  R.  UV.) 


Kritische  Unfcrsiicliiiniren  iilicr  dio  Spit/.iniiiisc  fSnrices)  etc.  440 

Der  rostbraunen  Wimpersclnvaiizs|iitzmaus  (C.  infiunaldj 
ziemlich  nahe  stehend,  aber  durch  den  etwas  längeren  und  ver- 
schieden geformten  Schwanz  sowohl,  als  auch  zum  Theile  durch  die 
Färbung  deutlich  von  derselben  unterschieden. 

Die  Ohren  sind  verhältnißmiilMg  groß  und  ragen  frei  aus  dem 
Pelze  hervor.  Der  Schwanz,  dessen  Länge  beinahe  2/3  f^ei"  Körper- 
länge einnimmt,  ist  ziemlich  dünn,  in  seiner  Wurzelhälfte  etwas  zu- 
sammengedrückt, in  der  Endhälfte  aber  gerundet  und  mit  kurzen  an- 
liegenden Haaren  besetzt,  zwischen  denen  einzelne  längere  und 
steifere,  abstehende  und  nach  rückwärts  gerichtete  Wimperhaare 
eingemengt  sind. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  graulichrotli,  die  Unterseite 
hellgrau. 

Körperlänge 3"  und  etwas  darüber. 

Schwanzlänge      . 2". 

Vaterland.  Senegambien,  wo  diese  Art,  die  sich  gewöhnlich 
an  Wegen,  Zäunen  und  unter  Baumwurzeln  aufhält,  von  Perrotte 
am  Senegal  entdeckt  wurde.  Heuglin  traf  sie  einzeln  auch  in  Ost- 
Sudan  und  Isid.  Geoffroy  hat  dieselbe  nach  einem  von  Perrotte 
gesammelten  Exemplare  zuerst  beschrieben. 

18.  Die  Fernando  Po-Winiperschwanzspitzmans  (Crocidura  poensisj. 

C.  notaen  obscure  fusco ,  obsolete  griseo-irrorato ,  gastraco 
griseo,  flavido-lavnlo ;  pedibus  nigrescentibus;  cauda  dimidio  cor- 
jwre  parum  longiore. 

Sorex  poensis.    Fräser.  Proceed.  of  the  Zool.  Soc.  1842.  p.  22. 

Crocidura  j)oensis.  Fräser.  Proceed.  of  the  Zool.  Soc.  1842.  p.  22. 

Sorex  poensis.   Fräser.  .Ann.  ofNat.  Hist.  Y.  XII.  p.  436. 

Crocidura  poensis.  Fräser.  Ann.  of  Nat.  Hist.  V.  XII.  p.  436. 

Sorex  poensis.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  343. 

Crocidura  poensis.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  343. 

Sorex  poensis.    Wagn.    Schreber   Säiigth.   Suppl.    B.   V.   S.    oG4. 

Nr.  45. 
Crocidura  poensis.  Wagn.  Schreber  Säugth.   Suppl.  R.  V.  S.  064- 

Nr.  4o. 
Sorea:  poensis.  Giebel.  Säugeth.   S,  905.  Note  1.  Nr.  5. 
Crocidura  poensis.  Giebel.  Säugeth.  S.  905.  Note  1.  Nr.  5. 


450  Fitz  in  o- er. 

Von  dei'seIhtM»  Größe  wie  die  mariquinische  Wimperschwanz- 
spitzinaus  (C.  marlqueush)  und  bezüglich  der  Färbung  einiger- 
masst'n  an  die  gesprenkelte  llalbspitzmaus  (M.  variusj  erinnernd, 
aber  dunkler  als  dieselbe  gefärbt. 

Die  Ohren  sind  ziemlich  groß  und  ragen  stark  aus  dem  Pelze 
hervor.  Der  Schwanz,  welcher  etwas  länger  als  der  halbe  Körper  ist, 
ist  mit  kurzen  anliegenden  Ilaaren  und  einzelnen  eingemengten 
längeren,  abstehenden  und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren 
besetzt. 

Die  Färbung  erscheint  auf  der  Oberseite  des  Körpers  dunkel- 
braun und  undeutlich  grau  gesju'enkelt,  auf  der  Unterseite  grau  und 
schmutzig  gelblich  überflogen.   Die  Füsse  sind  schwärzlich. 

Körperlänge 3"     3"'. 

Länge  des  Schwanzes 1"   10"'. 

Vaterland.   Fernando  Po.  Zuerst  von  Fräser  beschrieben. 

Es  ist  offenbar  nur  ein  Versehen,  wenn  Wagner  die  SchManz- 
länge  kürzer  als  jene  des  Körpers  angibt,  wie  dieß  aus  den  beigefügten 
Maaßen  deutlich  hervorgeht. 

19.  Die  Haus-Wiiiiperschwanzspitziiiaus  (Crocidurn  aranea). 

C.  noidi'o  sordide  e.v  f'erriif/u/co-fmco ,  sensim  in  gastraei 
colovem  triniscunle ,  fiastraeo  alhido-yriseo ;  canda  supra  ferru- 
(fineo-fuHCd,  Infrii  poriini  dilntiore,  te/tiii,  iudistincte  tetrngona  vel 
tercti.  dhuidii  corporis  /oNf/ifiidine,  vel  paullo  longiore  aut  breviore. 
Miisar/ilgue  de  terre.  Da  u  beut.  Mem.  de  TAcad.  ITöÖ.  p.  21  i. 
t.  J).  flg.  2. 
„  „        Danben  t.   Bulfon   Hist.    nat.  d.   Quadrup.  V. 

VIII.  p.  57.  t.  10.  flg.  1. 
Musette.  D  a  u  b  e  n  t. 
Mnsarftigne.  Di  ct.  des  anini.  \.  III.  j).  202. 

IJomarc.   Dict.  d'hist.  nat.  T.  III.  p.  172. 
To})or(igno.  Alessandri.   Anim.  quadrup.  T.  III.  t.  104.  üg.  1. 
Spitzmaus.  Martini.  Buffou  Naturg.  d.  vierf  Thiere.  B.  IV.  S.  2(J3. 

t.  74. 
Sore.T  arajiens.  Schreber.  Säugth.  B.  III.  S.  573.  t.  160. 
„  „  Erxleb.  Syst.  regn.  anim.  P.  I.  p.  126.  Nr.  7. 

„  „  Zimmerm.  Geogr.  Gesch.  d.  Mensch,  u.  d.  Thiere. 

ß.  II.  S.  382.  Nr.  310. 


Kritische  Untersiicliungen  iilicr  die  Spil/.miiiise  (Snrices)  e(c.  451 

Sore.v  (intiieus.   Me  rniann.  Tiih.  jilViii.  j).  79.  Nota. 

Boddaert.  Elench.  aiiim.  V.  I.  p.  123.  Nr.  1. 
Gnielin.   Linne  Syst.  nat.  T.  I.  P.  I.  p.  114.  Nr.  5. 
„      mns  araneiis.  Cuv.  Tahl.  elem.  d'hist.  nat.  p.  109.  Nr.  1. 
(lemeine  Spkmaiis.  Schrank.  Fauna  Bolen.  B,  I.  S.  60.  Nr.  19. 
Wasser-Spizmaus.   Schrank.  Fauna  Boica.  B.  I.  S.  60.  Nr.  20. 
Gemeine  SpUznians.   Bechst.  Naturg.  Deutschl.  B.  I.  861. 
Sorecc  araxeit^.   Sar  tori.   Fauna  Steyerni.  S.  13. 
„  „  I  Niger.  Prüdrom.  p.  125. 

Geollr.  Ann.  du  Mus.  V.  XVII.  p.  174.  Nr.  1.  I.  2. 
flg.  2. 
Mitsuraigne  commune  on  Musseite.   Cuv.  Begne  anini.  Edit.  I.  V.  I. 

p.  133. 
Sore.v  (irtinens-  Des  mar.   Nouv.  Dict.  d'hist.   nat.  V.  XXII.  p.  60. 
Nr.  1. 
Des  mar.  Mammal.  p.  149.  Nr.  132. 
Fr.  Cuv.  Dict.  des  Sc.  nat.  XXXIIF.  p.  42Ö.  r  fig. 
Isid.  Geoffr.  Dict.  class.  V.  XI.  p.  318. 
„      vn/f/aris.  Ranzani.  Elem.  d.  Zool. 
„       (iraneus.   Cuv.  Regne  anim.  Edit.  II.  V.  I.  p.  126. 

(iritlith.  Anim.  Kingd.  V.  V.  p.  291.  Nr.  1. 
„  „  Fisch.  Synops.  Mammal  p.  2ö4,  ö80.  Nr.  6. 

„  „  Wagler.  Symst.  d.  Amphib.  S.  14. 

,,  „  Jäger.  Würteml).  P'auna  S.  13. 

Crocidura  (tränen.  Wagler.  In  lilteris. 

„  „         Fitz.   Fauna.    Beitr.  z.  Landesk.    Üsterr.    B.  I. 

S.  294. 
Sorex  araneus.  Gloger.  Säugeth.  Schles.  S.  7. 
„  „         Zawadzki.   Galiz.  Fauna.  S.  17. 

„      pachyurus.  Küster.  Isis.  1835.  S.  75. 
„      (iranens.  Nathus.  Wiegm.  Arch.  B.  IV.  Th.  I.  S.  45. 

„  Duvei-n.    Mem.  de  la   Soc.  d'hist.  nat.   d.   Stras- 

bourg. V.  II.  Suppl.  1.  p.  15.  —  V.  II.  Suppl. 
3.  p.  2. 
„  „         Lenz.  Naturg.  S.  77. 

Jenyns.  Ann.  of  Nat.  Hist.  V.  II.  p.  233. 
„       Inodorus.  Sa  vi. 
Crochlitvd  (iranea.  Selys  Longch.  Micromammal.  p.  34. 


4-  O  2  F  i  t  /.  i  n  g-  e  r. 

Crocidiira  aranca.  Sciys  Long  eh.  Faune  beige  p.  27. 

„         nmmranea.    Bonaparte.    Iconograf.    della    Fauna   ital. 

t.  19.  fig.  5,  6. 
Sore.v  arnueus.  Keys.  Blas.  Wirbelth.  Europ.  S.  17.  Nr.  HS.  — 

S.  60. 
Crocidura  (ira/wii.  Keys.  Blas.  Wirbelth,  Europ.  S.  17.  Nr.  115.  — 

S.  60. 
Sorex  arnneus.  Wagn.  Schreber  Säuglh.  Suppl.  B.  II.  S.  64.  Nr.  9. 
Crocidura  aranea.   Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  64. 

Nr.  9. 
Soreoe  aranens.  Frey  er.  Fauna  Krain's.  S.  2. 

„         Duvern.   Guerin  Magas.   d.  Zool.    1842.  p.   18. 

t.  38. 
Crocidura  aranea.  Gray.  Mamma),  oftlie  Brit.  Mus.  p.  78. 
Corsira  vulgaris.  Gray.  Mammal  of  the  Brit.  Mus.  p.  79. 
Sorex  aranens.  Reiche nb.  Naturg.  Raubth.  S.  338.  Gg.  478 — 480- 
Crocidura  aranea.   Reich enb.  Naturg.  Raubth.  S.  338.  fig.  478. 

—480. 
Sorex  aranens.    Brandt.    Bullet,   de   TAcad.   d.  Petersb.  18S2. 

p.  453. 
Wagn.    Schreber  Siiugth.    Suppl.  B.  V.  S.  560. 

Nr.  35. 
Crocidura  aranea.   Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  560. 

Nr.  35. 
Sorex  aranens.  Giebel.  Säugeth.  S.  901. 
Crocidura  aranea.   Giebel.  Säugeth.  S.  901. 

Diese  Art,  welche  unter  den  dünnschwänzigen  Formen  dieser 
Gattung  für  die  typische  betrachtet  werden  kann,  ist  nngefähr  von 
der  Größe  der  gemeinen  Spitzmaus  (Sorex  vulgaris),  meistens  aber 
etwas  größer. 

Der  Kopf  ist  langgestreckt  und  ziemlich  hoch,  der  Rüssel  lang 
und  spitz.  Die  Ohren  sind  ziemlich  groß,  stark  aus  dem  Pelze  her- 
vorragend und  beinahe  kahl.  Der  Schwanz,  welcher  die  lialbeKörper- 
länge ,  bisweilen  aber  auch  etwas  mehr  oder  weniger  als  dieselbe 
erreicht,  ist  undeutlich  vierkantig  oder  gerundet,  verliältnißmäßig 
ziemlich  dünn,  an  der  Wurzel  nicht  dicker  als  im  weiteren  Verlaufe, 
und  dicht  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  und  einzelnen  eingemengten 
langen,  abstehenden  und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren 


Kiilischi'  Uiilersuflningeu  iilior  <lic  S|Mt?,ni:iiiso  (Soriccs)  etc.  4ü(> 

besetzt.  Die  Behiiarung-  des  Körpers  ist  kurz,  dielil,  anliegend  und 
weich.  Die  Füsse  sind  mit  kurzen  dünnstehenden  Haaren  besetzt ,  die 
Schnurren  \m\^.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  drei  Liickenzäline  vor- 
handen und  sämmth'che  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiik 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  in  der  Regel  schmutzig  rostbraun, 
die  Unterseite  weißlichgrau  und  !)eide  Farben  gehen  an  den  Leibes- 
seiten allniählig  in  einander  über.  Jedes  einzelne  Haar  der  Oberseite 
ist  an  der  Spitze  braun,  liald  mehr  in's  Graue,  bald  mehr  ins  Rotlie 
ziebend,  daher  auch  die  Färbung  nicht  beständig  ist  und  entweder 
graulichbraun  oder  röthlichbraun  erscheint.  Der  Schwanz  ist  oben 
scliniutzig  rostbraun,  unten  etwas  heller.  Die  kahle  Haut  des  Rüssels 
und  der  Füsse  ist  bräunlich -fleischfarben.  Die  Krallen  sind  licht 
bräunlich-liornrarben. 

So  wie  in  der  Färbung ,  ebenso  kommen  auch  in  der  Größe  und 
im  Längenverhältnisse  des  Schwanzes  merkliche  Verschiedenheiten 
und  zwar  selbst  unter  ausgewachsenen  Thieren  vor,  wie  aus  den 
nachstehenden  Maaßen  zu  ersebeu  ist. 


B- 

ei   gr 

ößeren 

Be 

i  kleineren 

Individuen 

Individuen 

-^"^-— ^ 

"- 

^ — ^ — ■■ 

Körperlänge  .... 

a" 

4'- 

3". 

Nach  Wagner. 

Länge  des  Schwanzes 

1" 

8'" 

1" 

4—6". 

Körperlänge       ... 

3". 

Nach  Sehr  a  n  k. 

Länge  des  Scliwanzes 

1' 

o'". 

Körperlänge  .... 

2" 

6—10"'. 

Nach  Reiche nb. 

Länge  des  Schwanzes 

\" 

5—6". 

Körperlänge  .... 

2" 

8'". 

Nach  Blasius. 

Länge  des  Schwanzes 

ohne  Haare     .    .    . 

1" 

6'". 

Den  Beobachtungen  von  Natbusius  zu  Folge  sind  die  kleineren 
Individuen  im  Winter  geworfene  Abkömmlinge  von  in  Häusern  leben- 
den, daher  dem  W^echsel  der  Jahreszeiten  weniger  ausgesetzten 
Weibchen,  weßhalb  sie  auch  nicht  zu  ihrer  völligen  Entvvickelung 
gelangen  konnten. 

Vaterland.  Mittel-  und  Süd -Europa,  und  Nordwest-Afrika. 
Man  kennt  sie  bis  jetzt  aus  Österreich,  Steiermark,  Kärnthen,  Krain, 
Croatien,  Ungarn,  Galizicn,  Schlesien,  Mähren,  Böhmen,  Deutschland, 
Sachsen,  Baiern,  Württemberg,  der  Schweiz,  Belgien,  Frankreich, 


-t  5  4  Kitzinger. 

Italien,  Sardinien,  Dalmafien,  den  jonischen  Inseln,  Südwest-Russ- 
land  nnd  Algier.  Parreyss  traf  sie  auf  Corl'u,  Dahl  in  Sicilien  und 
IMoriz  Wagner  in  Oran.  In  Holland,  Dänemark,  England  und 
Schweden  fehlt  sie.  In  Deutschland  ist  sie  weniger  häufig  als  die 
gerneine  Spitzmaus  (Sorex  vtiJgarh)  und  meistens  wird  sie  in 
Häusern  oder  in  deren  Nähe  angetrolTen,  insbesondere  aber  im  Winter, 
wo  sie  in  denselben  Schutz  sucht. 

Selys  Longchamj)  hat  nachgewiesen,  daß  Sa  vi 's  „Sorex 
ittcxforus"  nicht  von  ihr  verschieden  sei  und  Nathusius  hat  nach 
Untersuchung  des  Original-Exemplares  von  Küster 's  „Sorex  pa- 
cliyurus"  sich  die  Überzeugung  verschalTt ,  daß  auch  dieser  mit  ihr 
zusammenfalle.  Wenn  aber  Brandt  die  Ansicht  ausspricht,  daß 
selbst  die  weißhauchige  Wimperschwanzspitzmaus  (C  leucodon) 
der  Art  nach  nicht  von  ihr  zu  trennen  sei,  so  beruht  dieß  offenbar  nur 
auf  einer  individuellen  Anschauung. 

\9  a.  Die  grosse  Haus-\^iniper!^chwanzspitzniaas  (Crocidura  aranea 

major). 

C  aranea,  notaeo  einer eo- fnsco ,  gaatraeo  griseo-albido ; 
cauda  fere  nnlcolore  ex  cinerascente-fusca ,  dimidio  corpore 
parum  breciore. 

Crocidura  major.   Wagler.  Isis.  1832.  S.  1218. 

Sorex  aranens.    Nathus.   Wiegm.  Arch.  B.  IV.  Th.  I.  S.  45. 

„  „  Wagn.    Schreber    Säugth.    Suppl.   B.   II.    S.    64. 

Nr.  9. 
Crocidura  aranea.  Wagn.    Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.   64. 

Nr.  9. 
„  „       Gray.   Mammal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  78. 

Sorex  aranens.  Reich enb.  Naturg.  Raubth.  S.  338. 
Crocidura  aranea.  Reich  enb.  Naturg.  Raubth.   S.  338. 
Sorex  araneus.   Wagn.    Schreber   Säugth.    Suppl.    B.   V.    S.  560. 

Nr.  35. 
Crocidura  ara?iea.   Wagn.  Sclireber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  560. 

Nr.  35. 
Sorex  araneus.  Giebel.   Säugeth.   S.   901. 
Crocidura  aranea.   Giebel.   Säugeth.  S.  901. 

Der  Schwanz  ist  nur  wenig  kürzer  als  der  halbe  Körper. 


Kiitisihe  Untersuchungen  iilier  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  45  J 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  graulichbrauii,  die  Unterseite 
grauweißlich.  Der  Schwanz  ist  fast  einfarbig  graulichbraun. 

Körperlänge 3"     4'" 

Länge  des  Schwanzes 1"     4-'" — 1"  G'/a'" 

Dieß  ist  die  Charakteristik,  welche  Wagler  für  eine  in 
Baiern  vorkommende  Form  der  Hans -Wimperschwanzspitzmaus 
(C.  aranea)  gibt,  die  er  für  eine  besondere  Art  betrachtet. 

Nathusius,  welcher  Wagler's  Original-Exemplare  zu  unter- 
suchen Gelegenheit  hatte,  sprach  sich  über  die  Identität  dieser  Form 
mit  der  Haus- Wimperschwanzspitzmaus  aus. 

Der  einzige  Unterschied,  welcher  zwischen  denselben  aufgefun- 
den werden  kann,  besteht  in  der  Färbung. 

iOÄ.    Die    weissbaochige  Hans->Tiinperschwanzspit«maas   (Crocidura 

aranea^  moschata), 

C.  aranea,  notaeo  lateribusque  fuscis,  gastraeo  aJbido ;  caiida 
dimidin  corpore  parum  longiore. 
Sorex  fimbriatus.  Wagler.  Isis.   1832.   S.  ö4. 
Crocidura  moschata.  Wagler.  Isis.   1832.   S.  275. 

„  „  Fitz.  Fauna.  Beitr.   z.  Landesk.  Öster.  B.  I. 

S.  294. 
Sore.r  araneus.  Nathus.  Wiegm.  .4rch.  B.  IV.  Th.  I.  S.  45. 

Wagn.    Schreber  Säugth.    Suppl.    B.    IL    S.    64. 
Nr.  9. 
Crocidura  aranea.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  64. 
Nr.  9. 

Gray.  Mammal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  78. 
Sorex  arojieus.  Beichenb.  Naturg.  Baubth.  S.  338. 
Crocidura  aranea.  Beichenb.  Naturg.  Baubth.  S.  338. 
Sorex  araneus.    Wagn.   Schreber  Säugth.   Suppl.    B.    V.  S.   S60. 

Nr.  35. 
Crocidura  aranea.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  560. 

Nr.  35. 
Sorex  araneus.  Giebel.   Säugeth.  S.  901. 
Crocidura  aranea.  Giebel.  Säugetli.  S.  901. 

Der  Schwanz  ist  nur  wenig  kürzer  als  der  halbe  Körper  und 
gerundet.  Die  Ohren  sind  kahl. 


456  F  i  t  z  i  II  g  >■  r. 

Die  P'äi'hung  der  Oberseite  des  Küriiers  mul  der  I^eibesseitea 
ist  braun,  jene  der  Unterseite  weißlieb. 

Körperlänge 2"     9"' 

Länge  des  Sclnvanzes 1"     63/4'" 

Mit  diesen  wenigen  Worten  ebarakterisirt  Wagler  eine  in 
Baiern  beimiscbe  Form  der  Haus-Wimpersebwanzspitzmaus  (C.  ara- 
nea),  die  ibm  eine  selbstständige  Art  zu  sein  sebien. 

Aus  den  sorgfältigen  Untersucbungen  von  Natbusius,  der 
Wagler's  Original-Exemplare  einer  genauen  Prüfung  unterzog, 
frincf  indeß  bervor,  daß  diese  Form  von  der  Haus-Wimperschwanz- 
spilzniaus  der  Art  nacli  nicbt  zu  trennen  sei,  indem  außer  der  ge- 
ringen Abweiebung  in  der  Färbung  kein  Merkmal  erübriget,  dieselbe 
von  ihr  zu  scheiden. 

Übrigens  stimmt  die  Angabe  Wagler's,  daß  der  Schwanz  nur 
wenig  kürzer  als  der  halbe  Körper  sei,  mit  dem  von  ibm  gegebenen 
Maaße  nicht  überein ,  nachdem  derselbe  hiernach  nicbt  kürzer,  son- 
dern etwas  länger  als  der  halbe  Körper  ist. 

Dieselbe  Form  habe  ich  auch  in  Österreich  öfter  angetrotVen. 

19  c.  Die  graubauchige  Uaus->Vlmpcrschwanzspitzmaus  (Crocidura 
aranea,  poliogaslra.) 

C.   aranea,   notaeo  fusco - cinereo ,    gastraeo    albido-griseo ; 
cauda  dimidio  corpore  dktincte  breviore. 
Crocidura  poUogastra.  Wagler.  Isis.   1832.  S.   1218. 
Sorex  araneus.  Nathus.   Wiegm.  Arch.  B.  IV.  Tb.  I.  S.  45. 

Wagn.    Schreber    Säugth.    Suppl.   B.    II.    S.  64. 

Nr.  9. 
Crocidura   aranea.  Wagn.  Schreber  Säugth.   Suppl.  B.  II.  S.  64. 

Nr.  9. 
„  „         Gray.  Mammal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  78. 

Sorex  araneus.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  338. 
Crocidura  aranea.  Reichenb.   Natin-g.  Raubth.  S.  338. 
Sorex   araneus.  Wagn.  Schreber   Säugth.    Suppl.  B.  V.    S.    560. 

Nr.  35. 
Crocidura  aranea.  Wagn.  Schreber  Säugth.   Suppl.  B.  V.  S.  560 

Nr.  35. 
Sorex  araneus.  Giebel.  Säugeth.  S.  901. 
Crocidura  aranea.  Giebel.   Säugeth.  S.  901. 


Kritisi'lie  Uiitersiicliiiii^en  iiher  die  Spilziiiiiiise  (Soriven)  etc.  4 Ol 

Der  Schwanz  ist  weit  kürzer  als  der  lialhe  Körper. 

Die  Färluiiig:  der  OI)erseite  des  Körpers  ist  mausgrau,  jene  der 
Unterseite  weißliciigrau.  Der  Schwanz  ist  einfarbig  mausgrau. 

Körperlänge 3"   3'". 

Länge  des  Schwanzes  beinahe I"   1'". 

Mit  diesen  Merkmalen  bezeicbnet  Wagler  eine  in  den  Rhein- 
gegenden vorkonimeinle  Form  der  Haus- Winiperschwanzspitzinaus 
(C.  aranea) ,  welche  er  für  eine  selbstsländige  Art  annehmen  zu 
sollen  erachtete. 

Nathusius  hat  jedoch  nach  Prüfung  des  Wagl ersehen 
Originales  die  Überzeugung  ausgesprochen,  daß  dieselbe  mit  der 
Haus-Wimperschwanzspitzmaus  zu  einer  und  derselben  Art  gehöre. 

Aulk'r  der  höchst  geringen  Abweichung  in  der  Färbung  besteht 
in  der  That  auch  zw  ischen  diesen  beiden  Formen  kein  anderer  Un- 
terschied, als  daß  bei  der  von  Wagler  aufgestellten  der  Schwanz 
merklich  kürzer  ist.  Hierin  stimmt  dieselbe  mit  jener  Form  überein, 
welche  Wagler  mit  dem  Namen  „Crocidura  rnf'a^  bezeichnete. 

10.  d.   Die  bräuDÜrhrothe  Haus-Miniperscbwanzspitzuiaus  (Crocidura 
aranea,  russula). 

(\  aranea,  notaeo  ex  f'uscescente-rubido ,  gastrueo  d'Uutiore; 
eauda  nnicolore  pallide  rufescente-fusca,  dimidio  corpore  distincte 
breviore. 

Sore.v  russalns.   Hermann.  Zimmerm.  Geogr.  Gesch.  d.  Menschen 
und  der  Thiere.  B.  W.  S.  382. 
„      vulgaris.  Hermann.  Observ.  zool.  T.  I.  p.  49. 
„      araneus?  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  254.  Nr.  6. 
Crocidura  ruf a.   Wa  gier.  Isis.    1832.   S.  1218. 
Sorex  araneus.  Nathus.   Wiegm.  Arch.  B.  IV.  Th.  I.  S.  45. 

Wagn.    Schreber  Säugth.    Suppl.    B.    II.    S.   64 
Nr.  9. 
Crocidura  aranea.   Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.   S.  64. 

Nr.  9. 
Sorex  russulus.  Sundev.   Vetensk.  Akad.  Handl.  1842.  p.  179. 
Crocidura  aranea.  Gray.  Mammal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  78. 
Sorex  araneus.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  338. 
Crocidura  aranea.  Reichenb.   Naturg.   Raubth.  S.  338. 

SKzIi.  <1.  iii;.Uiem.-ii;i(ur\v.  Cl.  LVII.    Bd.  I.  Ahtli.  30  ,». 


458  Fitzinger. 

Surex   araneus.  Wagn.    Sehreber   Säugth.  Suppl.   ß.   V.  S.  560. 

Nr.  35. 
Crocidura  aranea.  Wagn.   Sehreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  560. 

Nr.  35. 
Sorex  araneus.  Giebel.  Säugeth.  S.  901. 
Crocidura  aranea.   Giebel.   Säugeth.   S.  901. 

Der  Schwanz  ist  weit  kürzer  als  der  halbe  Körper. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  bräunlicliroth,  die  Unterseite 
heiler.   Der  Schwanz  ist  einfarbig  blaß  bräunlichroth. 

Körperlänge  beinahe ...     3"  6". 

Länge  des  Schwanzes 1"  7'". 

Auf  diese  Kennzeichen  gründet  Wagler  für  eine  in  den  Rhein- 
gegenden anzutretTende  Form  der  Haus-Wimperschwanzspitzmaus 
(C.  aranea)  eine  besondere  Art. 

Offenbar  fällt  dieselbe  mit  jener  Form  zusammen,  welche  Her- 
mann mit  dem  Namen  ,.Sore.v  russulus"  bezeichnete  und  später  als 
„Sore.v  vulgaris'^  beschrieb.  Die  Oberseite  des  Körpers  wird  als 
röthlich,  die  Unterseite  als  grau  und  die  Länge  des  Schwanzes  auf 
Ys  der  Körperlänge  angegeben. 

Nathusius  hat  jedoch  nach  Prüfung  des  Wagler'schen 
Original-Exemplares  die  Überzeugung  ausgesprochen,  daß  dieselbe 
von  der  Haus -Wimperschwanzspitzmaus  (C.  aranea)  der  Art  nach 
nicht  zu  trennen  sei. 

Sundevall  hingegen  is!  der  Ansicht,  den  „Sorex  russulus''^ 
für  eine  selbstständige  Art  anzuerkennen. 

Es  wäre  sonach  mit  Ausnahme  der  etwas  verschiedenen  Färbung 
nur  das  Verhältniß  zwischen  der  Länge  des  Körpers  und  des 
Schwanzes  das  Merkmal,  welches  beide  Formen  von  einander  trennt, 
indem  der  Schwanz  bei  der  Wagler'schen  Form,  welche  identisch 
mit  der  Herrmann'schen  ist,  verhältnißmäßig  merklich  kürzer  ist. 

Ob  übrigens  dieser  Unterschied  zureicht,  beide  Formen  der  Art 
nach  von  einander  zu  sondern,  kaiui  nur  aus  späteren  Untersuchun- 
gen hervorgehen. 

20.  Die  rostbrüstige  »impcrschwauzspilzmaus  (Crocidura  thoracica). 

C.  notaeo  ex  fupiceacente-griseo.  gastraeo  albido  ;  fronte,  lem- 
poribus,  genis,  jngvlo  pectoreijue  e.v  /'erriigineo-ruhidis;  cauda 


Kritische  UnlersuclHingen  über  dif>  Spitzmäuse  (Sotkes)  etc.  4S9 

itnicolore  f'uscescente-ffrisea  teuui,   dimidü  corporis  longitudiue. 

Sorex  tlioruckus.  Sa  vi. 

Crucidura  t/iüracica.  Bon  aparte,  [coiiograf.  della  Fauna  ital.  t.  69. 

fig.  7. 
,,       lencodon  Wir.  Gray.  Mamnial.  of  the  Brit.  Mus.  p.  78. 
Sorcw   thoracicus.    Reichenb.    Naturg.     Raubth.    S.    34o,    384. 

fig.  720. 
Sorex  araneus.   Var.  ß.    Wagn.   Scbreber    Säugth.  Suppl.    B.  V. 

S.  560.  Nr.  3o.  ß. 
Crociduru  uraiiea.  Var.  ,3.   Wagn.  Scbreber  Säugth.  Suppl.  B.  V. 

S.  560.  Nr.  35.  /3. 

Obgleich  diese  Form  bis  jetzt  nur  nach  einem  einzigen  Exem- 
plare bekannt  ist,  welches  von  Prinz  Bon  aparte  besc^lrieben 
wurde,  so  scheint  dieselbe  doch  von  der  ihr  allerdings  nahe  verwandten 
Haus-Wimperschwanzspitzmaus  (C.  aruneaj  specifisch  verschieden 
zu  sein.  Die  höchst  bedeutende  Abweichung  in  der  Färbung,  und  der 
Umstand,  daß  seither  durchaus  keine  Übergangsformen  bekannt  ge- 
worden sind,  dürften  diese  Annahme  bekräftigen. 

Sie  ist  von  derselben  Größe,  wie  kleinere  Individuen  jener  Art. 
Die  Ohren  ragen  ziemlich  weit  aus  dem  Pelze  hervor  und  die  Augen 
sind  verliältnißmäßig  nicht  sehr  klein.  Der  Schwanz,  welcher  die 
halbe  Körperlänge  erreicht,  ist  ziemlich  dünn  und  dicht  mit  kurzen 
anliegenden  Haaren  und  einzelnen  eingemengten  sehr  langen,  abste- 
henden und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren  besetzt.  Die 
Schnurren  sind  nicht  besonders  lang. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  bräunlich-aschgrau ,  die  Unter- 
seite weißlieb  gefärbt.  Die  Stirne,  die  Schläfen,  die  Wangen,  die 
Kehle  und  die  Brust  sind  roströthlicb.  Der  Schwanz  ist  auf  derOber- 
und  der  Unterseite  einfarbig  bräunlich-aschgrau. 

Körperlänge 2"  6'". 

Länge  des  Schwanzes  ungefähr 1"  3". 

Vaterland.  Toskana,  wo  diese  Art  von  Sa  vi  entdeckt  und 
von  Prinz  Bon  aparte  zuerst  beschrieben  wurde. 

Gray  glaubte  sie  für  eine  Abänderung  der  weißbauchigen 
Wimperschwanzspitzmaus  (C.  leucodon),  Wagner  für  eine  Varie- 
tät der  Haus- Wimperschwanzspitzmaus  (C.  aranea)  betrachten  zu 
dürfen.    Gegen    die   Ansicht  des   ersteren   spricht   die  beträchtlich 

30» 


400  Fi  t-ii  1.  g  er. 

g  i'ößcre  Schwauzlänge,  gegen  jene  des  letzteren  die  durchaus  ver- 
schiedene Färbung  dieser  Form. 

21.   Die  weissbauchlge  >\imperschwaiizspltzmaus  (Crocidura 
leucodon). 

C.  notaeo  plus  niiunsve  obsciire  rufescente-fnseo  vel  intevdum 
f'uliginoso,  fusco-lavato ,  gastraeo  nhrupte  nibo;  cnudn  tenui, 
indist'mcte  tetragona  vel  tereti,  purum  ullra  '/n,  vel  fere  d'imidVi 
corporis  longitudine. 

Sorex  leucodon.  Hermann.  Schreher  Säugth.  B.  III.  S.  159.  D. 
„  „  Zimmerm.  Geogr.  Gesch.  d.  Mensch,  u.  d.  Thiere- 

ß.  II.  S.  382.  Nr.  311. 
Whitc-toothed  shrew.  Pennant.   Ilist.   oT  Qnadrup.  V.  II.  p.  228. 
Sorex  leucodon.  Hermann.  Tab.  affin,  j».  79.  Nota. 

Boddaert.  Elench.  anim.  V.  I.   p.  123.  Nr.  2. 
White-toothed  shrew.  Shaw.   Gen.  Zool.   V.  I.  P.  II.  p.  537. 
Weißzähnige  Spitzmuus.   Becbst.  Naturg.  Deulscbl.   B.  I.  S.  882. 
Sorex  leucodon.  Hermann.  Observ.  zool.  p.  49. 

„      uraneus.  Pallas.  Zoograph,  rosso-asiat.  V.  I.  p.  132. 
Sorex  leucodon.  Geoffr.  Ann.  du  Mus.  V.  XVII.  p.  181.  Nr.  ö. 
„  „  Des  mar.  Nouv.  Dict.    d'hist.  iiat.   V.  XXII.  p.  64. 

Nr.  5. 
„  ,,  Desmar.   Mammal.  p.  151.  Nr.  236. 

Fr.    Cuv.   D.it.  des  Sc.  nat.  V.  XXXIII.  p.  426 

Nr.  5. 
Isld.  Geolfr.   Dict.  class.  V.  XI.  p.  321. 
Sorex  araneus?  Cuv.  Begne  anim.  Edit.  II.  V.  I. 

„      leucodon.  Griffitb.  Anim.  Kingd.  V.  V.  p.   297.  Nr.  7. 
„  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.   252,  579.  Nr.  3. 

Wagler.  Syst.  d.  Amphib.  S.  14. 
Crocidura  leucodon.    Wagler.   Isis.   1832.  S.   275. 

„        moschnta.  Fitz.   Fauna.   Beitr.   z.  Landesk.  Österr.  B.  I. 
S.  294. 
Sorex  leucodon.  G  log  er.   Säugeth.   Schles.   S.  7. 
„  „  Zawadzki.   Galiz.   Fauna.   S.    18. 

„  „  Gray.  Proceed.  oftbeZool.  Soc.  V.V.  (1837.)  p.  125. 

„     araneus.  Bathke.  Mem.  de  1"  Acad.  d.  Pelersb.  V.  III.  p.  295. 


Krilisi'lu'  riitcrsiii'liiiii;;«!!  i'iUi-v  die  S|iil/.iii;iii.s('  (Kuriers}  etc.  >4()  1 

Soriw  leucodou.  N.illius.  Wiegm.  Arcli.  H.  IV.  TIi.  I.  S.  4o. 

„  „  Oliver  11.    Mem.  de  la  Soc.  d'hist.   rial.   d.   Stras- 

bourg.  V.  IL   P.  I.   [).  12. 
„  „         Lenz.  Naturg.  B.  I.  S.  77. 

Jcnyns.  Ann.  of  Nat.  Hist.   V.  II.  p.  325. 
Crocidiira  leucodon.  Selys  Longe h.  Micromammal.  p.  37. 
„  „         Selys  Longeh.   Faune  beige,  p.  27. 

„  „         Bon  aparte.  Iconograf.  della  Fauna  ital.  t.  19. 

%.  8,  9. 
Surex  leucodon.   Keys.  Blas.    Wirbelth.  Europ.   S.  17.    Nr.  114. 

—  S.  60. 

Crocidura  leucodon.  Keys.  Blas.  Wirbelth.  Europ.  S.  17.  Nr.  1 14. 

—  S.  60. 

Sore.v  leucodon.  Wa  gn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  66.  Nr.  10. 
Crocidura  leucodon.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  66. 

Nr.  10. 
Sorex  leucodon.  Duvern.    Guerin.  Magas.  d.  Zool.  1842.    p.    19. 

t.  39. 
Sundev.  Vetensk.  Akad.  Handl.  1842.  p.  180. 
Crocidura  leucodon.  Gray.  Mammal.  of  the  ßrit.  Mus.  p.  78. 
Sorex  leucodon.  Beichenb.  Naturg.  Baultth.  S.  337.  fig.  476,  477. 
Crocidura  leucodon.  Beichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  337.  fig.  476, 

477. 
Sorex   araneus.    Brandt.    Bullet,    de    l'Acad.    d.   Petersb.    1852. 

p.  453. 
Crocidura  leucodon.   Gemminger,  Fahrer.  Fauna  Boica.  t.  9.  b. 
Sorex  leucodon.   Wagn.    Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.    S.  561. 

Nr.  36. 
Crocidura  leucodon.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  561. 

Nr.  36. 
Sorex  leucodon.  Giebel,  Säugeth.  S.  902. 
Crocidura  leucodon.   Giebel.   Säugeth.   S.  902. 

Eine  höchst  ausgezeichnete  Art,  welche  zunächst  mit  der  Haus- 
Wimperschwanzspitzmaus  (C.  aranea)  verwandt  ist,  sich  von  der- 
selben aber  durch  die  verschiedene  Färbung  sowohl,  als  auch  durch 
den  merklich  kürzeren  Schwanz,  welcher  kürzer  als  bei  allen  übrigen 
europäischen  Spitzmausformen  ist,  sehr  deutlicli  unterscheidet.  In  An- 
sehung der  Größe  kommt  sie  mit  derselben  beinahe  vollständig  überein. 


^{\Z  K  i  I  /,  i  11  }■  (■  r. 

J)er  Kopf  ist  l;iii£jgosti"eekt  und  /icnilicli  liocli,  der  Rüssel  lang' 
und  spitz.  Die  Ohren  sind  ziondieli  ^rofJt,  stark  aus  dem  Pelze  lier- 
vorragend,  gerundet,  luul  heinalie  völli"-  kahl.  Der  Schwanz,  dessen 
Länge  etwas  über  Vs  "•^'p'"  ■'"*'''  "Jihezu  die  halbe  Körperlänge 
erreicht,  ist  undeutlich  vierkantig,  oder  gerundet,  verhältnißmäßig 
ziemlich  dünn,  an  der  Wurzel  nicht  dicker  als  im  weiteren  Verlaute, 
und  dicht  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  und  einzelnen  eingemengten 
langen,  abstehenden  und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren 
besetzt.  Die  Füsse  sind  verliältniIlNmä[J»ig  ziemlich  stark.  Die  Körper- 
hehaarung  ist  kurz,  dicht,  anliegend  und  weich,  die  Behaarung  der 
Füsse  dünnslehend  und  kurz.  Die  Schnurren  sind  lang.  Im  Ober- 
kiefer sind  jederseits  drei  Lückenzähiie  vorhanden  und  sämmtliche 
Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  mehr  oder  weniger  dunkel  röth- 
lichbraun.  bisweilen  selbst  ins  Rußschwarze  übergehend  mit  bräun- 
lichem Antluge;  die  Unterseite  ist  scharf  abgeschnitten  weiß. 
Sämmtliche  Haare  sind  an  der  Wurzel  dunkelgrau.  Die  Aussenseite 
der  Beine  und  die  Oberseite  des  Schwanzes  ist  von  der  Farbe  des 
Rückens;  die  Unterseite  desselben  und  die  Innenseite  der  Beine 
weiß. 

Bisweilen  kommen  auch  weiß  gefleckte,  oder  völlig  weiße  voll- 
kommene Albinos  vor. 

Körperlänge  bis  zu 3".  Nach  \\  agner. 

Länge  des  Schwanzes  ....     1"     2'". 

Körperlänge 2"   10'".  N.  Kt  i  enne  Ge  o  ffroy. 

Länge  des  Schwanzes  ....     U      4". 

K'örperlänge       2" — 2"   10"    und    darüber.     Nach 

Gemminger  und  Fahrer. 
Länge  des  Schwanzes  .    ...     I"     2'"— 1"3"'. 

,1  ü  n  g  eres  '1'  h  i  e  r. 

Körperlänge 2"  4"'. 

Länge  des  Schwanzes 1"  1 '/a'". 

„      des  Rüssels 2'". 

„      der  Ohren 2'". 

Knticniiing  der  Augen  von  der  Rüsselspitze  .    .  S'". 

„  „         „      vom  hinteren  Ohrrande  .  o'". 

Länge  i\fs  Vorderfiißes  sammt  der  Mittelkralle  3"  , 


KiitiscIiP  Uiilersiicluiti^-i'ii  iilier  dip  S|>il/,iiiiiu,s('  (Soricc.sj  elc.  400 

Länge  des  Hinterfußes  sammt  der  Mittelkialle  .        ♦>'". 

Schulterhühe  ungefähr 7". 

Kreuzhöhe  „  7'/:,'". 

Wenn  unter  den  von  Gemniinger  und  Fahr  er  angegebenen 
Ausmaaßen  eine  kleine  Differenz  obwaltet,  indem  nach  einer  dieser 
Messungen  der  Schwanz  ehvas  mebr  als  die  halbe  Körperlänge 
beträgt,  so  dürfte  dieselbe  wobl  nur  auf  einem  Schreibfehler  be- 
ruhen. 

Junge  Thiere  sind  von  den  alten  durch  eine  etwas  kürzere 
und  dickere  Schnauze,  und  durch  den  verhältnißmäßig  kürzeren  und 
an  der  Wurzel  etwas  eingeschnürten  Schwanz  verschieden. 

Vaterland.  Mittel-  und  der  nördliche  Theil  von  Süd-Europa. 
Bis  jetzt  kennt  man  mit  Sicherheit  als  ihre  Heimat :  Belgien,  Frank- 
reich, Elsaß.  Deutschland,  Österreich,  Böhmen,  Schlesien,  Galizien, 
Ungarn,  Crnatien,  Ober-Italien  und  Süd-Bußland.  In  Belgien  ist  sie 
jedoch  bereits  schon  selten  und  in  Holland,  Dänemark,  England  und 
Schweden  fehlt  sie  gänzlich. 

Brandt  hält  sie  für  identisch  mit  der  Haus-Wimperschwanz- 
spitzniaus  (C.  aranea)  und  Wagner  spricht  die  Vermuthung  aus, 
daß  Et.  Geoffroy's  „Sorex  leucodon''  nicht  zu  dieser  Art,  sondern 
zur  gemeinen  Kielschwanz-Wasserspitzmaus  (Crossopns  f'odiens)  ge- 
hören dürfte,  da  Geoffroy  angibt,  daß  die  Spitzen  der  Vorderzäbne 
im  Alter  gelblich  seien.  Gegen  die  Bichtigkeit  dieser  Vermuthung 
spricht  schon  die  große  V^ersehiedenheit  in  der  Schwanzlänge  und 
da  Geoffroy's  Beschreibung  sonst  vollkommen  mit  der  weißbauchi- 
gen Wimperschwanzspitzmaus  (C.  leucodonj  übereinstimmt,  so  darf 
man  wohl  annehmen,  daß  die  von  ihm  angegebene  Färbung  der 
Zahnspitzen  auf  irgend  einem  Irrthume  beruhe. 

22.    Die  kaukasische  Wimperschwanzspitzmans  (Crocidura  Gülden- 

staedtiij. 

C.  notaeo  fusco-griseo ,  gastraeo  alhido ;  canda  tenui,  tereti, 
fere  -/s  corporis  longitudiae. 

Sorex  Güldenslaedtii.  Pallas.  Zoograph,  rosso-asiat.  V.  I.  p.  132. 

t.  9.  fig.  1. 
„       leucodon.    G loger.   Nov.   Act.  Acad.   Nat.  Curios.  V.  XIII 
P.  II.  p.  499. 


4<)4  Vit/,  i  II  i;  e  r. 

Sortw  U'iH'dihm?  Fisch.   8ynops.  Mammal.   |».  252.  Nr.  3. 

„  „       ?  Witgn.   Schreher  Säiijj;tli.  Sii|ij)l.    B.   II.    S.   (>G. 

Nr.  10. 
Vroc'ulura  Iciicodon?  Wajj^n.   Sclirchei'  Säiii^tli.  Siippl.  H.  II.  S.  H(J. 

Nr.  10. 
Sorex Güldenst at'dtii.  S  ii  ii  d  c  v.  Veteii.'^k.  Akitil.  Handl.  1842.  \\.  1 80. 
,,  .,  He  i  che  II  h.   Naturi;.  Raiihth.   fig.  497. 

„     leucudoH?  lieicheiih.   Nalurj^.  Hauhtli.   8.338. 
Crocidura  leucodon?  Reicheiib.   Naliirg.  Raubth.   S.  338. 
Sonw    araneus.     Hraiidt.      liiilh-t.    de    l'Acad.    d.    Pcter.sb.    1852. 
[).  453. 
„     ?  Blas.   Fauna  v.  neutschl.  S.  150. 
Crocidtwa  arnnea?  Blas.   F'aiina  v.  Deutsch!.   S.  löO. 
Sorex  Güldenstaedtn.     Wagn.    Sclireher   Säugth.    Suppl.     B.    \. 

S.  o61.  Nr.  3(>.  .  —  S.  802. 
Crociditra  Gnldenstaedtii.   Wagn.  Sclireher  Säugth.  Suppl.   B.  V. 

S.  561.  Nr.  3().,,  —  S.  802. 
Sore.v  leiicodoit.  G  ich  ei.   Säugeth.    S.  902. 
Crocidura  leucndon.  Giehel.   Säugeth.   S.  902. 

Diese  Form,  welche  wir  nur  nach  einer  Beschreibung  und 
Abbildung,  die  Pallas  von  derselben  gegeben  hat,  kennen,  scheint 
nach  den  von  diesem  Schriltsteller  angeführten  und  zum  Theile  auch 
aus  der  Abbildung  zu  ersehenden  iMerknialen  sowohl  von  der  ihr 
allerdings  verwandten  Haus-VVimi»erschwanzspitzmaus  (C.  arnnea). 
als  auch  von  der  ihr  noch  näher  stehenden  \\eil*Nhauchigen  Wimper- 
schwanzspitzmaus  (C.  leucndon)  verschieden  zu  sein  und  zwar 
nicht  blos  durch  die  geringere  Größe  und  die  verschiedene  Färbung, 
sondern  auch  durch  den  verhältniCMiiäßig  längeren  und  diiiineren 
Rüssel  und  den  merklich  längeren  wSrhwanz. 

Der  Kopf  ist  stark  gestrecki,  der  Rüssel  lang,  dünn  und  spitz. 
Die  Ohren  sind  ziemlich  groß,  kurz  und  ragen  stark  aus  dem  Pelze 
htu-vor.  Der  Schwanz,  welcher  nahezu  '-/;;  der  Körperlänge  erreichl, 
ist  gerundet,  dünn  und  schmal,  an  der  Wurzel  nur  wenig  dicker  als 
im  Weileren  N'erlaufe.  uml  ziemlich  spärlich  mit  kurzen  anliegenden 
Ilaaren  und  einzelnen  eingemengten  langen  abstehenden  w\u\  nach 
riickwiirtsgeiichlelen  W'imperliaaren  besetzt.  Die  Schnurren  sind  lang. 
Die  (Hierseite  \\','^  Körpers  isl  hraungrau  ,  die  Unterseite 
weißlich. 


KiilischL-  UiitersiifliiiiiyA'ii  iilier  Hii*  S|iit/.iiiäii.si>  (SuriicxJ  elc.  40«) 

Körperlänge 2"  8  ". 

Liinge  des  Schwanzes 1'   9'". 

V^aterland.  Der  südliclie  Theil  des  Kaukasus,  und  voi'zugs- 
M'eise  Georgien,  wo  Güldenstaedt  diese  Arl  entdeckte,  die 
Pallas  zuerst  beschrieb.  Gloger  betrachtete  dieselbe  nach 
Exemplaren,  die  er  unter  dem  Namen  „Sorcx  (iükleiistaedtiv'  im 
Berliner  Museum  traf,  für  identisch  mit  der  weißbauchigen  Wimper- 
schwanzspitzmaus (C.  leucodon),  und  eben  so  glaubte  Brandt  sie 
mit  der  Haus-Wimperschwanzspitzmaiis  (C.  aranea)  vereinigen  zu 
dürfen.  Ersterer  Ansiciit  trat  früher  auch  Wagner  bei,  doch 
änderte  er  später  dieselbe  und  hielt  diese  Form  für  eine  selbst- 
ständige Art.  Blasius  neigte  sich  der  Ansicht  von  Brandt  zu. 
Genauere  Untersuchnngen  werden  diese  Zweifel  aulklären. 

23.   Die  chocoladebpauue  Wimpersihwanzspltiniaos  (Crocidiirn 
Dsi-NezumiJ. 

C.  notaeo  nitide  ex  viulaceo  rutilo-fusco  vel  paUide  rufes- 
cente-brutmeo ,  gastrueo  sordide  cnerulescente-fusco  ;  cauda  tenul, 
tereti,  dimidio  corpore  breviore. 

Sore.v  Dsi-Nezumi.  Temm.  Fauna  japon.   V.  I.  p.  2<>.   t.  5.  fig.  3 
t.  4.  flg.  cc.  (Scliädel.) 
Reiche  nb.    Naturg.    Raubth.     S.    341,    384. 
fig.  717. 
Crocidura  Dsi-Nezumi.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  341,  384. 

fig.  717. 
Sorex  Dsi-Nezumi.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  50 1. 

Nr.  37. 
Crocidura  Dsi-Nezumi.    Wagn.    Schreber   Säugth.    Suppl.    15.   V. 

S.  Ö61.  Nr.  37. 
Sore.v  umbri /ins?  Giebel.   Säugeth.   S.  90ö.  Note  1. 
Crocidura  umhrinu?  (iiebel.  Säugeth.  S.  905.  Note  1. 

Ungefähr  vnii  der  Grüße  einer  größeren  Haus-Wimperschwanz- 
spitzmaus  (^C.  <(ranea) ,  doch  in  der  Körperform  von  derselben 
wesentlich  unterschieden. 

Der  Kopf  ist  verhällnißmäßig  etwas  nieder,  der  Rüssel  lang 
und  spitz.  Die  Ohren  sind  ziendich  groß,  freiliegend  und  kahl.  Der 
Schwanz,  welcher  nicht  ganz  von  halber  Kürperlänge  ist,  ist  dünn 
und  schmal,  von  der  Wurzel  gegen  die  Spitze  sich  ziemlich  rasch 


4()H 


1  I  /  I  II  }>  (■ 


vcrdümu'iul,  gcnimlet,  uiitl  mii'  sehr  sjiärlicli  mit  kurzen  iiiiliegciidcii 
Maaren  und  eingemengten  längeren,  abstehenden  und  nach  rückwärts 
gerichteten  Wimperhaaren  besetzt,  so  daß  er  beinahe  völlig  kahl 
erscheint.   Im  OlterkielVr  sind  jederseits  drei  Lückenzäiine  vorhanden. 

Die  Färltiing  ändert  etwas  nach  den  Jahreszeiten.  Im  Sommer, 
wo  das  Haar  kurz  und  glattanliegend  ist,  erscheint  dieselbe  auf  der 
Oberseite  des  Körpers  glänzend  chocoladebraun,  auf  der  Unterseite 
schmutzig  blaulichhraun;  im  Winter  dagegen,  wo  das  Haar  länger 
ist,  heller  und  mehr  rijtiilichbraun,  da  die  Haarspitzen  zu  jener  Zeit 
von  dieser  Färbung  sind. 

Körperlänge 3"  2'". 

Länge  des  Schwanzes 1"  4'". 

Vaterland.  Japan,  wo  diese  Art,  welche  von  Siebold 
entdeckt  und  von  Temminck  zuerst  beschrieben  wurde,  an  den 
Ufern  der  ßergströnie  angetroffen  wird.  Die  Japanesen  bezeichnen 
sie  mit  dem  Namen  „Dsi-nesvmi''' . 

24.  Die  umberbraune  Wimpersehwanzspllziiiaas  (Crocidnra  umbrina). 

C.  unicolor  nitide  ohscnre  nigro-fusca;  cauda  teiiiii ,  lereli, 
corpore  pnrum  /treeiore. 
Sorej7  umbriiin^.  Temm.  Fauna  japon.  V.  1.  p.  27. 

VVagn.    Schreher  Säugth.  Suppl.   B.  V.    S.   562. 
Nr.  38. 
Crocidnra  nrtdtr in a.  Wagn.  Schreher  Säugth.  Suppl.  R.  V.   S.  562. 

Nr.  38. 
Sorex  umbritiKs.  Giebel.   Säugeth.   S.  Ollö.  Note  I. 
Crocidura  umbrina.  Giebel.  Säugeth.  S.  903.  Note  I. 

Beträchliicli  kleiner  als  die  chocoladebraune  Wimperschwanz- 
spitzmaus ((\  JJsi-NezumiJ  und  von  derselben  nicht  nur  durch  die 
kürzere  Schnauze  und  den  viel  längeren  Schwanz,  sondern  auch  durch 
die  Färbung  sehr  deutlich  verschieden. 

Der  vSchwaiiz,  desseu  LÜMge  nicht  ganz  die  volle  Körperlänge 
erreicht,  ist  dünn  und  schmal,  von  der  Wurzel  gegen  die  Spitze  all- 
mählig  sieh  verdünnend,  gerundet,  au  der  Wurzel  dicht  behaart,  im 
weiteren  Verlaufe  aber  nur  spärlich  mit  kurzen  anliegenden  Haaren 
inid  eiiigemengten  einzelnen  längeren,  abstehenden  und  nach  rück- 
wärts gerichteten  Wiuiperhaaren  besetzt.    Im  Oberkiefer  sind  jeder- 


Kiifisclie  rnlersiirlniii^iMi  iilicr  ilii-  Siiil/.niiiiist'  (Sorken)  elc.  4b  i 

seits  drei  Lückenzäline  vdrliaiidcii  und  siiiimilliclic  Zähne  sind  durcli- 
aiis  einfarbig  wellx 

Die  Fürbniif»-  der  Ober-  sowobi,  ;ds  Unterseile  des  Körpers  ist 
einlärltig  glänzend  dunkel  seh\var/.br;inn  oder  umberbraini. 

Körperlänge 2"  4'" 

Länge  des  Scbvvanzes 2  . 

Vaterland.  Japan,  wo  Siebold  diese  Art  entdeckte  und  von 
welcher  Temminck  die  erste  Beschreibung  gab. 

25.  Die  scilicfcrscilwarze  Wimperschwanzspitzinaas  (Crocidnra 
NeweraJ. 

C.  notaeo  schistaceo-tiigro,  leviter  rufescente-lavato,  gastraeo 
pallidiore  schistaceo;  cauda  nigra,  tenui,  iereti  ultra  ~/s  corporis 
longiludine. 
Corsira  iSeivera  Ellia.  Kelaart.  Ann.  of  Nat.  Hist.  sec.  ser.  V.  VIII. 

p.  340. 
Corsira  nigrescens.  Var.?  Kelaart.  Ann.  of  Nat.  Hist.  sec.  ser.  V. 

VIII.  p.  340. 
Sorex   Newera.    Wagn.    Scbreber  Säugth.    Supp.    B.  V.    S.  564. 

Nr.  44. 
Crocidura  Neicera.  Wagn.  Scbreber  Säugtli.  Suppl.  B.  V.  S.  564. 

Nr.  44. 
Sorex  nigrescetis?  Giebel.  Säugeth.  S.  905.  Note  1.  Nr.  3. 
Crocidura  Newera.  Fitz.  Säugeth.  d.  Novara-Exped.   (Sitzungsber. 

d.    math.    naturw.    Cl.    d.  kais.   Akad.    d. 

Wiss.  B.  XLII.  S.  392.) 
Die  Obren  sind  verbältnißmäßig  groß,  freiliegend  und  kahl. 
Der  Scbvanz,  dessen  Länge  über  ^  .,  der  Körperlänge  beträgt,  isl 
dünn,  gerundet  und  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  besetzt,  zwischen 
denen  längere  und  steifere,  abstehende  und  nach  rückwärts  gerichtete 
glänzende  Wimperhaare  eingemeng:t  sind.  Im  Oberkiefer  sind  jeder- 
seits  drei  Lückenzähnc  vorbanden. 

Die  Oherseite  >\{i<.  Körpers  isl  schieferscbwarz,  mit  sehr  schwa- 
chem rötblicbem  Schimmer,  die  Unterseite  heller  rein  scbieferfarben, 
obne  rötblicbem  Anfluge.  Der  Schwanz  ist  schwarz,  die  Krallen  sind 
weiß.   Die  Zähne  sind  durcliaus  einfarbig  weiß. 

Körperlünge 3''   (>'". 

Länge  des  Sclnvanzes 2"  6". 


468  Ki  (/.  i  h-or. 

Vaterland.  Ceylon,  wo  diese  Art,  welche  zuerst  von  Kelaart 
beschrieben  wurde,  in  Newera  Elija  vorkommt  und  bis  zu  einer  be- 
deutenden Höhe  in  den  Bergen  emporsteigt,  indem  sie  selbst  noch 
auf  dem  Pedroteilgala,  dem  höchsten  Berge  Ceylon's,  angetrolTen 
wirde  Zelebor  brachte  sie  mit  der  Novara-Expedition  angeblich 
von  Java. 

Kelaart  war  nicht  gewiß,  ob  diese  Form  wirklich  eine  selbst- 
ständige Art  bilde,  oder  ob  sie  inu*  für  eine  Abänderung  der  von 
Gray  aufgestellten  Corsira  nlgrescens  zu  betrachten  sei.  Da  jedoch 
aus  der  völlig  verschiedenen  Schwanzbehaarung  und  den  in  schwarz- 
braune Spitzen  und  Schneiden  endigenden  Zähnen  hervorgeht,  daß 
diese,  wie  schon  Wagner  richtig  bemerkte,  einer  ganz  anderen 
Gattung  angehöre,  und  ausserdem  noch  nach  den  späteren  Unter- 
suchungen von  Blytb  sogar  im  Zabnbaue  eine  sehr  bedeutende 
Verschiedenheit  darbietet,  die  ihn  bewog  für  dieselbe  eine  be- 
sondere Gattung,  nämlich  die  Gattung  Trugspitzmaus  (Soriculus) 
aufzustellen,  so  ergibt  sich  Kelaart's  Vermutbung  als  völlig  un- 
begründet. 


5.  (latt.  %icr.^pi<%iiiaim  (Mßi/ßio»nesodonJ, 

Der  Leib  ist  nur  mit  weichen  Haaren  bedeckt.  Vorder-  und 
Hinterfüsse  sind  fünfzehig.  Die  Zehen  sind  frei.  Die  Schnauze  ist 
stark  verlängert  und  endiget  in  eine  über  die  Unterlippe  ziemlich  weit 
hervorragende  spitze,  rüssellörmige  Nase.  Die  Ohren  sind  ziemlich 
groß,  nicht  seiir  kurz,  stark  aus  den  Haaren  hervorragend,  und 
durch  einen  an  ihrem  Grunde  befindlichen  Lappen  verschließbar.  Der 
Schwanz  ist  mittellang,  gerundet,  geringelt  und  geschuppt,  ziemlich 
dicht  mit  kurzen  anliegenden  IFaaren  und  einzelnen  eiiigemengten 
langen,  absiebenden  und  nach  rüekwiirls  gerichlelen  Wimperhaaren 
besetzt,  und  an  der  Wurzel  nicbl  besonders  dick,  allmählig  sich  ver- 
dünnend. Sohlen  und  Zehen  sind  nicht  gewimpert.  Eckzähne  fehlen. 
Die  Schneiden  der  unteren  Vorderzähne  sind  nicht  gezähnelt  und  an 
ihrer  Hinterseite  mit  keinem  Ansätze  versehen.  Sämmtliclie  Zähne 
sind  durchaus  einfarbig  weiß.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  zwei 
Lüekenzäbne  vorbanden.  Die  Krallen  sind  niclil  zurückziehbar.  jene 
der  Vorderfüsse  nicht  größer  als  die  der  Hinterfüsse. 


Kritische  L'iitersuchuii^eii  üiit-r  >lie  Spiti^mausL'  (Soikes)  etc.  4b  J 

Zahnfoi-mel:  Vorderzhlme  .^  ,  Lckzahiie  -^-^ ,  LuektMi- 
zähiie  ~ — ^  ,  Backenzähne  -^—^  =  20- 

1.   Die  kirgisische  Xierspitimaus  (Diplomesodon  pulchellus). 

D.  nofaeo  schistaceu,  mncula  magna  parallefogramma  nivea 
nofalo,  lateribus,  gastrueo,  cauda  peddfusque  niueis;  auricnlis 
externe  schistaceis,  interne  niveis;  c<u(da  tenui ,  tereti,  fere  '/s 
corporis  longitudine. 

Sorex  pidcliellus.   Lielilen-st.   Eversm.  Reise.  S.  124.  Nr.  21. 
Isid.  Geoffr.  Dict.  class.  V.  XI.  p.  319. 
„  „  Fisch.  Synops.  Mamma),  p,  254.  Nr.  7. 

„  „  Lichtenst.  Darstell,  neuer  Sängeth.  t.  40.  liy.  2. 

Wagn.    Schreber  Säiigth.    Siippl.  B.  II.    S.  78. 

Nr.  22. 
Sundev.  Vetensk.  Akad.  Handl.  1842.  p.  180. 
Reichen b.    Naturg.  Raubth.  S.  343     fig.  493. 
Crocidura  pnlchella.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  343.  fig.  493. 
Diplomesodon  pulchellus.  R  ran  dt.  Lehmanns  Reise.  S.  299.  Anh. 

S.  5. 
Sorex  pulchellus.    Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppi.  B.  V.  S.  S63. 

Nr.  42. 
Crocidura  pulchella.W agn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  563. 

Nr.  42. 
Diplomesodon  pulchellus.  Wagn.    Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V. 

S.  563.  Nr.  42. 
Sore.v  pulchellus.  Giebel.  Säugth.  S.  905. 
Diplomesodon  pulchellus.  Giebel.  Säugth.  S.  90ö. 

Diese  schon  durch  ihre  eigenthiimliche  Färbung  höchst  ausge- 
zeichnete und  mit  keiner  anderen  zu  verwechselnde  Art,  welche  den 
Repräsentanten  einer  besonderen  Gattung  bildet,  ist  eine  der  kleinsten 
und  zierlichsten  Formen  in  der  ganzen  Familie  und  nur  wenig  größer 
als  die  Zwerg-Dickschwanzspitzmaus  {P.  pygmaea). 

Der  Kopf  ist  nur  schwach  gestreckt  und  ziemlich  hoch,  der 
Rüssel  verhältnißmäßig  kurz  und  spitz.  Die  Ohren  sind  ziemlieh 
groß,  nicht  sehr  kurz,  stumpf  abgerundet  und  stark  aus  dem  Pelze 
hervorragend.  Der  Schwanz ,  welcher  nicht  ganz  '/g  der  Körperlänge 


470 


F  i  t  z  i  n  o-  e  r. 


erreicht,  ist  geruiulet,  an  der  Wurzel  nicht  besonders  dick,  allinählig 
sich  verdünnend  und  ziemlich  dicht  mit  kurzen  anliegenden,  die  Spitze 
etwas  überragenden  Ilaaren  und  einzelnen  eingemengten  langen, 
abstehenden  und  iiacli  rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren  besetzt. 
Die  Füsse  sind  verhältnißmäßig  stark,  die  Schnurren  lang  und  der 
Rüssel  ist  beinahe  kahl.  Im  Oberkicler  sind,  den  Untersuchungen  von 
Brandt  und  Peters  zu  Folge,  nur  zwei  Lückenzähne  vorhanden 
und  sämmtliche  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  rein  weiß  gefärbt. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  von  der  Rüsselwurzel  angefangen 
bis  auf  eine  Entfernung  von  2'"  von  dem  Schwänze  scharf  abge- 
schnitten schiefergrau,  welche  Färbung  am  Kopfe  lichter  und  beinahe 
hellgrau  ist,  allmählig  dunkler  wird,  und  von  den  Schultern  bis  zum 
Hinterrücken  rein  schiefergrau  erscheint.  Diese  schieferfarbene  und 
allenthalben  gleich  breite  Färbung,  welche  die  Gestalt  eines  regel- 
mäßigen Parallelogrammes  liat,  bildet  gleichsam  eine  deckenartige 
Binde,  welche  sich  in  einer  Breite  von  8'"  über  die  ganze  Oberseite 
des  KiJrpers  erstreckt,  und  schließt  in  der  Mitte  des  Rückens  einen 
beinahe  vierseitigen  schneeweißen  Flecken  von  7'"  Länge  und  21/4'" 
Breite  ein.  Die  Kopf-  und  Leibesseiten,  die  Unterseite  des  Körpers, 
die  Füsse,  der  Schwanz  und  die  Innenseite  der  Ohren  sind  schnee- 
weiß. Die  Außenseite  der  Ohren  ist  schieferfarben ,  die  Schnurren 
und  die  Krallen  sind  weiß. 

Körperlänge 1"  10'"— 2"  2'". 

Länge  des  Schwanzes 9'". 

„     des  Kopfes  bis  zu  den  Ohren  .    .    .  7'". 

„     des  Rüssels 2'". 

„     der  Obren 2'". 

Breite  der  Ohren       21/3'". 

Abstand  der  Ohren 4'". 

Länge   des  Unterarmes  bis   zur  Krallen- 
spitze     6'". 

Länge  des  Hinterfußes  bis  zur  Krallenspitze  6'". 

Länge  der  Mittelzehe  des  Hinterfusses      .  I3/4'". 

„     der  hinteren  Schnurren 8". 

Vaterland.  Bucharei,  Kirgisensteppe,  wo  sich  diese  Art, 
welche  von  Kversmann  entdeckt  und  von  Lichten  st  ein  zuerst 
boschrieben  wurde,  im  Geröhre  der  sandigen  Steppe  aufhält. 


Kritische  Untersuchimgeii  über  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  471 


6.  Gatt.  Herhzaliiispitzniaii.s  (M^erocuttts)* 

Der  Leib  ist  nur  mit  weichen  Haaren  bedeckt.  Vorder-  und 
Hinterfüsse  sind  fünfzehig-.  Die  Zehen  sind  frei.  Die  Schnauze  ist 
stark  verlängert  und  endiget  in  eine  über  die  Unterlippe  ziemlich  weit 
hervorragende  spitze,  rüsselförmige  Nase.  Die  Ohren  sind  klein,  sehr 
kurz,  nur  sehr  wenig  aus  den  Haaren  hervorragend,  und  durch  einen 
an  ihrem  Grunde  befindlichen  Lappen  verschließbar.  Der  Schwanz 
ist  mittellang,  gerundet,  geringelt  und  geschuppt,  nicht  sehr  dicht  mit 
kurzen  anliegenden  Haaren  und  einzelnen  eingemengten  langen,  ab- 
stehenden und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren  besetzt, 
und  an  der  Wurzel  dick,  allmählig  sich  verdünnend.  Sohlen  und  Zehen 
sind  nicht  gewimpert.  Eckzähne  fehlen.  Die  Schneiden  der  unteren 
Vorderzähne  sind  gezähiielt  und  an  ihrer  Hinterseite  mit  keinem  An- 
sätze versehen.  Sämmtliche  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß.  Im 
Oberkiefer  sind  jederseits  vier  Lückenzähne  vorhanden.  Die  Krallen 
sind  nicht  zurückziehbar,  jene  der  Vorderfüsse  größer  als  die  der 
Hinterfüsse. 

Zahnformel:     Vorderzähne  —  '    Eckzähne  -rrzK '    I-^ücken- 

4 4  4 4 

zahne  -^ — ^  ,  Backenzähne  -^ — ^   =  30. 


1.  Die  dickfüssige  Horhzahnspitzmaas  (Feroculus  macropus). 

F.  unicolor  )ug7'eftcens ,  leviter  rubido-lavcttus ;  cmida  hasi 
crassa,  tereti,  dimidio  corpore  purum  longiore. 

Sorex  Feroculus.  Kelajut.  Journ.  of  the  Asiat.  Soc.  V.  XX.  p.  163. 
Ferocidus  macropus.    Blyth.  Journ.  of  the  Asiat.  Soc.   of  Bengal. 

1855.  Fase.  1. 
Sorex  macropus.  Wagn.   Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  806. 

Nr.  16. 
Feroculus  macropus.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  806. 

Nr.  16. 

Eine  bis  jetzt  nur  ans  den  Beschi'cibungen  von  Kelaart  und 
Blyth  bekannte  Art,  welche  so  auiTallendc  und  von  den  übrigen 
Formen  dieser  Familie  so  sehr  abweichende  Merkmale  darbietet,  daß 


4  ^  -w  F  i  t  z  1  n  g-  e  r. 

sie  für  den  Typus  einei"  besonderen  Gattung  angesehen  werden  mo(J>, 
die  zwischen  den  Gattungen  Winipersclnvanzspitznians  (CrocidurnJ 
und  llalhspilznuuis  (^Myunorc.vJ  in  der  Mitte  stellt. 

Die  Ohren  sind  klein,  sehr  kurz  ,  und  nur  sehr  wenig  ans  dem 
Pelze  hervorragend.  Die  Füsse  sind  autfallend  stark,  die  Vorderfüsse 
sehr  breit  und  die  Krallen  derselben  lang,  schwach  gekrümmt  und 
langer  als  jene  der  lliMti-rCüsse.  Der  Schwanz,  welcher  etwas  länger 
als  der  halbe  Kiirpcr  ist,  ist  gerundet,  an  der  Wurzel  dick,  allniählig 
sich  verdünnend,  und  nicht  sehr  dicht  mit  kurzen  aidiegenden  Haaren 
und  einzelnen  eingemengten  langen,  abstehenden  und  nach  rückwärts 
gerichteten  \\'imj)erhaaren  hesetzt,  an  der  Spitze  aber  völlig  kahl. 
Die  Körperbeiiaarung  ist  ziemlich  lang  und  sehr  weich.  Im  Oberkiefer 
sind  jederseits  vier  Lückenzähne  vorhanden,  von  denen  der  erste 
ziemlich  groß,  der  letzte  klein  und  die  heiden  nn'ttleren  von  gleicher 
Größe  sind.  Die  oberen  Vorderzähnc  sind  nicht  sehr  stark  gekrümmt, 
und  die  Sciineiden  der  unteren  sind  gezähnelt,  und  bieten  zwei  Aus- 
höhlungen und  drei  Spitzen  dar.  Sämmtliche  Zähne  sind  klein  und 
durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Ober-  sowohl,  als  auch  die  Unterseite  dts  Körpers  ist  ein- 
farbig schwärzlich  und  sehr  schwach  röthlich  überflogen.  Die  kahle 
Schwanzspitze  ist  fleischfarben. 

Körperlänge 4"  3'". 

Länge  des  Schwanzes 2"  3"'. 

„     des  Hinterfußes 10 1/3'". 

Breite  des  Vorderfusses 3'". 

Länge  der  vorderen  Mittelkralle 3'". 

Vaterland.  Ceylon.  Von  Kelaart  daselbst  entdeckt  und  auch 
zuerst  beschrieben. 


7.  Gatt.  Ilalb»>pil7iiiiaii.*$  fJlyosorcJoJ, 

Der  f^eih  ist  nur  mit  weichen  Haaren  bedeckt.  V^order-  und 
Hinterlüsse  sind  fünfzehig.  Die  Zehen  sind  frei.  Die  Schnauze  ist 
stark  verlängert  und  endiget  in  eine  über  die  Unterlippe  ziemlich 
weit  hervorragende  spitze,  rüsselförmige  Nase.  Die  Ohren  sind  klein, 
sehr  kurz,  viillig  unter  den  Haaren  versteckt  und  durch  einen  an 
ihrem  Grunde  helindlichen  fjaj)pen  verschließhar.    Der  vSchwanz   ist 


Ki'itisclie  Uiiteisuchuiigeii  über  die  Spitzmäuse  (SoriceaJ  etc.  4  f  3 

mittellaiig,  gerundet,  geringelt  und  gescliuppt,  dicht  mit  kurzen  an- 
liegenden Haaren  besetzt,  und  an  der  Wurzel  nicht  dicker  als  im 
weiteren  Verlaute.  Sohlen  und  Zehen  sind  nicht  gewimpert.  Eckzähne 
fehlen.  Die  Schneiden  der  unteren  Vorderzähne  sind  niclit  gezähnelt 
und  an  ihrer  Hinterseite  mit  keinem  Ansätze  versehen.  Sämmtliche 
Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits 
drei  Lückenzähne  vorhanden.  Die  Krallen  sind  nicht  zurückziehbar, 
jene  der  Vorderfüsse  größer  als  die  der  Hinterfüsse. 

Zahnformel:    Vorderzähne  — ,    Eckzähne  ^r — ~,    Lücken- 

3 3  4 4 

zahne  - — -,   Backenzähne  ~ — 5-   =  28. 

i.  Die  gesprenkelte  Halbspitzmaus  (Myosore.v  vuriusj. 

M.  notaeo  grlseo,  pallide  f'errugineo-fusco  irrorato .  lateribus 
griseis,  gastrneo  sordide  ulbido  ;  pedihus  sordide  flavescente-albi- 
dis;  cauda  f'ere  dimidii  corporis  longitudine. 

Sore.v  varius.  Smuts.  Mammal  cap.  p.  108. 

Myosorex  varius.   Gray.   Proceed.  of  the  Zool.  Soc.  V.  V.  (1837.) 

p.  124. 
Sorex  varius.   A.  Smith.  Illustr.  of  the  Zool.  of  South. -Afr.  V.  I. 
t.  44.  fig.  2. 
Sundev.  Vetensk.  Akad.  Hand!.  1842.  p.  181. 
Mgosorex  varius.  Gray.  Mammal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  78. 
Sorex  varius.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B. II.  S.  77.  Note  14. 

t.  160.  A.  fig.  1. 
Myosor ex  varius,    Wagn.    Schreber  Säugth.   Suppl.  B.  II.    S.  77. 

Note  14.  t.  160.  A.  fig.  1. 
Sorex  cinnamomeus.  Jun.t  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II. 

S.  77.  Note  14. 
Crociduracimiamomea.  Juu.f  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B. II. 

S.  77.  Note  14. 
Sorex  varius.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  343,  384.  fig.  724. 
Crocidura   varia.    Reichenb.     Naturg.    Raubth.    S.   343,    384. 

fig.  724. 
Sorex    cinnamomeus.    Juug?    Reichenb.    Naturg.  Raubth.  S. 

343,  384. 
Crocidura  cinnamomea.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  343,  384. 

Sifzh.  «i.  matlieni.-iiatuiw.  Cl.  LVII.  Bd.  I.  Abth.  3i 


1"  i  (  /.  i  II  H'  e  r, 

Sore.v  varius.  Wagii.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  564,  807. 

Nr.  47. 
Myosorex  varius.   Wagn.   Schreber  Säugth.    Suppl.  B.  V.  S.  564, 

807.  Nr.  47. 
Sorex  varius.   Victor  in.   Zoologiska  Anteekningar  under  en  Besä 
üf  Caplaiidet.  p.  16.  Nr.  14.  (Vetensk.  Akail. 
Handl.  1858.  B.  II.  Nr.  10.) 
„      cinnnmomeus.  Giebel.  Säugeth.  S.  904. 
Crocidnra  cinnamomea.  Giebel.  Säugeth.  S.  904. 
Myosorex  varius.   Fitz.  Säugeth.  d.  Novara-Exped.    Sitzungsber.  d. 
math.  naturw.  Cl.  d.  kais.  Akad.  d.  Wissensch. 
B.  XLII.  S.  392. 
Diese  höchst  ausgezeichnete  Form,    welche  in  der  Größe,    den 
körperlichen  Verhältnissen  und  dem  Zahnbaue  einigermaßen  an  die 
Haus -Wimperschwanzspitzmaus  (C.  aranea)  erinnert,    bildet    den 
Repräsentanten  einer  besonderen  Gattung. 

Ihr  Kopf  ist  ziemlich  hoch,  die  Schnauze  verhältnißmäßig  etwas 
kurz,  der  Rüssel  spitz.  Die  Ohren  sind  vollständig  unter  dem  Pelze 
versteckt.  Der  Schwanz,  dessen  Länge  nahezu  die  halbe  Körperlänge 
einnimmt,  ist  gerundet,  dünn,  und  dicht  mit  kurzen  anliegenden 
Haaren  besetzt.  Die  Krallen  der  Vorderfüsse  sind  beträchtlich  größer 
als  jene  der  Hinterfüsse.  Die  Behaarung  des  Körpers  ist  reichlich  und 
dicht,  weich,  wollig  und  etwas  gewellt.  Die  Schnurren  sind  nicht 
besonders  lang.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  drei  Lückenzähne  vor- 
handen, von  denen  der  mittlere  viel  kleiner  als  der  hintere  ist.  Im 
Unterkiefer  ist  der  hintere  Lückenzahn  hinter  seiner  großen  Spitze 
noch  mit  einer  zweiten  kleineren  versehen.  Sämmtliche  Zähne  sind 
durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Färbung  der  Oberseite  des  Körpers  erscheint  grau  und  licht 
rostbraun  gesprenkelt,  da  die  Haare,  welche  an  der  Wurzel  durch- 
gehends  schwarz  sind,theils  in  weißlichgraue,  theils  in  licht  rostbraune 
Spitzen  endigen.  Die  Leibesseiten  sind  mehr  einfarbig  grau  und  auf 
der  Unterseite  geht  diese  Färbung  allmälig  in  schmutzig  weißlich 
über.  Die  Füsse  sind  schmutzig  gelblichweiß  gefärbt. 

Körperlänge 3"  4".  Nach  Smuts. 

Länge  des  Schwanzes 1"  6'". 

Körperlänge 3".        Nach  Wagner. 

Länge  des  Schwanzes 1"  4'". 


Kritischi-  L'iilersiichung^eii  ülier  die  Siiitziiiäiise  (Sarires)  etc.  4T5 

Vi!  t  erl;i  11(1.  Sinl-At'rikii.  ('jip-Cdhtnif,  Wd  diese  Art,  welche  von 
Snuits  zuerst  hesehriebeii  wurde,  in  den  südlichen  und  östlichen 
Theilen  und  vorzüglicli  an  der  Algoa-Bni  häufig  angetroffen  wird. 

Wagner  hielt  es  früher,  hevor  er  diese  Form  noch  kannte, 
nicht  für  unniöglicii ,  dall'«  dieselbe  nur  das  junge  Thier  der  zimmt- 
färhigen  Winiperschwanzspitziniius  (C.  c'ninamomeu)  sei,  da  Gray 
beide  Arten  für  identisch  betrachtete. 

2.  Die  gewässerte  Halbspitznmas  (Myosorex  HerpestesJ. 

M  iiotiieo  tjriseo,  rufcHveute-fuscu-irrordto,  <j<istr(tco  yriseu- 
nlbido ;  thucala  ad  uris  unguium  rufescentc ;  caudu  dimidio  corpore 
brcviore. 
Sore.v  cupensis.   Sniuts.  Maminal.  cap.  p.  8. 

;,       Herpestes.    Duvern.  Mein,  de  la  Suc.  d  liist.   nat.  d.  Stras- 
bourg. V.  II.  Suppl.  2. 
„       vuriiis?     Wagn.     Schreber    Säugth.    Suppl.  B.    II.    8.    77. 
Note  14. 
Myosore.v  carius?    Wagn.  Schreber  Säugth.   Suppl.  B.  II.  S.  77. 

Note  14. 
Sorex  cinnamomeHs.  Jun.?  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  11. 

S.  77.  Note  14. 
Croctdura  ciuiiuinoinea.  Jun.?  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II. 

S.  77.  Note  14. 
Sortw  Herpestes.    Duvern.    Guerin  Magas.   d.  Zool.    1842.    p.  22. 
t.  42,   43. 
,.      capensis.  Reicbenb.  Naturg.  Raubtii.  S.  343. 
Crocidura  capensis.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  343. 
Sorex  varius.    Wagn.    Schreber  Säugth.    Suppl.  B.  V.    S.  564. 

Nr.  47. 
Myosorex  varius.  \V'agn.    Schreber  Säugth.  Suppl.  B.   V.  S.  364. 

Nr.  47. 
Sorex  varius.    Victorin,  Zoologiska  Anteckningar  under  en  Resa 
af  Caplandet  p.  16.  Nr.  14.  (Vetensk.  Akad. 
Handl.  1858.  B.  II.  Nr.  10.) 
„      herpestes.  Giebel.  Sängeth.  S.  904. 
Crocidura  herpestes.  Giebel.  Säugeth.  S.  904. 

Eine   der   gesprenkelten  Halbsjiitzmaus  (M.    varius)    ziemlich 
nahe  steheinie,   noch  mehr  aber  mit  der  Kaffern-IIalbspitzmaus  (M- 

31- 


476  Ki  l  z  i  11  t;  er. 

caffer)  venvaiidte  Art,  welche  sieh  nebst  anderen  Merkmalen  haupt- 
sächlich üiirch  ihren  langen  und  sehr  beweglichen  Rüssel,  der  länger 
als  bei  irgend  einer  anderen  südafrikanischen  Form  ist,  von  beiden 
deutlich  unterscheidet. 

Sie  ist  etwas  größer  als  die  gesprenkelte  Halbspitzmaus  (M. 
varins).  \\\v  Kopf  ist  gestreckt ,  die  Schnauze  sehr  lang.  Die  Ohren 
sind  vollständig  unter  dem  Pelze  versteckt.  Der  Schwanz,  welcher 
kürzer  als  der  halbe  Körper  ist,  ist  vierkantig,  dünn,  und  dicht  mit 
kurzen  anliegenden  Haaren  besetzt.  Die  Behaarung  des  Körpers  ist 
dicht  und  sehr  kurz ,  so  daß  das  Thier  gleichsam  w  ie  geschoren  aus- 
sieht. Der  Zahnbau  und  die  Färbung  der  Zähne  sind  dieselben,  wie 
bei  den  beiden  anderen  Arten  dieser  Gattung. 

Die  Oberseite  des  Körpers  erscheint ,  ähnlich  jener  der  meisten 
Arten  der  Gattung  Manguste  (Herpestes)  grau  und  röthlich-fahlbraun 
gesprenkelt,  da  die  Haare,  welche  sämmlich  an  der  Wurzel  grau  sind? 
theils  in  graue,  theils  in  röthlich-fahlhraune  Spitzen  endigen.  Die 
Unterseite  des  Körpers  ist  graulichweiß  und  die  Mundwinkel  sind 
röthlich. 

Körperlänge 3"  7 '/a'".  Nach  Victorin. 

Länge  des  Schwanzes    .    ,    .     \"  6'". 

Vaterland.  Süd-Afrika,  Cap  der  guten  Hoffnung,  woselbst 
diese  Art,  welche  einen  starken,  scharfen  moschusähnlichen  Geruch 
verbeitet,  den  Fruchtfeldern  schädlicii  wird. 

Dieselbe  wurde  zuerst  von  Smuts  und  später  auch  von  Du- 
rernoy  beschrieben.  Wagner,  welcher  früher  der  Ansicht  war, 
daß  sie  vielleicht  ein  jüngerer  Zustand  der  zimmtfärbigen  Wimper- 
schwanzspitzmaus (C.  chinomomea)  sein  könnte,  änderte  dieselbe 
später  und  vereinigte  diese  Form  mit  der  gesprenkelten  Halbspitzmaus 
(M.  variusj.   Auch  Victor  in  verwechselte  sie  mit  derselben. 

3.  Die  Raffern  Halbspitzmaas  (Myosorex  caffer). 

M.  notaeo  n'ujro -fusco ,   indistincte  griseo - irrorato ,  gastraeo 
griseo;  pedihiis  fnscis;  caiida  fere  dimidii  corporis  longitudine. 
Sorex  cafer.  Sundev.  Öfvers.  afK.  Vetensk.  Akad.  Förhandl.  1846. 
p.  119. 
„      caffer.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  56S  Nr.  47. 
S.  807. 


Kritisclie  lIiitiM-siicIiunffPn  iiln'i-  die  Spil/.rnntis««  (Sorices)  ffc.  477 

Myosorea' caffer.  Wagn.    Schreber  Säiigth.    Suppl.   B.  V.   S.  S65. 

Nr.  47.  S.  807. 
Sorex  cafer.   Victorin.  Zoologisita  Anteckningar  uiider  en  Resa  af 
Caplandet.  p.  16.  Nr.  15.    (Vetensk.  Akad.  Haiidl. 
1858.  B.  II.  Nr.  10. 
Der  gewässerten  Halbspitzmaus  (M.  Herpestes)  ziemlicb  nahe 
stehend,  aber  durch  den  viel  weniger  gestreckten  Kopf,  den  kürzeren 
Rüssel  und  und  etwas  längeren  Schwanz,  so  wie  durch  die  völlig  ab- 
weichende Färbung  sehr  deutlich  von  derselben  verschieden. 

Sie  ist  merklich  kleiner  als  die  gesprenkelte  Halbspitzmaus  (M. 
varius),  mit  welcher  sie  aber  in  ihren  Körperformen,  mit  Ausnahme 
des  Schwanzes,  übereinkommt.  Ihr  Kopf  ist  ziemlich^ioch,  die  Schnauze 
verhältnißmäßig  etwas  kurz,  der  Rüssel  spitz  und  nicht  gelterbt. 
Die  Ohren  sind  gänzlich  unter  dem  Pelze  versteckt.  Der  Schwanz, 
welcher  nahezu  die  halbe  Körperlänge  einnimmt,  ist  vierkantig,  dünn, 
und  dicht  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  besetzt.  Die  Krallen  der 
Vorderfüsse  sind  beträchtlich  größer  als  jene  der  Hinterfüsse.  Im 
Oberkiefer  sind  jederseits  drei  Lückenzähne  vorhanden  und  sänimt- 
liehe  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  schwarzbraun  und  undeutlich 
grau  gesprenkelt,  die  Unterseite  graulich.  Die  Füsse  sind  braun. 

Körperlänge 2"  9'". 

Länge  des  Schwanzes 1"  S'/g'"- 

Länge  des  Hinterfußes  sammt  den  Krallen    .  ßVs'"- 

Vaterland.  Kaffern-Land ,  wo  diese  Art  im  Inneren  des  Lan- 
des vorkommt,  und  Port  Natal.  Sundeva  11  hat  dieselbe  zuerst 
beschrieben. 

8.  Gatt.  Spitzmaus  (^SoreacJ. 

Der  F.ieib  ist  nur  mit  Meichen  Haaren  bedeckt.  Vorder-  und 
Hinterfüsse  sind  fünfzehig.  Die  Zehen  sind  frei.  Die  Schnauze  ist  stark 
verlängert  und  endiget  in  eine  über  die  Unterlippe  ziemlicb  weit  her- 
vorragende spitze,  rüsselförmige  Nase.  Die  Ohren  sind  klein,  sehr 
kurz,  nur  wenig  aus  den  Haaren  hervorragend  oder  völlig  unter  den- 
selben versteckt,  und  durch  einen  an  ihrem  Grunde  befindlichen  Lap- 
pen verschließbar.  Der  Schwanz  ist  lang  oder  mittellang,  vierkantig 
oder  gerundet,  geringelt  und  geschuppt,  mehr  oder  weniger  dicht  mit 


478  F  i  )  7.  i  11  fr  I"  "•• 

kurzen  anliegenden  oder  auch  etwas  abstehenden  Haaren  besetzt,  und 
an  der  W'irzcl  nicht  dicker  als  inri  weiteren  Verlaufe.  Sohlen  und 
Zehen  sind  nicht  «lewimpert.  Eckzähne  fehlen.  Die  Schneiden  der 
unteren  Vorderzähne  sind  gezähnelt  und  an  ihrer  Hinterseite  mit 
keinem  Ansalze  versehen.  Sämmtliche  Zähne  sind  weiß  und  endigen 
in  roth-  oder  schwarzbraune  Spitzen  und  Schneiden.  Im  Oberkiefer 
sind  jederseits  fünf  Lückenzähnc  vorhanden.  Die  Krallen  sind  nicht 
zurückziehbar,  jene  der  Vorderfüsse  nicht  größer  als  die  der  Hinter- 
füsse.  Die  Augen  sind  sehr  klein.  Eine  besondere  Absonderungsdrüse 
befindet  sich  an  den  Leibesseiten,  näher  den  Vorder-  als  den  Hinter- 
beinen. 

Zahnformel:    Vorderzähne   — ,    Eckzähne   - — -,    Lücken- 

zahne  ^ — —  ,   Hackenzähne  ~ — -    =  32. 

1.   Die  Alpen-Spitzmaus  fSnre.v  afphiusj. 

S.   noffico  nhsciire  schisfaceo-rmerco.  levitcr  fiiHcescente-rn- 
bido-lmmtn ,  gastraeo  miicnJore  pa/Iif/nrc,  pure  cinerea;  fihiis  sce- 
lidum  externe  obscure  /nscis ;  pedibiia  hibuxpte  svperiore  albido- 
flavesccntibus ;  cmida  snprn  ohi^cnre  fusca,   vel  nigricnnte,  infra 
albida,  tenui,   indistincte   tetragonu .    (ipice  penicillnta,   corpore 
purum  breviore;  (tnricnJifi  rellere  fere  absconditis. 
Sore.v  alpiniis.  Schinz.  Froebel's  u.  Heer"s  Mittheil,  aus  d.  Gebiete 
der  theor.  Erdk. 
Schinz.   Fauna  europ.  Wirbelth.  B.  I.  S.  27. 
Amphisorcv  a/pinus.  Diivern,  Mem.  de  la  Soc.  d"hist.  naf.  d.  Stras- 

IxMirg.  V.  II.  Suppl.  >).  p.  4. 
Sore.v  a/pinus.   Selys  Longcb.  Micromammal.   p.  22.  Nr.  100. 
„  „  Bona  parle.    Iconograf.    <lella    Fauna    ital.    t.    18. 

Wagn.    Schreber   Säugth.     Suppl.    B.    II.    S.    n9. 
Nr.  4. 
Amphisore.v  (dpinns.  Duvern.  Guorin  Magaz.  d.  Zool.  1842.  p.  31. 

t.  49. 
Sorex  (dpinus.   Beichenb.  Naturg.  Baubth.  S.  345,  384.  fig.  725. 
Schinz.   Synops.  Mammal.  B.  l.  S.  2G7. 
„  „         Gemminger,  Fahrer.  Fauna  Boica.  t.  8.  a. 

Tschudi.   Giebel's  Weltall.  1853.  Nr.  1.  5. 


Ki-itische  üiitersiicIiiiiij^tMi  iilicr  die  Spit/.miitisc  (Soriccx)  etc.  4-79 

Sore.v  alptNiis.  Blas.  Fauna  v.  Deutsch!.  S.  150. 

W  a  g  n.  Sclirel)er  Säugth.  Suppl.  I}.  V.  S.  543.  Nr.  4. 
Giebel.  Säugeth.  S.  900. 
Amphisorex  alpinus.  Giebel.  Säugeth.  S.  900. 

Eine  der  ausgezeichnetsten  unter  ileii  in  Europa  vorkommenden 
.Arten  dieser  Familie,  welche  sich  sowohl  durch  die  sehr  bedeutende 
Länge  ihres  Schwanzes,  als  auch  durch  die  Färbung  ihres  Körpers 
von  allen  übrigen  Arten  in  auffallender  Weise  unterscheidet. 

In  Ansehung  der  Größe  kommt  sie  nahezu  mit  der  gemeinen 
Spitzmaus  (S.  vulgaris)  überein,  obgleich  sie  in  der  Regel  immer 
etwas  größer  als  dieselbe  ist. 

Die  Schnauze  ist  ziemlich  lang  und  verhältnißmäßig  etwas  breit. 
Die  Ohren  sind  kurz,  rundlich,  nur  dünn  hehaart  und  beinahe  völlig 
unter  dem  Pelze  versteckt.  Die  Augen  sind  überaus  klein  und  stehen  der 
Rüsselspitze  näher  als  den  Ohren.  Der  Schwanz,  w^elcher  nur  wenig 
kürzer  als  der  Körper  ist,  ist  undeutlich  vierkantig,  dünn,  gegen  die 
Spitze  zu  sehr  stark  verschmächtigt  und  ziemlich  dicht,  insbesondere 
aber  an  den  beiden  unteren  Kanten,  mit  kurzen  anliegenden  Haaren 
besetzt,  welche  denselben  gleichsam  umsäumen,  sich  nach  hinten  zu 
verlängern  und  an  seiner  Spitze  einen  kleinen  pinselartigen  Büschel 
bilden.  Die  Füsse  sind  mit  sehr  feinen  kurzen  Haaren  besetzt ,  die 
Krallen  ziemlich  stark  gekrümmt.  Die  Körperbehaarung  ist  dicht, 
kurz,  sehr  weich,  etwas  filzig  und  beinahe  völlig  glanzlos.  Die 
Schnurren  sind  zahlreich  und  lang,  bis  an  die  Oiiren  reichend,  und  die 
längsten  derselben  erreichen  eine  Länge  von  8'". 

Die  Färbung  des  Körpers  ist  einfarbig  dunkel  schiefergrau,  auf 
der  Oberseite  schwach  braunröthlich  überflogen,  nach  unten  zu  all- 
mählig  lichter  werdend  und  auf  der  Unterseite  rein  schiefergrau,  an 
der  Oberlippe  aber  in"s  Weißliche  ziehend.  Der  Schwanz  ist  oben 
dunkelbraun  oder  schwärzlich,  unten  weißlicii.  Die  Füsse  sind  weiß- 
gelblich  behaart,  mit  durchschimmernder  blaßröthlicher  Hautfarbe; 
die  Schienheine  der  Hinterlüsse  bis  an  das  Fersengelenk  an  der 
Ausenseite  dunkelbraun.  Die  Krallen  sind  weißlich  hornfarben,  die 
Schnurren  weißlich,  und  nur  einige  wenige  derselben  gegen  die 
Wurzel  hin  schwärzlich. 

Korperlänge      ....     2"  9" —2"  10".  Nach  Seh inz. 

Länge  des  Schwanzes   .     2"  3" — 2"    8'". 

Körperlänge      ....    2"  T'/a'".  Nach  Selys-Longehamps. 


480  Fit/,  in -Hr. 

Länge  des  Schwanzes  ...     2'     ß'/a"'- 

Kürperlänge 2"  10'".  Nach  Wagner. 

Länge  des  Schwanzes  ...     2"    6'". 

Körperlänge 3''.     N.  Geniniinger  u.  Fahrer. 

Länge  des  Schwanzes  .    .    .     2"  10'". 

Schulterhöhe    ....     •    .     1"    4  '. 

Entfernung  der  Augen  von  der 

Rüsselspitze ö'". 

Entfernung  der  Augen  von  den 

Ohren 7'". 

Vaterland.  Die  Schweiz,  Tirol,  Süd-Baiern,  Berchtesgaden 
und  Salzburg,  wo  diese  Art  in  den  dortigen  Alpen  auf  Wiesentriften 
in  der  Nähe  von  Bächen  vorkommt,  in  den  Bergen  l)is  zu  einer  ziem- 
lich bedeutenden  Höhe  emporsteigt  und  sich  gerne  in  Heuschobern 
aufhält.  In  der  Schweiz  sind  es  vorzüglich  das  Urserenthal  und  der 
St.  Gotthard,  wo  dieselbe  angetroffen  wird.  Sie  wurde  von  Nager 
im  Urserenthale  entdeckt  und  von  Schinz  zuerst  beschrieben. 
Dr.  Held  traf  sie  später  auch  hei  Partenkirchen  in  Süd-Baiern  und 
dessen  Sohn  Professor  Held  bei  Berchtesgaden.  Wahrscheinlich 
ist  sie  auch  in  ^\t'n  österreichischen  oh  der  ennsischen  Alpen,  so 
wie  auch  in  den  Alpen  von  Kärnthen  und  Krain  verbreitet. 

2.  Die  zininitgelbe  Spitzmaas  (Sorex  Antinorii). 
S.  nnicolor  pallkle  flavcsceute-cinnamomeiis ;  gastraeo  pariim 
(lilutiore;  cauda  temd,  tetragonn,  corpore  pmdlo  longiorc ;  nuri- 
cidis  ex  vellere  promimdis. 

Sore.v  Antinorii.  Bonaparte.   Iconograf.  della  Fauna    ital.    t.    18. 
fig.  4. 
Reichen  b.     Naturg.    Raubth.    S.    338,    384. 
fig.  722. 
Crocidura   Antinorii.    Reichen  l>.    Naturg.   Iiaiiblli.  S.    338.    384. 

(ig.  722. 
Sorex  Antinorii.   Wagn.  Schreber  Säugth.    Suppl.   B.  V.  S.  345. 
Note  1. 
„      fdpinus.  Jim.   Blas.   Fauna  v.  Deutsch!.  S.  löO. 

„       Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  802. 

Eine    der  Alpen-Spitzmaus   (S.    alpinusj   nahe   siehende  Art, 

welche  sich  aber  nicht  nur  durch  die  geringere  Körpergröße,  die  aus 


Kiilische  UiUersuchimscii  iiln'r  die  S|>i(/.m:inse  (Snikes)  etc.  48  1 

dem  Pelze  etwas  weiter  liervorragenden  Ohren  und  den  heträelitlicli 
längeren  Schwanz,  sondern  auch  durch  die  völlig  verschiedene 
Färbung  von  derselben  unterscheidet. 

Der  Kopf  ist  gestreckt,  der  Rüssel  lang  und  spitz.  Die  Ohren 
ragen  sehr  deutlich  aus  den  Haaren  hervor  und  der  Schwanz,  welcher 
etwas  länger  als  der  Kitrper  ist,  ist  dünn,  vierseitig,  und  mit  kurzen 
anliegenden  Haaren  besetzt.  Die  Schnurren  sind  lang. 

Die  Färbung  ist  einfarbig  hellgelblich-  zimmtlarben,  auf  der 
Unterseite  etwas  lichter. 

Körperlänge 1"   11'" 

Länge  des  Schwanzes 2". 

Vaterland.  Wahrscheinlich  Piemont  oder  Savoyen. 

Prinz  Bon*aparte  stellte  diese  Art  nach  einem  im  Turiner 
Museum  betindlichen  ausgestopften  Exemplare  auf,  dessen  Heimat 
nicht  bekannt  war.  Daß  an  eine  Zusammengehörigkeit  mit  der  ge- 
meinen Spitzmaus  (S.  vulgaris)  nicht  zu  denken  ist,  geht  —  ab- 
gesehen von  der  verschiedenen  Färbung  —  schon  aus  der  weit 
größeren  Schwanzlänge  hervor.  Blasius  ist  geneigt,  diese  Form 
für  ein  junges,  ausgehleichtes  Exemplar  der  Alpen-Spitzmaus  (S.  <d- 
pinus)  zu  betrachten;  doch  auch  dieser  Annahme  widersprechen 
die  bereits  oben  angeführten  Unterschiede,  und  wir  sind  daher  be- 
rechtiget, in  so  lange  wir  nicht  kräftigere  Beweise  für  die  Richtigkeit 
dieser  vermutheten  Identität  erhalten ,  diese  Form  einstweilen  für 
eine  selbstständige  Art  zu  betrachten. 

3.  Die  gemeine  Spitzmaos  (Sorex  vulgaris). 

S.  notaeo  obscnre  rufo-fiisco  vel  castaneo,  aut  interdnm  iiigro- 
fnsco ,  lateribus  abrupte  pallide  fuscescentibus ,  nomiunquam 
cinereo-flavidn-lavatis,  gastraeo  cinerascente-alhido,  flavido-  vel 
fuscescente-lavuto ,  labiis  albidis;  pcdibus  brunuescentibus ;  cauda 
supra  obscnre  fusca,  infra  bruuneo-flava,  nitore  violaceo,  crassius- 
cula,  indistinde  tetragona  vel  tereti,  fere  2/3  corporis  longitudine, 
vel  dimidio  corpore  pnidlo  longiore.  aut  breviore;  auricuUs  parum 
(W  vellere  promitwidibas. 

M'jyalrj.  Aelian.   De  Natura  anim.  Lib.  II.  c.  37. 
Mus  araneus.  Gesner.  Hist.  anim.  Lib.  1.  de  Quadrnj».  p.  844.  c.  fig. 
„  „         S  c  h  w  e  n  c  k  f.  Theriotr.  p.  1 1 4. 


«i  O  ^  Fit  /.  i  II  i;  »■  r. 

Mus  iiraneuü.  Aj^ricola.   Aiiim.  siiliterr.  p.  35. 

„         Aldrov.  Quadrup.  digit.  p.  441.  flg.  p.  442. 
Mützer,  Sintzmaus.  Gesiier.  Thiei'b.  S.  271.  m.  ^\g. 
Mus  arimeus.  Charlel.  Exercit.  p.  25. 

„  „         Rajus.  Syiiops.  quadrup.  p.  239. 

Sorex.  L  i  ii  n  ('.  Syst.  nat.  Edit.  II.  p.  48. 

„       Linne.  Fauna  Suec.  Edit.  I.  p.  II.  Ni-.  33. 
Linne.  Syst.  nat.  Edit.  VI.  p.  10.  Nr.  1. 
Mus  Araneus,  rostro  productiore.  Klein.  Quadrup.  p.  58. 
Sorcv.  Shreio-mouse.  Hill.  Hist.  anim.  p.  522. 

„      vulgaris.  Linne.  Mus.  Ad.  Fi-id.  T.  I.  p.  10. 
Mus  (iraneus.  Jon  st.  Quadrup.  p.  168.  t.  60. 
Musurnnens  supra    ex  fusco   rnfus,    infra    albicans.    Brisson. 

Regne  anim.  p.  178.  Nr.  1. 
Sorex  Nr.  1.  Krämer.  Elench,  anim.  Austr.  p.  317.  Nr.  1. 
Spitzmaus.  Hai  1er.  Naturg.  d.  Thiere.  S.  435. 
Sor ex  Araneus.  Linne.  Syst.  nat.  Edit.  X.  T.  I.  p.  53.  Nr.  1. 
Musaraigne.  Di  ct.  des  anim.  V.  III.  p.  202. 
Spitsmuis.  Houtt.  Nat.  hist.  V.  II.  p.  312.  t.  17.  fig.  3. 
Surex  Araneus.  Linne.  Fauna  Suec.  Edit.  H.  p.  9.  Nr.  24. 
Angel-Muus.  Pontoppid.  Danske  Atl.  V.  I.  p.  613. 
Shrew  Mause.   Penn.  Hrit.  Zool.  p.  54.  c.  fig. 
Sor  ex  Araneus.  Linne.  Syst.  nat.  Edit.  XII.  T.  I.  P.  I.  p.  74.  Nr.  5. 
Musaraigne.  Bomare.  Dict.  d'hist.  nat.  T.  III.  p.  172. 
Foetid  Shrew.  Forster.  Philos.  Transact.  V.  LXIL  p.  380. 

Penn.  Synops.  Quadrup.  p.  307.  Nr.  235. 
Spitzmaus.  Müller.  Natursyst.  B.  L  S.  302.  t.  17.  fig.  3. 
Surex  tetrugonurus.  Hermann.  Schreber  Säugth.  B.  III.  t.  159.  B. 

„      Araneus.  Müller.  Zool.  Dan.  p.  4.  Nr.  19. 

Erxleb.  Syst.  regn.  anim.  P.  L  p.  126.  Nr.  7. 

„      tetragonurus.  Z immer m.    Geogr.  Gesch.  d.  Mensch,  u.  d. 
Thiere.  B.  IL  S.  383.  Nr.  312. 
Square  tailed  shrew.  Penn.  Hist.  of  Quadrup.  V.  II.  p.  228. 
Sorex  tetragonurus.  Hermann.  Tab.  allin.  ji.  79.  Nota. 

„      Araneus.  Boddaert.  Elench.  anim.  V.  I.  p.  123.  Nr.  1. 

„      tetragonurus.  Boddaert.  Elench.  anim.  V.  I.  p.  123.  Nr.  3. 

„      Araneus.  Gmelin.  Linne.  Syst.  nat.  T.  I.  P.  I.  p.  114.  Nr.  5. 
Gemeine  Spizmaus.  Schrank.  Fauna  Boica.  B.  I.  S.  60.  Nr.  19, 


Kritisi-lic  riifcr.sii«'liiiiii:<>ii  iilicr  die  Siiilziniiiisc  (Sorircs)  efe.  4rOO 

Wdsser-Spizmnm?  Schrank.  Fauna  Boica.  H.  I.  8.  GO.  Nr.  2(1. 
Square  taiied  shrew.  Shaw.  Gen,  Zool.  V.  I.  P.  II.  p.  537. 
Common  sltrew.  Shaw.  Gen.  Zool.  V.  I.  P.  II.  p.  537. 
Spilzmana  mit  vierseitigem  Schwänze.  Rechst.    Naturtif.  Deutsch). 

B.  I.  S.  883. 
Grabende  Spitzmaus?  Rechst.  Naturg.  Deutschi.  R.  I.  S.  883. 
Sorex  tctra(jonnrus.   Hermann.  Ohserv.  zool.  T.  I.  p.  48. 
„      Araneus.  II liger.  Prodrom,  p.  125. 
„      tetraf/onurus.    Geoffr.  Ann.  du  Mus.  V.  XVII.  p.  177.  Nr.  3. 

t.  2.  fig.  3. 
„  „  Des  mar,    Nouv.    Dict.   d'hist.  nat,  V,   XXII. 

p,  63.  Nr.  3. 
Des  mar.  Mammal.  p.  150.  Nr.  234. 
Encycl.  meth.  t.  29.  fig,  2. 

Sorex  tetragotiurus.    Fr.    Cuv.     Dict.    des   Sc,    nat.    V.   XXXIII. 
p.  425.  Nr.  3. 
Isid.  Geoffr.  Dict.  class.  V.  XI.  p.  320. 
„  „  Gloger.     Nov.    Act.     Acad.     Nat.    Curios. 

V.  XIII.  P.  II.  p.  491. 
„  „  Tuv.  Regne  anim.  Edit.  II.  V.  I.  p.  127. 

„       Daulxntonii.  Cuv.  Regne  anim.  Edit.  II.  V.  I.  p.  127. 
„        tetragonurus.   Griffith.  Anim.  Kingd.  V.  V.  p.  293.  Nr.  3. 
„  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  253,  580.  Nr.  5. 

„       araneus.  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  254.  Nr.  6. 

Wagl.  Syst.  d.  Amphih.  S.  14. 
„        constrictus.  Fitz.    Fauna.  Reitr.   z.  Landesk.  Österr.    R.   I. 

S.  295. 
„        araneus.   Melchior.  Danske  Patt.   p.  ß9. 

Nilss.  Illum.  fig.  Fase.  16.  t.  \\2. 
„        vulgaris.  Nilss.   Skand.  Fauua.   V.  I.  p.  75. 
„        tetragonurus.  Gloger.   Säugeth.  Schles.   S.  7. 
„  „  Zawadzki.  Galiz.  Fauna.  S.  18. 

„       Daubentonii.    Raillon.  Catal. 
„       araneus.  Rell.  Rrit.  Quadrup.  [».  109.  c.  fig, 
Corsira  vulgaris.  Gray.  Proeeed.  of  the  Zool.  Soc.  V,  V.  (1837.) 

p.  124. 
Amphisore.v  tetragonurus.  Jenyns.  Ann.  of  Nat.  Hist,  V.  I.  p.  423, 

—  y.  II.  p.  326. 


484  P  i  I /.  i  n  -  e  r. 

Sore.v   vulgaris.   Jeiiyns.    Magaz.    of  Zool,   aiul  Bot.  V.  II.   t.    1. 
fig.  2. 
Nathiis.  Wiegm.  Ai-ch.  B.  IV.  Th.  I.  S.  4S. 
Amphisore.i'  frfrar/()?ntri(s.  Duvei'n.    Mem.  de  la  Soc.  d'hist.  iiat. 

d.  Strasbourg.  V.  IL  p.  19.  t.  1.  fig.  2. 
—  V.  II.  Siippl.  3.  p.  4. 
Sorex  vulgaris.  Lenz.  Naturg.  B.  I.   S.  78. 

Jenyns.  Ann.  of  Nat.  Bist.  V.  II.  Nr.  329. 
„      tetrugonurus.  Selys  Longch.  Micromammal.  p.  18. 
„  „  Selys  Longch.  Faune  beige,  p.  2S. 

„      araneus.   Bon  aparte.    Iconograf.   della  Fauna   ital.    t.  18. 

fig.  1,  2. 
„      vulgaris.  Keys.  Blas.  Wirbelth.  Europ.  S.  17.  Nr.  111.  — 

S.  59. 
„  „         Wagn.    Schreber  Säugth.    Suppl.    B.  II.    S.  30. 

Nr.  3. 
Sundev.  Vetensk.  Akad.  Handl.  1842.  p.  183. 
Corsira  vulgaris.  Gray.  Manimal.  of  tlie  Brit.  Mus.  p.  79. 
So7'ea^  tctragonnrus.  Bei  eben  b.  Naturg.  Raubth.  fig.  483. 

vulgaris.   Reich  enb.    Naturg.   Raubth.    S.  344.    fig.  484, 
485. 
„  „         Middend.   Sibir.  Reise.  Säugeth.   S.  76. 

„  „         Geniininger,  Fahrer.  Fauna  Boica.  t.  8.  b. 

Wagner.    Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  544. 

Nr.  5. 
Fitz.  Naturg.  Säugeth.  B.  I.  S.  422.  fig.  81. 
„  „        Giebel.  Säugeth.  S.  900. 

Amphisorex  vulgaris.  Giebel.  Säugeth.  S.  900. 

Diese  höchst  ausgezeiclinete  und  unter  den  europäischen  Formen 
sehr  leicht  zu  erkiMinende  Ai-t,  w  eiche  als  der  Typus  dieser  Gattung 
angesehen  werden  kann,  ist  nahezu  von  der  Größe  der  Haus- 
Wimperschwanzsjtilzniaus  (Crocidura  aranea) ,  in  der  Regel  aber 
immer  etwas  kleiner. 

Die  Schnauze  ist  minder  scbmäclilig  als  bei  dieser,  und  ver- 
hältnißmäßig  etwas  breit,  die  Oberlippe  bisweilen  ziemlich  ange- 
schwollen und  das  llaar  über  der  Nasenwurzel  bei  alten  Männchen 
gewöhnlich  etwas  aulgericbtet  oder  gesträubt.  Die  Ohren  sind  kurz, 
nur  wenig  aus  dem  Pelze  hervorragend  und  beinahe  in  demselben 


Kritische  Uiilersuchiiiiy^eii  über  die  Spilz-iiiüiise  (Surives)  etc.  4o5 

versteckt.  Die  Augen  stehen  in  der  Mitte  zwischen  der  Hüsselspilze 
und  der  Ohrüffnung.  Der  Schwanz,  dessen  Länge  nahezu  an  3/3  der 
Korperlänge,  hei  gewissen  Abänderungen  aber  auch  nur  etwas  mehr 
oder  weniger  als  die  Flälfte  derselben  beträgt,  ist  schwach  vierkantig, 
oder  auch  gerundet,  schlank,  fast  seiner  ganzen  Länge  nach  von 
gleicher  Dicke,  oder  nur  in  der  Mitte  bisweilen  etwas  dicker,  blos  an 
der  Spitze  schwach  verdünnt,  und  bei  jungen  Thiereu  dicht  mit 
kurzen  anliegenden  und  am  Ende  einen  kleinen  Pinsel  bildenden 
feinen  Haaren  besetzt,  so  daß  die  Schwanzringe  nur  wenig  sichtbar 
sind,  bei  sehr  alten  aber  beinahe  völlig  kahl.  Die  Füsse  sind  ver- 
hältnißmäßig  etwas  stark,  besonders  aber  die  Vorderl'üsse,  die  Zehen 
an  den  Seiten  mit  sehr  kurzen  und  nur  wenig  bemerkbaren  Haaren 
besetzt.  Die  Schnurren  sind  ziemlich  lang.  Die  Schneiden  und 
Spitzen  der  Zähne  sind  in  der  ersten  Jugend  schwarzbraun,  welche 
Färbung  bei  zunehmendem  Alter  in  Folge  der  Abnützung  sowohl  an 
Intensität,  als  auch  an  Ausdehnung  abnimmt,  in  Rothbraun  oder 
späterhin  in  Rothgelb  oder  Bräunlichgelb  übergehl  und  im  hohen 
Alter  bisweilen  ganz  verschwindet. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  dunkel  roth-  oder  kastanienbraun, 
bisweilen  aber  auch  schwarzbraun;  die  Leibesseiten  sind  ziemlich 
scharf  von  der  Rückenfarbe  abgeschnitten,  hellbräunlich  und  nicht 
selten  graugelb  überflogen.  Die  Unterseite  des  Körpers  ist  graulich- 
weiß, mit  gelblichem  oder  bräunlichem  Anfluge,  besonders  aber 
gegen  die  Leibesseiten  hin.  Diese  Verschiedenheit  in  der  Färbung 
ist  nur  durch  die  Farbe  der  Haarspitzen  bedingt,  da  sämmtliche 
Haare  an  der  Wurzel  dunkelgrau  sind.  Der  Schwanz  ist  oben 
dunkelbraun,  unten  bräunlichgelb,  häufig  mit  hell  violett-glänzendem 
Anfluge.  Die  Füsse  sind  bräunlich,  die  Zehen  etwas  heller  gefärbt. 
Die  Lippen  sind  weißlich,  die  Schnurren  schwärzlich. 

Körperlänge    .:....     2"    7'".  Nach  Duvernoy. 

Länge  des  Schwanzes    .    .     1"    8'". 

Körperlänge 2"    7'".     „      Etienne  Geoffroy. 

Länge  des  Schwanzes     ,    .     1"     6'". 

Körperlänge 2"    8'".     „      Wagner. 

Länge  des  Schwanzes    .    .     1"    9'". 

Körperlänge 2"    9'"  —  3".  N.  Gemm.  u.  Fahr. 

Länge  des  Schwanzes     .    .     1"     6'"  —  1"  7'". 
„      des  Kopfes       .    .    .  IO2/3'". 


486 


F  i  f  z  i  II  "■  e  r. 


Länge  des  Rumpfes 1"  10'//". 

Schultei'hühe ^i/^"'. 

Kreuzhülle 8'/.'". 

Entfernung  der  Augen  von  der 

Rüsselspitze 4'/./". 

Entfernung     der     Augen     vom 

hinteren  Ohrrande    ....  t>'/^"'. 

Länge    des    Vorderfuües    ein- 

schliefJilich  der  Mltlelkralle   .  4'". 

Länge     des     Hinterfußes    ein- 

schließlicli  der  Mittelkralie    .  (>'". 

Länge  der  Sehnurren    ....  '/..' — '^"'■ 

^^'lterland.  Nord-  und  Mittel-Europa  und  Nord-Asien.  Wir 
kennen  diese  Art  his  jetzt  aus  Österreich,  Galizien ,  Schlesien, 
Deutschland,  Sachsen,  Baiern,  Würtemherg,  Elsaß,  Frankreich, 
der  Lomhardie,  Belgien,  Dänemark,  England,  Schweden,  Rußland 
und  Siliirien,  wo  sie  sich  his  an  die  Küste  des  Ochotskischen  Meeres 
erstreckt  und  nordwärts  his  zum  71.  Grade  reicht.  In  Deutschland 
ist  sie  sehr  gemein,  und  in  England  sind  es  mehr  die  moorigen 
Gegenden,  welche  ihr  zum  Aufenthalte  dienen. 

Duvernoy,  welcher  die  He rma  nn "sehen  Original-Exemplare 
im  Straßhuiger  Museum  zu  untersuchen  Gelegenheit  hatte,  bemerkt, 
daß  er  die  von  Hermann  angegehene  schwarzgraue  Färbung  an 
denselben  nicht  getrotreii.  Ohne  Zweifel  waren  jene  Exemplare 
längst  verbleichl. 

3  (1.   Die  dickst'hwilnzlge  gemrine  vSpitzmaus  (Sorex  vulgaris, 
nunculariusj. 

S.  i'ii/i/aris,  HÜjro-f'uscfis,  gastraeo  pnllU/iore ;  caiida  paiil/o 
iiUfd  i'el  f'eve  -/■.  corporis  loiigitudine,  hasi  npiceqnc  parioii 
npplfHKifa,  teiniiore,  medio  lereti,  iiwrassatn :  dcntibus  primorihus 
flarcsceiitibuH. 

Sorrx  fodiois.  Bechst.    Naturg.  Deutsclil.  Aiitl.  1.   H.  111.   S.  73(5. 
..       Ereniita.   Bechst.  Abbild.  Cent.  II.   S.  22.   t.  14. 
Meyer.   Zool.  Ann.   15.  I.    S.  323. 
Grabende  Spifznutas.  Sorc.vcniiicularius.  B e c h  s  t.  Naturg.  Deutschi. 

B.  I.  S.  879. 


Kritische  Uiifersiicliuiiiren  i'lher  ilif  S|)itzmäiise  fSoricfs)  etc  4o  ( 

Sorex  mnstrictus.  Geoffr.  Ami.  du  Mus.  V.  XVII.  \\.  178.  Nr.  4. 
t.  3.  fig.  1. 
Des  mar.  Nouv.  Dict.  (I'hisl.  iiat.  V.  XXII.  |..  68. 

Nr.  4. 
Desniar.   Mainmal.   p.  151.  Nr.  235. 
Eiicycl.  metli.  Suppl.  t.  4.  fig.  6. 

Sorex  constrictm.  Fr.  Cuv.  L)ict.  des  Sc.  uat.  V.  XXXIII.  p.  420. 
Nr.  4. 
Isid.  Geoffr.  Dict.  class.   V.  XI.   p.  320. 
„      Danbeutunii  Cuv.  Regne  anim.  Edit.  II,  V.  I.  p.  127. 
,.      coNsfn'ctus.  Griffitli.    Anim.  Kingd.  V.  V.  p.  293.   Nr.  3. 
Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  253,  580.   Nr.  4. 
„      ciinicularins.  Jäger.  Würtemb.  Fauna.  S.  13. 
„       constrictiia.   Fitz.    Fauna.   Beitr.    z.    Landesk.   Österr.    B.  l 

S.  295. 
„      Hermanni.     Holandre.     Faune    du    Uep.     de     la    Moselle. 

(1836.) 
„       vulytiriH.  Nathus.    Wiegni.  Arcli.   B.  IV.   Tli.  I.   S.  45. 

■      „         Viir.  Wagn.  Schreher  Säugtli.  Suppl.  B.  II.  S.  56. 
N.  3.  Note  13. 
Corslra  vulgaris.   Gray.  Mammal.  of  the  Brit.  Mus.   p.  79. 
Sorex  cuhjarh.   Beichenb.  Naturg.  Raubtli.   S.  344. 

Wagn.    Schreber  Säugtb.  Suppl.    B.  V.    S.  544. 

Nr.  5. 
Giebel.  Säugetb.  S.  900. 
Amphisorex  vulgaris.   Giebel.  Säugetb.  S.  900. 

Die  Merkmale,  welebe  dieser  in  Deutschland  und  insbesondere 
in  Thüringen,  so  wie  auch  in  Frankreich  vorkommenden  Form  eigen 
sein  sollen,  sind  den  Beschreibungen  Bechstein's  und  Etienne 
Geoffroy's  zufolge,  welche  uns  mit  derselben  bekannt  gemacht 
haben,  nachstehende. 

Der  Rüssel  ist  nicht  sehr  lang,  etwas  verdickt  und  ziemlich  stark 
behaart.  Die  Augen  sind  verhältnißmäßig  nicht  besonders  klein.  Die 
Ohren  sind  kurz,  nur  sehr  wenig  aus  dem  Pelze  bervorragenti  und 
beinahe  völlig  in  demselben  versteckt.  Der  Schwanz,  dessen  Länge 
etwas  über  oder  auch  nur  nahezu  an  ~/s  der  Körperlänge  einnimmt, 
ist  an  der  Wurzel  und  der  Spitze  etwas  abgeflacht  und  dünner,  in 
der  Mitte  gerundet  und  verdickt. 


488  Fitzinger, 

Die  Färhung  iles  Körpers  ist  schwarzhraui),  auf  der  Unterseite 
heller.   Die  Vorderzähne  sind  gelLIicli. 

Körperlänge 3"  3'".   Nach  Üechstein. 

Länge  des  Schwanzes  .    .     2"  3'". 

Körperlänge 2"  T".     „     Et.  Geoffroy. 

Länge  des  Schwanzes  .    .     1"  6". 

Geoffroy  glaubte  in  dieser  Form  llerniann's  „Sorex  con- 
strictus''  erkennen  zu  sollen,  welcher  Ansicht  die  meisten  älteren 
N^aturforscher  beitraten,  obgleich  dieselbe  einer  durchaus  verschie- 
denen Gattung,  nämlich  der  Gattung  Wasserspitzmaus  (Crossopus) 
angehört,  und  erst  Nathusius  wies  ihre  Zusammengehörigkeit  mit 
der  gemeinen  Spitzmaus  (S.  vulgaris)  nach,  welcher  Behauptung 
sich  alle  neueren  Zoologen  anschlössen. 

Offenbar  sind  es  auch  nur  die  Schwanzform  und  hauptsächlich 
die  Färbung,  welche  sie  von  derselben  als  eine  Abänderung  unter- 
scheiden lassen. 

Über  die  Identität  der  von  Bechstei  n  unter  drei  verschiedenen 
Namen  aufgeführten  Formen  kann  den  Untersuchungen  von  Nathu- 
sius zufolge  wohl  kaum  ein  Zweifel  bestehen  und  er  sowohl,  als 
auch  Wagner  vereinigen  dieselben  unbedingt  mit  der  gemeinen 
Spitzmaus  (S.  vulgaris),  obgleich  die  Bechstein 'sehen  Beschrei- 
bungen nicht  ganz  mit  den  Merkmalen  dieser  Art  übereinstimmen. 
Überhaupt  gewinnt  es  den  Anschein,  daß  die  Bechstein'schen 
Angaben  nicht  sehr  genau  seien,  da  Nathusius  unter  Hunderten 
von  Spitzmäusen,  die  er  aus  Thüringen  erhielt,  kein  einziges  Indivi- 
duum traf,  das  vollständig  mit  den  Bechs  tein'schen  Beschreibungen 
übereingestimmt  hätte. 

3  h.  Oift  fahle  gemciue  Spitzmaus  (Sorex  vulgaris,  palUdus). 

S.   vulgaris,    unicolor  pallide  e.v  flavescente-cinnamomeus, 
gastraeo  parum  pallidiore ;  cauda  teuui,  fere  Vs  corporis  longi- 
tudine;  auriciilis  parum  e.v  vidiere  promhmUs. 
Sorex.  .  .  ?  Bon  aparte.  Iconograf.  della  Fauna  ital.  t.  18.  lig.  5. 
„      Antinorii?    Reichenb.    Naturg.    Raubth.     S.    338,    384. 
lig.  723. 
Crocidura  Antinorii?   Reichenb.    Naturg.  Raubth.    S.  338,  384. 
fiif.  723. 


Kritische  Untersucliuiigeii  iiher  die  äplt;eiiiäuse  (SuricenJ  etc.  489 

Diese  Fofiii  ist  tms  bis  jetzt  nur  juis  einer  Abbildung  und  einer 
derselben  beigefügten  sehr  kurzen  Notiz  bekannt,  welche  Prinz 
Hon;q>arte  von  derselben  ohne  Angabe  ihres  Fundortes  uns  mit- 
golheilt  hat. 

Er  vergleicht  sie  mit  seiner  zinnntgelben  Spitzmaus  (^S.  Anti- 
uorii),  mit  welcher  sie  zwar  bezüglich  ihrer  Körpertbrni  und  Farbe 
übereinkommt,  aber  durch  den  beträchtlich  kürzeren  Schwanz  auf- 
fallend von  derselben  verschieden  ist,  und  bezeichnet  sie  als  „un 
giovine  d'  incerta  specie". 

So  viel  sich  aus  der  Abbildung  entnehmen  läßt,  ist  sie  noch  um 
ein  Drittel  kleiner  als  die  genannte  Art;  ihre  Ohren  ragen  nur  wenig 
aus  dem  Pelze  hervor,  der  Schwanz  ist  düini  und  seine  Länge  beträgt 
nicht  mehr  als  nahe  an  ^/g  der  Körperlänge. 

Die  Färbung  ist  einfarbig  hell  gelblich -zimmtfarben,  auf  der 
Unterseite  etwas  heller. 

Aller  Wahrscheinlichkeit  nach  beruht  diese  Form,  welche  ohne 
Zweifel  italienischen  Ursprunges  ist,  nur  auf  einer  Farbenabänderung 
der  gemeinen  Spitzmaus  (^S.  vulgaris)',  doch  können  hierüber  erst 
spätere  genauere  Untersuchungen  näheren  Aufschluß  geben. 

3  c.  Die  düuuschDUDzige  gemeine  Spitzniaas  (Sorex  vulgaris, 
coronatus). 

S.  vulgaris,  saturate  rufo-fuscus  ;  rostro  longo,  tenui,  macula 
ohscuriore  ah  apice  ejus  ad  sinciput  usque  protema. 
Sorea;  coronatus.  Millet.   Faune  de  Maine  et  Loire,  t.  l.   tig.  1. 
Millet.  Bullet,  des  Sc.  nat.  V.  XVIII.  p.  97. 
„  ,,  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  580.  Nr.  3.  a. 

„      vulgaris.    Var.  Nathus.  Wiegm.  Arch.  B.  IV.  Th.  I.  S.  4S. 
„     Beichenb.  Naturg.  Baubth.  S.  344. 
Der  Bussel  ist  lang  und  dünn,    verhältnißmäßig  länger   und 
schmächtiger  als  bei  den  meisten  übrigen  europäischen  Spitzmaus- 
formen. Der  Schwanz  ist  vierkantig. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  tief  rothbraun  und  ein  dunkler 
gefärbter  Flecken  erstreckt  sich  von  der  Büsselspitze  bis  zum  Vorder- 
theile  des  Oberkopfes. 

Auf  diese  wenigen  Worte  beschränkt  sich  die  ganze  Charakte- 
ristik, welche  Millet  von  dieser  in  den  trockenen  sandigen  Gegenden 
des  Departements  der  Maine  und  Loire  in  Frankreich  vorkommenden 

Sitzh.  (1.  mafheni.-nitturw.  Gl.  LVII.  Bd.  I.  Abth.  32 


490  Kit/,  inger 

und  von  Courtille  in  der  Umgegend  von  ßlou  aufgefundenen  Spitz- 
mausform gegeben  hat. 

Nathusius  ist  der  Ansicht,  daß  dieselbe  nur  eine  Abänderung 
der  gemeinen  Spitzmaus  {S.  vulgaris)  darstelle,  und  in  der  That 
seheint  dieselbe  auch  vollkommen  begründet  zu  sein. 

3  d.  Die  kastanienbraune  gemeine  Spitzmaus  (Sorex  vulgaris, 
castaneus). 

S.  vulgaris,  unicolor ,  notaeo  obscure  castaneo,  gastraeo 
pallidiore. 

Sorex  castaneus.  Jenyns.   Ann.  of  Nat.  Hist.   Vol.  I.  p.  424.   — 
V.  II.  p.  43. 
„  „  Jenyns.  Mag.  of  Zool.  and  Bot.   V.  II.  p.  39. 

„      vulgaris.  Var.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  56. 
Nr.  3.  Note  13. 
Corsira  vulgaris'*  Gray.  Mammal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  79. 
Sorex  vulgaris.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  344. 

Giebel.   Säugeth.  S.  900. 
Amphisor ex  vulgaris.  Giebel.  Säugeth.  S.  900. 

Die  Färbung  ist  auf  der  Oberseite  des  Körpers  dunkel  kastanien- 
braun, auf  der  Unterseite  heller. 

In  diesen  wenigen  Worten  ist  die  ganze  Charakteristik  ent- 
halten, welche  Jenyns  von  dieser  in  England  vorkommenden  Form, 
die  er  beschrieben,  gegeben  hat. 

Wagner  erklärt  dieselbe  wohl  mit  Recht  nur  für  eine  Farben- 
abänderung der  gemeinen  Spitzmaus  (S.  vulgaris),  während  Gray 
hierüber  nicht  gewiß  ist. 

3  e.  Die  dickschnanzige  gemeine  Spitzmaus  (Sorex  vulgaris, 
labiosus). 

S.  vulgaris,   capite  longiore,   rostro  postice  latiore,   autice 
obtusiore,  labiis  tumidis ;  pedibus  latioribus,  robustioribus  ;  cauda 
letragona,  densius  pilosa ,  pilis  minus  appressis,  fere  Vs  corporis 
longitudine. 
Sorex  labiosus.  Jenyns.  Ann.  of  Nat.  Hist.  V.  II.  p.  326. 

„      vulgaris.  Var.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B,  II.  S.  56. 
Nr.  3.  Note  13. 


Kritische  L'iitersuchuiig'eii  über  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  491 

Corsira  vulgaris?  Gray.  Mammal.  of  tlie  Biit.  Mus.  p.  79. 
Sorex  vulgaris.    Wagii.  Schreber  Säugth.  Suppl.    B.  H.    S.  544. 
Nr.  5. 
Giebel.  Säugetb.  S.  900. 
Amphisorex  vulgaris.  Giebel.   Säugetb.   S.  900. 

Die  Kürpergestalt  im  Allgemeinen  ist  jene  der  gemeinen  Spitz- 
maus (S.  vulgaris)  und  auch  die  Größe  ist  nahezu  dieselbe.  Der 
Kopf  ist  aber  verbiiltnißmäßig  länger,  die  Schnauze  vor  den  Augen 
breiter,  an  der  Spitze  stumpfer  und  um  die  Lippen  auch  mehr  ange- 
schwollen. Die  Augen  sind  von  den  Ohren  etwas  mehr  entfernt,  die 
Füsse  sind  merklich  breiter  und  stärker,  und  die  Krallen  verhältniß- 
mäßig  lang.  Der  Schwanz,  welcher  beinahe  2/3  der  Körperlänge  ein- 
nimmt, ist  vierkantig  und  dichter  mit  kurzen,  aber  nicht  so  stark 
anliegenden  Haaren  besetzt.  Der  Schädel  stimmt  in  Bezug  auf  Form 
und  Grüße  beinahe  völlig  mit  jenem  der  genannten  Form  überein  und 
die  Zähne  bieten  durchaus  keinen  Unterschied  von  derselben  dar. 

Auch  die  Färbung  ist  beinahe  dieselbe,  nur  auf  der  Unterseite 
des  Körpers  etwas  dunkler. 

Körperlänge 2"    ßV^'"- 

Länge  des  Schwanzes 1"    8'". 

Entfernung  der  Ohren  von  der  Rüsselspitze  .        10"  . 

„  den  Augen    .    .    .  43/4'". 

Diese  Form  wurde  von  Jenyns  nach  zwei  Exemplaren,  die  in 
der  Umgegend  von  Frankfurt  a/M.  im  Herbste  eingesammelt  wurden, 
beschrieben  und  unter  einigem  Zweifel  als  eine  besondere  Art  auf- 
gestellt. Die  Korpermaaße,  welche  er  von  derselben  angibt,  sind  einem 
Männchen  abgenommen  worden. 

Ahnliche  dickschnauzige  Individuen  der  gemeinen  Spitzmaus 
(S.  vulgaris)  erhielt  Lenz  aus  der  Gegend  von  Schnepfenthal  im 
Fürstenthume  Gotha  und  Wagner  aus  der  Umgebung  von  München. 
Letzterer  erklärt  daher  die  von  Jenyns  beschriebene  Form 
unbedingt  für  eine  Abänderung  der  gemeinen  Spitzmaus  (S.  vulgaris), 
was  auch  die  größte  Wahrscheinlichkeit  für  sich  hat.  Eben  so  ist 
Gray  geneigt,  sie  mit  derselben  zu  vereinigen.  Die  Differenzen, 
welche  sich  zwischen  diesen  beiden  Formen  ergeben ,  beruhen 
vielleicht  nur  auf  einer  Verschiedenheit  des  Alters  oder  des  Ge- 
schlechtes, worüber  jedoch  erst  spätere,  genauere  Untersuchungen 
einen  Aufschluß  geben  müssen. 

32* 


492  Kitzinger. 

3/".    Die  kammnasige  gemeine  Spitzmaas  (Sorex  vulgaris, 
rhinolophns). 

S.  vulgaris,  iiotaeo  nitide  obscure  f'nsco,  lateribus  pallide 
f'uscescentibiis ,  gastraeo  albido ;  cauda  supra  fuscu,  infra  albida, 
dimidio  corpore  parum  longiore ;  rostro  pilis  supra  nasum 
errectis. 

Sorex  rhinoloplius.  Wag).  Isis.  1832.  S.  54. 

„      vulgaris.  Alt.  Mätmch.  Nathus.  Wiegm.  Arch.  B.  IV.  Th.  i. 

S.  45. 
9,  »         «  „         Wagn.     Schreber    Säugth.    Suppl. 

B.  II.  S.  56.  Nr.  3.  Note  13. 
Corsira  vulgaris.  Gray.  Mammal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  79. 
Sore^v  vulgaris.  Alt.  Männch.  Reichenb.  Naturg.  Raiibth.  S.  344. 
„  „  „  „  Gemminge  r,    Fahrer.     Fauna 

boica. 
„       Wagn.    Schreber  Säugth.  Suppl.    B.  V.    S.  544. 
Nr.  5. 
„  „       Giebel.  Säugeth.  S.  900. 

Amphisorex  vulgaris.  Giebel.  Säugeth.  S.  900. 

Der  Schwanz,  welcher  etwas  über  die  halbe  Körperlänge  ein- 
nimmt, ist  dünn,  gerundet  und  dicht  mit  kurzen  anliegenden  Haaren 
besetzt.  Über  der  Nasenwurzel  befindet  sich  ein  kurzer  Streifen 
kammartig  emporgesträubter  Haare. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  glänzend  dunkelbraun ,  die 
Leibesseiten  sind  hellbräunlich  nnd  die  Unterseite  ist  weißlich.  Der 
Schwanz  ist  zweifarbig,  oben  braun  und  unten  weißlich. 

Körperlänge 2"  9'". 

Länge  des  Schwanzes     . 1"  ßi/a  "• 

Dieß  sind  die  Merkmale,  welche  Wag  1er  von  dieser  in  Baiern 
vorkommenden  nnd  von  ihm  für  eine  selbstständige  Art  betrachteten 
Form  uns  mitgetheilt  hat. 

Nathusius,  dessen  sorgfältigen  nnd  gründlichen  Unter- 
suchungen über  die  in  Deutschland  vorkommenden,  der  Familie  der 
Spitzmäuse  angehörigen  Thiere  wir  höchst  wichtige  Aufschlüsse  zu 
verdanken  haben,  erklärt  diese  Form  für  identisch  mit  der  gemeinen 
Spitzmaus  (S.  vulgaris)  und  betrachtet  sie  für  ein  geschlcclifsreifes 
Männchen  dieser  Art,  da  der  kammartig  gesträubte  Haarstreifeii  über 


Kiifisehf  Untersiiohiingen  über  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  49«» 

der  Nasenwurzel  seinen  Erlahrungcn  zufolge  ein  Merkmal  ist,  das 
allt'n  älteren  Männchen,  bei  welchen  der  Drüsenapparat  gehörig 
entwickelt  ist  und  zwar  nicht  nur  dieser,  sondern  auch  anderen 
Arten  und  namentlich  der  Zwerg -Spitzmaus  (S.  pygmaeiis)  zu- 
kommt. 

Die  übrigen  von  Wagler  angegebenen  Merkmale  sind,  mit 
Ausnahme  des  Verhältnisses  der  Schwanzlänge  zum  Körper,  ganz 
ohne  Belang,  und  der  einzige  Unterschied,  welcher  sich  zwischen 
dieser  und  der  typischen  Form  der  gemeinen  Spitzmaus  {S.  vulgaris) 
ergibt,  würde  darin  bestehen,  daß  bei  der  ersteren  der  Schwanz 
etwas  kürzer  ist.  Hierin  stimmt  sie  mit  jener  Form  überein,  welche 
Wagler  mit  dem  Namen  „Sorex  melanodon"^  bezeichnete.  Mir  ist 
dieselbe  auch  aus  Belgien  bekannt. 

3  g.    Die  sehwarzzahuige  gemeine  Spitziiiaas  (^Sorex  vulgaris, 
melanodon). 

S.  vulgaris,  notaeo  nitide  obscure  fusco,  lateribns  dilidioribus, 
gastraeo  albo ;  cauda  supra  f'iisca ,  it/fra  alba,  apice  penicillata^ 
dimidio  corpore  parinn  longiore ;  apicibns  dentium  primorum  nigro- 
fuscis,  caeterum  rufo-fusris. 
Sorex  melanodon.  Wagler.  Isis.  1832.  S.  54. 
„      macrotrichus.  Mehlis.  Mscpt. 
„      melanodon.  Jung.  Mehlis.  Mscpt. 

„      vulgaris.  Jung.    Nathus.  Wiegm.  Arch.  B.  IV.  Th.  I.  S.  45. 
Wagn.  SchreberSäugth.  Suppl.  B.  II.  S.56. 
Nr.  3.  Note  13. 
Corsira  vulgaris.  Gray.  Mammal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  79. 
Sorex  vulgaris.  Jung.  Reiche nb.    Naturg.  Raubth.  S.  344. 
„  „  „       Gemminger,  Fahrer.  Fauna  boica. 

Wagn.    Schreber  Säugth.    Suppl.  B.  V.   S.  544. 
Nr.  5. 
„  „  Giebel.  Säugeth.  S.  900. 

Amphisor ex  vulgaris.  Giebel.  Säugeth.  S.  900. 

Der  Schwanz ,  dessen  Länge  etwas  über  die  halbe  Körperlänge 
einnimmt,  ist  verhältnißmäßig  etwas  dick,  gerundet,  und  mit  kurzen 
anliegenden  Haaren  besetzt,  die  sich  nach  hinten  zu  verlängern  und 
einen  pinseliartigen  Endbüschel  bilden. 


594  Kitziri{rer. 

Die  Färbung  der  Oberseite  des  Körpers  ist  glänzend  dunkelbraun, 
jene  der  Leibesseiten  heller,  die  der  Untertheile  weiß.  Der  Schwanz 
ist  zweifarbig,  oben  braun,  unten  weiß.  Die  Spitzen  der  Vorderzäbne 
sind  braunschwarz,  jene  der  übrigen  Zähne  rothbraun. 

Kürperlänge 2"  9'". 

Länge  des  Schwanzes 1"  63/4'". 

Mit  diesen  Merkmalen  bezeichnet  Wagler  eine  in  Baiern  an- 
getrolTene  Form,  in  welcher  er  eine  eigene  Art  erkennen  zu  sollen 
glaubte. 

Nathusius,  welcher  die  Original-Exemplare  sämmtlicher  von 
Wagler  aufgestellten  Spitzmaus-,  Wimperschwanzspitzmaus-  und 
Wasserspitzmaus-Arten  zu  untersuchen  Gelegenheit  hatte,  spricht  sich 
dahin  aus,  daß  diese  Form  von  der  gemeinen  Spitzmaus  (S.  vulgaris) 
der  Art  nach  nicht  verschieden  sei  und  nur  für  ein  junges  Thier  der- 
selben angesehen  werden  könne,  wie  er  sich  hiervon  durch  ein  ihm 
zugekommenes  Weibchen  dieser  letztgenannten  Art  überzeugen  konnte, 
das  ihm  sammt  den  vollständig  ausgebildeten,  aber  noch  saugenden 
Jungen  überbracht  worden  war.  Nach  den  Erfahrungen,  welche  er 
bei  den  mit  farbigen  Zahnspitzen  versehenen  Spitzmäusen  und 
Wasserspitzmäusen  gemacht,  ist  die  Färbung  dieser  Spitzen  gleich 
nach  dem  Durchbruche  der  Zähne  überaus  dunkel  und  gesättigt,  ja 
selbst  bisweilen  schwarzbraun  und  nimmt  mit  zunehmendem  Alter  so- 
wohl an  Dunkelheit,  als  auch  an  Ausdehnung  immer  mehr  und  mehr 
ab,  oder  verschwindet,  wie  Gemminger  und  Fahrer  angeben  und 
auch  ich  mich  überzeugte,  bisweilen  sogar  gänzlich. 

Sonach  erübriget  nur  das  verschiedene  Verhältniß  zwischen  der 
Länge  des  Körpers  und  des  Schwanzes,  welches  diese  Form  von  der 
typischen  Form  der  gemeinen  Spitzmaus  (S.  vulgaris)  unterscheidet, 
indem  der  Schwanz  bei  der  ersteren  etwas  kürzer  ist.  In  dieser  Be- 
ziehung kommt  sie  aber  ganz  mit  jener  Form  überein,  welche  Wag- 
ler unter  dem  Namen  „Sorex'  rhinolophus"  beschrieb. 

Ob  dieser  Unterschied  aber  him-eichend  ist,  diese  beiden  For- 
men, —  welche  jedenfalls  mit  einander  der  Art  nach  vereiniget 
werden  müssten,  —  specifisch  von  der  gemeinen  Spitzmaus  {S.  vul- 
garis) zu  trennen ,  müssen  erst  spätere  Untersuchungen  darthun. 

Daß  übrigens  auch  die  von  Mehlis  als  „Sorex  macrotriduis'' 
bezeichnete  Form  mitVVagler's  „Sore.v  nieUmot/ofi"  zusammenfalle, 


Kritische  Uiitersucliuiigeii  über  die  Spitzmäuse  (üuricc),/  etc.  495 

wie  tließ  Meli  lis  schon  selbst  vermuthete,  hatNathus  ins  genügend 
dai'getlian.  Genau  dieselbe  Form  kommt  auch  in  Österreich  vor. 

3  li.  Die  karzschwäazige  gemeine  Spitzniaas  (Sorex  vulgaris^ 
conchmus). 

S.  vulgaris,  notaeo  nitide  obscure  fiisco,  luteribus  rufescente- 
fuscis,  gnstraeo  albido  ;  cauda  fere  bicolore,  dimidio  corpore  parum 
breviore ;  npivibus  dentium  primorum  croceis. 
Soreoe  concinnus.  Wagler.  Isis.  1832.  S.  54. 

„      vulgaris.  Nathus.  Wiegm.  Arch.  B.  IV.  Th.  I.  S.  45. 

Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  50.  Nr.  3. 
Note  13. 
Corsira  vulgaris.  Gray.  Mammal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  79. 
Sorex  vulgaris.   Reichenb.   Naturg.  Raubth.  S.  344. 
„  „  Ge mm inger,  Fahrer.  Fauna  boica. 

„  „         Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.V.  p.  544.  Nr.  5. 

Giebel.  Säugeth.  S.  910. 
Amphisorex  vidgaris  Giebel.  Säugeth.  S.  900. 

Der  Schwanz  ist  etwas  kürzer  als  der  halbe  Körper,  gerundet, 
geringelt  und  ziemlich  dicht  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  besetzt. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  glänzend  dunkelbraun;  die  Leibes- 
seiten sind  rüthlichbraun,  die  Unterseite  ist  weißlich.  Der  Schwanz 
ist  beinahe  zweifarbig.   Die  Spitzen  der  Vorderzähne  sind  safrangelb. 

Körperlänge 2"   11". 

Länge  des  Schwanzes 1"     5". 

Auf  diese  Kennzeichen  gründet  Wagler  eine  von  ihm  für 
eine  selbstständige  Art  betrachtete  Form,  welche  er  in  Baiern  an- 
getroffen hat. 

Eine  genaue  Untersuchung,  welche  Nathus  ins  mit  dem 
Wagler  sehen  Original -Exemplare  vorgenommen  hat,  führte  aber 
zu  dem  Resultate,  daß  diese  Form  keineswegs  eine  selbstständige 
Art  darstelle,  sondern  nur  für  eine  Abänderung  der  gemeinen  Spitz- 
maus (^S.  vulgaris)  angesehen  werden  könne. 

In  der  That  besteht  die  Differenz,  welche  sich  zwischen  diesen 
beiden  Formen  ergibt,  auch  nur  in  einer  geringen  Abweichung  in  der 
Färbung,  welche  übrigens  bei  der  gemeinen  Spitzmaus  (S.  vidgaris) 
—  wie  wir  aus  der  Erfahrung  wissen  —  keineswegs  beständig  ist. 


496  F  i  I  /  i  I.  -  e  r. 

und  in  dem  kürzeren  Schwänze ,  welches  letztere  Merkmal  jedoch 
allerdings  einer  größeren  Berücksichtigung  werth  erscheint,  daher 
es  wünsehenswerth  wäre,  wenn  hierauf  hei  späteren  Untersucliungen 
vorzüglich  Bedacht  genommen  werden  würde.  Die  safrangelheFärhung 
der  Spitzen  der  Vorderzähne  kann  nicht  für  ein  Unterscheidungs- 
merknial  gelten,  da  es  thatsächhch  erwiesen  ist,  daß  sich  die  Fär- 
hung  der  Zahnspitzen  in  Folge  der  Almützimg  verändert. 

3  I.    Die  weissschwänzige  gemeine  Spitzmaus  (Sorex  vulgaris, 
leucnrus). 

S.  vulgaris,  uotaeo  f'uscescente ,  gasfraen  albido;  cauda  brevi, 
upicem  versus  alhida. 

Sorex  leucurus.  Shaw.    Gen.  Zoo).  V.  I.  P.  II.  p.  ö38. 
„      constrictus.  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  2ö3.  Nr.  4. 

Unsere  ganze  Kenntniß  von  dieser  Form  heschränkt  sich  auf 
die  überaus  kurze  und  höchst  ungenügende  Beschreibung,  welche 
Shaw  von  derselben  gegeben,  indem  er  sie  in  folgender  Weise 
charakterisirt. 

Oberseite  bräunlich ,  Unterseite  weißlich ;  Schwanz  kurz  und 
gegen  die  Spitze  weißlich. 

Fischer  zieht  sie  zur  dickschwänzigen  gemeinen  Spitzmaus 
(S.  vulgaris,  cunicularinsj ,  von  welcher  sie  sich  jedoch  schon 
durch  den  kürzeren  Schwanz  zu  unterscheiden  scheint. 

Meiner  Ansicht  zufolge  stimmt  sie  weit  mehr  mit  der  kurz- 
scbwänzigen  gemeinen  Spitzmaus  (S.  vulgaris,  anicimins)  überein, 
deren  Schwanz  etwas  kürzer  als  der  halbe  Körper  ist  und  dürfte 
lediglicli  als  eine  Farbenabänderung  derselben  angesehen  werden, 
welche  durch  die  weißliche  Spitze  ihres  wSchwanzes  ausgezeich- 
net ist. 

4.  Die  zArtfüssige  Spitzmaus  (Sore.v  rusticus). 

S.  nnicolor,  cinerco-fuscus,  plus  minusve  rubido-  vel  flavido- 
laoato;    cauda  crassiusculu ,   tereti,   dense  pilosn,   pilix  purum 
appresis,  fere  73  corporis  longitudine;  pedibus  gracilibus ;  uuri- 
culis  vellere  l'ere  absconditis  ;  rostro  longo,  tenui. 
Sorex  nraneus.  Jenyns.  Man.  Brit.  V^ert.  p.  17. 

„      rusticus.  Jenyns.    Ann.    of  Nat.   Hist.    \.    I.    p.   423.   — 
V.  n.  p.  263. 


Kritiselie  Uiitorsiirlniii};i'n  iilier  die  Spitzmäuse  (Soikes)  etc.  497 

Sore.v  hihernicHS.  Jenyiis.    Ann.  of  Nat.  Ilist.    V.  1.    p,  423.  — 
v!  Vit.  p.  263. 
„       imlf/aris.  Wagn.    Schreber  Säiigth.  Siippl.    B.    11.    S.    öS. 
Note  13. 
Corslrn  rustica.  Gray.  Manimal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  79. 
Sore.v  vulgaris.  Reiche nb.  Naturg.  Raiibtb.  S.  344. 

„      riisticm.  Wagn.    Sobivbcr  Sängtli.  Snppl.    B.   V.    S.  544. 

Nr.  5. 
„      vnlgariü.   Var.?    Wagn.    Schreber  Sängth.    Suppl.     B.    V. 

s.  un. 

„       Giebel.  Säugeth.  S.  900. 
Ämphisorex  vulgaris.  Giebel.  Säugeth.  S.  900. 

Eine  mit  der  gemeinen  Spitzmaus  (S.  viiJgarisJ  nahe  verwandte 
Form,  die  sich  außer  der  merklich  geringeren  Größe,  hauptsächlich 
durch  die  dünnere  Schnauze  und  die  schmächtigeren  Füsse  von 
derselben  unterscheidet. 

Die  Schnauze  ist  ziemlich  stark  gestreckt  und  verhältnißmäßig 
dünn.  Die  Ohren  ragen  nur  sehr  wenig  aus  dem  Pelze  hervor  und 
sind  beinahe  völlig  unter  den  Haaren  versteckt.  Der  Schwanz, 
welcher  beinahe  2/3  der  Körperlänge  einnimmt,  ist  nur  von  mäßiger 
Dicke,  gerundet,  gegen  die  Spitze  zu  nicht  verdünnt,  beinahe  walzen- 
förmig und  dicht  mit  kurzen,  aber  niemals  völlig  anliegenden  Haaren 
besetzt,  die  vorzüglich  im  jugendlichen  Zustande  sehr  deutlich 
abstehen.  Die  Füsse  sind  schmächtig. 

Die  Färbung  des  Körpers  ist  auf  der  Ober-  sowohl ,  als  auch 
auf  der  Unterseite  graulichhraun  und  mehr  oder  weniger  röthlicli 
oder  gelblich  übertlogen. 

Körperlänge 2"  2'/2"'. 

Länge  des  Schwanzes 1"  5'". 

Vaterland.  Irland  und  England,  wo  diese  Art  hauptsächlich 
in  trockenen  Gegenden  angetrulTen  wird.  In  England  ist  dieselbe 
aber  bei  Weitem  nicht  so  häufig  als  in  Irland. 

Jenyns  hat  dieselbe  zuerst  beschrieben,  aber  ursprünglich 
irrigerweise  für  die  Haus- Wimperschwanzspitzmaus  (C.  (tranea) 
gehalten.  Wagner  hält  es  ni(;ht  für  unwahrscheinlich,  daß  sie 
vielleicht  doch  nur  eine  Abänderung  der  gemeinen  Spitzmaus  (^S^ 
vulgaris)  sei   und  die  Unterschiede,  welche  sich  zwischen  diesen 


498  Kilziiiger. 

beide»  Formen    ergeben,   bauptsächlicli   diircb    die  Verschiedenheit 
des  Wohnortes  bedingt  sind. 

5.  Die  Zwerg-Spitzmaus  (Sorex  pygmaeus). 

S.  notaeo  obscure  ex  fuscescente-cinereo,  vel  rufescente-fufico, 
nitore    atireo    lavato,     sensim    in   gastraei   colorem    transeunte, 
gastrneo  albido-grheo ;  mento  gulaque  albido;  pedibns  albescen- 
tibus ;  cainla  crassiuscula ,  tereti,  bau  constrictn ,  apicem  versus 
attenuata,  penicilluta,  partim  ultra  %  vel  fere  2/3  corporis  longi- 
tudine ;  auriculis  ex  vellere  jyrominnlis  ;  rostro  longo,  tenui. 
Sorex  minutus.  Linne.    Syst.  nat.  Edit.  XII.    T.  I.    P.  I.    p.   73. 
Nr.  2. 
„      pygmaeus.  Laxmann.  Sibir.  Briefe.  S.  72. 
Pallas.  Reise.  B.  II.  S.  664. 
Minute  shrew.  Penn.  Synops.  Quadrup.  p.  308.  N.  237. 
Zwergmaus.  Müller.  Natursyst.  B.  I.  S.  301. 
Kleinste  geschwänzte  Sibirische  Spitzmaus.    Sehr  eher.    Säugth. 

B.  III.  S.  577.  Nr.  10. 
Sorex  minutus.  Seh  reber.  Säugth.  B.  III.  S.  578.  Nr.  13.  t.  161. 
B.      . 
Erxleb.  Syst.  regn.  anim.  P.  I.  p.  122.  Nr.  2. 
,,      ?  Erxleb.  Syst.  regn.  anim.  B.  I.  p.  130,  is* 
„      minutus.  Zimmerm.  Geogr.  Gesch.  d.  Mensch,  u.  d.  Thiere. 

B.  II.  S.  385.  Nr.  318. 
„      minutissimus.  Zimmerm.    Geogr.  Gesch.  d.  Mensch,  u.  d. 

Thiere.  B.  II.  S.  385.  Nr.  319. 
„      coecutiens.  Lax  mann.    Nova  Acta  Acad.  Petropolit.   V'.  III. 
p.  285. 
Minute  Shrew.  Penn.  Hist.  of  Quadrup.  V.  II.  p.  481.  Nr.  353. 
Sorex  minutus.   Boddaert.   Elencli.  anim.  V.  I.  p.  124.  Nr.  10. 

Gmelin.  Linne  Syst.  nat.  T.  I.  P.  I.  p.  112.  Nr.  2. 
„       exilis.  Gmelin.   Linne  Syst.  nat.  T.  \.  P.  I.  p.  115.  Nr.  11. 
Mi7iute  shretc.  S  h  a  w.  Gen.  Zool.  V.  I.  P.  II.  p.  540. 
Pygmy  shreiv.  Shaw.  Gen.  Zool.  V.  I.  P.  II.  p.  540. 
Sorex  exilis.  II  liger.  Prodom.  p.  125. 
„      minutus.   II liger.   Prodrom,   p.  125. 

„      pygmaeus.    Pallas.    Zoograph,   rosso-asial.   V.  I.   p.    134. 
Nr.  58.  t.  10.  fig.  4. 


Krilisflie  L'ntersufliiiiigeii  iiher  <lie  S|)it/.iiiüutie  (SoriiesJ  etc.  499 

Sorecc  minimus.  Geoftr.  Ann.  du  Mus.   V.  XVII.  p.  186. 

«      pygmaeiis.  G loger.   Nov.  Act.  Acad.  Nat.  Curios.    V.  XlII 

P.  II.  p.  479.  t.  25. 
;,  „  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  252.  Nr.  1. 

„  „  Wag).  Syst.  d.  Amphib.  S.  15. 

„      irumilio.  Wagler.  Isis.  1832.  S.  54,  1218. 
„      pygmaeus.  Nilsson.  Skand.  Fauna.  V.  I.  p.  81. 
„  „  Gloger.  Säugeth.  Schles.   S.  7. 

„  „  Zawadzki.  Galiz.  Fauna.  S.  18. 

Corsira  pygmaea.  Gray.  Proeeed.  of  the  Zoo).  Soc.  V.  V.  (1837.) 

p.  124. 
Sorex  pygmaeus.  Gebier.    Mem.    de   TAcad.    d.   Petersb.    V.   III. 
p.  535. 
Nathus.  VViegm.  Arch.  B.  IV.  Th.  1.   S.  46. 
Lenz.  Naturg.  B.  I.  S.  79. 
Jenyns.  Ann.  of  Nat.  Hist.  V.  II.  p.  328. 
„  „  SelysLongch.  Micromammal.  p.  21. 

„  „  Selys  Longch.  Faune  beige,  p.  26. 

„  „  Bonaparte.  Iconograf.   della  Fauna  ital.    t.  19. 

fig.  1. 
„  „  Keys.  Blas.  Wirbelth.  Europ.    S.  17.    Nr.  112. 

—  S.  59. 
Wagn.    Schreber  Säugth.  Suppl.    B.  II.    S.  60. 
Nr.  5. 
„  „  Blasius.  Bericht  über  d.  19.  Versamml.  deutsch. 

Naturf.  (1841.)  S.  87. 
„  Steenstrup.  Isis.   1841.  S.  903. 

„      rusticus.  Sundev.  V^etensk.  Akad.  Handl.  1842.  p.  184. 
Amplmorex  pygmneus.  Duvern.  GuerinMagas.  deZool.1842.  t.  48. 
Sorcx  pygmaeus.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  345.  tig.  482. 

Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.    B.  V.  S.  545. 
Nr.  6. 
„  „  Giebel.  Säugeth.  S.  900. 

Amphisorex  pygmaeus.  Giebel.  Säugeth.  S.  900. 

Nebst  der  toskanischen  Dickschwanzspitzinaus  (Pachyura 
elrusca)  und  der  langschwänzigen  Spitzmaus  (S.  pumilus)  die 
kleinste  Art  unter  den  in  Europa  vorkommenden  Spitzmäusen  und 
zugleich  eine  der  kleinsten  der  ganzen  Familie. 


Von  der  gemeinen  Sj)ilzinaus  (S.  vuhjaris),  mit  welcher  sie  in 
Ansehung  des  Zahnhaues  vollkommen  ühereinstimmt,  unterscheidet 
sie  sieh  außer  der  heträchtlich  geringeren  Größe  und  dem  schmäch- 
tigeren Haue,  durch  den  längeren  und  dünneren  Rüssel,  die  größeren 
und  etwas  weiter  aus  dem  Pelze  hervorragenden  Ohren,  die  von  der 
Rüsselspitze  entfernter  stehenden  Augen,  den  verhältnißmäßig  etwas 
längeren  und  dickeren  Schwanz,  und  die  viel  kleineren  und  auch 
weil  dünneren  Füsse  und  Zehen. 

Der  Kopf  ist  verhältnißmäßig  sehr  schmal  und  langgestreckt, 
der  Rüßel  lang  und  überaus  dünn.  Die  Ohren  sind  klein  und  ziemlich 
kurz,  etwas  aus  dem  Pelze  hervorragend  und  beinahe  völlig  kahl. 
Die  Augen  stehen  hinter  der  Mitte  zwischen  der  Rüsselspitze  und  der 
OhrülTnung.  Der  Schwanz,  dessen  Länge  etwas  über  2/3 ,  bisweilen 
aber  auch  nur  nahe  an  3/3  der  Körperlänge  einnimmt,  ist  seiner 
ganzen  Länge  nach  gerundet,  an  der  Wurzel  sehr  stark  eingeschnürt 
und  nur  '/,.'"  breit,  hierauf  allmählig  sich  verdickend  und  in  einer 
Entfernung  von  3 — 4'"  hinter  der  Wurzel,  wo  er  am  dicksten,  IvV' 
breit,  worauf  er  sieh  sodann  gegen  die  Spitze  zu  allmählig  wieder  bis 
zu  einer  Breite  von  2/3'"  verdünnt.  Er  ist  ziemlich  dicht  mit  kurzen 
anliegenden  Haaren  besetzt,  die  an  der  Schwanzwurzel  sehr  kurz 
und  fein  sind,  im  weiteren  Verlaufe  aber  bald  länger  und  stärker 
werden,  so  daß  sie  an  der  Spitze,  wo  sie  einen  kleinen  Büschel 
bilden,  eine  Länge  von  22/3'"  erreichen.  Dieselben  stehen  immer  zu 
drei  beisammen  und  lassen  die  ziemlich  großen  Ringe  sehr  deutlich 
durchblicken.  Die  Füsse  sind  klein  und  dünn,  die  Zehen  sehr  dünn 
und  zart. 

Die  Körpcrbebaarung  ist  dicht,  kurz  und  ziemlich  fein,  und  bei 
alten  Männchen  ist  das  Haar  oberhalb  des  Rüssels  etwas  aufrecht- 
stehend  oder  gesträubt.  Die  Schnurren  sind  lang.  Die  oberen 
Vorderzähne  endigen  in  roth-  oder  kastanienbraune  Spitzen,  doch 
verschwindet  diese  Färbung  in  Folge  der  Abnützung  bisweilen  gänz- 
lich und  erscheinen  die  Zähne  durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  rüthliehgraii  oder  röthlichbraun, 
oder  auch  bräunlicligrau  mit  Goldschimmer,  gegen  die  Unterseite  zu 
allmählig  in  Weißlichgrau  und  an  der  Kehle. und  dem  Kinne  in's 
Weißliehe  übergehend.  Der  Schwanz  ist  oben  bräunlich,  unten 
heinahe  weiß.  Die  Füsse  sind  hell  weißlich,  die  Ohren  bräunlich- 
fleischfarben. 


Kritische  Uiilersucluingfn  übi-r  die  Spitzmäuse  (Soricc»)  etc.  501 

Jüngere  Thiere  sind  auf  der  Unterseite  heller  weiß  gefärbt.  ' 

Körperlänge 1"  ^0''.  Nach  Palh.s. 

Länge  des  Schwanzes  ohne  Haare  .    .    .     1"     3". 

mit  den  Haaren    .     1"    Ss/s"'- 

„    Kopfes 9"'- 

„    Ohren 1  Va'"- 

Breite    „         „        ^'/g". 

Entfernung  der  Augen  von  der  Rüssel- 
spitze       21/3'". 

Höchstes  Gewicht 44  Gran. 

Körperlänge ]"  S'".  Nach   G loger. 

Länge  des  Schwanzes  ohne  Haare  .    .    .     i"4". 

„        „  Kopfes 82/3"  • 

Gewicht 36  Gran. 

Körperlänge    .    .    .    '. 2".  Nach  Wagler. 

Länge  des  Schwanzes 1"  3'". 

Vaterland.  Nord-  und  Mittel-Europa  und  Nordwest-Asien 
und,  wie  behauptet  wird,  auch  Nordwest-Afrika. 

Durch  Europa  reicht  sie  vom  Rheine  bis  an  den  Jenisei  in 
Sibirien,  doch  kommt  sie  jenseits  desselben  und  des  Ob  nicht  mehr 
vor.  Man  kennt  sie  bis  jetzt  aus  dem  südlichen  Schweden,  aus 
Dänemark,  Belgien,  Mecklenburg,  Pommern,  Sachsen,  insbesondere 
aus  der  Gegend  von  Magdeburg,  aus  Thüringen,  wo  sie  in  der  Um- 
gegend von  Schnepfenthal  ziemlich  häufig  ist,  aus  Frankfurt  a/M., 
Baiern,  Böhmen,  namentlich  aus  der  Gegend  von  Carlsbad,  aus 
Schlesien,  wo  sie  vorzüglich  an  der  Neisse  angetroffen  wird,  aus 
Galizien,  endlich  aus  Rußland  und  West-Sibirien,  woselbst  sie  an 
verschiedenen  Flüssen  vorkommt  und  im  Katunischen  Gebirge  nach 
den  Beobachtungen  von  Gebier  sehr  häufig  ist.  Der  Angabe  Lax- 
mann "s  zufolge,  dem  wir  dieersteNachricht  über  diese  Art  verdanken, 
hält  sie  sich  vorzugsweise  unter  Baumwurzeln  in  feuchten  Gebüschen 
auf  und  Pallas  traf  sie  häuptsächlich  in  der  Nähe  von  Flüssen  an. 

Über  ihr  Vorkommen  in  Nordwest-Afrika  liegt  nur  eine  einzige 
Angabe  vor,  indem  Nathusius  eine  von  Mor.  Wagner  in  der 
Umgegend  von  Oran  in  Algier  gesammelte  Spitzmaus  nicht  für  ver- 
schieden von  derselben  hält.  Da  man  sie  aber  seither  nicht  einmal  in 
Frankreich  und  noch  weniger  in  Süd-Europa  angetroffen  hat,  so  ist 
die  Identität  dieser  von  Mor.  Wagner  aus  Algier  mitgebrachten 


S02  FHzin-rer, 

Spitzmaus  mit  der  Zwerg-Spitzmaus,  ungeachtet  der  Autorität  von 
Nathusius,  noch  sehr  in  Zweifel  zu  ziehen. 

Die  Zwerg-Spitzmaus  wurde  von  Lax  mann  im  Jahre  1764  in 
Sihiren  entdeckt  und  nach  dem  von  ihm  mitgel)rachten  Exemplare, 
welches  durch  irgend  einen  Zufall  den  Schwanz  verloren  hatte,  von 
Linne  unter  dem  Namen  „Sorex  mhmttis"  im  Jahre  1766  zuerst 
beschrieben  und  für  eine  ungeschwänzte  Art  gehalten.  Erst  Pallas 
gelang  es  diesen  Irrthum  aufzuklären,  indem  er  dasselbe  Thier  im 
Jahre  1771  am  Jenisei  wiederfand  und  durch  eine  später  vorgenom- 
mene genaue  Vergleichiing  mit  dem  Laxmann'schen  Original- 
Exemplare  die  Identität  beider  erkannte. 

Das  Vorkommen  dieser  Art  in  Europa  wurde  erst  durch 
Gloger  im  Jahre  1827  festgestellt,  indem  er  zu  jener  Zeit  ein 
Exemplar  derselben  in  Schlesien  auffand.  Im  Jahre  1832  wurde  sie 
durch  Wagler  auch  aus  Baiern  bekannt,  und  bald  darauf  wurde 
die  Ausdehnung  ihres  Verbreitungsbezirkes  in  Europa  durch  sorg- 
fältige Nachforschungen  wesentlich  erweitert. 

6.  Die  dünnschwänzige  Spitzniaas  (Sorex  pumilus). 

S.   notaeo  ,    ex  ferrugineo  cinereo-f'usco,  gastraeo  (ilbido ; 
Cditda  tenui,   dense  pilosa,  apice  penicillata ,   ultra  V5  corporis 
longitudbic. 
Sorex  pumilns.  Nilsso  n.   Skand.  Fauna.   V.l.   p.  85. 

„  „         Nilsson.     Hornsch.    Arch.   skandin.    Beitr.    B.   I. 

S.  143. 
Wagn.    Schreber  Säugtb.   Suppl.   B.  V.    S.  546. 
Nr.  6.  ^ 
„      pygmaeus.  Giebel.  Säugeth.   S.  900. 
Amphisorex pygmaetiH.   (Jiebel.  Säugeth.  S.  900. 

Nücli  kleiner  als  die  Zwerg-Spitzmaus  (S.  pygmaeua)  und 
selbst  als  die  toskanische  Dickschwanzspitzmaus  (P.  etrmca),  daher 
die  kleinste  unter  den  europäischen  Formen  dieser  Familie. 

Obgleich  mit  der  erstgenannten  Art  verwandt,  bietet  sie  so 
auflallende  Unterschiede  von  derselben  dar,  daß  an  eine  Zusammen- 
gehörigkeit dieser  beiden  Arten  wohl  kaum  gedacht  werden  kann. 
Insbesondere  sind  es  aber  der  merklich  längere  Kopf,  und  der 
beträchtlich  längere  Schwanz,  welche  sie  von  dieser  Art  unter- 
scheiden. 


Kritische  Untersiu-himgen  iiher  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  oUd 

Ihr  Kopf  ist  langgestreckt  und  fast  von  derselben  Länge  wie 
der  Rumpf.  Der  Schwanz,  dessen  Länge  über  V5  der  Körperlänge 
beträgt,  ist  dünn  und  dicht  mit  verhältnißmäßig  ziemlich  langen 
Haaren  besetzt,  die  sich  gegen  die  Spitze  zu  verlängern  und  einen 
pinselartigen  spitzen  Eudhüschel  bilden. 

Die  Färbung  der  Oberseite  des  Körpers  ist  rostrüthlich-grau- 
braiin,  jene  der  Unterseite  weiß. 

Körperlänge 1"  ■^Vj'"- 

Länge  des  Schwanzes 1"  ^^fz'"- 

Vaterland.     Süd-Schweden,    Provinz    Schonen,   von    woher 

Nils  so  n  aber  nur  ein  einzelnes  Exemplar  erhielt,  nach  welchem  er 

seine  Beschreibung  entworfen. 

7.  Die  krimisebe  Spitzmaus  (Sorex  Gmelini) 

S.  notaeo   ex  einer ascent e-fei'r u q ineo ,  gastrneo  ferrugineo- 
flavido;  cavdu  unicolore  flavido-ferrnginea,  circa  dimidii  corporis 
longitudine ;  auricuJiH  vellere  fere  absconditis. 
Sorex  Gmelini.   Pallas.  Zoograph,  rosso-asiat.  V.  L  p.  135.  t.  10. 
fig.  3. 
Schinz.  Cuvier  Thierr.  B.  L  S.  87(3. 
Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  253.  Nr.  3.  , 
Wagn.    Schreher    Säugth.    Suppl.    B.   IL    S.    69. 
Note  2. 
„  „         Blasius.  Bericht  über  d.   19.  Versamml.  deutsch. 

Naturf.  (1841).  S.  87. 
„      pygmaens?  ^\?L&\vis.  Bericht  über  d.  19.  Versamml.  deutsch. 

Naturf.  (1841).  S.  87. 
„  Gmelini.  Bei  che nb.  Naturg.  Raubth.  S.  339.  fig.  499. 
Crocidura  Gmelini.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  339.  tig.  499- 
Sorex  pygmaeus.  W^agn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  545.  Nr.  6. 
Obgleich  diese  Form  bis  jetzt  nur  sehr  unvollständig  und  zwar 
blos  nach  einer  sehr  kurzen,  von  Pallas  uns  mitgetheilten Beschrei- 
bung und  einer  derselben  beigefügten  Abbildung  bekannt  ist,  so 
scheint  doch  aus  diesen  Behelfen  hervorzugehen,  daß  sie  von  der 
ihr  sehr  nahe  verwandten  gemeinen  Spitzmaus  (S.  vulgaris)  ver- 
schieden sei  und  sich  in  der  Folge  vielleicht  als  eine  selbsfständige 
Art  bewähren  werde. 


304  KitÄingrer. 

Pallas  verj>leicht  sie  mit  der  Zvverg-Spitzniaus  {S.  pyymaeus), 
welelier  sie  sich  in  der  Größe  und  aucli  in  den  Verhältnissen  annähere. 
Doch  sei  sie  etwas  grüßer  als  dieselbe  und  habe  auch  eine  kürzere 
Schnauze  als  sein  „Sorcx  (trimeus^ ,  der  identisch  mit  der  weiß- 
bauchigen Wimperschwanzspitzmaus  (C.  Icucudon)  und  dessen 
Schnauze  gleichfalls  kürzer  als  jene  der  Zwergspitzmaus  (S-  pyy- 
maeus)  ist. 

Offenbar  stellte  er  diesen  Vergleich  nur  deßhalb  an,  um  die 
nähere  Verwandtsciiaft  seiner  neuen  Art  mit  „Sorex  pyymaens'', 
welcher  derselben  Gruppe  angehört,  hervorzuheben. 

So  viel  aus  der  Abbildung  zu  ersehen  ist,  kommt  diese  Form  in 
ihrer  Gestalt  im  Allgemeinen  zunächst  mit  der  gemeinen  Spitzmaus 
{S.  vulyaris)  überein  und  scheint  sich  von  derselben  nur  durch  die 
geringere  Körpergröße,  die  beinahe  ganz  in  den  Haaren  verborgenen 
Ohren,  den  etwas  kürzeren  Schwanz  und  die  Färbung  zu  unter- 
scheiden. 

Ihr  Kopf  ist  ziemlich  hoch,  der  Rüssel  mäßig  lang  und  spitz. 
Die  Ohren  sind  klein  und  beinahe  vollständig  unter  dem  Pelze  ver- 
steckt. Der  Schwanz,  dessen  Länge  ungefähr  die  halbe  Körperlänge 
einnimmt,  ist  gerundet  und  dicht  mit  kurzen  anliegenden  Haaren 
besetzt.  Die  Füsse  sind  kurz  behaart. 

Die  Färbung  ist  auf  der  Oberseite  des  Körpers  grauli«-h-rost- 
farben,  auf  der  Unterseite  desselben  rostgelblich.  Der  Schwanz  ist 
einfarbig  gelblich-rostfarben. 

Körperlänge  ungefähr 2" 

Länge  des  Schwanzes 1". 

Genauere  Körpermaaße  sind  nicht  angegeben. 

Vaterland.  Südost-Europa,  Krim.  Von  S.  G.  Gmelin  daselbst 
entdeckt  und  von  Pallas  zuerst  beschrieben  und  abgebildet. 

Schon  Blas i US  deutete  auf  die  Wahrscheinlichkeit  hin,  daß 
diese  Form  mit  der  Zwerg-Spitzmaus  (S-  pyymueiis)  zusammen- 
fallen könnte  und  Wagner  betrachtet  sie  geradezu  für  identisch  mit 
derselben,  obgleich  sie  sich  von  dieser  außer  dem  etwas  größeren 
und  volleren  Körper  und  der  verschiedenen  Färbung,  durch  den  viel 
höheren  und  kürzeren  Kopf,  die  kürzere  und  dickere  Schnauze,  die 
mehr  im  Pelze  versteckten  Ohren,  die  kürzeren  Schnurren,  die 
größeren  und  stärkeren  Füsse  und  den  beträchtlich  kürzeren  Schwanz 
auffallend  unterscheidet. 


Kritische  Untersuchungen  über  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  öOo 

8.  Die  persische  Spitzmaas  CSorea?  pusilliis). 

S.  notaeo  obscure  cinereo,  gastraeo  palUde  grisco;  cauda 
albida,  fere  '/o  corporis  longifiidiiw. 

Sore.v  pusillns.  S.  G.  Ginelin.  Reise.  B.  III.  S.  499.  t.  75.  fig.  1. 
Sehr  aber.  Säugth.  B.  IIL  S.  576.  Nr.  7. 
Erxleb.  Syst.  regn.  anim.  V.  I.  p.  122.  Nr.  3. 
„  „        Zimmerm.  Geogr.  Gesch.  d.  Mensch,  u.  d.  Thiere. 

B.  II.  S.  385.  Nr.  317. 
Persian  shrew.  Pennant.  Hist.  of  Qiiadriip.  V.  II.  p.  227. 
Sorex  pusillus.  Boddaert.  Elench.  anim.  V.  I.  p.  124.  Nr.  9. 

Gmelin.  Linne  Syst.  nat.  T.  I.  P.  I.  p.  115.  Nr.  9. 
Persian  shrew.   Shaw.   Gen.  Zool.   V.  I.   P.  II.   p.  539. 
Sorea^  pusillus.  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  259.  Nr.  20. 

„      araneus.  Brandt.    Bullet,    de    l'Acad.    d.   Petersb.    1852. 

p.  453. 
„      Güldenstaedtii.    Wagn.    Schreber    Säugth.    Suppl.    B.    V. 
S.  561.  Nr.  36.  .. 
Crocidura  Güldenstaedtii.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.    B.  V. 

S.  561.  Nr.  36.  * 
Eine  nur  sehr  kurze,  aber  von  einer  Abbildung  begleitete  Be- 
schreibung, welche  S.  G.  Gmelin  von  dieser  Form  uns  mitgetheilet 
hat,  bildet  das  einzige  Material,  worauf  sich  unsere  Kenntniß  von 
derselben  gründet. 

Die  ]\Ierkmale,  welche  wir  aus  dieser  Beschreibung  entnehmen, 
sind  folgende: 

Der  Rüssel  ist  verdünnt,  die  Ohren  sind  gerundet.  Der  Schwan7, 
welcher  nahezu  '/g  der  Körperlänge  einnimmt,  ist  kurz  und  undeut- 
lich zweizeilig. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  dunkelgrau,  die  Unterseite  hell- 
grau. Der  Schwanz  ist  weißlich  behaart,  die  Schnurren  sind  dunkel- 
grau. 

Körperlänge 3"  1'". 

Länge  des  Schwanzes      1"   1". 

Vaterland.  Nord-Persien,  woselbst  diese  Form  in  den  Wüsten 
in  selbstgegrabenen  Löchern  wohnt,  und  von  S.  G.  Gmelin  ent- 
deckt wurde. 

Sitil).  <1.  malhem.-niilurw.  Cl.  LVil.  Bd.  I.  Abtli  33 


506  K  i  t  z  i  II  g-  e  r. 

^Vie  es  scheint,  ist  diesell)e  mit  der  krimischen  Spitzmaus 
{S.  Gmeli?iiJ  sehr  nahe  verwandt,  obgleich  man  selbst  über  die 
Gattung,  welcher  sie  angehört,  keineswegs  gewiß  ist. 

Brandt  betrachtet  sie  als  zur  Gattung  Wimperschwanzspitz- 
maus (Croci(hira)  gehörig  und  zieht  sie  mit  der  kaukasischen 
Winiperschwanzspitzmaus  (C  Güldenstaedtii)  zusammen,  die  er 
wieder  für  identisch  mit  seinem  „Sorex  araneus"  oder  der  weiß- 
bauchigen Winiperschwanzspitzmaus  (C.  leucodon)  hält. 

Auch  Wagner  vereiniget  sie  mit  der  kaukasischen  Winiper- 
schwanzspitzmaus (C.  Güldenstaedtii),  doch  betrachtet  er  diese 
für  eine  selbstständige  Art. 

Meiner  Ansicht  zufolge  gehört  sie  der  Gattung  Spitzmaus 
(Sorcx")  an,  doch  wage  ich  nicht  mit  Bestimmtheit  die  Behauptung 
auszusprechen,  daß  sie  für  eine  besondere  Art  anzusehen  sei. 

9.  Die  schlanke  Spitzmans  (Sorex  tenuis). 

S.  notaeo  cinerascente-fuscü ,  gastraeo  fusco-griseo ;  cauda 
tenui,  tereti,  brevipilosa ,  pilis  apicem  versus  longioribus  densiori^ 
husqne  ohtecta,  circa  3/4  corporis  longitudine;  auriculis  purum  ex 
V eitere  prominulis  ;  rostro  tenui,  acuto. 
Sorex  tenuis.   S.  Müller.  Verhandel.   V.  I.  p.  50. 

Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  ß.  II.  S.  S54. 

Reich  enb.  Naturg.  Raubth.   S.  342. 
Crocidura  tenuis.  Reichenb.   Naturg.  Raubth.   S.  342. 
Sorex  tenuis.    Wagn.    Schreber   Säugth.    Suppl.    B.   V.    S.    o65. 
Nr.  49. 

Giebel.  Säugeth.  S.  905.  Note  i.  Nr.  1. 
Der  Kopf  ist  schmal  und  endiget  in  einen  sehr  dünnen,  spitzen 
Rüssel.  Die  Ohren  ragen  etwas  aus  dem  Pelze  hervor.  Der  Schwanz, 
dessen  Länge  ungefähr  3/4  der  Körperlänge  beträgt,  ist  sehr  dünn, 
gerundet  und  nicht  sehr  dicht  mit  kurzen  glattanliegenden  Haaren 
besetzt,  die  nur  an  der  Spitze  dicht  gestellt  und  länger  sind,  und 
daselbst  eine  Länge  von  5  "  erreichen. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  granlichbraun,  die  Unterseite 
braungrau.  Der  Schwanz  ist  dunkel  graulichbraun  und  nur  die 
längeren  Haare  an  der  Spitze  sind  Avie  der  Rücken  heller  graulich- 
braun  gefärbt. 


Kritische  Untersuchungen  über  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  o07 

Körperläuge 2"  7'' 

Länge  des  Schwanzes 2"  1'". 

Vaterland.  Timor,  wo  S.  Miiller  diese  Art  entdeckte  und 
welche  er  aucli  zuerst  beschrieb. 

Wenn  ich  diese  Form  der  Gattung  Spitzmaus  (SorexJ  einreihe, 
so  geschieht  dies  nur  mit  großem  Zweifel,  da  aus  den  angegebenen 
Merkmalen  nicht  mit  Sicherheit  entnommen  werden  kann,  zu  welcher 
Gattung  sie  gehöre. 

10.   Die  langschwünzige  Spitzoiaas  (Soreoe  caudatiis). 

S.  mücolor,   ohsciire  nigrescente-fuscus,  nitore  rufescentc ; 
cauda  tenui,  parce  pilosa,  corporis  longitudbie. 
Sorex  cauduhis.  Hodgs.  Horsf.  Catal.  of  tlie  Mamm.  of  the  East- 
Ind.  Comp.   p.  13S. 
„  „  Blyth.  Journ.  of  the  Asiat.  Soc.  of  ßengal.  18SS. 

Fase.  1. 
Corsira  cnudata.  Blyth.  Journ.  of  the  Asiat.  Soc.  ofBengal.  18bö. 

Fase.  i. 
Soreoe  candatus.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  ö60. 
Nr.  51.  —  S.  807. 
So  kurz  die  Mittheilung  auch  ist,  welche  wir  über  diese  Form 
bis  jetzt  erhalten  haben,  so  geht  doch  aus  derselben  utizweifelhaft 
hervor,  daß  sie  eine  selbstständige  Art  bilde  und  mit  keiner  anderen 
verwechselt  werden  könne,  da  sie  durch  die  große  Länge  ihres 
Schwanzes  von  allen  verwandten  Arten  dieser  Gattung  ausgezeich- 
net ist. 

Der  verhältnißmäßig  sehr  lange  Schwanz,  welcher  von  derselben 
Länge  wie  der  ganze  Körper  ist,  ist  dünn,  nur  sehr  spärlich  mit 
kurzen  anliegenden  Haaren  besetzt  und  beinahe  völlig  kahl. 

Die  Färbung  der  Ober-  sowohl  als  Unterseite  des  Körpers  ist 
dunkel  schwärzlichbraun  mit  röthlichem  Schimmer. 

Körperlänge 2"  6'" 

Länge  des  Schwanzes 2"  6". 

Vaterland.  Ober-Indien  und  daselbst  von  Hodgson  entdeckt 
und  von  Horsfield  kurz  beschrieben. 

Nur  mit  großem  Zweifel  reihe  ich  diese  Art  der  Gattung  Spitz- 
maus (Sorev)  ein.  da  jeder  sichere  Anhaltspunkt  fehlt,  die  Gattung 


508  niv.i^s'^v. 

zu  bestimmen,  zu  welcher  sie  gehört.  Die  Gründe ,  auf  welche  sich 
meine  Ansicht  stützt,  bestehen  in  der  großen  Länge  und  in  der 
Dünne  des  Schwanzes,  durch  welche  diese  Art  ausgezeichnet  ist. 
Auch  Blyth  ist  geneigt,  sie  zu  derselben  zu  zählen. 

11.  Die  rothbraone  Spitzmaus  (Sorex  Richardsonii). 
S.  notaeo  obscure  ferriiginco-fitsco  vel  fusco-nigro ,  gastrneo 
cinereo;  pedUnis  pallide  fuscis;  camlafere  dimidü  corporis  longi- 
tudine ;  aurictdis  vellere  absconditis. 
Sorex  parmis.  Richards.  Fauna  bor.  amer.  V.  I.  p.  8. 

„      Richardsoni.  Bachm.  Journ.  of  the  Acad.  of  Philadelphia. 
V.  VII.  p.  373.  t.  24.  flg.  ö. 

?  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  64. 

Note  18. 
„       Richardsonii.  Reiche  nb.  Naturg.  Raubth.   S.  346. 
„      Richardsoni.  De  Kay.   Zool.  of  New  York.  V.  I.  p.  21. 
„  „  Äudub.   Rachm.     Qudrup.    of  North -Amer. 

V.  III.  p.  334. 
Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  R.  V.  S.  546. 
Nr.  8. 
„      Forsteri?  Giebel.   Säugeth.  S.  901.  Note  6. 
Amphisorex  Forsteri?  Giebel.   Säugeth.   S.  901.  Note  6. 

Obgleich  die  Kenntniß,  welche  wir  von  dieser  Form  seither 
erhalten  haben,  sehr  mangelhaft  und  ungenügend  ist,  so  scheint 
doch  aus  derselben  mit  ziemlicher  Restimmtheit  hervorzugehen,  daß 
sie  eine  besondere  und  von  allen  ihr  verwandten  Formen  ver- 
schiedene Art  bilde. 

Sie  gehört  zu  den  kleineren  unter  den  nordamerikanischen 
Arten  dieser  Gattung,  da  sie  die  graubraune  Spitzmaus  {S.  Forsteri) 
nicht  viel  an  Größe  übertrifft. 

Die  Ohren  sind  kurz  und  völlig  unter  dem  Pelze  versteckt,  und 
der  Schwanz  nimmt  nahezu  die  halbe  Körperlänge  ein. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  dunkel  rostbraun  oder  auch 
braunschwarz,  die  Unterseite  aschgrau.  Die  Füsse  und  Krallen  sind 
liclitbraun. 

Kürperlänge 2"  9'". 

Länge  des  Schwanzes 1"  9". 

Va  terl  an  d.   Nordwest-Amerika. 


Kritisclie  riitersiicliungi'Ji  üUer  ilie  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  501) 

Ricliardson  war  der  erste,  welcher  diese  Art  beschrieben, 
doch  hielt  er  sie  irrigerweise  für  identisch  mit  der  Zwerg-Kurz- 
schwanzspitzmaus (BrachyHore.v  parvusj,  welche  einer  völlig  ver- 
schiedenen Gattung  angehört.  Erst  Bach  man  war  es,  welcher 
diese  Verschiedenheit  erkannte  und  ihre  Selbstständiskeit  naeho-e- 
wiesen  hat,  wie  dies  aus  seiner  Beschreibung  und  der  derselben 
beigegebenen  Abbildung  klar  und  deutlich  hervorgeht. 

12.  Die  graubraune  ü^pitzniuus  (Sorex  Forsten'). 
S.  nutaeo   griseu-fusco ,    vel   cinereo  fusco-luvato ,    g((s'raeo 
sordide  flavescente-brinineo ,    vel  cinereo;    caudu   supra   obscure 
fnsca,  infru  pullide  flavido-brunnea,  vel  sordide  albida,  tetragonu, 
medio   incrassata,    apice  penicillatu,    parum   ultra    2/3    corporis 
loiigitiidi/ie,  vel  interdum  dimidio  corpore paullo  longiore ;  pedibus 
carneis,  flavido-brun/teo  pilosis;  auriculis  vettere  abscoiiditis. 
Shrew  Ar.  20.  Forst  er.  Philos.  Transact.   V.  LXil.  p.  38i. 
Sorex    .    .    .  .^  Erxleb.   Syst.  regn.  anim.  P.  I.  p.  130.   «:«e 
„       Forsteri.  Richards.  Zool.  Journ.  V.  III.  p.  SIB. 

„  Richards.  Bullet,   des  Sc.  nat.  V.  XVIII.  p.  102. 

Nr.  1. 
„  „  Richards.   Fauna  bor.  amer.   V.  I.   p.  6. 

„  „  Fisch.   Synops.  Man)mal.   p.  580.  Nr.  10.  a, 

„  „  Gap  per.  Zool.  Journ.   V.  V.   p.  201.  t.  7. 

„  „  B  a  c  h  m.    Journ.    o\'   the   Acad.    of    Philadelphia. 

V.  VII.  p.  386.  t.  24.  flg.  6. 
Corsira  Forsteri.  Gray.  Proceed.  of  the  Zool.  Soc.  V.  V.  (1837.) 

p.  124. 
Sorex  Forsteri.    Wagn.    Schreber   Säugth.    Suppl.    B.  II.    S.  63. 

Nr.  7. 
Corsira  Forsteri.   Gray.   Mammal.  of  the  Brit.  Mus.   p.  79. 
Sor ex  Forsteri.  Reiche  nb.  Naturg.  Raubth.   S.  346.   fig.  494. 

De  Kay.   Zool.  of  x\ew-York.    V.  I.    p.   20.    t.  21. 
fig.  3. 
„  „  Audub.  Bachm.  Quadrup.  of  North-Amer.  V.  III. 

p.  310. 
Wa  g  n.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  546.  Nr.  9. 
Giebel.   Säugeth.  S.  901. 
Amphisonw  Forsteri.  Giebel.  Säugeth.   S.  901. 


J)  1  0  F  i  f  7.  i  n  g  o  r. 

Eine  sehr  aiisgezeiclnu'tc,  zu  den  kleineren  Arten  dieser  Gattung 
gehörige  Art,  Avelclie  sehr  nahe  mit  der  rothbraunen  Spitzmaus 
fS.  Richardsonii)  verwandt  aber  merklich  kleiner  als  dieselbe  ist 
und  sich  so\^ohl  durch  die  Form  des  Schwanzes,  als  auch  durch  die 
verschiedene  Färbung  deutlich  von  ihr  unterscheidet. 

Die  Ohren  sind  vollständig  unter  dem  Pelze  versteckt.  Der 
Schwanz,  dessen  Länge  etwas  über  ^f^,  bisweilen  aber  auch  nur 
etwas  mehr  als  die  halbe  Körperlänge  beträgt,  ist  vierkantig,  an  der 
Wurzel  merklich  dünner  als  in  der  Mitte,  nach  rückwärts  zu  allmählig 
sich  verdünnend,  und  dicht  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  besetzt, 
die  sich  gegen  die  Spitze  zu  verlängern  und  einen  kleinen  pinsel- 
artigen Endbüschel  bilden.  Die  Füsse  sind  nur  dünn  behaart. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  graulich-  oder  nelkenbraun,  oder 
dunkel  aschgrau  und  braun  überflogen,  da  die  aschgrauen  Haare  in 
braune  Spitzen  endigen;  die  Unterseite  ist  schmutzig  gelblichbraun, 
oder  auch  hell  aschgrau.  Der  Schwanz  ist  oben  dunkelbraun ,  unten 
blaß  gelblicbl)raun,  oder  schmutzig  weißlich.  Die  Füsse  sind  fleisch- 
farben und  gelblicbbraun  behaart:   die  Krallen  weiß. 

Körperlänge      2"  3'".   Nach  Rieh  ardson. 

Länge  des  Schwanzes       ...     1"  3". 
„        „     Kopfes ö'/s'". 

Körjterlänge      .......     2"  3'".  Nach  Gap  per. 

[jänge  des  Schwanzes  über       .     1"  6'". 

Gewicht 42  Gran. 

Vaterland.  Nord-Amerika,  wo  sich  diese  Art  von  den  ver- 
einigten Staaten  durch  die  Pelzgegenden  längs  der  Hudsonsbai  bis 
ai\  die  Beringstraße  zum  67.  (irade  Nord-Breite  erstreckt  und  in 
Ober-Canada  sehr  gemein  ist.  Sie  wurde  von  Förster  entdeckt 
lind  von  demselben  auch  zuerst  beschi'ieben. 

13.  Die  larven-Spilzinaos  (Sorcv  personatus). 

S.  Hotaro  ru/o-fiisco ,  (jasfraeo  (dbidn-griseo ;  rnstro  apicc 
üiipra  inyrcaccHte-f'uHCo ;  cauda  anpra  f'iisca,  iufra  paUide  flnvida, 
toiiii,  fere  ielraffona,  dimidli  corporis  lonyitndine :  auriculis pnriini 
ex  vettere  profninulis. 

Sr.re.v  perso/tafiia.   Isid.  Geoffr.   Mem.  du  Mus.   V.  XV'.  p.  i22. 
Isid.  Geoffr.  Dict.  class.  V.  XL  p.  319. 
^  „  Fisch.   Svnops.  Mammal.  p,  2Sö.  Nr.  8. 


Kritische  L'ntersuchung-en  iil)er  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  Oll 

Sorcx  personatus.  Isid.  Geollr.    Guerin  Magas.   d.   Zool.    183l{. 
t.  14. 
„      pari'us?  Wagn.    Schreber   Säiigth.   Suppl.    B.   IL    S.   64. 

Nr.  8.  Note  19. 
„      personatus.  Reiehenb.  Naturg.  Raubth.  S.  347.  fig.  495. 
VVagn.  Scbreber  Säugtb.  Siippl.   B.  V.  S.  548. 
Nr.  11. 
„      Forsteri?  Giebel.  Säugeth.  S.  901.  Note  6. 
Amphisorea-  Forsteri?  Giebel.  Säugeth.  S.  901.  Note  6. 

Wir  kennen  diese  schon  durch  ihre  Färbung  höchst  ausge- 
zeichnete und  mit  keiner  anderen  zu  verwechselnde  Art  bis  jetzt  hlos 
aus  einer  Beschreibung  und  Abbildung,  welche  Isid.  Geoffroy  von 
derselben  gegeben. 

Sie  gehurt  zu  den  kleinsten  Arten  der  Gattung,  da  sie  nur 
wenig  größer  als  die  aschgraue  Spitzmaus  (S.  Lesueurii)  ist,  und 
zeichnet  sich  durch  nachstehende  Merkmale  aus. 

Die  Ohren  sind  klein  und  ragen  nur  wenig  aus  dem  Pelze 
hervor.  Der  Schwanz,  dessen  Länge  der  halben  KürperJänge  gleich- 
kommt, ist  dünn,  an  der  Wurzel  nicht  dicker  als  im  weiteren  V^er- 
laufe,  beinahe  vierseitig  und  ziemlich  dicht  mit  kurzen  anliegenden 
Haaren  besetzt.  Die  Beine  sind  dünn,  die  Schnurreu  ziemlich  lang. 
Die  Schneiden  und  Spitzen  der  Zähne  sind  schwarzbraun  odei- 
rothbraun. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  rothbraun,  die  Unterseite  des- 
selben weißlichgrau.  Der  Vordertheil  der  Schnauze  ist  auf  der 
Oberseite,  mit  Ausnahme  der  Lippen,  schwärzlichbraun.  Der  Schwanz 
ist  oben  l>raun,  unten  blaß  gelblich.  Die  Füsse  sind  von  blaß  gelb- 
licher Farbe. 

Körperlänge 2" 

Länge  des  Schwanzes 1". 

Vaterland.  Vereinigte  Staaten  von  Nord-Amerika. 
Wagner  neigte  sich  früher  der  Ansicht  hin,  daß  diese  Art  mit 
der  Zwerg-Kurzschwanzspitzmaus  (Brachysorecc  parvtisj  zusammen- 
fallen könne,  welche  jedoch  einer  ganz  anderen  Gattung  angehört, 
doch  änderte  er  späterhin  dieselbe  und  betrachtete  diese  Form  folge- 
richtig für  eine  selbstständige  Art.  Auch  Giebel  bezweifelt  ihre 
Selbstständigkeit  und  glaubt  sie  mit  der  graubraunen  Spitzmaus 
(S.  Forntcri)  vereinigen  zu  iliiil'on. 


512  F  i  t  7.  i  n  {j  p  r. 

i4.  Die  langselinauzigc  Spitzinaas  (Sorex  Wagneri). 

S.  notaeo  ex  ferntyineo-cadatieo ,  gastraeo  ex  flavido  griseo- 
nlbido;  eauda  penicillatd,  dimidio  corpore  yarum  longiore ;  aiiri- 
cuUs  vellere  absconditis  ;  rostro  longo,  acuta. 
Sorex  longirostria?  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  547. 
Nr.  10. 

Mit  dieser  Form ,  welche  zu  den  kleinsten  unter  den  in  Nord- 
Amerika  vorkommenden  Arten  dieser  Gattung  gehört,  hat  uns  bis 
jetzt  nur  Wagner  bekannt  gemacht. 

Sie  ist  genau  von  derselben  Größe  wie  die  aschgraue  Spitzmaus 
(S.  LesueuriiJ  und  bietet  auch  dieselben  Körperverhältnisse  dar, 
unterscheidet  sich  von  ihr  aber  hauptsächlich  durch  den  in  einen 
pinselförmigen  Haarbüschel  endigenden  Schwanz  und  durch  die  ver- 
schiedene Färbung,  wodurch  sie  sich  der  graubraunen  Spitzmaus 
(S.  Forsteri)  nähert. 

Der  Rüssel  ist  lang  und  spitz  und  die  Ohren  sind  vollständig 
unter  dem  Pelze  versteckt.  Der  Schwanz,  dessen  Länge  etwas  über 
die  halbe  Körperlänge  einnimmt,  ist  dicht  mit  kurzen,  feinen  anlie- 
genden Haaren  besetzt,  die  sich  gegen  das  Ende  desselben  verlängern 
und  einen  spitzen  Pinsel  bilden. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  rostfarbig  kastanienbraun,  die 
Unterseite  gelblich -grauweiß,  und  der  Schwanz  bietet  oben  die 
Farbe  des  Rückens,  unten  die  Farbe  des  Bauches  dar.  Die  Füsse 
und  die  Krallen  sind  weißlich. 

Körperlänge V  10'" 

Länge  des  Schwanzes  ohne  Pinsel 1"     1'". 

Vaterland.  Nord -Amerika,  woher  das  Münchener  Museum 
diese  Art  unter  der  irrigen  Bestimmung  „Surex  lotigirostris" 
erhielt. 

15,  Die  aschgraue  Spitzmaus  (Sorex  Lesueurii). 

S.  notaeo  obsciire  cinereo,  gastraeo  pallidiore;  labiis    lae- 
niaqne  obliqua  infra  ociilos  albis;  canda  supra  nigrescente-cinereu, 
infra  palUde  grisea,  tereti,  dimidio  corpore  parum  longiore;  auri- 
culis  vellere  absconditis ;  rostro  longo,  acuto. 
Amphisorex  Lesueurii.    Duvern.     Giieriii   Magas.  d.  Zool.    1842. 

p.  33.  t.  50. 


Kritisclic  rntersucluing:eii  üher  die  Spitzmäuse  (Sorices).  5l3 

Sorex  Lesueuvii   Wagn.  Sclireber  Säugtli.  Suppl.  B.  V.    S.  o48. 
Nr.  12. 

Diese  nur  aus  einer  kurzen  Heschreibunjr  von  Duvernoy  und 
einer  derselben  beige! ügten  Abbildung  bekannte  Art  zeichnet  sich 
von  allen  ihr  zunächst  verwandten  schon  durch  ihre  Färbung  aus. 

Sie  ist  beinahe  von  derselben  Größe  wie  die  langnasige  Ohr- 
spitzniaus  (^Otisorex  loiigiroatrisy  und  daher  eine  der  kleinsten  Arten 
der  ganzen  Gattung. 

Der  Rüssel  ist  lang  und  spitz ,  und  die  Ohren  sind  vollständig 
unter  dem  Pelze  versteckt.  Der  Schwanz,  dessen  Länge  etwas  über 
die  halbe  Kürperlänge  beträgt,  ist  gerundet  und  dicht  mit  kurzen 
aidiegenden  Haaren  besetzt. 

Die  Färbung  der  Oberseite  des  Körpers  ist  dunkel  aschgrau, 
jene  der  Unterseite  heller.  Die  Lippen  und  ein  schiefer  Streifen 
unterhalb  der  Augen  sind  ^\eiß.  Der  Sch\\anz  ist  auf  der  Oberseite 
schwärzlichgrau,  auf  der  Unterseite  blaßgrau. 

Körperlänge 1"  10'". 

Länge  des  Schwanzes l"     1'". 

Vaterland.  Vereinigte  Staaten  von  Nord-Amerika,  wo  diese 
Art  am  Wabasch-Flusse  vorkommt. 

16.  Die  braunrüekige  SpÜzoiaos  (Sore.v  Cooperi). 

S.  iiotaeo  oöscure  fusco ,  gastrueo  einer eo;  cauda  supra  fusca, 
infra  argentata,  corpore  longiore;  pedibiis  griseis;  auricidis  vel- 
lere  absconditis ;  rostro  longo,  aciito. 

Sorex  Cooperi.  Bachm.  Journ.  of  the  Acad.  of  Philadelphia.  V.  VII. 
t.  24.  tig.  7. 
„  „         Reiche nb.  Naturg.  Raubth.  S.  344. 

Crocidnra  Cooperi.  Reich enb.  Naturg.  Raubth.   S.  344. 
Sorex  Cooperi.  De  Kay.  Zool.  of  New-York.  V.  I.  p.  21. 

„  „  A u du b.  Bachm.  Quadrup.  of  North-Amer.  V.  III. 

p.  311. 
Wagn.    Schreber  Säugth.  Suppl.     B.  V.    S.  550. 
Note  1. 

Eine  der  kleinsten  nordamerikanischen  Arten  dieser  Gattung, 
welche  blos  aus  den  kurzen  Beschreibungen  von  Bach  man.  De 
Kay    und    Audubon     und    einer    von    Bachm  an    mitgetheilten 


i)  !  4     Filzinger.   Kritisclic  L'nteisucliung:.  iih.  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc. 

Abbildung  bekannt  und  durcb  die  Länge  ibres  Scbwanzes  von  allen 
übrigen  nordamerikanischen  Arten  ausgezeichnet  ist. 

Der  Rüssel  ist  lang  und  spitz,  die  Ohren  sind  vollständig  unter 
dem  Pelze  versteckt  und  der  sehr  lange  Schwanz  ist  etwas  länger 
als  der  Körper. 

'  Die  Färbung  der  Oberseite  des  Körpers  ist  dunkelbraun,  jene 
der  Unterseite  aschgrau.  Der  Schwanz  ist  auf  der  Oberseite  braun, 
auf  der  Unterseite  silbergrau.  Die  Füsse  sind  grau. 

Körperlänge    .......     1"    ^\'^"-  Nach  Bachman. 

Länge  des  Schwanzes     ....     i"  IO1/2  '• 

Körperlänge 1"  10 '/a'".  Nach  Au  du  hon. 

Länge  des  Schwanzes     ....     1"  lOi/,'". 

Gesammtlänge 3"    5'".       Nach  De  Kay. 

Vaterland.  Nord-Amerika,  nordwestliehe  Vereinigte  Staaten. 

Wenn  Wagner  nach  Audubon  angibt,  daß  das  äußere  Ohr 

gänzlich  fehle,  so  scheint  dieß  nur  auf  einem  unrichtig  gebrauchten 

Ausdrucke  zu  beruhen,  da  Bachman  in  seiner  ersten  Beschreibung 

ausdrücklich  bemerkt,  daß  die  Ohren  versteckt  sind. 


H  ü  t  teil  brenne  r.   Untorsiicli.  iil>er  die  Binnenmnskeln  des  Aiig'e.s.  O  1  ö 


Untersuchuuficn   über  die   Binneiimuskeln   des   Auges. 
Von  Dr.  Andreas  t.  nättenbreiiner, 

Sekundararzt  im   k.   k.   allgemeinen   Kraiikeuliause   zu  Wien. 

(Aus  dem  physiologisflien  Institute  der  Wiener  Universität.) 


I. 

Über  den  Lilatator  pupillae. 

Es  ist  eine  beküiinte  Tliatsache,  daß  die  intraokulären  Muskeln 
im  Bulbus  der  Vögel  und  beschuppten  Amphibien  aus  quergestreiften 
Fasern  bestehen,  während  die  Säugethiere  und  der  Mensch,  so  wie 
die  nackten  Amphibien  nur  glatte  Muskelfasern  aufweisen. 

Insbesonders  bei  den  Vögeln  und  unter  ihnen  wiederum  bei  den 
Raubvögeln  ist  die  Muskulatur  in  der  Iris,  namentlich  aber  jene ,  die 
die  Accomodation  zu  leisten  hat,  äußerst  kräftig  entwickelt. 

Ich  will  nun  die  Resultate  meiner  Untersuchungen  mittheileii 
und  ich  hoffe  hiedurch  die  Frage,  ob  die  Iris  der  verschiedenen  Thier- 
gattungen  einen  Dilatator  pupillae,  sei  er  nun  aus  quergestreiften 
oder  glatten  Muskelfasern  gebildet,  als  selbstständigen  Muskel  besitzt, 
zum  end giltigen  Abschlüsse  zu  bringen. 

Ich  will  mit  dem  Vogelauge  beginnen  und  werde  in  Kürze,  um 
Wiederholungen  zu  vermeiden,  eine  gedrängte  Beschreibung  jener 
Merkmale  des  Vogelauges,  durch  die  es  sich  vom  Säugethierauge 
unterscheidet,  geben,  nebst  den  Methoden,  durch  die  es  mir  mög- 
lich wurde,  durch  die  Iris  eine  Reihe  von  Quer-  und  Flachschnitteu 
anzulegen,  um  hiedurch  über  die  Schichtung  und  Faserrichiung  in 
der  Iris  eine  richtige  Vorstellung  zu  bekommen. 

Die  Merkmale,  durch  die  sich  das  Vogelauge  von  dem  des 
Säugethieres  unterscheidet,  sind  folgende: 

1.  Besitzt  das  Auge  der  Vögel  in  der,  in  ihrem  vorderenAntheile 
aus  derben  dichten  Bindegewebsfasern  bestehenden  Sclerotica  einen 
Kiiochenring   eingefügt ,     der    aus   dachziegelförmig  übereinander 


J)  t  6  V.     H  ü  t  t  i>  n  1)  r  e  n  n  e  r. 

gelagerten  Kiioclieiiplättelieii  besteht.  Dieser  sogenannte  vordere 
Sclerotical-Ring  besteht  aus  wahrem  Knochen,  in  welchen  man  bei 
größeren  Vögeln  Markrainnhildung  antrifft  und  dessen  Periost  durch 
die  Sclera  gebildet  wird.  Auf  dem  Querschnitte  erscheint  der  Kno- 
chen, namentlich  beim  Huhne,  seiner  Zusammenfiigung  gemäß  dop- 
pelt, wenn  der  Schnitt  gerade  jene  sich  deckenden  Partien  der 
Knochenplättchen  getrolTen  hat. 

2.  Besitzen  alle  Spechtarten  und  jene  Gattungen,  die  in  Bezug 
auf  Lebensweise  und  in  Bezug  auf  Erwerbung  ihrer  Nahrung  jenen 
sehr  nahe  stehen,  einen  sogenannten  hinteren  Sclerotical-Ring»),  der 
in  den  meisten  Fällen  von  Sehnerven  durchbohrt  wird  und  zu  dessen 
Schutze  er  nach  Gemminger's  Ansicht  bei  Erschütterung  des 
Schädels  hauptsächlich  dient. 

3.  Die  übrige  Sclerotica  besteht  aus  hyalinem  Knorpel,  der 
von  einem  Perichondrium  überzogen  ist.  Es  wird  derselbe  von  Seh- 
nerven und  von  größeren  Gefäßen,  die  zur  Choroidea  ziehen, 
durchbrochen. 

4.  >'on  dem  vom  vorderen  Knochenringe  entspringenden  Mus- 
keln im  Anhange  ausführlicher. 

5.  Liegt  im  hinteren  Abschnitte  des  Vogelauges  der  sogenannte 
Pecten,  der  von  der  Papilla  nervi  optici  entspringt  und  als  eine  dunkel 
pigmentirte  Wand  in  den  Glaskörper  hineinragt.  Er  ist  den  Ciliar- 
fortsätzen  ähnlich  gebaut  und  besteht  aus  lö  — 20  von  zahlreichen 
Gefäßschlingen  überzogenen  Leistchen. 

Um  nun  durch  eine  so  zarte  Membran,  wie  die  Iris,  einen 
Durchschnitt  machen  zu  können,  habe  ich  folgendes  Verfahren  ein- 
geschlagen : 

Ich  nehme  den  Bulbus  zwischen  die  Finger  der  linken  Hand, 
spanne  ihn  etwas  und  theile  ihn  in  der  Aquatorialebene  mittelst 
einer  scharfen  Scheere  in  zwei  Theile,  entferne  hierauf  vorsichtig 
Glaskörper  und  Linse,  auf  deren  Kapsel  immer  ein  Theil  des  Pig- 
mentes der  Ciliarfortsätze  hängen  bleibt. 

Man  sieht  nun  die  vordere  Hälfte  der  Choroidea  und  mittelst 
eines  sanften  Zuges  der  Pincette  kann  man  den  Ciliartheil  der  Cho- 
roidea saniml  der  Iris  leicht  von  der  Sclera  ablösen. 


Ij   M.   Gemminger.     Ül>er    eine   Knoclienplatte   im    hinteren   Stierocital-Segmenle 
der  Allgen  einiger  Vögel.   Zeitschrii't  l'ür  wisseiisciiaftliche  Zoologie.  IV.  B.  S.  213. 


Unfersiu'liiiiigeii  üher  die  Biiiiioimiiiskclii  des  Auges.  517 

Die  Iris  wird  nun  in  toto,  so  wie  der  übrige  Thoil  des  vorde- 
ren Bulbus  mit  karminsaurem  Ammoniak  infiltrirt,  in  absolutem  Al- 
kohol entwässert  und  in  verharztem  Terpentinöl  aufgehellt. 

Die  so  behandelte  Iris  wird  nnn  in  einer  Mischung  von  weißem 
Wachs  und  Olivenöl  zu  gleichen Theilen  (Peremeschko)  eingebet- 
tet und  so  wurde  es  mir  möglich  durch  die  Iris  eine  Reihe  von  radialen 
wie  tangentialen  Querschnitten  zu  machen. 

Die  Schnitte  wurden  in  Damarfirniß  aufbeM'ahrt. 

Die  Iris  der  Vögel  hat  einen  sehr  coniplicirten  Bau,  der  noch 
überdies  bei  verschiedenen  Gattungen  wesentlich  difTerirt. 

Ich  will  zuerst  die  Iris  des  Huhnes,  die  ich  im  entwickelten 
und  embryonalen  Zustande  untersuchte,  genauer  beschreiben  und 
einzelne  Abweichungen  bei  anderen  Vögeln  späterhin  kurz  andeuten. 

Der  Hauptstreit  dreht  sich  um  die  Frage,  ob  die  Iris  der  Vögel 
einen  Dilatator  pupillae  besitzt  oder  nicht  und  falls  radial  gestellte 
Muskelfasern  vorhanden  sind,  wo  sie  verlaufen  und  ob  sie  eine  eigene 
Schichte  bilden. 

Zuerst  hat  Kölliker  <)  den  Dilatator  pupillae  beim  Truthuhn 
in  einer  kurzen  Notiz  erwähnt. 

Hierauf  läugnete  v.  Wittich  2^  und  vor  ihm  schon  Krobns) 
das  Vorkommen  von  radial  die  Iris  durchziehenden  Muskelfasern  und 
V.  Wittich  erklärte  die  von  ihm  gesehenen  und  derart  verlaufenden 
Fasern  an  mit  Chlor  gebleichten  Präparaten  für  Nervenstämmchen. 

Durch  die  Behandlung  mit  Chlorgas  zur  Entfernung  des  Pig- 
mentes wurden  jedoch  die  einzelnen  Charaktere  des  Gewebes  jeden- 
falls zerstört  und  v.  W' ittich  hielt  daher  die  viel  feineren  und  zar- 
teren Fasern  des  Dilatator  für  Nervenstämmchen. 

Bald  darauf  gibt  H.Mül  le  r*)  eine  ziemlich  genaue  Beschreibung 
des  Dilatator  pupillae  bei  den  Vögeln  und  spricht  die  Meinung  aus, 
daß  sein  Vorkommen  bei  allen  Vogelarten  mehr  als  wahrscheinlich 
sei.  Er  fand  ihn  beim  Raben,  bei  einigen  Falkengattungen,  bei  den 
Eulen  und  Tauben. 


1)  Kölliker,   mikroskopische  Anatomie,  2.  Band,  2.  Heft.  S.  643. 

2)  V.  Wittieh,  Archiv  für  Ophthalmologie,  2.  Bd.,  1.  ALth.  S.  129.  18o3. 

3)  Krohn.   in   Miiner's  Archiv   1837. 

*)  H.   Müller,   Archiv  für  Ophthalmologie,  III.  Bd.  1.  Abth.  S.  26.  1857. 


0 1  O  V.    H  li  t  t  e  n  I)  r  e  n  II  e  r. 

G  r  ü  II  li  a  g  e  n  <),  der  die  Angaben  K  ö  1 1  i  k  e  r's,  namentlich  aber 
H.  Mülle  r's  nicht  zu  kennen  scheint,  findet  einen  quergestreiften 
Dilatator  beim  Huhne,  kleinem  Würger  und  bei  der  Taube,  konnte 
ihn  jedoch  in  der  Iris  von  Gänsen,  Eulen,  Schnepfen  und  Wachteln 
nicht  finden. 

Ich  will  nun  meine  eigenen  Beobachtungen,  die  nur  wenig  von 
den  H.  Mül  ler'schen  abweichen,  mittheilen;  sie  beziehen  sich 
hauptsächlich  auf  die  Iris  unseres  gewöhnlichen  Haushnhnes. 

Wenn  man  einen  radialen  und  zugleich  auf  die  Irisebene  senk- 
rechten Schnitt  durch  die  Iris  führt,  so  sieht  man  namentlich  an  Em- 
bryonen, die  am  Ende  ihrer  Entwicklung  stehen,  sehr  schön  die 
Schichten  der  Iris  und  zwar  am  meisten  nach  rückwärts  (central) 
die  Pigmentlage  als  unmittelbare  Fortsetzung  des  Choroidealpigmen- 
tes;  unmittelbar  vor  ihm  sieht  man  als  eigene  Schichte  den  Dilatator 
pupillae,  der  vom  Ciiiarrande  bis  nahezu  an  den  Pupillenrand  herab- 
reicbt.  Bei  Embryonen  sind  die  Muskelfasern  sehr  fein  und  zart, 
sind  durch  keine  bindegewebige  Zwischensubstanz  von  einander  ge- 
trennt und  zeigen  sehr  zahlreiche  Muskelkörperchen,  während  an 
ausgewachsenen  Exemplaren  die  einzelnen  Muskelfasern,  wie  beim 
Sphincter,  durch  ein  zartes  leicht  welliges  kernreiches  Bindegewebe 
umsponnen  erscheinen. 

Vor  dem  Dilatator  pupillae  liegt  der  Sphincter,  der  bei  dieser 
Schnittricbtung  im  Querschnitte  zur  Anschauung  kommt  und  der  als 
ziemlich  starker  nach  vorne  (peripher)  zu  cunvexer  Wulst  erscheint 
welcher  vom  Pupillarrande,  wo  er  am  schwächsten  ist,  sich  fast  bis 
zum  Ciiiarrande  erstreckt,  wie  denn  auch  die  Iris  schon  mikrosko- 
pisch am  Pupillarrande  am  dünnsten,  in  ihrer  Mitte  am  dicksten  er- 
scheint, von  wo  aus  sie  sich  gegen  den  Ciliarrand  wieder  verdünnt, 
ohne  jedoch  so  dünn  zu  werden,  wie  sie  am  Pupillarrande  war.  An 
Fiachschnitten  sieht  man  die  Fasern  des  Sphincter  pupillae  in  con- 
centrischen  Ringen  um  die  Puj)ille  herum  vom  Pupillarrande  bis  zu 
den  Ciliarfortsätzen  sich  erstrecken.  Hier  sieht  man  sehr  häulig,  daß 
viele  quergestreifte  Muskelfasern,  die  eine  Zeit  lang  concentrisch 
mit  der  Pupille  verlaufen  sind,  plötzlich  umbeugen  und  radial  gegen 
den  Ciliarrand  verlaufen,  inn  sich  gegen  das  Corpus  ciliare  zu  zu 
verlieren. 


1)    i;  r  ii  11  h  II  g  e  II .    in  Viicliow»  Arcliiv  XXX.  S.  ifili.   I8(i'6. 


L'iiteisuchunyen  iiher  die  Kiiuieiiniusiieiii  ilejj  Augt-s.  Dlö 

Diese  radial  verlaufenden  Fasern  geiiören  jedoch  nicht  dem 
eigentlichen  Dilatator  an;  dieser  liegt  in  einer  eigenen  Schichte  hin- 
ter ihnen,  wie  man  dies  an  glücklich  geführten  Flachschnitten  sehen 
kann,  wo  man  nur  radial  verlaufende  Faseichen  trifl't,  die  in  gewis- 
sen Abstünden  von  einander  verlaufen  und  durch  ein  zartfaseriges 
welliffes,  zahlreiche  Kerne  und  elastische  Fasern  enthaltendes  Binde- 
gewebe  von  einander  getrennt  erscheinen. 

Die  Fasern  dos  Sphincter  liegen  vielmehr  aneinander,  und  es  ist 
deßhalb  diis  Zwischengewebe,  in  dem  die  zahh-eichen  Nerven  und 
Blutgefäße  verlaufen,  viel  spärlicher. 

Gleiche  Verhältnisse  traf  ich  bei  den  Gänsen,  Drosseln,  Raben, 
beim  Landadler  (Dilatator  Pupillae  verhältnißmäßig  schwach  ent- 
wickelt), bei  den  Tauben,  Schnepfen,  Rebhühnern  und  Wildenten. 

Ein  eigenthümliches  Verhalten  bietet  die  Iris  der  Eule  dar. 

Die  goldgelbe  Farbe  der  Iris  erscheint  nach  Herausnahme  der- 
selben aus  Chromsäure  weiß,  und  rührt  diese  Farbe  her  von  einem 
Pigmente,  das  theilweise  die  vordere  (periphere)  Fläche  der  Iris  be- 
deckt und  zusammengesetzt  erscheint  von  kleinen  rundlichen  oder 
ovalen  Zellen,  die  einen  hellglänzenden  Kern  besitzen  und  deren  Zellen- 
leib von  zahlreichen  kleinen  graulichglänzenden  Fettkörnchen  ähn- 
lichen Körnern  gebildet  wird. 

Dieses  Pigment  beginnt  am  Pupillarrande  und  hört  etwa  eine 
Linie  vor  dem  Ciliarrande  mit  einem  zackigen  Rande  auf;  die  Zacken 
entsprechen  den  geradlinig  oder  etwas  gebogen  vom  Ciliarrande  her- 
ablaufenden Gefäßen,  d.  h.  das  Pigment  setzt  sich  längs  der  Gefäße 
nocli  eine  kurze  Strecke  fort  und  umhüllt  sie. 

Die  Iris  der  Eulen  zeigt  ferners  in  Bezug  auf  ihre  Muskulatur 
ein  verschiedenes  Verhalten. 

1.  Reicht  dieselbe,  sowohl  der  Sphincter  als  auch  der  Dilatator 
nur  so  weit,   als  das  weiße  Pigment  sich  erstreckt. 

2.  Kreuzen  sich  alle  Fasern  des  Dilatator  unter  einem  spitzen 
Winkel  auf  halbem  Wege  zwischen  Pupillar-  und  Ciliarrand.  Selbst- 
verständlich wird  durch  eine  solche  Anordnung  derselbe  Zweck  bei 
ihrer  Contraction  erreicht,  als  wenn  sie  so  angeordnet  wären,  wie 
z.  B.  beim  Huhne. 

Hinter  der  Muskelschichte,  die  schwach  entwickelt  ist  und  in 
einem  kernreichen  Bindegewebe  eingebettet  ist,  liegt  das  schwarze 
Pigment  das  sich  bis  zu  den  Ciliarfortsätzen  erstreckt. 


520  V.    H  ü  1 1  e  n  b  r  e  n  n  e  r. 

Von  der  Stelle  an,  wo  das  vordere  lichte  Pigment  und  die  Mus- 
kelsehichte  aufhört,  wird  die  Iris  nur  von  dem  dunklen  Pigmente  ge- 
bildet, in  dem  die  Blutgefäße  und  Nerven  ziemlieh  lose  angeheftet 
verlaufen,  so  daß  man  sie  leicht  als  ganze  Stämmchen  sammt  ihren 
baumartigen  Verzweigungen  herausziehen  kann. 

Obwohl  viele  Beobachter,  z.  B.  Krohn,  diesen  Theil  nicht  mehr 
zur  Iris  rechnen,  indem  er  histologisch  der  Choroidea  ähnlicher  ist 
als  der  Iris,  so  muß  man  ihn  doch,  wie  ich  glaube,  zur  Iris  rechnen, 
indem  er  erstens  in  einer  Ebene  mit  derselben  liegt  und  zweitens, 
was  mir  hauptsächlich  erscheint,  dieser  Theil  mit  die  vordere  Kammer 
bilden  hilft. 

Die  beschuppten  Amphibien  besitzen  ebenfalls  einen  Dilatator 
pupillae,  indem  ihn  schon  H,  Müll  er  i)  bei  der  Schildkröte,  deren 
Auge  denen  der  Vögel  ähnlich  ist,  und  bei  den  Chamaeleonen  be- 
schrieb. Hinzufügen  will  ich  noch,  daß  unsere  gemeine  grüne 
Eidechse,  Lacerta  agilis,  eine  Iris  besitzt,  die  sich  wegen  ihres  Man- 
gels an  Pigment  sehr  zur  Untersuchung  eignet.  Man  sieht  quer- 
gestreifte Muskelfasern  in  concentrischeu  Bingen  um  die  Pupille 
herumgehen;  beiläufig  in  der  Mitte  der  Iris  beginnen  die  Muskel- 
fasern gegen  den  Ciliartheil  der  Choroidea  umzubiegen,  sie  kreu- 
zen sich  hiebei  vielfach  und  bilden  hiedurch  ein  äußerst  zierliches 
Netzwerk,  über  welchem  noch  Blutgefäße  und  Nerven  gegen  den 
Pupillarrand  herablaufen.  Schließlich  nehmen  die  Muskelfasern  eine 
direct  radiale  Richtung  an. 

Die  Untersuchung  der  Iris  der  Säugethiere  und  des  Menschen 
ist  wegen  der  glatten  Muskelfasern  eine  viel  schwierigere ,  doch 
hat  mich  hierin  besonders  die  doppelte  Färbung  der  Präparate  mit 
karminsaurem  Ammoniak  und  Picrinsäure  wesentlich  unterstützt.  Ich 
habe  diese  Methode  in  etwas  modificirter  Weise  angewendet,  indem 
ich  die  feinen  Schnittchen,  die  ich  von  der  mit  Terpentinöl  bereits 
in  toto  aufgehellten  Iris  gewann,  in  Picrinsäure,  die  in  absolutem 
Alkohol  aufgelöst  war,  legte,  sie  dort  einige  Minuten  liegen  ließ, 
dann  wieder  in  verharztes  Terpentinöl  brachte  und  in  Damar-Lack 
aufbewahrte. 

Grünhagens)  stellte  im  Jahre  1864  den  Satz  auf,  daß  dem 
Auge  der  Säugethiere  und  des  Menschen  ein  Dilatator  pupillae  ent- 


')   H.   Müller  in  Gräfe's  Archiv,  IV.  Bd.,  2.  Abth.  S.  280. 

2}   Grünhagen,   über  Irisbeweg-iing  in  Virchow's  Archiv  XXX.,  .*>.  Heft,  S.  5üö. 


Untersuchungen  über  die  Binnenmuskeln  des  Auges.  o21 

schieden  fehle,  indem  er  erstens  die  von  Kolliker  in  seinem  Hand- 
buche gegebene  Beschreibung  der  Arcaden  eines  radiär  verlaufenden 
Muskels  in  der  Iris  der  weißen  Kaninchen  nicht  finden  konnte,  zwei- 
tens tritt  er  den  Beschreibungen  von  Valentin  ')  und  Budget) 
entgegen. 

Ersterer  beschreibt  die  Irismuskulatur  folgendermaßen: 

„Die  Bündel  der  glatten  Muskelfasern  sind  maschenartig  aneinan- 
der geheftet.  Ihr  Hauptgang  beschreibt  immer  Bogenabschnitte ,  die 
sich  mit  ihrem  convexesten  Theile  an  die  analogen  convexen  Theile 
anderer  Bügen  anlegen  sollen,  so  daß  je  zwei  Bögen  an  ihren  con- 
vexesten Theilen  und  in  ihrer  Mitte  einander  longitudinal  berühren, 
an  den  beiden  Enden  dagegen  auseinanderweichen.  Der  größere 
Theil  des  Muskelverlaufes  ist  longitudinal,  nur  ein  geringerer  trans- 
versal." 

Budge  unterscheidet  bestimmt  zwischen  einem  Sphincter  und 
Dilatator  pupillae  und  beschreibt  den  letzteren  ähnlich  wie 
Valentin. 

Kr  oh  n  3)  und  Schwann*)   konnten   nur    Muskelfasern  aus 
dem  Sphincter  isoliren,  letzterer  nur  in  der  Schweine-Iris. 

Brücke  5)  hingegen  beschrieb  schon  im  Jahre  1847  den  Ur- 
sprung und  die  Endigung  des  Dilatator  pupillae,  indem  er  nach  ihm 
an  der  inneren  Fläche  der  glasartigen  Lamelle  der  Hornhaut  nahe 
derselben  entspringt;  seine  Fasern  lassen  die  großen  Gefäße  und 
Nerven  zwischen  sich  durchtreten  und  verlaufen  hinter  denselben 
bis  zum  Pupillarrande ,  wo  sie  sich  in  den  Verengerer  der  Pupille 
verlieren. 

Grünhagen  e)  beharrt  nach  einer  neuerlichen  Untersuchung, 
die  mir  nur  im  Auszuge  vorliegt,  trotz  der  von  Henle  ^)  ausgespro- 


1)  Valentin's   Repertoiium,  11.  B.  S.  247  &  248. 

2)  Budge,   Bewegung  der  Iris  1833.  S.  91. 

3)  Krohn,   in  IVIüUer's  Areliiv  1837,  über  Structur  der  Iris  der  Vögel  etc. 
*)  Schwann,  in  Joh.  Müller's  Handbuch  der  Physiologie. 

5)  Brücke,  Anatomie  des  menschlichen  Augapfels,  1847.  S.  49. 

6)  Canstatt,  Jahresbericht  über  die  Leistungen  und  Fortschritte  in  der  Medizin  im 
Jahrgange  1866.  I.  Bd.  1.  Abth.  S,  34. 

'^)  Henle's  Sc  M  e  i  ß  n  e  r's  Bericht  über  die  Fortschritte  der  Anatomie  u.  Physiologie 
im  Jahre   1864,    S.   129  &  Henle"s   Handbuch   der  systematischen   Anatomie  des 
Menschen.  II.  Bd.  S.  632. 
Sitzb.  d.  iiiatheiii.-naturw.  Cl.  LVII.  Bd.  1.  Abth.  34 


522  V.     Hüttenbrenner. 

ebenen  Ansicht,  daß  die  die  Pupille  erweiternden  muskulösen  Ele- 
mente an  der  hinteren  Wand  unmittelbar  vor  dem  Pigmente  liegen, 
auf  der  Meinung,  daß  der  Menschen-  und  Säugethier-Iris  die  die- 
selbe radial  durchziehenden  Muskelfasern  entschieden  fehlen  sollten. 
Diese  von  He  nie  angegebene  sogenannte  hintere  Begrenzungsschichte 
findet  Grünhagen  als  eine  gleichmäßige  streifenlose  Lage  und  be- 
hauptet, die  isolirbaren  faserigen  Elemente  seien  eben  nur  Kunst- 
producte  und  die  Kerne,  die  man  als  Kerne  des  Dilatators  ansehe, 
seien  eben  Kerne  des  hinteren  Epithels,  während  die  Begrenzungs- 
haut ganz  kernlos  sei. 

Donders  i)  hat  bei  Versuchen  mit  weißen  Kaninchen  gesehen, 
daß  die  Blutgefäße  der  Iris  bei  Reizung  des  Halstheiles  des  Sympto- 
mathicus  enger  werden,  während  die  Pupille  sich  erweitert.  Es  sei 
daher  nicht  nothwendig  eigene  radiär  verlaufende  Muskelfasern  zur 
Erweiterung  der  Pupille  anzunehmen. 

Kölliker2)  kann  den  Dilatator  pupillae  nicht  wie  Brücke  bis 
zum  Ligamentum  pectinatum  iridis  und  dem  Rande  der  Glashaut  der 
Choroidea  verfolgen,  sondern  er  läßt  ihn  in  der  Substanz  der  Iris  be- 
ginnen und  er  besteht  nach  ihm  beim  Kaninchen  aus  vielen  schmalen 
Bündeln,  welche  jedes  für  sich  und  zwar  mehr  an  der  hinteren 
Fläche  der  Iris  zwischen  den  Gefäßen  nach  innen  verlaufen  und  sich 
an  den  Sphincter  anlegen;  er  gibt  jedoch  zu,  daß  der  Befund  beim 
Menschen  sich  so  verhalten  könne,  wie  ihn  Henle  beschreibt  und 
verwahrt  sich  gegen  die  von  Henle  ausgesprochene  Vermuthung,  er 
(Kölliker)  habe  Gefäße  mit  Muskeln  verwechselt. 

Ich  habe  mich,  wie  schon  oben  bemerkt  wurde,  der  Doppel- 
färbung bedient,  indem  ich  nach  der  Karminfärbung  das  Schnittchen 
noch  mit  Picrinsäure,  die  in  absolutem  Alkohol  gelöst  war,  infiltrirte. 
Ich  kann  diese  Methode  für  die  Untersuchungen  aller  Gewebe,  in 
welchen  sowohl  Bindegewebe  als  auch  glatte  Muskelfasern  vorkom- 
men, bestens  empfehlen,  indem  sich  die  rothen  Kerne  von  dem 
durch  die  Picrinsäure  gelb  oder  orange  gewordenen  Protoplasma  sehr 
deutlich  unterscheiden  lassen,  so  wie  auch  die  Saftcanälchen  des 
sich  auch  etwas  gelblich  färbenden  Bindegewebes  sehr  deutlich  her- 
vortreten. 


1)  D  o  n  d  e  r's  ,   die  Anomalien  der  Refraction  und  Accomodation  des  Aug'es. 

2)  Kölliker,   Ilandliuch   der  Gewebelehre   des   Menschen,  S.   Auflage,  1867.    S.  665 
u.  667. 


Untersuchung'en  über  die  Biniienmuskeln  des  Auges.  o33 

Ich  habe  in  den  Bereich  meiner  Untersuchungen  die  Iris  der 
weißen  Maus,  des  weißen  und  gefärbten  Kaninchens  und  die  blaue 
Iris  des  Mensclien  einbezogen,  und  da  die  histologischen  Details  in 
einigen  Punkten  differiren,  so  will  ich  sie  einzeln  beschreiben. 

Die  Iris  der  weißen  Maus  ist  so  zart  und  fein,  daß  man  sie  in 
toto  auf  dem  Objectträger  ausbreiten  und  mit  starker  Vergrößerung 
betrachten  kann. 

Man  sieht  erstens  den  ziemlich  breiten  Sphincter  mit  sehr  zar- 
ten Fasern  und  oblongen  Kernen  in  concentrischen  Schichten  um 
die  Pupille  herumgehen. 

Von  seiner  hinteren  Fläche  beginnen  nun  radiale  Muskelfasern, 
die  eben  so  zart  und  fein  sind,  wie  jene  des  Sphincters,  gegen  den 
Ciliarrand  zu  auszustrahlen.  Sie  bilden  fast  bis  gegen  die  Mitte  der 
Iris  eine  continuirliche  Schichte.  An  einzelnen  Stellen  und  zwar,  wie 
es  scheint,  demEintritte  doppelt  contourirter  Nerven  entsprechend,  ver- 
dicken sich  die  glatten  Muskelfasern  zu  säulenartigen  Bündeln,  die 
sich  weiter  als  die  continuirliche  Schichte  gegen  den  Ciliarrand  zu 
verfolgen  lassen.  Gegen  den  Ciliarrand  zu  verliert  sich  die  continuir- 
liche Schichte  in  ein  streifiges  Bindegewebe,  das  von  zahlreichen  Saft- 
zellen durchzogen  ist.  Der  Verlauf  der  Muskelfasern  scheint  in  kei- 
nem Zusammenhange  mit  dem  der  Gefäße  zu  sein,  eher  folgen  sie, 
so  sollte  man  meinen,  dem  Verlaufe  der  doppelt  contourirten  Nerven- 
fasern, insoferne  man  diese  zumeist  in  der  Nähe  oberwähnter  Bün- 
deln antrifft. 

Auch  wenn  man  die  ganze  Iris  weißer  Kaninchen  von  der  Fläche 
ansieht,  glaubt  man  Bündel  zu  sehen,  aber  die  Untersuchung  von 
Querschnitten  hat  dies  nicht  bestätigt,  wie  man  denn  auch  an  Quer- 
schnitten, die  nach  der  Richtung  einer  Sehne  durch  die  Iris  geführt 
werden,  also  die  Radien  derselben  mehr  weniger  senkrecht  treffen, 
sieht,  daß  die  Muskelschichte  des  Dilatators  erstens  eine  continuir- 
liche ist  und  man  nirgend  eine  Stelle  trifft,  wo  die  Muskelfasern  dich- 
ter und  in  größerer  Anzahl  beisammenstehen,  was  doch  der  Fall  sein 
müßte,  wenn  eben  solche  radienartige  Bündeln  die  Iris  durchzögen 
und  das  zwischen  liegende  Gewebe  nur  aus  einfachem  Bindegewebe 
bestehen  würde. 

Auch  durch  Ansichten  von  der  Fläche  kann  man  sich  überzeu- 
gen, daß  die  Muskellage  eine  continuirliche  sei.  Zu  diesem  Ende 
tingirt  man  die  Iris  mit  Karmin,  entwässert  mit  Alkohol  und  hellt  sie 

34» 


524  V.     H  ii  1 1  e  n  b  r  e  n  n  er. 

in  Terpentinöl  auf  und  dann  sieht  man  in  der  Tiefe  die  continuirliehe 
Muskelschichle  des  Dilatator. 

Querschnitte  sowohl  radial  als  in  der  Riclitung  einer  Sehne  ge- 
führt zeigen  jedoch,  daß  die  Schichte  der  radialen  Muskelfasern  an 
der  hinteren  Wand  als  eine  continuirliehe  läuft  und  sich  vom  Sphinc- 
ter  an  bis  zum  Ciliarrand  erstreckt,  ja  einzelne  Bündeln  sich  leicht 
bis  in  das  Ligamentum  pectinatum  iridis  verfolgen  lassen. 

Von  dieser  continuirlichen  Schichte,  hinter  welcher  beim  weißen 
Kaninchen  ein  aus  fast  rhombischen  Zellen  bestehendes  geschichtetes 
Epithelinni  liegt,  gehen  einzelne  Faserbündel  abzweigend  gegen  die 
Substanz  der  Iris  (mittlere  Schichte)  zu.  Solche  Bündel  sind  über- 
dies selten,  wie  dies  Schnitte  in  der  Richtung  einer  Sehne  durch  die 
Iris  geführt  zeigen;  auch  stehen  sie  in  keinem  Zusammenhange  mit 
dem  Verlaufe  der  Gefäße. 

Wir  haben  also  beim  weißen  Kaninchen  ein  ähnliches  Verhalten, 
wie  bei  der  weißen  Maus.  Es  liegt  der  Dilatator  an  der  hinteren 
Wand  der  Iris ,  nur  bilden  hier  die  Faserzüge  bis  zum  Ciliarrande 
eine  continuirliehe  Schichte.  Ich  brauche  wohl  nicht  zu  erwähnen, 
daß  ich  mich  von  der  Zusammensetzung  dieser  hinteren  Schichten 
des  Dilatators  aus  glatten  Muskelfasern  vielfach  sowohl  an  Schnitten 
als  auch  hauptsächlich  an  Zupfungspräparaten  überzeugt  habe. 

Die  Capillargefäße  in  der  Kaninchen-Iris  verlaufen  nach  bekann- 
ter Anordnung  in  einem  leicht  welligen  zarten  Bindegewebe,  das  hie 
und  da  Kerne  zeigt,  die  aber  keineswegs  den  länglichen  Kernen  der 
glatten  Muskelfasern  gleichen  und  keineswegs  nach  der  Längsaxe  der 
Gefäße  angeordnet  erscheinen.  Auch  beim  dunklen  Kaninchen  zeigen 
die  Gefäße  dasselbe  Verhalten. 

Bei  nicht  gefärbten  Thieren  kann  an  der  vorderen  wie  liinteren 
Seite  der  Iris  sehr  schön  das  schon  oben  erwähnte  Epithel  zur  An- 
schauung gebracht  werden.  Die  Epitheizellen  können  wegen  ihrer 
länglichen  Form,  deren  Längsaxe  dem  Irisradius  entspricht,  sehr 
leicht  mit  den  glatten  Muskelfasern  an  der  hinteren  Wand  verwech- 
selt werden,  doch  die  Methode  der  Doppelfärbung  mit  Karmin  und 
Picrinsäure  in  Wasser  gelöst,  läßt  diese  Epithelbekleidung  sowohl 
an  der  vorderen  wie  hinteren  Fläche  scharf  begrenzt  erscheinen. 
Zu  einer  genaueren  histologischen  Unlersuchving  der  Iris  läßt  sich 
diese  Methode  nicht  verwerthen,  weil  durch  die  nothwendig  voraus- 
gehende  Behandlung  mit  Creosot   und   Essigsäure   (Kochen   durch 


Untersiichiing'en  über  die  ßinnenmuskeln  des  Atiges.  D'ido 

einige  Minuten  in  einer  Mischung)  die  Gewebsbestandtheile  zu  viel 
schrumpfen  macht  (vergleiche  Schwarz)  '). 

Bei  dunklen  Kaninchen  muß  natürlich  das  Pigment  zunächst 
entfernt  werden.  Dies  geschieht  an  mit  Terpentinöl  behandelten 
Schnitten  leicht,  indem  man  es  mit  der  Nadel  abzieht  und  dann 
sieht  man  den  Dilatator  wie  beim  weißen  Kaninchen. 

Beim  Menschen  hält  sich  der  Verlauf  des  Dilatators  ebenso,  nur 
will  ich  auf  Folgendes  aufmerksam  machen:  Es  sind  sämmtliche 
Gefäße  der  Iris,  namentlich  aber  die  ganz  kleinen  Venen,  umssheidet 
von  einer  Lage  von  glatten  Muskelfasern ,  die  meist  in  der  Richtung 
der  Längenaxe  an  dasselbe  anliegen.  Mir  ist  wohl  bekannt,  daß  um 
kleine  Venen  herum  glatte  Muskelfasern  vorkommen,  jedoch  nicht 
in  so  bedeutender  Menge,  wobei  ich  bemerke,  daß  die  Gefäße  in 
der  Iris  des  weißen  und  dunklen  Kaninchens  sowie  der  weißen  Maus 
diese  Längsmuskeln  durchaus  nicht  aufweisen. 

Die  Kerne,  die  der  eigentlichen  Wand  des  Gefäßes  angehören, 
lassen  sich  leicht  von  den  viel  größeren  stäbchenförmigen  Kernen 
der  Muskelfasern  unterscheiden. 

Obgleich  die  Iris  anf  dem  Durchschnitte  in  radialer  Richtung 
vielfach  gefaltet  erscheint,  so  verläuft  doch  der  Dilatator  als  eine 
gerade  Linie  hinter  dem  Sphincter  entspringend  bis  zum  Ciliarrande, 
während  die  Gefäße  vielfach  geschlängelt  und  contrahirt  erscheinen. 

Es  kommen  somit  in  der  Iris  des  Menschen  zweierlei  Arten  ra- 
dial verlaufender  Muskelfasern  vor,  die  auf  die  Erweiterung  der 
Pupille  einwirken  können,  die  des  Dilatator  und  die  Längsmuskel- 
fasern der  Gefäße.  Da  man  die  letzteren  bei  den  vorerwähnten  Thie- 
ren  nicht  findet,  so  muß  man  die  active  Erweiterung  der  Pupille  zu- 
nächst vom  Dilatator  ableiten.  Die  Function  der  Längsfasern  der 
Gefäße  ist  vorläufig  noch  nicht  sicher  bekannt  und  so  auch  ihre  Be- 
theiligung an  der  Erweiterung  der  Pupille. 

Ich  will  nun  die  Resultate  meiner  Untersuchungen  hier  noch 
einmal  kurz  zusammenfassen,  und  diese  sind: 

1.  Der  Dilatator  pupillae  existirt  bei  den  Säugethieren  und 
beim  Menschen  (gegen  Grünhagen). 

2.  Verläuft  derselbe  bei  den  Kaninchen  und  beim  Menschen  an 
der  hinteren  Wand  als  eine  continuirliche  Schichte  vor  dem  Epithel, 


1)    Schwarz   LV.  Bd.  d.  Sitzungsb.  d.  Akad.  d.Wissensch.  April-Heft  1867,  S.  14. 


ö  »i  b  V.     H  ii  t  t  e  n  I)  r  e  n  n  e  r. 

respective   Pigmente,    welch   letzteres   sieh   zwischen  seine   Fasern 
hineindrängt  (Henle). 

3.  Kommen  beim  Menschen,  dessen  Dilatator,  so  wie  der  des 
Kaninchens,  bis  zum  Ciliarrande  geht,  glatte  Muskellaseni  um  die 
kleineren  Gefäße  vor,  welche  unabhängig  vom  Dilatator  mit  jenen 
Gefäßen  der  Länge  nach  verlaufen. 


II. 

Über  den  Tensor  choroideae  und  den  Musculus 
Cramptonianus  bei  den  Vögeln. 

Außer  den  Irismuskeln  besitzt  das  Vogelauge  noch  den  soge- 
nanten  Crampton'schen  Muskel  und  den  Tensor  choroideae,  Sie 
bestehen  ebenfalls  aus  quergestreifter  Muskulatur,  und  über  ihr  Ver- 
halten will  ich  noch  Einiges  anführen. 

Ersterer  Muskel,  von  Philipp  Cramptoni)  im  Jahre  1813  ent- 
deckt, entspringt  von  der  inneren  Fläche  des  Knochenringes  und 
heftet  sich  an  die  innere  Lamelle  der  Cornea  an.  Er  wurde  von  ihm 
Depressor  corneae  genannt. 

Brücke  2)  hat  jedoch  wahrscheinlich  gemacht,  daß  der 
Crampton'sche  Muskel  nicht  die  Cornea  abflacht,  d.  h.  den  Krüm- 
mungshalbmesser ihrer  Oberfläche  vergrößert,  sondern  daß  er  den- 
selben verkleinert  und  das  Auge  für  die  Nähe  accommodirt. 

Der  Tensor  choroideae  entspringt  ebenfalls  von  der  inneren 
Fläche  des  Knochenringes,  jedoch  etwas  weiter  nach  rückwärts  und 
heftet  sich  mit  nach  rückwärts  verlaufenden  Fasern  ringförmig  an 
die  Choroidea  an.  Diese  Verhältnisse  gelten  jedoch  nur  für  größere 
Vögel,  wie  Uliu's  und  Casuare  oder  solche  Vögel,  deren  Bulbus 
verbältnißmäßig  sehr  groß  ist,  und  die  so  gebaut  erscheinen,  als  sei 
auf  dem  hinteren  größeren  Antheile  (einer  Halbkugel  entsprechend) 
eine  kleinere  Halbkugel  (die  vordere  Kammer)  aufgesetzt.  Bei  die- 
sen Vögeln  ist  die  Knochenplatte  ziemlich  voluminös  und  von  großen 
Markräumen  durchzogen ,  nach  vorne  zu  stark  concav  und  die  vor- 
dere Kammer  verbältnißmäßig  groß. 


1)   Pli.   Crainpton,    in  Gilhcrl'»  Aniialen. 
-)   iJrii.kft   in  Miillei's  Archiv  1846.  S.  370. 


Untersuchungen  über  die  Binnenuiuskeln  des  Aug^es.  ö^i 

Bei  kleineren  Vögeln,  wie  unseren  gewöhnlichen  Hausvögeln, 
sind  diese  Verhältnisse  etwas  anders  und  ich  will,  bevor  ich  zur 
Beschreibung  der  Muskeln  schreite,  die  hierüber  differirenden  An- 
sichten erwähnen, 

Donders  nennt  das  Loos  dieser  Muskeln  unglücklich,  indem 
sie  von  jedem  Beobachter,  nachdem  ihre  muskulöse  Natur  fest- 
gestellt war,  anders  beschrieben  worden  sind. 

Crampton  «)  läßt  den  nach  ihm  benannten  Muskel  von  dem 
Knochenringe  entspringen  und  sich  vermittelst  eines  schrägen  Ringes 
an  die  Innenfläche  der  Cornea  ansetzen,  wobei  er  bemerkt,  d;if>  die 
Muskelfasern  auch  der  Choroidea  anhaften. 

Krohn2)  bemerkt,  daß  beim  Fischadler  und  bei  den  Eulen 
beide  Muskeln  durch  scheinbar  freie  Zwischenräume  von  einander 
getrennt  sind,  während  bei  kleineren  Vögeln  aber  sich  das  ganze 
Gebilde  als  eine  nirgends  unterbrochene  Masse  darstellt. 

Hierauf  beschrieb  Brücke  9  beim  Uhu  und  Casuar  zwei  durch 
Ansatz  und  Wirkung  verschieden  charakterisirte  3Iuskeln ,  welche  in 
ähnlicher  Weise  bei  allen  Vögeln  vorhanden  sind.  Der  von  Brücke 
als  Crampton'sche  Muskel  bezeichnete  Muskel  entspringt  vom  Knochen- 
ringe und  setzt  sich  nach  vorne  zu  an  die  innere  Lamelle  der  Horn- 
haut an.  Der  Tensor  choroidea  entspringt  ebenfalls  vom  Knochen- 
ringe und  geht  mit  nach  rückwärts  verlaufenden  Fasern  zur 
Choroidea. 

Cramer  fand  den  Tensor  choroideae  so  wie  ihn  Brücke  be- 
schrieb, den  Crampton'schen  Muskel  hingegen  läßt  er  von  der  Cho- 
roidea entspringen  und  an  den  Knochenring  und  die  Descemetische 
Haut  sich  inseriren. 

Donders*)  endlich  gibt  als  Resultat  seiner  Untersuchungen  an, 
daß  nur  ein  einziger  Muskel  vorhanden  ist,  welcher  in  halbgefiederter 
Anordnung  von  der  äußeren  Wand  des  Schlemm'schen  Canales  und 
von  der  Außenseite  eines  faserigen  Stranges  entspringt,  der  von 
jener  W^and  aus  sich  ziemlich  weit  nach  hinten  erstreckt.  Die  äuße- 
ren Fasern  gehen   nach  außen  und  hinten  und  heften  sich   an  die 


1)  Crampton,   a.a.O. 

2)  Krohn,    Müllers  Archiv  1837.  S.  357, 

S)  E.   Brücke,   Müllers  Archiv,  1846.  S.  370. 

*)  Üonders   ünderzoeckingeu  Jaar  VI.  S.  56. 


Öäö  V.     II  ii  t  (  e  II  I)  r  ü  II  11  u  r. 

Sclerotica,  je  weiter  sie  jedoch  nach  rückwärts  entspringen,  um  so 
mehr  nehmen  sie  die  Hichtiing  nach  hinten  an,  so  daß  die  letzteren 
sich  an  die  Choroidea  ansetzen, 

H.  Müller  i)  wendet  sich  nun  gegen  diese  von  einander  ah- 
weichenden  Ansichten  und  hemerkt,  daß  er  in  Beziehung  auf  den 
Crampton'schen  Muskel  mit  der  Donder'schen  Beschreibung  über- 
einstimme. 

Es  geht  nämlich  aus  der  inneren  Lamelle  der  Hornhaut  vom 
Rande  derselben  eine  Caserigc  Plalte  hervor.  Dieselbe  ist  vorne  ziem- 
lieh stark,  schärft  sich  aber  nach  rückwärts  allmälig  zu,  so  daß  sie 
sich  oft  vor  der  Hälfte  des  Knochenringes  verliert.  Nach  innen  wird 
diese  Platte  durch  lockeres  elastisches  Gewebe  mit  der  Außenfläche 
des  Ciliarkörpers  verbunden. 

Nach  auswärts  dagegen  entspringt  der  Crampton'sche  Mus- 
kel, dessen  andere  Insertionsstelle  die  fibröse  Scierotica  ist.  Die  vor- 
dersten Fasern,  welche  noch  vor  dem  Knochenringe  liegen,  sind 
kurz  und  wenig  nach  hinten  gerichtet,  je  weiter  rückwärts  sie  von 
dieser  Platte  abgehen,  desto  länger  werden  sie,  indem  sie  sich 
immer  weiter  nach  rückwärts  an  die  Sclera  anheften. 

Die  nach  rückwärts  gelegene  Partie  des  Muskels  (Tensor  cho- 
roideae.  Brücke)  hat  nach  H.  Müller  einen  zweifachen  Ursprung, 
indem  die  äußere  Portion  von  der  am  Knochenringe  anliegenden 
Sclera  entspringt,  die  innere  von  derselben  faserigen  Plalte  kommt, 
welche  weiter  vorne  den  inneren  Insertionspunkt  des  Crampton'schen 
jMuskels  bildet.  Es  bleibt  zwischen  beiden  Portionen  ein  größerer 
oder  geringerer  Raum  übrig,  der  übrigens  ganz  schwinden  kann,  in- 
dem die  beiden  Portionen  unmittelbar  aneinander  liegen. 

Dieser  Anschauung  von  H.  Müller  tritt  Mannhardt^)  ent- 
gegen, indem  er  sagt,  es  ist  immer  im  Vogelaugc  autJier  den  Iris- 
muskeln nur  ein  Muskel  vorhanden.  Er  sagt:  Vor  dem  Ligamentum 
pectinatum  iridis  und  der  descemetischen  Haut  kommen  starke  Bün- 
del elastischer  Fasern  und  diese  legen  sich  an  den  Cornealfortsalz 
an.  Diese  elastischen  Lamellen  gehen  in  feingestreifte  von  braunen 
Pigmentzellen  durchsetzten,  aus  jungem  elastischen  (?)  Gewebe  be- 
stehende Platten  über,  die  sich  weit  nach  rückwärts  erstrecken  und 
den  hintersten  Bündeln  zum  Ursprünge  dienen. 

1)  H.   Müller   in  GiJife's  Archiv  111.  Bd.  1.  Abth.  S.  34. 

■~)   .1.   MannhiM-at  in  r.i!ifi"'.s  Archiv  iV.  Bd.  1.  Ahlh,  S.  269. 


Untersuchtingen  über  die  Binnenmiiskeln  des  Auges.  D  ^a 

Von  (lern  Fortsatze  der  Cornea ,  an  dem  sich  diese  Membranen 
und  elastischen  Fasern  ansetzen,  entspringt  der  Muskel  und  er  ver- 
läuft an  der  Sclera  stets  in  der  Richtung  einer  Tangente.  Die  Mus- 
kelfasern, die  von  dem  den  Knochen  bedeckenden  Tlieile  der  Sclera 
entspringen,  gehen  direct  in  jene  feinen  elastischen  Membranen  über. 
Weiter  nach  rückwärts  treten  die  Muskelfasern ,  welche  von  der 
Fortsetzung  des  Cornealstreifens  ausgehen,  nicht  mehr  au  die  Sclera, 
sondern  an  die  Choroidea,  indem  sie  einen  kleinen  Muskelbauch  bil- 
den, der  nur  noch  eine  kleine  Strecke  von  elastischen  Lamellen  be- 
deckt ist.  Zwischen  den  freien  Muskelfasern  und  jenen,  welche  an 
der  Sclerotica  in  elastische  Lamellen  übergehen,  sieht  man  Muskel- 
(Ibrillen,  welche  zwar  in  jene  elastischen  Lamellen  eintreten,  eine 
Strecke  weit  in  ihnen  verlaufen  und  dann  wieder  aus  ihnen  heraus- 
treten und  sich  an  den  freien  Muskelbauch  anlegen. 

Die  elastischen  Lamellen,  die  mehrfach  erwähnt  wurden,  be- 
trachtet Mannhardt  als  die  eigentliche  Sehne,  als  den  festen  Punkt 
des  Muskels.  Der  Muskel  erscheint  demnach  in  einem  Systeme  elasti- 
scher Lamellen,  die  im  vorderen  Theile  des  Auges  der  Innenseite 
der  Sclera  und  Cornea  und  der  Außenseite  der  Choroidea  und  der  Iris 
anliegen,  eingeschaltet  und  mit  denselben  ein  Ganzes  auszumachen. 

Diesen  Ausführungen  Mannhardt 's,  die  mir  übrigens  nicht 
ganz  klar  sind,  tritt  H.  Müller  i)  gleich  darauf  entgegen  und  bleibt 
bei  seiner  Anschauung,  indem  er  nur  zugibt,  daß  er  gegen  den  Na- 
men „Ciliarmuskel"  für  alle  Muskelbäuche  nichts  einzuwenden  hätte. 

Ich  habe  untersucht  das  Auge  des  Huhnes,  der  Drossel,  Gans, 
Wildente,  Schnepfe,  Raben,  Eule  und  Rebhuhnes  und  das  Auge 
eines  Adlers  (Species  ließ  sich  nicht  mehr  feststellen). 

Die  Augen  des  Huhnes  und  des  Adlers  repräsentiren,  wie  ich 
glaube,  in  Bezug  auf  Anordnung  der  Muskulatur  zwei  Typen,  und 
nach  ihnen  kann  man  die  Muskulatur  im  Vogelauge  erschöpfend  be- 
schreiben, und  die  Verschiedenheiten  in  der  Beschreibung  anderer 
Autoren  scheinen  eben  davon  herzurühren,  daß  der  eine  Autor  diese 
Vogelgattung  und  der  andere  eine  andere  beschrieb. 

So  glaube  ich  entnehmen  zu  können,  daß  Donders  und 
Crampton  das  Auge  eines  kleinen  Vogels  vor  sich  hatten. 


»)   H.   Müller  in  Gräfes  Archiv  IV.  Bd.  11.  Abth.  S.  280. 


530  V.     Hüttenbrenner. 

Beim  Auge  des  Huhnes,  in  welchem  die  Lamellen  des  Knochen- 
ringes sich  stark  dachziegelförmig  decken,  könnte  man  am  ehesten  auf 
H.  M  ü  11  e  r  's  Vorschlag  eingehen  und  heide  Muskeln  einfach  als  Ciliar- 
muskel  bezeichnen,  indem  der  größte  Theil  der  Muskelfasern  direct 
von  der  Cornea  zur  Choroidea  geht,  und  auch  die  Entwicklungsstadien 
des  halb  ausgebildeten  oder  am  Ende  der  Entwicklung  stellenden 
Hühnchen  zeigen,  daß  nur  ein  Muskel  vorhanden  ist ,  der  von  der 
Cornea  bis  zur  Choroidea  geht. 

Wenn  man  beim  Huhne  die  Faserrichtung  genauer  durchmustert, 
so  findet  man,  daß  der  größte  Theil  der  Fasern  von  dem  Corneal- 
fortsatze  und  von  der  oberwähnten  faserigen  Lamelle  entspringt,  und 
daß  sie  in  fast  gerader  und  paralleler  Richtung  zur  Choroidea  ziehen. 
Nur  die  am  meisten  nach  außen  gelegenen  Fasern  gehen  zur  Sclera, 
so  wie  weiter  nach  rückwärts  einzelne  Fasern  von  der  Selera  zur 
Choroidea  treten. 

Der  Cornealfortsatz  und  die  Sclera  wären  somit  die  festen 
Punkte  und  die  Choroidea  würde  als  die  nachgiebigere  Membran 
durch  die  Contraetion  des  Muskels  um  den  Glaskörper  herum  an- 
gezogen etc. 

Trotzdem  muß  man,  wie  ich  glaube,  an  der  Bezeichnung 
Crampton'scher  Muskel  und  Tensor  choroideae  festhalten,  denn 
wenn  man  einen  Bulbus  senkrecht  auf  seine  optische  Axe  in  gleiche 
Theile  theilt  und  man  übt  einen  leisen  Zug  auf  die  Choroidea  aus,  so 
läßt  sie  sich  sammt  einem  Theile  des  Muskels  und  der  öfters  erwähn- 
ten Membran  im  Zusammenhange  von  der  Sclera  ablösen.  Dieser 
Theil  ist  der  Tensor  choroideae,  und  wenn  man  die  Membran  sammt 
den  radiär  von  ihr  ausstrahlenden  Muskelfasern  ausbreitet,  so  sieht 
man  in  ihr  concentrisch  gelagerte  Muskelfasern  verlaufen,  jedoch  in 
sehr  geringer  Anzahl. 

Bei  diesem  Abziehen  bleibt  nur  jener  Theil,  der  zwischen  dem 
Cornealfortsatze  und  der  Sclera  liegt,  zurück,  ein  Muskelbündel, 
dessen  Fasern  von  vorne  und  innen  nach  hinten,  und  außen  laufen 
und  dieses  Bündel  ist  der  Crampton'sche  Muskel  —  doch  wie  ge- 
sagt, beim  Huhne  sind  sie  ein  Muskel  und  werden  eigentlich  nur 
künstlich  von  einander  getrennt. 

Anders  verhält  sich  die  Muskulatur  im  Adlerauge,  in  den  Augen 
der  Eulen,  überhaupt  in  größeren  Augen. 


Untersuchungen  über  die  ßiuneniiiuskeln  des  Auges.  03  1 

Bei  diesen  Augen  entspringt  ein  starker  doppelt  gefiederter 
Muskel  vom  Cornealfortsatze  und  legt  sich  theils  an  die  fibröse  Sciera, 
theils  an  die  öfters  erwähnte  fibröse  Lamelle.  Ilir  Verlauf  ist  (lalicr 
theils  von  vorne  nach  hinten  und  innen  und  theils  von  vorne  nach 
hinten  und  außen.  Diese  letzteren  legen  sich  an  die  faserige 
Lamelle  an.  Die  letzteren  dieser  Fasern,  die  schon  ganz  in  der 
Richtung  der  Lamelle  verlaufen,  legen  sich  jetzt  an  die  Sciera 
neuerdings  an,  erhalten  hier  Verstärkung  und  treten  dann  als 
ein  aus  zwei  getrennten  Portionen  bestehender  zierlicher  Muskel  an 
die  Choroidea  heran.  Obwohl  hier  auch  Fasern  von  der  Choroidea 
fast  bis  zur  Cornea  ununterbrochen  laufen,  so  sind  hier  doch  zwei 
vollständig  von  einander  getrennte  Muskeln  vorhanden,  von  denen 
der  eine  als  ein  doppelt  gefiederter  von  der  Cornea  entspringt  und 
von  da  zur  Sciera  einerseits  und  zur  faserigen  Lamelle  andererseits 
zieht.  Von  dieser  letzteren  Lamelle  entspringt  ein  anderer  Muskel- 
hauch, der  von  hier  an  die  Sciera  und  dann  zur  Choroidea  läuft. 
Bei  den  Eulen  sind  diese  Verhältnisse  noch  deutlicher  ausgeprägt. 

Ferners  muß  ich  bemerken,  daß  zwischen  äußerer  und  innerer 
Seite,  respective  Schläfe-  und  Nasenseite  in  Bezug  auf  Anordnung 
des  Muskels  kein  Unterschied  vorhanlen  ist.  Die  Unterschiede ,  die 
beschrieben  werden,  sincf  wohl  auf  die  Schnittrichtung  zurückzufüh- 
ren, denn  je  mehr  weniger  schief  das  Messer  lauft,  eine  desto  schie- 
fere Richtung  scheinen  die  Muskelzüge  zu  haben. 


532  Steindachner. 


Über  eine  neue  Hylorana-ylr^  von   Cap-York  in  Australien. 
Von  dem  c.  M.  Dr.  Franz  Steindachner. 

(Mit  1  Tafel.) 


Hylorana  Daemeli  nov.  spec. 

Die  Länge  des  Kopfes,  bis  zum  hinteren  Ende  des  Unterkiefers 
gerechnet,  beträgt  circa  y^,  bis  etwas  mehr  als  1/2,  die  größte  Breite 
derselben  in  derTympanumgegend  genau  oder  ein  wenig  mehr  als  1/3  der 
Körperlänge  (von  der  Schanzen-  bis  zur  Steißspitze),  die  Schnauzen- 
länge erreicht  circa  2/5  der  Kopflänge. 

Der  Kopf  ist  an  der  Oberseite  flach  und  verschmälert  sich  ziem- 
lich rasch  nach  vorne ;  die  Schnauze  ist  «ugespitzt,  fällt  steil  nach 
den  Seiten  des  Kopfes  ab;  die  Schnauzenkante  ist  scharf  ausgeprägt, 
die  Ziigelgegend  etwas  eingedrückt. 

Die  Narinen  sind  schlitzförmig,  schiefgestellt  und  berühren  nur 
mit  dem  oberen  Ende  den  Zügelrand;  sie  stehen  vom  vorderen  Augen- 
rande weiter  ab  als  von  der  Schnauzenspitze,  welche  den  vorderen 
Mundrand  mehr  oder  minder  bedeutend  überragt,  oder  vertical  (bei 
älteren  Exemplaren}  abfällt  (s.  Fig.  4). 

Die  Augen  sind  kugelförmig,  groß,  treten  stark  nach  oben  über 
die  Stirnfläche  vor  und  gleichen  an  Länge  nahezu  1/3  des  Kopfes, 
während  die  Stirnbreite  1/2 — V^  ^*^'"  Augenlänge  erreicht. 

Das  Trommelfell  liegt  frei  zu  Tage,  circa  um  1/4  der  Augenlänge 
hinter  dem  Auge  und  variirt  ziemlich  bedeutend  bezüglich  seines  Um- 
fanges;  durchschnittlich  ist  die  Länge  desselben  1 '/g — 1  i/smal, 
selten  nur  1  i/^mal  in  der  des  Auges  enthalten. 

Die  Zunge  ist  sehr  groß,  herzförmig,  nimmt  nach  hinten  ziem- 
lich rasch  an  Breite  zu  und  endigt  in  zwei  längliche  Lappen  (s.  Fig.  3) 
wie  bei  den  übrigen  Hylora?ia-Ai'lei\. 


über  eine  neue  Hylorana-Arl  von  Cap  York  in  Aiisfiiilien.  Odd 

Die  Gaumenleisten  beginnen  am  inneren  Winkel  der  inneren 
Nasenöffnungen, -convergiren  nach  hinten  und  sind  zugleich  schwach 
S-förmig  gekrümmt. 

Die  Totallänge  der  vorderen  Extremitäten  ist  nahe/Ai  Is/jmal  in 
der  Körperlänge  enthalten,  während  die  hinteren  Extremitäten 
l2/smal,  bei  älteren  Exemplaren  nahezu  lyg^fil  so  lang  wie  der 
Körper  sind. 

Der  erste  Finger  ist  etwas  länger  als  der  zweite,  aber  ein 
wenig  kürzer  als  der  vierte,  der  dritte  ist  fast  Is/smal  länger  als 
der  zweite. 

Die  Gelenkballen  sind  stark  entwickelt,  oval;  die  beiden  äußeren 
Schwielen  der  Mittelhand  ziemlich  lang,  nach  vorne  zugespitzt  und 
etwas  länger  als  die  mittlere  Schwiele,  welche  aus  der  Vereinigung 
zweier  entstanden  ist  und  an  der  Basis  der  beiden  mittleren  Metacar- 
pusknochen  liegt. 

Die  Zehen  der  hinteren  Extremitäten  sind  sehr  lang;  die  Länge 
der  vierten  Zehe  mit  Einschluß  des  entsprechenden  Metatarsus- 
knochen  gleicht  nahezu  der  Hälfte  der  Körperlänge;  am  äußeren 
Rande  der  ersten  und  letzten  Zehe  zieht  sich  bei  den  Männchen  eine 
schmale  Hautfalte  hin,  welche  den  Weibchen  fehlt.  Die  Schwimm- 
haut reicht  an  der  vierten  längsten  Zehe  nur  bis  zum  letzten  Gelenk- 
ballen, bei  den  übrigen  Zehen  aber  bis  zu  den  mäßig  entM  ickelten 
Haftscheiben  und  ist  stark  eingebuchtet. 

Der  Vorsprung  des  ersten  kahnförmigen  Knochens  ist  ziemlich 
stark  entwickelt,  fast  noch  einmal  so  lang,  aber  schmäler  als  die  Ge- 
lenkballen der  Zehen,  welche  denen  der  Finger  ein  wenig  an  Umfang 
nachstehen;  das  Knötchen  nahe  am  äußeren  Rande  der  Fußunterseite 
ist  klein,  rund. 

Die  Schallblasen  der  Männchen  sind  von  geringer  Größe  und 
eine  kleine  Öffnung,  welche  jederseits  neben  und  unter  den  Mund- 
winkeln liegt,  führt  zu  denselben. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  durch  eine  sehr  schmale,  lineare, 
drüsige  Falte  von  den  Seitenflächen  des  Körpers  getrennt,  sie  beginnt 
am  hinteren  Augenwinkel  und  zieht  in  gerader  Richtung  bis  zur 
Lendengegend.  Am  Mundwinkel  beginnt  eine  zweite  etwas  breitere 
Falte,  endigt  jedoch  wie  bei  H.  malaburica  bereits  in  der  Achsel- 
gegend, zuweilen  etwas  vor  oder  über  der  Wurzel  des  Oberarmes, 
mit  ein  bis  zwei  drüsigen,  isolirten  Schwielen. 


534  S  t  e  i  n  d  a  c  li  n  e  r. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  violett-  oder  braungrau,  zuweilen 
versebwommen  dunkelgrau  marmorirt  (s.  Fig.  1),  glatt  oder  mit 
mebreren  kleinen,  an  der  Spitze  weißlieben  Wärzchen  versehen, 
welclie  dunkel  eingefaßt  sind  (s.  Fig.  2). 

An  den  Seiten  des  Kopfes  liegt  eine  dunkelbraune,  sammtähn- 
liebe  Binde,  welche  jenseits  des  Auges  an  Breite  zunimmt,  das 
Trommelfell  überdeckt  und  in  der  Acbselgegend  endigt;  bei  alten 
Exemplaren  ist  sie  aber  häufig  nur  schwach  angedeutet  und  nicht 
scharf  abgegrenzt.  Der  untere  Rand  dieser  Binde  ist  weiß  eingefaßt, 
die  Kieferränder  sind  schwärzlichgrau  (auf  weißem  Grunde)  gefleckt. 

Die  Seiten  des  Rumpfes  sind  schwärzlichgrau,  gehen  jedoch 
nach  unten  ins  Gelbiichweiße   über. 

Die  Unterseite  des  Körpers  ist  gelblicbweiß  und  sehr  ver- 
schwommen braungrau  marmorirt,  die  Unterseite  der  Schenkel 
schmutzig  orangefarben  und  bräunlich  gefleckt. 

Die  Oberseite  der  Extremitäten  zeigt  zahlreiche,  schmale, 
schwärzlichbraune  Querbinden,  die  Hinterseite  der  Schenkel  ist  auf 
gelblichem  Grunde  dicht  schwarzbraun  marmorirt  und  gefleckt.  Zahl- 
reiche, äußerst  kleine  Wärzchen  liegen  an  den  Seiten  des  Rumpfes, 
etwas  größere  zunächst  dem  hinteren  Rande  der  Schenkelunterseite. 

Wir  untersuchten  neun  Exemplare  von  1"  3"  —  2"  5'"  Länge. 

Von  Hiilorana  erythraea,  welche  nach  Dr.  Günther  gleichfalls 
am  Cap  York  vorkommen  soll,  unterscheidet  sich  die  hier  beschrie- 
bene Art  durch  den  Mangel  einer  zweiten  drüsigen  Längsfalte  an  den 
Seiten  des  Rumpfes  so  wie  in  der  Färbung  des  Körpers,  vielleicht 
auch  durch  die  schlankere  Körpergestalt;  H.  waigiensis  D.  B.  soll 
nach  D  u  m  e  r  i  1  B  i  b  r  o  n  ähnlich  wie  H.  temporalis  G  ü  n  t  h.  einen 
kürzeren  und  breiteren  Kopf  als  Hylorana  erythraea  besitzen,  was 
bei  den  von  uns  untersuchten  Exemplaren  nicht  der  Fall  ist  (Fig.  2); 
nichts  destoweniger  wäre  es  nicht  unmöglich,  daß  H.  Dämeli  mit 
H.  waigiensis  D.  B.  zusammenfiele,  da  diese  Arten  bezüglich  der 
Schärfe  der  Schnauzenkante  und  der  schwachen,  liueären  Entwick- 
lung der  Seitenfalte  mit  einander  übereinstimmen. 

Ich  zweifle  nicht,  daß  Ilyl.  malabarica  mit  Rana  sanguineo- 
maculata  Less.  identisch  sei,  da  sich  im  Wiener  Museum  zwei  Exem- 
plare von  Honkong  mit  rothbraunen  Flecken  am  Rücken  befinden, 
welche  in  allen  wesentlicbeii  Eigeiitliüinlielikeiten  mit  //.  malaOarica 
übereinstimmen,  mit  Unrecht  aber  reiht  Di-.  Günther  letztgenannte 


über  eine  neue  Hylorana-kri  von  Cap  York  in  Australien.  OOO 

Art  in  jene  Gruppe,  bei  welcher  sich  zwei  drüsige  Falten  an  jeder 
Seite  des  Rumpfes  vorfinden,  da  bei  H.  malnharica  nur  eine  vorkommt. 

Chiruleptes  inermis  Pet.  und  die  von  Dr.  Günther  als  eine 
fraglich  neue  Art  beschriebene  Ch.  albognttatus  sind  identisch,  wir 
besitzen  vier  Exemplare  (vom  Cap  York),  bei  welchen  sich  deutlich 
der  allmälige  Übergang  der  Zeichnung  und  Färbung  von  Ch-  albo- 
gnttatus zu  Ch.  inermis  verfolgen  läßt. 

Limnodynastes  Pcronii  spec.  D.  B.  und  Limnodynastes  Kreftii 
gehören  einer  und  derselben  Art  an;  vielleicht  fällt  auch  die  von  mir 
nach  sehr  alten  Weibchen  beschriebene  Art  L.  Salmini  mit  L.  Pe- 
ronii  zusammen. 

Limnodynastes  tasmaniensis,  L.  affinis  und  L.  plafycephalus 
Günther  glaube  ich  nur  für  Varietäten  einer  und  derselben  Art 
halten  zu  müssen. 

Dr.  Günther  erwähnt  zwar  in  der  Beschreibung  Lima,  or- 
natus  Gray,  daß  die  Zehen  schwach  verbunden  seien  („toes  slightly 
webhed"),  da  aber  diese  Phrase  sich  auch  in  der  Beschreibung  des 
L.  tasmaniensis  vorfindet,  dessen  Zehen  vollkommen  frei  sind,  und 
die  charakteristischen  Eigenthümlichkeiten  des  L.  ornatus,  wie  die 
starke  Entwicklung  des  spornähnlichen  Vorsprunges  am  Metatarsus, 
die  bedeutende  Höhe  des  Schnauzenabfalles  nicht  erwähnt  sind,  so 
konnte  es  mir  nicht  beifallen,  in  Limn.  ornatus  Günth.  die  von  mir 
als  Opistodon  Frauenfeldii  beschriebene  Art  zu  erkennen,  obwohl 
mir  die  Ähnlichkeit  beider  Arten  bezüglich  der  Färbung  auffiel.  Zur 
Aufstellung  einer  neuen  Gattung  Opistodon  veranlaßte  mich  das  Vor- 
kommen deutlich  entwickelter  Schwimmhäute  bei  den  von  mir  unter- 
suchten Exemplaren,  während  Dr.  Günther  das  Geschlecht  Pla- 
typlectrum  in  die  Familie  der  Cystig  na  thidae  (with  free  toes)  reiht. 
Vor  Kurzem  jedoch  erhielt  ich  ein  ganz  kleines  Exemplar  des 
Platypl.  ornatum,  bei  welchem  die  Schwimmhäute  zwischen  den 
Zehen  vollständig  fehlen.  Hieraus  ergibt  sich  einerseits  die  Vereini- 
gung der  Familien  Ranidae  nm\  Cystignathidae  Günth.,  welclie 
ich  bereits  in  der.  Abtheilung  über  die  Amphibien  der  Novara-Expe- 
dition  vorschlug,  als  eine  absolute  Xothwendigkeit,  da  das  Fehlen 
oder  Vorhandensein  von  Sch^v^mmhäuten  in  manchen  Fällen  nicht 
einmal  zur  Arttrennung  berechtigt,  und  andererseits  die  Vereinigung 
der  Geschlechter  Opistodon  und  Heliorana  (Heliorana  Grayi  = 
Platyplectron  Dumerlii  Pet.^  mit  Platyplectron  Günth. 


öob  S  tei  I)  d  a  eil  n  er.    t'ber  eine  neue  /^y/ora/ia-Art  ete. 

Nebstbei  sei  noch  erwähnt,  daß  sowohl  bei  Heliorana  wie  bei 
Pelodryas  VviVoixdiQn  fehlen,  weßhalb  letztere  Gattung  mit  IJyla  zu 
vereinigen  ist. 


T  a  f  e  1  -  E  r  k  I  ä  r  u  n  g. 


Fig.  1.  Hylorana  Daemcli. 
„    2.   Varietät  derselben  Art. 
„    3.  Muiidöft'nuug  und 

„    4.  Seilenunsiciit  des  Kopfes  nach    einem  Exemplare  von  2"  8'"  Körper- 
liinge. 


SlciiMliicIiMcr  ;   riicr  f'iiic  npiic   Wvloiuuu   All 


4-. 


El  >;  d  Hat4sz  tt.lith  Atis  (i.k.lcH;o£-u.'Staatsdrucksrei. 

Sifzu7ig-sl).<l  k.Ak.-Ki  d.\V.,ii:,ih  riatiinv.Cl.lAII.Rd.  I.Ablh.ISfiS. 


Laube.     Die  Fauna  der  Schichten  von  St.  Cassian.  o37 


Die  Fauna  der  Schichten  von  St.   Cassian. 

Ein  Beitrag  zur  Paläontologie  der  alpinen  Trias. 

Bearbeitet  zunächst  nach  dem  Materiale  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt 

von  Oustav  C.  Laabe. 

(Auszug   aus   eioer   für  die   Denkschriften   bestimmten   Abhandlung.) 

Die  am  allerfrühesteii  von  St.  Cassian  bekannt  gewordenen 
Peti'efacten  sind  die  Cephalopoden,  von  welchen  Münster  eine 
Reihe  in  Leonhard  und  Bronns  Jahrbuch  1834  als  Ceratiten 
beschrieb  und  daraus  annäherungsweise  das  Alter  der  Cassianer 
Schichten  zwischen  Kohlenkalk  und  Lias  bestimmte.  Später  wurde 
man  durch  goniatitenähnliche  Formen  die  sich  fanden ,  irre- 
geleitet, und  glaubte,  daß  paläozoische  Goniatiten  bis  in  diese 
Schichten  aufreichten.  In  Wirklichkeit  jedoch  finden  sich  in  St. 
Cassian  nur  die  auch  noch  später  auftretenden  Orthoceratiten,  dann 
Nautilen  aus  der  Reihe  der  Imperfecten  und  Bactrites,  welcher  bisher 
in  Hallstatt  nicht  mehr  gefunden  wurde,  wodurch  auch  bei  den 
Cephalopoden  das  Hereinragen  paläozoischer  Formen  in  den  Kreis 
der  mesozoischen  gekennzeichnet  ist.  Was  man  in  früherer  Zeit  für 
Goniatiten  hielt,  beweist  sich  unzweifelhaft  als  Clydonites  oder  als 
Jugendform  eines  Ammoniten.  Nicht  einmal  Ceratiten  kommen  mehr 
vor,  da  alle  von  St.  Cassian  bekannt  gewordenen  solchen  ebenfalls 
junge  Ammoniten  sind.  Die  bei  zahlreichen  Individuen  beobachtete 
Entwicklung  der  Lobenlinie  vom  Goniatitenähnlichen  durch  die  Cera- 
titenform  in  die  eines  ächten  Ammoniten  ist  für  unsere  Kenntniß  der 
Entwicklungsgeschichte  der  Ammoneen  von  großer  Bedeutung. 
Durchgehends  mahnt  jedoch  die  Lobenlinie  der  Cassianer  Ammoniten 
noch  sehr  an  die  Grundform  der  Ceratiten;  auch  Phylloceras  hat  eine 
sehr  ceratitenähnliche  Lobenlinie,  was  für  dessen  Abstammung 
einigen  Werth  hat. 

Für  die  Beschaffenheit  der  Gegend  von  St.  Cassian  zur  Trias- 
zeit   ist    das    Vorhandensein    so    vieler    junger   Cephalopoden  von 

Sitzb.  d.  matbeni.-naturw.  Ci.  LVII.  Bd.  I.  Abth.  3o 


53o  Laube. 

Bedeutung,  wir  können  daraus  schließen,  daß  die  Gegend  zu  jener 
Zeit  einen  ruhigen  Aufenthaltsort  für  die  Entwicklung  der  Arten  bot, 
daß  sich  große  Individuen  wohl  nur  einzufinden  pflegten  um  Eier 
abzusetzen  und  sich  dann  wieder  entfernten,  wenn  sie  nicht  plötzlich 
untergingen.  Von  den  aus  den  Hallstätter  Schichten  mit  Cassianer- 
Arten  identificirten  scheinen  nur  die  Arcesten  und  Phylloceras  über- 
einzustimmen. Die  Äonen,  welche  übereingestimmt  werden,  lassen  sich 
auf  die  typische  Art  von  St.  Cassian  nicht  zurückführen. 

Viele  von  den  früheren  Autoren  beschriebene  Arten  wurden 
eingezogen,  da  sie  sich  als  Jugendform  einer  oder  der  anderen  Art 
darstellten.  Einzelne  Arten  zeigen  ein  so  merkwürdiges  Verhalten 
gegen  einander,  daß  man  an  möglich  vorhandene  Geschlechtsunter- 
schiede zwischen  ihnen  zu  glauben  geneigt  ist.  Dies  gilt  namentlich 
von  Ammonites  Aon  und  A.  Brotheus,  welche  in  der  Jugend  und  im 
mittleren  Alter  von  einander  verschieden  sind,  und  dann  im  Alter  über- 
einstimmend werden;  auch  A.  Busiris  zeigt  etwas  Ahnliches. 

Für  die  Cephalopoden  von  St.  Cassian  gilt  folgende  systema- 
tische Anordnung: 

CKPHAIiOPODA    Cuvier. 

I.  Ord.  Dibranchiata  Owen, 
sind  bisher  nicht  bekannt  geworden. 

II.  Ord.  Tetrabranchiata  Owen. 

Farn.  Mautilidae  Owen. 
Gen.  Rhynchldia  Laube. 

Cephalopodenkiefer  ähnlich  wie  Peltarion  Deslong.  und 
Cyclidia  Rolle  durch  eine  wulstförmige  Hinterseite  von  beiden 
verschieden. 

1.  Rhynchldia  Cassz'ana  Laube. 

Gen.  Naatilas  Breynius. 

1.  Nautilus  linearis  Münster. 

2.  „        granuloso  striatus  Klip  stein  sp. 
3'.  _        tertius  Laube. 


Die  Fauna  der  Schichten  von  Sl.  Cassian.  539 

Gen.  Orthoceras  Breynius. 

1.  Orthoceras  elegans  Münster. 

2.  „  suheUipticum  d'Orbigny. 

3.  „  poUtum  K 1  i  p  s  t  e  i  n. 

Fam.  Ainnioiiiticlae  Owen. 

Zunft  Goniatitae. 
Gen.  Bactrites  Sandberger. 

1.  Bactrites  siibundatus  Münster  sp. 

2.  „         sociiis  Laube. 

Zunft  Ceratitae. 

Gen.  Ceratites  Haan. 

1 .  Ceratites  Cassianiis  Q  ii  e  n  s  t  e  d  t. 

Zunft  Clydouitae. 

Gen  Clydonites  Hauer. 

1 .  Clydonites  naiitilinus  Münster  sp. 

2.  „  ellipticoides  Laube. 

3.  „  monilis  Laube. 

4.  „  Frisei  M  ü  n  s  t  e  r  sp. 

Zunft  Ainmouitae. 
Gen.  Ammonites  Brngoieres. 

1 .  Ajnmonites  Aon  Münster. 

2.  „  Brotheus  Münster. 

3.  „  dichotomus  Münster. 

4.  „  Münsteri  Wissmann. 

5.  „  infundibidiformis  Klipstein. 

6.  „  aequinodosus  Klipstein. 

7.  „  brevicostaiiis  Klipstein. 

8.  „  Archelaus  Laube. 

9.  „  Saidus  Laube. 

10.  „  Pontius  Laube. 

11.  „  Candaules  Laube. 

35* 


540  Laube. 

1 2.  Ammomtes  Büpjyeli  K  1  i  p  s  t  e  i  n. 

13.  „  Sesostris  Laube. 

14.  „  Busiris  Münster. 

15.  „  Hirschi  Laube. 

16.  „  Ery.v  Münster  sp. 

17.  „  glauciis  M  ü  n  s  t  e  r  sp. 

18.  „  Achelous  Münster  sp. 

19.  „  hoplophorus  Giebel. 

20.  „  Klipsteinianus  Laube. 

21.  „  philopater  Laube. 

22.  „  Corvarensis  Laube. 

Gen.  Pliylloceras  Suess. 
1.  „  Phylloceras  Jarhas  Münster  sp. 

Gen.  Arcestes  Suess. 

1.  Arcestes  hicnrinatiis  Münster  sp. 

2.  „  cymbiformis  Wulfen  sp, 

3.  f,  Gaytani  Klip  stein  sp. 

4.  „  Mayeri  Klipstein  sp. 

5.  „  t/wf/en  Klipstein  sp. 

6.  „  Barrandei  Laube. 

Im  ganzen  demnach  zwei  Familien,  neun  Geschlechter, 
44  Arten.  Von  diesen  gehören  jedoch  drei  nicht  den  eigentlichen 
Cassianer  Schichten  an,  und  zwar  Ceratites  Cassimius  dem  unter- 
triadischen  Kalke  von  Livinallungo  (Campiler  Schichten  Richthofen, 
obere  Werfener  Schichten)  und  zwei  Ammoniten  A.  Archelaus  und 
A.  Corvanensis  gehören  den  Schichten  der  Hallohia  Lommeli 
Wissm.,  den  sogenaimten  Wenger  Schiefern  an. 


Am  Schluße  knüpft  der  Verfasser  noch  eine  kurze  geologische 
Skizze  der  Umgebung  von  St.  Cassian  an.  Da  Richthofen's  »geo- 
gnostische  Beschreibung  der  Umgegend  von  Predezzo,  St.  Cassian 
und  der  Seisser  Alpe"  eine  ausführliche  Darstellung  der  geologischen 
Verhältnisse  gibt,  war  das  Augenmerk  des  Verfassers  vornehmlich 
auf  die  Untersuchung  der  Lagerstätten  der  St.  Cassianer  Petrefacten 
gerichtet. 


Dio  Fiiiiiia  der  Schifhteii  von  Sf.  Cassiiui.  54  I 

Die  Gebilde  von  St.  Cassian  treten  im  südlichen  Tirol  auf, 
westlich  vom  Porphyrstock  des  Eisackgebietes,  nördlich  vom 
Glimmerschielerzug  des  Pusterthaies,  östlicli  durch  die  Dolomit- 
masseii  des  Ampezzo  und  südlich  durch  den  älteren  Dolomit  und  die 
Fassathalbildungen  begrenzt.  Wenn  man  vom  Norden  das  Gebiet 
betritt,  folgen  in  ziemlich  weiter  Strecke  zuerst  auf  die  Glimmer- 
schiefer die  unteren  Glieder  der  Trias  ein  rother  versteinerungsleerer 
Sandstein,  Grödener  Sandstein  Richthofen,  hierauf  ein  System  von 
rothen  Conglomeraten  und  grauen  Kalken  mit  Narica  costata  Münst. 
und  Ceratites  Cassianus  Qu ei\ st. ,  welche  Richthofen  als  Coüipiler 
Schichlen  und  ßuchensteiner  Schichten  unterscheidet,  die  den  Wer- 
fener Schichten  gleichkommen,  wozu  sich  auch  die  von  den  Italienern 
als  Pietra  verti  bezeichneten  Tuffschiefer  gesellen.  Diese  unter- 
triadischen  Schichten  bilden  ringsum  den  Rand,  lassen  sich  am  süd- 
lichen Rande  des  Terrains  in  Livinallungo  in  rascher  Folge  über 
einander  erkennen,  und  werden  in  der  Mitte  des  Terrains  fast  voll- 
ständig von  den  dunkeln  Schiefern  mit  Hullobia  Lommeli  Wissm. 
und  Posidoiiomya  Wengensis  Wissm.  überlagert,  welche  als 
Wenger  Schiefer  bekannt  sind.  Sie  kommen  mit  ihren  charakte- 
ristischen Petrefacten  überall  zu  Tage.  Sie  Averden  obenhin  von 
grauen  Tuffen  und  Conglomeraten  überlagei't,  welche  ebenfalls  eine 
Menge  Hallohien  enthalten  und  reich  an  zertrümmerten Ptlanzenresten 
sind.  Diesen  oft  mehr  oder  weniger  weichen  thonigen  Tuffen  sind  die 
eigentlichen  Cassianer  Schichten  aufgelagert.  Diese  Schichten  kommen 
besonders  auf  der  Buchensteiner  Alpe  am  sogenannten  Roo  di 
Curreti  zur  Entwicklung.  Dort  bilden  sie  einen  westlich  einfallenden 
südlich  verflachenden  Schichtenzug.  Der  Fuß  der  Schichten  ist  hoch 
herauf  mit  Geröll  überdeckt,  doch  zeigt  die  Lehne,  dalS  sie  aus  einer 
Reihe  von  Schichten  besteht,  welche  abwechselnd  versteinerungs- 
führend und  versteinerungsleer  auch  von  verschiedener  petrogra- 
phischer  Beschaffenheit  sind.  Die  vielen  Versteinerungen  von  St. 
Cassian  stammen  keineswegs  aus  einer  Schichte,  sondern  au«  einem 
Schichteneompiex,  welcher  eine  Reihe  verschiedener  Faunen  enthält. 
Hiezu  kommt  noch  ein  entfernterer  Fundort  von  Petrefacten,  dieß  ist 
die  sogenannte  Forcella  di  Sett  Sass,  wo  zwischen  dem  letzteren  und 
der  Forcella  der  Rest  eines  mächtigen  Corallenritfes  mit  seiner  eigen- 
thümlichen  Fauna  erhalten  ist.  Die  Corallenzone  läßt  sich  in  ein- 
zelnen Resten  westlich  bis  zu  den  Roßzuhnen  verfolgen,  während  man 


542  La  11  I.e. 

Östlich  die  Spuren  der  Cassianer  Schichten  an  dem  Zuge  der  Lagazuoi 
his  Ampezzo  verfolgen  kann.  An  der  linken  Thahvand  des  St. 
Cassianer  Thaies  unter  der  Crista  di  Verellis  kommen,  wenn  auch 
w  eniger  versleinerungsreich  wie  auf  Roo  di  Curreti,  die  Schichten  von 
St.  Cassian  auch  zum  Vorschein;  das  Verhältnis»  ist  deshalb  von 
Wichtigkeit,  weil  sie  daselbst  zweifellos  von  jüngeren  triadischen 
Schichten  überlagert  werden,  welche  sich  durch  Ptychostoma  St. 
Crucis,  Anoplophora  Münsteri,  u.  s.  w.  als  Thorer-  und  mithin 
jüngere  Raihler  Schichten  zu  erkennen  geben.  Diese  Schichten  sind 
in  ihrem  nördlichen  Verlaufe  bei  der  Wallfahrtskapelle  am  Heiligen- 
kreuzkogel  schön  entwickelt. 

Da  nun  auch  die  Hallobienschiefer  dem  Raihler  Terrain  ange- 
hören, wie  die  die  Cassianer  Schichten  überlagernden  Thorer- 
Schichten,  während  man  für  die  zweiten  nur  eine  Andeutung  bei 
Raibel  kennt,  so  kann  man  hieraus  den  Schluß  ziehen,  daß  die 
Cassianer  Gebilde  nur  ganz  locale  sind,  welche  in  das  System 
von  Raibel  einbezogen  werden  müssen;  auch  die  in  den  nördlichen 
Alpen  einzelne  Petrefacten  von  St.  Cassian  führenden  Schichten 
gehören  eher  den  Raibler  Schichten  als  den  Cassianern  an. 

Die  Ansicht,  daß  die  Hallstätter  Schichten  vermöge  ihrer 
Faunen  den  Cassianer  Schichten  äquivalent  seien,  ist  schon  durch  die 
geologische  Forschung  widerlegt  worden.  Die  Übereinstimmung  der 
Fauna  ist  auch  nur  eine  scheinbare,  da  eigentlich  nur  die  Arcesten 
und  Phylloceras  sich  von  St.  Cassian  bis  in  die  Hallstätter  Schichten 
erhalten  haben,  und  die  Hallstätter  Fauna  bei  weitem  höher  ent- 
wickelt ist. 

Die  vielen  kleinen  Individuen,  welche  die  Fauna  besitzt,  finden 
einmal  darin  ihre  Erklärung,  daß  das  Terrain  von  St.  Cassian  wahr- 
scheinlich eine  stille  Rucht  Mar,  welche  den  zahlreichen  Gastro- 
poden eine  Heimat  gab,  daß  vielleicht  auch  ein  starker  Salzgehall 
des  Wassers  die  Entwicklung  etwas  hinderte,  daß  die  Rucht  aber 
zugleich  ein  Rrutort  für  größere  und  für  Hochseebewohner,  wie  die 
Cephalopoden  war,  was  die  vielen  Jugendformen  dieser  Gruppe 
zeigen.  Die  mächtigen  Corallenmassen  lassen  über  den  Charakter  der 
Uferfaeies  keinen  Zweifel. 

Daß  man  unter  den  Petrefacten  von  St.  Cassian  noch  viele 
paläozoische  Geschlechter  nnd  bei  manchen  Sippen  noch  deren 
paläozoischen  Charakter  findet,  ist  ein  werthvoiler  Beweis  für  die 


Die  Fauna  fler  Schichten  von  St.  Cassian.  543 

Lehre  der  langsamen  und  thätigen  Fortentwicklung  der  thierischen 
Bewohner  der  Erde  und  für  der  letzteren  nicht  gewaltsame  sondern 
allmälige  Umgestaltung.  In  dieser  Art  entspricht  der  Charakter  der 
Fauna  genau  jener  Lage,  welche  die  Schichten  von  St.  Cassian  in  der 
Reihe  der  Bildungen  einnehmen. 

Außer  den  in  den  verschiedenen  Abtheilungen  der  Abhandlung 
beschriebenen  Thierresten  von  St.  Cassian  sind  jedoch  auch  Reste 
von  Wirbelthieren,  Fischen  und  einem  Reptil  —  Nothosaurus  — 
bekannt  geworden,  auch  Foraminileren  werden  in  der  jüngsten  Zeit 
aufgefunden;  doch  sind  diese  in  einer  sehr  unbedeutenden  Anzahl 
gefunden  worden,  weßhalb  sie  für  eine  spätere  Publication  zu  günsti- 
gerer Zeit  aufbewahrt  werden. 

Der  Verfasser  hält  es  für  seine  Pflicht,  der  hohen  kaiserlichen 
Akademie  der  AVissenschaften,  deren  Munificenz  er  nicht  nur  die 
Drucklegung  und  glänzende  Ausstattung  des  umfangreichen  Werkes, 
sondern  auch  anderweitige  Unterstützung  in  reichem  Maaße  verdankt, 
bei  dieser  Gelegenheit  seinen  wärmsten  und  tiefsten  Dank  hiefür  aus- 
zusprechen. 


544 


VIII.  SITZUNG  VOM   19.  MÄRZ   1868. 


In  Verhinderung  des  Präsidenten  iil)ernimint  Herr  Hofratli  Frei- 
herr V.  Burg  den  Vorsitz. 

Der  Secretär  giht  Na'hriclit  von  dem  am  17.  März  1.  J.  erfolg- 
ten Ableben  des  correspond.  Mitgliedes,  Herrn  Prof.  Karl  Joseph 
Napoleon  Balling  in  Prag. 

Über  Einladung  des  Vorsitzenden  geben  sämmtliche  Anwesen- 
den ihr  Beileid  durch  Erheben  von  den  Sitzen  kund. 

Der  Secretär  legt  folgende  eingesendete  Abhandlungen  vor: 

„Über  die  Blätter  von  „Aesculus  Hippocnstanum" ,  von  Herrn 
Prof.  Dr.  Fr.  Rochleder  in  Prag. 

„Über  die  Abhängigkeit  des  erregten  Magnetismus  von  den  Di- 
mensionen der  Magnetisirungsspirale" ,  von  Herrn  A.  Waszmuth, 
Assistenten  für  Physik  an  der  Technik  zu  Prag. 

„Studien  aus  der  höheren  Geometrie",  von  Herrn  E.  Weyr, 
Hörer  der  Technik  zu  Prag. 

Ferner  legt  der  Secretär  folgende  zwei  vorläufige  Mittheilungen 
für  den  „Anzeiger"  vor: 

„Über  die  Einwirkung  des  Terpentinöles  bei  Verbrennungen  auf 
das  Blut",  von  dem  k.  k.  Primararzt  Herrn  Dr.  G.  Wert  he  im. 

„Über  die  Darstellung  der  Baryum-Doppelcyan-Verbindungen", 
von  Herrn  Ph.  Wesel sky,  Adjuncten  der  Chemie  am  k.  k.  polytech- 
nischen Institute  zu  Wien. 

Das  c.  M.  Herr  Vice-Director  K.  F  ritsch  legt  den  H.  Theil 
seiner  für  die  Denkschriften  bestinunten  Abhandlung  vor,  lietitell : 
„Normaler  Blüthen-Kalender  von  Österreich,  redueirt  auf  Wien". 

Herr  Dr.  A.  v.  Biesiadecki  überreicht  eine  Abhandlung: 
„IMicr  llhisciiliildMMu  bei  Verbrennung  der  Haut". 


545 

An  Druckschriften  wurden  vorgelegt: 

Akademie  der  Wissenschaften,  k.  bayer.,  zu  München:  Sitzungs- 
berichte. 1867.  II,  Heft  1  &  2.  München;  S». 
Apotheker -Verein,    allgem.   österr. :    Zeitschrift.   6.  Jahrgang, 

Nr.  6.  Wien,  1868;  8". 
Astronomische  Nachrichten.  Nr.  1681  —  1684.  Altona,  1867;  4". 
Ateneo  Veneto :  Atti.  Serie  II.  Vol.  IV,  punt.  2''\  Venezia,  1867;  8". 
Bibliothoqne  Universelle  et  Revue  Suisse:  Archives  des  sciences 

physiques   et  naturelles.   N.  P.  Tome  XXXI,    Nr.  22    Geneve, 

Lausanne,  Neuchatel,  1868;  8«. 
Comptes  rendus  des  seanees  de  l'Academie  des  Sciences.  Tome 

LXVI,  Nr.  9.  Paris,  1 868 ;  4». 
Cosmos.    3*  Serie.   XVIP  Annee,    Tome   II,    ll*"  Livraison.   Paris, 

1868;  8o. 
Fichera,  Filadelfo,  Nuovo  goniometro  per  gfingegneri,  gli  archi- 

tetti  ecc   ecc.  Catania,  1867;  8«. 
Gesellschaft   für   Salzburger  Landeskunde:    Mittheilungen.   VII. 

Vereinsjahr  1867.  Salzburg;  8«. 
—  Physikalisch -medicinische,  zu  Würzburg:  Würzburger  natur- 
wissenschaftliche  Zeitschrift.   VI.   Band,    4.    Heft.    Würzburg, 

1866/67;  8«. 
Gewerbe  -  Verein,    n.-ö. :     Verhandlungen     und    Mittheilungen. 

XXIX.  Jahrg.  Nr.  11.  Wien,  1868;  8o. 
Istituto,  R.,  Veneto  di  Scienze,  Lettere  ed  Arti:  Atti.  Tome  XHP, 

Serie  IIP,  Disp.  3".  Venezia,  1867/68;  8«. 
Landbote,  der  steierische.  I.  Jahrgang,  Nr.  5.  Graz,  1868;  4o. 
Rcichsanstalt,  k.  k.  geologische:  Verhandlungen.  Jahrg.   1868, 

Nr.  5.  Wien;  8". 

R  e  i  c h  s  f 0  r s  t  V e  r  e  i  n ,  österr. :  Monatsschrift  für  Forstwesen.  XVIII. 

Band.  Jahrgang  1868,  Jänner-  &  Februar-Heft.  Wien;  8«. 
Revue   des   cours   scientifiques   et   litteraires    de   la   France    et   de 

l'etranger.  V*  Annee,  Nr.  15.  Paris  &  Bruxelles,  1868;  4». 
Societe  Imperiale  de  Medecine  de  Constantinople:  Gazette  medicale 

d'orient.  XP  Annee,  Nrs.  7 — 8.  Constantinople,  1867;  4». 
Verein,  Offenbacher,  für  Naturkunde :  VIII.  Bericht.  Offenbach  a/M., 

1867;  8o. 


546 

Verein,  Entomologischer,  in  Berlin:  Berliner  Entomolgische  Zeit- 
schrift. XI.  Jahrgang  1867,  3  &  4.  Heft.  Berlin;  8». 

—  siebenbürgischer,  für  Naturwissenschaften:  Verhandlungen  und 
Mittheilungen.  XVIII.  Jahrgang,  Nr.  7  —  9,  Hermannstadt, 
1867;  8o. 

Wiener   Landwirthschaftliche   Zeitung.    Jahrgang  1868,   Nr.    11. 
Wien:  4». 

—  Medicin.  Wochenschrift.  XVIII.  Jahrgang,  Nr.  22  —  23.  Wien, 
1868;  4o. 

Zeitschrift    für   Chemie   von   Beilstein,    Fittig    «&  Hüb n er. 
XI.  Jahrgang.  N.  F.  IV.  Band,  6.  Heft.  Leipzig,  1868;  S». 


547 


Das  c.  M.  Herr  Vice-Director  Karl  F  ritsch  legt  vor  den  zwei- 
ten Theil  seines  „Normalen  Bliithen-Kalenders  von  Österreich",  wel- 
cher 721  neue  Pflanzen-Arten  enthält,  so  daß  die  Anzahl  derjenigen, 
deren  Blüthezeit  genau  bestimmt  worden  ist,  mit  Einschluß  der  im 
ersten  Theile  des  Kalenders  (Denkschriften  XXVII.  Band)  vorkom- 
menden 1093  Arten  bereits  1814  Arten  erreicht. 

Für  die  Stationen  Wien,  Kirchdorf  in  Oberösterreich  und  Agram 
ist  auch  ein  normaler  Kalender  der  zweiten  Blüthen  angeschlossen, 
welche  sich  nach  längerer  Pause  ohne  Blüthen,  wieder  im  Herbste 
einzustellen  pflegen  und  häufiger  sind  als  man  gcMÖhnlich  glaubt, 
da  diese  Erscheinung  bisher  an  nicht  weniger  als  433  Pflanzenarten 
beobachtet  worden  ist. 


548 


IX.  SITZUNG  VOM  26.  MÄRZ   1868. 


HeiT  Hofratli  &  Prof.  Dr.  Fr.  Unger  in  Graz  übersendet  eine 
für  die  Denkschriften  bestimmte  Abhandlung:  „Die  fossile  Flora  von 
Radoboj  in  ihrer  Gesammtheit  und  nach  ihrem  Verhältnisse  zur  Ent- 
wicklung der  Vegetation  der  Tertiärzeit". 

Herr  Director  Dr.  J.  Stefan  überreicht  eine  Abhandlung: 
„Über  Schwingungen  von  Saiten,  welche  aus  ungleichen  Stücken 
bestehen". 

Herr  Prof.  Dr.  V.  Pierre  zeigt  und  erklärt  Kravogel's 
elektromagnetischen  Motor,  welcher  von  Sr.  k.  k.  apost.  Majestät  für 
das  hiesige  k.  k.  polytechnische  Institut  angekauft  worden  ist. 

An  Druckschriften  wurden  vorgelegt: 

Accademia    delle    Scienze    dell'  Istituto    di  Bologna:     Memorie. 

Serie  IL,  Tome  VII.,  Fas.  i.  Bologna,  1868;  4o. 
C  0  m  p  t  e  s   r  e  n  d  u  s    des    seances    de    V  Academie    des   Sciences. 

Tome  LXVI.  Nr.  10.  Paris,  1868;  4o. 
Cosmos.    3*  Serie.    XVII"  Annee,    Tome II,     12"  Livraison.    Paris, 

1868;   80. 
ti  es  eil  Schaft,    Astronomische,    in    Leipzig:    Vierteljahresschrift. 

I.  &  IL  Jahrgang.  1866  &  1867.   Leipzig;  8".  —  Publicationen. 

I_VnL  Leipzig,  186Ö  — 1868;  4o. 
—  Naturhistorische,  zu  Hannover:   13.,  16.  &  17.  Jahresbericht. 

1864—1867.  Hannover,  1866  &  1867;  4". 
Gewerbe  -  V'erei  n  ,    n.-ö.:    Verhandlungen    und   Mittheilungen. 

XXIX.  Jahrg.   Nr.  12.    Wien,  1868;  8o. 
Loomis,  William  Isaacs,  Incidents  and  Facts  in  My  Life.  New  York, 

1867;    8o.    —    Discovery   of   the   Origen    of  Gravitation   etc. 

1867;  8o.  —  A  New  Resolution  of  the  Diameters  and  Distances 

of  the    Heavenly    Bodies   by    Common    Arithmetic.    New  York, 

1868;  8". 
Mi  tihfilungen  des  k.  k.  Genie-Coniite.  Jahrg.  1868,  2.&3.  Heft, 

Wien;   8". 


S49 

M  i  t  t  h  e  i  1  u  II  g  e  n  aus  J.  Perthes"  geographischer  Anstalt. 
Jahrg.  1868.  II.  Heft.  Gotha;  4o. 

Moniteur  scientifique.  270'  Livraison.  Tome  X*  Annee  1868. 
Paris;  4». 

Nachtrag,  Erster,  zu  dem  Kataloge  der  Bibliothek  der  k.  k. 
Reichshaupt- und  Residenzstadt  Wien.  Wien,  1868;  8«. 

Revue  des  cours  scientifiqiies  et  litteraires  de  la  France  et  de 
l'etranger.  V  Annee,  Nr.  16.  Paris,  Bruxelles;  1868;  4<». 

Verein  für  Landeskunde  von  Nieder-Osterreich :  Jahrbuch.  I.  Jahr- 
gang. 1867.  Wien,  1868;  8«.  —  Blätter.  Neue  Folge.  I.  Jahr- 
gang Nr.  1  —  12.  Wien,  1867;  8».  —  Karte  von  Wien  sammt 
Umgehungen,  gr.  Fol. 

Wiener   Landwirthschaftliche  Zeitung.    Jahrgang  1868,   Nr.   12. 
Wien;  4». 
—  Medizin.    Wochenschrift.    XVIII.   Jahrg.    Nr.  24— 2S.     Wien, 
1868;  4o. 


1 


SITZUNGSßERlCH  S  E 


HER 


KAISb:HM(  HEN  AKADEMIE:  DEK  WISSENS(  HAUEN. 


matiiivmatiscii-naturwissenschaftlichf:  classr. 


Lvii.  um, 

ERSTE  ABTHEILUN(t. 

4. 


lilntliiilt  die  A!)liaii(lluiigeii  aus  dem  Gebiete  der  Mineralogie,  Botanik, 
Zoologie,  Anatomie,  Geologie  und  Paläontologie. 


Sifzb.  d.  inathem.-naturw.  Cl.  LVII.  Bd.  I.  Abth.  36 


553 


X.  SITZUNG  VOM  16.  APRIL  1868. 


Herr  Dr.  A.  Moritz,  Director  des  physikalischen  Obser- 
vatoriums zu  Tiflis,  dankt  mit  Schreiben  vom  6.  März  1.  J.  für  die 
dieser  Anstalt  übermittelten  akademischen  Druckschriften. 

Der  Secretär  legt  folgende  eingesendete  Abhandlungen  vor: 

„Über  einige  Bestandtheile  der  Blätter  der  Roßkastanie",  von 
Herrn  Prof.  Dr.  Fr.  Rochleder  in  Prag. 

„Kritische  Untersuchungen  über  die  der  natürlichen  Familie 
der  Spitzmäuse  (Sorices)  angehörigen  Arten",  von  Herrn  Dr.  L.  J. 
Fitzinger  in  Pest. 

„Über  den  Staurolith  von  St.  Radegund",  von  den  Herren 
Professoren  Dr.  K.  Peters  in  Graz  und  Dr.  R.  Maly  in  Olmütz. 

„Mineralogische  Mittheilungen  III.  Barytocölestin  vom  Greiner 
in  Tirol",  von  Herrn  Prof.  Dr.  V.  Ritt.  v.  Zepharovich. 

„Ichthyologischer  Bericht  über  eine  nach  Spanien  und  Portugal 
unternommene  Reise"  (VI.  Fortsetzung  und  Schluß),  von  Herrn  Dr. 
F.  S  t  e  i  n  d  a  c  h  n  e  r. 

„Über  die  Erscheinungen,  welche  elektrische  Schläge  an  den 
sogenannten  farblosen  Formbestandtheilen  des  Blutes  hervorbringen", 
von  Herrn  Alex.  Golubew  aus  St.  Petersburg. 

„Über  die  Bestimmung  des  Kohlenstoffgehaltes  in  Graphit- 
sorten", und  „Zur  Elementaranalyse",  beide  von  Herrn  Dr.  W.  F. 
Gintl,  Assistenten  bei  der  Lehrkanzel  der  Chemie  an  der  k.  k.  Uni- 
versität in  Prag. 

„Über  das  Verhalten  des  Kobaltoxyduls  zu  Metalloxyden",  von 
Herrn  Dr.  J.  Bersch,  Professor  am  Landes -Realgymnasium  in 
Baden. 

„Beiträge  zur  Kenntniß  der  Flammenspectra  kohlenstoffhaltiger 
Gase",  von  Herrn  A.  Lielegg,  Professor  an  der  Landes-Oberreal- 
schule  zu  St.  Polten. 

36* 


554 

„Neues  Elektroskop'-,  von  Herrn  F.  Kogelmann  in  Graz. 

Herr  Prof.  Dr.  R.  Maly  übersendet  eine  für  den  Anzeiger  be- 
stimmte vorläufige  Mittheilung  über  „neue  Derivate  des  Thiosin- 
namins". 

Herr  Dr.  A.  Boue  überreicht  eine  Abhandlung:  ^Uber  die 
jetzige  Theilung  der  wissenschaftliehen  Arbeit,  sowie  über  Granit 
und  Metamorphismus-Theorien". 

Herr  F.  Unf erdinger  legt  folgende  drei  Abhandlungen  vor: 
u)  „Über  die  Prüfung  einer  gegebenen  Differenzialfonnel  auf  Integra- 
bilität  und  über  die  beiden  Integrale 

/e^'°*"  .  Cos  (jix  —  Cosx).dx,  fe^'"-''  Sin  (n.v —  Cos  .v)  .  rf.r.** 
bj  „Über  den  Werth  des  Ausdruckes 

1  I    1.1,  .___J___ 

iXiv  m  =  oo,  und  über  das  Dirichlet'sche  Paradoxon  bei  unend- 
lichen Reihen",  cj  „Die  allgemeine  Formel  für  die  Summe  der  Winke 
eines  Polygons". 

An  Druckschriften  wurden  vorgelegt: 
Annalen    der   Chemie   von  Wühler,    Liebig  «&  Kopp.    N.   R. 

Band  LXIX,  Heft  3.  Leipzig  &  Heidelberg,  1868:  8«. 
Annales  des  mines.  VP  Serie.  Tome  XII,  4*  Livraison   de  1867. 

Paris,  1867;  8». 
Apotheker-Verein,  allgem.  österr. :  Zeitschrift.  6.  Jahrg.  Nr.  7 

bis  8.  Wien,  1868;  8«. 
Astronomische  Nachrichten.  Nr.  1685—1687.  Altona,  1868:  4». 
Barrande  Joachim,    Systeme   silurien   du   centre   de   la   Boheme. 

V"  Partie:  Recherches  Paleontologiques.  Vol.  II.  Cephalopodes. 

3'"-  Serie:  PI.  245—350.  Prague  &  Paris,  1868;  4». 
B  i  b  1  i  0 1  h  e  fj  u  e  Universelle  et  Revue  Suisse :  Archives  des  Sciences 

physiques  et  naturelles.  N.  P.  Tome  XXXI%  Nr.  123.  Geneve, 

Lausanne,  Neuchatcl,  1868;  8". 
Comptes  rendus  des  seances  de  l'Academie  des  Sciences.  Tome 

LXVI,  Nr.  11—13.  Paris,  1868;  4». 
Cosmos.    3^  Serie.   XVIP  Annee,    Tome  II,   13^—15"  Livraisons. 

Paris,  1868;  8o. 
Gesellschaft,  k.  k.   zoolog. -botan. ,   in  Wien:   Verhandlungen. 

Jahrgang  1867.  XVII.  Band.  Wien;  8".  —  Neil  reich,  Aug., 


555 

Diagnosen  der   in  Ungarn  und  Slavonien   bisher  beobachteten 

Gefäßpflanzen,  welche  in  Koch's  Synopsis  nicht  enthalten  sind. 

Wien,  i867;  S».  —  Schumann,  J.,  Die  Diatomeen  der  Hohen 

Tatra.  Wien,  1867;  8«.  —  Winnertz,  Job.,  Beitrag  zu  einer 

Monographie  der  Sciarinen.  Wien,  1867;  S». 
Gesellschaft,    Astronomische,     in    Leipzig:    Vierteljahrsscbrift. 

III.  Jahrgang.  1.  Heft.  Leipzig,  1868;  8o. 
Gewerbe  -  Verein,    n. -ü. :    Verhandlungen    und    iMittheilungen. 

XXIX.  Jahrg.  Nr.  13—15.  Wien,  1868;  8». 
Grunert,  Job.  Aug.,  Archiv  der  Mathematik  u.  Physik.  XLVIII.  Theil, 

1.  Heft.  Greifswald,  1868;  8o. 
Instituut,    koninkl.    Nederlandsch    Meteorologisch:    Nederlandsch 

Meteorologisch  Jaarboek  voor  1867.  I.  Deel.  Utrecht,  1867;  4». 
Jahrbuch,  Neues,  für  Pharmacie  und  verwandte  Fächer,  von  F. 

Vorwerk.  Band  XXIX,  Heft  1.  Speyer,  1868;  8o. 
Jahre  sbe  licht  über  die  Fortschritte  der  Chemie  etc.  von  H.  Will. 

Für  1866.  3.  Heft.  Gießen,  1868;  8». 
Kenngott,   Adolf,  Übersicht   der  Resultate  mineralogischer  For- 
schungen in  den  Jahren  1862 — 1865.  Leipzig  1868;  gr.  8. 
Land  böte,  der  steirische.  I.  Jahrg.  Nr.  6.  Graz,  1868;  4o. 
Lotos.  XVm.  Jahrgang.  März  1868.  Prag;  8». 
Magazijn  vorr  Landbouw  en  Kruidkunde.  N.  R.  VII.  Deel,  8. — 11. 

Aflevering.  Utrecht,  1867;  8o. 
Mittheilungen   aus  J.   Perthes'   geographischer  Anstalt.   Jahr- 
gang 1868,  HI.  Heft.  Gotha;  4o. 
Moniteur   scientiflque,  271*.    Livraison:   Tome  X%   Annee  1868. 

Paris;  4». 
Osservatorio  del  R.  Collegio  Carlo  Alberto  in  Moncalieri:  Bullet- 

tino  meteoroiogico.  Vol.  III,  Nr.  1  —  2.  Torino,  1868;  4«». 
Peschka,  Gustav  Ad.  v.,  und  Em.  Koutny,  Freie  Perspective  in 

ihrer  Begründung  und  Anwendung.  Hannover,  1868;  80. 
Reicbsanstalt,    k.    k.    geologische:    Jahrbuch.    Jahrgang    1868. 

XVIII.  Band,  Nr.  1.  Wien;  gr.   8«.  —  Verhandlungen.   1868, 

Nr.  6—7;  gr.  80. 
Revue   des   cours   scientifiques   et  litteraires    de  la   France  et  de 

l'etranger.  V*  Ahnee,  Nrs.  17  —  19.  Paris  &  Bruxelles,   1867. 

1868;  80. 


556 

Societe   Imperiale   des   Naturalistes    de   Moscou :    Bulletin.    Annee 
1867.  Tome  XL,  Nr.  3.  Moscou,  1867;  8o. 

—  philomatique  de  Paris;  Bulletin.  Tome  IV%  Octobre,  Novembre, 
Decembre  1867.  Paris;  8«. 

Verein,  physikalischer,  zu  Frankfurt  a.  M.:  Jahresbericht  für  1866 
—  1867.  8o. 

—  Nassauischer,  für  Naturkunde:  Jahrbücher.  XIX.  u.  XX.  Heft. 
Wiesbaden,  1864—1866;  8o. 

Wiener  landwirthschaftliche  Zeitung.  Jahrg.   1868,  Nr.   13 — 15. 
Wien;  4». 

—  Medizin.   Wochenschrift.    XVIII.   Jahrg.    Nr.    26—31.    Wien, 
1868;  40. 

Zeitschrift  für  Chemie  von  Beilstein,    Fittig  und  Hübner 
XI.  Jahrg.  N.  F.  IV.  Band,  7.  Heft.  Leipzig,  1868;  8«. 


Boue.  Über  die  jetzige  Theilung  der  wissenschaftlichen  Arbeit  etc.         o57 


Über  die  jetzige  Th eilung  der  wissenschaftlichen  Arbeit ,  so 
wie  über  Granit  und  Metamorphismus-Theorien. 

Von  (iem  w.  M.  Df.  Ä.  Bon^. 

In  jedem  Zeiträume  bewegten  sich  die  Wissenschaften  in  gewis- 
sen Grenzen  und  Räumen.  Das  Wissen  der  Griechen  war  nicht  das 
der  Egypter  und  Assyrier,  die  römische  Gelehrsamkeit  modificirte, 
wenn  auch  nur  wenig,  die  griechische;  aber  indem  weiten  Verlaufe  der 
Zeit  stellen  sieh  große  Abschnitte  in  dem  Wissen  der  Menschheit  her- 
aus, namentlich  die  Zeit,  wo  die  allgemeine  Barbarei  die  Kenntnisse  auf 
die  Klöster  beschränkte,  dann  diejenige  des  Mittelalters,  diejenige 
von  der  Entdeckung  der  Buchdruckerkunst  und  später  der  Reformation 
an  bis  zur  Mitte  des  siebzehnten  Jahrhunderts,  dann  die  des  Endes 
dieses  letzteren  und  des  ganzen  folgenden  achtzehnten,  und  endlich 
diejenigen  unseres  Seculums.  Im  Älterthume  gab  es  nur  Ge- 
lehrte, sowohl  Fachgelehrte  als  besonders  sogenannte  Philosophen, 
welche  als  die  Leibnitz  ihrer  Zeit  gut,  mittelmäßig  oder  schlecht  sich 
uns  jetzt  vorstellen.  Dann  kam  die  Reihe  an  die  Klostergeistlichen, 
um  später  theilweise  ihre  Gehülfen  und  manchmal  Rivalen  oder  Wider- 
sacher in  sehr  einzeln  lebenden  Gelehrten  oder  selbst  besonders  in  ge- 
wissen Professoren  zu  bekommen. 

Die  Zeit  der  Gründung  von  wahren  Akademien  war  angerückt 
und  sie  erstanden  in  Italien  und  in  den  damals  civilisirtesten  Ländern 
des  westlichen  Europa's.  Die  erste  bekannte  Akademie  für  Natur- 
wissenschaften war  die  durch  Berandino  Telesio  zu  Cosenza  in 
Calabrien  im  Jahre  1563  gegründete.  Eine  merkwürdige  theologisch- 
historische  Thatsache  ist  aber,  daß,  als  die  Reformation  in  Fluss 
kam,  die  Menge  der  italienischen  Akademien  zu  einigen  zusammen- 
schmolz i)»  indem  im  Gegentheil  die  Akademien  an  Ausbreitung   und 


1)  Im  XVI.  Jahrhundert  gab  es  160  Akademien  in  Italien,  diese  Zahl  erhob  sich  zu 
180  Tom  Jahre  1600  — 1650,  aber  am  Ende  der  folgenden  öO  Jahre  bestanden  nur 
noch  124,  und  vom  Jahre  1700 — 1750  schrumpfte  ihre  Zahl  zu  91  zusammen. 


«58  Bou.'. 

Zahl  lu'sonders  in  Centraleiiropa  immerfort  gewannen.  So  kam  der 
Anfang  dieses  Antagonismus  in  der  Lelirart,  welche  noch  jetzt  theil- 
weise  mehr  oder  weniger  in  allen  christlichen  Glaubenshekenntnissen 
besteht  und  deren  Extreme  Lelirfreiheit  und  orthodoxe  Wissenschaft 
bilden.  Man  sollte  nicht  übersehen,  daß  unsere  besten  Schulen  selbst 
bei  Protestanten  noch  jetzt  nicht  von  den  scholastischen  Windlingen 
sich  haben  gänzlich  befreien  können. 

Die  bei  der  Gründung  der  Akademien  eingehaltenen  Principien 
sind  auch  im  Allgemeinen  bis  jetzt  wenig  modificirt  worden,  daher 
stammt  von  einer  Seite  natürlich  die  besondere,  etwas  mittelalterliche 
Constitution  aller  unserer  jetzigen  Akademien  ')  in  der  Fülle  des  jetzi- 
gen Culturstandes  der  europäischen  Menschheit.  Von  der  andern 
Seite  begreift  man  ebensowohl  den  akademischen  Reformdrang  der 
Jugend  als  die  Halsstarrigkeit  der  Alten  dagegen.  Im  künftigen  noch 
mehr  praktischen  Jahrhundert  wird  man  aber  wahrscheinlich  mit 
neuen  Einrichtungen  versehen,  unsere  Zeit  des  Überganges  und  des 
Zauderns  ebensowenig  als  eine  Akademie  ohne  Debatten  verstehen. 

In  unserm  Jahrhundert  oder  wenn  man  genau  reden  will,  unge- 
fähr von  dem  Jahre  1780  an,  sind  die  Wissenschaften  aus  ihrem  Sanc- 
tuarium  endlich  nach  und  nach  herausgetreten,  und  ihren  wahren 
praktischen  Nutzen  Jedem  enthüllend,  haben  sie  sich  nach  und  nach 
popularisirt.  Neben  den  sogenannten  Philosophen  und  Fachgelehrten 
sind  in  einer  nicht  arithmetischen,  sondern  geometrischen  Progression 
eine  Unzahl  von  wissenschaftlich  gebildeten  Männern  erstanden, 
welche  man  unter  den  Namen  von  Gelehrten,  Dilettanten,  Wisshegieri- 
gen  und  den  Nutzen  der  Wissenschaften  nur  Ahnenden  classiii- 
ciren  kann. 

Diese  Zusammensetzung  der  jetzigen  gelehrten,  geschulten  oder 
nur  halb  geschulten  Welt  wird  aber  noeh  viel  buntscheckiger  durch 
die  Art  und  Weise  der  wissensdiafllichen  Leistungen.  Neben  den 
Kathede  r-13üciiern  entstanden  eine  Unzahl  anderer,  welclie  keines- 
weges  nach  dem  liohen  Standpunkt  der  Wissenschaft  verfall 
waren,    so  z.  B.  nur  bei  unserer  Wissenschaft    zu   bleiben,    liefen 


1)  Die  OlVenflicIikeit  der  akadeiiiisclieii  Sitzung  ist  seihst  eine  große  Neuerung,  welctie 
»eil  noch  nii'hl  40  Jaliren  durch  Arago  gegen  viele  Widersaclier  erkämpft  wurde. 
Jn  Rnghiiiil  und  auoli  anderwiirt.s  ist  dieser  (iehrnucii  noeh  nicht  eingefüiirt. 


i'lier  <lie  .jetzif^e  Tlu-iliiiig  «ier  wissenscIiiirilicliLMi  Arbeit  etc.  559 

parallel  aus  der  Druckerpresse    geognostische  Elenientarbücher  uiul 
mosaische  Geologien. 

Da  die  Akademien  unmöglich  in  ihrer  jetzigen  Verfassung  alle 
Fächer  des  Wissens,  so  wie  nur  die  besten  Fachmänner  umlassen 
können,  so  bildeten  sich  mit  oder  ohne  ihrer  Gunst,  oder  selbst  gegen 
ihren  Willen  eine  Menge  gelehrter  Vereine,  in  welchen  die  Fortschritte 
in  gewissen  Fächern  weit  über  das  Wissen  der  Akademiker  gelrieben 
werden.  Dieses  haben  wir  selbst  beispielsweise  erlebt,  als  im  Jahre 
1817  Hr.  Brochant  uns  abhielt,  einen  Vortrag  in  der  Pariser  Aka- 
demie über  die  Übergangsgebirge  mit  Serpentin  zu  halten.  „On  ne 
vous  comj)rendra  pas",  sagte  er  zu  mir  i). 

Doch  wenn  die  jetzige  Art  der  größten  möglichen  Vertheilung 
bei  der  wissenschaftlichen  Arbeit  viel  zur  Hebung  aller  Lehren  beige- 
tragen hat,  so  ist  dadurch  das  allgemeine  Wissen  in  einzelnen  Indivi- 
duen fast  versch\>unden.  und  selbst  die  meisten  Fachmänner  schei- 
nen viel  zu  wenig  Werth  auf  die  Nebenwissenschaften  ihres  täglichen 
Berufes  zu  legen.  Die  Folge  davon  ist  öfter  Einseitigkeit,  zu  leichte 
Abfertigung  in  ihren  Arbeiten  und  besondere  Theorien  sowie  selbst 
Überschätzung  der  geistigen  Kräfte. 

So  besitzen  wir  jetzt  in  der  Naturgeschichte  systematische  Bota- 
niker ohne  Kenntnisse,  oder  wenigstens  mit  nichtgehörigen  Kenntnissen 
der  Anatomie  und  Physiologie  der  Pflanzen.  In  letzterer  Wissenschaft 
kommt  es  auch  vor,  daß  ein  Algologe  allgemeine  Theorien  für 
Kryptogamen  aufstellte,  welche,  wenn  er  die  anderen  Theile  dieser 
Ptlanzenabtheilung  auch  studirt  hätte,  wahrscheinlich  anders  ausge- 
fallen wären  u.  s.  w.  In  fast  allen  Zweigen  der  Zoologie  gibt  es  be- 
schreibende Autoren,  welche  nur  das  Äußere  ohne  das  Anatomisch- 
physiologische des  Innern  berücksichtigen,  was  auf  unserm.  jetzigen 
Standpunkte  des  Wissens  nicht  stattfinden  sollte. 

In  der  Geologie  treiben  Einige  nur  Petralogie  im  mikroskopischen 
und  chemischen  Siime,  ohne  sich  viel  mit  dem  Übrigen  der  Wissen- 
schaft zu  beschäftigen.  Andere  im  Gegentheil  tummeln  sich  ewig  nur 
in  Bergwerks-Lagerstätten  herum,  indem  eine  dritte  Classe  vornehm 
alle  letzteren  fast  ignorirt  und  doch  topographische  Geologie  treibt. 


9  Nach  den  privaten  wohl  bekannten  iVusserun-jen  eines  Cuvier  scheint  es  selbst 
erlaubt  zu  fragen,  ob  dieser  große  Anatom  und  Zoolog  einen  vollständigen,  richti- 
gen Begrifl'  der  (ieognosie  und  Geologie  hatte? 


560  Bon  e. 

Alle  diese  haben  aber  wenigstens  die  Grundwissenschaft  derGeologie, 
die  Mineralogie  gelernt,  aber  es  gibt  jetzt  manche  Geologen,  welche 
von  dieser  Wissenschaft  so  wenig  wissen,  daß  einer  davon  bei 
einer  von  mir  aufgezählten  Reihenfolge  von  Mineralien  sich  selbst 
ganz  verblüfft  geberdete.  Andere,  uns  Mohl  bekannte,  druckten  geolo- 
gische Beschreibungen  ohne  die  gehörige  Kenntniß  der  Felsarten. 

Es  sind  uns  auch  in  Frankreich  sowie  unter  der  anglo- sächsi- 
schen Race  Geologen  vorgekommen,  welche  in  unserer  Wissenschaft 
sich  nur  umgesehen  haben,  um  über  die  biblische  Kosmologie  ein 
endliches  Urtheil  fassen  zu  können.  Wie  weit  sie  ihren  Zweck  er- 
reicht haben,  zeigt  uns  die  bedeutende  Literatur  dieser  Art  (bei  134 
bis  140  Werke  oder  Abhandlungen),  welche  fast  eben  so  viele  Aus- 
legungen als  Werke  aufzuweisen  hat.  Andere  Geologen,  kaum  durch 
Vorlesungen,  Bücher  oder  Excursionen  mit  der  Wissenschaft  etwas  be- 
wandert, versteigen  sich  sogleich  in  einseitige  Theorien,  nachdem 
ihr  Wissen  in  einer  oder  der  andern  Richtung  größer  ist.  Irgend 
eine  neue  wissenschaftliche  Entdeckung  genügt  ihnen  für  ein  ganzes 
Gebäude  von  Luftschlössern. 

Endlich  muß  man  seine  Auetoren  noch  weiter  sortiren  und  sta- 
tionäre Geologen  nicht  mit  weit  gereisten  verwechseln.  Erstere  kön- 
nen uns  das  schätzbarste  Material  für  locale  Topographie  liefern, 
doch  zu  gleicher  Zeit  kann  ihnen  das  Theoretisiren  im  Allgemeinen 
deßwegen  nicht  leicht  sein  und  sie  können  möglichst  weniger  glück- 
lich in  dieser  Richtung  als  die  andere  Gattung  von  Geologen  sein. 
Heut  zu  Tage  kennt  jeder  Geolog  die  classischen  Bestimmungs- 
Gegenden  der  Reihenfolge  der  Formationen  und  der  verschiedenen 
massiven  Felsablagerungen,  sowie  auch  die  Localitäten,  wo  die  bis 
jetzt  bewährtesten  Theorien  entstanden  und  auf  guten  Gründen  der 
Geognosie  basirt  wurden.  Den  Besuch  solcher  Gegenden  sollte  jeder 
Geolog  sich  angelegen  sein  lassen,  ehe  er  andere  theoretisch  belehren 
wollte.  Es  ist  wohl  manchmal  möglich,  daß  Theorien  nach  den  Fort- 
schrittslehren der  Physik  und  Chemie  später  anders  sich  erklären 
lassen,  aber  diese  Modificationen  der  einst  angenommenen  systemati- 
schen Gedanken  können  mit  den  ganz  genauen  und  von  allen  Geogno- 
sten  richtig  gestellten  Beobachtungen  nie  in  Widerspruch  kommen ; 
sonst  können  wir  sie  a  priori  als  falsch  bezeichnen,  möge  man  dazu 
welchen  Schwärm  von  physicalischen  und  chemischen  Erfahrungen 
nach  dem  jetzigen  Stande  des  Wissens  auch  entwickeln. 


über  die  jetzige  Tlieiliin^  der  wissenschaftlichen  Arbeit  etc.  Obl 

Dann  haben  wir  die  paläontologische  Schule,  welche  theilweise 
in  den  mineralogischen  Kenntnissen,  sowie  in  den  Lagerungen  der 
Uligeschichteten  Gebirgsarten  oft  wenig  bewandert  ist,  oder  diese 
Tlieile  unserer  Wissenschaft  nachläßig  gegen  andere  behandelte. 
Die  Paläontologie  als  Anhang  zur  Zoologie  und  Botanik  ist  ein  so 
anziehendes  Studium  und  führt  so  direct  zu  den  wunderbarsten 
Schlüssen,  daß  man  es  dem  Fachpaläontologen  wirklich  verzeihen 
muß,  wenn  er  es  wagt,  als  einziger  geologischer  Lehrer  förmlich  auf- 
treten zu  wollen.  Aber  leider  gesellen  sich  fast  immer  dazu  Über- 
spannungen, Übereilungen  und  selbst  wirklich  Lächerlichkeiten,  wie 
wir  es  auch  am  verewigten,  doch  verdienstvollen  Aleide  d'Orbign y 
erfahren  haben,  als  er  für  jede  größere  Schicht  besondere  Petrefac- 
tenarten  in  Anspruch  nahm,  und  wenn  er  sie  nicht  fand,  aus  Spiel- 
arten Neues  schuf,  um  seiner  systematischen  Ansicht  gar  keinen  Ab- 
bruch zu  thun. 

Wenn  in  der  Geologie  und  Paläontologie  sich  der  Dilettantismus 
oft  so  breit  macht,  so  geht  es  jetzt  nicht  viel  besser  in  der  Erdkunde, 
Ethnographie  und  Statistik,  in  welchen  Büchern  die  Zahl  der  Berufe- 
nen und  Unberufenen  heut  zu  Tage  sich  noch  mehr  als  in  unseren 
Wissenschaften  erhöiit  hat.  Auf  der  andern  Seite  bemerkt  man  als 
Trost,  daß  in  allen  den,  jetzt  der  Genauigkeit  \\  egen  auf  Mathematik 
basirten  physicalischen  Wissenschaften  nicht  so  leicht  solche  Ver- 
stöße gegen  die  Wahrheit  der  Thatsachen  durch  die  Fachgelehrten 
geschehen  können.  Ihre  theoretischen  Schlüsse  sind  nur  manchmal 
zu  allgemein  angenoumien  oder  zu  voreilig.  Doch  gibt  es  daselbst 
gewisse  Theorien,  welche  mehreren  Fächern  gemeinschaftlich  unent- 
behrlich sind,  wie  zum  Beispiel  in  der  Optik  und  Akustik,  indem  die 
Berührungspunkte  der  Lehre  über  Hitze  und  Licht  mit  derjenigen 
über  Elektricität,  Magnetismus  und  Meteorologie  so  zahlreich  sind, 
daß  sie  nur  eine  wissenschaftliche  Methode  zulassen.  Die  Meteorologie 
scheint  fast  allein  die  physicalische  Wissenschaft  zu  sein,  welche 
am  leichtesten  von  dem  Pfad  der  Wahrheit  abweicht  und  manch- 
mal zu  nicht  ganz  gegründeten  Schlüssen  führen  kann.  In  dieser 
Fachwissenschaft  aber  gibt  es  auch  viel  mehr  Dilettanten  als  in  dem 
übrigen  Wissen  der  Physik.  Endlich  sondern  sich  die  Astronomen  und 
Mechaniker  wenigstens  sehr  von  den  anderen  physicalischen  Fach- 
gelehrten ab  und  gesellen  sich  mehr  mit  den  Mathematikern,  welche 
ihre  Wissenschaft  in  physicalischer  Richtung  treiben. 


502  I?  o  11  e. 

In  der  Chemie  aber  sielil  es  ziemlich  anders  aus,  seitdem  die 
organische  Chemie  so  große  Fortscliritte  gemacht  hat.  Manche  Che- 
miker, l)esonders  die  mineralogischen,  scheinen  noch  zu  glauben,  ihre 
Studien  nur  auf  das  Unorganische  beschränken  zu  können,  während 
docli  die  Rückwirkung  der  großen  Entdeckungen  und  aufgestellten 
Theorien  im  Organischen  auf  das  Auffassen  des  Wissens  im  Unorgani- 
schen täglich  augenscheinlicher  wird. 

Diese  Auseinandersetzung  hielten  wir  nothwendig  zur  rechten 
Charakteristik  des  jetzigen  Standes  der  wissenschaftlichen  Literatur, 
wo  man  mit  Büchern,  Besehreibungen  und  Theorien  aller  Arten  über- 
scliüttet  w  ird,  zu  welchen  sehr  oft  die  Autobiographie  der  Anctoren, 
sowie  ihrer  Schule  eine  sehr  nothwendige  Scala  der  Schätzung  wäre. 

Aufstellungen  von  einer  oder  der  andern  geogenetischen  Theorie 
gehören  wohl  zu  den  meisten  großen  geologischen  Beschreibun- 
gen einzelner  Länder,  aber  ein  unablässiges  Postulatum  solcher 
Hypothesen  ist  ihre  feste  Basis  oder  ein  richtiger  Ausgangspunkt, 
um  nicht  wieder  in  di*;  längst  verpönten  sogenannten  Erdtheorien 
zurückzufallen.  Wie  viele  selbst  verwickelte  mathematische  Probleme 
werden  lösbar,  sobald  man  ein  Theorem,  ein  Axiom  als  angenom- 
men zugibt,  und  vice-versa,  darum  muß  der  Fachmann  erstlich 
diese  Ausgangssätze  genau  beweisen.  Dasselbe  logische  Princip  muß 
den  sonst  ganz  vernünftigen  Wunsch,  etwas  Neues  in  der  Geogenie 
zu  entdecken  oder  die  Nichtstichlialtigkeit  einer  ihrer  Theorien  offen- 
zulegen, regeln.  So  hat  ein  Genfer  Geolog  mit  einem  reichen  Sehatz 
von  genauen  geognostischen  Beobachtungen  über  das  höchste  Ge- 
birge in  Europa  unsere  Wissenschaft  bereichert. 

Für  uns  besonders,  die  wir  unter  Andre  de  Luc  vor  57  und  58  Jahren 
unsere  ersten  mineralogischen  und  botanischen  Studien  in  jenem  Berg- 
Paradies  macliten,  war  die  Durchblätterung  jener  zahlreichen  Excur- 
sions  -  Referate  eine  wahre  Wonne.  Doch  wenn  man  weiter  zum 
Schlüsse  das  theoretische  dahinter  hinken  sieht,  so  bemerkt  man 
leider  bald,  daß  die  Ausgangspunkte  desselben  nur  ganz  und  gar 
nicht  ])ewiesene  Axiome  sind,  und  die  Berichtigung  selbst  in  einigen 
Hauptlehrbüchern  der  Geognosie  zu  finden  wäre. 

Der  verehrteste  Herr  Verfasser  schreitet  namentlich  zurück  zu 
den  Zeiten  eines  Pallas  u.  s.  w.,  wo  man  den  Granit  als  die  ältesteFor- 
mation  der  Erdhülle  betrachtete,  wie  es  ehemals  Jurine  durch  den 
Namen  Protogene  für  den  Talk  enthaltenden  Granit  auch  aussprach. 


über  die  jetzige  Theiliing  der  wissenschaftlichen  Ail»eit  etc.  563 

Obgleich  in  den  meisten  sogenannten  Erddurchsehnitten  eine  solche 
Granit-Hülle  sich  für  das  Auge  sehr  schön  ausnimmt,  so  hat  schon  lange 
St  u der  mit  vielem  Geist  die  Grundlosigkeit  einer  solchen  hildlichen 
Darstellung  bewiesen,  indem  er  nicht  einsehen  konnte,  warum  Granit 
mehr  als  Porphyr,  Diorit  und  andere  plutonische  Gesteine,  oder  selbst 
Qiiarzit,  WeilVsteiuoder  Gneiß,  die  erste  feste  Hülle  des  feuerflüßigen 
Erdkürpers  hätte  bilden  sollen.  Überhaupt  scheinen  die  Verfertiger 
von  solchen  allgemeinen  Erddurchschnitten  durch  die  rothe  Farbe  des 
Granits  mehr  eine  feuertlüßige  Masse  als  diese  Felsart  selbst  ausdrück- 
lich haben  andeuten  wollen. 

„Bei  genauerer  Prüfung",  sagt  unser  Freund,  „ist  diese  Behaup- 
„tung  eine  mißliche  Sache,  nämlich  nur  eben  ein  Dogma,  ein  Glau- 
„bensartikel  und  nicht  ein  Gegenstand  der  Empirie.  Denn  mögen 
„wir  noch  so  viele  Beispiele  autTühren,  daß  das  tiefste  Gesehene  an 
„zahllosen  Punkten  nicht  Granit,  sondern  diese  oder  jene  Steinart 
;,sei,  so  wird  man  uns  entgegnen,  daß  der  Granit  immer  noch  dar- 
„unter  liegen  könne;  machen  wir  geltend,  daß  die  meisten  genauer 
„untersuchten  Granit-Partien  erweislich  jüngeren  Ursprungs  seien 
„als  die  ihnen  auf-  oder  angelagerten  Bildungen,  so  behauptet  man, 
„diese  aufgestiegenen  Granite  bewiesen  eben  das  Dasein  eines  tiefer 
„liegenden  allgemeinen  Granit-Stockes.  Wollen  wir  diese  Folgerung 
„auf  alle  massiven  Gesteine  ausgedehnt  wissen,  so  verlangt  man 
„wenigstens,  daß  wir  an  eine  unverhältnißmäßig  größere  unterir- 
„dische  Verbreitung  der  Granite  als  aller  andern  plutonischen  Fels- 
„ arten  zusammengenommen  glauben  sollen.  Alle  diese  Postulate 
„stützen  sich  aber  in  letzter  Instanz  auf  die  nothwendige  Forderung 
„unseres  Verstandes,  dem  ersten  Sedimente  eine  feste  Grundlage,  den 
„ältesten  Meeren  einen  so  ziemlich  kaltgewordenen  Steingrund  zu 
„geben."  (N.  Jahrb.  f.  Min.  i840,  S.  347.)  Ob  dies  gerade  nur 
Granit  hat  sein  können  und  müssen ,  das  ist  nur  eine  nicht  unum- 
stößliche Muthmassung. 

Wenn  die  chemischen  Bestandtheile  der  Granite  ganz  verschie- 
den von  denjenigen  der  Weißsteine,  Gneiße,  Syenite,  Porphyre,  Trapp- 
arten und  Trachyten  wären,  und  man  nur  mit  Naturproducten  in 
bestimmten  chemischen  Proportionen  zu  thun  hätte,  so  wären  das 
wichtige  Anhaltspunkte,  das  Gegentheil  aber  ist  die  allgemeine  aner- 
kannte Wahrheit.  Es  lassen  sich  nur  chemische,  sogenannte  typische 
Mittelwerthe  für  jede  Felsart  ermitteln.    Dann  bleiben  die  Haupt- 


564  B  0  ..  e. 

bestandtheile  der  erwähnten  Felsarten  immer  Kiesel  und  Thonerde 
und  in  jeder  sind  die  Proportionen  dieser  Erde  keinesweges  con- 
stant,  sondern  im  Gegcntheile  nach  Localitäten  und  Formations-Zeiten 
sehr  oft  etwas  verschieden.  Natürlicherweise  diflferenziren  die  Analy- 
sen-Resultate für  diese  Gesteine  besonders,  wenn  man  mit  den  Gra- 
niten solche  Spielarten  der  anderen  Felsarten  vergleicht,  in  welchen 
eines  von  den  drei  Hauptniineralien,  der  Granit,  fehlt  oder  wenn  einer 
von  diesen  in  dem  verglichenen  Gestein  nur  sehr  wenig  vertreten  ist. 
Wenn  zum  Beispiel  zwischen  der  chemischen  Natur  des  Granits  und 
der  Quarz-Porphyre  mit  Glimmer  oft  fast  Übereinstimmung  herrscht, 
so  kann  dieses  Wrhäilniß  nicht  der  Fall  für  den  quarzfreien  Porphyr 
oder  den  feldspathreichenDiorit,  Trapp  oder  die  Hornblende  oder  Augit 
enthaltenden  Felsarten  sein.  (Siehe  Dr.  Roths  nützliche  Gesteins- 
Analysen-Tabelle,  1861.)  Darum  sind  auch  sowohl  mineralogische  als 
chemische  i'bergänge  zwischen  allen  letzterwähnten  Gesteinsarten  und 
dem  Granit  oft  beobachtet  und  beschrieben  worden.  (Ebend.  S.  IX.)  Dr. 
Roth  macht  auch  auf  den  Unterschied  der  Analysen  und  der  angenom- 
menen typischen  Mittelwerthe  aufmerksam,  welche  nur  von  der  ver- 
schiedenen Grobkörnigkeit  der  Felsarten  herrührt.  Ein  feinkörniges 
Stück  Granit  wird  ein  anderes  chemisches  Resultat  liefern  als  ein  mit 
großen  Feldspath-Krystallen  besetzter  u.  s.  w.  (Ebend.  S.  XV.) 

Darnach  ist  der  Granit  nur  ein  unter  gewissen  Umständen  ent- 
standenes Naturproduct,  welches  unter  anderen  Umständen  sowie 
manchmal  mit  Ausscheidung  oder  Annahme  gewisser  chemischen  Be- 
standtheile sich  zu  einer  andern  Felsart  umformt.  Wo  sind  denn 
die  Beweise,  daß  nothwendigerweise  nur  Granit,  das  heißt  seine  che- 
mischen gewöhnlichen  Bestandtheile  und  diese  gemischte  Art  von 
Felskrystallisation  am  Uranfang  stattfinden  konnte?  Schon  Dr. 
Macculloch  bat  die  Ausscheidung  der  Kieselerde  als  Quarzfels  dem 
Granit  für  diese  Urhülle  des  Erdkernes  vorgezogen. 

Außerdem  abgesehen  von  allen  sogenannten  jüngeren  Graniten, 
über  welche  noch  nicht  eine  feste  Meinung  besteht,  hat  die  Geognosie 
das  Vorhandensein  von  Granitkuppen  und  Gängen  im  deut- 
lichsten Übergangsgebirge  sattsam  bewiesen,  wie  z.  B.  am  Harz,  zu 
Johann  Georgenstadt  (nach  Mobs),  zu  Aue  (Erzgebirge),  im  Franken- 
wald, inCornwallis,  am  Berg  Shap  in  Cumberland,  beim  Doon-See  und 
imCriffel  im  südwestlichen  Schottland,  im  südlichen  Norwegen  u.  s.w. 
Auf  diese  Thatsache  gestützt  kann  aber  der  Plutonist  behaupten,  daß 


über  die  jefzip^e  Theilung^  der  wissenschaftlichen  Arbeiten  etc.  DOS 

die  Hervorbriiiguiig  granitähnlicher  chemischer  Mischungen  und  ihre 
Krystallisirung  als  plutonische  Felsarten  selbst  in  viel  späteren  geolo- 
gischen Zeiten  behauptet  wird,  möglich  war.  In  jenen  Zeiten  waren 
aber  auch  schon  andere  plutonische  und  metamorphische  Bildungen 
geschehen. 

Der  Herr  Verfasser,  immer  nur  auf  den  Mont- Blanc-Protogin 
fussend,  bildet  sich  ein,  die  erwähnte  Schwierigkeit  zu  umgehen,  in- 
dem er  meint,  daß  alle  Granite  als  feste  Massen  aus  der 
Erde  emporstiegen.   (Bd.  3,  S.  141.) 

Diese  Generalisation  einer  schon  berührten  Möglichkeit  beruht 
aber  auf  einer  bestrittenen  Thatsache.  Denn  erstlich  sind  nur  wenige 
Fälle  bekannt,  wo  einige  Geologen  dieselbe  Meinung  aussprechen 
zu  müssen  geglaubt  haben »).  Dann  müssen  solche  Hebungen 
erstarrter  Massen  ganz  besondere  Schichtenstörungen  in  den  sedi- 
mentären ebensowohl  als  in  den  krystallinisch  geschichteten  hervor- 
gebracht haben,  welche  für  die  acht  bis  jetzt  bekannt  gewordenen 
Fälle  keinesweges  immer  unwlderrutlich  von  mehreren  competenten 
Geognosten  angenommen  wurden.  Im  Gegentheil,  in  den  meisten 
beschriebenen  Gegenden,  wo  Granite  mit  den  erwähnten  zwei  Gebil- 
den in  Berührung  kommen,  stellten  sich  scheinbar  wenigstens  nicht 
die  als  für  diese  Theorie  nothwendig  anerkannten  Stratifications- 
Störungen  ein.  Nach  diesem  kann  man  wenigstens  für  diese  Theo- 
rie nicht  eine  allgemeine  Anwendung  in  Anspruch  nehmen. 

Außerdem  kommt  bei  allen  Granitstöcken  sehr  oft  der  Umstand  vor, 
daß  aus  ihrer  Maße  kleine,  sowie  größere  und  selbst  sehr 
mächtige,  lange  Gänge  ebensowohl  in  den  Ubergangs- 
schiefern  als  in  den  sogenannten  Hörn  fei  sen  und  krystalli- 
nisch en  Schiefern  sich  verzweigen.  Dieses  ist  allgemein  be- 
kannt und  der  Verfasser  schreibt  und  bildet  davon   selbst  mehrere 


*)  Bern.  Studer  Gneiß-Granit  emporgehoben  und  zwischen  Kalkmassen  des  Roth- 
thales  bei  der  Jungfrau  geschoben  (Jahrb.  f.  Min,  1832  H.  2,  S.  212,  1836  H.  6. 
N.  Me'm.  Soc.  helv.  Sc.  nat.  1839  B.  3.  Bibl.  univ.  Geneve  1837.  N.  F.  ß.  8, 
S.207).  Sedgwicku.  Murchison  Caithnesser  Granit  emporgehoben  (Trans,  ge'ol. 
Soc.  L.  1835.  N.  F.  B.  3,  Th.  3,  S.  334),  Cäs.  v.  Leonhard  Geol.  Verhältnisse 
des  Granit  und  der  Kreide  vonMeißen  (Jahrb.  f.  Min.  1834.  H.2.  2.  Taf.),  Scouler 
in  Irland  (Bull.  Soc.  ge'ol.  Fr.  1837.  B.  8,  S.  303,  durch  Virlet  bestätigt  S.  308), 
Dubois  de  Montpereux  Granit  der  Ukrain  (dito  S.  373),  Virlet  (dito 
1839  B.  11,   S.  134),   B.  Cotta   (Echo  du  monde  savant  1841,  N.  649,  S.  411). 


566  Bon  e. 

Fällt'  ab  (sein  Atlas,  Tat'  I«,  Fig.  1  —  0  iiiul  Tat'.  13).  Nun,  solche 
Lagerungsverhältiiiße  stempeln,  wenigstens  für  nnsern  vielleicht  be- 
schiiinkten  Verstand,  jene  Hypothese  von  testen  Granithebungen  zur 
Unmöglichkeit. 

Überhaupt  sclH'inf  uns  (lerVerfasser  in  seiner  Theorie  zu  geschwind 
/AI  Werke  gehen  und  von  seinen  Gönnern  nichts  als  widersinnige 
Behauptungen  zu  erwarten.  Wir  sind  aber,  Gott  sei  Dank,  nicht  mehr 
in  den  huttonischen  Zeiten,  wo  die  chemische  Kenntniß  so  gering 
war  und  die  Parteiliebe  l'iir  eine  vorgefaßte  Meinung  so  groß,  um 
selbst  die  rothe  Farbe  in  Kreidefeuersteinen  einer  durch  plutonische 
Gluth  verursachten  Veränderung  zuzuschreiben. 

W^ir  blieben  glücklicherweise  nicht  stationär  und  sehreiten  mit 
den  Fortschritten  der  physikalisch-chemischen  Wissenschaften  vor- 
wärts, indem  wir  zu  gleicher  Zeit  keineswegs  erröthen,  heut  zu  Tage 
einige  unserer  theoretischen  Ansichten  zu  ändern  und  dieses  öfVent- 
lieh  gerne  aussprechen. 

Aber  neben  diesem  Nachgeben  sind  wir  ganz  und  gar  nicht 
willig,  durch  einzelne  Abhandlungen  eines  Physikers  oder  Chemikers 
uns  für  geschlagen  zu  lialten,  denn,  wie  man  sagt,  die  Wahrheit  ist 
oft  Nachbarin  des  Irrthums,  und  besonders  handelt  es  sich  in  solchen 
Fällen,  auf  die  Controle  anderer  Physiker  und  Chemiker  zu  warten 
und  solche  Prül'iingen  nach  allen  Richtungen  des  studirten  Gegen- 
standes genau  auszudehnen. 

Nun,  zum  Beispiel,  stützt  sich  der  erwälinte  Gelehrte,  um  die  nep- 
tunische  Bildung  des  Granit  zu  beweisen,  nur  auf  einige  einzelne 
physikalische,  chemische,  mineralogische  oder  geognostische  Beob- 
achtungen, welche  er  ü\s  faits  decisifs  (Bd.  3,  S.  303)  zu  erklären 
ganz  irrthümlich  sich  bereclitigt  glaubt.  Darauf,  ohne  alle  Gegengründe 
zu  prüfen,  werden  alle  pliilonischen  Ansichten  als  ein  Unsinn  (Bd.  3, 
S.  322),  die  Kluft  zwischen  den  granitischen  und  vulcanischen  unter 
den  Felsarten  eben  so  ungeheuer  als  zwischen  Wasser  und  Feuer 
erklärt.  Die  Zwischenglieder,  die  Porphyre,  Tracliyte,  Serpentine  und 
Trappe  werden  in  der  überspannten  neptunischen  Phantasie  gänzlich 
übersprungen.  Wenn  man  aber  solclie  peremptorische  Sätze  in  die  Welt 
schleudert,  so  sollte  man  doch  gründlicher  sein  Thema  bearbeiten. 

Indem  wir  in  einem  eigenenAppendix  die  beste  und  bekannteste 
Bibliographie  der  verschiedenen  Ansichten  über  Granitbildung  in 
methodischer  Ordnung  beifügen,  wollen  wir  jetzt  zu    der  leichtern 


riier  die  .jeUi^e  llieiliiiig  der  wisüen^cliiit'tliclieii  Arlieit  etc.  DOl 

Arbeit  übergelieii,  alle  diese  sogeiiaiiiiteii  iiiiAviderstelilichen  Resultate 
wissenschaftlich  zu  Null  zu  reducireu. 

Erstlich  glaubt  der  Herr  Verfasser  die  Erklärung  nuthwendig, 
daß  kleine  eckige  Nester  von  sehr  glinimerreiclien  Granit  keineswegs 
als  schwärzliches  Gescliiebe  im  Granit  gelten  können  (Bd.  3,  S.  304). 
Solche  Irrthilnier  könnte  man  wohl  nur  Chamuuny- Führern  oder 
Alpenclub-Dilettanten  zumuthen  ,  wenn  nicht  einer  von  unseren  ge- 
feiertsten College*!,  Prof.  Zippe,  ein  Quarzgeschiebe  im  Granit  einst 
zu  finden  glaubte  (Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1845,  N.  F.  Bd.  2,  S.  266). 
Doch  diese  letzte  Bemerkung  wurde  durch  Durucher  u.  a.  dadurch 
geschwächt,  4lafJi  eine  Art  Granit  in  der  Normandie  und  Bretagne 
Nester  von  Quarz  mul  Glimmer  enthält ,  welche  auch  als  Geschiebe 
gelten  künnten  (Bull.  1846,  Bd.  4,  S.  140—143,  Taf.  1,  F.  1—6). 
Wenn  man  aber  in  manchen  Graniten  eckige  Fragmente  von  ver- 
schiedenen älteren  und  jüngeren  Schiefern  oft  fand  i),  so  wäre  die 
ftlöglichkeit  der  Ziftpe'schen  Angabe  nicht  ganz  ausgeschlossen; 
aber  unser  verewigter  College  hätte  alle  Zweifel  unmöglich  gemacht, 
wenn  er  anstatt  von  gleichzeitig  mit  dem  Granit  gebildeten  Quarz- 
geschiebe nur  von  Quarznestern  gespruchen  hätte. 

Natürlicherweise  erscheinen  solche  Fälle  ganz  naturgemäß  für 
jene    wenige,   welche    in    manchem    Granit    ein    plutonisch  -  meta- 
morphosirtes  Sediment  zu  erkennen  glauben  (Virlet  ebd.  1844.  N 
F.  Bd.  1,  S.  766,  184Ö,  Bd.  3,  S.  94—96;  C.  R.  A.  d.  Sc.  P.  1845, 
Bd.  21,  S.  1222). 

Der  erwähnte  Verfasser  widmet  auch  wieder  mehrere  Betrach- 
tungen der,  nach  unserer  Wenigkeit,  längst  abgethane  Frage 
über  die  Schichtung  oder  Nichtschichtung  der  Granite 
und    Protogine,    indem    Zerklüftungen    oder    sehr   trügerische 


')  Joh.  V.  Charpentier  im  Gr.  d.  Pyrenäen  (J.  d.  Min.  1813.  Nr.  194.  B.  33, 
S.  117  — 119),  V.  S  eck  end  orf  Grauwacken- Fragmente  mit  Muscheln  im  Harzer 
Granit  (N.  Jahrb.  f.  Min.  1831.  Edlnb.  n.  phil.  J.  1833.  B.  IS,  S.  296).  Drian  zu 
Rivc  de  Gier  (Ann.  Soc.  d'agric,  Sc.  phys.  &  nat.  de  Lyon  1843,  B.  6,  S.  233). 
Rozet  (Bull.  Soc.  geol.  d.  Fr.  1845.  B.  3,  S.  276J.  Bertrand  Geslin,  Glimmer- 
sehieferhrocken  im  Granit  zu  Dinant,  Insel  Jersey  u.  s.  \v.  (dito  1846,  B.  4.  S.  143). 
Cotta,  Fragmente  von  Gneiß,  Glimmerschiefer  u.  Grauwacke  in  Graniten  zu 
Langebruck  u.  Liebenstein  (N.  Jahrb.  f.  Min.  1848,  S.  129—132.  Taf.  3).  Tellef 
Dahll  in  Teilemark  (dito  1862,  S.  604,  oder  seine  Geologie  von  Tellemark  1862). 
Allr.  W.  Steizner,  Granite  zu  Geyer  u.  Ehrenfriedersdorf  (N.  Jahrb.  f.  Min. 
1865,  S.  80Ö). 

Sitil..  d.  niatheni.-iiafurw.  Cl.  LVU.  Bd.  I.  Abth.  37 


lißS  B  o  II  e. 

Schichtungsablösungeii  wie  in  den  Laven,  Trapparten,  Trachyten, 
Porphyren  und  Sieniten  durch  wohl  bekannte,  oft  erwähnte  Ursachen 
vorhanden  sind  (siehe  z.  B.  De  la  Beche  Res.  in  theoret.  Geolog. 
1834,  S.  103,  Report,  on  the  Geol.  ofCornwall.  S.  163,  f.  16  und  die 
Abh,  von  Sharpe,  Studer,  Tyndall,  Sorby,  Harknes,  Jukes  u.  s.  w.). 
Man  muß  aber  Gneiss ,  in  welchem  der  Glimmer  durch  Talk 
ersetzt  wird,  oder  geschichtete  Protogine  mit  talkigen  Graniten  oder 
massiven  Protoginen  nicht  verwechseln.  Die  Schwi«rigkeit,  zu  einer 
Entscheidung  zu  kommen,  ist  nur  in  Fällen  vorhanden,  wo  durch 
die  grossen  Veränderungen  des  Metamorphismus  ziemlich  bedeutende 
Nester  oder  Nieren  von  ungescbiciiteten  Protoginen  in  den  geschichte- 
ten hervorgebracht  wurden,  wie  auch  bei  dem  gewöhnlichen  Gneiss 
und  Granit  der  Fall  manchmal  eintritt.  Diese  einfache  Erklärung  von 
verschiedenen  Graden  der  Umwandlung  gibt  Aufschluß  über  manche 
sogenannte  Blöcke  von  Granit  (vergl.  Bd.  3,  S.  172),  Weißstein 
oder  Eurit  im  Gneiss.  Andere  solche  sogenannte  Granitblöcke  im 
letztern  Gestein  sind  aber  nur  abgerissene  isolirte  Stücke  von  Granit- 
gängen, welche  in  einem  Durchschnitte  solche  anomale  Formen  an- 
nehmen müssen. 

Dann  wird,  wie  im  ersten  Versuclie  Del  esse's,  zu  den  drei 
Hauptbestandtheilen  des  Granits  übergangen.  Der  Quarz  bildet 
sich  auf  nassem  Wege;  Schafhäutl.  Senarmont,  Daubree 
und  C  a  g  n  i  a  r  d  - L  a  1 0  u  r  werden  als  Zeugen  angerufen.  Die  Plutoni- 
sten haben  aber  diese  offenkundige  Thatsache  nie  geleugnet,  sowie 
sie  eben  so  wenig  die  sehr  mögliche  Bildung  von  verschiedenen  Quarz- 
gängen vermittelst  kieselhaltiger  Mineralwässer  bestritten  liaben.  Wie 
würden  aber  die  Neptunisten  über  folgende  eben  so  stichhaltige  Syllo- 
gismen auflachen,  namentlich  eine  Anzahl  von  Mineralien,  zur  Abkür- 
zung hier  mit«  bezeichnet,  wurden  augenscheinlich  auf  dem  trockenen, 
feurigen  Wege  erzeugt,  ergo  können  diese  Producte  in  keinem  Falle 
zum  Reiche  Neptuns  gehören.  So  wird  durch  ähnliche  Argumente 
keineswegs  die  Bildungsart  des  Quarzes  im  Granit  bewiesen. 

Weitere  Beobachtungen  von  Del  esse,  Sir  Humphry,  Davy, 
Brewster,  Sorby  und  Zirkel  über  die  flüssigen  oder  gasartigen 
Einschlüße  im  Quarz  des  Granit  sind  schon  mehr  am  Platze,  aber 
lassen  sich  recht  gut  mit  einer  vernünftigen  wässerigen  feurigen  Bil- 
dung des  Granit  vereinigen,  wie  Elie  de  Beaumont  und  Fournet 
es  auseinandersetzten  und  wie  der  Verfasser  es  selbst  niederschreibt. 


über  ilie  .jet/.ige   Tlieiliinj;  di'i-  «issenschHltlicheii  Arheit  etc.  561) 

Gab  es  vielleieht  Plutonislfii ,  die  sich  auf  400—  500°  C. 
Temperatur  verstiegen,  um  ihren  Granit  ohne  Wasser  und  heiße, 
sowie  auch  einige  Säuren  und  kieseilialtige  Dämpfe  zu  bilden,  so 
haben  wir  wenigstens  nie  solche  Voraussetzungen  ausgesprochen. 

Endlich  kommt  der  Herr  Verfasser  auf  Heinrich  Rose's  Abhand- 
liiim  über  die  verschiedenen  Zustände  der  Kieselsäuren,  in  ^^ elcher 
der  berühmte  Chemiker  wörtlich  den  Ursprung  des  Granit  bespricht, 
indem  er  aber  hinzusetzt,  „daß  gewiß  Niemand  sich  einbilden  wird, 
daß  die  verschiedenen  iMineralien  des  Granites  durch  Wasser  je  auf- 
gelöst waren,  um  sich  nach  und  nach  aus  der  Lösung  zu  krystalli- 
siren".  Im  Gegentheil,  nach  ihm  wären  durch  die  Wirkung  des  Was- 
sers auf  urweltliche,  durch  Gluth  in  Flüssigkeit  erhaltene  Materien 
die  Bestandtheile  des  Granites  oder  wenigstens  mit  Hülfe  der  Wärme 
und  des  Druckes  entstanden  (Ann.  Ph.  Pogg.  1839,  Bd.  108, 
S.  38).  Diese  Theorie  ist  aber  eben  so  weit  entfernt  von  dem  nep- 
tunisch-wernerischen  Unsinn,  als  annähernd  an  unsere  Muthmassung, 
welche  viele  seiner  beigefügten  Bemerkungen  selbst  bestätigen. 

Herr  Rose  hat  den  Dichtigkeitsgrad  des  granitischen  Quarz 
auf  2,6  gestellt,  der  auf  nassem  Wege  hervorgebrachte  Quarz 
gibt  aber  nur  2,2 — 2,3  Grad  der  Dichtigkeit. 

Wenn  der  Herr  Verfasser  ein  solches  Gewicht  auf  diese  Bemer- 
kung legt,  so  hätte  man  doch  von  ihm  erwarten  können,  daß  er  die 
Gegenmeinung  von  eben  so  geschickten  Männern,  als  Rose,  hätte 
berücksichtigen  sollen.  Nun  aber  steht  obenan  der  berühmte  Bunsen, 
welcher  zeigte,  daß,  wie  nach  der  plutonischen  Theorie  voraus- 
gesetzt wird,  die  chemische  Möglichkeit  doch  in  der  Granitbildung 
gegeben  wäre,  namentlich  daß  seine  Mineralien  in  einer  verkehrten 
Art  sich  krystallisirten,  in  welcher  sie  gewöhnlich  fest  werden. 

Die  Temperatur  eines  Körpers  während  seiner  Verdichtung  und 
Isolirung  ist  nie  dieselbe,  wenn  er  sich  aus  seinen  Auflösungen  unter 
anderen  Körpern  ausscheidet.  Der  Punkt  der  Verdichtung  eines  Kör- 
pers hängt  imr  von  seiner  Natur  und  dem  Drucke  ab,  indem  derselbe 
für  einen  in  Auflösungen  befindlichen  Körper  von  der  Proportion  der 
mit  ihm  gemischten  Materien  abhängt.  Das  Chlorkalium  verdichtet  zu 
26°,  wenn  man  aber  die  Proportionen  des  Wassers  variirt,  so  kann 
dieses  selbst  nur  unter  100°  geschehen  u.  s.  w.  Nach  den  Experi- 
menten über  Lösungen  wird  es  wahrscheinlich,  daß  in  einem  feld- 
spathreichen  Schriftgranit   Quarz   vor   dem  Feldspath  krystallisiren 

37* 


570  B  o  ..  e. 

konnte,  indem  in  anderen  Gr.initen  diese  Solidifieation  in  verkehrtem 
Sinne  oder  gleichzeitig  geschah  (vergi.  Rose's  Abh.  Ann.  d.  Ch.  et 
Phys.  iSGO,  Bd.  58,  S.  199  u.  Gust.  Rose's  Zeitschr.  deutsch,  geol. 
Ges.  1849,  Bd.  1,  S.  359), 

Charl.  Sainte  Ciaire  Deville  hat  sich  auch  gegen  Rose's 
Ansicht  über  Granitbiklung  erklärt,  als  er  die  verschiedenen  Stände 
der  Kieselsäure  schilderte. 

Auf  der  andern  Seite  hat  Fournet  die  angedeutete  Schwierig- 
keit durch  die  Hypothese  einer  Überschmelzung  (Surfusion)  des 
Quarz  heben  wollen.  Obgleich  von  Elie  de  Beaumont  und  A.  Lau- 
rent unterstützt,  wurde  er  von  anderen  Gelehrten  wie  St u der. 
Vi  riet,  Schafhäutl  u.  s.  w.  opponirt.  Endlich  hat  Daubree 
auch  gewisse  Kräfte ,  wie  den  Druck  u.  s.  w. ,  sowie  chemische 
Tliatsachen  zu  Hülfe  gerufen,  um  die  plutonische  Bildung  des  Granits 
wenigstens  plausibel  zu  machen. 

Zum  Feldspath  übergehend,  glaubt  der  Verfasser  durch  zwei 
Argumente  die  Bildungsweise  des  granitischen  Feldspath  beweisen 
zu  können,  namentlich  durch  Albitkrystalle  in  alpinischen  Kalksteinen 
und  durch  die  Veränderungen  in  den  optischen  Axen  des  Orthose 
unter  einem  grossen  Hitzgrade  i).  Was  den  ersten  Beweis  betrifft, 
hätte  er  in  der  geologischen  Literatur  noch  bessere  Fälle  von 
sogenanntem  neptunischen  Feldspath  finden  können,  wo  Gegenerklä- 
rungen scheinbar  noch  weniger  am  Platze  sind;  darüber  wollen  wir 
mit  ihm  hier  kein  Wort  verlieren ;  aber  das  gewährt  uns  wieder  keine 
Sicherheit  für  den  wahren  Ursprung  i\cs  granitischen  Feldspath,  da 
Feuer  und  Wasser  oft  zu  denselben  Mineralien  Anlass  geben.  Auf 
der  andern  Seite  steht  die  optische  Beobachtung  Des cloizeau's 
ganz  und  gar  nicht  mehr  vereinzelt,  was  unser  Verfasser  gänzlich 
verschweigt,  indem  er  eine  Hitze  von  400  C.  für  die  Fcldspathgluth 
der  Plutonisten  annimmt.  Möge  er  davon  den  Beweis  haben,  zum 
zweiten  Male  gesagt,  wir  gehören  zu  jenen  nicht  und  glauben  doch 
an  die  Granitbildung  durch  Hitze  und  Wasserdämpfe.  Wenn  Pariser 
Gelehrte  viel  Gründliches  in  den  Wissenschaften  entdeckt  haben,  so 
verscheuchen  ihre  sogenannten  Schlussresultate  oft  nur  schwer  einiges 
Misstrauen,  weil  durch  die  große  Concurrenz  der  gelehrten  Kräfte 


1)  Descioizeaux  L.  Institut  i861,  S.  234,  C.  K.  Ac.  d.  Sc.  S.  1862,  B.  SS,  S.6.il  — 
6S4.  Mem.  Ac.  d.  Sc.  P.  BuU.  Soc.  geol.  Fr.  1862,  B.  20,  S.  41—47.  Ann.  d.  Ch.  & 
Phys.  1863,  3.  F.  B.  68.  S.  191— 22S,  Ann.  Phys.  Pogg.  1863,  B.  119,  8.481— 492. 


über  die  jeUige  Theiliing  «ler  wissensohiifiliclieii  Arbeit  etc.  571 

daselbst  die  Sucht  zu  glänzen,  das  heisst  aus  kleinen  Beobachtungen 
Avichtige  theoretische  Ansichten  in  mehreren  Richtungen  zu  unter- 
stützen, manchmal  zu  Übereilungen  führt.  Darum  hat  mit  germani- 
scher Gewissenhaftigkeit  (durch  Franzosen  oft  als  Pedanlismus  ge- 
stempelt) Herr  Dr.  Ch.  Weiss  die  Versuche  Descloizeau's  ver- 
folgt und  ist  zu  dem  Schluße  gekommen,  daß  für  den  Feldspath  die 
optischen  Thatsachen  weder  dem  Verlangen  der  Nep- 
tun isten,  noch  der  Pluto  nisten  sich  beugen  (s.  Beitrag 
zurKennthiß  derFeldspathbildung,  in  den  Naturk.  Verh.  Haarlem's, 
1866,  Bd.  25,  S.  112).  In  der  Natur  findet  sich  eine  fortlaufende 
Reihe  von  FeUlspathen,  welche  nach  Lage  und  Größe  solcher  Axen- 
winkel  alle  möglichen  Grade  der  Temperatur  anzeigen  würden,  die 
bei  oder  seit  Entstehung  derKrystalle  sie  heimgesucht  hat,  von  einer 
Temperatur  noch  weit  von  der  Gluthhitze  bis  zu  einer  solchen, 
welche  etwa  beim  Schmelzen  des  Kupfers  erreicht  wird.  Berück- 
sichtigt man  die  Einflüsse  der  jetzigen  Wärme  auf  die  Krystalle, 
so  kann  man  aus  der  Lage  und  Größe  des  optischen  Axenwänkels 
allein  noch  keinen  Schluß  auf  die  Höhe  der  erlittenen  Wärmewirkung 
ziehen  (ebd.  S.  117).  Wir  müssen  wirklich  den  Leser  auf  die  voll- 
ständige Auseinandersetzung  dieses  interessanten  Gegenstandes 
durch  Dr.  Weiss  verweisen,  damit  er  sich  damit  versicherte, 
daß  Descloizeau  zu  hastig  in  seinen  Schlüssen  war,  wie  z.  B. 
besonders  über  die  ungleiche  Vertheilung  der  Durchsichtigkeit  eines 
Krystalles  als  zur  Gluthwirkungsbeurtheilung  günstig  u.  s.  w.  Durch- 
blättert man  das  ganze  Elaborat  des  Dr.  Weiss,  so  wird  man  wahr- 
nehmen, daß  er  durch  die  Optik  für  Quarzporphyre  zu  demselben 
theorisch  auf  Wissenschaft  basirten  Schluß  als  wir  für  Granit 
kommt,  nämlich  daß  Hitze  und  Dämpfe,  resp.  Wasserdämpfe  bei 
Bildung  solcher  Gesteine  vorhanden  waren  (ebd.  S.  165).  Jetzt 
fragen  wir  jeden  Unparteiischen,  wenn  der  Eocenquarzporphyr  zu 
Vöröspatak,  durchspickt  mit  großen  Quarzkrystallen,  oder  der  ähn- 
liche von  Auerberg  bei  Stolberg  am  Harz  (mit  2,655  specifischer 
Dichtigkeit  für  den  Quarz)  einen  solchen  Ursprung  hat,  warum  sollte 
es  nicht  beim  Granit  auch  möglich  gewesen  sein,  daß  er  als  w^eicher 
feldspathischer  Teig  unter  einem  gewissen  Hitzegrad  und  Drucke 
(vergl.  Bd.  3,  S.  321)  aus  der  Erde  heransgepresst  wurde,  in- 
dem wässerige,  sowie  kieselhaltige  und  saure  Dämpfe  und  Gase  die 
ganze  Masse   durchzogen  und  auf  diese  Weise  nicht  nur  die  Quarz- 


572  B  0  ..  e. 

und  Glimmerkrystalle  erzeugte,  sondern  aucii  zur  Bildung  der  Drüsen 
und  Poren  Anlaß  gaben.  Ob  nun  der  Talk  und  G ii m m e r  Wasser 
oder  keines  entbält,  ob  es  wirklieb  neptuniscb  gebildeten  Glimmer 
und  Talk,  Topase,  Emerauden  u.  s.  w.  gibt,  was  für  Pseudomor- 
phosen  des  Feldspalhes,  des  Quarzes  und  des  Glimmers  aucb  bekannt 
sind,  das  sind  alles  Nebensacben ,  welcbe  nichts  entscheiden  und  mit 
dem  innigen  Zusammenhange  der  Granite,  Syenite,  Porphyre  undTra- 
chyte  der  Natur  in  die  Wagschale  gelegt,  vor  solchen  mineralogi- 
schen und  geognostischen  Beweisen  verschwinden. 

Als  letztes  Schlachtplerd  lülirt  aber  der  Herr  Verfasser,  wahr- 
scheinlich zum  Erstaunen  alier  seiner  Verehrer,  noch  die  Entdeckung 
des  Eozoon  hinzu,  während  es  doch  olTenkundig  ist,  daß  diese Fora- 
minifere  bis  jetzl  nur  dem  serpentinhaltigen  körnigen  oder  halbkrystal- 
lischen  Kalksleine  der  krystallinisclien  Schiefer  eigen  ist.  Werhatdenn 
bis  jetzt  diese  Thierreste  im  Granit  oder  selbst  in  der  Mitte  von  Serpentin 
gefunden,  und  wer  ist  ein  so  wenig  geschulter  Mineralog,  um  nicht 
gleich  in  jener  serpentinartigen  Einhüllung  und  Munificirung  einer 
Foraminifere  einen  pseudomorphischen  Process  zu  erkennen,  welchem 
Augit,  Hornblende,  Olivin  oder  andere  Mineralien  unterworfen  waren. 

Weiter  bespricht  der  Herr  Verfasser  die  wohlbekannten  eckigen 
kleineren  oder  grösseren  F  r  a  g  m  e  n  t  e  v  o  n  G  n  e  i  ß,  G 1  i  m  m  e  r  s  c  h  i  e- 
fer  oder  Übergangsschiefer  im  Granite  und  erstaunt,  die- 
selbe nie  durch  Hitze  verändert  zu  finden,  wie  es  doch  sein  sollte,  wäre 
der  Granit  eine  Lava.  Die  genaue  Beobachtung  solclier  Fälle  zeigt 
aber  gerade,  dass  oft  das  granilische  Material  mit  demjenigen  der 
Fragmente  sich  so  innig  verbindet,  daß  daraus  einst  in  Schottland 
die  Theorie  der  chemischen  gleichzeitigen  Bildung  entstand.  Neben 
diesen  verschwommenen,  manchmal  auch  wie  entfärbten  Umrissen  der 
fremden  Gesteine  kommen  auch  Fälle  vor,  wo  die  Berührungsflächen 
sehr  scharf  bleiben.  Solche  Fälle  sind  aber  in  den  Laven  auch  bekannt 
genug.  Die  Neptunisten  vergessen  immer,  wie  viele  Nebenumstände 
erforderlich  sind  ,  um  Hitzewirkung  durch  Laven  oder  plutonische 
Gesteine  zu  verursachen.  Die  grosse  Porosität  der  Schlacken  modi- 
ficirt  die  Wärmeleitung  so  sehr,  dass  man  täglich  am  Vesuv  über 
Laven  schreitet,  welche  in  einer  höchst  geringen  Tiefe  glühen.  Wie 
viele  Lava-,  Basalt-  oder  Trachytströme  liegen  auf  sehr  verschiede- 
nen Felsarten,  ohne  sie  wahrnehmbar  zu  modificiren,  während  anderswo 
dasGegenlhf'il  hcrvorfrilt.  Auf  dieselbe  Weise  verhäM  es  sich  mit  allen 


über  die  jetüijje  Tlieilung  der  wissenschaftlichen  Arbeit  etc.  O  <  3 

Berührungsflächen  der  Basalte,  Trappen  und  Porphyre.  Wie  viele 
solcher  Gesteine  haben  wir  nicht  selbst  in  Gängen  durchmustert  und 
nur  bei  einigen  kleinere  oder  grössere  mineralogische  Veränderungen 
Mahrgenommen.  Manchmal  scheint  selbst  die  nächstliegende  Gestein- 
masse neben  der  plutonischen  unberührt  und  die  stattgefundenen  Ver- 
änderungen oder  Metamorphosen  zeigen  sich  nur  etwas  weiter  in 
den  nebenstehenden  Felsarten. 

Da  sind  wir  zu  einem  Theil  dex  plutonischen  Theorie  gelangt, 
in  welcher  man  sich  ehemals  übereilt  hat,  Alles  der  Feuergluth  zuzu- 
schreiben, was  uns  jetzt  einer  wissenschaftlich  gegründeten  Rüge  der 
Neptunisten  aussetzt.  Es  ist  die  Aufgabe  der  neuen  Wissenschaft, 
physikalisch  sowie  chemisch  die  besonderen  Umstände,  die  Anomalien 
dieser  Erscheinungen  sowie  die  Hervorbringung  dieser  Metamor- 
phosen scharf  zu  bestimmen  und  zu  elassificiren,  so  zum  Beispiel 
das  durch  kieselhaltige  Wasserdämpfe  quarzig  Gewordene,  von  dem 
nur  durch  Tagewasser  und  kohlensaure  Einwirkung  oder  durch  kleine 
innere  elektrochemische  Kräfte,  oder  selbst  durch  Hitze  Veränderte 
zu  Sortiren. 

Diese  V^eränderungen  zu  umfassen,  brauchte  man  ein  Wort;  man 
fand  es  in  dem  des  Metamorphismus,  welcher  Begriff  nicht  rich- 
tig durch  Pseudomorphose  ausgedrückt  werden  konnte,  da  letztere 
Gattung  von  chemischer  Veränderung  nur  einen  Theil  des  Metamor- 
phismus ausmacht.  Darum  kommt  es  unerklärlich  vor,  wie  der 
erwähnte  Verfasser  behaupten  kann,  dass  der  Metamorphismus  wie 
der  Trapp  und  andere  zu  allgemein  gehaltene  Ausdrücke  nur  ein 
Geständniss  der  Unwissenheit  wären  (Bd.  3,  S.  330),  so  daG> 
so  viele  berühmte  Geologen  und  man  kann  wohl  sagen,  fast  die 
berühmtesten  unserer  Zeit  nur  als  Schulknaben  gegen  den  Herrn 
Verfasser  zu  stehen  kämen. 

Solche  allgemeine  Benennungen  brauchen  wir  aber  in  der  Geo- 
logie, wie  in  jedem  Wissen,  denn  ohne  der  hohen  Wissenschaft  des 
Verfassers  nahe  treten  zu  wollen,  bedeuten  sie,  für  uns  Laien  wenig- 
stens, eine  Reihe  von  wohl  sehr  verschiedenartigen  mineralogischen 
Resultaten,  welche  jedoch  durch  gewisse  geognostische  Betrachtungen 
in  inniger  Verbindung  mit  einander  stehen.  Erläutern  wir  unsere 
Gedanken  durch   einige  Beispiele. 

Ein  schöner  metallreicher  Gang  durchschneidet  die  krystallini- 
schen  Schiefer,  Thonschiefer  oder  Grauwacke.   Daneben  auf  einer 


574  B  0  u  e. 

Seite  mir  oder  oft  /n  beiden  Seiten  zeigen  die  sogenannten  Saal- 
bänder andere  Färbungen ,  andere  Aggregationszustände,  andere 
Härte  der  Gebirgsarten  u.  s.  \v.  als  gewöhnlich.  Zur  Erklärung  dieser  sehr 
merkwürdigen  mineralogischen  Veränderungen  kann  man  eben  sowohl 
chemische  neptunische  Ursachen,  manchmal  auch  plutonische  vor- 
schlagen oder  wenigstens  kann  daselbst  die  Rede  von  Mineralwässer- 
Einflüssen  sein.  Darüber  steht  das  Feld  mehr  oder  weniger  wahr- 
scheinlichen Vermuthungen  olTen,  aber  das  hindert  nicht,  dass  wir 
glücklicherweise  das  Wort  Metamorphismus  besitzen ,  um  ohne 
vorgefasste  Theorie  diese  geognostische  Thatsache  anzudeuten. 

Ein  Basalt-,  Trapp-  oder  Serpentin-Gang  durchschneidet  einen 
Sand-  oder  Kalkstein,  neben  letzterm  zeigen  sich  mineralogische 
Veränderungen,  Verdichtung,  Verkieselung,  Entfärbung,  starke  Eisen- 
oder Mangan-Färbung,  eigene  Mineralien  u.  s.  w. ,  manchmal  nur  in 
letzteren  Felsarten,  manchmal  selbst  auch  in  den  Seiten  der  fremden, 
alles  durchschneidenden  Gesteine.  Warum  sollte  man  da  nicht  solche 
Merkwürdigkeiten  untereinemcollectiven  Namen  zusammenfassen  und 
wie  kann  man  uns  darüber  zum  Eselstempeln,  weil  wir  vielleicht  noch 
nicht  alle  chemisch-physikalischen  Naturgeheimnisse  erlauscht  haben. 

Ein  grosser  Granitgang  durchsetzt  einen  Glimmerschiefer  oder 
Gneiß,  die  Schiefer  erscheinen  auf  eine  ganze  Klafter  Entfernung 
vom  Granit  wie  durch  eine  Säure  entfärbt  oder  einandermal  wie  durch 
Eisenoxydhydrat  geröthet.  Zwischen  dem  Glimmer  oder  Feldspath- 
lamellen  bemerkt  man  nur  in  diesem  metamorphosirten  Schiefer  Par- 
tien von  Schörlkrystallen ,  welche  nur  immer  in  einer  parallelen 
Lage  mit  den  Gesteinblättern  liegen  und  von  Graniten  anfangen,  Avie 
wir  es  bei  Nantes  erlebten.  (Ann.  sc.  nat.  1824,  Bd.  2,  S.  387.) 

Warum  sollte  der  Geolog  nicht  mit  einem  gut  gewählten  Aus- 
druck alle  diese  comj)licirten  mineralogischen  Umstände  bezeichnen 
können,  ohne  gezwungen  zu  sein,  das  Naturräthsel  wissenschaftlich 
gänzlich  lösen  zu  können? 

Anderswo  trennt  den  Granit  vom  Ubergangsgebirge  ein  mehr 
oder  minder  breiter  Streif  von  Schörlschiefer  oder  Hornfels  oder  von 
einem  gneißartigen  feldspathischen  Gestein.  Möglich  erstrecken  sich 
Granitgänge  durch  letztere  und  in  diesen  Spalten  haben  sich  abge- 
lagert nicht  niM"  ein  demjenigen  des  Stockes  ähnlicher  Granit,  sondern 
auch  andere  Arten  von  feinerem  oder  im  Gegenlheil  von  porphyrarti- 
gem Granit,  unter  web'lien  einige  vielleicht  selbst  in  den  Körper  des 


über  ilii- jetzige  Tlieiluiif;  der  wisseiischiifllielii-ii  Ailieit  etc.  Oli) 

Granitstockes  eindriiigen,  oder  Iclzteren  tlieilweise  diirchschneltlcii. 
Vielleicht  wird  das  Ganze  durch  Erze  in  Trümmern,  Nestern  oder 
selbst  Gängen  noch  zusammengesetzter.  Wie  glücklich  muß  sich  der 
Geognost  da  fühlen,  einen  allgemeinen  Ausdruck  für  solche  mehrfache 
dynamische  und  cliemische  Resultate  zu  finden. 

Es  giht  aber  noch  andere  viel  schwerere  Räthsel  in  der  geolo- 
gischen Natur,  wir  meinen  die,  wo  ganze  große  (jegenden  oder  Bei-g- 
ketten  nichts  als  ein  wahres  Labyrinth  von  veränderten  Gesteinen  zu 
sein  scheinen.  Nur  durch  lange  Studien  über  geognostische  Strati- 
graphie,  Petralogie  und  Metamorphismus  gelangt  man  zu  einigen  Ver- 
muthungen  über  die  langwierigen  physikalisch-chemischen  Processe, 
welche  da  stattfanden,  und  wirklich  der  erwähnte  Herr  N'erfasser 
(mag  er  nun  oder  nicht  das  Wort  der  sogenannten  Unwissenheit) 
ließ  sich  doch  selbst  durch  diesen  theoretischen  Pfad  zu  einigen 
seiner  schönsten  Enträthselungeii  in  den  Montblanc-Alpengruppen 
leiten,  wie  zum  Beispiel  für  seine  Rauhwacke,  seine  Trias,  seine 
Kohlen-Formationen  u.  s.  w. 

Er  will  und  kann  nicht  an  Sismonda's  Equisetum-Überbleibsel 
in  einem  gneißigen  Gestein  glauben  (Bd.  3,  S.  329).  IMöglich  daß 
das  Recht  auf  seiner  Seite  ist,  aber  seine  Argumentation  dagegen 
könnte  man  ebensowohl  für  die  räthselhaften  Belemniten  und  Encrini- 
den  vom  Nuftenenpass  und  anderswo  in  den  krystallinischen  Schie- 
fern der  Alpen  gegen  ihn  anwenden. 

Was  er  auch  sagen  mag,  die  Thatsache  steht  fest,  daß  einer- 
seits unfern  der  granitischen  Massen  einst  sedimentäre  Gesteine 
mehr  oder  minder  verändert  wurden,  ohne  daß  immer  ihre  Petrefacten 
verschwanden ,  während  andererseits  daraus  ganz  und  gar  nicht 
folgt,  dass  der  Granit  ein  wässeriger  kalter  Niederschlag  war  (ver- 
gleiche Bd.  3,  S.  103). 

Das  Übel  ist,  daß  der  Mensch  zu  jeder  Zeit  Alles  wissen  will, 
oder  zu  erklären  nach  seinen  Kenntnissen  sich  berechtigt  glaubt. 
Doch  er  vergißt,  daß  diese  letzteren  nur  einen  Horizont  in  der  Scala  der 
Erkenntniß  der  Natnrkräfte  und  Producte  bildet,  und  daß  die  uns 
nachfolgende  Menschheit,  wahrscheinlich  unsere  jetzige  Unwissenheit 
belächelnd,  noch  viel  höher  im  Wissen  stehen  wird.  Bleiben  wir  der 
Weisheit  gemäß  bei  dem  Ausdruck  Metam  orphismus  und  über- 
lassen wir  es  der  Zukunft,  die  ganze  Erklärung  der  Phänomene  und 
ihrer  Details  zu  cfchen. 


576  ß  o  u  e. 


Methodisch-chronologisch  geordnete  BibUographie 
der  Granit-Entstehung. 

Granite  sind  neptunisclie  chemische  Niederschläge. 
Gerhard  (Carl  Abrah.),  Beob.  u.  Muthmassung,  üb.  d.  Granit  u.  Gneiß.  Berl. 

1779.  (Gott.  gel.  Anz.  1780.  S.  139.) 
Bartolozzi  (Franz),  Opuscoli  scelt.  1780,  B.  3 ,  S.  134—144;  J.  de  Phys. 

1782.  B.  21,  S.  467—470;  Lichten  berg's  Mag.  f.  d.  Neueste  a.  d.  Phys. 

1783.  B.  2,  H.  1,  S.  152— 163. 

Rasumovslii  (Graf  Greg.),  Meni.  Soc.  de  Lausanne  1783.  S.  63 — 66;  J.  de 

Phys.  1791.  B.  39,  S.  250-254. 
De   ja    Metherie.     Niederschlag   sehr   heißer  Wiisser.    (J.    de    Phys.   1791. 

B.  38,  S.  39.) 
Kirwan  (Franz),  Roy.  Irish.  Acad:  1798.  B.  5. 
Pallas(?)  u.  P.  Bertrand,  Granite  u.  Porphyre  chemische  Niederschläge  von 

erwärmten  und  aufgelösten  Felsarlen.  1800,  (N.  Princip  d.  Geolog.  1803.) 
Ramond,  Voy.  au  Mt.  Perdu  1801.  (J.  de  Phys.  I80I.  B.  53,  S.  135—138.) 
Deluc  (J.  Andre),  S.  Geologie  1809.  (J.  des  mines  1810.    B.  28,    S.  8—9, 

Taschenb.  f.  Min.  1808.  B.  2,  S.  292.) 
Knight,  Theory  oftheEarth.   1820. 
Dinge  (N.  Ad.),  N.  Schrift  d.  Ges.  f.  Mincralog.  in  Jena.  1825.  B.  2,  S.  284; 

Ferussac's  Bull.  1826    B.  9,  S.  265. 
Fuchs  (Nepom.),  Wegen    der  verschiedenen  Schmelzpunkte  des  Feldspaths 

und  Quarzes.  (N.  Jahrb.  f.  Min.  1838.  S.  187;  Über  die  Theorien  der  Erde 

1838,  wieder  abgedruckt  in  d.  J.  1844  u.  46.) 
Cunningham  (R.  Hay),  Proe.  Wern.  See.  Edinb.  1837,  7  Dec.  (Edinb.  N.  phil. 

J.  1840.  B.  28,  S.  407).  Er  negirt  alle  transgressive  Schichtung  der  Schiefer 

gegen  Granite ! 
Studer    (B.),    Der   Metamorphisuius   kann   granitische   Gefüge   wohl   bilden. 

1840.  (Vide  infra.) 
Roemer  (Fr.  Ad.),  Grauwacke  mit  Granit-Fragmenten  zu  Grund  am  Harz. 

(N.  Jahrb.  f.  Min.  1844,  S.  58.) 
Bischof  (Gust.),  N.  Jahrb.  f.  Min.  1843.  S.  29,  Granit  in  kleinen  Trümmern 

im  Thonschiefer  und  Grauwacke  so  wie  Serpentin,  eine  Felsart  die  13  Pcl. 

Wasser  enthält,  darum  nur  neptunisch  sein  kann.  (Dito  1850.  S.  48  —  49 

u.  Lehrb.  d.  phys.  ehem.  Geologie,  1846.  B.  2,  S.  1297.) 
Schafhäutl.  (Münchn.  gel.  Anz.  1845.  April,  S.  557— 596,  N.  Jahrb.  f.  Min. 

1845,  S.  858.  1849,  S.  664.) 
Paoli  (M.  D.),  De  Torigine  di  Rocche  granitiehe.  Pesaro  1849.  S". 
Delesse  Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1853,  B.  9,  S.  464,  1858,  B.  15,  S.  709,  1859, 

B.  16,  S.  419;  N.  Jahrb.  f.  Min.  1854,  S.  837;    Bibl.  univ.  Geneve  1860, 


über  die  jefzig-e  Theiluiiy  der  wissenschaftlichen  Arbeit  etc.  ö  i  i 

N.  F.  ß.  7,  S.  190—193.   Geologist  1859.    B.  2,  S.  206—207;  Rech,  -sur 

le  Granit,  P.  1866,  4». 
Mohr's  Berggeist  1859.  Nr.  82;  ß.  u.  Hütt.  Zeit.  1860.  S.  191. 
Nauek's  Opposition  dagegen.    Berggeist  1859.   Nr.  87;    B.  u.  Hält.  Z.  1860. 

S.  233. 
Molir's  Antwort,  Berggeist  1859.  Nr.  94;  B.  u.  H.  Z.  1860.  S.  2^55. 
Rose    (H.),  Ann.  Phys.  Pogg.  1859.    B.  108,  S.  1-40;  J.  f.  prsik».  Cheni. 

1860.  B.  81,  S.  223-233;  Phil.  Mag.  1860.  N.  F.  B.  19.  S.  32—39;  Ann. 

d.  Ch.  &  Phys.  1860.  3.  F.  B.  58,  S.  163—208;  Bibl.  univ.  Geneve  1859, 

N.  F.  B.  6,  S.  10-15. 
Birney    (J.),    Granitlösung   in   aninioniakalsaizigen  Lösungen,    (lioy.   Dublin 

Soc.  1860.  Nr.  18  u.  19.  S.  80.) 
Volger   Dr.,  Deutsch.  Naturf.  Vers,  zu  Speyer  1861.  (Geologist  1861.  B.  4; 

S.  504.) 
Brison  (A.),  Proc.  roy.  Soc.  Edinb.  (1861,  29.  April)  1860-61.  ß.  4,  S.  456, 

Kdinb.  n.  phil.  J.  1861.    N.  F.   B.  14,    S.  144—147;   vollständig  1864. 

B.  15,  S.  52—63,  5  Fig.;   Brit.  Assoc.  1861,  1862.  S.  110,    u.  J.  1863; 

N.  Jahrb.  f.  Min.  1862.  S.  370—371;  Bibl.  univ.  Geneve  1862.  5.  F.  B.  13, 

S.  341—343. 
Favre  (Alph  ),  Rech.  geol.  de  la  Savoie  1867.  B.  3,  S.  311—323. 

Eigenthümliche,  sonderbare  and  etwas  unverständliche  chemische  Theorie. 

Keilliau,  Nyl  Mag.  ior  Naturvid.  1836.  B.  1,  Nr.  1.  S.  1—72.  Gaea  Norwe- 
gica  1838.  H.  1  u.  2.  Edinb.  n.  phil.  J.  1838.  B.  24,  S.  387-403,  ß.  25, 
S.  80-101,  263-273;  1840.  B.  28,  S.  366— 371 ;  Karsten's  Arch.  f. 
Min.  1839.  B.  12,  S.  418-496;  Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1839.  B.  10,  S.  291; 
N.  Jahrb.  f.  Min.  1837.  S.  553,  1851  S.  285—288. 

Berzelius  (Jac),  Kritik,  Arsberätt.  van  Framsteg.  i  Fysik  och  Kemi  f.  1837. 
S.  360-372;  Edinb.  n.  phil.  J.  1840.  B.  28,  S.  371-378;  ßeni.  Keil- 
h  a  u  's  378-  379. 

Der  Metamorphismus  des  Granit. 

De  Luc.   Granit  ist  Kalkstein  ohne  fixe  Luft  und  Plogistik.  (Lettr.  nioral.  & 

physiq.  1779.  B.  4,  S.  323.) 
Dodun,  J.  d.  Phys.  1811.  B.  72;  N.  F.  B.  29,  S.  256-260. 
Boue  (Ami),  Kleine  granitische  Nester  im  Gneiße.  (Ann.  Sc.  nat.  1824.  B.  2, 

S.  421.) 
Virlet  d'Aoust  Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1836.  V.  8,    p.  307—308;    Bull.  Soc. 

geol.  Fr.  1845.  B.  8,   S.  94;  1847;  N.  R.  B.  4,  S.  499—500;  C.  R.  A.  d. 

Sc.  P.  1845.  B.  21,  S.  1222—1224,  1857  B.  15,  S.  126. 
Dana  (James  D.),  Amer.  J.  of  Se.  1843.  ß.  45,  S.  108-119. 
Boucheporn  (Felix),  Nept.  chemisch  gebildet  und   durch  Hitze  verändert. 

(Eludes  sur   l'hist.  de  la  terre    1844.    S.  205—225,  239.)    Hisf.   geol. 

d'Archiac  1847.  B.  1,  S.  37—38,  40—41. 
Kapp  (Christ.),  Deutscher  Kalender  für  1835.   Kempten,  S.  72.    N.  Jahrb.  /. 

Min.  1836.  S.  223-224. 


878  « "  1  '■■ 

Honslow,  Alter  rotlier  Sandsfein  im  Granit  (Uircli  plntonische  Hilze  ver- 
wandelt. (Cambridfre  phil.  Soc.  Trans.  1822,  B.  1,  Th.  2,  S.  SSO;  Zeitsch. 
f.  Min.  1825,  B.  2,  S.  539;  1827.  H.  4,  S.  367-369;  Ann.  d.  Min.  1826. 
B.  13,  S.  229-232;  Fcruss.  Bull.  1824  B.  3,  S.  151—155,  1827  B.  11, 
S.  51—33.) 

Haidinger  (Joli.),  Pseudonioiphose  Striu-tur  im  Baveno  Granit.  (Ak.  Sitzber. 
1848.  H.  2,  S.  198.) 

Hauphton  (Revd.  Sam.),  On  the  Orig.  of  Granit-Hydrometamorphose.  Genl. 
Soc.  Dublin,  D.  1862.  8. 

Fuel.s  (C.  W.  C),  N.  Jahrb.  1".  Min.  1862.  S.  914—932. 

Vogt  (Carl),  Kalk  in  Gneiß  und  Granil  verwandelt.  Dr.  Bernu's  Nordt'alirt 
1863.  S.  369-387. 

Geikie  (Jam.),  Im  südlicbi  n  Scliolthmd.  (Geol.  Mag.  1866.  B.  3,  S  529  bis 
534.) 

Montagna  (C),  Intorno  all'  osistenza  di  resti  organizzati  neue  roeclie  dettc 
azoiche  ed  alla  doppia  origine  del  Granite.  1866. 

Gleichzeitig  neptunischchemische  Bildung  von  primären  Felsarten, 
Grauwacken,  Metallgängen  und  Granit, 

Hausmann    (Fried.),    Gleiche  ehem.  Bildung  von  Gneiß  und  Granitgängen. 

(Reise  nach  Skandinav.  1816.  B.  3,  S.  11;  Tasch.  f.  Min.  1815.  B.  9.  Th.  2. 

S.  466.) 
Veltbcim    (von).     Gleichzeitige    ehem.    Bildung    der  Schiefer    u.   Granite. 

(Hallisch.  Naturf.  Ges.  1824.    10.  Juli;    Schweigg.  J.  d.  Chem.  u.  Phys. 

1826.  B.  46,  S.  421—424.) 
Mobs  (Fried.),  S.  Geognosie  1842. 

Plutonischer  Ursprung  des  Granit. 

Pallas  Obs.  sur  la  format.  des  montagnes,  1777.  S.  6. 

Beddoes  (Thom.),  Affinität  zwischen  Basalt  und  Granit.  (Lond.  phil.  Trans. 

1791.  Th.  1,  S.  48;  Verkürzle  Trans,  ß.  13,  S.  8;  Vogt's  Mag.  f.  Phys. 

B.  8.  H.  1,  S.  1—42.) 
Hut  ton  (Jam.),    Über  Granit.  (Trans,  roy.  Soc.  Edinb.  1794.    B.  3,    S.  77; 

Bibl.  brit.  1798.  B.  7,  S.  250-266.) 
M  arzar  i-Pencati,  Cenni  geol.  e  litolog.  sulle  province  venete  e  sul  Tyrolo. 

Vicenza  1819,  8. 
Macculloeb  (J.),  Inniges  Zusammenhängen  der  Trappe  und  Granite.  (J.  roy. 

Insfilut  Gr.  Brit.  1821.  B.  10,  S.  29;  J.  d.  Phys.  1821.  B.  92,  S.  83.) 
Boue  (Ami).  (J.  d.  Phys.  1822.  B.  94,  S.  317.) 

C  riehton  (Sir  Alex.).  (Ann.  of  phil.  1825.  15.  25,  N.  F.  B.  9,  S.  106.) 
Winch  (Nathan),  Trans,  geol.  Soc.  L.  1816.  B.  4,  S.  1-101. 
Necker  de  Saussure    (L.),    Voy.  en  Ecosse  1825.   (Bibl.  univ.  Geneve. 

1826.  Nov.,  B.  33.) 
Daubery   (Charl.),  On  Vulcanoes,  1826. 
Rozet,   Beschreib,  der  Vogesen,   1834. 


über  die  . jetzige  'l'lieiliiiiy  der  wisseiisehiirtlielieii  Aiheit  etc.  0  7«» 

Howard  (dito  1845). 

Pill  f.  (L.).  Gr.  in  Calabrien.  N.  Jalirb.  f.  Min.  1836.  S.  347. 

S  tu  der    (B.),    dito   1840.    S.   346—348.    Edinb.   n.   phil.    .1.   1840.    B.  29, 

S.  295—308. 
Durocher.  (C.  R.  Ac.  d.   Sc,  P.  1845.  B.  20,   S.  1275—1285.   N.  Jahrb.  f. 

Min.  1848.  S.  337—343.) 
Limur  (de),    Granit  zu  Hueltjoet    in    der  SIrornfnrni.     (Bull.  Soc.    geoi.   Fr. 

1856.  B.  13,  S.  580). 
Naumann,  Lelirb.  d.  Geognosie  1857,  B.  2,  S.  221. 
Soecliting    (Zeitsch.  deutsch,  gool.  Ges.  1859 — 60.  B.  12,  S.  8). 
Nauk,  Berggeist  1859.  Nr.  100-104;  B.  u.  Hütt.  Zeit.  1860.  S.  235  u.  283. 
Deville  (ChaW.  Ste.  Ciaire),  Ann.  d.  Cham.  Öc  Phys.  1860.  3.  F.  B.  59,  S.  74. 
Del  esse's  Rev.  d.  Geol.  f.  1860,  1861.  S.  104. 
Daubree,    Etud.  &  Exp.  synthetiq.   sur  la  format.   des  roches   eristaliines. 

(Ann.  d.  Min.  1860.  5.  F.  B.  16,  S.  155  u.  393;  Mem.  des  Sav.  etrang.  Ae. 

d.  Sc.  P.,  Sc.  niath.  &  phys.,  f.  1860,  1862.  B.  17.) 
Koechlin-Schlum  berger.    (Mem.  du    Mus.  d'Hist.   nat.    de  Strasbourg, 

1862.  B.  5,  Lief.  2-3,  S.  239—282.) 
Hüll,  Auf  trockenem  Wege  künstlich  gebildeter  Granit.  (Geol.  Ges.  zu  Man- 
chester 1863.  10.  Juni;  (ieologi'^t  1863,  B.  6,  S.  356—357.) 
Pradiano  (Casiano  de),  Descr.  geol.  provinc.  di  Madrid,  1864.  S.  50 — 56. 

Nor  gewisse  Granite  sind  platonischen  Ursprungs. 

Brcislak  (Scip.),  Der  jüngere  Granit  ist  platonisch,  der  unter  allen  anderen 

Feisarton  liegende  gehört  zu  einer  andern  Bildung.    (J.    d.  Phys.    1821. 

B.  93,  S.  260.) 
Hoff   (von),    Vulcane.  In  s.  Werk.:    Die  Veränderung,  d.  Erdoberfläche  1840. 

B.  4,  S.  1-122. 
Naumann  (Fried.),  Beiträge  z.  Kenntniß  Norwegens,  1823—24.  2.  B.  8. 
Bonnard   (de),  Mem.  sur  la  Bourgogne.  (Ann.  d.  Min.  1825.  B.  10,  S.  192— 

246,  437-480;    Ann.  Sc.  nat.  1824.  B.  3,  S.  456-472;  Zeitschr.  f.  Min. 

1825.  B.  2,  S.  527—529.) 
Keferstein,  Deutschland,   1826. 
Cordier,  Seine  Vorlesungen  im  J.  1827. 
Breithaupt,  Paragenesis  d.  Mineralien  1849,  S.  69  u.  72. 
Hebert,  In  Central-Frankreich.  (Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1859.  B.  16,  S.  423— 

425.) 
Sandberger    (Fridol.),   Granit    mit    vielen  Gneiß-Fragmenten   am  Kniebis, 

(Geol.  Beschreib,  d.  Bades  Rench  1863.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1864.  S.  483.) 
Prado  (Casiano  de),  vide  supra. 

Feurige  Bildung  des  Granits  vermittelst  Überschmelzung  (Surfusion) 

des  duarzes. 

Fournet  (J.),  Correspond.  des  cleves  brevetes  de  St.  Etienne,  1838.  2.  F. 
B.  2.  Surfusion  des  Quarz  im  eruptiven  Gesteine  und  Metallgängen.  (Ann. 


J)80  B  o  M  .:. 

Soe.  d'agric,  d' liist.  nat.  etc.  de  Lyon  1844;  C.  R.  Ac.  Sc.  P.  1844.  B.  18. 
S.  1050— 1 037. 

Du  10  eher,  Surfusion  und  Viscositiit  pegen  Foiirnet's  Erkliirungsweise.  (Ann. 
d.  Ch.  &  Plus.  1838;  C.  R.  Ac.  d.  Sc.  P.  184S;  B.  30,  S.  1225;  Bull.  Soc. 
geo).  Fr.  1847;  N.  F.  B.  4,  S.  1018-1043;  aber  Fournet  meint,  daß  er  nur 
seine  Theorie  wiedergegeben  hat:  Geol.  d'Archiac  1847.  B.  1,  S.  39—40.) 
(C.  R.  Ac.  d.  Sc.  P.  1856.  B.  42,  S.  1099;  Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1860.  B.  17, 
S.  296 — 297).  —  Erwiderung  Duroclier's:  F.  vermischt  Viscosität  mit 
Überschmelzung  (dito  S.  29—31,  188—190,  849,  1099-1252.  1860.  B.  17, 
S.  294;  Hist.  Geol.  d'Archiac  1847.  B.  1,  S.  39—40.) 

Fuchs  (Nepomuk),  Theorie  der  Erde.   Münch.  1844. 

SchafhäutI,  Kritik  der  Theorie  Fournet's.  (N.  Jahrb.  f.  Min.  1845.  S.  858; 
Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1847.  2.  F.  B.  4,  S.  477.) 

Cotta  (B.),  Die  Erklärung  Durocher's  ist  besser  als  die  Fournet's:  Elemente 
der  Geologie,  1846.  Fournet's  Antwort,  (Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1860.  B.  17, 
S.  291.) 

Scheerer,  Kritik  der  Theorie  Fournet's.  (Ann.  Phys.  Pogg.  1842.  B.  56, 
S.  479.) 

Studer  (H.),  aucli  dagegen. 

Elie  de  Beaumont  (Leonce),  Die  Kieselerde  bleibt  einige  Zeit  klebrig  in 
ihrem  Abkühlungsprocesse.  (Soc.  Philomat.  P.  4.  Mai  1839,  L'  Institut 
1839.  10.  Mai,  d'Archiac  Hist.  Geol.  B.  1,  S.38— 39.)  Granite  zu  gleicher 
Zeit  plulonisch  eruptiv  und  mit  durch  heisse  Dämpfe  abgelagertem  Kiesel 
und  Surfusion  des  Quarzes  gebildet.  Durocher's  Erklärung  der  Abdrücke 
der  Turmaline,  Granate  u,  s.  w.  auf  Quarz  u.  s.  w.  (Bull.  Soc.  ge'ol.  F.  1847. 
N.  S.  B.  4,  S.  1295— 1299.  1848.  2.  F.  B.  4,  S.  1305—1307;  Bibl.  univ. 
Geneve  1849.  B.  11,  S.  322—323.) 

Virlet,  Gegen  Fournet's  Theorie.  (Bull.  Soc.  geol.  Tr.  1857.  B.  15,  S.  124 
adnotat.) 

Richthofen,  (F.),  Segregation  der  überflüssigen  Kieselsäure  im  trachyti- 
schen  Porphyr  u.  Granit.  (Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanst.  1859.  B.  10, 
Sitzb.  S.  47—48.) 

Fournet  (J.),  Quarz  mit  Flüssigkeiten  in  Drüsen,  auch  plutonisch.  (C.  R.  Ac. 
d.  Sc.  P.  1801.  B.  53,  S.  610—615.) 

Plutoniscbe  Bildung  des  Granits  mit  Hilfe  von  kieselhaltigen  and  sauren 

heissen  Wasserdämpfen  unter  einem  gewissen  nicht  zu  grossen  Hitzegrade 

und  unter  einem  ziemlich  grossen  Drucke. 

Davy  (Sir  Humphr.),  Flüssigkeiten  und  Gasarten  in  kleinen  Räumen  einiger 
Quarzkrystalle.  (Roy.  Soc.  L.  1822.  13.  Juni;  Lond.  phil.  Trans.  1822. 
B.  112,  Tb.  2,  S.  367;  Ann.  of  phil.  1823.  B.  21  (N.  F.  B.  5)  S.  43—49; 
Quart.  J.  of  Sc.  1823.  B.  14,  S.  385;  Edinb.  phil.  J.  1822,  B.  7,  S.  186; 
Ann.  d.  Ch.  &  Phys.  1822.  B.  21,  S.  132.)  Erklärung  durch  Druck  (dito 
B.  21,  S.  220;  Ann.  d.  Mines  1823.  B.  8,  S.  295,  Zeitschr.  f.  Min.  1825; 
B.  2,  S.  503-506). 


I 


über  die  jetzig'«  Theilunp^  der  wissenschaftlichen  Arbeit  etc.  Oö  1 

Moll's   N.  Jahrb.   d.  B.  u.  H.  K.  i826.   B.  6,    S.  280-289;  Gott.  gel.  Anz. 

iH23.  Nr.  i77;   Feruss.  Bull.  1823.  B.  i,  S.  206. 
Scrope  (Poulett),  Considerat.  on  Volcanoes,  1825.   ^.  Aufl.  1862.  S.  282— 

286. 
Elie  de  Beaumont  (Leonce),  vide.  stipra.    Die  Elektricilät  hat  eine  bedeu- 
tende Rolle  in  der  Erstarrung  des  Granits  gehabt.   (Bull.  Soc.  ge'ol.  Fr. 

1847.  B.  4,  S.  1317.) 
Scheerer    (Th.),    Piutonische  Natur  des  Granits  und  seiner  krystallisirten 

Silicate   unter   nicht  sehr  hoher  Temperatur.    (Bull.  Soc.  geol.  Fi-.  1847. 

B.  4,  S.  47Ö-495;    Edinb.  n.  phil.  J.  1848.  B.  45,  S.  157;  N.  Jahrb.  f. 

Min.  1847.  S    854-861;  Verh.  bergm.  Ver.  zu  Freiberg  1848.  Feh.  29; 

B.  u.  Hüttenm.  Zeit.  1852.  S.  275;  N.  Jahrb.  f.  Mm.  1853.  S.  203.) 
Antwort  an   Durocher  (wegen  der  Rolle  des  Wassers)   Bull.  Soc.   geol.  Fr. 

1849,  B.  6,  S.  644—654,  1851,  B.  8,  S.  500-508.  -  Ann.  Phys.  Pogg. 

1858  B.  43,    S.  319.    Der  Paramorphismus  u.  s.  Bedeutung  in  d.  Cheni., 

Min.  u.  Geol.  1854.  S.  62. 
Durocher's  Antwort  (Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1850.  N.  F.  B.  2,  S.  276-287). 
Elie  de  Beaumont,  Wasser  mit  Chlor,    Schwefel,   Fluor,  Phosphor,  Bor 

(Bull.  Soc.  geol.  Tr.  1847.  N.  F.  B.  4,  S.  1310-1316)  in  keinem  tiefen 

Meere  gebildet.  (C.  R.  Ac.  d.  Sc.  P.  1858.  B.  46,  S.  149.) 

Sorby  (H.  C),  Edinb.  n.  phil.  J.  1852.  N.  F.  B.  7,  S.  372;  N.  Jahrb.  f.  Min. 

1860.  S.  87;  Quart.  J.  geol.  Soc.  L.  1858,  B.  14,  S.  180-190;  C.  R.  Ac. 

d.  Sc.  P.  1858.  B.  46,  S.  146—149;  L' Institut  1858.  S.  25;  N.  Jahrb.  f. 

Min.  1861.  S.  371. 
Deville  (Ch.  Sfe.  Ciaire),  Kritik  der  Abb.  von  H.  Rose  über  Kieselsäure.  (Ann. 

d.  Ch.  &  Phys.  1857.   3.  F.    B.  49.   1860,   B.  59,    S.  74—90;  Phil.  Mag. 

1860.  4.  F.  B.  20,  S.  175-183.) 
Hunt  (F.  H.).  (Amer.  J.  of  Sc.  1858.  N.  F.  B.  25,  S.  435.) 
Rose  (H.).  (Ann.  Phys.  Pogg.  1859.  B.  108,  S.  38.) 

Del  esse  (A.),    Letztere   correetere  Ansichten.    (Bull.  Soc.  geol.   Fr.   1858. 

B.  15,  S.  747,  753,  768—776.  Recherches  sur  le  Granit,  P.  1860.  4.  (Vide 

supra  unter  den  Neptunisten.) 
Delesse,  Die  Granite  mit  einer  Art  von  Glimmer  sind  eruptiv  in  Gängen  und 

gehen  nicht  in  Gneiß  über  (dito  1859.  B.  16,  S.  425  durch  Grüner  be- 
stätigt S.  426). 
Bialoblotzky  (Dr.),  Deutsch.  Naturf.  Vers,  zu  Speyer  1861. 
Bunsen  gegen  H.  Rose,  Verh.  d.  naturhist.  medie.  Vers,  zu  Heidelberg  1860. 

B.  2.  Th.  1,  S.  6.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1861.  S.  856— 858.  Zeitschr.  deutsch. 

geol.  Ges.  1860—61.  B.  13,  S.  61—63.  Delesse's  Rev.  f.  1861.  S.  151. 

Quart.  J.  geol.  Soc.  L.  1862.  B.  18,  Übers.  S.  11  —  12,  B.  u.  H.  Z.  1862. 

S.  107. 
Haughton  (Sam.),  J.  geol.  Soc.  Dublin  1862.  ß.  9.    Th.  2,    S.  327—335. 

N.  Jahrb.  f.  Min.  1863.  S.  113—114. 


«>o2         Bou^.   Über  die  jetzige  Theiliinj;-  iUt  wissenschal'tliclieii  Arbeit  etc. 

Pcicy  (Dr.),   rntei*  einer  keineswegs  sehr  liohen  Hitze.  (Swine's  Leclures  on 

Geology,  School  of  mines;  Chemie.  News  1864;  Quart.  J.  of  Sc.  L.  1864. 

B.  1.  S.  490.) 
Deseloizeaux,  Unter  keiner  sehr  großen  Hitze.  (Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1863. 

ß.  20,  S.  44.) 
Ehray  (Th.),  (Bull.  Soc.  geol.  Fr.  18tJ3.  B.  21,  S.  73-74). 
Delesse,  Bildung  des  Ürusischen  Schriftgranit  mit  Topas  im  Berg  Mourne 

Grätsch.    Down    in   Irhind    vermittelst  fluorsaurer   Dämpfe.     (Dito   18S3. 

B.  10,  S.  570  u.  086-1)88;  N.  Jahrb.  f.  Min.  18S5  S.  739  u.  1856  S.  358.) 


Fitzinger.    Kritische  Untersuch,  über  die  S|)itzmäuse  (SoricesJ  etc.       583 


Kritische  Untersuchungen  über  die  der  natürlichen  Familie 
der  Spitzmäuse  (Sorices)  angehörigen  Arten. 

III.  Abtheilung. 

(Die  Gattungen   Otisorex,   Brachysorex ,  Anotus,   Soriculüs ,    Crossopus,  Solenodon  und 

Myogale  enthaltend.) 

Von  dem  w.  M.  Dr.  leop.  Jos.  Fitzinger. 

y.  Gatt.  Ohrspitzinaiis  (^Otisoreocy, 

Der  Leib  ist  nur  mit  weichen  Haaren  betleckt.  Vorder-  und 
Hinterfüsse  sind  fünfzehig.  Die  Zehen  sind  frei.  Die  Schnauze  ist 
stark  verlängert  und  endiget  in  eine  über  die  Unterlippe  ziemlich 
weit  hervorragende  spitze,  rüsselförmige  Nase.  Die  Ohren  sind  ziem- 
lich groß,  nicht  sehr  kurz,  stark  aus  den  Haaren  hervorragend,  und 
durch  einen  an  ihrem  Grunde  befindlichen  Lappen  verschließbar.  Der 
Schwanz  ist  lang  oder  mittellang,  gerundet,  geringelt  und  geschuppt, 
nicht  sehr  dicht  mit  kuzen  anliegenden  Haaren  tesetzt,  und  an  der 
Wurzel  nicht  dicker  als  im  weiteren  Verlaufe.  Sohlen  und  Zehen  sind 
nicht  gewimpert.  Eckzähne  fehlen.  Die  Schneiden  der  unteren  Vor- 
derzähne sind  gezähnelt  und  an  ihrer  Hinterseite  mit  keinem  Ansätze 
versehen.  Sämmtliche  Zähne  sind  weiß  und  endigen  in  roth-  oder 
schwarzbraune  Spitzen  und  Sehneiden.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits 
fünf  Lückenzähne  vorhanden.  Die  Krallen  sind  nicht  zurückziehbar, 
jene  der  Vorderfüsse  nicht  größer  als  die  der  Hinterfüsse. 

Zahnformel:     Vorderzähne  -^ ,    Eckzähne  7^^ ,    Lücken- 

g g  ^ ^ 

zahne  - — ^  ,  Backenzähne  -= — -  =  32. 

1.  Die  langnasige  Ohrspitzmaus  (Otisorex  longirostris). 
0.  notaeo  unicolore  custaneo,  gastraeo  parum  dilutiore;  cauda 
dimidio   corpore  paiif/o  longiore ,   siipra  castanea,]  infra  purum 
pallidiore;  rostro  longo,  angtistato,  castaneo. 

Sitzb.  d.   rimtlit'iii.-naturw.  Cl.  l.VII.  IJd.  I.  Abth.  38 


584  F  i  t  z  i  n  g  e  r. 

Sorex  longirostris.  Bachm.  Joiirii.   of  the  Acad.  of  Philadelphia. 
V.  VII.  p.  370.  t.  23.  fig.  2. 
R  e  i  c  h  e  n  b.  Naturg.  Raiibth.  S.  346. 
Otisorex  longirostris.  De  Kay.  Zool.  of  New-York.  V.  I.  p.  23. 
Sorex  lougirostris.    Autliih.    Bachm.    Quadrup.    of  North-Ainer. 
V.  III.  p.  240.  t.  150.  fig.  3. 
Wagn.  Schrebei- Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  J>47. 
Nr.  10. 
Von  derselben  Größe  wie  die  langsehnauzige  (^SorexWagneri) 
und  die  aschgraue  Spitzmaus  (Sorex  Lesueurii),  daher  nebst  diesen 
nicht  nur  eine  der  kleinsten  unter   den  nord-amerikanischen  Arten 
der  ganzen  Familie,  sondern  überhaupt  unter  allen  in  Nord-Amerika 
vorkom.menden  Säugethieren, 

Die  Schnauze  ist  langgestreckt,  und  weder  breit  noch  abgeflacht. 
Die  Ohren  sind  ziemlich  groß,  nicht  sehr  kurz,  und  stark  aus  dem 
Pelze  hervorragend.  Der  Schwanz,  welcher  etwas  über  die  Hälfte 
der  Körperlänge  einnimmt,  ist  gerundet,  an  der  Wurzel  nicht  dicker 
als  im  weiteren  Verlaufe,  und  nicht  sehr  dicht  mit  kurzen  anliegenden 
Haaren  besetzt. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  einfarbig  kastanienbraun,  die 
Unterseite  desselben  etwas  lichter,  und  dieselbe  Färbung  bietet  auch 
der  Schwanz  auf  seiner  Ober-  und  Unterseite  dar.  Die  Schnauze  ist 
kastanienbraun,  so  Avie  der  Rücken.  Die  Krallen  sind  weiß  und  endi- 
gen in  eine  schwarze  Spitze. 

Körperlänge 1"  lOYa".  Nach  Audubon. 

Länge  des  Schwanzes     ....     1". 

„      der  Ohren 3". 

„       des  Hinterfusses  ....  ^^/z'"- 

Vaterland.  Nord-Amerika,  Süd-Carolina,  New-York,  Neu- 
England.   Zuerst  von  Bachman  beschrieben. 

2.   Die  breitnasige  Ohrspitzmaus  (Otisorex  platyrrhimisj. 

0.  votaeo  ohscure  cinereo,  levifer  rufo-fusco-Uivato,  gasfraeo 
sntvrate  cinereo;  canda  dimidio  corpore   vel  longiore.  vel  punllo 
hreviore,   subpenicillaia ,  siipra  rnfo-fuscn,  inf'ra  cinerea,  apice 
alba;  pedibus  albis;  rostro  lato,  depresso,  rufo-fusco. 
Sorex  platyrhynchiis.  Sil  lim.  Amer.  Journ.  1842.  p.  346. 
Reichenb.  Naturff.  Raubth.  S.  344. 


Kritische  Untf>rsuchuii<jeri  über  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  OöO 

Croci(Uira  platijrhyncha.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  344. 
Otlsore.v platyrhi/ius.  De  Kay.  Zool.  of  New-York  V.  I.  p.  22.  t.  5. 

fig.  1. 
Sorex  longirostris.  A  u  d  u  b.  B  a  c  b  m.  Quadrup.    of  North-Amer.  V. 
III.  p.  249. 
,,      plntyrrhinus.  Wagn.  Schreber  Säugtb.  Suppl.  B.  V.  S.  547. 

N.  10.  , 
„      Forsteri.  Giebel.  Säugetb.  S.  901. 
Amphisorex  Forsteri.   Giebel.   Säiigeth.   S.  901. 

Obgleicb  mit  der  langnasigeu  Obrspitzmaiis  (0.  longirostris) 
nalie  verwandt,  unterscbeidet  sieb  diese  Art  von  derselben  sowohl 
durch  die  beträchtlichere  Größe,  als  auch  durch  die  verschiedene 
Färbung  und  hauptsächlich  durch  die  verhältnißmäsig  breite,  abge- 
flachte Schnauze. 

Sie  ist  von  derselben  Größe  wie  die  schwarzgraue  Kurzschwanz- 
spitzmaus (Brachysoreoc  cinereiis),  daher  eine  der  kleinsten  nord- 
amerikanischen Arten  dieser  Familie. 

Die  Schnauze  ist  breit  und  flachgedrückt.  Die  Ohren  sind  ziem- 
lich groß,  nicht  sehr  kurz,  und  stark  aus  dem  Pelze  hervorragend. 
Der  Schwanz,  welcher  nicht  ganz  a/g  der  Körperlänge  oder  auch  nur 
nahezu  die  Hälfte  derselben  einnimmt,  ist  gerundet,  an  der  Wurzel 
nicht  dicker  als  im  weiteren  Verlaufe,  gegen  das  Ende  zugespitzt, 
und  nicht  sehr  dicht  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  besetzt,  die  sich 
gegen  die  Spitze  zu  verlängern  und  einen  kleinen  pinselartigen  End- 
büschel bilden.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  fünf  Lückenzähne  vor- 
handen und  die  Gesammtzahl  der  Zähne  beträgt  32.  Sämmtliche 
Zähne  sind  weiß  und  endigen  in  roth-  oder  schwarzbraune  Spitzen 
und  Schneiden. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  dunkelgrau,  mit  schwachem 
schmutzig  rothbraunem  Anfluge,  welcher  insbesondere  auf  der  Ober- 
seite der  Schnauze  und  dem  unteren  Theile  des  Nackens  deutlicher 
hervortritt.  Die  Unterseite  des  Körpers  ist  dunkelaschgrau.  Der 
Schwanz  ist  oben  rotbbraun,  unten  dunkelgrau,  und  der  Endbüscbel 
desselben,  so  wie  auch  die  Gliedmassen  sind  weiß. 

Körperlänge 2"  6".  Nach  Sil  lim  an. 

Länge  des  Schwanzes    .    .    .    .1"  l^j-J". 

Körperlänge 2"  5".  Nach  De  Kay. 

Länge  des  Schwanzes    ....  1"  6". 

38» 


586  Fitz  inger. 

Vaterland.  Nord -Amerika,  vereinigte  Staaten,  New- York. 
Von  S  Uli  man  entdeckt,  von  demselben  in  einem  hohlen  Apfelbaume 
aufgefunden  und  auch  zuerst  besehrieben. 

Audubon  betrachtet  diese  Art  mit  der  langnasigen  Ohrspitz- 
maus (0.  longirustris)  für  identisch  und  Giebel  wirft  sie  sogar  mit 
der  graubraunen  Spitzmaus  (S.  Forsteri)  zusammen,  obgleich  die- 
selbe einer  anderen  Gattung  angehört. 

10.  Gatt.  Kiirz.sciiwaiizspilziiiaus  fBrachysorexy. 

Der  Leib  ist  nur  mit  weichen  Haaren  bedeckt.  Vorder-  und 
Hinterfüsse  sind  fünfzehig.  Die  Zehen  sind  frei.  Die  Schnauze  ist 
stark  verlängert  und  endiget  in  eine  über  die  Unterlippe  ziemlich 
weit  hervorragende  spitze,  rüsselförmige  Nase.  Die  Ohren  sind  klein, 
sehr  kurz,  völlig  unter  den  Haaren  versteckt,  und  durch  einen  an 
ihrem  Grunde  befindlichen  Lappen  verschließbar.  Der  Schwanz  ist 
kurz  oder  sehr  kurz,  vierkantig  oder  gerundet,  geringelt  und  ge- 
schuppt, mehr  oder  weniger  dicht  mit  kurzen  anliegenden  Haaren 
besetzt,  und  an  der  Wurzel  nicht  dicker  als  im  weiteren  Verlaufe. 
Sohlen  und  Zehen  sind  nicht  gewimpert.  Eckzähne  fehlen.  Die 
Schneiden  der  unteren  Vorderzähne  sind  gezähnelt  und  an  ihrer  Hin- 
terseite mit  keinem  Ansätze  versehen.  Sämmtliche  Zähne  sind  weiß 
und  endigen  in  roth-  oder  schwarzbraune  Spitzen  und  Schneiden. 
Im  Oberkiefer  sind  jederseits  fünf  Lückenzähne  vorhanden.  Die  Kral- 
len sind  nicht  zurückziehbar,  jene  der  Vorderfüsse  nicht  größer  als 
die  der  Hinterfüsse. 

Zahnformel:     Vorderzähne  -^,    Eckzähne  — — ^,    Lücken- 

g g  4 4 

zahne  -^ — ^,  Backenzähne  - — r-  =  32. 

1.  Die  blaii;;raae  Rupzschwanzspitzmaus  (Rrachysorex  Dekayi). 

I}.  nolaeo  vei  obscure  coernlexcoile-svliistaceo,  vel  ex  rtifes- 
cente  ßavido-griseu ,  gaslraeo  pallidiore ,  in  cinereum  vergente; 
rostro  mentoque  diliite  brunneis,  pedibus  rufescente-fnscis ;  cauda 
'/t  vel  paullo  idtra  '/ß  corporis  tongihidine. 
Sore.v  Dckogi.   Cooper.  Coli. 

IJiH'hni.  Jouni.  of  the  Acad.  of  Philadelphia.  V.  VH. 
p.  ?,11.  t.  23.  fig.  4. 


Kritische  Untersuchungen  üher  die  Spitzmäuse  (SoHces)  etc.  ho  / 

Sorex  Dckiiiii.  Reielienb.  Natiirg.  Rauhfli    wS.  344. 
Crocidura  Dekayi.  Reich  enb.  Nfitupf(.  Ranbth.  S.  344. 
Sorex  Dekayi.  De  Kay.  Zool.  of  New- York.  V.  I.  {).  17.  t.  ä.  fig.  2. 
„  „     '     Audiib.  Bachm.   Qiiatli'up.  of  Norlh-Ainer.  V.  III. 

p.  246.  t.  löO.  fig.  2. 
„       Dekayi.    Wagn.    Schreber   Säugtb.  Siippl.    B.  V.  S.  o48. 
Niv  13. 
BrachysoreiV  Dekayi.    Wagn.     Schreber    Säugtb.    Snppl.    B.   V. 
S.  Ö48.  Nr.  13. 

Eine  schon  tlurcb  ihre  Färbung  von-  den  verwandten  Arten  die- 
ser Gattung  ausgezeichnete  Form,  welche  durch  die  beträchtliche 
Kürze  ihres  Schwanzes  sehr  leicht  zu  erkennen  und  fast  von  derselben 
Größe  wie  die  nianlwurf'ähnliche  Kurzschwanzspitzniaus  (B.  brevi- 
caudatus)  ist. 

Die  Ohren  sind  vollständig  unter  dem  Pelze  versteckt  und  der 
sehr  dünne,  walzenförmige  und  beinahe  vierkantige  Schwanz,  dessen 
Länge  i/^  oder  höchstens  etwas  über  '/«  der  Körperlänge  einnimmt, 
ist  mit  kiu'zen  anliegenden  Haaren  besetzt,  die  sich  gegen  die  Spitze 
zu  etwas  verlängern  und  einen  schwaciien  Pinsel  bilden.  Die  Zahl 
der  Zähne  gibt  Bachman  auf  32,  De  Kay  aber  nur  auf  30  an, 
welche  letztere  Angabe  jedoch  nicht  richtig  zu  sein  scheint. 

Die  Färbung  ist  entweder  auf  der  Oberseite  des  Körpers  ein- 
farbig dunkelblaulicb-.  oder  schiefergraii,  aut  der  Unterseite  etwas 
heller,  oder  auf  der  Oberseite  röthlich-gelbgrau,  und  auf  der  Unter- 
seite lichter  und  mehr  in's  Aschgraue  ziehend.  Der  Rüssel  und  das 
Kimi  sind  liclitbraun.  die  Füsse  rötlilichbraun. 

Körperlänge 3"  5" — 4"  8'".  Nach  De  Kay. 

Länge  des  Schwanzes  ohne  Pinsel  1'" — 8'". 

KörperUinge 4".  Nach  Bachman. 

Länge  des  Schwanzes 9'". 

Vaterland.  Vereinigte  Staaten  von  Nord-Amerika,  wo  diese 
Art  von  Massachusetts ,  durch  New-Yersey  und  Maryland  bis  nach 
Virginien  reicht. 

Dieselbe  wurde  von  Cooper  entdeckt  und  zuerst  von  Bach- 
man beschrieben.  Die  geringen  Differenzen  in  den  Angaben  der 
Schwanzlänge  scheinen  nur  auf  nicht  ganz  richtigen  Messniigen  zu 
beruhen. 


DoO  F  i  t  z  i  II  g-  e  r. 

2.  Die  Diaalwarfäbnliche  Kurzsclinunzspitzniaas  (Brachysorex 
brevicaudatnsj. 

B.  notaeo  vel  nigrescente-plumbeo ,  in  fnscum  vergente,  vel 
coerulescente-cinereo,  nigro-fusco-lavafo,  gasfraeo  dilatiore ;  pedi- 
biis  pallidenigro-fusch  ;  caudafere  V^  corporis  longitudifie,  media 
iticrassafa  ;  rostro  conico  brevi,  latiusculo. 

Sorex  brevicaudus.  Say.  Long's  Expedit.  V.  I.  p.  164. 
„  „  Harlan.  Fauna  Amer.  p.  29. 

Isid.  Geoffr.  Dict.  class.  V.  XI.  p.   320. 
„  „  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  25S.  Nr.  9. 

,.       talpoidc's.  Gap  per.  Zoo).  Journ.  V.  V.  p.  202.  t.  8. 
„       brevicaudus.  Baehm.  Journ.  of  the  Acad.  of  Philadelphia. 
V.  VII.  p.  381. 
Corsira  talpoides.  Gray.  Proeeed.  of  the  Zool.  Soc.  V.  V.  (1837.) 

p.   124. 
Blarina  talpoides.  Gray.  Proeeed.  of  the  Zool.  Soc.  V.  V.  (1837.) 

p.  124. 
Sorex  talpoides.  Wagn.  Schreber   Säugth.    Suppl.    ß.  II.   S.  62. 

Nr.  6. 
Brachy sorex  brevicaudatus.    Duvern.    Guerin.    Magas.    d.    Zool. 

1842.  p.  38.  t.  52. 
Sorex  talpoides. '^Q\t\\Qi\h.    Naturg.    Raubth.    S.   347.    fig.  492. 
„      brevicaudus.  De  Kay.   Zool.  of  New- York.  V.  I.  pag.  18. 
„  „  Audub.   Bachm.    Qiiadrup.    of  North-Amer. 

V.  III.  p.  335. 
Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.V.  S.  549. 
Nr.   14. 
Brachysorex  brevicaudus.  W  Sign.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.V. 

S.  549.  Nr.  14. 
Sorex  talpoides.  Giebel.  Säugeth.  S.  901. 
Amphisorex  talpoides.  Giebel.  Säugeth.  S.  901. 

Ungefähr  von  derselben  Größe  wie  die  bhuigraue  Kurzsoliwanz- 
spitzmaus  {B.  Dekagi),  von  welcher  sie  sich  jedoch  durch  den 
längeren  Schwanz  und  die  verschiedene  Färbung,  vorzüglich  aber 
durch  den  aufTallend  verkürzten  Rüssel  unterscheidet,  welcher  kürzer 
als  bei  den  allcrnieisten  Arten  der  ganzen  Familie  ist. 


Kritische  LJntersiichung'eii  iilier  die  Spitz.iiiäuse  (Sorices)  etc.  Oö" 

Die  Schnauze  ist  fast  von  iiegelförmiger  Gestalt  und  ziemlich 
hreit,  der  Rüssel  kurz.  Die  Ohren  sintI  kurz,  behaarl  und  vollständig 
unter  dem  Pelze  versteckt,  die  Augen  sehr  klein  und  von  einer  kahlen 
Haut  umgeben.  Der  Schwanz,  welcher  nur  von  der  Länge  des  Kopfes 
und  ungefähr  so  lang  als  die  llinterlusse  ist,  erreicht  nicht  ganz  '/^ 
der  Kürperlänge.  Derselbe  ist  gerundet,  geschuppt  und  mit  ziemlich 
dünn  gestellten,  kurzen  anliegenden  Haaren  besetzt,  verhältnißmäßig 
stark  und  in  der  Mitte  etwas  angeschwollen.  Die  Vorderfüsse  .sind 
etwas  breit,  nur  an  der  Außenseite  der  iMittelhand  mit  kurzen  abste- 
henden Haaren  besetzt  und  mit  ziemlich  starken  Krallen  versehen. 
Die  Behaarung  des  Körpers  ist  dicht,  weich  und  glänzend,  ähnlich 
jener  des  gemeinen  Maulwurfes  (Talpa  europaeuj.  Im  Oberkieter 
sind  jederseits  fünf  Lückenzähne  vorhanden  und  die  Gesammtzahl  der 
Zähne  beträgt  32.  Die  Spitzen  und  Schneiden  sämmtlicher  Zähne 
sind  dunkel  schwarzbraun  gefärbt. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  schwärziich-bleigrau  oder  schwarz- 
grau, in's  Dunkelbraune  übergehend,  häufig  aber  auch  blaulichgrau 
und  ruß-  oder  schwarzbraun  überflogen,  da  die  einzelnen  Haare  ihrer 
größten  Länge  nach  blaulichgrau  sind  und  in  ruß-  oder  schwarzbraune 
Spitzen  endigen,  so  daß  allenthalben  die  graue  Farbe  durchblickt. 
Die  Unterseite  des  Körpers  ist  eben  so ,  aber  lichter  gefärbt.  Die 
Füsse  sind  heller  schwarzbraun,  die  Krallen  weißlich. 

Körperlänge 3"  7 "/V".  Nach  Sa y. 

Länge  des  Schwanzes 1". 

Körperlänge      . 4"  3".  Nach  Gapper. 

Länge  des  Schwanzes 1". 

Vaterland.  Ober-Canada  und  der  nördliche  Theil  der  ver- 
einigten Staaten  von  Nord-Amerika.  Say  entdeckte  diese  Art  am 
Missuri  und  Gapper  traf  sie  in  Ober-Canada,  woselbst  sie  sehr 
gemein  ist  und  insbesondere  auf  morastigen  Plätzen  häufig  vorkommt. 

3.  Die  schwarzgraae  Kurzschwanzspitzmaus ^Z?r«cA^sor^^*  cinereus.J 
B.  notaeo  vel  obscurc  f'errinjiiieo ,  vel  saturate  nigro-cinereo, 
gastraeo  argentato;  caudu  paruin  ultra  1/3  corporis  lougitine ;  pe- 
dibus  gracilibus. 

Sorex  cinereuit.  Bachm.  Journ.  of  the  Acad.  of  Philadelphia.  V".  V  HI 
p.  373.  t.  23.  fig.  3. 
Reiehenb.  Naturg.  Raubth.  S.  343. 


590  Kitzinger. 

Crocidura  cinerea.  Reich enb.   Naturg.  Raubth.  S.  343. 
Sorex  cineretts.  De  Kay.  Zool.  of  New-York.  V.  I.  p.  21. 

Wagn.    Schreber  Säugth.   Suppl.   B.  V.   S.  550. 
Note  1. 

Eine  der  kleinsten  unter  den  nordamerikanisehen  Arten  dieser 
Gattung,  indem  sie  nur  wenig  größer  als  die  Zwerg-Kurzschwanz- 
spitzmaus (^Brachysorex  pnrvus)  ist. 

Wir  kennen  dieselbe  blos  aus  einer  sehr  kurzen  und  höchst 
ungenügenden  Beschreibung,  welche  Bachman  und  De  Kay  von 
derselben  gegeben  und  einer  von  Bachman  seiner  Beschreibung 
beigefügten  Abbildung. 

Die  Ohren  sind  vollständig  unter  dem  Pelze  versteckt,  die  Augen 
sehr  klein,  die  Beine  dünn.  Der  Schwanz  nimmt  etwas  über  ^/g  der 
Körperlänge  ein.  Die  Zahl  der  Zähne  wird  von  D e  Kay  auf  26  ange- 
geben. 

Die  Färbung  der  Oberseite  des  Körpers  ist  nach  Bachman 
dunkel  rostfarben,  nachDe  Kay  dunkel  eisengrau,  jene  der  Unterseite 
silbergrau. 

Gesammtlänge 3"    41/3'".  Nach  Bachman. 

Körperlänge 2"    6'". 

Länge  des  Schwanzes     ....       10 1/3'". 

Gesammtlänge 3"    3'".  Nach  De  Kay. 

Vaterland.  Nord- Amerika,  Carolina.  Zuerst  von  Bachman 
beschrieben. 

Sollte  sich  die  Angabe  De  Kay's  bezüglich  der  Zahl  der  Zähne 
bewähren,  so  würde  diese  Art  hierin  mit  der  Gattung  Zierspifzmaus 
(Di])lomesodon)  übereinkommen  und  den  Repräsentanten  einer  be- 
sonderen Gattung  bilden.  AutTallend  ist  es,  daß  Bachman  diese 
von  ihm  doch  selbst  aufgestellte  Art  in  seinen  gemeinschaftlich  mit 
Audul)on  herausgegebenen  „Quatlrupeds  of  North-Amerika-  gänz- 
lich übergeht  und  nirgends  von  derselben  Erwähnung  macht. 

4.  Die  Zwerg-Rorzschwanzspitf maus  (Brachysorex  parvus). 
B.  notaeo  obscure  einer eo-fnsco,  gastraeo  palfidiore  cinereo ; 
pedibus  albidis;  cmida  reifere  '  ^j  corporis  lonc/itudiuc.  reJ panllo 
longiorc,  media  incrassata,  inf'ra  albidu 
Sorea^  parvus  Say.  Long's  Expedit.  V.  I.  p.  163. 
„  „      Harlan.  Fauna  Amer.  p.  28. 


Kritisclie  Untersuchunjfen  über  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  591 

Sorex  parviis.  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  25ö.  Nr.  10. 
„  „       Richards.  Fauna  hör.  amer.  V.  I.  p.  8. 

„       Wagn.  Schi-eher  Säugth.  Siippl.  B.  II.  S.  04.  Ni-.  8. 

R eicht' 11  h.  Naturg.  Rauhth.  S.  346. 
„       De  Kay.  Zool.  of  New-York.  V.  I.  p.  19. 
„  „       Audub.   Bachm.    Quadrup.  of  North -Amer.  V.   II. 

p.  14o.  t.  70. 
„       Wagn.  Sehreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  ö49.  Nr.  lä. 
Brachysorex  yarviis.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  549. 

Nr.  15. 
Sorecc  Forsterit  Giebel.  Säugeth.  S.  901.  Note  6. 
Amphisorex  Forsteri?  Giebel.  Säugeth.  S.  901.  Note  6. 

Diese  nicht  leicht  mit  einer  anderen  zu  verwechselnde  Art  ist 
nebst  der  röthlichgrauen  Kurzschwanzspitzmaus  {B.  Harlcuii)  die 
kleinste  Art  der  Gattung.  Sie  ist  fast  von  gleicher  Grüße  mit  derselben, 
unterscheidet  sich  von  ihr  aber  nicht  blos  durch  die  verschiedene  Fär- 
bung, sondern  auch  durch  den  beträchtlich  längeren  Schwanz,  welcher 
länger  als  bei  allen  übrigen  Arten  dieser  Gattung  ist. 

Die  Ohren  sind  kurz  und  völlig  unter  dem  Pelze  versteckt.  Der 
Schwanz,  dessen  Länge  nahezu  1/3  oder  auch  etwas  über  1/3  der 
Kürperlänge  einnimmt,  ist  ungefähr  von  derselben  Länge  wie  der 
Kopf,  gerundet,  verhältiiißmäßig  ziemlich  stark  und  in  der  Mitte 
etwas  angeschwollen.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  fünf  Lücken- 
zähne vorhanden  und  die  Gesammtzahl  der  Zähne  beträgt  32.  Die 
Spitzen  und  Schneiden  sämmtlicher  Zähne  sind  tief  braunschwarz 
gefärbt. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  dunkel  graubraun  oder  aschbraun, 
die  Unterseite  heller  oder  reiner  grau.  Die  Unterseite  des  Schwanzes, 
die  Füße  und  die  Krallen  sind  weißlich. 

Kürperlänge 2"  41/2'"-  Nach  Sa y. 

Länge  des  Schwanzes   .    .         9'". 

Körperlänge 2"  4"'.  Nach  Richardso  n,  dem  von 

Collie    an    der    Behrings- 
straße  eingesammelten  Exem- 
plare abgenommen. 
Länge  des  Schwanzes    .    .    1". 

Kürperlänge 2".         Nach  De  Kay. 

Länge  des  Schwanzes  .    .  9'". 


392  F  i  » /.  i  II  o  e  r. 

Vaterland.  Nord-Amerika,  wo  diese  Art  vom  Missuri  und  von 
Connecticut  nordwärts  bis  an  die  Behringsstraße  reicht,  somit  eine 
Ausbreitung  von  23  Breitegraden  hat.  Say  entdeckte  dieselbe  am 
Missuri  und  Collie  brachte  sie  von  der  Behringsstraße  mit.  Richard- 
son  hielt  sie  für  identisch  mit  der  rothhraunen  Spitzmaus 
(^S.  Richardsonii),  Melche  jedoch  einer  durchaus  verschiedenen 
Gattung  angehört  und  Giebel  ist  geneigt,  sie  mit  der  graubraunen 
Spitzmaus  (S.  ForsteriJ  zu  vereinigen. 

Die  geringen  Ahweichnngen,  welche  sieh  in  den  Angaben  der 
Schwanzlänge  ergehen ,  scheinen  wohl  nur  auf  einer  ungenauen 
Messung  zu  beruhen. 

ö.  Die  röthlicbgraue  Karzschwanzspitzmuus  (Brachysorex  Harlani). 

B.  notaeo  cinereo,  rubido-lavuto,  gastraeo  cinereo ;  caudn  fere 
'/i  corporis  longitudine. 
Brachysorex  Harlofii.  Duvern.  Guerin.  Magas.  d.  Zool.  1842  p.  40. 

t.  53. 
Sorex'  Harlani.  Wagn.    Schreber  Säugth.  Suppl.    B.    V.   S.  5S0. 

Nr.  16. 
Brachysorex  Harlani.   Wagn.    Schreber    Säugth.    Suppl.    B.    V. 

S.  550.  Nr.  16. 
Sorex  talpoides?  Giebel.  Säugeth.  S.  901.  Note  5. 
Amphisorex  talpoides?  Giebel.  Säugeth.  S.  901.  Note  5. 

Diese  seither  blos  aus  einer  Beschreibung  von  Duvernoy  und 
einer  derselben  beigegehenen  Alihildnng  bekannte  Art,  welche  in 
Ansehung  der  Färbung  einige  Ähnlichkeit  mit  unserer  europäischen 
Haus-Wimperschwanzspitzmaus  (C.  aranea)  hat,  ist  zunächst  mit 
der  Zwerg-Kurzschwanzspitzmaus  (B.  parvusj  verwandt,  nahezu 
von  derselben  Grüße,  aber  durch  den  kürzeren  Schwanz  sowohl,  als 
auch  durch  die  Färbung  von  dieser  Art  unterschieden,  und  würde  — 
falls  sich  Duvernoy's  Angabe  über  die  geringere  Zahl  der  Lücken- 
zähne im  Oberkiefer  bestätigen  sollte,  —  sogar  als  der  Repräsen- 
tant einer  besonderen  Gattung  angesehen  werden  müssen. 

Der  Schwanz  ist  kürzer  als  der  Kopf  und  seine  Länge  beträgt 
nahezu  '/^  der  Körperlänge.  Im  Oberkiefer  sollen  jederseits  nur  vier 
Lückenzähne  vorhanden  sein. 

Die  Färbung  ist  auf  der  Oberseite  des  Körpers  grau  mit  rölh- 
lichem  Anfluge,    auf  der  Unterseite  rein  grau.     Die   Spitzen    und 


Kritische  Untersuchungen  iil)er  die  Spit/.niäuse  (Sorices)  etc.  o93 

Schneiden  der  Zähne  sind  hell  schwärzlichbraun,  daher  beträchtlicli 
lichter  als  bei  der  ZMerg-Kurzschwanzspitzmaus  (B.  parviixj  iiiulder 
maul«  uriahnlichen  (^ß.  brevicaudatus). 

Kürperlänge  .    .    • 2"  2'". 

Länge  des  Schwanzes 6". 

Vaterland.  Vereinigte  Staaten  von  Nordamerika,  woselbst 
diese  Art  am  Wabasch-Flusse  vorkommt. 

Giebel  spricht  die  Ansicht  aus,  daß  dieselbe  mit  der  maui- 
wurfähnlichen  Kurzschwanzspitzmaus  (^B.  brevicaudatus)  zusanuiien 
fallen  dürfte. 

Sollten  wirklich  nur  jederseits  vier  Lückenzähne  im  Oberkiefer 
vorhanden  sein  und  diese  Angabe  nicht  etwa  auf  einer  Täuschung 
beruhen,  so  würde  die  Zahl  der  Zähne  bei  dieser  Art  nur  30  betragen, 
wie  bei  den  Gattungen  Dickschwanzspitzmaus  (^Pachyura) ,  Trug- 
spitzmaus (Soj'iculusJ  und  Wasserspitzmaus  (Crossopus).  Es  muß 
der  Zukunft  vorbehalten  werden,  hierüber  näheren  Aufschluß  zu 
erlangen. 

11.  Gatt.  i9Iaulwiirfspitziiiauis>  (AnotusJ» 

Der  Leib  ist  nur  mit  weichen  Haaren  bedeckt.  Vorder-  und 
Hinterfüße  sind  fünfzehig.  Die  Zehen  sind  frei.  Die  Schnauze  ist 
stark  verlängert  und  endiget  in  eine  über  die  Unterlippe  ziemlich  weit 
hervorragende  spitze,  rüsselförmige  Nase.  Ohrmuscheln  fehlen  und 
der  unter  den  Haaren  völlig  versteckte  Gehörgang  ist  durch  einen 
an  seinem  Grunde  befindlichen  Lappen  verschließbar.  Der  Schwanz 
ist  sehr  kurz,  etwas  flachgedrückt,  geringelt  und  geschuppt,  dicht 
mit  kurzen  anliegenden  Haaren  besetzt,  und  an  der  Wurzel  nicht 
dicker  als  im  weiteren  Verlaufe.  Sohlen  und  Zehen  sind  nicht  ge- 
wimpert.  Eckzähne  fehlen.  Die  Schneiden  der  unteren  Vorderzähne 
sind  gezähnelt  und  an  ihrer  Hinterseite  mit  keinem  Ansätze  versehen. 
Sämmtliche  Zähne  sind  weiß  und  endigen  in  rothbraune  Spitzen  und 
Sehneiden.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  fünf  Lüekenzähne  vorhanden. 
Die  Krallen  sind  nicht  zurückziehbar,  jene  der  Vorderfüße  nicht  größer 
als  die  der  Hinterfüße. 

Z  a  ii  n  f  0  r  m  e  1 :    Vorderzähne    —  ,  Eckzähne  rf^  ,     Lücken- 
zahne  ^ — ^.   Backenzähne  ~ — -  =  34. 


55)4  Kit 


z  I  n  K'  li  !■• 


1.  Die  curoliDiscIie  Vaulwurfspitzmiius.  (Anotiis  carolinensisj. 

A.  notaeo  nitide  nigrn-cinereo  rel-schlstaceo,  gastrneo  palli- 
(liore;  cayite  obsairiore;  cauda  vel  paruni  ultra  Vs  corporis  loii- 
gifudhie,  vel  brcciore,  penicillata  ;  mainculh  latis. 

Sore.v   carolinensis.   Bachm.   Joiini.  of  the  Acad.  of  Philadelpliia. 
V.  VII.  p.  366.  t.  23.  fig.  1. 
Reichenb.  Naturg.  Raubtli.  S.  346. 
De  Kay.  Zool.  of  New- York  V.  I.  p,  21.  t.  21. 
fig.  2. 
„  „  Audub.    Bachm.    Quadrup.  of   North-Amer. 

V.  II.  p  176.  t.  75. 
Wagn.  Schrebei- Säugth.  Siippl.  B.  V.  S.  550. 
Nr.  17. 
Anotus  carolinensis.  Wagn.  Sehreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  550. 
Nr,  17. 
Diese    überaus   ausgezeichnete  Form,   welche  den  Typus  einer 
besonderen  Gattung  bildet,  gestattet  durchaus  keine  Verwechslung 
mit  irgend  einer  anderen  Art  und  zeichnet  sich  schon  auf  den  ersten 
Blick    durch     die    außerordentliche     Kürze     ihres    flachgedrückten 
Schwanzes  und  die  überaus  kleinen  Augen  aus,  welche  beinahe  völlig 
unter  der  Haut  zu  liegen  scheinen. 

In  Ansehung  der  Grüße  kommt  sie  ungefähr  mit  der  fast  eben 
so  kurzschwänzigen  blaugrauen  Kurzschwanzspitzmaus  (Brachysorex 
Dekayi)  überein. 

Die  Schnauze  ist  ziemlich  langgestreckt.  Ohrmuscheln  fehlen 
und  der  unter  dem  Pelze  vollständig  versteckte  Gehörgang  ist  durcli 
einen  an  seinem  Grunde  befindlichen  Lappen  verschließbar.  Die  Augen 
sind  außerordentlich  klein  und  nur  mit  Hilfe  eines  Vergrößerungsglases 
sichtbar.  Der  Schwanz,  dessen  Länge  den  verschiedenen  Angaben 
zufolge  etwas  über  1/5,  bisweilen  aber  auch  nur  •/§  oder  wohl  gar 
nur  i/,2  der  Körperlänge  beträgt,  ist  sehr  kurz,  kürzer  als  der  halbe 
Kopf,  etwas  flachgedrückt,  an  der  Wurzel  nicht  dicker  als  im  weiteren 
N'erlaulV,  und  dicht  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  besetzt,  die  sich 
gegen  die  Spitze  zu  verlängern  und  einen  kleinen  pinselartigen 
Endbüschel  bilden.  Die  Vorderfüße  sind  verhältnißmäßig  sehr  breit. 
Die  Körperbehaarung  ist  dicht,  kurz,  glattaidiegend,  glänzend 
und  weich.   Die   Füße  sind  nur  spärlich  mit  kurzen  Haaren  besetzt. 


Kritische  Untersuchungen  über  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  595 

Im  Oberkiefer  sind  jederseits-lunf  Lückenzjihne  vorhanden  und  die 
Gesammtzahl  der  Zähne  beträgt  nach  Audubon  34.  Die  drei  vor- 
deren Liickenzähne  im  Oberkiefer  sind  die  grüßten,  der  hintere  ist 
sehr  klein.  Der  erste  und  fünfte  Backenzahn  des  Oberkiefers  sind  die 
kleinsten,  und  die  drei  mittleren  sind  sich  an  Größe  beinahe  gleich. 
Bachman  gibt  36  Zähne  an,  indem  er  im  Unterkiefer  jeder- 
seits  um  einen  Backenzalin  mej)r  annimmt,  und  De  Kay  behauptet 
sogar,  daß  ihre  Zahl  noch  grüßer  sei.  Sämmtliche  Zähne  sind  weiß 
und  endigen  in  roth-  oder  kastanienbraune  Spitzen  und  Schneiden. 
Die  Oberseite  des  Kürpers  ist  fast  einfarbig  glänzend  schiefer- 
oder  dunkel  eisengrau,  die  Unterseite  heller  und  sämmtliche  Haare 
sind  an  der  Wurzel  dunkel  schieferschwarz.  Der  Kopf  ist  merklich 
dunkler  als  der  Rücken  gefärbt. 

Körperlänge 3".  Nach  Au  d üb  o  n. 

Länge  des  Schwanzes  .         .....  1^1%" • 

„       des  Kopfes 1". 

„       des  Hinterfußes     ......  6'". 

Körperlänge 4".       Nach  De  Kay. 

Länge  des  Schwanzes '  4'". 

„       des  Kopfes 1". 

Körperlänge      3".  Nach  Bachman. 

Länge  des  Schwanzes ^'/o  '• 

Vaterland.  Nord-Amerika,  Süd-Carolina.  Zuerst  von  Bach- 
man beschrieben  und  auch  abgebildet. 

12.  Gatt.  Trii^spitzinau.«»  (Soricuiusy, 

Der  Leib  ist  nur  mit  weichen  Haaren  bedekt.  Vorder-  und 
Hinterfüße  sind  fünfzehig.  Die  Zehen  sind  frei.  Die  Schnauze  ist  stark 
verlängert  und  endiget  in  eine  über  die  Unterlippe  ziemlich  weit  hervor- 
ragende spitze,  rüsselförmige  Nase.  Die  Ohren  sind  klein,  sehr  kurz, 
völlig  unter  den  Haaren  versteckt,  und  durch  einen  an  ihrem  Grunde 
befindlichen  Lappen  verschließbar.  Der  Schwanz  ist  mittellang,  gerun- 
det, geringelt  und  geschuppt,  nicht  sehr  dicht  mit  kurzen  anliegenden 
Haaren  besetzt,  und  an  der  Wurzel  nicht  dicker  als  im  weiteren  Ver- 
laufe. Sohlen  und  Zehen  sind  nicht  gewimpert.  Eckzähne  fehlen.  Die 
Schneiden  der  unteren  Vorderzähne  sind  nicht  gezähnelt  und  an 
ihrer  Hinterseite  mit  einem  stumpfen  Ansätze  versehen.  Sämmtliche 


o06  Fitzinge  r. 

Zähne  sind  a\  ciß  und  endigen  in  scinvarzhranne  Spitzen  und  Sehnei- 
den. Im  Oberkiefer  sind  jederseits  vier  Lüekenzähne  vorhanden.  Die 
Krallen  sind  nicht  znrückziehhar,  jene  der  Vorderfüße  nicht  größer 
als  die  der  Hinterfüße. 

Zahnformel:    V'orderzähne  -^,    Eckzähne  -r — —  ,    Lücken- 

4 4  4 4 

zahne  ^ — ^>  Backenzähne  -= — ^  =  30. 

1.  Die  schwärzliclie  Tragspitzniaus    (Soriculns  nigrescensj. 

S.  notaeo  vel  obscure  nigrescente-fusco,  vel  tiigrescetite-cine- 
ri'o,  leviter  rubido-lavato,  nitore  argenteo,  gastraeo  pallidiore,  in 
griseiim  vergetüe,  rnfescente-lavnto ;  pedibus  cdbidis;  cauda  dimidio 
corpore  breviore,  temii. 
Corsira  nigrescens.  Gray.  Ann.  and  Mag.  of  Nat.  Hist.  V.  X.  p.  261. 

„  „  Gray.  Mammal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  79. 

Sorex  nigrescens.  Reichenb.  Naturg.  Rauhth.  S.  341,  347. 
Crocidura  nigrescens.  Reichenb.  Naturg.  Rauhth.  S.  341,  347. 
Sore.v  nigrescens.  Wagn.  Schreber  Säugth.   Suppl.  B.  V.  S.  ö46. 
Nr.  7.  —  S.  806.  Nr.  17. 
„       sikimensis.  Hodgs.   Horsf.    Catal.    of  the    Mamm,    of    the 
East-Iud.  Comp.  p.  136. 
Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  566. 
Nr.  52. 
Soricnhis  nigrescens.  Blyth.  Journ.  of  the  Asiat.  Soc.  of  Bengal. 
1855.  Fase.  1. 
Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  806. 
N.  17. 
Sorex  tiigrescens  Giebel.  Säugeth.  S.  905.  Note  1.  Nr.  3. 

Diese  höchst  eigenthümliche  Form,  welche  mit  dem  Zahnbaue 
der  Gattung  Wasserspitzmaus  (Crossopus)  die  Schwanzform  der 
(laftung  Spitzmaus  (Sore.v)  vereiniget,  ist  der  einzige  bis  jetzt  be- 
kannte Repräsentant  der  von  Blyth  aufgestellten  Gattung  Trugspitz- 
maus (Soricidiis). 

In  der  Größe  kommt  dieselbe  mit  der  tlaehköpfigen  Dickschwanz- 
spitzmaus (P.  soccata)  überein.  Die  Ohren  sind  vollständig  unter 
dem  Pelze  versteckt.  Der  Schwanz,  dessen  Länge  nicht  ganz  die 
halbe  Körperlänge  erreicht,  ist  dünn  und  ziemlich  spärlich  mit  kurzen 


Kritische  rntcrsiicliiing-en  über  die  S|)i(zmäiise  (Sorkcs)  etc.  o97 

anliegenden  Haaren  besetzt,  so  daß  allenthalben  die  kahle  Haut  sicht- 
bar ist.  Die  Behaarung  des  Körpers  ist  kurz,  anliegend  und  weich, 
jene  der  Füße  ziemlich  spärlich. 

Die  Färbung  der  Oberseite  des  Körpers  ist  dunkel  schwärzlicli- 
braun  oder  schwärzliehgrau  mit  schwachem  röthlichem  Anfluge  und 
silberfarbigem  Schimmer,  jene  der  Unterseite  vom  Kinne  angefangen 
heller,  mehr  in's  Grauliche  ziehend  und  stärker  röthlich  überflogen. 
Die  Schnurren  sind  dunkel  schwärzlichbraun,  die  Behaarung  der 
Füße  und  die  Krallen  sind  weißlich.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits 
vier  Lückenzähne  vorhanden,  und  sämmtliche  Zähne  sind  weiß  und 
endigen  in  schwarzbraune  Spitzen  und  Schneiden. 

Körperlänge 3"  6'".   Nach  Gray. 

Länge  des  Schwanzes 1"  4'". 

Körperlänge 3  "  3 '".  Nach  Blyth. 

Länge  des  Schwanzes     .    , 1"  6'". 

„      des  Hinterfußes  sammt  den  Krallen  ^'/g  "• 

Vaterland.  Ost-Indien  und  wie  Gray  vermuthet.  Dargelin, 
vorzüglich  aber  Ober-Indien,  wo  diese  Art  in  Sikim  nach  Blyth  sehr 
gemein  ist.  Die  erste  Beschreibung  derselben  hat  Gray  gegeben  und 
Blyth  dieselbe  wesentlich  erweitert.  Wagner  hielt  sie  früher  mit 
der  tlachköptigen  Dickschwanzspitzmaus  (P.  soccuta)  für  iden- 
tisch, änderte  aber  später  seine  Ansicht,  als  er  von  diesen  beiden 
höchst  verschiedenen  Formen  genauere  Kenntniß  erhielt. 

Nach  B 1  y t h "  s  Ansicht  ist  H o  d gs  o n's  „Sorex  sikimensis''  mit 
dieser  Art  identisch. 

13.  Gatt.  %Vasserspitzinaii.<$  {Crossopus), 

Der  Leib  ist  nur  mit  weichen  Haaren  bedeckt.  Vorder-  und 
Hinterfüße  sind  fünfzehig.  Die  Zehen  sind  frei.  Die  Scjiuauze  ist 
stark  verlängert  und  endiget  in  eine  über  die  Unterlippe  ziemlich 
weit  hervorragende  spitze,  rüsselfürmige  Nase.  Die  Ohren  sind  klein, 
sehr  kurz,  völlig  unter  den  Haaren  versteckt  und  durch  einen  an 
ihrem  Grunde  befindlichen  Lappen  verschließbar.  Der  Schwanz  ist 
lang  oder  mittellang,  an  derWurzel  vierkantig  oder  gerundet,  im  wei- 
teren Verlaufe  etwas  zusammengedrückt,  geringelt  und  geschuppt, 
mehr  oder  weniger  dicht  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  besetzt,  und 
auf  der  Unterseite  von  einer  Längsfurche  durchzogen,  welche  mit  dicht 


598  Fi»7.  inger. 

gedriingteii  uiul  nach  i'ückwäi'ts  an  Ijäiige  zunehmemlen  Haaren 
kammartig  ausgekleidet  ist.  Sohlen  und  Zehen  sind  gewimpert.  Eck- 
zähne fehlen.  Die  Schneiden  der  unteren  Vorderzähne  sind  nicht  ge- 
zähnelt  und  an  ihrer  Hinterseite  mit  einem  stumpfen  Ansätze  versehen. 
Sämmtliche  Zähne  sind  weiß  und  endigen  in  rothbraune  Spitzen  und 
Schneiden.  Im  Oberkiefer  sind  jederseils  vier  Liickenzähne  vorhanden. 
Die  Krallen  sind  nicht  zurückziehbar,  jene  der  Vorderfäße  nicht 
größer  als  die  der  Hinterfüße. 

Zahnformel:    Vorderzähne  —,    Eckzähne  -r — -,    Lücken- 

Al  u  —  u 

4 4  4 4 

zahne  -x — ^r^ ,  Backenzähne  -^ — 5-   =  30.  , 

1.  Die  Rielschwanz->Vasserspitzuiaas.  (Crossopus  Dauhentonü) 

C.  notaeo  lügro- einer eo.  gastraeo  abrupte  cinereo  ;  cauda 
cinerea,  macula  infra  basin  triangiilari  nigricante ;  cauda  fere  3/4 
vel  panllo  ultra  Y5  corjyoris  lougitudine. 

Musaraigne   d'eau.   Daube nt.    Mem,    de   l'Acad.    1756.    p.    211. 
t.  5.  fig.  2. 
Buffon.  Hist.  nat.  d.  Quadrup.  V.  Vm.  p.  64. 
t.   11.  flg.  1. 
„  „       Daubent.    Buffon    Hist.    nat,    d.    Quadrup. 

V.  VIII.  p.  6S. 
Wafer-shrew.  Penn  an  t.  Brit.  Zool.  p.  125.  Nr.  13.  t.  11. 
Musaraigne  d'eau.  ßomare.  Dict.  d'liist.  nat.  T.  III.  p.  172. 
Toparagno  aqiiatico.  Alessandri.  Anim.  quadrup.  V.  III.  t.   104. 

fig.  2. 
Water-shrew.  Pennant.  Synops.  Quadrup.  p.  308.  Nr.  236. 
Wasserspitzmaus.  Martini.  Buffon  Naturg.  d.  vierf.  Thiere.  B.  IV. 
S.  265.  t.  75. 
Müller.  Natursyst.  Suppl.  S.  36. 
Sorex  fodiens.  S ehre  her.  Säugth.  B.  III.  S.  571.  Nr.  4. 

„      Daubentonii.  Erxleb.  Syst.  regn.  anim.  P.  I.  p.  124.  Nr.  5. 
„      carinatus.    Zimmerm.    Geogr.    Gesch.    d.    Mensch,    u.    d. 

Thiere.  B.  II.  S.  383.  Nr.  314. 
„      d'Aubentonii.  Boddaert.  Elench.  anim.  V.  1.  p,  123.  Nr.  5. 
„      fodiens  Gmelin.  Linne  Syst.  nat.  T.  I.  P.  I.  p.  113.  Nr.  7. 
Cuv.  Tabl.  elem.  dMiist.  nai.  p.  109.  Nr.  2. 
Wasser  Spizmaus.  Schrank,  Fauna  Boica.  B.  I.  S.  60.  Nr.  20. 


Kritische  UiittTsiichuiig-eii  über  <lii'  Spitzniüiise  (Sorices)  etc.  599 

Sorex-  Daubentonii.  Geolfr.  Ami.   du  Mus.  V.  X\'Ii.  p.  176.  Nr.  2. 
Musaraigne  d'eaii.  Em.  Regne  aiiim.  Edit.  I.  V.  I.  p,  133. 
Sorex  Daubentonii.    Des  mar.    Nouv.    Dict,    d'hist.    nat.    V.    XXII. 
p.  62.  Nr.  2. 
„  „  Desmar.  Mammal.  p.  lOö.  Nr.  233. 

„  „  Fr.  Cuv.  Dict.  des  Sc.  nat.  V.  XXXIII.  p.  425. 

Nr.   2. 
«  „  Isid.  Geoffr.  Diel,  class.  V.  XI.  p.  322. 

„  „  Cuv.  Regne  anini.  Edit.  II.  V.  I. 

Sorex  fodiens.  Griffith.  Anim.  Kingd.  V.  V.  p.  292.  Nr.  2. 
Sorex'  Daubi'ntonii.  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  236,  580.  Nr.  13. 
C}-os,sopi(s  Daubentonii.    Gray.  Proceed.  of  tlie  Zool.   Soc.   V.  V'. 

(1837.)  p.  126. 
Sorex  fodiens.  Nathus.  Wiegm.  Areli.  R.  IV.  Th.  I.   S.  45. 
„  „         Lenz.  Naturg.  R.  I,  S.   80. 

„  „         SelysLongch.  Micromammal.  p.  24. 

Sorex  fodiens.  Keys  Rias.  Wirbeltli.  Europ.  S.  17.  Nr.  110.  — 

S.  59. 
Crossopus  fodiens.  Keys.  Rias.  Wirbeltli.  Europ.  S.  17.  Nr.  110. — 

S.  59. 
Sore.v  fodiens.  Ronaparte.  Iconograf.  della  Fauna  ital. 

Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  R.  II.  S.  52.  Nr.  1. 

Crossopus  fodiens.  Wagn.  Schreber  Säugth.    Suppl.  R.  II.  S.  52. 

Nr.  1. 

Gray.  Mammal.  of  the  Rrit.  Mus.  p.  79. 

Sorex  fodiens.  Var.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  347.  fig.  491. 

Croscopus   fodiens.    Var.     Reichenb.    Naturg.   Raubth.    S.   347. 

flg.  491. 
Sorex  fodiens.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  R.  V.  S.  541.  Nr.  I. 
Crossopus  fodiens.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  R.  V.  S.  541. 

Nr.    1. 
Sorex  fodiens.  Giebel.  Säugeth.  S.  899. 
Crossopus  fodiens.   Giebel.  Säugth.  899. 

Diese  ausgezeichnete  Art,  welche  als  die  typische  Form  der 
ganzen  Gattung  zu  betrachten  ist,  schließt  sich  ihren  äusseren  Merk- 
malen zu  Folge  zunächst  an  die  gemeine  Kielschwanz-^Vasserspitz- 
maus  (C.  Daubentonii ,  fodiens)  an,  und  unterscheidet  sich  von  der- 
selben nur  durch  die  verschiedene  Färbung. 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  l.VII.  Bd.  I.  Abth.  39 


600  F  i  t  7.  i  n  g-  p  r. 

Sie  ist  ungefähr  von  der  Größe  der  Haus-Wimpersclnvanz- 
spitzmaus  (Crocidum  arnnect),  meistens  aber  etwas  größer  als  die- 
selbe. Der  Rüssel  ist  lang  und  dünn,  doch  nicht  so  schmächtig  als 
bei  der  genannten  Art.  Die  Ohren  sind  klein,  sehr  kurz  und  völlig 
unter  dem  Pelze  versteckt,  die  Augen  sehr  klein,  und  gleichfalls  bei- 
nahe ganz  von  den  Haaren  verdeckt.  Der  Schwanz,  dessen  Länge 
nahe  an  3/4  und  bisweilen  sogar  etwas  über  Y5  der  Körperlänge  ein- 
nimmt, ist  \\y\v  wenig  dicht  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  besetzt, 
so  daß  allenthalben  die  kahle  schuppige  Haut  durchblickt,  und  auf 
seiner  Unterseite  von  einer  Längsfurche  durchzogen,  die  mit  länge- 
i*en,  einen  kammartigen  Kiel  bildenden  Haaren  besetzt  ist.  Die  Füße 
sind  verkältnißmäßig  stark,  die  Sohlen  und  Zehen  mit  steifen  Haaren 
gewimpert.  Zitzen  sind  fünf  Paare  vorhanden,  die  am  Bauche  und  in 
den  Weichen  liegen.  Die  Behaarung  des  Körpers  ist  dicht,  kurz  und 
weich.  Die  Füße  sind  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  besetzt. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  scliwarzgrau,  die  Unterseite  des- 
selben ist  scharf  abgeschnitten  hellgrau.  Der  Schwanz  ist  grau  und 
unterhalb  seiner  Wurzel  befindet  sich  ein  dreieckiger  schwärzlicher 
Flecken. 

Körperlänge 3"     3'".  NachDaubenton. 

Länge  des  Schwanzes     ....    2"  10". 

Köqierlänge 3"      1".  Nach  Fischer. 

Länge  des  Schwanzes     ....    2"     3'". 

Länge  des  Kopfes 1". 

„      der  Ohren 2'". 

Körperlänge 3"     3".  Nach   Erxleben. 

Länge  des  Schwanzes  ....  2". 
Die  von  Erxleben  angegebenen  Maße,  nach  welchen  der 
Schwanz  nur  nahe  an  2/3  der  Körperlänge  einnehmen  würde,  schei- 
nen nicht  genau  zu  sein.  Wahrscheinlich  beruht  diese  Irrung  auf  ei- 
nem Druckfehler,  indem  bei  der  Schwanzlänge  die  von  Dauben  ton 
noch  angegebenen  10'"  übersehen  wurden. 

Vaterland.  England,  Frankreich  und  West-Deutschland. 
Dauben  ton  war  der  erste,  welcher  diese  Art  beschrieben  und 
abgebildet  hat,  und  Erxleben  hatte  sie  deßhallt  auch  nach  ihm  be- 
nannt. Schreber  vereinigte  dieselbe  mit  der  von  Pal  1  as  unter  dem 
Namen  „Sore.v  fodiens"  zuerst  beschriebenen  Form  und  Zimmer- 
mann wollte  in  ihr  die  von  Hermann  mit  der  Benennung  „Sore.v 


Kritische  Untersuchungen  über  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  601 

cnritiatus'*  bezeichnete  Form  erkennen,  welche  beide  jedoch  offen- 
bar nur  für  Abänderungen  der  Daubenton 'sehen  Art  angesehen 
werden  können,  wie  dieß  von  allen  späteren  Naturforschern  aner- 
kannt worden  ist. 

i  a.    Die  weissbanchlge    Rlelschwanz -Wasserspitzmaas.    (Crossopus 
Duubentonii,  carinatiisj . 

C.  Daubentonii  notaeo  nigro-cinereo,  gastraeo  albido  ;  macula 
parva  pone  oculos  alba. 

Sorex  fodiens.    Sehr  eher.  Säugth.  B.  III.  S.  571.  Nr.  4. 

„     carmatus.    Hermann.  Zimmerm.  Geogr.  Gesch.  d.  Mensch, 
u.  d.  Thiere.  B.  III.  S.  383  Nr.  314. 
Carinated  tail  Pennant.  Hist,  of  Quadrup.  V.  II.  p.  482. 
Sorex  carmatus.  Hermann.  Tab.  affin,  p.  79.  Nota. 

„      aqiiaticus  D^ Aubentonii?  Hermann.  Tab.  affin,  p.  79.  Nota. 
„      Carinatus.  Boddaert.  Elench.  anim.  V.  I.  p.  124.  Nr.  6. 
Gefurchte  Spitzmaus,  ßechst.  Naturg.  Deutschi.  B.  I.  S.  885. 
Wasserspitzmaus?  Bechst.  Naturg.  Deutschi.  B.  I.  S.  885. 
Sorex  carinatus.  Hermann.  Observ.  zool.  T.  I.  p.  46. 

„      Daubentonii.  Geoffr.  Ann.  du  Mus.  V.  XVII.  p.  176.  Nr.  2. 
Des  mar.    Nouv.    Dict.    d'hist.    nat.   V.    XXII. 

p.  62.  Nr.  2. 
Desmar.  Mammal.  p.  150.  Nr.  233. 
Fr.  Cuv.  Dict.  des  Sc.  nat.  V.  XXXHI.  p.  425. 

Nr.  2. 
Isid.  Geoffr.  Dict.  class.  V.  XL  p.  322. 
„     fodiens.  Griff ith.  Anim.  Kingd.  V.  V.  p.  292.  Nr.  2. 
„      Duubentonii.  Fisch.  Synops,  Mammal.  p.  256,  580.  Nr.  13. 
„      fodiens.  Nathus.  Wiegm.  Arch.  B.  IV.  Tb.  I.  S.  45. 
HydrosoreoD  carinatus.  Duvern.    Mem.  de  la  Soc.  d'hist.  nat.  d. 
Strasbourg.  V.    II.    P.   I.   p.    17.  —  V.  2. 
Suppl.  HI.  p.  4. 
Sorex  fodiens.  Selys  Longe h.  Micromammal.  p.  24. 
„  „         Bonaparte.  Iconograf.  della  Fauna  ital. 

Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  52.  Nr.  1. 
Crossopus  fodiens.   Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  52. 
Nr.  1. 

39» 


602  Kitzinger. 

Hydrosonw  carimitus.  Du  vern.  Guerin  Magas.  d.  Zool.  1842.p.  34. 

t.  51. 
Crossopus  mucrouriis.  Gray.  Manimal.  of  llie  Brit.  Mus.  p.  80, 
Sorcw  fodiens.   Reichenb.  Naturg.  Raublh.  S.  347. 
Crossopus  fodiens.  Reichenb.  Naturg.  Raubtb.  S.  347. 
Sorex  fodiens.  Wagu.  Scbreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  o41.  Nr.  1. 
Crossopus  fodiens.   Wagn.  Sehreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  S41. 

Nr.  1. 
Sorex  fodiens.  Giebel.   Säugeth.  S.  899. 
Crossopus  fodiens.  Giebel.  Säugeth.  S.  899. 

Ohne  Zweifel  nur  eine  Farbenabäutlerung  der  Kielschwanz- 
Wasserspitzmaus  (C.  Daubentonii),  wie  schon  Hermann,  der 
diese  Form  aufgestellt  und  zuerst  beschrieben,  vermuthete. 

Die  Kennzeichen ,  «eiche  er  für  dieselbe  angibt,  sind  folgende : 

Der  Schwanz  ist  ziemlich  lang,  verdünnt  und  auf  seiner  Unter- 
seite mit  einem  aus  Haaren  gebildeten  Kiele  versehen.  Die  Vorder- 
zähne sind  rothbraun. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  schwarzgrau ,  die  Unterseite  des- 
selben weißlich.  Hinter  jedem  Auge  befindet  sich  ein  kleiner  weißer 
Flecken. 

Körpermaße  sind  nicht  angegeben. 

Vaterland.  Elsaß. 

Schreber,  welchem  Hermann  seine  Beschreibung  mittheilte, 
hielt  sie  von  der  gemeinen  Kielschwanz- Wasserspitzmaus  fC.  Dau~ 
betitonii,  fodiensj  nicht  für  verschieden  und  Geo  f fr  oy  vereinigte 
sie  mit  der  von  Daubenton  beschriebenen  Form,  nämlich  der  Kiel- 
schwanz-Wasserspitzmaus (C.  Daubentonii),  welche  die  Grundform 
einer  großen  Zahl  von  Abänderungen  einer  und  derselben  Art  bildet. 
Die  französischenNaturforscher  schlössen  sieh  derAnsicht  G  e  o  f  f  r  o  y's, 
die  deutschen  jener  von  Schreber  an.  Gray  wollte  in  dieser 
Herma  nn'schen  Form  seinen  „Crossopus  macrourus''  erkennen, 
welcher  aber  gleichfalls  nur  eine  Abänderung  der  Daubenton'schen 
Grundform  ist. 

1 .  b.    Die  gemeine  Hielschwanz  -  Wassorspitzinaas  f  Crossopus  Dau- 
bentonii, fodiens. J 

C.  Daubentonii  notaeo  nitide  nigro ,  interdum  plus  minusve 
in  fuscum   vcrgente,   gastraeo   abrupte   albo  ,   gula   nonnunquam 


Kritische  Untersuclninsen  über  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  Ö03 

flavido-lavatd,  et  nnn  raio  macnla  majori  tiigricantt;  in  pectore  et 
infra  atudue  fjuftin ;  po7ie   ocuhs   saepinsffue  poue  nnres  macida 
parva  alba ;  caxda  supra  nigricatite,  infra  alba,  tetragona,  penicil- 
Jata,  pauUo  ultra  "  ^  corporis  longitudine,  rel  breviore. 
Musaraneus  dorso  nigro  ventreque  alba.   Merrett.   Piiiax  rer.  nat. 

Brit.  p.  107. 
Water  Shreu\  Pennant.  Hist.  of  Quadrup.  V.  II.  p.  480.  Nr.  342. 
Sorex  fodiens.    Pallas.     Schreber  Sängth.  B.  III.  S.  Ö7I.    Nr.  4. 
t.  161. 
Öd  mann.   Nov.  Act.  Holm.  Y.  IX.  p.  208. 
Boddaert.  Elench.  anim.  V.  I.  p.  124.  Nr.  12. 
Gmelin.    Linue    Syst.    nat.    T.   I.    P.  I.    p.    113. 
Nr.  7. 
Wasser  Spizmaus.  Schrank.  Fauna  Boiea.  B.  I.  S.  60.  Nr.  20. 
Sorex  hicolor.   Shaw.  Nat.  Miscell.  t.  55. 

„      fodiens.  Montag.  Linnean  Transact.  V.  VII.  p.  276. 

Shaw.  Gen.  Zool.  V.  I.  P.  II.  p.  537.  t.  118. 
„      fluviatilis.  Bechst.   Naturg.  Deutschi.  Aufl.  I.  B.  I.  S.  394. 
Wasserspitzmaus.  Bechst.  Naturg.  Deutschi.  B.  I.  S.  862. 
Sorex  fluviatilis.   Sartori.  Fauna  Steyerm.  S.  13. 

„      fodiens.   Blumenb.  Abbild,  naturh.  Gegenst.  t.  72. 
„      hydrophilus.  Pallas.  Zoograph.  rosso-asiat.V.  I.   p.  130. 
.      fodiens.  Blumenb.   Naturg.  Aufl.  X.  S.   91.  Nr.  2. 
Brehm.   Ornis.  Hft.  II.  S.  25. 
Brehm.   Bullet,  des  Sc.  nat.  V.  XI.  p.  287.  Nr.  1. 
Griffith.  Anim.  Kingd.  V.  V.  p.  292.  xNr.  2. 
,,      Daubentonii.  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  256,  580.  Nr.  13. 
„      fodiens.  Jäger.  Würtemb.  Fauna.  S.  13. 
Wag  1er.  Syst.  d.  Amphib.  S.  14. 
Crossopus  fodiens.   Wagler.  Isis.  1832.  S.  54. 
Sorex psilurus.  Fitz.  Fauna.  Beitr.  z.  Landesk.  Österr.  B.  I.  S.  294. 
„      fodiens.  Nilss.  Skand.  Fauna.  V.  I.  p.  87. 
„  „         Gloger.  Säugeth.  Schles.  S.  7, 

,.  „         Zawadzki.  Galiz.  Fauna.  S.  17. 

Bell.  Hist.  of  Brit.  Quadrup.  p.  115.  c.  fig. 
Nathus.  Wiegm.  Arch.  B.  IV.  Th.  I.  S.  45. 
Jenyns.   Ann.    of  Nat.  Hist.  V.   I.  p.  425.  —  V.  II. 
p.  43 


604  Fitzinger, 

Sorex  fodiens  Lenz.  Naturg,  B.  I.  S.  80. 

„  „         SelysLongch.  Micromammal.  p.  24. 

Keys.  Blas.  Wirbelth.  Europ.  S.  17.  Nr.  HO.  — 
S.  59. 
Cr ossopiis  fodiens.  Keys.  Blas.  Wirbelth.  Europ.  S.  17.  Nr.  110. — 

S.  59. 
Sorex  fodiens.  Bonaparte.  Iconograf.  della  Fauna  ital.  1. 18.  fig.  6. 

Wagn.  Schreber  Säugtb.  Suppl.  B.  II.  S.  52.  Nr.  1. 
Crossopus  fodiois.   Wagu.  Schreber  Säugtb.  Suppl.    B.  II.  S.  52. 

Nr.  1. 
Sorea:  fodiens.  Frey  er.  Fauna  Krain's.  S.  2. 

Sundev.  Vetensk.  Akad.  Handl.  1842.  p.  186. 
Crossopus  fodietis.  Gray.  Mammal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  79. 
Sorex  fodiens.  Middendorff.  Sibir.  Beise.  Säugtb.  S.  76. 

Beichenb.  Naturg.  S.  347.  fig.  489,  490. 
Crossopus  fodiens.  Beichenb.  Naturg.  S.  347.  fig.  489.  490. 
Sorex  fodiens.   Wagn.  Schreber  Säugtb.  Suppl.  B.  V.  S.  541.  Nr.  1. 
Crossopus  fodiens.   Wagn.  Schreber  Säugtb.  Suppl.  B.  V.  S.  541. 

Nr.  1. 
Sorex  fodiens.   Giebel.  Säugetb.  S.  899. 
Crossopus  fodiens.   Giebel.  Säugetb.  S.  899. 

Ausserordentlich  nahe  mit  der  Kielschwanz-Wasserspitzmaus 
{C.  Daubentonii)  verwandt  und  von  derselben  fast  einzig  und  allein 
nur  durch  die  Färbung  verschieden. 

In  der  Größe  kommen  beide  Formen  ungefähr  mit  einander 
überein,  doch  scheint  dieselbe  keineswegs  beständig  zu  sein,  sondern 
innerhalb  einer  gewissen  Grenze  zu  schwanken.  Der  Bussel  ist  lang 
und  dünn,  bisweilen  aber  auch  etwas  angeschwollen.  Die  Ohren  sind 
vollständig  unter  dem  Pelze  versteckt,  die  sehr  kleinen  Augen  bei- 
nahe völlig  von  den  Haaren  überdeckt.  Der  Schwanz,  dessen  Länge 
ohne  Haare  etwas  über,  bisweilen  aber  auch  nicht  ganz  2/3  der  Kör- 
perlänge beträgt  und  mit  denselben  oft  nahe  an  8/4  der  Körperlänge 
einnimmt,  ist  an  der  Wurzel  vierkantig,  gegen  das  Ende  etwas  zu- 
sammengedrückt, nur  wenig  dicht  mit  sehr  kurzen  und  feinen  anlie- 
genden Haaren  besetzt,  so  daß  die  Schuppenringe  deutlich  sichtbar 
sind,  und  auf  der  Unterseite  seiner  ganzen  Länge  nach  von  einer 
Furche  durchzogen,  welche  mit  gedrängt  stehenden,  nach  hinten  an 
Länge  zunehmenden  und   an  der  Schwanzspitze  einen   pinselartigen 


Kritische  Untersuchungen  tiher  die  Spitzmiiuse  (Sorices)  etc.  u05 

Büschel  bildenden  Haaren  besetzt  ist.  Die  Füsse  sind  verhältniß- 
mäßig  stark  und  die  Sohlen  sowohl  als  auch  die  Zehen  sind  zu 
beiden  Seiten,  insbesondere  aber  an  den  Hinterfüßen  ,  dicht  mit 
steifen  Wimperhaaren  besetzt.  Die  Körperhehaarung  ist  dicht,  kurz 
und  weich. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  glänzend  schwarz,  bisweilen  aber 
aucli  mehr  oder  weniger  in's  Bräunliche  schimmernd ,  die  Unterseite 
scharf  abgeschnitten  weiss  und  an  der  Kehle  öfters  in's  Gelbliche 
ziehend.  Der  Schwanz  ist  oben  schwärzlich  und  unten  weißlich,  da 
die  Haare  am  Längskiele  seiner  Unterseite  weiß  und  nur  gegen  das 
Ende  zu  bräunlich  sind,  so  daß  sie  gleichsam  einen  weißen  Längs- 
streifen bilden.  Bisweilen  befindet  sich  auf  der  Brust  und  unterhalb 
der  Schwanzwurzel  ein  größerer  schwärzlicher  Flecken. 

Ein  kleiner  rein  weisser  Flecken  steht  hinter  jedem  Auge  und 
sehr  oft  kommt  ein  solcher  Flecken,  insbesondere  aber  bei  jungen 
Thieren,  auch  hinter  den  Ohren  vor.  Die  Füsse  sind  weiß. 

Körperlänge 3"  4".     Nach  Wagner. 

Länge  des  Schwanzes  ohne 

Haare 2"  3". 

Länge  des  Schwanzes  mit 

dem  Haare 2"  S1/2'". 

Körperlänge 4"  6'".     NachBrehm. 

Länge  des  Schwanzes 2"  9'". 

Körperlänge 3".         Nach  Reichenbach. 

Länge  des  Schwanzes 2"  5"'. 

Vaterland.  England,  Schweden,  Dänemark,  die  Schweiz, 
Deutschland,  Württemberg,  Baiern,  Sachsen, Thüringen,  insbesondere 
die  Gegend  um  Schnepfenthal,  Preussen,  Österreich,  Salzburg, 
Steiermark,  Kärnthen,  Krain,  Tirol.  Böhmen,  Mähren,  Schlesien, 
Galizien,  Ungarn,  Siebenbürgen,  Rußland  und  Sibirien,  bis  zur  Küste 
des  Ochotzki'schen  Meeres,  vorzüglich  häufig  aber  am  Jenisei. 

Diese  Form,  welche  von  einigen  Naturforschern  unter  verschie- 
denen Benennungen  beschrieben  wurde  und  für  welche  Pallas  statt 
des  ihr  von  ihm  ursprünglich  gegebenen  Namens  eine  andere  Be- 
nennung vorschlug,  hielt  ich  früher  mit  jener  Form  für  identisch, 
welche  von  Wag  1er  unter  dem  Namen  „Crossopus  psilurus"  auf- 
gestellt worden  ist. 


606  F  i  t  z  i  n  g  e  r. 

Die  älteste  Beschreibung,  weiche  wir  von  derselben  besitzen, 
rührt  von  Merrett,  aus  dem  Jahre  16G7,  die  erste  genauere  von 
Pallas,  die  er  durch  Sehr  eher  uns  mitgetheilt. 

1  c.  Die  Bnch-Hielschwnnz-Wasserspüzmaas  (Crossopiis  Danheutonii, 

rivalis). 

C.  Daubentonn,  f'o dient i  simillimus ,  dentibns  primoribiis  hi- 
ferioribus  parnm  curvntis,  apice  flavido-briinneis. 
Sorex  rivalis.  Brehm.  Isis.  1830.  S.  1128. 

„     fodiens.  Nathus.  Wiegm.  Arch.  B.  IV.  Th.  I.  S.  45. 

Wagn.   Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  52.  Nr.  1. 
Crossopus  fodiens.  Wagn.   Schreber  Säugth.   Suppl.  B.  II.  S.  52. 
Nr.  1. 

„  „         Gray.  Manimal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  79. 

Sorex  fodiens.  Bei  che  nb.  Naturg.  Baubth.  S.  347. 
Crossopus  fodiens.  Beichenb.  Naturg.  Baubth.  S.  347. 
Sorex  fodiens.   Giebel.  Säugeth.  8.899. 
Crossopus  fodiens.  Giebel.  Säugeth.  S.  899. 

So  ungenügend  und  mangelhaft  die  Beschreibung  auch  ist, 
welche  Chr.  Lud w.  Brehm  von  dieser,  von  ihm  für  eine  selbst- 
ständige Art  gehaltenen  Form  gegeben ,  so  scheint  doch  aus  dersel- 
ben beinahe  unzweifelhaft  hervorzugehen,  daß  er  nur  eine  in  Bezug 
auf  die  Größe,  Gestalt  und  Stellung  der  Zähne  etwas  abweichende 
Form  der  gemeinen  Kielschwanz-Wasserspitzmaus  (^C.  Daubentonii, 
fodiens)  vor  sich  hatte. 

Seine  Beschreibung  lautet: 

Der  Schwanz  ist  so  lang  als  der  Leib.  Die  unteren  Schneide- 
zähne sind  nur  ziemlich  lang,  wenig  gebogen,  fast  nicht  ein- 
geschnitten und  blos  an  den  Spitzen  brandgelb.  Die  oberen  Lücken- 
zähne sind  undeutlich  getrennt,  ziemlich  stumpf  und  der  zweite  der- 
selben ist  nicht,  oder  kaum  länger  als  der  erste. 

Körpermaaße  sind  nicht  angegeben. 

Da  er  einer  Abweichung  in  der  Färbung  derselben  von  jener 
der  genannten  Art  nicht  erwähnt,  so  dürfte  man  wohl  berechtigt 
sein,  anzunehmen,  daß  beide  Formen  hierin  völlig  mit  einander  über- 
einstimmen. 

Der  verhältnißmäßig  etwas  längere  Schwanz,  Mclcher  dieser 
Form    zukommen    uiul     dieselbe    von    der    gemeinen    Kielsehwanz- 


Kritisolie  Untersuchungen  über  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  üü  < 

Wasserspitzmaiis  (C.Daubentonii,  fodiens)  unterscheiden  soll,  kann 
wohl  eben  so  wenig  eine  Beachtung  finden,  als  die  unbedeutenden 
Verschiedenheiten,  welche  sich  rücksichtlich  der  Bezahnung  ergeben, 
zumal  keine  Körpermaße  angegeben  sind. 

Somit  kann  diese  von  Brehm  aufgestellte  Form  höchstens 
für  eine  Abänderung  der  gemeinen  Kielschwanz-Wasserspitzmaus 
(C.  Dmihentonu,  fodiens)  angenommen  werden,  wie  dieß  schon 
N  a  t  h  u  s  i  u  s  dargethan. 

\  d.    Die  Pfützen-Kielsihwanz-Masserspitzmaas  (Crossopns  Dauben- 
tonii.  stagnatilis). 

C.  Dmibentonii,  fodienti  similis  ,  notaeo  saturute  nigra, 
gastraeo  ulbido-griseo ;  dentibus  omnino  albidis ;  caiida  purum 
ultra  2/3  corporis  longitudine. 

Sorex  stagnatilis.  Brehm.  Ornis.  Hft.  II.  S.  47. 

Brehm.    Bullet,  des   Sc.  nat.  V.   XI.   p.    287. 
Nr.  4. 
„  „  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  257.  Nr.  13.  « • 

Crossopns  stagnatilis.  Wagler.  Isis.  1832.  S.  54. 
Sore.v  fodiens.  Nathus.  Wiegm.  Arch.  B.  IV.  Th.  I.  S.  45. 

Wagn.    Schreber    Säugth.    Suppl.    B.  II.    S.  52. 
Nr.  1. 
Crossopns  fodiens.   Wagn.  Schreber   Säugth.  Suppl.  B.  II.  8.  52. 
Nr.  1. 
„  „  Gray.  Mammal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  79. 

Sorex  fodiens.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  347. 
Crossopns  fodiens.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  347. 
Sorex  fodiens.   Giebel.  Säugeth.  S.  899. 
Crossopns  fodiens.  Giebel.   Säugeth.  S.  899. 

Die  Kennzeichen,  durch  welche  sich  diese  von  Chr.  Ludw. 
Brehm  aufgestellte  und  auch  von  Wagler  angenommene  und 
kurz  beschriebene  Form  auszeichnen  soll,  sind  folgende: 

Der  Schwanz  nimmt  etwas  über  2/3  der  Körperlänge  ein.  Die 
vordersten  Lückenzähne,  welche  Brehm  als  Eckzähne  annimmt,  sind 
klein  und  sämmtliche  Zähne  durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  tief-  oder  sammtschwarz ,  die 
Unterseite  weißgrau.  Der  Schwanz  ist  auf  der  Oberseite  schwärzlich. 


608  F  i  t  z  i  n  g  e  r. 

Körperlänge 3"  7"  Nach  Brehm. 

Länge  des  Schwanzes 2"  5'" 

Vaterland.  Mittel-Deutschland,  Sachsen,  Thüringen,  wo 
diese  Form  an  stehenden  Gewässern  auf  VValdwiesen  angetroffen 
wird  und  daselbst  sehr  gemein  ist. 

Als  den  Hauptunterschied  von  den  verwandten  deutschen  For- 
men hebt  Brehm  die  eigenthümliche  Gestalt  der  unteren  Vorder- 
zähne, so  wie  der  vordersten  Lückenzähne,  welche  letztere  er  als 
Eckzähne  betrachtet,  hervor. 

Dieser  Unterschied  ist  aber  keineswegs  erheblich  und  höchst 
wahrscheinlich  auch  nicht  constant,  so  daß  man  wohl  mit  Recht  mit 
NathusJus,  der  Brehm's  und  Wagler's  Original-Exemplare  zu 
untersuchen  Gelegenheit  hatte,  annehmen  kann,  daß  diese  Form  nur 
eine  Abänderung  der  Kielschwanz-Wasserspitzmaus  (C.  Dauben- 
tonii)  sei. 

1  e.    Die  grosse  Rielschwanz-Wasscrspitzniaus   (Crossopus  Dauben- 

tonii,  iidtans). 

C.  Daubentotiii,  fodienti  similis,  notaeo  sahirute  nigro,gastr(ico 
albido-griseo ;  dentibus  omnibus  in  muxilla  superiore  albldo-grl- 
seis;  cauda  «/g  corporis  longitudine,  penicillata. 
Sorex  natmis.  Brehm.  Ornis.  Hft.  II.  S.  44. 

Brehm.  Bullet,  des  Sc.  nat.  V.  XL  p.  287.  Nr.  3. 
„  „        Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  257.  Nr-  13.  * 

„     nigripes.  Melchior.  Danske  Patt.  p.  68. 

Melchior.  Wiegm.  Arch.  B.  IL  Th.  I.  S.  77. 
„     fodiens.  Nathus.  Wiegm.  Arch.  B.  IV.  Th.  L  S.  4S. 

Wagn.     Schreber   Säugth.    Suppl.    B.    II.     S.  52. 
Nr.  L 
Crossopus  fodiens.   Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B,  II.  S.  52. 
Nr.  1. 
„  macronrus.  Gray.  Mammal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  80. 

Sorex  fodiens.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  347. 
Crossopns  fodiens.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  347. 
Sor ex  fodiens.  Giebel.  Säugeth.  S.  899. 
Crossopus  fodiens.  Giebel.  Säugeth.  S.  899. 

Diese  Form  ist  uns  bis  jetzt  nur  durch  Chr.  Ludw.  Brehm  be- 
kannt geworden,  der  nachstehende  Merkmale  lür  dieselbe  angibt. 


Kritische  Untersiicliiinf.'-en  üher  dii'  Spitzmäuse  {Sorices)  etc.  609 

Größer  als  alle  verwandten,  in  Deutschland  vorkommenden 
Formen.  Der  Schwanz ,  dessen  Länge  ~/^  der  Körperlänge  ein- 
nimmt, ist  an  seiner  Spitze  mit  einem  ruderähnlichen  Haarhüscliel 
besetzt. 

Die  vordersten  Lückenzähne  beider  Kiefer,  die  Brehm  als 
Eckzähne  betrachtet,  stehen  nicht  von  einander  entfernt  und  sind 
vorne  mit  einer  undeutlichen  Spitze  versehen.  Alle  Zähne  im  Ober- 
kiefer sind  einfarbig  weißlichgrau. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  tief-  oder  sammtschwarz,  die 
Unterseite  weißgrau. 

Körperlänge 4"  6'" 

Länge  des  Schwanzes ...  3" 

Vaterland.  Deutschland,  aber  daselbst  sehr  selten. 
Melchior  hielt  diese  Form  für  identisch  mit  der  von  ihm  auf- 
gestellten sciiwarzfüssigen  Kielschwauz-Wasserspitzmaus  (^C.  Dau- 
bentonii,  nigripes),  wasNathusius  alier  widerlegt,  obgleich  er 
beide  Formen  nur  für  Abänderungen  der  gemeinen  Kielschwanz- 
Wasserspitzmaus  (C.  Ddubcnitonii,  fodiens)  ansieht.  Gray  glaubte 
diese  von  Brehm  beschriebene  Form  mit  der  von  Lehman  auf- 
gestellten schwarzbeinigen  Kielschwanz-Wasserspitzmaus  (C.  Dau- 
bentonii,  macrouriis)  vereirn'gen  zu  sollen,  die  sich  jedoch  sowohl 
durch  den  etwas  kürzeren  Schwanz,  als  auch  durch  schwarze  Beine 
und  graue  Füsse  von  derselben  unterscheidet. 

Nach  der  von  Brehm  gegebenen  Beschreibung  kann  es  wohl 
kaum  einem  Zweifel  unterliegen,  daß  sein  „Sore.v  natans'*  eine  be- 
sondere Abänderung  der  Kielschwanz- Wasserspitzmaus  (^C.  Daubeii- 
toniij  darstellt. 

t  f.   Die    schwarzfüssige  Kielschwanz  -  Wasserspitziiiaus    CCrossopus 
Daubentonii,  nigi^ipes). 

C,  Daubentonii  similis,  notaeo  nigro,  gestraeo  albo;  pedibns 
plantisque    nigris;    dentibus    apice  fuscis ;    cmtdn    -/$    corporis 
longituditie. 
Sorex  nigripes.  Melchior.  Danske  Patt.  p.  68. 

Melchior.  Wiegm.  Arch.  B.  IL  Th.  L  S.  77. 
„     fodiens.  Var.  Nathus.  Wiegm.  Arch.  B.  IL  Th.  I.  S.  77. 
Nathus.  Wiegm.  Arch.  B.  IV.  Th.  L  S.  45. 


610  Fitzinge  r. 

Sore.r  fodiens.  Var.  Wa gn.  Sehreher  Säugtli.  Siippl.  B.  II.  S.  S2.  Nr.  1 . 
Crossopuft  f'odiens.    Vnr.   Wagii.   Schreher   Säugtli.    Su|>pl.    B.    II. 

S.  52.  Nr.  1. 

„  macrourus.  Gray.  Maniinal.  oC  thc  Brit.  Mus.  p.  80. 

Sorex  fodieiis.  Reiclienb.  Naturg.  RauMli.  S.  347. 
Crossopns  f'odiens.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  347. 
Sorex  fodiens.  Var.  Wagn.  Scbreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  o41. 

Nr.  1. 
Crossopus  fodiens.    Var.   Wagn.    Scbreber  Säugtb.    Suppl.  B.  V. 

S.  541.  Nr.  1. 
Sore.r  fimbriatus.  Giebel.  Säugetb.  S.  899. 
Crossopus  ßmbriatus.  Giebel.  Säugetb.  S.  899. 

Die  Merkmale,  durcb  welcbe  sieb  diese  von  Melcbior  auf- 
gestellte und  von  ibm  für  eine  besondere  Art  betracbtete  Form  aus- 
zeicbnet,  sind  seinen  Angaben  zu  Folge  nacbstebende. 

Der  Scbwanz  nimmt  2/3  der  Kürperlänge  ein.  Die  Zäbne  endigen 
in  braune  Spitzen. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  scbwarz,  die  Unterseite  weiß. 
Die  Füsse  und  Soblen  sind  schwarz. 

Gesammtlänge 3' 

Vaterland.  Dänemark. 

Melcbior,  der  nur  ein  erwachsenes  und  ein  halberwachsenes 
Exemplar  dieser  Form  zu  beobachten  Gelegenheit  hatte,  glaubte  in 
derselben  Brehm's  „Sorex  natans^  tvVe:n\\tmM?,o\\Qn.  Nathusius 
zieht  die  Richtigkeit  dieser  Ansicht,  aber  mit  Recht  in  Zweifel  und 
zwar  nicht  nur,  weil  Brebms  „Sorex  natnns''  um  1'  6'"  grösser 
ist,  sondern  weil  ihm  Brehm  auch  einfarbig  weißlichgraue  Zähne 
zuschreibt  und  weder  schwarzer  Füsse,  noch  schwarzer  Sohlen  er- 
wähnt. Aus  diesem  Grunde  sieht  sich  Nath  usi  us  berechtigt,  die 
von  Melchior  beschriebene  Form  für  eine  besondere  Abänderung  der 
gemeinen  Kielscbwanz- Wasserspitzmaus  (C.  Dmibentonii,  fodiens) 
zu  betrachten. 

I  g.   Die  schwarzbeinige   liielschwanz  -  »iisserspitzmaus    (Crossopus 
Daiibentonii,  macrourus). 

C.  Dauhenfonii,  fndicnti  siinifis,  notaeo  nir/ro,  gastraeo  lahio- 
que  svperiore  albis ;  tibiis  nigris,  pedibus  cinereis :  macula  inter- 
dum  parva  pone  oculos  alba;  canda  fcre  2/3  corporis  longitudine. 


Kritische  Untersuchungen  iiher  die  Spitzmäuse  (Sorices}  etc.  611 

Sorex  macrourus.  Lehman.  Observ.  zool.  V.  I.  p.  2. 

„      canaUvulatus.  Lyiige.  (iray.  Proceed.  of  tlie  Zool.  Soc. 
Amphisorex  Linneana.  Gray.  Ann.  of  Nat.  Hist.  V.  II.  p.  287. 
Crossopiis  Linneana.    Gray.  Ann,  ol"  Xat.  Hist.  1842. 

„         macrourus.  Gray.  Mammal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  80. 
Sorex  fodiens.    Wa gn.    Schreber   Säugth.    Suppl.    B.  IL    S.  52. 

Nr.  1. 
Cossopus  fodiens.   Wagn.    Schreber  Säugth.    Suppl.  B.   II.  S.  52. 

Nr.  1. 
Sorex-  fodiens.  Reich  enb.  Naturg.  Raubth.  S.  347. 
Cro.^sopus  fodiefts.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  347. 
Sorex  fodiens.   Wagn.  Schreber   Säugth.    Suppl.   B.  V.    S.  541. 

Nr.  1. 
Crossopus  fodiens.  Wagn.    Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  541. 

Nr.  1. 
Sorex  fodiens.  Giebel.  Säugeth.  S.  899. 
Crossopus  fodiens.  Giebel.  Säugeth.  S.  899. 

Offenbar  eine  mit  der  gemeinen  Kielschwanz-Wasserspitzmaus 
{C.  Daubentonii,  fodiensj  sehr  nahe  verwandte  Form,  aber  von 
derselben  durch  den  verhältnißmäßig  etwas  kürzeren  Schwanz  und 
einige  Abweichungen  in  der  Färbung  verschieden. 

Der  Schwanz  nimmt  nahezu  -/.  der  Körperlänge  ein. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  schwarz,  die  Unterseite  desselben 
und  die  Oberlippe  sind  weiß.  Die  Beine  sind  schwarz,  die  Füsse  grau. 
Hinter  den  Augen  befindet  sich  zuweilen  ein  kleiner  weißer  Flecken. 

Körperlänge 3"  11'"      Nach  Gray. 

Länge  des  Schwanzes 2"    9'" 

Vaterland.  Nord-Schweden.  Zuerst  von  L  e  h  m  a  n  und  später- 
hin auch  von  Lynge  und  Gray,  doch  unter  drei  verschiedenen 
Namen  beschrieben.  Wagner  und  mit  ihm  alle  übrigen  späteren 
Zoologen  betrachten  diese  Form  nur  für  eine  Varietät  der  Kiel- 
schwanz Wasserspitzmaus  (C.  Daubentonii). 

1  h.    Die  schwärzlichbraane  Rielschwanz-Wasserspltzniaus  (Crossopus 
Da  ubento7i  ii.  Penn  an  tii). 

C.  Daubentonii,  fodienti  similis,  notaeo  nigrescente-fusco, 
gastraeo   labioque  super iore  albis;   tibiis  tngrescetitibus,  pedibus 


612  F  i  t  z  i  n  g:  e  r. 

cinereis;  macula  tnferduni  parva  potie  aures  alba;  cauda  dimidio 
corpore  purum  lougiore, 

Ämphisorecc  Pennantii.   Gray.    Proceed.    of  the  Zool.  Soc.  B.  V. 

(1837.)  p.  125. 
Gray.  Ann.  of  Nat.  Hist.  V.  II.  p.  287. 
Sorex  fodieus.  Wagn.  Sciireber  Säugth.  Siippl.  B.  II.  S.  52.  Nr.  1. 
Crossopus  fodieus.  Wagn.    Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  52. 
Nr.  1. 
Gray.  Mamma!,  of  the  Brit.  Mus.  p.  79. 
Sorex  fodieus.  Reich enb.  Naturg.  Raubth.  S.  347. 
Crossopus  fodieus.  Reich  enb.  Naturg.  Raubth.  S.  347. 
Sorex'  fodieus.    Wagn.    Schreber  Säugth.    Suppl.    B.  V.  S.  541. 

Nr.  1. 
Crossopus  fodieus.  Wagn,   Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  541. 

Nr.  1. 
Sorex  fodieus.  Giebel.  Säugeth.  S.  899. 
Crossopus  fodieus.  Giebel.  Säugeth.  S.  899. 

Die  Merkmale,  durch  welche  sich  diese  bis  jetzt  nur  von  Gray 
beschriebene  Form  auszeichnet,  sind  folgende : 

Der  Schwanz  nimmt  etwas  mehr  als  die  halbe  Körperlänge  ein. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  schwärzlichbraun,  die  Unterseite 
desselben  und  die  Oberlippe  sind  weiß.  Die  Beine  sind  schwärzlich, 
die  Füsse  sind  grau.  Bisweilen  befindet  sich  hinter  dem  Ohre  ein 
kleiner  weisser  Flecken. 

Körperlänge 3"    3'"  —  3"  6'" 

Länge  des  Schwanzes l"  11'" 

Vaterland.  England, 

Wagner  war  der  erste,  welcher  in  dieser  Form  nur  die  ge- 
meine Kielschwanz -Wasserspitzmaus  {C.  Daubeutonii,  fodieus) 
erkennen  wollte,  und  alle  übrigen  Naturforscher,  und  darunter  auch 
Gray,  welcher  diese  Form  doch  selbst  als  eine  eigene  Art  auf- 
stellte, sprachen  bald  nach  Wagner  dieselbe  Ansicht  aus.  Der 
kürzere  Scliwanz  und  einige  Abweichungen  in  der  Färbung  stellen 
sie  aber  als  eine  besondere  Abänderung  dar. 


Kritische  Unfersnrhiingon  iihpr  HIp  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  DJ  d 

1  /.   Die  rostbauchige  Rielscliwani-Wasserspitzmaas  (Crossopus  Dau- 

bentonii,  amphibius) . 

C.  Danbentonii,  fodienti  similis,  notaeo  obscure  nigro-cinereo, 
(jastraeo  saturate  sordideque  rufescente-griseo ;  maxilla  siiperiore 
dUutissima;  dcntibtis  primoribus  superioribus  fusco-flavidis;  cauda 
dimidio  corpore  purum  longiore. 
Sorex  amphibius.  B  r  e  h  m,  Ornis.  Hft.  IL  S.  38. 

Brehm.    Bullet,    des    Sc.   nat.   V.   XI.   p.    287. 

Nr.  2. 
Fisch.  Synops,  Mammal.  p.  257.  Nr.  13.  . 
Sorex  fodiens.  Nathus.  Wiegm.  Arch.  B.  IV.  Th.  1.  S.  45. 

Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  52.  Nr.  1. 
Crossopus  fodiefis.   Wagn.    Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  52. 

Nr.  1. 
Sorex  fodiens.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  347. 
Crossopus  fodieyis.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  347. 
Sorex  fodiens.  Giebel.  Säugeth.  S.  899. 
Crossopus  fodiens.  Giebel.  S.  899. 

Auch  diese  Form  kennen  wir  nur  aus  einer  sehr  kurzen  Be- 
schreibung, die  Chr.  Ludwig  Brehm  uns  mitgetheilt.  Die  ihr  nach 
derselben  zukommenden  Merkmale  sind  folgende : 

Sie  ist  von  der  Grösse  der  gemeinen  Kielschwanz-Wasserspitz- 
maus (C.  Danbentonii,  fodiens.)  Der  Schwanz  nimmt  etwas  mehr 
als  die  halbe  Körperlänge  ein.  Die  Vorderzähne  im  Oberkiefer  sind 
braungelb. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  dunkel  schwarzgrau,  die  Unter- 
seite desselben  gesättigt  schmutzig  röthlichgrau.  Der  Oberkiefer 
ist  sehr  licht. 

Körperlänge 3"  9'" 

Länge  des  Schwanzes 2" 

Vaterland.  Deutschland,   wo   diese   Form   im  Sommer   weit 

seltener  als  die  meisten  anderen  ist. 

Brehm   sagt  zwar,   daß   der  Schwanz  um  1/3  kürzer  als  der 

Körper  ist,    doch    stimmt  diese  .Angabe  keineswegs  mit  dem  von  ihm 

angegebenen  Maaße,  welchem  zu  Folge  derselbe  nur  etwas  mehr  als 

die  Hälfte  der  Körperlänge  einnimmt. 


614  Fitzin  ger. 

In  diesem  Merkmale  stimmt  diese  Form  mit  der  schwärzlich- 
braunen  Kielschwanz-Wasserspitzmaus  (C.  Daubentonii,Pennantii) 
überein,  doeli  unterscheidet  sie  sich  von  derselben  durcii  die 
verschiedene  Färbung,  und  stellt  daher  eine  besondere  Abände- 
rung  dar. 

I  k.    Die   kiihlsohwänzige  Elelsehwanr-Wasserspifzmans   fCrossopus 
Daubentonii,  psiliirusj. 

C.  Daubentonii,  fodienti  similis,  notaeo  nigro,  gastraeo  albo; 
dentibus  primoribus  superioribus  riifo-fuscis ;  cauda  supra  nigra, 
infra  alba,  tenui,  parce  pilosa,  dimidio  corpore  partim  breviore. 
Sorex  psilurus.  Wagler.  Isis.  1832.  S.  S4. 
Crossopus  psilurus.  Wagler.  Isis.  1832.  S.  275. 

„  „  Fitz.    Fauna.  Beitr.  z.  Landesk.  Österr.  B.  I. 

S.  294. 
Sorex  fodiens.  Nathus.  Wiegm.  Arch.  B.  IV.  Th.  I.  S.  45. 

Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  52.  Nr.  1. 
Crossopus  fodiens.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.   B.  II.  S.  52. 
Nr.  1. 

„  „        Gray,  Mammal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  79. 

Sorex  fodiens.  Reiche nb.  Naturg.  Raubth.  S.  347. 
Crossopus  fodiens.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  347. 
Sorex  fodiens.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  541.  Nr.  1. 
Crossopus  fodiens.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  541. 

Nr.  1. 
Sorex  fodiens.  Giebel.  Säugeth.  S.  899. 
Crossopus  fodiens.  Giebel.  Säugeth.  S.  899. 

Unsere  Kenntniß  von  dieser  Form  beruht  nur  auf  einer  kurzen 
und  sehr  unvollständigen  Beschreibung,  welche  Wagler  von  der- 
selben gegeben.  Die  ihr  zukommenden  Merkmale  sind  seiner  Angabe 
zu  Folge  nachstehende: 

Der  Schwanz  ist  etwas  kürzer  als  der  halbe  Körper,  dünn  und 
nur  wenig  dicht  behaart,  so  daß  last  allenthalben  die  kahle  Haut 
durchblickt. 

Die  oberen  Vorderzähne  sind  rothbraun. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  schwarz,  die  Unterseite  desselben 
weiß.  Der  Schwanz  ist  wie  der  Körper  zweifarbig,  oben  schwarz, 
unten  weiß. 


Kritische  Untersiichiingren  iiher  die  Spitzmäuse  (Soriees)  etc.  615 

Körperlänge 3"  4'" 

Länge  des  Schwanzes j/ -7  "/ 

Vaterland.  Süd-Deutschland,  Baiern,  Österreich. 
Nathusius  hat  ihre  Zusammengehörigkeit  mit  der  gemeinen 
Kielschwanz-Wasserspitzmaus  (C.  Daubento?in,  fodiens)  nachge- 
wiesen, doch  bildet  dieselbe  offenbar  eine  für  sich  bestehende  Abän- 
derung jener  Form,  da  der  beträchtlich  kürzere  ^Schwanz  deutlich 
dafür  spricht. 

1  /.    Die  graorückige  Rielschwaoz-Wasserspitzniaas  (^Crossopiis  Dau- 
hentonii,  Musculus). 

C.  Daube7itonii,  fodienti  similis,  notaeo  ex  nigro-fuscescente- 
cinereo,  gastraeo  albo ;  denühiis  primorihus  superioribus  nigrls ; 
cauda  torosa,  tereti,  dimidio  corpore  parum  brevlore. 
Sorex  Musculus.  Wagler.  Isis.  1832.  S.  54. 
Crossopus  Musculus.  Wagler.  Isis.  1832,  S.  275. 
Sorex  fodiens.  Nathus.  Wiegm.  Arch.  B.  IV.  Th.  I.  S.  43. 

Wagn.    Schreber    Säugth.    Suppl.    B.    II.    S.    52. 
Nr.  1. 
Crossopus  fodiens.  Wagn.  Schreber  Säugth.   Suppl.  B.  IL  S.  52. 
Nr.  1. 
.,  „         Gray.  Mammal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  79. 

Sorex  fodiens.  Bei  che  nb.  Naturg.  Raubth.  S.  347. 
Crossopus  fodiens.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  347. 
Sorex  fodiens.  Wagn.   Schreber   Säugth.   Suppl.   B.  V.    S.    541. 

Nr.  1. 
Crossopus  fodiens.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  541. 

Nr.  1. 
Sorex  fodiens.  Giebel.  Säugeth.  S.  899. 
Crossopus  fodiens.  Giebel.  Säugeth.  S.  899. 

Nachstehende  Merkmale  sind  es,  aufweiche  Wagler  diese  von 
ihm  für  eine  selbstständige  Art  betrachtete  Form  gründet. 

Der  Schwanz  ist  etwas  kürzer  als  der  halbe  Körper,  fleischig 
und  etwas  walzenförmig.  Die  oberen  Vorderzähne  sind  schwarz. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  mausgrau,   die  Unterseite  dessel- 
ben M'eiß. 

Körperlänge 3"  3'" 

Länge  des  Schwanzes 1"  6"' 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  LVU.  Bd.  II.  Abth.  40 


6 1(>  F  i  t  z  i  n  ^  e  r. 

Vaterland.    Süd-Deutschland,  Baiern. 

Auf  diese  wenigen  Worte  beschränkt  sich  unsere  ganze Kenntniß 
von  dieser  Form,  welche  offenbar  mit  derkaliischwänzigen  Kielschwanz- 
Wasserspitzmaus  (C.  Daubentonii,  psiluruH)  sehr  nahe  verwandt  ist. 

Nathusius,  welcher  Wagler's  Original-Exemplare  zu  unter- 
suchen Gelegenheit  hatte,  zog  diese  Form  mit  der  gemeinen  Kiel- 
schwanz-Wasserspitzmaus (C.  Daubentonii,  fodiens)  zusammen, 
worin  ihm  alle  übrigen  Naturforscher  beistimmten. 

Berücksichtiget  man  aber  den  beträchtlich  kürzeren  Schwanz, 
den  diese  Form  mit  dem  von  Wagler  aufgestellten  „Crossopns 
psiltirus"  gemein  hat,  so  ist  man  wohl  genöthiget,  sie  als  eine  be- 
sondere Abänderung  anerkennen  zu  müssen ,  die  sich  von  dem 
Wagler'schen  „Ci^ossopus  psihirus"  durch  abweichende  Schwanz- 
form und  Färbung  unterscheidet. 

2.  Die  Ruderschwanz- Wasserspitzmaas  (Crossopiis  remifer). 

C-  notaeo  obsciire  fusco-nigro,  sensim  in  fusco-griseum  ga- 
straei  transeiinte,  gula  pallide  cinerea,  macula  poiie  aures  parva, 
intercluni  obsoleta  ruf esccnte  -  alba ;  pedibus  albidis ,  fuscescente 
ciliatis;  rostro  crassiusculo,  dentibus  fere  ad  apiceni  usqne  albis ; 
cauda  supra  obscure  nigrescente-fusca,  infra  fusco-cinerea,  ad 
basin  tetragona,  dein  compressa,  fere  2/3  corporis  longitudine. 
Unicolor  shretv.  Pennant.  Hist.  of  Quadrup.  V.  11.  p.  424. 
Sorex  unicolor.  Shaw.  Gen.  Zool.  V.  I.  P.  II.  p.  538. 

„      remifer.  Geoffr.  Ann.  du  Mus.  V.  XVII.  p.  182  Nr.  7.  t.  2. 
fig.  i. 
Des  mar.  Nouv.  Dict.  d'hist.  nat.  V.  XXII.  p.  65. 

Nr.  7. 
Desmar.  Mammal.  p.  152.  Nr.  238. 
Fr.  Cuv.   Dict.    des   Sc.    nat.  V.   XXXIII.  p.  426. 

Nr.  7. 
Isid.  Geoffr.  Dict.  class.  V.  XI.  p.  321. 
„     Daubentonii.  Cuv.  Begne  anim.  Edit.  II.  V.  I. 
„      remifer.  Griffith.  Anim.  Kingd.  V.  V.  p.  296.  Nr.  6. 
,,     constrictus.  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  2o3,  580.  Nr.  4. 
„      remifer.  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  256,  580.  Nr.  12. 

Yarrell.  Proceed.   of  the  Zool.  Soc.  1832.  p.  109. 
Yarrell.  Loud.  Mag.  of  Nat.  Hist.  V.  V.  p.  598. 


Kritische  Untersuchungen  über  die  Spitzmäuse  (Soriees)  etc.  617 

Sorex  remifer.  Bell.  Hist.  of  Brit.  Quadrup.  p.  119. 

„     fodiens.  Nathus.  Wiegm.  Arch.  B.  IV.  Th.  I.  S.  45. 

F«r.  Nathus.  Wiegm.  Arch.  B.  IV.  Th.  I.  S.  45. 
„     ciliutus.  Selys  Longe h.  Micromammal.  p.  28. 
„     remifer.  Jenyns,  Mau.  of  Brit.  Vert.  p.  18. 
„     cilialns.  Bonaparte.  Iconograf.  della  Fauna  ital. 

Wagn.    Schreber    Säugth.    Suppl.    B.   II.    S.    54. 
Nr.  1.  a. 
Crossojms  ciliatiis.  Wagn.    Schreber  Säugtli.  Suppl.  B.  II.  S.  S4. 

Nr.  1.  a. 
Sorex  fodiens.  Var.  Wagn.  Schreber  Säugth.   Suppl.  B.  II.  S.  54. 

Nr.  1.  a. 
Crossopus  fodiens.    Var.  Wagn.   Schreber    Säugth.    Suppl.   B.  II. 

S.  54.  Nr.  1.  a. 
„  ciliutus.  Gray.  Mammal.  of  tlie  Brit.  Mus.  p.  80. 

Sorex  fodiens.  Beichenb.  Naturg.  Baubth.  S.  347. 
Crossopus  fodiens.  Beichenb.  Naturg.  Baubth.  S.  347. 
Sorex  remifer.  Beichenb.  Naturg.  Baubth.  S.  348.  fig.  486. 
Crossopus  remifer.  Beichenb.  Naturg.  Baubth.  S.  348.  fig.  486. 
Sorex  fodiens  Var.  ß.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  541. 

Nr.  1.  ß. 
Crossopus  fodiens.  Var.  ß.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V. 

S.  541.  Nr.  1.  ß. 
Sorex  fodiens.  Var.  Giebel.  Säugeth.  S.  899.  Note  1. 
Crossopus  fodiens.  Var.  Giebel.  Säugeth.  S.  899.  Note  1. 

Eine  wohlbegründete  Art,  welche  sich  von  der  Kielschwanz- 
Wasserspitzniaus  {C.  Daiibentonii)  sowohl,  als  allen  ihr  angehöri- 
gen  Varietäten,  hauptsächlich  durch  die  allmählige  Verschmelzung  der 
Bücken-  und  der  Bauchfarbe  sehr  deutlich  unterscheidet. 

In  Ansehung  der  Größe  kommt  sie  mehr  mit  der  gemeinen  Kiel- 
schwanz-Wasserspitzmaus (C.  Daubentonii,  fodiens)  überein.  Ihr 
Körperbau  ist  untersetzt,  der  Bussel  nicht  sehr  lang  und  verhältniß- 
mäßig  etwas  dick.  Der  Schwanz,  dessen  Länge  nahezu  3/3  der  Kör- 
perlänge einnimmt,  ist  in  der  Wurzelhälfte  sehr  deutlich  vierkantig, 
in  der  Endhälfte  zusammengedrückt. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  dunkel  braunschwarz,  die  Unter- 
seite desselben  braungrau,  welche  beiden  Farben  allmählig  in  einander 
übergehen.   Die  Kehle  ist  hellgrau.    Der  Schwanz  ist  oben  dunkel 

40» 


()1(S  Filzinfrer. 

schwärzlichbraun,  unten  grauliehbraun.  Hinter  den  Ohren  befindet 
sich  ein  kleiner  röthlichweißer ,  bisweilen  verwischter  Flecken.  Die 
Füße  sind  weißlich,  die  Handwurzel  und  ein  Theil  der  Fußwurzel 
ri)thlich.  Die  Wimperhaare  der  Füße  sind  bräunlich.  Die  Zähne 
sind  beinahe  durchaus  bis  an  die  äußersten  Spitzen  weiß. 

Körperlänge 4"         Nach  Geoffroy. 

Länge  des  Schwanzes 2"  7'". 

Vaterland.  Das  nördliche  Frankreich,  Belgien  und  der  nord- 
westliche Theil  von  Deutschland.  Man  kennt  diese  Art  bis  jetzt  aus 
der  Gegend  von  Angers,  im  Departement  der  Maine  und  Loire  im 
nordwestlichen  Frankreich  und  aus  der  Nähe  von  Abbeville,  im  De- 
partement der  Somnie  im  nordöstlichen  Frankreich,  ferner  aus  Lüttieh 
in  Belgien  und  Frankfurt  am  Main  in  Deutschland. 

Etienne  Geoffroy  hat  dieselbe  zuerst  beschrieben  und  eine 
Abbildung  von  ihr  geliefert. 

Schon  Cuvier  vereinigte  diese  Form  mit  der  von  Daubenton 
aufgestellten  Kielschwariz-Wasserspitzmaus  (^C.  Daubentoniiy,  wäh- 
rend Yarrell  und  mit  ihm  die  übrigen  englischen  Naturforscher, 
so  wie  auch  Selys  Longchamps  und  Prinz  Bonaparte  die 
Artberechtigung  dieser  Form  aufrecht  zu  erhalten  suchen,  obgleich 
sie  dieselbe  mit  einer  anderen  und  zwar  mit  der  von  Sowerby  unter 
demNamen  „Surex  ci/ia(us"  aufgestellten  Form  für  identisch  halten. 
Auch  Wagner,  Beichenbach  und  Giebel  schlössen  sich  dieser 
letzteren  Ansicht  an,  doch  betrachten  sie  dieselbe  nicht  für  eine 
selbstständige  Art,  sondern  nach  dem  Vorgange  von  Nathusius 
nur  für  eine  Abänderung  der  gemeinen  Kielschwanz-Wasserspitz- 
maus ('C.  DaMiewfowjV,  fodiensj ,  und  Wagner  spricht  sogar  die 
Behauptung  aus,  daß  viele  Übergänge  zwischen  den  beiden  letztge- 
nannten Formen  stattfinden. 

Nathusius  ist  der  Ansicht,  daß  die  beiden  Exemplare,  auf 
welche  Geoffroy  seinen  ^Sore:v  remlfcr"  gründete,  nur  alte  Thiere 
der  gemeinen  Kielschw'inz- Wasserspitzmaus  (C.  Daubentonii,  fo- 
diensj seien;  dagegen  betrachtet  er  den  von  Shaw  beschriebenen 
„Sorex  iinicolor"  für  ein  junges  Thier,  doch  für  eine  Varietät  der- 
selben Art. 

Meiner  .Ansicht  nach  ist  die  Verschmelzung  der  Bücken-  und 
der  Bauchfarbe  ein  hinreichender  Charakter,  um  den  Geoffroy'- 
schen  „Sore.v  remifer"  als  besondere  Art  zu  trennen.  Eben  so  wenig 


Kritische  Untersuchungen  über  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  619 

vermag  ich  mich  Denjenigen  anzuschliessen,  welche  diese  Art  mit 
dem  Sowerhy'schen  „Sorex  ciliutus''  vereinigen. 

2 «.     Die   schwarxgraae    Raderschwanz-WasserspiUniaus  (Crossopus 
renüfer,  cimslrictus). 

C  remifero  similis,  unicolor  nigro-cinereus;  cauda  ad  basin 
constricta. 

Sorex  constrictus.  Hermann.  Schreber  Säugth.  B.  III.  t.  59.  C. 
„  „  Zimmerm.    Geogr.    Gesch.    d.    Mensch,    u.    d. 

Thiere.  Bd.  II.  S.  383.  Nr.  313. 
„  „  Hermann.  Tab.  affin,  p.  79.  Nota. 

Boddaert.  Elench.  anim.  V.  I.  p.  123.  Nr.  4. 
Cuv.  Tabl.  elem.  d'hist.  nat.  p.  109.  Nr.  3. 
Verkehrtschtvänzige  Spitzmaus.  Bechst.  Naturg.  Deutsch).  Bd.  I. 

S.  884. 
Sorex  cunicularius?  Bechst.  Naturg.  Deutschi.  B.  1.  S.  884. 
-      constrictus.  Hermann.  Observ,  zool.  T.  I.  p.  47. 

Geoffroy.  Ann.  du  Mus.  V.  XVII.  p.  178.  Nr.  4. 
„  Desmar.  Nouv.  Dict.  dhist.  nat.  V.  XXII.  p.   63. 

Nr.  4. 
Desmar.  Mammal.  p.  ISl.  Nr.  235. 
Fr.  Cuv.   Dict.  des  Sc.  nat.  V.  XXXIU.  p.  426. 

Nr.  4. 
I  sid.  Geolfr.  Dict.  class.  V.  XI.  p.  320. 
„      Duubentonii.  Cuv.  Regne  anim.  Ed.  1.  II.  V.  I. 
„      constrictus.  Grifl'ith.  Anim.  Kingd.  V.  V.  p.  294.  Nr.  4. 
„  „  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  253,  580.  Nr.  4. 

„      t'odiens.  Natlius.  Wiegm.  Areh.  B.  IV.  Th.  I.  S.  45. 
Hydrosore.v  curinatus  Jun.  Duvernoy.  Mem.  de  la  Soc.  d'hist.  nat. 

d.  Strasbourg. V. II.  P.  I.  p.l7.  —V.U. 
Suppl.  III.  p.  4. 
Sorex  Hermanni.  Duvernoy.  Mem.  de  la  Soc.  d'hist.  nat.  d,  Stras- 
bourg. V.  II.  P.  I.  p.  23.  t.  1.  fig.  23.  —  V.  II. 
Suppl.  III.  p.  4. 
„       fodiens.  Selys  Longch.  Micromammal.  p.  24. 

Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  H.  S.  52.  Nr.1. 
—  S.  53.  Note  9. 


620  Fitzing'er. 

Crossopus  fodiens.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  11.  S.  52. 
Nr.  1.  —  S.  53  Note  9. 
„  Gray.  Mammal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  79. 

Sores  fodiens.  Reich enb.  Naturg.  Raubth.  S.  347. 
Crossopus  fodiens.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  347. 
Sor ex  fodiens.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  541.  Nr.  1. 
Crossopus  fodiens.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  541. 

Nr.  1. 
Sorex  fodiens.  Giebel.  Säugeth.  S.  899. 
Crossopus  fodiens.  Giebel.  Säugeth.  S.  899. 

Diese  zuerst  von  Hermann  aufgestellte  und  für  eine  selbst- 
ständige Art  betrachtete  Form,  welche  seiner  Angabe  zu  Folge  min- 
destens von  der  Grösse  eines  erwachsenen  Individuums  des  gemeinen 
Maulwurfes  (Talpa  europaea)  ist,  gehört  sonach  zu  den  größten 
unter  den  europäischen  Arten  der  Spitzmäuse  überhaupt  und  unter 
der  Gattung  Wasserspitzmaus  (Crossopus)  insbesondere. 

Die  Charakteristik,  welche  Hermann  von  derselben  gibt,  ist 
überaus  kurz,  und  beschränkt  sich  nur  auf  folgende  wenige  Worte. 

Der  Schwanz  ist  an  der  Wurzel  eingeschnürt. 

Die  Ober-  sowohl,  als  auch  die  Unterseite  des  Körpers  ist  ein- 
farbig schwarzgrau. 

Körpermaße  sind  nicht  angegeben. 

Vaterland.  Elsaß. 

Die  Ansichten  der  Naturforscher  über  die  Abgrenzung  und  Stel- 
lung dieser  Form  sind  ziemlich  verschieden.  Bechstein  war  im 
Zweifel,  ob  sie  nicht  mit  seinem  „Sore.v  cunicularius"  zusammen- 
fallen könne,  der  allerdings  einer  ganz  anderen  Gattung  angehört, 
und  Cuvier  zog  dieselbe  unbedingt  mit  der  Kielschwanz-W\isser- 
spitzmaus  (C.  Daubentonii)  zusammen.  Auch  Nathusius  und  alle 
späteren  Naturforscher  sprachen  sich  dahin  aus,  dass  dieselbe  von  der 
gemeinen  Kielschwanz  -Wasserspitzmaus  (C.  Daubentonii,  fodiens) 
der  Art  nach  nicht  zu  trennen  sei,  und  Duvernoy  erklärte  sie 
geradezu  für  das  junge  Thier  von  Hermann 's  „Sore.v  carinntns". 
der  offenbar  aber  eine  besondere  Abänderung  der  Kielschwanz- 
Wasserspitzmaus  (C.  Daubentonii)  bildet. 

Über  die  von  Duvernoy  für  eine  selbstständige  Art  angesehene 
und  mit  dem  Namen  „Sorex  Hermanni"  bezeichnete  Form,  welche 
von  demselben  aber  irrigerweise  einer  durchaus  verschiedenen  Gat- 


Kritische  L'nlersiichungen  ilber  die  Spilzmiiiise  (Sorices)  etc.  621 

tiing  eingereiht  wurde,  hat  Selys  Longe hamps,  welcher  Duver- 
noy's  Origiaal-Exemphire  zu  untersuchen  Gelegenheit  hatte,  genü- 
gende Aufschlüsse  ertheilt,  indem  er  dargethan,  dass  dieser  „Sorex' 
Hermanni"  nicht  zur  Gattung  Spitzmaus  (Sorex),  sondern  zur 
Gattung  Wasserspitzmaus  (CrossopusJ  ^thövt  und  Duvernoy  zu 
jenem  Irrthume  nur  deßhalb  verleitet  wurde,  weil  er  zur  Zeit,  als  er 
diese  Art  aufstellte,  noch  der  Ansicht  war,  dass  sie  in  Ansehung  des 
Zahnhaues  mit  der  Gattung  Spitzmaus  (Sorex)  übereinkomme.  Die 
braune  Färbung,  Melche  mit  dazu  beigetragen  Duvernoy  in  seiner 
Ansicht  zu  bestärken,  erklärt  Selys  Longchamps  wohl  mit  Recht 
durch  die  Veränderung,  welche  eine  lange  Aufbewahrung  jener  drei 
von  ihm  untersuchten  Du vernoy'schen  Original-Exemplare  im 
Alcohole  bewirkt  hat. 

Mit  der  von  den  neueren  Naturforschern  ausgesprochenen  An- 
sicht, Hermann's  „Sorex  carinatus'*  mit  der  gemeinen  Kielschwanz- 
Wasserspitzmaus  (C.  Dcnibe7itonu,  fodiens)  zu  vereinigen,  vermag 
ich  nicht  mich  für  einverstanden  zu  erklären;  denn  schon  die  ver- 
schiedene, nicht  scharf  abgegrenzte  Färbung  der  Hermann'schen 
Form  deutet  darauf  hin,  dass  sie  nicht  mit  „Crossopus  Daubentonü, 
fodiens^  verschmolzen  werden  könne,  und  weit  mehr  Verwandtschaft 
mit  der  Ruderschwanz-Wasserspitzmaus  (C.  remifer)  darbiete,  da- 
her ich  s:e  auch  zu  dieser  Art  ziehe  und  nur  für  eine  Abänderung 
derselben  betrachten  kann. 

3.  Die  dünnschnanzige  Wasserspitzmaas  (Crossopus  ciliahis). 

C.  remifero  similis,  ast  minor,  corpore  graciliore,  rostro  lon- 
giore,  tenuiore ;  notaeo  lateribusque  nigris^  pilis  sparst m  inter- 
mixtis  albis ;  gastraeo  ci?ierascente-nig7'o,pectoreve?itreque/lavi(fo- 
lavatis,  gula  flavida;  macula  saepius  pone  aures  parva  alba; 
pedibns  obsciire  cinerascente-nigris ;  cauda  supra  nigresceiifc,  i?if'ra 
albesceiüe,  fere  -/^  corporis  longitudine. 

Sorex  ciliatus.  Sowerby.  Brit.  Mise.  (1806.)  t.  49. 

„       remifer.  Varel I.  Proceed.  of  the  Zool.  Soc.  1832.  p.  109. 
„       Varel  I.  Loud.  Mag.  of  Nat.  Hist.  V.  V.  p.  598. 
Bell.  Hist.  of  Brit.  Quadrup.  p.  119.  c.  fig. 
Amphisorex  ciliatus.  Gray.  Proceed.  of  the  Zool,  Soc.  V.  V.  (1837.J 
p.  125. 


622  Fitzinger. 

Sore.v  ciUatus  Jenyns.  Ann.  of  Nat.  Hist.  V.  I.  p.  426.  —  V.  VII. 
p.  263. 
„  „        Selys  Longe h.  Micromammal.  p.  28. 

„       remifer.  Jenyns.  Man.  of  Brit.  Yert.  p.  18. 
p      ciliattis.    Bon  aparte.   Jconograf.    della    Fauna   ital.    t.    18. 
%.  7,  8. 
Wagn.    Schi-eber   Säugth.    Suppl.    B.   II.    S.   54. 
Nr.  l.a. 
Crossopus  ciUatus.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  54. 

Nr.  1.  a. 
Sorex  fodiens   Var.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  54. 

Nr.  l.a. 
Crossopus  fodiens    Var.    Wagn.    Schreber    Säugth.   Suppl.  B.  II. 

S.  54.  Nr.  l.a. 
„  ciUatus.  Gray.  Mammal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  80. 

Sorex  remifer.  Beichenb.  Naturg.  Baubth.  S.  348.  fig.  487,  488. 
Crossopus  remifer.  Reichenb. Naturg. Baubtb.  S.  348.  fig.  487, 488. 
Sorex  fodiens.  Var.  ß.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  541. 

Nr.  1.  ß. 
Crossopus  fodiens.    Var.  ß.  Wagn.  Sehreber  Säugth.  Suppl.  B.  V. 

S.  541.  Nr.  i.ß. 
Sorex  fodiens.  Var.  Giebel.  Säugeth.  S.  899.  Note  1. 
Crossopus  fodiens.  Var.  Giebel.  Säugeth.  S.  899.  Note  i. 

Diese  der  Buderschwanz- Wasserspitzmaus  (C.  remifer)  außer- 
ordentlich nahe  stehende  Form  unterscheidet  sich  von  derselben  beinahe 
lediglich  durch  die  geringere  Grösse,  den  zarteren  Körperbau,  den 
etwas  längeren  und  dünneren  Bussel  und  einige  Abweichungen  in  der 
Färbung. 

Der  Schwanz  nimmt  nahezu  2/3  der  Körperlänge  ein. 
Die  Oberseite  des  Körpers  und  die  Leibesseiten  sind  schwarz, 
mit  einzelnen  eingemengten  weißen  Ilaaren.  Die  Unterseite  ist  grau- 
licbschwarz,  die  Brust,  der  mittlere  Theil  des  Bauches  und  die  Kehle 
sind  gelblich  überflogen  und  insbesondere  ist  es  die  Kehle,  wodieseFär- 
bung  deutlicher  hervortritt.  Der  Schwanz  ist  oben  dunkel  schwärzlich, 
unten  weißlich.  Hinter  den  Ohren  befindet  sich  in  der  Regel  ein 
kleiner  weißer  Flecken,  der  jedoch  zuweilen  auch  fehlt.  Die  Füße 
sind  dunkel  graulicbscbwarz. 


Ki'itische  Untersuchungen  über  die  Spit«ni:iuse  (Sorices)  etc.  D'wO 

Körperlänge 3"  2'".   Nach  Jenyns. 

Länge  des  Schwanzes 2"   1". 

Vaterland.  England  und  insbesondere  die  Grafschaft  Cam- 
bridge. Zuerst  von  Sowerby  beschrieben  und  abgebildet, 

Yarrell,  Bell,  Jennyns  und  Gray,  sowie  aucli  Prinz 
B  0  n  a  p  a  r  t  e  ,  S  e  1  y  s  L  0  n  g  c li  a  m  p  s ,  W  a  g  n  e  r  und  R  e  i  c  li  e  n  b  a  c  h 
ziehen  sie  mit  der  Ruderschwanz -Wasserspitzmaus  (C.  remif'er) 
zusammen  und  Wagner  und  Giebel  wollen  daher  eine  Abänderung 
der  gemeinen  Kielschwanz  -Wasserspitzmaus  (C.  Danbentunii,  fo- 
diens)  in  ihr  erkennen. 

Die  viel  zarteren  Formen  aber,  der  längere  und  dünnnere  Rüssel, 
sowie  auch  die  verschiedene  Färbung,  scheinen  mir  genügende  Merk- 
male zu  sein,  sie  für  eine  selbstständige  Art  zu  betrachten. 

3  a.  Die  graakehlige  dünusthoauzige  Wasserspitzmaas  (Crossopus 
ciliatus,  griseogidarisj. 

C.    ciliato    similis,    notaeo   ohscure   iiigrescente    —    fusco. 
gastr<ieo  cinerascente  —  nigro,  gida  cinerea;  macula  pone  nures 
parva  alba;  pedibus  nigris ;  caiula  siipra  inf'raqne  nigra,  fere  2^3 
corporis  longihidine ;  dentibiis  oninibus  spiee  rufo-fuscis. 
Sor ex  remif'er.  Vor.  Isid.  Geoffr.  Dict.  class.  V.  XI.  p.  322. 

„     ß.  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  256.  Nr.  12.  ß. 
Die  von  Isidor  Geoffroy  gegebene  kurze  Beschreibung  dieser 
Form  ist  die  einzige  Original-Beschreibung,  welche  wir  von  derselben 
bis  jetzt  besitzen. 

Seiner  Angabe  zu  Folge  ist  diese  Form,  welche  er  nur  für  eine 
Abänderung  der  Ruderschwanz-Wasserspitzmaus  (C.  remif'er)  be- 
trachtet, etwas  kleiner  als  dieselbe,  ihr  Rüssel  ist  verhältnißmäßig 
etwas  länger  und  das  Körperhaar  kürzer. 

Der  Schwanz,  welcher  nahe  an  2  3  der  Körperlänge  einnimmt, 
ist  geschuppt  und  weniger  dicht  als  bei  der  genannten  Art  behaart. 
Die  Lückenzähne  sind  einander  mehr  genähert  und  stehen  auch  mehr 
aufrecht.  Sämmtliche  Zähne  sind  an  der  Spitze  rothbraun. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  dunkel  schwärzlichbraun,  die 
Unterseite  graulichschwarz.  Die  Kehle  ist  rein  grau.  Hinter  den  Ohren 
befindet  sich  ein  kleiner,  rein  weißer  Flecken.  Der  Schwanz  ist  bei- 
nahe ganz,  sowie  die  Fußhaare,  schwarz. 

Einzelne  Körpermaße  sind  nicht  angegeben. 


624  Fltzin^er. 

Vaterland.  Das  nordwestliche  Frankreich,  wo  diese  Form  in 
der  Umgegend  von  Chartres  im  Departement  der  Eure  und  Loire 
vorkommt. 

Ich  glaube  mich  nicht  zu  täuschen,  wenn  ich  diese  Form  eher 
für  eine  Farbenabänderung  der  dünnschnauzigen  (C.  cUiahis),  als 
der  Ruderschwanz-VVasserspitzmaus  (C  remifer)  betrachte.  Die 
geringere  Körpergröße,  der  verhältnißmäßig  längere  Rüssel  und  zum 
Theile  auch  die  Färbung  sprechen  deutlich  für  die  Richtigkeit  in 
Ansicht. 

3  h.  Die  weisskehlige  dünnschnauzige  Wasserspitznians  fCrossopus 
ciliutus,  collnris). 

C.  ciliüto  simiUs,  nofaeo  gastraeoque  iinicoloribus  nigris,  gula 
collari  albo. 

Sorex  collaris.  Geoff.  Mem.  du  Mus.  V^  I.  p.  309.  Nr.  4. 

Desmar.   Nouv.  Dict.  d'hist.  nat.  T.  XXII.  p.  65. 

Nr.  8. 
Desmar.  Mammal.  p.  152.  Nr.  239. 
Isid.  Geoffr.  Dict.  class.  V.  XI.  p.  323. 
Griffith.  Anim.  Kingd.  V.  V.  p.  301.  Nr.  11. 
Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  257.  Nr.  14. 
Sorex  ciliatus.   Selys  Longe h.  Micromammal.  p.  28. 

Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  54.  Nr.  1. 
a.  Note  12. 
Crossoptis  ciliatus.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  IL  S.  54. 
Nr.  1.  a.  Note  12. 
„  „  Gray.  Mammal.  of  Ihe  Brit.  Mus.  p.  80. 

Sorex  remifer.  Reich enb.  Naturg.  Raubth.  S.  348. 
Crossopus  remifer.  Reich  enb.  Naturg.  Raubth.  S.  348. 
Sorex  fodiens  Var.  ß.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  541 . 

Nr.  1.  ß. 
Crossopus  fodiens.   Var.  ß.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.   V. 

S.  541.  Nr.  1.  ß. 
Sorex  fodiens.  Var.  Giebel.  Säugeth.  S.  899.  Note  1. 
Crossopus  fodiens.  Var,  Giebel.  Säugeth.  S.  899.  Note  1. 

Alles  was  uns  bis  jetzt  über  diese  Form  bekannt  geworden  ist, 
beschränkt    sich    auf   eine    überaus    kurze    Charakteristik,   welche 


Kritische  Untersuchungen  iiher  die  Spitzmüuse  (^SoricesJ  etc.  623 

Etienne  Geffoy  uns  mitgetheilt  hat  und  eine  nachträglich  beige- 
fügte Bemerkung  von  Selys  Longchamps. 

Nach  Geffroy  ist  die  Färbung  auf  der  Ober-  sowohl  als  Unter- 
seite des  Körpers  einfarbig  schwarz  und  nur  die  Kehle  ist  von  einem 
weißen  Halsbande  umgeben. 

Selys  Longchamps  ergänzt  diese  Angabe,  indem  er  bemerkt, 
daß  es  nur  ein  halbes  weißes  Halsband  sei,  Melches  die  Kehle  um- 
gibt, oder  richtiger  gesagt  eine  weiße  Kehle,  ähnlich  jener  der  dünn- 
schnauzigen  Wasserspitzmaus  (^C  ciliatusj ,  wodurch  sich  diese 
Form  auszeichnet. 

Körpermaße  sind  nicht  angegeben,  doch  scheint  aus  den  Beol)- 
achtungen  von  Selys  Longchamps  hervorzugehen,  daß  die  kör- 
perlichen Verhältnisse  mit  jenen  der  genannten  Art  völlig  überein- 
stimmen. 

Man  ist  daher  wohl  berechtTgt,  diese  Form  nur  für  eine  Abän- 
derung der  dünnschnauzigen  Wasserspitzmaus  (C.  ciliatusj  zu  be- 
trachten. 

Vaterland.  Holland,  wo  diese  Form  häufig  auf  den  Inseln 
zwischen  den  Mündungen  der  Scheide  und  der  Maas  angetroffen  wird. 
Sie  wurde  von  Manesse  daselbst  entdeckt  und  von  Etienne  Geof- 
f  r  0  y  zuerst  beschrieben. 

3  c.  Die  weissstrelfige  dünuschnauzige  Wasserspitzmaus  (Crossopus 
ciliutus,  lineatusj. 

C.  ciliuto  similis,  notaeo  nigro-fusco,  gastraeo  paullo  dihdi- 
ore,  gula  cinerea;  macula  pone  aures  parva  alba,  striaque  angusta 
alba  a  fronte  ad  nares  usque  protensa;  dentibus  primoribus  apice 
fuscis;  cauda  indistincte  tetragona;  infra  vulde  carinata,  dimidio 
corpore  purum  longiore. 

Soreoe  lineatus.  Geoffr.  Ann.  du  Mus.  V.  XVH.  p.  181.  Nr.  6. 
„  „        Fr.  Cuv.  Dict.  des  Sc.  nat.  V.  XXXHI.  p.  426.  Nr.  6. 

Desmar.  Nouv.  Dict.  d'hist.  nat.  V.  XXH.  p.  64.  Nr.  6. 
Desmar.  Mammal.  p.  131.  Nr.  237. 
Isid.  Geoffr.  Dict.  class.  V.  XL  p.  321. 
Griffith.  Anim.  Kingd.  V.  V.  p.  295.  Nr.  5. 
„       tetragonurus.  Var.?  Cuv.  Regne  anim.  Edit.  H. 
„      lineatus.  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  255,  580,  Nr.  11. 
„      tetragonurus.  Var?  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  580,  Nr.  I  \. 


F  i  t  z  i  II  g  e  r. 

Sorex  ciliatus.  Selys  Longch.  Micromammal  p.  28. 

„  „        Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.54  Nr.  l.a. 

Note  12. 
Crossopiis  ciliatus.  Wagn.  Sehreber  Säugth.  Suppl.  B.  11.  S.  S4. 

Nr.  1.  a.  Note  12. 
Sorex  remifer.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  348. 
Crossopiis  remifer.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.   S.  348. 
Sorex  fodiens.    Var.    ß.   Wagn.    Sehreber  Säugth.   Suppl.    B.  V. 

S.  541.  Nr.   1.  ß. 
Crossopiis  fodiens.   Var.  ß.  Wagn.  Sehreber  Säugth.  Suppl.  ß.  V. 

S.  541.  Nr.  1   ß. 
Sorex  fodiens.  Var.  Giebel.  Säugeth.  S.  899.  Note.  1. 
Crossopus  fodiens.  Var.  Giebel.  Säugeth.  S.  899.  Note  1. 

Unsere  Kenntniß  von  dieser  Form  beschränkt  sieh  bis  jetzt  ein- 
zig und  allein  nur  auf  eine  kurze'  Beschreibung,  welche  Etienne 
Geoftroy  von  derselben  gegeben. 

Aus  derselben  geht  jedoch  unläugbar  hervor,  daß  sie  mit  der 
diinnscJinauzigen  Wasserspitzmaus  {C.  ciliatus)  sehr  nahe  verwandt 
sei  und  sicii  von  derselben  außer  der  etwas  geringeren  Größe,  bei- 
nahe nur  durch  den  kürzeren  Schwanz  und  die  Verschiedenheit  in 
der  Farbe  und  Zeichnung  unterscheide. 

Sie  ist  von  demselben  zarten  Körperbaue  und  ihr  Rüßel  ist  eben 
so  lang  und  dünn.  Der  Schwanz,  welcher  etwas  länger  als  der  halbe 
Körper  ist,  ist  undeutlich  vierkantig  und  auf  der  Unterseite  stark  gekielt. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  schwarzbraun,  die  Unterseite  des- 
selben etwas  heller,  die  Kehle  grau.  Hinter  den  Ohren  befindet  sich 
ein  kleiner  weißer  Flecken  und  ein  schmaler  weißer  Streifen  zieht 
sich  von  der  Stirne  zu  den  Nasenlöchern  hin.  Die  Vorderzähne  endi- 
gen in  braune  Spitzen. 

Körperlänge    .    .        .2"  91/3'".  Nach  Etienne  Geoffroy. 

Länge  des  Schwanzes     1"  5</o"'. 

Körperlänge    ....    2".  Nach  Fischer. 

Länge  des  Schwanzes    1"  6'". 

Vaterland.  Das  nördliche  Frankreich  und  insbesondere  die 
Umgegend  von  Paris,  wo  diese  Form  jedoch  seilen  ist,  und  bis  jetzt 
allein  nur  gefunden  wurde. 

Die  von  Fischer  angegebenen  Körpermaße,  nach  welchen  der 
Schwanz  s/4  der  Körperlänge  einnehmen  würde,  scheinen  auf  einem 


Kritische  Untersiipliungen  (il)Pr  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  62T 

Irrthume  zu  beruhen,  da   außer   der  von  Geoffroy  mitgetlieilten, 
keine  andere  Original-Beschreibung  vorliegt. 

Cuvier  glaubte  in  ihr  eine  Abänderung  der  gemeinen  Spitz 
maus  (Sorex  vulgaris)  erkennen  zu  sollen  und  ebenso  auch  Fischer. 
Selys  Longschamps  und  W a g n e r  vereinigten  sie  mit  der  dünn- 
schnauzigen  Wasserspitzmaus  (^Crossopus  ciliatiis).  Reichenbach 
mit  der  Rnderschwanz- Wasserspitzmaus  (Crossopus  remifer),  die  er 
aber  von  dieser  nicht  für  verschieden  ansieht,  daher  sie  nach  der 
Auffassung  von  Wagner  und  Giebel  nur  eine  Abänderung  der  ge- 
meinen Kielsclnvanz-Wasserspitzmaus  (C.  Daubentonii,  fodiens) 
darstellen  würde.  Mir  dagegen  scheint  sie  von  „Crossopus  remifer'' 
verschieden  zu  sein,  und  zu  „Crossopus  ciliatus''  als  besondere  Form 
zu  gehören. 

4.  Die  Hiiiialaya-Wasserspitzmaas  (Crossopus  himalayicus) . 

C.  notaeo  scliistaceo-nigro,  prymna  lateribusque  albido-la- 
vatis,  gastraeo  ferrngineo;  dentibus  omnino  albis;  pedibus  jjarce 
pilosis ;  cauda  supra  obsctire  fusca,  infra  idbida,  dimidio  corpore 
jyaruni  longiore. 

Crossopus  Himalaynicus.  Gray.  Ann.  and  Mag.  of  Nat.  Hist.  V.  X. 

p.  261. 
„  „  Gray.  Mammal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  80. 

Sorex  himalaicus.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  348. 
Crossopus  himalaicus.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  348. 
Sorex  Himalayicus.   B]}th.  Journ.    of  the  Asiat     Soc.   of  Bengal. 

1855.  Fase.  1. 
Crossopus  Himalayicus.  Blyth.  Journ.  of  the  Asiat.  Soc.  of  Bengal. 

1855.  Fase.   1. 
Sorex  himalayicus.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  563. 

Nr.  43.  —  S.  807. 
Crocidura  himalayica.    Wagn.    Schreber    Säugth.    Suppl.     B.    V. 

S.  563.  Nr.  43. 
Sorex  himalayicus.  Giebel.  Säugeth.  S.  905.  Note  1.  Nr.  2. 
Crossopus  himalayicus.  Giebel.  Säugeth.  S.  905.  Note  1.  Nr.  2. 

Alles  was  uns  bis  jetzt  über  diese  Art  bekannt  geworden  ist, 
beschränkt  sich  auf  eine  kurze  und  keinesweges  genügende  Mitthei- 
lung von  Gray.  Die  Merkmale,  welche  er  von  derselben  angibt,  sind 
folgende. 


0  40  F  i  t  z  i  n  g^  e  r. 

Der  Schwanz,  dessen  Länge  etwas  mehr  als  die  halbe  Körper- 
länge beträgt,  ist  geschuppt,  und  auf  der  Oberseite  mit  nicht  sehr 
dicht  stehenden  kurzen  Haaren  besetzt,  auf  der  Unterseite  aber  mit 
langen  steifen  Haaren.  Die  Füße  sind  nur  spärlich  behaart  und 
ziemlich  kahl.  Die  Körperbehaarung  ist  kurz,  am  Kreuze  aber  und  an 
den  Leibesseiten  länger.  Die  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Färbung  des  Körpers  ist  schieferschwarz,  auf  dem  Kreuze 
und  an  den  Leibesseiten  weißlich  überflogen,  da  die  längeren  Haare 
daselbst  in  weiße  Spitzen  endigen.  Der  untere  Theil  des  Vorderhal- 
ses und  die  Mitte  des  Bauches  sind  rostbraun.  Der  Schwanz  ist  auf 
der  Oberseite  mit  dunkelbraunen,  auf  der  Unterseite  mit  weißlichen 
Haaren  besetzt. 

Körperlänge S"  6'". 

Länge  des  Schwanzes 3". 

Vaterland.  Ost-Indien,  Himalaya-Gebirge.  Von  Drummond 
daselbst  entdeckt  und  nach  einem  von  demselben  in  das  britische 
Museum  überbrachten  Exemplare  von  Gray  zuerst  beschrieben. 

Wagner  reiht  diese  Art  der  Gattung  Wimperschwanzspitz- 
maus (Crocidiira)  ein,  wozu  er  sich  durch  die  Angabe  Gray 's,  daß 
dieselbe  weiße  Zähne  und  ziemlich  kahle  Füße  habe,  für  berechti- 
get hält.  Dieser  Ansicht  vermag  ich  jedoch  nicht  beizutreten,  da 
Gray  ein  zu  genauer  Kenner  ist,  um  diese  Form  nicht  jener  Gattung 
eingereiht  zu  haben,  zu  welcher  sie  gehört.  Wahrscheinlich  hat  es 
ihm  aber,  eben  weil  er  sie  zur  Gattung  Wasserspitzmaus  (CrossopmJ 
stellt,  für  überflüssig  erschienen,  der  Wimperhaare  an  den  Sohlen 
und  Zehen  zu  gedenken,  und  was  die  weiße  Färbung  der  Zähne  be- 
trifft, so  ist  es  sehr  leicht  möglich,  daß  das  Exemplar,  welches  er  be- 
schrieben, ein  altes  Thier  war,  bei  dem  die  ursprünglich  dunkle  Fär- 
bung der  Zahnspitzen  und  Schneiden,  in  Folge  der  Abnützung  ver- 
loren gegangen  ist. 

5.  Die  japanesische  Wasserspitzmaus  (Crossopus  platycephalus). 

C.  notaeo  saturate  fusco,  ex  coerulescente-ciuereo  variegato, 
in  prymna  et  supra   caudae  basin  pilis   argentatis   intermixtis, 
gafitrneo  obscure  cinereo;  cauda  dimidii  corporis  longitudine;  ro- 
stro  lato,  depresso. 
Sorex  .    .    .  ?  Temm.  Van  d.  Hoeven  Tijdsch.  V.  V.  (1839.)  p.  286. 


Kritische  Untersuchungen  über  die  Spitzmäuse  (Sorices)  elc.  629 

Sorex    .    .    .  ?  Wagn.    Schreber    Säugth.    Suppl.    B.    IL    S.   74. 

Note  11. 

platycephalns.    Temm.    Fauna   japon.    V.    I.    p.  23.   t.  5. 

fig.  1.    (Thier)  t.  4.    fig.  aa.  (Schädel.) 

Crof^sopiis  platycephalus.   Temm.  Fauna  japon.  V.  I.  p.  23.  t.  ö. 

fig.l.  (Thier.)  t.  4.  fig.  aa.  (Schädel.) 
Sorex  platycephalus.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  348,  384. 

fig.  718. 
Crossopus  platycephalus.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  348,  384, 

fig.  718. 
Sorex  platycephalus.  Wagn.  Schreber  Säugth,  Suppl.  B.  V.  S.  543. 

Nr.  3. 
Crossopus  platycephalus.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.   V. 

S.  543.  Nr.  3. 
Sorex  platycephalus.  Giebel.  Säugeth.  S.  905.  Note  1. 

Die  größte  bis  jetzt  bekannte  Art  dieser  Gattung,  indem  sie  die 
Größe  der  japanesischen  Dickschwanzspitzmaus  (^Pachyura  Tem- 
mincku)  erreicht  und  daher  etwas  mehr  als  um  '/g  größer  als  die 
gemeine  Wasserspitzmaus  (C.  fodieus)  ist. 

Der  Kopf  ist  langgestreckt  und  abgeflacht,  die  Schnauze  lang, 
breit  und  flachgedrückt,  und  mit  der  Scheitelfläche  in  gleicher  Ebene 
verlaufend.  Die  Ohren  sowohl  als  auch  die  Augen  sind  vollständig  un- 
ter dem  Pelze  versteckt.  Der  Schwanz,  welcher  die  halbe  Körperlänge 
einnimmt,  ist  zimlich  dicht  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  besetzt. 
Die  Behaarung  des  Körpers  ist  kurz  und  sehr  dicht.  Die  Schnurren 
sind  lang. 

Die  Färbung  der  Oberseite  des  Körpers  erscheint  aus  Dun- 
kelbraun und  Blaulich-aschgrau  gemischt,  da  die  einzelnen  Haare 
ihrer  größten  Länge  nach  blaulich-aschgrau  sind  und  in  dunkelbraune 
Spitzen  endigen.  Einige  lange  silbergraue  Haare  befinden  sich  in  der 
Kreuzgegend  und  auf  der  behaarten  Schwanzwurzel.  Die  Unterseite 
des  Körpers  ist  dunkel  aschgrau. 

Körperlänge  ungefähr S". 

Länge  des  Schwanzes 2''  6  ". 

Vaterland.  Japan,  wo  diese  Art  in  niederen  feuchten  Gegen- 
den an  Bächen  in  der  Nähe  von  Nagasaki  und  häufiger  noch  im  Bungo- 
Lande  und  auf  der  Insel  Kiusin  angetrofTen  wird.  Die  Japanesen  be- 


6^0  Fi  t /.in  g:  er. 

zeichnen  sie  mit  dem  Namen  „Kawa-nesumi",  was  so  viel  als  Was- 
serratte heißt.  Sie  wurde  von  S  i  e  b  o  I  d  entdeckt  und  von  T  e  m  m  i  n  e  k 
zuerst  beschrieben  und  abgebildet. 

6.  Die  Sampf-WasserspitzniiiDs  (Crossopus  palustris.} 

C.  notaeo  niffro,  leviter  griseo-lavato,  gastrneo  chiereo  ;  cmida 
indistincte  tetragona  vel  tereti,  penicillata,  fere  3/4  corporis  longi- . 
tudine,  supra  nigra,  ivfra  cinerea. 
Sore.v  palustris.  Richards.  Zool.  Journ.  V.  III.  p.  517. 

Richards.  Rullet.  des  Sc.  natur.  V.  XVIII.  p.  1 02. 
Nr.  2. 
„  „  Richards.  Fauna,  bor.  amer.  V.  I.  p.  5. 

Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  580.  Nr.  10.  b. 
Ämphisorex  palustris.   Gray.   Proceed.   of  the   Zool.    Soc.    V.   V. 

(1837.)  p.  125. 
Sorex  palustris.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.55.  Nr.  2. 
Crossopus  palustris.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  55. 
Nr.  2. 
„         Gray.  Mammal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  80. 
Sorex  palustris.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  348. 
Crossopus  palustris.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  348. 
Sorex  palustris.  Audub.  Bachm.  Quadrup.  of  North-Amer.  V.  III. 
p.  108.  t.  125. 
Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  542.  Nr.  2. 
Crossopus  palustris.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  542. 

Nr.  2. 
Sorex  fodiens?  Giebel.  Säugeth.  S.  899.  Note  1. 
Crossopus  f'odiens  ?  Giebel.  Säugeth.  S.  899.  Note  1. 

Eine  der  dunkelbraunen  Wasserspitzmaus  (^C.  fimbripes)  nahe 
verwandte  Art,  welche  in  mancher  Beziehung  auch  an  die  europäische 
Kielschwanz- Wasserspitzmaus  (^C.  Daubentonii)  erinnert,  von  der 
ersteren  aber  durch  den  etwas  kürzeren  Schwanz  und  voiKl)eiden 
durch  die  Färbung  verschieden  ist. 

Die  Ohren  sind  kurz,  völlig  unter  dem  Pelze  versteckt,  und 
dicht  behaart,  vorzüglich  aber  am  oberen  Rande.  Der  Schwanz, 
dessen  Länge  nahezu  3/4  der  Körperlänge  einnimmt,  ist  schwach 
vierkantig  oder  gerundet  und  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  besetzt, 
die  sich   gegen  die  Spitze  zu  verlängern  und  einen  kleinen  pinsel- 


Kritische  Untersuchungen  über  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  63  1 

artigen  Endbüschel  bilden.  Die  Fasse  sind  mit  ziemlich  kurzen,  stei- 
fen anliegenden  Haaren  besetzt,  die  an  den  Seiten  der  Zehen  zwar 
parallel  gestellt,  doch  nicht  sehr  deutlich  angeordnet  sind.  Die  Kör- 
perbehaarung ist  dicht,  kurz,  weich  und  glänzend  wie  beim  gemeinen 
Maulwürfe  (Talpa  europaeaj.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  vier 
Lückenzähne  vorhanden  und  die  Gesammtzahl  der  Zähne  beträgt  30. 
Die  V^orderzähne  endigen  in  dunkelfarbige  Spitzen. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  schwarz,  mit  schwachem  grau- 
lichem Schimmer,  die  Unterseite  aschgrau  und  sämmtliche  Haare 
sind  an  der  Wurzel  blaulichgrau.  Die  Aussenseite  der  Schenkel  und 
die  Oberseite  des  Schwanzes  sind  wie  der  Rücken  schwarz,  die  Innen- 
seite der  Schenkel  und  die  Unterseite  des  Schwanzes,  wie  die  untere 
Kürperseite  aschgrau.  Die  Füsse  sind  heller  als  der  Rücken  gefärbt, 
die  Krallen  weißlich. 

Körperlänge 3' 6'".  Nach  Richardson. 

Länge  des  Schwanzes  .    .    .2"  7". 

,.     Kopfes     .    .    .    .1"  2'". 

„       der  Ohren     ....        3'". 

„       des  Hinterfusses     .    .       9'". 

Entfernung  der  Augen  von  der 
Rüsselspitze       1'". 

Durch  einen  Druckfehler  gibt  Wagner  im  Supplement-Bande  H. 
des  Schreber'schen  Säiigthier-Werkes  die  Ohrlänge  mit  7'"  an. 

Vaterland.  Nord-Amerika,  wo  diese  Art  von  der  Hudsons-Bai 
bis  zu  den  Rocky-Mountains  verbreitet  ist  und  auf  sumpfigen  Plätzen 
getroffen  wird.  Richardson  hat  sie  zuerst  beschrieben. 

Giebel  ist  geneigt,  dieselbe  mit  der  gemeinen  Kielschwanz- 
Wasserspitzmaus  {C.  Daubentotni,  fodieiis)  zu  identificiren. 

7.  Die  dankelbraane  Wasserspitzmans  (Crossopus  fimbripes). 

C.  iiotaeo  satiirate  f'usco,  gastraeo  ohscure  flavido-brunneo ; 
cauda  supra  f'usca,  infra  flaüido-brunnea,  apice  fere  nigra,  ultra 
Vä  corporis  longitiidine ;  pedibiis  sordide  flavescentibus ,  dilute 
brunneo-ciliatis. 

Sorex  fimbripes.  Bachm.  Journ.  of  theAcad.  of  Philadelphia.  V.  VII. 
p.  391.  t.  24.  fig.  8. 
Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  344. 
Crocidtira  fimbripes.  Reich enh.    Naturg.  Raubth.    S.  344. 

Sitab.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  LVU.  Bd.  II.  Abth.  41 


632  Kitzinger. 

Sorex  fimbripes.  De  Kay.  Zool.  of  New-York.  V.  I.  p.  22. 

„  „         Au  du b.  Bach m.  Quadrup.  of  North-Amer.  V.  III. 

p.  312. 
Wagn.  Schreber  Säugtb.  Suppl.   B.  V.  S.  542. 
Note  1. 
Croscopus?   fimhripes.    Wagn.    Schreber    Säugth.    Suppl.    B.  V. 

S.  542.  Note  1. 
Sorex  palustris.  Jung?  Wagn.    Sehreber  Säugth.  Suppl.  B.    V. 

S.  542.  Note  1. 
Crossopus  palustris.  Jung?  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V. 
S.  542.  Note  1. 

Mit  der  Sumpf- Wasserspitzraaus  (^C.  palustris^  verwandt,  aber 
von  derselben  durch  die  beträchtlich  geringere  Größe,  den  längeren 
SchAvanz  und  die  Färbung  verschieden. 

Die  Ohren  sind  vollständig  unter  dem  Pelze  versteckt,  die  Augen 
sehr  klein.  Der  Schwanz  nimmt  über  Ys  der  Körperlänge  ein.  Die 
Vorderfüsse  sind  breit,  bis  zu  den  Krallenspitzen  mit  feinen  Haaren 
besetzt  und  an  den  Bändern  längs  der  Unterseite  reichlich  mit  langen 
Haaren  gewimpert.  Die  Behaarung  ist  sehr  lang  und  die  Schnurren 
sind  länger  als  der  Kopf.  Die  Spitzen  und  Schneiden  der  Zähne  sind 
gelblich. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  dunkelbraun,  da  die  einzelnen 
Haare  auf  2/3  ihrer  Länge  aschblau,  im  letzten  Drittel  aber  dunkel- 
braun sind.  Die  Unterseite  ist  dunkel  gelblich-fahlbraun.  Der  Schwanz 
ist  auf  der  Oberseite  dunkelbraun,  auf  der  Unterseite  gelblichbraun 
und  an  der  Spitze  beinahe  schwarz.  DieFüsse  sind  schmutzig  gelblich, 
die  Wimperhaare  bräunlich  gefärbt.  Die  Schnurren  sind  weiß. 

Körperlänge 2"  1  '/a  "• 

Länge  des  Schwanzes 1"  9'". 

Entfernung  der  Augen  von  der  Büsselspitze  .    .       4</3"'. 

Länge  des  Hinterfußes 6'". 

Vaterland.  Vereinigte  Staaten  von  Nord-Amerika,  Pennsylva- 
nien.  Zuerst  von  Bachman  beschrieben. 

Wagner  hält  es  nicht  für  unwahrscheinlich,  daß  diese  Form 
nur  das  junge  Thier  der  Sumpf- Wasserspitzmaus  (C.  palustris}  sei. 


Kritische  Unfersucliiing-en  über  die  Spitzmäuse  (SoriccsJ  etc.  633 


ANHANG. 


Es  ist  liier  noch  einer  Form  zu  erwähnen,  welche  von  den  ver- 
schiedenen Naturforschern,  die  sie  in  das  System  aufgenommen 
haben,  zwar  für  eine  Spitzmaus  (Sorex)  erklärt  wird,  aber  uns  bis 
jetzt  viel  zu  unvollständig  bekannt  ist,  um  uns  über  ihre  Hierhergehö- 
rigkeit  ein  bestimmtes  Urtheil  erlauben  zu  können. 

Dieselbe  ist: 

Die  snrinamische  Spitzmaas  (Sorex  surinamensisj. 

Surinam  shreiv.  Pennant.  Hist.  of  Quadrup.  V.  II.  p.  226. 
Surinamische  Spitzmaus.    Schreber.    Säugth.    B.    lU.    S.    o7S. 

Nr.    6. 
Sorex  siirinamensis.  Gmelin.   Linne  Syst,  nat.  T.  I.  P.  I.  p.  114. 

Nr.  8. 
Shaw.  Gen.  Zool.  V.  I.  P.  II.  p.  536. 
Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  257.  Nr.  13.  • 
Sorex?  surinamensis.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  50. 

Note  7. 
Sorex  surinamensis.  Reich enh.   Naturg.    Raubth.    S.    344. 
Crocidura  surinamensis.  Bei  che  nb.    Naturg.    Raubth.  S.  344. 

Die  Merkmale  dieser  Art,  welche  wir  nur  aus  Pennant's  Be- 
schreibung kennen,  die  von  den  späteren  Naturforschern,  die  ihrer 
noch  erwähnen,  nur  wiederholt  wird,  sind  folgende  : 

In  Ansehung  der  Körpergröße ,  der  Gestalt  des  Kopfes  und  des 
Rüssels,  der  Größe  der  Augen,  so  wie  auch  der  Füsse  und  der  Zähne, 
nähert  sich  dieselbe  mehr  der  Kielschwanz- Wasserspitzmaus  (Cros- 
sopus  DaubentoniiJ,  rücksichtlich  der  Gestalt  und  Größe  der  Ohren, 
aber  mehr  der  gemeinen  Spitzmaus  (Sorex  vulgaris}.  Die  Kenn- 
zeichen ,  durch  welche  sie  sich  von  der  ersteren  unterscheidet,  sind 
der  kürzere  Rüssel,  die  größeren  Ohren  und  die  etwas  kürzeren 
Schnurren. 

Die  Ohren  sind  ziemlich  groß,  aus  dem  Pelze  hervorragend, 
gerundet  und  kahl.  Der  Schwanz ,  dessen  Länge  nahezu  die  halbe 

41» 


634  Fitzin -er. 

Körperlänge  einnimmt,    ist  dicht  mit  selir  kurzen  anliegenden  Haaren 
bedeckt. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  röthlichbraun,  die  Unterseite 
graugelblich.  Der  Schwanz  ist  oben  sclnvärzlichgrau,  unten  weißlich. 
Der  Rüssel  ist  weiß. 

Körperlänge  beinahe 3". 

Länge  des  Schwanzes 1"  6'". 

Vaterland.   Surinam. 

Da  mit  Ausnahme  der  Gattung  Schlitzrüssler  (Solenodon)  bis- 
her noch  keine  einzige  in  die  Familie  der  Spitzmäuse  (Sorices)  ge- 
hörige Art  im  tropischen  Theiie  von  Amerika  angetroffen  worden  ist, 
so  bleibt  es  sehr  zweifelhaft,  ob  diese  von  Pen nant  beschriebene 
Form  wirklich  zu  dieser  Familie  gehört,  in  welchem  Falle  sie  wohl 
der  Gattung  Spitzmaus  (Sorecc)  einzureihen  wäre. 

Möglich  wäre  es  allerdings,  daß  Pennant  nur  ein  junges  Thier 
irgend  einer  }it\\\.t\\"Ai\t(Didelphys)  oder  eines  Schupati  (Philander) 
vor  sich  hatte. 


Eine  völlig  unbekannte  Art  ist 
Sorex  Pealii  G  o  d  m  a  n. 

„  „       Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  259, 

über  welche  letzterer  aber,  der  sie  nur  dem  Namen  nach  aufführt, 
durchaus  keinen  weiteren  Aufschluß  gibt.  Auch  ich  vermochte  nicht 
ein  hierauf  bezügliches  Citat  in  irgend  einem  der  mir  zugänglich 
gewesenen  Werke  aufzufinden. 


14.  Gatt.  .^elilHzrüssIer  (^SolenodonJ, 

Der  Leib  ist  nur  mit  weichen  Haaren  bedeckt.  Vorder-  und 
Hinterfüsse  sind  fünfzehig.  Die  Zehen  sind  frei.  Die  Sclinauze  ist 
sehr  stark  verlängert  und  endiget  in  einen  weit  über  die  Unterlippe 
hervorragenden,  ziemlich  langen,  gerundeten  und  abgestutzten  Rüssel. 
Die  Ohren  sind  groß,  kurz,  freiliegend  und  nicht  durch  einen  beson- 
deren Lappen  verschließbar.  Der  Schwanz  ist  lang,  gerundet,  gerin- 
gelt und  geschuppt,  nur  sehr  spärlich  mit  kurzen  anliegenden  Haaren 
besetzt,  beinahe  völlig  kahl,  und  an  der  Wurzel  nicht  dicker  als  im 
weiteren  Verlaufe.  Sohlen  und  Zehen  sind  nicht  gewimpert.  Eckzähne 


Kritische  rntersuchiing'en  über  die  Spitzmäuse  (Soiieei}  etc.  635 

fehlen.  Die  Schiieideu  der  unteren  Vorderzähne  sind  nicht  gezähnelt 
und  an  ihrer  Hinterseite  mit  keinem  Ansätze  versehen.  Sämmtliche 
Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits 
drei  Lückenzähne  vorhanden.  Die  Krallen  sind  nicht  zurückziehbar, 
jene  der  Vorderfüsse  größer  als  die  der  Hinterfüße. 

Zahn  forme).    Vorderzähne  -^,   Eckzähne  7:— tt  »     Lücken- 
zahne      ~~    ,    Backenzähne  =    40. 

1 .  Der  grosse  Schlitzrnssler  (Solenodon  paradoxus). 

S.  nofaeo  jngro-fusco,  tergum  versus  palUdiore,  gastraeo 
flavido-brmineo,  macula  in  abdominis  medio  pallide  ferruginea ; 
collo  Jaterihusqne  capitis  dilute  flnvido-brunneis,  cinereo-  et  rubido- 
vnriegatis;  crurihus  nigro-fnscis,  pedibus  flavido-brwineis ;  cauda 
fers  3/4  corporis  lojigitiidine,  cinerea,  apicem  versus  albida. 
Solenodon  paradoscus.  Brandt.  Mem.    de  TAcad.  d.  Petersbourg. 

VI.  Ser.  V.  II.  P.  I.  t.  1,  2. 
„  „  Wagn.    Schreber    Säugth.    Suppl.    B.   II. 

S.  80.  Nr.  1. 
„  Reiche nb.  Naturg.  Raubth.  S.  349. 

„  „  Blainv,  Osteograph.  Insectiv.  p.  53.  t.  5,9. 

(Schädel  und  Gebiß.) 
„  Owen.  Odontograph.  t.  111.  (Zähne.) 

„  Giebel.  Odontograph.  p.  17. 

Sorecc.  Funk.  Bullet,   de  TAcad.  d.  Bruxelles.  V.  XI.  p.  371. 
Solenodon  paradoxus.  Wagn.    Schreber    Säugth.    Suppl.    B.    V. 

S.  567.  Nr.  1. 
Giebel.  Säugeth.  S.  906. 
Die  Körpergestalt  im  Allgemeinen  gleicht  jener  der  Spitzmäuse 
(SoricesJ.  Der  Kopf  ist  gestreckt ,  der  Rüssel  ziemlich  lang,  dünn, 
gerundet,  vorne  abgestutzt  und  an  der  Spitze  kahl.  Die  Nasenlöcher 
liegen  zu  beiden  Seiten  an  der  Spitze  des  Rüssels.  Die  Augen  sind 
klein.  Die  Ohren  sind  groß,  freiliegend,  gerundet,  ohne  innere  Klap- 
pen, daher  auch  nicht  durch  einen  an  ihrem  Grunde  befindlichen 
Lappen  verschließbar  und  beinahe  völlig  kahl.  Der  Schwanz,  dessen 
Länge  nahezu  s^  der  Körperlänge  einnimmt,  ist  gerundet,  geringelt 
und  geschuppt,  beinahe  völlig  kahl,  nur  sehr  spärlich  mit  kurzen 


636  F  i  t  z  i  n  g  e  r. 

anliegenden  Haaren  besetzt,  blos  an  der  Wurzel  etwas  dichter  behaart 
und  daselbst  nicht  dicker  als  im  weiteren  Verlaufe.  Die  Füsse  sind 
ziemlich  kurz,  die  drei  mittleren  Zehen  länger  als  die  beiden  äußeren. 
Die  Krallen  sind  stark,  sichelförmig  gekrümmt,  und  jene  der  Vorder- 
füße sind  grüßer  als  die  der  Hintert'üsse.  Der  zweite  Vorderzahn  des 
Unterkiefers  ist  auf  der  Innenseite  seiner  ganzen  Länge  nach  von 
einer  Rinne  durchzogen,  so  daß  er  gleichsam  aufgeschlitzt  erscheint. 
Die  Körperbehaarung  ist  weich,  auf  dem  Rücken  dicht  und  länger, 
auf  dem  Kreuze  und  dem  Bauche  viel  spärlicher  und  kürzer. 

Die  Oberseite  der  Schnauze,  die  Stirne,  der  mittlere  Theil  des 
Nackens  und  der  Vorderrücken  sind  braunschwarz,  der  Hinterrücken 
und  die  Schenkel  schwarzbraun.  Die  Seiten  des  Kopfes  und  der 
Hals  sind  hell  fahlbraun,  mit  grauer  und  rostrother  Beimischung.  Die 
Unterseite  des  Körpers  und  die  Füsse  sind  fahlbräunlich,  und  zwischen 
den  Vorder-  und  den  Hinterbeinen  befindet  sich  ein  bell  rostrother 
Flecken,  der  sich  zum  Theile  noch  an  den  Beinen  herabzieht.  Der 
Schwanz  ist  von  der  Wurzel  bis  über  seine  Mitte  aschgrau ,  und 
gegen  die  Spitze  weißlich. 

Körperlänge 11  "  6".  Nach  Brandt. 

Länge  des  Schwanzes 9". 

„       des  Rüssels  ........     \"  2'". 

„      der  Ohren 1", 

„      der  mittleren  Vorderkralle    .    .  9'". 

„       der    mittleren   Hinterkralle  .    .  5'". 

Vaterland.  St.  Domingo,  Cuba  und  wahrscheinlich  auch 
Columbien. 

Wir  kennen  diese  Art  bis  jetzt  blos  aus  einer  Beschreibung  und 
Abbildung,  m eiche  Brandt  von  derselben  gegeben.  Wagner  ver- 
mutbet,  vielleicht  mit  Recht,  daß  die  von  Funk  in  der  Höhle  der 
Guacharos  in  der  Provinz  Cuma  in  Columbien  beobachtete  Spitz- 
mausform, welche  die  Größe  einer  Ratte  und  eine  last  viereckige 
Schnauze  hatte,  mit  dieser  Art  zusammenfallen  dürfte. 

15.  Gatt.  Bisaiiirüs»»ler  (^Iftyogale), 

Der  Leib  ist  nur  mit  weichen  Haaren  bedeckt.  Vorder  und  Hinter- 
füsse  sind  lunl'zehig.  Die  Zehen  sind  durch  eine  lange  Schwimmhaut 
miteinander  verbunden.    Die  Schnauze  ist  sehr  stark  verlängert  und 


Kritische  Untersuchungen  über  die  Spitzmiiuse  (Sorices)  etc.  63  T 

endiget  in  einen  weit  über  die  Unterlippe  hervorragenden,  ziemlich 
langen,  flachen  und  abgestutzten  Rüssel.  Ohrmuscheln  sind  nur  als 
Rudimente  vorhanden  und  der  unter  den  Haaren  völlig  versteckte 
Gehörgang  ist  durch  einen  an  seinem  Grunde  befindlichen  Lappen 
verschließbar.  Der  Schwanz  ist  lang,  an  der  Wurzel  gerundet,  dann 
aber  zusammengedrückt,  geringelt  und  geschuppt,  nur  sehr  spärlich 
mit  kurzen  anliegenden  Haaren  besetzt  und  beinahe  völlig  kahl. 
Sohlen  und  Zehen  sind  am  Außenrande  gewimpert.  Eckzähne  fehlen. 
Die  Schneiden  der  unteren  Vorderzähne  sind  nicht  gezähnelt  und  an 
ihrer  Hinterseite  mit  keinem  Ansätze  versehen.  Sämmtliche  Zähne 
sind  durchaus  einfarbig  weiß.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  sechs 
Lückenzähne  vorhanden.  Die  Krallen  sind  nicht  zurückziehbar,  jene 
der  Vorderfüsse  nicht  größer  als  die  der  Hinterfüsse.  Die  Augen  sind 
sehr  klein.  Eine  besondere  Absonderungsdrüse  befindet  sich  unter- 
halb des  Schwanzes,  in  geringer  Entfernung  von  der  Wurzel. 

Zahnformel.     Vorderzähne  — ,    Eckzähne    ;r— - ,    Lücken- 

4  u — ü 

zahne  -^ — r^-,  Backenzähne     ~ ^    =  44. 
D — o  3—3 

\.  Der  russische  Bisamrössler  (Myogale  moschata). 
M.  notaeo  obscure  castaneo,  gastraeo  albido-cinereo,  nitore 
(irgenteo ;  macula  parva  circa  oculos  et  supra  meatum  auditorium 
alba ;  rostro  pedibusque  nigro-fuscis ;  cauda  ultra  3/4  corporis  Ion- 
gitiidine,  ad  basin  constricta,  tereti,  dein  valde  compressa,  ancipiti, 
n  igres cen te-fusca . 

Mus  aquaticns.  Clusius.  Exot.  p.  37S.  c.  fig. 
Mus  aquatilis.  Aldrov.  Quadrup.  digit.  p.  447.  fig.  p.  448. 
Mus  aquaticus  Clusii.  Mus.  Worm.  p.  334. 
Sorex  moscouiticns  s.  odoriferus.  Charlet.  Exercit.  p.  25. 
Mus  aquaticus  exoticus.  Rajus.  Synops.  quadrup.  p.  217. 
Castor cauda  lineari  plana.  Linne.  Syst.  nat.  Edit.  II.  p.  47. 
Castor  cauda  longa  lanceolata plana.  Linne.  Syst.  nat.  Edit.  VI. p. 

10.  Nr.  2. 
Glis  moschiferus;  odore  Moschi.  Klein.  Quadrup.  p.  57. 
Mus  capite paruo,  cauda  lata.  Hill.  Anim.  p.  518. 
Mus  aquaticus.  Jon  st.  Quadrup.  p.  IG9.  t.  73. 
Mus  aquaticus  exoticus.  J.  G.  Gmelin.   Nov.  Comment.  Petropol. 

T.  IV.  p.  383. 


638  Fitzin^er. 

Mus  aquaticus  moschum  redolens.   J.  G.  Gmelin.   Nov.  Comment. 

Petropol.  T.  V.  t.  13. 
Rat  musque.    Castor  (Mus  moschiferu^)  candn  verticiditer  plana, 
digitis    omnibiis    membranis   inter   se   connexis. 
Bris  so  11.  Regne,  anim.  p.  135.  Nr.  3. 
Wohlriechende  Wasserratte.  II  all  er.  Naturg.   d.  Thiere.  S.  426. 
Castor  moschatus.  Liniie.  Syst.  iiat.  Edit.  X.  T.  I.  p.  59.  Nr.  2. 
Rat  musque.  Di  ct.  des  anim.  V.  III.  p.  667. 
Muskns-Rot.  Houtt.  Nat.  bist.  V.  II.  p.  435. 
Castor  moschatus.  Linne.  Fauna  Siiec.  Edlt,  IL  p.  11.  Nr.  28. 

„  „  Linne.  Westgothl,  S.  161, 

Biseni-Ratze  an  der  Wolga.  Schober.  Müller.  Samml.  B.  VII.  S.  41. 
Desnuui.  ßuffon.  Hist.  nat.   d.  Quadrup.  V.  X.  p.  1.  t.  2. 
Castor  moschatus.  Linne.  Syst.  nat.  Edit.  XII.  T.  I.  P.  I.  p.  79.  Nr.  2. 
Bisamratze.  J.  G.  Gmelin.  Reise.  B.  L  S.  28.  t.  3,  4. 
Bisamratze,  Desmana.   Güldenst.    Berlin.   Naturf.   Bescb.   B.  III. 

S.  107.  t.  2. 
Bisamratte,  Sorex  moschatus.  Pallas.  Reise.  B.  L  S.  156. 
Desman.  Alessandri.  Anim.  quadrup.  T.  III.  t.  114.  fig.  2. 
Long-nosed  Beaver,  Pennant.  Synops.  quadrup.  p.  260.  Nr.  192. 
Wychuchol,    Wasser   oder  Bisamratze.    Rytscbk.    Orenb.    B.   I. 

S.  229. 
Bisamratze.  Müller.  Natursyst.  B.  I.  S.  332. 

Risamratte,  Sorex  moschatus.  Lepechin.  Reise. B.I.  S.  178.  1. 13. 
Sorex  moschatus.  Schreber.  Säugtb.  B.  IIL  S.  567.  t.  159. 
„  „  Erxleb.  Syst.  regn.  anim.  P.  I.  p.  127.  Nr.  9. 

„  „  Z immer m.    Geogr.    Gesch.    d.    Mench.    u.    d. 

Thiere.  B.  IL  S.  383.  Nr.  315. 
Pallas.  Act.  Acad.  Petropol.  1781.  P.  IL  p.  215. 
t.  3,  5. 
„  „  Boddaert.  Elencb.  anim.  V.  L  p.  124.  Nr.  7. 

Gmelin.   Linne   Syst.    nat.    T    I.  P.    I.    p.  113. 
Nr.  6. 
Musky  Shreiv.  Pennant.  Hist.  of  Quadrup.  V.  II.  p.  470. 
Sorex  moschatus.  Cuv.  Tabl.  elem.  dhist.  nat.  p.  109.  Nr.  4. 
Muskshrew.  Shaw.  Gen.  Zool.  V.  L  P.  IL  p.  528.  t.  119. 
Mygale  moschata.  C  u  v.  Mus.  Paris. 

111  ig.  Prodrom,  p.  125. 


Kritische  Untersuchungen  über  die  Spitzmäuse  (Sorkes)  etc.  6«>9 

Sore.v  moschatus.  Pallas.  Zoograph,  rosso-asiat.  V.  I.  p.  128.  t.  8. 
Mtjgale  Moscovitica.  Geoflr.     Ann.    du  Mus.  \.    XVII.    p.    192. 
Nr.  1. 
„  „  Üesmar.    Nouv.   Dict.    d'hist.    nat.    V.    IX. 

]..  370.  Ni-.  1. 
Desman  de  Rnssie.  Cuv.  Regne,  anim.  Edlt.  I.  V.  I.  p.  134. 
Mygale  Moscovitica.  Desmar.  Mammal.  p.  154.  Nr.  243. 
Encycl.  meth.  t.  29.  fig.  4. 
„  „  Desmoul.  Dict.  class.  V.  V.  p.  43ö. 

Mygale  moschata.  C  u  v.  Regne,  anim.  Edit.  II.  V.  I. 
Mygale  Moscovitica.  Griff ith.  Anim.  Kingd.  V.  V.  p.  303.  Nr.  1. 
Myogalea  moschata.   Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  2o0,  579.  Nr.  1. 
Caprios  moschatus.  Wagler.  Syst.  d.  Amph.  S.  14. 
Myogale  moschata.  Brandt.  Wiegm.  Arch.  B.  II.  Th.  I.  S.  179. 
„  „  Brandt.    Nov.   Act.   Acad.    Leop.    Carol.    Nat. 

Curios.    V.    XVIII.    P.    I.    p.   241.    t.    10. 
(Anatomie). 
Brandt.   Bullet,  des  Natural,  d.  Moscou.  1840. 

p.  382. 
Keys.  Blas.  Wirbelth.  Europ.  S.  17.  Nr.  108. 
—  S.  58. 
„  „         Wagn.    Schreber  Säugth.    Suppl.  B.  II.  S.  97. 

Nr.  1. 
Myogalea  moschata.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  329.  fig.  461. 
Myogale  moschata.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  568. 
Nr.  1. 
Fitz.  Naturg.  Säugeth.  B.  I.  S.  425.  fig.  82. 
Giebel.  Säugeth.  S.  907. 
Die  Körpergestalt  im  Allgemeinen  vereiniget  mit  der  typischen 
Form  der  Spitzmäuse  (Sorices)  die  Gestalt  der  gemeinen  Bisamratte 
(Fiber  zibethicus)  und  erinnert  zum  Theile  auch  an  die  Form  der 
Maulwürfe    (Talpae).   In  der  Größe  kommt  diese  Art  ungefähr  mit 
der  Wanderratte  (Rattus  decumanusj  überein,  doch  ist  ihr  Bau  ge- 
drungener und  voller. 

Ihr  Kopf  ist  langgestreckt  nnd  geht  in  eine  sehr  lange  zuge- 
spitzte Schnauze  über,  welche  in  einen  ziemlich  langen  und  die  Unter- 
lippe weit  überragenden  knorpeligen,  fiachen,  an  der  Spitze  abge- 
stutzten und  etwas  ausgebreiteten  Rüssel  endiget,   der  beinahe  völlig 


640  F  i  t  z  i  n  ff  e  r. 

kahl,  auf  seiner  Oberseite  von  einer  tiefen  Längsfiirche  durchzogen 
und  überaus  beweglieh  ist,  vom  Thiere  aber  gewöhnlich  nach  ab- 
wärts gekrümmt  getragen  wird.  Die  Nasenlöcher  stehen  an  der  Vor- 
derseite des  Rüssels  und  werden  durch  eine  knöcherne  Nasenscheide- 
wand von  einander  geschieden.  Die  Lippen  sind  fleischig  und  schlafT. 
Die  Augen  sind  überaus  klein,  aber  mit  Augenliedern  versehen.  Ohr- 
muscheln sind  nur  als  Rudimente  vorhanden,  so  daß  sie  beinahe 
gänzlich  zu  fehlen  scheinen,  und  der  unter  dem  Pelze  völlig  versteckte 
Gehörgang  ist  durch  einen  an  seinem  Grunde  befindlichen  Lappen 
verschließbar. 

Der  Hals  ist  außerordentlich  kurz,  von  derselben  Dicke  wie  der 
Leib  und  von  diesem  nicht  zu  unterscheiden.  Der  Leib  ist  ziemlich 
kurz,  gedrungen,  bauchig,  oben  etwas  abgeflacht  und  von  der  schlafl"en 
Haut  beinahe  sackförmig  umhüllt. 

Die  Beine  sind  kurz,  die  Vorderbeine  nahe  am  Kopfe  eingelenkt 
und  die  Hinterbeine  deutlich  länger  als  die  Vorderbeine.  Die  Zehen 
der  Vorder-  sowohl  als  Hinterfüsse  sind  durch  vollkommene  lange 
Schwimmhäute  miteinander  verbunden,  die  Krallen  kurz  und  scharf. 

Der  Schwanz,  dessen  Länge  über  s/^  der  Körperlänge  beträgt, 
ist  an  der  Wurzel  gerundet,  dünn  und  eingeschnürt,  gegen  die  Mitte 
zu  rasch  verdickt  und  walzenförmig,  dann  aber  alimählig  immer  mehr 
und  mehr  zusammengedrückt,  beinahe  schwertförmig,  zweischneidig, 
mit  einer  scharfen  Schneide  auf  der  Unterseite,  und  in  eine  Spitze 
endigend.  In  seiner  Mitte  ist  er  doppelt  so  hoch  als  breit,  und  seine 
ganze  Oberfläche  ist  von  zahlreichen  kleinen  Schuppenringen  um- 
geben, zwischen  denen  nur  sehr  spärlich  vereinzelt  stehende  straffe 
Härchen  vertheilt  sind,  daher  er  beinahe  kahl  erscheint.  Auf  seiner 
Unterseite  befindet  sich  nahe  an  der  Wurzel,  ungefähr  '/a  —  3/4  Zoll 
vom  After  entfernt,  eine,  die  runde  Anschwellung  des  Schwanzes  ver- 
ursachende, 2  Zoll  und  darüber  lange  Drüse  von  sehmal  pyramidaler 
Gestalt,  deren  breitester  Theil  gegen  den  After  gekehrt  und  die  mit 
7 — 8  ovalen  Ausführungsgängen  versehen  ist,  welche  in  einer  doppel- 
ten Längsreihe  wechselweise  dicht  aneinander  gestellt  sind,  zwischen 
den  Schuppen  des  Schwanzes  münden,  und  eine  überaus  stark  nach 
Zibeth  riechende  Flüssigkeit  an  die  Oberfläche  gelangen  lassen,  die 
von  gelblicher  Farbe  ist  und  leicht  aus  denselben  herausgedrückt 
werden  kann. 


Kritische  Unterstichiing-pn  üher  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  04  1 

Die  Behaarung  des  Körpers  ist  dicht,  kurz  und  glatt  anliegend, 
das  Wollhaar  sehr  kurz  und  weich,  das  Grannenhaar  etwas  länger, 
fein,  seidenartig  und  glänzend.  Die  Schnurren  sind  zahlreich,  ziem- 
lich lang,  heinahe  bis  zu  den  Augen  reichend  und  ungefähr  in  zwölf 
Reihen  zu  beiden  Seiten  des  Rüssels  vertheilt. 

Die  Füsse  sind  kahl,  auf  der  Oberseite  mit  kleinen  Schuppen 
besetzt,  und  die  Sohlen  kahl  und  mit  einer  chagrinartigen  Haut  be- 
deckt. Am  Grunde  der  Aussenseite  der  Handwurzel  befindet  sich  ein 
Büschel  steifer  Haare  und  der  ganze  Aussenrand  der  Hinterfüsse, 
sowie  auch  die  Aussenzehen  sind  mit  steifen  Haaren  gewimpert. 
Zitzen  sind  vier  Paare  vorhanden,  die  von  der  Achselgegend  bis  zu 
den  Weichen  hin  vertheilt  sind. 

Die  Färbung  der  Oberseite  des  Körpers  ist  dunkel  röthlich- 
oder  kastanienbraun,  da  das  aschgraue  Grannenhaar  in  röthiich- 
braune  Spitzen  endiget.  Die  Unterseite  ist  weißlich-aschgrau,  mit 
schwachem  Silberglanze  überflogen.  Ein  kleiner  rundlicher  weißer 
Flecken  umgibt  das  Auge  und  ein  ähnlicher  steht  dicht  über 
dem  Gehörgange.  Das  Wollhaar  ist  grau,  die  Schnurren  sind 
weißlich.  Der  kahle  Rüssel,  die  Füsse  und  der  Schwanz  sind 
schwärzlichbraun. 

Körperlänge 8"      Ti/a"- 

Länge  des  Schwanzes 7". 

„      des  Kopfes 2"       9'". 

„      des  Rüssels tOi/a  "• 

„       der  Vorderfüsse lOi/a'". 

„      der  Hinterfüsse 2"       21/3"'. 

„      der  vorderen  Krallen 3 1/4'". 

„       der  hinteren  Krallen      ......  43/4'". 

Umfang  des  Schwanzes  an  der  Wurzel  .    .  1"       5". 
„       des  Schwanzes  ander  Anschwellung  2"       6". 
Größte  Höhe  des  Schwanzes  am  zusammen- 
gedrückten Theile 10'". 

Umfang  des  Leibes 7  ". 

Höhe  am  Widerrist 2"       7'". 

Entfernung  der  Augen  von  den  Ohren     .    .  8'". 

„  der  Augen  von  einander     .    .    .  9". 

Breite  des  Rüssels  an  der  Spitze      ....  ^y»  "• 


642  Fitzinger. 

Die  größten  Individuen  erreichen  eine  Körperlänge  von  10  Zoll 
und  eine  Gesaninitlänge  von  19  Zoll.  Das  Gewicht  völlig  erwachsener 
Thiere  beträgt  1  Pfund. 

Vaterland.  Europa,  Südost-Rußland,  wo  diese  Art  zwischen 
der  Wolga  und  dem  Don,  und  zwar  sowohl  an  diesen  beiden  großen 
Flüssen,  als  auch  an  deren  Nebenflüssen,  sowie  an  mehreren  Seen 
getroffen  wird,  und  bis  in  die  Nähe  von  Moskau  reicht;  und  Asien, 
Bucharei.  In  Sibirien  aber  fehlt  sie  und  ebenso  am  caspischen  See, 
sowie  überhauj)t  in  allen  östlich  vom  Ural  gelegenen  Gegenden. 
Überall  wo  sie  vorkommt,  ist  sie  häufig,  am  häufigsten  aber  im  süd- 
liehen Rußland  an  den  Ufern  von  Flüssen  und  Seen,  und  insbesondere 
an  den  hohen  Ufern  stehender  oder  langsam  fließender  Gewässer, 
wo  sie  sich  in  selbst  gegrabenen  Höhlen  aufhält. 

Obgleich  wir  mit  dieser  Art  schon  im  Jahre  1605  durch  Clu- 
sius  bekannt  geworden  sind,  so  verdanken  wir  doch  erst  den  Mit- 
theiliingen  von  J.  G.  Gmelin,  Güldenstaedt  und  Pall  as  eine 
genauere  Kenntniß  derselben.  Güldenstaedt  bildete  aus  ihr  zuerst 
eine  besondere  Gattung,  die  er  „Desmann"  nannte,  und  Cuvier 
schlug  für  dieselbe  den  Namen  „Mygale"  vor,  welchen  Fischer  je- 
doch der  unrichtigen  Bildung  wegen  in  „Myogalea"  und  Brandt 
in  „Myogale"  veränderte.  Wagler  hielt  es  für  angemessen,  für  diese 
Gattung  den  Namen  „Caprios''  in  Vorschlag  zu  bringen,  da  der  Name 
„Mygale"  schon  früher  an  eine  Spinnengattung  vergeben  war. 

2.  Der  Pyrenäen-Bisamrüssler  (Myogale  pyrenaica). 

M.  notaeo  nitide  fiisccscente-nigro,  vel  castaneo,  Interibus 
ftisco-cinereis ,  gastraeo  argeiitato;  cauda  vel  corporis  loiigihidine^ 
vel  pmdlo  longiore,  tereti,  apicem  versus  compressa,  obscure  fusca, 
(dbido-pilosa. 

Mygale  Pyrenaica.    Geoffr.    Ann.    du  Mus.    V.  XVII.  p.  193.  t.  4. 
flg.  1-4. 
Geoffr.  Mem.  du  Mus.  V.  I.  t.  15.  fig.  10— 

12.  (Gebiß.) 
Desmar.  Nouv.  Dict.  d'hist.  nat.  V.IX.  p.  371. 

Nr.  2.  t.  D.  2. 
Desmar.  Mammal.  p.  154.  Nr.  244. 
„  „  Desmoul.  Dict.  class.  V.  V.  p.  436. 

„    .  „  Griff!  th.  Anim.  Kingd.   V.  V.  p.  304.  Nr.  2. 


Kritische  Untersuchiing-en  über  die  Spitzmäuse  {Sorices)  etc.  b4o 

Myogalea   Pyrenaica.    Fisch.    Synops.    Mammal.    p.    251,    579. 

Nr  2. 
Caprios  pyrenaictis.  Wagler.  Syst.  der  Ampliib.  S.  14. 
G((lemys  pyrenaicus.  Wagler.  Isis.  1832.  S.  1218. 
Myoyale  pyrenaica,   Keys.  Blas.  Wirbeltli. Europ.  S.  17.  Nr.  109. 
-  S.  59. 
Wagn.  Schreber  Siiugth.  Suppl.  B.  II.  S.  100. 
Nr.  2. 
Myogalea  pyrenaica.  Reich enb   Naturg.  Raubth.  S.  330.  fig.  462. 
Myyale  Pyrenaica.   Blainv.    Osteograph.  Insectiv.  p.    53.  t.  5,9. 

(Schädel,  Gebiß.) 
Myoyale  pyrenaica.   Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  568. 
Nr.  2. 
Giebel.  Säugeth.  S.  907. 

In  den  körperlichen  Formen,  sowie  auch  in  der  BeschalTenheit 
des  Rüssels  und  der  Füsse  mit  dem  russischen  Bisamrüssler  (M. 
moschata)  beinahe  vollständig  übereinkommend,  unterscheidet  sich 
diese  Art  von  demselben  außer  der  weit  geringeren  Größe,  haupt- 
sächlich durch  die  verschiedene  Bildung  des  Schwanzes. 

Sie  ist  nahezu  um  die  Hälfte  kleiner  und  ihr  Rüssel  ist  verhält- 
nißmäßig  stärker,  die  Außenzehe  der  Hinterfüsse  ist  viel  freier  und 
die  Krallen  sind  beinahe  doppelt  so  lang,  als  bei  der  genannten  Art. 

Der  Schwanz,  welcher  fast  ebensolang  oder  auch  etwas  länger 
als  der  Körper  ist,  ist  ziemlich  dünn,  an  der  Wurzel  gerundet,  durch- 
aus nicht  eingeschnürt,  sondern  bis  auf  ~/^  oder  3/4  seiner  Länge 
vollkommen  walzenförmig,  dann  aber  zusammengedrückt  und  gegen 
die  Spitze  zu  etwas  verdünnt.  Derselbe  ist  ringsum  quirlförmig  ge- 
schuppt und  nur  sehr  spärlich  mit  kurzen  Härchen  besetzt,  die  am 
unteren  Ende  dichter  stehen  und  eine  Art  von  Kamm  bilden. 

Die  Vorderfüsse  sind  auf  der  Oberseite  tehaart  und  an  Un-em 
Außenrande  mit  einem  längeren  Haarkamme  besetzt;  die  Hinterfüsse 
kahl,  geschuppt  und  nur  an  ihrem  Außenrande  kammartig  mit  länge- 
ren Haaren  gesäumt. 

Die  Behaarung  ist  dicht,  kurz,  glatt  anliegend  und  weich,  das 
Grannenhaar  etwas  länger,  fein,  seidenartig  und  glänzend.  Die 
Schnurren  sind  zahlreich  und  lang,  bis  zu  den  Augen  reichend,  und 
an  den  Seiten  des  Rüssels  befindet  sich  ein  aus  längeren  Haaren  ge- 
bildeter Kamm. 


644      Fitzillger.    Kritische  Untersuch,  über  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  glänzend  bräunlichschwarz  oder 
auch  kastanienbraun,  die  Leibesseiten  sind  braungrau,  welche  Fär- 
bung allmählig  in  das  Silbergrau  der  Unterseite  übergeht.  Der 
Schwanz  ist  dunkelbraun  und  mit  weißlichen  Härchen  besetzt,  der 
llaarkamm  am  unteren  Ende  desselben  weiß.  Die  Vorderfiisse  sind 
auf  der  Oberseite  bräunlich  behaart  und  der  Haarkamm  der  Hinter- 
lusse  ist  bräunlich.  Die  Krallen  sind  weiß.  Die  Schnurren  und  der 
Haarkamm  an  den  Seiten  des  Rüssels  sind  weißlich. 

Körperlänge 4"  Nach  Geoffroy. 

Länge  des  Schwanzes 4"  6" 

Körperlänge  nach  der  Krümmung  .  5"  6"  Nach  Wagner. 
„  in  gerader  Richtung    .     5"  1'". 

Länge  des  Schwanzes 5". 

Vaterland.  Südwest-Frankreich  und  Nord-Spanien,  wo  diese 
Art  in  den  Gewässern  am  Fusse  der  Pyrenäen  angetroffen  wird  und 
insbesondere  in  der  Nähe  von  Tarbes  im  Departement  der  oberen 
Pyrenäen  in  Frankreich  vorkommt.  Sie  wurde  daselbst  von  Desrouais 
entdeckt  und  von  Etienne  Geoffroy  zuerst  beschrieben. 

Wagler  sah  sich  geringer  Abweichungen  wegen,  welche  sich 
in  der  Gestalt  und  Stellung  der  Lückenzähne  darbieten,  sowie  auch 
in  Ansehung  der  etwas  verschiedenen  Schwanzform  veranlaßt,  aus 
dieser  Art  eine  besondere  Gattung  zu  bilden,  die  er  mit  dem  Namen 
„Galemys"   bezeichnete. 

Der  einzige  Unterschied,  welcher  sich  zwischen  dieser  Art  und 
dem  russischen  Bisamrüssler  fM.  moschata)  in  der  Form  und  Stel- 
lung der  Lückenzähne  ergibt,  besteht  aber  nur  darin,  daß  dieselben 
beim  Pyrenäen-Bisamrüssler  mehr  zusammengedrückt,  die  beiden 
vordersten  im  Oberkiefer  niederer  als  jene  im  Unterkiefer,  und  der 
fünfte  und  sechste  vorne  und  hinten  mit  einem  deutlichen  Absätze 
versehen  sind,  ferner  daß  der  vierte  und  sechste  des  Oberkiefers 
schiefer  gestellt  sind,  und  der  fünfte  ebenso  hoch  als  der  dritte  und 
mit  demselben  der  größte  im  Oberkiefer  ist. 

Diese  höchst  geringen  Diflerenzen  rechtfertigen  jedoch  wohl 
kaum  die  Aufstellung  einer  besonderen  Gattung  und  ebensowenig 
der  unbedeutende  Unterschied  in  der  Form  des  Schwanzes,  daher 
ich  auch  dieselbe  nicht  angenommen  habe. 


Berichtigung. 


Iii  der  ersten  Abtheilung  meiner  Abhandlung-  „Versuch  einer  natürlichen  Anord- 
nung der  IVagethiere  (Rodentia)" ,  welche  im  LV.  Bde.  d.  Sitzb.  d.  k.  Akad.  d.  Wissensch. 
I.  Abth.  März-Heft  1867  abgedruckt  erscheint,  ist  in  dem  Familien-Charakter  der  Buche 
oder  Scblafmäuse  (MyoxO  durch  ein  Versehen  ein  die  Merkmale  entstellender  Fehler 
unterlaufen ,   indem  es  daselbst  heißen  soll : 

„Die  Vorderzähne  des  Unterkiefers  sind  zugeschärft,  mit  keilförmig -spitziger 
Kronensehneide",   statt 

„mit  zusammengedriiekt-spitziger  Kronenschneide,"  daher  um  Verbesserung  des- 
selben o-ebeten  wird. 


646  Peters     II.     M  ;i  I  y. 


Über    den    Staurolith    von    St.    Bade  g  u  n  d. 
Von  Karl  F.  Peters  und  Richard  fflaly. 

(Mit    1    Tafel.) 

In  den  obersten  krystallinisclien  Terrains,  nordöstlich  von  Graz, 
auf  denen  die  Kalkschiefer  und  massigen  Kalksteine  des  Schöckl- 
stockes  ruhen ,  machen  sich  mächtige  Lagerstücke  von  Granit- 
gneiß  mit  ausgezeichneten  Muscovitkrystallen  und  fein  eingestreutem 
Turmalin  schon  von  weitem  bemerklich.  Über  ihnen  liegt  ein  dünn- 
schiefriger  und  zugleich  krummschiefriger  Gneiß,  der,  ohne  in  wahren 
Glimmerschiefer  überzugehen,  zahlreiche  Kürner  von  braunem  Granat 
aufnimmt  und  von  den  Phylliten  und  Crinoiden  führenden  Kalk- 
schiefern des  „hohen"  Schöckls  bedeckt  wird. 

Beide  Gesteine  sind  in  der  Nähe  des  Badeorts  St.  Radegund  am 
besten  entwickelt  und  entblüßt;  der  dünnschiefrige  Gneiß  zumal  um 
die  Ruine  Ehrenfels,  die  einen  aus  tiefer  Thalschlucht  emporragenden 
Fels  einnimmt. 

Ebenda  bemerkten  wir  im  vorigen  Herbste,  daß  dieser  holz- 
scheitförmig  zerklüftende  Gneiß  nicht  nur  die  erwähnten  Granat- 
kryställchen ,  sondern,  in  manchen  Lagen  mit  ihnen,  in  anderen  von 
ihnen  getrennt,  auch  ein  schwärzliches  Mineral  von  stengliger  Form 
enthält.  Dem  Ansehen  und  der  Härte  nach  meinten  wir  es  sofort  für 
Staurolith  erklären  zu  sollen,  doch  zeigte  sich  bald,  daß  die 
staurolithähnlichen  Säulen  nach  ihrem  Brachypinakoid,  der  Fläche 
(100)  nach  der  gewühnlichen  Orientirung  dieses  Minerales,  ^*eniger 
vollkommen  spaltbar  seien ,  als  dies  dem  normalen  Staurolith  eigen, 
und  daß  sie  üherdies  nach  (OOi)  einen  sehr  deutlichen,  mitunter 
sogar  leicht  zu  erhaltenden  Blätterdurchgang  besitzen,  der  den 
typischen  Staurolithkrystallen  bekanntlich  fremd  ist.  Bei  genauerer 
Nachspürung  in  den  verwitterten  Felsmassen  und  alten  Bausteinen 
von  Ehrenfels  fanden  wir  jedoch  Zwillingskrystalle,  deren  Identität 
mit  dem  Pyramidenzwilling  des  genannten  Minerals  nicht  zu  ver- 
kennen war.    (Der  Kreuzzwilling  scheint  liier  nicht  vorzukommen.) 


über  den  Staurolith  von   St.  Radegiind.  647 

Da  nun  auch  die  schwärzliche,  selbst  in  recht  dünnen  Splittern 
undurchsichtige  Masse  der  Krystalle ,  abgesehen  von  oberflächlichen 
Ockerkrusten  und  anhaftenden  Gemengtheilen  des  Gesteins,  durch 
Zersetzung  nicht  wesentlich  angegrifl'en  schien,  ja  sogar  die  aus  den 
thonigen  Verwitterungsproducten  der  Gehänge  ausgelösten  Kryställ- 
chen  sich  als  sehr  rein  erwiesen,  beschlossen  wir,  das  Mineral 
einer  genauen  Untersuchung  zu  unterziehen,  deren  chemischer 
Theil  von  Maly  ausgeführt,  weiter  unten  mitgetheilt  wird  '). 

Behufs  der  morphologischen  Untersuchung,  die  gleich 
nach  Ausführung  einiger  dünnen  Schütte  die  Ursache  der  abnormen 
Spaltbarkeit  enthüllte,  wurden  auch  Krystalle  von  einigen  anderen 
Fundorten  beigezogen,  für  deren  Mittheilung  ich  meinem  hoch- 
geehrten Freunde  Herrn  Director  Hörnes  zu  Danke  verpflichtet  bin. 

Einer  der  Krystalle  von  St.  Radegund  (mit  Firniß  überzogen) 
ergab  (110)  =  50   45'  als  Mittel  aus  zehn  Messungen. 

Die  Härte  ist  nirgends  geringer  als  7-0;  Splitterchen  von  ver- 
schiedenen Stellen  des  Inneren  hinterlassen ,  auf  Quarz  gerieben 
sehr  deutliche  Ritze. 

Das  speci fische  Gewicht  wurde  an  ausgesuchter  Substanz 
(im  Pyknometer  bei  18  C.)  durch  eine  Wägung  =  3-465,  durch 
eine  zweite  =  3 '49 3  gefunden. 

Das  Pulver,  gleichviel  von  welcher  Stelle  der  Krystallsubstanz 
genommen,  ist  grau  und  enthält  keinen  durch  den  Magnet  auszieh- 
baren Bestandtheil. 

Grob  zerstoßene  Krystalle  und  Spaltungssplitter  zeigten  (mir 
und  Maly)  seltene  Einschlüsse  von  Granat,  welche  sich  durch  ihre 
Farbe  bemerklich  machten,  und  verschwindend  wenige  Glimmer- 
schüppchen.  Dagegen  lehrte  die  mikroskopische  Untersuchung  dünner 
Schlifle  nicht  nur  einen  überraschend  regelmäßigen  polysyntheti- 
schen Bau,  sondern  auch  wesentliche  substanzielle  Differenzen 
im  Innern  der  Krystalle  kennen. 

Plättchen  parallel  zu  (001)  geschliffen  und  durch  sorgfältiges 
Poliren  von  Schmirgelresten  befreit,  zeigen  bei  einer  Dicke  von  0-5 
bis  0-1  Millimeter  die  hellgelbe  Staurolithsubstanz  von  einer  dunklen 


1)  Eine  Beschreibung  der  stratigraphischen  Verhältnisse  dieser  Gesteine  erscheint  im 
V.Heft  der  Mittheilungen  des  naturwissenschaftlichen  Vereines 
für  Steiermark.  Graz  1868. 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  CI.  LVII.  Bd.  I.  Abth.  42 


648  Peters    und    M  a  1  y. 

Masse  durchwachsen,  die  sich  unter  einer  Vergrößerung  von  mehr 
als  100  lin.  als  feinkörnig  und  von  zahlreichen  kleineren  oder  größe- 
ren Hohlräumen  durchzogen  erweist  und  der  Ausdehnung  nach  der 
gelhen  Krystallsubstanz  mindestens  gleichkommt.  Letztere  verräth 
aber  eine  eigenthümliche  und  genau  orientirte  Anordnung.  (Vgl.  Fig.  1.) 

Zahlreiche  Streifen  von  verschiedener,  doch  0-1  Millimeter  nicht 
überschreitender  Breite  verlaufen  in  der  Richtung  der  Makro- 
diagonale des  Staurolithprisma  (nach  der  gewöhnlichen  Orien- 
tirung  (HO)  oder  ooP).  Manche  derselben  haben  einen  Axenstrich 
oder  excentrisch  gleichlaufende  Einschlüsse  von  der  dunklen  Masse, 
die  sie  und  die  anderen  nicht  streifig,  sondern  unregelmäßig  ange- 
ordnete gelbe  Krystalltheilchen  umhüllt  oder  durchdringt.  Unter- 
sucht man  solche  Plättchen  unter  dem  Dichroskop,  so  zeigt 
sich  das  parallel  mit  der  Längsrichtung  der  Streifen  schwingende 
Licht  intensiv  honiggelb,  das  senkrecht  darauf  schwingende  sehr 
licht  weingelb.  —  Ein  Absorptionsverhältniß ,  wie  es  dünnen  Plätt- 
chen normaler  und  völlig  reiner  Staurolithkrystalle,  z.  B.  von  Monte 
Campione,  eigen  ist:  der  parallel  zur  Axe  des  Prismas  schwingende 
Strahl  wird  sehr  stark  absorbirt,  bei  einiger  Dicke  der  Kryställchen 
beinahe  ganz  ausgelöscht;  der  senkrecht  zur  Axe  schwingende  Strahl 
gibt  dagegen  ein  hyacinthroth ,  honiggelb  oder  sonst  wie  (je  nach 
der  Örtlichkeit  und  Dicke  der  Masse)  rothgelb  gefärbtes  Bild. 

Faßt  man  die  zwischen  den  Streifen  liegende  Staurolithmasse 
durch  das  Dichroskop  ins  Auge,  so  überzeugt  man  sich  leicht,  daß 
grelle  Absorptionsunterschiede  darin  nicht  gegeben  sind,  ebenso 
wenig  wie  an  gleichartig  geschliffenen  Platten  der  Krystalle  von 
Monte  campione,  Mindport,  Lilchfield  und  anderen  Fundorten,  die 
sich  durch  Reinheit  des  Minerals  auszeichnen.  Die  nach  der  Makro- 
diagonale und  die  nach  der  Mikrodiagonale  orientirten  Strahlen 
zeigen  an  solchen  Krystallen  allerdings  einige  Verschiedenheit  der 
Intensität,  wie  Haidinger  dies  vor  Jahren  nachgewiesen  hat,  die- 
selbe ist  aber  bei  weitem  nicht  grell  genug,  um  in  dem  vorliegenden 
Falle  in  Betracht  zu  kommen. 

Plättchen  aus  Krystallen  von  St.  Radegund,  parallel  zu  (100) 
der  normalen  Spaltungsebene,  geschlilTen,  dürfen  wohl  die  Dicke 
von  0-3  Millimeter  nicht  überschreiten,  um  ein  deutliches,  durch  die 
schwarze  Masse  nicht  allzusehr  getrübtes  Bild  zu  geben.  Haben  sie 
aber  einen  genügenden  Grad  von  Durchsichtigkeit  erlangt ,  so  zeigen 


über  den   Staurolith   von   St.  Radegund.  649 

sie  eine  mehr  flaserige  als  rein  geradlinig  streifige  Mengung  der 
schwarzen  und  der  gelben  Substanz,  welche  letztere,  mit  Ausnahme 
weniger,  als  Unterbrechungen  der  Flaserung  erscheinender  Stellen, 
regelmäßig  orientirt  ist.  (Vgl.  Fig.  2.)  Das  der  Flaserung  parallel 
schwingende  Licht  ist  röthlichgelb,  das  Bild  des  anderen  Strahles 
licht  weingelb.  Die  Farbentöne  sind  ganz  dieselben,  wie  man  sie  von 
jenen  in  der  Ebene  (001)  sichtbaren  Streifen  erhält. 

Es  unterliegt  somit  keinem  Zweifel,  daß  die  Krystalle  von 
St.  Radegund  eine  polysynthetische  Structur  haben:  aus  normal 
orientirter  und  (nach  dem  Zwillingsgesetz  des  Kreuzzwillings)  hemi- 
troper  Krystallsubstanz  bestehen  und  daß  die  oben  erwähnte  abnorme 
Spaltbarkeit  durch  diese  versteckte  Hemitropie  bedingt  ist. 

Minder  klar  sind  die  Formverhältnisse  der  schwarzen  Masse 
ausgedrückt.  Daß  ihre  Vertheilung  keine  selbständige,  sondern  von 
der  Staurolithsubstanz  als  dem  eigentlichen  Krystallkörper  abhängig 
sei,  glaube  ich  nach  dem  angedeuteten  Ergebniß  der  mikroskopischen 
Untersuchung  nicht  bezweifeln  zu  dürfen.  Eine  Vergrößerung  von 
mehr  als  400  lin.  auf  möglichst  dünne  Schliffe  angewendet,  lehrt 
über  die  Form  der  Elemente  des  schwarzen  Aggregats  nicht  wesent- 
lich mehr  als  die  Betrachtung  durch  eine  gute  Loupe.  Unregelmäßig 
contourirte  Körnchen  sind  mit  rundlichen  und  zackig  buchtigen 
Hohlräumen,  dergleichen  auch  die  Staurolithsubstanz  nicht  entbehrt, 
zu  einem  unentwirrbaren  Gefüge  verbunden,  welches  mit  der 
Aggregation  feiner  Ausscheidungen  von  Pleonast  oder  Picotit  Ähnlich- 
keit hat. 

Eine  starke  Verunreinigung  der  Staurolithkrystalle  durch  Gesteins- 
masse vermuthend,  prüfte  ich  die  dunklen  Flasern  eines  nach  (100) 
geschliffenen  Plättchens  vor  und  nach  dem  Reinpoliren  mittelst  scharfer 
Quarzsplitter,  fand  jedoch,  daß  sie,  wenn  nicht  härter,  keinesfalls 
weicher  sind  als  rein  gelbe  Stellen,  die  aller  Orten  vom  Quarzsplitter 
ungeritzt  bleiben.  Wir  haben  es  also  keineswegs  mit  mikrokrystallini- 
schen  Einschlüssen  von  Glimmer  (fder  verwandten  Mineralien  zu  thun, 
sondern  mit  „polysomatischen"  Krystallen  von  eigenthümlicher  Art, 
die  zur  Natur  des  umhüllenden  Gesteins  in  nicht  leicht  greifbarer 
Beziehung  stehen. 

Ohne  mich  auf  Vermuthungen  über  die  Genesis  derselben  und 
auf  die  Formen  jener  Hohlräume  einzulassen,  die  den  feineren  „Wasser- 
poren" des  granitischen  Quarzes  nicht  unähnlich  sind,  muß  ich  noch 

42* 


650  Peters    und    M  a  1  y. 

berichten,  daß  das  Mikroskop  einen  dritten  Bestandtheil  der  be- 
sprochenen Krystalle  verräth. 

Sowohl  die  Schliffe  in  der  Ebene  (001),  als  auch  die  der  Haupt- 
axe  und  der  Brachydiagonale  gleichlautenden  Plättchen  zeigen  in- 
mitten der  schwarzen  Masse  oder  im  innigsten  Gemenge  derselben 
mit  jeweilig  vom  Schnitte  getroffenen  Staurolithelementen ,  einzelne 
unregelmäßig  und  verschwommen  geformte  farblose  Partien.  In 
Fig.  1  und  2  sind  je  zwei  davon  zur  Ansicht  gebracht.  Sie  bestehen 
aus  einer  Masse,  die  von  Poren  der  oben  genannten  Beschaffenheit 
reichlich  durchzogen  ist  und  zwischen  gekreuzten  Nicols  betrachtet, 
keine  Spur  von  Doppelbrechung  zeigt.  Im  auffallenden  Lichte  er- 
scheinen diese  Stellen,  die  man  auf  den  ersten  Blick  für  Lücken,  mit 
Balsam  ausgefüllt,  halten  möchte,  als  eine  weiße,  mit  beiden  anderen 
Bestandtheilen  innig  verbundene  Masse,  die  an  feine  Kalk-  oder  Kiesel- 
ausscheidungen in  dichten  Silicatgesteinen  erinnert.  Aus  ihrem  Ver- 
halten im  polarisirten  Lichte  glaube  ich  sie  für  ein  o pal  artiges 
Gebilde  ansehen  zu  dürfen,  —  gewissermaßen  für  ein  Nebenproduct 
bei  Entstehung  der  schwarzen  Substanz  aus  einem  mit  der  normalen 
Staurolithsubstanz  zusammen  krystallisirten  und  isomorphen  Silicat. 

Gleichwohl  erweist  die  chemische  Analyse  dieses  so  unreinen 
Minerals,  wie  mein  Arbeitsgenosse  im  Folgenden  ausführlicher  dar- 
thut,  keine  ganz  ungewöhnliche  Zusammensetzung.  Es  reiht  sich  den 
mindest  kieselsäurereichen  Staurolithen  vom  St.  Gotthardt  (ohne 
nähere  Angabe)  und  Massachusets  an  (vgl.  Rammeisberg  in 
Poggend.  Ann.  CXIII,  Seite  604),  übertrifft  aber  sämmtliche  bislang 
untersuchte  Varietäten  in  seinem  Gehalte  an  Thonerde.  Was  den  von 
Maly  als  „Constitutionswasser"  gedeuteten  Glühverlust  betrifft,  der 
den  höchsten  von  Rammeisberg  mit  1-27  Procent  gefundenen 
Glühverlust  (Goldenstein,  1.  c.  ßOH)  um  0-40  übersteigt,  so  dürfte 
in  dem  opalartigen  Gemengtheile  und  in  der  starken  (mikroskopischen) 
Porenentwicklung  der  schwarzen  Masse  die  Ursache  dieses  höheren 
Abganges  wohl  gefunden  sein. 

Über  die  stoffliche  Natur  der  schwarzen  Masse  darf  ich  mich 
um  so  weniger  in  Vermuthungen  ergehen,  als  die  Analyse  im  vor- 
liegenden Falle  einen  ungewöhnlich  geringen  Eisengehalt  ergab. 
Der  nicht  ganz  unbeträchtliche  Gehalt  an  Kalkerde  kann  in  Anbe- 
tracht der  oben  angedeuteten  Lagerungsverhältnisse  nicht  über- 
raschen. Ja,  man  möchte  im  Hinblick  auf  die  im  Innern  der  Krystalle 


über  den   Sfaurolith   von   St.  Radegund.  651 

vor  sich  gegangene  Umwandlung  eines  mit  normaler  Staurolithmasse 
verbundenen  Bestandtheiles  fiO,  2Rjj03,  nSiO^  vermuthen,  daß  dieser 
Kalkgehalt  nur  der  Überrest  einer  größeren,  durch  Magnesia  und 
Eisenoxydul  nicht  völlig  ersetzten  Menge  sei. 

Obwohl  das  Staurolithmineral  von  St.  Radegund  wegen  seiner 
inneren  Zwillingsbildung  einigen  Anspruch  auf  Beachtung  erheben 
darf,  so  würde  icli  es  doch  nicht  zum  Gegenstande  einer  ausführ- 
liehen Besprechung  gemacht  haben,  wenn  mir  nicht  unter  einer 
geringen  Anzahl  mikroskopisch  untersuchter  Staurolithkrystalle  von 
mehreren  Fundorten  ein  zweiter  Fall  von  ganz  ähnlicher  substan- 
tieller Verschiedenheit  im  Innern  vorgekommen  wäre  und  manche 
andere  Beobachtungen  mir  die  Nothwendigkeit  einer  genauen  mikro- 
skopischen Untersuchung  solcher  Silicate  recht  einleuchtend  ge- 
macht hätten. 

Dieser  zweite  Fall  betrifft  einen  äußerlich  sehr  schön  ausgebil- 
deten schwärzlichen  Staurolith  „vonOffenbänya  in  Siebenbürgen." 
Zahlreiche  einfache  Säulen  von  der  gemeinsten  Form  (110.100.001) 
sind  in  einem  krummblättrigen  Glimmerschiefer  von  grünlichgrauer 
Farbe  eingebettet.  Seltene  Körner  von  sehr  hellfarbigem  Almandin 
und  striemenförmige  Ausscheidungen  von  Quarz,  stellenweise  auch 
mikroskopische  Drüschen  von  einem  Feldspathmineral,  begleiten  die 
Staurolithkrystalle  derart,  daß  die  sehr  feinkörnig  zusammengesetzten 
Quarzflasern  sich  unmittelbar  an  sie  schließen,  stellenweise  sie  auch 
wohl  ganz  umhüllen.  An  einer  Stelle  des  Gesteins  bemerkte  ich  die 
am  Turmali n  des  Glimmerschiefers  so  häufig  vorkommende  Erschei- 
nung zerbrochener  und  durch  Quarz  wieder  verkitteter  Krystalle. 
(Kais.  Hof-Mineraliencabinet  I.  Ladensammlung.) 

Dieser  Staurolith  ist  dem  beschriebenen  von  St.  Radegund  in 
mehrfacher  Beziehung  ähnlich.  Von  hemitroper  Zusammensetzung 
fand  ich  allerdings  keine  Spur.  Dagegen  ist  die  Scheidung  durch- 
sichtiger (honiggelber)  Staurolithsubstanz  von  einer  dem  Ansehen 
nach  mit  jener  schwarzen  Substanz  identischen  Masse  und  einem 
farblosen  Mineral  sehr  auffallend  und  in  größeren  Dimensionen  ent- 
wickelt, wie  in  dem  oben  besprochenen  Falle.  Zugleich  zeigt  sich 
eine  Art  von  Schalenbildung.  Äußerlich  bestehen  die  Krystalle  aus 
reiner  Staurolithmasse,  stellenweise  bis  zu  ein  Drittheil  ihres  Halb- 
messers. Innerlich  mengt  sich  dieselbe  in  flaserigen  Formen  mehr 
und  mehr   mit   der  schwarzen  Masse.    Entsprechend   der  gröberen 


652  Peters    und   M  a  1  y. 

Ausscheidung  heider  sind  auch  die  iarhlosen  Partien  viel  grüßer  und 
voll  von  „Wasserporen"  ähnlichen  Hohlräumen.  Das  f'arhlose  (im 
auffallenden  Lichte  weiße)  Mineral  ist  aher  hier  nicht  amorph,  son- 
dern ausgezeichnet  doppelhrechend  (Fig.  3).  Es  darf  wohl  geradezu 
als  krystallinischer  oder  kryptomorpher  (chalcedonartiger)  Quarz 
angesprochen  und  mit  den  außerhalb  der  Krystalle  befindlichen  Quarz- 
ausscheidungen in  Verbindung  gebracht  werden  *). 

Die  schwarzen  Staurolithe  aus  der  Bretagne  und  von  Mindport 
(New-Hampshire),  von  denen  ich  mehrere  Schliffe  untersucht  habe, 
sind  wohl  von  völliger  Homogeneität  der  Substanz  weit  entfernt  und 
im  hohen  Grade  porös,  wohl  auch  mit  inneren  Kieselabscheidungen 
versehen,  —  Eigenschaften,  die  sie  voraussiclitlich  mit  allen  nicht 
durchsichtigen  Varietäten  gemein  haben,  doch  bemerkte  ich  daran 
keine  Erscheinungen,  die  sich  morphologisch  beurtheilen  ließen. 

Von  durchsichtigen  Staurolithen  habe  ich  nur  wenige  Prä- 
parate anfertigen  lassen,  doch  zeigt  mir  eines  derselben,  daß  auch 
diese  Varietäten  einer  genauen  Prüfung  bedürfen. 

Die  wohlbekannten  Krystalle  von  Franconia,  N.  H.,  deren 
eigenthümlicher  Bau  (Fundort  Charlestown)  schon  von  Jackson 
gewürdigt  wurde  (vgl.  Dana,  System  of  Mineralogy,  4.  edit.  p.  262), 
empfehle  ich  namentlich  zur  dichroskopischen  Voruntersuchung,  deren 
Ergebniß,  zusammengehalten  mit  der  chemischen  Zusammensetzung, 
Schlüsse  über  die  polysomatische  (in  diesem  Falle  disomatische) 
Natur  des  Minerals  wesentlich  unterstützen  dürfte. 

Ein  genau  nach  (001)  geführter  Querschnitt,  der  auf  0-4  Milli- 
meter, das  ist  dünner  als  nöthig,  geschliffen  wurde,  zeigte  mir  das  in 
Fig.  4  gezeichnete  ungemein  regelmäßige  Bild*). 


*)  Die  Schliffe  wurden  behufs  genauerer  Untersuchung  unter  dem  Polarisations- 
mikroskope von  den  Glasplatten  losgelöst,  in  Äther  gewaschen  und  auf  Glas  neu 
polirt.  In  Fig.  3  habe  ich  ein  völlig  krystallinisches  Segment  einer  solchen  farb- 
losen Stelle  bei  starker  Vergrößerung  möglichst  naturgetreu  gezeichnet. 

~J  Der  hiezu  verwendete  Krystall  wurde  aus  einem  grünlichgrauen,  ungewöhnlich 
dichten  Glimmergestein  gelöst,  welches  nebst  vielen  einfachen  Staurolithsäulen 
von  10  —  50  Millimeter  Länge  einzelne  Granatkörner  und  zahllose  sehr  kleine 
Glimmerkrystalle  enthält,  deren  hexagonaleSpaltungsflächen  tombackbraun  schillern. 
Der  Krystall  selbst  war  im  Bereiche  des  Schnittes  frei  von  Granatbeimengung.  Die 
am  Gestein  hinterbliebene  recht  glatte  Ablösungsfläche  erwies  sich  an  verschiede- 
nen Stellen  sehr  ungleichmäßig  hart,  ohne  daß  die  Ursache  davon  durch  die  Loupe 
wahrzunehmen  wäre  (kais.  Hof-Mineraliencab.  SchausaMiinluiig). 


über  den   Staurolith   von   St.  Radegund.  653 

Ein  Axerikrystall,  dessen  Diagonalen  beinahe  genau  ein  Drittheil 
der  Diagonalen  des  ganzen  Schnittes  betragen  und  dessen  Umriß  den 
Durchsehnittslinien  der  Säule  völlig  parallel  läuft,  macht  sich  auf  den 
ersten  Blick  bemerkbar.  Er  ist  an  der  rohen  Schnittfläche  sammt  den 
von  seinen  Winkeln  auslaufenden  Diagonallinien  nicht  minder  deutlich 
sichtbar  wie  in  der  dünn  geschliffenen  Platte.  An  letzterer  werden 
sowohl  der  Umriß  als  auch  die  Diagonalen  durch  zahllose  feine  Tren- 
nungen sehr  auffallend  gemacht,  die  auf  den  Seiten  des  Prismas 
genau  rechtwinkelig  stehen,  die  Diagonalen  somit  fiederförmig  zeichnen 
und  niemals  in  den  Axenkrystall,  sondern  stets  in  die  Schalensubstanz 
eindringen.  Bei  stärkerer  V^ergrößerung  (von  ungefähr  60  linear) 
erkennt  man  sie  als  Reihen  von  sehr  unregelmäßig  geformten,  zumeist 
länglichen  Hohlräumen. 

Die  normale  Spaltungsebene  (100)  ist  an  mehreren  Stellen 
kenntlich  und  durchsetzt  die  ganze  Säule,  ohne  einen  Unter- 
schied zwischen  Axen-  und  HüUkrystall  zu  machen.  Dasselbe  gilt  von 
einem  ungewöhnlich  vollkommenen  Blätterdurchgang  nach  (110),  der 
sich  so  oft  wiederholt,  daß  er  zu  Interferenzerscheinungen  Veranlaßung 
gibt.  Sonderbarer  Weise  ist  seine  Gegenfläche  nicht  durch  die 
mindeste  Discontinuität  angedeutet,  was  wohl  nur  von  einer  zufälligen 
Einseitigkeit  des  mechanischen  Eingriffes  beim  Schneiden  des  Plätt- 
chens herrührt  i).  Im  ordinären  durchfallenden  Lichte  betrachtet,  ist 
die  ganze  Platte  gleichmäßig  intensiv  röthl ichgelb  (weingelb  in  honig- 
gelb geneigt).  Das  Dichroskop  zeigt 
im  Axenkrystall 

den  nach  der  Brach ydiagonale  schwingenden  Strahl 

licht  weingelb  in's  Röthliche, 
den  nach  der  Makro  diagonale   schwingenden   Strahl 
weingelb  in's  Grünliche; 
im  HüUkrystall  ohne  Unterschied  seiner  vier  Abschnitte 

den  nach  der  Brachydiagonale  schwingenden  Strahl 

röthlich  weingelb, 
den   nach   der  Makrodiagonale  schwingenden   Strahl 
grünlich  weingelb. 


•)  Wie  interessant  auch  die  mikroskopische  Untersuchung  beider  Substanzen  sein 
möchte,  darf  ich  doch  an  dem  vorliegenden  Präparat  nicht  darauf  eingehen,  weil 
die  Gefahr  von  Täuschungen  wegen  der  vielen  mechanisch  hervorgebrachten 
Trennungen  allzugroß  ist. 


654  Peters   und    M  a  I  y. 

Obwohl  dem  Charakter  nach  in  beiden  Feldern  gleichartig,  ist 
der  dichroskopisehe  Unterschied  zwischen  den  Farben  des  Axeu- 
krystalls  und  denen  des  Hüllkrystalls  noch  viel  stärker,  als  sich  in 
obigen  Worten  ausdrücken  ließ.  Er  bleibt  gleich  aulfallend,  von 
welcher  Art  das  angewendete  Licht  auch  sei. 

Die  so  gebauten  Krystalle  von  Franconia  sind  demnach  keines- 
wegs Zwillinge,  sondern  schal  ig,  mit  gleicher  Orientirung  ihrer 
einzelnen  Felder.  Sie  sind  aber,  wie  ich  aus  den  angegebenen  Ab- 
sorptionsunterschieden glaube  folgern  zu  müssen,  disomatisch 
(nach  Th.  S c h e e r e rs  Ausdruck) ,  das  heißt ,  ihr  Axenkrystall  ist 
substantiell  von  der  umhüllenden  Schale  verschieden.  Möge  diese 
Differenz  auch  noch  so  gering  sein,  sich  nur  auf  eine  kleine  Menge 
von  Eisenoxydul  gegen  Magnesia  oder  auf  dermalen  nicht  wohl 
discutirbare  Abweichungen  im  Gehalt  an  Kieselsäure  gegen  Thon- 
erde  erstrecken,  so  kann  doch  das  relative  Volumen  der  Axensubstanz 
das  Ergebniß  der  Analyse  sehr  wesentlich  alteriren.  Wiederholte 
chemische  Untersuchungen  dieses  interessanten  Stauroliths  werden 
um  so  sicherer  darüber  Aufschluß  geben,  je  genauer  sie  in  der  ange- 
deuteten Weise  controlirt  werden  können. 

Nach  dem  Wenigen,  was  ich  über  Staurolith  selbst  erfuhr, 
und  nach  den  ausgezeichneten  Arbeiten  von  Rammeisberg, 
Kenngott  und  Wislicenus  und  Anderen,  die  dieses  Mineral 
neuerlich  zum  Gegenstande  ihrer  Untersuchungen  gemacht  haben, 
glaube  ich  an  der  Ansicht  festhalten  zu  sollen,  von  der  auch 
Rammeisberg  (I.  c.  Seite  600)  ausging,  der  Ansicht,  daß 
der  Staurolith  im  Allgemeinen  „polysomatisch"  und 
nur  in  speci eilen  Fällen,  die  sich  durch  das  Mikroskop  und  das 
Dichroskop  leicht  werden  ermitteln  lassen,  „monosomatisch" 
gebildet  sei. 

Allem  Anscheine  nach  gilt  dasselbe  nicht  nur  vom  Andalusit,  vom 
Granat  und  einigen  anderen,  sondern  von  vielen  als  „accessorische 
Gemengtheile"  von  Gebirgsgesteinen  oder  als  wesentliche  Bestand- 
massen von  Contactfelsarten  vorkommenden  Silicaten  und  wird  stets 
um  so  leichter  erkannt  werden,  je  mehr  sich  die  einzelnen  Substanzen 
ihrer  Krystalle,  wenn  nicht  ursprünglich,  doch  in  Folge  ungleicher 
Wandelbarkeit  von  einander  abgeschieden  haben. 


über   den   Staiirolith   von   St.  Radegund.  DÖO 


Chemische  Untersuchung  des  Staurolith's  von  St,  Radegund. 

Die  großen  Krystalle  wnirden  im  Stahlmörser  zerklopft  und 
davon  zur  Analyse  die  reinsten  Splitter  ausgesucht.  Üa  vorläufige 
Versuche  zeigten,  daß  das  Mineral  schwer  aufschließhar  i.st,  wurde 
das  Pulver  geschlemmt.  In  diesem  ganz  feinen  Zustande  war  es  rein 
grau,  während  das  der  meisten  von  Rammeisberg  untersuchten 
Staurolithe  gelbbraun  oder  bräunlicbgrau  war.  Wurde  es  geglüht, 
so  hatte  es  nach  dem  Erkalten  ebenfalls  eine  braungraue  Farbe,  die 
wahrscheinlich  auf  die  Umwandlung  von  Ferrosum  in  Ferricumoxyd 
zu  setzen  ist. 

Die  Schmelze  des  Minerals  mit  kohlensaurem  Kalium-Natrium 
war  gelb,  die  mit  Borax  bouteillengrün. 

Die  Bestandtheile  waren  dieselben,  wie  sie  in  anderen  Stauro- 
iithen  gefunden  wurden,  mit  Ausnahme  einer  kleinen  Menge  Kalk, 
der  anderweitig  nicht  angegeben  wird.  Mangan  fehlt  darin. 

Der  Weg  der  Analyse  war  demnach  der  gewöhnliche;  nach 
dem  Aufschließen  mit  kohlensaurem  Kalium-Natrium  und  Abscheiden 
des  Kieselsäureanhydrids  wurden  Thonerde  und  Ferricumoxyd  ge- 
meinschaftlich gefällt  und  aus  dem  Filtrat  nun  Kalk,  dann  Magnesia 
niedergeschlagen. 

Dabei  hekam  ich  aus  1-5231  Grm.  bei  125°  getrockneter 
Substanz: 

0-4640  Grm.  Kieselsäureanhydrid 

0  -  99ÖO      „      Thonerde  -|-  Ferricumoxyd 

0  •  08o5     „     Magnesiumpyrophosphat  =  0 •  0308  Grm.  Magnesia 

0  0280     „     schwefelsaures   Calcium  =  0-0115     „     Kalk. 

Daher  in  100  Theilen: 

30-42  Kieselsäureanhydrid 
65-27  Thonerde  -f-  Ferricumoxyd 

2*01  Magnesia 

0-75  Kalk. 

Der  gesammte  Eisengehalt  wurde  volumetrisch  mit  Chamäleon- 
lösung bestimmt  und  zwar  zweimal;  einmal  nach  vorhergehendem 
Aufschließen   mit   Boraxglas,   Lösen   in   verdünnter  Schwefelsäure, 


656  P  e  t  e'r  s    und    M  a  1  y. 

Recluciren  des  allenfalls  vorliaiideiien  Ferricumsalzes  und  Tltriren. 
Die  zweite  Probe  wurde  mit  kohlensaurem  Kalium-Nalrium  aufge- 
schlossen und  dann  ebenso  behandelt.  Das  Mittel  aus  beiden  Ver- 
suchen gab  einen  Eisengehalt,  der  als  Ferrosumoxyd  berechnet 
1009  Perc,  als  Ferricumoxyd  berechnet  11-21  Perc.  betrug. 

Zur  Bestimmung  des  als  Ferrosum  vorhandenen  Eisens  wurde 
der  von  Rammeisberg  ^)  bei  seinen  zahlreichen  Staurolithanalysen 
benützte  Weg  —  Zusammenschmelzen  mit  Borax  bei  Luftabschluß  — 
benützt,  nachdem  Scheerer*)  in  einer  eigenen  Abhandlung  gezeigt 
hat,  daß  die  dieser  Methode  entsprechenden  Resultate  genau  und 
mit  denen  durch  Aufschließen  mit  Säuren  bei  höherem  Druck  über- 
einstimmend sind. 

Zu  0-8225  Grm.  in  dieser  Weise  aufgeschlossenem  Staurolith 
wurden  7-1  C.  C.  einer  Chamäleonlösung  verbraucht,  von  der  100  C.  C. 
das  Ferrosumsalz  von  0-784  Grm.  Eisen  (entsprechend  1  -007 Ferrosum- 
oxyd) oxydirten.  Dies  gibt  auf  100  Theile  Substanz  8-G9  Theile  Fer- 
rosumoxyd. Vergleicht  man  diese  Menge  mit  der  auf  dasselbe  Oxyd 
berechneten  Gesammtmenge  des  Eisens,  d.  i.  10-09  Perc,  so  findet 
man  eine  so  kleine  Differenz  von  etwas  über  1  Perc.  daß  man  wohl 
annehmen  kann ,  dieses  Ferricumoxyd  habe  sich  an  der  Außenfläche 
der  Krystalle  durch  atmosphärischen  Einfluß,  vielleiclit  spurenweise 
auch  während  des  Aufschließens  gebildet  und  gehöre  nicht  zur  Con- 
stitution des  Minerals.  Wir  werden  daher  das  Eisen  als  Monoxyd  in 
den  Procentenansatz  bringen. 

Die  Eisenfrage  des  Stanroliths  ist,  wenngleich  neu,  doch 
schon  mehrfach  besprochen  worden.  Von  Kenngott  angeregt, 
von  Rammeisberg  (1.  c.)  constatirt ,  hat  sich  gezeigt,  daß 
in  allen  Fällen  und  meist  vorherrschend,  das  Eisen  als  Ferrosum 
vorhanden  ist.  Rammeisberg  fand  in  den  Staurolithen  von 
Lisbon  und  Pitkäranta  kein,  in  dem  von  Goldenstein  fast  kein  Fer- 
ricum,  und  Kenngott  spricht  neuerdings^)  die  Vermuthung  aus, 
diese  Species  habe  ursprünglich  überhaupt  nur  Eisen  als  Ferrosum 
aufgenommen.  Der  Staurolith  von  Radegund  mag  als  kleiner  weiterer 
Beleg  dafür  dienen. 


1 


1)  PoggendorfTs  Amialen,  Bd.  113,  p.  599. 

2)  Poggendorffs  Annalen,  Bd.  124,  p.  94. 
«)   Journal  für  prakt.  Chemie,  Bd.  93,  p.  257. 


über   «leii   Staurolith   von   St.  Radegiiad.  65  • 

Durch  Abzug  des  als  Ferricumoxyd  berechneten  Eisens  vom 
obigen  Gemenge  mit  Thonerde  bekommen  wir  für  diese  o4-06  Perc, 

Der  Glühverlust  der  bei  circa  130  getrockneten  Substanz  gab 
1  -67  Perc. 

Daraus  ergibt  sich  folgende  Zusammensetzung: 

30*42  Kieselsäureanhydrid 
54-06  Thonerde 
10-09  Ferrosumoxyd 

2-01  Magnesia 

0-75  Kalk 

1-67  Glühverlust 


99-00 


Vergleicht  man  diese  Zahlen  des  Radegunder  Stauroliths  mit 
den  vorhandenen  schon  zahlreichen  Staurolythanalysen  (Kenngott 
stellt  in  der  erwähnten  Abhandlung  zwölf  von  verschiedenen  Fund- 
orten zusammen) ,  so  findet  man  sie  sehr  annähernd  an  die  von 
Rammeisberg  (betreffend  den  Fundort  St.  Gotthardt),  von  Wisli- 
cenus^)  (Fundort  Monte  Campione  im  Tessin),  von  Marignac, 
Jacobson  etc.,  aber  mit  keiner  genau  übereinstimmend,  was  über- 
haupt nicht  von  irgend  zwei  Staurolithen  gesagt  werden  kann. 

Eine  Bemerkung  habe  ich  noch  über  den  Glühverlust  zu  machen  ? 
Wislicenus  fand  bei  seinen  mit  besonderer  Sorgfalt  ausgeführten 
Analysen  keinen  solchen,  Rammeisberg  jedoch  regelmäßig,  aber 
wie  für  alle  Bestandtheile  schwankende  Zahlen:  von  0-27  bis 
1-27  Perc.  Dieser  Glühverlust  kann  nur  Wasser  sein  und  da  man 
bei  einer  anhaltend  zwischen  120 — 130  C.  getrockneten  Substanz 
kein  hygroskopisches  Wasser  mehr  annehmen  kann,  solches  Wasser, 
welches  mit  energischen  Affinitäten  gebunden,  dem  Silicat  selbst 
angehört. 

Offenbar  ist  öfter  auf  die  Bestimmung  dieses  erst  beim  Glühen 
entweichenden  Wassers  ein  zu  kleines  Gewicht  gelegt  worden ,  oder 
es  wurde  übersehen  oder  als  Krystallwasser  betrachtet.  Wenn  man 
aber  die  Umstände  erwägt,  unter  denen  es  entweicht,  so  kann  man 
wohl  die  Vorstellung  aufkommen  lassen,   daß   solches  Wasser  dem 


')   In  der  oben  citirteu  Abhandlung  von  Kenngott. 


61)8  Peters   und    Mal  y. 

Mineralmolekül  nicht  angehangen  ist,  sondern  in  dessen  molecu- 
laren  Bau  mit  eingeht.  In  diesem  Sinne  müßte  man  von  einem 
basilen  Wasserstoff  sprechen,  der  als  monaffines  Radical  im  Silicat 
lungirt. 

Noch  mehr  kommt  man  zu  solchen  Überlegungen  an  der  Hand 
der  neueren  Anschauung,  welche  die  Silicate  auf  mehrere  nach  HjjO 
und  Si  Oj  wachsende  Reihen  —  die  Polysiliconsäuren  zurückführt. 

Diese  Betrachtung,  welche  Odling  zuerst  angeregt  und  Wurtz 
weiter  entwickelt  hat,  wurde  von  We  1 1  z  i  e  n  in  einer  selbstständigen 
Schrift*)  systematisch  für  alle  Silicate  durchgeführt,  deren  noth- 
wendige  Folge  der  sich  aufdrängende  Gedanke  über  die  intramolecu- 
lare  Stellung  des  Wasserstoffes  sein  mußte  und  den  Weltzien  da- 
selbst auch  ausgesprochen  hat  *). 

Ich  stehe  daher  nicht  an,  den  Glühverlust  als  Constitutionswasser 
zu  schreiben  und  den  Sauerstoff  desselben  zu  dem  an  Monoxyde  ge- 
bundenen zu  rechnen  ^). 

Darnach  haben  wir  folgendes  Sauerstoffverhältniß : 


Kieselsäureanhydrat  30 -42 


Thonerde   .    .    . 

.  54-06 

Ferrosumoxyd     . 

.  1009 

Magnesia    .    .    . 

.     201 

Kalk 

.     0-75 

Sauerstoff 

15 

92 

1 

•0 

25 

30 

1 

59 

4-73  0-29 


Wasser 1-67 


Das  von  Rammeisberg  ziemlich  ungetrübt  gefundene  Ver- 
hältniß  1  :  6  im  Sauerstoff  der  Monoxyde  und  Sesquioxyde  findet  sich 
auch  hier  annähernd.  Die  Kieselsäure  stimmt  mit  den  am  kieselsäure- 


')   Systematische  Übersieht  der  Silicate.  Gießen  1864. 

~)  Nachdem  vom  Krystaliwasser  der  Silicate  gesprochen  wurde,  heißt  es:  „Dieses  als 
Krystallwasser  geschriebene  Wasser  wird  aber  in  vielen  Fällen  zur  wesentlichen 
Zusammensetzung  des  chemischen  und  nicht  bloss  zum  physikalischen  Molekül 
gehören.  Unter  dieser  Voraussetzung  müßte  das  bezügliche  Silicat  unter  einem 
andern  Hydrat  derselben  Kieselsäure  stehen  und  zwar  unter  einem  gerade  um  so 
viel  höheren  als  Wassermoleküle  angegeben  sind". 

„Daiur,   daß  der  Wasserstoff  dieses  Wassers  wirklich  basiler  Art  sein  könnte, 
spricht  die  Constitution  der  Silico -Wolfraniate  .  .  etc.  von  Marignac." 

2)    Vergleiche  über  den  Wassergehalt  das  oben  (Seite  630)  Mitgetheilte. 


über  den   Sfaurolith   von   St.  Radegund.  659 

ärmsten  Analysen  Rammelsberg's  und  mit  denen  von  Wislicenus, 
^v  onach  sich  der  Sauerstoff  verhält  : 

Kieselsäure  Sesquioxyd  Monoxyd 

wie  4  :  6  :  1, 

wenn  man  von  den  Bruchtheilen  absieht: 

4       :       6-36       :       1-16. 

Drückt  man  die  Zusammensetzung  durch  eine  Formel  aus,  so 
hat  man  die  von  Rammeisberg  für  die  kieselsäureärmsten  Stauro- 
lithe  gefundene: 

RO,     2R2O3,     asio^. 

Bezieht  man  sie  auf  ein  condensirtes  Kieselsäuremolekül,  kommt 
man  zur  siebenten  Disiliciumsäure : 

tili 
Si^ 

III 

II 

III  II 

wenn  alles  R  durch  Aluminium,  das  R  durch  Magnesium,  Ferrosum, 

Calcium  und  Wasserstoff  ersetzt  ist.  Die  von  Weltzien  für  den 
Fall,  als  von  triaffinen  Radicalen  nur  Aluminium,  von  monaffinen 
(resp.  diaffinen)  nur  Calcium  vorhanden  ist,  für  diese  Säure  be- 
rechnete Normalzusammensetzung  zeigt31-4Perc.SiOg  und53-9Perc. 
AI2O3. 


ßßO  Peters   und    M  a  1  y. 


Erklärung  der  Abbildungen. 


Fig.  1.  Schliff  eines  Staurolithkrystalles  aus  dünnschiefrigem  Gneiß  von 
St.  Radegund  bei  Graz,  parallel  mit  (001)  der  Basisflüche  des  Prisma's 
geschnitten. 

Fig.  2.  Schnitt  eines  Krystailes  vom  selben  Orte  nach  der  Spaltungsebene 
(iOO).  Beide  im  durchfallenden  gewöhnlichen  Lichte  mit  einer  Vergrößerung 
von  60  linear  betrachtet.  Die  farblosen  Stellen  erscheinen  als  amorphe  Kiesel- 
substanz. 

Fig.  3.  Eine  farblose  Stelle  aus  einem  nach  (001)  geschnittenen  Staurolith- 
krystall  von  Offenbanya  in  Siebenbürgen.  Unter  dem  Polarisationsmikroskop 
bei  gekreuztem  Analiseur  und  einer  Vergrößerung  von  430  linear  beobachtet. 
Einige  von  zahllosen  Wasserporen  sind  ersichtlich  gemacht. 

Fig.  4.  Basisplatte  (001)  eines  Staurolithkrystalles  von  Franc onia  N.  H., 
0"4  Millimeter  dick,  fünfmal  vergrößert. 


I'cirrs.    Nl;i  inoliili 


60 

1 


J.    i^p 


1 


.Sil/i(in,.s1.  ,1  k.\k,iij  (I  U'i.s.scii.scli  uiiitli  ii.ituiw  (1        I,\'ll.  l;,]  I.Al.di  l.'iü.' 


Laube.   Die  Fauna  der  Schichten  von  St.  Cassian.  661 


Die  Fauna  der  Schichten  von  St.  Cassian, 

Ein  Beitrag  zur  Paläontologie  der  alpinen  Trias. 

IV.  Äbthell.    GASTROPODE.li.   II.  Hälfte. 

Bearbeitet  zunächst  nach  den  Materialien  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt 
von  Gostav  C.  Laube. 

(Auszug  aus  einer  für  die  Denkschriften  bestimmten  Abhandlung.) 
(Vorgelegt  in  der  Sitzung  am  13.  Febraar  1868.) 


Die  vorliegende  Arbeit  schliesst  sich  an  die  bereits  den  1  i .  Mai 
1866  vorgelegte  Abtheilung  an,  und  behandelt  die  noch  nicht  in  jener 
bekannt  gemachten  Gastropoden  der  St.  Cassianer  Schichten.  Der 
bei  dem  früher  beschriebenen  Theil  der  Pectinibranchiaten  hervor- 
gehobene paläozoische  Typus  tritt  in  dem  hier  behandelten  Theile 
weit  weniger  hervor,  da  die  sämmtlichen  Geschlechter  fast  durch- 
gehends  eine  spätere  Entwicklung  zur  Blüthe  zeigen. 

Die  zahlreichen  kleinen  Gastropoden,  welche  in  St.  Cassian 
vorkommen,  lassen  es  ziemlich  gewiß  erscheinen,  daß  das  Terrain 
daselbst  den  Absätzen  einer  sehr  ruhigen  Meeresbucht  seine  Ent- 
stehung zu  verdanken  hat,  da  wir  ganz  ähnliche  Faunen  auch  noch  in 
unseren  Meeren  wieder  finden. 

Die  systematische  Anordnung  der  beschriebenen  Arten  ist  dem- 
nach im  Ganzen  folgende:      ^ 

OA§TROPODA   Cuvier. 
I.  Untercl.  Prosobranclliata  Milne  Edward. 

I.  Ord.  Pectinibranchiata  Cuvier. 
1.  Unterord.  Proposcidifera  H.  et  A.  Adams 
(in  der  III.  Abtheilung  dieser  Abhandlung  veröffentlicht). 

II.  Unterord.  Toxifera  Gray 
(fehlen  noch  in  der  Fauna). 


662  Laube. 

III.  Unterord.  Rostrifera  Gray. 
a)  Fam.  Certiliiaclae  Fleming. 

Gen.  Cerithiam  Adanson. 
Cerithiiim  Alberti  Münster. 

„  bis  er  tum  M  ü  n  s  t  e  r. 

„  siihcancellatum  M  ü  n  s  t  e  r. 

„  Colon  Münster  sp. 

„  BoUnum  Münster  sp. 

„  Konninckeanum  Münster  sp. 

»  pygmaeimi  Münster  sp. 

,,  nodosoplicatum  Münster  sp. 

„  decoratum  Klip  st  ein  sp. 

„  Brandis   Klip  st  ein  sp. 

„  quadrangulatum  Klip  st  ein. 

„  snbqncubafigidatuni  d'Orbigny. 

„  fenestratum  Laube. 

„  pulchellum  Laube. 

b)  Fam.  Littoriiiitlae  Gray. 
Gen.  Lacuna  Tour  ton. 

Lacuna  Bronni  Wissmann  sp. 
„       canalifera  Laube. 

Gen.  Fossaros  Philippi. 
Fossarus  concentricus  Münster  sp. 
„       pyrulaeformis  K 1  i  p  s  t  e  i  n  sp. 

Gen.  Fossariopsis  Laube. 
Fossariopsis  rngoso  carinata  Klip  st  ein  sp. 
„  Münsteri  K 1  i  p  s  t  e  i  n  sp. 

(9  Fam.  Turritellidae  Clarck. 

Gen.  Tnrrltella  Lamarek. 
Tiirritella  carinata  Münster. 
„         encycla  Laube, 
n         excavata  Laube. 


Die   Fauna   der   Schichten   von   St.    Cassian.  663 

d)  Farn.  Pileopsidae  C  h  e  n  u. 

Gen,  Capulas  Montfort. 
Capulus  pustulosus  M  ü  ii  s  t  e  r. 
„        fenestratus  Laube. 
alatus  Laube. 

e)  Fam.  Meritopsiflae  Chenu. 
Gen.  Neritopsis  Grateloup. 

Neritopsis  Waageni  Laube. 
„        ornata  M  ii  n  s  t  e  r. 
„         subortiata  Münster  sp. 
„  (lecussata  Münster  sp. 

II.  Ord.  Scutibranchiata  Cuvier  (H.  et  A.  Adams). 
\.  Unterord.  Podophthalma  Gray. 

a)  F  a  m.  Trocliiclae  Gray, 
Z  u  n  f t  Eutropiinae  H.  e  t  A.  Adams. 
Gen.  Phasianella  Lamarck. 
Phasianella  Münsteri  W  i  s  s  m  a  n  n. 
„  picta  Laube. 

„  cussicma  Wissmann  sp. 

„  cingulata  Laube. 

Zunft  Turhinue  H.  et  A.  Adams. 
Gen.  Tarbo  Linne. 
Turbo  suhcarinatus  Münster. 
„      fasciolatus  Münster. 
„      pleurotomarius  Münster. 
„       elegans  Münster. 
„       subcinctus  d' Orbig ny. 
„       Satyriis  Laube. 
„       Philippi  Klip  stein. 
„       concinnus  Klip  stein. 
„       Eurymedon  Ij  a  u  b  e. 
,,       Silemis  Laube. 
,,       Epaphus  Laube. 

Sitzb.  H.  mathem.-natiiiw.  Cl.  LVII.  Bd.  I.  Abth.  43 


664  Laube. 

Zunft  Astralinei  Chenu. 
Gen.  PachypoDia  Gray. 

Pachypoma  Calcar  Münster  sp. 
„  Eudymion  Laube. 

„  Dämon  Laub  e. 

Zunft  Rotellinne  S  w  a  i  n  s  o  n. 

Gen,  Rotella  Lamarck. 

Rotella  sphaeroidica  K 1  i  p  s  t  e  i  n  sp. 

Zunft  Trochinae  Swainson. 

Gen.  Delphinula   Lamarck. 

Delphinula  laevigata  Münster. 
„  spiralis  Münster  sp. 

„  subdentata  Münster  sp. 

„  Pichleri  Laube. 

„  spectabilis  Laube. 

„  Doris  Laube. 

Gen.   Delphinulopsis  Laube. 

Delphinulopsis  binodosa  M  ü  n  s  t  e  r  sp. 
„  arnwta  Münster  sp. 

„  artet ina  Laube. 

Gen.  Trochus  Linne. 

Trochus  subconcavus  M  ü  n  s  t  e  r. 

„  subbisertus  d'Orbigny. 

„  subglaber  M  ü  n  s  t  e  r. 

„  subdecussatus  Münster. 

„  semipunctatus  Braun. 

„  bistriatus  Münster. 

„  siibcostatus  M  ü  n  s  t  e  r. 

„  tmdus  Münster. 

„  Deslongchampsü  Klipstein. 

„  subpunctalus  Kl  i p s t e i n. 

„  Eupator  Laube. 

„  Prometheus  Laube. 


Die   Fauna   der  Schichten   von   St.   Cassian.  66S 

Trochns  Epimetheus  Laube. 
„       glandulus  Laube. 

Gen.  Monodonta  Lamarck. 

Monodonta   nodosa  Münster. 

„  cassiana  W  i  s  s  m  a  n  n. 

„  supranodosa  Klip  stein. 

„  subnodosa  Klip  st  ein. 

„  spirata  K I  i  p  s  t  e  i  n. 

„  delicata  Laube. 

„  gracilis  Laube. 

c)  Farn.  Halioticlae  Fleming. 
Gen.  Tenmotropis  Laube. 

Teninotrojpis  carmata  Münster. 
„  bicarinata  Laube. 

IL  Unterord.  Edriophthalma  Gray. 

«^  F  a  m.  Fissurellidae  R  i  s  s  o. 

Gen.  Eniargiiiala  Lamarck. 

Emargimda  Miinsteri  Pictet. 

b)  Fam.  Deiifalia  Rang. 

Gen.  Dentaliam  Li n nee. 

Dentalium  undulatum  Münster. 
„  simile  Münster. 

„  decorutum  Münster. 

c)  Fam.  Scutellidae  Chenu. 
Gen.  Patelloidea  Quoy  und  Gaymard. 
Patelloidea  campanaeformis  Klipstein  sp. 

dJY^m.  Patellidae  Gray. 

Gen.  Patella  Linne. 

Patella  granulosa  M  ü  n  s  t  e  r. 
„        coshdata  M  ü  n  s  t  e  r. 

43» 


0()ß  Laube.    Die  Fauna  der  Schichten  von  St.  Cassian. 

Im  Ganzen  8ö  Arten,  welche  sich  auf  20  Geschlechter  vertheilen. 

Sämmtliche204  Arten,  welche  in  dieser  und  der  vorigen  Ahhand- 
lung  von  St.  Cassian  bekannt  gemacht  wurden,  gehören  der  Gruppe  der 
Prosobrandiiaten  Milne  Edwards  an,  und  vertheilen  sich  auf  alle  Ord- 
nungen und  Unterordnungen  mit  Ausnahme  der  aus  der  1.  Ordnung 
fehlenden  Unterordnung  der  Toxiferen.  Sie  zerfallen  in  44  Geschlechter 
und  19  Familien,  M^ovon  8  Familien  22  Geschlechter  den  Pectini- 
branchiaten,  5  Familien  7  Geschlechter  den  Rostriferen,  2  Familien 
9  Geschlechter  den  Podophthalmen,  4  Familien  4  Geschlechter  den 
Edriophthalmen  der  Scutibranchiaten  zufallen.  Weitaus  Dreiviertheil 
der  Arten  gehört  den  Pectinibranchiaten  an  150;  54  Arten  zählen  die 
Scutibranchiaten.  Es  kömmt  demnach  der  Mischtypus  der  Fauna 
wie  ihr  Charakter  überhaupt  zunächst  in  den  Pectinibranchiaten  zum 
Ausdruck. 


S  teiii  (lach  II  er.    fchthjologiseli6r   Bericht  etc.  ßQ  i 


Ichtfiyologiscker  Bericht  über  eine  nach  Spanien  und  Portugal 
unternommene  Reise. 

(Sechste  Fortsetzung.) 

Von  dem  c.   M.   Dr.   Franz  Steindachner. 

(Mit  6  Tafeln.) 


Übersicht  der  Meeresfische  an  den  Rüsten  Spaniens  und  Portugals. 

(H.    Fortsetzung.) 

Fain.  Bleiiiiiidae. 

Gatt.  Blennius  Art. 
126.  Art.  Blennias  gattoragine  Brunn. 

Kommt  sehr  häufig  an  der  Nord-  und  Nordwestküste  Spaniens, 
viel  seltener  an  der  Ostküste  vor,  und  erreicht  eine  Länge  von  9". 
Wir  besitzen  Exemplare  von  La  Coruna,  Ferrol,  Gijon,  Arenas  (bei 
Bilbao),  Vigo  und  aus  der  Umgebung  von  Barcelona  und  Valencia. 

Die  größte  Leibeshöhe  ist  4</3  bis  nahezu  43/4mal,  die  Kopf- 
länge 4y3 — 43/5nial  in  der  Totallänge,  die  Länge  des  Auges  genau 
oder  ein  wenig  mehr  als  5mal,  die  Länge  der  Mundspalte  bis  zum  hin- 
teren Ende  des  Oberkiefers  circa  3mal,  die  Schnauzenlänge  circa 
Sa/smal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Die  Dorsale  ist  am  oberen  Rande  zwischen  den  letzten  Stacheln 
und  den  ersten  gegliederten  Strahlen  eingebuchtet,  die  Zahl  der 
Stacheln  dieser  Flosse  beträgt  13,  der  letzte  derselben  ist  häufig 
verkümmert  und  stets  merklich  kürzer  als  der  vorangehende.  Der 
höchste  Gliederstrahl  der  Dorsale  ist  nahezu  71/3  —  8mal  in  der  Total- 
länge enthalten. 

Bei  Männchen  liegt  eine  große  gefranste  Papille  von  rosetten- 
ähnlicher Gestalt  am  verkümmerten  ersten  Analstaehei  und  eine  zweite 


668  Steindachner. 

am  vorderen  Rande  des  längeren  zweiten  Stachels  derselben  Flosse 
unmittelbar  hinter  der  Urogenitalpapille. 

Die  breiten  Querbinden  des  Rumpfes  erlöschen  häufig  voll- 
ständig. 

D.  13/20;  A.  2/21;  P.  14. 

127.  Art.  Blennios  sangalnolentas  Fall. 

Syn.  Blennius palmicornis  Cuy.  \ a\.,  Canestr. 
„        parvicornis  Cny.  Val. 

Variirt  sehr  bedeutend  in  der  Zeichnung  und  Färbung  des  Kör- 
pers und  kommt  nicht  selten  an  den  östlichen  Küsten  der  pyrenäi- 
schen  Halbinsel  z.  B.  bei  Barcelona,  Valencia,  Gibraltar,  äußerst 
häufig  in  der  Umgebung  von  Santa  Cruz  de  Tenerife  vor,  wird  jedoch 
als  werthlos  fast  nie  auf  den  Markt  gebracht.  Sämmtliche  bei  letzt- 
genannter Stadt  gefischte  Exemplare  sind  von  dunkelbrauner,  fast 
schwärzlicher  Körperfärbung,  die  übrigen  aus  dem  Mittelmeere  in 
der  Regel  von  schmutzig  bräunlichgelber,  dunkelgrauer  oder  hell 
röthlichbrauner  Grundfarbe. 

Bei  den  Männchen  entwickelt  sich  am  Hinterhaupte  und  Nacken 
ein  fleischiger  Kamm  von  geringer  Höhe,  der  bereits  zwischen  den 
Augen  beginnt;  hiedurch,  so  wie  durch  das  Vorkommen  zweier, 
blasenförmiger,  tiefschwarzer  Anschwellungen  an  den  beiden  Stacheln 
der  Anale  unmittelbar  hinter  der  Urogenitalpapille  unterscheiden  sich 
die  Männchen  sehr  auflFallend  von  den  Weibchen. 

Mehr  oder  minder  zahlreiche  Flecken  von  schwarzbrauner  Fär- 
bung liegen  an  den  Seiten  des  Rumpfes  und  vereinigen  sich  sehr  häu- 
fig in  dem  hinteren  Theile  des  Rumpfes  zu  drei  Längsbinden ,  selten 
fehlen  sie  fast  vollständig. 

Bei  Männchen  findet  man  nicht  selten  zahlreiche  dunkel-roth- 
braune Punkte  in  der  vorderen  Rumpfhälfte,  am  hinteren  Rande  des 
Kopfes,  auf  den  oberen  Pectoralstrahlen  und  zuweilen  auch  auf  den 
übrigen  vertical  gestellten  Flossen.  Die  röthlichen  Flecken  und  Quer- 
binden auf  und  vor  der  Pectorale  verschwinden  nicht  selten  voll- 
ständig im  Alter,  insbesondere  bei  dunkel  gefärbten  Exemplaren. 

Dorsale,  Anale  und  Caudale  sind  bald  blauschwarz  oder  hell- 
gelblicbbraun  und  dann  mit  mehr  oder  minder  verschwommenen  und 
zahlreichen  grauvioletten  Flecken  geziert.  Die  Anale  ist  fast  aus- 
nahmslos am  unteren  Rande  weißlich  gesäumt;  über  diesem  Saume 


Ichthyol.  Bericlit  ül).  eine  nach  Spanion  und  Portugal  iinternomm.  Reise.     669 

liegt  bei  Exemplaren,  deren  Anale  eine  helle  Grundfarbe  zeigt,  eine 
ziemlich  breite  blauschwarze  Längsbinde.  Selten  zeigen  sich  einige 
bläulichweiße  Flecken  an  den  Seiten  des  Rumpfes  und  auf  der  Pec- 
torale  (bei  Männchen). 

Die  grüßte  Leibeshöhe  ist  42/5 — öä/smal,  die  Kopflänge  durch- 
schnittlich 5 — S'/smal  in  der  Totallänge  enthalten. 

Von  den  13  Pectoralstrahlen  ist  der  neunte  am  längsten,  und 
nahezu  so  lang  wie  der  Kopf. 

D.  12/30—31;  A.  2/21;  P.  13. 

Die  größten  Exemplare  unserer  Sammlung  sind  ein  wenig  mehr 
als  6  Zoll  lang. 

Vulgärname:  Ele fante  (Tenerife). 

128.  Art.  BleDoias  tentacalaris  Brunn.,  Cuv.  Val. 
S  y  n.   Blennms  auritus  P  a  1 1. 

Komml  häufiger  als  die  früher  erwähnte  Art  an  der  Ostküste 
Spaniens  nahe  am  Ufer  zwischen  Felsen  vor,  und  erreicht  nur  selten 
eine  Länge  von  4  Zoll. 

Die  Querdinden  des  Rumpfes  sind  bald  scharf  ausgeprägt,  bald 
stark  verschwommen  oder  vereinigen  sich  zuweilen  zu  einer  stark 
zickzackförmig  gebogenen  Querbinde.  Die  braunen  Fleckchen  auf  den 
Querbinden  sind  etwas  größer  als  die  in  den  übrigen  Theilen  des 
Körpers. 

Das  Augententakel  scheint  bei  Männchen  in  der  Regel  stärker 
entwickelt  zu  sein  als  bei  Weibchen. 

Die  Körperhöhe  steht  der  Kopflänge  ein  wenig  nach,  erstere  ist 
5mal,  letztere  43/5 — 4Y3mal  in  der  Totallänge  enthalten.  Die  Schnauze 
fällt  steil  ab. 

Die  Dorsale  beginnt  senkrecht  über  dem  hinteren  Vordeckel- 
rande und  ist  circa  in  der  Mitte  des  oberen  Randes  mehr  oder  minder 
schwach  eingebuchtet.  Zwei  blasenformige  Papillen  an  den  zwei  er- 
sten Analstacheln  bei  den  Männchen. 

Wir  sammelten  16  Exemplare  bei  Malaga,  Carthagena,  Alicante 
und  Barcelona. 

D.  12/20—21;  A.  2/22—23;  P.  14  —  15. 


670  stein  dachner. 

129.   Art.  Blennins   vulgaris  Pollini. 

Syn.  Blennins  cagnota  Cuv.  Val. 

„  anticolus  B  o  n  ap.  (juv.) 

„  rarztsBonap.  (adult.  nias),  Günther. 

„  lupulus  ^on-AT^.  (adult.  fem.),  Günther. 

„  /rafer  Bl.  Sehn.  (mas). 

„  icterlntis  Costa. 

„  Pollinii  B  0  n  a  p. 

Charakteristisch  für  diese  Art,  welche  in  der  Fauna  italica  von 
Bonaparte  unter  drei  verschiedenen  Namen  beschriehen  und  abge- 
bildet wurde ,  ist  der  Beginn  der  Dorsale  senkrecht  über  dem  hinte- 
ren Kopfende. 

Der  Kopf  und  der  obere  Theil  des  Rumpfes  ist  mit  schwarz- 
braunen Punkten  übersäet;  vom  Auge  laufen  mehrere  dunkel- 
braune Binden  strahlenförmig  aus,  quergestellte  Binden  und 
Striche  oder  Flecken  kommen  nur  bei  Weibchen  deutlich  ausgeprägt 
vor;  bei  Männchen  fehlen  sie  vollständig  oder  sind  nur  schwach 
ausgeprägt. 

Die  Färbung  und  Zeichnung  der  Flossen  ist  gleichfalls  bei 
Männchen  und  Weibchen  verschieden.  Bei  den  Weibchen  ist  die 
Dorsale  und  Caudale  in  schiefer  oder  querer  Richtung  gebändert,  bei 
den  Männchen  ungefleckt,  braunschwarz  und  nur  an  der  Basis  etwas 
heller.  Die  Anale  ist  stets  am  unteren  Rande  weiß  gesäumt ,  über 
diesem  Saume  liegt  eine  dunkle  Längsbinde,  welche  bei  Männchen 
breiter  als  bei  Weibchen  ist.  Die  Grundfarbe  des  Rumpfes  ist  bei 
den  Weibchen  viel  heller  als  bei  den  Männchen,  bei  letzteren  rost- 
braun, im  höheren  Alter  nicht  selten,  gleich  den  Flossen,  braun- 
schwarz mit  Ausnahme  des  weißlich  gesäumten  unteren  Randes  der 
Anale  und  einiger  hellbrauner  Binden  in  der  liiiih'ren  Hälfte  des 
Kopfes,  bei  W  ciltchen  aber  silbergrau,  sehr  hell  rülhlichbraun  oder 
selbst  schmutzig  rosenroth. 

Der  fleischige  Kamm  der  Männchen  am  Scheitel  entwickelt  sieh 
oft  zu  einer  sehr  bedeutenden  Höhe. 

Auch  bei  dieser  Art  kommen  blasenförmige  Anschwellungen  an 
den  beiden,  sehr  schwach  entwickelten  Analstacheln  bei  Männchen  vor. 

Von  dem  Verfasser  der  Introd,  ad  Oryetogr.  Arragoniae  wurden 
die  Augententakeln  als  Stacheln  gedeutet. 


klitliyol.  Bericht  ül».  eine  iiacii  Spiinien  und  PortugKl  unternomm.  Reise.     6/1 

Die  Länge  des  Kopfes  ist  5  — 4«/4mal,  die  größte  Leibeshülie 
5'/4  l)is  nahezu  5mal  in  der  Totallänge  enthalten.  Die  Fangzähne  an 
den  Enden  der  Zwischen-  und  Unterkieferzahnreihe  sind  stark  ent- 
wickelt und  im  Unterkiefer  in  der  Regel  nur  wenig  länger  und  stär- 
ker als  im  Zwischenkiefer.  Der  obere  Rand  der  Dorsale  zeigt  zwi- 
schen den  letzten  Stachein  und  ersten  Gliederstrahlen  eine  mäßige 
Einbuchtung;  die  höchsten  Gliederstrahlen  sind  fast  noch  einmal  so 
lanff,  wie  die  höchsten  Stacheln.  Die  Pectorale  enthält  14  Strahlen, 
von  denen  der  längste  neunte  oder  zehnte  nahezu  oder  eben  so  lang  wie 
der  Kopf  ist.  Die  Caudale  ist  stets  etwas  kürzer  als  die  Pectorale. 

D.  ||£||;   A.  2/20;  F.  14. 

Kommt  an  den  Mündungen  der  in  das  Mittelmeer  sich  ergies- 
senden  süßen  Gewässer  Spaniens  vor. 

Wir  besitzen  zwei  Exemplare  von  der  Ebromündung  unterhalb 
Tortosa  und  drei  aus  dem  Albufera-See  bei  V^alencia,  im  Wiener  Mu- 
seum befinden  sich  überdies  noch  zahlreiche  Exemplare  aus  dem 
Vrana-  und  Garda-See,  von  Salona,  Palermo,  Neapel  und  Sardinien. 

130.  Art.  Blennios  pavo  Risso. 

Die  Länge  des  Kopfes  ist  42/3-  etwas  mehr  als  5mal  (bei  älte- 
ren Exemplaren),  die  größte  Leibeshöhe  nahezu  5 — S'/smal  in  der 
Totallänge,  der  Augendiameter  etwas  weniger  als  5 — 6mal  in  der 
Kopflänge  enthalten. 

Bei  den  Männchen  erhebt  sich  der  Scheitel  zu  einem  mehr  oder 
minder  hohen,  fleischigen  Kamme,  und  zwei  blasenförmige  An- 
schwellungen liegen  an  den  beiden  ersten  Analstacheln;  auch  die 
Dorsal-  und  Analstrahlen  sind  bei  Männchen  höher  als  bei  Weibchen. 

Das  Augententakel  fehlt  zuweilen  wie  bei  dem  sehr  nahe  ver- 
wandten Blemiius  basiliscus. 

Rei  alten  Männchen  erlöschen  nicht  selten  die  paarigen  Quer- 
binden des  Rumpfes  in  der  dunkel  röthlichbraunen  Grundfarbe  des 
Körpers  vollständig  oder  nur  in  der  hinteren  Rumpfhälfte. 

Die  Zahl,  Ausdehnung  nnd  Anordnung  der  himmelblauen  Quer- 
striche und  Flecken  ist  variabel. 

Blennius  graphiciis  Risso  ist  meines  Erachtens  nur  eine  sehr 
dunkel  gefärbte  Varietät  von  Blennius  pavo  und  die  von  Risso  ini- 
ter  diesem  Namen  gegebene  Abbildung  (Hist.  nat.  de  l'Eur.  merid.. 


ü  T  ^  S  t  e  i  II  d  a  c  h  n  c  r. 

T.  ni,  Fig.  44)  stellt  ein  Weibchen  vor.  Das  Wiener  Museum  be- 
sitzt mehrere  Exemplare  dieser  Varietät  (9)  von  Sardinien,  mit 
36  Strahlen  in  der  Dorsale  und  sehr  schwach  entwickeltem,  dunkeln 
Fleck  hinter  dem  Auge. 

Wir  erhielten  mehrere  sehr  lebhaft  gezeichnete,  kleine  und  zwei 
größere  dunkelgetarbte  Exemplare  aus  der  Umgebung  von  Malaga 
und  Taragona,  das  größte  derselben  ist  4</o"  lang. 

D.  ^-^  (selten  im  Ganzen  36  [—38  nach  Risso]);  A.  2/23—24, 

13i.  Art.  BleDDiQS  sphinx  Cuv.   Val. 

Wir  besitzen  fünf  kleine  Exemplare  dieser  zierlichen  Art  von 
Malaga  und  Gibraltar,  bei  zweien  derselben  fehlen  die  braunen,  schief 
gestellten  Rumpfbinden  vollständig.  Die  sogenannten  Stacheln  der 
Dorsale  sind  bei  den  Männchen  nahezu  noch  einmal  so  hoch  wie  bei 
den  Weibchen. 

Blennius  sphbix  kommt  auch  im  adriatischen  Meere  (bei 
Fiume)  vor. 

132.  Art.  Blenniasi  galerita  Linne. 

Diese  äußerst  zierliche  Art  kommt  nicht  selten  bei  Malaga, 
Gibraltar,  Taragona,  Cadix,  sehr  häufig  aber  bei  Santa  Cruz  de  Te- 
nerife  vor,  das  größte  Exemplar  unserer  Sammlung  ist  3'/3"  lang. 
Die  schief  nach  vorne  abfallende  Profillinie  der  Schnauze  ist  häufig 
concav. 

133.  Art.  Blennias  criaitas  Cuv.  Val. 

Die  Höhe  des  Körpers  steht  der  Kopflänge  nur  unbedeutend 
nach;  letztere  ist  genau  4mal  in  der  Körperlänge  und  nicht  ganz 
5mal  in  der  Totallänge,  der  Augendiameter  4Y5mal,  die  Schnauzen- 
länge nahezu  3mal,  die  Höbe  der  Schnauze  (zwischen  dem  vorderen 
Augen-  und  Mundrand)  2i/3mal  in  der  Kopflänge  enthalten.  Ein 
Tentakel  an  den  Narinen  und  am  oberen  Augenrande,  eine  lange 
Reihe  zarter,  häutiger  Fäden  an  der  Stirn-  und  Scheitellinie  bis  zum 
Beginne  der  Dorsale.  Die  Höhe  des  Kopfes  gleicht  «/e ,  die  Breite 
desselben  i/g,  die  Länge  der  Pectorale  '5  der  Totallänge. 

Der  Fangzahn  an  jedem  Ende  der  Unterkiefer- Zahnreihe  ist 
klein;  im  Zwischenkiefer  liegen  30  Zähne,  eben  so  viele  im  Unter- 


Ichthyol.  Bericht  iih.  eine  naeh  Spanien  und  fortujjal  untcrnoinm.  Reise.     O  i  ö 

kiefer  mit  Einschluß  der  beiden  Fangzähiie,   welche  im  Zwischen- 
kiefer fehlen. 

Das  hintere  Ende  der  Mundspalte  fällt  senkrecht  unter  die  Mitte 
des  Auges.  Die  obere  Profillinie  des  Kopfes  ist  in  der  Stirngegend 
unter  einem  stumpfen  Winkel ,  der  sich  einem  rechten  bereits  bedeu- 
tend nähert,  gebrochen. 

Bei  dem  von  uns  untersuchten  Exemplare,  einem  Männchen, 
enthält  die  Dorsale  nur  11  sogenannte  Stachelstrahlen,  von  denen 
der  zweite,  höchste  etwas  mehr  als  Is/sUial  in  der  Kopflänge  ent- 
halten und  Is/ämal  höher  als  der  letzte  Dorsalstacbel ,  aber  nicht 
höher  als  die  mittleren,  längsten  Gliederstrahlen  derselben  Flosse 
ist.  Der  erste  Gliederstrahl  der  Dorsale  ist  kürzer  als  der  darauf- 
folgende zweite  Gliederstrahl,  aber  fast  1  i/smal  höher  als  der  voran- 
gehende letzte  Dorsalstachel,  die  Dorsale  ist  somit  am  oberen  Rande 
ziemlich  stark  eingebuchtet.  Dorsale  und  Anale  sind  von  der  Caudale 
getrennt.  Die  Gliederstrahlen  der  Dorsale  sind  der  Länge ,  die  der 
Caudale  der  Höhe  nach  dunkel  gebändert.  Der  vordere  Rand  der 
ZAvei  ersten  Analstacheln  sind  balbrinnenförmig  eingebuchtet,  da 
seitlich  eine  dickere  Hautfalte  vortritt;  vielleicht  ist  dies  der  Beginn 
einer  später  sich  entwickelnden  blasenförmigen  Anschwellung  \\ie 
bei  den  Männchen  der  meisten  übrigen  Blemiius-Arten  oder  vertritt 
die  Stelle  derselben. 

Fünf  bis  sechs  dunkelbraune,  kurze  Querbinden  liegen  an  den 
Seiten  des  Rumpfes. 

Das  von  uns  beschriebene  Exemplar  ist  4"  3  "  lang. 

Fundort:   Arenas  (nördlich  von  Bilbao,  nahe  bei  der  Meeres- 
mündung der  schmalen,  langen  Bucht  von  Bilbao). 
D.  11/15;  A.  2  17;  P.  14;  V.  2. 

134.  Art.  Blenoias  ocellaris  Lin, 

Wir  sammelten  mehrere  Exemplare  dieser  Art,  welche  nicht 
selten  7  Zoll  lang  wird,  bei  Barcelona,  Malaga,  Cadix  und  Bilbao. 

Bei  jungen  Individuen  bis  zu  4"  Länge  sind  die  dunkeln  Quer- 
binden des  Rumpfes  in  der  Regel  ziemlich  scharf  abgegrenzt,  zwischen 
je  zweien  derselben  liegt  sehr  häufig  ein  dunkler  Querstrich;  bei 
alten  Exemplaren  sind  die  Querbinden  und  Querstriche  nur  sehr 
schwach  ausgeprägt  oder  gänzlich  erloschen. 

V  u  1  g  ä  r  n  a  m  e :   Torillo  (Cadix  sec.  Macbado). 


O  i  ^  Steindacliner. 

13S.  Art.  Blennias  pholis  Lin. 

Ist  sehr  gemein  an  der  Nord-  und  Nordwestküste  Spaniens 
zwischen  Felsen  nahe  dem  Lande,  seltener  an  der  Ost-  und  Südküste. 
Die  Fangzähne  an  den  seitliehen  Enden  der  Unter-  und  Zwischen- 
kieferzahnreihe  sind  stark  gekrümmt,  ziemlich  gedrungen.  Die  Zahl 
der  übrigen,  comprimirten  Kieferzähne,  deren  Spitzen  eine  goldbraune 
Färbung  zeigen,  schwankt  nicht  unbedeutend,  und  zwar  im  Zwischen- 
kiefer zwischen  16 — 24,  im  Unterkiefer  nur  zwischen  16 — 18  (bei 
vier  Exemplaren). 

Die  Stirne  ist  mehr  oder  minder  bedeutend  concav,  der  Nacken 
bei  Männchen  sehr  fleischig.  Die  Schnauze  fällt  schief  nach  vorne  ab. 

Die  Höhe  des  Körpers  steht  ein  wenig  der  Kopflänge  nach  und 
ist  genau  5mal  in  der  Totallänge,  die  Kopfhöhe  circa  I1/4  — 1  i/gmal, 
die  Kopfbreite  circa  I3/4 — 2mal,  die  Augenlänge  beiläufig  51/4  bis 
nahezu  Smal  (bei  jüngeren  Exemplaren)  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Die  Zeichnung  und  Färbung  des  Körpers  ist  häufig  bei  älteren 
Exemplaren  aus  dem  atlantischen  Ocean  ganz  unscheinbar;  die 
braunen  Querbinden  des  Rumpfes  sind  bei  diesen  oft  nur  schwach 
angedeutet,  rundliche,  schwarzbraune  Flecken  liegen  unregelmäßtig 
an  den  Seiten  des  Körpers  und  auf  den  verticalen  Flossen  und  ganz 
kleine  Fleckchen  oder  Punkte  am  Kopfe,  auf  den  Brustflossen  und  in 
der  Pectoralgegend. 

Sehr  lebhaft  und  bunt  dagegen  ist  die  Färbung  bei  jüngeren 
Individuen  bis  zu  41/0"  Länge  aus  dem  Mittelmeere,  insbesondere 
zur  Laichzeit.  Bei  diesen  ist  Kopf  und  Rumpf  röthlichbraun  und  mit 
dunkelbraunen,  weißgerandeten  Querbinden,  zahlreichen  schwarzen 
Pünktchen  und  kleinen  weißlichgrauen  Flecken  geziert;  Dorsale, 
Anale  und  Pectorale  sind  hellgrau  und  wie  die  Caudale  in  schiefer 
oder  querer  Richtung  mit  fast  viereckigen,  dunkelbraunen  Flecken 
dicht  besetzt.   Die  Anale  ist  am  unteren  Rande  stets  hell  gesäumt. 

Flemming  trennte  diese  Art  wegen  des  Mangels  von  Tentakeln 
am  oberen  Augenrande  von  den  übrigen  Blennius-Arten  ab,  welchem 
Beispiele  Cu  vi  er  und  Valenciennes  folgten;  wir  legen  jedoch  auf 
diese  Eigenthümlichkeit  gleich  Dr.  Günther  kein  bedeutendes 
Gewicht. 

Wir  besitzen  mehrere  Exemplare  von  Arenas,  La  Coruila,  Ferrol, 
Barcelona,  Cadix  und  Gibraltar. 

V  u  I  g ä  r  n  a  m  e :  Putita  (Cadix  nach  M  a  c  h  a  d  0), 


Ichthyol.  Bericht  üb.  eine  nach  Spanien  und  Portugal  iinteinomin.  Reise.     Ö7«5 

136.  Art.  Blennios  Rooxi  Cocco. 

Wir  erhielten  ein  kleines,  vortrefflich  erhaltenes  Exemplar  dieser 
seltenen  Art,  welche  auch  im  adriatischen  Meere  bei  Lesina  vorkommt, 
von  11"'  Länge  in  der  Nähe  von  Taragona. 

Gatt.  Clinus  Cuv.  Valenc. 
(S  üb  gen.   Cristiceps  Cuv.   Val.   Giinth.) 

137.  Art.  Clinus  argentatas  Cuv.  Val. 

S y n.  Climis  variahilia  Bonap.Canestr. 
„      Yeranyi¥i\\^^\. 
„     miäabilis  Cocco. 
Blennius  argentatus  Risse. 
Cristiceps  argentatus  G  ü  n  t  h. 
Die   Höhe  des  Körpers   ist  circa   6  — 6</4mal,   die   Kopflänge 
43/4—5  i/amal  in  der  Totallänge  enthalten.  Die  Zahl  der  Strahlen  in 
der  zweiten  Dorsale  schwankt  bei  den  von  uns  untersuchten  11  Exem- 
plaren von  1"  4"'— 2 "  5'"  Länge  zwischen  31-^33,  von  diesen  sind 
nur  die  2—4  letzten  Strahlen  biegsam,  die  übrigen  aber  stachelig. 
Die  Zeichnung  und  Grundfarbe  des  Körpers  ist  sehr  verschieden 
bei   den   einzelnen   Exemplaren,    daher   der   von   Bon  aparte  und 
Cocco  vorgeschlagene  Artname  treffender  als  die  ältere  von  Bis  so 
vorgeschlagene  Bezeichnung.  Sehr  häufig  liegen  zunächst  der  Dorsal- 
basis 7 — 8  dunkelbraune,  ziemlich  breite,  und  in  der  Begel  nur  kurze 
Querbinden,  die  bis  zur  Seitenlinie  reichen ;  häufig  kommen  silber- 
glänzende Punkte  und  verschwommene  Fleckchen  am  Kopfe  und  in 
der  unteren  Bumpfhälfte  zunächst  der  Seitenlinie  vor. 

Diese  kleine  zierliche  Art  kommt  sehr  häufig  an  der  Ostküste 
Spaniens  von  Barcelona  bis  Gibraltar  vor;  wir  sammelten  11  Exem- 
plare bei  Barcelona,  Malaga  und  Gibraltar. 

Gatt.  Tripterygium  Bis  so. 
138.  Art.  Tripterygiom  nasus  Bis  so. 

Von  dieser  Art,  die  gleich  der  früher  erwähnten  nicht  selten  an 
der  Ostküste  Spaniens  sich  vorfinden  dürfte,  erhielten  wir  ein  wohl- 
erhaltenes Exemplar  (Weibchen)  auf  dem  Fischmarkte  zu  Barcelona; 


676  S  l  e  i  11  d  !i  c  h  n  e  r. 

CS  zeigt  in  der  ersten  Dorsale  3,  in  der  zweiten  15,  in  der  dritten 
12  Strahlen.  Die  beiden  ersten  Strahlen  der  zweiten  Dorsale  sind 
nicht  fadenförmig  verlängert, 

Gatt.  Zoarces  Cuv. 
139.  Art.  Zoarces  viviparas  (spec.  Lin.)  Cuv. 

Kommt  nach  Machado  an  der  Nordostkiiste  von  Cadix  vor  und 
wird  daselbst  Bahosa  genannt. 

Fam.    Tracliypteridae. 

Gatt.  Trachypterus  Gouan. 

140.  Art.  Trachypterus  repandas  spec.  Metaxa. 

S  yn.   Gymnetrus  repandus  Metaxa,  Mem.  Zool.  Medic.  (sec.  Costa). 

Trachfiplerns  repandus  Costa,    Fauna  del  Regno  di  Napoli,  Scom- 
beroidei,  12.  Oct.  1842.  IXter. 

Von  dieser  seltenen  Art  erhielt  ich  leider  nur  ein  trockenes 
Exemplar,  welches  ein  Fischer  in  Alicante  als  Curiosum  schon  längere 
"Zeit  aufbewahrt  hatte.  Dasselbe  stimmt  genau  mit  Costa's  trefflicher 
Abbildung  überein  und  ist  an  der  Ventrale  und  Caudale  stark  be- 
schädigt, auch  die  Kieferstücke  sind  stark  verzogen. 

Fam.  i%tlieriiiiclae. 

Gatt.  Atherina  Artedi. 
141.  Art.  Atherina  hepsetus  Lin. 

Kam  während  unseres  Aufenthaltes  in  Barcelona  (Juni,  Juli 
1864)  nur  selten  zu  Markte. 

Die  Länge  des  Kopfes  ist  bei  den  in  unserem  Besitze  befind- 
lichen Exemplaren  von  4"  10"  —  4"  6"  Länge  etwas  mehr  als 
gi/.—Si/gnnal,  die  Körperhöhe  Ti/g  — 6*/5mal  in  der  Totallänge,  der 
Augendiameter  unbedeutend  mehr  als  3mal  (Si/tmal),  die  Sehnauzen- 
länge  genau  oder  ein  wenig  mehr  als  4mal  in  der  Koptlänge  enthalten. 
Die  Stirnbreite  gleicht  der  Länge  der  Schiiauze. 

Die  Kieferzähnehen  sind  mit  freiem  Auge  nicht  sichtbar,  das 
hintere  Ende  des  Oberkiefers  fällt  bei  geschlossenem  Munde  senkrecht 
unter  oder  nur  ganz  unbedeutend  hinter  den  vorderen  Augenrand. 
Auf  den  W^angen  liegen  zwei  Schuppenreihen. 


Ichthyol.  Beiiclit  üIi.  eine  nach  Spanien  und  Poidifjiil  nnfeiiiDinm.  Reise.     077 

Die  Länge  der  zugespitzten  Pectorale  ist  nicht  ganz  öa/imal  in 
der  Totallänge  enthalten. 

Die  erste  Dorsale  beginnt  in  senkrechter  Richtung  ein  wenig 
hinter  der  Basis  oder  über  der  Längenmitte  der  horizontal  zurück- 
gelegten Ventralen. 

Die  Ventrale  ist  etwas  länger  als  der  höchste  Stachel  der  ersten 
Dorsale  und  erreicht  nicht  ganz  die  Hälfte  der  Kopflänge. 

Während  der  Monate  März  und  April  1865  wurden  nur  selten 
Eremplare  dieser  Art  auf  den  Markt  von  Santa  Cruz  de  Tenerife 
gebracht.  (Die  Laichzeit  der  Atherina  hepsettis  fällt  im  Marmora- 
Meere  in  den  Monat  April.) 

D.  8— 9/j^;  A.  1/12—11;  L.  lat.  c.  60. 

V  u  1  g  ä  r  n  a  m  e :   Pez  rey,  Chiiclet. 

142.  Art.  Atherina  presbyter  Cuv.  Val.  (adult.) 
Syn.  Atherina  Boyeri  Cuv.  Val.  (juv.) 

Atherina  presbyter  und  A.  Boyeri  gehören  einer  und  derselben 
Art  an,  Atherina  Boyeri  ist  nur  die  Jugendform  von  Ätherina  pres- 
byter Cuv.  Daß  letzteres  der  Fall  sei,  geht  zweifellos  aus  der 
Untersuchung  zahlreicher  (200)  Exemplare  hervor,  die  wir  bei 
Bayonne,  Bilbao,  La  Coruiia,  Vigo,  Tuy,  Lissabon,  Cadix,  Gibraltar, 
Santa  Cruz  de  Tenerife  sammelten  und  mit  jenen  aus  London  ver- 
glichen. 

Cuvier  und  Valenciennes  bemerken  ausdrücklich  am 
Schlüsse  des  Artikels  über  Atherina  Boyeri:  „II  ne  parait  pas  qu'il 
soit  aussi  commun  que  le  Sauclet,  ni  qu'  il  devienne  tout-ä-fait  aussi 
grand.  Aucun  de  nos  individus  ne  passe  trois  pouces  et  demi, 
während  Atherina  presbyter  nach  Exemplaren  von  4—6"  Länge 
beschrieben  wurde".  Hieraus  erklären  sich  auch  die  Unterschiede  in 
der  relativen  Größe  der  Augen  und  der  Schnauze,  so  wie  in  der  Zahl 
der  Schuppen  und  Analstrahlen  zwischen  Ath.  presbyter  und  Ath. 
Boyeri.  Daß  übrigens  die  Länge  des  Auges  der  der  Schnauze  bei 
Ath-  presbytera  gleiche,  wie  Dr.  Günther  bemerkt,  ist  unrichtig; 
selbst  bei  Exemplaren  von  5 1/2"  Länge  ist  die  Länge  der  Schnauze 
etwas  mehr  als  4mal,  die  des  Auges  3mal  oder  weniger  als  3mal  in 
der  Kopflänge  enthalten. 


678  Steindaehner. 

Bei  kleinen  Exemplaren  von  2"  1'" — 4"  1'"  Länge  ist  die  Kopf- 
länge etwas  mehr  als  4V3  bis  nahezu  ömal,  die  Leibeshöhe  selten 
fast  7mal  bis  nahezu  ß'/amal,  in  der  Regel  aber  nur  genau  oder 
unbedeutend  mehr  als  6 — öi/^mal  in  der  Totallänge,  der  Augen- 
diameter  nicht  ganz  3mal ,  die  Schnauzenlänge  genau  oder  etwas 
mehr  als  4mal,  die  Stirnbreite  82/3  —  S'/^mal  in  der  Kopflänge  ent- 
halten. Die  erste  Dorsale  beginnt  senkrecht  über  dem  Anfang  des 
letzten  Drittels  oder  über  der  Mitte  der  Ventrallänge,  die  Anale  wird 
bei  2"  11'" — 3"  5"  langen  Individuen  stets  nur  von  13  —  14,  bei 
älteren  von  3"  10  '  —  4"  Länge  aber  ziemlich  häufig  von  15,  seltener 
von  14  oder  16  Gliederstrahlen  und  einem  Stachel  gebildet.  Die  Zahl 
der  Schuppen  längs  der  Mitte  der  Körperseiten  schwankt  zwischen 
51—56. 

Bei  älteren  Exemplaren  von  4'/3 — 5"  Länge  ist  die  Kopflänge 
5 — 51/3-  selten  S'/aTna'»  die  größte  Leibeshöhe  6  —  62/3mal  in  der 
Totallänge,  der  Augendiameter  nahezu  oder  genau  3mal,  die  Schnau- 
zenlänge durchschnittlich  4mal ,  die  Stirnbreite  3 — 32/5mal  in  der 
Kopflänge  enthalten.  Die  Zahl  der  Gliederstrahlen  in  der  Anale  beträgt 
eben  so  häufig  14,  wie  15  oder  16,  die  der  Schuppen  längs  der 
Seitenlinie  55 — 60.  Auch  bei  jungen  Exemplaren  mit  13 — 14 
Gliederstrahlen  in  der  Anale  zähle  ich  49 — 50  Wirbel  (Günther  47, 
Cuv.  Val.  44). 

Diese  Art  kommt  zu  jeder  Jahreszeit  häufig  an  den  Küsten  der 
iberischen  Halbinsel,  mit  Ausnahme  der  Ostküste  und  an  den  canari- 
schen  Inseln  vor  und  steigt  auch  ziemlich  weit  in  die  Flüsse  hinauf, 
wie  z.  B.  in  den  Mifio,  Tajo,  Guadal(|uivir  (bis  Tuy,  Santarem,  und  in 
die  Nähe  von  Sevilla). 

Vulgärname:  Pez  rey  (Spanien),  Peixe  rei  (Portugal). 

143.  Art.  Atherina  mochon  Cuv.  Val. 
S  y  n.   Atherina  ponttca  E  i  e  h  w. ,  K  e  s  s  1. 

Nach  der  Größe  der  Schuppen  zu  urtheilen,  kann  die  uns  in 
sehr  zahlreichen,  1  '/g — 4,\/o"  langen  Exemplaren  von  Barcelona,  aus 
dem  Albufera-See  und  dem  Rio  Guadaira  (nächst  Sevilla)  vorliegende 
Art  nur  zu  Atherina  mochon  Cuv.  Val.  bezogen  werden,  doch 
finde  ich  bei  derselben  in  den  meisten  Fällen  12 — 13  Gliederstrahlen 
in  der  Anale  und  nur  selten  14 — 15  (wie  Dr.  Günther  angibt);  die 
Zahl  der  Schuppen  ist  nach  dem  Alter  sehr  verschieden,  bei  ganz 


Ichthyol.  Bericht  üb.  eine  nach  Spanien  und  Portugal  unternomra.  Reise.     6/9 

jungen  1  '/g — 2"  langen  Individuen  zähle  ich  3o — 36,  hei  erwach- 
senen aber  44 — 45  in  einer  Längsreihe  zwischen  der  Pectoralachsel 
und  der  Caudale,  selten  47 — 48. 

Ich  verglich  mit  diesen  in  Spanien  gesammelten  Exemplaren 
andere  aus  der  Zermagna  in  Dalmatien,  aus  Triest,  aus  dem  Flusse 
Oreto  hei  Palermo,  aus  Constantinopel  und  dem  schwarzen  Meere; 
sie  gehören  alle  derselben  Art  an  und  es  unterliegt  keinem  Zweifel, 
daß  Ath.  pontica  mit  Ath.  mochon  identisch  sei.  Kessler  unter- 
suchte zehn  Exemplare  der  Ath.  pontica  und  gibt  von  derselben 
folgende  Charakterformel : 

D.  1.  7-9;  D.  11.  1/11-12;  A.  1/13—15;  L.  lat.  46—48, 

III-IV 

L,  transv.  -p- — -^ , 
IV — V 

bei  den  im  Wiener  Museum  betindlichen  eilf  Exemplaren  mittlerer 
Größe  (2"  9"  — 3"  4")  aus  dem  schwarzen  und  Marmora-Meere 
enthält  die  A'.iale  nur  13  Gliederstrahlen,  die  zweite  Dorsale  11  — 12, 
und  längs  der  Seitenlinie  liegen  43 — 49  Schuppen;  es  zeigt  sich 
somit  kein  specifischer  Unterschied  zwischen  Atherina  mochon  und 
Ath.  pontica. 

Bei  Exemplaren  von  3"  4'" — A"  4'"  Länge  ist  der  Kopf  etwas 
mehr  als  43/4 — 5mal,  die  größte  Körperhöhe  nahezu  7 — Sy^mal  in 
der  Totallänge,  der  Augendiameter  3mal,  die  Schnauzenlänge  4  oder 
selbst  ein  w'enig  mehr  als  4mal,  die  Stirnbreite  aber  bald  weniger, 
bald  etwas  mehr  als  4mal ,  selten  nur  31/011^*1  '»  tier  Kopflänge 
enthalten. 

Der  Beginn  der  ersten  Dorsale  fallt  senkrecht  über  die  Mitte  der 
zurückgelegten  Bauchflossen. 

Wie  bei  den  übrigen  Atherinen  Europa's  liegen  am  hinteren 
Rande  der  über  der  silbergrauen  Seitenbinde  befindlichen  Rücken- 
schuppen schwärzliche  Punkte  in  mehr  oder  minder  bedeutender 
Zahl,  zuweilen  zeigen  sich  überdies  noch  auf  der  Rückenseite  jeder- 
seits  größere  oder  kleinere  Flecken,  7 — '9  an  der  Zahl,  von  grau- 
schwarzer Färbung  in  einer  Längsreihe  zunächst  der  Rückenlinie. 

Zwischen  der  Basis  der  Ventrale  und  der  der  ersten  Dorsale 
zähle  ich  viel  häufiger  9'/'o  oder  9  als  8  Schuppen  (bei  kleinen 
Exemplaren)  in  einer  schiefen  Reihe. 

V  u  1  g  ä  r  n  a  m  e :  Pez  rey. 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  LVII.  Bd.  I.  Abth.  44 


ß^O  S  I  e  i  11  <l  ii  0  li  II  e  r. 

Fam.   j^lii^ilidae. 

Gatt.  Mugil  Art. 
144.  Art.  Mngil  cephalas  C  u  v.   Val. 

Die  Hülie  des  Körpers  ist  bei  Exemplaren  von  6 — 8"  Länge 
etwas  mehr  oder  weniger  als  ömal,  die  Kopflänge  etwas  mehr  als 
43/5  Ihs  ein  wenig  nielir  als  5mal  in  der  Totallänge,  die  Kopfbreite 
I3/5  bis  unbedeutend  mehr  als  1  '/anal  ^Üe  Stirnbreite  etwas  weniger 
als  3mal  in  der  Kopflänge  enthalten.  Bei  alten  Exemplaren  von  12  bis 
13"  Länge  ist  die  Kopflänge  S'^mal,  die  Körperhöhe  circa  Ss/smal 
in  der  Totallänge,  die  Kopfbreite  1 '/..mal ,  die  Stirnbreite  circa 
2'/3mal,  die  Mundlänge  33/4mal,  die  Länge  der  Pectorale  1 '/gmal  in 
der  Kopflänge  enthalten. 

43 — 44  Schuppen  liegen  zwischen  dem  hinteren  Kopfende  und 
der  Basis  der  mittleren  Caudalstrahlen  in  einer  Längsreihe,  weitere 
4  Schuppen  auf  der  überhäuteten  Caudalbasis.  8  Gliederstrahlen  in 
der  Anale,  f^ettaugenlid  stark  entwickelt ;  zahlreiche,  feine  Wimper- 
zähnchen  am  Rande  des  Zwischen-  und  Unterkiefers;  Präorbitale  am 
unteren  und  hinteren  Rande  fein  gezähnt.  Oberkiefer  vom  Präorbitale 
bei  geschlossenem  Munde  vollständig  überdeckt,  ßräunlichgraue 
Längsbinden  in  der  größeren  oberen  Hälfte  der  Rumpfseiten. 

Mugil  cephahis  ist  sehr  gemein  an  der  Ost-  und  Südküste 
Spaniens  und  Portugals  und  steigt  in  großer  Menge  in  die  benach- 
barten Flüsse  und  Seen  hinauf. 

Wir  besitzen  Exemplare  von  Barcelona  (Juni  1864),  aus  Valen- 
cia und  dem  Albufera-See  (April  1865),  aus  der  Guadiana  bei 
Mertola  (Portugal)   und  von  Lissabon  (November,  December  1864). 

Vulgärname:  Mugueira  (Lissabon),  Capitan,  Cabezudo 
(Cadix  sec.  Machado). 

145.  Art.  Magll  capito  Cuv. 

Kommt  an  sämniUiclien  Küsten  der  iberischen  Halbinsel  und  im 
unteren  Laufe  der  größeren  Flüsse  in  sehr  bedeutender  Anzahl  vor. 
So  steigt  z.  B  Mugil  capito  im  Guadalquivir  bis  nach  Cordova 
hinauf  und  mehr  als  %  der  Fischausbeute,  welche  ich  in  der  Nähe 
von  Sevilla  und  bei  Mertola  mit  dem  Netze  erhielt,  gehörten  dieser 
Art  an. 


Fclitliyol.  Bericht  lih.  clno  ii;iph  Spanien  und  Portugal  unteinomm.  Reisp.     68  I 

Wir  besitzen  gegen  260  Exemplare  von  Lissabon  (November. 
Üecember  1864),  Constanzia  am  Tajo  (Portugal,  December  1864), 
aus  dem  Mino  bei  Tuy  (October  1864),  La  Corufia  und  Bilbao 
(August,  September  1864),  aus  dem  Guadalquivir  bei  Sevilla  und 
Cordova  (Jänner  1865),  Cadix  (Jänner  186o),  aus  dem  Albufera- 
See  (April  1865)  und  Barcelona. 

Bei  jungen  Exemplaren  von  41/3  — 6 '/o"  Länge  ist  die  Körper- 
höhe etwas  weniger  als  ö  — S^/smal,  die  Kopflänge  nur  etwas  mehr 
als  4-/3 — 4'/omaI  in  der  Totallänge,  die  Kopfbreite  I3/4  bis  etwas 
mebr  als  Is/omal,  die  Stirnbreite  circa  3mal,  die  Länge  des  Auges 
unbedeutend  mehr  oder  weniger  als  4mal ,  die  Länge  der  Pectorale 
12/5  bis  nabezu  1  Vamal  in  der  Kopflänge  entbalten. 

Bei  alten  Exemplaren  von  14"  Länge  ist  die  Körperhöhe  durch- 
schnittlich 5mal,  die  Kopflänge  42/3mal  in  der  Totallänge,  der 
Augendiameter  Ss/smal,  die  Stirnbreite  nur  2'/3mal,  die  Kopibreite 
li/gmal.  die  Scbnauzenlänge  circa  Sa/sm.al,  die  Länge  der  Pectorale 
Is/gmal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Am  oberen  Ende  der  Pectoralbasis  liegt  ein  schwärzlicher  Fleck 
der  jedoch  bei  ganz  jungen  Exemplaren  nur  sehr  schwach  angedeutet 
ist  oder  gänzlich  fehlt. 

Die  beiden  Hälften  des  Unterkiefers  stossen  an  der  Symphyse 
bei  jungen  Individuen  unter  einem  recliten,  bei  alten  dagegen  unter 
einem  stumpfen  Winkel  zusammen. 

Der  untere  und  hintere  Band  des  Präorbitale  ist  gezähnt;  das 
hintere  Endstück  des  Oberkiefers  ragt  an  der  Unterseite  des  Kopfes 
über  das  hintere  Ende  des  Präorbitale  hinaus  und  convergirt  mit  dem 
der  entgegengesetzten  Kopfseite.  Der  zwischen  den  unteren  Seiten- 
rändern der  Mandibeln  und  Interoperkeln  liegende  Kinnraum  ist  keil- 
förmig, bei  alten  Exemplaren  viel  länger  unil  zugleich  verhältniß- 
mäßig  breiter  als  bei  jungen.  Die  Höhe  des  ersten  Stachels  der 
ersten  Dorsale  ist  etwas  weniger  als  2mal  bei  älteren  Exemplaren, 
I2/3  —  l^/jmal  bei  jüngeren  Exemplaren  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Die  Anale  wird  von  drei  Stacheln  und  neun  Gliederstrahlen 
gebildet;  der  hintere,  untere  Band  derselben  ist  stark  coneav. 

Die  Wimperzähnchen  am  schneidigen  Bande  des  Unterkiefers 
sind  äußerst  schwach  entwickelt  (mit  freiem  Auge  nicht  sichtbar), 
stärker  die  am  Bande  des  Zwischenkiefers. 

44* 


682  Steiiidachner. 

Vulgärname:  Fataga,  Tainha,  Tagana  (Portugal),  Muge 
(Nordküste  Spaniens),  Muge,  Taiha  (Tuy  am  Mino). 

146.  Art.  Mugil  aoratas  Risso. 

Auch  diese  Art  findet  sich  in  sämmtlichen  Küstenstrichen  der 
iberischen  Halbinsel  und  an  den  Küsten  der  canarischen  Inseln  vor, 
wir  sammelten  vier  Exemplare  bei  Barcelona,  zehn  bei  Lissabon,  Tuy 
und  La  Coruila,  zwei  bei  Santa  Cruz  de  Tenerife;  das  größte  der- 
selben ist  17"  lang. 

Die  Höhe  des  Körpers  ist  bei  Exemplaren  von  S'/o — 10"  Länge 
ö'/a  bis  ein  wenig  mehr  als  5mal,  selten  6mal,  die  Koptlänge  genau 
oder  etwas  weniger  als  ömal  (bei  jüngeren  Individuen  S'/^mal)  in 
der  Totallänge,  die  Kopf  breite  \~/^  —  la/ämal,  die  Stirnbreite  nahezu 
23/4 — 2'/2mal,  die  Länge  der  Pectorale  nur  1  i/g  —  1  Vs"^^!  i"  ^^i' 
Kopflänge  enthalten. 

Der  hintere  und  untere  Rand  des  Präorbitale  ist  gezähnt,  die 
VV^imperzähne  des  Zwischenkiefers  sind  sehr  zahlreicli  und  deutlich 
entwickelt,  die  des  Unterkiefers  mit  freiem  Auge  nicht  sichtbar.  Der 
hinterste  Theil  des  Oberkiefers  ragt  nur  ganz  wenig  als  eine  kurze 
Linie,  selten  etwas  bedeutender  (wie  bei  3Iugil  capito}  hinter  und 
unter  dem  hinteren  Ende  des  Präorbitale  hervor.  Die  beiden  Hälften 
des  Unterkiefers  treffen  an  der  Symphyse  unter  einem  stumpfen 
Winkel  zusammen.  Der  zwischen  den  unteren  Seitenrändern  der 
Unterkieferäste  und  der  Zwischendeckel  befindliche  Raum  des  Kinnes 
ist  schmal  und  kiu-z.  Ein  goldiger,  stark  in  die  Länge  gezogener 
Fleck  mit  verschwommenen  Rändern  liegt  am  Kiemendeckel.  Der 
erste  oder  zweite  Stachel  der  ersten  Dorsale  ist  2mal,  die  Ventrale 
etwas  mehr  als  ly^mal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Anale  mit  9  Gliederstrahlen;  45  Schuppen  längs  der  Seitenlinie 
(ohne  Caudalschuppen)  ;  stark  ausgeprägte  braungraue  Längsstreifen 
auf  den  9—10  oberen,  horizontalen  Schuppenreihen  des  Rumpfes. 
Kein  dunkler  Fleck  an  der  Pectoralachsel. 

V  u  I  g  ä  r  n  a  m  e  :  Garrento,  Muge  (Portugal),  Muge  (Nordküste 
Spaniens)  1). 

*)  Die  vier  im  Wiener  Museum  beKndlichen,  von  Heckel  als  Mugil  saliens  bestimm- 
ten Exemplare  aus  Triest  gehören  oline  allen  Zweifel  zu  Mugil  auratus,  die  Kopf- 
länge ist  bei  denselben  genau  oder  ein  wenig  mehr  als  ömal,  die  Leibeshöhe  ö  bis 
ö^/iuial  in  der  Totallänge  enlhalteri. 


Ichthyol.  Beiiclit  iih.  eint-  nach  S|)iiiiitii  und  Porliigiil  iiiiternomni.  Reise.     683 

147.  Art.  Mugil  labeo  Cuv. 

Diese  Art  erhielt  ich  nur  in  wenigen  Exemplaren  bei  Malaga, 
an  den  Küsten  Sardiniens  und  Sieihens  seheint  sie  viel  häufiger  vor- 
zukommen als  an  der  Ostküste  Spaniens. 

Bei  kleinen  Exemplaren  von  5"  9'" — 61/2"  Länge  ist  die  Körper- 
höhe circa  ömal,  die  Kopflänge  52/3 — Si/amal  in  der  Totallänge,  die 
Kopfhreitc  etwas  mehr  als  I3/5  —  i'*/-^ma],  die  Stirnhreile  2'/^  bis 
nahezu  Einmal ,  die  Länge  des  Auges  Sijmal,  die  Schnauzenlänge 
circa  Smal,  die  Länge  der  Pectorale  li/^mal,  die  der  Ventrale 
unbedeutend  mehr  als  I2/3 — ISäUial,  die  größte  Höhe  der  ersten 
Dorsale  2'/- — 2mal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

46 — 45  Schuppen  liegen  längs  der  Seitenlinie  bis  zur  Basis  der 
Caudale,  der  obere  Lappen  derselben  ist  zuweilen  etwas  länger  als 
der  untere  und  etwas  mehr  als  5mal  in  der  Totallänge  enthalten, 
somit  nur  unbedeutend  länger  als  der  Kopf.  Der  vordere  Rand  der 
kurzen,  aber  breiten  Schnauze  ist  schwach  eingebuchtet,  concav,  die 
Oberlippe  stark  entwickelt,  wulstig.  Das  hintere  Ende  des  Oberkiefers 
ragt  fast  ein  wenig  stärker  als  bei  Miigil  capito  hervor;  der  zwischen 
den  unteren  Seitenrändern  der  Mandibeln  und  der  Interoperkularia 
liegende  Kinnraum  ist  sehr  schmal  und  von  geringer  Länge,  ähnlich 
wie  bei  Mugil  aurutus;  der  scharf  zugespitzte  Randtheil  der  Unter- 
lippe ist  etwas  nach  außen  umgebogen  und  zunächst  der  Symphyse 
die  sich  knopfförmig  erhebt,  eingebuchtet.  11  Gliederstrahlen  in 
der  Anale. 

148.  Art.  Magil  chelo  Cuv. 
S  y  n.  Mugil  septentrionalis  G  ü  n  t  h. 

Erreicht  unter  den  bis  jetzt  bekannten  Mugil-Xi'[en  vielleicht 
die  bedeutendste  Größe  und  kommt  von  den  Küsten  Scandinaviens 
und  des  Mittelmeeres  bis  zu  den  canarischeu  Inseln  vor.  An  der  Ost- 
küste Spaniens  wird  Jlugil  labeo  etwas  seltener  gefischt  als  an  der 
Nord-,  West-  und  Südküste  der  iberischen  Halbinsel ,  sehr  gemein 
aber  ist  Mugil  labeo  an  den  Küsten  der  canarischen  Inseln;  wir 
besitzen  von  Santa  Cruz  de  Teiierife  mehrere  Exemplare  von  21" 
Länge,  kleinere  von  Malaga,  Cadix,  Lissabon,  Vigo  und  La  Coruila, 
ferner  von  Beiruth,  Triest  und  Odessa,  Sardinien  und  Sicilien. 

Es  ist  kein  Grund  vorhanden,  Mugil  septentrionalis  Güntb. 
von  Mugil  cheo  als  eine  besondere  Art  zu  trennen,  die  angeblichen 


(384  stein  dachner 

Unterschiede  sind  von  ganz  geringfügiger  individueller  Bedeutinig 
und  nicht  stichhältig;  die  Mehrzahl  der  von  uns  untersucliten 
Exemplare  aus  dem  Mitlelmeere,  von  Vigo  und  Tenerife  zeigen  gerade 
die  nach  Günther  für  Mitgil  septentrionalis  charakteristische  Form 
des  Präorhitale  l)ei  3  —  4  Reihen  von  Papillen  an  der  Oherlippe  und 
nur  sehr  selten  nähert  sich  iler  hintere  Rand  des  Präorhitale  der  von 
Günther  dem  Mugil  diclo  zugewiesenen  Form  (s.  Cat.  Brit.  Mus. 
t.  III,  pag.  455).  Die  Spitze  der  horizontal  zurückgelegten  Pectorale 
fällt  in  die  zehnte  Schuppenreihe  bei  zwei  kleinen,  5"  9'' — 6^/4" 
hingen  Exemplaren  von  Palermo,  in  die  11. — 14.  bei  sechs  Exem- 
plaren von  8  — 101/2"  I^änge  aus  Vigo  und  Sardinien,  in  die  11. — 12., 
seltener  in  die  13. — 14.  Schuppe  der  Seitenlinie  hei  Exemplaren  von 
Beiruth  und  Tenerife.  Die  Zahl  der  Papiilenreihen  an  der  Oberlippe 
nimmt  mit  dem  Alter  zu,  bei  einem  Exemplare  von  Tenerife  und  S'/g" 
Länge  ist  nur  eine  einzige  Reihe  entwickelt,  bei  zwei  anderen,  etwas 
größeren  zeigt  sich  nur  hie  und  da  die  Spur  einer  dritten  Längsreihe, 
bei  alten  Individuen  von  19 — 21"  Länge  sind  4 — 5,  zuweilen  selbst 
sechs  Längsreihen  von  Papillen  entwickelt. 

Bei  jungen  Individuen  von  61/2"  Länge  ist  die  Kürperhöhe  circa 
43/5mal,  die  Kopflänge  Si/e — ^^/^mal  in  der  Totallänge,  die  Kopf- 
breite etwas  mehr  als  1 1/2 — iy4mal,  die  Breite  der  Stirne  21/4- 
nahezu  22/5mal,  die  Augenlänge  4mal ,  die  Schnauzenlänge  circa 
5mal,  die  Länge  der  Pectorale  l'/gmal,  die  der  Ventrale  unbedeu- 
tend mehr  als  1  \'., — 1-  ^mal,  die  Höhe  des  ersten  Stachels  der  ersten 
Dorsale  1  '/a — 1 2/gmal  in  der  Kopflänge  enthalten.  —  Bei  etwas  größerei\ 
Exemplaren  von  9'/2— 12"  Länge  ist  die  Körperhöhe  43/5 — ömal,  die 
Kopflänge  etwas  mehr  oder  weniger  als  5 — ö^mal,  die  Stirnbreitc 
2</3 — 22/5mal,  die  Kopfbreite  I3/5— Is/imal,  die  Länge  des  Augendia- 
meters  circa  4'/2 — S'/gmal,  die  Länge  der  Pectorale  weniger  als  11/4- 
l^/smal,  die  Höhe  des  ersten  Stachels  der  ersten  Dorsale  Is/^ 
bis  naliezu  2mal ,  die  Länge  der  Ventrale  l^/g — lY^mal,  die  Höhe 
der  Anale  etwas  mehr  als  l^/gmal  in  der  Kopflänge  enthalten.  Die 
Länge  der  Caudale  verhält  sich  zur  Totallänge  wie  1  :  5 1/4 — 45/-. 
Bei  erwachsenen  Exemplaren  von  19  —  22  Länge  verhält  sich  die 
Totallänge  zur  Körperhöhe  wie  4^/4 — ^'^/g  :  1 ,  zur  Kopflänge  wie 
01/ 4 — 51/2  •^'>  die  Kopfbreite  ist  I1/3 — Is/ämal,  die  Stirnbreite  2i/o 
bis  2mal ,  die  Augenlänge  circa  Smal ,  die  größte  Höhe  der  ersten 
Dorsale  nahezu  2 — l8/4nial,  die  Länge  der  Pectorale  1 1/5 — l^/nmal. 


Ichth 


vol.  Bericlil  iili.  ciin'  ii;uli  Si>;iiiieii  und  Poilufjiil  iinternomm.  Reise.     68;) 


die  ilc'i-  Ventrale  l^/a — l-/imal  in  der  Kopflänge  enthalten.  Die  Cau- 
dale  gleicht  an  Länge  1/5  —  Vg  der  Totallänge. 

Die  Vimperzähne  des  Zwischenkiefers  sind  sehr  zart,  zahlreich 
und  kurz,  die  des  Unterkiefers  kaum  sichtbar.  Der  vordere  Sehnaii- 
zenrand  ist  je  nach  der  Entuicklung  der  dicken  Oberlippe  mehr  oder 
minder  bedeutend  concav. 

Das  hintere  Ende  des  Oberkiefers  ragt  ziemlich  bedeutend  über 
den  hinteren,  gezähnten  Rand  des  Präorbitale  hervor  und  eonvergirt 
mit  dem  der  entgegengesetzten  Kopfseite.  Der  zwischen  den  unteren 
Seitenrändern  derMandibeln  und  Interoperkularia  liegende  Theil  des 
Kinnes  ist  sehr  schmal,  linear. 

An  der  Basis  der  ersten  Dorsale  liegt  jederseits  eine  sehr  lange 
und  bedeutend  zugespitzte,  schlanke  Flügelschuppe,  welche  in  der 
Regel  bis  zum  hinteren  Ende  der  Dorsalbasis  zurückreicht  und  län- 
ger als  die  Spornschuppe  der  Ventralen  ist. 

V  u  I  g ä  r  n  a  m  e ;  Lisa ,  Liza  (Spanien,  Teiierife),  Corve'o  (Lis- 
sabon). 

Mugil  cephulus,  capito ,  uuratus  und  chelo  kommen,  wie 
schon  früher  erwähnt,  sehr  häutig  und  zu  jeder  Jahreszeit  an  den 
Küsten  Spaniens  und  Portugals,  so  wie  im  unteren  i^aufe  der 
größeren  Ströme  und  in  den  mit  dem  Meere  in  Verbindung  stehen- 
den Süß-  oder  Brackwasserseen  vor,  sind  sehr  gesehätzt  und  daher 
von  großer  Bedeutung  in  nationalökonomischer  Beziehung.  \  on 
besonderem  Wohlgeschmäcke  sind  jene  Exemplare,  welche  längere 
Zeit  in  klarem,  ziemlich  kaltem  Flußwasser  sich  authalten,  /..  B. 
in  der  Guadiana,  im  Mino  etc. ,  und  in  den  Monaten  Juli  und  August 
getischt  werden. 

Der  gemeinsame  Name  für  sänmitüche  Mugil-AvXen  ist  in  Portu- 
gal Tidnha,  im  nördlichen  Spanien  Muge. 

Kam.  Cepolidae. 

Glitt.   Cepola  Lin. ,   Cuv.   Val. 

149.  Art.  Cepola  rubescens  Lin. 

Sehr  gemein  an  der  Süd-  und  Ostküste  Spaniens,  insbesondere 
bei  Malaga  und  Alicante  im  Frühjahre,  selten  an  der  Nord-  und 
Westküste    der  Iberischen  Halbinsel;    wir  besitzen  Exemplare   von 


686  S  t  e  i  11  d  a  c  h  n  e  r. 

Barcelona,  Valencia,  Alicante,  Malaga,  Gibrallar,  Cadlx  und  San- 
tander. 

Das  größte  Exemplar  unserer  Sammlung  ist  13"  6'"  lang,  das 
kleinste  7". 

Die  Länge  des  Kopfes  ist  sehr  variabel,  bei  kleinen  Individuen 
Smal ,  bei  großen  von  15 'V  Länge  aber  ll'^nia!  in  der  Körper- 
länge (ohne  Caudale)  enthalten.  Die  Länge  des  Augendiameters  ver- 
hält sich  zur  Kopflänge  Avie  1  :  l^j^ — 3. 

Vulgärname:  Doncella  (Andalusien)  Llista  (V^alencia). 

Farn.  Goliie^oeülae. 

Gatt.  Lepadogaster  (iouan. 

ISO.  Art.  Lepadogaster  (rouaiii  Lacep.,  Canestr. 
Syn.  Lepadogaster  loebbianus  Val.  ete. 

Kommt  sehr  häufig  an  den  Küsten  der  iberischen  Halbinsel  und 
der  canarischen  Inseln  in  verschiedenen  V^arietäten  vor.  Wir  besitzen 
Exemplare  von  La  Coruna,  Ferrol,  Malaga,  Barcelona,  Setubal  und 
Santa  Cruz  de  Tenerife,  das  größte  derselben  ist  2"  7'"  lang  bei 
einer  Breite  von  8". 

Vulgär  na  me:   Pe</«f/or  (Spanien,  Portugal,  Tenerife). 

ISl.  Art.  lepadogaster  DecaDdoIii  Bis  so. 

Syn.  Mirbelia  Üecandolii  Canestr. 

Wir  erhielten  zwei  Exemplare  während  unseres  Aufenthaltes  in 
Malaga.  Treffliche  und  ausführliche  Beschreibungen  dieser  Art  sind 
in  Canestrini's  Abhandlung  „Studii  sui  Lepadogaster  del  Mediter- 
raneo",  so  wie  in  Günther's  ^/Catalogue  of  the  Fishes  in  the  Col- 
lect, of  the  Brit.  Museum,  Vol.  III"  gegeben. 

151.  Art,  Lepadogaster  biuiaculatus  (Penn.)  Cuv.   Val. 
Syn.   Ci/clop(('ni6-  bixiaculatus  Penn.  elc.  etc. 
Mirhi-lid  Deftfonlaiiiü  F{  i  s  s  o ,   Cane.s(r. 

Diese  Art  reicht  noch  weiter  nach  Norden  als  L.  Guanii,  nämlich 
bis  Bergen  in  Norwegen,  nach  Süden  bis  Tenerife.  Wir  erhielten 
einige  kleine  Exemplare  bei  La  Coruna,  Barcelona,  Gibraltar  und 
Santa  Cruz  de  Tenerife. 


Iclitliyol.  Beric-lit  üb.  eine  mich  Spanien  und  Portugal  unternomm.  Reise.     ÜO  i 

Gatt.  Gouania  Nardo. 

153.  Art.  GouauNi  piger  s.  prototypus  Nardo. 

S  y  n.   Gouania  piger  B  o  n  a  p. 

Leptoptenjgiiis  Coccoi  Trosch. 

„  piger  G  ün t h. 

?  Lepadogaster  Wildenowii  R  i  s  s  o. 

Diese  Art  kommt  häufig  im  adriatischen  Meere  (bei  Piraiio, 
Venedig,  Triest,  Lesina  etc.)  und  im  mittelländischen  Meere  (hei 
Nizza,  an  den  Küsten  Siciliens  und  bei  Alicante)  vor.  Das  von  uns 
bei  Alicante  gefischte  Exemplar  ist  genau  zwei  Zoll  lang,  die  Länge 
des  Kopfes  beträgt  sechs,  die  Breite  desselben  etwas  mehr  als  vier 
Linien,  in  der  Anale  lassen  sich  1 3 — 14,  in  der  Dorsale  18-19  Strah- 
len erkennen. 

Risso's  Beschreibung  von  Lep.  WildenoiL'iiVd^ii  mit  ziemlicher 
Sicherheit  vermuthen,  daß  diese  Art  mit  G.  piger  sive  prototypus  N. 
zusammenfalle. 

F  a  m.  Cent ri!i»eiclae. 

Gatt.  Centhscus  (Lin.)  CuY. 

154.  Art.  Centrlscus  scolopax   Lin. 
S  y  n.   Centriscus  velitaria  C  a  b  r  e  r  a. 

Sowohl  die  relative  Höhe  des  Körpers  als  auch  die  Länge  des 
zweiten  Stachels  der  ersten  Dorsale  sind  sehr  bedeutenden  Schwankun- 
gen unterworfen,  während  die  relative  Kopflänge  sich  kaum  ändert. 
Wir  untersuchten  sieben  Exemplare  von  3"  8'" — 7"  Länge. 

Bei  diesen  ist  die  Körperhöhe  21/3 — l^'^mal,  die  Länge  des 
zweiten  Dorsalstachels  \^/-,,  etwas  mehr  als  2mal,  zuweilen  seihst 
ein  wenig  mehr  als  3mal  in  der  Länge  des  Rumpfes  zwischen  der 
Deckelspitze  und  der  Basis  der  mittleren  Caudalstrahlen,  die  Kopf- 
länge genau  2  bis  2yioma]  in  der  Körperlänge  (von  der  Schnauzen- 
spitze bis  zur  Basis  der  miltleren  Caudalstrahlen)  enthalten. 

Die  Zahl  der  Strahlen  in  der  zweiten  Dorsale  schwankt  ZM'ischen 
11  —  12,  die  in  der  Anale  zwischen  18 — 20. 

Fundorte:  Cadix,  Gibraltar,  Barcelona,  Tenerife. 

Vulgärname:  Pilo  real  (Cadix),  Trompelero  (Tenerife, 
Cadix). 


()88  S  t  e  i  II  (1  ;i  c  ii  n  i'  r. 

Fam.    1*  4»iiia<*oiit  ridae. 

Gatt.  Heliastes  (■nv.  Val. 

153.  Art.  Heliastes  chroniis  spee.  Lin. 
(Chrntiiis  castaiieus  Cuv.^ 

Ist  ziemlich  gemein  an  der  Ost-  und  Südküste  Spanien's  und 
kommt  an  der  Ostküste  Tenerife's  im  Frühjahre  in  Unzahl  vor. 

Bezüglich  der  Körpertiirbung  lassen  sich  zwei  Varietäten 
unterscheiden,  die  nicht  vom  Alter  abhängig  sind.  Bei  der  ersten 
derselben,  welche  dem  Mittelmeer-Becken  angehört,  ist  der  Rumpf 
mit  ziemlich  breiten  schwärzlichbraunen  oder  dunkelvioletten  Längs- 
binden, welche  an  Zahl  der  der  horizontalen  Schuppenreihen  ent- 
sprechen, geziert;  die  Anale,  Caudale  und  Dorsale  schwärzlich. 
Bei  der  zweiten  Varietät,  welche  um  Madeira  so  wie  an  den  Küsten 
der  canarischen  [nseln  sehr  häutig  vorkommt  und  von  Valenciennes 
als  eine  besondere  Art  unter  dem  Namen  Heliases  limbatus  beschrie- 
ben wurde,  ist  die  Grundfarbe  des  Körpers  mehr  oder  minder  hell 
goldbraun  und  zwar  am  Rücken  dunkler  als  an  und  zunächst  der 
Bauchseite,  die  hinteren  Schuppenränder  sind  schmal  dunkelbraun, 
zuweilen  auch  noch  bimmelhlau  eingel'aßt;  eine  breite  schwarze  Binde 
zieht  längs  der  Stacheln  und  des  Randtheiles  der  Gliederstrahlen  der 
Dorsale  und  Anale,  so  wie  am  oberen  und  unteren  Rande  der  Caudale 
hin,  der  l)asale  Theil  der  Gliederstrahlen  in  der  Dorsale  und  Ai\ale 
und  der  mittlere  Theil  der  Caudale  ist  schwefelgelb.  Ein  dunkler, 
breiter  Streif  umfaßt  die  Basis  der  Pectorale. 

Die  Höhe  des  Körpers  ist  bei  jungen  Individuen  etwas  mehr  als 
2</4mal,  bei  alten  von  Sy^ — 6"  Länge  genau  oder  selltst  etwas 
weniger  als  2mal,  die  Kopflänge  circa  Sy^mal,  die  Länge  des  oberen 
Caudallappens,  der  gleich  dem  unteren  in  einen  mehr  oder  minder 
langen  Faden  ausgezogen  ist,  etwas  weniger  als  3 — 2V3iiial  in  der 
Kiirperlängc  (ohne  Caudale)  oder  etwas  mehr  als  3  —  3yomal  in  der 
Totallänge  enthalten. 

Der  gliederslrahlige  Theil  der  Dorsale  ist  bei  der  dem  Mittel- 
meere angehürigen  Varietät  in  der  Regel  abgerundet,  oval,  bei  der 
Vor.  lim/xilHs  dagegen  häufig  zugespitzt ,  indem  der  vierte  Strahl 
bei  Männchen  sich  in  einen  Faden  auszieht  und  eben  so  lang  wie  der 


I 


[chlliyol.  Bericht  ül>.  eine  ikicIi  Spanien  ii.  Purliiyal  unternomm.  Reise.      6<SJ) 

Kopf  ist.  ^'icl•  Schuppenreilieu  liegen  zwischen   dem  unteren  Augen- 
und  Vordeckelrand. 

D  ^^-  A   -A_ 

10—12'         10-12' 

Wir  besitzen  Exemplare  von  Barcelona,  Alicante,  Cadix,  Santa 
Cruz  de  Tenerife,  Puerto  de  Santa  Cruz  und  Candelaria. 

Vulgärname:   Castaneta  (Tenerife),  Castanuela  (Sjjanien). 

Fam.  lialii'iclae. 

Gatt.  Labms  (Art.)  Cuv. 

1 56.  Art.  Labrus  niiitus  L  i  n. 

S  y  n.  Labrus  mixtits  L  i  n.  Cuv.;  luas. 

„       hi- ei  trimacidatus  Lin.,  fem. 

Ist  eine  der  gemeinsten  Arten  an  den  Küsten  der  iberischen 
Halbinsel  und  erreiclit  eine  Länge  von  14  — 13  Zoll.  Die  Höhe  des 
Rumpfes  ist  43/5  bis  nahezu  4mal,  die  Kopflänge  S'/j — SVomal  in  der 
Totallänge,  die  Schnauzenlänge  22/3 — 2»/ai"al  i"  der  Koptlänge  ent- 
halten. 

Die  breite  blaue,  scharf  abgegrenzte  Binde  im  vorderen  basalen 
Theile  der  Dorsale  ist  den  Männchen  eigenthümiich  und  nimmt  gleich 
der  Querbinde  im  hinteren  Theile  der  Caudale  mit  dem  Alter  bedeu- 
tend an  Länge  zu;  während  erstere  bei  jungen  Individuen  nur  von 
dem  ersten  bis  zum  vierten  oder  sechsten  Dorsalstachel  reicht,  er- 
streckt sie  sich  bei  alten  Exemplaren  nach  hinten  bis  zum  zweiten 
Gliederstrahle.  Der  blaue  Saum  am  unteren  Rande  der  Anale  ist 
bedeutend  breiter  als  der  am  oberen  Rande  der  Dorsale.  An  den 
Wangen  liegen  6  —  9  horizontale  Schuppenreihen. 

Bei  den  Weibchen  zeigt  sich  nur  ein  sehr  verschwommener 
bläulicher  Nebelfleck  zwischen  den  drei  oder  vier  ersten  Dorsal- 
stacheln und  der  Saum  am  oberen  Dorsal-  und  unteren  Analrand  ist 
äußerst  schmal.  Drei,  seltener  zwei  schwarzbraune,  runde  Flecken 
von  bedeutendem  Umfange  längs  der  Basis  der  Gliederstrahlen  der 
Rückenflosse  und  am  oberen  Theile  des  Schwanzstieles. 

,.    16-18     ,         3 

D.  T-. — tt;  a. 


11—14'      ■  11— 12  (nach  Güntii.  und  Canestr.  auch  10). 
Die  Seitenlinie  durchbohrt  nur  42 — 44  Schuppen  zwischen  dem 
hinteren  Kopfende  und  der  Basis  der  mittleren  Caudalstrahlen,  auf 
der  Caudale  endlich  noch  3 — 4  Schuppen. 


690  S  t  e  i  ml  ii  c  li  n  t"  r. 

Wir  besitzen  viele  Exemplare  von  Ferrol,  La  Coruiiia,  Setubal, 
Cadix,  Valencia  und  Barcelona. 

Über  die  zahlreicbe  Synonymie  dieser  Art  s.  Günther's  Cata- 
log-.  Vol.  IV,  pag,  74 — 75. 

157.  Art.   Labras  tordus  Lin. 

Syn.  Labnis  festh'iis  Cuv.  Val.,  Risso,  Ca  nestr.  etc. 
„      luscns  Lin.,  Cuv.  Val. 
„      nereus  Risso. 
„      viridis  Cuv.  Vai. 
„       prasosiiclKS  Pall.,  Nordm.,   Günth. 

Das  Wiener  Museum  ist  sehr  reich  an  Exemplaren  dieser  schönen 
Art,  welche  bezüglich  der  Zeichnung  und  Färbung  des  Körpers  fast 
noch  mehr  n\sLabi:  mLvtus  variirt  und  daher  eine  reiche  Synonymie  •) 
aufweist.  Es  unterliegt  keinem  Zweifel,  daß  auch  Labt',  festimis,  ne- 
reus, iuscHS,  viridis  und  prasostictus,  welche  zum  größten Theile  noch 
in  den  neuesten  Werken  als  besondere  Arten  angeführt  sind,  mit  Luhrus 
turdus  zusammenfallen,  da  sie  nur  auf  Farbenvarietäten  letztgenann- 
ter Art  basirt  sind,  deren  jede  im  Wiener  Museum  durch  3 — 4Exem- 
plare  vertreten  ist. 

Die  Höhe  des  Rumpfes  ist  bei  Exemplaren  von  81/3 — 13"  Länge 
etwas  mehr  als  4^/5  bis  kaum  4mal  bei  Männchen,  nur  3^/4 — 3i/2mal  bei 
alten  und  jungen  Weibchen  zur  Laichzeit,  die  Koptlänge  3 '/^mal  in  der 
Totallänge,  die  Schnauzenläiige  bald  etwas  mehr,  bald  etwas  weniger 
als  3mal,  die  Länge  des  Auges  4 '/^mal  (bei  ganz  jungen  Individuen)  bis 
mehr  als  7mal,  die  Stirnbreite  6 — 7mal  in  der  Kopflänge  enthalten. 
7  —  8  Schuppenreihen  unter  dem  Auge  auf  den  Wangen.  Die  Höhe 
des  längsten  Gliederstrahles  in  der  Dorsale  ist  stets  nur  1 1/5  bis 
lä/ämal  in  der  Basislänge  des  von  Gliederstrahlen  gebildeten  Theiles 
dieser  Flosse  enthalten.  Ein  kleiner  schwarzbrauner  Fleck  liegt  stets 
an  der  Basis  der  letzten  Gliederstrahlen  der  Dorsale,  welche  am 
oberen  Rande  orangegelb  gesäumt  ist,  während  ein  blauer  Saum  den 
äußeren  Seitenrand  der  Ventrale,  den  iiinteren  Rand  der  Caudale 
und  den  unteren  der  Anale  ziert;  diese  Säume  sind  bei  Männchen 
deutlicher  entwickelt  als  bei  den    Weibchen  und  scheinen  nach  un- 

1)  Sielie  diese  in  Günther's  und  Can  es  tri  n  i's  Bosclireihungen  von  L.  turdus, 
fualifus  und  prasostktus.  (Calal.  Fish.  Brit.  Mus.  Vol.  IV.,  Stiidi  siii  Lahroidel  dal 
Mediterriineo.) 


Ichthyol.  Bericlif  üb.  eine  n:ich  .S|)anien  ii.  Portugiil  iinternomm.  Reise.       Oj)l 

sereii  Untersuchungen  nur  ganz  jungen  Individuen  7A\  fehlen.  Sowohl 
bei  Männchen  als  bei  Weibehen  sind  zur  Laichzeit  sämmtliche  Flos- 
sen mit  Ausnahme  der  Pectorale  weißlich  gefleckt.  Bei  jenen  Exem- 
plaren, deren  Körperseiten  mit  zahlreichen  braunen  Zickzackstreifen 
oder  Marmorirungen  besetzt  sind,  findet  man  auch  auf  der  Dorsale 
braune  Flecken.  Häufig  zieht  eine  silbergraue,  braungesäumte  Längs- 
binde von  der  Schnauze  bis  zur  Caudale,  selten  erlöscht  sie  bereits 
hinter  dem  Kiemendeckel  vollständig,  oder  löst  sich  in  runde  Silber- 
flecken auf,  die  in  größerer  (zur  Laichzeit)  oder  geringerer  Zahl 
auch  auf  den  übrigen  Theilen  der  Körperseiten  vorkommen  und  nur 
selten  vollständig  fehlen.  Bei  sehr  vielen  Exemplaren  ist  die  Ober- 
seite des  Kopfes  und  das  Präorbitale  schwarzbraun  zart  gefleckt,  auch 
wenn  an  den  Seiten  des  Bumpfes  braune  Linien,  Zickzackstreifen 
oder  Binden  vollständig  fehlen  oder  nur  schwach  angedeutet  sind. 

D.  -r-, — rs^;  A.  -r—TT-  :    L.  lat.   42 — 45  (mit  Einschluß   der   durch- 
11  —  li         y — 11  ^ 

bohrten  Caudalschuppen). 

Wir  besitzen  und  untersuchten  ein  Exemplar  von  Valencia ,  ein 
zweites  von  Barcelona,  ein  drittes  vonCadix,  acht  von  Dalmatien, 
fünf  von  Palermo,  Sardinien  und  Nizza,  und  ein  Exemplar  von  Con- 
stantinopel. 

158.  Art.  Labras  Donovani  C  u  v.  Val. 

Syn.   Coniher   Wrass  Couch,   Fishes   of   the   Brit.   Isl.,  Vol.   III,    pag.  32, 
tab.  126,  fig.  2. 

Diese  Art  kommt  ziemlich  häufig  an  der  Nordküste  Spaniens 
vor  und  ist  nahe  verwandt  mit  L.  turchis  Linne. 

Wir  besitzen  sechs  Exemplare  von  La  Coruna,  Ferro!  und  Vigo, 
acht  von  Lissabon  und  Setubal. 

Die  größte  Höhe  des  Leibes  ist  bei  Exemplaren  von  41/2  — 10" 
Länge  33/4  -Si/amal,  die  Kopflänge  32/5— 3«/7mal  in  der  Totallänge 
die  Länge  der  Schnauze  etwas  mehr  als  3— 3</omal,  die  Länge  des 
Auges  43/5— SiAmal,  die  Stirnbreite  4</o— 5mal  in  der  Kopflänge 
enthalten.  6 — 10  Schuppenreihen  liegen  an  den  AVangen  unter  dem 
Auge. 

Der  letzte,  höchste  Dorsalstachel  ist  IVämal  in  der  Länge  des 
höchsten  Gliederslrahles  derselben  Flosse  enthalten  und  nur  wenig  kür- 
zer als  die  Schnauze,  während  der  erste  kürzeste  circa  nur  eine  Augen- 


693  S  t  e  i  II  H  H  (•  h  n  e  r. 

länge  erreicht.  Dorsale,  Pectorale  und  Anale  sind  am  hinteren  Rande 
stark  abgerundet,  die  Caudale  aber  fast  vcrtical  abgestutzt. 

Bei  jungen  Exemplaren  zeigen  sieb  Spuren  von  Zäbncben  am 
Vordeekelwinkel.  Ein  schwärzlicher,  halbmondförmig  gebogener  Streif 
liegt  an  der  Basis  der  Peetoralen. 

Bei  jedem  der  von  uns  untersuchten  größeren  Individuen  läuft 
eine  erst  nach  dem  Tode  stark  vortretemle  silbergraue  Binde  von 
dem  seitlichen  vorderen  Schnauzenrande  bis  zur  Caudale  und  ist  zu- 
weilen am  oberen  und  unteren  Rande  dunkel  gesäumt  wie  bei  L.  tur- 
(lus  =  L.  festivns,  bei  jungen  aber  fehlt  sie.  Die  dunkeln  Querhinden 
über  der  Seitenlinie  fehlen  häufig  bei  alten  Individuen,  bei  jungen 
aber  erstrecken  sie  sich  auch  auf  die  Dorsale.  Stets  kommt  ein 
schwarzes  Fleckchen  an  der  Basis  der  letzten  Gliederstrahlen  in  der 
Dorsale  vor.  Zuweilen  sind  die  Gliederstrahlen  der  Dorsale  und  Anale 
braun  gefleckt  und  dunkel  gerandet.  Die  Seiteidinie  durchbohrt  45 
bis  46  Schuppen,  von  denen  die  4 — S  letzten  auf  der  Caudalbasis 
liegen.  7 — 8  Schuppen  zwischen  der  Seitenlinie  und  der  Basis  des 
ersten  Dorsalstacliels,  14 — 15  zwischen  ersterer  und  der  Basis  der 
Ventrale  in  einer  verticalen  Linie. 

Die  obere  Profillinie  des  Körpers  erhebt  sich  von  der  Schnauze 
bis  zum  Beginne  der  Dorsale  mehr  oder  minder  mäßig  steil  und  ist 
nur  sehr  schwach  convex. 

D.  ^-=^',  A.  5/8—9;  P.  14—15;  V.  1/5. 
11  —  10  ' 

159.  Art.  Labras  inerula  Linne. 
Syn.  ?  Labrus  saxorum  C.  V.  (jiiv.)  et  Lahrus  lineolatus  C.  V.  (juv.)? 

Die  Höhe  des  Körpers  ist  bei  jungen  Exemplaren  von  ö'/g" 
Länge  nicht  selten  4mal ,  bei  alten  von  fast  14"  Länge  etwas  mehr 
als  Sa/gmal,  die  Koptlänge  nahezu  82/3- 3i/,mal  in  der  Totallänge, 
die  Schnauzeidänge  genau  oder  etwas  weniger  als  3mal,  die  Länge 
des  Auges  etwas  mehr  als  5  — 6i/4mal,  die  Stirnbreite  5'/3— 4V5mal 
in  der  Kopflänge  enthalten. 

6 — 7  horizontale  Schuppenreihen  an  den  Wangen. 

Die  Grundfarbe  des  Körpers  ist  bei  alten  Individuen  in  der 
Regel  dunkelbraun,  dunkelgrau,  seltener  schmutzig-olivenfarben.  Bei 
(jüngeren)  Exemplaren  von  schmutzig  hellbrauner  oder  graubrauner 
Färbung  zeigt  sich  häufig  ein  dunklerer  Fleck,  an  und  über  dem  hin- 


Ichthyol.  Bericht  iih.  ein«'  imcli  Siiaiiifii  ii.  F'(ntii{;;il  liiiternomni.  Reise.      693 

tereii  oberen  Ende  i]e^  Kiementieckels,  ferner  an  der  Basis  der  an 
deri  Seiten  des  Rumpfes  liegenden  Scliiippen,  wodurch  zahlreiche 
dunkle  Liingsstreifen  in  der  Richtung  der  Schuppenreihen  gehiklet 
werden  (Lahrus  fineahtlus  C  V.  ?)  ,  seltener  entwickeln  sich 
insbesondere  bei  Exemplaren  bis  zu  8"  Länge  unregelmäßige, 
Verschwommene  Querbiiiden  (L.  sfLVorum?)  Ein  kleiner,  schwarzer 
Fleck  liegt  an  der  Basis  der  letzten  Gliederstrahlen  in  der  Dorsale. 
Der  untere  Rand  der  Anale  und  der  äußere  Seitenrand  der  Ventralen 
ist  blau  eingefaßt.  Minder  {»reit  und  sehwächei-  abgegrenzt  ist  der 
violette  Saum  am  hinteren  Rande  der  Caudale  und  am  oberen  Rande 
der  {jliederstrahlen  der  Dorsale,  zuweilen  fehlt  er.  Die  Seitenlinie 
durchbohrt  bis  zur  Basis  der  mittleren  Caudalstrahlen  39  —  40  Schup- 
pen und  weitere  3 — 4  auf  der  Caudale. 

Bei  jungen  Individuen  gleicht  die  Höhe  der  längsten  Glieder- 
slrahlen  in  der  Dorsale  der  Basislänge  derselben,  bei  alten  dagegen 
ühertrilYt  er  diese,  wenngleich  nur  unbedeutend. 

Wir  besitzen  große  Exemplare  von  Valencia,  .\licante,  Bar- 
celona. 

Vulgärname:  Merula  (Cadix)  ,  auch  Borriquete  (sec. 
Maebado),  Anfös  (Barcelona). 

D.  11^;  A.  3/9—10;   L.  lat.  39—40  -f  3—4. 
159.  Art.  Labros  uiacalatus  Bl. 

Syn.  Luhrus  hergylta  Asc,  Cuv.  Val.,  Yarr. ,  otc. ;  Baüan  Wrasse,  Penn. 
Brit   Zool.  Vol.  III,  pa^.  216,  tab.  44. 

Diese  Art  kommt  an  der  Nord-  und  Westküste  der  iberischen 
Halbinsel  häufig  vor  und  erreicht  eine  Länge  von  mehr  als  IS^/g  '• 

Bei  Exemplaren  von  8 '/a  — 15 1/3"  Länge  ist  die  Körperhöhe 
etwas  weniger  als  32/5  bis  fast  3«/4mal,  die  Kopflänge  35/6— SVsmal 
in  der  Totallänge,  die  Länge  des  Auges  5 — 6mal,  die  Stirnbreite 
4 — 42/5mal,  die  Schnauzenlänge  unbedeutend  mehr  oder  weniger 
als  dreimal  in  der  Kopflänge  enthalten.  7 — 9  horizontale  Schuppen- 
reihen auf  den  Wangen. 

Fundorte:  Santander,  La  Coruiia,  Vigo,  Setubal. 

Vulgärname:  Mararjotn  (Galizien),  Margota  (Lissabon). 


694  Steindaehner. 

Gatt.  Crenilabrus  Cuv. 

161.  Art.  frenilabros  pavo  Brunn.;  Cuv.  Val. 
S  y  II.  Crenilabrus  lapina  G  e  o  ff r  o  y ,  Risso,  etc. 

Drei  kleine  Exemplare  von  Gibraltar,  ein  großes  von  Valencia. 

Die  Höhe  des  Körpers  ist  S'/j  bis  mehr  als  3s/4nial,  die  Kopf- 
länge 3*/.-,  bis  etwas  mehr  als  S^/smal,  der  Augeiidiameter  o — 7mal 
in  der  Koptlänge  enthalten.  Bei  jungen  Individuen  liegen  5,  bei  alten 
häufig  nur  vier  horizontale  Schuppenreiben  auf  den  Wangen.  Scbnau- 
zenlänge  2'/5mal  bei  idteren,  etwas  weniger  als  3mal  bei  jüngeren 
Exemplaren  in  der  Kopflänge  enthalten.  Zuweilen  zeigen  sich  dunkle 
Flecken  auf  der  Dorsale  und  deren  Basis. 

162.  Art.  Crenilabrus  mediterraoeus  Lin. 

S  y  n.   Crenilabrus  bidens  Bloch; 

„         boryanus,  nigrescens  Risso,  etc.  etc. 

Die  Zahl  der  von  der  Seitenlinie  durchbohrten  Schuppen 
schwankt  zwischen  33  —  35,  die  Körperhöhe  zwischen  1/4 — y,6  der 
Totallänge.  Ein  großer  schwärzlicher  Fleck  an  der  Basis  der  Pec- 
toraie,  ein  zweiter  über  der  Seitenlinie  unmittelbar  vor  der  Caudale, 
zwei  große  Zähne  vorne  im  Zwischenkiefer.  Bei  kleinen  Exemplaren 
von  I3/4 — 4"  Länge  zähle  ich  nur  3  horizontale  Schuppenreihen  an 
den  Wangen,  selbst  bei  großen  Individuen  zeigt  sich  nur  selten  die 
Spur  einer  vierten  Scbuppenreihe.  Die  Querbinden  des  Rumpfes  sind 
breit,  aber  stark  verschwommen. 

Drei  Exemplare  von  Gibraltar,  zwei  von  Alicante  und  Cadix. 

Vulgärname:    Vaqueta  (Cadix). 

163.   Art.   frenilabras  griseas  L. 
Syn.   Crenilabrus  Staitii  Nor  dm. 

Eine  der  gemeinsten  Labrus-kY^ew  an  den  Küsten  Portugals  bei 
Lissabon,  Setubal,  und  an  der  Süd-  und  Südostküste  Spaniens  z.  B. 
bei  Gibraltar,  Malaga,  Alicante  etc. 

Crenilabrus  Staitii  ^OY Am.  iixWi  o\\\\Q  allen  Zweifel  mit  Cr. 
griseus  hin.  =  C.  Cnttae,  tnassa  Kisso  =  Labrus  fuscusV^W., 
Cur.  Val.  Nordm.  etc.  zusammen,  wie  Kessler  mit  Recht  anninniit; 
Avir  untersuchten  selbst  ZMei  von  Nordmann  als  Cr.  Staitii  ein- 


Ichthyol.  Bericht  iih.  eine  nach  Spanien  u.  Portng;al  iinternomm.  Reise.       69o 

gesendete  Originalexemplare  aus  Odessa,  welche  von  Cr.  griseus 
aus  dem  mittelländischen  oder  adriatischen  Meere  nicht  verschie- 
den sind. 

Die  Länge  des  Kopfes  ist  in  der  Regel  weniger  als  4mal  (Ss/^- 
bis  3y5mal),  selten  ein  wenig  mehr  als  4mal,  die  größte  Leibeshöhe 
S'/gmal  in  der  Totallänge  enthalten.  Zwei  Schuppenreihen  auf  den 
Wangen. 

Die  Seitenlinie  durchbohrt  fast  immer  nur  32  Schuppen  (aus- 
nahmsweise aber  auch  35,  so  bei  einem  Exemplare  von  Gibraltar  auf 
einer  Körperseite). 

164.  Art.  Crenilabrus  qoiaqaeinacQlatus  Bl. 

Syn.  Crenilabrus  Roissalii,  tigrinns  Risso. 

„         aeruginosus,  Pall.  Nor  dm.,  etc.  • 

Kommt  sehr  häufig  an  der  östlichen  Küste  Spaniens  in  zahl- 
reichen Varietäten  vor,  scheint  aber  an  den  Küsten  Portugals  gänz- 
lich zu  fehlen  oder  nur  ausnahmsweise  daselbst  zu  erscheinen.  Drei 
bis  vier  horizontale  Schuppenreihen  liegen  an  den  Wangen ,  bei 
keinem  der  von  uns  untersuchten  58  Exemplare  aus  dem  mittellän- 
dischen und  schwarzen  Meere  aber  2,  wie  bei  dem  nahe  verwandten 
Crenil.  Baillonii.  Die  Seitenlinie  durchbT)hrt  31,  ausnahmweise 
auch  32  oder  30  Schuppen. 

Die  Körperhöhe  ist  in  der  Regel  S'/a — S'^mal,  die  Kopflänge 
3'/2 — 3y5mal  in  der  Totallänge,  die  Schnauzenlänge  etwas  weniger 
als  2^/2 — 23/5mal,  bei  jungen  Individuen  aber  mehr  als  3mal,  die 
Augenlänge  5 — 6mal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Sämmtliche  von  uns  an  den  Küsten  der  iberischen  Halbinsel 
gesammelten  Exemplare  besitzen  nur  14  Stacheln  in  der  Dorsale, 
31/2  Schuppen  über  und  10 — 11  unter  der  Seitenlinie  in  einer  Quer- 
reihe. 

Wir  sammelten  2  Exemplare  bei  Carthagena,  4  bei  Motril,  6 
bei  Taragona  und  20  bei  Cadix,  Malaga,  Alicante,  Valencia,  Bar- 
celona. Äußerst  lebhaft  und  charakteristisch  ist  die  Körperfärbung 
zur  Laichzeit,  so  stellt  z.  B.  die  kvi  Cren.  tigrinus  Riss o's  ein 
Männchen  und  C7'e)i.  Roissalii  Risso  ein  Weibchen  im  Hochzeits- 
kleide vor. 


Sitzh.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  LVII.  Bd.  I.  Ahth.  45 


696  S  t  .' i  n  .1  II  (•  h  n  e  r. 

165.  Art.  Crenilabras  Baillonii  Cuv.  Val. 

Diese  Art  kommt  sehr  häufig-  an  der  Nord-  und  Westküste  der 
iherischen  Halbinsel  von  La  Corona  und  Ferrol  his  Gibraltar  vor  und 
erreicht  eine  Länge  von  9  Zoll.  In  der  Zeichnung  des  Körpers  hat 
Crenilnbrus  Baillonii  viele  Ähnlichkeit  mit  Crenilabnis  qninquema- 
ciihäiis  Bl.,  doch  liegen  längs  der  Seitenlinie  stets  35 — 38  Schup- 
pen, 4^/2  horizontale  Schuppenreihen  zwischen  der  Seitenlinie  und 
der  Dorsale,  die  Schuppen  an  den  Wangen  sind  bedeutend  grölier, 
minder  zahlreich  und  in  der  Regel  nui  in  zwei  Reihen  geordnet, 
zwischen  welche  sich  zuweilen  eine  unvollständige  dritte  einschiebt. 

Die  Körperhöhe  istS'/j  — SYamai,  die  Koptlänge  4— 4'/emal,  die 
Schnauzenlänge  etwas  mehr  als  3 — 2^6'"'*'»  die  Länge  des  Augendiame- 
ters  4'/o  — 5 '/aiiial,  die  Stirnbreite  genau  oder  etwas  mehr  als  Snial  in 
der  Kopflänge  enthalten.  Ein  großer  bläulichschwarzer  Fleck  liegt 
zwischen  dem  letzten  Stachel  und  dritten  Gliederstrahle  der  Dorsale, 
häufig  ein  zweiter  viel  kleinerer  an  der  Basis  der  letzten  Glieder- 
strahlen der  Dorsale,  ein  dritter  an  der  Basis  der  mittleren  Caudal- 
slrahlen.  Ein  schwärzlicher  Strich  schließt  die  Pectoralstrahlen  nach 
vorne  ab.  Die  Seiten  des  Körpers  sind  dunkelbraun  niarniorirt  oder 
getleckt;  selten  bilden  sich  regelmäßige,  an  den  Rändern  stark  ver- 
schwommene Querstreifen  (bei  jungen  Individuen).  Zur  Laichzeit 
zeigen  sich  bei  Männchen  himmelblaue  Fleckchen  mit  Silberglanz. 
Der  schuppenlose  Theil  des  Kopfes  ist  mit  zahllosen  Porenmün- 
dungen  besetzt,  der  hintere  Rand  des  Vordeckels  stark  gezähnt.  Die 
Dorsale  enthält  stets  nur  14  Stacheln  und   10  Gliederstrahlen. 

Wir  besitzen  acht  Exemplare  von  Ljissabon,  drei  von  Setubal, 
drei  von  Vigo ,  vier  von  La  Coruiia  und  Ferrol  und  fünf  von 
Gibraltar. 

Vulgär name:  Bodiao  (Setubal,  Lissabon),  Budion (Galieien). 

166.  Art.  Crenilabros  melops  Lin.,  Cuv. 

In  der  Zeichnung  der  Körperseiten  hat  Cr.  melops  viele  Ähnlich- 
keit mit  Cr.  Baillonii,  doch  liegen  4  —  7  Reihen  zahlreicher  kleiner 
Schuppen  auf  den  Wangen,  ein  halbmondförmiger  dunkler  Fleck 
am  hinteren  Augenrande  und  die  Dorsale  enthält  16 — 17  (15) 
Stacheln. 


Ichthyol.  Bericht  ill).  eine  ii;ieh  Spaiiicii  ii.  Porliiij:!!  imlcrnomin.  IJeise.       697 

Die  Höhe  des  Körpers  ist  bei  Exemplaren  von  41/4  —  7"  Länge 
3^/5  bis  weniger  als  3'/4mal,  die  Kopflänge  Sy^ — 3y«mal  in  der 
Totallänge,  die  Scbnaiizenlänge  etwas  mebr  als  2*75  — 3 1/7 mal,  die 
Länge  des  Auges  41/3 — 5'/omal,  die  Stirnbreite  etwas  mehr  als  5mal, 
bei  alten  Individuen  genau  5mal  in  der  Kopllänge  entbalten. 

Während  bei  jungen  Individuen  6—7  Schuppenreihen  an  den 
Wangen  liegen,  zählt  man  bei  alten  sehr  häufig  nur  4  Reihen.  Die 
Seiten  des  Rumpfes  sind  violett  gefleckt  oder  marmorirt,  zuweilen 
bilden  sieb  regelmäßige,  an  den  Rändern  verschwommene  Quer- 
binden, welche  sich  auch  über  die  Dorsale  ausbreiten,  und  einige 
(2 — 3)  Längsstreifen  in  der  oberen  Hälfte  des  Rumpfes. 

Wir  sammelten  mehrere  (26)  Exemplare  in  Bilbao,  Vigo,  La 
Coruiia,  Setubal  und  Gibraltar,  ferner  bei  Barcelona. 

167.  Art,  Crenilabros  ocellatas  Cuv.  Val. 

Syn.  Crenilabrus  perspiciUatus  Fall. 

„         liltoralis  Risso  etc.  etc. 
„         Morellii  Nordni.  juv. 

Crenilabrus  littoralis  Risso,  C.  V.  kann  ohne  Bedenken  unter 
die  Synonyma  von  C.  ocellatus  gestellt  werden,  wir  besitzen  mehrere 
Exemplare  mit  zwei  bis  drei  breiten  Silberbinden  längs  der  Seiten  des 
Pium[tfes,  von  denen  die  oberste  Längsbinde  am  hinteren  Augenrande 
oder  selbst  an  dem  vorderen  Seitenrande  der  Schnauze  endigt. 

In  den  charakteristischen  Eigenthümlichkeiten  wie  in  derSchup- 
penzabl,  Länge  und  Mühe  der  Körpertheile  etc.  zeigt  sich  nicht  der 
geringste  Unterschied  zwischen  Cr.  ocellatus  und  Cr.  littoralis.  Bei 
einem  Exemplare  unserer  Sammlung  fehlt  der  große  Fleck  am  Oper- 
kel  auf  einer  Körperseite. 

Die  Körperhöhe  ist  33/5 — S'^mal,  die  Kopflänge  Sf/a  bis  fast 
33/4mal  in  der  Totallänge,  die  Länge  des  Auges  5mal  in  der  Kopf- 
länge enthalten.  Drei  Schuppenreihen  an  den  Wangen,  sehr  selten  vier. 

Barcelona. 

168.  Art.  Creuilabros  rostratas  spec,  Bloch. 
Syn.   Coricud  roblralus  Cuv.  Val. 

„      Lnmarckii,  riihesceus,  virescens  Risso,  etc. 
„       Brama  N  0  r  d  m. 

Sehr  gemein  an  der  Ostküste  Spaniens  und  nur  selten  länger 
als  ö'/,  Zoll. 

45* 


(398  S  t  e  i  n  (1  ;i  c  h  n  e  r. 

Die  Körperhöhe  ist  4 — ^'^/r,mi\\,  die  Kopflänge  S'/^-  unbe- 
deutend mehr  als  3mal  in  der  Totallänge,  die  Schiiauzenlänge  3  bis 
22/3mal,  die  Länge  des  Auges  etwas  mehr  als  4— 5»/omal  in  der 
Kopflänge  enthalten. 

169.  Art.  frenllabros  tinca  Risso. 

Wird  nur  selten  an  der  Ostküsle  Spaniens  bei  Barcelona  und 
Malaga  gefischt  und  ist  sehr  gemein  an  den  felsigen  Küsten  Siciliens 
lind  Dalmatiens.  Die  größten  Exemplare  unserer  Sammlung  sind 
nahezu  9"  lang. 

Die  größte  Höhe  des  Körpers  ist  4  — 4ysmal,  die  Kopflänge 
dagegen  S'/s — Ss/imal  in  der  Totallänge,  die  Schnauzenlänge  genau 
oder  etwas  weniger  als  3mal,  die  Slirnbreite  5 — Si/gmal  in  der 
Kopflänge  enthalten.    Die  breite,   braune  Längsbinde  fehlt  zuweilen. 

V  u  1  g  ä  r  n  a  m  e :   Tordo  (Cadix  sec.  Machado). 

170.  Art.  rreailabrus  melaDocercDs  Risse. 

Die  von  uns  untersuchten  Exemplare  besitzen  16  Dorsalstacheln 
und  10  Gliederstrahlen  in  der  Anale. 

Die  Höhe  iW'^  Körpers  ist  ein  wenig  mehr  als  33/^ — 4nial  in  der 
Totallänge  enthalten  und  übertrifl"t  ein  wenig  die  Kopflänge,  drei 
Schuppenreihen  liegen  an  den  Wangen.  Die  Kopflänge  verhält  sieh  zur 
Länge  des  Auges  wie  S'A — 3-/o:1  und  zur  Länge  der  Schnauze  wie 
31/3 — 4:1.  Die  Seitenlinie  durchbohrt  34 — 35  Schuppen,  über  erste- 
rer  liegen  di-ei,  unter  derselben  acht  S('liii|)pen.  Ein  dunkler  Fleck  am 
hinteren  Ende  der  oberen  Pectoralstrahlen,  der  jedoch  zuweilen  fehlt. 

Als  Furidorte  dieser  Art  sind  bisher  bekannt:  Triest ,  Lesiiu», 
Palermo,  Nizza,  und  Barcelona. 

Prof  Canestr.  hält  CreniL  coeruleus  Risso  für  eine  Varietät 
von  Cr.  melanocercus  Risso  und  ich  stimme  dieser  Ansicht  bei. 

Gatt.  Ctenolabms  Cuv.  Val. 

171.  Art.  CtcQolabrus  rupcstris  spec.  Lin. 
Syn.   Cteiiolabrus  cinereus  PaJl.,   Nordin. 

„  acutus  C.  V. 

Die  Höhe  des  Körpers  ist  3'/^  (zur  Laichzeit)  bis  nahezu  4mal, 
die  Kopflänge  33/5 — 3Y5mal  in  der  Totalläiige,  die  Länge  des  Auges 
circa  ^^/.a\va\,  die  Schnauzenlänge  3'/5 — 3'/4inal,  die  Stirnbreite 
unbedeutend  weniger  oder  mehr  als  4mal  in  der  Kopflänge  enthalten. 
4 — ö  Schu])peureiheii  auf  den  Wangen. 


Ichthyol.  Borichl  iil)er  eine  n;ich  .Spanien  u.  Poitiigal  unternomm.  Reise.     699 

Ein  schwarzblaiier,  länglicher  Fleck  /wischen  den  3 — 6  ersten. 
kurzen  Dorsalstacheln,  ein  zweiter  rundlicher  am  oberen,  hinteren 
Ende  des  Schwanzstieles.  37—38  Schuppen  längs,  3  Schuppen- 
reihen über,  1 1  unter  der  Seitenlinie. 

n.  ^^^',  A.  3/8  (7);  L.  lat.  37-38  (-40),  L.  transv.T. 
ö— y(^ioj  11 

Kommt  ziemlich  selten  an  den  Küsten  der  iberischen  Halbinsel 
vor.  Wir  besitzen  41/2  —  43/4"  lange  Individuen  von  Bilbao,  La 
Corufia,  Alicante,  Constantinopel  und  Bergen. 

Ctenolabriis  cinereus  Fall,  ist  in  keiner  Beziehung  von  Ct.  ru- 
pestris  verschieden,  dasselbe  gilt  von  Ct.  acutus  (juv.)  C.  V. 

Gatt.  Acantholabrus  C.  V. 
172.  Art.  Acantholabrus  Palloai  Cuv.  Val. 

Wird  nur  äußerst  selten  an  der  Westküste  der  iberischen  Halb- 
insel gefischt,  kommt  auch  bei  Madeira  und  Tenerife  nicht  besonders 
häufig  vor  und  hält  sich  in  ziemlich  bedeutender  Tiefe  auf. 

Die  Länge  des  Kopfes  ist  41/9 — 4i/3mal,  die  Körperhöhe  4  bis 
4</6mal  in  der  Totallänge  enthalten.  S — 6  Schuppenreihen  liegen 
auf  den  Wangen,  der  hintere  Rand  des  Vordeckels  ist  mit  z;ihl- 
reichen,  ziemlich  starken  Zähnchen  besetzt.  Die  Länge  des  Auges  ist 
circa  Y17  der  Kopflänge  oder  der  Breite  des  Kiemendeckels  gleich, 
die  Stirnbreite  übertrifft  etwas  die  Länge  des  Augendiameters.  Die 
Pectorale  ist  kurz,  abgerundet,  etwas  länger  als  die  Ventrale,  welche 
fastSmal  in  der  Totallänge  enthalten  ist,  während  die  Höhe  des  sechsten 
oder  siebenten  Gliederstrahles  derDorsaie35/fimalin  der  Basislänge  der 
ganzen  Dorsale  begrilTen  ist.  Die  Stachel  der  Dorsale  wie  der  Anale 
nehmen  gegen  die  Gliederstrahlen  allmälig  an  Höhe  zu. 

Ein  großer  schwarzer  Fleck  zwischen  den  2  —  3  letzten  Stacheln 
und  den  zwei  ersten  Gliederstrahlen  der  Dorsale,  ein  großer  rundlicher 
Fleck  am  oberen,  ein  schwächer  entwickelter  am  unteren,  hinteren 
Ende  des  Schwanzstieles.  Die  Seitenlinie  durchbohrt  42  —  43 
(4S)  Schuppen,  von  denen  die  fünf  letzten  bereits  auf  der  Caudale 
liegen,  welche  fast  zur  Hälfte  überschuppt  ist. 

D.  ^;   A.  5/8;   P.  2/13. 


700  S  l  e  i  n  (1  a  c  li  ne  r. 

Die  von  uns  untersuchfen  Exemplare  sind  9'/o  — 10"  lang. 
Vulgär  n  a  m  e :  Empcrador  (Tenerife). 

Gatt.  Xyrichthys  Cuv.  Val.   =  Novanda  C.  V. 

Wie  wenig  Gewicht  auf  die  Zahl  der  Seliuppen  auf  den  Wangen 
bei  diesem  Geschlechte  zu  legen  sei.  ergibt  sich  deutlich  aus  der 
Untersuchung  zahlreicher  Exemplare  einer  einzigen  Art  z.  B.  X. 
novacida  Lin. 

173.  Art.  Xyrichthys  novacula  Cuv. 

Sehr  gemein  an  der  Ost-  und  Südküste  Spaniens  und  an  den 
Küsten  der  canarischen  Inseln. 

Bei  mehreren  Exemplaren  unserer  Sammlung  liegen  2  Schuppen- 
reihen an  den  Wangen,  die  obere  Reihe  ist  bei  denselben  von  7 — 8, 
die  untere  von  drei  Schuppen  gebildet;  es  fällt  somit  X.  novacula 
sowohl  in  die  von  Dr.  Günther  vorgeschlagene  Gruppe  A,  als  auch 
in  die  zweite,  B  (Nocacidichtliys,  pt.  Bleek). 

Wir  besitzen  viele  Exemplare  von  Barcelona,  Malaga  und  Santa 
Cruz  de  Tenerife. 

Vulgärname:  Rao  (Barcelona),  Peine  (Tenerife). 

Gatt.  Julis  sp.  Cuv.  Val, 
174.  Art.  Julis  pavo  C.  V. 

Diese  schöne  Art  kommt  hauptsächlich  in  den  südlichen  Theilen 
des  Mittelmeeres  z.  B.  l)ei  Beirut,  Neapel,  Palermo  ziemlieh  häufig 
vor,  ist  aber  selten  an  der  Ostküste  Spaniens,  äußerst  gemein  endlich 
an  den  canarischen  Inseln,  insbesondere  an  der  Ostküste  Tenerife's. 
ferner  bei  Madeira,  an  der  Westküste  Marocco's  etc. 

Wir  sammelten  viele  Exemplare  an  der  Ostküste  Tenerife's,  bei 
Mogador,  Valencia  und  Malaga,  ein  großer  Theil  derselben  gehört 
der  Tör.  nnimacidata  Lowe  an. 

Die  Laichzeit  fällt  an  der  Ostküste  Tenerifes  in  die  zweite  Hälfte 
März  und  anfangs  April,  um  diese  Zeit  werden  diese  prachtvoll 
gefärbten  Fischchen  zu  Tausenden  in  der  Nähe  von  Candelaria 
gelangen  und  auf  den  Markt  von  Santa  Cruz  de  Tenerife  gebracht. 

Die  Höhe  des  Körpers  ist  S'/j — S^mal,  die  Kopflänge  (mit  Ein- 
schluß der  häutigen  Umrandung  der  Deckelstücke)  etwas  mehr  als 
3 — 3v'3m{»l  in  der  Körperlänge  (ohne  Caudale),  die  Länge  des 
Auges   51/0 — 7nial    in    der  Kopflänge    enthalten.    Die   Caudallappen 


Ichthyol.  Bfiicht  iili.  fiiie  ii;ioli  S|i:iiik-.i  ii.  Portiijjal  iinternoiiim.  Reise.       701 

ziehen  sieh  in  mehr  oder  minder  lange  Fäden    aus,    welche   nicht 
selten  die  Hälfte  der  Körperlänge  erreichen.  Die  Seitenlinie  durch- 
hohrt  27 — 28  Schuppen.    Das  grüßte  Exemplar  unserer  Sammlung 
mißt  mit  Einschluß  der  Caudalfäden  6-/3  Zoll. 
V  u  I  g  ä  r  n  a  m  e :  Pez  verde  (Tenerit'e). 

Gatt.  Coris  (Laeep.)  Günth. 

175.  Art.  Coris  jolis  spec.  Lin. 

S  y  n.  Julis  medilerranea  R  i  s  s  0. 
„     vulgaris  Bonap. ,  mas. 
„     Giofvcdi  Bonap.,  fem. 
Coris  Julis  Günth.  mas. 
„     Giofredi  Günth.  fem. 

Bei  den  Männchen  sind  die  2 — 3  ersten  Dorsalstacheln  mehr 
oder  minder  bedeutend  länger  als  die  darautTolgenden  und  ausnahmlos 
mit  einem  sehr  großen  blauschwarzen  Fleck  geziert,  der  oft  bis  zum 
vierten  Stachel  reicht;  bei  den  Weibchen  fehlt  dieser  Fleck  (in  der 
Jugend  häufig)  vollständig  oder  ist  nur  von  ganz  geringer  Größe  und 
die  ersteren  Dorsalstacheln  sind  nicht  verlängert. 

Die  Höhe  des  Körpers  nimmt  sowohl  bei  Weibchen  als  Männ- 
chen mit  dem  Alter  zu,  und  ist  bei  Exemplaren  von  S'/s — 6"  Länge 
6-  etwas  mehr  als  5mal,  bei  Individuen  von  6yg — 8'  Länge 
43/4 — 4'/2"'^l»  b^j  einem  alten  Männchen  von  11"  Länge  nur42/5mal 
in  der  Totallänge  enthalten.  Letztere  verhält  sich  ferner  zur  Kopf- 
lange (mit  Einschluß  des  häutigen  Operkellappens)  wie  4',  5 — 3«/; :  1. 

Die  Zahl  der  von  der  Seitenlinie  durchbohrten  Schuppen 
beträgt  71 — 78  bei  den  von  uns  untersuchten  Exemplaren.  Die 
Länge  des  Auges  schwankt  je  nach  dem  Alter  zwischen  '/^  bis  nahezu 
i/g  der  Kopflänge. 

Der  Färbung  nach  variirt  diese  Art  sehr  bedeutend  in  beiden 
Geschlechtern;  äußerst  prachtvoll  und  lebhaft  ist  die  Färbung  zur 
Laichzeit,  besonders  bei  Exemplaren  von  Tenerife,  welche  ich  in 
großer  Menge  und  in  frischem  Zustande  bezüglich  des  Geschlechtes 
untersuchte. 

Coris  julU  kommt  sehr  häufig  bei  Barcelona,  Malaga,  Cadix  etc. 
vor,  und  wurde  in  zahlreichen  Farbenvarietäten  tagtäglich  zu  Hun- 
derten (Ende  März  und  im  April  des  Jahres  1865)  auf  den  Fisch- 
markt zu  Santa  Cruz  gebracht. 


/  0  2  S  t  e  i  D  d  a  c  h  II  e  r. 

Viilgäniame:  DonceUa  (Ostküste  Spaniens  von  Barcelona 
bis  Cadix),  Gallito  del  rey  (Cadix),  Curajo  real  (Tenerife). 

Gatt.  Scarus  spec.  Cuv.  Val. 

176.  Art.  Scarus  cretensis  Aldr. 
S  y  n.  Scarics  mutabüis  Lowe. 
„      rubiginosun  Val. 
„      rubiginoides  G  u  i  c  h. 
,,      canariensis  Val.,  adult. 

Ich  habe  mit  vieler  Sorgfalt  die  im  Wiener  Museum  befindlichen 
Exemplare  des  Scarus  cretensis  aus  dem  Mittelmeere  mit  jenen  zahl- 
reichen Exemplaren  verj^lichen,  Avelche  ich  bei  Santa  Cruz  de  Tene- 
rife sammelte  und  bin  nicht  im  Stande,  sie  speciell  von  einander  zu 
unterscheiden.  Die  <:;röß>ere  uder  geringere  Krümmung  der  oberen 
Profillinie  des  Kopfes,  der  mehr  oder  minder  steile  Abfall  der 
Schnauze,  die  Größe  des  Auges  geben  keinen  Anhaltspunkt  zur  Auf- 
stellung besonderer  Arten;  alle  diese  Verschiedenheiten  sind  nur  von 
individueller  Bedeutung,  und  vom  Alter  abhängig. 

Bei  jungen  Individuen  von  3'/a — ^'/a  Zoll  Länge  ist  die  Körper- 
höhe genau  oder  etwas  weniger  als  4mal,  die  Kopflänge  circa  3y4mal 
in  der  Totallänge,  die  Länge  des  Auges  4 — 4i/3mal,  die  Schnauzen- 
länge etwas  mehr  oder  weniger  als  3mal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Die  Profillinie  der  Schnauze  ist  bogenförmig  gekrümmt  und 
fällt  ziemlich  stark  zur  Sfhauzenspitze  ah.  Dorsale,  Caudale  und 
Anale  sind  hell  und  dunkel  gefleckt  oder  gebändert,  die  Caudale  ist 
am  hinteren  Rande  weißlich  gesäumt.  Hinter  dem  oberen  hinteren 
Rande  des  KiemendeckeLs  bemerkt  man  einen  verschwommenen, 
dunkelgrauen,  schief  gestellten  Fleck  von  bedeutender  Höhe,  oder  es 
sind  nur  die  daselbst  liegenden  einzelnen  Schuppen  an  der  Basis  mil 
einem  dunkeln  Fleck  verselnni. 

Bei  gröl5>eren  Exemplaren  von  6'/o — 7'/o  Zoll  Länge  ist  die 
Schnauze  bereits  schwächer  gebogen,  aber  etwas  länger  und  die 
obere  Profillinie  derselben  fällt  minder  rasch  zur  Schnauzenspitze  ab, 
die  Jjänge  der  Schnauze  ist  bedeulend  weniger  als  3 — 23/5mal,  die 
Augenlänge  4'/2 — ömal  in  der  Kopflänge  enthalten;  die  Körper- 
färbung wild  dunkler,  die  Flecken  und  Binden  sind  stärker  ver- 
schwommen und  treten  minder  lebhaft  aus  der  dunkleren  Grundfarbe 
der  Flossen  hervor,    während   die  weiße  Binde  am  hinteren  Caudal- 


Ichthyol.  Bericht  über  eine  iiacli  Spanien  u.  Portugal  unternoinm.  Reise.      /  03 

rantle  hreiler  wird,  und  sich  auch  am  oberen  Rande  der  Dorsale  und 
ain  unteren  der  Anale  eine  weißliche  Einfassung  zeigt.  Ein  schmaler 
schwärzlicher  Streif  liegt  stets  an  der  Pectoralbasis  (hei  jungen  und 
alten  Individuen). 

Bei  ganz  alten  Exemplaren  von  13 '/a — 1^  Zoll  Länge  endlich 
ist  die  Körperhöhe  SVi  —  S'/gmal,  die  Kopflänge  S^/^mal  in  der 
Totallänge,  der  Augendiameter  ß  —  Q^/^msd  ,  die  Sehnauzen- 
Jänge  2'/3mal,  die  Stirnbreite  circa  4'/omal  (bei  jungen  Individuen 
von  31/2 — 41/0"  Länge  aber  6 — ß'/gmal)  in  der  Kopflänge  enthalten. 
Der  weiße  Saum  am  hinteren  Rande  der  Caudale,  am  oberen  der 
Dorsale,  am  unteren  der  Anale  ist  gleichstark  entwickelt,  auch  die 
Pectorale  ist  am  hinteren  Rand  ziemlich  breit  gelblichgrün  eingefaßt, 
die  Binden  und  Flecken  sind  auf  dem  bläulichvioletten  oder  braun- 
grauen  Grunde  der  Flossen  vollständig  erloschen,  und  der  schwarz- 
braune Fleck  hinter  dem  Kiemendeckel  nimmt  die  Höhe  und  Breite 
von  6 — 4  Schuppen  fast  vollständig  ein.  Während  bei  jungen  Indivi- 
duen die  Körperseiten  mit  hellgrauen  und  bräunlichen  unregelmäßigen 
Fleckchen  ziemlich  dicht  gesprenkelt  sind,  nimmt  bei  alten  Exem- 
plaren ein  großer,  dunkelbrauner  oder  grauer  Fleck  den  größten 
Theil  jeder  Schuppe  ein,  so  daß  nur  ein  heller  Randsaum  übrig 
bleibt,  der  bei  den  Scliuppen  der  hinteren  Körperhälfte  und  in  der 
Nähe  der  Bauchgegend  breiter  ist  als  bei  jenen  der  Brustgegend  und 
des  Vorderrückens. 

D.  9/10;  A.  2/9;  L.  lat.  26;  L.  transv.  X  • 

6 

Wir  besitzen  ein  kleines  Exemplar  von  Valen(;ia  und  30  von 
Santa  Cruz  de  Tenerife. 

Vulgärname:    Vieja  (Tenerife). 

Farn.  Oadidae. 
Gatt.  Gadus  Art. 

177.  Art.  Gadas  uierlangos  Lin. 

Syn.   Gadus  euxinus  Nor  dm.  Güntli. 

Ich  untersuchte  zehn  (5 1/3 — 10"  lange)  Exemplare  dieser  Art, 
nämlich  drei  von  Bergen  und  Kopenhagen,  fünf  aus  dem  adriatischen 
Meere,  ein  Exemplar  von  Vigo  und  ein  von  Nord  mann  selbst  ein- 
gesendetes Exemplar  aus  dem  schwarzen  Meere,  sie  gehören  sämmt- 


704  st  e  i  II  .1  :.  i- li  II  i- r. 

lieh  einer  uiul  derselben  Art,  iiämlicli  dem  Gadus  rnerlangus  L.  an, 
mit  welchem  Gadus  euxinus  ohne  Bedenken  zu  vereinigen  ist. 
Fries  und  Eckstrüm  geben  die  Strahlenformel:  D.  13 — 14/ 
21—23/20—21,  A.  33  —  30/22—23,  bei  den  von  mir  untersuchten 
Individuen  aus  dem  adriatischen  und  schwarzen  Meere  lautet  sie: 
D.  13-14/16—21/20,  A.  29-33/21—23. 

Die  Kopflänge  ist  bei  SVs — 10"  langen  Exemplaren  (aus  den 
seandinavischen  Meeren,  aus  dem  schwarzen  und  adriatischen  Meere) 
genau  oder  unbedeutend  weniger  als  4mal,  die  Körperhöhe  nahezu 
G — 3</omal  in  der  Totallänge,  die  Länge  des  Auges  nahezu  4 — 4^/7- 
mal,  die  Schuauzenlänge  genau  oder  unbedeutend  weniger  als  3mal 
in  der  Kopflänge  enthalten.  Die  Caudale  ist  bei  eben  diesen  jungen 
Individuen  am  hinteren  Rande  concav  und  schwärzlich  gesäumt;  die 
Schnauze  überragt  stets  nasenförmig  den  Mundrand,  das  hintere 
Ende  des  Oberkiefers  fällt  etwas  vor  die  Mitte  des  Auges.  Daß  bei 
G.  merlaiigus  der  Bartfaden  am  Kinne  fehle,  wie  z.  B.  Dr.  Günther 
angibt,  ist  entweder  ganz  oder  nur  tbeilweise  unrichtig,  ich  vermisse 
ihn  weder  bei  den  im  Wiener  Museum  befindlichen  Exemplaren  aus 
Bergen  und  Kopenhagen  noch  bei  jenen  aus  London;  vielleicht  fehlt 
der  zarte  Bartfaden  nur  bei  alten  Individuen.  Die  drei  Dorsalen  und 
die  beiden  Analen  sind  der  Länge  nach  gelblichgrün  gestreift.  Ein 
schwärzlicher  Fleck  liegt  an  der  Pectoralachsel. 

Die  Übereinstimmung  zwischen  der  von  Fries,  Eckström 
und  von  Nord  mann  gegebenen  Abbildungen  des  G.  merlangus  u. 
G.  euxinus  ist  so  auffallend ,  daß  es  in  der  That  nicht  leicht  zu 
erklären  ist,  wie  Nordmann  dieselbe  übersehen  konnte. 

Gadus  merlangus  ist  ziemlich  gemein  im  adriatischen  Meere, 
seilen  an  der  Ost-  und  Nordküsle  Spaniens. 

178.  Art.  GadQs  niiautus  Unne. 

S  Y  n    Gadus  minuius  Bloch,  Fr.  Eckst. ,  juv. 
„      luficus  Linne.  Günth.,  adult. 

Wir  besitzen  eine  vollständige  Reihe  von  Exemplaren  von 
2'/2 — 11"  Länge  und  sind  so  in  die  Lage  gesetzt,  den  allmäligen 
Übergang  der  schlanken  Form  des  Gadus  mhiutus  in  die  gedrungene 
des  G.  luscus  nachzuweisen. 

Bei  Exemplaren  von  2'/^  —  ^^/s"  Länge  steht  die  Körperhöhe 
der  Kopflänge   nach  und  ist  4'/a — 4'/8nial  in  der  Körperlänge  ent- 


Iflilhyol.  BtM-iflif  iil).  eine  iiaeli  Spanien  u.  I'ortiij;;tl  tiaternninin.  Reise.        /O«) 

hnitoii,  bei  größeren  von  51/2 — 8"  Länge  gleicht  die  Kiirperliöhe  der 
Kdptlänge  oder  '/^  der  KörperÜinge  (d.  i.  Totallänge  ohne  Caudale). 
Bei  Individuen  von  9  Zoll  Länge  übertrifft  die  Körperhöhe  bereits 
die  Kopflänge  und  verhält  sich  zur  Körperlänge  wie  1  :  3y5  — Ss/s. 
bei  Exemplaren  von  mehr  als  9 — 11  Zoll  Länge  endlich  ist  sie  S'/s- 
bis  2e/7mal  in  der  Körperlänge  enthalten.  Es  ergibt  sich  somit,  daß 
bei  dieser  Art  die  Zunahme  der  Körperhöhe  mit  dem  Alter  viel  bedeu- 
tender als  die  der  Körperlänge  ist.  Daß  bei  Gadus  mhiutus  L. ,  d.  i. 
bei  Exemplaren,  deren  Körperhöhe  nur  '/4  der  Körperlänge  beträgt, 
der  dunkle  Fleck  auf  der  Pectoral-Achsel  und  Basis  fehle  ist  nicht 
richtig,  dieser  Fleck  entwickelt  sich  schon  bei  Individuen  von  4  —  5" 
Länge  ganz  deutlich,  ist  jedoch  bei  alten  Exemplaren  viel  größer  und 
dunkler  als  bei  jungen.  Die  Zahl  der  Strahlen  in  der  ersten  Anale 
nimmt  mit  dem  Alter  zu,  wodurch  die  basale  Hautvereinigung  der 
beiden  Analen  veranlaßt  wird. 

Sowohl  hei  den  jungen  wie  alten  Exemplaren  unserer  Sammlung 
zähle  ich  nur  12 — 13  Strahlen  in  der  ersten  Dorsale.  Die  Länge  des 
Auges  ist  (bei  jungen  Individuen)  circa  3  bis  nahezu  4mal,  die 
Schnauzenlänge  31/3  —  32/3mal  in  der  Kopflänge  enthalten.  Das 
hintere  Ende  des  Oberkiefers  fällt  bei  geschlossenem  Munde  genau 
unter  oder  etwas  hinter  die  Mitte  des  Auges,  die  Schnauze  ist  stark 
abgestumpft  und  springt  mäßig  über  die  Mundspalte  vor.  Auch  bei 
jungen  Individuen  sind  die  Flossen  dunkel  gerandet,  der  hintere 
Caudalrand  ist  bei  alten  Individuen  fast  senkrecht  abgestutzt,  bei 
jungen  dagegen  stark  concav.  Die  Länge  des  Bartfadens  am  Kinne 
gleicht  der  des  Auges. 

Wir  untersuchten  drei  Exemplare  von  Gothenburg,  vier  von 
Triest,  zwei  von  Barcelona,  fünf  von  La  Corufia  und  Vigo.  zwei  von 
Gibraltar  und  ein  Exemplar  von  Lissabon. 

Vulgärname:  J/o/^er«  (Valencia,  Barcelona). 
D.  12—15/20—22/19-22;  A.  25-32/19-33. 

179.  Art.  Gadus  poatassou  Risso. 
Syn.  Merlangim  albus  Yarr.,  Brit.  Fish. 

Bei  jungen  Individuen  von  6 — G'/s'Länge  ist  die  Körperhöhe  6S/4 
bis  nahezu  7mal,  bei  älteren  von  I0</o— 11"  Länge  5i/a — SVjmal, 
die  Kopflänge  bei  ersteren  etwas  mehr  als  S^/g,  bei  letzteren  fast 
4nud  in  der  Körperlänge  (ohne  Caudale),  die  Sehnauzenlänge  3'/4  bis 


706  S  t  e  i  II  H  a  c  h  n  e  r. 

S'/gmal,  die  Augenlänge  4 — 3  "/.mal  in  der  Kopflänge  enthalten.  Der 
Unterkiefer  springt  bei  jungen  Individuen  bedeutender  über  die 
Spitze  des  Zwischenkiefers  vor  als  bei  älteren,  bei  welchen  zuweilen 
beide  Kiefer  gleich  weit  nach  vorne  reichen.  Das  hintere  Ende  des 
Oberkiefers  fällt  bei  geschlossenem  Munde  in  senkrechter  Richtung 
etwas  vor  die  Mitte  des  großen  Auges.  Die  Kieferzähne  der  äußeren 
Reihe  sind  wie  bei  den  früher  erwähnten  Arten  bedeutend  länger  und 
stärker,  aber  minder  zahlreich  als  die  der  Innenreihe.  Ein  Kinnbartel 
fehlt.  Die  erste  Dorsale  enthält  bei  den  drei  von  uns  untersuchten 
Exemplaren  11  — 12  (13),  die  zweite  13—14,  die  dritte  24—27 
Strahlen,  die  erste  Anale  34—38,  die  zweite  26 — 27  Strahlen. 
Harcelona  (Bergen,  Gothenburg). 

180.  Art,  Gadus  pollachias  Linne. 

Wir  erhielten  siciben  Exemplare  von  6"/o  — 23"  Länge,  welche 
in  der  Färbung  des  Körpers  und  in  der  Zahl  der  Flossenstrahlen 
bedeutend  variiren.  Fries  und  Eck  st  riim  geben  für  Garfws  j»o//«- 
chius  Lin.  die  Strahlenformel:  D.  1 1-13/ 17— 20/16  — 18;  A.  29— 
31/18-19,  Dr.  Günther:  D.  12/18— 20/17-19;  A.  31/19— 20; 
Prof.  Kroyer  (Danmarks  Fiske,  11,  pag.  123):  D.  12—14/15  — 
19/17_20;  A.  28  —  30/17—20;  Prof.  Schlegel  (Dieren  v.  Neder- 
land,  Visschen,  pag.  74):  D.  12/20/19;  A.  30  —  32/20.  Wir  selbst 
finden  in  den  Dorsalen  12  —  13/17 — 21/17 — 19  und  in  den  beiden 
Analtlossen  27—28/17—20  Stralden. 

Die  Länge  des  Auges  ist  bei  Exemplaren  mittlerer  Größe 
1 1/3  —  l-,5mal,  bei  einem  Individuum  von  23"  Länge  genau  Is/^nial 
in  der  Schnaiizenlänge  (oder  4'/.  —  ö'/^mal  in  der  Kopflänge)  ent- 
halten, welche  unabhängig  von  dem  Alter  sich  zur  Kopflänge  wie 
l:3'/7 — 31/4  verhält.  Die  Form  der  Schnauze  variirt  ein  wenig, 
indem  sie  nach  vorne  bald  mehr  bald  minder  zugespitzt  endigt.  Die 
Länge  des  Kopfes  ist  32/3 — SVsinal,  die  Höhe  des  Rumpfes  bald 
etwas  weniger,  bald  mehr  als  4mal  in  der  Körperlänge  (ohne  Cau- 
dale)  enthalten. 

Die  Aftermündung  fällt  senkrecht  unter  den  Beginn  oder  die 
Mitte  der  Basis  der  ersten  Dorsale,  deren  längster  Strahl  die  größte 
Höhe  der  ersten  Anale  erreicht,  oder  derselben  (bei  jüngeren  Exem- 
plaren) nachsteht.  Die  Höhe  der  ersten  Anale  schwankt  zwischen  der 
Hälfte  bis  y,2  (bei  alten  Exemplaren)  der  Kopflänge. 


Ichthyol.  Bericht  üb.  eine  nach  Spanien  ii.  Poitufial  iinternomm.  Reise.       /  0  ^ 

Die  Seitenlinie  ist  in  ihrem  vordei-en  Theile  bis  senkrecht  unter 
den  Beginn  oder  die  Mitte  der  zweiten  Dorsale  gebogen ,  in 
ersterem  Falle  stärker  als  in  letzterem,  und  zieht  dann  in  horizontaler 
Richtung  fast  in  halber  Körperhöhe  bis  zur  Caudale. 

Gadus  pollachius  kommt  sehr  häufig  bei  La  Coruna  und  Vigo, 
seltener  an  der  Westküste  Portugals  vor. 

Vulgärname:  Abadejo,  Badejo  (Galicien,  Portugal). 

181.  Art.  Gadas  virens  Lin. 
Syn.  Gadus  carbonariun  Lin.,  Kroyer. 

Das  britische  Museum  besitzt  nach  Dr.  Günther 's  Angabe  ein 
Exemplar  dieser  Art  aus  Lissabon.  Bei  G.  virens  fällt  die  Darm- 
mündung nicht  selten  etwas  hinter  die  Mitte  oder  unter  das  letzte 
Drittel  der  Basislänge  der  ersten  Dorsale. 

Gatt.  Mora  Bis  so. 
182.  Art.  Moni  mediterranea  Risse. 

Schon  durch  die  aufTallende  Größe  der  Augen  gibt  sich  diese 
Art  als  Bewohner  großer  Meerestiefen  kund,  erreicht  eine  Länge  von 
mehr  als  30"  und  zeichnet  sich  durch  die  Zartheit  und  den  Wohl- 
geschmack ihres  Fleisches  aus. 

Bei  großen  Individuen  ist  die  Kopflänge  41/5 — 4i/3mal,  die 
Körperhöhe  etwas  mehr  als  83/5 — 4mal  in  der  Körperlänge  (bis  zur 
Basis  der  mittleren  Caudalstrahlen),  die  Länge  des  Auges  circa  3mal, 
die  Stirnbreite  43/5mal,  die  Länge  der  Schnauze  fast  4mal  in  der 
Kopflänge  enthalten. 

Das  hintere  Ende  des  Oberkiefers  fällt  bei  geschlossenem  Munde 
unter  den  hinteren  Augenrand.  Zahlreiche  Hechelzähne  liegen  in  den 
Kiefern,  am  Vomer  und  Gaumen,  die  in  den  äußeren  Reihen  befind- 
lichen Zwischen-  und  Unterkieferzähne  sind  etwas  kürzer  als  die 
Innern.  Die  ganze  Mundhöhle  ist  schwarz  gefärbt. 

Die  erste  Dorsale  enthält  7  —  8,  die  zweite  45 — 46  Strahlen, 
die  erste  Anale  18,  die  zweite  20 — 17  Strahlen. 

Die  äußeren  Strahlen  der  Ventrale  sind  fadenföi-mig  verlängert 
und  fast  y^ — Y5  des  Kopfes  an  Länge  gleich.  Die  Caudale  ist  am 
hinteren  Bande  eingebuchtet  und  wie  die  Dorsalen  und  Analen  über- 
schuppt. Die  Seitenlinie  durchbohrt  circa  93  Schuppen.  6</,  —  7 
horizontale  Schuppenreihen  liegen  zwischen  der  Seitenlinie  und  der 


708  S  t  e  i  II  (1  a  c  li  n  i'  r. 

Basis  des  ersten  Stivililes  dei*  ersten  Dorsale.  Der  Bartfäden  am 
Kinne  ist  dick,  al»er  sehr  kurz. 

Nach  Valenciennes  wird  diese  Art  auf  den  Cünaven  Pescnda 
genannt,  ich  selbst  erhielt  drei  Exemplare  von  25 — 30"  Länge  unter 
dem  Namen  Mariqnila. 

Morn  med'derraned  kommt  sowohl  an  der  Ostküste  Spaniens 
als  an  den  Küsten  der  canarischen  Inseln  nur  selten  vor  und  ist  sehr 
geschätzt, 

Gatt.  Merlucius  Cuv. 
183.  Art.  IHerlacius  vulgaris  Flem. 

Kommt  sehr  häufig  an  der  Nord-,  West-,  Ost-  und  Südküste 
Spaniens  vor  und  ist  sehr  geschätzt. 

Die  erste  Dorsale  enthält  9 — 10,  die  zweite  36 — 38,  die  Anale 
36-39  Strahlen. 

Die  Länge  des  Kopfes  ist  bei  Exemplaren  von  71/3  —  19i/a" 
Länge  etwas  mehr  als  3i/,mal  in  der  Körperlänge,  die  Höhe  des 
Leibes  2mal,  die  Länge  des  Auges  5  bis  nahezu  6mal,  die  Schnauzen- 
länge etwas  mehi'  als  3mal,  die  Stirnbreite  circa  4mal  in  der  Kopf- 
länge enthalten.    Ein  dunkelgrauer  Fleck  liegt  auf  dem  Kiemendeckel. 

V  u  I  g ä  r  n  a  m  e :  Pescada  { Spanien,  Port  ugal),  Pijota  (Galicien 
sec.  Cornide),  Merinza  (Spanien),  LIhh  (Barcelona). 

Gatt.   UraleptUS  Costa. 

184.   Iralcptus   naraldi   (spec.   Bisso)  Costa. 

Diese  Art  wird  nur  selten  an  der  Ostküste  Spaniens  gefischt, 

wir   erhielten   zwei,    leider   stark    beschädigte   Exemplare   auf  dem 

Fischmarkte  zu  Barcelona  und  Alicante;  nach  Lowe  kovami  Uralep- 

tus  Maraldi  auch  bei  Madeira  v(u-. 

Gatt,  Phycis  Cuv. 
185.  Art.  Phycis  biennoides  Bl.  Sehn.,  Risse. 

S  y  n.  Phycis  furcalus  Y  a  r  r. 

Durch  die  Größe  der  Schuppen  und  die  Länge  der  Ventralen 
unterscheidet  sich  die  Art  von  dem  nahe  verwandten  Phycis  medi- 
tcrraneus  und  hält  sich  in  ziemlich  beträchtlichen  Tiefen  auf. 

Die  Länge  des  Kopfes  ist  genau  oder  ein  wenig  mehr  als  4mal 
in  der  Körperlänge  (ohne  Caudale),  die  Länge  des  Auges  3</3  bis 
etwas  mehr  als  4mal,  die  Schnauzenläuge  bei  jungen  Individuen  von 


Ichthyol.  Bericht  ii)).  eiiiP  nuch  S|ianien  ii.  Portng;;)!  iintcrnomm.  Reise.        70.» 

53/4"  Länge  4mal,  bei  älteren  von  12«/./'  Länge  nur  875 — 3 '/.mal, 
die  Stirnbreite  bei  ersteren  fast  8mal,  bei  letzteren  61/4 — Q'^/yma]  in 
der  Kopflänge  enthalten.  Das  liintere  Ende  des  Oberkiefers  fällt  in 
senkrechter  Riehtiing  etwas  vor  den  hinteren  Augenrand. 

Die  Spitze  des  fadenförmig  verlängerten  äu(5ieren  Ventralstrahles 
reicht  über  den  Beginn  der  Anale  ziemlich  weit  hinaus,  circa  bis  zur 
Basis  des  0.— 13.  Strahles. 

Der  Rand  der  beiden  Dorsalen,  der  Caiidale,  Anale  und  Ventrale 
ist  mehr  oder  minder  breit  blauschwarz  gesäumt ,  ein  großer, 
schwarzer  Fleck  liegt  fast  in  der  Längenmitte  der  zweiten  Dorsale. 

4—6  Schuppen  zwischen  der  Seitenlinie  und  der  Basis  des 
ersten  Strahles  der  ersten  Dorsale. 

D.  (9)  10/58—60  (62);  A. 

Vier  Exemplare  von  Vigo  und  Cadix,  zwei  von  Lissabon  und  Midaga. 

Vulgärname:  Escolar  (Cadix,  sec.  Maehado). 

186.  Art.  Phycis  mediterraneas  Delaroche. 
Syn.  Phycis  limhatus  Vale  n  c.   lehth.  des  II.  Canar. 

Kommt  viel  häufiger  als  die  früher  erwähnte  Art  an  der  West-, 
Süd-  und  Ostküste  der  iberischen  Halbinsel  vor  und  ist  sehr  gemein 
an  den  Küsten  der  canarischen  Insel,  doch  gleich  dem  Ph.  blennoides 
nicht  besonders  geschätzt. 

Bei  Exemplaren  von  14 — 191/2"  Länge  ist  die  Höhe  des  Leibes 
4'/, — 4</4mal,  die  Kopflänge  mehr  als  3^/5 — ^^/ämal  in  der  Körper- 
länge ohne  Caudale,  die  Länge  des  Auges  circa  S^/gmal,  die  Stirn- 
breite 43/4  —  5mal,  die  Schnauzcnlänge  nahezu  4 — Ss^inal,  die 
größte  Höhe  der  ersten  Dorsale  3 — 3i/3mal  in  der  Kopflänge  ent- 
halten. Der  Kopf  ist  breit,  die  nasenförmig  vorspringende  Schnauze 
vorne  stark  abgestumpft,  die  Stirne  flach.  Das  hintere  Ende  des 
Oberkiefers  fällt  bei  geschlossenem  Munde  senkrecht  unter  den 
hinteren  Augenrand.  Der  Bartfaden  am  Kinne  ist  stets  etwas  länger 
als  das  Auge. 

Zahlreiche  spitzige  Zähne  im  Zwischen-,  Unterkiefer,  und  auf 
der  Vomerplatte. 

Die  Ventrale  reicht  nur  bis  zum  Beginne  der  Anale  zurück,  oft 
nicht  einmal  bis  zur  Darmmündung.     Die  Dorsalen,   die  Anale  und 
Caudale  sind  schwarz  gesäumt  und  weiß  gerandet. 
D.  9—10/62;  A.  57— o9. 


710  Sfeinflrtcliner. 

Fundorte:  Lissabon,  Cadix,  Gibraltar,  Malaga,  Barcelona,  Santa 
Cruz  de  Tenerife  (Dalmatien,  vSicilien  etc.). 
V  u  1  gä  r  n a  ni  e  :  Brola  (Tenerife). 

Gatt.  Motella  Cuv. 
187.  Art.  ilotclln  mastella  Lin.  (spec.) 

Ein  Exemplar  von  La  Coruna,  Länge  desselben  93/4". 

Nacb  Günther  wären  die  Kieferzähne  von  gleicher  Länge 
(„All  the  teeth  villiforni,  of  equal  size"),  was  wir  nicht  bestätigen 
können,  denn  die  äußerste  Zahnreihe  des  Zwischenkiefers  und  die 
innerste  des  Unterkiefers  enthält  längere  und  zugleich  etwas  stärkere 
Zähne  als  die  übrigen.  Die  Dorsale  enthält  51,  die  Anale  42  Strahlen. 
Kopflänge  gleich  1/5  der  Körperlänge,  Länge  des  Auges  gleich  ^/^ 
der  Koptlänge. 

Das  britische  Museum  besitzt  ein  Exemplar  dieser  Art  von 
Lissabon. 

188.  Art.  Motella  vulgaris  spec.  Rondel. 

Sys.  Mi(slellu  i^uUjaris  Rondel. 
Mimtella  incditerrancus  Lin. 
Gadtis  (ricirrntiis  Bloch. 
Motella  vulgaris  Cuv.,  -Regn.  anini. 
Gadiis  jubatus  Fall. 
Motella  vulgaris  Yarr.,  adult. 

Gadiis  vvislella  etfiisciis  Risso,  Iclith.  Nice,  jun.,  juv. 
Onos  mustella  et  fusca  Risso.  Hist.  iiat.  Eiir.  Merid.  t.  III. 
Motella  tricirruta  Nils.,  Noidni.,  Günth.,  juv.  et  fere  adult. 

„       communis  Costa,  Canestr. 
Onos  macidata  Risso. 
Motella  maenluta  G  ü  n  t  h.,  adult., 

„  „  Costa,  Faun.  d.  Regno  di  Napoli.  tav.  XXXVIII  bis 

adult. 

„       mediterranea  Bonap.,  Cal.  nieth. 

Wir  untersuchten  21  Exemplare  dieser  Art  und  glauben,  die 
Behauptung  aufstellen  zu  müssen,  daß  Motella  macidata  nur  die 
völlig  erwachsene  Form  von  Motella  tricirruta  =  M.  vulgaris  sive 
communis  sei.  Der  angebliche  Unterschied  zwischen  beiden  Arten, 
nämlich  daß  die  Zwischenkieferzähne  bei  31.  tricirruta  von  gleicher 
Länge  seien,  während  die  Zwischenkieferzähne  der  äußern  Reihe  bei 
M.  maculata  die  übrigen  an  Größe  übertreffen,  ist  nicht  stichhältig. 


Ii-hlhyol.  Bericht  iili.  eine  iim-li  S|):iiiii'ii  ii.  P<irtii};iil  initpi-iioinrii.  Heise.      711 

Schon  hei  jungen  fndivi(hien  zeieluien  sicli  die  äußeren  Zehen 
des  Zwischenkiefers  durch  eine  etwas  hedeutendere  Länge  und 
Stärke  aus,  zuweilen  nur  die  in  der  Nähe  der  Mundwinkehi  gelegenen; 
mit  dem  Alter  nimmt  die  Stärke  derselhen  aber  bedeutend  zu,  ins- 
besondere jene  Zähne,  welche  zunächst  und  an  dem  vordem  Ende 
des  Zwischenkielers  liegen.  Die  Größe  und  Stärke  dieser  Zähne  der 
Außenreihe  ist  um  so  beträchtlicher,  je  geringer  die  Zahl  derselben 
ist.  In  der  Färbung  und  Zeichnung  zeigt  sich  nicht  der  geringste 
Unterschied  zwischen  31.  tricirrata  und  M.  vulgaris. 

Der  Färbung  nach  lassen  sich  drei  Hauptvarietälen,  welche  viel- 
leicht den  drei  Altersstufen  in  der  Regel  entsprechen  dürften,  unter- 
scheiden. Bei  der  ersten  derselben  zeigen  sich  undeutliche  dunkle 
Marmorirungen  auf  mehr  oder  minder  hellbraunem  Grunde,  ohne 
weiße  Flecken  (juv.);  bei  der  zweiten  kommen  nebst  den  stärker 
vortretenden  IMarmorirungen  auch  noch  weiße  Flecken  entweder  nur 
auf  der  Seitenlinie  oder  aber  am  ganzen  Leibe  vor;  bei  der  dritten 
Varietät  endlich  liegen  große,  runde  schwärzliche  Flecken  in  der 
oberen  Hälfte  des  Körpers,  während  die  weißen  Flecken  vollständig 
fehlen  oder  nur  durch  eine  etwas  hellere  Stelle  in  der  Mitte  einzelner 
schwärzlicher  Flecken  angedeutet  sind.  Die  von  uns  untersuchten 
Exemplare  dieser  dritten  Varietät  (maculata)  sind  14"  lang. 

Wir  untersuchten  neun  Exemplare  von  Lissabon,  La  Coruna  und 
Arenas,  drei  aus  Taurien,  zwei  aus  Sicilien,  vier  aus  Triest  und  drei 
von  Constantinopel,  letztere  zeichnen  sich  dufcb  die  Gedrungenheit 
ihrer*  Gestalt,  die  Breite  der  flachen  Oberseite  des  Kopfes  und  die 
Kleinheit  der  Augen  aus. 

Die  Höhe  des  Körpers  ist  6  —  52/5mal,  die  Kopflänge  ^'*/-,  bis 
etwa  mehr  als  4mal  in  der  Körperlänge  ohne  Caudale,  der  Diameter 
des  Auges  bei  kleinen  Exemplaren  von  6  —  9"  Länge  7 — 7'/2mal,  bei 
alten  81/2 — O'/gmal  in  der  Kopflänge  enthalten.  Die  Zahl  der  Dursal- 
strahlen  nimmt  mit  dem  Alter  beträchtlich  zu. 

Vulgärname:  Caralhete  d'Elrei  (Lissabon),  Barbada 
(Galizien). 

D.  54—62;  A.  50. 


Sitzh.  H.  iniitliein.-iiHluiw.  Cl.  LVII.  Bd.  I.  Abth.  46 


712  S  l  ü  i  II  d  ii  c  li  II  e  r. 

Farn.  Opliiilidae. 

Gatt.  Ophidium  (Art.)  Cuv. 

189.  Art.  Ophidium  barbatum  Lin. 

Ziemlich  häufig  an  der  Ost-  und  Südküste  Spaniens. 
Vulgärname  :    Piscota    (Barcelona),    Capellan,    Pez   sable 
(Cadix  sec.  Machado). 

190.  Art.  Ophidium  Vasalli  Risso. 
Ein  Exemplar  von  Malaga. 

Gatt.  Fierasfer  Cuv. 

191.  Art.  Fierasfer  acus  spec.  Brunn. 
Syn.  Fierasfer  intberhis  Cuv. 

Wir  erhielten  ein  ganz  junges  und  ein  7  i/o"  langes  Exemplar 
dieser,  im  Lehen  prachtvoll  geliirhlen  Art  auf  dem  Fischmarkte  zu 
Malaga.  Die  Kopflänge  ist  l'-/-,mn\  in  der  Totallänge,  der  Augendia- 
meter  4-/'jnn]  in  der  Kopilänge  enthalten. 

Gatt.  Ammodytes  Art. 
192.  Art.  Ammodytes  tobianu$  Lin. 
Kommt  nach  Machado  an  der  Nordost-  und  Südwestküste  von 
Cadix   vor   und    wird   Salton  genannt,  wir  erhielten  kein  Exemplar 
dieser  Art. 

193.  Art.  Ammodytes  sicnlns  Swains.  (?) 
an  tiova  species? 

Die  Länge  des  Kopfes  ist  bei  zwei  kleinen  Individuen  von  5'/o 
his  etwas  mehr  als  6"  Länge  iJ  —  ö'/HUial  in  der  Totallänge,  die 
Höhe  des  Körpers  circa  3mal,  die  Länge  des  Auges  62/5 — 7mal  in 
der  Kopflänge  enthalten.  Die  Schnauzeiilänge  verhält  sich  zu  letzterer 
wie  1  :  2'/a  —  2 3/4.  Das  hintere  Ende  des  Oberkiefers  fällt  in  senk- 
rechter Richtung  ein  wenig  hinter  den  vorderen  Augenrand.  In  der 
Dorsale  zähle  ich  53  Strahlen,  in  der  Anale  29.  Zwei  zahnähidiche, 
stark  entwickelte  Vorsprünge  am  Vomer,  Querfalten  nur  in  dem  mit 
kleinen  Schuppen  besetzten  hinteren  Theile  des  Rumpfes  entwickelt; 
Rand  der  Dorsale  und  Anale  wellig;  die  Dorsale  beginnt  etwas  hinter 


[ohthyol.  ßerichf  iili.  eine  iiiicli  S|iHiiitMi  ii.  Piirtiig:al  iintornomni.  Reise.       T  1  3 

der  Spitze  der  Pectorale.  (Fast  sämmtliehe  im  Wiener  Museum 
liefindliche,  von  Heckel  als  Ammodytes  tobianus  bestimmte  Exem- 
plare aus  Bergen  und  Pommern  gehören  zu  Am.  lanceolains  im  Sinne 
Günther's,  nur  ein  Stück  aus  Pommern  entspricht  vielleicht  dem 
Am.  tobianus  Li  n. ,  G  ü  n  t  h,  <) 

Da  nach  Günther  bei  Am.  sicuhis  iWe  zwei  hakenförmigen 
Zähne  des  Vomers  fehlen  sollen,  so  l)in  ich  in  einigem  Zweifel,  ob 
die  hier  beschriebenen  zwei  Exemplare  von  Alicante  und  Sicilien  zu 
Am.  sicultis  bezogen  werden  dürfen  oder  einer  eigenen  neuen  Art 
angehören;  durch  das  Vorkommen  zweier  Zähne  am  Vomer  und  in  der 
Form  des  Kopfes  stimmen  sie  genau  mit  A.  tobianus  überein,  doch 
fehlen  die  Schuppen  und  yuerfalten  im  vordem,  viel  grüikren  Tlieile 
des  Körpers;  der  Dorsyl-  und  Analrand  ist  schwach  wellenförmig 
gebogen  wie  bei  Am.  sicnlvs.  Legt  man  nicht  vielleicht  zu  viel  Gewicht 
auf  die  Zahl  und  das  Vorkommen  der  Hautfalten ,  die  im  innigen 
Zusammenhange  mit  der  stärkeren  oder  schwächeren  Entwicklung  der 
Schuppen  stehen  und  auf  die  Zähne  des  Vomers,  und  zeigt  letzterer 
bei  Am.  tobianus  L.  (A.  lancea  Cuv.^  nicht  die  geringste  Spur  eines 
Fortsatzes? 

Fam.  i^lac*riii*i<lae. 

Gatt.  Macrurus  Bloch. 
194.   Art.   üacrurus  coelorhyiichos  Risso. 

Die  von  uns  untersuchten  7"  langen  Exemplare  von  Sicilien  und 
Alicante  besitzen  circa  80  Strahlen  in  der  zweiten  Dorsale,  83  in  der 
Anale.  Die  Länge  des  Auges  übertrifft  nur  ganz  unbedeutend  die  der 
Schnauze  und  gleicht  circa  '/s  der  Kopflänge. 

Der  zweite  vStrahl  der  ersten  Dorsale  ist  an  der  Vorderseite 
glatt. 

Sieben  Strahlen  in  der  Ventrale,  der  erste  derselben  ist  faden- 
förmig verlängert. 

Wir  erhielten  ein  stark  beschädigtes  Exemplar  bei  Alicante. 


1)  Dieses  Exemplar  besitzt  142  Queifalteii ,  die  Kopflänge  ist  öYsmaJ  in  der  Tofal- 
länge  enthalten.  Der  Vomer  endigt  in  einen  sehr  kurzen  stumpfen,  mit  ziemlieh 
dicker  Haut  überdeckten  Fortsatz;  löst  man  die  Haut  ab,  so  sieht  man  2  an  der 
Basis  enge  aneinander  liegende,  gegen  die  Spilze  divergirende  Zähne  mit  abge- 
stumpfter Spitze. 

46» 


714  S  t  e  i  n  .1  ;t  o  h  n  e  r. 

i95.  Art.  nacroros  trachjrhjnchus  Risso., 
Ein  Exemplar  im  Museum  zu  Lissabon. 
V  u  1  g  ä  r  n  a  ni  e :  PeLve  lima,  Bezouro  (Ijissabon). 

Farn.  IMeui'oiiectidae. 

Gatt.  Rhombus  spec.   Klein. 

196.  Art.  Rhombas  inaximas  Will. 

Syn.  Pleuronectcs  maximus  L  in.  etc. 

Rhombus  maeolicus  Fall.,  Nordm.  Günth. 

Wir  besitzen  eine  sebr  rcicbe  Sammlung  von  Exemplaren  dieser 
Art  aus  den  versebiedenen  Meeren  Europas  und  können  den  Übergang 
der  scbuppenlosen  Varietät  zur  vollstiiiulig  bescbuppten  bei  mebreren 
Individuen  ganz  deutlicb  verfolgen. 

Ganz  vollständig  bescbuppt  sind  die  Rumpfseiten  und  der  Kopf 
(zum  Tbeile  aucb  auf  der  augenlosen  Seite)  bei  einem  sebr  großen 
Individuum  aus  Lissabon  und  zwei  kleineren  von  Vigo  und  aus  der 
Ostsee,  zum  größten  Tbeile  bei  vier  Exemplaren  von  Triest,  nur  bie 
und  da  bei  zwei  Exemplaren  von  Odessa  und  Constantinopel,  scbup- 
penlos  endlicb  bei  mebreren  Exemplaren  aus  Triest,  Cadix  und  dem 
deutseben  Meere.  Die  ZabI  der  Flossenstrablen  in  der  Dorsale  und 
Anale  nimmt  mit  dem  Alter  zu. 

Die  Höbe  des  Körpers  ist  unabbängig  von  der  Bescbuppung  und 
I2/5 — Is/.mal,  die  Länge  des  Kopfes  l'*/-^ — 3mal  in  der  Körperlänge 
(obne  Caudalo)  entbalten.  Das  größte  Exemplar  unserer  Sammlung 
mißt  17"  in  der  Gesanlmtlänge  (mit  der  Caudale)  und  nabezu  10"  in 
der  Höbe  (obne  Flossen).  lihnmhus  ma.vimiis  kommt  an  sämmtlicben 
Küsten  der  iberiseben  Halbinsel  vor.  ist  aber  besonders  bäutig  an  den 
Küsten  zunäcbst  Lissabon  und  Tadix,  und  sebr  gescbätzt. 

Vulgärname:  ßo^/«/y/j//o  (Spanien),  Re'mol  (Valencia). 
D.  1)2  —  70;  A.  45—56. 

197.  Art.   Rhombus  laevis  Rondel. 

Stebt  an  Größe  des  Körpers  und  an  Feinbeit  des  Gescbmackes 
der  früber  erwähnten  Art  nicbt  nacb  und  kommt  wie  diese  an  sämmt- 
licben Küsten  Spaniens  und  Portugals,  insbesondere  an  der  West- 
und  Nordküste  häufig  vor. 


Ichthyol.  Berirht  iiher  eine  niich  S|irfiji('ii  n.  I'i>rtii;;:il  iiiitenioiiiiii.  FJcise.      /  1  ;> 

Die  Körperhöbe  ist  l^/g  —  1V,omal,  die  Kopflänge  3 — S'/aHial 
in  fler  Körpei'länge  (ohne  Caudale)  enthalten.  Ich  zähle  circa 
128  Schlippen  zwischen  der  Basis  der  Caudale  und  dem  hinteren 
Ende  des  Kiemendeckels. 

Die  Zahl  der  Dorsalstrahlen  schwankt  zwischen  (72 — )  79 — 84. 
die  der  Analstrahlen  beträgt  (ö3    -)  59 — 65. 

Wir  besitzen  Exemplare  von  Bilbao,  La  Coruna,  Vigo,  Lissabon, 
Cadix  und  Malaga,   das  größte  derselben  ist  16' V   lang. 

\  u  1  g  ä  r  n  a  m  e  :  Rodahallo  (Cadix). 

Gatt.  Scophthalmus  Bonap. 

[Phri/nor/tiiinhus-  et   fi/iotukus  sj).   (jl  ii  iit  he  r.) 
198.  Art.   Scophthalmus   onimacalatos  spec.   Bis  so.,   Bona[). 

Syn.   Rhomhun  imintdculatUH  Kisso. 
„       punctatus  Y  a  r  r. 
Scophthnlinufi  unimaciila(i/.s  Bonap. 

Rhombus  cardina  Cuv.,  Kroyer,  Uanmarks  Fisco,   IT.  pag.  464, 
„       setiger  M  i  c  h  a  h. 

Kommt  nur  selten  an  der  Ostküste  Spaniens  vor;  da  dieselbe 
Art  auch  an  den  Küsten  (iroßbritanniens  gefischt  wird,  so  dürfte  sie 
auch  an  der  West-  und  Nordküste  der  iberischen  Halbinsel  nicht 
fehlen.  Der  erste  Strahl  der  Pectorale  ist  zuweilen  stark  verlängert 
(bei  IMännchen). 

Wir  sammelten  vier  Exemplare  bei  Barcelona. 

Auch  Rhombus  hirtus  Yarr.  =  Pleuroiiectes punctatus  B\.  = 
Rh.  punctatus  Günth.  (nee  Yarr.)  ist  in  das  Geschlecht  Scoph- 
thalmus Bon.  zu  reihen,  da  Vomerzähne  fehlen. 

Höchst  wahrscheiidicii  fällt  Pleurouectes  cardina  Cuv. ,  Fries 
Eckstr.  =  Rhombus  norvegictis  Günth.  mit  Scophthalmus  unima- 
cuhitus  Bonap.  zusammen;  gewiß  ist,  daß  Rhombus  cardina  Cuv., 
Kröyer  (Danm.  Fiske,  II,  pag.  464)  nicht  von  Sc.  unimaculatus 
Risse  getrennt  werden  kann. 

Gatt.  Arnoglossus  Bleek. 
199.  Art.  Arneglossus  Boscii  sp.  Risso. 

Die  Stirnbreite  zwischen  den  Augen  ist  bei  den  von  uns  unter- 
suchten Exemplaren  viel  geringer,  als  sie  in  Bonaparte's  Abbildung 
angedeutet  ist. 


716  S  t  e  i  II  d  a  c  h  H  e  I-. 

Die  Länge  des  Kopfes  ist  bei  Exemplaren  von  4"  5'"  —  4"  7"' 
Länge  3«/--  etwas  mehr  als  Sy^mal,  die  größte  Rumpfliöhe  nahezu 
Ss/smal  in  der  Totallänge,  die  Länge  des  oberen  Auges  2i/a — 2y5mal 
in  der  Kopflänge  enthalten. 

Zwei  große  scbwärzliclie  Flecken  im  hinteren  Theile  derDorsale 
und  Anale. 

Zwei  wohlerhaltene  Exemplare  von  Barcelona  und  Cadix. 

200.  Art.  Arnoglossos  Orohmanni  Honap. 
Syn.   Pleuronectes  Grohmanni  Bonnp. ,  Canestr. 

Die  Zahl  der  Dorsal-  und  Analstraiilen  ist  sehr  variabel,  wir 
zählen  bei  drei  Exemplaren  in  der  Dorsale  84 — 90,  in  der  Anale 
62 — (i7  Strahlen.  Die  Kopflänge  ist  circa  33/4  —  Sysmal,  die  Körper- 
höhe 23/5 — 2yomal  in  der  Körperlänge  ohne  Caudaie  enthalten.  Der 
zweite  und  dritte  Dorsalstrahl  erreicht  zuweilen  eine  bedeutende 
Länge,  welche  circa  y, — '=>/^  der  Koptlänge  gleichkommt. 

Fundort:  Barcelona,  Malaga,  Cadix. 

201.  Art.  ArnoglossQS  conspersns  spec.  Canestr. 

Syn.  Pleuronectes  conspersus  Canestr.,  Arcli.  Zool.  t.  I,  pap.  10,  tav.  F, 
%.2. 

Wir  erhielten  ein  Exemplar  dieser  Art  in  Malaga. 

Die  .Koptlänge  ist  bei  demselben  S'/gmal,  die  Körperhöhe 
2'/3ma!  in  der  Körperlänge  (ohne  Caudaie)  enthalten.  Die  Dorsale 
besitzt  8ü,  die  Anale  09  Strahlen.  Totallänge  4"  1"'. 

202.  Art.  Antoglossus  Interna  Walb. 

Syn.    Pleioonectes  anwff/ossiis  Bonap.  Canestr. 

Jthombus  nudiis  Bisso,  Hist.  nat.  Europe  merid.  IM,  2.')1. 
Pleuronectes  Leotardi  Bisso,  Ichtli.  Nice,  p.  3i8. 

Wir  sammelten  mehrere  Exemplare  bei  Barcelona,  Alicante  und 
Malaga. 

Körperhöhe  2 '/..mal,  Koptlänge  etwas  mehr  als  Si/n  — Ss/^mal 
in  der  Körperlänge  (ohne  Caudaie)  enthalten.  Dorsale  mit  88  —  90, 
Anale  mit  67—69  Strahlen. 


Iclitliyol.  liericht  über  eine  riacli  Si>aiiii'ri  n.   I'oitiig;)!  unttTiiomni.  Heise.     71/ 

Gatt.  Citharus  Blkr. 

203.  Art.   Cithurus  linguatula  sp.  Lin. 

S  y  n.  Hippoglossus  citharus  R  i  s  s  o,  Costa. 

Plenrouectes  macrolepidotits  Delaroche,  Bonap.  Canestr. 

Kommt  nur  selten  an  der  Ostküste  Spaniens  zu  Markte,  ist  aber 
sehr  gemein  bei  Cadix. 

Wir  besitzen  acht  vortrefflich  erhaltene  Exemplare  von  Barce- 
lona, Alicante  und  Cadix. 

An  der  Basis  der  letzten  Dorsal-  und  Analstrahlen  liegt  ein 
schwärzlicher  Fleck.  Die  Höhe  des  Körpers  ist  nicht  selten  etwas 
mehr  als  3nial  in  der  Körperlänge  enthalten. 

Gatt.  Bothus  Bonap. 
Syn.  Rhomboidickthys  Bikr. 

204.  Art.  Bothas  podas  Delaroche  sive  rhomboides  Rafin. 

Syn.  Rhombus  podas  Bonap.  (F.  ital.),  Canestr.,  fem. 
Rhoniboidichthi/ft  podas  G  ü  n  t  h.,  fem. 
Rhombus  rhomboides  Bonap.,  Canestr.,  Costa  etc.,  mas. 

„       maderensis  Lowe,  mas. 
Rhomboidichthys  mancus  Günth.  mas. 

Die  von  Costa  ausgesprochene  Vermuthung,  daß  Rhombus 
podas  nur  die  weibliche  Form  des  Rh.  rhomboides  sei,  kann  ich  nach 
Untersuchung  von  mehr  als  40  Exemplaren,  die  ich  in  Barcelona, 
Gibraltar,  Cadix  und  Santa  Cruz  de  Tenerife  sammelte,  bestätigen. 
Sämmtliche  20  Exemplare,  welche  dem  Rhombus  rhomboides  ent- 
sprechen, erwiesen  sich  nach  genauer  Untersuchung  als  Männchen, 
alle  übrigen  von  der  F'orm  des  Rh.  podas  waren  ausnahmslos 
Weibchen. 

Bei  jungen  Weibchen  von  3"  4"  ist  die  Stirnbreite  der  Hälfte 
der  Äugenlänge,  hei  etwas  größeren  von  5"  Länge  3/5,  bei  Individuen 
von  5"  4'"  fjänge  34,  hei  Exemplaren  von  6"  —  6"  2"  Länge  s/g 
bis  12/,  1  der  Augenlänge  gleich. 

Es  nimmt  somit  auch  bei  den  Weibchen  die  Entfernung  der 
Augen  mit  dem  Alter  ein  wenig  zu. 

Während  bei  jungen  Männchen  von  5"  Länge  die  geringste  Ent- 
fernung der  Augen  von  einander  circa  1 1/4  Augendiameter  beträgt. 


(  \S  S  l  e  i  II  il  H  c  h  II  e  r. 

gleicht  sie  bei  Individuen  von  6  '  5'"  schon  zwei  Augenlängen.  Außer- 
dem ist  bei  den  Männchen  der  zahnartige  Vorsprung  am  oberen  Ende 
des  Oberkiefers  und  im  vorderen  Theile  des  oberen  Randes  des 
unteren  Auges  viel  stärker  entwickelt  als  bei  den  Weibchen, 

Die  übrigen  angeblichen  Unterschiede  zwischen  Rhomboidich- 
f/iys  podas  und  Bh.  muncus  sind  nicht  stichhältig,  sow  ohl  bei  Mänu- 
chen  als  Weibchen  schwankt  die  Körperhohe  je  nach  dem  Alter 
zwischen  ^'g  —  3/5  der  Küri>erlänge  (ohne  Caudale). 

Der  Färbung  und  Zeichnung  nach  variirt  diese  Art  ziemlich 
bedeutend;  bei  Exemplaren  von  Teneril'e,  deren  Grundfarbe  sehr 
dunkel  violettbraun  ist,  fehlen  die  großen  bläulichen  Flecken  in  der 
Regel,  dagegen  sind  kleine  blaue  Fleckchen  mit  dunkler  Umrandung 
und  zahllose  blaue  Pünktchen  auf  der  linken-Körperseite  vorhanden. 
so  wie  bei  vielen  Männchen  orangegelbe,  gelblichbraune  oder  violette 
Linien,  welche  auf  der  rechten  Körperseite  vom  Vordeckelrande 
strahlenförmig  in  weitem  Bogen  zur  Basis  der  Dorsale  hinaufziehen. 
Die  an  der  Küste  Spaniens  gesammelten  Exemplare  zeigen  die  nor- 
male Färbung  und  Zeichnung;  constant  ist  übrigens  der  schwarze 
Fleck  auf  der  Seitenlinie. 

Iti  der  Beschuppungsweise  unterscheiden  sich  die  beiden 
Geschlechter  nicht;  bei  Männchen  und  Weibchen  sind  die  Schuppen 
auf  der  rechten,  augenlosen  Seite  ganzraudig,  auf  der  Augenseite 
ctenoid,und  zwar  bei  wohlerhaltenen  Exemplaren  sehr  dicht  gezähnt; 
unter  der  Loupe  zählt  man  oft  mehr  als  14  — 16  Zähnchen  am  freien 
Schuppenrande. 

Die  Zahl  der  Dorsalstrahlen  schwankt  zwischen  80 — 91,  die  der 
Analstrahlen  zwischen  68 — 70.  Die  Pectorale  hat  auf  der  linken 
Körperseite  in  der  Regel  12 ('/,,)  auf  der  rechten  11  (i/jo) Strahlen. 

V  u  I  g  ä  r n  a  m  e :   l\tpaculu  (Cadix ,  Tenerife). 

Bothns  podas  kommt  unendlich  häufig  an  der  Südküste  der 
iberischen  Halbinsel  und  an  den  Küsten  der  canarischen  Inseln  vor, 
ist  aber  nicht  geschätzt. 

Note:  Pleuronectcs  cuspidatus  Cahrera.  (M  si  e  li  a  d  o's  Catal.  pag.  23.  Spec.  denoiii. 
a  Cahrera,  hacteiiiis  mihi  ignotae)  entspricht  dem  Bothus  podas. 


IcliHivol.  Beiiflit  iiliei-  fiiie  iiiifli  Spiiiiieii   ii.  PorliigHl  iiiilernudiiii.  Heise.      /  I  1) 

Gatt.  Pleuronectes  sp.  Artedi. 

205.  Alt.   Pleuronectes  flesus  L  i  ii. 

S y  n.  Pleuronectes  luscits  Fall.,  Nordm. 
Italiens  G  (in  th. 
„  passer  Lin.,  Bonap.,  Canestr. 

Die  Höhe  des  Körpers  variirt  sehr  bedeutend,  ich  finde  sie  hei 
zwei  Exemplaren  aus  Pommern,  bei  einer  Totaliänge  von  3"  8"  bis 
4"  9"  genau  2mal,  bei  zwei  Exemplaren  (aus  dem  Kattegat)  von 
4"  10"  —  5"  6"'  Länge  21/9  —  l^iomal,  bei  zwei  Exemplaren  (aus 
Bilbao)  von  7"  4'"  —  10"  8"'  Länge  25/ia  —  2</iimaI,  bei  drei 
Exemplaren  (aus  Constantinopel)  von  6\/./',  T'/a"  »nd  8"  7  "  Länge 
2</, ,-»  etwas  mehr  als  2'/s — 2'/9mal,  bei  drei  Individuen  (aus 
Odessa)  von  8  bis  nahezu  9"  Länge  fast  2'/9 — 2'  ,4mal,  bei  einem 
Exemplare  (aus  Triest)  von  lIVo"  Länge  23/7mal  in  der  Körperlänge 
enthalten. 

Güntber's  Angabe  über  die  Höhe  des  Körpers  2Y3mal  in  der 
Körperlänge  (Cat.  Brit.  Mus.  l\  .  pag.  451)  kann  sich  nur  auf  die 
Untersuchung  einiger  weniger  Individuen  basiren,  welche  ausnahms- 
weise eine  sehr  geringe  Körperhöhe  besitzen,  denn  auch  in  Bloch's 
Abbildungen  der  Fische  Deutschlands  zeigt  Pleur.  flesus  eine  viel 
bedeutendere  Rumpfhöhe,  welche  in  Übereinstimmung  mit  den  von 
uns  untersuchten  Individuen  kaum  2'/5 — 2'/3  der  Körperlänge 
erreicht. 

Indem  Dr.  Günther  auf  die  geringe  Körperhöhe  der  wenigen 
von  ihm  untersuchten  Exemplare  zu  viel  Gewicht  legt,  trennte  er 
PI.  luscus  Fall.  undP/.  itnUcus  von  PL  flesus,  was  ganz  unrichtig  ist. 

Auch  die  Zahl  der  Dorsalstrahlen  schwankt  viel  bedeutender  bei 
PL  flesus  als  Dr.  Günther  angibt,  ich  finde  z.  B.  bei  den  früher 
erwähnten  kleinen  Exemplaren  aus  Pommern  und  aus  dem  Kattegat 
in  der  Dorsale  nur  56  —  59,  bei  alten  59  —  61,  sehr  selten  62 — 63 
Strahlen,  in  der  Anale  bei  ersteren  37 — 41,  bei  letzteren  41 — 45, 
selten  46 — 48  Strahlen.  Die  Kopflänge  ist  31/3  — 3'/omal  in  der 
Körperlänge  enthalten. 

Pleuronectes  flesus  kommt  an  der  Nord-  und  Nordwestküste 
Spaniens  sehr  häufig,  seltener  an  der  Süd-,  West-  und  Ostküste 
der  iberischen  Halbinsel  vor,  steigt  in  die  Mündungen  der  Flüsse 
hinauf  und  erreicht  eine  bedeutende  Länge. 


i  ci)  S  I  e.  i  II  (1  ii  f  ii  II  p  r. 

Wir  ssinimelten  viele  Exemplare  der  Vnr.  flesus  und  Var. 
passer  (Lin.  Bl.)  bei  Bilbao,  La  Coruna,  Vigo,  Barcelona,  Cadix  und 
Gibraltar,  so  wie  im  Miilo  bei  Tny.  Bei  mebreren  Individuen  unserer 
Sammlung  liegen  die  Augen  auf  der  linken  Körperseite,  bei  einem 
Exemplare  ist  die  augenlose  Kürperseite  mit  großen  dunkeln  Flecken 
besetzt,  bei  zweien  ist  der  größte  Tbeil  der  vorderen  Körper- 
bälfte  an  der  rechten  Seite  eben  so  farblos,  wie  auf  der  linken  farb- 
losen Seite  etc. 

V  u  1  g  ä  r  n  a  m  e :  Platija  (Cadix,  Galicien),  Platecha  (Asturien) , 
Platucha  (Vizcaya),  Patruga,  Solha  (Lissabon). 

Note.  Nach  Mnchado  kommt  Pleuron.  pl(itessa  =  PL  vulgaris  Cu\.  bei  Cadix  vor; 
ich  seihst  habe  mir  kein  Exemplar  dieser  Art  verschaffen  können  und  ver- 
muthe,  daß  Macliado  PI.  platessa  mit  PL  flesus  verwechselt  haben  dürfte, 
da  letztere  Art,  die  bei  Cadix  und  Gibraltar  eben  nicht  selten  gefisvht  wird, 
in  Machado's  Katalog'  nicht  angeführt  ist. 

Gatt.  Solea  Cuv. 

206.  Art.  Solea  vulgaris  Quens.,  Risso. 

S  y  M.  Pleuronectes  solea  L i  n. 

Solea  azevia,  Brito  Capello,  Peixes  novos  de  Portugal. 

Wir  untersuchten  zahlreiche  Exemplare  aus  London,  Lissabon, 
Cadix,  Gibraltar,  Tenerife,  Triest,  Venedig  etc.,  und  können  nicht 
ein  wesentliches  Unterscheidungsmerkmal  zwischen  Solea  vulgaris 
und  Solea  azevia  Capello,  von  der  wir  18  Exemplare  besitzen, 
linden. 

Die  Zahl  der  Schuppen  ist  bei  Solea  vulgaris  sehr  variabel  und 
nimmt  mit  dem  Alter  bedeutend  zu.  Bei  zwei  großen,  IJJ1/2 — 16  i/o" 
langen  Exemplaren  aus  London  zähle  ich  längs  des  horizontal  hinlau- 
fenden Theiles  der  Seitenlinie  bis  zur  Basis  der  mittleren  Caudal- 
strahlen  circa  140 — 142  Schuppen,  bei  einem  nahezu  13"  langen 
Eiemplare  von  Triest  mit  ganz  normaler  Zeichnung  124  Schuppen, 
l)ei  einem  fast  lo"  langen  Exemplare  aus  Cadix,  welches  bereits  der 
17«-.  rtzey/rt  entspricht,  128  Schuppen,  bei  einem  12  V4"  langen  Indivi- 
duum von  Lissabon  120,  bei  fünf  kleineren  Exemplaren  von  8 — 91/4" 
Länge  110—122  Schuppen. 

In  der  Zahl  der  Flossenstrahlen  ergibt  sich  gleichfalls  kein 
durchgreifender  Unterschied  zwischen  S.  vulgaris  und  5".  azevia',  bei 
den   früher   erwähnten   großen  Individuen  aus  London  enthält  die 


Ichtliyoi.  Bericht  iilter  eine  ikicIi  Spanien  ii.  Purtng^iil  iiiiteriiüiiiiii.  {{eise.      /  üd  1 

Dorsale  83  Strahlen,  bei  anderen  aus  dem  atlantischen  Ocean,  dem 
deutschen,  mittelländischen  und  adriatisclien  Meere  73 — 80  Strahlen, 
seltener  84;  auch  in  der  Anale  schwankt  die  Zahl  der  Strahlen 
zwischen  61—78,  sumit  in  derselben  Weise  wie  bei  Capello's 
Solea  uzeviu,  welche  auch  bezüglich  der  Längen-  und  Höhenverhält- 
nisse  der  einzelnen  Körpertheile  zu  einander  nicht  wesentlich  von 
Solen  vtilgarh  abweicht,  denn  die  Körperhöhe  ist  circa  2"  ^nial,  die 
Kopflänge  5'/4 — S'/ämal  in  der  Körperlänge  enthalten  (bei  Exem- 
plaren mittlerer  Größe). 

Das  obere  Auge  ist  unbedeutend  größer  als  das  untere  und 
etwas  weiter  nach  vorne  gerückt  als  dieses.  Der  längere,  horizontale 
Durchmesser  des  Auges  ist  ömal  in  der  Kopflänge  enthalten,  die  Ent- 
fernung der  Augen  von  einander  gleicht  oder  übertrifft  ein  wenig  den 
Querdurclimesser  eines  Auges,  steht  aber  dem  Längendurchmesser 
desselben  ein  wenig  nach  (bei  Exemplaren  mittlerer  Größe). 

Die  Entfernung  des  unteren  Auges  vom  äußersten  Theile  des 
Schnauzenrandes  ist  variabel  und  3-/5 — 4i/4mal  in  der  Kopflänge 
enthalten. 

Wir  halten  daher  Solea  azevia  nur  für  eine  Varietät  des  Solca 
vulgaris,  bei  welcher  die  großen  mehr  oder  minder  verschwommenen 
Flecken  auf  der  Augenseite  des  Rumpfes  gänzlich  fehlen,  die  Grund- 
farbe derselben  Seite  chokoladebraun  ist,  und  die  Dorsale  und  Anale 
gegen  die  weißen  Spitzen  der  Strahlen  eine  sehr  dunkle  Färbung 
annehmen.  Bei  Solea  azevia  liegt  wie  bei  Sol.  vulgaris  an  der  Basis 
und  häufig  auch  zunächst  und  parallel  dem  hinteren  Rande  jeder 
Schuppe  ein  zarter  dunkler  Strich  oder  Fleck. 

Wir  besitzen  25  Exemplare  der  Variatio  azevia  von  Lissabon, 
Cadix,  Gibraltar  und  Santa  Cruz  de  Tenerife,  drei  von  der  gewöhn- 
lichen Färbung  aus  Bilbao  und  Barcelona. 

Vulgärname:  Lenguado,  Linguado  (Spanien,  Portugal),  auch 
Azevia  (Lissabon). 

Solea  vulgaris  kommt  sehr  häufig  an  den  Küsten  Spaniens  und 
Portugals  vor,  ist  sehr  geschätzt  und  erreicht  daselbst  eine  Länge 
von  15 — 16 1/2".  An  den  Küsten  der  canarischen  Inseln  dagegen 
wird  diese  Art  nur  sehr  selten  und  in  kleineren  Exemplaren  gefischt, 
inid  ist  daher  nicht  besonders  gesucht.  Auch  Bothus  podas  kommt 
hei  Tenerife  durchschnittlich  in  minder  großen  Exemplaren  vor  als 
bei  Cadix  und  Gibraltar,  wenngleich  in  größerer  Individuenzahl. 


i  ^  C  S  l  e  i  II  (1  M  o  li  II  «'  r. 

207.  Art.  Solea  Capellonis  nov.  spec.  Slei  nd.  (?),  anSolea  Kleinii  jiiv. 

Diese  schöne  Art  ist  sehr  nahe  verwandt  mit  Solea  Kleinii  und 
unterscheidet  sich  von  derselhen  vielleicht  constant  durch  die  Klein- 
heit und  größere  Anzahl  der  Schuppen,  welche  auf  beiden  Körperseiten 
ctenoid  sind,  und  durch  die  beträchtlichere  Zahl  der  Analstrahlen  (bei 
Exemplaren  mittlerer  Größe). 

Die  Narine  der  Blindseite  ist  kaum  sichtbar,  während  sie  bei 
Solea  Kleinii  bereits  ziemlich  bedeutend  röhrenförmig  erweitert  und 
schwach  gefranst  ist. 

Die  Länge  des  Kopfes  ist  ^'*/'-^ — 4</4mal,  die  Leibeshöhe  2-/.^ 
bis  3mal  in  der  Körperlänge  efithalten;  das  Auge  ist  klein,  y^  der 
Kopflänge  gleich,  das  untere  Auge  zwei  Diameter,  das  obere  li/a  vom 
Schnauzenrande,  beide  von  einander  um  einen  Diameter  entfernt.  Die 
Mundspaite  reicht  in  senkrechter  Richtung  bis  zur  Mitte  des  Auges, 
ist  icclits  stark  nach  unten  gebogen,  links  nur  schwach  nach  unten 
geneigt,  aber  stark  gekrümmt;  zahlrcicht!  feine  Zähnchen  in  der 
linken  Kielerhälfte.  Das  vordere  Nasenröhrchen  der  Augenseite  ist 
ziemlich  lang,  an  der  augenlosen  linken  Kopfseite  aber  äußerst  kurz, 
daher  kaum  bemerkbar.  Die  Biindseite  des  Kopfes  ist  nur  in  dem 
Schnauzentheile  durch  dichte  Zotten  pelzig.  Die  Schnauze  ragt 
nasenförmig  über  die  Mundspalte  vor.  Die  Dorsale  l)eginiit  an  der 
Schnauze  vor  dem  Auge  und  geht  wie  die  Anale  in  die  Caudale  über. 

Die  Bauchflossen  sind  von  der  Anale  getrennt,  jederseits  fünf- 
strablig,  die  Pectorale  ist  auf  beiden  Körperseiten  fast  gleich  stark 
ausgebildet  und  circa  S'/smal  in  der  Kopflänge  enthalten.  Die  Cau- 
dale erreicht  circa  2/3  —  Vs  der  Kopflänge. 

Die  Schuppen  sind  äußerst  klein,  auf  beiden  Körperseiten  am 
hinteren  Rande  dicht  gezähnelt,  fühlen  sich  daher  sehr  rauh  an.  Die 
Seitenlinie  durchbohrt  in  ihrem  horizontal  verlaufenden  Theile  bis  zur 
Basis  der  mittleren  Caudalsiralilen  bei  Exemplaren  von  4"  8'"  bis 
5"  9'"  Länge  136 — 150  Schuppen,  bei  einem  Individuum  von  1  V^;" 
Länge  nur  128. 

Die  Augenseite  des  Kr»rpers  ist  auf  hellbraunem  Grunde  ähnlich 
wie  bei  Solea  Kleitiii  dicht  mit  weißlichen,  docli  nur  sehr  schwach 
vortretenden  kleinen  Fleckchen  besetzt,  und  wie  die  Flossen  fein 
braun  |iunktirl  und  gesprenkelt  oder  sehr  zart  gefleckt;  außerdem 
liegen  noch  ziendicli  viele,  sehr  große,  dunkelbraune  Nebelflecken  auf  der 


Ichthyol,  liericlit  über  i-iiie  nach  Spanien  u.  P.iitugiil  iinternniiuii.  lU-ise.     TZ'd 

rechten  Seite  des  Rumpfes;  vielleicht  verschwinden  aber  diese  im 
höheren  Alter.  In  der  hinteren  Hällto  der  Caudale  ziehen  sich  die  dun- 
kelbraunen Fleckchen  stark  in  die  Länge  und  fließen  daher  häufig  zusam- 
men. Der  dunkel  violette,  fast  schwärzliche,  breite  Saum  auf  der  Dor- 
sale und  Anale,  der  nach  Bonaparte's  und  Costa's  Hesclireibung  immer 
bei  Solea  Kleinü  sicli  vorfindet,  fehlt  dieser  Art  vollständig. 
D.  80—92;  A.  7Ö— 76;  L.  lat.  128-150. 

Wir  besitzen  sieben  Exemplare  von  4"  8"  —  5"  9"  Länge, 
welche  wir  in  Gibraltar  sammelten  und  ein  1  i/g  langes  Exemplar 
von  Lesina  in  Dalmatien  mit  64  Anal-  und  80  Dorsalstrahlen,  und 
128  Schuppen  längs  der  Seitenlinie. 

Ich  würde  ohne  Bedenken  die  hier  beschriebene  Art  nur  für 
eine  Farbenvarietät  und  zugleich  für  die  Jugendform  von  Sulea  Kle'uiii 
halten,  wenn  nicht  die  Zahl  der  Schuppen  bei  Solea  Capelioiiis  grü- 
ßer wäre  als  bei  Sofea  Kleiiiii. 


208.  Art.  Solea  Kleinii  spec.   Risso. 

Kommt  nur  selten  an  der  Ostküste  Spaniens  vor,  und  unter- 
scheidet sich  von  der  früher  beschriebenen  fraglich  neuen  Art  durch  die 
ziemlich  beträchtliche,  röhrenförmige  Erweiterung  der  am  Rande 
gefransten  vorderen  Narine  an  der  Blindseite,  durch  die  dunkle 
Umrandung  der  Anale  und  Dorsale  etc.  Bei  Exemplaren  von  9''  — 10" 
7'"  Länge  ist  die  Leibeshöhe  etwas  mehr  als  3 — 3^  iinal,  die  Kopf- 
länge nahezu  5 — ö'/smal  in  der  Körperlänge  enthalten.  Die  Dorsale 
enthält  80—90,  die  Anale  64—70  Strahlen.  Die  Schuppen  der 
Blindseite  sind  cykloid,  doch  wäre  es  nicht  unmöglich,  daß  die 
zarten  Zähncheii  am  hinteren  Rande  im  höheren  Alter  verloren  gehen. 
Längs  des  horizontal  laufenden  Theiles  der  Seitenlinie  bis  zur  Basis 
der  mittleren  Caudalstrahlen  liegen  circa  HO — 116  Schuppen. 

Die  Zahl  der  Dorsalstrahlen  beträgt  74 — 82  (nach  C  a  n  e  s  t  r  i  n  i 
80-91),  die  der  Analstrahlen  59— 64  (nach  Canestrini  64—70). 
Die  größere,  vordere  Hälfte  der  Pectorale  ist  schwarz,  die  hintere 
weißlich. 

Fundort:  Barcelona. 


i  i^  S  t  e  i  n  d  a  c  li  II  p  r. 

209.  Art.   Soica  ocellata  s|»ee.   Lin. 
Syn-  Pleuronectes  ocellatUH  Lin. 

Solea  ocidnla  Risso,  Bon»p.,  Valenc.  etc. 

Ziemlich  häufig  an  der  Ost-  und  Südküste  Spaniens,  sehr 
gemein  hei  Santa  Cruz  de  Tenerife. 

Die  Hölle  des  Itumpfes  ist  iiahexu  oder  genau  3mal,  die  Länge 
des  Koples  etwas  mehr  als  5 — S'/a'n^'  '"  t'*^'"  Totallänge  (mit  Ein- 
selduli  der  Caudale)  enthalten,  ilie  Länge  der  Caudale  gleicht  der 
des  Kopfes. 

Längs  des  horizontal  laufenden  Theiics  der  Seitenlinie  his  zur 
Basis  der  Caudale  liegen  circa  70 — 73  Schuppen. 

D.  (55- 07;  A.  ÖO— 53;  F.  4—7;  V.  4-5. 

Wir  liesitzen  zt^lin  Excniplarc  von  Tencrife,  drei  von  Cadix,  Ali- 
cante  und  Barcelona. 

Vulgär  na  nie:  Letufnado  dohlc  (Tencrüt'.  auch  Soldado  nach 
Va  I  e  ncien  nes) .    Tiimbor  rt'<(l  (VuA'w  nach  Machado). 

210.  Art.   Solea  aurautiaca   (iünth. 

Wir  erhielten  ein  Exemplar  dieser  Art,  welche  nach  dem  Kata- 
loge des  hritischen  Museums  auch  hei  Lissahon  vorkommt,  hei  La 
Corufia;  es  ist  7'/a"  lang  und  enthält  81  Dorsal-  und  07  Analstrahlen. 
Die  Seitenlinie  durchhohrt  in  ihrem  horizontalen  Theile  his  zur  Cau- 
dalhasis  circa  117  vSchup|»en.  Die  Kör|»t'rhi)he  ist  %~/>.mvi\,  die  Kopf- 
länge nicht  ganz  5nial  in  der  Krtrperlängc  enthalten;  ein  schwarzer 
ovaler  Fleck  in  dem  hinteren  Theile  der  Pectorale.  Die  rechte  Kör- 
perseite ist  sehr  schwach  und  undeutlich  hraun  marmorirt  und 
schwarz  gesprenkelt  oder  punktirt.  Die  Augen  sind  aulTallend  klein; 
die  vordere  Narine  der  Blindseite  ist  sehr  stark  erweitert,  gefranst 
und  mit  einem  breiten  Hautsaume  umgeben. 

Die  Schuppen  beider  Körperseilen  sind  ctenoid.  Solea  aurnntinca 
k(Mnmt  auch  im  iMittehneere  vor,  wir  besitzen  zwei  Exemplare  von 
Sardinien  (D.  83,  A.  68). 

211.  Art    Solea  nasuta  Fall.  • 

Syn.   Solea  impar  Bcnn. 

„     Inscaria  ßonap. 

Die  Höhe  des  Körpers  ist  bei  den  von  inis  untersuchten  drei 
Exemplaren    22/3 — 23/5mal,    die    Kopflänge   4'/3  —  48/5mal   in    der 


I 


Ichthyol.  Bericht  über  eine  nach  Spanien  u.  Portugal  iinteinomm.  Reise.     725 

Körperlänge  ohne  Caudale  enthalten.  Die  Entfernung  des  oberen  Auges 
vom  Sehnauzenrande  Ist  nahezu  V*,  die  des  unteren  Auges  nur  y, 
der  Kopflänge  gleich. 

In  dem  horizontal  liegenden  Theile  der  Seitenlinie  bis  zur  Basis 
der  mittleren  Caudalstrahlen  zähle  ich  112—118  Schuppen,  in  der 
Dorsale  75—76,  in  der  Anale  59  —  61  Strahlen.  Die  Schuppen 
beider  Körperseiten  sind  ctenoid.  Die  Färbung  der  Augenseite  ist  blau- 
grau oder  braun;  zahlreiche  schwärzliehe  Nebelflecken  und  kleinere 
weißliche  undeutliche  Flecken  mit  verscbwommenen  Rändern  liegen 
auf  der  rechten  Körperseite  bei  den  drei  Exemplaren  unserer 
Sammlung. 

Solea  nasiita  kommt  nur  sehr  selten  an  der  Ostküste  Spaniens 
vor,  wir  erhielten  ein  Exemplar  in  Cadix,  die  zwei  übrigen  wurden 
von  Nordmanu   aus  dem  schwarzen  Meere  und  aus  Constantinopel 

eingesendet. 

m 

212.  Art.   Solea  laseiipls  Hisso. 
S  y  n.  Solea  scriba  V  a  1  c  n  c. 

Bezüglich  der  Zahl  der  Dorsal-  und  Analstrahlen  stimmen  die 
uns  vorliegenden  Exemplare  genau  mit  Solea  lascarls  überein, 
weniger  in  der  Zeichnung  des  Körpers.  Sämmtliche  Schuppen  der 
Augenseite  sind  sehr  klein,  aschgrau  oder  blaugrau  und  ringsum  mehr 
oder  minder  dunkelbraun  gesäumt,  sehr  bäufig  liegt  ein  dunkelbrauner 
Punkt  an  der  Basis  jeder  Schuppe.  Die  verticalen  Flossen  sind  mit 
kleinen  schwarzbraunen  Fleckchen  und  Strichelchen  gesprenkelt.  Auf 
der  Pectorale  liegt  überdieß  noch  ein  großer,  runder  schwarzer  Fleck 
mit  weißer  oder  gelblicher  Umrandung. 

Die  größte  Leiheshöhe  ist  3 — ^^/^mn],  die  Kopflänge  nabezu 
5 — 4y6mal  in  der  Körperlänge  ohne  Caudale  enthalten.  Die  Entfer- 
nung der  Augen  von  einander  beträgt  3/4  bis  nahezu  Vs  ^^^'  Augen- 
länge, die  Entfernung  des  oberen  Auges  vom  äußersten  Schnauzen- 
rande ist  Ss/^mal,  die  des  unteren  Auges  2'*/^ — 22/3mal,  die  Länge 
eines  Auges  etwas  mehr  als  5  —  6y,mal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Die  vordere  Narine  der  Blindseite  ist  bedeutend  erweitert  und 
stark  gefranst  wie  bei  Solea  nasuta. 

Die  Schnauze  überragt  die  Spitze  des  Unterkiefers  hacken- 
förmig.  Die  augenlose  Kopfseite  ist  im  Scbnauzentheile  so  wie 
auch  zunächst  dem  oberen  und  unteren  Rande  stark  pelzig. 


7  ^Ö  S  t  e  i  II  (I  ;i  c  Ii  n  p  r. 

Die  Pectoralen  beider  Kiirperseitcn  sind  eiit\>eder  gleich  lang, 
oder  die  der  Aiigeiiseite  ist  etwas  länger,  stets  aber  ist  die  Pectorale 
etwas  mehr  als  2-  bis  2'/omaI  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Die  Seitenlinie  dnrehbohi'l  in  ihrem  horizontalen  Verlanfe  bis 
.zur  Hasis  der  Candale  120 — 14t)  Schuppen,  über  der  Seitenlinie 
liegen  29 — 31,  unter  derselben  36 — 38  horizontale  Scliuppenreihen. 
Die  Schuppen  auf  der  Augenseite  tragen  ziemlich  lange,  schon  mit 
freiem  Auge  deutlich  sichlbare  Stacheln,  die  der  Blindseite  aber  sehr 
kurze,  nur  mit  dem  Gefühle  wahrnehmbare  Stachelchen.  Die  Dorsale 
enthält  bei  16  Exemplaren  80—89,  die  Anale  61 — 68,  die  Pectorale 
8-9  Strahlen. 

Das  grüßte  Exemplar  unserer  Sammlung  ist  It)"  lang  bei  einer 
Körperhöhe  von  2"  10"  (ohne  Berücksichtigung  der  Dorsale  und 
Anale),  das  kleinste  mißt  6"  in  der  Totallänge. 

Die  in  unserem  Besitze  befindlichen  zahlreichen  Exemplare 
dieser  Art  stammen  von  Tenerife.  Wenn  Günther's  Voraussetzung 
richtig  ist,  daß  Solea  scriba  identisch  mit  iS".  lascaris  (nee.  Bonap. 
Risso  Canestr.)  sei,  so  dürfte  sie  auch  an  der  Süd-  inid  Ost- 
küste Spaniens  nicht  fehlen. 

V  u  I  g ä  r  n  a  m  e :   Lenguado  (Tenerife). 

213.   Art.  Solea  variegata  spec.  Donav. 

Syn.   IHcuronectes  rariegutuii  Donav. 
Solea  Mangilii  Bonap. 

Sehr  gemein  bei  Cadix,  seltener  an  der  Westküste  Portugals, 
ziemlich  häufig  an  der  Ostküste  Spaniens. 

Wir  besitzen  sechs  vortrefnich  erhaltene  Exemplare  von  Cadix, 
drei  von  Malaga  und  Alicante  und  ein  Exemplar  von  Setubal. 

Die  Länge  des  Kopfes  ist  bei  von  uns  untersuchten  Individuen 
in  der  Regel  4'/2  —  4* Amal,  seltener  nahezu  5mal,  die  Körperhöhe 
2^4  —  3mal  in  der  Körperlänge  (ohne  Caudale)  enthalten. 

Die  breiten  Querbinden  des  Rumpfes  erlöschen  häufig  im  mitt- 
leren Theile  der  Rumpfhölie  fast  vollständig. 

214.  Solea  latea  Risso. 

Wir  erhielten  mehrere  kleine  Exemplare  dieser  Art  in  Bar- 
celona, ein  größeres  von  Alicante. 


Ichthyol.  Bericht  über  eine  nacli  Spanien  u.  Portugal  unternomm.  Reise.     72  T 

Bei  einem  4"  5  "  langen  Individuum  ist  die  Leibeshühe  etwas 
weniger  als  3nial,  bei  einem  kleineren  genau  3mal,  die  Kopflänge  4'/3 
bis  4mal  in  der  Kürperlänge  obne  Caudale  enthalten.  Längs  des 
horizontal  hinlaufenden  Theiles  der  Seitenlinie  (bis  zur  Basis  der 
mittleren  Caudalstrahlen)  liegen  60 — 53  Schuppen.  Die  Augenseite 
ist  mit  unregelmäßigen  versehwommenen  dunkelgrauen  Querbinden 
geziert,  oder  stellenweise  äußerst  schwach  dunkelbraun  marmorirt, 
wie  es  Prof.  Canestrini  auf  Taf,  III,  Fig.  4  seiner  Monographie 
über  die  Pleuronektiden  Genua's  andeutet. 

V  u  1  g  ä  r  n  a  m  e :  Acedia  (Cadix  sec.  M  a  c  h  a  d  o). 
D.  65—72;  A.  50—56;  L.  lat.  53—60. 

215.  Art.  Solea  minota  spec.  Farn. 

Syn.  Monochints  minutus  Parn. 

„  linguatulus  Thomps.,  Yarr. 

Sinaptura  lingula  K  a  u  p. 

Kommt  sehr  häufig  bei  Cadix  und  Gibraltar  vor  (Jänner, 
Februar  1865). 

Die  Körperhöhe  ist  22/3 — 23/5mal,  die  Kopflänge  4  — 4'/2mal  in 
der  Kopflänge  (ohne  Caudale)  enthalten.  Die  Stirnbreite  zwischen 
den  Augen  übertrifft  nur  wenig  die  Hälfte  eines  Augendiameters.  Bei 
sämmtlichen  Exemplaren  ausCadix,  14  an  der  Zahl,  liegen  an  der  Basis 
der  hinteren  Hälfte  der  Dorsale  und  Anale  schmale,  dunkelbraune  Quer- 
tlecken;  ähnlich  wie  bei  Solea  lutea  ist  jeder  vierte  bis  siebente 
Dorsal-  und  Analstrahl  schwärzlichbraun,  die  Caudale  ist  mit  braunen 
Fleckchen  geziert. 

Längs  des  horizontal  verlaufenden  Theiles  der  Seitenlinie  liegen 
112—118  Schuppen. 

Die  Zahl  der  Dorsalstrahlen  schwankt  zwischen  72 — 79,  die  der 
Analstrahlen  zwischen  56 — 62. 

Vulgärname:  Golleta  (Cadix). 

216.  Art.  Solea  monochir  Bonap.  (Fauna  ital.) 

Syn.  Pletironectes pegiisa  Risso,  Ichth.  de  Nice. 
„  trichodactylus  Nardo. 

Monochirus  hispidus  Bonap.,  Catal.,  Costa. 

Ist  sehr  gemein  an  der  Ost-  und  Südküste  Spaniens. 
Vulgär name:  Soldado  (Cadix). 

Sitzb.  d.  luathem.-naturw.  Cl.  LVII.  Bd.  I.  Abth.  47 


728  '"^  •  e  i  II  d  ii  (•  h  n  p  r. 

Gatt.  Plagusia  Cuv. 
217.  Alt.  Plagusia  lactea  Boiiap. 

Syn.   Ammoplt'urops  lacWiifi  Günth. 

Wir  erhielten  ein  4"  langes  Exemplar  in  Barcelona. 

Farn.  Steriioptycliidae. 

Gatt.  Argyropelecus  Cocco. 
218.  Art.  Argyropelecus  henilgynmus  Coeco. 
Drei  schlecht  erhaltene  Exemplai-c  von  Gibraltar  und  Tanger. 

Farn.  Sc«|>€»lMlae. 

Gatt.  S^urus  Cuv. 

219.  Art.  Saurus  griscus  Lowe. 

Syn.   Saiinifi  hiccrta  C.  V.  (nee.  Risso). 
„       trivirgatus  Val. 

Während  diese  Art  im  mittelländischen  und  adriatischen  Meere 
nur  sehr  selten  gefischt  wird,  kommt  sie  an  den  Küsten  und  Madeiras 
der  canarischen  Inseln  in  sehr  großer  Menge  vor  und  erreicht  eine 
Länge  von  11  '/o". 

Bei  Exemplaren  von  6V.j — 11  «/a"  Länge  ist  die  Kopflänge  etwas 
mehr  als  4 — 4y,3mal,  die  Körperhöhe  l^/r,  —  l^,Lm?L\  in  der  Total- 
länge, die  Länge  eines  Auges  o — 7mal,  die  Stirnbreite  92/3 — 8mal, 
die  Schnauzenlänge  nahezu  5-  last  43/5mal  in  der  Koptlänge  ent- 
halten. Bei  alten  Individuen  springt  die  Schnauzenspitze  etwas  weiter 
über  den  Unterkiefer  vor,  als  bei  jungen  Individuen. 

Im  Zwischenkieler  liegen  zwei,  im  Unterkiefer  drei,  am  Gaumen 
vier  Zahnreihen,  welche  nach  innen  stufenweise  an  Länge  zunehmen. 
Die  Länge  der  Mundspalte,  bis  zum  hinteren  Ende  des  Zwischen- 
kiefers gerechnet,  beträgt  3/5  der  Kopflänge. 

An  den  Wangen  liegen  sieben  schiefgestellte  Schuppenreihen 
übereinander.  Die  Stirn  ist  concav,  die  Fläche  des  Hinterhauptes  rauh. 

Die  Pectorale  ist  von  sehr  geringer  Länge,  circa  23/. mal  in  der 
Kopflänge  enthalten.  19 — 20  Schuppen  liegen  zwischem  dem  Eiidf 
des  Hinterhauptes  und  der  Dorsale,  deren  Basislänge  der  Höbe  A^^- 
dritten    Strahles   nur   wenig  nachstebt,    und   zwar  etwas   mebr  bei 


Ichthyol.  Bericht  über  eine  nach  S|>iinieii  u.  Portugal  unternomm.  Reiae.     T29 

jungen  als  bei  alten  Exemplaren.  Die  gi'ößte  Höhe  der  Dorsale  erreicht 
'*l-i  der  Kopflänge.  Die  Ventrale  beginnt  etwas  vor  oder  senkrecht 
unter  der  Spitze  der  horizontal  zurückgelegten  Pectorale,  der  erste 
und  letzte  Strahl  der  Ventrale  ist  nicht  gespalten,  die  übrigen  sind 
einmal  gespalten,  sämmtliche  Strahlen  aber  gegliedert.  Der  sechste 
und  siebente  Ventralstrahl  sind  gleich  lang,  oder  der  sechste  ist 
etwas  länger  als  der  fünfte,  stets  aber  erreicht  der  längste  Flossen- 
strahl der  Ventrale  circa  Y13  —  »/g  (bei  jüngeren  Exemplaren)  der 
Kopflänge;  eine  mit  kleineren  Schuppen  überdeckte  Spornschuppe 
liegt  an  der  Außenseite  der  Ventralen.  Die  Anale  beginnt  um  etwas 
weniger  als  zwei  Kopflängen  hinter  dem  seitlichen  Kopfende  und 
nimmt  gegen  die  letzten  Strahlen  etwas  an  Höhe  zu.  Die  Caudale  ist 
am  hinteren  Rande  sehr  tief  eingebuchtet,  circa  la^mal  in  der  Kopf- 
länge enthalten,  die  Caudallappen  sind  zugespitzt.  Zwei  Flügel- 
schuppen überdecken  den  größten  Theil  der  mittleren  Caudal- 
strahlen. 

Ich  zähle  stets  62  Schuppen  längs  der  Seitenlinie,  3 '/g  Schuppen 
zwischen  letzterer  und  dem  Beginne  der  Dorsale,  sechs  zwischen 
der  Bauchlinie  und  der  Seitenlinie. 

Die  obere  Hälfte  des  Körpers  ist  bräunlich,  zuweilen  liegen  meh- 
rere blaugraue  Flecken  mit  dunkelbrauner  Umrandung  auf  jeder 
Schuppe  der  oberen  Körperhälfte,  zuweilen  fließen  sie  zu  Längsbin- 
den zusammen. 

Sehr  schwach  ausgeprägte,  dunkelgraue  Querbinden  ziehen  von 
der  Rückenlinie  bis  zur  zweiten  horizontalen  Schuppenreihe  unter 
der  Seitenlinie  hinab. 

D.  (11— )12;  A.  11—12;  V.  8. 

Wir  besitzen  neun  Exemplare  von  Santa  Cruz  de  Tenerife  und 
ein  zehntes  von  Malaga. 

Note.  Von  dem  sehr  nahe  verwandten  Saums  atlanticus  Lowe  erhielten  wir  zwei 
Exemplare  auf  dem  Fischmarkte  zu  Santa  Cruz  de  Tenerife,  beide  Saunis- 
Arten  werden  von  den  Fischern  Tenerife's  Lagarto,  d.  i.  Eidechse  genannt. 


47* 


730  stein  dachner. 

Gatt.  Aulopus  Cuv. 

220.  Alt.  Aatopus  filainentosus  spee.  Bloch. 

Syii.   Salmo  filamentosus  Bloch.  * 

Aulopus  filamentosus  Bonap.,  Fauna  ital. 
Saurus  lacerta  R  i  s  s  o. 

Aulopus  filifer  Valenc,  mas,  Ichthyol,  des  lies.  Canar. 
„       maciilatus  Valenc.  fem.,  ibid. 

Diese  Art  kommt  noch  seltener  als  die  früher  beschriebene  im 
Mittelmeere,  und  zwar  hauptsächlich  an  den  Küsten  Siciliens  vor,  ist 
aber  sehr  gemein  zunächst  den  canarischen  Inseln. 

Die  Länge  des  Kopfes  ist  bei  Exemplaren  von  I21/2  —  lö'/a' 
Länge  nahezu  oder  etwas  mehr  als  4mal,  die  Höhe  des  Rumpfes 
7 — 71/4  mal  in  der  Totallänge  (mit  Einschluß  der  Caudale),  die 
Länge  der  Schwanzflosse  circa  l^/ämal,  der  Diameter  des  Auges 
nahezu  4 — 42/5mal,  die  Stirnbreite  6«/,  — 6 2/5 mal,  die  Schnauzenlänge 
3i/3_33y'4mal,  die  Kopfbreite  circa  2i/2mal,  die  Kopfhöhe  2mal  in 
der  Kopflänge  enthalten. 

Die  Mundspalte  ist  lang,  das  hintere  Ende  des  Oberkiefers  reicht 
bei  geschlossenem  Munde  in  senkrechter  Richtung  bis  zum  hinteren 
Augenrande;  die  Kieferzähne  bilden  eine  schmale  Binde,  die  der  in- 
nersten Reihe  sind  wie  bei  Saurus  grisens  länger  als  die  der  äußeren, 
doch  lange  nicht  so  stark  entwickelt  als  bei  letztgenannter  Art,  dies 
gilt  insbesondere  von  den  Zungenzähnen.  Die  Vomer-  und  Gaumen- 
zähne stehen  in  der  Regel  in  zwei,  nur  hie  und  da  zuweilen  in  drei 
Reihen.  Die  Pterygoid-  und  Zungenzähne  sind  sehr  zahlreich,  aber 
von  geringer  Größe.  Vier  Reihen  großer  Schuppen  auf  den  Wangen, 
häufig  zeigen  sich  noch  2  —  3  kleine  Schuppen  einer  fünften  Reihe 
zunächst  dem  stark  abgerundeten,  hinteren  Winkel  der  Vordeckel- 
leiste. Die  Schuppen  am  Kiemendeckel  sind  noch  größer  als  die  Wan- 
genschuppen der  obersten  Reihe.  Die  Stirne  ist  concav  und  circa 
zwischen  der  Mitte  der  oberen  Augenränder  am  schmälsten,  die 
Schnauze  breit  und  schwach  gewölbt.  Der  Unterkiefer  springt  über 
den  Zwischenkiefer  nach  vorne  vor  und  trägt  einen  konischen  abge- 
stumpften Kinnvorsprung. 

Die  drei  ersten  Strahlen  der  Dorsale  sind  bei  den  Männchen  in 
lange  Fäden  ausgezogen,  deren  Spitzen  nicht  selten  noch  über  die 
Fettflosse  des  Rückens  hinausreichen,  auch  die  letzten  Dorsalstrahlen 
sind  bei  den  Männchen  länger  als  bei  den  Weibchen.  13 — 14  Schuppen 


Ichthyol.  Bericht  iiher  eine  nach  Spanien  u.  Portugal  iinternoinm.  Reise.      /3l 

liegeil  zwischen  dem  Beginne  der  Dorsale^  und  dem  Ende  des 
Hinterhauptes  in  einer  Reihe;  die  Basislänge  der  Dorsale  ist  diirch- 
sehnittlicli  1  '/siiial  in  der  Kopflänge  enthalten.  Die  Länge  der  Pec- 
torale  übertrilFt  ein  wenig  die  Hüllte  der  Kopflänge. 

Die  Einlenkungsstelle  des  ersten  Ventralstrahles  fällt  in  senk- 
rechter Richtung  unter  das  Ende  des  ersten  Längendrittels  oder  etwas 
vor  die  Längenmitte  der  Pectorale,  die  vier  ersten  Strahlen  sind 
bedeutend  dicker  als  die  übrigen,  in  der  kleineren  hinteren  Hälfte 
von  einer  im  Spiritus  erhärtenden  Schleimmasse  umhüllt  und  in  zahl- 
lose kurze  Glieder  querüber  abgetheilt.  Der  vierte  längste  Ventral- 
strahl ist  wie  die  zwei  vorangehenden  nur  einmal  der  Länge  nach 
gespalten  und  circa  Vsmal  so  lang  wie  der  Kopf.  Die  Strahlen  der 
Anale,  insbesondere  die  letzten  sind  bei  den  Weibchen  kürzer  als  bei 
den  Männchen. 

Die  Caudale  ist  nahezu  vollständig  beschuppt.  Die  Schuppen 
des  Rumpfes  sind  mit  vielen  Reihen  sehr  feiner  Zähnchen  an  und 
zunächst  dem  hinteren  Rande  versehen. 

Die  Seitenlinie  durchbohrt  32  —  53  Schuppen;  4'/2  horizon- 
taler Schuppenreihen  liegen  über  derselben,  ä'/a  zwischen  derSeiten- 
und  Bauchlinie.  Die  Seiten  des  Rumpfes  sind  braungrau  marmorirt 
uiid  zugleich  etwas  dunkler  unregelmäßig  gefleckt.  Der  obere  Rand- 
theil  der  4 — 5  ersten  Dorsalstrahlen  ist  bei  den  Weibchen  mit  einem 
großen  schwarzen  Flecke  geziert,  der  bei  den  Männchen  fehlt  oder 
nur  schwach  angedeutet  ist,  dagegen  ist  bei  letzteren  häufig  der 
fadenförmig  verlängerte  Theil  der  ersten  Dorsalstrahlen  schwärzlich. 
Die  Dorsale  ist  überdies  noch  bei  beiden  Geschlechtern  ausnahmslos, 
die  Ventrale  sehr  häufig  grauschwarz,  nach  Bon  aparte  auch  orange- 
gelb gefleckt. 

Wir  erhielten  nur  ein  Exemplar  als  eine  große  Seltenheit  bei 
Malaga,  sechs  in  Santa  Cruz  de  Tenerife;  das  größte  derselben  ist 
etwas  mehr  als  15"  lang. 

V  u  1  g  ä r  n  a  m  e :  Carajo  real  (Tenerife). 

D.   15  (bei  Männchen)  —16  (bei  Weibchen);   A.  11—12;    V.  9; 

P.  12—13. 


732  steindach  ner. 

Gatt.  Scopelus  Cuv. 

221.  Art.  Scopelus  Humboldti  Risso. 

Ein  vortrefflich  erhaltenes,  ziemlich  großes  Exemplar  von  Gibral- 
tar, ein  zweites  von  Santa  Cruz  de  Tenerile. 

Gatt.  Alepidosaurus  LoAve. 

222.  Art.  Alepidosaurus  ferox  Lowe. 

Das  Museum  zu  Lissabon  besitzt  ein  Exemplar  dieser  seltenen 
Art,  welches  bei  Setubal  gefangen  wurde. 

Farn.  Salmoniclae. 

Gatt.  Argentina  Art. 

223.  Art.  Argentloa  sphyraeua  Lin. 
Syn.  Argentina  Cuvieri  Cuv.  Val. 

Die  Länge  des  Kopfes  ist  bei  Exemplaren  von  7 1/3  — 81/3"  Länge 
41/7 — 4i/4mal,  die  Leibeshöhe  etwas  mehr  als  71/3  —  7mal,  seltener 
8mal  (bei  jüngeren  Individuen)  in  der  Totallänge,  die  Schnauzen- 
länge circa  3mal,  die  Länge  des  Auges  etwas  mehr  oder  weniger  als 
3mal,  die  Stirnbreite  4  —  4»/5mal,  die  Kopfbreite  2V2  —  23/5mal, 
die  Kopfhöhe  etwas  mehr  als  2mal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Die  Kiefer  sind  zahnlos,  äußerst  zarte  Zähnchen  liegen  am  Vo- 
merund  auf  den  Gaumenbeinen,  ziemlich  große  Hackenzähne  in  einer 
Reihe  auf  der  Zunge,  und  zwar  am  vorderen  Randtheile  derselben. 
D.  10  (selten  9);  A.  11-12;  V.  10—11:  P.  14. 

Wir  erhielten  im  Jänner  186,^  fünfzehn  Exemplare  dieser  Art 
zu  Cadix. 

V u  1  g ä  r  n  a  m  e :  Pez  plata  (Cadix). 

Farn.  Scoinhrcsociclae. 

Gatt.  Belone  Cuv. 

224.  Art.  Belone  acus  Risso,  sive  rostrata  Faber. 

S  y  n.  Belone  vulgaris  Cuv.  Val. 

„       roatrata  poiitiva  Nor  dm. 

Valenciennes  und  manche  Iclilliydlugen  der  Neuzeit  legen 
ein  zu  großes  Gewicht  auf  das  Vorkommen  oder  aul"  den  Mangel  von 


Iclithyol.  Beriflit  iilier  eine  iiaeli  Spanien  ii.  Portugal  unternnmm.  Reise.      iöo 

Vomerzähnen  bei  den  Arten  des  Geschlechtes  Betone  und  trennen 
aus  diesem  einzigen  Gi'unde  Betone  acus  Risso  von  Betone  vulgaris, 
was  ganz  unrichtig  ist. 

Wir  untersuchten  eine  bedeutende  Anzahl  von  Exemplaren  aus 
dem  mittelländischen  und  adriatischen  Meere  und  finden  bei  nicht 
wenigen  Individuen  aus  Triest,  Marseille  und  Valencia  eine  ganz  be- 
trächtliche Zahl  von  Vomerzähnen  wie  bei  Betone  vulgaris,  während 
bei  vielen  Individuen  aus  denselben  Localitäten  die  Abnahme  und  das 
ailmälige  Verschwinden  der  Vomerzähne  sich  ganz  deutlich  nach- 
weisen läßt.  In  der  Regel  besitzen  ganz  junge  und  völlig  erwachsene 
Exemplare  keine  Vomerzähne,  bei  Exemplaren  mittlerer  Größe  ist 
die  Zahl  der  Vormerzähne  am  beträchtlichsten. 

In  allen  übrigen  Punkten  stimmen  Betone  vulgaris  und  B.  acus 
ganz  genau  mit  einander  ü])erein,  wie  schon  Valenciennes  in 
dem  18,  Bande  der  Hist.  nat.  des  Poissons  pag.  41  o  bemerkt.  („Du 
reste,  Tensemble  des  lormes  et  des  proportions  de  la  tete,  du  bec, 
du  tronc,  des  nageoires,  et  le  nombre  des  rayons  de  ces  dernieres,  sont 
tout-ä-fait  semblables  a  tout  ce  qua  nous  observons  dans  notrc 
espece  de  l'Ocean  etc.) 

Daß  die  Bezahnungweise  oder  die  Glätte  des  Gaumens  bei  Be- 
tone überhaupt  keinen  sicheren  Anhaltspunkt  zur  Unterscheidung  von 
Arten  gebe,  bestätigt  auch  die  Untersuchung  zahlreicher  Exemplare 
der  nachfolgend  beschriebenen  Art  Betone  gracilisljow  t'  von  Lissa- 
bon, Gibraltar  und  Cadix. 

Die  Länge  des  Kopfes  verhält  sich  zur  Körperlänge  bei  großen 
Exemplaren  von  19  \\  —  232/5"  Länge  wie  1  :  Ss/i,  —  Z'^j'z^,  bei 
jungen  von  81/a"  Länge  wie  1  :  23/4,  die  Länge  des  Auges  zur  Kopf- 
länge wie  1  :  2'/3  —  3.  Die  Zwischenkieferspitze  ist  um  1/0  Augen- 
länge von  der  Spitze  des  Unterkiefers  entfernt,  die  Stirnbreite  gleicht 
der  Augenlänge. 

Bei  einem  221/2"  langen  Exemplare  unserer  Sammlung  liegt  am 
Vomer  nur  mehr  ein  Zähnchen,  bei  2  eben  so  großen  Exemplaren  von 
Triest  und  Valencia  bilden  die  V^omerzähne  eine  schmale,  ovale 
Gruppe,  bei  einem  9"  lang«Mi  Individuum  von  Pommern  fehlen  die 
Vomerzähne  eben  so  vollständig  wie  bei  einem  81/3"  langen  Exem- 
plare von  Triest. 


734  stein  dacliner. 

Belone  acus  kommt  nicht  besoiulers  häufig  an  der  Ostküste  Spa- 
niens vor,  in  größerer  Anzahl  lischt  man  sie  zuweilen  an  der  Nord- 
und  Westküste  der  iherischen  Halbinsel. 

Vulgärnanie:  Agiija  (Cadix),  Agulha  (Lissabon),  Agulla  (Bar- 
celona). 

225.  Art.  Belone  gracilis  Lowe. 

Diese  fragliche  Art  kommt  an  der  Südküste  Spaniens  und  hei 
Lissabon  nicht  besonders  häufig  in  den  Wintermonaten  vor,  ist 
aber  sehr  gemein  an  der  Ostküste  Teneriles  in  den  Monaten  März 
und  April. 

Die  Länge  des  Kopfes  ist  bei  Belone  gracilis  L.  etwas  beträcht- 
licher als  bei  der  früher  erwähnten  Art  und  bei  Individuen  von  H'/e 
bis  26"  Länge  2«/7  —  2'*/-^  mal  in  der  Körperlänge  ohne  Caudale  ent- 
halten. Die  Länge  des  Auges  übertrifft  bei  jüngeren  Exemplaren  die 
Längenhälfte  des  hinter  dem  Auge  liegenden  Kopftheiles,  während 
sie  sich  bei  alten  Individuen  zu  letzterem  wie  1:2  —  21/4  verhält. 
Die  Stirnbreite  gleicht  der  Länge  des  Auges. 

Die  Spitze  des  Oberkiefers  ist  mindestens  um  die  Länge  eines 
Auges  von  der  des  Unterkiefers  entfernt.  Unter  12  Exemplaren  fehlen 
nur  einem  von  26"  Länge  die  Vomerzähne  vollständig,  bei  drei  sind 
sie  nur  in  sehr  geringer  Zahl  vorhanden,  bei  den  übrigen  bilden  sie 
eine  bald  breitere,  bald  schmälere  ovale  oder  dreieckige  Gruppe.  Be- 
züglich der  Länge  und  Stärke  der  Kieferzähne  finde  ich  nicht  den 
geringsten  Unterschied  zwischen  Belone  acus  und  gracilis,  eben  so 
wenig  in  der  Zahl  und  Länge  der  Flossenstrahlen. 

Vulgär name:  Agulha,  Aguja  (Lissabon,  Cadix,  Tenerife). 

Gatt.  Exocoetus  Art. 

226.  Art.  £iocoetus  evolans  Lin. 

Wir  erhielten  ein  Exemplar  dieser  Art  während  unseres  Aufent- 
haltes in  Taragona. 

227.  Art.   Exocoetus  volitaiis  Lin. 

Bei  zwei  vortrefflich  erhaltenen  Individuen  von  nahezu  15"  Länge 
ist  die  größte  Höhe  des  Rumpfes  SYsmal,  dieKopflänge  nahezu  48/5mal 
in   der  Körperlänge   (bis   zur  Basis  der  mittleren   Caudalstrahlen), 


(clithyol.  Bericht  iilipr  eine  nach  Spanien  n.  Portui^al  nnlernomni.  Reise.     7o.l 

die  Länge  des  Auges  Si/g  —  'S\'o  mal,  die  Stirnbreite  mit  Ausschluß» 
der  oberen  häutigen  Augendeeke  3  '/g  —  '^  'Amal,  die  Sehnauzenlänge 
etwas  -weniger  als  33/^ — 3</2mal,  die  Kopfhühe  Is/s-iiahezu  Si/^mal, 
die  größte  Kopfbreite  unbedeutend  weniger  als  2mal  in  der  Kopf- 
länge enthalten.  Die  Spitze  des  Unterkiefers  springt  nur  ganz  wenig 
über  den  vorderen  quergestellten  Rand  des  Zwischenkiefers  vor.  Die 
Rauhigkeiten  auf  der  Stirne  sind  sehr  stark  dendritisch  verzweigt. 

Die  Pectoralen  sind  31/4  —  SVämai  so  lang  wie  der  Kopf  und 
reichen  daher  noch  über  die  äußerste  Spitze  der  Ventralen  hinaus, 
welche  letztere  an  Länge  1 1/0  Kopflängen  gleichen. 

Die  Ventralen  sind  genau  in  der  Mitte  zwischen  dem  hinteren 
Augenrande  und  der  Basis  der  mittleren  Caudalstrahlen  eingelenkt, 
der  dritte  Ventralstrahl  erreicht  die  bedeutendste  Länge  und  ist  fast 
32/3mal  so  lang,  wie  der  erste.  Die  Dorsale  beginnt  um  32/3  Kopf- 
längen hinter  der  Spitze  des  Unterkiefers,  die  größte  Höhe  derselben 
am  dritten  Strahle  kommt  der  Hälfte  der  Kopflänge  gleich  oder  über- 
trifft die  halbe  Kopflänge  ein  wenig. 

Der  obere  Caudallappen,  von  der  Basis  des  vordersten  Stütz- 
strahles bis  zur  äußersten  Spitze  des  längsten  Strahles  gemessen,  ist 
eben  so  lang  oder  nur  wenig  kürzer  als  der  Kopf,  während  der 
untere  in  ähnlicher  Weise  gemessen,  sich  zur  Kopflänge  wie  1  :  1 1/0 
verliält. 

In  der  Dorsale  zähle  ich  13,  in  der  Anale  9,  in  der  Pectorale 
IS  Strahlen.  Der  untere  Rand  der  Pectorale  ist  stets  weißlicli.  der 
äußere  der  Ventrale  zuweilen  schwärzlich  gesäumt. 

Fundort:  Alicante. 

228.  Art.  Exocoetus  Rondeletii  Cuv.  Val. 

Wir  besitzen  ein  wohlerhaltenes,  93/4"  langes  Exemplar  von 
Malaga. 

Die  Kopflänge  ist  bei  demselben  etwas  mehr  als  43/4maI,  die 
Leibeshöhe  mehr  als  6mal  in  der  Körperlänge  ohne  Caudale,  die 
Augenlänge  circa  3mal,  die  Stirnbreite  23/4mal,  die  Schnauzenlänge 
circa  Si/omal,  die  Kopfhöhe  circa  li/gmal,  die  Kopfbreite  etwas  mehr 
als  Is/gmal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Die  Kiefer  reichen  mindestens  bei  jungen  Individuen  von  9 3/4" 
Länge  gleich  weit  nach  vorne. 


736  S  (  .'  i  II  .1  H  (•  li  II  e  r. 

Die  Peetorale  ist  .Ss/äinal  so  lang  wie  der  Kopl',  reicht  bis  zur 
Basis  der  mittleren  Caudalstrahlen  mit  ihrer  äußersten  Spitze  und 
ragt  mit  dieser  noch  um  eine  Augenlänge  über  die  äußerste  Spitze  der 
Ventralen  hinaus.  Die  Ventrale  ist  genau  in  der  Mitte  der  Körperlänge 
zwischen  dem  hinteren  Ko[»t'ende  und  der  Basis  der  mittleren  Caudal- 
strahlen eingelenkt  und  nicht  ganz  1  '/,mal  so  lang  wie  der  Kopf.  In 
der  Begel  ist  eine  der  Pecloralen  und  \'entralen  etwas  kürzer  als  die 
der  entgegengesetzten  Seite.  Der  dritte,  längste  Dorsalstrahl  ist 
etwas  mehr  als  2mal  in  der  Koptlänge  enthalten.  Der  untere  Caudal- 
lappen  ist  nicht  ganz  l'/gmal,  der  obere  etwas  mehr  als  Imal  so 
lang  wie  der  Kopf.  In  der  Dorsale  zähle  ich  11,  in  der  Anale  11 ,  in 
der  Peetorale  17,  in  der  Ventrale  6  Strahlen.  Der  hintere  Rand  der 
bläulichschwarzen  Brustflossen  ist  weiß  eingefaßt,  der  äußere  Theil 
der  Ventralen  dunkelgrau  angeflogen.  Circa  47 — 48  Schuppen  liegen 
zwischen  der  Pectoralachsel  und  der  Basis  der  mittleren  Caudal- 
strahlen (SO — 51  bei  Ex.  evolans). 

Eccocoeliis  evolans  und  E.  exiliens  kommen  nur  sehr  selten  an 
der  Ostküste  Spaniens  vor,  während  sie  an  den  Küsten  Siciliens  und 
selbst  im  Meerbusen  von  Triest  öfters  gefischt  werden. 


Fam.  riiipeidae. 

Gatt.  Clupea  Cuv.  Val. 

229.  Art.  Clapea  hiireiigos  Lin. 

Nach  Machado  kommt  der  Häriiig  an  der  Nordostküste  von 
Cadix  vcir  und  wird  Saboga  genannt;  meiner  Ansicht  nach  fehlt 
aber  Clupea  harengus  der  Süd-  und  Westküste  der  iberischen  Halb- 
insel gänzlicli  und  dürlte  sich  vielleicht  nur  an  der  Nordküste  zu- 
weilen vorfinden,  da  Valenciennes  erwähnt :  II  commence  ä  de- 
venir  tres-rare  dans  h»  golf  de  Gascogne.  Machado's  Clupea  ha- 
renguH  (Saboga)  dürlte  höchst  Wahrscheinlich  eine  Alansa  sein. 
Ich  selbst  sah  und  erhielt  \\  ährend  meines  Aufenthaltes  an  der  Nord-, 
Ost-  und  Südküste  Iberiens  (August  1804  bis  Februar  1865}  nicht 
ein  Exemplar  von  Clupea  harengun. 


Ichthyol.  Bericht  iilier  eine  nach  Spanien  u.  Poitiiga!  unternomin.  Meise.      /  «5  7 

Gatt.  Alausa  Cuv. 

230.  Art.  Alausa  vulgaris  Cuv.  Val. 

S  y  n.  Alausa  finta  C  u  v. 

„      communis  Yarr. 

Ich  untersuchte  mehrere  hundert  Exemplare  dieser  Art,  welche 
ich  in  Bilbao,  La  Coruna,  Vigo ,  Tug  (August  bis  October  1864), 
Fjissabon,  Constanzia  (November,  December  1864).  Cadi.\  (Jän- 
ner 1865),  Malaga,  Barcelona  (Juni  1864)  und  Sevilla  (Decem- 
ber 1864,  Jänner  1865)  erhielt. 

Bezüglich  der  Zahl  der  Rechenzähne  gebe  ich  nachfolgende 
Liste  mehrerer  Exemplare,  welche  zur  selben  Zeit,  an  derselben 
Localität  gefangen  wurden : 

a)  Exemplare  von  3"  10" — 7"  Länge  mit  einem  oder  mehreren 
schwarzen  Flecken  an  und  hinler  dem  Kiemendeckel  (von  Tuy 
am  Mino). 

Zahl  der  Zähne  am  ersten  Kiemenbogen  64,  61,  56,  53,  40,  39. 

b)  Exemplare  von  8"  —  O'/g"  Länge  mit  4 — 5  Flecken  hinter  dem 
Kiemendecke]  (von  Lissabon). 

Zahl  der  Zähne  am  ersten  Kimenbogen  39,  40. 

c)  Exemplare  von  11 '/a  — 13"  Länge  (von  Lissabon  und  Cadix). 

Zahl  der  Zähne  am  ersten  Kiemenbogen  41 — 42,  37. 
dj  Exemplare  von  15 — löVa"  Länge  mit  5 — 6  schwarzen  Flecken 
(aus  Mannheim). 

Zahl  der  Zähne  am  ersten  Kiemenbogen  45,  73. 

e)  Exemplare  von  Barcelona  mit  Flecken  hinter  dem  Kiemendeckel, 
Länge  11  Va". 

Zähne  am  ersten  Kiemenbogen  61. 

f)  Exemplare  von  Barcelona  mit  einem  Fleck  am  Schultergürtel, 
Totallänge  7 i/o". 

Rechenzähne  am  ersten  Kiemenbogen  38. 

g)  Exemplare  von  Palermo,  131/5"  lang,  mit  einem  schwarzen 
Schulterfleck. 

Rechenzähne  am  ersten  Kiemenbogen  46. 
Iij  Exemplare  von  Palermo  12*/ 5"  lang,  mit  mehreren  schwarzen 
Flecken. 

Rechenzähne  am  ersten  Kiemenbogen  46, 


738  Sf  e  i  n  d  iif  li  II  (' r.    Ichtliyologiscliei-   ftericlit  etc. 

i)  Zwei  Exemplare  vonConslanzia  aniTejo  (Portugal)  23 — 27i/a' 

lang,  mit  fast  ganz  erloschenem  Schultergiirteltleek. 

Rechenzäline  am  ersten  Kiemenbogen  139 — 141. 

Aus  dem  Gesagten  ergibt  sicli,  daß  die  Zahl  der  Rechenzähne 
sehr  variirt,  mit  dem  Alter  in  der  Regel  zunimmt  und  unabhängig 
ist  von  dem  Vorkommen  oder  Fehlen  der  Flecke  an  und  hinter  dem 
Schultergürtel;  auch  die  fjäiigc  der  Rechenzäline  steht  in  keinem 
Constanten  Zusammenhange  mit  der  Zahl  derselben,  erst  bei  ganz 
alten  Individuen  nimmt  die  Länge  der  Rechenzähne  bedeutend  zu. 

Alte  Individuen  nennt  man  Sabalo,  junge  Lacha,  Alacha  in 
Spanien,  in  Portugal  führen  sie  den  Vulgärnamen  Savelha  (juv.)  und 
Savel. 

231.  Art.  Alausa  pilchardas  Val. 
Syn.  Clupea  sardina  Cuv.,  Machado  (exe.  Syn.). 

Diese  Art  kommt  in  Unzahl  an  der  Nord-,  West-  und  Ostküste 
der  iberischen  Halbinsel  vor  und  reicht  nach  Süden  bis  zu  den 
Canaren.  Wir  sammelten  zahlreiche  Exemplare  bei  Rilbao,  LaCoruna, 
Vigo,  Lissabon  in  den  Monaten  August  bis  December  1864,  und  bei 
Santa  Cruz  de  Tenerife  (März,  April  186o).  Die  größten  Exemplare 
unserer  Sammlung  sind  Ti/o"  lang. 

Vulgärname:  Sitrdina  (Spanien),  Sardinha  (Portugal). 

Gatt.  Engraulis  Cuv. 
232.  Art.  Engraulis  eiicrasicliolus  Lin. 

Wir  besitzen  Exemplare  dieser  Art  von  Rilbao,  Gibraltar  und 
Malaga  (August  1864  bis  April  1865). 

Vulgärname:  Boqueron,  Anchova  (Galizien,  Andalusien), 
Anchova,  Enxova  (Portugal). 


SlciiKliJclmec.   Fisclic   S|i.'jMit'iis  und   rmluL'.il  s.  '  Vif). 

3. 

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Taf.  I. 


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Sleindachner.  Fische  S[,ai.ip..'s  ii.kI  rurlui;Bli.  I  VITi 


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Ed  KoiiojitHcy  n.cLIfa,t  ^ea  u  hth 


Silauna'sb.d.k  Akad.d.W.  rnath  naUirw.n.LVn.ßd.  l.Abth.lSfiß. 


Aas  d  kk.7{c£-^  Staat  adruc'kßrr 


Sli-in.iaclmer.  Fisclic  Snni.ieirs  u...)  i;.,in,in\\  I  VII 


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Ed  IfcnopiSky  n  d.lki  ^ez  u  hth 


Aus  d-k  k  Hof^  Staatadruckerei 


Sitzun^'sb.d.k  Akad.d  W.jfiaLh  nalurw.l'l.I.Vn  RH   I  Alith.lSßS. 


StpiTiilaclmer.  Fisrhp  S|,aniens  uiirl  Pari  uänli.  1  VTTi 


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■  KoTLopickjf  n  iHat  ^«z  u  h£k 


Sitzimg-sb.dk  Akad.dW.maLh  ualurw.n.LVIl  Bd.  I,  Aluli.  1868. 


Alis  d  l^küoi-u  StaolBdruckOTei 


Slr-iiidilrlinPl-.  Fisrhi-  Spaniens  iimi  i'urluü'nl  s.  I  \TI  i 


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Stein.lurhn«-.  Fis,-),e  Snaniens  und  F„rlu4n]'sJ\Ti 


it  Kcnopiay  n  iS»t  ^s=  u  lit>. 


Aus  d  "kk  Hoi^  Staatsdr acker. 


Silzung'sb.d.k  Akartd.W.math  naliirw.ClI,™  RH    1  Mth.lRIIH 


Ichthyol.  Bericht  »her  eine  nach  Spanien  u.  Portugal  uiiteriioinm.  Reise.     739 


Tafel  -  Erklär  ung. 


Tafel  I. 

Fig.  1.  Blennius  vulgaris  Poll.,  fem. 
„    2.         „  „        mas.,  juv. 

„    3.         „        pholis  Lin. 

Tafel  II. 

Fig.  1.  Labrud  liirdus  Lin.,  fem.,  var. 
„2.         „  „      Lin.,  mas.,  var. 

„    3.  Ammodytes  siciilus  S  w.  (?). 

Tafel  III. 
Fig.  i.   Crenilabrus  quitiquemaculatus  B\.,  mas,  var.  ^/^/vVm  R  i  s  s  o. 
„    2.   Cor is  Julis  Lin.,  mas,  var. 
,.3.       „       „  „      fem.,  var. 

Tafel  IV. 

Fig.  1.  Labrus  Douovani  C.  V.,  adult. 
„    2.  Solen  Cupellonis  Steind.  n.  sp.?  an  S.  Kleinii  ^\\\. 

Tafel  V. 
Solea  vulgaris,  var.  azevia. 

Tafel  VI. 

Fig.  1.   Aulopus  ßlumentosus  Bl.,  mas. 
„    2.  Saurus  griseus  Lowe,   adult.;    2a  Oberseite  des  Kopfes;  26  Kiefer- 
zähne. 


740  V.     Z  (■  p  h  II  r  ()  V  i  c  h. 


Mi  neral  o  (j  i  ,s  che     M  itth  eiln  n  g  e  n. 

III. 

Von   (lein  c.   W.   V.   Ritter  v.   Zcp  haro  vich. 


Barytocölestin  vom  Greiner  in  Tirol. 

Längst  bekannt  sind  der  Spargelstein,  der  Dolomit  und  Magne- 
sit aus  dem  Talkschiefer,  der  am  Greiner  Berge,  auf  beschränktem 
Flaume  in  einer  Höhe  von  6535  Fuß  unter  Gebirgssehutt  zwischen 
Chlorit-  und  Amphiholschiel'er  ansteht  •)•  l^ie  großblätterige,  mit- 
unter stängelig-  oder  schuppig-blätterige,  silberweiße  oder  hell  bläu- 
lich- bis  gelbgrüne  Talkmasse  umschließt  Individuen  von  Dolomit  und 
Magnesit  in  großer  Menge,  erstere  auch  in  ansehnlichen  Dimensionen; 
seltener  und  oft  erst  nach  tage-  bis  wochenlanger,  bergmännischer 
Arbeit  fand  man  mit  diesen  auch  die  Spargelstein  genannte  Apatit- 
Varietät.  Haidinger  erwähnte  zuerst,  daß  mit  den  rundlichen 
Massen  dieser  Minerale  auch  weißer  Cölestin  in  großen,  vollkommen 
spaltbaren    Individuen    erscheine  2);    Liebener    und    Vorhauser 


^)  .1.  Trinker,  Petrogr.  Erlüiiter.  z.geogn.  Karte  v. Tirol.  Innsbruck  1853,  S.  21. — 
Nach  A.  E.  Reuss  besteht  die  Hauptmasse  des  Greiner  (im  Zemmthale.  einem 
südwärts  erstreckten  Zweige  des  Zillerthales)  aus  Gneiss,  dessen  Schichten  gleich 
denen  der  untergeordneten  krystallinischen  Schiefer  nach  Nord  unter  70 — 80" 
einfallen;  der  Talkschiefer  erscheint  in  zwei  mächtigen  nach  oben  und  unten 
allmälig  sich  auskeilenden  Lagern,  die  von  Asbest,  Strahlstein,  Chlorit-  u.  Glimmer- 
schiefer schalenförmig  umgeben  werden.  (Geogn.  Beob.  auf  einer  Reise  durch 
Tirol  im  J.  1838,  in  Leonh.  u.  B  r.  Jahrb.  1840,  S.  137.) —  Einer  unlängst  von  L. 
L  ieb  en  er  erhaltenen  Millheihing  zufolge,  hat  man  nun  seit  mehr  als  zwanzig 
.fahren  den  Spargelstein  am  Greiner  nicht  mehr  angetroffen.  Ein  neues  Vorkommen, 
ganz  ähnlich  jenem  vom  Greiner,  Spargelslein  und  Dolomit  im  Talk,  wurde  erst 
im  verflossenen  Sommer  in  Pregratte«  aufgefunden. 

2)  Po  gg.  Ann.  63.  Bd.  1844,  S.  1.13;  Ber.  über  Mitth.  v.  Freunden  d.  Naturw.  in 
Wien.   3.  li.  1848.  S.  104. 


Miiicralof^ische   Mittheiluiif^tMi.    (III.)  741 

geben  ebenfalls  den  Cölestin  in  Irischem  oder  ganz  verwittertem  Zu- 
stande, als  Begleiter  des  Spargelsteines,  an  ')• 

Von  diesem  in  so  ungewöhnlicher  Gesellschaft  auftretenden 
«.Cölestin"  bewahrt  die  Mineraliensammlung  des  Joanneums  in  Graz 
eine  größere  Anzahl  von  Exemplaren,  welchen  das  für  die  Unter- 
suchungen erforderliche  Materiale,  mit  freundlicher  Gestattung  i\ei> 
Prof.  Dr.  S.  A ich  hörn,  entnommen  w^erden  konnte.  Über  ein  ana- 
loges Schaustück  der  Sammlungen  in  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt theilte  mir  Prof.  Dr.  K.  Peters  seine  Beobachtungen  mit, 
und  verdanke  ich  gleichfalls  Herrn  Hofrath  v.  H  a  i  d  i  n  g  e  r  ein  instruc- 
tives  Exemplar  dieses  Vorkommens  aus  seiner  Privatsammlung. 

Schon  die  ersten  Untersuchungen  ergaben,  daß  dieBezeiclinung 
des  Minerals  als  Cölestin  nicht  völlig  zutrelTend  sei ;  ein  hoher  Baryt- 
gehalt wurde  neben  Strontian  durch  Herrn  Prof.  J.  Gottlieb  im 
Spectralapparat  nachgewiesen;  auch  fand  ich  das  spec.  Gewicht 
für  Cölestin  zu  hoch.  Mit  großer  Sorgfalt,  durch  Herrn  Fr.  Ullik 
ausgeführte  Analysen  erwiesen  im  Einklänge  mit  den  übrigen  Be- 
stimmungen, daß  in  der  unveränderten  Substanz  eine  als  Baryto- 
cölestin  ^)  zu  bezeichnende  Mittelstufe  zwischen  Baryt  und  Cölestin 
vorliege,  und  daß  dieselbe  unter  zersetzenden  Einwirkungen  in  eine 
zellige  Masse,  die  vorwaltend  aus  Baryt  besteht,  verändert  wurde. 

Dolomit,  Apatit  und  Barytocölestin  erscheinen  im  Talk,  wo  sie 
nebeneinander  auftreten,  in  Gestalt  unregelmäßiger,  sphäroidischer 
oder  lenticulärer  Körner  und  ähnlicher  ansehnlicherer  Massen,  die 
bis  10  cm.  im  Durchmesser  erreiciien.  Solche  sind  am  Apatit  gewöhn- 
lich als  großkörnige  Aggregate  ausgebildet,  während  am  Dolomit 
und  Barytocölestin  Einheit  der  Spaltungsdurchgänge  auch  bei  grö- 
ßerer Ausdehnung  vorwaltet.  Meist  sind  die  einzelnen  Partien  der 
drei    zuerst   genannten   Minerale   durch    blättrigen  Talk  in  geringer 


')  Min.  Tirol's,  Innsbruck  1852,  S.  18  ii.71.  —  Zepharovich  min.  Lexicon  S.  117 
(hier  wurde  ein  Druckfehler:   eing-ewachsen  im  Kalk,  statt  im  Talk,  übersehen). 

^)  Das  von  Thomson  Barytocölestin  genannte  Mineral  von  Kingston  in  VVest-Canada. 
spec.  Gew.  =  392.  ist  nach  Hunt  reiner  Cölestin  (Dana,  Min.  369).  —  Über  den 
Barytocölestin  aus  dem  Binnenthale  in  Wallis  s.  v.  Waltershausen  in  Pogg. 
Ann.  94.  Bd.  1833,  S.  134,  Kenngott  Übers,  m.  Forsch.  18öö,  29.  18ö9,  32. 
33,  und  dessen  Min.  d.  Schweiz  1866,  331. — Barytocölestin  in  kleinen  spießigen 
Kryställchen,  sp.  Gew.  =  4-24  auf  Limonit,  fand  ßreithaupt  auf  der  Schaller 
Fundgrube  zu  .lockela  im  sächs.  Voigtlande  (Min.  Studien  1866,  20). 


7  -t  Ä  V.    Z  <'  p  h  a  r  o  V  i  c  h. 

Miichtigkeit  geschieden;  oft  ist  es  nur  eine  papierdünne  Talklamelle, 
die  sieh  trennend  einschieht,  während  an  anderen  Stellen  ein  un- 
mittelharer  Contact  stattfindet. 

Zunächst  den  Einschlüssen  sieht  man  häufig  an  der  umgehen- 
den Talkmasse  eine  stängelige  oder  faserige  Textur  deutlicher 
werden,  wohei  sie  gleichzeitig  eine  höhere  Härte  und  tiefer  grüne 
Farbe  annimmt;  allmälig  geht  derart  der  Talk  in  lauch-  oder  gelb- 
lichgrünen Asbest  über,  dessen  biegsame  Fasern  innig  mit  einander 
verwachsen  oder  leicht  trennbar  sind.  So  findet  man  die  in  Talk 
liegenden  Dolomit- und  Apatit-Individuen  häufig  zunächst  von  Asbest- 
lagen umhüllt,  die  ihnen  eine  striemige  Oberfläche  verleihen.  Splitter 
dieses  Asbestes  schmelzen  vor  dem  Löthrohre  unschwer  und  auf- 
schwellend zu  einer  grünen  Kugel;  die  Talkschüppchen  blättern  sich 
auf  und  sind  nicht  schmelzbar.  Der  erwähnte  allmälige  Übergang 
zwischen  Talk  und  Asbest,  welcher  sich  an  vielen  Exemplaren  nach- 
weisen läßt,  gestattet  —  übereinstimmend  mit  dem  von  anderen 
Localitäten  gewonnenen  Resultate  —  die  Annahme,  daß  auch  der 
Talk  am  Greiner  aus  einer  Amphibol-Varietät  entstanden  sei. 

Th.  Scheerer  analysirte  den  bekannten  großblätterigen,  kry- 
stallinischen,  sogenannten  edlen  Talk  von  lichtapfelgrüner  Farbe  aus 
Tirol,  und  fand  ihn  polymer-isomorph  mit  Amphibol  (R)*  Sis  zusam- 
mengesetzt; großblätteriger  Talk  vom  Greiner  gab  einen  Wasser- 
gehalt von  4-88  Pct. ,  der  jenem  des  analysirten  von  nicht  genauer 
bestimmtem  Fundorte  (4-73)  nahekommt  i). 

Am  St.  Gotthard  erscheint 'nach  Scheerer  großblätteriger, 
dann  strahligblätteriger  und  endlich  sehr  feinstrahliger  bis  faseriger 
Talk,  welche  durch  Übergänge  mit  einander  verbunden  sind  und  mit 
nadeiförmigem  Tremolith,  zuweilen  an  demselben  Exemplare  gefun- 
den werden;  auch  große  scharf  ausgebildete  Tremolitlikrystalle 
kommen  daselbst  vor;  sie  haben  alle  eine  der  obigen  Amphibol formel 
entsprechende  Zusammensetzung,  und  stellen  eine  Reihe  dar,  deren 
Glieder  sich  chemisch  vornehmlich  von  einander  durch  den  Gehalt 
an  Kalkerde  und  Wasser  unterscheiden,  der  erstere  im  großblätteri- 
gen Talk  (von  12-99  im  krystallisirten  Tremolith)  auf  0  gesunken,  der 


•)  Pogg.  Ann.  84.  Bd.  18ä7,  340.  — Ältere  Analysen  des  Greiner-Talkes  stammen  von 
K  ob  eil  ( Kästner'«  Arch.  12.  Bd.,  1827,  S.  48)  u.  Del  esse  (Bibl.  tiniv.  de 
Geneve  T.  49,   1844,   p.  175). 


Mineiiilog^ische   Mitfheilungeii    (III.)  743 

letztere  auf  4-9ö  gestiegen  'j.  „Es  bleibt  wohl  kein  Zweifel  übrig," 
sagt  G.  Bischof  -),  „daß  die  genannten  drei  Talkvarietäten  aus 
dem  Tremolith  hervorgegangen  sind.  Die  Kalksilicate  wurden  durch 
Magnesiasalze  größtentheils  in  Magnesiasilicate  umgewandelt;  ein 
Tlieil  davon  seheint  aber  zersetzt  worden  zu  sein,  wie  der  zwischen 
den  Talkblätterii  liegende  Quarz  und  Kalkspath  zeigt.  Da  letzterer 
Magnesiacarbonat  enthält,  so  scheint  ein  Theil  des  Magnesiasilicates, 
durch  Kohlensäure  zersetzt  worden  zu  sein." 

Asbest  und  andere  Amphibolvarietäten  sind  aus  dem  Talkschie- 
fer des  Greiner  schon  lange  gekannt,  ihre  Beziehungen  zum  Talk 
lassen  sich,  auch  wenn  derselbe  nicht  breitblätterig  entwickelt  ist, 
abgesehen  von  den  unverkennbaren  Übergängen,  aus  der  überein- 
stimmenden Aggregationsweise  ersehen;  manche  Talkstücke  zeigen 
ganz  das  parallel-  oder  ratlialstrahlige  Gefüge  des  Tremolith  s). 

Instructiv  für  die  zuletzt  erwähnten  Verhältnisse  ist  ein  altes 
Stück  vom  Greiner  aus  der  Krakauer  Universitätssammlung;  dieses 
zeigt  rundliche  Dolomitkörner,  ganz  gleich  jenen,  die  so  häufig  im 
Talk  liegen,  in  einer  Umgebung,  die  überall  als  äußerst  zartfaseriger 
licht  blaulichgrüner  Amianth  erscheint;  die  Fasern  desselben  sind 
mit  einander  innig  zu  papierdünnen  Lagen  verwachsen  und  ergeben 
derart  eine  Structur  die  stellenweise  an  manchen  Talkschiefer  erinnert. 

Sehr  häufig  findet  man  Einschlüsse  von  Talkschüppchen  in  den 
späthigen  Massen  des  Dolomit  *)  und  des  unzersetzten  Barytocölestin, 
entweder  einzeln  nach  den  Spaltrichtungen  eingelagert,  oder  nester- 
weise versammelt ,   ebenso   zuweilen  in  den  Spargelsteinkrystallen ; 


1)  A.  a.  0.  S.  353,  408.  —  Nach  K  e  nngo  1 1  (Min.  d.  Schweiz  201)  stammt  der  fein- 
faserige mit  Grammatit  vorkommende  Talk  wahrscheinlich  von  Campolongo  bei 
Dazio  grande  im  Tessin. 

2)  Chem.  Geologie   2.  Aufl.   2.  Bd.   678. 

3)  Nach  Trinker  (a.  o.  a.  0.)  vermißt  man  an  dem  zwischen  Chlorit-  und  Hornblende- 
Schiefer  anstehenden  talkigen  Gesteine  die  Merkmale  des  eigentlichen  Talkschiefers. 
„Es  ist  mehr  eine  dichte  großblätterige  mitunter  stängelige  Talkmasse  mit  schönem 
Perlmutterglanz  und  weißer  ins  Apfelgrüne  verlaufender  Farbe,  die  frei  von  aller 
Quarzbeimengung  ist.  Dieses  lagerförmige  Vorkommen  von  Talk  theilt  den 
Mineralreichthum  der  benachbarten  Schiefergesteine ;  hier  brechen  in  großer 
Menge  die  zierlichen  grasgrünen  Strahlsteine  (Grammatit)"  u.  s.  w. 

*)  Diese    Einschlüsse  wurden    schon   von   Breithaupt  (Parag.   S.    19)   angegeben. 
Auch  die  Magnesit  (Breunnerit)  Rhomboeder,  die  am  Greiner  in  gleicher  Weise  im 
Talk  vorkommen,  enthalten  Talkschüppchen  (Zeph.  miner.  Lex.  233.) 
Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  LVII.  Bd.  1.  Abth.  48 


744  V.      Z  e  p  h  a  r  o  V  i  c  h. 

in  den  körnigen  Aggregaten  des  letzteren  und  den  stängeligen  des 
Dolomit  sieht  niitn  die  einzelnen  Individuen  von  Lamellen  oder  Fasern 
des  Talk  umgeben. 

In  den  zelligen  Räumen  des  zerfressenen  Barytocölestin  sind  hie 
und  da  Talkschiippchen  zu  (luden;  sie  mögen  entweder  Einschlüsse 
in  der  compacten  Masse  gewesen,  oder  später  bei  der  Zersetzung 
derselben  von  den  umgebenden  Talklagen  eingeführt  worden  sein. 
Der  Barytocölestin,  den  man  oft  unmittelbar  oder  mit  Talk  umgeben 
an  Dolomit  oder  an  Spargelstein  angrenzen  sieht,  umschließt  zuweilen 
außer  Talkschuppen  auch  körnige  Aggregate  oder  einzelne  Körner 
von  Spargelstein,  die  selbst  wieder  von  Asbestfasern  umgeben  sind. 
Den  Spargelstein,  sowie  den  Barytocölestin  fand  ich  wieder  im  Dolo- 
mit als  Einschluß. 

Die  Bildung  der  vom  Talk  umgebenen  Minerale,  Dolomit,  Apatit 
und  Barytocölestin,  ist  demnach  wohl  als  eine  gleichzeitige  anzu- 
nehmen. Zumeist  erscheinen  sie  in  rundlichen  Massen,  wenn  bei  nach- 
barlichem Vorkommen  gegenseitige  Hinderung  in  der  freien  Entwick- 
lung stattfand.  Bei  isolirterem  Auftreten  im  Talk  trifft  man  den 
Apatit  ')>  häufiger  noch  den  Dolomit  in  Krystallen.  Die  Talk-Matrix 
dürfte  nach  den  früher  erwähnten,  freilich  nur  an  Handstücken  ge- 
machten Beobachtungen  in  ihrem  gegenwärtigen  mineralischen  Be- 
stände, jüngerer  Entstehung,  als  die  darin  eingebetteten  Minerale 
sein;  womit  das  Vorkommen  von  Talkschüppchen  im  Dolomit,  Apatit 
und  Barytocölestin  nicht  unvereinbar  ist,  da  auch  diese  eingeschloße- 
nen  Schüppchen  durch  Umwandlung  aus  Amphiholvarietäten  hervor- 
gegangen sein  können  2j. 


1)  Das  Min.-Cabinet  der  Prager  Univers,  hewalirl  ein  Apatit-I'risina  in  Talk  vom 
Greiner,  7  Cm.  hoch  und  4  Cm.  breit  (Nr.  1677  der  Aufstellung). 

')  Nach  Haidinger  enthaUen  die  in  grüncTn  ziemlich  festem  Talk  eingewachsenen 
Dolomit-Rhomhoeder  von  Großarl  in  Salzburg,  Asbestfäden  parallel  den  drei 
Richtungen  der  Polkanten  eingewachsen  (Min.  279). —  l{.  Blum  beschreibt  von 
Wildkreuzjoch  in  Pfitsch  eine  Pseudomorpliose  von  Talk  nach  Magnesitspath; 
parallel  den  Spaltflächen  des  letzleren  zeigt  sich  ein  talkähnliches  Mineral  theils 
in  sehr  dünnen  weißen  perlmutterglänzenden  Blätlchen,  theils  in  grünlich  weißen 
asbestähnlichen  Partien  eingelagert;  von  Magnesit  ist  stets  noch  mehr  weniger 
vorhanden.  (Pseudomorph.  2.  Nachtr.  47.  Bischof  ehem.  Geol.  2.  Bd.  824.) 
Worin  der  Magnesit  eingewachsen  ist,  wurde  nicht  angegeben,  es  wäre  möglich, 
daß  hier  keine  Pseudomorphose,  sondern  ein  Kinscliluß  der  umgebenden  Matrix 
vorliege. 


Minei-Hlogisehf    Mittheihingen    (IM.)  740 

Eine  noch  nnverändei-te  Platte  von  licht  lauchgriinem  Tremolith 
fand  ich  als  Einscluib  in  einem  Exemplare  späthigen  Dolomites  vom 
Greinei-  in  der  Mineraliensammlung  des  böhmischen  Museums. 

Stets  hat  die  in  der  letzten  Periode  eingetretene  Zersetzung 
des  Barytocölestin  peripherisch,  also  von  der  nur  stellenweise  feh- 
lenden Talk-  oder  Asbestumhüllung  aus,  begonnen.  Von  der  noch 
unveränderten,  ununterbrochenen  späthigen  Substanz  im  Innern 
mancher  ausgedehnterer  Barytocölestinpartien  läßt  sich  stufen- 
weise der  Übergang  bis  zur  Ausbildung  einer  zelligen  Masse 
in  der  äußeren  Zone  verfolgen.  Zuerst  erscheint  die  Oberfläche 
wie  angeäzt  in  unzählige  Minimalflächen  zertheilt,  die  nach  ver- 
schiedenen Richtungen  gleichzeitig  glänzen;  dann  stellt  sich  bei 
fortgesetzter  Wegführung  von  Theilchen  der  Substanz  Porosität, 
endlich  Zelligkeit  der  Masse  ein ,  die  gewöhnlich  gleichzeitig  an 
Glanz,  Pellucidität  und  Zusammenhalt  einbüßt. 

Die  dünnen  Wände  der  Zellen  haben  vorwaltend  die  drei  Rich- 
tungen der  Spaltbarkeit  des  Barytocölestin  —  wie  am  Baryt  und  am 
Cölestin  —  nach  ooP  und  oP;  die  Hohlräume,  die  durch  diesel- 
ben gebildet  werden,  erhalten  dann,  durch  die  mehr,  weniger  deut- 
lich hervortretenden  rhombischen  oder  rechtwinkeligen  Umrisse,  eine 
gewisse  Regelmäßigkeit.  Zuweilen  werden  die  zelligen  Partien  durch 
weiter  erstreckte  ebene  oder  wenig  gekrümmte  glatte  Flächen,  in  den 
Richtungen  der  Spaltbarkeit  durchzogen,  und  kann  man  von  solchen 
Spaltflächen  umschlossene  Formen,  deren  Inneres  in  hohem  Grade 
porös  ist,  gewinnen.  Die  Wände  der  Zellenräume  sind  auf  der  inneren 
Seite  (in  dem  zuletzt  erwähnten  Falle),  oder  beiderseits,  mit  zahl- 
reichen kleinen  vorragenden  Blättchen  oder  lanzettförmigen  Nadeln 
besetzt,  von  denen  sich  die  ersteren  unter  dem  Mikroskope  rhombisch 
oder  rectangulär,  oder  unregelmäßig  mit  angefressenen  Rändern  be- 
grenzt zeigen.  Der  Lichtreflex  von  den  unzähligen  kleinen  Flächen 
erzeugt  einen  nach  bestimmten  Richtungen  orientirten  schimmernden 
Glanz,  der  sich  länger  als  die  Pellucidität  an  der  zelligen  Masse  er- 
hielt; schließlich  erscheint  sie  matt,  kreide-  oder  schmutzigweiß, 
stellenweise  auch  gelblich  gefärbt  und  mehr  weniger  leicht  zerreib- 
lich.  An  einer  der  größeren  rundlichen  Massen  war  die  Zellig- 
keit an  3  cm.  tief  von  der  Oberfläche  aus,  stellenweise  aber 
aucli  noch  weiter  einwärts  zu  finden;  einzelne  unveränderte  Partien 
zeigten  sich  allseitig  von  der  zelligen  Substanz  umgeben. 

48" 


746  V.     Z  e  p  h  a  r  0  V  i  c  h. 

Der  miveräiidei'te  Barytorölestin  ist  graulicliweiß  iiiul  diu'ch- 
seheiiieiul,  von  Spaltkliil'ten  häutig-  (lurchsetzt. 

An  Spaltstiicken  fand  ich  als  Mittel  aus  24  nur  sehr  aproximativen 
Messungen  ooP  (M)  =  103  44'  die  einzelnen  Bestimmungen  zwi- 
schen 100  28  und  105°  32  liegend;  ooP:  oP  ergab  sich  aus  7 
Messungen  =  90°  32'  (87°  38'  —  94°  52');  die  sehr  unebenen 
rissigen  z.  Th.  auch  gekrümmten  Spaltflächen  reflectirten  in  keinem 
Falle  das  Fadenkreuz.  Der  erhaltene  Winkel  von  ooP  liegt  zwischen 
den  gleichnamigen  Winkeln  am  Baryt  und  Cölestin  (101°  40'  und 
104  2'),  mehr  dem  letzteren  genähert.  —  Das  specifische  Gewicht 
durch  fünf  Wägungen  =  4-133  beslimml  <)  liegt  näher  dem  Ge- 
wichte des  Cölestin  (3-962),  als  jenem  des  Baryt  (4-482). 

Die  von  Herrn  Franz  Ullik  im  Laboratorium  der  techni- 
schen Hoclischule  in  Graz  ausgeführten  Zerlegungen  von  graulich- 
weissen,  durchscheinenden  Spaltungsfragmenten  des  Barytocölestin 
ergaben    folgende   Zusammensetzung: 

Schwefelsaurer  Baryt 48-906 

Schwefelsaurer  Strontian  .    .    .    .  50091 

Schwefelsaurer  Kalk 0-639 

Thonerde  und  Eisenoxyd  ....  Ol  57 

Magnesia 0-101 

Kieselsäure Ol  90 

100084 

Durch  eine  Reihe  von  Versuchen  wurde  mit  voller  Sicherheit 
die  Abwesenheit  von  Wasser  nachgewiesen.  Der  Gehalt  an  den 
beiden  vorwaltenden  Bestandtheilen  würde  <ler Formel  3BaO.S03  -|- 
4SrO.S03  entsprechen, welche  48-79  Proc.  schwefelsauren  Baryt  und 
51.21  Proc.  schwefelsauren  Strontian  verlangt;  es  wird  sich  aber 
aus  dem  folgenden  ergeben,  daß  hier  nur  ein  (Jemenge,  nicht  eine 
ehemische  Verbindung  vorhanden  sei.  Das  für  die  obige  Formel  be- 
rechnete sp.  Gew.  =  4-185  ist,  mit  Rücksicht  auf  die,  ein  Procent 
betragenden  leichteren  Bestandtheile  des  Minerales,  in  guter  Über- 
einstimmung mit  dem  Ergebnisse  der  Wägungen  (4-133). 


1 


')  Die  Ergebnisse  der  einzelnen  Bestimmungen  sind  fulgeude:  aj  kleine  Stückehen 
im  Pyknometer  4096  u.  4092,  Mittel  =4-094,  bj  drei  größere  Stücke  am  Haare 
aufgehängt  41S2,  4190  u.  4177,  Mittel  =4-173. 


n. 

III. 

IV. 

85-092 

92-378 

94-320 

0-321 

0-421 

0-941 

13-287 

5057 

1-241 

0-0o9 

0-823 

0102 

.■Miiieriilogisctie   Ulittlieiliiiitjeu   (III.)  /4/ 

Von  den  zelligen  Partien,  die  sich  allniälig  aus  dem  compacten 
Barytocölestin  entwickeln,  wurden  vier,  äußerlich  etwas  differente 
Proben  durcli  Herrn  Ullik  analysirt,  die  bezüglich  der  wesentlichen 
Bestandtheile  folgende  Resultate   ergaben: 

1. 
Schwefelsaurer  Baryt     .    .     68-917 
Schwefelsaurer  Strontian    .       1-131 
Kohlensaurer  Strontian  .    .     27-257 
Kolilensaurer  Kalk      .    .    .       0-623 

I.  Kreideweiß  und  matt;  sehr  leicht  zerreiblich  und  dadurch  von 
den  beiden  folgenden  Proben  vornehmlich  abweichend;  mit  Salzsäure 
Übergossen,  ziemlich  lebhaft  und  lange  anhaltend  aufbrausend. 

II.  und  III.  Kreideweiß,  schimmernd  bis  matt,  an  den  Kanten 
nm*  wenig  durchscheinend,  zellig  mit  sehr  dünnen  Fachwerkswänden  ; 
spec.  Gew.  von  (II.)  =  4-315,  von  (III.)  =  4-422. 

IV.  Blaß,  röthlichgelb,  schwach  glänzend,  an  den  Kanten  durch- 
scheinend, daher  von  frischerem  Aussehen  als  die  früheren  Proben  ; 
am  wenigsten  leicht  zerreiblich;  spec.  Gew.  =  4-388. 

Aus  den  vorstehenden  Analysen  folgt  zunächst,  daß  die  zelligen 
Massen  wechselnde  Mengen  von  schwefelsaurem  Baryt  enthalten  und 
daß  dieser  sclijießlich  die  Substanz  vorwaltend  zusammensetze.  In 
umgekehrtem  Verhältnisse  zur  Menge  des  schwefelsauren  Barytes  ist 
kohlensaurer  Strontian  vorhanden ;  außerdem  sind  noch  mit  sehr  ge- 
ringem Antheile  schwefelsaurer  Strontian  und  kohlensaurer  Kalk 
vertreten.  Der  compacte  Barytocölestin  ist  demnach  allmälig  in  zelli- 
gen Baryt  übergegangen,  indem  der  schwefelsaure  Strontian  vorerst 
in  ein  Carbonat  umgewandelt  und  dieses  theils  gleichzeitig,  theils 
erst  nachträglich  in  Lösung  entfernt  wurde  i).  Wahrscheinlich  ist 
es  Strontianit,  dem  die  halbkugeligen  Aggregate  äußerst  feiner 
Nadeln,  welche  hin  und  wieder  in  den  Zellenräumen  erscheinen,  sich 
aber  ihrer  geringen  Dimensionen  wegen  einer  genaueren  Bestim- 
mung entziehen,  angehören. 


1)  In  anderen  Fällen  hingegen  nisitf  die  Ziinalinie  des  Barytgehaltes  in  verändertem 
Barytocölestin  oder  Cölestin.  bei  der  groljen  Löslichkeifs  -  Differenz  der  beiden 
Sulfate  gegenüber  reinem  Wasser  auf  einer  einfachen  Auslauguag  des  schwefel- 
sauren Strontians  beruhen. 


748  V.    Z  ep  li  a  ro  V  i  c  h. 

Es  ergibt  sich  aberausdem  vorliegenden  Materiale  ferner  das  Re- 
sultat, daß  —  nachdem  der  schwefelsaure  Baryt  als  krystallograpliisch- 
regelmäßiges  Facinverk  mit  drüsigen  Wänden  als  Rückstand  blieb  — 
unser  Barytocölestin,  wenn  auch  seine  Zusammensetzung  der  ein- 
fachen Formel  3ßaO.SOs  -f-  SrO.SOs  entspricht,  nicht  als  ehemische 
Verbindung  betrachtet  werden  könne.  Er  ist  ein  Gemenge  der  beiden 
isomorphen  Sulphate,  von  welchen  das  eine  in  einer  späteren  Periode 
chemisch  verändert  und  fortgefülirt,  das  andere  aber  cohärent  in 
Skeletform  zurückblieb.  Es  läßt  sich  annehmen,  daß  der  Barytocöle- 
stin vom  Binnenthale  in  Ober-Wallis,  dessen  Krystalle  sehr  wech- 
selnde Mengen  von  Baryt  undStrontian  enthalten  und  sich  bald  mehr 
den  Formen  des  Baryt,  bald  melir  jenen  des  Cölestin  anschließen, 
gleichfalls  ein  solcher  gemengter  Krystallabsatz  sei;  die  Form  in 
welcher  der  schwefelsaure  Baryt  nach  der  Behandlung  des  Minerales 
mit  Kochsalzlösung,  in  der  bekanntlich  schwefelsaurer  Strontian  lang- 
sam aber  vollständig  löslich  ist,  zurückbliebe,  würde  für  die  Ent- 
scheidung der   Frage  maßgebend  sein. 

Nach  H.  Rose  wird  schwefelsaurer  Strontian  durch  Lösungen 
von  einfach  oder  zweifach  kohlensauren  Alkalien  bei  gewöhnlicher 
Temperatur  vollständig  zersetzt  und  in  kohlensauren  Strontian  über- 
geführt, während  unter  gleichen  Umständen  auf  den  schwefelsauern 
Baryt  eine  Einwirkung  nicht  stattfindet.  ')  Es  geht  aber  aus  den 
Untersuchungen  Ul  1  i  k's  '•)  hervor,  daß  auch  Wasser,  welches  Kalk- 
bicarbonat  enthält,  den  schwefelsauren  Strontian  in  kohlensauren 
Strontian  —  wenn  auch  langsamer  als  dies  durcli  kohlensaure  Alka- 
lien geschieht  —  umzuwandeln  vermag.  Gewiß  ist  es  wahrschein- 
licher anzunehmen,  daß  diese  Veränderung  durch  die  so  allgemein 
vorkommenden  kalkbicarbonat  führenden  Wässer  bewirkt  wurde; 
besonders  in  diesem  Falle  wo  doch  eine  Zersetzung  des  Apatit  durch 
kohlensaure  Alkalien  enthaltende  Wässer  vorausgesetzt  werden 
müßte;  es  ist  in  letzter  Beziehung  wenigstens  bekannt,  daß  gepulver- 
ter phosphorsaurer  Kalk  beim  Kochen  in  Lösungen  von  kohlensauren 
Alkalien  angegriffen  wird.  Auch  über  das  gegenseitige  Verhallen 
dieser  Verbindungen  bei  gewöhnlicher  Temperatur  wurden  durch 
Herrn  Ullik  Versuche  eingeleitet. 


>)  Po  gg.   Annal.  95.  Bd.  ISS.*!,  S.  284  ii.  103. 
2)    S.  Akad.  Anzeiger  Nr.  XIII,  1868. 


Mineiiiloftisclie   MittlieilimKcii    flll.)  749 

Krfolgte  die  Umwandlimg  des  schwefelsauren  Strontiaiis  durch 
Wässer  mit  Kalkbicarbonat,  so  erklärt  sicli  auch  die  Anwesenheit  der 
geringen  und  wechselnden  Mengen  kohlensauren  Kalkes,  die  bei  den 
Analysen  I — IV  gefunden  wurden.  Zwei  von  diesen  Analysen  ergaben 
'ibrigens  einen  zu  hohen  Gehalt  von  Kalkcarbonat,  um  dasselbe  als 
Pesultat  derEinwirkung  von  kohlensauren  Alkalien  »)  auf  die  schwefel- 
saure Kalkerde  des  unveränderten  Barytocölestin  ansehen  zu  können. 
Die  in  letzterem  vorhandene  Menge  von  schwefelsaurem  Kalk  konnte, 
wie  die  in  Folge  der  Zersetzung  des  schwefelsauren  Strontians  gebil- 
dete, in   Lösung    durch   die  Wässer   weggeführt  worden  sein.    — 

Ol)er  die  den  Barytocölestin  begleitenden  Minerale  mögen  hier 
noch  einige  Beobachtungen  angeschlossen  werden.  Der  Dolomit 
erscheint  außer  in  den  späthigen  Massen  und  eingewachsenen  sehr 
verunstalteten  Rhomboedern,  auch  in  stängligen  Aggregaten,  die  an  die- 
sem Minerale  nicht  häufig  sind;  die  Bildung  ist  besonders  auffallend, 
wenn  an  die  geraden  langen  dünnen  Stängel  seitlich  aus-  und  ein- 
wärts gebogene  kürzere  Aste,  Federbart-ähnlich  sich  anschliessen; 
zwischen  den  Stängeln  bemerkt  man  hie  und  da  Asbestfäden  oder  fase- 
rige Talklamellen  und  dürfte  die  Interponirung  der  fremden  Substanz 
Veranlaßung  dieser  eigenthümlichen  Gestaltung  gewesen  sein.  Die 
Stängel  sind  zuweilen  von  körnigen  Dolomit-Aggregaten  umgeben, 
und  schließen  dieselben  ausnahmsweise  Körner  von  Spargelstein  ein. 

Die  Farbe  des  Dolomit  ist  graulichweiß,  röthlich-  oder  rauch - 
grau,  mit  verschiedenen  Graden  der  Pellucidität.  Die  theilweise  sehr 
ebenen  Spaltflächen  ließen  scharfe  Messungen  zu :  als  Mittel  aus 
zwölf  Bestimmungen  fand  ich  die  Polkante  von  /?  =  106°  15'  a), 
das   spec.  Gew.   =  2-90  ^). 

In  1-74   Gramm  des  Minerales  fand  Dr.  E.  Boi'icky  in  Prag 
CaO.COa.  •  .02-68  Proc.  und 
FeO.COo .  .  .    3-85      „      darnach 
wäre  der  Gehalt  an    MgO.CO, .  .  .43-47       ,.      und  das 

Mineral   CaO.CO,   -j-   MgCCOg,    übereinstimmend    mit   den    bereits 
vorliegenden   Analysen   von  Dolomitkrystallen   aus  Tirol  *). 


')  Siehe   H.   Rose  a.  a.  0.   S.  281». 

')  Grenzwerthe  der  Messungen  106°  10—106°  22'. 

8)  Mittel  von  drei  Bestimmungen  (2-891,  2-900.  2-909). 

*)  R  a  m  m  e  I  s  I)  e  r  g  .   Mineral.  Chem.  21 3. 


750  V.   Z  e  |)  li  !.  i<)  V  i  eil. 

Einige  Spaltstücke  zeigten,  die  zuerst  von  Haidinger  ')  am 
Greiner-Doloniit  heohachtete  regelmäßige  Zusammensetzung  nach  einer 
Fläche  des  2ß'  (von  79°  36'  Polkante),  die  vielfach  in  dünnen/ 
hemitropen  Lamellen  widerholt,  auf  zwei  henachbarten  ß-Flächen 
eine  Riefung  parallel  der  geneigten  (kürzeren)  Diagonale  der  Rhom- 
ben bewirkt,  während  eine  untere,  demselben  Mittelecke  angehörige 
Fläche  nach  der  horizontalen  Diagonale  gerieft  erscheint  2),  In  Folge 
dieser  wiederholten  Zwillingsbildung  sieht  man  in  dünnen,  gegen  das 
Licht  gehaltenen  Spaltplatten  eine  Reihe  von  der  Bracbydiagonale 
parallelen,  bandartigen,  grünen,  rothen  und  blauen  Streifen.  — Die  zum 
Theil  schon  erwähnten  Einschlüsse  im  Dolomit  sind:  Spargelstein, 
zelliger  Baryt,  TremoHth  und  Talk,  endlicli  seitensehr  kleine  bronze- 
farbig angelaufene  Pyrit-Hexaeder. 

Der  Breunnerit  (Magnesit  mit  höherem  Eisenoxydulge- 
halt) ist  seltener  als  der  Dolomit;  man  findet  ihn  ebenfalls  im 
Talk,  wie  den  letzteren,  zuweilen  mit  demselben  an  einem  Hand- 
stücke, und  dann  durch  gelbe  Färbung  ausgezeichnet.  Über  seine 
genetischen  Verhältnisse  gibt  das  mir  vorliegende  Materiale  keinen 
Aufschluß.  Aus  14  Messungen  an  Spaltstücken  ergab  sich  R  = 
107°  22'/2'3),  das  spec.  Gew.  =  3-17  *);  Talkschüppchen  erschei- 
nen als  Einschluß.  —  Analysen  von  in  gleicher  Weise  vorkommen- 
den Breunnerit-Rhomboedern  aus  Tirol  erwiesen  einen  Gehalt  von 
8  bis  16"/o  Eisenoxydul   5). 


')  Pog-g.  Ann.  63.  Bd.,  Iö44,  103.  —  Durch  ein  Versehen  l)ei  der  Construction  der 
Fig.  28,  Taf.  U  —  indem  die  eingeschaltete  Lamelle  statt  parallel  AD  (der  Pol- 
kante von  Ä),  parallel  AE  (der  Diagonale  der  Ä-Fläche)  gezeichnet  ist  —  wurde 
S.  155  der  Winkel  der  Hauptaxen  der  beiden  nach  y^R' .  vereinigten  Calcit-Indi- 
viduen  :=  90°  46'  angegeben,  während  er  (für  Ä  =  105°  5)  127°  29' 32"  ist; 
und  der  genannte  (90  46'  52  ")  der  Neiguni^  der  Hauptaxen  entspricht,  wenn  die 
Vereinigung  nach  R  erfolgte. 

2)  Da  eine  horizontale  Riefung  der  Flächen  auch  durch  dem  R  nach  Va^'  eingescho- 
bene Lamellen  hervorgebracht  wird ,  könnte  eine  Verwechslung  der  beiden  Fälle 
bei  oberflächlicher  Betrachtung  eintreten. 

3)  Grenzwerthe  der  Messungen  107°  21' — 107  26';  denselben  Winkel  fand  M  i  t- 
s  eher  lieh  an  Breunnerit-Krystallen  aus  dem  Pfitschfhale. 

*)  0'71  Grm.  im  Pyknometer.  Die  Stückchen  konnten  von  dem  anhängenden  Limonii 
nicht  ganz  gereinigt  werden. 

6)  Rainmelsberg,   Mineral.  Chem.  219. 


Mineralogisflie    ■VlittliiMluiigeii    (III).  751 

Kleine  Körnchen  oder  Plättchen  von  Magnetit  zeigen  sich  nicht 
selten  zwischen  den  Talkblätteni  oder  an  den  Grenzen  der  dariii- 
liegenden  Minerale. 

Es  ist  wohl  anzunehmen,  daß  der  Magnetit  aus  dem  Eisengehalte 
des  Amphibol,  bei  dessen  Umänderung  in  Talk  hervorgegangen  sei. 
Dagegen  kann  aber  dieser  metamorphe  Proceß,  der  nach  den  früher 
erwähnten  Umständen  manche  Wahrscheinlichkeit  für  sich  hat,  nicht 
in  Beziehung  gedacht  werden  zur  Entstehung  des  Harytocölestin, 
Apatit  und  Dolomit.  Diese  urspiünglich  von  einem  Amphibol-Gesteine 
umschlossenen  und  nach  ihren  paragenetischen  Verhältnissen  gleich- 
zeitig gebildeten  Minerale,  mußten  bereits  vorhanden  sein,  bevor  die 
>'eränderung  des  Amphibol  zu  Talk  begonnen  hatte  i)-  Nach 
G.  Bischof  wäre  es  wahrscheinlich,  daß  der  Dolomit  im  Talk  vom 
St.  Gotthard  durch  Zersetzung  des  Amphibol  mittelst  Kohlensäure 
entstanden  sei  (siehe  das  Citat  S.  4);  für  den  Greiner-Dolomit  dürfte 
aber,  nach  obigem,  jene  Ansicht  nicht  zulässig  sein,  denn  hier  ge- 
hört derselbe  in  gleicher  Weise  wie  der  Barytocölestin  und  der 
Apatit,  einer  von  der  Metamorphose  des  Amphibol  unabhängigen 
Formation  an.  Nach  den  Übereinstimmungen  des  Vorkommens  am 
wSt.  Gotthard  möchte  man  dieß  auch  für  den  dortigen  Dolomit  ver- 
muthen.  Nach  Kenngott  (Min.  d.  Schweiz  S.  200,  303,  355) 
stammen  von  den  Weilerstauden,  zwischen  Zumdorf  und  Hospenthal 
im  Urserenthal  am  St.  Gotthard,  krystallinisch-körnige, zuweilen  auch 
stängelige  Gemenge  von  weißem  bis  gelblichem  Dolomit,  gelbem  bis 
braunem  Magnesit  und  hellapfelgrünem,  blättrigen  bis  strahligen  und 
faserigen  Talk,  worin  spargelgrüne  undeutlich  ausgebildete  Apatit- 
Krystalle,  begleitet  von  kleinen,  in  Limonit  veränderten  Pyrit-Krystal- 
len,  eingewachsen  sind.  Diese  Gemenge,  deren  Schilderung  auch  auf 
unsere  Localität  bezogen  werden  könnte,  erscheinen  als  größere  Aus- 
scheidungen oder  erfüllen  Klüfte  im  Topfstein.  Analoges  zeigt   auch 


^)  Im  Hornblende-Gestein  eingewachsener  Apatit,  ist  bekannt  von  V'altigels  bei 
Sterzing  in  Tirol  (Lieb.  u.  Vorh.  Min.  Tir.  17),  von  Wollin  u.  Röschitz  in  Mähren 
(Kolenati,  Min.  Mähr.  21)  ii  a.  0.  Besonders  instriictiv  für  unsern  Fall  ist  das 
Vorkommen  bei  Kragerö,  wo  Hornblende-Granit  von  Amphibolit-Gängen  durch- 
setzt wird.  In  letzteren  sind  große  Apatit-Klumpen  in  strahlig-er  Hornblende 
eingebettet.  Die  Hornblende  wird  von  Asbest  begleitet,  welch'  letzterer  hie  und 
da  eine  topfsteinähnliche  Masse  enthält.  (Kjerulf  u.  Da  hl,  Jahrb.  f.  Min.  u.  s.  w. 
186'i,  373  und  ebend.  1861,  491). 


7o2  V.    Z  i' |)  li  !irn  V  i  c  li.    .\liiii'iM|iit;isclii'  Milthi'iliiiin;eii   (III.) 

eines  derGreiiier-Exemplare,  in  derl'raserUniversitäts-Sammlung  i): 
hlaßgrauer,  stäiigelig-hlätlerigerTalk,  welcher  größere  sphäroidische 
Körner  von  Spargelstein  und  Dolomit  umschließt  und  zunächst  densel- 
ben in  dunkelgrünen,  faserigen  Asbest  ühergeht,  ist  deutlich  nach  einer 
Fläche  Itegränzt  gegen  eine  lauchgrüne,  feinschuppige,  bis  dichte, 
undeutlich  schieferige  Masse,  welche  vorwaltend  aus  Talk  mit  beige- 
mengten Chloritschüppchen  bestehen  dürfte  -),  Der  Asbest  ist  stel- 
lenweise unmittelbar  an  der  Grenzfläche  zu  sehen  und  seine  Fasern 
stehen,  wie  die  feinen  Stängel  und  Blätter  des  Talkes,  senkrecht  auf 
derselben. 

Ein  ganz  gleiches  Stück  vom  Greiner  wurde  von  Volger,  un- 
ter Hinweisung  auf  die  zum  Verwechseln  ähnlichen  Vorkommen  aus 
dem  Urserenthale,  als  Talkglimmer- Gang  im  Topfstein,  geschildert  s) ; 
im  letzteren  fand  Volger  zahlreich  unregelmäßige  Dolomit-Körn- 
chen; diese,  so  wie  auch  die  im  Talk  liegenden  Rhomboeder  und 
rundlichen  Massen  von  Dolomit  und  Magnesit,  betrachtet  er  als  die 
Überreste  eines  ursprünglich  vorhandenen  Dolomit-  oder  Magnesit- 
Gesteines,  das  bis  auf  jene  noch  verschonten  Kerne  in  Talk  umgeän- 
dert wurde.  Gegen  diese  Annahme  dürften  sich  doch  beim  Rückblick 
auf  die  an  dem  uns  vorliegenden  Materiale  angestellten  Beobachtun- 
gen manche  Einwendungen  erheben  lassen;  daß  aber  solche  Beob- 
achtungen in  Sammlungen  allein  nicht  ausreichen  können,  um  in  so 
schwierigen  und  wichtigen  Fragen,  wie  sie  sich  unmittelbar  an  die 
Betrachtung  unseres  speciellen  Falles  knüpfen,  zu  entscheiden,  dürfte 
wohl  außer  Zweifel  sein  und  gewiß  auch  von  Volger  anerkannt 
werden. 


•)   Nr,  1676  der  Aufstellung. 

~)   Die  gepulverte  Masse,  mit  anfangs  erwärmter  coiieentrirter  Schwefelsäure  durch 

zwei  Tage  behandelt,  wurde   zum  Theile  zersetzt;    in  der  Lösung  fand  sich  viel 

Magnesia,  wenig  Thonerde  und  Eisenoxyd;   das  weiße  Pulver  enthielt  dunkelgrüne 

Schüppchen. 
■')    Entwicklungsgeschichte    der   .Mineralien    der   Talkglinimer-Familie,    Zürich    1855, 

S.  513  K. 


7:):i 


XI.  SITZUNG  VOM   23.  APHIL    1868. 


Herr  Dr.  A.  Weisbach,  k.  k.  Oberarzt  in  der  Josephs- 
Akademie,  übermittelt  eine  Abhandlung  über  „die  Schädellorm  der 
Rumänen". 

Herr  L.  v.  West  in  Hermannstadt  übersendet  eine  Abhand- 
lung: „Die  Autlösung  der  cubisehen  Gleichungen  durch  Wegscbaffung 
des  zweiten  und  dritten  Gliedes«. 

Herr  Prof.  Dr.  A.  v.  Waltenhofen  in  Prag  übersendet  einige 
Bemerkungen  bezüglieb  seiner  von  Herrn  Prof.  Pierre  in  der 
Sitzung  am  26.  März  besprochenen  Arbeit  über  den  Kravogel'schen 
Elektromotor. 

Der  Präsident,  Herr  Hofrath  Dr.  K.  Rokitansky  legt  zwei 
im  pathologisch-anatomischen  Institute  der  Wiener  Universität  aus- 
gel'ührte  Untersuchungen  vor,  und  zwar:  a)  „Über  Blasenbildung 
bei  einigen  Hautkrankheiten",  von  Herrn  Dr.  D.  Haight  aus  New 
York,  und  bj  „Über  die  Entwickeking  der  Epithelien  bei  chronischen 
Hautkrankheiten  und  dem  Epithelialcarcinom" ,  von  Herrn  Dr.  F- 
Pagen  Stecher  aus  Heidelberg. 

Herr  Prof.  Dr.  G.  Tscbermak  überreicht  eine  Abhandlung, 
betitelt:  „Optische  Untersuchung  der  Boraxkrystalle"  nebst  einer 
Abhandlung  des  Herrn  F.  Posepny:  „Über  concentrisch  scbalige 
Mineralbildungen  (Überrindungen)". 

Herr  Prof.  Dr.  K.  Peters  aus  Graz  übergibt  den  ILTheil  seiner 
für  die  Denkschriften  bestimmten  Abhandlung:  „Über  die  Wirbel- 
thierreste  von  Eibiswald  in  Steiermark". 

Herr  Prof.  Dr.  A.  Lieben  aus  Turin  theilt  eine  neue,  in  vielen 
Fällen  anwendbare  Methode  mit,  um  organische  Chlorverbindungen 
in  Jod  Verbindungen  zu  verwandeln". 

Herr  Dr.  J.  Neumann,  Privat-Docent  für  Hautkrankheiten  an 
der  k.  k.  Wiener  Universität,  legt  zwei  Al)handlungen  vor,  und  zwar: 


754 

u)  „Über  die  V^erbreitung  d»!r  orgaiiiscben  Muskelfasern  in  der  Haut 
des  Menseben",  und  b)  „Beitrag  zur  Anatomie  des  Liehen  exsiida- 
tiviis  ruber'*. 

An  Druckschriften  wurden  vorgelegt: 

Akademia,  Magyar  Tudomanyos :  Evkönyv.  XI,  4 — 8.  186ß  & 
1867;  4».  —  Pbilos.  türv.  es  tört.  Ertesitö.  V,  2—3.  1866  &: 
1867;  8o.  —  Matbem.  es  terni.  Ertesitu.  VI,  1  —  2.  1866;  8". 

—  Nyelvtudom.  Közlemenyek.  V,  1—2.  1866;  VI,  1.  1867.  8o. 

—  Arcbaeol.  Közlemenyek.  VI,  1—2;  VI,  1.  1866  &  1867; 
Folio.  —  Statiszt.  es  nemz.  Közlemenyek.  II,  1 — 2;  III,  1 — 2: 
IV,  1.  1866  &  1867:  8".  —  Matbem.  es  term.  Közlemenyek. 
IV.  8o.  —  Ä  magy.  ny.  Szutära.  IV,  1—4.  1866  «&  1867;  4". 

—  Jegyzökönyvei.  IV,  1 — 2.  1866;  kl.  8o.  —  A  magy.  tudom. 
Akad.  Ertesitöje.  1867,  1 — 17.  i>o.  —  Monumenta  Hungarine 
historica.  Scriptores.  X,  XIII,  XVI.  XVII,  XVIII.  1865—1867; 
8«.  —  Budapest!  Szemle.  XI— XXX.  füg.  1866—1967;  8o.  — 
Almanach.  1867;  kl.  8".  —  Czinar  Mör,  Index  alphubeticus 
codicis  diplomatici  Himyariae  G.  Fejeri.  Pest,  1866;  8».  — 
Toldy,  Ferencz,  Corpus  grammaticornm  linguae  hungaricue 
veterum.  Pest.  1866;  8".  A.  magy.  tudom.  Akad.  munkalödasa- 
irol.  1866-l)an,  Pest,  1867;  8».  —  Törtenettud.  Ertekezesek. 
I_VI.  sz.  1867.  8».  ^  Philosoph.  Ertekezesek.  I— IV.  sz. 
1867.  8«.  Törvenytud..  Ertekezesek.  I— II.  sz.  1867.  8".  — 
Nyelv.  es  szeptud.  Ertekezesek.  I.  sz.  1867;  8".  =  Matbem. 
Krtekezesek.  I.  sz.  1867;  8".  —  Termeszettud.  Ertekezesek. 
I — VII.  sz.  1867.  8".  —  Observutioties  meteorologicae.  Tomus 
I.  Pestini,  1S66  ;  4«.  —  Operationes  plasticae.  18  tnb.  inf'olio. 

Astronomische  Nachrichten.  Nr.  1688—1689.  Altona,  1868;  4«. 
Boccardo,  Gerolamo,  Fisica  del  globo.  Genova,  1868;  4». 
Cordenons,  Pascal,  Le  probleme  de  la  navigation  aerienne.  Verone. 

1868;  8o. 
Comptes  rendus  des  seances  de  rAcademie  des  Sciences.   Tome 

LXVI,  Nr.  14.  Paris,  1868;  4«. 
Cosmos.    3"   Serie.  XVIP  Annee,   Tome   II,    16"  Livraison.    Paris, 

1868;  8o. 
Denza,  Francesco,  Le  stelle  cadenti  del  periodi  di  Agosto  e  No- 

vembre  osservate  in  Piemonte  nel  1866  &  1867.  Torino,  1867; 


755 

kl.  80.   —   Sui  valori  delT  elettrieita  e  dell'  ozono  osservati  a 

Moncalieri  nel  tempo  de!  Cholera.  8». 
Fischer,   H.,    Chronologischer  Überblick   über  die  allniälige  Ein- 
führung der  Mikroskope  in  das  Studium  der  Mineralogie,  Petro- 

graphie  und  Paläontologie.  Freiburg  i.  ßr.,  1868;  8». 
Gewerbe  -  Verein  ,    n.  -  ö.  :    Verhandlungen    und    Mittheilungen. 

XXIX.  Jahrg.  Nr.  16.   Wien,  1868;  80. 
Hans  er,  J,,  Einzelne  Blätter  für  Theorie  und  Praxis  mit  technischer 

Tendenz.  Graz,  1868;  80. 
Landbote,  Der  steirische.  I.  Jahrgang,  Nr.  7.  Graz,  1868;  4«. 
Matteucci,  Carlo,   Sulla  teoria  fisica  dell' elettro-tono  dei  nervi. 

Firenze,  1868;  4o. 
Museum-Verein,  Siebenbürgischer:  Jahrbücher.  IV.  Bd.,  2.  Hft. 

Klausenburg,  1868;  4o. 
Reichs  forstverein,  österr. :  Monatschrift  für  Forstwesen.  XVIII. 

Band.  Jahrg.  1868,  März-  und  April-Heft.  Wien;  8«. 
Revue   des   cours   scientifiques  et  litteraires   de  la  France   et  de 

Tetranger.  V'  Annee,  Nr.  20.  Paris  &  Bruxelles,  1868;  4». 
Sn eilen  van  Vollenhoven,  S.  C.  Essai  d'une  faune  entomologi- 

que  de  l'Archipel  Indo-Neerlandais.    3'"*  monographie:  Familie 

des  Pentatomides.  1"  Partie.  La  Haye,  1868;  4o. 
Wiener  medizin.  Wochenschrift.  XVIII.  Jahrgang.   Nr.  32  —  33. 

Wien,  1868;  4o. 


756  Ret  eis. 


Zur  Kenntniß  der  WirheUliiere  uns  den  Miocenschichten  von 
Eihiswald  in  Steiermark. 

Von  dem  c.  M.  Prof.  Karl  F.  Peters  in  Graz. 

(Auszug'  iius  einer  in  den  Denkschriften  erseheinenden  Abhandlung.) 

II.  Amphicyon.  Viverra.  Hyotherium. 

Von  der  ersten  und  der  letztgenannten  Sippe  hat  Herr  Prof.  S  u  e  s  s 
in  seinem  Berichte  über  die  M  e  1 1  i  n  g'sche  Sammlung  im  Museum  der 
k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  ')  bedeutende  Reste  namliaft  gemacht. 
Ein  zu  denViverrinen  gehöriges  Thier  ist  durch  zwei  Unterkieferfrag- 
inente  im  .loanneum  vertreten,  wo  sich  auch  einige  Zähne  von 
Amphicyon  vorfanden  und  mehrere  wiclitige  Hyotheriumsresle  seit 
längerer  Zeit  aufbewahrt  werden.  Ebenda  befinden  sich  zwei  Rücken- 
wirbel, deren  eigenthümliche  Formen  und  Grüße  es  gestalten,  dass 
man  sie  dem  Amphicyon  zuweise.  Einige  zu  Hyotherium  gehürige 
Extremitätsknochen,  so  wie  auch  einige  Zähne  sind  im  Besitze  des 
Herrn  L  e  t  o  c  h  a  in  Wien. 

Alle  diese  Reste  wurden  mir  freundlichst  zur  Bearbeitung  anver- 
traut. Der  Liberalität  des  Herrn  Directors  Hürnes  verdanke  ich  es, 
dass  ich  mit  Benützung  der  reichen  Hilfsmittel  des  kaiserlichen  Hof- 
Mineraliencabinets  auch  diesen  zweiten  Theil  meiner  Abhandlung 
rasch  zum  Abschluss  bringen  konnte, 

Amphicyon  intermedins  H.   v.  Meyer. 

Ein  sehr  gut  erhallcncs  Stück  vom  Unterkiefer,  welches  den 
Eckzahn,  den  zweiten  bis  vierten  Prämolar-  und  den  charakteristischen 
Fleischzaiin  enthält,  und  drei  einzelne  Zähne,  worunter  der  erste 
Molar  des  Oberkiefers,  ermöglichen  die  Bestimmung  der  Species  und 
weisen  zunächst  auf  die  oben  genannte  hin.  die  allerdings  nicht  durch 
umfassende  Abbildungen,  wohl  aber  neuerlich  durch  die  von  Suess 


')    VcrhandliinKen  der  k.  k.  ^eolnj.;.  Iieich.snri.stidl    IStw.    S.  7. 


Zur  Keiintniß  der  VVirbeltliiere  aus  den  Miocänschichteii  etc.  toi 

beschriebenen  und  abgebildeten  Zähne  von  TuchoMc  in  Böhmen 
bekannt  wurde.  Diese  Verwandtschaft  ist  nicht  sowohl  durch  die 
(iröße,  in  der  die  Eibiswalder  Reste  hinter  der  kleineren  Varietät 
des  A.  major  von  Sansan  keineswegs  zurückbleiben,  als  vielmehr 
durch  gewisse  Eigenlhümlichkeiten  in  den  Nebenhöckern  beider 
großer  Backenzähne  ausgedrückt.  So  ist  der  äussere  Talonhöcker 
des  Unter  ki  efer-Fleisch  zah  US  an  den  Exemplaren  von  Eibis- 
wald  und  von  Tuchoric  relativ  höher  als  bei  A.  major.  Die  Usuren 
seiner  äusseren  Fläche  führen  zur  Bildung  einer  der  Höhenlinie 
des  Haupthöckers  entsprechenden  Kante,  die  bei  A.  Major  vermisst 
wird.  Der  innere  Basaiwulst  des  Oberkiefer-Fleiscbzahns 
ist  hinten  mehr  jäh  nach  abwärts  geschwungen;  der  vordere 
und  innere  Basaltuberkel  vom  Haupthügel  weniger  scharf  abge- 
schnürt, als  dieß  an  den  von  Blainville  abgebildeten  Resten  von 
Sansan  beobachtet  wird.  Gleichwohl  zeigen  die  Zähne  von  Eibis- 
wald  gegenüber  den  grellen  Formen  der  genannten  Molaren  von 
Tuchoi-ic,  die  für  mich  das  einzige  von  Herrn  v.  Meyer  als  A.  inter- 
medius  anerkannte  Vergleichsmateriale  bildeten,  mehrfache  An- 
näherung an  den  Typus  von  Sansan  und  deuten  so  gewissermaßen 
eine  Mittel vari etat  an  zwischen^,  major  und  A.  intermedius. 

Genaue  Abbildungen  der  Eibiswalder  Reste  werden  darüber 
Aufschluß  geben,  und  im  Stande  sein,  durch  Darstellung  der  über- 
raschend kleinen  und  stumpfen  Prämolaren  zur  genaueren  Auffassung 
der  Sippe  beizutragen,  namentlich  das  Unstatthafte  der  Herbeiziehung 
von  Kiefern  mit  zugespitzten  Prämolaren  (1  und  2)  zu  erweisen. 

Jene  zwei  Brustwirbel  können  einem  ursinen-  oder  subursinen- 
artigen  Thiere  angehört  haben.  In  Anbetracht,  daß  Blainville  die 
Amphicyonreste  von  Sansan  (Schädel,  Wirbel,  Röhrenknochen  u. 
s.  w.)  mit  vollem  Rechte  zu  seinen  Subursinen  (Nasiia,  Cercoleptes 
u.  s.  w.)  zog  und  kein  anderes  Thier  als  Amphicyon,  dem  man  der- 
gleichen Wirbel  zuschreiben  dürfte,  bei  Eibiswald  gefunden  wurde, 
kann  man  sich  erlauben,  sie  wirklich  auf  die  genannte  Sippe  zu 
beziehen  und  daraus  zu  folgern,  dass  Amphicyon  ein  Höhlenbewohner 
von  langgestreckter  Taille  war. 

Viverra  niioeenica  Peters. 

Überreste  eines  kleinen  Viverrinen,  namentlich  ein  sehr  gut 
erhaltener  Unterkiefer  mit  dem  Eckzahn,  mit  Prämolar  3  und  Molar  I 


Tbö  P  e  J  e  r  s. 

nöthigten  zur  Aufstellung  eines  neuen  Namens,  indem  sie  sich  mit  den 
nahe  verwandten  Formen  Viverra  zibethoides  Blainv.  (die  nichts 
weniger  als  ein  Amphicyon  sein  kann)  und  V.  s(uisanienis  Lartet 
nicht  vereinigen  ließen.  Der  Sippenname  will  selbstverständlich  nur 
den  Familiencharakter  und  die  nähere  Verwandtschaft  dieser  Reste 
mit  den  Zihethkatzen  als  mit  anderen  Viverrinen  ausdrücken.  Hier 
sei  nur  bemerkt,  dass  der  Stützpfeiler  an  der  inneren  Seite  des 
Molar  l  verhältnißmäßig  schwach  entN\  ickelt  und  daß  dieser  Zahn 
überliaupt  von  Främolar  3  nicht  sehr  autTallend  verschieden  ist. 
Molar  11  ist  an  einem  zweiten  Exemplar  nur  im  Umriss  erhalten. 

Hyotheriuni  Sömnieringi  li.  v.  Meyer. 

Was  Reste  von  Hyotherium  anbelangt,  so  ist  die  Braunkohle 
von  Eibiswald  wahrscheinlich  der  bedeutendste  Fundort.  Mit  Aus- 
nahme der  beiden  inneren  Oherkieferschneidezähne  ist  die  ganze 
Zahnreihe  beider  Kiefer  und  beider  Geschlechter  durch  ein  oder 
mehrere,  einander  trefflich  ergänzende  Exemplare  vertreten. 

Es  hielt  nicht  schwer,  die  Zahn  formet 

3(?)      J_      i_      A 
3    '     T'    T'     3" 

greifbar  nachzuweisen.  Auch  bei  den  Schneidezähnen  des  Ober- 
kiefers hat  3  die  grüßte  Wahrscheinlichkeit.  Hyotherium  steht  den 
Dicotylesarten  nicht  in  jeder  Beziehung  nahe.  Mit  den  bekannten 
herbivoren  Mahlzähnen  verbindet  es  schneidige  Prämolaren  und  eine 
den  Schweinen  der  alten  Welt  sehr  ähnliche  Schnauzenform. 

Bei  genauerer  Untersuchung  des  Materials  ergaben  sich  manche, 
für  die  Auffassung  der  Sippe  beachtenswerthenThatsachen,  namentlich 
die  beim  Weibchen  völlige,  beim  Männchen  nur  außen  vorkommende 
Spaltung  der  E  c  k  z  a  h  n  w  u  r  z  e  I  im  Oberkiefer ,  wodurch  der  (hin- 
sichtlich seiner  Krone  sehr  bescheiden  entwickelte)  Canin  gewisser- 
maßen zum  accessorischen  Prämolar  degradirt  wird.  Zwischen  den 
Caninen  des  Oberkiefers  und  den  Hauern  des  Unterkiefers  besteht 
demnach  ein  auffallender  Gegensatz. 

Unter  einer  Anzahl  von  Fußknoclien  ist  der  Metatarsus 
als  ein  von  unten  bis  mindestens  ins  obere  Drittheil  vollkommen 
gespaltener  Knochen  von  Interesse.  Auch  das  Seh  ien-Spr  u  ng- 
beingelenk  hat  manche  den  echten  Schweinen  zukommende 
Eigenschaften. 


Zur  Kenntniß  Her  Wirlioll liiere  ans  d.  .Miocansohichten  efo.  7t>0 

So  weit  der  Zahiihaii  v(ui  ffi/othen'ntti  Sömmeringi  in  Her 
Literatur  bekannt  ist,  zeigt  sich  daran  nichts,  was  an  den  Resten 
von  Eihiswald  nicht  wiedergefunden  würde.  Letzter»*  erlauben  es 
auch,  eine  nicht  geringe  Zahl  von  vereinzeil  heschriebenen  und 
benannten  Resten  mit  dieser  Art  zu  vereinigen,  so  B I  a  i  n  v  i  1 1  e's  San 
aiitetUhividwis  von  Orleans,  Sus  cJiaerofherinni  und  den  IVag- 
lichen  Chaeropotamus  von  Avaray  desselben  Autors,  Palaeochaci  us 
major  Pomel,  C/uierotherium  Sanscmiense  Lartet  inid  Chaeru- 
moriifi  mamillalus  Gervais.  Dagegen  scheint  es,i\aii>Pulaeochaeiiis 
typHH  Pomel  (parfi)  und  Hyofherinm  Meissneri  v.  Meyer  zu 
einer  zweiten  Art  zu  \ereinigen  seien  und  daß  Hyotherhitn 
(PalaeuchttentsJ  typus  Poniel  (pars;  Unterkieler}  für  sich  eine 
dritte,  Ifyof/ierinm  Ciivieri  {Anthracotherinmminuttuu  Cuvjer^ 
eine  vierte  Art  andeuten. 

Varietäten,  die  nach  einei-  oder  der  anderen  dieser  allzu  dürftig 
vertretenen  Formen  hinüberspielen,  gibt  es  auch  in  der  Kohle  von 
Eihiswald,  doch  keine,  die  sich  nicht  ungezwungen  mit  \\.  v.  .Meyer's 
H.  Sömmeringi  vereinigen  Messe. 


Sitzb.  rl.  iiiathem.-iiaturw.  Cl.  LVII.  Bd.  I.  Abth.  49 


760 


XII.  SITZUNG  VOM   30.   APRIL   18ß8. 


Der  Secretäi"  legt  die  so  eben  erscliieaene,  von  Herrn  Dr.  ,1.  R. 
Schiner  bearbeitete  Abtheilnng  „Diptera"  vom  zoologischen  Theile 
des  Novara-Reisewerkes  vor. 

Derselbe  legt  ferner  folgende  eingesendete  Abhandlungen  vor: 

„Über  Aesculin  und  Aesculetin"  von  Herrn  Prof.  Dr.  Fr.  Roch- 
leder in  Prag. 

„Über  einige  neue  Derivate  des  Thiosinnamins.  II.  Abhandlung : 
Einwirkung  von  Jod  auf  Thiosinnamin  (Thiosinnaniindijodiir)"  von 
Herrn  Prof.  Dr.  R.  iVlaly  in  Olmiil/.. 

„Reiträge  zur  KenntnifJ»  der  Structur  des  Knorpels'^  von  Herrn 
Dr.  N.  Rubnoff. 

„Directe  Releuchtungs-Construction  für  Flächen,  deren  zu  einer 
Axe  senkrechte  Schnitte  ähnliche  Ellipsen  sind",  von  Herrn  Prof. 
R.  Niemtschik  in  Graz. 

Herr  Prof.  E.  Suess  legt  den  Schluli  seiner  Abhandlung:  „Über 
die  Äquivalente  des  Rothliegenden  in  den  Siidalpen"  vor. 

Herr  Director  Dr.  J.  Stefan  überreicht  eine  Abhandlung:  „An- 
wendung der  Schwingungen  zusammengesetzter  Släbe  zur  Restim- 
mung  der  Schallgeschwindigkeit". 

Herr  Prof.  Dr.  C.  Freiherr  von  Ettingshausen  übergibt  eine 
Abhandlung:  „Die  fossile  Flora  der  älteren  Rraunkohlenformation  der 
Wetterau". 

Herr  Dr.  L.  Di tsch  einer  legt  eine  Abhandlung  vor:  „Über 
die  durch  planparallele  Krystallplatten  hervorgerufenen  Talbot'- 
schen  Interferenzstreifen". 

Herr  Dr.  Ew.  Hering,  k.  k.  Prof.  an  der  Josephs-Akademie, 
überreicht  eine  Abhandlung,  betitelt:  „Die  Selbststeuerung  der  Ath- 
mung  durch  den  Nervus  vngns". 


761 

An  Di'uekschrirteii  wunleif  vorgelegt: 

A II  n a  1  c  n  der  Chemie  unil  Pharmacie  von  W  ö  h  I  e  r,  L  i  e  b  i  g  &  K  o p  p. 
N.  H.  Band  LXX,  Heft  1  ;  Leipzig  &  Heidelberg,  1868;  8o. 

Astronomische  Nachrichten.  Nr.  1690.  Altena,  1868;  4«. 
Cosmos.   3*  Serie.   XVIP  Annee,    Tome  H,    17'  Livraison.    Paris 
1868;  8<'. 

Ünmeril  Aug.,  Description  de  diverses  nionstruosites  observees  a 
la  menagerie  des  re^iles  du  Museum  d'histoire  naturelle  sur 
les  Batraciens  urodeles  a  branchies  exterieures  dits  Axolotls.  — 
Prodrome  d'une  monographie  des  esturgeons  et  description  des 
especes  de  TAmerique  du  Nord  qui  appartiennent  au  sous-genre 
Antaceus.  4".  —  Nouvelles  observations  sur  les  Axolotls,  Ba- 
traciens urodeles  du  Mexique  ä  branchies  exterieures  etc. 
(Extr.  du  Bull,  de  la  8oc.  imp.  d'acclimatation.  Oct.  1867.)  8". 
—  Metamorphoses  des  Batraciens  urodeles  ä  branchies  exteri- 
eures du  Mexique  dits  Axolotls,  observees  ft  la  menagerie  des 
reptiles  du  Museum  d'histuii-e  naturelle.  8». 

Gesellschaft,  physical.-medicin.,  in  Würzburg:  Verhandlungen. 
Neue  Folge.  I.  Band,  1.  Heft.  Würzburg,  1868;  8". 

Gewerbe- Verein,  n.-ö.:  Verhandlungen  und  Mittheilungen.  XXIX. 
Jahrg.,  Nr,  17.  Wien,  1868;  8o. 

Jahrbuch,  Neues,  für  Pharmacie  und  verwandte  Fächer  von 
Vorwerk.  Band  XXIX,  Heft  3.  Speyer,  1868;  8». 

Leighton,  Jordan  Wm.,  A  Treatise  on  the  Action  of  vis  inertiae 
in  the  Ocean.  London,  1868;  8". 

Lieben,  Adolfo,  Sulla  costituzione  dei  Carburi  d'Idrogeno  C"  H'". 
(Estr.  dal  Giorn.  d.  Sc.  Natur,  ed  Econom.  Vol.  II.)  4o. 

Moniteur  sei  en  tifique.  272"  Livraison.  Tome  X%  Annee  1868. 
Paris;  4». 

Piccolo,  G.,  e  A.  Lieben,  Studj  sul  corpo  luteo  deJla  vacca.  (Estr. 
dal  Giorn.  d.  Sc.  Natur,  ed  Econom.  Vol.  H.)  Palermo,  1867;  4". 

Reise  der  österr.  Fregatte  Novara  um  die  Erde  etc.  Zoologischer 
Theil:  „Diptera",  bearbeitet  von  Dr.  J.  R.  Schi n er.  Wien, 
1868;  4o. 

Report  on  Epidemie  Cholera  in  the  Army  of  the  United  States  du- 
ring  the  Year  1866.  Washington,  1867;  4». 

Revue  des  cours  scientifiques  et  litteraires  de  la  France  et  de 
l'etranger.  V^4nnee,  Nr.  21.  Paris  &  Bruxelles,  1868;  4o. 

49* 


762 

Societe,    geologique  de  France:    Riilletiii,  II' Serie.    Tome  XXV, 

Feuilles  1—8.  Paris,  i8t>7-  1868;  8«. 
Verein    für   vaterländische   Naturkunde    in    Württeinbeig.   .lalires- 

het'te.  XXHI.  Jahrgang,  'i.  6:  3.  Helt.  Stuttgart,  1867;  S«. 
Wiener  Landwirthsehaftl.  Zeitung.  Jahrg.  1868,  Nr.  17.  Wien;  4». 
—   Medizin.   Wochenschrift.    XVIIl.  Jahrg.,    Nr.  34  —  35.    Wien, 

1868;  4o. 
Zeitschrift  für  Chemie  von   Bei  Istein,  Fittig  und   Hüb  n  er. 

XI.  Jahrg.  N.  F.  IV.  Bd.,  8.  Heft.  Leipzig,  1868;  8o. 


l'lnT  tilf  A({uiMileiile  des  Hotlilii't^t-iiilfii  in  den  Südalpen.  lud 


Über  die  Äquivalente  den  Rothliegenden  in  den  Südalpen. 
Von  dem  w.  M.  Ed.  Saess. 

(S  c  h  1  u  s  s.) 
(Mit   1   Tafel.) 

5.   Abschnitt. 
Das  Kohlenkalk-Gebirge.  -  Selzach.  —  Scofie.  —  Idria. 

Es  sind  bisher  hei  der  Aufsuchung  der  Unterlage  der  Trias  zu- 
erst die  etwa  in  Frage  kommenden  Bildungen  Süd-Tirol's  besprochen 
worden,  hierauf  weit  im  Nordosten  davon  jene  von  Turrach  in  Steier- 
mark, ich  liabe  sie  dann  längs  der  Linie  verfolgt,  welche,  im  Gail- 
thale  beginnend,  über  Nötsch  und,  nach  kurzer  Unterbrechung,  ül)er 
Waidisch  und  Kappel  durch  das  obere  Mißthal  nach  Schwarzen- 
bach  zieht,  und  habe  zum  Schlüsse  die  Kohlenformation  bei  Fiume 
und  jene  rein  nach  Südost  streichenden  erzreichen  Gebilde  von  Rüde 
und  Tergove  berührt,  welche  als  die  nördliche  Fortsetzung  des 
bosnischen  Gebirgssystemes  anzusehen  sind. 

Aber  auch  innerhalb  des  weiten  Bezirkes,  welcher  von  diesen 
Gebieten  nach  West,  Nord  und  Ost  umschlossen  wird,  nehmen  Abla- 
gerungen von  gleichem  Alter  Antheil  an  dem  Aufbaue  der  Alpen.  Dabei 
ändern  sich  einzelne  ihrer  Merkmale,  und  es  wird  noch  vieler  und 
mühevoller  Unternehmungen  bedürfen,  um  in  die  stratigraphische 
Gliederung  dieser  Berge  volle  Klarheit  zu  bringen. 

An  die  Linie  von  Casannaschiei'er.  welche  quer  durch  Kärnten 
zieht,  reiht  sich,  wie  früher  erwähnt  wurde,  eine  mächtige  Kette  von 
hohen  Bergen,  welche  vorhersehend  ans  Kohlenkalk  bestehen.  Im 
Westen  theilen  sie,  den  Antola,  Mto.  Paralba,  den  Plecken-Paß,  Hoch- 
trieb, Trohkofel  u.  A.  umfassend,  das  obere  Gailthal  (Lessachthal) 
von  dem  Quellgebiete  des  Tagliamento.  Weiter  im  Osten  bilden  sie 
insbesondere    den  wilden  Gebirgszug    der  Karawanken,    als    dessen 


764  S  u  e  s  s. 

Östlichste  Ausläufer  die  vereinzelten  Kohlenkalkvorkommnisse  in  Süd- 
Steiermark  (z.  B.  bei  Weitenstein)  aufzufassen  sind. 

Schon  im  Jahre  18bo  unterschieden  Foetterle  im  östlichen 
Gailthale  i)  und  Peters  in  den  Karawanken -)  in  übereinstimmender 
Wei^e  drei  Hauptglieder  der  Steinkoiilenformation;  sie  sind: 

a)  der  untere  Kohlenkalk,  im  Westen  zuweilen  von  krystalli- 
nischem  Aussehen; 

bj  Schiefer,  Sandsteine  und  Conglomerate ;  die  ersteren  ent- 
halten häufig  kleinere  Produeti,  Fenestellen  und  andere  Meeresver- 
steinerungen; auch  Spuren  von  Anthrazit  und  Landptlanzen  erschei- 
nen in  diesem  Gliede.  Peters  und  Lipoid  erwähnen  (z.  B.  bei 
Neumarktl  in  Krain)  dioritische  Massengesteine  in  demselben ; 

c)  der  obere  Kohlenkalk,  im  östlichen  Gailthale  sehr  häufig 
dolomitisch.  Nach  Peters  hängt  er  mit  dem  tieferen  Gliede  durch 
Wechsellagerung  zusammen  und  schwillt  im  Süden  der  Karawanken 
bis  zu  einer  Mächtigkeit  von  2000  —  2500'  an. 

Diese  Angaben  stimmen  ganz  und  gar  mit  dem  bereits  geschil- 
derten Profile  im  Vellachthale,  und  vergleicht  man  damit  die  genauen, 
aus  der  Gegend  von  Turrach  vorliegenden  Angaben,  so  zeigt  sich, 
daß  der  untere  Kohlenkalk  der  großen  unteren,  eisenführenden 
Kalkmasse,  das  zweite  Glied  dem  anthrazitführenden  Conglomerate 
und  unteren  Schiefer  von  der  Stangnock  bei  Turrach,  das  dritte  aber 
möglicherweise  den  Dolomitbänken  entspricht,  welche  nach  Pichler 
dem  unteren  Theile  des  oberen  Schiefers  eingeschaltet  sind.  Der  Kalk 
mit  Productus  giganteun  bei  Bleyberg  entspricht  dann  dem  oberen 
Theile  des  unteren  Kohlenkalkes. 

Obwohl  die  ursprünglichen  Aufnahmen  in  dem  äusserst  schwie- 
rigen Gebiete  südlich  vom  Mte.  Paralba  und  der  Plecken  nicht  den 
Nachweis  eines  Auftretens  von  Casannaschiefer  geliefert  haben, 
welches  etwa  als  ein  Gegentlügel  der  Vorkommnisse  im  Gailthale 
angesehen  werden  könnte,  unterliegt  es  doch  keinem  Zweifel,  daß 
derselbe  auch  dort,  und  zwar  gerade  an  jener  Stelle  vorhanden 
ist,    an    welcher    er    nach    der    hier   dargelegten    Anschauung  des 


')  Jülirl).  1835,  VI,  Verli.  S.  902;  das  Profil  von  Pontafel  ins  Gailthal  findet  sich  aus- 
fiilirlich  beschrieben  in  Hauer's  geol.  Diirclisehn.  d.  Alpen,  Sitziing^sber.  1857, 
XXV,   S.  71—7;}. 

'i)  Jahrb.  1836.    VII.   S.  (J30— 678, 


über  die  Aiiiiiviileiile  iles  Hotliliegeiuk'ii  in  ileii  büdaliieu.  76o 

Baues  des  Gailthales  zu  sucheu  wäre.  Wenn  es  nämlich  wahr  ist, 
wie  ich  hier,  allerdings  entgegen  den  Ansichten  sehr  erfahrener  Geo- 
logen, angenommen  hahe.  daß  im  Gailthale  der  Casannasciiiefer  auch 
dort  wo  er  einem  wahren  Glimmerschiefer  ähnlich  wird,  und  wo  er 
scheinhar  gegenNord  unter  Porphyr  und  Grödner  Sandstein  und  gegen 
Süd  unter  den  Kohlenkalk  fällt,  dennoch  nicht  als  ein  Streifen  alten 
Festlandes,  sondern  als  eine  nach  dem  Kolilenkalke  und  vor  dem 
rothen  Sandstein  gebildete  Ablagerung  anzusehen  ist,  —  dann  liat 
man  das  Kohlenkalkgehirge  als  die  ältere  Masse  anzusehen  und  trägt 
sich  sofort,  ob  denn  am  südlichen  Gehänge  desselben  ähnlicher 
Casannasciiiefer  auch  zwischen  Kohlenkalk  und  rothem  Sandstein 
erscheine. 

Er  erscheint  wirklich. 

Der  oben  angeführte  Fall,  welciier  in  der  Regel  als  Beweis  für 
das  hohe  Alter  des  Gailthaler  Glimmerschiefers  genannt  wird,  nämlich 
das  einseitige  Unterleufen  des  Kohlenkalkes,  tritt  nach  Stur's  An- 
gaben westlich  von  Mautlieu  im  oberen  Gailthale  ein.  M.  Paralba, 
M.  Collin,  M.  Croce  u.  A.  bilden  die  südlicii  folgende  gewaltige 
Kette  der  Kohlenturmation.  Von  Süden  her  schneidet  tief  zwischen 
diese  Berge  oberhalb  Rigolato  das  Val  Degana  ein  und  oberhalb 
Forni-Avoltri  zweigt  von  demselben  in  w  estlicher  Richtung  derAvanza- 
graben  ab,  in  welchem  die  alten  Falilerzbaue  von  Forni-Avoltri  liegen. 
Foetterle  hat  eine  Beschreibung  dieser  Stelle  verötTentliclit  '),  aus 
welcher  sich  das  Folgende  ergibt. 

Der  Avanzagraben  reicht  beinahe  bis  an  die  steilen  Abhänge 
des  M.  Paralba.  Sein  südliches  Gehäuge  besteht  aus  Triaskalk, 
Werfener  Schiefer,  dann  aus  Verrucano,  welcher  die  tiefsten  Stellen 
des  Grabens  bildet.  Gegen  Nord  folgt  nun  steil  aufgerichteter,  weißer 
Kohlenkalk:  „beinahe  in  der  Mitte  des  nördlichen  Gehänges  jedoch 
tritt  Glimmerschiefer  auf,  der  den  Verrucano  von  dem  Gailthalerkalk 
(Kohlenkalk)  trennt  und  gewaltsam  hervorgetrieben  wurde;  er 
zieht  sich  in  westüstliclier  Richtung  vom  Valle-Sesis  bis  in  den 
Bordagliagraben  und  wahrscheinlich  darüber  hinaus  nodi  weiter 
östlich." 

Das  Fahlerz  tuidet  sich  an  der  Grenze  von  Glimmerschiefer  und 
Kohlenkalk  und  war  im  Jahre  1861  bereits  in  einer  Streichungslänge 


')    .laliib.  1861  u.  62,   XII,   Verli.   S.  107. 


766  S  u  e  8  s. 

von  einer  halben  Meile  bekannt.  Es  wird  hienach  wohl  zugegeben 
werden  müssen,  daß  der  sogenannte  Glimmerschiefer,  welcher  nörd- 
lich vom  Kohlenkalke  im  Gailthale  wie  südlich  von  demselben  im 
Avanzagraben  stets  zwischen  dem  Kohlenkalk  einerseits  und  dem 
Verrucano  (»der  dem  Porphyr  andererseits  erscheint,  auch  hier  wirk- 
lich an  seiner  normalen  Stelle  sei,  daß  er  jünger  sei  als  der  Kohlen- 
kalk, daß  er  wirklich  allenthalben  die  ursprüngliche  Unterlage  des 
Verrucano  und  der  gleichalten  Bildungen  ausgemacht  habe,  welche  er 
überall  unmittelbar  unterteuft,  und  daß  die  Fahlerze  von  Forni-Avoltri 
identisch  seien  mit  den  Fahlerzvorkommnissen  im  Casannaschiefer 
Süd-Tirols. 

Gerade  in  Bezug  auf  die  Erze  von  Forni-Avoltri  ist  aber,  wie 
ich  aus  einem  kürzlich  erschienenen  Werke  Stoppani's  ersehe, 
wirklich  bereits  die  Muthmassung  ausgesprochen  worden,  daß  sie  von 
permischem  Alter  sein  dürften,  da  sie  zwischen  dem  Kohlenkalke  und 
dem  bunten  Sandstein  liegen  ')• 

Die  von  Herrn  Stur  erwähnten  Versteinerungen  vom  M.  Ca- 
nale  bei  Collina^)  (östlich  von  Forni  Avoltri,  zwischen  Rigolato  und 
dem  (iailthalej  sind  mir  freundlichst  zur  l'ntersuchung  anvertraut 
worden;  ich  fand: 

Orthoceras  s\tec.  (ÄhttVich   Orth.  ovale   Phill.    in    Murch.    Vern. 

Keys.  pl.  XXV,  Fig.  1). 
Lojjonemn  ignotum  Trautsc  hold  Cerith.  ignoratum  id.  Bull. 
Soc.  nat.  deMoscou,1867;  Sep.Abdr.  S.  43,  T.  V,  Fig.  9; 
(steht  ganz  nahe  Loxo)hrugifern?\\\\\.  und  unterscheidet 
sich  wohl  nur  durch  die  Grölte). 
Cardiuni  hibernicum  Sow. 
Spirif'er  glaber  Mart. 

„  spec,  sehr  nahe  Spir.  Mosqiiensis  Fisch,  doch  mit  mehr 
abgerundetem  Umrisse  und  wenig  entwickelter  Bucht,  etwa 
wie  Murch.  Vern.  Keys,  pl.  V,  Fig.  2,  f.  und  zu  Sp.  cras- 
SMsKon.  übergehend.  Von  dieser  Form  liegen  mehrere 
gleiche  Stücke  vor. 

Streptorhynchus  crenistria  Phill. 
Cyuthophylluni  pllcatum  G  o  1  d  f. 


1)   Note  ad  un  Corso  annuule  di  (ieologi»,  8",   Milaiio  1867.    II,   |».  389. 
^)   Jahrb.  1856,    VII,    S.  440. 


niier  die  Äquivalente  «les  Koüilieg-eiiiieii  in  den  Südalpen.  ^  0  < 

Das  Gestein  ist  ein  lichtgrauer  Kalk,  im  frischen  Bruche  von 
ganz  eigenthümhchem,  etwas  an  Speckstein  erinnerndem  Aussehen  und 
öfters  von  kleinen  Schwefelkiesen  durchschwärmt.  Die  Versteinerungen 
sind  meist  durch  ihre  Größe  ausgezeichnet.  Der  obere  Kuhlenkalk, 
dem  sie  zugezählt  werden,  wird  ohne  Zweifel  dereinst  unseren 
Paläontologen  noch  eine  reiche  und  mannigfaltige  Ausbeute  gewähren. 

Während  auf  diese  Weise  die  aus  Forni-Avoltri  bekannt  gewor- 
denen Beobachtungen  die  früheren  Angaben  in  Bezug  auf  den  Schie- 
ferzug des  Gailthales  einerseits  und  auf  die  erzführenden  Schiefer 
Süd-Tirols  andererseits  in  erwünschter  Weise  bestätigen,  bleibt  der 
Nachweis  der  Äquivalente  derselben  Schiefermasse  an  der  Südseite 
der  Kai-awanken,  also  des  ösflichen  Theiles  des  großen  Kohlenkalk- 
gebirges, mit  eigenthümlichen  Schwierigkeiten  verbunden. 

Gegen  das  weite  und  schöne  Becken  von  Laibach  hin,  welches 
gleichsam  den  Mittelpunkt  derGebirgstheile  bildet,  die  ich  jetzt  zu  be- 
sprechen habe,  ändern  sich  manche  Merkmale  der  einzelnen  Schichten- 
gruppen, während  glücklicherweise  andere  ihren  Charakter  unverändert 
beibehalten  und  dadurch  zu  Leitfaden  bei  der  Untersuchung  werden. 

Der  Grödener  Sandstein  vorerst  bleibt  sich  weit  und  breit  voll- 
kommen gleich,  mit  der  einzigen  Ausnahme,  daß  er  zuweilen  seine 
rothe  Färbung  verliert  und  als  ein  weißer  oder  gelblicher  Sandstein 
unter  dem  Werfener  Schiefer  erscheint. 

Außerordentlich  vielgestaltig  ist  dagegen  jenes  unmittelbar  unter 
dem  Grödener  Sandstein  folgende  Gebirgsglied,  welches  fast  alle 
bisher  erwähnten  Quecksilber-Vorkommnisse  umschließt.  In  Nallalta 
findet  sich ,  wie  wir  früher  saheu,  der  Zinnober  in  einem  Con- 
glomerat  mit  talkiger  Grundmasse,  auch  im  Talkschiefer  im  Hangenden 
des  Porphyrs  und  im  Porphyr  selbst.  Bei  Kerschdorf  trafen  wir  ihn 
in  einem  Kalkschiefer  mit  talkigen  Membranen  und  im  darunterlie- 
genden Thonglimmerschiefer,  in  der  Gegend  von  Turrach  im  grünen 
Schiefer  und  in  Kalk,  bei  Kappel  im  Vellachthale  endlich  in  einer 
grünen,  aphanitischen  Felsart,  welche  in  ihren  höchsten  Theilen  mit 
Serpentin  durchwachsen  ist.  Bei  aller  Verschiedenheit  des  Gesteins 
haben  aber  alle  diese  Quecksilbervorkommnisse  ihren  Horizont  über 
oder  in  dem  Casannaschiefer  und  unter  dem  Grödener  Sandstein  mit 
einander  gemein. 

Es  sind  zwei  Elemente,  welche  in  diesem  Horizonte  gebirg- 
bildend  auftreten,  und  zwar  auf  einer  Seite  die  eruptive  Felsart,  näm- 


768  S  [|  e  s  s. 

lic-li  ilci-  Porphyr,  und  aiil'  der  anderen  Seite  die  sedimentäre  Meeres- 
bildung,  nämlich  der  dünngeschichtete  Kalkstein.  Als  ein  Drittes 
schwankt  zwischen  diesen  beiden  jene  mannigfaltige  Gruppe  von 
grünen  Stoffen,  welche  bald  als  talkiger  Quarzit  und  Talkschiefer, 
bald  als  talkige  Schüppchen  auf  den  Ablösungen  des  Kalkes,  bald  als 
eine  mächtigere  und  derbere,  aphanitische,  schwarzgrüne  Masse  oder 
als  grüner  Schiefer  erscheinen.  Wenn  man  nun  bedenkt,  in  welch"  in- 
niger Verbindung  der  ältere  Porphyr  zu  den  Aphaniten  im  südwest- 
lichen Böhmen  <),  oder  der  zur  Triasl'ormation  gehörige  Porphyr  von 
Raibl  zu  den  weitverbreiteten  grünen  Tuffen  (den sogenannten  doleri- 
tischen  TutTen),  oder  die  trachytischen  Massen  des  Smrekouz  in 
Steiermark  zu  den  weit  gegen  Südost  sich  ausdehnenden  grünen 
Tuffmassen,  oder  einzelne  Basaltergüsse  im  Vicentinischen  zu  den 
gleichzeitigen  grünen,  glauconitischen  Meeres-Ablagerungen  stehen, 
möchte  man  fast  zu  der  Annahme  gelangen,  daß  im  Gebiete  des  Roth- 
liegenden der  Südalpen  sich  die  Porphyre  zu  diesen  grünen  Massen 
etwa  so  verhalten,  wie  Laven  zu  submarinen  Tuffen  s). 

Schon  wenig  südlich  von  der  Linie,  welche  die  Quecksilber- 
sehürfe  von  Kerschdorf  mit  den  östlicheren  bei  Zell  im  Winkel  und 
Kappel  in  Kärnten  verbindet,  im  Pototschnik  -  Graben  unter  dem 
Viganski-Vrh  (in  der  Nähe  des  Loibl-Passes),  liegt  der  Zinnober 
nach  Lipoid  in  Kalkstein.  Das  von  demselben  veröftentlichte  Profd  -) 
zeigt  unter  dem  (irödener  Sandstein  erst  Hangend-Kalk,  dann  etwas 
grauen  und  bräunlichen,  eisenschüssigen  Mergel  und  Kalkschie- 
fer, unter  diesem  den  zinnoberführenden  schwarzen  Kalk  mit  weißen 
Adern,  welcher  auf  einer  neuen  Schichte  von  dunklem  Mergel  und 
Kalkschiefer  ruht. 

Westlich  von  diesem  Punkte,  gegen  Kerschdorf  hin,  ist  am  Nord- 
gehänge des  Gebirges  von  Peters*)  südlich  von  Rosenthal  und  bei 
Maria-Elend  unmittelbar  unter  der  Trias  noch  eine  Lage  von  dunklem, 


«)    Li  dl,   Jahrb.  1855,    VI,   S.  417,   Fifj.  5. 

-)  Vgl.  Geinitz,  Dyas,  S.  168.  —  Fast  möchte  man  auch  ein  ähnliches  VerhäitiiiU 
zwischen  dem  Granit  und  den  verschiedenen  Abänderungen  des  Casannasehiefers 
vermuthen ;  man  nähert  sich  auf  diesem  Wege  einigermaßen  den  am  Taunus  von 
Lossen  vertretenen  Ansichten.  Zeitschr.  deutseh.  geol.  Ges.  XIX,  1867,  S.  509 
bis  700. 

3)   Hingenau's   Berg-  u.  Hüttenm.  Zeitschr.  1855,   III,   S.  364—366,  Tal'.  XII. 

*)   Jahrb.  1856,   VII,   S.  634,  648. 


über  Hie  A(iiiivaleii(e  des  Rotlilieg-fiidiüi  in  (U'ii  Siidalpeii.  7bt' 

(iünngeschichteteni  Kalk  ausgeschieden  worden ,  und  ich  werde 
diese  selbe  Gruppe  von  schwarzen  Kalkhänken  von  noch  viel  süd- 
licheren Punkten  zu  nennen  haben.  Gegen  Ost  aber  scheint  die 
kalkige  Entwicklung  wieder  zurückzutreten,  wie  dies  einerseits  die 
Art  des  Auftretens  im  Profile  an  derVellach  und  andererseits  das  Er- 
scheinen von  Porphyren  in  diesem  Horizonte  am  Südgehänge  im 
Ranker-  und  Feistritzthale  andeutet.  Den  letzteren  Punkt  habe  ich 
aufgesucht  und  daselbst  in  der  Tiefe  und  zu  beiden  Seiten  des  tief 
eingeschnittenen  Thaies  eine  ausgedehnte  Lagermasse  von  Porphyr 
gefunden,  welche  meist  in  der  Gestalt  von  schwarzen  Klippen  am 
Fuße  der  weißen  Kalksteinberge  hervorsticht.  An  mehreren  Stellen, 
z.  B.  am  Ausgange  des  Potokgrabens,  steht  über  derselben  der 
Werfener  Schiefer  an;  Grödener  Sandstein  sah  ich  nicht.  Viele 
Stücke  eines  grünen  Schiefers  scheinen  dem  Liegenden  des  Porphyrs 
anzugehören,  doch  konnte  ich  hierüber  ebenso  wenig  Sicherheit  er- 
halten, als  darüber,  ob  die  größeren  Massen  von  grünem  Schiefer, 
welclie  im  nahen  Cernagrahen  anstehen,  einem  so  hohen  Horizonte 
angehören  oder  nicht  i). 

Peters  hat  gezeigt,  wie  in  den  Karawanken  die  mittlere,  aus 
Schiefer,  Sandstein  und  Conglomeraten  gebildete  Stufe  der  Stein- 
kohlenformation mehr  und  mehr  an  Mächtigkeit  abnimmt,  während 
gleichzeitig  der  obere  Kohlenkalk  eine  außerordentliche  Entwicklung 
erreicht.  Aber  auch  der  höher  liegende  Casannaschiefer  scheint  hier 
gänzlich  zurückzutreten,  wenigstens  wird  er  an  jenen  Stellen,  an 
welchen  jüngere  Schichten  den  oberen  Kohlenkalk  bedecken,  noch 
nirgends  erwähnt.  Allerdings  wird  es  jedoch  noch  mancher  Prüfung 
der  Sachlage  bedürfen,  bevor  ein  Urtheil  möglich  ist,  denn  ich  sehe 
mich ,  wie  bereits  gesagt  wurde ,  genöthigt ,  die  Kalksteine  mit 
Muscheldurchschnitten,  welche  man  am  Storsic,  an  der  Koschutta 
und  an  mehreren  anderen  Punkten  bald  auf  oberem  Kohlenkalk,  bald 
auf  Kohlenschiefer  oder  Sandstein  angetroffen  und  für  Schollen  einer 
transgressiv  abgelagerten  Decke  von  Dachsteinkalk  gehalten  hat, 
nicht  diesem,  sondern  dem  oberen  Kohlenkalke  selbst  zuzuzählen. 
Hiedurch  fällt  zugleich  die  schwer  zu   begründende  Annahme  einer 


')  In  diesem  letzteren  wird  in  neuerer  Zeit  unter  sehr  eigenthünilielien  Verhältnissen 
auf  vier  ihn  durchziehende  Kaoliulager  gebaut.  Er  ruht  mit  scharfer  Grenze  auf 
sciiwarzem,  etwas  gefälteltem  Schiefer. 


7  I  0  S  II  e  s  s. 

solchen  Traiisgressiüii  des  Üaclisteiiikalkes  hiiiweg",  und  erscheint 
der  Casannaschiet'er  vielleicht  auf  einzelnen  Gehirgstlieileii  nur  darum 
nicht,  weil  überhaupt  nur  Lagen  von  größerem  Alter  daselbst  vor- 
handen sind.  An  einzelnen  Punkten  aber,  wo  nach  vorliegenden  An- 
gaben die  Triasdecke  vorhanden  ist.  muß  man  vorläufig  sein  Fehlen 
in  dieser  Gegend  oder  die  gänzliche  Vertretung  durch  Kalkstein  an- 
nehmen. 

Die  A(|uivaiente  des  Casannaschiel'ers,  welche  ich  im  Bereiche 
des  Laihacher  Beckens,  also  südlich  von  den  Karawanken,  kennen 
gelernt  habe,  sind  fast  ohne  Ausnahme  gewöhnliche,  zuweilen  mit 
flimmernden  Glimmerblättchen  bedeckte  Thonschiefer.  Mit  den  hier 
gänzlich  fehlenden  fjagermassen  von  Granitit,  Tonalit  und  Syenit- 
porphyr ist  auch  die  großflasrige,  zuweilen  sogar  gneißähnliche 
Structur  dieser  (resteine  verschwunden.  Dagegen  sind  die  Schiefei- 
der  Steinkohlenformation  unter  dem  oberen  Kohlenkalk  von  Selzach 
im  Westen  bis  über  Savine  bei  Sagor  im  Osten  hinaus  durcli 
die  sehr  häufige  Einschaltung  eines  grüngrauen  Feldspathgesteins 
ausgezeichnet,  welches  bald  in  zieuiiich  mächtigen  Lagermassen, 
bald  in  unzähligen  kaum  einen  halben  Zoll  dicken  Schichten  zw  ischen 
ihn  Schieferblättern  und  in  der  innigsten  Verbindung  mit  der  Masse 
des  Schiefers  selbst  auftritt.  Niemand  kann  hier  daran  zweifeln,  daß 
ein  großer  Theil  des  Materiides  der  stellenweise  rasch  zu  großei- 
Mächtigkeit  anschwellenden  Schiefer  submarinen  Auswürfen  zuzu- 
schreiben ist. 

Wenn  man  von  Auschische  an  der  Save  (zwischen  Krainburg 
und  Radmannsdorf)  in  siid^  estlicher  Richtung  nach  Selzach  an  der 
Zayer  geht'),  kreuzt  man  zuerst  ein  von  älteren  Tertiärschichten 
bedecktes  Gebiet,  in  welches  der  versteinerungsreiche  Graben  von 
Polschizza  eingeschnitten  ist.  Bei  dem  Dorfe  Routhe  sind  Spuren  von 
Werfener  Schiefer  sichtbar  und  weiterhin,  bei  Nju(;a,  taucht  grauer, 
ziemlich  fester,  gritTelartig  zerfallender  Schiefer  hervor,  welcher 
30  —  40°  NO.  und  NNO.  geneigt  ist;  in  seinem  höchsten  Theile  sind 
Spuren  von  schwarzem  Kalk  lose  auf  dem  Boden  sichtbar.  Ansteigend 
tritn  man  nun  dunkel  grüngrauen,  zuweilen  auch  weißen  und  im 
Talkschiefer  glänzenden  Schiefer,  steil  NNO.  geneigt;  einzelne  kleine 


*}   Custos    D  es  eil  III II II  n    :iuit  Laibacli  ist  JiitT  wii>  Im'I   ;iII*>ii  ineiiiei)  Arheiteii  in  KrHin 
mein  freundliclier  Uugleiter  gewesen. 


über  (lif  Äquivalente  des  Rothliejjeiideii  in  den  Siidalpen.  771 

Partien  sind  roth  wie  Werfener  Schiefer,  und  an  einer  Stelle  sieht 
man  viele  linsen-  oder  knotenförmige  Einlagerungen  von  grauem 
Kalk,  ein  umstand,  der  vielleicht  die  allmälige  Verdrängung  des 
Schiefers  durch  Kalkstein  in  den  Karawanken  andeutet.  Nachdem  der 
Schiefei-  durch  t-ine  längere  Strecke  angedauert,  setzt  der  Weg  liher 
ein  RilV  von  grauweiliem,  hröckelndeni  Dolomit  und  dolomitischem 
Kalkstein,  welches  steil  in  das  Nemichlethal  ahstiirzt  nml  sich  im 
Streichen  als  ein  felsiger  Zug  weit  über  die  Schiefer  hin  mit  dem 
Auge  verfolgen  läßt.  Dies  ist  der  ohere  Kohlenkalk  oder  der  hei 
Turrach  dem  oberen  Schiefer  eingelagerte  Dolomitzug;  er  mag 
einige  hundert  Fuß  mächtig  sein.  Sein  unmittelbares  Liegendes 
scheint  eine  dünne  Lage  von  schwarzem  Schiefer  zu  sein,  von  wel- 
chem viele  Spuren  hier  henierkbar  sind;  dann  folgt  eine  mächtige 
Lagermasse  eines  grünen  porphyrähnlichen  Feldspathgesteins,  welche 
als  eine  Reihe  von  kahlen,  gerundeten  und  hraungefärbten  Bergen 
hinter  den  weißen  Felsriften  des  oberen  Kohlenkalkes  hinstreicht. 
Bei  der  Stelle  ,,na  Stocich"  am  Nemichlebache  ist  sie  am  besten 
entblößt .  Ihre  Unterlage  bildet  eine  große  Masse  von  Schiefer, 
welcher  zum  größten  Theile  in  kleine  Flasern  zerfällt,  die  außen 
silberweiß  verwittern,  innen  aber  sch\\'arzgrau  sind.  Das  Dorf  Ne- 
niichle  steht  aul  solchem  Schiefer  und  weiterhin  schalten  sicli  dem- 
selben viele  Tausende  von  öfters  kaum  '/^  Zoll  starken  Lagen  von 
schalsteinähnlichem  Tuff  ein.  Größere  Schiefermassen  sind  zuweilen 
nach  allen  Richtungen  von  demselben  durchzogen,  als  wären  die 
Massen  des  Schiefers  und  jene  des  Tuffes  in  breiigem  Zustande 
durcheinander  gemengt  worden.  Die  Schichten  neigen  sicli  jetzt  all- 
mälig  NW. ,  so  daß  der  Weg  im  Streichen  geht  und  erst  am  Fuße 
des  Abfalles  gegen  das  Zayerthal  erscheint  unter  demselben  grüner 
Schiefer,  einein  Chloritschiefer  ähnlich.  Dieser  scheint  an  der  anderen 
Thalseite  mit  harten,  schvvarzgrünen  Gesteinen  in  Verbindung  zu 
stehen,  welche  an  den  sogenannten  Diorit  von  Bleiberg  erinnern, 
und  werden  von  dem  Quarzconglomerat,  Sandstein  und  schwarzen 
Schiefer  unterteuft,  welche  hier  wie  in  anderen  Theilen  der  Süd- 
alpen den  anthrazitführenden  Theil  der  Seinkohlenformation  ver- 
treten. 

Ich  habe  dieses  Profil  darum  angeführt,  weil  es  ein  auffallendes 
Beispiel  des  örtlichen  Anschwellens  der  Mächtigkeit  der  Schiefer 
unter  dem  Einfluße  eruptiver  Vorgänge  darstellt. 


772  Suess. 

In  diesem  weiten,  zum  gi'olkn  Theile  aus  älteren  Gebilden  be- 
stehenden Berglande,  das  den  westlichen  Saum  des  Laibacher 
IJeckens  bildet  und  bis  zum  Karst  fortsetzt,  ist  Quecksilber  an  meb- 
reren  Punkten,  und  zwar  in  demselben  Horizonte  angetroffen  worden, 
wie  in  Vairalta,  in  Kerschdorl'  u.  s.  f. 

Es  geht  dies  in  ganz  sicherer  Weise  schon  aus  Lipoids  Be- 
richt über  die  geologische  Aufnahme  von  Oberkrain  im  Jahre  18S6 
hervor  '),  dem  zu  Folge  nächst  St.  Thomas  bei  Laak  und  (etwas  süd- 
lich davon)  bei  St.  Oswald  im  Hraslenzagraben  Quecksilbererze 
vorkommen,  „welche  Nester  zwischen  den  Gailtlialer  und  Werfener 
Schichten  bilden".  In  diesem  Berichte  wird  nämlich,  entsprechend 
der  damals  üblichen  Bezeichnungsweise  der  Grijdener  Sandstein 
zu  den  Werfener  Schichten  gerechnet  (S.  213),  während  unter 
den  „Gailthaler  Schichten"  alle  unter  demselben  liegenden  Ablage- 
rungen begriffen  werden. 

Auch  viele  andere,  meist  kleinere  Erzvorkomninisse  sind  in  die- 
sem Gebiete  bekannt  und  haben  zahlreiche  Schürfungen  veranlaßt. 
Namentlich  sind  Kupfererze  häufig;  Lipoid  hat  viele  Stellen 
erwähnt  und  Herr  Berghauptmann  Trinker  in  Laibach  war  so 
freundlich,  mir  aus  diesem  Gebirgstheile  allein  die  Nachweisung  von 
nicht  weniger  als  3ö  Stellen  zu  geben,  an  welchen  auf  Kupfer  ge- 
muthet  wurde. 

Der  wichtigste  unter  den  im  Betriebe  befindlicben  Bauen  dürfte 
die  Kaisergrube  östlich  von  Kirchheim  sein  2).  Der  Bau  liegt  nahe 
unter  dem  Sattel  Podpletscham,  an  dessen  nördlichem  Gehänge;  man 
treibt  eben  einen  Gegenbau  von  der  Südseite  her. 

Unter  dem  tiefsten  Stollen  steht  schwarzer  Thonschlefer  an, 
in  welchem  sich  gegen  oben  eine  größere  Menge  von  schwarzen 
Kalkknauern  einstellt;  endlich  folgen  einige  Bänke  von  schwarzem 
Kalk  mit  weißen  Adern. 

Sie  werden  hier  als  „Liegendkalk"  bezeichnet  und  entsprechen 
dem  Hangendkalk  vom  Pototschnik  am  Loibl,  jenem  von  Maria-Elend 
im  östlichen  Gailthal  u.  s.  f.  —  Das  Hangende  bildet  der  Werfener- 
Schiefer  (im  strengeren  Sinne);  der  Bau  bewegt  sich  bauptsäch- 
lich  in   einer   tieferen  Masse    von    taubem  Lagerschiefer  und  einer 


')   .lahrb.  1807,  VIM,   S.  212;   Verh.   S.  385. 

-)   Hr.  Obersteiger  Coiiraetz   ist  daselbst  mein  P'iilirer  gewesen. 


über  äie  Äquiviilentn  des  Rolhlie^enden  in  den  Siidalpen.  7^3 

höheren  Gruppe,  welche  eine  nach  allen  Richtungen  von  Malachit, 
seltener  von  Kupferlasur  durchzogene  Bank  von  weißem  Qnarzsand- 
stein  umfaßt,  ilie  als  der  Vertreter  des  ürödener  Sandsteins  anzu- 
sehen ist,  während  der  taube  Lagerschiefer  dem  Gesteine  wie  der 
Lagerung  nach  jenem  Schiefer  ähnlich  ist,  welcher  hei  Rüde  in  Croa- 
tien,  zwischen  dem  Grödener  Sandstein  und  dem  Conglomerat  des 
Verruca no  liegt. 

Unmittelbar  unter  dem  Werfener  Schiefer  zeigt  sich  oft  im 
Hangenden  noch  eine  Bank  von  losem  lichtem  Quarzsand.  Über  dem 
Werfener  Schiefer  folgen  verschiedene  Glieder  der  Trias,  welche  den 
(lipfel  des  Scofie-Vrh  bilden  '). 

Das  Vorkommen  von  Buntkupfer,  Kupferkies  und  Malachit  am 
Fodplelscliam  liegt  somit  im  Gebi«'te  des  Grödener  Sandsteines. 
Höchst  aulTallender  Weise  keilt  es  sich  in  der  Richtung  des  Strei- 
chens aus,  indem  mehr  und  mehr  Bleierze  an  seine  Stelle  treten, 
und  in  dem  erwähnten  Gegenbaue  am  südlichen  Gehänge  des  Sattels 
werden  nicht  Kupfer-  sondern  nur  Bleierze  gewonnen.  —  An  dem 
Abhänge  des  Podpletscham  gegen  das  Savodenthal ,  in  diesem  Thale 
selbst  und  an  vielen  anderen  Punkten  ist  der  rothe  Grödener  Sand- 
stein in  großer  Ausdehnung  aufgeschlossen;  er  enthält  da  und  dort 
rothe,  thonige  Zwischenlagen,  welche  dem  Werfener  Schiefer  ähnlich 
sehen. 

Wenige  Stunden  südlich  vom  Scofie-Vrh  und  Podpletscham 
befindet  sich  der  Quecksilberbau  von  Idria.  Es  sind  im  Laufe 
der  letzten  Jahre  verschiedene  Ansichten  über  dieses  berühmte 
Vorkommen  geäußert  worden.  Im  Jahre  1854  wurde  es  ziemlich 
ausführlich  von  Huyot  beschrieben,  der  jedoch  die  Frage  offen 
ließ,  ob  man  es  der  Trias  oder  der  Steinkohlenformation  zuzu- 
zählen habe  2).  Im  Jahre  1856  sah  Lipoids)  die  Quecksilber- 
erze von  Idria  als  ein,  wahrscheinlich  dem  Gailthaler- Schiefer 
angehöriges  Stockwerk  an,  welches  gegen  NO.  geneigt  sei  und 
dessen  Längenausdehnung  seine  Mächtigkeit  bei  weitem  übertreffe. 
Tschebull,    welcher    kürzlich    eine    sehr    ausführliche    Beschrei- 


IJ   stur   hat  schon    im  J.    1858   mit   Recht  vertnuthet,   daß   dieser  Gipfel    der  Prias 

zufalle.    .Jahrb.  IX,   S.  334. 
~)   Ann.  des  .Mines,  V.  ser.  V,   p.  7  — 13. 
3j  Jahrb.  VIII.   S.  2ri,  383.   Zeitsohr.  d.  deutsch,  geol.  Cesellseh.  1856,   VIM,  S.  320. 


774  S  M  e  s  *. 

biing  lies  Bergbaues  veröffentlicht  hat  '),  stellt  es  dagegen  als  Lager 
dar,  wobei  jedoch  in  Folge  einer  wellentonnigen  Biegung  ein  Theil 
der  gesammten  Lagermasse  na(;li  NO.,  der  andere  nach  SW.  geneigt 
sei.  In  dieser  verdienstvollen  Schritt  wird  das  Krzvorkoninien  den 
Werfener  Schichten  zugerechnet,  weil  luaii  in»  Sumpfe  des  ISO  Klafter 
liefen  Franciscischachtes,  so  wie  in  jenem  des  122  Klafter  tiefen 
Barbara-Schachtes  blutroth  und  grün  gefärbte  Schiefer  mit  bezeich- 
nenden V^ersteinerungen  gefunden  haben  soll.  IMan  hat  mir  diese 
Stücke  in  Idria  gezeigt;  es  sind  sehr  rohe  Kerne  irgend  einer  läng- 
lichen Bivalve  (etwa  einer  größeren  Anthracosia?),  größer  als  sie  im 
Werfener  Schiefer  gefunden  werden  und  nach  meiner  Meinung  nicht 
zu  irgend  einer  Altersbestimmung  in  diesem  Falle  verwendbar;  sie 
sind  in  einem  rothen,  etwas  glimmerigen  Gestein  enthalten,  wie  man 
es  in  verschiedenen  Schichten  und  .sogar  in  den  Schiefern  der  Stein- 
kohlenformalion  ausnahmsw  eise  antriffi  -). 

Die  wenigen  Tage,  w  elehe  ich  luiler  der  Führung  des  damaligen 
Leiters,  Herrn  Bergrath  v.  Helmreichen,  und  des.  Herrn  Tsche- 
bull  in  Idria  zugeliracht  haben,  holen  mir  in  Bezug  auf  das  Alter 
dieser  Quecksilbererze  einige  Besullale ,  welche  ich  n\itlheilen  will, 
ohne  den  eingehenden  stratigraphischen  Studien  vorzugreifen,  welche 
eben  in  Idria  begonnen  werden. 

An  der  rechten  Seite  der  Idriza  steht  in  der  Thalsohle,  nahe 
am  Ausgange  des  Kothen-  und  Scounzegrabens  als  tiefstes  Glied 
etwas  grauschwarzer,  ziemlich  dünngeschichteter  Kalkstein  an  (der 
Liegendkalk  von  Podpletscham  ,  Hangendkalk  vom  Pototschnik  am 
Loibl);  über  demselben  ist  eine  kurze  Strecke  verdeckt,  dann  folgt 
etwas  grellrother  Mergelschieier  mit  grünweißen  Flecken  und  diesen 
überlagert  in  mehreren  groben  Bänken  der  etwa  12  Fuß  mächtige 
Grödener  Sandstein.  Er  ist  grell  roth  gefärbt,  nur  an  einzelnen 
Stellen  weiß,  wie  in  der  Grube  am  Podpletscham.  Über  dem  Grö- 
dener Sandstein  baut  sich  der  ganze  Abhang  aus  verschiedenen,  zum 
Theile  petrefactenreichen  Abtheilungen  der  Triasformation  auf.  Schon 
diese  erste  Stelle  lehrt  also,  daß  das  tiefer  liegende  Quecksilber  sich 
jedenfalls  in  Schichten  befindet,  welche  alter  sind  als  die  Werfener 


1)   Österr.  Zeilschr.  f.  Berg-  n.  HüUenwes.  1867.  XV.  S.  349  u.  folg.    —    Vergl.  auch 
R.  Meier,   Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.    17.  März,  1868,  S.  122  —  124. 
^)   7..  ß.    7.11  Golica,  südlich  von  Selzach. 


|T|)er  Hie  Äijiiiviilenle  Hfs  Hothliegpndeii  in  den  Siidalpen.  7 T O 

Schichten,  wenn  man  niclit  etwa  diesen  letzteren  die  gesammte 
Sehichtenreihe  des  Verrucano  noch  beizählen  will,  wie  dies  in 
frühei'en  Jahren  geschah. 

Ersteigt  man  am  jenseitigen  Gehänge  den  Vogelsberg  bei  Idria, 
so  sieht  man  auch  hier  rothen  Grüdener  Sandstein,  die  allenthalben 
deutlich  ausgeprägten  kalkigen  Campiler  Schichten  mit  Naticellen 
u.  s.  f.  und  ebentalls  viele  andere  höhere  Triasschichten  nach  ein- 
ander auftreten,  und  sich  längs  dem  Abhänge  aufwärts  ziehen.  Hier 
finden  sich  die  hängendsten  (jetzt  aufgelassenen)  Schürfe  in  grauem 
Schiefer  unter  dem  Grödener  Sandstein. 

Die  Schichtenfolge  in  der  Grube  ist  nach  T sc  hebull 's  aus- 
führlichen   Angaben    [S.    350  — 3S1]  i)    von    oben   nach    abwärts: 

1.  Der  Silberschiefer,  d.  i.  grauer  Thonschiefer,  welcher  gedie- 
gen Quecksilber,  sehr  selten  auch  Zinnober  führt.  Er  bildet  das 
mächtigste  Glied   der  Lagermasse   und    erreicht  71 '/o  Klafter.    — 

2.  Dolomit,  entweder  derb  oder  als  Conglomerat  (Breccie),  höch- 
stens 20  Klafter  mächtig;  zinnüljcrführend.  3.  Der  Lager  schiefer, 
höchstens  10  Klafter,  sehr  reich,  führt  Stahlerze,  Zinnober  und  die 
sogenannten  Korallenerze 2).  —  4.  Grauer  und  giimmeriger  Sand- 
stein mit  Feldspath,  etwa  5  Klafter  stark,  wechselt  nach  unten 
mit  —  5.  festem,  grauem  Dolomit  (und  Kalk),  welcher  auch 
noch  Zinnoberspuren  führt  und  mit  einem  160  langen  Liegend- 
schlage in  der  Tiefe  von  100    nicht  durchfahren  wurdet). 

Der  Liegendkalk  5.  führt  organische  Reste;  Herr  v,  Helm- 
reichen ließ  auf  meine  Bitte  freundlichst  eine  größere  Menge  des- 
selben vom  Barbarafelde  (beim  Stadler -Gesenk,  linker  Ulm)  aus 
120  Klafter  Tiefe  heraufschaffen  und  es  zeigte  eine  nähere  Unter- 
suchung in  demselben  mehrere  Arten  kleiner,  verzierter  Bivalven, 
einen  kleinen  glatten  Pecten  und  ein  Fragment,  welches  der  kleineren 


1)  Übereinstiinmend  mit  Hauer  u.  Foetterle,  Geol.  Übersicht  d.  österr.  Bergbaue 
8",    18ÖO,   S.  38. 

2)  Vergl.   Patera,   Ber.  d.  Freunde  d.  Naturw.  1847,   I,   S.  6. 

^)  Talkige  Gesteine ,  wie  sie  in  anderen  Gebieten  in  Verbindung  mit  Quecksilber  so 
häufig  sind,  werden  hier  nur  ausnahmsweise  erwähnt,  z.  B.  im  Francisci-Schachte 
mitten  im  Silberschiefer  in  Verbindung  mit  einer  dolomitisehen  Breccie  (Tsche- 
bull,  S.  38Ö).  Übrigens  muß  ich  hier  an  die  von  Stapff  betonte  Übereinstimmung 
des  Siiberschiefers  von  Idria  mit  dem  graphitischen  Schiefer  von  Vau"  alta  erinnern 
(Bornemann   u.   Kerl,  Berg-  u.  Hüttenm.  Zeitung,  XX,  1861,  S.  421). 

Sitzb.  d.  mathem. -naturw.  Cl.  LVII.  Bd.  I.  Abth.  50 


776  Suess. 

Klappe  eines  Prodiietiis  angehört.  J)as  Gestein  ist  lichtgraii,  im 
Bruche  von  fettigem  Aussehen,  viellach  von  Schwefelkiesen  durch- 
zogen ninl  ganz  und  gar  gleicl»  den  versteinernngsreichen  Lagen  des 
oberen  Kohlenkalkes  vom  M.  ('anale  hei  Forni-Avoltri. 

Der  Erzreichllinni  von  Idria  liegt  daher  unter  dem  rothen  Grö- 
dener  Sandstein  und  unter  dem  sehwachen  Flötz  von  schwarzem 
Kalkstein,  das  wir  als  Ijiegendkalk  am  Podpletscham ,  als  Hangend- 
kalk über  dem  Zinnober-Vorkommen  am  Pototschnik  kennen,  folglich 
wohl  in  demselben  Horizonte,  in  welchem  man  sonst  den  Porphyr 
oder  den  Verrucano  antrilVt.  In  demselben  Horizonte  befinden  sich 
aber  auch  die  Quecksilber-  und  Zinnober-Vorkommisse  von  Vall' 
alta,  von  Laak,  vom  Pototschnigg.  von  Kerschdorf,  Stockenboj  und 
Kappel. 

Ein  eigenthümliches  [nteressc  knüpft  sieh  unter  diesen  Ver- 
bältnissen an  die  Zusammensetzung  des  Feldspathführenden  soge- 
nannten „Sandsteins"  (4.)  im  Fliegenden  der  Erze  von  Idria,  dessen 
genauere  Untersuchung  zu  wünschen  bleibt. 

6.    A  b  s  c  h  li  i  1 1. 

(Schi  Uli). 

1.  Der  untere  Kohlenkalk.  Einige  Ausflüge,  welche  ich 
im  Jahre  1866  in  Begleitung  des  Herrn  Klar  in  der  Gegend  west- 
lich und  nordwestlich  von  Graz  unternommen  habe,  haben  uns  gelehrt, 
daß  die  devonisclien  Ablagerungen,  welche  seit  langer  Zeit  aus 
diesem  Theile  der  Alpen  bekannt  sind,  sich  in  eine  Anzahl  von  ein- 
ander sehr  verschiedener  Glieder  tbeilen  ').  Das  tiefste  Glied  bildet 
grüner  Schiefer,  durch  das  häufige  Auftreten  von  zelligem  Quarz 
und  von  Brauneisen  ausgezeichnet:  er  nimmt  viele  talkige  Schuppen 
an  seinen  Schichttlächen  auf  und  wird  dabei  dem  nächsthöheren 
Gliede  ähnlich,  welches  wir  als  den  u  n  t  e  r  e  n  G  r  a  u  w  a  c  k  e  n  s  c  h  i  e  f  e  r 
bezeichneten.  Er  zeigt  an  seiner  Basis  eine  Bank  von  licht  rothgelhem, 
splittrigem  Kalk,  etwas  höher  häuöge ,  flasrige  Zwischenlagen  mit 
Stielen  von  Cyathocrinus  und  stärkere  und  schwächere  Bänke  von 
Schalstein.    Ihn   überlagert   eine    mehrere    hundert   Fuß    mächtige 


')   Vergl.  auch  Peters   u.   Klar,   Jahrb.  1868,   XVIII.   S.  37. 


über  die  Äquivalente  des  Rothliegenden  in  den  Siidalpen.  777 

Masse  von  geschichtetem  gclhweißeiu  Q  iiarzit,  etwa  dem  rheini- 
schen Spriferensandstein  vergleichbar.  In  seinem  untersten  Theile 
erscheint  eine  Bank  von  dolomitischem  Kalk,  welche  große  Glimmer- 
flasern  auf  den  Ablosungstlächen  und  zugleich  Stiele  von  Cyathocrinus 
umschließt;  gegen  oben  schalten  sich  immer  häufigere  Bänke  von 
dolomitischem  Kalkstein  ein,  bis  der  Quarzit  einer  geschichteten 
Masse  von  weißem  d  o  1  o  m  i  t  i  s  c  h  e  m  K  a  1  k  s  t  e  i  n  Platz  gemacht  hat, 
der  nur  wenige  und  sehr  schwache  Bänke  von  Quarzit  enthält.  In 
seinem  oberen  Theile  umschliesst  dieser  am  Jungfersprunge  bei 
Gösting  eine  erste,  wenig  mächtige  Zwischenlage  von  dunklem  Kalk- 
stein mit  zahlreichen  Durchschnitten  von  Korallen.  Als  ein  neues 
Glied  folgt  nun  der  Kalk  des  Gaisberges,  blauschwarz  mit 
vielen  weißen  Adern  und  einigen  pfirsichrothen ,  thonigen  Einschal- 
tungen zwischen  den  Kalkbänken.  Zahlreiche  Durchschnitte  einer 
dickschaligen  Bivalve  sind  hier  zu  treffen,  ferner  Heliolites,  Cyatho- 
phyllum.  Stiele  von  Cupressocrinus  und  Spuren  von  Strophomena. 
Dies  ist  wohl  das  Äquivalent  des  rheinischen  Mitteldevon.  Auf  diese 
petrefactenführende  Gruppe  folgt  eine  viel  mächtigere  Masse  von 
u  n  g  e  s  c  h  i  c  h  t  e  t  e  m ,  c  a  v  e  r  n  ö  s  e  m,  oft  pfeilerförmig  zerklüftetem 
lichtgrauem  Kalkstein,  welcher  insbesondere  an  den  West- 
gehängen des  Kollerberges  in  großem  Maßstabe  entblößt  ist.  Diese 
Masse  ist  durch  dazwischentretendes  tertiäres  Land  getrennt  von  den 
höchsten  Schichten  der  devonischen  Formation,  welche  bei  Stein- 
bergen zum  Vorscheine  kommen.  Diese  bestehen  aus  schwarzem, 
seltener  dunkelrothem  wohigeschichtetem  Clymenienkalkst  ei  n, 
welcher  nebst  den  nicht  seltenen  Clymenien  auch  Orthoceras  und 
seltene  Crinoidenstiele  entliiilt.  Er  ist  etwa  40'  hoch  entblößt  und 
von  einer  20  —  24'  starken  Lage  von  bronzefarbigem  Schiefer 
bedeckt,  welcher  von  stärkeren  und  schwächeren  lichtgrauen  oder 
rothen  Kalkplatten  durchzogen  ist,  die  viele  Crinoiden  führen.  Über 
dem  Schiefer  folgt  wieder  Kalkstein. 

Man  kann  also  bei  Graz  mit  ziemlicher  Sicherheit  unter-,  niittel- 
und  oberdevonische  Schichten  unterscheiden  und  die  fast  ausschließ- 
lich kalkige  Entwicklung  der  beiden  letzten  Abtheilungen  macht  es 
möglich,  daß  in  den  westlichen  Theilen  der  Alpen  jene  Zuweilen  sehr 
mächtige  Masse,  welche  hier  als  der  untere  Kohlen  kalk  bezeich- 
net wurde,  auch  schon  devonische  Schichten  in  sich  begreife.  Der 
sichere  Nachweis  solcher  Schichten  durch  Versteinerungen  ist  jedoch 


778  s  II  p  s  s. 

inu'h  nicht  üfliin<;<'ii .  il:i  ifli  iils  oinen  solchen  leider  die  mcrkwiir- 
(liiieii  Reste  nicht  onselien  k;inn .  welche  Rost  hörn  vor  einer  Reihe 
vnnJ.'ihren  in  lieliteni  Kalkstein  in  der  Gegend  vonVellacli  (südlich  von 
dem  Profile  Taf.  II,  Fig.  1)  fand.  Sie  bestehen  aus  dem  Fygidinm  eiiujs 
Broiiteus,  einem  Bruchstücke  eines  Cephalopoden  und  einem  Spirifer, 
reichen  aber  zu  irgend  einer  sicheren  Altersbestimmung  nicht  aus  i). 
Die  Bemühungen ,  welche  Lipoid  und  Gobanz  seither  gemacht 
haben,  um  neue  Stücke  zu  finden,  sind  ganz  fruchtlos  geblieben,  und 
so  sind  wir  beute  noch  in  diesem  großen  Stücke  der  Südalpen  außer 
Stande ,  der  Behauptung  mit  neuen  Tliatsacben  entgegenzutreten, 
welche  Peters  schon  im  Jahre  1856  aussprach,  daß  nämlich  alle 
Wahrscheinlichkeit  geschwunden  sei,  daß  zwischen  Drau  und  Save 
eine  ältere  paläozoische  Formation  als  der  untere  Koblenkalk  gefun- 
den M'erde  2). 

Der  tiefere  Theil  des  Kalkgebirges  der  Umgebung  von  Eisnern 
im  nordwestlichen  Kärnten  dürfte  dieser  Stufe  angeboren.  Sie 
nimmt  einen  hervorragenden  Antbeil  an  dem  Aufbaue  des  großen 
Kohlenkalkgebirges,  von  den  carniscben  Alpen  durch  die  Karawanken 
hin  und  taucht  an  einzelnen  Stellen  im  südlichen  Steiermark  hervor. 
An  der  Nordseite  des  Gailthales  werden  ihre  oberen  Lagen  im  win- 
discben  Graben  bei  Bleiberg  sichtbar  und  führen  dort  Productus 
gigfifiteu.H.  In  der  Nähe  der  Mittelzone  endlich  erscheint  der  untere 
Kohlenkalk  häufig  als  ein  weißer  Kalkstein  von  mehr  oder  minder 
krystallinischem  Gefüge.  Die  Unterscheidung  desselben  von  anderen 
älteren  Kalksteinen,  welche  dem  Gebiete  der  Mittelzone  nicht  fehlen, 
ist  eine  der  wichtigsten  Aufgaben,  welche  zur  Enträthselung  des 
Baues  derselben  zu  lösen  bleiben.  Vorläufig  aber  darf  man  ,  wie  dies 
zum  großem  Theile  z.  B.  von  Peters  und  V.  Pichler  schon  ge- 
schehen ist,  mit  ziemlicher  Sicherheit  den  großen  Kalkzug  hieber 
rechnen,  welcher  in  weiten  Bogen  das  südliche  Ende  der  Tauern- 
gruppe  umgürtet,  welcher  nach  den  Aufnahmen  unserer  Reichsgeolo- 
gen von  Lind  im  Drauthale  in  OSO.  Richtung  gegen  Paternion  und 
Weissenstein  verläuft,  in  der  Nähe  von  Villach  sich  plötzlich  gegen 


')  .lahrb.  1858,  IX,  Verh.  S.  59;  Hr.  B  a  r  r  a  n  d  e  hat  die  Güte  gehabt,  diese  Stücke 
zn  vergleichen ;  er  fand  sie  ähnlich ,  doch  nicht  identisch  mit  obersilurischen 
Formen  aus  Böhmen.  Ebenso  ist  das  Verhaltniß  zu  dem  Bronteuskalk  von  Eisenerz 
in  den  Nordalpen  noch  nicht  ermittelt. 

2)   Jahrb.  Vit,   631. 


über  ilii"  A<|iiiv:ili*iite  des  l{()tlilH'tr<'ii(leii  in  Heu  Südalpeii.  4  tu 

N.  und  NNW.  wendet,  über  Pach  sicli  zur  inneren  Krems  fortsetzt 
und  dort  das  liegende  Ilauptkaiklager  bildet,  welches  nach  den  vor- 
liegenden Beobachtungen  entweder  knapp  auf  (ineiss  liegt,  oder  von 
demselben  nur  durch  eine  dünne  Lage  von  Arkose  oder  krystallini- 
schem  Thonscliiefer  getrennt  ist.  Dieses  Kalklager  umfaßt  die  tieferen 
Eisenerzlager  von  Turrach.  Ein  neuer  Vergleich  mit  dem  großen 
erzführenden  Kalkzuge  von  Friesach  ,  Hüttenberg  und  Lölling, 
welcher  in  ähnlicher  Weise  die  Gruppe  der  Saualpe  umgürtet, 
könnte  leicht  die  oft  behauptete  und  wieder  angezweifelte  Identität 
beider  beweisen  <). 

Man  wird  bei  der  Beurtheilung  dieser  Frage  nicht  übersehen 
können,  daß  nun  auch  die  große  Masse  von  Statuen-Marmor,  welche 
in  den  toscanischen  Bergen  dem  Gneiss  und  krystallinischen  Schie- 
fern auflagernd  vorkömmt,  als  dem  unteren  Kohlenkalke  angehörig  er- 
kannt ist  2).  Nach  gütigen  Mittheilungen  des  Herrn  Prof.  Meneg- 
hini  unterscheidet  man  gegenwärtig  in  den  apuanischen  Alpen 
unter  den  noch  zur  Trias  gezählten  oberen  Quarziten; 

A.  als  Permi  seh:  Quarzite,  Dachschiefer,  [ihylladische  Schie- 
fer, Sandsteine,  Talk-  und  Kalkschiefer,  Puddinge,  Anagenite  u.  s.  w. 
vielfach  sich  wiederliolenil ,  bis  zu  einer  Mächtigkeit  von  70  Meter, 
ohne  Fossilien : 

B.  als   S  tei  n  kohlenfor  matio  n  : 

(ij  pbylladische  Schiefer,  Sandsteine  mit  Anthrazit,  Zinnober  und 
Schichten,  welche  jenen  entsprechen  werden,  die  bei  Torri 
die  Fauna  und  Flora  der  Steinkohlenformation  enthalten. 

hj  Statuen-Marmor:  Kalksteinzone,  welche  an  einzelnen  Stellen 
außerordentlich  mächtig  wird,  an  anderen  sehr  abnimmt  und 
sogar  verschw  indet.  Sie  ruht  auf  (Jueiss  und  krystallinischem 
Schiefer. 

2.  Anthrazit  f ü  h  r  «^  n  d  e  Gruppe:  Quarzconglomerat.  Sand- 
stein und  Schiefer. 

Diese  Gruppe  bildet  einen  der  allerwichtigsten  Anhaltspunkte 
bei  der  Untersuchung  der  paläozoischen  Gebirge  in  den  Alpen.  Sie 
tritt  mit  nordöstlichem  Streichen   aus   der  Dauphine   in   die  Schweiz 


1)  Vei^l.   Seeland.   .laliiesber.  Kärntner   Mus.   IS65.    Vil,    S.  163. 

2)  z.  B.    Co  Chi.    Siilhi  (;eo|..j;.  deU' Italia  eentr.,    ä«,    1864,    p.  90. 


780  S  u  e  s  8. 

setzt  sicii  hier  südlich  vom  Mt.  Rlaiic,  zwischen  diesem  und  den  Aiguilles- 
Rouges,  so  wie  nördlicii  von  den  Aiguilles-Rouges  fort  und  läßt  sich 
durch  das  Rhönethal  bis  weit  über  Sitten  aufwärts  verfolgen '). 
Hart  am  Nordsaume  der  Mittelzone  ist  sie  durch  Escher's  Beob- 
achtungen wieder  am  Titlis  in  Engelberg  und  am  Bifertengrat  an  der 
Ostseite  des  Tödi  bekannt  a).  Nach  größerer  Unterbrechung  trifft 
man  sie  am  Steinacherjoch  an  der  Nordseite  des  Brenners  wieder, 
w'O  sie  von  Ad.  Pich  1er  in  Begleitung  der  bezeichnenden  Flora 
aufgefunden  wurde.  Nach  den  kurzen  bisher  verölTentlicbten  Mitthei- 
lungen 3)  steht  dort  der  pflanzenführende  Schiefer  in  Verbindung  mit 
einem  mächtigen  Conglomerat  aus  Quarzgeröllen  mit  silberweißem 
Glimmer  und  Brocken  von  Anthrazit,  und  über  und  unter  diesem 
erscheint  Kalkstein,  welcher  Bleiglanz,  Fahlerz  und  Ankerit,  insbe- 
sondere aber  Spatheisenstein  führt.  Die  Art  des  Vorkommens  ist  also 
jener  an  der  Stangalpe  bei  Turrach  sehr  ähnlich  und  man  darf  am 
Steinaeherjoche  Mohl  wenigstens  die  Existenz  des  durch  seinen 
Reichthum  an  Eisenerzen  ausgezeichneten  Hauptliegendkalkes  von 
Turrach  (des  unteren  Kohlenkalkes)  als  erwiesen  ansehen. 

Eine  große  wStrecke  weiter  nach  Osten,  auch  am  nördlichen 
Saume  der  Mittelzone  ,  liegt  der  Anthrazitban  von  Dittmannsdorf 
(0.  von  Rottenmann)  in  Ober-Steier*),  noch  weiter  gegen  Osten 
der  aufgelassene  aerarische  Schürf  auf  Anthrazit  bei  Neuberg  s); 
endlich  soll,  nach  F.  v.  Mayr,  auch  in  der  Nähe  von  Reichenau  bei 
(iloggnitz  Anthrazit  vorgekommen  sein«).    Von  hier   setzt   dieselbe 


*)  Es  reicht  wohl  hin.  wenn  ich  ans  ricr  reichen  Litteratur  dieser  Varkninmnisse  die 
letzte  umfassende  Übersicht  derselben  von  Favre  anführe,  lleeh.  geol.  dans  les 
parties  de  la  Savoie.  du  Piemont  et  de  la  Suisse  vois.  du  Ml.  Blanc.  1867,  III, 
p.  337 — 431.  Indem  ich  dem  „Terrain  anthracifere"  seine  alte  Bezeichnung'  vor- 
läußg  belasse,  darf  nicht  verg'essen  werden.  daL\  auch  in  einem  höheren  Horizonte 
Anthrazit  erscheint. 

-)    St  II  der.    Geol.  d.  Schweiz,  I,  S.  373;    Heer,    Urwelt  d.  Schweiz,   S.  3. 

3)    Ad.    Pichler.    Beitr.  z.  Geognosie  Tirol's ,   8".    hinspr.  1839,   S.  219—224. 

*)    Nach   V.  Millers   Angaben  angeführt  von  Stur,   .lahrb.  XV,   186S,   S.  274. 

■'•)  A.  M  il  le  r  V.  H  au  e  n  st  e  i  n  :  Die  nutzbar.  .Mineral,  v.  Obersteierm.  (aus  d.  Berg- 
u.  Hüttenm.  Jahrb.  XIII.  1864);    S.  17. 

'')  Nach  Erkundigungen,  welche  ich  bei  dem  k.  k.  Verweser  von  Reichenau,  Herrn 
Scbliwa  eingezogen,  besteht  dermalen  wnlil  eine  Heilie  von  Graphitgruben  in 
dieser  Gegend,  ist  aber  von  einem  Antbrazitvorkominen  nichts  bekannt.  Ich  führe 
dasselbe  nur  an,  weil  es  zuerst  von  F.  v.  H  a  u  e  r  im  Jahre  18ü0  (Jahrb.  I,  S.  31)  und 


i'lier  (iie  Äi|iiivaleiite  des  Rollilie^öiiileii  in  den  Siidalpen.  Yö  I 

Bildung  al»er  hiichst  wahrscheinlich  in  die  Karpathen  fort,  aus  denen 
CS  hinreicheil  mag.  auf  die  auffallende  petrographische  und  paläon- 
tolügischeÜbereinslinunung  der  Schiefer  vom  Jerusalem  bei'Dobschan, 
welche  von  Andrian  in  neuester  Zeit  wieder  ausgebeutet  worden 
sind,  mit  den  marinen  Schiefern  hinzuweisen,  welche  bei  Bleiberg 
die  Conglomerate  dieser  Stufe  begleiten. 

Im  Süden  finden  die  anthrazitführenden  Schichten  des  Westens 
nach  längerer  Unterbrechung  ihre  Fortsetzung  in  der  großen  Ge- 
birgskette, welche  zwischen  dem  Comersee  und  dem  Adamello  das 
südliche  Gehänge  des  Veltlin  überragt.  Es  sind  dies  die  „Schisti 
di  Carona"  der  italienischen  Geologen,  welche  diesen  Namen  von 
einem  Funkte  im  höchsten  Theile  des  Val-Brembana  tragen,  und  auch 
hier  von  Sandstein  und  Quarzconglomerat  begleitet  werden  und 
Lagen  von  Spatheisenstein  führen  ').  Hieher  gehören  wohl  auch  die 
anthrazit-  und  graphitführenden  „V  eltl  inerschiefer "  der 
Schweizer  Geologen  2).  Nun  tritt  die  große  südlirolische  Masse  von 
jüngeren  Bildungen  trennend  gegen  Süden  vor  und  auch  in  Val-Su- 
gana  sind  Schichten  vom  Alter  dieses  Theiles  der  Steinkohlenformatioii 
nicht  entblößt.  Ihre  Äqui\alente  müssen  nördlicher,  näher  an  der 
Mittelzone  gesucht  werden. 

In  der  Carnia  tauchen  die  Conglomerate  und  Schiefer  dieser 
Stufe  wieder  in  großer  Mächtigkeil  auf,  begleitet  von  oberem  und 
unterem  Kohlenkalk  und  dehnen  sich  von  hier  durch  das  ganze  Ge- 
biet der  österreichischen  Südalpen  aus.  Sie  erscheinen  als  ein  wich- 
tiges Glied  des  großen  Kohlenkalkgebirges,  welches  sich  von  hier 
südlich  längs  dem  Gailthale  hinstreckt,  nehmen  in  den  Karawanken 
stellenweise  an  Mächtigkeit  ab  und  erscheinen  im  Norden  an  der 
Stangalpe  wieder.  Im  Süden  treten  sie  an  vielen  Stellen  der  Um- 
gebung des  Beckens  von  Laibach  auf  und  sind  insbesondere  in  Krain 
durch  die  häufige  Einschaltung  dioritischer  oder  schalsteinähnlicher 
Lagen  in  den  die  Conglomei-ate  bedeckenden  Schiefern  ausgezeichnet^). 

später,  selbständig  liievnii,    Huf  F.  v.  M  a  y  r 's   Autorität    von   S  t  ti  r   im  .Tiilire  I86;> 
(Jahrb.  XV.   S.  274)  genannt  wurde. 

1)  Studer.  fieol.  d.  Schweiz,  I.  S.  :U9  ;  Hauer,  .lahrb.  IX,  1858,  S.  i^6;  S  l  o  j)- 
pani,  Note  ad  nn  Corso  etc.  S".  ISttT.  M.  p.  388.  Studer  et  Esoher,  Carte 
ge'ol.  de  la  Snisse,  2""'  ed.  |>ar  R  a  c  h  m  an  ii .    1867. 

2)  Theobald.    «ieol.  Beschreib,  v.  (iraubiindten.  II,  S.  274.  277  u.  a.  and.  Ort. 

")  Stur  erwähnt  dieselben  SeliHlsteine  sclion  in  den  carnischen  Alpen.  Jahrb.  18S6. 
VII,   S.  438. 


782  siiess. 

Noch  l»ei  Kressnitz  im  Savethale,  wie  in  den  südsteirischen  Glanz- 
kohlenbildungen sind  sie  in  typischer  Weise  vertreten.  Weit  im 
Süden  davon  ziehen  sie  aus  den  Bergen  östlich  von  Fiume  zu  den 
bosnischen  Gebirgen  hin. 

Die  so  außerordentlich  weite  Verbreitung  derselben  Bildung, 
welche  mit  ähnlichen  Merkmalen  aucli  in  den  apuanischen  Alpen 
wiederkehrt,  das  Erscheinen  von  Landptlanzen  an  zalilreichen  von 
einander  weit  entfernten  Punkten  und  insbesondere  die  sich  gleich- 
bleibende Beschairenheit  der  Gesteine,  wie  z.  B.  des  Quarzconglo- 
merates,  in  den  entferntesten Theilen  des  Hochgebirges  macht  es  sehr 
wahrscheinlich,  daß  diese  jetzt  an  beiden  Gehängen  der  Alpen  bald 
in  größeren  Zügen,  bald  nur  an  vereinzelten  Punkten  hervortretenden 
Bildungen  nur  die  zerrissenen  Beste  einst  zusammenhängender  Ab- 
lagerungen seien.  Nicht  eine  Insel  oder  eine  Gruppe  von  Inseln, 
welche  sich  etwa  in  der  Mitte  des  heutigen  Alpengebietes  erhoben 
hätte,  konnte  dasMateriale  zu  diesen  ausgedehnten  Bildungen  bieten; 
die  angehäufte  Menge  von  Quarz  reicht  hin ,  um  für  das  Gegentheil 
Zeugniß  zu  geben. 

Wenn  man  die  genauer  bekannten  Regionen  dieses  großen 
Gebietes  etwas  näher  vergleicht,  zeigen  sich  jedoch  einige  wesent- 
liche Unterschiede  in  der  Art  des  Auftretens.  In  der  Dauphine  und 
der  westlichen  Schweiz  kennt  man  keine  Reste  von  Seethieren  in 
den  anthrazitführonden  Schichten;  auch  der  Kohlenkalk  ist  unbekannt. 
Eben  so  scheint  es  am  Titlis  und  Tödi  zu  sein.  Am  Steinacherjoch 
ist  zwar  der  Kohlenkalk  vorhanden,  aber  bisher  wenigstens,  sind 
ebenfalls  noch  keine  Seethiere  aus  den  ptlanzenführenden  Schichten 
bekannt  gemacht.  Ganz  eben  so  verhält  es  sich  auf  der  Stangalpe; 
die  Schiefer  sind  auch  hier  dem  Quarzconglomerat  eingeschaltet. 
Im  windischen  Graben  bei  Bleiberg  sind  die  dem  Conglomerate  ein- 
geschalteten Schiefer  reicher  an  Gliinincr.  viel  milder  und  enthalten 
neben  wenigen  Resten  von  Landpflanzen  zahlreiche  Meeresconchylien. 
Bei  Vellach  ist  eine  ganze  Bank  von  Kohlenkalkstein  mit  Crinoiden 
und  Durchschnitten  von  Brachiopoden  zwischen  Sandstein  und  Con- 
glomerat  eingeschaltet  i).  Diese  Verhältnisse  sind  es,  Avelche  man  in 


1)  Ein  wesentlicher  Fortschritt  in  dem  Verstiimlnisst'  rlleser  Vorkommnisse  scheint 
mir  in  den  letzten  T«g-eii  durch  Stur  herheigi-lührt  worden  zusein,  welcher  zeigt 
daß  die  productenführenden  Sciiiefer  von  Bleyberg,  welche  dem  unteren  Kohlen- 


I'ber  «lie  Aiinivalcntf  ilf-s  Rntlilie^eiidi'ii  in  <ieii  Siidiil|ir-n.  To3 

unseren  Alpen  noch  weiter  innerhalb  der  antlirazitlührenden  Gruppe 
an  möglichst  vielen  Punkten  zu  ermitteln  hat.  Dann  wird  es  sich 
wahrscheinlich  noch  viel  schärfer  als  heute  zeigen  lassen,  daß  der 
Übergang  von  der  vermutheten  Binnenseebildung  zur  Meeresbildung 
ein  allmäliger  sei,  daß  in  den  verschiedenen  L'nterabtheilunKen  der 
Kohlenformation  bald  der  eine,  bald  der  andere  Charakter  vorwalte, 
und  daß  nur  ein  großer  Fluß,  welcher  ein  ausgedehntes  Festland 
durchströmte,  solche  Mengen  von  Quarzgeröllen  von  Zeit  zu  Zeit 
herbeizuführen  im  Stande  war.  Auch  ist  eine  solche,  mit  der  Entfer- 
nung vom  einstigen  Festlande  zunehmende  Einschaltung  von  rein 
marinen  Schichten  zwischen  kohlenführende  Ablagerungen  bekannt- 
lich in  neuerer  Zeit  an  vielen  Stellen  beobachtet  worden. 

Es  schien  mir  darum  w  ichtig,  diese  Erscheinungen  hier  ausführ- 
licher zu  erwähnen,  Meil  sich  eben  aus  dem  Zusammenhalte  der  in 
verschiedenen  Theilen  der  Alpen  gesammelten  Erfahrungen  ergibt, 
daß  hier  weder  aus  der  Lagerung  der  Schichten  im  Gailthale,  noch 
aus  dem  Vorkommen  der  Landptlanzen  in  dieser  Schichtengruppe 
irgend  ein  sicherer  Schluß  auf  den  Bestand  alter  Festländer  im  heu- 
tigen Alpengebiete  ziehen  läßt.  Wo  im  Westen  unter  den  anthrazit- 
führenden Schichten  der  untere  Kohlenkalk  fehlt,  kömmt  der  tliivia- 
tile  Charakter  in  denselben  allein  zum  Ausdrucke;  mehr  läßt  sich  für 
den  Augenblick  schwerlich  folgern. 

3.  Der  obere  Kohlenkalk.  Diese  Stufe  ist  viel  weniger  ver- 
breitet als  der  untere  Kohlenkalk.  In  den  carnischen  Alpen,  wo  sie 
eine  größere  Anzahl  von  Versteinerungen  geliefert  hat,  und  in  den 
Karawanken  ist  sie  sehr  mächtig  entwickelt;  bei  Turrach  ist  sie  viel- 
leicht durch  die  beiden  dolomitischen  Flötze  vertreten,  welche  im 
oberen  Schiefer  lagern;  bei  Bleiberg  ist  sie  nicht  mit  voller  Sicher- 
heit bekannt.  Mit  den  oberen  Kalk-  und  Dolomitflötzen,  welche  in  der 
Grube  zu  Idria  angefahren  sind,  verhält  es  sich  wie  mit  den  beiden 
dolomitischen  Lagen  bei  Turrach.  Der  Liegendkalk  von  Idria  kann  mit 
etwas  größerer  Bestimmtheit  hieher  gezogen  werden. 

Die  Art  und  VV'eise  wie  der  obere  Kohlenkalk,  zu  großer  Mächtig- 
keit anschwellend ,   in  den   Karawanken  allmälig  den  größten  Theil 


kalke  so  nahe  aiiflieg^en,  der  ersten,  oder  Sagenarien-Flora  angehören,  während  die 
Stanjialpe  der  /.weiten  (Si8-il'arien-)Zone  zufällt,  .lahrb.  186«,  XVIII,  S.  135; 
vergl.  Geinitz,   Geol.  d.  Sternkohlenf.   S.  3fi9. 


784  s  u .. ,,  ,s. 

dei-zuglcicli  an  Miiclitigkeit  ;il>iiel)meii(leii  aiilhra/itfülirendeii  Schich- 
ten 1111(1  vielleicht  einen  Theil  der  CasannascliieCfi-  j;leichsam  ver- 
tritt I)  mid  mancher  andere  Umstand  erinnern  in  aulTallender  Weise 
iui  jene  allmälige  Vertretunji'  der  prodnctiven  Kohlenfdrmation 
dnrch  marinen  Kalkstein,  welche  nach  Huli  für  die  englischen  Koiilen- 
bildungen  seewärts  eintritt  und  m  eiche  in  uuch  viel  größerem  Maß- 
stahe  von  ,1.  Hall  fiir  die  Steinkohlenl'ormation  Nord-Amerikas  in 
der  Richtung  von  Ost  gegen  West  geschildert  worden  ist  2^. 

Dieses  allmälige  Verdrängen  der  aus  mechanisch  herbeigetra- 
genen Theilen,  also  aus  Gerollen,  Sand  oder  Thon  gebildeten  Ablage- 
rungen durch  die  mit  der  Entfernung  vom  einstigen  Ufer  immer  mäch- 
tiger anscliMcllenden  Kalktlötze  ist  eine  in  unseren  Alpen  für  den 
Kenper  und  die  rhätische  Stufe  sicher  erwiesene  Thatsache.  Die 
Erscheinungen,  welche  vir  auf  demselben  Gebiete  innerhalb  der 
Steinkohlenformation  wahrnehmen,  scheinen  aber  ganz  ähnlicher 
Art  zu  sein.  In  beiden  Fällen  fordert  die  Übereinstimnmng  der  Sedi- 
mente an  beiden  Gehängen  der  Alpen  die  Voraussetzung  eines  offe- 
nen, durch  keinen  zusammenhäiigendrii  Continent  getheilten  Meeres, 
und  wenn  James  Hall  die  Rocky-Mountains  als  das  Gebiet  eines 
Oceans  schildert,  „welcher  von  östlichen  Festländern  das  feinere  Sedi- 
ment erhielt  und  in  seiner  eigenen  Area  die  kalkigen  Ablagerungen 
liildele,  dabei  aber  immer  ein  Ocean  blieb,  nicht  nur  bis  zum  Schlüsse 
der  Kohlentormation.  sondern  noch  später  durch  die  Permische. 
Jurassische  und  Kreide-Epoche,  und  dabei  keine  Anzeichen  von 
trockenem  Lande  bis  gegen  den  Anfang  der  Kreide-Epoche  oder  ein 
klein  wenig  früher  bietet",  ist  hiemit  eine  Ansicht  ausgesprochen, 
welche  zugleich  für  die  Reziehungen  der  Alpen  zu  den  nördlich,  west- 
lich und  südwestlich  liegenden  Festländern  sehr  nahe  zutrifft. 

4.  Der  Casa  n  naschie  fe  r.  Indem  ich  diesen  Namen  für 
einen  ganz  bestinnnten  Theil  der  alpinen  Schieferbildungen,  welcher 
jünger  ist  als  die  anthrazitfübrenden  Schichten  der  Tarentaise  oder 
der  Stangalpe,  in  Anspruch   nehme   0.    I>i"   i<'l>   ">ii'  dessen  beMußt, 


»)    Peters,   .lahrb.   i8.^6,  VII.  S.  «32  u.  folg. 

2)   Geology  of  .Iowa,  8"  J8S8,  I,  p.  138  u.  folg. 

•*)   Allerdiogs    führt    .iiioh    diese    höhere    Gruppe    an    aiehreren    Stellen    Spuren    von 

Anthrazit,   so  hei  Irtria  ,   bei  Laak   (Z  e  ph  a  r  o  v  i  ch)  ,   hei   Rüde   (Lemaire)   und 

bei  Recoaro  (S  c  h  a  ii  r  o  t  h). 


i'lier  die  Aqiiivwleiife  iles  |{otliliei,'LMiili"n  in  den  Siidiil(>fii.  ^Oi> 

daß  demselben  von  hervorragenden  .schweizerischen  Geologen  ein 
viel  weiterer  Begriff  beigelegt  worden  ist,  und  er  (z.  B.  durch  das 
Einbegreifen  der  Vertreter  der  Steinkohlenformation  im  Veltlin) 
zu  einem  jener  Sammelnamen  zu  werden  droht,  weiche  die  Unvoll- 
ständigkeit  unserer  Kenntnisse  von  den  Alpen  illustriren.  Bei  der 
übergroßen  Menge  an  localen  Bezeichnungen  aber,  die  im  Laufe 
der  letzten  Jahre  entstanden  sind,  habe  ich  es  immerhin  vorgezogen, 
den  bestehenden  Namen  auf  diese  bestimmte  Abtheilung  zu  be- 
schränken, welche  zugleich  wenigstens  einen  sehr  großen  Theil  der 
in  der  östlichen  Schweiz  so  genannten  Gesteine  in  sich  begreift, 
anstatt  noch  einen  neuen  Namen  zu  schaffen. 

Dieses  Glied  umfaßt  bei  weitem  den  größten  Theil  des  Gebietes, 
welches  die  Tiroler  Karte  als  „Thonglimmerschiefer"  bezeichnet, 
nebst  vielem  das  hier  und  in  östlicheren  Gegenden  zum  Glimmer- 
schiefer oder  zum  Gneiß  gezählt  Murde.  In  vielen,  und  namentlich 
in  den  südöstlichen  Theilen  unseres  Hochgebirges  ist  es  in  der 
That  nur  ein  mehr  oder  minder  glimmeriger  Thonschiefer  welcher 
diese  Stufe  bildet,  während  an  anderen  Orten  der  Glimmer  in 
großer  Menge  hinzutritt,  endlich  ganz  vorherrschend  wird,  im  oberen 
Gailthale  und  in  Val-Sugana  sogar  Granaten  in  demselben  angeführt 
werden  und  an  einzelnen  anderen  Funkten  eine  gneißähnliche 
Structur  auftritt. 

Noch  vor  wenig  Jahren  hätte  man  vielleicht  große  Bedenken 
dagegen  erhoben,  daß  Gesteinen  von  solchem  Gefüge  ein  verhältniß- 
mäßig  junges  Alter  zugeschrieben  werde,  und  daß  sie  als  ein  nor- 
males Glied  der  Schichtgebilde  in  den  höheren  Abtheilungen  unserer 
paläozoischen  Formationsreihe  erscheinen  sollen.  Seitdem  z.  B.  die 
schottischen  Gneiße  im  Silurgebirge  »)  und  die  talkhältigen  Gneiße  als 
Lager  im  rheinischen  Devonschiefer  2)  genauer  bekannt  sind,  wird 
wohl  der  Zweifel,  welcher  a  priori  gegen  eine  solche  Auffassung  er- 
hoben werden  könnte, nicht  als  berechtigt  angesehen  werden  können. 
Daß  nun  aber  die  hier  dem  Thonglimmerschiefer  zugewiesene 
Stelle  in  unserer  Schichtfolge  die  richtige  sei,  geht  nicht  nur  aus 
den  mitgetheilten  einzelnen  Profilen,   sondern,   und  zwar    am  schla- 


')   Murchison    ii.    Geikie,    Quart.   Joiirn.    1861.    XVII,    p.    232   u.    folp. ;    Sihin;) 

4.  .\ufl.  1867.   S.  163,  u.  an  and.  Orten. 
2j    Losseii.    Zeifsclir.  d.  deutsch.  Geol.  Ges.  XIX,  1867,  S.  664. 


78(>  Siiess. 

gemlsteii,  wohl  aus  dem  Umstände  hervor,  daü  mau  zahh-eiche 
Punkte  und  sehr  viele  ausgedehnte  Gehirgszüge  in  den  Alpen  kennt, 
in  denen  der  Verrueano,  seine  Äquivalente  oder  der  rothe  Sandstein 
diesen  Schiefer  coneordant  iiherlagern,  daß  aber  an  gar  keiner  Stelle 
des  ausgedehnten  Gebietes  unserer  Südalpen  diese  rothen  Gebilde 
unmittelbar  auf  einem  der  drei  früher  angeführten  Glieder  der  Stein- 
kohlenformalion  ruhen,  es  sei  denn  höclistens  an  einigen  Punkten 
im  östlichen  Theile  der  Karawanken,  wo  der  Thonglimmerschiefer 
nach  den  vorliegenden  Angaben  fehlt  oder  durch  Kalkstein  ver- 
treten ist. 

Der  eigenthümliche  Charakter  dieser  Felsart  hat  allerdings 
schon  vielfaches  Erstaunen  hervorgerufen.  L.  v.  Buch's  Äußerungen 
über  den  Schiefer  bei  Trient  und  Pergine  habe  ich  bereits  angcr 
führt.  Stoppani  beschreibt  es  mit  lebhaften  Worten,  wie  man,  von 
Ardese  im  Val-Seriana  gegen  Nord  gehend,  zuerst  die  verschiedenen 
Kalkbildungen  der  Trias  Iriift,  dann  die  rothen  Conglomerate  und 
unter  diesen,  bei  Gromo,  eine  erste,  ziemlich  mächtige  Zone  von 
glimmerigem  oder  talkigem  Schief«  r,  „welche  selbst  manchen 
erfahreneren  Geologen  in  Irrthum  führen  könnte,  der  zu  dem  Glauben 
verführt  würde,  die  Zone  der  wahren  krystallinischen  Felsarten  er- 
reicht zu  liaben".  Erst  unter  dieser  ersten  Zone  erscheinen  von 
Fiumenero  an  die  Schiefer  und  Quarzconglomerate  der  anthrazit- 
führenden Gruppe ').  —  Eben  so  erklären  sich  wohl  die  gezwungenen 
Deutungen,  welche  die  Profile  im  oberen  Gailthale  oder  bei  Forni- 
Avoltri  erfahren  haben,  aus  der  ungewohnten  Beschafrenheit  der 
Felsart;  die  Lagerungsverbältnisse  bei  Recoaro  oder  am  Luganersee 
verlieren  ihren  abnormen  Charakter,  sobald  man  diese  Bildung  einer 
noch  höheren  Abtlieilung  der  Steinkohlenformation  oder  gar  ihren 
oberen  Theil  der  Dyas  einreiht.  Die  weitere  Bestätigung  dieser 
Ansicht  aber  liefern  dir,  in  der  östlichen  Fortsetzung  derselben,  bei 
Tergove  aufgefundenen  Pflanzenreste,  welche,  wie  erwähnt  wurde; 
der  Farrenzoiie  des  Steiiikohlengebirges  angehören. 

Die  Einschaltung  großer  Lager  von  granitischen  Gesteinen  in 
diese  Schiefer  bildet  eine  der  hervorragendsten  Eigenthümlichkeiten 
der  Südalpen.  Je  geringer  die  Mächtigkeit  dieser  Lage  ist,  um  so 
unzweifelhafter  tritt  ihre  wahre  Natur  hervor,  und  eben  darum  ist  das 


')   Notf  ad  ui)  cor.sd  aiiiiiiiile  ili  (ieologica,   M,   (>.  .388. 


IHier  die  Ä(|iiival('nti'  ilt's  Itotliliegeiideii  in  den  Sii(iiil|ieii.  7ö7 

Profil  an  der  Vellach  in  Kärnten  füi-  die  Untersncluing  dieser  Er- 
scheinung wohl  das  lehrreichste.  Ehen  so  wenig  als  Rosthorn  und 
LipolddieVerschiedenheitdieser  Felsarten  von  den  in  derMiltelzone 
der  Alpen  herrschenden  verkennen  konnten,  konnte  schon  im  Jahre 
1827  S  tu  der  das  sonderbare  stratigraphisehe  Verhalten  derselhen 
übersehen  und  schrieb  ihnen  schon  damals  ein  verhältnißmäßig  junges 
Alter  zu.  zunächst  an  die  Monzon-Gesteine  erinnernd,  ja  schon  da- 
mals deutete  derselbe  sogar  die  Möglichkeit  an,  daß  diese  (iranite 
selbst  gehoben  sein  könnten  i).  Hätte  man  zu  jener  Zeit  bemerkt, 
daß  auch  die  Triasfelsen  bei  Kappel  nach  Süd  und  nicht  nach  Nord 
sich  neigen  und  in  verkehrter  Folge  auftreten,  so  würde  wohl  damals 
schon  die  Bedeutung  dieser  Granite  als  gehobene  Lagermassen 
erkannt  worden  sein. 

Deutlich  tritt  die  Richtigkeit  dieser  Auffassung  am  Torrente 
Maso  inVal-Sugana  hervor,  wo  der  Granit  den  erzführenden  Casanna- 
schiefer  und  jüngere  Schichtgebilde  bis  zum  Unter-Tertiären  über- 
lagert, während  dieselbe  Granitmasse  an  ihrer  Nordseite  den  Gegen- 
flügel des  erzführenden  Casannaschiefers  unterteuft.  Unter  solchen 
Umständen  läßt  sich  die  Granitmasse  der  Cima  d'Asta  nur  als  eine 
große,  nach  Süd  überbogene  Falte  darstellen,  wie  dies  in  dem  idealen 
Profile  Taf.  HI  geschehen  ist.  Diese  Skizze,  deren  mittlerer,  die  Trias- 
Region  betreffender  Theil  den  Arbeiten  Richthofen's  entnommen 
ist,  zeigt  im  Süden  die  Schichtenköpfe  der  großen  Kalk-  und  Dolomit- 
masse der  Cima-Dodeci  sammt  dem  eingekeilten  Streifen  mittel- 
tertiärer Schichten,  dem  Grödener  Sandstein  an  seinem  Fuße  und  dem 
südlichen  Porphyrrande,  welchem  der  M.  Zaccon  angehört.  Jeaseits 
der  Brenta  sind  die  überstürzten  Tertiär-,  Kreide-  und  Juraschich- 
ten und  der  kupferführende  Schiefer  am  Torrente-Maso,  darüber  der 
Granit  sichtbar.  Ueber  demselben  folgt  überlagernd  derselbe  Schiefer 
mit  den  Kupfergruben  von  Val-Sorda  und  Val-Calamento,  auf  wel- 
chem der  Quarzporphyr  der  Cima  di  Lagorei  lastet,  welcher  bis  ins 
Fleimsthal  hiiiabreicht.  Hier  folgen  auf  diesen  wieder  Grödener  Sand- 
stein und  die  Triasschichten  des  Weißhorn  und  Latemar,  mit  ihren 
jüngeren  Eruptivgesteinen.  In  Folge  einer  leichten  Sattelbildung 
kömmt  amCaressa-Passe  unter  diesen  neuerdings  der  Grödener  Sand- 
stein, dann  in  der  Gegend  von  Welschenoven  der  Porphyr  hervor. 


0   Zeitschr.  f.  Mineralogie,    1829,   II,   S.  751. 


7oO  S  11  e  s  s. 

Die  große  Triasmasse  des  Schiern  legt  sich  nun  auf  denselben,  von 
Grödener  Sandstein  an  ihrem  Fuße  umgehen.  Bei  RasehÖtz  erreicht 
das  Profil  endlich  den  Nordrand  der  großen  Porphyrdecke  und  unter 
demselben  wieder  den  erzführenden  Casannaschiefer,  der  noch  ein- 
zelne isolirte  Stücke  der  großen  Porphyrdecke  trägt.  Die  ßergbaue 
bei  Klausen  gehören  demnach  demselben  Gebirgsgliede  an,  wie  jene 
nördlich  und  südlich  von  der  Cima  d'Asta.  Die  Diorite  von  Klausen 
zeichnen  dasselbe  hier  aus. 

Unter  diesem  erzführenden  Schieferstreifen,  den  ich  dem  Ca- 
sannaschiefer zuzähle,  taucht,  dem  Gesteine  wie  der  Lagerung  nach 
dem  Granit  der  Cima  d'Asta  entsprechend,  der  Granitstreifen  von 
ßrixen  hervor.  Er  ist  auf  diesem  Profile  als  der  nördliche  Rand 
jener  selben  großen  Granitdecke  dargestellt,  welche  im  Süden  als 
das  Gewölbe  der  Cima  d'Asta  hervortritt,  und  nimmt  folglich  in  dem 
Profile  in  tieferem  Horizonte  eine  ähnliche  Stellung  ein,  wie  der 
Nordrand  der  Puiphyrdecke  bei  Raschölz. 

Mit  wunderbarem  Scharfsinne  erkannte  L.  v.  Ruch  schon  vor 
sehr  langer  Zeit  die  „Correspondenz"  der  beiden  weit  von  einander 
entfernten  Granitgehirge  bei  Rrixen  und  bei  ßorgo,  und  verglich  sie 
mit  den  Rändern  eines  Kelches,  welcher  nach  Nord  und  Süd  das 
Gebiet  des  rothen  Porphyr's  begrenze,  ja  er  nannte  sogar  den  Granit 
der  Cima  d'Asta  geradezu  den  „Granit  des  rothen  Porphyr's"  i); 
auch  neuere  ßeobachter  haben  wiederholt  auf  die  übereinstimmende 
ßeschaffenheit  der  Gesteine  in  diesen  beiden  Gebirgen  aufmerksam 
gemacht  -).  Die  Auffassung  des  Verhältnisses  beider  Granitmassen 
zu  einander,  welcher  ich  in  der  heifolgenden  Skizze  Ausdruck  geben 
wollte,  erinnert  in  ihrem  wesentlichen  Zuge,  der  Umwölbung  einer 
so  gewaltigen  Masse  und  ihrem  unterirdischen  Zusammenhange  mit 
einem  zweiten  ähnlichen  Gebirgsstocke,  an  die  Darstellung  alpiner 
Kernmassen,  welche  Desor  in  seiner  geistreichen  Schrift  „über  den 
Gebirgsbau  der  Alpen"  3)  geliefert  hat.  Ich  glaube  jedoch  wenig- 
stens  im   vorliegenden   Falle   annehmen  zu  sollen,   daß  der  Granit 


")   Leonhaid,   Mineral.  Taschenb.  1824,   S.  130,  382. 

-)   H  iolithofen.   Geogii.  Beschr.  v.  Predazzo  ii.  s.  w.  S.  109,  u.  neuerdings  in  Nat. 

Syst.  of  Voicanic  Rocks  in   Mem.  Calif.  Acad.  of  Science,  I.    1868.    p.  43;    eben  so 

Lapparent.   Ann.  des  mines.  6  ser.  VI.  1864,   p.  2.1 1. 
^)    b".   186.1.    S.  6.  7. 


über  Hie  Xquivaienle  des  Rothliegendeii  in  lien  Siiilalperi.  7öi' 

jüDger   als    der   größte   Tlieil    iler    Steinkohleiiformation   iiiul  .selbst 
eine  gehobene  Lagermasse  sei. 

Nördlich  vom  Granite  von  Brixen  luigt  graner,  glimmeriger  und 
etwas  graphitisclier  Tlionscliiet'er,  in  welchem  man  vielleicht  die 
Äquivalente  der  anlhrazittührenden  Stul'e  zu  suchen  haben  \n  ird,  und 
am  Eingange  in  das  Sengertlial  l)ei  Manls  erscheint,  aus  dem  Hoch- 
gebirge herabstreicbend,  Kalkstein.  Seine  Richtung  ist  NW.,  und  er 
lallt  70"  NO.,  also  dem  bisherigen  Verflachen  entgegen,  indem  er 
sciion  theilnimmt  an  der  liier  beginnenden  Fiu'herbildung.  Er  zeigt 
ausgezeichnete  Schielernng  diircli  iJruck,  die  meisten  P^lächen  sind 
w  ie  Rutsclitläclu'u  gel'urohl,  die  Farbe  ist  blausch«  arz,  mit  licht  und 
dunkler  schatlirten,  auch  rothen  und  weißen  Fai'benbändern  i).  Ser- 
[lentin  unil  Amphibolgesteine  linden  sieh  in  losen  Blöcken ;  die 
Tirolerkarte  gibt  sie  höher  im  Gebirge  als  anstehend  an.  —  Hier  wäre 
also  das  muthmaßliche  Äquivalent  des  Kohlenkalkes. 

Das  iiäcbste  Gebirgsglied  ist  Glimmersehiel'er :  während  der 
Quarz  in  den  vorhergehenden  Schiefermassen  in  Schnüren  oder 
Knoten  enthalten  war,  bildet  er  hier  stärkere  und  schwächere  tafel- 
förmige Platten  zwischen  den  Schichten.  Anfangs  fällt  der  Glimmer- 
schiefer steil  N. ,  dann  stellt  er  sicli  senkrecht  und  nun  tritt  gegen 
das  Sterzinger  Moos  der  steile  Sprechenslein  vor,  aus  Gneiß  bestehend, 
dessen  Flächen  ebenfalls  senkrecht  stehen  oder  sehr  steil  S.  einfallen. 
Er  gehört  dem  westlichen  Ende  der  Tauern  an. 

Diese  Voraussetzungen  stehen  auch  im  Einklänge  mit  den  weiter 
nördlich,  besonders  von  P ichler  am  Steinacher  Joche  und  von 
St  Otter  längs  der  Südseite  der  Ötzthaler  Masse  gesammelten  Beo- 
bachtungen ä).  Durch  diese  letzteren  wurde  festgestellt,  daß  dort  der 
ältere,  erzärmere  Glimmerschiefer  durch  einen  langen  Zug  von  Kalk- 
stein getrennt  wird  von  den  Äquivalenten  des  jüngeren,  erzreichen 
Thonglimmerschiefers  (Casannaschiefer.s},  dessen  stellenweises  Über- 
gehen in  Felsarten  von  altkrystallinisehem  Aussehen  Stotter  zu- 
gleich trefflich  geschildert*hat  s).    In  diesem  Theile  der  Alpen  ist  ein 


')    Verhaiidi.  d.  geol.  Reichsanst.  1867.   S.  189. 

2)  Pichler,  Beitr  l.  Geogn.  Tirols .  18ä9,  S.  12  u.  folg.  Pichler  hal  sich  in 
neuester  Zeit  den  hier  entwickelten  Anschauungen  über  das  geringe  Alter  des 
Thonglimmerschiefers  sehr  genähert;   Jahrb.  XVIII,    1868,   S.  43. 

^)    Vgl.  auch  Trinker.    Crlaulerinigen,    S.  30  u.  folg. 


790  S  "  e  s  s. 

etwaiges  Äquivalent  des  oberen  Kohlenkalkes  jiocli  nicht  mit  Be- 
stimmtheit bekannt,  wenn  man  nicht  etwa  den  Hangendkalk  der  Con- 
fflomerate  des  Steinacher  Joches  dafür  anselien  will. 

Bei  dem  gegenwärtigen  Stande  unserer  Erfahrungen  aus  den 
Alpen  und  bei  der  innigen  Verwandtschaft,  welche  anerkannter  Maas- 
sen  außerhalb  derselben  zwischen  den  höchsten  Lagen  der  Steinkoh- 
lenformation und  den  tiefsten  des  Rothliegenden  besteht,  darf  man 
die  Frage,  ob  in  den  Alpen  überhaupt  eine  scharfe  Grenze  zwischen 
Dyas  und  Steinkohlenformatiün  besteht,  wohl  der  Zukunft  überlassen, 
und  sich  zufriedenstellen,  wenn  es  vorerst  gelingt,  auf  so  schwieri- 
gem Gebiete  die  Reihenfolge  der  Bildungen  festzustellen. 

Wollte  man  es  versuchen,  in  dieser  Richtung  heute  schon  die 
Vermuthungen  etwas  weiter  zu  treiben,  so  könnte  dieß  wohl  nur 
durch  Untersuchung  der  Grenzregion  des  Casannaschiefers  gegen  die 
auflagernde  Gruppe  des  Verrncano  geschehen,  denn  naclidem  im  mitt- 
leren Theile  des  erzführenden  Schiefers  von  Tergove  schon  Pflanzen- 
reste der  höchsten  Abtheilungen  des  Steinkohlengebirges  vorkommen, 
dürfte  kaum  mehr  wesentlicher  Zweifel  darüber  bestehen,  daß  der  Verru- 
cano  und  die  Porphyre  dem  Rothliegenden  zuzufallen  haben.  Directe 
Beobachtungen  der  Grenze  selbst  geben  keinen  besonderen  Aufschluss. 
Bei  Lukau  im  Gailthale,  wo  Porphyr  dem  Schiefer  unmittelbar  auf- 
ruht, sind  nach  Stur  die  Schieferstücke  im  Porphyr  lagenweise 
vertheilt,  so  daß  der  Porphyr  als  ein  geschichtetes  Gestein  auftritt'). 
Hieraus  läßt  sich  wohl  höchstens  folgern,  daß  zur  Zeit  des  Porphyr- 
Ergußes  hier  kein  \  errucano-Conglomerat  über  dem  Casannaschiefer 
vorhanden  war.  Bedeutsamer  sind  die  Angaben  Es  eher 's  aus 
Vorarlberg.  Dort  scheinen  bei  Rells  die  tiefsten  Massen  des  rothen 
Conglomeratgebildes  ausröthlichen  und  grauliclien,  sehr  glimmerigen, 
bald  an  Thonschiefer,  bald  an  Glimmerschiefer  erinnernden  Gestei- 
nen zu  liestehen;  nahe  ob  Vandans  sieht  man,  nach  diesem  trefflichen 
Beobachter,  auch  echten  Glimmerschiefer  auf  mannigfache  Weise  ver- 
zweigt zwischen  rothem  Schiefer  und  Conglomerat,  das  in  diesem 
Falle  mehr  krystallinisches  als  Sandstein-Gepräge  hat  a). 

Für  noch  wichtiger  halte  ich  die  in  so  vielen  Theilen  der  Süd- 
alpen hervortretende  Thatsache,  daß   dort  wo  Porphyr    und  Verru- 


')   Jahrb.  VH,    1836,   S.  421. 
2)    Es  eher,    Voiarlh.    S.  29. 


über  die  Äquivalente  des  Rothliegenden  in  den  Südaipeii.  70  t 

cano  vorhanden  sind,  ihnen  die  Lagerstätten  von  Quecksilber  ange- 
hören, und  dort  wo  diese  beiden  Felsarten  fehlen,  das  Quecksilber 
im  oberen  Tlieile  des  Casannaschiefers  und  in  demselben  eingeschal- 
teten Kalklagen  erscheint.  Die  Vergleichung  der  von  ValTaita,  Kersch- 
dorf,  Stockenboj,  Pototschnik,  Kappe),  Idria  und  anderen  Punkten 
angeführten  Beobachtungen  scheint  mir  dies  hinlänglich  zu  beweisen 
und  würde  hieraus  zu  folgern  sein,  daß  wenigstens  an  solchen  Stellen 
der  höchste  Theil  des  Casannaschiefers  und  der  Kalksteine  der  Dyas 
zufällt.  Von  Süd-Tirol  ausgehend,  sieht  man  gegen  Ost  den  Porphyr 
verschwinden,  das  Quecksilber  aber  hält  an  über  weite  Strecken. 
Dieser  Umstand  hat  mich  veranlaßt,  Angaben  über  das  Auftreten 
dieses  Metalls  in  den  östlichen  Alpen  zu  sammeln,  und  das  Ergebniß 
ist  das  folgende. 

Zunächst  gibt  es  eine  Anzahl  von  Punkten,  welche  der  Flysch- 
zone  angehören  und  welche  metallisches  Quecksilber  oder  Zinnober 
geliefert  haben.  Hieher  gehören  die  Vorkommnisse  von  Poloneto 
bei  Spessa  (unweit  Gagliano)  und  von  Cisgne  bei  Gravero  in 
derProvinzUüine  i),  im  Norden  die  nach  Flurl's  Angaben«)  metalli- 
sches Quecksilber  führende  Quelle  am  Urfelde  am  VVallersee, 
und  weiterhin  viele  Stellen  des  Sandsteingebirges  der  Karpathen  um! 
Siebenbürgens,  welche  von  F.  v.  Hauer  und  Zep  harovi  c  h  •) 
aufgezählt  worden  sind.  Mehrmals  wiederholen  sich  namentlich  in 
diesem  weiten  Gebiete  die  Nachrichten  von  Quellen,  welche  zeitweise 
metallisches  Quecksilber  führen.  An  einer  Stelle,  am  Tihuthale 
im  nördlichen  Siebenbürgen,  erscheint  Zinnober  mit  etwas  Bleiglanz 
und  Blende  in  einem  Gange  von  Kalkspath  und  Braunspath  an  der 
Grenze  des  Karpathensandsteines  und  einer  eruptiven  Gebirgsart*). 

Aus  dem  gesammten  Gebiete  der  beiden  Kalkzonen  im  Norden 
und  im  Süden  der  Alpen  kenne  ich  keine  Angabe  über  das  Er- 
scheinen dieses  Metalles,  während  es  in  derUnterlage  dieser  Gebirge 
außerordentlich  verbreitet  ist. 

Im  Südwesten  ist  zuerst  das  Vorkommen  von  losen  Stücken 
einer  zinnoberführenden  Felsart  am  M.  Muggio  und  am  Cimone 


1)  F.  V.  Hauer,  Jahrb.  1833,   VI,   S.  810  —  814. 

2)  Die  Gebirgsform.  der  Churpfälz.  Bair.  Staaten,  1803,  S.  19. 

8)  Mineralog.  Lexieon  f.  d.  Kaiserth.  Österreich.  8",  1859,  S.  274  u.  480. 

*)  Strippelm  ann,    Berg-    u.    Hüttenm.   Zeitung,   1854,   S.   137;   Cotta,    Jahrb. 

1853,  VI,   S.  129. 
Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  LVII.  Bd.  I.  Abth.  51 


792  Suess. 

di  Margno  bei  Bellano  au  der  Ostseite  des  Comer-See's  zu  nennen  «). 
Die  Angaben  Escber's  über  diesen  Gebirgstheil,  so  wie  das  große 
Profil  Stopp  an  i's  -),  welches  ebenfalls  diese  Höhen  kreuzt,  lehren, 
daß  gerade  in  dieser  Gegend  die  Schieter  unter  dem  rolhen  Conglo- 
merat  hervorkommen.  Stoppani  machte  sogar  schon  darauf  auf- 
merksam, daß  hier  wie  bei  Torri  der  Zinnober  einen  gewißen  Hori- 
zont zu  bezeichnen  scheine  s). 

Spuren  von  Zinnober  traf  Curioni  in  der  Nähe  des  alten  Klo- 
sters von  Pisogne  in  Val-Camonica  in  einem  verlassenen  Baue 
auf  Eisensteine,  welcher  tiefer  liegt  als  jene  Zone  von  Eisenerzen, 
die  unter  dem  Schiefer  mit  MyacFa^sueunis  und  NaliceUa  costata 
lagert  *). 

In  Tirol  trifft  man  zunächst  auf  ältere  Angaben  über  das  Vor- 
kommen von  Quecksilber  in  einem  Bache  bei  Ter  lau  (NW.  von 
Botzen)  und  in  einer  Quelle  bei  Radein  (zwischen  Neumarkt  und 
dem  Zangenberge)  s).  Beide  Ortschaften  liegen  nahe  der  oberen 
Grenze  des  Porphyrs  gegen  den  rothen  Sandstein;  diese  Vorkomm- 
nisse neuerdings  aufzusuchen  würde  um  so  wichtiger  sein ,  als 
sie  wahrscheinlich  die  Fortsetzung  des  Auftretens  im  Val  delle 
Mo  na  che  bei  Sagron  (unweit  Primiero,  hart  an  der  venetianisehen 
Grenze)  bilden s),  welches  letztere  mit  der  reichen  und  sehr  nahen 
Lagerstätte  von  Vallalta  zusammenhängen  wird.  Es  ist  früher  nach 
den  Beobachtungen  von  Trinker,  Stapff  und  Rath  gezeigt  wor- 
den, daß  das  Erz  an  dieser  Stelle  in  dem  Porphyr  und  über  demsel- 


'j  Caiitu,  Viaggio  di  Milano  a  Venez.  S^,  183(5,  |i.  440;  Malaoarne  e  Polli, 
Manuale  di  Mineral.  8".  I8S7,   p.  403  (wie  es  sctielnt  nach  Ciirionl's  Angaben). 

2)   Studii  geologici  sulla  Lomb.,  S».  1837,   p.  167. 

*)  In  Bezug  auf  das  Vorkommen  von  Zinnober  in  siidliclieren  Theilen  Italiens  sehreibt 
mir  Prof.  Meneghini:  ZuLevigliani  in  den  apuanischen  Alpen  liegt  derselbe  in 
krystallinischem  Schiefer,  bei  Castelazara  und  an  andern  Orten  in  der  Maremma 
im  Albarese,  dem  der  Nummulitenkalk  sofort  aufliegt.  Bei  Torri  sind  es  die 
Schichten,  welche  Anthrazit  und  die  Steinkolilenflora  enthalten,  welche  zugleich 
Zinnober  führen.  In  allen  Piillen  zeigt  er  die  Spuren  eines  späteren  Eindringens 
in  diese  Gesteine. 

*)  Sulla  Successione  norm,  dei  div.  Membri  del  Terr.  triasico  ;  4'',  1853,  p.  11  (aus 
d.  Memor.  dell  Istit.  Lomb.).  Der  Horizont  scheint  jener  der  mächtigen  rothen 
Sandsteine  und  Conglomerate  dieser  Gegend  zu  sein. 

*)Liebener   u.    Vorhauser,   Mineral.  Tirol's.   S.  223. 

«)   Trinker,   Erläut.   S.  68,  L  i  e  bene  r   u.  Vorh.    S.  28!»  ,.im  Rothtodtliegenden"- 


über  die  Äquivalente  Hes  Rothliegeiiden  in  den  Südalpen.  793 

bell  Im  Talkquarzit  liegt,  w  ohei  Eiiisclialtungen  von  rotliem  Sandstein 
(„Porphyi-sandstein")  vorkommen. 

In  den  krainerischen  Gebirgen  tauebt  wieder  an  mehreren 
Punkten  dasselbe  Metall  auf.  In  Idria  liegt,  wie  mehrfach  gesagt 
wurde ,  das  Erz  unter  dem  rothen  Sandstein  in  einem  Wechsel  von 
Kalk  und  Schiefer,  und  ist  die  Verschiedenheit  der  Gesteine  vor 
Allem  der  Abwesenheit  des  Porphyr's  zuzuschreiben.  An  diesen  be- 
rühmten Punkt  schließen  sich  die  Funde  von  Zinnober  zu  St.  Tho- 
mas bei  Laak  und  unweit  davon  im  Hrastenzagraben  bei 
St.  OsMald'),  so  wie  das  Vorkommen  von  Spuren  von  Zinnober  in 
den  Bleierzen  zu  Knappousche  bei  Laak 2).  Die  Umgebung  von 
Laak  bildet  auf  diese  Weise  gleichsam  ein  Bindeglied  zwischen  Idria 
und  dem  mehrfach  erwähnten  Bergbaue  bei  demPototschnik-Bauer 
am  Loibl,  welcher  bald  unter  dem  Namen  St.  Anna  am  Loibl,  bald 
als  der  Bau  von  Neumarktl  angeführt  wird.  Hacquet,  nach  dessen 
Angabe  man  von  Idria  aus  an  dieser  Stelle  bis  zum  Jahre  1772  Berg- 
bau trieb,  nennt s)  ein  Schiefertlötz  zwischen  Kalkstein,  Lipoid*) 
dagegen  ein  eingeschaltetes  KalkHötz  als  das  hauptsächliche  erzfüh- 
rende Mittel.  Weiter  in  Ost  liegt  der  aufgelassene  Bau  in  der 
Kotschna  bei  Vellach,  angeblich  in  Kalkstein  5). 

Es  folgt  nun  jener  Zug  von  Zinnober-  und  Quecksiiberschürfen, 
welcher  von  Kerschdorf  bei  Bleiberg  an  in  östlicher  Bichtung 
über  Waidisch  und  Kappel  bis  in  das  Loppeinthal  fortsetzt; 
die  Punkte  bei  Kerschdorf  und  Kappel,  welche  ich  gesehen  habe, 
liegen  nahe  unter  dem  Grödener  Sandstein.  Nördlich  von  der  vorlie- 
genden Triaskette  befinden  sich  im  selben  Horizonte  die  Baue  von 
Stockenboj  (Buchholzgraben),  vielleicht  auch  die  Vorkommnisse 
von  De  Mach   im   oberen   D  rau  thale  e);   dieser   Ort   liegt,    wie 


1)   „Nester    bildend   zwischen   Werfenei--    und    GaiMhaler-Schiefer"    sagt    f>ipold, 

Jahrb.  1856,   Vlll,  211. 
•)  Im  Gailthaler-Schiefer  nach  Lipoid   eb.  das. 
^)    Oryctogr.  Carniolica.  I,   S.  31. 
*)   Berg-  u.  Hiittenm.  Zeit.    18o3,  III,   S.  364—366.  Über  die  von   Boue  angeführte 

Stelle  „im  Oudigraben  am   Fuße  des  Bielapietseh"   ist   mir  nichts  v^eiter  bekannt 

geworden.  Prov.  Illyr.  p.  66. 
5)  Lipoid,  Jahrb.  185o,   VII,  S.  374. 

*)    „Auf  Klüften  eines  grauwackenartigen  Gesteins",  Rost  hörn  u.  Canaval,  S  59. 

51° 


794  S  ..  e  s  s. 

Stockeiiboj ,   kiiapj»  am  Nordriuidc   (It-r  TriaskeUe,    welche   hier  (his 
Drauthal  vom  Gailthalc    trennt. 

Norflöstlieh  von  diesen  beiden  Punkten  Idigeii  die  Funde  im 
grünen  Schiclei'  der  Rotrasten  bei  Reiclienau  zwischen  R ei- 
che na  u  und  den»  Turrachsee  und  am  Turrachsee  selbst, 
welcher  letztere  nach  Rolle  wahrscheinlich  in  den  Horizont  des 
Kupferbaues  und  jedenfalls  über  jenen  der  Flora  dei-  Stangalpe  fällt. 

Weit  im  Südosten  linden  die  kraineriscben  Vorkinnmnisse  ijire 
Fortsetzung  bei  Csubar  in  Croatien  und  noch  weiter  in  den  Rergen 
von  Inatsch  bei  Kreschevo  und  an  anderen  Punkten  Bosniens.  — 
Nach  den  früher  mitgelheilten  Angaben  glaube  ich  nun  folgern  zu 
dürfen,  daß  in  diesem  weiten  Gebiete  nur  zwei  Quecksilber-  oder  Zin- 
nober-führende Horizonte  mit  Bestimmtheit  bekannt  sind.  Der  erste 
lallt  dem  Flyscb  in  den  venetianischen  Südalpen  zu  und  ihm  entspre- 
chen andere  Vorkommnisse  in  der  nörtilicheii  Flyschzone  der  Alpen 
und  der  Karpathen.  Der  zweite  Horizont,  welcher  weitaus  bedeu- 
tender ist,  liegt  unter  den  Äquivalenten  des  Grödener  Sandstein's: 
in  Süd-Tirol ,  wo  Porphyre  und  die  Gesteine  des  Verrucano  diesen 
Horizont  auszeichnen,  fällt  er  diesen  zu;  im  Osten,  wie  bei  Idria,  wo 
solche  rothe  Gesteine  fehlen  oder  zurücktreten,  erscheint  dasselbe 
Metall  in  Sedimentärgesteinen  von  anderer  Beschaifenheit  aber  wahr- 
scheinlich gleichem  Alter.  Dieser  Horizont  wird  wohl  der  Dyas 
zufallen. 

Ich  wende  mich  nun  zu  den  Nordalpen. 

In  den  Nordalpen,  aus  welchen  das  angebliche  Vorkommen  am 
Wall  er  See  in  der  Flyschzone  bereits  erwähnt  wurde,  ist  mir, 
wie  gesagt,  auch  nicht  ein  einziges  Vorkonmien  von  Zinnober  oder 
Quecksilber  innerhalb  des  ausgedehnten  Gebietes  der  Kalkalpen  be- 
kannt, während  wieder  längs  ihrem  Südrande,  in  den  oberen  Theilen 
des  paläozoischen  Gebirges,  im  Thonglimmerscbiefer  der  Tiroler 
Geologen,  nicht  wenige  Funde  bekannt  sind.  Im  Westen  beginnend, 
erwähne  ich  zuerst  ein  zweifelhaftes  Vorkommen  von  gediegen  Queck- 
silber am  Gundelatscher  und  am  Tafamont-Berg,  östlich  und 
westlich  von  Gaschurn  im  Montafonthalei).  Im  Oberinnthale  kennt 
man  zwischen  Serfaus  und  Ladis  Zinnober  und  Quecksilber  mit 


<)   Schmidt,   Vorarlberg,   Ber.  an  den  geogn.  mont.  Verein,   S.  33,   iS'ä',  Zepha- 
rovich,  Min.  Lexik.   S.  273. 


über  Hif  Ä(|iiiv:ileiilH  iles  Kntlilif gfiiHcii  in  dpii  Siidalpi-ii.  V  9o 

Fahlerz  im  Quarzschiefer')  iintl  Trinker  erwähnt  einen  aufgelasse- 
nen Bau  der  Gew  erkschal'l  von  (i  a  n  t  im  0  h  e  r  i  n  n  th  a  I  e  auf  Queck- 
silherfalilerz  an  der  linieren  (Frenze  des  rothen  Sandsleins-). 

Weiler  im  Oslen  erselieint  hei  Schwaz  Zinnohei-  und  Queck- 
silberfahlerz wieder  und  wurde  Qiieeksilher  früher  als  Nehenproduct 
gewonnens);  Pichler  hat  kürzlicii  gezeigt  daß  der  erzführende  Kalk 
von  SchMaz  nahe  unter  dem  Quarzconglomerate  liegt,  welches  man 
bisher  als  das  älteste  Glied  des  bunten  Sandsteins  ansah*).  Immer- 
fort im  selben  Streichen  liegen  die  «eiteren  Punkte,  welche  man  aus 
diesem  Theiie  der  Alpen  anführt,  und  zwar  der  Salvenberg  und 
die  Brunnalpe  im  Brixe  n  th  al  e -«j  ,  Gebra  am  Pillersee^), 
dann  auf  salzburgischem  Ge])iete  die  ßergbaue  des  Leogangtha- 
les,  in  welchen  man  in  älterer  Zeit  Quecksilber,  Zinnober  und  Amal- 
gam bei  S  ch  war zleo gang,  in  der  E ras mus grübe  und  in  der 
Grube  Vogelhalde  traf 7).  Nöggerath  führt  aus  dem  Leogangthale 
Zinnober  in  Quarz,  der  mit  Talk  verwachsen  ist,  an.  Dabei  bleibt  zu 
bemerken,  daß  Peters  nahe  im  Osten,  und  zwar  bei  Hüttau  im  Lar- 
zengraben,  zwischen  dem  rothen  Sandstein  und  dem  erzführenden 
Scliiefer  einen  grürdichgrauen  schiefrigen  Quarzit  mit  Glimmer- 
schüppchen  traf,  welcher  dem  Talkquarzit  des  Verrucano  entsprechen 
wird**).  Daß  der  Horizont  der  ßergbaue  von  Fjeogang  mit  jenem  der 
Baue  von  Schwaz  nahe  zusammenfalle,  darf  man  nach  den  vorliegen- 
den Angaben«)  als  höchst  wahrscheinlich  annehmen. 


')  Im  Gebiete  des  Thonglimmersehiefers ;  Trinker  Erläut.  S.  4S ;  Stotter  in 
Pichler 's  Beitr.   S.  124  h.  folg. 

-)   Erläuterungen,   S.  68. 

3)  Nöggerath,  Zeitschr.  f.  Berg-  u.  Hüttenwes.  im  pi'euss.  Staate,  X,  1862 
S.  387. 

*)  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanst.  v.  .31.  .luli  1867,  S.  236;  u.  .Tahrb.  XVll/, 
1868.   S.  43. 

5)   Seh  roll  in  Mo  11 's  .lahrh.  f.  Berg-  u.  Hüttenkunde,  I,    1797,  S.  144. 

•>)  Im  Tliongliinmerschiefer ,  Trinker,  Erlüut.  S.  4ö .  30,  Li  ebener  u.  Vor- 
haus er,  Min.  Tyrol's ,  S.  223;  nach  Hauer  u.  Foetterle,  Geol.  Übers,  d. 
Bergbaue  d.  öst.  Monarch.,   S.  84  mit  Kupfernickel  im  Spatheisensteinbaue. 

7)  Schroll  a.a.O.  S.  144;  Zepharovich,  Min.  Lexik.  S.  273 ;  Nöggerath 
(Zeitschr.  f.  Berg-  u.  Hüttenwes.  im  preuss.  Staate,  X.  1862.  S.  387). 

8)  .lahrb.  V,  1854,   S.  120. 

^)  z.B.  Lipoid.  Der  Nickelbergbau  Nökelberg  im  Leogangthale.  Jahrb.  V,  1834. 
S.  148 — 160.  Im  Maunsfeld'schen  liegen  die  Nickelerze  im  Kupferschiefer.  Vgl. 
z.  B.  II  äiiiiiler,   Zeitschr.  deutsch,  geol.  Ges.  IX,  1837.   S.  25—50, 


79ß  Siiess. 

Zweifelhaft  bleiben  zwei  siidlicb  von  dieser  Linie  fallende  An- 
gaben. Im  Scbmidtenthaie  im  Piiizgau  „soll"  nach  Sehr  oll 
Quecksilber  gefunden  worden  sein,  und  Ehrlich  bericbtet,  daß  im 
Jahre  1814  nach  einer  Relation  des  IJergrathes  Mielichbofer  am 
westlichen  Gehänge  des  Groß  -  Arif  h  ales  ,  1 1/,  Stunden  von 
St.  Johann  in  geschichtetem  Kalk  ein  Versuchsbau  auf  gediegen 
Quecksilber  beantragt  worden  sei  <)• 

Auch  noch  weiter  im  Osten  sind  zwischen  der  Mittelzone  und 
der  Basis  der  Triasformation  mehrere  Fundstellen  von  Quecksilber 
bekannt.  Schladming  wurde  in  früherer  Zeit  als  eine  solche  ge- 
nannt 2).  Eine  Anzahl  von  Angaben,  liegt  in  Bezug  auf  die  Gegend 
nördlich  vom  Paltenthale  vor;  man  nennt  nämlich  als  Fundorte 
Johnsbachs)  (nordöstlich  von  Dittmannsdorf),  Zölz  am  Südab- 
hange  des  Reichensteins,  wo  ein  schwacher  Bergbau  in  Grauwacken- 
kalkstein  auf  den  eingesprengten  Zinnober  betrieben  wird*),  in 
der  Radmer  auf  Brauneisenstein  5),  Reiting  am  Ostabhange  des 
Reichensteins  bei  Eisenerze),  den  Polsterberg'?),  endlich  den 
Spatheisenstein  des  Erzberges  bei  Eisenerz  selbst 8).  Diese 
reiche  Lagerstätte  habe  ich  selbst  auf  Grund  der  von  Stur  mitge- 
theilten  Versteinerungen  aus  den  liegenden  Schichten  und  aus  einem 
Kalkstein ,  welcher  entweder  der  Lagerstätte  oder  dem  Liegenden 
angehört,  für  jünger  als  die  untersilurischen  Erze  Böhmens,  zu- 
gleich aber  wie  mir  jetzt  scheinen  will  mit  zu  großer  Bestimmtheit, 
für  obersilurisch  erklärt  9).  Die  nächste  Veranlassung  hiezu  war  das 
Vorkommen  von  Schwanzschildern  einer  nicht  weiter  bestimmbaren 
Art  von  Brouteus;  das  Erscheinen  eines  ganz  ähnliehen  bronteus- 
führenden  Kalksteins  in  der  Gegend  von  Villacii  und  zwar  in  einer 
Region,  Melche,  wie  es  scheint,  der  Steinkolilenformation  zufällt,  so 


1)  NordösUiche  Alpen,  8"  Linz,  1830;   S.  83. 

2)  Anker,   Mineral,  v.  SteieiniHrk.    S.  13. 

3)  Kopetzky,  Mineral.  Steierm. 

*)   Hauer   II.    Foetterle,   geol.  Übers,  d.  Berg-haue  d.  östl.  Monarchie.   S.  38. 

*)   Anker,  Mineralog.  v.  Steyermark,  S.  13. 

6)   Häuer,   Jahrb.  I,   1850,   S.  31. 

'■)    Anker,   a.  a.  0.   S.  13. 

8)    Haner  eb.  das.;   S  f  li  o  u  p  p  e.  Jalirb.  II.  B.   KS.'il.  S.  1Ö6  :    Haner   n.  Foetterle 

a.  a.  O.    S.  .')2. 
•)   Jahrb.  XV,    186j.   S.  273. 


über  Hie  Ä(|uiviileiilt'  iIcs  Kullilif^eiideti  in  deu  Siidalpeii.  ivi 

wie  die  nahe  Überlageniiig  des  Erzlagers  durch  den  rotlieii  Sand- 
stein, von  welchem  es  nach  Stur  nur  durch  das  wenig  mUchtige 
Grenzconglomerat  getrennt  ist,  scheinen  mir  aber  eine  nochmalige 
eingehende  Untersuchung  dieser  Gegend  wünschenswerth  zu  machen. 

Auch  noch  weiter  im  Osten  hegleitet  Zinnober  den  Spatheisen- 
stein  am  Altenberge  (N.  von  Kapellen  bis  Neuberg)  und  in 
Niederösterreich  bei  Kleinau  (W-  von  Hirschwang) '). 

Man  kann  daher  behaupten,  daß  die  vielfach  (z.  B.  von  Hauer 
und  Foetterle  a.  a.  Orte,  S.  78)  als  ein  zusammenhängendes  Glied 
der  obersten  Zone  der  sogenannten  Grauwackenbildung  von  Schwaz 
in  Tirol  bis  Reichenau  in  Niederösterreich  ausgeschiedene  Kette 
von  Spatheisensteinvorkommnissen  an  vielen  Stellen  von  Quecksilber 
begleitet  ist,  welches  folglich  hier  eben  so  nahe  unter  dem  rothen 
Sandstein  auftritt,  wie  in  den  Siidalpen. 

Zum  Schluüe  ist  noch  das  Vorkommen  von  Zinnober  im  Becken 
von  Rein  (NO.  von  Gratz),  im  Gebiete  der  devonischen  Formation 
zu  erwähne'i;  man  nennt  hier  insbesondere  einen  aufgelassenen  Bau 
bei  Pachernegg  und  die  Seh  neider  höhle  bei  Gradwein^). 

Sieht  man  nun  von  den  vielen  Quecksilbervorkommnissen  der 
Karpathen  ab,  von  welchen  namentlich  jene  von  Dobschau  denen 
der  Südalpen  sehr  ähidicii  zu  sein  scheinen  s),  so  ergibt  sich  als 
allgemeines  Ergebniß  für  die  Alpen: 

1.  daß  es  einzelne  Vorkommnisse  von  gediegen  Quecksilber  im 
Flysch  gibt, 

2.  daß  aus  der  Kalksteinzone  der  nördlichen,  wie  aus  den  ent- 
sprechenden Gebieten  der  südlichen  Alpen,  noch  kein  Vorkommen 
dieses  Metalles  bekannt  ist, 

3.  daß  eine  große  Anzahl  zum  Theile  sehr  reicher  Stellen  im 
Süden  unter  der  unteren  Grenze  der  Trias,  sei  es  im  Porphyr,  oder 
in  den  Talkquarziten  und  rothen  Gesteinen  des  Verrucano,  sei  es 
wo  diese  fehlen,  in  den  höchsten,  zuweilen  Kalkflötze  führenden  Ab- 
theilungen des  sogenannten  Grauwackenschiefers  bekannt  sind,  und 


1)  Hauer  u.   Foetterle,   a.  a.  0.   S.  79. 

3)  Anker,  Mineral,  v.  Steiermark,  S.  13  ii.  Darstellung  d.  Gebirgsverhältnisse, 
S.  59.  Moriot,  Erläut.  z.  VIII.  Sect.  der  Generalstabskarte,  S»,  1848,  S.  S5 ; 
Andrae,  Jahrb.  V,  1854,   S.  549,  563. 

2)  Vgl.  Cotta  in  Bornemann  u.  Kerl,  Berg-  u.  Hiittenm.  Zeitschr.  1861,  S.  151; 
Andrian,  Jalirb.  1859,  X,  S.  554  u. 


798  S  u  e  s  s. 

daß  auch  in  den  Nordalpen  in  dem  obersten  Tiieile  der  sogenannten 
Grauwaekenzone  an  vielen  Steilen  Zinnober  oder  Quecksilber  vor- 
kömmt, 

4.  daß  bei  Rein,   am   östlichen  Rande  der  Alpen,  einige  spär- 
liche Vorkommnisse  in  der  devonischen  Formation  bekannt  sind,  und 

5.  daß  in  den  Gesteinen  der  Mittelzone  dieses  Metall   noch  an 
keiner  Stelle  mit  Sicherheit  nachsrewiesen  ist. 


Bei  der  weiteren  Erörterung  der  Frage,  ob  der  obere  Theil  des 
Casannaschiefers  schon  dem  Rotbliegenden  zulalle,  wird  man  ferner 
die  Thatsaehe  nicht  aus  dem  Auge  lassen  dürfen,  daß  ein  sehr  großer 
Theil  der  außeralpinen  Quecksilbervorkommnisse  in  Deutschland  dem 
Rotbliegenden  zufällt. 

In  Böhmen,  wo  die  reicheren  Funde  allerdings  untersiluri- 
schen  Schichten  angehören,  ist  in  neuerer  Zeit  durch  Re  uß  auch 
ein  Fund  von  Zinnober  im  Rothliegenden  bekannt  geworden,  und 
zwar  bei  Hiittendorf,  südlich  von  Hohenelbe,  wo  er  als  Anflug  mit 
Malachit  auf  einem  dem  Rothliegenden  angehörigen,  grauschwarzen, 
bituminösen  Schiefer  vorkömmt '). 

In  0  b  e  r -  S  c  h  I  e  s  i  e  n  traf  man  nach  H  u  j  s  s  e  n '  s  Angaben  s) 
in  einem  Stollen  am  Schäferberge  zwischen  Heunsdorf  und  Got- 
tesberg —  welcher  in  dem  zum  Rothliegenden  gehörigen  Theile  des 
K(dilengebirges  angelegt  ist  und  mit  seinem  Ende  im  Porphyr  steht 
—  30  Lachter  vom  Miindloclie  Quecksilber  in  einem  lockeren  blau- 
giaucn  Thonsteiii,  der  weiße  Kaolinpartien  porphyrartig  einschließt. 

In  der  Pfalz  gehören  die  berühmten  Vorkommnisse  von  Mün- 
ster-Appel,  M osche I-Lands  berg  u.  s.  w.  derselben  Forma- 
tion an.  Ich  beschränke  mich  darauf,  die  specielle  Abhandlung  Gü  m- 
bel's  über  diese  Vorkommnisse"-),  dessen  letzte  Eintheilung  des 
Rothliegenden  jener  Gegend  *)  und  die  neueste  Arbeit  von  Las- 
peyress)  anzuführen. 


')   Reuss,  Lotos,   1836,   VI,  S.  118. 

'^)   4l8ter  .Jahresber.  der  Scliles.  Gesellsch.  f.  vHterl.  Cultur,  Breslau,  1864,  S.  .SO. 

^)   Üb.  d.  Quecksilbererxe  d.  Pfalz,  aus  d.  Verh.  d.  iiaturf.  Ver.    d.  Rheinl.  u.  Wesipli. 

*)   Geogii.  Verhältri.  d.    Pfalz.  8«.  München,  1860   (ans   d.  Bavaria.   iV.  Rd.   S.  14—81 

II.  48. 
*)    Kreuznach    u.   Diirkhfini   :i.    d.    Hardt.    Zeitsclir.    deutseh.    gpol.    lies.     1867.    XIX, 

S.  803  — 92'i. 


über  die  Äquivalente  (l<;,s  liothlifgeiidcn  in  ileii  Siid:il|iPn.  (  99 

Giimbel  trennt  vom  echten  Kohlengebirge  eine  mächtige 
Gruppe  von  Schichten  als  „Üherkolilengehirge"  oder  „Supra-Car- 
bonschichten"  (auch  Schichten  des  Acnnthod.  gracilis) ,  welche  in 
der  Flora  der  tieferen  Regionen  noch  eine  große  Übereinstimmung 
mit  der  unterliegenden  Steinkohlenformation  zeigen  soll ,  während 
erst  allmälig  gegen  oben  die  Annäherung  an  die  Flora  des  Rothlie- 
genden hervortritt,  die  (wohl  allseitig  zum  Dyas  gezählten)  Reste 
von  Archegosaurus  Decheni,  Actmthodcs  gracilis  u.  A.  aber  schon 
in  dem  tiefsten  Gliede  der  Supra-Carbongruppe,  den  „Höchener 
Schichten",  sich  zeigen.  Diese  Höchener  Schichten  umfassen  ferner 
die  meisten  Quecksilbervorkonininisse  (Potzberg,  Moschellandsl)erg 
u.  s.  w.);  an  einigen  Stellen  tritt  das  Erz  im  Melaphyr,  an  anderen 
im  Porphyr  auf  (S.  48). 

Etwas  verschieden  hievon  ist  die  jüngst  von  Laspeyres  ge- 
gebene Eintheilung,  doch  stimmen  die  für  die  Vergleichung  wichti- 
gen Angaben  ziemlich  überein.  In  dem  obersten  Theile  der  Stein- 
kohlenformation  (Ottweiler  Schichten)  werden  schon  Spuren  der 
organischen  Welt  der  Dyas  {Walchia  jjinifortnis  u.  A.)  angeführt; 
über  denselben  nennt  dieser  Beobachter  zunächst  die  „Cuseler 
Schichten"  als  Unter  -  Rothliegendes,  dann  die  „Leb ach  er 
Schichten"  als  Mittel-Rothliegendes,  endlich  das  Ober-Roth- 
liegende, oderRothliegende  Dechen's,  d.h.  die  rothen  Sandsteine, 
Conglomerate,  Porphyrtrümmergesteine  u.  s.  w. ,  welche  man  von 
jeher  mit  diesem  Namen  zu  bezeichnen  pflegte.  Die  größte  Masse 
der  Porphyre  und  Melaphyre  erscheint  dabei  in  der  Form  von  Ober- 
flächenergüßen  zwischen  dem  Mittel-  und  Ober-Rothliegenden. 
Zinnober  und  Quecksilber  werden  aus  den  Cuseler  und  Lebacher 
Schichten  und  aus  den  Eruptivgesteinen,  dann  insbesondere  von  der 
Grenze  der  letzteren  gegen  die  sedimentären  Bildungen  angeführt 
(S.  826). 

Alle  diese  Umstände  scheinen  darauf  hinzudeuten ,  daß  in  der 
Pfalz  das  Quecksilber  genau  in  denselben  Beziehungen  zum  Roth- 
liegenden und  zum  Porphyr  stehe,  wie  in  den  Südalpen  '). 


V)  Die  Erze  von  Alma  den  Knden  sich  nach  den  ausführlichen  Angaben  C.  de  Pra  d  o  "s 
(Bull.  soc.  geol.  ISO."».  XII.  p.  200  —  204)  in  sihirischen  u.  devonischen  Si'liichlen. 
jedoch  unter  Anzeichen  eines  späteren  Eindringens  in  dieselben.  Zur  Ermittlung 
des  «ahren  Alters   der  Erze  theilt  Prado   mit,  daß  man   bei  Chillon  (unweit  von 


800  Suess. 

5.  Der  Verrucano.  Dieser  Saminelname  umfaßt  auch  nach 
Abzug-  jener  Quarzconglomerate,  welclie  die  anthrazitführenden 
Schichten  der  Steinkohlenformation  hegleiten,  in  der  Weise,  in 
welcher  er  heute  in  Gebrauch  steht,  noch  ziemlich  verschiedenartige 
Bildungen.  Studer,  dessen  Meisterwerk  bis  zum  heutigen  Tage 
den  hesten  Ausgangspunkt  für  ähnliche  Vergleichungen  bietet,  unter- 
scheidet i): 

1.  Verrucano,  nämlich  grünliches  oder  röthliches  Quarzcon- 
glomerat,  häufig  mit  Talk. 

2.  Quarzit,  als  Talkquarzit  sich  anscliließend  an  den  talkigen 
Verrucano,  auch  Glimmer  aufnehmend  imd  durch  die  Entwick- 
lung von  Feldspath  übergehend  in  Gneiß. 

3.  Roth  er  Sandstein,  kirschrothe,  rauhe,  sandige  Thon- 
schiefer  bis  dunkelrother  Sandstein,  Zuweilen  auch  grüner  oder 
rother  Sandstein. 

Diese  selben  Gesteine  reichen  weit  in  die  österreichischen 
Alpen  herüber.  Das  Quarzconglomerat  insbesondere  erscheint  durch 
Vorarlberg  und  Nordtirol  hin  unter  der  Triasformation  und  seine 
Identität  mit  den  Schweizer  Vorkommnissen  ist  daselbst  von  Es  eher 
anerkannt  worden 2);  es  reicht,  streckenweise  unterbrochen,  bis 
in  das  Ennsthal  herüber  und  erscheint  noch  im  Salzburg'schen, 
bei  Hüttau  im  Larzengraben,  der  grünlichgraue  schiefrige  Quarzit 
an  seiner  Stelle,  zwischen  rothbraunem  Sandstein  und  erzführendem 
Schiefer  s). 

In  Bezug  auf  die  Formation,  welclier  diese  Gebilde  zuzuschrei- 
ben seien,  herrscht  beiläufig  dieselbe  Verschiedenheit  der  Meinungen, 
wie  in  Bezug  auf  das  rulhe  Conglomerat,  welches  in  Spanien  unter 
der  Triasformation  erscheint,  an  entfernten  Stellen,  wie  bei  Sevilla 


Almaden)  an  der  Grenze  des  silurischen  Sandsleins  gegen  eine  durchbrechende 
Masse  von  Melaphyr  auf  gediegen  Quecksilber  gegraben  habe,  läßt  jedoch  Zweifel 
darüber,  ob  sich  das  Metall  an  dieser  Stelle  auf  ursprünglicher  Lagerstätte  befand. 
Übrigens  hat  man  in  Spanien  auch  Quecksilber  in  Begleitung  der  Kupferer/.e  des 
„Rodeno"  unter  der  Trias  gefunden  (Ezquerra  d.  Bajo  b.  Trautschold,  Bull, 
soc.  Mose.  1858,  sep.   p.  49). 

')   Geologie  d.  Schweiz,  I,  S.  413. 

2)  Geol.  Bemerk,  üb.  Vorarlb.  4°,   S.  29  u.  a.  a.  (». 

")  Peters,  Jahrb.  18j4,  V,  S.  120.  Lipoid  hat  die  hieher  gehörigen  Gesteine 
des  Leogangthales  sehr  genau  unter  dem  Namen  „schiefrige  Grauwacke" 
beschrieben.   Eb.  das.   S.  153  u.  folg. 


Ülier  die  Äquivalente  des  Rotliliegerideii  in  den  Siidalperi.  oOl 

und  bei  Cuen^a,  Kupferlagerstätten  enthält,  und  „Rodeno"  ge- 
nannt worden  ist,  Verneuil  liat  es  bisher  nicht  gewagt,  dasselbe 
als  einen  sicheren  Vertreter  des  Rothliegenden  anzusehen  i) ,  wäh- 
rend Jacquot  es  mit  Bestimmtheit  als  ein  Glied  der  permischen 
Formation  deutet  2). 

Die  letztere  Ansicht  hat  für  die  Alpen,  wenigstens  in  Bezug  auf 
das  Quarzconglomerat  (Sernftconglomerat),  in  neuerer  Zeit  immer 
entschiedenere  Vertretung  gefunden,  so  durch  Tröger  für  die  in 
Verbindung  mit  demselben  auftretenden  Kupfererze  des  Canton's 
Glarus  3)  und  durch  Osw.  Heer*).  Theobald,  dessen  ausgedehnte 
Arbeiten  in  Graubünden  für  Süd-Tirol  zunächst  in  Betracht  kommen, 
stellt  einen  Theil  dieser  rothen  Gesteine  als  bunten  Sandstein  zur 
Trias .  während  er  den  übrigen  Theil  als  Rothliegendes  oder  Stein- 
kohlenbildung ansieht  s).  Die  Trennung  der  Gruppe  erweist  sich 
auch  für  unsere  gesammten  Südalpen  als  eine  naturgemäße.  Der 
rothe  Grödener  Sandstein,  welcher  den  obersten  Theil  der 
rothen  Gesteine  in  Süd-Tirol  ausmacht,  setzt  sich  zwar  mit  wech- 
selnder Mächtigkeit,  doch  mit  vollkommen  gleichbleibenden  Merk- 
malen durch  Tirol,  Kärnthen,  Krain  und  Süd-Steiermark  bis  Croatien. 
wahrscheinlich  bis  nach  Bosnien  fort.  Porphyrgerölle  erscheinen 
zuweilen,  häufiger  Gyps.  Seine  Feuerbeständigkeit  zeichnet  ihn  an 
vielen  Punkten  aus;  bei  Triesen  in  Vorarlberg  werden  wie  bei  Kundl 
(unweit  Rattenberg)  im  Innthale,  bei  Bleyberg  in  Kärnthen  und  an 
anderen  Stellen  aus  demselben  Gestellsteine  für  die  Hochöfen  ge- 
wonnen; dieses  Merkmal  hat  er  z.  B.  mit  dem  Rothliegenden  des 
Juragebirges  gemein,  welches  ebenfalls  Gestellsteine  liefert.  Im  All- 
gemeinen erinnert  das  Aussehen,  namentlich  der  leichteren  Varie- 
täten, anVogesen-Sandstein,  wie  E  seh  er  hervorhob«),  und  wie  mein 


1)   z.  ß.    Comptes  rend.  29.  Aug.  1864,   t.  LIX  u.  Carte  geol.  de  l'Espagne. 

2j   Note  sur  l'existence  du  terr.  perniien  en  Espagne.  Ann,  d.  .Mines,   1866,   VI.  ser. 

IX,   p.  403 — 40.5.    Eine  eingehende  Schilderung  trifTt  man  bei  Lujan,   Estud.  & 

Observ.  geol.  lelat.  a  terren.  de  la  prov.  de  Badajoz,  Sevilla  etc.  4"  Madrid,  1850, 

p.  39—42. 
3)   Berg-    u.   Hüttenm.    Zeitung.   1860,    S.   303.    Zeitsehr.   deutsch,    geol.  Ges.  XIV. 

1862,    S.  Ö20— 524. 
*J   Irwelt  d.  Schweiz,  S".   1863,  S.  33. 
5)   Geolog.  V.  Graubünden.  4",   1864,   II,   S.  44. 
*)    Geol.  Bemerk,  üb.  Vorarlberg.   S.  29. 


802  su-ss. 

Führer    am    Podpletspliam,     Ht^rr    Conraetz,    oftmals    mit   Recht 
betonte. 

Es  ist  daher  auch  meine  Meinung,  daß  man  den  Grüdener 
Sandstein  als  ein  selbständiges  Glied  aufzufassen  und  nicht  nur  von 
den  älteren,  sondern  auch  von  den  autlagernden  hijheren  Schichten 
abzutrennen  hat,  wie  dies  z.  B.  die  V'erfasser  der  Tiroler  Karte  und 
insbesondere  Trinker,  von  jeher  gethan  haben. 

Eine  andere,  und  für  den  Augenblick  schwer  zu  beantwortende 
Frage  ist,  oh  man  dieses  Glied  der  Trias  oder  der  Dyas  zuzutheilen 
habe.  Die  Thatsachen,  welche  bei  uns  für  die  Einbeziehung  des- 
selben in  die  Trias  oder  gar  für  die  Vereinigung  des  Verrucano  mit 
dem  Werfener  Schiefer  geltend  gemacht  worden  sind,  wie  die  Auf- 
findung eines  Exemplars  von  Turbo  rectecostatiis  im  unteren  Theile 
des  rothen  Sandsteins  bei  Frain  i)  und  das  angebliehe  Erscheinen 
eines  Exemplars  von  Naticella  cosfatn  nahe  an  der  unteren  Grenze  des 
Verrucano  am  Monte  Ponteranica  ^j  konnten  mich  schon  darum  nicht 
von  der  Richtigkeit  einer  solchen  Vereinigung  überzeugen,  weil  diese 
beiden  Conchylien  in  den  Südalpen  in  der  Regel  nicht  einmal  der 
tieferen  Abtheilung  der  Werfener  Schichten  (Schichten  von  Seiss, 
Richthof),  sondern  der  höheren  (Schichten  von  Campil)  angehören. 
Von  großer  Wichtigkeit  für  die  Entscheidung  dieser  Frage  wäre 
Escher's  Entdeckung  von  Pflanzenresten  des  bunten  Sandsteins 
(Aethophiillnm  speciosnm .  Voltzia  heterophylla)  im  Regoledo- 
thales),  wenn  nicht  auch  diese  über  der  Hauptmasse  des  rothen 
Sandsteins  lägen. 

Je  Iteständiger  nun  die  ßeschatTenheit  des  Grödener  Sandsteins, 
um  so  mannigfaltiger  ist  jene  der  unter  demselben  und  über  dem 
Casannaschiefer  liegenden  Gruppe. 

Um  sich  einen  Üherblicrk  ihrer  Abänderungen  zu  schaffen,  muß 
man  einzelne  Th«'ile  der  Alpen  für  sich  betrachten. 

Eine  erste  Region  bildet  die  Gegend  um  die  großen  Porphyr- 
ergüsse von  Rotzen.  F.  v.  Hauer  hat*)  ein  lehrreiches  Bild  der 
Zone  von  Verrucanogesteinen  entworfen,  welche  vom  Lago  Maggiore 


1)  Smr.   .lahrl).  185.i,  IX,  S.  33«. 

2)  Kedreghini    liei    llüuer,   .I«hrb.  1838,   IX,   S.  460. 

3)  Geol.  Bemerk,  üb.  VoiHrll).   S.  68. 
*)   Jaliil».   l,S."i8.    IX,    S.  4.''.7— 463. 


über  die  Ä<iiiiv:ileiite  des  Kotliliegeii<leii  in  den  Siidalpen.  öOo 

quer  über  den  Luganer-  und  Conier-See  bis  in  das  obere  Vai-Camo- 
nica  fortsetzt,  von  dort  mit  einer  Beugung  nacb  Süd,  die  zwischen 
dem  Lago  d'Iseo  und  Lago  d'Idro  auftauchende  Insel  von  Casanna- 
Gesteinen  und  weiterhin  die  ludieanen  erreicht.  Undeutliche  Pflan- 
zenstiele sind  von  Stabile  in  dieser  Zone  im  Verriicano  gelundeii 
worden.  Hier  schon  treten.  \\\e  in  Graiibündlcn ,  stellenweise  Por- 
phyre auf,  gleichsam  die  Vorläufer  der  großen  siidlirolischen  Masse. 
In  Süd-Tirol  selbst  unterscheiden  w  ir  das  Verrucanoconglomerat,  den 
Porphyr  und  in  Verbindung  mit  diesem  bald  rothe,  tulTähnliche  Ge- 
steine, wie  sie  bei  den  neuen  Kisenbahnbauten  im  Eisackthale  viel- 
fach entblößt  worden  sind,  bald  rothen  ,  aus  den  Zerreibsei  des 
Porphyrs  gebildeten  Sandstein,  der  sich  nur  schwer  vom  Grödener 
Sandstein  unterscheiden  liitsl,  bald  auch,  wie  bei  Vall"  alta,  den  lal- 
kigen  Quarzit '). 

Das  Verrucano-Conglomerat  scheint  in  dieser  Richtung  sehr  an 
Mächtigkeit  zu  verlieren.  Am  M.  Lefre  bei  Strigno  habe  ich  es  noch 
gesehen,  von  Vall'alta  ist  es  beschrieben  worden,  eben  so  noch  von 
Forni- Avoltri,  bei  Recoaro  erscheint  jedoch  über  dem  älteren 
Schiefer  nur  stellenweise  ein  Conglomerat,  dessen  Mächtigkeit  1  Met. 
kaum  übersteigt,  während  an  anderen  Stellen  der  rothe  Sandstein 
unmittelbar  den  Schiefer  bedeckt  2). 

Gegen  Nordost,  gegen  das  Sextenthal  und  Inichen,  wo  L.  v. 
Buch  die  Conglomerate  dem  Rothtodtliegenden  gleichstellte 3), 
scheint  keine  sehr  beträchtliche  Veränderung  dieser  Schichtgruppe 
einzutreten,  mit  Ausnahme  der  Abwesenheit  des  Porphyrs,  der  übri- 
gens z.  B.  bei  Maria  Lukau  im  Gailthale  wieder  erscheint. 

Einen  wesentlich  anderen  Charakter  tragen  die  Äquivalente 
dieser  Gruppe  in  dem  Gebiete  von  Idria,  im  unteren  Gailthale,  im 
südöstlichen  Kärnten  und  wohl  bis  gegen  Turrach  hin  an  sich.  Die 
Schichtenfolge  unter  dem  Grödener  Sandstein  in  der  Grube  zu  Idria 


^)  Richthofen  hat  allerdings  versucht,  den  ganzen  Grödener  Sandstein  als  eine 
Tuffbildung  der  Porphyr's  darzustellen,  ich  glaube  jedoch,  daß  man  die  Tuffbildun- 
gen in  der  Natur  von  dem  weit  verbreiteten  und  in  seiner  Zusammensetzung  so 
beständigen  Grödener  Sandstein  zu  trennen  im  Stande  ist.  (Geogn.  Beschreib,  v. 
Predazzo,  S.  47.) 

2)  Schauroth,  Sitzungsber.  18öä,  XVIII,  S.  489;  Piro  na,  Atti  dell' Istit.  Venet. 
1862/3,  VII.  3.  ser.   p.  1139—1145. 

3)  Mineralog.  Taschenb.  f.  1824,   11,  S.  398. 


804  Suess. 

weicht  außerordentlich  von  jener  ab,  welche  in  Süd-Tirol  unter  dem- 
selben Sandstein  entblößt  ist.  Porphyr  und  rothes  Verrucanoconglo- 
merat  sind  verschwunden,  der  Silberschiefer  ist  allerdings  seinem 
Gesteine  nach  von  Stapff  dem  graphitischen  Schiefer  von  Vall'alta 
gleichgestellt  worden,  aber  sonst  wird  man  außer  dem  gemeinschaft- 
lichen Gehalt  an  Quecksilbererzen  kaum  eine  weitere  Übereinstim- 
mung finden,  —  es  sei  denn,  daß  man  den  rothen  Schiefer  aus  den 
tieferen  Theilen  des  Baues  in  Idria  jenem  gleichstellen  wollte,  der 
nach  Es  eher  am  Wallensee  und  bei  Mels  im  Norden,  wie  am 
Comersee  im  Süden,  als  tiefster  Theil  des  Verrucano  erscheint'), 
oder  daß  man  den  feldspathführenden  grauen  Sandstein  in  Liegen- 
den der  Lagerstätte  in  irgend  einen  genetischen  Zusammenhang  mit 
den  Porphyren  bringen  wollte, 

Bänke  von  Kalkstein  und  Dolomit  sind  es,  deren  Erscheinen  den 
wesentlichsten  Unterschied  gegenüber  den  südtirolischen  Vorkommnis- 
sen bedingt,  wobei  es  allerdings  aulTällt,  daß  auch  westlich  von  der 
Botzener  Masse,  am  Comersee,  Einschaltungen  von  Rauchwacke  und 
dolomitischem  Kalkstein  in  das  rothe  Conglomerat  erwähnt  werden  2). 
Man  unterscheidet  in  Idria  mehrere  solche  Kalklagen,  und  es  ist  nicht 
unmöglich,  daß  jenes  Kalkflötz,  welches  den  Silberschiefer  vom 
Lagerschiefer  trennt,  das  genaue  Äquivalent  der  zinnoberführenden 
Kalksteinlagen  von  Kerschdorf  und  vom  Pototschnik  am  LoibI,  so 
wie  der  dolomitischen  und  ebenfalls  Spuren  von  zinnoberführenden 
Zwischenlagen  des  oberen  Schiefers  bei  Turrach  darstelle. 

Nebst  diesen  tieferen  und  lichten  ist  aber  in  Idria  auch  ein 
höheres,  dünngeschichtetes  Kalklager  unmittelbar  unter  dem  Grödener 
Sandstein  am  Ausgange  des  Scounzegrabens  erwähnt  worden ,  wel- 
ches trotz  seiner  allenthalben  geringen  Mächtigkeit  als  übereinstim- 
mend mit  dem  dunklen  und  dünngeschichteten  Liegendkalk  am  Pod- 
pletscham,  mit  den  dunklen  Kalkspuren  von  Njuca  bei  Polschizza, 
dem  Kalkstein  von  Maria  Elend  im  Gailthale  und  dem  Hangendkalke 
vom  Pototschnik  angesehen  werden  dürfte.  Das  Auftreten  eines 
sich  über  eine  so  weite  Strecke  fortsetzenden  Kalktlötzes  an  der  Basis 
des  Grödener  Sandsteins  scheidet  diesen  hier  von  der  quecksilber- 
reichen Gruppe  ab. 


0   Geol.  Bemerk,  üb.  Vorarlb.,   S.  88. 

-)   Z.   B.   Hauer.    Jahrb.   1858,   IX,   S.  460. 


über  die  Äquivalente  des  Rothliegenden  in  den  Südaipen.  (SOI) 

Dieser,  den  westlichen  Theil  von  Kärnten  und  Krain,  etwa 
vom  Gailthale  bis  zum  Karst  umfassende  Theil  der  Alpen  ist  es,  in 
dem  man  wohl  noch  die  meiste  FlolTnung  hat,  früher  oder  später  die 
Spuren  der  Meeresfauna  des  Zechstein's  aufzufinden.  Bei  Kappel  im 
Vellachthale  erscheinen  Serpentin  und  grüne  aphanitische  Gesteine 
mit  dem  Quecksilber  unter  dem  (ircdener  Sandstein;  bei  Neumarktl, 
im  Kankerlhale  und  an  der  Feistritz  treten  die  Porphyre  wieder  her- 
vor. Von  den  im  Südosten  folgenden  Fortseizungen  will  ich  nur 
erinnern,  daß  es  bei  Csubar  in  Croatien  wieder  grauer  Sandstein  ist, 
welcher  Zinnober  führt,  und  daß  bei  Szamobor  das  Quarzconglomerat 
des  Verrucano,  wenn  auch  nicht  in  großer  Mächtigkeit,  als  eine 
Lage  von  Eisenerz  wieder  erscheint,  an  die  von  Curioni  beschrie- 
benen Eisenerze  des  Val-Varrone  erinnernd.  — 

Die  vorangehenden  Bemerkungen  bringen  mich  zu  dem  Schluße, 
daß  die  außerhalb  der  Alpen  so  mächtig  entwickelte  Dyasformation 
auch  innerhalb  derselben  mit  Bestimmtheit  als  vorhanden  anzusehen 
ist,  wie  dies  auch  die  Ansicht  vieler  älterer  Beobachter  war.  Die 
weiteren  Besultate  aber  lassen  sich  vorläufig  folgendermassen  zusam- 
menfassen : 

1.  Vom  Grödener  Sandstein  bleibt  es  unsicher,  ob  er  noch  dem 
bunten  Sandstein  (etwa  dem  Vogesen-Sandstein)  oder  einer  höheren 
Abtheilung  des  Rothliegenden  gleichzustellen  ist. 

2.  Verrucano,  Talkquarzit  und  die  große  Porphyrmasse  von 
Süd-Tirol  fallen  dem  Rothliegenden  zu. 

3.  Wo  in  den  Südalpen  Porphyr  und  Verrucano  fehlen,  pflegen 
sich  in  den  oberen  Horizonten  des  Schiefers  Kalkflötze  einzuschalten, 
welche  mit  dem  Porphyr  den  Reichthum  an  Quecksilber  gemein 
haben. 

4.  Die  Thonglimmerschiefer  und  Glimmerschiefer,  welche  hier 
als  Casannaschiefer  bezeichnet  werden ,  sind  trotz  ihrer  häufigen 
Ähnlichkeit  mit  älteren  Felsarten  dennoch  jünger  als  die  anthrazit- 
führenden Schichten  der  Stangalpe;  bei  Tergove  umfassen  sie  etwa 
in  der  Mitte  ihrer  Mächtigkeit  eine  Flora,  welche  nach  den  letzten 
Bestimmungen  dem  höchsten  Horizonte  der  Steinkohlenformation 
entspricht. 

5.  Die  Granite  der  Cima  d'Asta,  von  Brixen  und  von  Kappel  und 
der  Tonalitgneiß  von  Kappel  bilden  Lager  in  dieser  Schiefermasse 
und   gehören   somit   ihrem  Alter   nach  der  obersten  Abtheilung  der 


806  Siiess.   Über  die  Äquivalente  des  Hothlieg-enden  in  den  Siidalpen. 

Steinkohlenformation,  in  einem  Falle  (Granitit  bei  Kappel)  vielleicht 
schon  der  unteren  Dyas  an. 

6.  Erst  unter  all'  iliesen  Gesteinen  lagern  die  bisher  als  Vertre- 
ter der  Steinkolilenl'ormation  angesehenen  Gesteine,  von  denen  jedoch 
der  obere  Kohlenkalk  vielleicht  stellenweise  den  Casannaschiefer  ganz 
oder  zum  Theile  vertritt. 

Die  veränderte  AulTassung  der  stratigraphischen  Verhältnisse 
im  Val-Sugana,  im  Gailthale,  bei  Kappel  und  an  anderen  Orten  habe 
ich  ausführlicher  besprochen. 

Durch  die  Einreihung  tles  Thoiiglimmerschielers  in  einen  ver- 
liältnÜMnäßig  so  hohen  Horizont,  insbesondere  aber  durch  den  Nach- 
weis des  passiven  Verhaltens  der  einzelnen  Ergüsse  von  Porphyr 
und  granitischen  Gesteinen  gegenüber  der  Erhebung  der  Alpen,  ge- 
langt man  zu  einem  weitaus  einfacheren  Bilde  des  Gefüges  der 
Alpen  überhaupt.  Dieser  Grund  war  es  auch,  welcher  mich  haupt- 
sächlich veranlaßte,  meine  hierauf  bezüglichen  Beobachtungen  der 
Prüfung  jener  zahlreichen  Sehaar  von  Fachgenossen,  welche  alljähr- 
lich unser  Hochgebirge  durchstreift,  in  einem  Augenblicke  zu  über- 
geben, in  welchem,  >vie  ich  mir  nicht  verhehle,  ein  großer  Theil  der 
sich  aufdrängenden  Fragen  noch  ohne  Antwort  bleibt. 


Si.nCs-    .SlMl.il|irii 


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Jdeales  JOronivon^uri-Trrol, 


t'Klo'l'  <l   k.Aklxl-l 


Et  t  i  II  "'S  li  :i  IIS  e  n.    Die  fossile  Flora  i\.  üll.  ßi'aiiiikoiileiironii.itioii  et"'.       öü/ 


Die    fossile    Flora    der    älteren    ßrnunkohlenformalion    der 

Wetterau. 

Von  dem  c.  M.  Prof,  Dr.  Const.  Frcih.  v.  Ettiiigshaascn. 

(Mit    T)   TiitVIn.) 

V^or  mehreren  Jahren  erliiell  ich  durch  Hrn.  Prof.  Klipstein 
sehr  schöne  und  reichhaltige  Sannnhingen  von  Pflanzenresten  aus  der 
älteren  Braunkohleiiformation  der  Wetterau  zur  Untersuchung.  Meine 
Arbeiten  über  die  Tertiärfloren  von  Bilin  und  Sagor,  insbesondere  die 
damit  verbundenen  Vergleichungen  verwandter  fossiler  Floren  führ- 
ten mich  zur  Benützung  der  Resultate  dieser  Untersucliungen.  Ich 
finde  mich  deßhalb  veranlaßt,  dieselben  als  einen  Beitrag  zur  Keiint- 
niß  der  vorweltlichen  Flora  der  Wetterau  der  ÖtTentlichkeit  zu  über- 
geben, einestheils  weil  ich  in  den  erwähnten  Arbeiten  auf  diese  hier 
publicirlen  Untersuchungen  verweise,  anderntheils  weil  sie  von  den 
im  VKI.  Bande  der  Palaeonlographica  bekannt  gemachten  Bestimmun- 
gen und  Artenaufstellungen  Ludwigs  über  die  fossilen  Pflanzen- 
resle  der  genannten  Formation  vielfältig  abweichen. 

Die  fossile  Flora  der  älteren  Braunkohlenformation  der  Wetterau 
enthält  nach  meinen  Bestimmungen  229  Arten,  welche  sich  auf 
32  Classen,  68  Ordnungen  und  123  Gattungen  vertheilen.  Von  den- 
selben sind  104  Arten  dieser  Flora  eigenthümlich;  die  übrigen  theilt 
die  fossile  Flora  der  Wetterau  mit  anderen  fossilen  Floren,  als :  mit 
der  Tertiärflora  der  Schweiz  89,  mit  Bilin  65,  mit  Sagor  34,  mit 
der  niederrheinischen  Braunkohlenformation  31,  mit  Radoboj  24,  mit 
Parschlug  24,  mit  Sotzka  20,  mit  Häring  15  u.  s.  w. 

Aus  beifolgender  Tabelle  ist  ersichtlich ,  daß  die  Mehrzahl  der 
gemeinsamen  Arten  in  den  verschiedenen  Floren  der  aquitani- 
schen  Stufe  vorkommt.  Ich  kann  daher  der  Ansicht  Lud wig's, 
welcher  zufolge  das  Alter  dieser  fossilen  Flora  als  unter- oligocän  oder 
tongrisch  zu  bezeichnen  sei,  nicht  beipflichten.  Als  charakteristische 
Arten  sind  hervorzuheben:  Chara  gramd'ifera  Heer,  Pteris  Gau- 
dini  Heer,  Lygodium  Gaudiiii   Heer,   Cyperus   Sirenum   Heer, 

Sitzt),  d.  mathem.-naturw.  CI.  LVII.  Bd.  I.  Abtii.  ^>% 


öOo  V.    Etti  II  n-sliausf  II 

Putitca  Protohiiy.v  (ioepp. ,  Quercus  Godet'i  Heer.  Nyana  oho- 
vdtd  \V<!l).,  Dri/it/i(/rol<li's  //(if/c/tf/nchi  Heer  sp.,  Apuciftiophyl- 
Ikki  pai-Iii/p/iij//iini  liW. ,  /Jonibci/opsis  iJtu'hcnl  Wel». ,  Cehistrus 
scandenfifolhi.H  Web.,  Ta.vodio.vyloH  (rorppertt,  Atakto.vy/oii  Lin- 
Ä// Hart..  Fof/icuf{(i;s  Iiti/lrHnort//ieini<'/isis  /eiik.  Nur  eine  ein- 
zige Art.  Weiinniuinid  micntp/iy/la  Etl.  ans  der  fossilen  Flora  von 
Häriiig,  kam  l>is  jetzt  der  tongrischen  Stufe  aiisscliließlieli  zu.  Von 
diMi  der  tongrisehen  und  a(|iiilanisclien  Stufe  gemeinsch.'jftijchen 
.Arten  kamen  liier  Üiyii/u/i)ti(/<'s  f/a/tksuu'/h/l((  Uevv,  />.  acuminata 
Ung.  sp.  und  J^nhintlohliDii  so/zklauinii  l'ng.  zum  V'orselieine.  Zu 
den  in  oligor;uu*n  Flin-en  vm-lierisclicnd  verbreiteten  Arten  geboren  ; 
Podocinpiis  eocenica  Ung.,  i'oryluH  insiynis  Herr,  Quercus  fni- 
ri/iervis  i{ossm.  sp.,  Laurttfi  pritNif/enia  Ung.,  CiHHUHioMum  /.a/i- 
ceoliUnm  Ung.  sp. ,  C.  liosattHn'ss/eri  Heer,  C.  specfuhi/e  Heer, 
SunffäniH  ac/iero/äicum  Kit.,  ßnnksia  Vngeri  Ett.,  Cmchonidinm 
bili/ticum  Ett.,  Aiidromedii protofpicdX]  w^.,  CasfiiaPhaaeoUtes  U  n  g. 

Uezüglich  der  Sebilderung  der  geologiscben  V^erbältnisse  von 
Kundorten  fossiler  Pflanzenreste  im  (Jebiete  der  älteren  Wetterauer 
Hraunkoblenlormation  verweise  icb  auf  Ludwig's  Abbandlung. 

JJie  Melirzalil  d(;r  oligocänen  Arten  kommt  in  Münzenberg  vor, 
welMialb  ieli  diese  Lo(;alität  für  älter  annehme,  als  die  übrigen 
Fundorte. 

Aueli  dürflen  die  Verschiedenheiten,  welehe  sieb  bei  Ver- 
gleiehung  der  beiden  artenreichsten  Localtloren  von  Münzen berg 
und  Salzhausen  in  aulVallender  Weise  bemerkbar  machen,  am 
besten  in  einem  zwischen  diesen  Floren  bestehenden  Altersunter- 
schiede ihre  Erklärung  finden.  Sie  bezeichnen  eben  die  Veränderung 
der  vorweltlichen  Flora  der  Wetterau  in  der  aijuitanischen  Zeil. 
Während  die  Flora  von  Münzenberg  ihrem  Charakter  nach  mit  der  des 
Polirschiefers  von  Kutscblin  übereinstinnnt,  nähert  sich  die  der  Blät- 
terkohle von  Salzhausen  mehr  der  Flora  des  plastischen  Thones  und 
des  Hrandschiefers  von  Bilin.  in  Münzenberg  sind  die  Proteaceen 
und  ajkdere  Pflanzen  formen  der  neuholländischen  Flora  durch  eine 
grö(J>ere,  die  Uupressineen,  .\bietineen,  Ulmaeeen,  Juglandeen  durch 
eine  geringere  Arienzahl  vertreten.  Die  'rro])enformen  der  aquitani- 
schen  Stufe  sind  hier  dun;!)  die  Gattungen  Lyyodinm,  Mtisophyllum, 
Ataliophyllaiii  und  Caesalpinui  vermehrt.  In  Salzhausen  kommen 
diese  Tropenfornien  reichlichei-  vermengt  mit  .\rten  vor,   welche  der 


Die  fossile  Flora  der  ültereii  Bniuiikolileuroniiatioii  der  Wetterjiii. 


809 


wärmeren  gemäßigten  Zone  entsprechen.  Endlich  treten  an  letzt- 
genannter Lagerstätte  hereits  einige  Arten  auf,  die  den  Floren  der 
Lausanne-  und  der  Öningerstufe  angehören;  sie  sind  in  der  nachfol- 
genden Zusammenstellung  besonders  liervorgehohen.  Oh  auch  die 
(ihrigen  Verschiedenheiten  der  genannten  Localtloren  dem  Knlw  ick- 
lungsgange  der  Vegetation  während  der  aquitanischen  Epoche  zuzu- 
schreihen  sind,  muß  noch  dahingestellt  bleiben. 


MüQzenberg. 

Filices  7,  durunter  Lygodium  Gaudini. 

Muüophyllum  1. 

Palmae  2. 

Cupressineac  \. 

Ahietineae  — 

Mtjricuceae  3. 

Betulaceae  — 

Cupuliferae  11. 

Ulmacene  2. 

Artocarpeae  1. 

TAquidamhar  — 

Salicineae  4. 

Laurineae   7,    darunter   5   Cinnamo- 

micm-Arlen. 
Santalaceue  — 
Daphnoideae  — 
Piotcaceae  7. 
Apocijnaceae  1. 

Myrsineae  — 

Ampelideae  — 
Saxifragaceae  1. 
Magnoliaceae  1. 
Bombaceae  — 
Acerineae  4. 
Malpighiueeae  — 
Sapindaceae  2. 
Pittosporeae  — 
Celastrineae  2. 
Rhamneae  2. 
Juglandeae  4. 
Atiacardiaceae  1. 
Myrtaccae  — 
Leguminosae  2, 


Eutschlin  a.  Kostenblatt  bei  Bilin. 

Filicesl,  darunter  eine Loinuriopsis-A. 

Miisaceae  2. 

Palmae  2. 

Cupressineae  2. 

Ahietineae  2. 

Myricaceae  i . 

Betulaceae  — 

Cupuliferae  2. 

Ulmaceae  1. 

Artocarpeae  — 

Liquidambar   — 

Salicineae  3. 

Laurineae  19,   darunter  6  Cinnam.-A. 

Santalaceae  2  (Leptomcria). 

Daphnoideae  2. 

Proteaceae  11. 

Apocynaceae    4,     darunter  Apocyno- 

phyllum  pachyphyllum. 
Myrsineae  9,  darunter  Myvsine  Dury- 

phora. 
Ampelideae  (Cissus)  2. 
Saxifragaceae  7. 
Magnoliaceae  3. 
Bombaceae  S. 
Acerineae  1. 
Malpighiaceae.  — 
Sapindaceae  11. 
Pittosporeae  1. 
Celastrineae  14. 

Rhamneae  10,  darunter  Pomaderris. 
Juglandeae  2. 
Anacardiaceae  3. 
Myrtaceae  6. 
Leguminosae  17. 

52* 


310  V.    R 1 1  i  II  g  s  li  a  11  s  e  n. 

Blätterkohle  von  Salzhausen. 


Filices  3. 

Smilax  f/rundifoliii. 

Palinae  3. 

Cupressineae  5,   darunter  Gli/ptoulro- 

btis  enropueun. 
Abietineae  5,   darunler  Piniit<  nyins. 
M;/ricaceue  — 

BetulaceuH  5,  dHruiiter  li.  pri-sm. 
Cupiiliferae  8. 

Ultnaceue  S,  darunter  U.  Lonyifulia. 
Artocarpeae  1. 
Liqiiidamhur  2. 
Salicineae  4. 

Laurineuc.  <i,  darunter  3  Ciiittaiii.-k. 
Santalacfue   1. 
Daphnoideae  3. 
Pioteuceue  S. 
Apocyiiactiiw  5,    darunter    .1.  puchi/- 

phyllum. 
Myrsineue  \  ,  darunter  31.  Dori/p/iora. 
Ampelideae  (Vi(is)  2. 
SuxifragaceuH  — 
Magnotiaceae  2. 
Bütnbaceae   — 
Acerineae  5,    darunter    Acer    Briuk- 

nianni. 
Malpighiaceae  1. 
Sapindaceae    2 ,     darunter    Cupania 

grandis. 
Celastrineue  i . 
Rhanineae  4,  darunter  eine  der  Patiii- 

rus  Favonii  analoge  Art. 
Juglandeae  6,  darunter  Carya  ventri- 

cosa. 
Anacardiaccae     2  ,     ilarunt<*r     RIiuk 

deleta. 
Mijrtaeeae  — 
Leguminosae  .*j. 


Plastischer  Thon  u.  Brandschiefer 
von  Bilin. 

Filiceti  ». 

.*?.  grundifiiliti. 

Pill II tue   I . 

Cupressineut;    6,     darunter   G.    enro- 

paenis. 
Abietineae  2.  darunter  Pinus  rigios. 
Mi/ricaceae  2. 

Ui'tuinc.  8,  darunter  B.  princa. 
(^iipiilifeiae  i 6. 

Ultnaceue  7,  darunter  U.  lougifulia. 
Artocarpeae  5. 
Liquidarnbur  1. 
Salicineae  6. 

Luiirin.  10,  darunter  2  Cinnum.-krten. 
Santalaceae  1. 
Daphnoideae  3. 
Piuleaceae  5. 
Apucf/naceae  4. 

Myrsineae  7. 

Ampelideae  (  Vitin)  i. 

Saxifragaceae  — 

Magnuliaceae  — 

Bumhaceae  2. 

Acerin.  11,  darunter  ^.  Bruckmanni, 

Malpighiaceae  1. 
Sapindaceae  1. 
Pittosporeae  — 
Celastrineue  9. 

Rhamneae  8,    darunter  Paliurus  Fa- 
vonii. 
Juglandeae  7. 

Anacardiaceae  3. 

Myriaceae  2. 
Leguminoaae  5. 


Die  fossile  Flora  der  alteren  Hinuiikolileiiformatinn  der  Wetterau.  8  1   1 

Reg.  l    TIIAIil^OPHYTA. 

Class.   Alg^ac. 

Ord.  Confervaceae. 

fonferva  crinalis  Ludwig. 
Ludwig,  Palaeontogiaphica,  BH.  VIH,  S.  ö8,  Tal.  19,  Fi^j.  7.7a. 

Die  Deutung  dieses  Fossils,  welches  mit  Gehäusen  von  Land- 
schecken im  Süßwassei'k.'tik  von  fTocIihfim  massenhaft  vorkommt, 
als  Conterva  scheint  mir  sehr  zweitelhalt  zu  sein.  Aus  der  Unter- 
suchung eines  Stückes  dieses  Kalkes  gewann  ich  die  Ansicht,  daß  die 
für  eine  Conlerve  zu  dicken  Stengelchen  entweder  einer  Characee 
oder  irgend  einem  Snmpfmose  angehörten.  Bei  der  mangelhaften 
Krhaltiiiig  derselhen  wagte  ich  nicht  sie  zu  hestimmen. 

Für  noch  mehr  zweifelhaft  halte  ich  die  unter  der  Bezeichnung 
Covferva  Pyrit ue  Ludw.  I.  c.  S.  J>9  heschriebenen  Reste,  deren 
organischen  Ursprung  überhaupt  ich  in  Frage  stelle.  Da  auch  keine 
Abbildung  derselben  gegeben  A\urde,  s(t  habe  ich  sie  aus  dieser 
Flora  gestrichen. 

hCben  sn  muß  ich  Anstand  nehmen,  die  im  Thonsteine  von  Mün- 
zenberg und  im  Eisensteine  von  Rockenberg  vorkommenden  als 
Nontoc  prologaciim  bezeichneten  Reste  ([judw.  I.  c.  S.  48)  in 
unsere  fossile  Flora  au tV-u nehmen. 

Kleine  Hohlräume  zwischen  Schichten  mit  Blätterabdrücken 
habe  ich  an  den  von  mir  untersuchten  Lagerstätten  fossiler  Pflanzen 
oftmals  gesehen,  auch  solche,  wie  sie  Jjudwig  besclu'eibt  und  für 
den  Noaloc  protogaeum  in  Anspruch  nimmt.  Wenn  ich  aucb  an- 
nehme, daß  diese  Höhlungen  durch  das  N'erscliwinden  irgend  eines 
organischen  Einschlusses  entstanden  sind,  so  kann  ich  bier  keinen  An- 
haltspunkt finden,  um  daraus  auf  eine  vorweltliche  Pflanzenart  zu 
schließen. 

Ord.  Characeae. 

fhara  granaHfera  Heer. 
Heer,  Te.tiärflora  der  Scliweiz,  Bd.  I,  S.  27,  Taf.  4,  Fi?.  8.  —  Ludwig 
I.  c.  S.  o9,  Taf.  19,  Fif,'.  4,  a,  b. 

Mit  den  von  Ludwig  1.  c.  abgel)ildeten  rÄf/;7/-Früchten  aus 
dem  Cerithien-Thone  von  Gronau  und  OITeiibach  dürften  auch  die 
i  m  Thonsteine  von  Münzenberg  und  bei  Rockenberg  aufgefundenen 


^12  V.     E  t  <  i  n  (»  8  li  a  u  s  p  n. 

Chara-S>{vi\l<;e\  (Liidw.  I.  c.  Tal".  11),  Fig.  3)  zu  Chara  granulifera 
gehören.  Ich  hahe  sehr  ähnliche  Stengel  mit  den  Früchten  dieser 
AK  in  einem  tertiären  Mergel  beiTülTer  in  Untersteiermark  gefunden. 

Class.   FiiiijSfi. 

Ord.  Hyphomycetes. 

Phyllerinm  Friesii  A.  Braun. 
Heer,  1.  c.  Bd.  I,  vS.  14,  Taf.  2,   Fig.  3.  —  Ludwig  1.  c.  S.  53,  Taf.  8, 

Fig.  4,  a. 

Der  in  Münzenherg  auf  den  Blättern  von  Acer  triatspufatum 
A.  Braun  aufgefundene  Pilz  (Lud\v.  I.  e.  Taf.  8,  Fig.  4,  «)  stimmt 
mit  dem  auf  derselben  Ahorn-Art  im  plastischen  Tlione  von  Priesen 
bei  Bilin  vorkommenden  Pilze  (Ettingsh.  I.  c.  Taf.  1,  Fig.  14)  voll- 
kommen überein.  Bei  beiden  scheint  der  an  den  Oninger  Exemplaren 
deutlich  sichtbare  belle  Band  zu  fehlen.  Ich  zueille  delibalb,  daß 
diese  Pilze  mit  Pliylierium  Friesii  gleichartig  sind. 

Ord.  Pyrenomycetes. 

Sphacria  Brauuii  Heer. 

Heer,  1.  e.  S.  14.  Tai'.  1,   Vv^.  2.   —   Ludwig,   I.  c.  S.  53,  Taf.  8,  Fig.  2. 

Auch  diesen  Blallpilz  llieill  Münzenberg  mit  dem  i>lastiscben 
Thone  \on  Priesen.  Ludwig  fand  denselben  auf  Blättern  von  Popo- 
tus  mtitahills ;  ich  fand  ihn  auf  Blättern  von  Juglnns  in  Bilin  und 
auf  denen  von  Popuhta  lalior  aus  Salziiausen. 

Sphaeria  areolata  Fres. 

Fresenius  u.  H.  v.  Meyer,   IViIi.oontograpiiioa ,  Bd.  IV,  S.  202,  Taf.  37, 
Fig.  9—12.  —  Ludwig,  I.  c.  S.  54,  Taf.  8,  Fig.  11. 

Ludwig  fand  diesen  interessanten  Pilz  im  Moder  zwischen 
Blättei'u  in  der  Braunkohle  bei  Salzliauscn  und  llessenbrücken. 

Sphacria  turbinea  L  u  d  w. 

Ludwig,   Palacnntogrit[)liica,   Bil.  VIII,  vS.  Ö4,  Taf.  8,   Fig,  10. 

Dieser  ebenfalls  aus  einem  Moder  in  der  Braunkohle  von  vSalz- 
bausen  gesammelte  Pilz  unterscheidet  sich  von  der  vorigen  Art  durch 
das  birnfürm  ige  kurzgestielte  Peritbecium. 


I»ie  fossile  Flor»  der  alfereit  BiHiiiiknIilfiifoi m^tioii  dpr  W Xlerau.  O  I  t» 

Uepazea  picta  Heer. 

Heer,  Tertiäi  tlora  d.  Schweiz,   Hd.  I,  S.  16,    Taf.  2,   Fig.  H.   —  Liidwior, 
I.  c.  S.  54,  Taf.  8.  Fig.  8. 

Dieser  Blattpilz  kommt  zu  Miiiizeiiherg  und  Salzhauseu  sowie 
in  Öningeu  auf  Acer  trilobntum  vor.  Au  ersterer  fjocalität  fand  ihn 
Ludwig  auch  auf  Blättern  der  Salic  media. 

Phacidiam  rimosiim   \j  n  d  w. 

Ludwig,  Palaeontographica,  Bd.  VIII,  S.  'ü),  Tat'.  8,  Fig.  'A,  n,  h. 

Ein  von  Lu  d  wig  auf  einem  iinhesfinuiihareu  Blattreste  iiriTliou- 
steiue  von  Münzeuherg  aufgefundener  Pilz. 

Scheint  dem  auf  Myrtaceen-^\^i\^ev\\  vorkommenden  Phacidium 
Eugeiiimum  Heer  sehr  ähnlich  zu  sein;  ist  jedoch  von  demselben 
durch  di»^  halhkugelförmig  hervortretenden  Perilhecien  verschieden. 

Hysteriam  opegraphoides.  Goepp.  sp. 
Taf.  I,  Fig.  1  II.  2 ;  Fig.  2,  h  vergrößert. 
Heer,  Tertiarflora  d.  Schweiz.  Bd.  F,  S.  18,  Taf.  2,   Fig.  8.  Ludwig,  I.  c. 
S.  53,  Taf.  8,  Fig.  7.  —  Syn.  IIy.s(i'riles  opegrap/ioüles  C,  oe[i\niit 
Gattungen  fossiler  Pflanzen.  S.  111,  Taf.  14.  Fig.  1.  2. 

H.  peritfieciis  ellipticis  vef  laiiceolntis  erumpentibus,  niargine 
eferato  vinctia. 

Vorkouinien.   In  der  Biätterkohle  von  Salzhausen. 

Diesen  zuerst  von  Goepp<'rt  entdeckten  Biattpilz  fand  Heer 
auch  unter  den  PHanzenfossilien  des  Hohen  Rhonen  und  zwar  ehenfalJs 
auf  Acer  tricitspidatnm  A.  Braun. 

Heer  bemerkt  a.  a.  0.,  daU»  ^Wk^,  Perithecien  bei  dem  Pilze  von 
Salzhausen  etwas  länger  und  schmäler  sind,  als  bei  dem  Schweizer 
Pilze.  Letzterer  liat  elliptische  an  den  Enden  ziemlich  stumpfe  Peri- 
thecien. 

An  den  mit  zahlreichen  Perithecien  bedeckten  Ahornhlättern 
von  Salzhausen,  welche  auf  beifolgender  Tafel  l  abgebildet  sind, 
kommen  beide  Formen  vor.  Sie  dürften  verschiedenen  Entwicklungs- 
stadien des  Pilzes  entsprechen.  Die  Perithecien  sind  oft  an  einem 
Ende  zugespitzt  und  manchmal  schmallanzettlich. 

Hysterium  catetmlntum  Ludw.  1.  <•.  S.  o^i,  Taf.  8,  Fig.  9  ist 
von  H.  opegrnphoides  nicht  verschieden,  weder  nach  der  Form  und 
Vertheilung  der  Perithecien,  noch  nach  dem  Vorkommen.  Beiderseits 


iS  I  4  V.     E  t  (  i  n  g  s  li  .1  II  •!  e  II. 

spitze  und  kleinere  Perilheeien  .s!»h  ieli  aueli  unter  den  mir  vorliegen- 
den Exeinphtren  des  m\z\vc\i'e\\vM'tei\  H.  opi'grujthoifles.  Eben  so  wenig 
kann  auf  das  Vorkommen  mehrerer  dielit  nelien  einander  liegender 
oder  verwachsener  Exemplare  hier  ein  Ciewieht  zur  Unterscheidung 
einer  besonderen  Art  gelegt  werden. 

Xylomites  Daphnogenes  Heer. 

He  CT,  Terliärfloia  I,    S.  20,    TaC.  1,    Fig.  11.    —  Ludwig  I.  c.  S.  o6, 
Taf.  42,  Fig.  1  u.  6. 

Vorkommen.  Auf  Hlättern  von  Cinnamomum  polymorphum 
im  Thonsteine  von  Münzenherg. 

Ol)  die  von  Ludwig  a.  a.  0.  abgebildeten  Pilze  zu  Xylomites 
Daphnogeites  Heer  gehören,  erscheint  mir  noch  als  zweifelhaft.  Die 
Flecken  auf  den  Münzenberger  Blättern  zeigen  eine  ziemlich  scharf 
begrenzte  Scheibe. 

Rh}(ismu  lliiii  Ludw. 
Ludwig,  Palaeoutogr.  VllI,  S.  aG,  Taf.  8,  Fig.  ö,  6. 

Vorkommen.  Auf  Blättern  von  Ulmus  Bronnii  \\\  der  Blätter- 
kohle von  Salzhauseii. 

Über  die  Richtigkeit  der  Bestimmung  dieses  Blattpilzes  bin  ich 
ebenfalls  im  Zweifel.  Die  Flecken  haben  mehr  Ähnlichkeit  mit  den 
von  einer  Sp/iaeria  erzeugten. 

Ord.  Gasteromycetes. 

Sclerotium  popullcola  Heer. 

Heer,  'l'eitiSrnora  L  S.  20,  'faf.  2,  Fig.  10.   -   Ludwig,  1.  c.  S.  56. 

Nor  kommen.  Auf  Blättern  von  Populus  mutahilh  in  den 
Schichten  der  Braunkohlciiformalion  bei  Salzhausen  und  Steinheim. 

Phclonites  lignitum  Fr  es. 

Freseniu.s,   Pal;.,  ontograpliiea,  Hd.  VIM,  S.  ISU,  Taf.  62,  Fig.  1—5. 

Vorkommen.  In  der  Braunkohle  von  Salzhausen  und  Bom- 
mersheim. 

Fhelonitcs  strobiliuu  Fr  es. 
Fresenius,  I.  e.   S.  157,  Taf.  62,   Fig.  16-27. 

Vorkommen.  Mit  voriger  Art  in  Salzhausen  und  Bommers- 
hcini. 


Dip  fipssilp  Florn  dpr  iiltprpii  Braiiiikniilpiifoimatinn  der  WeltrrAn.  (S  I  ,) 

Ord.  Hymenomycetes. 

P«'zlza  syhatica   f^ii  d  w. 

I.tidwi-,   l^■^I:u>o^(o^^•i^pllk••.^  Bd.  VIII,  S.  57,  Taf.  8,  Fit,'.  12.  n.  b. 

\'()  rk  <i  ni  ni  f  II.   In  der  IJaiikoliI»«  v(»ii  Salzhausen. 

Hydnum  Argillae  Lii  d\\. 
LiidwiiT,  I.  c.  S.  S7,  T«f.  8.  Fig.  1.  a-e. 

Voi-koMimen.  Im  Tlioiistcin«'  von  Wüiizenberg. 

Reg.    II.  «'OR:flOI»HYTA. 

Class.  Iflu.soi. 

Ord.  Bryaceae. 

Hypnani  carbonariam  Liidw. 
Ludwig,  I.  c.  S.  62,  Taf.  9,  Fig.  6;   Taf.  24,  Fig.  1. 

H.  caule  ßli formt,  erevtn  ramoso ,  f'o/iis  confertiH  Utticeohttia 
apice  acufis,  obsolete  bitiervns,  erecto-pulentlhus- 

Vü  rkoiiiin  e  II.   In  der  Baiikohle  von  Salzhausen. 

Die  ExiMiiplare  dieses  Mooses,  welche  ich  zu  untersinHien  Gele- 
genlieil  halte,  überzeugten  mich  von  der  nahen  Verwandtsciialt  des- 
selben mit  einer  in  Parschlug  aufgefundenen  fossilen  Moosart,  die 
Unger  in  der  Iconograpbia  [dant.  foss.  S.  10,  Tal".  4,  Fig.  1,  2 
unter  der  Benennung  Muscifes  Sihimperi  beschrieb  und  abbildete. 
Die  Blätter  fand  ich  nicht  nervenlos,  wie  sie  Ludwig  angibt,  sondern 
von  zwei  feinen  Nerven  durchzogen,  welche  auch  in  der  Ludwig- 
si'bt'ii  Abl'ildiiiig  F'ig.  6  a  angedeutet  sind.  Die  Blätter  von  Ilyptmm 
Schimperi  Heer  Tertiärtl.  I,  S.  28,  Taf.  3,  Fig.  6  sind  eiiinervig 
und  deßhalb  von  dem  Salzhausener,  wie  auch  dem  Parschluger 
Moose,  welchem  zweinervige  Blätter  zukommen,  verschieden. 

Class.   C'alaiiiariae. 

Ord.  Equisetaceae. 

Physagcnia  Parlatorii  Heer, 
H«er,  Tertiärflora  d.  Schweiz,  Bd.  I,  Taf.  42,  Fi;r.  2-17.   Bd    111,   S.  158, 
Taf.  145,  Fig.  17,  18.   -   Unger,    Sylloge  plant,   foss     p.  4,  lab.  I, 
fig.  5,  6.  Ludwig,  1.  c.  S.  83.  Taf.  18,  Fig.  1,  a—c,  «.  Fig.  5. 

Vorkommen-   Im  Thonsteine  von  Münzenberg. 


8  1  (>  V.     E  t  M  n  j  s  h  a  ti  s  e  n.  , 

Class.    Filiees. 
Ord.  Polypodiaceae. 
Pteris  SHlEhausooensis  Liidw. 
Ludwig,  I.  c.  S.  65,  Taf.  10.  Fig.  1. 

Von  diesem  Fai-nkraute  ist  bis  jetzt  bloss  das  einzige  a.  a,  0. 
abgebildete  kleine  Fiederbruehstück  aus  der  Blätterkohle  von  Salz- 
hauseii  zum  Vorschein  gekommen.  Dasselbe  verräth  in  der  Form  und 
Nervation  der  Lappen  so  viele  Älinliehkeit  mit  Pteris  oeningensis 
Ung. ,  daß  ich  anzunehmen  geneigt  bin,  die  Salzhausener  Pteris 
gehöre  dieser  Art  an,  \v'orül)er  jedcKih  nur  vollständiger  erlialtene 
Reste  Aufschluß  geben  ki'uinen. 

Pteris  (raudini  Heer. 

Heer,  Tertiäiflora  der  Schweiz,  B.  I,  S.  38,  Taf.  12,  ¥\\t.  3.  —  Syn.  Lijgo- 
divm  GaudimLuAwMg  I.  c.  Taf.  11,  Fig.  S,  3  a. 

Heer  erwälmt  in  der  „i!l)ersiclit  der  tertiären  Floren  Europa's" 
im  dritten  Bande  wS.  302  seines  oft  citirten  Werkes  des  Vorkommens 
der  Pteris  Gaiidini  bei  Münzenberg.  Ich  habe  bei  der  Durchsicht 
der  VVetterauer  PHanzen-Petretactc  in  der  Kl  ipstein'schen  Samm- 
lung die  Reste  dieses  Farnkrautes  nicht  gefunden,  glaube  mich  jedoch 
nicht  zu  irren,  wenn  ich  den  von  Ludwig  unter  der  Bezeichnung 
Lygodiinn  Gattdini  a.  a.  0.  abgebildeten  Fiederzipfel,  welcher  voll- 
koinmen  zu  der  vcui  Heer  gegebenen  Abbildung  des  Restes  von 
Pteris  Gdudiiii  [lasst,  letzterer  Art  einreihe. 

Pteris  Satyroruin  \j  u  d  w. 

Ludwig,  I.  0.   S.  65,    Taf.  11,   Fig.  I,  6.   Syn.  Pleris  qeniciilata  F. udw. 
I.  ('.  Taf.  11,  Fig.  2.  —  P.  pnrschlugiana  Lud  w.  I.  c.  Taf.  11,  Fig.  3,  4. 

Vorkommen.  In  der  Hr!tunk(dde  von  Salzhausen ;  in  denThon- 
steinen  von  Münzenberg. 

Kurz  gestielte  oder  an  einer  verschmälerten  Basis  sitzende  Fie- 
der, wie  solche  diesem  Farnkraute  zukommen,  findet  man  bei  nur 
wenigen  Pteris- hvUn\,  wie  z.  B.  bei  P.  fitropurpiirea  Kunze, 
P.  Culonielauns  Swartz  u.  a.  Hingegen  kommen  solche  häufig 
bei  Aspleiiiuin  vtu-.  A.  angiistifolinm  M  i  c  h  x.  (E  1 1  i  n  g  s  h.  Farnkräu- 
ter, Taf.  82,  Fig.  1 — 4)  besitzt  Fieder,  welche  auch  in  der  Form  und 
Nervation  mit  dem  in  Rede  stehenden  fossilen  Farnkraute  eine  auf- 


Die  fossile  Floia  ilcr  iiKercii  Rr;<iiiik(>li|piifnrm;ifion  der  Wftteraii.  Hit 

falleiule  rhereiiisliiiiimiiig  zeigen.  Ich  begnüge  mich  damit  auf  diese 
Aiiah)gie  hingewiesen  zu  haben,  bis  vollständigere  Reste  eine  genauere 
Bestimmung  des  (ieschlechtes  ermöglichen. 

Die  in  L  u  dw  ig's  Abhandlung  als  Pteria  genlculaia  und  P.  par- 
}ic/tfi((/ff(Hn  bczeichneteu  Fiederzipl'el  unterscheiden  sieb  von  denen 
der  P.  Sfifi/rorinn  in  keiner  Weise. 

Pliegopteris  stiriaca  lug.  sp. 

lOtlingsh.  P'arnkriiutcr,  S.  195.  Fossile  Flora  von  Bilin  I,  S.  16,  Taf.  2, 
Fig.  16-18.  Syn.  Polypodites  sliriaciis  Ung.  Clilor.  prot.  p.  121, 
Taf.  36.  -  Gen.  et  spoe.  plant,  foss.  p.  168.  —  Lastraea  st.  Heer, 
Tertiiirtl.  A.  Schweiz,  Bd.  I,  S.  31,  Taf.  7  u.  8;  Bei.  \\\,  S.  liJl,  Taf.  143. 
Fig.  7,  8.   -   Lud  wig,  I.  r.   S.  63,  Taf.  24,  Fig.  3. 

Vorkommen.  Im  Thonsteine  von  Miinzenberg  (Wedelbrucb- 
slücke.) 

Das  von  [judwig  abgebildete  Fiederbruchstück  liat  etwas  ent- 
t'ernler  stehende  Secuudär-  und  Tertiärnerven  als  die  von  Unger 
und  Heer  dargestellten  Exemplare  dieses  interessanten  vorweltlichen 
Farnkrautes  zeigen.  Es  gleicht  in  dieser  Beziehung  der  von  mir 
beschriebenen  Goniopteris  polypndioides  aus  der  fossilen  Flora  des 
Monte  Promina  in  Dalmatien.  Letztere  besitzt  jedoch  kleingezähnte 
oder  fast  ganzrandige  Fieder. 

Aspidium  Fisciieri  H  e  e  r. 

Heer,  Teitiärflora  der  Schweiz,  Bd.  HI,  S.  l.S'i.  Ettingsli.  Fossile  Flora 
von  Bilin,  I,  S.  17,  Taf.  3,  Fig.  9—12.  ■ —  Syn.  Laatraea  Fincheri 
Heer,  1.  e.  Bd.  1,  S.  34,  Taf.  9,  Fig.  3.  —  Ludwig,  i.  c.  S.  63, 
Taf.  12,  Fig.  4. 

Vurkommen.  Im  Thonsteine  von  Münzenberg.  (Wedelbruch- 
stücke.) 

Das  sehr  kleine  mangeliiaft  erhaltene  Fragment  einer  Fieder, 
auf  welches  Ludwig  die  Annahme  dieser  Art  tiir  die  fossile  Flora 
der  Welterau  stützte,  stimmt  am  besten  mit  den  kleineren  Fiedern 
des  von  Heer  a.  a.  0.  abgebildeten  W'edelbruchstückes  Fig.  3  a 
übereiu.  Ich  habe  unter  den  Münzenberger  Ptlanzenfossilien  ein  besser 
erhaltenes  F'ragmeiit  gesehen,  welches  zu  dem  mit  größeren  Fieder- 
zipfeln versehenen  Schweizer  Exemplar  Fig.  3  h  vollkommen  paßt, 
so  daß  ich  das  N'orkonniien  des  Japidium  Fischeri  in  bezeichneter 
Localität  bestätigen  kann. 


3  1  (S  V.     E  t  t  i  II  g  s  h  .)  II  s  e  n. 

Aspidium  valdonse  Heer. 
Heer,  l.r.  Hd.IlI,  S.1S2.  —  Syn.  Lasfracn  raldensk  llcor.  I.e.  Bd.  I,  S.  3«, 
Taf.  0,   Fig.  4.   —  Anpiriimn  Mcneri  \.\\Avi\^,  I.  c.  Taf.  10,  Fig.  2  (?). 

Volk  oinineii.  Im  Thonsteiiic  von  Münzeiiberg.  (Wedelbrucli- 
stücke.) 

Heer  gibt  Jim  a.  ().  Bfl.  IH,  S.  352  im  Verzeichnis.se  der  Ter- 
tiär-Pflaii/eii  <liese  Art  bei  Müiizeiiberg  an.  Kiii  kleines  Fragment 
einer  anlTallend  scbnialen  gekerbten  Fieder,  welches  ans  genannter 
Lagerstätte  zum  Vorseliein  kam,  bestimmte  icli  als  obere  Fieder  des 
Aspidium  vafde/fse  Heer.  Die  mit  kurzen  stumpflichen  Lappen  ver- 
sehene Fieder,  welche  Ludwig  auf  der  Tafel  10  unter  der  Bezeich- 
nung Aspiffiifni  Meycri  abbildet,  seheint  nur  eine  untere  Fieder  erst- 
genannter Art  zu  sein. 

Aispidium  Meyeri  ffeer. 
II cor,  I.  c.  Ild.  I,  S.  36,  Taf.  U,  Fig.  'i.    -     Ludwig,  I.  c.  S.  63,  Taf.  10, 
Fig.  3;  Taf.  12.  Fig.  3. 

Voi'kdininen.  Im  Tbonsteine  von  Münzenberg;  im  Braun- 
kohleidager  von  Salzhausen.  (Hhiznni,  VVedelbriichstücke.) 

Gegen  die  Bestimmung  der  (  ilirttMi  VVetterauer  Fossilien  als 
Reste  von  Aspidium  Meycri  liegen  gewichtige  Zweifel  vor.  Die  auf 
der  Tafel  10,  Fig.  2  in  Ludwig's  Abhandlung  dargestellte  Fieder 
von  Salzhausen  dürfte  der  kleineren  fva|ipen  wegen  zu  A.  vuldciise 
gehören.  Das  in  Münzenberg  gefundene  Fiederbruchstück  Fig.  3  auf 
Tafel  i2  hingegen  hat  hi'cifc  spitze  Lajipen  und  zeigt  in  der  Nervation 
eine  auflallende  Ähnlichkeit  mit  Asplcnium  villosum  Pres!  (E  t- 
tingsh.  Farnkräuter  Taf.  1)4,  Fig.  5  —  7).  Das  in  Salzhausen  vor- 
kommende Farn-Iihizom  kann  inunerhin  einer  der  vorhergehenden 
Arten  angehiu-t  haben, 

Ord.  Schizaeaceae. 

Lygodium  (iaudini  Heer. 
Heer,   Tertiiirflora   der   Scliweiz,    Üd.  I,  S.  41,  Taf.   13,   F'ig.  5—15,  — 
Ludwig,  I.  e.  S.  66,  Taf.  24,  Fig.  2. 

Der  a.  I.  0.  Taf.  II,  Fig.  'S  abgebildete  Fiederlappen  scheint 
mir  der  dicht  gedrängten  iXervenäste  wegen  zu  Pteris  zu  gehören. 
Das  in  Münzenberg  aufgefundene  von  Ludwig  auf  der  Tafel  24, 
Fig.    2    abgebildele  \^\'delblatt   hingegen   gleicht  vollkommen  dem 


Die  fossile  Flora  der  iilterpii  [{raunkühleiiformafion  der  Wetteraii.  819 

von  Heei-  1.  c.  j^iif  der  Taf.  13,  Fig.  o  dargestellten  Exemidare  die- 
ses interessanten  Fanikrantes.  Ausser  Lygodiiim  ch-chuUnm  Sw,, 
welches  Heer  als  die  am  nächsten  verwandte  lebende  Art  angibt, 
kommt  demselben  aneh  Li/f/ofliuni  ciiheiii^e  \\.  B.  K.  (Kltingsb. 
Farnkr.  Tal".  109,  Fig.  2)  sehr  nahe. 

Class.  ^elagiiie.«^. 

Ord.  Isoeteae. 

Isoetes  Scheuchzeri  Heer. 
Heer,  Tertiiiifl.  I.  S.  45,  Tuf.  22,  Fig.  1.  —  Luilwig  1.  c.  S.  (57,  Taf.  19, 
Fig.  2. 

Vorkommen.  Bei  Heppenheim. 

Die  Deutung:  dieser  Fossilien  als  Isoetes  ist  zweifelhaft.  Es 
läßt  sich  nicht  mit  Sicherheit  annehmen ,  ob  die  aus  einem  tertiären 
Sandstein  bei  Heppenheim  gesammelten  Pflanzenreste,  welche  Lud- 
wig unter  der  Bezeichnung  Isoetes  Scheuchzeri  bekannt  machte, 
mit  der  gleichnamigen  im  Kesselstein  bei  Öningen  gefundenen  Pflanze 
zu  identificiren  sind. 

Die  als  Isoetes  dubia  Ludw,  a.  a.  0.  Taf.  19,  Fig.  1  abge- 
bildeten Reste  aus  dem  Sandsteine  von  Rockenberg  halte  ich  für 
mangelhafte  Fragmente  von  P/wMs-Nadeln,  welche  wahrscheinlich 
zu  einer  der  Pinus-kx'ien  gehören,  von  welchen  an  der  genannten 
Localität  bisher  nur  die  Zapfen  gefunden  worden  sind. 

Class.   Oluinaceae. 

Ord.  Gramineae. 

irando  Goepperti  Münst.  sp. 
Ludwig,  I.e.  S.  80.  Taf.  17,  Fig.  i- 6. 

Die  von  Ludwig  abgebildeten  bei  Münzenberg  gesammelten 
Exemplare  entsprechen  den  charakteristischen  in  Heer's  Tertiärflora, 
Taf.  23,  Fig.  1,  2,  9  dargestellten  Resten  ganz  und  gar.  Unter  den 
mir  von  Salzhausen  zugekommenen  Pflanzenfossilien  fand  ich  einen 
Rest  dieser  Art,  welcher  mit  dem  auf  der  Tafel  22,  Fig.  3  a  des 
genannten  Werkes  abgebildeten  Fragment  genau  übereinstimmte. 


ö20  V.     K  t  t  i  II  g  s  ii  a  II  s  e  II. 

Phragniifes  oeningensis  A.  Braun. 

Heer,  I.  i-.  Bd.  I,  S.  64,  Taf.  2*^  ,  Fiij.  5;  Taf.  24;  Taf.  27,  Fig.  2  b; 
Taf.  29,  Fig.  3  e;  B,  III,  S.  16J,  Taf.  146,  Fig.  18,  19.  —  Ludwig 
I.  c.  S.  80,  Taf.  16,  Fig.  1;  Taf.  18,  Fig.  2;  Taf.  24,  Fig.  7.  Ettiiigsli. 
Fossile  Flora  von  Bilin,  F,  S.  21,  Taf.  4,  Fig.  6—9. 

Vorkuiiimeu.  Bei  Salzliausen,  Münzeiiberg  und  Rockenberg. 
(Rhizombruchstücke  und  Blätter.) 

In  der  Blätterkolile  von  Salzhausen  sah  ich  Fossilreste  dieser 
Graminee,  welclie  den  von  Heer  a.  a.  ().  Taf.  24,  Fig.  1  dargestell- 
ten vollkommen  gleichen.  V'on  den  in  Ludwig's  Abhandlung  abge- 
bildeten zu  Phrnf/oiifes  <r/ii//(/ensis  gebrachten  Gramineen -Resten 
dürften  Fig.  1  b  auf  Taf.  10  und  Fig.  2  b  auf  Taf.  18  als  zweifelhaft 
auszuscheiden  sein. 

Poncites  laevis  A.  Braun. 

Heer,  1.  c.  Bd.  1,  S.  69;  Taf.  2.*).  Fig.  10;  Taf.  26,  Fig.  7.  —  Ludwig  I. 
c.  S.  82.  Taf.  16,  Fig.  2.  —  Ellingsti.  1.  c.  Taf.  6,  Fig.  4. 

Vurkctnimen.  Bei  Münzenberg  und  Rockenberg.  (Halme  und 
Blätter.) 

Die  Bestinnunng  der  von  Ludwig  unter  obiger  Benennung 
bekannt  gemachten  GraniinoeU'FossiWen  darf  nur  auf  einen  geringen 
Grad  von  Wahrscheinlichkeit  Anspruch  machen,  da  wegen  der  unvoll- 
ständigen Erhaltung  der  bisher  zu  Poucites  laevis  gestellten  Reste 
noch  zu  wenige  Anhaltspunkte  vorliegen,  um  auf  die  Gleichartigkeit 
aller  dieser  Reste  mit  einiger  Sicherheit  schließen  zu  können.  Am 
meisten  stimmen  die  erwähnten  Fossilien  mit  der  von  mir  als  P.  laevis 
bezeichneten  Graminee  aus  dem  plastischen  Thone  von  Priesen  bei 
Bilin  überein. 

Ord.  Cyperaceae. 

Cyperas  Sirenom  Heer. 

Heer,  Tertiärflora  d.  Schweiz,  Bd.  L  S.  73,  Taf.  27,  Fig.  1,  2. 

Vorkommen.   Im  Thonsteine  von  Münzenberg. 

Unter  den  mir  von  genannter  Localität  zur  Untersuchung  zuge- 
kommenen Pflanzenresten  fand  ich  ein  mit  deutlichem  Mediannerv 
und  vielen  einander  ziemlich  genäherten  parallelen  Seitennerven 
durchzogenes  2  Cent,  breites  Blatt,  welches  zu  den  in  Heer's  Ter- 
tiärflora 1.  c.  Fig.  2  dargestellten  Blättern  dieser  fossilen  Pflanze  am 
besten  paßt.  Ein  mit  erwähntem  Blatte  vorkommendes  Halmbruch- 


Die  fossile  Flor«  der  ülteren  ßraimkolileriforinatioii  <lt»r  WeHprau.  O/^l 

stück  dürfte  ehiMifalls  derselben  augebört  haben.  Ks  bat  nabezu  den 
iJurchniesser  des  Hahnes  von  Cyperu^  Brnuttinnn.s  II  ee  r,  Fig.  o  I.  c. 
doch  sind  die  Streuen  feiner  nnd  einander  selir  genähert. 

(ypcrus  stigmosus  Lndw. 
Ludwig,  l'iilacoiitograpliica  B<l.  VIH,  S.  82,  Taf.  18,  Fig.  4, 

Vorkommen.   Im  Thonsteine  von  Münzenberg'. 

Die  am  a.  0.  abgebikleten  gestielten  Knollen  zeigen  eine  angen- 
fällige  Ähnlichkeit  mit  den  Knollen  des  Cyperus  Brautiianus  Heer 
Tertiärtl.,  besonders  mit  den  auf  der  Tafel  147,  Fig.  9  dargestellten. 
Nach  den  wenigen  sehr  unvollständigen  Resten,  welche  aus  der 
älteren  Braunkoblenformation  der  Wetterau  vorliegen,  läßt  sich  weder 
die  Gleichartigkeit  noch  die  specifiscbe  Verschiedenheit  dieser  Fossil- 
reste mit  genügender  Wahrscheinlichkeit  aimebmen. 

Class.  C/oronai*iae. 

Ord.  Smilaceae. 

Smilai  grnndifolla  Ung. 

Taf.  1,  Fig.  6. 
Unger,    Sylioge   plant,  foss.   I,    p.  7,    t.  II,    f .  S — 8.  Syn.   SinildX  Sulz- 
fiavseneusis  Lud  w.  ).  e.  S.  83,  Taf.  23.  Fig.  1. 

Bei  der  Untersuchung  der  Ptlanzenfossilien  von  Salzhausen  sah 
ich  mehrere  Blätter  dieser  Art;  darunter  eines  mit  einer  kaum  aus- 
gerandeten  Basis,  welches  dem  von  Heer  a.  a.  0.  auf  der  Taf.  30  in 
Fig.  8  b  dargestellten  Blatte  entspricht.  Auch  Unger  bildete  in  der 
Sylioge  I,  Taf.  2,  Fig.  8  ein  solches  Blatt  ab.  Ich  nahm  daher  an, 
daß  ösiS  a]s  Smilaa^  Sahhauaenensis  Liidw.  a.  a.  0.  bezeichnete 
Blatt,  welches  mir  überdies  am  Grunde  nicht  ganz  vollständig  erhal- 
ten zu  sein  scheint,  von  dem  der  Smilax  grandifolia  nicht  ver- 
schieden ist. 

Das  von  Ludwig  I.  c.  auf  der  Tafel  23,  Fig.  2  mit  der  Benen- 
nung S.  LatHjsdorfii  abgebildete  Blatt  halte  ich  für  kein  Smilax-Blatt. 
Die  Nerva-tion  liegt  zu  unvollständig  dargestellt  vor,  als  daß  man  die 
Deutung  desselben  Yersuchen  möchte. 

Siuilax  o\ata  Ludw.  sp. 
Hf/drocharis  ova/u  Ludwig,  Palaeontographica,   Bd.  Vlll,  S.  84,  Taf.  24, 
Fig.  5,  3  u. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkohle  von  Salzbausen. 


OCC  V.     K  t  t  i  II  g:  s  h  a  11  s  e  n. 

S.  fülüs  ucato-rulundtttiH,  iiUeyerrimis,  basi  einaryinutis, 
uevi'ittioue  actinodiünut,  /icrris  primariis  S,  prom'nientibus,  nervis 
secunduruH  sub  an(julh  HO     40°  oriciäibux,  broch'idodromisi. 

Vorkommen.  In  der  ßlätterkolile  von    Salzhansen. 

Die  Blätter  dieser  Art  kommen  denen  der  vorliergelienden  sehr 
nahe,  hesonders  solchen,  welche  eine  kaum  herzförmige  oder  nur 
seicht  ausgerandete  Basis  hahen.  Sie  unterscheiden  sich  jedoch  von 
diesen  hinlänglich  sicher  durch  die  geringe  Anzahl  der  Primärnerven 
und  durch  spitzere  Ahgangswinkel  der  Secundärnerven. 

Die  Fossilien,  welche  Ludwig  für  Blüthen  von  llydrochu- 
ri.s  hielt  und  mit  den  heschriehenen  Blättern  vereinigte,  zeigen  voll- 
kommen deutlich  die  Merkmale  ihr  Mnereiyhtia-Kehhe. 

Class.  ^eitasBiiiiea«'. 

Ord.  Musaceae. 

.Ylusophyllum  wetteraTicum   Ettingsh. 
Syn.   CunvuUaria  talifoliu  1^  u  d  w.   I.e.   S.  87,  'i'af.  19,  P'ig.  6. 

Der  starke  üher  4  Millim.  hreite  iMecliannerv,  die  ziemlich  scharf 
hervortretenden,  am  Ursprünge  divergireiiden  Seilennerven,  zwischen 
welchen  viele  feinere  liegen,  lassen  in  dem  unter  der  Bezeichnung 
CoHvaflaria  latif'olia  Liidw.  hekannt  gewordenen  Blattfossil  von 
Münzenherg  den  Best  einer  Mtisacee  mit  großer  Wahrscheinlichkeit 
vermuthen.  Von  dem  Blatte  der  in  Bilin  entdeckten  Musa  bohemica 
unterscheidet  es  sich  diin-li  die  \iel  spitzeren  Ursprungswinkel  der 
Seitennerven. 

Class.  Fliiviales. 

Ord.  Najadeae. 
Zaiiiciiellia  brevifoliata  Lu dw. 

Ludwig,  Palaeoritogiapliicy,  1.  c.  S.  60,  Taf.  9,   Fig.  5  a,  b. 

Vorkommen.  Im  nraunkohlcnJager  von  Hessenhrücken.  (Bc- 
hlätterte    Stengel.)     Die    einzige    Najadeen-Art    dieser    Flora. 

Die  Gattung  Potanioyeton  ist  in  mehreren  Locallloren  der  Vor- 
welt vertreten.  Es  landen  sieh  jedoch  meistens  nur  IJläller.  Ludwig 
glaubte  in  einem  Fruchlstande  I.  c.  Tal.  8,  Fig.  13,  welcher  aus  dem 
Braunliohlenlager  von  Salzhausen  zum  Vorschein  kam,  die  genannte 
Gattung  zu  erkennen,  was  ich  aber  für  einen  Irrlluim  halte.  Auch  ist 


Die  fossile  Flora  der  älteren  Rr:Minkolilenforination  der  Welteraii.  823 

in  geiiaiiiitcr  Loi'aliläl  bi^  jelzt  iiooli  kein   Potamogeton-B]siü  gefun- 
den worden. 

Class.  Spacliciflorae. 

Ord.  Typhaceae. 

Typha  latissioia  A.  Braun. 
Syn.   Typha  fragilis  Ludw.  1.  c.  S.  87,  T.  18,  Fig.  3,  a—c. 

Schon  bei  dem  Umstände,  daß  auch  bei  Typha  latissima  A. 
Brau  n  mitunter  Blätter  mit  enger  aneinander  gereihten  Parallehierven 
vorkommen,  wie  z.  B.  dieHeer'schen  Abbildungen,  Tertiärfl.  Taf.  43, 
Fig.  1,  a  und  Taf.  44,  Fig.  2  c,  ferner  ein  in  Bilin  aufgefundenes 
Blattfragment  (Ett.  I.  c.  Taf.  6,  Fig.  9)  zeigen,  dürfte  die  Annahme 
als  nicht  unwahrscheinlich  hinzustellen  sein,  daß  die  von  Ludwig 
bekannt  gemachten  T'y^^/irt-Reste  dieser  in  der  Tertiärformation  weit 
verbreiteten  Art  angehören.  Ich  habe  nun  unter  den  Fossilien  von 
Salzhausen  und  Münzenberg  Blattreste  gesehen,  welche  ich  nur  als 
die  der  Typha  latissima  bestimmen  konnte.  Einen  feingesägten  Rand 
konnte  ich  an  denselben  nicht  bemerken.  Ich  vermuthe  deßhalb,  daß 
der  an  der  Ludwig' sehen  Zeichnung  Fig.  3  a  nur  an  einer  Seite  an- 
gegebene sehr  fein  aber  ungleich  gezähnelte  Rand  am  Originale  ein 
abgerissener  oder  verletzter  ist.  Man  sieht  an  derselben  auch,  daß  die 
feinen  Quernerven  manchmal  über  die  Längsnerven  hinweglaufen, 
wie  dies  bei  Typha  latissima  vorkommt. 

Class.  Principe^. 

Ord.  Palmae. 

Sabal  major  Ung.  sp. 

Heer,    1.  c.   Bd.  I,   S.  88,   Taf.  35  u.  Taf.  36,  Fig.  i ,  2.  Ludwig.  I.e. 
S.  85,  Taf.  20,  Fig.  1;  Taf.  21,  Fig.  1. 

Ludwig  gibt  als  Fundort  dieser  Palme  im  Gebiete  dieser  fos- 
silen Flora  Münzenberg  an;  ich  habe  selbe  auch  in  der  Blätterkohle 
von  Salzhausen  gefunden.  Das  an  letzterer  Localität  zum  Vorschein 
gekommene  Bruchstück  einer  Palmen-Intlorescenz,  von  Ludwig 
a.  a.  0.  S.  86,  Taf.  21,  Fig.  3  als  Palmacües-Rest  beschrieben  und 
abgebildet,  dürfte  zu  Sabal  major  gehören. 

Sitzl).  d.  mathem.-naturw.  Cl.  LVII.  Bd.  1.  Abth.  33 


824  V.     E  t  f  i  n  <i  s  li  a  II  s  ('  ii. 

Das  von  genanntem  Autor  auf  Taf.  20,  Fig.  1  abgebildete  Blatt 
stellt  die  obere,  das  auf  der  Taf.  21,  Fig.  1  als  Sabal  Lamamnis 
bezeichnete  die  untere  Seite  des  Palmenblattes  dar. 

Sabal  Lamaiionis  Brongn.  sp. 
Heer,  Tertiärtlora  der  Schweiz,  IJd.  I,  S.  86,  Taf.  33  u.  34;  B.  III,  S.  168, 
Taf.  148,  Fig.  8. 

Ein  aus  dem  Thonsteine  von  Münzenberg  mir  vorliegendes  Blatt- 
fragment dieser  Palme  entspricht  genau  dem  a.  a.  0.  auf  der  Tafel  34 
abgebildeten  Blatte.  Das  von  Lud  wig  zu  Sabal  Lamanonis  gestellte 
an  derselben  Lagerstätte  gesammelte  Palmenblatt  hat  einen  sehr 
breiten  Stiel  und  kann  deßhalb  nicht  zu  dieser  Art  gehören. 

Palaeospathe  Uaomoiiorops  Ung. 
Unger,  Sylloge  plant,  foss.  I,  p.  9,  lab.  II,  fig.  9—12.  —  Syn.  Chamae- 
rops  Teutonica  Ludw.  I.  c.  Taf.  20.  Fig.  2,  3,  Taf.  22,  Fig.  5. 

Es  unterliegt  wohl  keinem  Zweifel,  daß  der  unter  obiger  Benen- 
nung von  Unger  bekannt  gemachte,  als  Blüthenscheide  erklärte  Pal- 
menrest von  Laubach  in  der  Wetterau  und  die  als  Chamaerops  Teu~ 
tonica  Ludw.  bezeichneten  Bruchstücke  aus  den  Braunkohlenlagern 
von  Salzhausen  und  Hessenbrücken  zu  einer  und  derselben  Art  gehö- 
ren, welcher  eine  mehrere  Zoll  lange  und  breite,  längsgestreifte,  mit 
großen  Stacheln  besetzte  Spatlia  zugeschrieben  wird.  In  der  Klip- 
stein'schen  Sammlung  sah  ich  ein  Exemplar  dieses  Fossils,  wel- 
ches das  von  Unger  abgebildete  in  der  Größe  noch  bedeutend  über- 
trilTt.  Die  genauere  Bestimmung  dieser  interessanten  Palme  bleibt 
späteren  Forschungen  vorbehalten. 

Fascicalites  geanthracls  Goepp.  et  Stenz. 
Ludwig,  Palaeontographica.  Bd.  VIII,  S.  86,  Taf.  21,  Fig.  2  a—c. 

Vorkommen.  In  der  Baukohle  von  Salzhausen.  (Stammtheile.) 

Class.   Coniferae. 

Ord.  Cupressineae. 

Frenela  eoropaea  Ludw. 
Ludwig,  1.  c.  S.  76,  Taf.  IS,  Fig.  3,  «,  b;  Taf.  24,  Fig.  4,  a,  h. 

Vorkommen.  Im  Thoneisenstein  von  Rockenberg;  im  Braun- 
kohlenlager von  Steinheim.  (Früchte.) 


Die  fossile  Flora  df>r  alteren  Biauiikohlenformatinn  der  Wetteiau.  825 

Callitris  Brongniurtii  Endl.  sp. 

Syn.  Thnites  callitrina  Ung.  Chloris  protog.  p.  22,  Taf.  6,  Fig.  1—8; 
Taf.  7,  Fig.  1  — lt.  —  Callitrites  Brongniartii  Endl.  Synopsis  Coni- 
ferarum  p.  274.  —  Ettingsh.  Tertiäre  Flora  von  Häring,  S.  34, 
Taf.  5,  Fig.  7-3S. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkohle  von  Salzhausen.  (Zweig- 
bruchstüeke.) 

Libocedru.s  salicoruioides  Endl.   sp. 
Heer,  I.  e.  Bd.  I,  S.  47,  Taf.  21,  Fig.  2.  —  Ettingsh.  Fossile  Flora  von 
Bilin,  I,  S.  33,  Taf.  10,  Fig.  1—7  und  14. 

Vorkommen.  Mit  der  vorigen  Art  bei  Salzhausen.  (Zweig- 
bruchstiicke.) 

Thuja  Rösslerana  Lud  \v. 

Ludwig  I.  c.  S.  68,  Taf.  14,  Fig.  <o,  a—c.  —  Syn.  Thuja  Theoboldana 
Ludw.  I.  c.  Taf.  14,  Fig.  7. 

Vorkommen.  Im  ßraunkohlenlager  bei  Steinheim. 

Das  ali  Thuja  Theoboldanu  Ludw.  bezeichnete  Fossil  ist  nur 
ein  größerer  Zapfen  dieser  Art  mit  entsprechend  größeren  Schuppen. 
Einige  Schuppen  an  demselben  haben  die  gleiche  Größe  und  Form 
wie  die  des  Zapfens  der  Th.  Rösslerana. 

Taiodiaiii  dabium  Sternb.  sp. 
Ettingsh.  Fossile  Flora  von  Bilin,  S.  34,  Taf.  10,  Fig.  13,  20—22;  Taf.  12, 

Fig.  1-16. 

Unter  den  Pflanzenresten  von  Münzenberg  und  aus  der  ßlätter- 
kohle  von  Salzhausen  fand  ich  einige  Zweigfragmente  dieser  in  der 
mittleren  Tertiärformation  weit  verbreiteten  vorweltlichen  Cupres- 
sinee.  Eines  derselben  zeigt  einen  Theil  vom  perennirenden  mit 
kurzen  schuppenfürmigen  Blättern  besetzten  Astchen.  Dieses  trägt 
einige  abfällige  mit  linienförmigen  Blättern  besetzte  Zweigchen  und 
gleicht  dem  in  meiner  foss.  Flora  von  Bilin  auf  der  Taf.  12,  Fig.  15 
abgebildeten  Exemplare. 

Olyptostrobos  europaeos  Heer. 
Heer,  I.  c  Bd.  1,  S.  Sl,  Taf.  19,  20,  Fig.  1,  Bd.  III,  Taf.  146,  Fig.  13,  14.  — 
Ettingsh.  I.  c.  S.  37,  Taf.  10  u.  11.  —  Ludwig  1.  c.  S.  69,  Taf.  12, 
Fig.  1,  « — c,  Fig.  2. 

Von  dieser  in  der  älteren  Braunkohlenformation  der  Wetterau 
außerordentlich  häufigen  Tertiärpflanze,  fanden  sich  sowohl  in  Salz- 


§  2  6  V.     E  t  t  i  II  g  s  h  a  u  s  e  II. 

hausen  als  in  Hosscnbriickeii  Stämme,  Aste,  wolilerhaltene  beblätterte 
Zweige  und  Fruchtzapfen.  Die  in  Roekenberg  gesammelten  als  Wid' 
ih'ingtonites  Ungeri  bestimmten  Zweigchen  (Ludw.  1.  e.  Taf.  15, 
Fig.  2)  sind  von  denen  des  Glyptostrobus  europaeus  nicht  ver- 
schieden. 

Cupressites  Brongniarti  Goepp. 
Go  epper  t,  Nov.  Act.  A.  N.  C.  XVIII.  2.  p.  568.  t.  42,  f.  27—29.  —  Monogr. 
d.  foss.  Conif.  S.  184. 

Vorkommen.  In  der  Braunkohlent'ormation  von  Salzhausen. 

Cupressinoxyloii  nodosum  Goepp. 
Goeppert.  Monogr.  d.  foss.  Conifercn,    S.  203,  Taf.  28,    Fig.  1-4.  — 
Ludwig,  I.  c.  S.  78,  Taf.  22,  Fig.  2. 

Vorkommen.  In  der  Braunkohle  von  Salzhausen. 

Ord.  Abietineae. 

Scqaoia  Langsdorfii  Brongn.   sp. 

Ludwig,  I.e.  S.  73,   Taf.  lö,  Fig.  1,  a—n.  —  Ettiiigsli.  Fossile  Flora 
von  Bilin,  I,  S.  39,  Taf.  13,  Fig.  9,  10. 

Vorkommen.  Bei  Salzhausen  in  der  Blätterkühle;  im  Braun- 
kohlenlager von  Hessenbrücken;  im  Eisenstein  von  Rockenberg. 
(Zweigbrucbstiicke,  Fruchtzapfen.) 

Pinos  rigios  Ung.   sp. 
Ettingsh.  Fossile  Flora  von  Bilin  I,  S.  41,   Taf.  13,  Fig.  11,  12,  lä.  — 
Syn.  Pinites  rigios  Ung.  Iconograpliia  plant,  foss.  p.  25,  tab.  13,  fig.  3. 

Die  charakteristischen,  breiten  und  langen,  zu  dreien  in  einer 
Scheide  sitzenden  Nadeln  dieser  Art  fand  ich  auch  unter  den  Ptlan- 
zenresten  der  Blätterkohle  von  Salzhausen.  Die  Fruchtzapfen  sind 
jedoch  bis  jetzt  nur  im  Biliner  Becken  zum  Vorschein  gekommen. 

Pinos  Nettenii  Ung.   sp. 
Syn.  Pinites  Mettenii  Ung.  Iconographia  plant,  foss.  p.  25,  tab.  13,  fig.  5. 
Vorkommen.  Bei  Salzhausen.   (Fruchtzapfen.) 
Plnus  repaodo-squamosa  L  u  d  w. 
Ludwig,  Paliiontographica,  Bd.  VIII,  S.  77,  Taf.  14,  Fig.  5,  a—d. 

Vorkommen.  Im  Thone  zu  Steinheim  bei  Hanau.  (Frucht- 
zapfen.) 


Die  fo.ssile  Flora  ilcv  filteren  Braiinkohlenformation  der  Wetterau.  (Sc  7 

Ähnlich  der  vorhergehenden  Art,  jedoch  die  Zapfen  viel  kleiner. 
In  näherer  Verwandtschaft  scheint  diese  Art  mit  der  Pinus  Humpeana 
Ung.  zu  stehen. 

Pinas  orbicularis  Ludw. 
Ludwig.  I.  c.  S.  7r>,  Taf.  14,  Fig.  2;  Taf.  15,  Fig.  4. 

Von  dieser  Art  sind  die  Nadelhlätter,  zu  dreien  in  einer  Scheide 
sitzend,  und  die  Fruchtzapl'en  bei  Rockenberg  gefunden  worden. 
Letztere  sollen  sich  durch  Schuppen  mit  einem  halbkreisförmigen 
radial  gestreiften  Schilde  auszeichnen.  Solchen  sehen  wir  aber 
auch  bei  den  Schuppen  am  sehr  ähnlichen  Zapfen  der  folgenden  Art, 
welcher  vielleicht  von  dem  der  Pinus  orbicularis  nicht  verschie- 
den ist. 

Pinus  OTiformis  Ludw. 
Ludwig,  I.  e.  S.  76,  Taf.  14,  Fig.  3,  a~d. 

Zu  dieser  Art  werden  die  im  Thone  von  Steinheim  angeblich  zu 
zweien  in  einer  Scheide  sitzenden  Nadeln  und  die  a.  a.  0.  abgebildeten 
Fruehtzapfen  gezogen.  Der  unvollständig  erhaltene  Fruchtzapfen,  Fig.  3 
a.  zeigt  Schuppen  mit  halbkreisförmigem  oder  rhombischem  Schilde 
wie  jener  \o\\  Pinus  orbicularis,  doch  fehlen  ihm  die  radialen  Streifen. 

Pious  Steinheimensis  L  u  d  w. 

Ludwig  i.  c.  S.  76,  Taf.  14,  Fig.  4,  a—c. 

Die  Selbstständigkeit  dieser  Art  halte  ich  für  zweifelhaft.  Der 
bei  Steinheim  gesammelte  sehr  mangelhaft  erhaltene  Fruchtzapfen, 
welcher  zur  Aufstellung  derselben  Anlaß  gab,  unterscheidet  sich  von 
dem  der  vorhergehenden  Art  nur  durch  die  nicht  rhombischen  oder 
halbkreisförmigen,  sondern  ovalen  Schildfeldchen  der  Schuppen. 
Diese  Feldchen  sind,  wie  die  Schuppe  Fig.  4  a  deutlich  zeigt,  radial 
gestreift.  Die  an  der  genannten  F^ocalität  aufgefundene  Coniferen- 
Nadel  1.  c.  Fig.  4  c  gehört  vielleicht  zu  Sequoia  Langsdorfii. 

Pinus  pinastroides  Ung. 

llnger,  Iconographia  plant,  foss.  p.  29,  fab.  15,  fig.  1.  —  Sylloge  plant, 
foss.  I,  p.  10,  tab.  3,  flg.  1—3.  —  Syn.  Phms  nodoffci  LiiAw.  I.  e. 
S.  74,  Taf.  13,  Fig.  2,  a-c;  Taf.  15,  Fig.  5. 

Vorkommen.  In  der  Braunkohle  von  Salzhausen;  im  Thon- 
eisenstein  von  Rockenberg.  (Fruchtzapfen  und  Blätter.) 


828  V-     E  1 1  i  n  gsh  a  u  s  pn. 

Der  Zapfen  von  Pinns  nodosa  L  u  d  w.  stimmt  mit  den  in  Un  ge  r's 
Iconographia  abgebildeten  Z;ipfen  der  Pinus  pinastroides  in  der 
Stellung  und  Form  der  Schuppen  genau  überein.  Daß  die  in  Sylloge 
plant,  foss.  J.  dargestellten  Zapfen  aus  dem  Braunkohlenlager  von 
Fohnsdorf  in  Steiermark  zu  dieser  Art  gehören,  ist  meines  Erachtens 
eine  noch  nicht  über  jeden  Zweifel  erhabene  Annahme. 

Die  Blätter  sind  noch  sehr  unvollständig  bekannt  und  ist  die 
Bestimmung  derselben  auch  sehr  zweifelhaft.  L  u  d  w  i  g  vereinigt  mit 
seiner  Pinns  nodosa  Nadelhruchstücke,  \\  eiche  immerhin  zur  Pinui^ 
rigios  gehören  können. 

Pinos  trrossaua  Ludw. 

Ludwig,  Palaeontographica,  Bd.  VIII,  S.  77,  Taf.  13,  Fig.  1,  1  a. 

Vorkommen.  Im  Thoneisenstein  bei  Rockenberg.  (Frucht- 
zapfen.) 

Pinus  lati-squamosti  Ludw. 
Ludwig,  J.  c.  S.  77,  Taf.  14,  Fig.  5,  a—d. 

Vorkommen.  Im  Thone  zu  Steinheim  bei  Hanau.  (Frucht- 
zapfen.) 

Pinus  dubia  Heer. 

Heer,  Tertiärflora  d.  Schweiz,  Bd.  I,  S.  Ö9,  Taf.  21,  Fig.  13,  a-f.  — 
Ludwig  I.  c.  S.  74,  Taf.  12,  Fig.  7,  a,  h. 

Vorkommen.  In  den  Braiiukohlenlagern  von  Salzhausen  und 
Hessenbrücken.  (Samen.) 

Pinites  Protolarix  Goepp. 

Goeppert,  in  Karst,  u.  De  eh.  Archiv  f.  Min.  u.  Geogn.  XIV,  S.  183. 
Taf.  11,  Fig.  1-3.  —  Org.  Reste  im  Bernst.  S.  90,  Taf.  2,  Fig.  9—12. 
—  Syn.  Peuce paimonica  \J n  ff.  Chlor,  prot.  p.  37. 

Vorkommen.  In  der  Braunkohlenformation  von  Salzhausen 
und  Hessenbrücken. 

Ord.  Taxineae. 
Taxus  margaritlfera  Ludw. 
Ludwig,  Palaeontographica,  Bd.  VIIL  S.  73,  Taf.  60,  Fig.  19. 

Vorkommen.  In  der  Braunkohle  zu  Salzhausen.  (Samen.) 
Weder  aus    der    Abbildung    uoeli    iiai-li    der  Beschreibung,  die 
Ludwig  gibt,  läßt   sifli    die  Deutung   dieser  samenartigen  Fossilien 


Die  fossili'  Klura  ilef  alleren  ßraiinkolilenl'ormatioii  der  Wetterau.  0>^9 

mit  genügender  Wahrscheinlichkeit  ermittein.  Da  seihe  jedenfalls 
einer  besonderen  Art  angehören,  so  mögen  sie  vorläufig  unter  obiger 
Bezeichnung  in  die  fossile  Flora  der  Wetterau  aufgenommen  bleiben, 
bis  spätere  Untersuchungen  ihnen  einen  anderen  Platz  im  System 
anweisen. 

Taxites  Ayckii  Goepp. 

Goeppeit  in  Karst,  u.  Dech.  Arch.  f.  Min.  u.  Geogn.  XIV.  S.  188.  XV. 
S.  730,  T.  17,  F\g.  11  —  13.  —  Goepp.  u.  Ber.  Bernstein.  S.  103, 
Taf.  2,  Fig.  14—17.  —  Syn.  Taxoxylon  A.  üng.  Chloris.  p.  33.  — 
Endl.  Syn.  Conif.  p.  308. 

Vorkommen.  In  der  Braunkohlenformation  von  Hessen- 
brücken. 

Podocarpus  eoceuica  Ung. 

Unger,  Fossile  Flora  von  Sotzka,  S.  28,  Taf.  2,  Fig.  11—16.  —  Sylloge 
plant,  foss.  I,  p.  10,  t.  IIL  f.  1-8. 

Ludwig  scheint  die  in  Salzhausen  und  vielleicht  auch  ander- 
wärts in  der  älteren  Braunkohlenformation  der  Wetterau  nicht  selten 
vorkommenden  Blätter  dieser  Art  übersehen  zu  haben.  Das  nur  von 
einem  Mediannerv  durchzogene  als  Poacites  laevis  bezeichnete  Blatt 
I.  c.  Taf.  16,  Fig.  2  a  aus  den  Eisensteinen  von  Rockenberg  hat  ganz 
die  Form  eines  Podocarpus-Bhües  und  gehört  vielleicht  zu  die- 
ser Art. 

Class.  Juliflorae. 

Ord.  Myricaceae. 

Myrica  vindobonensis  Ettingsh.  sp. 

Heer,  TertiärHora.  Bd.  II,  S.  34,  Taf.  70,  Fig.  5,  6.  Ludwig  1.  c.  S.  94, 
Taf.  28,  Fig.  6,  7. 

Die  von  Ludwig  dargestellten  in  Münzenberg  gesammelten 
Blätter  Fig.  6,  7  haben  auffallend  breitere  und  längere  Lappen  als 
die  aus  anderen  Localitäten  der  Tertiärformation  bis  jetzt  vorliegen- 
den Blätter  dieser  Art.  Doch  wäre  es  unpassend,  hierauf  einen  Art- 
unterschied zu  stützen.  Die  von  Unger  in  seiner  interessanten  Ab- 
handlung über  die  fossile  Flora  von  Kumi  Taf.  4,  Fig.  20 — 30  dar- 
gestellte Blätterreihe  zeigt  die  große  Veränderlichkeit  in  der  Blatt- 
form und  Lappenbildung  bei  dieser  Species. 


830  V.     E  t  t  i  II  <;  s  li  a  II  s  e  ii. 

Myrica  incisa  L  u  d  w.  sp. 

Syn.    Comptonia  incisa  Ludwig.    Palaeontogr.   Bd.  VIII,   S.  96,    Tal".  30, 
Fig.  7—13. 

Die  bei  Münzenberg  und  Seokbaeh  vorkommenden  Blattabdrüeke 
dieser  Art  seben  denen  der  Dryandra  acutiloba  aus  der  fossilen 
Flora  von  Bilin  zum  Verwecbseln  äbnlicb.  Die  Form  der  Lappen  und 
die  Nervation  stimmen  bei  beiden  fast  vollkommen  überein.  Docb 
untersebeidet  sieb  die  Wetterauer  Pflanze,  welcbe  wie  Ludwig 
ricbtig  bemerkt  in  Form  und  Struktur  die  größte  Äbniicbkeit  mit  dei- 
jetztlebenden  Myrica  (Comptonia)  nsplemfoUa  hat,  durch  die  viel 
zartere  BlattbeschatFenheit  und  die  weniger  tiefen  Einschnitte  der 
Lappen  von  der  Biliner  Pflanze,  welche  ohne  Zweifel  eine  Proteacee 
ist  und  steife  lederartige  meist  bis  zum  Primärnerv  eingeschnittene 
Blätter  besitzt. 

Myrica  liudwigii  Ettingsh. 
wSyn.  Mijrica  deperdita  Ludw.  I.  o.  S.  96.  Taf.  30,  Fig.  4. 

M.  foUis  submembranaceis,  lanceolato-obloiigis,  breviter  petlo- 
latis,  serratis,  7iervatione  brockidodroma,  nervis  secundariis  siib 
ntigulis  70 — 80^  orientibus. 

Vorkommen.  Im  Braunkohlenlager  von  Münzenberg. 

Myrica  deperdita  Ung.  hat  randläufige,  diese  Art  jedoch 
schlingläufige  Secundärnerven.  Am  nächsten  steht  der  letzteren  unter 
den  bis  jetzt  beschriebenen  fossilen  Arten  Myrica  amissa  Heer, 
Tertiärfl.  II,  Taf.  70,  Fig.  17,  welche  sich  jedoch  durch  eiförmige 
nur  an  der  Spitze  gezähnte  Blätter,  deren  Primäruerv  viel  feiner  ist 
und  deren  Secundärnerven  unter  spitzeren  Winkeln  entspringen, 
unterscheidet.  Mit  Banksia-BVÄiicvn  kann  man  das  Blatt  der  Myrica 
Ludwigii,  seiner  zarteren  Textur,  der  nicht  oder  nur  kurz  verschmä- 
lerten Basis  und  der  entfernter  stehenden  Secundärnerven  wegen 
nicht  verwechseln. 

Ord.  Betulaceae. 

Bctala  prisoa  Ettingsh. 
Ettingsh.  Fossile  Flora  von  Wien,  S.  U,  Taf.  1,  Fig.  IS— 17. 

Von  dieser  in  der  mittleren  Tertiärformation  verbreiteten  Art 
fand  ich  in  der  Blätterkohle  von  Salzhausen  ein  Blatt,  welches  dem 
a.  c.  0.  Fig.  17  abgebildeten  Blatte  am  meisten  gleicht.  Es  hat  einen 


Die  fossile  Kloi-ii  iler  alteren  ßrauiikoliJenfoiiiiation  der  NVelleraii.  <S«)  1 

9  Millim.  langen  Stiel.  An  der  Außenseite  der  unteren  Securidärner- 
ven  entspringen  einige  iiervortietende  Tertiärnerven. 

Betnla  salzhaasonensis  Goepp.  sp. 
Ludwig  I.  c.  S.  99,  Taf.  32,  Fig.  7—10. 

Nebst  den  Blättern  sah  ich  auch  die  Kätzchen  dieser  in  Salz- 
hausen nicht  selten  vorkommenden  der  Betida  Dryadam  Brongn. 
nahestehenden  Art.  Die  Betnla  yracilis  Ludw.  ist  mit  derselben  zu 
vereinigen.  Die  a.  a.  0.  Fig.  5,  6  unter  dieser  Bezeichnung  abgebil- 
deten Blätter  kann  man  von  kleineren  Blättern  der  Betnla  salzhau- 
senensis  nicht  unterscheiden.  Das  Blatt  Fig.  3  I.  c.  gehört  nicht  zur 
Gattung  Betula,  da  die  Secundärnerven  desselben  eigentlich  nicht 
randläufig  sind,  sondern  sich  vor  dem  Rande  im  Blattnetze  verlaufen. 

Betala  arcuata  Lud  w. 

Ludwig  I.  c.  S.  98,  Taf.  31,  Fig.  11. 

Die  Nervation  dieses  interessanten  bei  Großsteinheim  entdeckten 
Blattes  spricht  eher  für  die  Gattung  Ostrya  oder  Carpiniis.  Auch  der 
kurze  Blattstiel  paßt  nicht  recht  zur  Annahme  eines  Birkenblattes. 
Ich  begnüge  mich  vorläufig  damit,  auf  diese  Bedenken  bezüglich  der 
bisherigen  Gattungsbestimmung  dieses  nur  in  ein-  izigen  Exem- 

plare vorliegenden  Fossils  hingewiesen  zu  haben.  L  i  den  doppelt 
gekerbten  Rand  unterscheidet  sieh  dasselbe  von  alltn  bis  jetzt  be- 
kannt gewordenen  Betnlaceen-  und  Cupuliferen-'^\i\{itvx\. 

Betala  Brongniartii  Ettingsh. 
Taf.  1,  Fig.  5. 
Kltingsh.  Fossile  Flora  von  ßilin,  \,  S.  46,  Tai'.  14,  Fig.  9—13.  —  Heer, 
Tertiärfl.  IL  Taf.  72,  Fig.  1. 

In  der  Klipstein'schen  Sammlung  fand  ich  ein  Blatt,  welches 
mit  den  von  Heer  a.a.O.  abgebildeten  Blättern  dieser  Art  vollkommen 
übereinstimmt,  ferner  das  hier  abgebildete  Blüthenkätzchen  Fig.  5,  wel- 
ches mit  den  Blättern  der  Betala  Brongniartii  auch  aus  dem 
Schichower  Thale  bei  Bilin  zum  Vorschein  kam. 

Alnus  Refersteinü  Goepp.  sp. 
Ettingsh.  Fossile  Floi!»  von  Wien,  S.  12,  Taf.  1,  Fig.  19,20.  —  Fossile 
Flora  von  Bilin,  T.  14,  Fig.  17-20.    Ludwig  I.  c.    S.  97,    Taf.  31. 
Fig.  1—3,  7,  8;  Taf.  32,  Fig.  1,  2. 

Die  Blätter  dieser  Art  sind  rundlich-eiförmig  und  einfach-ge- 
zähnt.   Ich    kann    daher  nur  die    Blätter    Fig.  8  auf  der  Taf.  31  und 


832  V.     K  t  t  i  II  g  s  h  a  u  s  e  n. 

Fig.  1,  2  auf  Tafel  32  der  Lu  fl  w  ig'schen  Abhandlung  als  zu  Abms 
Kef'erstehüi  gehörig  betrachten,  während  die  doppelt  gezähnten 
Blätter  Fig.  4 — 6  auf  Taf.  31  zu  Bctula  fallen.  Die  von  Ludwig  zu 
Alniis  nostratum  gebraciiten  Pflanzentheile  gehören  nicht  zu  dieser 
Art,  sondern  zu  Älnus  Kefersteinü.  Der  Fruchtzapfen  Fig.  7  unter- 
scheidet sich  von  denen  der  letzteren  Art  ebensowenig  wie  das  Blatt 
Fig.  8  von  dem  Blatte  Fig.  2  auf  der  Tafel  32,  welches  der  genannte 
Autor  auch  zu  A.  Kefersteinü  bringt. 

Alnus  gracilis  Ung. 

Ettingsli.  Foss.  Flora  von  Bilin,  Taf.  i4,  Fig.  21,  22;  Taf.  15.  Fig.  1-4. 
—  Ludw    1.  e.  S.  96.  Taf.  31,  Fig.  10,  12,  13. 

Das  von  Ludwig  zu  dieser  Art  gebrachte  Blatt  Fig.  9.  1.  c.  ge- 
hört zu  Betula  prisca.  Unter  den  Pflanzenabdrücken  von  Salzhausen, 
wo  sich  die  a.  0.  abgebildeten  Fruchtzapfen  und  Blüthenkätzchen 
fanden,  sah  ich  ein  Blatt  dieser  Art,  welches  mit  dem  in  Ludwig's 
Abhandlung  auf  Taf.  37  in  Fig.  5  als  Fagus  attenuata  bezeichneten 
Blatte  viele  Ähnlichkeit  zeigt.  Ich  glaube,  daß  auch  letzteres  zu  Alnns 
gracilis  geliört. 

Ord.  Cupuliferae. 

Carpinas  Heerii  Ettingsh. 

Ettingsli.  Foss.  Flora  von  Bilin  1,  S.  48,  Taf.  15,  Fig.  10,  11.  —  Syn. 
Carpinus  f/randis  Ludw.  1.  c.  S.  99,  Taf.  30,  Fig.  17,  18,  Taf.  33, 
Fig.  1—7,  9—11. 

Vorkommen.  In  der  unteren  Abtheilung  der  Wetterauer 
Tertiärformation  verbreitet;  so  in  den  Braunkohlenlagern  von  Salz- 
hausen, Hessenbrücken  und  Seckbach,  im  Thonsteine  von  Münzen- 
berg, im  Eisensteine  von  Rockenberg  u.  s.  w.  (Blätter  und  Früchte.) 

Carpinus  salzhausenensis  Ludw. 
Ludwig,  Palaeontographica.  Bd.  VIII,  S.  100.  Taf.  33,  Fig.  8. 

Bis  jetzt  liegen  nur  Früchte  von  dieser  Art  vor,  welche  in  Salz- 
hausen gefunden  wurden.  Sie  unterscheiden  sich  von  denen  der 
Vorliergehenden  sowohl,  als  auch  der  CarphiKS  oeniugensis  Ung. 
durch  ihre  kugelige  Form  und  die  verhältnillimäßig  stärker  hervor- 
tretenden Rippen. 


Die  fossile  Flora  der  älteren  Braiinkohlenformation  der  Wetteraii.  ö33 

Ostrya  niultinervis  Ettingsh. 
Syn.  Fraxinus  sp.  Ludw.  I.  c.  S.  H7,  Taf.  43,  Fig.  19. 

0.  nucida  subglobosa,  ciipula  oitnto-tviangiilari,  acuta,  nervis 
loiigitudinalibus  pluribus  percursa. 

Vorkommen.  Bei  Großsteinheim. 

Die  von  Ludwig  a.  a.  0.  abgebildete  Frucht  zeigt  ein  zer- 
drücktes Nüßchen,  das  eine  fast  kugelige  Form  gehabt  zu  haben 
scheint  und  von  einer  aus  breit-eiförmiger  Basis  dreieckigen  spitzen 
Hülle  umfaßt  wird.  Die  Hülle  wird  von  zahlreichen  genäherten  A'om 
Grunde  aus  convergirend  bogigen  Nerven  durchzogen.  Ein  Median- 
nerv fehlt,  Ludwig  glaubte  dieses  Fossil  als  eine  Flügelfrucht  von 
Fraxinus  deuten  zu  sollen.  Allein  gegen  diese  Bestimmung  sprechen 
sowohl  die  Form  als  auch  die  Nervation  der  Fruchttheile.  Bei 
Fraxinus  sehen  wir  stets  eine  längliche  meist  sehr  schmale  Kapsel 
und  einen  gegen  diese  verschmälerten,  keilförmigen  oder  länglichen, 
abgeschnitten-  oder  abgerundet-stumpfen  Flügel.  Dieser  zeigt  oft 
einen  deutlich  hervortretenden  Mediannerv  imd  gerade  oder  diver- 
girend  oder  spitzwinklig  verlaufende  SeitennerAen,  Während  man 
nun  die  eben  hervorgehobenen  charakteristischen  Merkmale  der 
Eschenfrucht  an  dem  beschriebenen  Fossil  vermißt,  findet  man  bei 
genauerer  Vergleichung  desselben  mit  Ostrya-Fmc\\{tx\  eine  nicht 
geringe  Übereinstimmung.  Es  unterscheidet  sich  die  Wetterauer  Art 
von  allen  bis  jetzt  bekannten  Ostrya-Ar\en  durch  die  vielen  einander 
genäherten  Nerven  der  Hülle,  Ob  die  Quernerven  wirklich  fehlen 
oder  etwa  wegen  ihrer  Zartheit  übersehen  worden  sind,  steht  noch 
in  Frage.  Vielleicht  gehört  das  oben  als  zweifelhaft  bezeichnete,  an 
derselben  Lagerstätte  gesammelte  Blatt  der  Betnla  areuata  zu 
dieser  Art. 

Corylas  insigois  Heer. 

Heer  1.  c.  Bd.  II,  S.  43,  Taf.  73,  Fig.  li— 17.  Ettingsh.  Fossile  Flora 
von  Bilin,  I,  S.  50. 

Vorkommen,  Im  Thonsteine  zu  Münzenberg.  (Blätter.) 

Fagus  atteaaata  Goepp. 
Ludwig  I.  c.  S.  104,  Taf.  37,  Fig.  t— 5,  Taf.  38,  Fig.  li. 

Die  ZU  dieser  Art  gestellten  Wetterauer  Blattfossilien  scheinen 
mir    nicht    sämmtlich    gleichartig   zu    sein.    Einige  dürften    der  mit 


(S  34  V.     E  I  t  i  II  g-  s  h  :i  u  s  p  n. 

Fagus  attenuata  sehr  nahe  verwandten  Fagus  cnstaneaefoUa,   das 
Blatt  Fig.  5  aber  der  Alnus  grucilis  angehört  haben. 

Pagas  Ferouiae  Ung. 

Ettingsh.  Fossile  Flora  von  Bilin.  F.  S   50,  Taf.  15,  Fig.  12—20.  Taf.  16. 
Fig.  1. 

Diese  in  der  fossilen  Flora  von  Bilin  sehr  häufig  vorkommende 
Buche  fehlte  auch  der  fossilen  Flora  der  Wetterau  nicht.  In  der 
KI  ips  tein'schen  Sammlung  sah  ich  ein  Blatt  derselben,  welches 
mit  Fig.  12  a.  a.  0.  am  meisten  übereinstimmt.  Es  wurde  bei  Mün- 
zenberg gesammelt. 

Fagus  castaneaefolia  Ung. 
Taf.  I,  Fig.  9. 
Unger,  Cläoris  protogaea,  p.  104,  Taf.  28,  Fig.  1.  —  Ettingsh.  Foss. 
Flora  von  Bilin  I,  S.  52,  Taf.  16,  Fig.  2. 

Das  hier  abgebildete  Blatt,  welches  sich  in  der  Klipstein' 
sehen  Sammlung  befindet,  pafSt  sehr  gut  zu  den  von  Unger  und 
mir  bis  jetzt  anderwärts  aufgefundenen  Blättern  dieser  Art.  Hieher 
dürften  auch  die  von  Ludwig  unter  der  Bezeichnung  Fagus 
attenuata  auf  Taf.  37,  Fig.  2  und  T.  38,  Fig.  12  abgebildeten 
Blätter  von  Müuzenberg  und  Salzhausen  zu  zählen  sein,  welche  sich 
durch  die  gröberen  Randzähne  und  die  geraden  unter  spitzeren 
Winkeln  entspringenden  Secundärnerven  von  den  übrigen  ziiv  Fagus 
attenuata  gebrachten  Blättern  aus  denselben  Localitäten  unter- 
scheiden. 

Casfanea  münzonborgensls  Ettingsh. 
Syn.  Castanea  afnviaLiiAw'ig;,  Palaeontogr.  VIII,  S.  104,  Taf.  37,  Fig.  6. 

C.  f'ofiis  brevisshne  pctiolatis,  coriaceis,  lanceolatis,  basi  an- 
gustatis,  apice  acuminatis  margine  grosse  serratis,  nervatione 
craspedodroma,  nervo  primaria  valido  recto ,  apicem  rersiis  atte- 
nuato,  nervis  secundariis  distinctis,  approximatis  rectis  vel  pauUo 
curvatis,  simplicibus,  inferioribus  sah  angulo  70 — 75  ,  reliquis 
sub  angulis  acutioribns  orientibus,  nervis  tertiariis  tenuissimis, 
inter  se  conjnncfis. 

Vorkommen.    Im  Thonsteine  von  Münzenherg. 

Das  schöne  von  Ludwig  a.  a.  0.  abgebildete  Kastanienblatt 
unterscheidet  sich  von  den  Blättern  der  bis  jetzt  bekannt  gewordenen 


Die  fossile  Florsi  der  iillereu  Braunkohlenrüriiiation  der  VVetteraii.  OoO 

fossilen  Casttmia-Avten  durch  den  sehr  kurzen  Stiel  und  durch  die 
genäherten  unter  stiMiipferen  Winkeln  ahgehenden  Secundärnerven. 
Ich  glaube  deßhalb,  daß  dasselbe  einer  besonderen  Art  angehörte. 

Quercus  Dryinoja  Ung. 
Taf.  IL  Fig.  8. 
Unger,  Chloris  piot.  p.  113,  Taf.  32,  Fig.  1-4. 

Dieses  der  Kl  ipstein'schen  Sammlung  entlehnte  Blattrossil 
von  Münzenberg  gleicht  dem  von  mir  im  Polirschiefer  von  Kutsch- 
lin  (Foss.  Flora  von  Bilin,  Tat'.  16,  Fig.  9)  aufgefundenen  Blatte 
der  Qnercus  Drijmeja  fast  vollkommen.  Der  untere  Rand  ist  zahn- 
los und  etwas  wellig,  wie  dies  auch  an  dem  von  Heer,  1.  c.  Taf.  75, 
Fig.  18  dargestellten  Blatte  vorkommt.  Diese  Eiche  fand  sich  auch 
in  der  Blätterkohle  von  Salzhausen  vor. 

(luercus  üryadom  E 1 1  i  n  g  s  h. 
Taf.  1,  Fig.  10. 
Syii.    Quercim  Hamadri/adum  Ludwig,  Palaeontogr.  VIII,  S.  102,  Taf.  36, 
Fig.   1,  2. 

Q.  foliis  coriaceis  petiotaiis,  ohlongis  vel  lanceolatis,  hast  vel 
ntriiujue  attenuatis ,  muryine  grosse  inaeqnaliter  vel  dupUcato- 
(leiitatis,  nervutione  cruspedodroma,  nervo  primario  valido  pro- 
minente, nervis  secundariis  arcuatis  subsinipUcibus ,  angulo  60  — 
70    exeimtihus,  nervis  inconspicuis. 

Vorkommen.  Im  Thonsteine  von  Münzenberg. 

Unstreitig  sind  die  Eichenblätter,  Fig.  1  und  2,  1.  c.  den  bis 
jetzt  bekannt  gewordenen  Blattfossilien  der  Quercus  Hamadryadum 
Ung.,  mit  welchen  Ludwig  dieselben  vereinigt,  sehr  ähnlich.  Doch 
finde  ich  die  Zahnung  dieser  Blätter  zu  auffallend  verschieden,  um 
der  Annahme  beipflichten  zu  können,  daß  dieselben  Einer  Art  ange- 
hörten. Übrigens  weichen  die  Münzenberger  Blätter  auch  durch  die 
steifere  lederartige  Textur  und  die  gewöhnlich  einfachen  Secundär- 
nerven ab. 

Von  der  ebenfalls  nahe  verwandten  Qiiercns  acherontica  Ett. 
(Fossile  Flora  von  Bilin,  Taf.  16,  Fig.  10)  unterscheidet  sich  die 
xMünzenberger  Eiche  durch  die  unter  viel  stumpferen  Winkeln  ent- 
springenden bogig  gekrümmten  Secundärnerven  und  die  schmälere 
Blattform. 


836  V.    E  t  t  i  n  g  s  li  a  u  s  e  n. 

ftuercus  steinheimcnsis  Ludw. 
Ludwig,  Palaeontographica,  Bd.  VIIK  S.  lüi,  Tal'.  34,  Fig.  5. 

Q.  foliis  submembratiüceis ,  breviter  petiofntis,  e  lata  basi 
oblofigis,  apicem  versus  ringnstatis ,  murgine  grosse  cretiato-den- 
tdtis  nervatione  eamptodromu,  nervo  primaria  valido  recto,  nervis 
senindariis  pruniineudbus,  marginem  versus  vahle  attenuutis,  f'ere 
n/irinaiis,  f'urvatis,  ramis  iiiter  se  antisfoniosantibus,  laqueos  mar- 
giu ales  f'ormaniibus. 

Vorkomme  II,   Bei  GroISsteiiilieiin. 

Dieser  Art  kommt  der  Quercus  furcinervis  in  der  Blattbildiing 
aulSerordeiitlich  nahe,  unterscheidet  sich  aber  durch  die  vor  dem 
Rande  schnell  verfeinerten  und  niclit  in  den  Zähnen  endigenden 
Secundärnerven.  Die  vor  dem  Rande  abgehenden  Gabeläste  der- 
selben divergiren  unter  stumpfen  Winkeln  und  erzeugen  durch  ihre 
Anastomosen  feine,  dem  Rande  ijaralleiiaufende  Schlingenbogen. 

duercus  lurciüervls  R  o  s  s  m.  s[». 
Ludwig.  I.  c.  S.  102,  Taf.  34,  Fig.  1-4,  6—8. 
V  0  r  k  0  m  m  e  n.   Bei  Großsteinheim.  (Blätter.) 

Quercus  germanica  Ung.  sp. 
Taf.  I,  Fig.  3. 
Syn.   PauUinia  germanica  llnger,    Sylloge  plant,  foss.  IH.  p.  o2,    t.   16. 
f.  8. 

Q.  foliis  petiolatis,  ovatis  vel  ovuto-ettipticis,  basi  cordata 
vel  emarginata  saepe  inaequalibns,  margine  grosse-dentatis  ;  ner- 
vatioue  craspedodroma,  nervo  primario  valido,  nervis  secundariis 
subsimplicihus  areuatis,  nervis  tertiär iis  sab  angulo  acnto  orien- 
tibvs. 

Vorkommen.    Bei  Salzhausen. 

Das  vorliegende  Blatt  aus  der  Rraunkohlenformation  von  Salz- 
hausen gleicht  dem  von  Unger  a.  a.  0.  unter  der  Bezeichnung 
Panllinia  germanica  abgebildeten  Blatte  aus  derselben  Lagerstätte 
bis  auf  die  Basis  und  den  Primärnerven  vollkommen.  Erstere  ist  bei 
unserem  Blatte  nur  ein  wenig  ausgerandet  und  kaum  schief,  letzterer 
etwas  stärker.  Die  Tertiärnerven ,  welche  unter  wenig  spitzen  Win- 
keln entspringen,   sind  an   diesem  deutlicher  sichtbar  als  an  jenem. 


Die  fossile  Flora  dci'  ülfeien  Braiinkohlenformation  der  Wetterau.  837 

Einzelne  gehen  in  hervortretende  Außennerven  über.  Diese  gering- 
fügige Abweichung  läßt  die  Annahme  einer  Verschiedenartigkeit 
erwähnter  Blätter  nicht  zu. 

Das  von  mir  untersuchte  Blatt  konnte  ich  nur  für  ein  Eichen- 
blatt halten.  Die  ganze  Traclil  desselben,  seine  anscheinend  leder- 
artige Consistenz,  die  Zahnung  des  Randes,  der  stark  hervortretende 
Primärnerv,  die  im  Bogen  den  Zähnen  zulaufenden,  am  Ende  etwas 
geschlängellen  Secundärnerven ,  die  L'rsprungswinkel  der  Tertiär- 
nerven sprechen  für  Quercus.  Das  Merkmal  der  mehr  oder  weniger 
schiefen,  herzförmigen  oder  ausgerandeten  Basis,  auf  welches  Unger 
die  Bestimmung  des  Fossils  als  Tlieilblättchen  einer  PauUbtiu-kvi 
hauptsächlich  stützt,  berechtigt  nicht  ohne  weiters  die  Annahme 
eines  zusammengesetzten  Blattes. 

Die  Blätter  der  Begonia-Avten ,  welche  zu  den  am  meisten 
schiefen  und  ungleichen  geliören,  sind  einfach.  Übrigens  scheint, 
nach  dem  Blatte  Fig.  o  zu  schließen,  dieses  Merkmal  für  die  in  Rede 
stehende  fossile  Pflanze  nicht  beständig  zu  sein  und  mochte  dieselbe 
wolil  auch  an  der  Basis  gleiche  und  abgerundete  Blätter  gehabt 
haben.  Bei  Quercus  kommen  Arten  vor,  die  zuweilen  an  der  Basis 
ungleiche,  herzförmig  ausgerandete  Blätter  besitzen,  wie  z.  B. 
Q.  barhinervis  Benth.  und  Q.  Alamo  Benth.  (EU.  Blatt-Skelete 
der  Apetalen,  Taf.  10,  Fig.  1 — 4.)  Die  genannten  mexikanischen 
Eichen  dürften  auch  als  die  der  fossilen  Art  am  nächsten  stehenden 
jetztlebenden  zu  betrachten  sein. 

Ich  darf  nicht  unerwähnt  lassen,  bei  der  genauen  Vergleichung 
der  ähnlichen  Blattformen  solche  auch  in  der  Gattung  Pre»?w«  gefunden 
zu  haben,  welche  der  fossilen  in  auffallender  Weise  nahe  kommen, 
so  z.  B.  bei  der  neuholländischen  Premna  arborescens  R.  Brown 
(Ett.  Blatt-Skelete  der  Dikotyledonen,  Taf.  30,  Fig.  3).  Doch 
weichen  die  Premwa-Blätter  durch  die  breitere  Basis,  die  ästigen 
Secundärnerven  und  durch  die  zartere  Textur  von  derselben  ab. 

ftuercus  Gmelini  A.  Braun. 
Taf.  II,  Fig.  7. 
Unger,  Sylloge  plant,  tbss.  1,  p.  12,  t.  4,  f.  1—6.  —   Syn.  Juglans  rost- 
rala  Ludw.  I.  c.  Taf.  55,  Fig.  1—4.  (Nur  die  Blätter.) 

Ich  halte  diese  in  Salzhausen  vorkommenden  Blattfossilien 
weder  für /?<<//«ws-BIättchen,  mit  welchen  sie  Ludwig  a.  a.  0.  ver- 
glich, noch   für  Blätter  von  Nyssa,  sondern  für  echte  Eichenblätter, 


o38  V.     E  t  t  i  II  g-  h  a  II  s  p  n. 

wofür  nicht  nur  der  dicke  Blattstiel  und  die  Zahnung  des  Randes, 
sondern  auch  die  Nervation  spricht.  Letztere  wurde  an  der  Abbil- 
dung Fig.  7,  eines  mir  durch  Herrn  Prof.  Klipstein  zugesendeten 
Blattes  dieser  Art  auf  unserer  Tafel  II  mit  besonderer  Sorgfalt  dar- 
gestellt. 

ftnercus  tephrodes  Ung. 

Unger,  Iconographia  plant,  foss.  p.  37,  tab.  18,  fig.  13,  Ludwig,  Palae- 
ontogr.  VIII,  S.  102,  Taf.  34,  Fig.  9,  10. 

Q.  foUis  coriaceis,  hreviter  petiolatis,  obovato-cuneatis  vel 
ohlo7igo  -  obovatis ,  »parsim  sinuato-dentatis  hasi  integerrimis, 
margine  snepe  revolutis;  nervatione  mixta,  nervis  secundariis 
snperiorihus  cvaspedodroniifi,  reliquis  campfodrömis ,  nervis  ier- 
tiariiü  sub  aitgido  recto  exeiudibus  iuter  se  conjunclis. 

Vorkommen.   Bei  Großsteinheim. 

Die  von  Ludwig  a.  a.  0.  abgebildeten,  bei  Großsteinheim  ge- 
sammelten Blätter  stimmen  mil  den  von  Unger  und  Heer  bekannt 
gemachten  Blattfossilien  der  Querciis  tephrodes  in  den  wesentlichen 
^Merkmalen  überein.  Sie  unterscheiden  sich  von  diesen  nur  durch  die 
mehr  gegen  die  Basis  herabgehenden  etwas  stärker  Jiervortretenden 
Randzähne. 

daerciis  dodeti  Heer. 
Heer,  Terliärflura  .ier  Schweiz,  Bd.  II,  S.  30,  Taf.  78,  Fig.  10,  11. 

Vorkommen.  Im  Thonsteine  von  Münzenberg.  (Blätter.) 
V'on  dieser  Art  sah  ich  nur  ein  einziges  Blattfragment,  das  von 
genannter  Localität  stammt.  Vielleicht  gehören  hieher  auch  die  von 
Ludwig  auf  der  Tafel  54,  Fig.  1  und  2  seines  oft  citirten  Werkes 
als  Jitglaits  Inevigata  bestimmten  Blätter  von  Münzenberg,  welche 
von  den  echten  Jnglniideen-^V^^ielxew  Fig.  3 — 5  in  der  Zahnung  des 
Randes  und  in  der  Nervation  etwas  abzuweichen  scheinen. 

Quercus  Hlip«itelnii  Ettingsh. 
Taf.  I,  Fig.  4. 

Q.  foliis  coriaceis,  ovato-oblongis ,  margine  undulatis,  ner- 
vatione brochidodroma,  nervo  primario  valido,  prominente,  nervis 
secundariis  utrinque  7  —  8,  sub  angulis  öS — 6S  orientibus, 
fle.vuosis  ramosis,  nervis  tertiariis  nngulo  subrecto  insertis,  vix 
conspicuis. 


T>ie  fossile  Floi'a  de r  äKert'ii  ßraiinkohlenfurmation  der  Wetlerau.  o39 

Vorkomm  eil.  In  der  Blätterkohle  von  Salzhausen. 

Ein  längliches,  am  Rande  etwas  welliges  Blatt  von  derber  leder- 
artiger Textur.  Die  ziemlich  stark  hervortretenden  Secundärnerven 
sind  gegen  den  Rand  zu  geschlängelt ,  gegen  die  Basis  zu  einander 
mehr  genähert.  Die  schlingenbildenden  Aste  derselben  divergiren 
unter  fast  rechtem  Winkel,  unter  welchem  auch  die  Tertiärnerven 
entspringen.  Die  Schlingenbogen  sind  dem  Rande  nicht  parallel  und 
begrenzen  einige  größere  Randmaschen. 

Dieses  Blatt  stimmt  in  seinen  Eigenschaften  am  meisten  mit 
Eichenblättern  überein.  Von  den  bisher  beschriebenen  fossilen  Arten 
nähert  es  sich  den  Blättern  der  Quercus  Pseudo-Laurus  Ett.  aus 
der  Biliner  Flora  am  augenfälligsten.  Es  unterscheidet  sich  von  den- 
selben nur  durch  die  hervortretenden  Schlingen  der  in  geringer  Zahl 
vorhandenen  Secundärnerven.  Von  den  jetzt  lebenden  Eichen  stimmt 
Q.  nmlulata  Benth.  (EH.  Blatt -Skelete  der  Apetalen,  Taf.  9, 
Fig.  4,  5)  aus  Mexiko  mit  der  beschriebenen  fossilen  in  der  Blatt- 
bildung dermaßen  überein,  daß  ich  keinen  Anstand  nehme,  dieselbe 
als  die  nächst  verwandte  lebende  Art  zu  bezeichnen.  Außer  den 
etwas  spitzeren  Winkeln  der  scblingenbildenden  Aste  und  den  feine- 
ren Schlingenbogen,  welche  der  letzteren  zukommen,  finde  ich  zwi- 
schen diesen  Blättern  keinen  Unterschied. 

QaercDs  angastiloba  A.  Braun. 
Ludwig,  1.  c.  S.  103,  Taf.  36,  Fig.  3. 

Q.  f'oliis  coriaceis,  breviter  petiolatis,  ovatis  vel  elUpticis, 
apice  cuspidatis  iitrinque  bilobis,  lobis  subaequalibus  elongatis 
cuspidatis,  nervatione  craspedodroma. 

Vorkomme  n.  Im  Thonsteine  von  Münzenberg. 

Dieses  seltene  Blatt  unterscheidet  sich  von  denen  der  Quercus 
cmciata  A.  Braun,  Heer,  Tertiärfl.  Taf.  77,  Fig.  10—12  durch 
die  nahezu  gleich  langen ,  einander  mehr  genäherten  Lappen.  Da- 
durch gleicht  das  Blatt  denen  einiger  Grevillea- Arten.  Doch  haben 
diese  sehr  steife  und  stachelspitzige  Lappen. 

Quercus  Charpentieri  Heer. 
Heer,  Tertiärflora  d.  Schweiz,  Bd.  11,  S.  56,  Taf.  78,  Fig.  1—5. 

Vorkommen.  Im  Thonsteine  von  Münzenberg. 

Sitz!»,  d.  mathem.-naturw.  Cl.  LVII.  Bd.  1.  Abth.  54 


JJ4Ü  V,     K  t  I  i  n  g  s  li  !i  u  s  i'  II. 

Ord.  Ulmaceae. 

I  liiius  ßronilii   lug. 
Unger,    Chloris  protojr.    p.   l(l(i,    t.  W,    I.   1—4.    —    Kttiiiffsli.    Kossile 
P^lora  von  Biliii,  I.  S.  62.  T:.f.  17,  Fig.  i».  10;  Tat".  18,  Fig.  1—6. 

Unter  den  Ptlanzenlossilien  derWettcrjuu  welche  mir  zni-  Unter- 
suchung gesendet  w  urden,  fand  ich  in  der  Blätterkohle  von  Salzhau- 
sen auch  ein  Blatt  der  ChNiis  Urounii  J)ie  von  Ludwig  a.  a.  0. 
auf  der  Taf.  8,  in  Fig.  Ji  und  6  ahgehildelcn  Riisterliliillri-  mit  dein 
Rliytisma  Ulmi  gehören  jedenfalls  dieser  Arl  an. 

I  liiiiis  lonji^il'olia   Un  g. 

Uiigcr,  Chloris  prolog.  S.  lUl,  l'al.  'iG,  Fig.  ä.  —  Etfingsli.  I.  c.  «  62. 
Taf.  18,  Fig.  7—11.  Syn.  Ih-tiita  tuacroplera  Ung.  I.  c  Tiif.  34. 
Fig.  7.  (Die  Frucht). 

Blätter  dieser  Art  sah  ich  unter  den  Ptlanzenresten  von  iSalz- 
hausen.  Das  von  Ludwig  auf  der  Tafel  8,  Fig.  4  seiner  oft  citirten 
Ahhandlung  unter  der  Bezeichnung  VlmHs  plurinervia  ahgehildete 
kleine  Blall   halte   ich  für  ein  noch   unentwickeltes   Blatt  der  V.   lu/t- 

(jifolia. 

lliiius  plurinervia  Ung. 
Unger,  Chloris  protog.  S.  93,  Taf.  25,  Fig.  1-4.  —  Luilw.  I.  c.  S.  103. 
Tal'.  38,  Fig.  1-3. 

Vorkommen.  An  den  meisten  Fundorten  fossiler  Ptlanzen  in 
der  unteren Wetterauer  Braunkohlenfortnation,  wie  z.B.  hei  Münzen- 
berg,  Salzhausen,  Bockenherg,  llesscnltrücken,  Naumburg  u.  s.  w. 

Die  von  Ludwig  a.  a.  0.  ahgchihh'len  Blätter  Fig.  t  und  2 
sind  schmäler  und  mehr  zugespitzt  als  die  Blätter  der  ülmus  pluri- 
nervia gewöhnlich  und  nähern  sich  dadurch  denen  der  (J.  lon- 
gif'olia. 

I  imus  Brauiiii   Heer. 
Heer.    Tertiärtl.    M.  II,    S.  39,   Taf.  7!),  Fig.   14     21;  Bd.  HI,  Taf.   131, 
Fig.  31.  -  Etlingsh.  Foss.  Florn  von  Bilin  I,  S.  64,  Taf.  18,  Fig.  23— 
26.  -    Ludw.  I.  c    S.  105,  Taf.  38,  Fig.  3-8. 

Vorkommen,  [n  den  Braunkohlenlagern  von  Salzhausen  und 
Hessenbrüekeri. 

Das  von  L  ud  wig  1.  c.  in  Fig.  ♦>  ahgehildete  Blatt  weicht  in 
der  Größe  und  Nervation  von  allen  anderwärts  gefundenen  Blättern 
dev  Utnms Braiinii  ab.  Es  hat  auffallend  stärker  gekrümmte  Seeundär- 


nie  fossile  Florn  di>r  iilk'ii-ii  r>r;niiiki)iiloiifiPi'iiiatioii  dt;r  Wctfcrau.  841 

nerven,  von  welchen  eine  größere  Anzahl  von  Anßennerven  ab- 
gehen. Die  ziemlich  schiefe  Basis  ist  etwas  herzförmig.  Es  gehört 
dieses  Blatt  entweder  einer  besonderen,  der  Varietät  6  He  er 's  zu- 
nächst stehenden  Altart,  oder  einer  nenen  Utmus-Art  an. 

Plaiiera  I  ngeri  E 1 1  i  n  g  s  h. 
Ludwi,^,  I.  e.  S.  106,  Tai'.  38,  P^ig.  D— 11;  Taf.  39,  Fig.  1—10;  Tat.  60, 
Fig.  3,  a,  b,  ö.  Syn.  Qnercus  Loncldtis  Ludw.  1.  c.  Taf.  36,  Fig.  4,  S.  — 
Q.  Mcycrl  Ludw.  1.  c     TaC.  3ö ,    Fig.   1 — 6.    —    Q.  iUcoides  Ludw. 
Taf.  36,  Fig.  6. 

Vorkommen.  In  den  meisten  Localitäten  der  Wetterauer 
Braunkohlenformation  sehr  häufig. 

Den  zahlreichen  Synonymen  dieser  in  der  Blattbildung  sehr  ver- 
änderlichen Art  werden  hier  noch  drei  hinzugefügt.  Die  inLud- 
wig's  Abhandlung  als  Quercus  Lonchitis  bezeichneten  Blätter  haben 
einen  grobgekerbten  Rand ,  Avie  ein  solcher  bei  Quercus  Lonchitis 
Ung.  niemals  vorkomniL  Diese  Blätter  entsprechen  vielmehr  der 
Varietät  prueloiiga  {Ulmus  pradonga  Ung.  und  Comptonia  iifnii- 
fo/id  I  ng.^  der  Plunera  Lnyeii.  Die  Basis  ersciieint  der  entfernter 
stehenden  Zähne  wegeti  ganzrandig,  wie  dies  bei  genannter  Art  oft 
vorkommt.  Die  a.  a.O.  auf  der  Tafel  3S  unter  der  Bezeichnung  i^/<6';- 
cus  Meyeri  abgebildeten  Blätter  sind  größere  Blattexemplare  dieser 
Art,  weiche  tlieils  der  gewöhnlichen  Form,  theils  der  Varietät  grandi- 
f'olia  (^Fu</its  (itlantica  Ung.^  entsprechen.  Von  denselben  kaum  zu 
unterscheiden  ist  das  als  Quercus  ilicuides  Ludw.  I.  c.  bezeichnete 
Blatt.  Die  erwähnten  Blätter  wurden  sämmtlich  nur  an  einer  Locali- 
tät,  bei  Münzenberg  gesammelt.  Kaum  irgendwo  ist  aber  diese  viel- 
gestaltige vorweltliche  Blattform  in  zahlreicheren  und  mannigfalti- 
geren Varietäten  und  Übergängen  zu  Tage  gefördert  worden,  als 
wie  in  Parschlug  und  Erdöbenye.  Unter  diesen  fand  ich  auch  die 
den  vorerwähnten  \'arietäten  vollkommen  gleichenden  E.xemplare  und 
die  Übergangsformen.  Ich  würde  dieselben  hier  zur  Anschauung 
gebracht  haben,  wenn  es  der  Raum  gestattet  hätte. 

Ord.  Moreae, 

Ficos  Rlipsteinii  Ettingsh. 

Taf.  III,  Fig.  8. 

F.  petiolatis  submembranaceis  ohlongo-eUipticis,  integevritnis, 

nervntione  campt odroma,   nervo  primario  valido,   nervis  secun- 


842  V.     E  1 1  i  II  g  s  li  a  II  s  P  II. 

(hiriis  prom'nu'ntibus  suh  anguh's  00  —  70°  orientibus.  margbiem 
rernus  atteimatis  a(hcendi')ilihKsque,  inter  se  coujioictis,  nervis 
fertiariis  angido  rectu  egredientibus,  tenuissimis. 

Vorkommen.  In  der  ßliitlerkolile  von  Salzhanseii  und  im 
Thoiisteine  von  Münze nberg.   Selir  selten. 

Die  Textur  dieses  mir  durch  Herrn  Prot'.  Klipstein  zugesen- 
deten Blattes  scheint  mehr  häutig  als  lederartig  gewesen  zu  sein. 
Der  Blattstiel  ist  am  Fossil  altgehrochen  und  dürfte  als  ziemlich  lang 
anzunelnnen  sein.  Die  ebenlalls  verletzte  Spitze  ist  etwas  vor- 
gezogen. Die  untersten  Seciindärnerven  sind  verkürzt,  der  Basis 
genähert  unter  etwas  spitzeren  Winkeln  entspringend.  Die  sehr 
feinen  Secundärschlingen  laufen  dem  Rande  parallel.  Die  am  Ur- 
sprünge breiten,  gekrümmten  Segmente  verschmälern  sicli  rascli 
gegen  den  Rand  zu.  Die  Tertiärnerven  gehen  von  beiden  Seiten 
der  Seeundären  unter  rechlem  Winkel  ab.  Durch  die  angegebenen 
Merkmale  unterscheidet  sich  dieses  Blall  von  den  sehr  ähnlichen  in 
der  fossilen  Flora  von  Radoboj  vorkommenden  Blättern  der  Ficus 
Thaltae  Ung.  und  Ficu,s  irachelodes  II ng. 

Ficus  wetteravica  E 1 1  i  n  g  s  h. 
Tat.  II,  Fig.  1,  2  u.  6;  'laf.  Hl    Fig.  10. 

/•'.  fotils  longe  pefiolatis  siibniendjiaitaceift  ovato-elUplicis  vet 
ohlofigis,  (iruniinatis  i/äegerrimis,  bnsl  ndiiiidalo-obtusis  ;  nervatione 
nctinodromd ,  nervis  basUaribus  3 — .V.  nwdlo  valido  prominente, 
recto,  laferalibiis  tcnuibus;  nervia  aernnddriia  7 — 8  angido  sub- 
(icnto  egredientibus,  arcnatis  laijueos  /'ornid/itibus,  nervis  lerliariis 
angido  acuto  excnntibusj  dictgodro)nis. 

Die  vorliegenden  Blätter,  welche  zu  den  häufigeren  Fossilien 
der  Welterauer  Braunkalilenformalion  gehören,  tragen  unstreitig 
das  Gepräge  der  Gattung  Ficus  an  sich.  Sie  kommen  in  der  Form 
und  Nervation  den  Blättern  der  Ficus  Jieussii  EH.  aus  der  fossilen 
Flora  v<ui  Bilin  sehr  nahe  und  uMlcrseheiden  sich  von  denselben 
durch  die  zartere,  läsl  haiilarlige  Textur,  durch  etwas  feinere 
Secundärnerven,  hauptsächlich  aber  durch  die  unter  spitzen  Winkeln 
abgehenden  Tertiärnerven.  Von  Blattstieldrüsen ,  welche  den  aller- 
dings selir  ähnlichen  Blättern  der  Passiflora  Braunii  Ludw.  zu- 
kommen, habe  ich  nichts  wahrgenommen.  Nur  hei  Mangel  oder 
ungenügender  Beachtung  der  Nervation  ist  es  leicht  möglich    diese 


Die  fossile  Flora  der  ülterfii  ßniuiikolilf'iiCorinatiou  il€'r  Wetterau.  o4-tl 

Biälter  mit  ileiien  (\ev  Popii/us  iinitnhilis  Heer,  insbesondere  von 
(Jen  Varietäten  ovdUs  und  la/icif'o/ia  zu  verwechseln,  mit  welchen  sie 
in  der  Form  und  Textur  übereinstimmen.  Populus  mutabilis  hat 
querläufige,  verbindende,  gegen  die  Richtung  des  Primärnervs 
senkrecht  stehende,  unsere  Art  aber  netzläufige  Tertiärnerven,  die 
gegen  den  Primärnerv  zu  in  schiel  er  Richtung  lauten. 

Fi€us  lancifolia   fvudw.  sp. 
Syn.    Piaonia  lanvifolia  Ludwig,    Palaeoniographica   Bd.  VIH.    S.   106, 
Taf.  40.  Fig.  1—3. 

F.  f'oiiis  loiifje  petiolatis  coriaceis  lajiceolnfis ,  bas^i  attenuatis, 
apice  ncunnnati.s,  integerrimis,  nervatione  camptodroma,  nervo 
primario  valido  prominente,  secundariis  mimerosis  tennhsimis 
parallelis  sub  angulo  acuto  orientibus,  inter  se  conjiinctis. 

Vorkommen.   In  der  Blätterkohle  von  Salzhausen. 

Der  interessante  beblätterte  Zweig,  welchen  Ludwig  a.  a.  0. 
bekannt  macht,  scheint  mir,  nur  nach  der  Abbildung  zu  schließen, 
nirgends  besser  als  zu  Fieus  zu  passen.  Das  Blatt  der  Pisonia  Jan- 
cifolia  Heer  stimmt  wohl  in  der  Form,  keineswegs  jedoch  in  der  Ner- 
vation  mit  den  Blättern  dieser  fossilen  Pflanze  iiberein.  Hingegen 
gleichen  diese  den  Blättern  der  Ficns  mnltinervh  Heer  in  solchem 
Grade,  daß  man  geneigt  sein  könnte  hier  letztgenannte  Art  anzu- 
nehmen, wt'nn  nicht  doch  die  etwas  spitzeren  Abgangswinkel  der 
Secundärnerven  und  wie  es  scheint  auch  die  Beschaffenheit  des  fei- 
neren Blattnetzes  dagegen  sprechen  würden. 

Ficns  acaminata  Lud^v.  sp. 
Syn.   Pimnia  nciiminnta  l.ndw.  I.  c.  S.  107.  Taf.  40,  Fig.  4,  5. 

F.  f'oiiis  pcfiofafis  coriaceis,  oblongo-ciineiformihiis.  basi  (tn- 
gustatis,  apice  producfis,  integerrimis.  nervatione  cnnqjtodromn, 
nervo  primario  prominente,  recfo,  nerina  secundariis  numerosis 
tennissimis.  parallelis,  sub  angnlo  acuto  orientibus. 

Vorkommen.   Mit  voriger  Art  in  Salzhausen. 

Die  Ähnlichkeit  in  der  Nervation  dieser  Blätter  mit  denen  der 
vorherbeschriebenen  fossilen  Pflanze  läßt  vermuthen ,  daß  man  es 
hier  mit  einer  nahe  verwandten  Ficns- kvi  zu  thun  habe,  welche 
sich  aber  von  ersterer  durcli  den  kürzeren  Blattstiel ,  die  keilförmige 
oder  länglich-verkehrt-eiförmige  Lainina  und  die  vorgezogene  Spitze 


f^  4  4  V.     E  t  t  i  11  f;  s  li  a  ii  s  p  n . 

iiiitcrscilt'idct.   Durch  die  gleiclicii  Merkmale  iiiitersclieiilcl  man  diese 
Hlätler  aiieli  von  denen  der  Ficus  miilliitcrriH  Heer. 

FIcns  Daplinos  Ett. 

Taf.  II,  Fifr.  2.  3  un.1  H. 

F.  f'oiiis  longe  pctiolatis  nienihranaceis,  ovntis  vel  eUipticis, 
acutis  vel  acumiuatis ,  integerrimh,  hasi  rotundnto-obtusis ;  ner- 
vatione  actinodroma,  nervis  basilaribus  S — 5,  mediana  prominente, 
recto,  lateralibuü  distinctis,  nervis  üecundariis  4 — 6,  angulo  aciito 
egredientibus,  arciiatis  flexuosisque .  iaqueus  f'ormantibus .  nervis 
tertiariis  utrinque  angulo  subncuto  exeuntibus,  dictyodromis. 

Vorkommen.   In  der  Braunkohlenlormation  von  Salzhausen. 

Von  den  vorhergehenden  Arten  durch  die  meist  etwas  stärkeren 
seitlichen  Basisnerven,  die  auffallend  geschlängelten  in  geringerer 
Zahl  vorhandenen  Secundärnerven  und  die  von  beiden  Seiten  der- 
selben unter  wenig  spitzen  Winkeln  abgeiienden  Tertiärnerven  ver- 
schieden. iJie  Blattsubstanz  scheint  sehr  zart  und  dünnhäutig  gewe- 
sen zu  sein.  In  den  übrigen  Merkmalen  stimmen  diese  Blätter  mit 
denen  der  F.  wetteravica  überein  und  unterscheiden  sich  von  den 
ähnlichen  Blättern  der  Populus  mutabiUs  auf  die  gleiche  Weise. 
FicMS  Thaliae  Ung.,  in  der  Blattform  mit  unserer  Art  übereinstimmend, 
weicht  von  derselben  durch  die  größere  Zahl  der  Secundärnerven 
\ind  die  unter  spitzeren  Winkeln  entspringenden  Tertiärnerven  ab. 

Ficus  tiliaefolia  A.  Braun,  sp. 
Taf.  II.  Fig.  9. 
Heer,  TerfÜiiflora  d.  Schweiz.  Bil.  II,  S.  68,  Taf.  83.  Fi^.  3-12:  Taf.  84. 
Fig.  1—6;  Taf.  8H,  Fig.  14:  Hd.  HI.  S.  182,  Taf.  142,  Fig.  23,  Taf.  132. 
Fig.  14.    -    Ettingsli.   Fossile  Flora  von  Bilin.    I.    S.  80,    Taf.  25. 
Fig.  4,  5.  7.  10. 
Syn.  Ficus  Domheyopsis  l'ng.  Sylloge  plant,  foss.  1.  S.  13,  Taf.  3.  Fig.  1 — 7. 
Taf.  6,  Fig.  1.    —    Donibeyopsis  Devheni  u.  D.  7)-ide>is  Ludwig  I.  e. 
S.  126.  127,  Taf.  49,  Fig.  1-3,  Taf.  61.  Fig.  4. 

Vorkommen.  In  Münzenberg,  Salzhausen  und  Hessenbrücken. 

Die  Blätter  der  Domheyopsis  Tridens  Ludw.  sind  von  den  drei- 
lappigen  Blattformen  der  Ficus  tiliaefolia  z.  B.  von  dem  in  meiner 
fossilen  Flora  von  Riliii  I.  c.  ahgehildeten  Blatte  Fig.  10  nicht 
verschieden. 


Die  fossilt"  Klora  di'r  iiltpri'ii  Rr.'iunkolili'nformatinn  der  Wctleraii.  (S4I> 

Fit'us  populinu  Heer. 

Taf.  I,   Fig.  8. 
Heer,  Tertüirtlüra  d.  Schweiz,  Bd.  II,  S.  «6,  Taf.  8ö,  F\g.  i— 7;  Taf.  86, 
Fig.   1  —  11.   —   Ftting.sh.,  Fossile  Flora  von  Bilin  I,  S.  81,  Taf.  21, 
Fig.  8—10. 

Vorkommen.  In  der  Brannkolilenformation  von  Salzhausen 
nnd  bei  Miinzenherg. 

Dieses  kleine  am  Rande  iindeullicli  stumpfgekerbte  Blatt  aus 
der  Blälterkoble  von  Sal/Iiauseii,  seliien  mir  nacli  seiner  Form  und 
Nervation  am  besten  zu  den  Blättern  der  Ficus  populina  zu  passen. 
In  der  (iröße  und  Form  liäll  es  die  Mitte  zwischen  den  in  Heer's 
Tertiärtlora  auf  der  Tafel  SH,  Fig.  3  und  o  abgebildeten  Blättern. 
In  der  geringen  Verschmälerung  an  der  Basis  gleicht  es  den  Fig.  7 
und  9;  in  der  Nervation,  namentlich  bezüglicli  der  unter  etwas 
spitzeren  Winkeln  abgehenden  Secundärnerven  der  Fig.  1  auf  Taf.  8S 
und  Fig.  4  auf  Taf.  8H  a.  a.  0.  Die  Blätter  der  Ficus  populina 
fand  ich  auch  unter  den  Fossilien  von  Münzenberg. 

Ord.  Artocarpeae. 

Artocarpidiain   wotteravicuni  E 1 1  i  n  g  s  h. 
Taf.  t.  Fig.  7;  Taf.  II,   Fig.  1«  und  11. 

A.  foh'ia  Itniqe  petiohtt'iH  rorioreis  oraNs,  acuminatis  infeqer- 
i'imis  rel  i(ndiil<(tis,  nerviiliona  camptorlronia,  nervo  primario 
erasso,  prominente,  apicem  verstts  subito  nttenuatis,  nervis  secun- 
fluriis  vnlidis  ntrinque  10  —  14,  snh  nnguJis  60 — 7H°  orientihus, 
snhremotis,  hasin  rersus  approximatis ,  ahbreviatisqne  apicibus 
arcnatini  conjnnctis ;  nervis  tertinriis  nngulo  acuto  egredientibus, 
fenmssimis. 

Vorkommen.   In  Münzenberg  und  Salzhausen. 

Vorliegende  Blätter  verrathen  eine  steife  lederartige  Textur.  Die 
Basis  ist  eilörmig-stumpf,  die  Spitze  verschmälert  und  kurz  vorgezo- 
gen. Der  sehr  dicke  ziemlich  lange  Stiel  geht  in  einen  mächtigen 
etwas  Schlängeligen  Primärnerv  über,  welcher  unterhalb  der  Spitze 
sich  rasch  verfeinert.  Die  Secundärnerven  sind  vorherrschend  gegen- 
ständig, treten  stark  hervor,  entspringen  unter  wenig  spitzen  Win- 
keln und  verlaufen  tlieils  ein  wenig  geschlängelt,  theils  in  geringem 
Bogen  gegen  den  Rand  zu,  woselbst  sie  sich  verästeln.  Die  Äste 
sind  fein,    divergiren  unter  spitzen  Winkeln    und  bilden  durch  ihre 


S46  V.     E  t  t  i  II  •!  $  li  II  II  s  e  II. 

Anastomosen  Schliiij^eiiboj^eii  und  ^riiftciH-  RandiTiaschen.  (ilegeii  (lic; 
Basis  zu  sind  die  Secundärnerveu  verkürzt,  einander  etwas  mehr 
genähert  und  entspringen  unter  stumpferen  Winkeln.  Die  sehr  feinen 
kaum  deutlich  wahrnehmbaren  Tertiärnerven  sind  meistens  kurz 
und  entspringen  von  der  Außenseite  der  Seeundären  unter  spitzen 
Winkeln.  Ein  Blattnetz  konnte  ich  nicht  entdecken.  Das  Blatt  Fig.  1 1 
zeigt  die  obere,  Fig.  10  die  untere  Seite.  Fig.  8  auf  Tafel  I  ist  ein 
kleineres  noch  unentwickeltes  Blatt,  an  welchem  der  dicke  lange 
Stiel  sehr  autTiillt. 

Diese  Blätter  haben  eine  unverkennbare  Ähnlichkeit  mit  dem 
Blatte  \on  Artocarpidium  integrifolium  Ung.  aus  der  fossilen  Flora 
von  Sotzka,  weßihalb  ich  dieselben  der  Gattung  Artocarpidmm  ein- 
reihte. Sie  unterscheiden  sich  von  jenem  nur  durch  die  mehr  ge- 
näherten ,  unter  stumpferen  Winkeln  abgehenden  wenig  bogigen 
Secundärnerveu  und  durcli  die  eirunde  Basis. 

Ord.  Balsamifluae. 

liiquidambar  europueuni  A.  Braun. 
Ludwig,  I.  e.  S.  89,  Ti.f.  15,  Kig.  6,  n,  b;  Taf.  25,  Fig.  1—4. 

Vorkommen.  In  der  Braunkohlenformation  von  Salzhausen 
(die  Blätter),  im  Gelbeisenstein  von  Rockenberg  (die  Früchte). 

liiquidaiiibar  protensaui  Ung. 
Ludwig,  1.  c.  S.  89.  Taf.  25,  Fig.  5,  «. 

Vorkommen.  In  der  ßlätterkoble  von  Salzhausen  mit  der  vor- 
hergehenden Art.  (Blätter.) 

Ord.  Salicineae. 

Popolas  latior  A.  Braun. 

Heer,  Tertiärflora  d,  Schweiz,    Bd.  II,  S.  11,   Taf.  53-57.    —    Ludwig, 
I.  c.  S.  90,  Tiif.  26,  Fig.  1—7. 

Diese  in  der  Flora  der  Tertiärperiode  ziemlich  verbreitete 
Pappelart  wurde  in  der  Flora  der  alleren  Braunkohlenibrmatioii 
der  Welterau  in  vier  Varietäten  gefunden.  Die  Var.  rottauhtta  liegt 
aus  d(^r  Blätterkohle  von  Salzhausen  vor;  die  Var.  transversa  sab 
Ijudw  ig  in  mehreren  Exemplaren,  aus  dem  Braunkoblenlager  von 
Grolisleinheim    bei    Hanau     stammend.      In   der    Kl  ipstein'schen 


r»ip  fcissilc  Fliirii  der  üllcrcii  BiMiiiikolileiifdrriiati'Mi  ilcr  Wettcriiii.  o4  i 

Sainmiiiiig  sah  ich  einige  Exem[ilai'e  der  letzteren  aus  der  Salz- 
hausener  Blätterkohle.  Die  Varietäten  dentlcuhttd  und  cordifolia 
wurden  bei  Großsteinheim  gesammelt. 

Popolus  attenuata  A.  Braun. 
Heer,  I.  e.  Bd.  II,  S.  15,  Taf.  S7,  Fig.  8—12;  Taf.  .^8,  Fig.  1—4.  -  Lud- 
wig, I.  c.  S.  91,  Taf.  26,  Fig.  9.  —  Unger.  Syiloge  plant,  foss.  III, 
Taf.  22,  Fig.  15. 

Vorkommen.  Im  Braunkohlenlager  von  Großsteinheim  hei 
Hanau  mit  voriger  Art;  bei  Salzhausen.   Selten.  (Blätter). 

Populas  duplicato-serrata  L  u  d  ^\^. 
Ludwig.  I.  c.  S.  91,  Taf.  27,  Fig.  t. 

Vorkommen.  Mit  voriger  Art  im  Braunkohlenlager  von  Groß- 
steinheim. (Blätter). 

Eine  interessante  Pappelart,  welche  sich  von  den  bis  jetzt  be- 
kannt gewordenen  fossilen  Pappeln  durch  den  doppelt  gezähnten 
Rand  unterscheidet.  Das  Blatt  sieht  deßhalb  auf  den  ersten  Blick 
einem  Birkenblatte  täuschend  ähnlich,  unterscheidet  sich  aber  von 
diesem  durch  die  fünfnervige  Basis  und  die  stärker  hervortretenden 
Außennerven. 

Populus  glundulifera  Heer. 

Heer,  1.  c.    Bd.  II,  S.  17,  Taf.  58,  Fig.  5-11.  —  Ludwig,  I.  c.  S.  91 
Taf.  26,  Fig.  10. 

Vorkommen.  Bei  Großsteinheim  mit  den  vorhergehenden 
Arten.   Selten.   (Blätter.) 

Populas  mutabilis  Heer. 
Heer,  I.  c.  Bd.  II,  S.  19,  Taf.  60-62,  Taf.  63,   Fig.  1—4.   -    Ludwig, 
1.  c.  S.  92,  Taf.  26,  Fig.  8,  Taf.  27,  Fig.  2-5.  —  ünger,  Syiloge 
plant,  foss.  III,  Taf.  22,  Fig.  7—14. 

Vorkommen.  Die  Varietät  ovalis  in  der  Blätterkohle  von 
Salzhausen;  die  Var.  lancifolin  und  die  Var.  repaudo-cremita  eben- 
daselbst und  bei  Münzenherg. 

Durch  die  unter  spitzen  Winkeln  von  der  Außenseite  der 
Secundärnerven  abgehenden  stets  verbindenden  querläufigen  Ter- 
tiären unterscheidet  man  die  Blätter  sämmtlicher  Varietäten  dieser  Art 
von  den  Ficus-  und  anderen  ähnlichen  Blättern.  Ob  die  von  Unger 
a.   a.   0.    unter    iler  Bezeichnung    Popnlun   mutabilis   abgebildeten 


J^4S  K  I  t  i  n  u  s  h  rt  II  s  i-  II. 

ülältn-  liiehcr  <»ehr»reii ,  ist  deßluilh  zweifelhaft,  da  bei  keinem 
dieses  charakteristische  Merkmal  in  der  Zeichnung  ersichtlich  ist, 
ja  bei  einigen,  wie  z.  B.  bei  Fig.  9  und  11,  die  Tertiärnerven 
unter  nahe  rechtem  Winkel  entspringen,  meistens  kurz  und  selten 
verbindend  erscheinen.  Die  IJlätter  von  Passiflora  Braunii  \jW<\\\., 
welche  Unger  (Sylloge  III,  S.  70)  zu  Populus  nmtabilis  var.  lan- 
cifolia  bringen  will,  haben  netzläulige,  unter  rechtem  Winkel  abge- 
hende Tertiärnerven  und  weichen  nicht  nur  in  diesem  Merkmale,  son- 
dern auch  durch  die  Hlatlslieldnisen  von  genainiter  Pa|ipelart  we- 
sentlioli  ab. 

Salix  varians  Goepp. 
Goep|)ert,  Tertiiire  Klora  v«hi  Seiiußnilz,   S.  2G,  Tat'.  20,  Kig.  1,2.   — 
l.ndwig,  I.  c.  S.  92,  Taf.  27,   Fig.  7,  iO,  11,  12. 

Vorkommen.  Bei  Bockenberg,  Großteinbeini,  Salzhausen  und 
Miinzenberg.  (Blätter.)  Die  von  Ludwig  unter  der  Bezeichnung 
Sali.v  varians  a.  a.  0.  Fig.  (i,  8  und  9  abgebildeten  Blätter  scheinen 
mir  nach  der  Zaluiung  des  Bandes  und  der  Form  zu  Dryandroides 
acuniinatus  zu  gehören.  Bei  Fig.  6  sind  auch  die  Secundärnerven 
genähert  und  wenig  bogig,  so  wie  bei  genannter  Art. 

Salix  media  A.   Braun. 
Heer,  Tertiüillora  d.  Seliwciz,   IM.  II,  Tai".  ()S,  Fi«^.  14  —  10,   —  Ludwi<r, 
I.  c.  S.  93.  Taf.  28,  Fi?.  2,  3. 

Vorkommen.  Im  Kisensteine  von  Bockenberg ,  im  Thonstein 
von  Miinzenberg.    (Blätter.) 

Das  Blatt  Fig.  >)  von  Münzenberg  in  Ijudwigs  Abhandlung 
scheint  nach  der  Tracht  und  NcrNation  eher  zu  Sah'.v  tenera  zu  gehli- 
ren.  Die  Bestimmung  der  übrigen  in  «'rwähnter  Abhandlung  als  Sali.v 
media  bezeichneten  Blattfossilien  unterliegt  ebenfalls  mehrfachem 
Zweifel.  Bei  keinem  ist  der  Stiel  erhalten.  Fig.  I  und  4  dürften  der 
autTallend  iiiiglt-iclien  Basis  wegen  als  Tlirilldättchen  zu  betrachten 
sein. 

Salix  Volkana  l>iudw. 
Lud  wi-,   1'alacoiitof.r.  VIII,  S.  93,  Taf.  27,  Fi<r.  13,  a—c;  Taf.  30,  Fig.  Ifi. 

N'orkomme  n.  Im  Tlionsteine  zu  Münzenberg.  (Kätzchen, 
Blätter.) 

Das  hielier  gezogene  Blatt,  Fig.  lü  auf  der  Taf.  30  I.  c,  ist  als 
iSa/iu^'-Blatl  sehr  z>\eifelhaft.    Das  Fruchtkätzchen  ist  vielleicht  mit 


Die  fossile  Flora  <lpr  iilUTcn  liriiuiiknlilfiirorniiitioii  ilcr  \Vi'll('r;iu,  ö4»^ 

einer  der  vorher^i'liciuleii  in  Miiiizcnber«»  vorkommenden  Weidenarteii 
zu  vereinigen. 

Class.  Oloraeeae. 

Ord.  Nyctagineae. 

Pisoniu  ovata  Ludw. 
Ludwig,  I.  c.  S.  107,  ThC.  44,  Kijj.  1,  2. 

P.  fo/iis  hreviter  petiofatis,  coriaceh,  ovatis,  ntrinqiie  acutis, 
integerrimis,  nervatione  hyphodroma,  nervo  primario  recto,  bnsi 
prominente,  apicem  versus  evanesvente. 

Vorkommen.   In  der  Blätterkolile  von  Salzhausen. 

Von  den  in  Ludwig's  c.  Ahliandlung  beschriebenen  Pisoniu- 
Arteii  kann  ich  nur  die  P.  ovata  gelten  lassen.  Die  als  Pisonia  lanci- 
folla  und  aciiminata  bezeichneten  Blattt'ossilien  wurden  bereits  S.  37 
als  zu  Fii'Ks  gehörig  besprochen. 

Class.  Tliyiiieleae. 

Ord.  Laurineae. 

Jianros  princeps  Heer. 

Heer,  Teitiärflora  d.  Schweiz,  Bd.  H,  S.  77,  Taf.  89,  Fig.  16,  17:  Taf.  90, 
Fig.  17,  20:  Taf.  97,  Fig.  1:  Bd.  III,  S.  18.Ö.  -  Ludwig  1.  e.  S.  107. 
Taf.  40.  Fig.  6-8;  Taf.  41,  Fig.  16. 

Vorkommen.  Bei  Salzliausen,  Hessenbrücken  und  Münzen- 
berg. (Blätter,  Blüthenknospen.) 

Die  Bestimmung  der  zu  dieser  Art  gebrachten  Pflanzenfossilien 
der  Wetterauer  Braunkohlenformation  laßt  noch  manchen  Zweifel 
übrig.  Die  Blätter  Fig.  6  —  8  zeigen  wohl  die  Tracht  und  Nervation 
von  Laurineen-WMevw,  scheinen  jedoch  einer  anderen  Art  anzuge- 
hören. Sie  sind  schmäler,  nach  den  Enden  mehr  zugespitzt,  von  zar- 
terer Textur;  der  Primärnerv  ist  schwächer;  die  Secundärnerven 
entspringen  unter  spitzeren  Winkeln  als  wie  dies  bei  Laurits  prin- 
ceps der  Fall  ist. 

Lauras  Fürstenbergii  A.  Br.  aber,  welche  Ludwig  für  die 
fossile  Flora  der  Wetterau  annimmt,  ist  aus  dieser  Flora  zu 
streichen. 


{^50  V.     E  t  f  i  n  g  s  li  a  11  s  e  n. 

liUarus  primigeniu   Uiig. 

Unger,  Fossile  Flora  von  Solzka,  S.  ;{8,  Taf.  19,  Fig.  1—4.  —  Heer,  I.  c. 
Bd.  II,  S.  77,  Taf.  89,  Fig.  \^. 

Sowohl  in  der  Blätterkohle  von  Salzhausen  als  auch  im  Thon- 
steine  von  Münzenherg  sah  ich  cinioe  Blattreste,  welche  mit  den  als 
Laurus  primigeniu  bestimmten  Resten  von  Sotzka  genau  überein- 
stimmen. Das  von  Unger  in  der  Sylloge  III.  unter  dieser  Bezeich- 
nung abgebildete  Blatt  aus  der  Braunkohlenformation  von  Salzhausen 
weicht  jedoch  von  denselben  ab  und  wird  im  Folgenden  als  Daphne- 
Blatt  beschrieben. 

CiniiHinominn  Scheuchzerl  Heer. 

Taf.  111,  Fig.  9. 
Heer,  TeiHärflora  d.  Schweiz,  Bd.  II,  S.  85,  Taf.  91,  Fig.  4—24;  Taf.  92, 
Fig.  1— o.  -  Ludwig,  1.  c.  S.  109,  Taf.  41,  Fig.  1—14. 

Vorkommen.  In  den  Schichten  der  älteren  Braunkohlenfor- 
mation der  Wetterau  sehr  verbreitet.  (Intlorescenz,  Früchte,  Blätter.) 

Die  Blätter  dieser  Art  sind  von  denen  des  Cinnamonnim  poly- 
morphum  oft  kaum  zu  unterscheiden.  Die  von  Ludwig  a.  a.  0.  abge- 
bildeten Blätter  Fig.  5  und  Fig.  9,  dürften  wegen  der  etwas  vorgezo- 
genen Spitze  und  den  vom  Rande  etwas  mehr  abstehenden  grund- 
ständigen Seitennerven  zu  letzterer  Art  gehören.  Das  hier  abgebildete 
Blatt  Fig.  9  aus  der  Kl  i  j»s  tein sehen  Sammlung  Murde  bei  Salz- 
hausen gesammelt. 

CinDaiiionmm  liinceolatain  Ung.  sp. 
Taf.  III,  Fig.  4-.1. 
Heer,  TertiärHora  d.  Schweiz,  Bd.  II,  S.  86.  Taf.  93,  Fig.  6-11.  Ludwig, 
I.  c.  S.  109,  Taf.  43,  Fig.  1—7. 

Vorkommen.  Bei  Hessenbrücken,  Salzhausen,  Münzenberg, 
Rockenberg,  Seckbach.  (Blätter.) 

Das  von  Ludwig- a.  a.  0.  Fig.  o  dargestellte  Fossil  bildet  der 
Nervatiou  nach  einen  Übergang  zu  Cinnamumum  Scheuchzeri.  Die 
Blätter  Fig.  4,  5  auf  unserer  Tafel  III  wurden  der  Kl  ipstein'schen 
Sammlung  entnommen. 


Die  fossile  Flora  der  älteren  Braunkohlenformation  der  Wetteraii.  ö5  1 

Cinnamomoiii  Rossmaessleri  Heer. 
Heer,  Tertiärflora  der  Schweiz .    Bd.  11,  S.  84,  Taf.  03.  Fig.  15-17.  — 
Ludwig  1.  c.  S.  109,  Taf.  43,  Fig.  8. 

Vorkommen.  Im  Thonsteine  von  Münzenberg.  (Blätter,  selten.) 
Das  in  Liithvig's  Abhandlung  dargestellte  Blatt  weicht  von 
den  bisher  bekannt  gewordenen  Blättern  dieser  Art  durch  die  dem 
Rande  genau  parallellaufenden  und  demselben  auffallend  genäherten 
seitliehen  Basalnerven  ab.  Von  den  übrigen  Blattnerven  ist  außer  dem 
geradlinigen  an  der  Basis  bedeutend  stärkeren  Mediannerven  nichts 
7A\  sehen.  Ich  halte  demnach  diese  Bestimmung  noch  für  zweifelhaft. 

CinuHinomuin  spectabile  Heer. 

Heer.  Tertiärflora  d.  Seliweiz,  Bd.  II,  S.  91,  Taf.  9G,  Fig.  1-8.  —  Lud- 
wig, Lc.  S.  110,  Taf.  43,  Fig.  9. 

Vorkommen.  Im  Thonsteine  von  Münzenberg,  im  Eisensteine 
von  Rockenberg.  (Blätter,  selten.) 

Hieher  dürfte  nur  das  oben  eitirte  Blatt  Fig.  9  gehören,  welches 
mit  dem  Blatte  Fig.  8  auf  der  Tafel  96  in  Heer's  Tertiärflora  am  mei- 
sten übereinstimmt.  Das  als  Cinnamomum  spectabile  bezeichnete 
Blatt  Fig.  17  auf  der  Tafel  41  der  Ludwig'schen  Abhandlung  weicht 
in  der  Nervation  von  dieser  Art  ab.  Ich  bringe  dasselbe  zu  Cinnamo- 
mum poli/morphum. 

finnaiiiomum  polymorphuin  A.   Braun  sp. 

Heer,  Terliärflora  d.  Schweiz,  Bd.  11,  S.  88,  Taf.  93,  Fig.  2S-28;  Taf.  94, 
Fig.  1-26.  —  Ludwig,  1.  c.  S.  HO,  Taf.  41,  Fig.  17;  Taf.  42 
Fig.  1—11. 

Vorkommen.  Bei  Münzenberg,  Salzhausen,  Roekenberg,  Seck- 
bach  und  Hessenbrücken.  (Früchte,  Blätter.) 

Das  Blatt  Fig.  1  auf  Tafel  42  in  Ludwig's  Abhandlung  dürfte 
der  Nervation  nach  zu  schließen  eher  zu  Cinnamomum  Ross- 
maessleri gehören.  Es  ist  jedoch  zu  mangelhaft  erhalten,  als  daß  eine 
derartige  Bestimmung  sich  begründen  ließe.  Ebenso  scheint  mir  auch 
die  Deutung  des  Blattes  Fig.  10  a.  a.  0.  zweifelhaft  zu  sein.  Die 
Form ,  vorgezogene  Spitze  und  Textur  sprechen  zwar  für  Cinna- 
momum polynwrphum,  nicht  al)er  die  Nervation.  Die  untersten  Se- 
cundärnerven  stehen  von  den  übrigen  nur  wenig  entfernt;  diese  wei- 
chen in  der  Stärke  nur  unbedeutend  von  jenen  ab  und  entspringen 


iS  O  2  V.     K  t  t  i  II  <j  s  h  a  (I  s  e  n. 

unter  ziemlich  spitzen  Winkeln.    Vom  Blattnetz  ist   nichts  wahrzu- 
nehmen. 

üapbnogene  Ludwigii   h^ttingsh. 
Syii.  Luurua  Fürstenbcvyii  \.\iA\\\\t,  I'alaeontogr.  VlIJ,  Tat".  41,  Kig.  15. 

D.  I'olüs  breviter  petiolatis,  eorinceis,  ovuto-lunceolatis,  inte- 
ijerrimis,  acuminato-cuspiddtifi,  nervo  primnrio  valido,  nervis 
secunäuriis  7  —  S  ähtuictis,  in/inils  sub  (uigido  4ö  ,  re/i<jiiis  sub 
a/tgulis  obtusiuribus  exeuntibiis,  brochidodromis,  nervis  tertiuriis 
subtransversariis,  rete  tenerrimo,  maculis  quadratis. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkohlo  von  Salzhausen.  (Sehr  selten.) 
Dieses  Blatt  kann  nicht  zu  Launin  Fürstoiberg'd  A.  Braun 
gehören,  wohin  es  Ludwig'  stelllc.  Bei  genannter  Art  ist  die  Blatt- 
form stets  verkehrt- eiförmig-,  an  der  Spitze  niemals  verschmälert; 
die  Secundärnerven  sind  gegen  die  IJasis  zu  allmählig  verfeinert  und 
verkürzt,  während  hei  dem  in  Bede  stehenden  Blatte  die  untersten 
Secundärnerven  am  stärksten  hervortreten  und  von  den  nächst  oheren 
merklich  ahstehen.  Daß  dieses  Blatt  Aew  Laur'nieeu  einzureihen  ist, 
unterliegt  wohl  keinem  Zweifel.  Von  den  ähidichen  ('uninmomum- 
Blättern  unterscheidet  es  sich  durch  die  Nervafion. 

Ord.  Santalaceae. 
Sautalum  acherouticurn   Kttingsh. 

Ettingsii.  Tertiäre  Flora  von  Hiiring,  S.  49,  Taf.  12,  Fig.  6—10.  —  Syn. 
Embothrium  mliciuuin  F^uilwig,  l'alaeontogr.  1.  c.  VIII,  S.  114,  Taf.  44, 
Fig.  3. 

Vorkommen.  Im  Thonsteine  von  Münzenberg. 

Das  von  I^udwig  a.  a.  0.  unter  der  Bezeichnung  Embothrium 
s(dicimim  ahgehildete  Blatt  stimmt  sowohl  in  der  Form  und  Textur 
als  audi  in  der  Nervation  mit  den  Blättern  von  Santalum  acheron- 
ticum  am  meisten  überein. 

Nyssa  omithobronia  Ung. 
Unger,    Sylloge  plant,  foss.   I,    S.  16,   Taf.  8,    Fig,  15-18;   III,   S.  73, 
Taf.  23,  Fig.  12. 

Vorkommen.  In  der  älteren  Braunkohlenformation  der 
Wetterau.  (Steinkerne;  häutig.) 


Die  fossile  Florii  der  31teieii  Biaunkuhlenfoimation  der  Wefferaii.  Oo3 

Nyssa  NertumDi  Ung. 
Unger,  Sylloge  plant,  foss.  I.  S.  16,  Taf  8,  Fi^.  19,  20.  —  Syn.  Anomi 
Ugnilum  Ung.  Sylloge  plant,  foss.   1,  S.  28,  Taf.  10,  Fig.  1—3.  (Nur 
die  Blätter.) 

Vorkommen.  Mit  voriger  Art.  (Steinkenie,  Blattei'.) 

Zu  den  (Inrch  ilire  verkehrt -eilörmige  Gestalt  und  die  etwas 
vorgezogene  Spitze  sehr  ausgezeichneten  iVi/.ss^-Steinkernen,  welche 
mit  denen  von  Nyssa  biflora  Gärtn.  eine  unverkennbare  Überein- 
stimmung zeigen,  bringt  Unger  zwar  keine  Blätter,  weiset  jedocli 
auf  die  Ähidicbkeit  der  von  ihm  zu  Ano/ui  lignitum  gestellten  Blatt- 
tossilien  aus  der  Wetterauer  Braunkohlent'ormatiitn  mit  xV?/s.sa-Blät- 
tern  hin.  [eh  halle  letztere  Vergleichung  für  die  richtige,  um  so  mehr 
als  ich  in  der  Klip.stei  n'sehen  Sammlung  ein  Blatt  gefunden, 
welches  sich  mit  ungleich  größerer  Wahrscheinlichkeit  dem  Anona- 
vSamen  von  Salzhausen  beigesellen  läßt. 

Ferner  glaube  ich  auf  die  große  Ähnlichkeit  erwähnter  Stein- 
kerne mit  denen  der  Nijssa  rugosa  Weber,  Tertiärtl.  Taf.  3, 
Fig.  10,  a  —  c,  aufmerksam  machen  zu  sollen.  Der  Steinkern 
Fig.  10  r/  zeigt  vollkommen  die  Form,  Zuspitzung  und  Oberflächen- 
beschafTenheit,  wie  jene  von  Nyssa  Vertnmni  Ung.  Es  dürfte  sich  die 
Gleichartigkeit  dieser  Fossilien  herausstellen.  Da  mir  aber  die  Stein- 
kerne von  Friesdorf  und  Orsbergbei  Bonn  zur  genaueren  Vergleichung 
und  Untersuchung  nicht  vorliegen,  so  muß  ich  die  Entscheidung 
hierüber  späteren  Forschungen  überlassen. 

Nyssa  earopaea  Ung. 

Unger,  Gen.  et  spec.  plant,  foss.  p.  42S.    —   Sylloge  plant,  foss.  I,  S.  16, 
Taf.  7,  Fig.  23—27;  III,  S.  73,  Taf.  23,  Fig.  1—11. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkohle  von  Salzhausen.  (Steinkerne, 
Blätter,  häufig.) 

Nyssa  obovata  Web. 

Weber,   Tertiärtlora  der  niederrheinischen  Braunkohlenformation,    S.  70, 
Taf.  3,  Fig.  11.  —  Ludwig,  I.  c.  S.  116,  Taf.  60,  Fig.  1,  a—d. 

Vorkommen.  In  der  Braunkohle  von  Salzhausen.  (Steinkerne.) 


O  h  4  V.     E  t  t  i  II  ":  s  h  a  u  s  e  II. 

Ord.  Daphnoideae. 

Dapline  lignitum  Ettingsh. 

Syn.    Laurus  priniigenia  V  ng.    Sylloge   plant,   foss.   III,    S.  72 ,    Taf.  22, 
Fig.  18. 

D.  foliis  mbcoriaceis  petiolatis  Iniiceolatis,  basi  acuminatis, 
iutegerrimis,  nervatione  brochidodroma,  nervo  primario  redo, 
basi  valido,  apicem  versus  attenuato,  nervis  seciuidariis  tenuibus 
remotis  simpJicihns  fitrcdtisque ,  (ircuatim  Inter se conjunclis,  uiiyulo 
30 — 49    e.veuntibns. 

Vorkoni  111  eil.  In  der  BläUerkolile  von  Salzhausen.  (Sehr 
selten.) 

Nach  genauer Unlersucluing  des  in  der  Klipstei  n'schen Samm- 
lung' auf'bewahrlen  Origina]-Exem[)lares  der  oben  citirten  Abbildung 
konnte  ich  das  von  Unger  zu  Laurus  priniigenia  gebrachte  Blatt 
von  Salzhaiisen  nicht  zu  dieser  Art  und  überhaupt  nicht  zu  den  Lau- 
rineen stellen.  Die  Hasis  ist  aulVallend  lang- verschmälert,  die  Se- 
cundärnerven  sind  deutlich  schlingläulig  und  entspringen  unter 
spitzeren  Winkeln,  als  dies  liei  LMurinee7i-W^üern  vorzukommen 
pflegt.  Nach  diesen  Merkmalen  paßt  das  Blatt  besser  zu  den  Daph- 
nnideen,  woselbst  in  der  Gattung  Daphne  die  am  nächsten  stehenden 
Ähnlichkeiten  enthalten  sein  dürften.  Die  in  der  fossilen  Flora  von 
Badoboj  vorkommende  Daphne  radobojana  Ung.  Sylloge  III,  Taf.  24, 
Fig.  13,  unterscheidet  sich  von  der  beschriebenen  Art  nur  durch  die 
einander  mehr  genäherten  bogenläufigen  Secundärnerven. 

Daphne  Apollinis  Ung. 
Unger,  Sylloge  plant,  foss.  III.  p.  74,  Taf.  24,  Fig.  i2. 

D.  foliis  membranaceis  lange  petiolatis,  lanceolatis,  iutegerri- 
mis, basi  acutis,  apice  obtusiusculis,  nervatione  camptodroma,  ner- 
vis secundariis  tenuibus,  angulis  30 — 40  egredientibus,  appro- 
ximutis  siniplicibus. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkohle  von  Salzhausen.  (Sehr 
selten.) 

Dieses  Blatt  unterscheidet  sich  von  dem  der  vorhergehenden 
Art  in  der  Form  und  Nervation.  Seine  Bestimmung  als  zu  Daphne 
gehörig  unterliegt  nocli  manchem  Zweifel. 


F)ie  fossile  Flora  der  älk-ri'n  Kriiuiikolilenforiiiatioii  der  Welterau.  ÖOO 

Daphnc  venusta  Ludw. 

Ludwig,  Palacontographica,  Vol.  VIH,  S.  iU,  Taf.  43.  Fig.  12. 

D.  foUis  7nemhr(ui(iceis  obovatn-eUiptich,  obtiisis,  basi  paulin- 
tim attenuatis,  nervatione  brochidodroma,  nervo  primario  promi- 
nente, excurrente,  nervis  secundariis  tenuibus,  angulis  33  — 4ö 
egredieutibus,  parallelis,   nervis  tertiär iis   ramosis,  inter  se  con- 
jnnctis  dictyodrom  is. 

Vorkomme».  In  der  Blätterkohle  von  Salzhaiisen. 

Zu  dieser  Art  bringt  Unger  in  der  Sylloge  plant,  foss.  III, 
p.  74,  Taf.  24,  Fig.  11  ein  Blatt  von  Radoboj,  welches  sich  schon 
durch  seine  derbe  lederartige  Textur  und  die  ausgerandete  Spitze 
von  dem  Blatte  der  D.  vennsta  unterscheidet.  An  demselben  ist  von 
der  ausgezeichnet  schön  erhaltenen  charakteristischen  Daphne-Nev- 
vation,  wie  selbe  Ludwig  an  einem  Blatte  von  Salzhausen  beobach- 
tete, nichts  wahrzunehmen. 

Ord.  Proteaceae. 

Hakea  Dryandroides  Ettingsh. 
Syn.  Ilakea  Gaudini  LuAwig,  I.  c.  S.  113,  Taf.  44,  Fig.  8.  (Ex  parte.) 

H.  foliis  coriaceis  brevissime  petiolatis,  lanceolato-linearibus, 
hnsi  obtiisis,  apice  acnminatis,  spiuuloso-dentaiis,  nervatione  bro- 
chidodroma, nervo  primario  valido,  promine)ite,  nervis  secundariis 
angulo  subrecto  egredieutibus,  tennibus  appro.vimatis. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkohle  von  Salzhausen. 

Die  von  Ludwig  zu  Hakea  Gaudini  Heer  gebrachten  Blatt- 
lossilien  aus  der  Blätterkohle  von  Salzhausen  gehören  drei  verschie- 
denen Proteaceen  an.  Das  Blatt  Fig.  8  unterscheidet  sich  von  den 
übrigen  durch  die  stachelspitzigen  Randzäline  und  die  unter  nahezu 
rechtem  Winkel  abgehenden  Secundärnerven.  Es  kann  aber  wegen 
der  Zahl,  Anordnung  und  Verbindung  dieser  Nerven  nicht  zu  Hakea 
Gaudifti  gestellt  werden,  welcher  Art  ungleich  weniger  und  entfern- 
ter stehende  Secundärnerven  zukommen,  die  nicht  Schlingen  bilden, 
sondern  in  den  Randzähnen  endigen.  Dasselbe  möge  vorläufig  der 
G&{\{in^  Hakea  einverleibt  bleiben,  obsclion  Gründe  vorliegen,  es  der 
Gattung  Dryandroides  einzureiben,  wofür  namentlich  die  Nervation 
zu  sprechen  scheint. 

S;tzl».  d.  iiiiithem.-naturw.  Cl.  I,VII.  Bd.  I.  Abth.  33 


«So 6  V.     E  t  t  i  II  g-  s  li  a  II  s  e  n. 

Haken  wottoraTlca  E 1 1  i  n  g  s  h. 

Syn.    llalct'fi  r.viiinfn  Liidwif^,   1.  c.   S.  114.  Taf.  44,   Fi^r    (">,  7. 

H.  foUis  rigide  coriaceis,  sessilibns,  lineari-lanceolatis,  husi 
rotunddtis,  npicem  versus  angusfutis,  margine  sphmloso-dentatis, 
nervalione  dictyodroma,  nervo  primario  prominente,  nervis  secun- 
dariis  angulo  acnto  egredlentibus,  tennissimis,  congestis. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkohle  von  S.ilzhausen. 

Die  Hakea  e.vuhita  Heer,  zu  welcher  Ludwig  die  oben 
beschriebenen  Blätter  bringt,  ist  von  der  Hakea  GauditiiHeei'  nicht 
verschieden,  wie  ich  an  einem  anderen  Orte  zeigen  werde.  Mit  dieser 
Art  nun  kann  die  eben  beschriebene  ebensowenig  wie  die  vorhergehende 
verwechselt  werden.  Die  sehr  feinen  genäherten  Secundärnerven 
sind  weder  rand-noch  schlingläufig,  sondern  verlieren  sich  im  zarten 
Blattnetze,  welches  dem  der  Banksia-  und  Dryandroides-BUitiav 
gleicht.  Sie  entspringen  unter  spitzeren  Winkeln.  Die  Textur  ist 
auffallend  steifer  als  bei  der  vorhergehenden  Art;  der  Blattrand  be- 
deutend verdickt. 

Banksia  Ingeri  Ettingsh. 
Taf.  III,  Fig.  1.^. 
Ettingsh.    Proteaceen  der   Vorwelt,    Sitzungsber.    Bd.   VII,    S.  731.    — 
Tertiäre   Flora   von  Häring,    S.  .^4,    Taf.   17,    Fig.   1—22;    Taf.  18, 
Fig.  1-6. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkohle  von  Salzhausen,  im  Thon- 
steine  von  Münzenberg. 

Unter  den  Pflanzenfossilien  der  Klipstein'schen  Sammlung 
fand  ich  einige  Blattreste,  welche  dieser  in  den  älteren  Schichten  der 
Tertiärformation  verbreiteten  Art  angehörten.  Der  am  vollständigsten 
erhaltene  ist  auf  Tafel  III  abgebildet.  Die  Art  unterscheidet  sieh 
\on  der  Dryandroides  banksiaef'olin  Heer,  zu  welcher  größtentheils 
auch  die  Blätter  der  Myrica  hiinksiiiefolia  zu  zählen  sind,  durch  die 
nur  geringe  Verschmälerung  an  der  Blattspitze  und  die  stumpferen 
Bandzähne. 

Dryandroides  banksiacfolla  Heer. 
Heer,    Tertiärflora   d.  Schweiz.    Bd.  II,    S.  102,    Taf.  100,   Fig.  3—10; 
Bd.  III,  S.  187,  Taf.  153,  Fig.  6.  —  Syn.  Mip-ica  longifolia  Ludwig. 
1.  c.  Taf.  29,  Fig.  1,5,  Taf.  (iO,  Fig.  15.    —    M.  Ungeri  Liidw.  I.  c. 
Taf.  29,  Fig.  2,  4. 

Vorkommen.  Im  Thonsteine  von  Münzenberg.  (Blätter;  häufig.) 


Die  fossile  Flora  der  ältert'ii  liiaiiukulileiiConnatioii  der  Wetteraii.  öoT 

Die  von  Ludwig  luiter  den  Bezeichnungen  Myrica  longif'u/iu 
und  M.  Ungeri  auf  der  Tafel  29  a.  a.  0.  abgebildeten  Blätter  Fig.  2 
und  5  gleichen  den  Blättern  der  Dryandruiilcs  hanksuief'olui  Heer, 
I.  c.  Taf.  100,  Fig.  7 — 9;  das  breitere  und  grüfk're  a.  a-  0.  als 
Myrica  longifolia  bezeichnete  Blatt  Fig.  1  den  größeren  Blättern 
der  Dryundroides  b.  vollkommen.  Die  übrigen  von  Ludwig  als 
Myrica  loiiyifoUa  benaiuiten  Blätter  gehören  theils  zu  Dryandroides 
lignitunt,  theils  zu  D.  Ilagoibachi,  theils  zu  einer  besonderen  weiter 
unten  beschriebenen  Dryandroides-Xvt.  Myrica  Ungeri  Heer,  mit 
eingeschnittenen  gelappten  Blättern,  kam  in  der  fossilen  Flora  der 
Wetterau  bis  jetzt  noch  nicht  zum  Vorscbein. 

Dryandroides  lignitani  Ung.  sp. 
Taf.  in,  Fig.  12,  13. 
Ettingsh.  Proteaceen  d.  Vorwelt,  S.  33.  Tat'.  5,  Fig.  3 — a.  —  Terliiire 
Flora  von  Hüring.  S.  57,  Taf.  2Ü,  Fig.  o — 7.  —  Fossile  Flora  von 
Bilin  II,  Taf.  33,  Fig.  4—7,  14,  lo.  —  Heer,  Tertiärflora  d.  Schweiz, 
Bd.  II,  S.  101,  Taf.  99,  Fig.  9  -13;  Bd.  III,  Taf.  133,  Fig.  13.  —  Sy  n. 
Mijrica  longifolia  Ludwig,  1.  c.  Taf.  28,  Fig.  8;  Taf.  29,  Fig.  3.  — 
M.  Ungeri  Ludw..  I.  c.  Taf.  30,  Fig.  3.  —  M.  salicina  Ludw.  1.  c. 
Taf.  28,  Fig.  10. 

Vorkommen.  Im  Thonsteine  von  Miinzenberg  mit  voriger  Art. 

Das  von  Ludwig  als  Myrica  salicina  1.  c.  Taf.  28,  Fig.  10  abge- 
bildete Blatt  entspricht  der  fast  ganzrandigen  Form,  welche  in  Par- 
schlug  und  Bilin  ziemlich  häufig  ist.  An  dieses  schließen  sich  die  wenig 
gezähnten  Blätter  Fig.  12,  13  auf  unserer  Tafel,  welcbe  der  Klip- 
stein'schen  Sammlung  entlebnt  wurden.  Die  als  Myrica  longifolia 
bezeichneten  Blätter  Fig.  8  auf  Taf.  28  und  Fig.  S  auf  Taf.  29  der 
Ludwig'schen  Abhandlung  entsprechen  der  gewöhnlicben  Blattform 
dieser  Art. 

Dryandroides  dubia  Ludw. 
Ludwig,    Palaeontographiea,  Bd.  VIII,   S.  113,  Taf.  44,  Fig.  13  —  13.  — 
Syn.  Hakea  Gaudini  Ludw.  I.  c.  Taf.  44,  Fig.  9,  11,  12.  (Ex  pajte.) 

D.  foliis  sessilibus,  coriaceis  lanceolato-linearibus,  basi  angu- 
Mata  ohtusis,  apice  acuminatif^  margine  serratis ,  nervatione  hro- 
chidodromn,  nervo  primaria  prominente,  nervis  secundariis  nume- 
rosis  tenuibns,  angulo  acuta  egredientibus. 

Vorkommen.  Im  Eisenstein  von  Rockenberg,  in  der  Blätter- 
kohle von  Salzhausen. 


ö  0  O  V.     K  f  f  i  n  fr  s  h  H  II  s  e  n , 

V^on  der  vocliergehenden  Art  diircli  die  schärfere  Zähnung  de 
Randes,  von  der  Drynndroides  hanksinefnlia  durch  die  unter  spitzeren 
\\'inkehi  ahgehenden  Secundärnerven,  von  heiden  durch  die  geringe 
Verschmjilerung  an  der  Basis  und  den  Mangel  des  Stieles  verschieden. 
Die  meisten  der  von  Ludwig  zu  Haken  Gandini  Heer  gebrachten 
Blattfossilien  zeigen  den  Charakter  von  Dryandroides;  die  oben 
citirten  stimmen  mit  den  Blättern  der  beschriebenen  Art  vollkommen 
überein. 

Dryandroides  Lodwigii  Ettingsh. 
Syn.  Hakea  Gaudini  Ludwi  g,  1.  c.  Taf.  44,  Fig.  10.  (Ex  parte.) 

D.  foliis  coriaceis,  Innceolatis,  ntrinqne  ncuminatis,  serratis, 
nervatione  dictyodroma,  nervo  primaria  prominente,  recto,  jiervis 
secnndariis  densis  tennissimis,  simplicibus,  angulo  acuto  egredien- 
tibus. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkohle  von  Salzhausen. 

Das  am  citirten  Orte  abgebildete  Blatt  Fig.  10  stimmt  in  der 
Nervation  mit  den  Blättern  von  Banksia  und  Dryandroides ;  in  der 
Tracht,  Zahnung  des  Randes  und  Textur  mit  Dryandroides  am  mei- 
sten ilberein.  Durch  die  sehr  feinen  dicht  an  einander  gereihten 
Secundärnerven  unterscheidet  es  sich  von  allen  bis  jetzt  beschriebe- 
nen Arten  letztgenannten  Geschleciites,  durch  die  kürzeren  niclit 
stachelspitzigen  Zähne  und  die  lanzettliche  Form  von  der  Hakea  loette- 
ravica. 

Dryandroides  ncuniinata  U  n  g.   sp. 

Ettingsh.  Proteaceen  «ler  Vorwpit,  S.  32.  —  Heer,  Tertiärtlora  d. 
Scliweiz,  Bd.  II,  S.  103,  Taf.  99,  V\g.  17—21;  Taf.  100,  Fig.  1-2. 
Syn.  Salix  varians  Ludwig  1.  c.  Taf.  27,  Fig.  6,  8,  9. 

Vorkommen.  Im  Thonsteine  von  Münzenberg;  im  Eisensteine 
von  Rockenberg.   (Blätter.) 

Das  von  Ludwig  a.  a.  0.  zu  Salix  varians  Goepp.  gestellte 
Blatt  Fig.  6  weicht  sowohl  in  der  Zahnung  des  Randes  als  auch  in 
der  Nervation  von  den  Blättern  dieser  Weidenart  ab.  Die  Zähne  des 
auffallend  lang  zugespitzten  Blattes  sind  spitzer,  der  Blattrand  ist 
mehr  verdickt,  die  Secundärnerven  sind  einander  mehr  genähert, 
wenig  bogig  und  am  Ursprünge  oft  divergirend.  Diese  Eigenschaften 
findet  man  aber  an  den  Blättern  der  Dryandroides  acuminata,  zu 
welcher  auch  die  Fragmente  Fig.  8  und  9  gehören  dürften. 


hie  fossile  Flora  der  älteren  Braunkohlenformation  der  Wetterau.  859 

Dryandroides  acatangula  Ettiiigsh. 
Syn.'  Mj/rica  longifolia  Ludwig,  I.  c.  Taf.  30,  Fig.  1. 

D.  fo/iis  petiolatis  siihcorinceis,  lauceolato-acuminatis ,  basi 
angusta/is .  maryine  grosse  serratis ;  nervatione  craspedodroma, 
nervo  primario  firmo,  tiervis  secundariis  tenuibus  sub  angulis 
30—40    egredientibus,  simpUcibus  appro.vimatis. 

Vorkommen.   Im  Thonsteiiie  von  Münzenberg. 

Steht  einerseits  der  Dryandroides  banksiuefoHa  anderseits  der 
vorhergellenden  Art  nahe.  Es  charakterisirt  sich  aber  diese  Art  durch 
die  breitere  mehr  ianzettliche  Form,  die  ziemlich  großen  und  doch 
einander  genäherten  Randzähne  und  durch  die  unter  spitzeren  Win- 
kehi  abgehenden  randläufigen  Secundärnerven. 

Dryandroides  Hagenbachi  Heer  sp. 

Syn.  Quercus  Hagenbachi  Heer,  Tertiärflora  d.  Schweiz,  Bd.  II,  S,  52, 
Taf.  76,  Fig.  16.  —  Myrica  longifolia  Ludw.,  1.  c.  Taf.  29,  Fig.  3,  4, 
6  und  7. 

D.  foliis  petiolatis,  coriaceis,  lanceolatis  vel  lineari-lanceola- 
tis,  utrinque  attemmtis  grosse  vel  ineiso-deutatis,  nervatione  cras- 
pedodroma, nervo  medio  valido,  nervis  secundariis  angulo  subrecto 
egredietitibus,  simplicibus  appro.vimafis. 

Vorkomme  n.   Im  Thonsteine  von  Münzenberg. 

Der  Dryandroides  banksiaefolia  in  der  Form,  Zahnung  des 
Randes  und  Textur  des  Blattes  gleichend ,  jedoch  durch  die  rand- 
läuügen  Secundärnerven  von  derselben  wohl  verschieden. 

Dryandroides  Hassiaca  Ludw.  sp. 
Syn.  Banksia  Hassiaca  Ludwig,  Palaeontogr.  VIII,  S.  113,  Taf.  44,  Fig.  5. 

D.  fuliis  parvis  sessilibus,  coriaceis,  lanceolatis,  margine 
incrassato  serratis,  basi  angustatis,  apice  acutis;  nervatione  cras- 
pedodroma, nervis  secundariis  sub  angulo  öO"  exeuntibus. 

Vorkommen    Im  Thonsteine  von  Münzenberg. 

Ein  kleines  lederartiges  gesägtes  Blatt ,  welches  seiner  Ver- 
schmälerung  an  der  Spitze  wegen  besser  zu  Dryandroides  als  zu 
Banksia  paßt.  Von  den  bisher  beschriebenen  Drya7idroides-Avteii 
unterscheidet  es  sich  durch  die  randläutige  Nervation,  von  der  vor- 
hergehenden Art  aber  durch  die  Blaltlorm  und  die  spitzeren  Abgangs- 
winkel der  Secundärnerven. 


8(j()  V.     K  t  t  i  11  o^  s  li  :i  u  s  p  n. 

Class.  C'aprifoliaeeae. 

Ord.  Rubiaceae. 

Ciuchonidium  bilinicuiii   h^ttingsh. 
Ktiingsli.  Fossile  Flora  von  ßilin,  II.  8.    1J>,  Taf.  35,  Fifj.  28— 31. 

Vorkommen.   Im  Thonsteine  von  Münzenberg.  (Blätter.) 
An  der  bezeichneten  Loetilitiit  fand  sieh  ein  Blatt,  welches  mit 
dem  im  plastischen  Thon  bei  Priesen  anf'gefnndenen  Blatte  Fig.   'M 
dieser  Art  in  allen  Eigenschaften   fibereinstimmt,   weßhalb   ich    das 
Vorkommen  derselben  in  der  fossilen  Flora  der  VVetterau  annehme. 

(rardeuia  Wetzleri  Heer. 

Heer,  Tertiärflora  d.  Schweiz,  Bd.  III,  S.  192,  Taf.  14t.  Fig.  81—103.  — 
Syii.  Passiflora  Braunii  hu Aw.,  I.  c.  Taf.  48,  Fig.  11  — 16.  (Nur  die 
Früchte.) 

Vorkommen.  In   der  ßlätterkohle   von    Salzhaiisen;    bei    Bi- 
sehoflsheim  nnd  Langenaubaeh. 

Randia  prodronia  Ung. 
Ung.  Sylloge  plant,  foss.  III,  p.  12,  Taf.  3.  Fig.  10. 

Vorkommen.  In  den  Schichten    der  älteren    Braniikohlenfor- 
mation  der  Wetterau.   (Früchte,  Samen.) 

Class.  Coiitortae. 

Ord.  Oleaceae. 

Iioniciera  dobia  Ung. 
Unger,  Sylloge  plant,  foss.  p.  21,  tah.  VIII,   fig.  14. 

Vorkommen.    In  den  Schichten  der  älteren  Braunkohlenfor- 
mation der  Wetterau.  (Steinkern.) 

Ord.  Apocynaceae. 

Apoiynoph^IIum  pacliyphyllum  Eltingsh. 
Kttingsh.  Fossile  Flora  von  Hilin,  II,  S.    29,  Taf.  36,  Fig.  18." 

Vorkommen.   In  der  Blätterkohle  von  Salzhausen. 
In  iler   K  I  i [»s  t  e i  n'schen  Sammlung    sah  ich   ein  aus  der  be- 
zeichneten Loealilät  slanimendes  Blalt,    welcluvs  mit  dem    im  Süß- 


Die  fossile  Flora  der  älteren  IJraunkohleni'ormation  der  Welterau.  OUl 

wasserkalk  von  Kostenblatt  aurgefundenen  Blatte  dieser  Art   in  allen 
Merkmalen  übereinstimmt. 

Apocyiiophyllum  Alcyonidoni  Ung.  sp. 
Syn.  Rhododendron  Alci/onidiun  IJng.  Sylloge  plant,  foss.  III,  p.  39,  tab.  XII 
flg.  13,  14.  —  Jvglans  ncuminafa  Ludwig  I.  c.  Taf.  57,  Fig.  8. 

A.  foliis  petiolatis,  coriaceis,  ovato-lmiceolatis ,  attemiath 
nervatione  camptodronm,  nervo  primario  valido,  nervis  secunda- 
riis  tenuibus,  crebris  parallelis  apice  ramosis,  n7ite  marginem  inter 
se  conjunctis,  nervis  tertiariis  obsoletis. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkohle  von  Salzhausen. 

Die  oben  citirten  Fossilien  zeigen  ganz  und  gar  die  Tracht  von 
Apocynaeeen-Blättern.  Der  ziemlich  lange  dicke  Blattstiel,  die  läng- 
liche ßlattform,  die  einander  genäherten  und  parallelen  nicht  ge- 
schlängelten hogenläufigen  Secnndärnerven,  alle  diese  iMerkmale 
kommen  vorzugsweise  den  Arten  genannter  Ordnung  zu.  Man  ver- 
gleiche z.  B.  die  Blätter  von  Tabernaemofitann-Xiien  (Ettingsh. 
Blatt-Skelete  der  Dikotyledonen  Taf.  29). 

Apucynophylluni  Ludwigii  Ettingsh. 
Syn.  Salix  lo)tg(t  \j\\(\yf/\^,  Palaeontograpliica  VIII,  Taf.  28,  Fig.  5. 

A.  foliis  membiumaceis  leite  linearibus,  integerrimis  apicem 
versus  nttemiatis,  nervatio7ie  cnmptodroma,  nervo  primario  valido, 
nervis  secundariis  tennihus.  crebris  parallelis,  simplicibus.  angulo 
subrecto  egredientib  us. 

Vorkommen:   Im  Thonsteine  von  Münzenberg. 

Die  lange  schmale  Form  des  Blattes,  die  einander  genäherten 
und  parallelen  unter  nahezu  rechtem  W^inkel  entspringenden  Secun- 
därnerven ,  erinnern  nur  zu  sehr  an  die  Blätter  verschiedener  Apo- 
cynaceen,  wie  z.  B.  Nerium,  Alyxia  u.  A.,  als  daß  man  dieses  Fossil 
irgend  einer  anderen  Ordnung  zuweisen  könnte.  Von  dem  sehr  ähn- 
lichen Nerium  bilinicum  Ett.  I.  e.  Taf.  37,  Fig.  2  unterscheidet  es 
sich  durcli  die  viel  zartere  Textur. 

Apocynophyllnm  wettcravicum  Ung. 
Unger,  Sylloge  plant,  foss.  III.  p.  13,  tab.  IV,  fig.  12—15. 

Vorkommen.  In  der  Braunkohlenformation  der  VVetterau. 
(Blätter.) 


802  V.     E  t  t  i  II  g-sh  a  11  s  f  P. 

Ol)  die  unter  obiger  Beiiennimg  ji.  ü.  0.  hesohrieheneii  Blätter 
Einer  Pflanzenart  angehörten,  ist  naeli  den  gegebenen  Darstellnngen 
ebenso  zweilelhaft,  als  die  Bestimmung  derselben.  Die  Fig.  13  und  14 
zeigen  jederseits  des  Priniärnervs  nur  5 — 6  Seeundärnerven,  welche 
von  einander  verhältnißmäßig  mehr  entfernt  stehen  als  M'ie  bei  dem 
Blatte  Fig.  15,  das  8 — 9  Seeundärnerven  jederseits  enthält.  Alle 
diese  Fossilien  kiMinten  aneh  dir  Theilblättehen  von  Juglaas  gelten, 
wofür  nebst  der  nieht  wenig  deutlich  ausgesprochenen  Ungleichheit 
der  Blattseiten  auch  die  unter  rechtem  oder  nahezu  stumpfem  Winkel 
von  der  Außenseite  der  Seeundären  abgehenden  Tertiärnerven  spre- 
chen. Ludwig  hat  ein  mit  erwähnten  vielleicht  gleichartiges  Blätt- 
chen mit  Recht  zu  Juglana  gebracht.  (Palaeontogr.  Vlll.  Tat".  60. 
Fig.  3).  Bei  Apocynum  undrosaemifolium  \j-,  mit  welchem  IJnger 
diese  fossile  Pflanze  vergleicht,  entspringen  die  Tertiärnerven  an  der 
Außenseite  der  Seeundären  unter  spitzen  Winkeln  und  sind  fast 
querläufig,  wie  auch  aus  der  höchst  mangelhaften  Abbildtmg  Fig.  16, 
I.  c.  des  Blattes  der  genannten  lebenden  Art  entnommen  werden  kann. 

Apocynophyllom  cordatani  l  ng. 

Unger,  Sylloge  plant,  foss.  III,  p.  15,  tab.  IV,  Hg.  17. 

V  0  r  k  0  m  m  e  n.  Mit  voriger  Art. 

Außer  der  herzförmig  ausgerandeten  Basis  stimmt  dieses  Blatt- 
fossil, welches  ich  eher  für  ein  J//^/r/// .5 -Blatt eben  als  für  ein 
Apocynaceen-Blalt  hallen  möchte,  mit  dem  der  vorhergehenden  Art 
(Fig.  lö)  genau  überein.  Die  relative  Entfernung  der  9 — 10  Seeun- 
därnerven ist  die  gleiche;  die  Tertiärnerven  entspringen  unter  dem- 
selben Winkel. 

ipoeynophyllom  Carissa  Ung. 
Unger,  Sylloge  plant,  foss.  III.  p.  13.  tab.  IV.  fig.  12. 

Vorkommen.  Mit  den  vorhergehenden  Arten. 

Diese  Art  wurde  nach  zwei  anscheinend  mangelhaft  erhaltenen 
Blattfossilien  aufgestellt.  Bezüglich  i\ef>  von  R  adoboj  stammenden 
Blattes  Fig.  1,  früher  als  Puvetta  diihid  Ung.  bezeichnet,  glaube  ich 
mit  Sicherheit  behaupten  zu  können,  daß  dasselbe  nur  ein  kleineres 
Blatt  (Irr  unterdtMi  Benennungen  Cinchoiiu  paimonica  und  Po^oqucvid 
prutoifnca  bescluiebcnen  bis  jetzt  noch  nicht  genau  bestinunten  fossilen 
Pflanze  ist.  DasBlatl  Fig.  2.  aus  der  WetterauerBraunkohlenformation, 


Die  fossile  Flora  der  Slteien  BriKiiikulik'nl'orinatiun  der  Welteraii.  öOo 

scheint  in  der  Nervation  einigermaßen  ahzuweiclien,  da  die  Seciin- 
därnerven  gegen  die  Basis  hin  auffallend  genähert  stehen,  während 
dies  bei  erstgenanntem  Blatte  nicht  der  Fall  ist. 

Daß  die  Bestiinmung  dieser  Reste  als  Apocyiiaceen  und  über- 
haupt die  Selbständigkeit  der  Art  sehr  zweifelhaft  ist,  bedarf  dem- 
nach A\ohl  keiner  weiteren  Erläuterung.  Bloße  Blattumrisse  von  leben- 
den Ptlanzen,  zur  Vergleichung  mit  den  ohne  Detail  der  Nervation 
gezeichneten  fossilen  Blättern  beigefügt,  genügen  nach  dem  jetzigen 
Standpuncte  der  Paläontologie  keineswegs  zur  Begründung  der  Be- 
stimmung einer  Species. 

Ord.  Gentianeae. 

nenyanthes  tertiana  H  e  e  r. 

Heer,  Terliiirflora  d.  Schweiz,  Bd.  HI,  S.  20,  Taf.  104,  Fig.  3,  a—f.  - 
Ludwig.  I.e.  S.  117,  Taf.  24,  Fig.  8;  Taf.  31,  Fig.  15:  Taf.  60, 
Fig.  17. 

Vorkommen.  In  der  älteren  Braunkohlenformation  der 
Wetterau  ziemlich  verbreitet.  (Samen.) 

Class.    Tiibiflorae. 

Ord.  Convolvulaceae. 

Porana  niacraotha  Heer. 

Heer,  Terliarllora  d.  Schweiz,  Bd.  III.  S.  19.  Taf.  103,  Fig.  22.  -  Lud- 
wig. I.  e.  S.  IIG.  Taf.  4i,  Fig.  18. 

Vorkommen.  \\\  der  Blätterkohle  von  Salzhausen.  (Frucbt- 
kelch.) 

Class.  Petalaiithae. 

Ord.  Myrsineae. 

MjTsine  Doryphora  Ung. 
Taf.  IV.   Fig.  o. 
llnger.  Sylloge  jilanf.  foss.  lU.  S.  19,  Tyf.  6.   Fig.  1  —  10.  —  Ettingsh. 
Fossile  Flora  von  Bilin  IL  8.  'iö.  Taf.  37.   Fig.  ä,  6,  13. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkohle  von  Salzhausen. 

Das  vorliegende,  ziemlich  wohl  erhaltene  Blattfossil,  welches  in 
der  Kl  ips  tein'sehen  Sammlung  aufhcMahrt  wird,  verräth  durch 
seine  aulViilleiid  lederartige   Konsistenz,    seine   länglich  -  lanzettliche 


(S()4  V.     R  t  l  i  II  5^:  s  li  :i  II  s  e  n. 

Form  und  iiisbcsoiulere  diireli  die  zahlreichen  etwas  schläiigeligen 
unter  verschiedenen  spitzen  Winkeln  entspringenden  Secundärnerven 
den  Charakter  eines  Myrsineen-Blattes.  Ich  stelle  dasselbe  zu  Tü^/rs/w^? 
Doryphorn,  wo  es  zu  dem  in  citirter  Sylloge  auf  der  Taf.  6  abge- 
bildeten Blatte  F'ig.  9  am  l)esten  paßt. 

Ord.  Sapotaceae. 

vSapotacitos  apocyiioides  Kftingsb. 
Tiif.  II,  Flg.  5. 

S.  f'oliis  brcvitcr  petiolatis,  rigide  coriaceis,  obovatis,  integer- 
rimis,  nervatio/ie  camptodromu,  nervo  primaria  f'irmo,recto,  apicetn 
versus  attenuato,  nervis  secundariis  distiiictis  ntrinque  7 — S, 
snb  aitguUs  Sit  —  60^  orientibus,  superioribiis  marginem  versus 
adscendentibus,  nervis  tertinriis  obsoletis. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkohle  von  Salzhausen. 

Die  Tracht  dieses  Blattes,  namentlich  die  sehr  derbe  lederartige 
Textur,  welche  dasselbe  erkennen  läßt,  veranlaßten  micb  die  näclist 
verwandten  Analogien  in  der  Ordnung  der  Sapotaceen  zu  suchen,  ob- 
gleich die  Bichtung  geringere  Zaid  und  die  stärkere  Entwicklung  der 
Secundärnerven  auf  die  Apocynaceen  deuten.  Ich  verglich  dasselbe 
mit  Arten  von  Bassin,  Lucuma  und  Mimusops,  ohne  jedoch  eine 
auHallend  nahe  kommende  Ähnlichkeit  gefunden  zu  haben. 

Knmelia  Plejaduiii  Ung. 

Taf.  H.  FiiT.  4. 

ITnj/er,    Syllo}je   iiliint.    (oss.   III.    p.  24.    tal).   VH|.   fig.  6.    —    Syn.   Ih:r 
sienoplii/lla  Unp.  1.  c.  11.  \t.  14,  lab.  III.  fig.  25—27.  (Ex  parte.) 

B.  fnliis  petiolatis,  coriaceis  obovato-oblongis  vel  oblongo- 
cuneiformibus,  obtusis  vel  emarginatis,  iutegerrimis,  nervo  primario 
prominente  recto ,  e.vcurrente,  nervis  secundariis  inconspicuis ; 
bacca  eUipsoidea  unilitcnlaris  monosperma,  pericarpio  crustaceo 
tenui  lougitudinaliler  leviter  costalo. 

V  0  r k  0  m  m  e  n.  I n  der  Wetterauer  Braunkohlenformation. 

Mit  der  Beere,  welche  Unger  unter  den  Ptlanzenfossilien  aus 
iler  Braunkohlenforntation  der  Wetterau  fand  und  in  der  Sylloge  III. 
beschreibt,  vereinige  ich  Blätter,  welche  ebendaselbst  gefunden  wur- 
den und   nach   ihren   Eigenschaften   am   besten  zu  Bumelia  passen. 


nie  fossile  Flor:»  der  üKeren  UiMuiiKoliIenfoiniatlon  der  Wcdei-aii.  o6o 

Diese  Blätter  sind  vom  genannten  Autor  in  Sylloge  11.  zu  Ilex  sfc/to- 
pliylla  gestellt  worden. 

Ord.  Ebenaceae. 
Diospyros  brathyscpala  A.  Braun. 

Taf.  111.  Fig.  7. 
Heer,  Teitiürflora  J.  Schweiz,  Bd.  III,  S.  11.  Taf.  102,  Fig.  1-14. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkohle  von  Salzhausen.  (Blätter). 

Das  vorliegende  Blatt  stimmt  mit  den  von  Heer  a.  a.  0.  abge- 
l)ildeteii  Blättern  dieser  Art,  besonders  mit  Fig.  2  und  6  überein.  Es 
wird  in  der  Klipstei n'scben  Sammlung  aufbewahrt. 

Diospyros  lotoides  Ung. 
Unger,  Sylloge  plant,  foss.    p.  30,  tab.  X,  fig.  1  —  12.    —    Syn.   Borra- 
(jinltes  m;/osutiflorns  Ludwig,  I.  c.  S.  Hü,  Taf.  43,  Fig.  10.  —  Jiiglans 
acuminata  Ludw.  I.  c.  Taf.  B7,  Fig.  1  und  8.  —  J.  ventricona  Ludw. 
I.  c.  Taf.  37,  Fig.  3,  5. 

D.  foliis  longe  petiolatis,  lunceolato-ohlongis  utrinqite  atte- 
nuatis,  iiitegerrlmis,  nervatione  camptodroma,  nervo  primnrio  valido 
infra  apicem  saepe  pauUatim  flexuoso,  nervis  secundariis  crebris 
subrectis  vel  flexuusis,  apice  hder  se  conjunctis,  nervis  tertlarüa 
transi'ersalibus;  culyce  minimo,  (jidnquefido  patente  declduo,  laci- 
niis  rotundatis. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkohle  von  Salzhausen ;  bei  Hessen- 
brücken. 

Zu  dieser  von  Unger  nach  Blättern  aufgestellten  Art  bringe 
ich  den  von  Ludwig  unter  der  Bezeichnung  Borraginitis  myosoti- 
floriis  abgebildeten  Blütenkelch.  Derselbe  ist  sehr  ähnlich  jenem  von 
Diospyros  Myosotis,  jedoch  viel  kleiner  und  unterscheidet  sicli  von 
diesem  durch  kürzere  und  mehr  rundliche  Zipfel.  Mit  der  seicht 
o-lappigen  Blumenkrone  des  Borraginites  myosotiflorus  Heer  kann 
man  diesen  Kelch  nur  bei    oberflächlicher  Betrachtung  verwechseln. 

IHacreightia  münzenbergensis  Ettingsh. 

Syn.  Hi/drochnris  ovata  Ludwig,  Palaeontograpbica,  VIIL  Taf.  24,  Fig.  ß 
und  6  a. 

M.  ralycc  tripartito  lobis  obovatis  vel  cunciformUms,  obtnais 
nercosis. 

V 0  r  k  0  m  m  e  n.   Im  Sandsteine  von  Münzenberg. 


8t)ß  V.     K  t  t  i  II  fj  s  li  a  u  s  e  II. 

Daß  die  oben  citirteii  von  Ludwig  als  Hydrocharis-BKitheii 
betrachteten  Fossilien  mit  den  zuerst  von  Heer  erkannten  dreithei- 
ligen  3Iac?'eightia-Ke\cheii  aus  Önlngen  in  sehr  naher  V^erwandt- 
sehaft  stehen,  ist  auf  den  ersten  Blick  zu  sehen.  Insbesondere  ist 
Fig.  6  den  auf  der  Tafel  103  des  lleer'schen  Werkes  abgebildeten 
Kelchen  von  Macreightia  geimanica  Fig.  2  und  2  c  so  ähnlich, 
daß  man  die  Gleichartigkeit  dieser  Reste  anzunehmen  geneigt  sein 
könnte.  Letztere  liaben  nämlich  an  der  Basis  ein  wenig  verschmälerte 
mehr  elliptische  als  eiiörmige  Zipfel.  Der  erwähnte  Kelch  von  Mün- 
zenberg unterscheidet  sich  von  diesen  nur  durch  abgerundet-stumpfe, 
verkehrt-eiförmige  Zipfel.  Die  Nervation  ist  an  dem  mit  noch  schmä- 
leren keilförmigen  Zipfeln  versehenen  Kelche  Fig.  6  a  gut  erhalten, 
stimmt  im  Wesentlichen  mit  der  Nervation  der  Öninger  Kelche  über- 
ein, unterscheidet  sich  aber  von  derselben  durch  den  etwas  stärkeren 
Mediannerv.  Den  angegebenen  Merkmalen  zufolge,  glaubte  ich  an- 
nehmen zu  sollen,  daß  die  Münzenberger  Macreightia-Ke\c\\e  einer 
besonderen  Art  entsprechen. 

Ord.  Styraceae. 
Symplocos  gregaria  A.  Braun. 
Taf.  III,  Fig.  I. 
Unger,  Sylloge  plant,  foss.  III.  p.  31,  tab.  XI.  (ig.  i  a—i. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkohle  von  Salzhausen.  (Stein- 
kerne, Blätter). 

Mit  den  Steinkernen  dieser  Art  vereinige  ich  das  vorliegende 
Blatt,  welches  ich  für  ein  Si/nip/ocos-\ih[{  halte.  Die  von  Unger 
a.  a.  0.  abgebildeten  Blattfossilien  scheinen  mir  nicht  hieher  zu 
gehören. 

Class.  Biforiies. 
Ord.  Vaccinieae. 
Vaccioiuiii  stiginosuiii  Liidw.   sp. 
Syii.   Duphne  utigmosn  Ludwig,  I.  e.  S.  11 1.  Taf.  43,   Fig.  11. 

V.  f'üliis  sessilibus,  obovttlo-oblongis,  integerrimis,  basi  ati- 
guslatis,  apice  emarginatis,  nervatione  brochidodroma,  nervo  prl- 
mario  distiucto,  recto,  e.venrrente,  nervis  secundarh's  utrlnque  (i, 
sub  augnih  acKfis  variis  egredientibus,  fcmübus  arcnntim  inte)-  se 
co/tjunelis,  nern's  tertiuriis  dictgodromla,  »mcuUs  pii/tctatis. 


Die  fossile  FIoim  Her  üKcroii  Braiinkolilciiformation  der  Wetferaii.  öt)  i 

Vor  komm  eil.  In  der  Rlätterkohle  von  Salzhauseii. 

Dieses  Blatt  zeigt  die  Tracht  und  Nervation  eines  Vacchiuim- 
Blatles.  Die  Consistenz  scheint  mehr  häutig  als  lederartig  gewesen  zu 
sein.  .4us  dem  ziemlich  dünnen  unterhalb  der  Spitze  verfeinerten 
Primärnerv  entspringen  die  Secundärnerven  in  ungleichen  Abständen 
unter  spitzen  Winkeln.  Die  verhältnismäßig  hervortretenden  Tertiär- 
nerven sind  recht-  oder  stumpfwinklig  eingefügt  und  gehen  in  ein 
lockeres  Netz  über,  dessen  Maschen  punctirt  sind. 

Ord.  Ericaceae. 

Andromeda  protogaea  Ung. 

Unj^'er.    Fossile  Flora   von   Sofzka,    S.  43,    Taf.  23,    Fig.  2,  3,  ä-9.  - 
EHingsh.  Tertiäre  Flora  von  Hiiring.  S.  64,  Taf.  22.  Fig.  1—8. 

Vorkommen.  Im  Sandsteine  von  Münzenberg. 

Diese  in  den  Floren  der  älteren  Tertiärformation  sehr  verbreitete 
Art  fehlt  auch  der  fossilen  Flora  der  Wetterau  nicht  und  ist  bis  jetzt 
der  einzige  Repräsentant  der  Ordnung  der  Erieaceen  in  dieser  Flora. 
Die  in  der  Sylloge  plant,  foss.  III,  p.  39  beschriebenen,  als  Rhodo- 
dendron Alcyonidiim  Ung.  bezeichneten  Blattfossilien  aus  «der 
Wetterauer  Braunkohlenformation  gehi^iren  zu  den  Apocynaceen. 

Class.  Diseanthae* 

Ord.  Araliaceae. 

Araliophyllam  dubiam  Ettingsh. 
Syn.   Quinquefolium  sp.  Lud  wig,  1.  c.  S.  145,  Taf.  58,  Fig.  8. 

A.  foliis  digitatim  compositis,  foliolis  sessilibus  vel  brevissime 
petiolatis  coriaceis,  ovatis,  3 — 3  centim.  longis  iS  —  2-8  centim. 
latis,  fipice  acntis,  basi  angnsfntis,  margine  integerrimis,  nervo  pri- 
mario  disthicto  subrecto,  excurente,  nervis  seeundariis  tennlbns. 
infimis  lo?igioribus  angulo  peracuto  egredieniibus,  nervis  tertiarih 
obsoletis. 

Vorkommen.  Im  Thonsteine  von  Münzenberg. 

Reste  von  Araliaceen  sind  fast  aus  allen  artenreichen  Floren 
der  Tertiärformation  zum  Vorschein  gekommen.  Es  ist  deßhalb  wohl 
anzunehmen,  daß  diese  Ordnung  auch  in  der  vorweltlichen  Flora 
der  Wetterau  vertreten  war.  Unter  den  von  dieser  Flora  stammenden 
Pflanzenfossilien  dürfte  keines  mit  größerer   AVahrscheinlichkeit  als 


8()8  V.     E  t  t  i  II  {>  s  h  a  u  s  e  ii. 

Ar.nliaceeii-Rest  zu  deuten  sein,  als  das  von  Ludwig  unter  der 
Bezeichnung  Qiiinquef'oliitm  abgebildete  Blatt.  Wegen  der  allzu  nian- 
gelhaft  erhaltenen  Nervation  wage  ich  es  nicht,  über  die  Bestiuinuing 
der  Gattung  eine  Ansicht  auszusprechen.. 

Hedera  serratii  Lu dw. 
Ludwig,  Paliiontographiea.  lj<].  VllI,  S.  118.  Tat.  44,  Fi-;.  16. 

H.  foliis  coriaceis  trilobis,  lobis  subaequalibus,  e  basi  lata 
ovatis  acutis,  margine  argute  serratis,  nervatione  acrodroma,  ner- 
vis  primariis  3,  yrominentibus,  paullo  fle.vuosis  excurrentibus, 
uervis  secundnriis  utriurjiie  4  —  6,  siib  angidis  acutis  orientibns, 
distinctis  fledmosis,  apice  i'amosis,  brochidodromis,  nervis  tertiariis 
rnmosis,  inter  se  conjimctis. 

Vorkommen.  In  der  Biätterkohle  von  Salzhausen. 

Das  dieser  Artaufstellung  zu  Grunde  liegende  Blatttbssil  trägt 
den  Habitus  und  die  Nervation  von  Hedera  an  sich.  Hingegen  dürften 
die  von  Ludwig  zu  Hedera  Kargii  A.  Braun  gebrachten  Blätter 
nicht  zu  dieser  Art  und  überhaupt  nicht  zu  Hedera  gehören.  Fig.  15 
auf  der  Tafel  44  der  citirten  Abhandlung  halte  ich  für  ein  Ahorn- 
Blatt,  Fig.  4  auf  Taf.  46  für  ein  kleineres  Blatt  der  Vitis  Braunii 
L  u  d  w. 

Ord.  Ampelideae. 

Titis  teutonica  A.  Braun. 

Ludwig,  Palaeontographica,  Bd.  Vlll,  S.  118.  Taf.  45,  Fig.  1  —  5;  Taf.  46. 
Fig.  1,  6.  —  ünger,  Sylloge  plant,  foss.  p.  23,  lab.  IX.  fig.  1-8. 

Vorkommen.  In  der  Braunkohlenformation  von  Salzhausen. 
(Blätter,  Früchte,  Samen.) 

Vitis  Braunii  Lud  w. 

Lu.lwig.  Palaeontographica,  Bd.  Vlll,  S.  ItiO,  Taf.  46,  Fig.  2,  3,  5,  7.  - 
Syn.   Hedera  Kargii  hwA  vi.  1.  c.  Taf.  46,  Fig.  4. 

V.  folüs  petiolatis  basi  aequali  cordatis,  pnlmato-subquin- 
que/obis,  grosse  vel  iiiciso-dentatis,  lobis  e  basi  lata  ovato-acutis 
vcl  snbobtusis,  nervatione  actinodroma,  nerois  primariis  3 — 6, 
nervis  secundariis  craspedodromis. 

Vorkommen.  In  Salzhausen  und  Bockenberg. 

Diese  Art  unterscheidet  sich  von  der  vorhergehenden  niu-  durch 
die  gleiche  Basis  und  die  kurzen    wenig  spitzen  oder  stumptlichen 


nie  fossile  Floi'a  der  älteren  Itraimkohleiifoimatioii  der  Wetleniu.  öÖ«) 

Lappen.  Wegen  der  Veräiulerliehkeit  der  Vitis-Hliiitev  liegt  die  An- 
nahme nahe,  daß  man  es  hier  nicht  mit  einer  selbstständigen  Art, 
sondern  nur  mit  einer  Varietät  der  Vitis  teutonica  zu  thun  hat.  Hiefür 
ließen  sich  selbst  in  den  wenigen  a.  a.  0.  abgebildeten  Blättern  Be- 
lege finden.  So  ist  z.  B.  bei  Fig.  ö  die  Basis  ziemlich  auirallend 
ungleich  ;  bei  Fig  2  sind  die  Zähne  bereits  etwas  tiefer  eingeschnitten ; 
bei  Fig.  3  sind  die  Hauptlappen  des  Blattes  nicht  erhalten,  dürlten 
aber,  nach  den  ziemlich  hervortretenden  ßasallappen  zu  schließen, 
viel  größer  gewesen  sein  als  die  Ergänzung  der  Figur  angibt. 

Ord.  Corneae. 

Coriins  Ludwigil  Ettingsh. 
Syn.  Cornns  Stiideri  LwAw'i^,  I.  c.  S.  12i,  Taf  38,  Fig.  10.  —  C.  orbifera 
Ludw.  1.  c.  S.  121,  Taf.  58,  Fig.  12. 

C.  foliis  breviter  petiolatis  orntis  vel  ellipticis,  integerrimis, 
basi  inijetiolum  (ingustatis,apice  obtusis ;  nervatione  camptodroma, 
nervo  primario  prominente,  recto,  apicem  versus  (ittenuato,  excur- 
rente,  nervis  secundariis  temiibus,  utrinque  7  —  8,  curvatis,  su- 
perioribus  acrodromis ;  nervis  tertiariis  temiissimis  congestis 
transversariis. 

Vorkommen.  Bei  Münzenberg  und  Rockenberg. 

Diese  Cornus-Xvt  unterscheidet  sich  sowohl  von  der  C.  Staderi 
als  auch  von  der  C.  orbifera  durch  kleinere  an  der  Basis  zusammen- 
gezogene Blätter,  durch  die  geringere  Zahl  der  Secundärnerven  und 
insbesondere  durch  die  einander  mehr  genäherten  vollkommen 
querläufigen  Tertiärnerven.  In  letzterem  Merkmale  erinnert  sie  an 
Rhamneen-,  namentlich  Berchemin-\vten>  mit  welch  letzteren  sie 
jedoch  schon  wegen  der  Verschmälerung  an  der  Basis  und  der  spitz- 
läufigen oberen  Secundärnerven  nicht  verwechselt  werden  kann.  Das 
von  Ludwig  a.  a.  0.  Taf.  S8,  Fig.  11  als  Cortiiis  orbifera  bezeich- 
nete Blatt  aber  halte  ich  für  ein  Rhamneen-Blatt. 

Cornus  puocinervis  Ettingsh. 
Taf.  III.  Fig.  14. 

C.  foliis  coriaceis,  ellipticis,  integerrimis,  basi  npiceque  obtu- 
sis, nervatione  camptodroma,  nervo  primario  prominente,  recto, 
nervis  secundariis  distinctis,  utrinque  3 — 4,  angulo  peracuto  egre- 


870  V.     E  (  I  i  II  ^  s  h  ii  II  s  (■  II. 

(tientibus,  marginem  versus  adscendentibus,  nervis  iertiariis  obso- 
letis. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkohle  von  Salzhausen. 

Ich  glauhe  mich  nicht  zu  irren,  wenn  icli  dem  vorliegenden 
Blalirüssil  aus  der  K  li  pst  e  in'schen  Sammlung  seinen  Platz  in  der 
Gattung  Cornus  anweise.  Durch  die  auftauend  derhe  lederartige 
Textur  und  die  geringe  Zahl  der  unter  Winkeln  von  30  —  35  ent- 
springenden Secundärnerven  unterscheidet  es  sich  von  den  bis  jetzt 
zum  Vorschein  gekommenen  vorvveltlichen  Arten  dieser  Gattung. 

Ord.  Hamamelideae. 

Parrotla  pristina  Ettingsh.   sp. 

Stur.  Beiträge  zur  Kenntniß  der  Flora  der  Süßwasserquarze,  der  Congeiien- 
und  Cerithien-Scliichten.  Jatirb.  d.  k.  k.  geologisclien  ReichsanstaK, 
Bd.  17.  1867,  S.  192,  Taf.  ö,  Fig.  2,  3.  —  Syn.  Styrax  pristumm  Ett.. 
Fossile  Flora  von  Wien.  S-  19,  Taf.  3,  Fig.  9. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkohle  von  Salzhausen. 

Von  dieser  Art,  welche  auch  in  Bilin  vorkommt,  sah  ich  einige 
Blaffreste  aus  der  bezeichneten  Lagerstätte  in  der  Kl  ipst  ein'schen 
Sanmilung. 

Class.  Corniciilatae. 

Ord.  Saxifragaceae. 

Weinmannia  inicrophylla  Ettingsh. 
Ettingsh.  Tertiäre  Flora  von  Häring,  S.  66,  Taf.  23,  Fig.  8-29. 

Vorkommen.  Im  Thonsteine  von  Münzenberg. 

In  der  Klip  stein 'sehen  Sammlung  fand  ich  unter  den  Pftan- 
zenresfen  der  genannten  Localität  ein  kleines  eirundes  am  Bande 
gesägtes  Blättchen  von  lederartiger  Textur,  welches  mit  Seiten- 
blättchen  der  Weinmannia  micropJn/lla  iWe  größte  Übereinstimmung 
zeigt.  Vielleicht  gehört  das  sehr  ähnliche  von  Unger  in  Sylloge  IH, 
Tat".  18,  Fig.  16  unter  der  Benennung  Pyrus  PhytnJi  abgebildete 
Blättchen  aus  der  fossilen  Flora  der  Welterau  ehenl'alls  hieher. 


Die  fossile  Flor.T  der  iiltereii  Rrauiikohleiiformatioii  der  Wetferau.  871 

Class.  Polycarpieae. 

Ord.  Anonaceae. 

Anona  lignitoni  Ung. 
Unger,  Sylloge  plant,  foss.  II,  S.  25,  Taf.  10,  Fig.  6,  7.  (Ex  parte.) 

A.  foliis  semipedalibus  petiolatis  coriaceis^  oblongis  vel  lan- 
ceolatis,  basi  angustutis,  apice  acuminatis,  inargine  integerrimis, 
nervatione  camptodroma,  nervo  primario  valido,  nervis  secunda- 
riis  difithictis,  nngtilo  acuto  egredienfibus  marginem  versus  adscen- 
deiitibns,  subsimplicibus;  seminibus  siiborbiciilaribiis  oblongis  obtusis, 
laevibus,  compressis  8  millim.  longis,  5  —  7  millim.  latis,  chalaza 
parva  immensa. 

V^orkonimen.  In  der  Blätterkohle  von  Salzhausen. 

Die  in  der  Sylloge  II  Tat'.  10,  Fig.  1  —  5  zu  dieser  Art  gestell- 
ten Blätter  halte  ich  weder  für  Anona-  noch  für  Z>ios/)i/ros-Blätter. 
Ich  habe  selbe  mit  Nyssa  Vertumniye.vm\\g\.  Das  Blatt  Fig.  6  aus  dem 
Braunkohlenlager  zu  Trofajach  in  Steiermark  unterscheidet  sich  von 
diesen  sowohl  in  der  Nervation  als  auch  in  der  Textur.  Ein  demselben 
vollkommen  gleichendes  Blatt  von  lederartiger  Textur  lag  mir  aus 
der  Klip  stein 'sehen  Sammlung  vor.  Es  mag  mit  dem  von  Unger 
beschriebenen  Samen  zu  Einer  Art  gehören. 

Ord.  Magnoliaceae. 

Vagnolia  HotfuiaDoi  Ludw. 
Ludwig,  Palaeontographica,  Bd.  VIII,  S.  123,  Taf.  47,  Fig.  1,  2,  6,  7,  8. 

Vorkommen.  Im  Braunkohlenlager  von  Salzhausen;  bei 
Hessenbrücken  und  Münzenberg.  (Blätter,  Früchte.) 

Magnolia  Ladwigii  Ettingsh. 

Syn.    Magnolia   attenuata  hwA\\\g,   Palaeontographica,    Bd.  VIII,  S.  123, 
Taf.  47,  Fig.  9—13. 

Vorkommen.  Mit  voriger  Art,  bei  Salzhausen.  (Blätter, 
Früchte.) 

Das  von  Ludwig  a.a.  0.  abgebildete  Blatt  als  Magnolia-^\'Aii 
angenommen,  kann  nicht  mit  dem  der  Magnolia  attenuata  Weber 
zu  Einer  Art  gehören.  Ersteres  besitzt  ziemlich  feine  unter  Winkeln 
von  40 — oO     entspringende  Secundärnerven  und  kurze  rechtwinklig 

Sitzb.  d.  inathem.-iiafurw.  Cl.  LVIl.  Bd.  !.  Ablli.  06 


O  T  ■w  V.    E  t  f  i  n  g  s  h  a  u  s  e  n. 

eingefügte  netzläufige  Tertiänicrven,  letzteres  starke  hervortretende 
unter  Winkeln  von  70  —  80  entspringende  Secundärnerven,  von 
denen  ziemlich  lange  verhindende  Tertiäre  unter  spitzen  Winkeln 
ahgehen.  Auch  die  Früchte  der  Magnolia  Liidwigii  sind  in  der  Ter- 
tiärformation der  niederrheinischen  Braunkohlenformation  bis  jetzt 
nicht  gefunden  worden. 

Das  als  Magnolia  pliirinervia  Lu  dw.  bestimmte  Fossil  ist  ein 
Sapindaceen-Theilblättchen. 

Class.  Mcliiniliia. 

Ord.  Nymphaeaceae. 

Nymphaca  üolioluni  Ludw. 
Ludwig,  Palaeontogiaphica,  Bd.  VIII,  S.  123,  Taf.  60,  Fig.  12,  n-f. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkohle  von  Salzhausen;  bei  Ober- 
ingelheim. (Samen.) 

Class.  Parietales. 

Ord.  Passifloreae. 

Passiflora  Braunli  Ludw. 

Ludwig,  Palaeontographica,  Bd.  Vill,  S.  124,  Taf.  48,  Fig.  1—10.  (Nur 
die  Blätter.) 

Vorkommen.  In  der  Blätterkohle  von  Salzhausen. 

Die  von  Ludwig  hiehcr  gestellten  Früchte  stimmen  mit  den 
von  Heer  als  Gardenia  Wetzleri  bezeichneten  Früchten  aus  der 
Tertiärflora  der  Schweiz  vollkommen  überein.  Ob  die  a.  a.  0.  abge- 
bildeten Blätter  Fig.  7  und  10  zu  obiger  Pass'iflora-kvi  gehören, 
scheint  mir  sehr  zweifelhaft  zu  sein.  Sie  weichen  in  der  Form  und 
Nervation  von  den  übrigen  etwas  ab,  auch  fehlen  denselben  die 
charakteristischen  Blattstieldrüsen. 

Class.  Coliiiiiiiiferae. 

Ord.  Tiliaceae. 

Grewia  crenata  Ü  n  g.  sp. 
Heer,  Tcrtiiirflora  d.  Schweiz,  Bd.  I,  Ti.f.  t,  Fi«,'.  8;  Bd.  III,  S.  42,  Taf.  109, 
Fig.  12-21;  Taf.  100,  Fig.  1  —  11. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkohle  von  Salzbausen. 


Die  fossile  Florii  der  älterpn  Rrminknlilonformnlion  der  WeHeraii.  iS73 

Ord.  Büttneriaceae. 

Dombeyopsis  Decheni  Web. 

Weber,   Tertiarflora  der  nietlenheinisclien  Braunkolilenformation,    S.  79. 
Taf.  4,  Fig.  10.   -  Ludwig,  i.e.  Taf.  61,  Fig.  4. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkohle  von  Salzhausen  und  im 
Thonsteine  von  Münzenberg. 

Durch  den  buchtig-gezähnten  Rand  und  die  randläufigen  Secun- 
därnerven  unterscheidet  man  die  Blätter  dieser  Art  leicht  von  den 
ähnlichen  großen  und  nicht  selten  dreilappigen  Blättern  der  Ficus 
tiliacfolia.  Dalier  kann  nur  das  auf  Tafel  61,  Fig.  4  inLudwig's 
Abhandlung  abgebildete  Blatt  zu  Dombeyopsis  Decheni  Web. 
geliören. 

Class.  Acera. 
Ord.  Acerineae. 

Acer  trilobatuDi  A.  Braun. 
Taf.  IV,  Fig.  1,  2,  4,  6  und  7. 

Heer,  Tertiärflora  d.  Schweiz,  Bd.  III,  S.  48,  Taf.  2,  Fig.  3,  4,  6,  8;  Taf.  90 
Fig.  16-21;  Taf.  HO,  Fig.  16-21;  Taf.  111,  Fig.  1,  2,  5—14,  16, 
18-21;  Taf.  112,  Fig.  1—8  und  11-16;  Taf.  113-llS;  Taf.  116. 
Fig.  1—3.  —  Ludw.,  1.  c.  Taf.  50,  Fig.  1—5;  Taf.  51,  Fig.  4—11; 
Taf.  52,  Fig.  2,  4—7;  Taf.  53,  Fig.  6.  —  Syn.  Acer  grosse-den- 
tatiim  Heer  I.  c.  S.  54,  Taf.  112,  Fig.  17—25.  —  Ludw.,  Taf.  51, 
Fig.  \,2.   -  A.  vitifolmm  Ludw.  I.  c.  Taf.  52,  Fig.  1. 

V  orkommen.  In  Münzenberg,  Salzhausen,  Rockenberg  u.  s.  w. 
(Blätter,  Früchte.) 

Die  hier  abgebildeten  Exemplare  zeigen  den  Übergang  zwischen 
Acer  trilobatum  und  A.  grosse-dentatnm.  Auch  die  in  Heer's  citir- 
tem  Werke  Taf.  110,  Fig.  16,  Taf.  112,  Fig.  5,  Taf.  113,  Fig.  11, 
Taf.  114,  Fig.  4  abgebildeten  Blätter  können  als  Übergangsformen 
betrachtet  werden.  Die  auf  der  Tafel  112  als  Acer  grosse-dentatum 
bezeichneten  Früchte  haben  zwar  einen  etwas  schmäleren  Flügel,  als 
die  gewöhnlichen  von  A,  trilobatum ,  doch  ist  dieser  Unterschied 
sehr  unbedeutend  und  bei  den  unzweifelhaften  Übergängen  Fig.  11, 
16,  19,  23  I.  c.  anßerwesentlich.     . 

Blätter  mit  gemischter  Nervation,  d.  i.  theils  rand-,  theils  schling- 
läufigen Secundärnerven  kommen  bei  Acer  trilobatum  vor,  wie  z.  B. 

56* 


874  >■      V.m  n  gs  h  :i  II  s  eil. 

Fig.  3  auf  Taf.  50,  Kig-.  3  und  9  auf  Taf.  51  und  Fig.  5  auf  Taf.  52 
der  Ludwigschen  Abhandlung  u.  A.  zeigen.  Ich  kann  del!»lialb 
das  in  erwähnter  Abliandhmg  als  Acer  vitif'olium  bezeichnete  Blatt 
nur  für  eine  Form  von  Acer  trilobatum  mit  vorberrschend  schlingen- 
bildenden  Secundärnerven  ansehen. 

Acer  Rlipsteini  Ettiugsh. 
Taf.  II,  Fig.  3. 
A.  foliis  petiolatis  palmato-trilohis ,  basi  acutis,  lobis  subae- 
qualibus,  lanceolatis,  inaeqnuliter  dentatis,  apice  actimuiath, 
erecto-pntentibus,  sinubiis  ancfulnm  acutum  f'ormantibns,  nervatione 
uctinodroma,  nervis  primarlis  3  sub  mujulis  20 — 30  divaricatU, 
nervis  secundariis  numerosis  approximatis,  craspedodromis. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkohle  von  Salzhausen;  im  Thon- 
steine  von  Münzenberg. 

Das  Blatt  dieser  Art  gleicht  in  der  Tracht  dem  der  vorher- 
gebenden (Var,  A.  tricufipidatum)  am  meisten.  Es  unterscheidet 
sich  aber  von  demselben  durch  eine  spitze  Basis,  durch  schmälere 
Lappen,  kleinere  Randzähne  und  insbesondere  durch  die  Nervation. 
Die  Primäruerven  divergiren  an  der  Basis  unter  spitzeren  Winkeln; 
die  Secundärnerven  sind  kürzer,  zahlreicher  und  einander  mehr 
genähert. 

Acer  Bruckiiiauni  A.  Braun. 
Taf.  IV,  Fig.  3. 
Heer,  TertiÜrflora  d.  Schweiz.  Bd.  FII,  S.  54,  Taf.  Ii6,  Fig.  6-10. 
Vorkommen.  In  der  Blätterkolile  von  Salzhausen. 
Das  vorliegende  in  der  K I  i  p  s  t  e  i  n'schen  Sammlung  aufbewahrte 
Ahornblatt  halte  ich  für  ein  kleines  Blatt  des  Acer  Bruckmnnni.  Es 
kommt  dem  Blatte  Fig.  8  a  der  Heer'schen  Abbildung  am  nächsten. 
Der  Stiel  und  die  Spitze  desselben  sind  unvollständig  erhalten. 
Acer  angusfilobum  Heer. 
Heer,   Tertiärflora  d.  Schweiz,  Bd.  III,  S.  57,  Taf.  117,  Fig.  25  a,  Taf.  118, 
Fig.  1—9.   —   Ludwig,  I.  c.   S.  131.    Taf.  52,   Fig.  3,  8;    Taf.  53, 
Fig.  2 — 4,  7.    —   Syn.  Acer  Hüminiainnn  Ludw.  I.  c.  Taf.  51,  Fig.  3. 

Vorkommen.  Im  Tbonsteine  von  Münzenberg;  in  der  Blätter- 
kohle von  Salzhausen.  (Blätter,  Früchte.) 

Die  Blätter  dieser  Art  haben  bald  breitere,  bald  schmälere  ver- 
schieden lange  Lappen,  welche  mit  meist  großen  stumptlichen,  aber 


Die  fossile  Flora  der  älteren  Hraimkohlenformation  der  Wetferau.  O  /  5 

auch  manchmal  mit  spitzen  vorgezogenen  Zähnen  besetzt  sind.  Es  ist 
desshalb  oft  schwierig,  dieselben  von  den  Blättern  des  Acer  Rüminia- 
num  Heer  zu  unterscheiden.  So  möchte  man  das  Blatt  Fig.  3,  Taf.  53 
von  Ludwig'.s  Abhandlung  der  langen  verschmälerten  Lappen 
wegen  zu  A.  Rüminianumhringen,  wenn  nicht  die  auffallend  stumpfen 
Zähne  dagegen  sprechen  würden.  Keinesfalls  aber  kann  das  eben- 
daselbst abgebildete,  als  A.  Rüminianum  bezeichnete,  mit  kürzeren 
und  breiteren  stumpfgezähnten  Lappen  versehene  Blatt  Fig.  3,  Taf.  ol 
dahin  gehören. 

Acer  niünzenbergense  Lud  w. 

Ludwig,  Palaeontogr.  VIII,  S.  132,  Taf.  53,  Fig.  1,  5. 

A.  foUis  lotige  yetiolatis,  rigide  coriaceis,  palmato-trilohis, 
hast  rotundatis,  lobis  subaequaUbus ,  oblongis  apice  angustata 
acutis,  margine  serratis,  patentibus,  sinubus  angulum  stibrectum 
formantibns ,  nervatione  ncfinodroma ,  nervis  primarüs  3 ,  sub 
angulis  40— HO  divaricatifi,  nervis  secntidariis  tennibns  craspe- 
dodroniis. 

Vorkomme  n.  Im  Thonsteine  von  Münzenberg. 

Die  angegebenen  Merkmale  dieser  Art  wurden  dem  1.  c.  Fig.  S 
abgebildeten  Blatte  entnommen,  welches  sich  durch  den  gleichförmig 
gesägten  Rand  und  die  anscheinend  sehr  derbe  lederartige  Textur 
vor  den  bisher  beschriebenen  fossilen  Ahornblättern  auszeichnet. 
Das  am  Stiele  verletzte  Blatt  Fig.  1  hat  viel  schmälere  und  verhält- 
nißmäßig  längere  Lappen  mit  etwas  ungleichen  Zähnen  und  dürfte 
wohl  dem  Acer  angustilobum  einzuverleiben  sein. 

Acer  indiTisum  Web. 
Taf.  III,  Fig.  6. 
Weber,  Tertiärflora  der  niederrheinischen  Braunkohlenformafion ,  S.  84, 
Taf.  5,   Fig.  2.   —    Heer,   Tertiärflora  I.  o.    S.  60,  Taf.  1,  Fig.  10; 
Taf.  HO,  Fig.  15;  Taf.  116,  Fig.  12. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkohle  von  Salzhausen. 

Das  in  Salzhausen  gesammelte  Ahornblatt  Fig.  6  auf  unserer 
Tafel  stimmt  bezüglich  der  Nervation  und  Zahnung  des  Randes  am 
meisten  mit  dem  von  Weber  abgebildeten,  bezüglich  der  Form  und 
Größe  aber  mit  dem  in  Heer's  Tertiärflora  Taf.  116,  Fig.  12  dar- 
gestellten Blatte  von  Acer  indivisum  überein.  Es  zeigt  eine  gemischte 


370  V.     E  t  t  i  n  n^  s  li  a  u  s  e  a. 

Nei'vation,  indem  die  oberen  Seeundärnerven  randläufig,  die  mittleren 
und  unteren  schlingläufig  sind. 

Ord.  Malpighiaceae. 

Malpighiastraiii  teutonicuni  Ettingsh. 
Taf.  V,  Fig.  3. 

M.  foUis  subcoriaceis  ellipticis,  basl  ohtusis,  apice  productis, 
margbie  iutegerrimis ,  nervatione  brochidodroma ,  nervo  primär io 
valido  prominente,  excurrente,  nervis  secundariis  sub  angulis 
SO  —  60  orientibus ,  promiuentibus,  arcuntis  subflexuosis,  nervis 
tertiuriis  in  inferiore  parle  utringue  siib  angulis  aculis,  insuperiore 
parte  e  latere  interna  sub  angulis  obtusis  egredientibus,  tenuissi- 
mus  ramosis,  inter  se  conßoictis. 

Vorkommen.   In  der  lilätterkolile  von  Salzhausen. 

Der  nur  an  wenigen  Stellen  wohlerhaltene  ungezähnte  Blattrand 
deutet  eine  etwas  derbere  fast  lederartige  Textur  an.  Die  Basis  ist 
abgerundet-stumpf,  die  kurz  verschmälerte  Spitze  etwas  vorgezogen. 
Der  Primärnerv  tritt  besonders  an  der  Basis  stark  hervor.  Die  unter 
wenig  spitzen  Winkeln  entspringenden  Seeundärnerven  stehen  in 
ungleichen  Abständen,  sind  wenig  bogig,  gegen  den  Band  zu  ästig; 
die  schüngenbildenden  Aste  divergiren  unter  spitzen  Winkeln.  Die 
feinen  Schlingenbögen  sind  dem  Bande  genähert.  Das  durch  die 
Verzweigungen  der  Tertiärnerven  gebildete  Netz  ist  theilweise 
erhalten. 

Das  Fossil  scheint  dem  Malpighiastrum  coriaceum  Ung.  Syl- 
loge  111,  Tat".  15,  Fig.  28,  29  nahe  zu  stehen.  Es  unterscheidet  sich 
aber  von  genannter  Art  durch  die  mehr  vorgezogene  Spitze,  die  stärker 
hervortretenden,  kaum  geschlängelten  und  wenig  ästigen  Seeundär- 
nerven, dann  durch  die  Abgangswinkel  der  Tertiärnerven. 

Malpighiastrum  rockenbergense  Ettingsh. 
Prunus  (jrandifolia  Ludwig,  Paliiontogr.  VIII,  S.  144.  Tiif.  47,  Fig.  4.  5. 

M.  foliis  breviler  petiolalis,  membranuceis,  ovato-oblongis 
basi  apiceque  obtusiusculis,  margine  intcgerrimis,  nervatione  bro- 
chidodroma, nervo  primario  valido,  recto,  apicem  versus  attennato, 
nervis  secundariis  sub  angulis  SO — 60  orientibus,  fenuibus  arcua- 
tim  inier  se  conjiinclis,  nervis  ferli((riis  sub  angtilo  reclo  egre- 
dientibus, diclyodromis. 


Die  fossile  Flora  der  älteren  liraiiiikolilenfurmation  iler  Wetleraii.  o7  / 

Vorkommen,  Im  Eisenstein  von  Rockenberg. 

Die  Form,  RinidheschaiTenlieit  und  Nervation  dieses  Blattfossils 
sprechen  nicht  für  die  Gattuny  Priuius,  sondern  l'ür  eine  Pflanze  aus 
der  Familie  derMalpighiaceen.  Wegen  der  Ähnlichkeit  des  Blattes  mit 
dem  von  MulpigJnastrum  heteropteris  Ung.  I.  c.  Taf.  15,  Fig.  20 
reihe  ich  dasselbe  genanntem  Sammelgeschlechte  ein,  bis  spätere 
Funde  eine  genauere  Bestimmung  ermöglichen. 

Ord.  Sapindaceae. 

Sapiodus  ligDitum  Ung. 
Taf.  V,  Fig.  4,  S,  12  und  13. 
Unger,  Sylloge  plant,  foss.  I,  p.  33,  tab.  VI,  fig.  3—5. 

S.  foliis  pinnatis,  folioUs  ovato-ohlongis  vel  lanceolatis ,  basi 
paullo  inaequali  breviter  petiolatis,  utriiique  angiistntis ,  apice 
aciiminatis,  margine  integerrimis ,  nervatione  camptodroma,  nervo 
primario  valido ,  rectu ,  excurrente ,  nervis  secundariis  pi^ominen- 
tibus  iitrinque  10 — i3,  sub  angidis  43 — 3S°  orientibiis,  inferiori- 
biis  et  mediis  marginem  versus  adscendentibus,  saepe  inter  se  co7i~ 
junctis;  nervis  tertiariis  tenuissimis  ungulo  subrecto  exeuntibus ; 
semhiibus  globosis  basi  leviter  depressis,  diametri  10  millim. 
nmbilicatis  laevibus,  umbilico  basiluri  elliptico  deraso  e.carilktto. 

V^orkommen.  In  der  Braunkohlenformation  der  Wetterau. 

Zu  den  von  Unger  beschriebenen  Samen  dieser  Art  bringe  ich 
die  hier  abgebildeten  Blattfossilien  aus  der  Blätterkohle  von  Salz- 
hausen. Die  zwar  wenig  auffallende  aber  immerhin  deutlich  ausge- 
sprochene Ungleichheit  der  Blattseiten  läßt  selbe  als  Theilblättchen 
erkennen.  Die  Blattsubstanz  dürfte  ziemlich  derb  gewesen  sein.  In 
der  Form  und  Nervation  stimmen  sie  mit  den  Blättchen  von  Sapindus 
escnlentus  St.  Hil.  (Ettingsh.  Blatt-Skelete  der  Dikotyledonen 
Taf.  63,  Fig.  16)  am  meisten  überein. 

SapiDdos  mänzenbergensis  Ettingsh. 

Syn.   Magnolia  plurinervia  Ludwig,  Palaeontogr.  VIII,  S.  123,  Taf.  47, 
Fig.  3. 

S.  foliis  pinnatis,  f'oliolis  coriaceis,  basi  obliqna  breviter 
petiolatis,  ovato  lanceolatis,  integerrimis  apice  acuminato  serrida- 
tis,  nervatione  camptodroma,  nervo  primario   valido  excurrente. 


O T ö  V.     E  f  t  i  II  <T  s  h  :i  11  s  0  n. 

nervis  seciindarns  ntrinque  iS — i6,  snb  angiüh  t)0 — 60  orienti- 
bus,  mferioribua  inter  sc  conjmictis;  nervis  tertiär üs  mignlo 
recto  e.veimtibus. 

Vorkommen.  Im  Thonsteine  von  Münzenberg. 

Diese  Art  ist  sehr  nahe  verwandt  mii  Snpindiis  Pythii  Vng., 
von  welchem  sie  sich  jedoch  durch  die  nur  an  der  Spitze  klein  gesäg- 
ten, im  übrigen  aber  ganzrandigen  Bhittchen,  die  längeren  etwas 
stärkeren  Secundärnerven  und  die  unter  rechtem  Winkel  abgehenden 
Tertiärnerven  unterscheidet. 

Sapindas  Pythii  Ung. 
Unger,  Sylloge  plant,  foss.  I,  p.  33,  tiib.  14,  fig.  6—17. 

Vorkommen.  Bei  Münzenberg  und  Rockenberg. 

Unter  den  Planzenfossilien  von  Münzenberg  sah  ich  ein  ungleich 
gezähntes  an  der  Basis  schiefes  Theilblättchen,  welches  ich  zu  dieser 
Art  stellte.  Das  in  Ludwig's  Abhandlung  Tat".  28,  Fig.  1  als  Sali.v 
media  bezeichnete  Blattfossil  von  Rockenberg  gehört  ebenfalls  hieher 
und  paßt  zu  den  kleineren  Blättchen  des  Sapindus  Pythii  U  n  g.  I.  c. 
ganz  und  gar. 

Cnpania  grandis  Ung. 
Taf.  V,  Fig.  2. 
Unf,fer.  Sylloge  plant,  foss.  I,  p.  36,  tab.  15,  Fig.  6. 

Vorkommen.   In  der  Blätterkohle  von  Salzhausen. 

Vorliegendes  Blattfossil,  welches  mir  durch  Hrn.  Klip  stein 
zukam,  paßt  am  besten  zu  dem  von  Unger  als  Cnpania  f/randis 
bezeichneten  I5latte  von  Radoboj.  Bei  unserem  Fossil  stehen  die  stark 
hervortretenden  Secundärnerven  etwas  entfernter  als  bei  jenem,  was 
aber  durch  die  grtJßere  Länge  der  Lamina  bedingt  ist.  Die  Tertiär- 
nerven sind  sehr  fein  verbindend  und  fast  querläulig. 

Class.  Fran^iilaeeae. 

Ord.  Celastrineae. 

EvonymDs  wetteravicus  Ettingsh. 

Taf.  IV,  Fig.  8. 

h2.  foliis  snbcoriaceis ,   ovato-lanceolatis  serratis,   ntrinque 

angnstatis,  nervationecamptodroma,  nervo  primaria  ralido.  apicem 

versus  attenuato,  recto,  nervis  secnndariis  sab  iingu/is  SO — 60° 


Dip  fossile  Flora  ilor  ältornn  RrnnnkohIenform;ition  der  Wettoriiii.  O  /O 

orieutihus ,    marghem    versns  adscendentibtis  simpUcihm ,  nen'ia 
tertiariis  obsoletis. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkohle  von  Salzhausen, 
Das  Blatt  ist  bis  zum  Grunde  ziemlich  gleichförmig  gesägt.  Die 
Secundärnerven  sind  dem  stark  hervortretenden  Primären  divergi- 
rend  eingefügt,  am  Ursprünge  viel  stärker,  gegen  den  Rand  zu  ver- 
schwindend. Wegen  der  Ähnlichkeit  dieses  Blattes  mit  dem  von 
Evo7iymus pendulus  W all.  (E 1 1 i  n g s h.  Nervation  der  Celastrineen, 
S.  38,  Taf.  10,  Fig.  7,  8)  glaube  ich  es  am  besten  der  Gattung 
Evotiymus ,  deren  V^orkommen  in  der  Flora  der  Vorwelt  durch  das 
Ersclieinen  charakteristischer  Blattlossilien  bereits  fast  außer  Zweifel 
steht,  einreihen  zu  sollen. 

felastros  lignitiius  Ettingsb. 
Taf.  V,  Fig.  \. 

C.  foliis  rigide  coriaceis,  nmeafo-obovatis,  obsolete  crenn- 
hitis,  nermttione  hyphodroma,  nervo  jjrimario  basi  valido,  apicem 
versus  evanescente,  nervis  secundariis  sub  angulis  acutis  variis 
orientibiis,  tenuibns,  vix  conspicuis. 

Vorkommen.  Im  Thonsteine  von  Münzenberg. 

Daß  wir  es  in  dem  beschriebenen  Fossil  mit  einem  Celastrus- 
Reste  zu  thun  haben,  dürfte  nach  der  Form,  Consistenz  und  Nervation 
desselben  kaum  zweifelhaft  sein.  Der  Primärnerv,  eine  kurze  Strecke 
oberhalb  der  Basis  noch  stark  hervortretend,  verfeinert  sich  im  wei- 
teren Verlaufe  sehr  rasch  und  verliert  sich  in  der  dicken  steifen 
Blattsubstanz.  Die  Secundärnerven  sind  nur  an  ihrem  Ursprünge  deut- 
lich sichtbar,  ebenfalls  schnell  verfeinert  und  gewebläufig.  Cehistrus 
ovatus  Eckl.  und  PteroceUistrus  slenopterus  Walp.  vom  Cap. 
(Ettingsb.  Nervation  der  Celastrineen  Taf.  3,  Fig.  7  und  Taf.  7, 
Fig.  17,  18)  stimmen  bezüglich  der  Form  und  Nervation  mi  obiger 
Art  am  meisten  überein. 

Celastrns  scandcntifolias  Web. 

Weher,  Tertiiirflora  der  niederrheinischen  Braunkohlenlormation,  S.  87, 
Taf.  5,  Fig.  iO.  -  Unger.  Sylloge  plant,  foss.  II,  S.  11,  Taf.  2, 
Fig.  22,  23. 

N'orkommen.  Im  Sandsteine  von  Münzenberg. 


880  V.     li  t  f  i  11  i^^  s  h  :i  II  s  e  II. 

Oril.  Rhamneae. 

Puliuros  Tusi'hei  L  u  d  w .  sp. 

Syn.  Aristolochia  Taschei  Ludwig,  Falaeontograpliica,  Bd.  VIII,  Taf.  44, 
Fig.  14. 

P.  foliis  petiolatis,  cordato-ovatis,  apice  ucummatis ,  margine 
remote  crouUis,  basi  tripli/tcrviis,  nervo  primario  prominente, 
subflexuoso,  nervis  secundurns  angulis  acutis  cgredientibiis,  bro- 
chidodromis,  nervis  tertiariis  obsoletis. 

Vorkommen.  In  der  Ulälterkolile  von  Salzliausen. 

Nach  der  Traelit  und  Nervation  paßt  dieses  Fossil  besser  zu 
den  Rhamneen-Gattungen,  Palinrus  und  Zizyphus  als  zu  Aristolo- 
chia. Am  nächsten  steht  es  dem  Palitüiis  Favonii  Ung.,  von  welcher 
Art  es  sich  nur  durch  die  größeren  Randkerben  und  die  nicht  spitz- 
läufigen seitlichen  Basalnerven  unterscheidet. 

Zizyphus  pistacina  Ung. 

Unger,  Sylloge  plant,  foss.  II,  p.  16,  tab.  III,  fig.  38.  —  Syn.    Zizyphus 
ovata  Ludwig,  I.  c.  Taf.  58,  Fig.  13  (?). 

Vorkommen,  In  der  Braunkohlenlbrmation  von  Salzhausen. 
(Steinkerne;  Blätter?) 

In  der  Klipstein'schen  Sammlung  sah  ich  ein  Rhamneen- 
Blatt,  weleiies  ich  zw  Zizyphus  ovata  Web.  stellte.  Vielleicht  ge- 
hört dieses  Blatt,  von  dem  ich  leider  eine  Zeichnung  zu  machen  ver- 
säumte, mit  den  von  Unger  beschriebenen Z/2;//j>A?/s-Steinkerneii  zu 
Einer  Art.  Dahin  gehört  vielleicht  auch  das  von  Ludwig  a.  a.  0.  als 
Zizyphus  ovata  bezeichnete  Blatt,  welches  von  genanter  Rhamneen- 
Art  durch  feinere,  nicht  hervortretende  Secundärnerven  abweicht. 


Rhainnus  Heerii  Ettingsh. 
Taf.  V,  Fig.  10. 
Syn.    Rhammis  Eridani  Heer,   Tertiäiflora  d.    Schweiz,   Bd.  III,    S.  81, 
Taf.  125,  Fig.  16;  Taf.  126,  Fig.  1. 

Rh.  foliis  magnis  longe  petiolatis  membranaceis,  ovato-oblon- 
gis,  remote  denticulatis,  rarius  integerrimis,  nervis  secundariis 
utrinque  8 — 12,  subsimplicibiis,  margine  camptodromis. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkohle  von  Salzhausen;  im  Thon- 
stein  von  IMiinzenberg. 


Die  fossile  Flora  der  alleren  liraiiiikolileiiforinatioii  der  Wetterau.  öO  1 

Daß  die  von  Heer  als  ÄÄa//^;^Ms  £r«V/tfw/bezeichiielen  Blatt- 
fossilien, denen  eine  dünnhäutige  Textur  und  ein  gezähnter  Kand 
zukommt,  von  den  lederartigen,  stets  gaiizrandigen  Blattern  dcsRItam- 
nus  Eridani  Ung.  wohl  zu  unterscheiden  sind,  zeige  ich  in  meiner 
Arbeit  über  die  fossile  Flora  von  Bilin.  Ithamiius  Eridani,  Pyrus 
trof/hdytanmi  und  Firnis  Jynx  sind  aber,  wie  ebendaselbst  gezeigt 
wird,  nur  verschiedene  Namen  für  eine  und  dieselbe  Pflanze,  für 
welche  ich  die  Bezeichnung  Ficus  Jynx  beibehielt.  Das  hier  abge- 
bildete in  der  Klips tein'schen  Sammlung  aufbewahrte,  am  Stiel 
verletzte  Blatt  stimmt  hinsichtlich  der  Form,  RandbeschatTenheit  und 
Textur  mit  dem  Schweizerfossil  I.  c,  Taf.  126,  Fig.  1  überein. 

fthaniDUS  Decheni  Web. 

Taf.  IV,  Fig.  9. 

Weber,  Terliiirüora  der  niederrheinischen  Braunkohlenformation,  S.  90, 
Taf.  6,  Fig.  2.  —  Heer,  Terfiärflora  d.  Schweiz,  Bd.  HF.  S.  81. 
Taf.  123,  Fig.  14,  15. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkohle  von  Salzhausen;  im  Thon- 
steine  von  Münzenberg. 

Das  vorliegende  längliche  ganzrandigeaus  erstgenannter  Lager- 
stätte stammende  Blatt  von  mebrzarter  als  lederartiger  Textur,  scheint 
mir  nach  seiner  Nervation  zu  schließen  der  Gattung  Rhamnns  anzu- 
gehören. Es  gleicht  am  meisten  den  von  Weber  a.  a.  0.  abgebilde- 
ten Blättern  des  Rhamnns  Decheni. 

» 

RhuDiDus  rockenbergensis  Ettingsh. 

Syn.  Cornus  orbifera  Ludwig,  Pahieontogr.  VIII,  S.  121.  Taf.  58,  Fig.  11. 

Rh'  foUis  coriaceis  breviter  petiolatis,  ellipticis,  basi  aciitis 
apice  obtusatis,  margine  undidatis,nervatione  camptodroma,  nervo 
primär io  prominente,  subflexuoso,  apicem  versus  attenuato,  nervis 
secundariis  ntrinque  3,  distinctis,  nervis  tertiariis  tenuibus,  e 
Intere  externa  nngido  subacuta  egredientibus,  inter  se  conjunctis. 

V  0  r  k  0  m  m  e  n.  Im  Eisensteine  von  Rockenberg. 

nie  angegebenen  Merkmale  unterscheiden  diese  Art  von  anderen 
mehr  oder  weniger  ähnlichen  Rhamnus-Arten  der  Flora  der  Tertiär- 
Periode,  z.  B.  von  Rh.  colubrinoides  Ett„  Rh.  brevifolius  Heer, 
Rh.  afaternoides  Heer,  und  Rh.  pygmaens  Ung.  Cornus  orbifera 
Heer,   welche  größere   Blätter   mit   mehreren   Seeundärnerven  und 


ÖOÄ  V.     R  t  li  II  g  H  li  II  II  s  e  n. 

last  querläiifigen  Tertiärnerven  besitzt,  läßt  sieh  mit  unserer  7?/ta?w«i/.s- 
Art  wolil  nicht  verwechseln. 


Class.  Terobiiitliiiieae. 

Ord.  Juglandeae. 

Juglans  rostrata  Guepp. 

Ludwig,  Piilaeontographica,  Bd.  VIIF,  S.  136,  Taf.  55,  Fig.  5—7.  (Nur 
die  Früchte.) 

Vorkommen.  In  der  Braunkohlenformation  von  Salzhausen. 

Die  von  Ludwig  hieher  gezogenen  Blätter  sind  identisch  mit 
den  von  Unger  in  der  Sylloge  I.  unter  der  Bezeichnung  Querais 
Gmelini  A.  Braun  abgebildeten  Blättern. 

Jnglans  acominata  A.  Braun. 

Heer,  Tertiärfloia  der  Schweiz,  Bd.  III,  S.  88,  Taf.  128  u.  Taf.  129. 
Fig.  1-9.  —  Ludwig,  L  c.  S.  137,  Taf.  54,  Fig.  16,  17;  Taf.  56, 
Fig.  1-6;  Taf.  57,  Fig.  2;  Taf.  60,  Fig.  13. 

Vorkommen.  Bei  Salzhausen,  Hessenbrücken  und  Münzen- 
berg. (Blätter,   Früchte.) 

Die  von  Ludwig  1.  c.  Taf.  57,  Fig.  1  und  8  zu  Juglans  acumi- 
nata  gebrachten  Blätter  gehören  zu  Diospyros  lotoides  Ung. 

Juglans  dubia  Ludw.  , 

Ludwig,  Palaeontographiea,  Bd.  VIII,  S.  140,  Taf.  59,  Fig.  1,  2. 

,/.  foliolis  sessilibus,  integerrwiis,  oblongis,  hast  rotinuhttis 
stibemargiuatis,  apice  obtusis,  nervntione  brochidodroma,  nervis 
secandariis  utrinque  11 — 12,  nervis  terfiariis  sub  angido  recto 
eoceuntibus. 

V^or kommen.  Im  Sandsteine  von  Rockenberg. 

Diese  Art  scheint  der  Juglans  vetnsta  Heer  nahe  verwandt  zu 
sein.  Sie  unterscheidet  sich  jedoch  von  genannter  Art  durch  die  ab- 
gerundete fast  ausgerandete  Basis  der  Blättchen  und  durch  die  von 
einander  etwas  entfernter  stehenden  Secundärnerven,  deren  Schlin- 
genbogen sehr  deutlich  hervortreten. 


Die  fossile  Flora  der  äKeren  Hr:niiik<>liIfiil'orni:iti<iii  der  NVetlerim.  (Soti 

Carya  costata  Sternb.  sp. 

Unper,  Sylioge  planf.  foss.  I,  S.  41,  Taf,  18,  Fig.  13—17;  Taf.  19, 
Fig.  16.  —  Syn.  Juglandiles  costahis  Sternb.  Flora  d.  Vorwelt, 
Bd.  II,  S.  207,  Taf.  38,  Fig.  7—13.  —  Jiiylans  costata  Ung.  Gen.  et 
spee.  plant,  foss.  p.  468.  —  Ludwig,  1.  c.  S.  138,  Taf.  o4,  Fig.  IS, 
a—c;  Taf.  S6,  Fig.  7;  Taf.  57,  Fig.  6,  7.  —  J.  ventricosa  Ludw.  I.  c. 
Taf.  58,  Fig.  1—6. 

Vorkommen.  In  Hessenhrilcken,  Salzluuisen  und  Münzenberg, 
(Blätter,  Früchte.) 

Carya  ventricosa  Hrongn.  sp. 

Unger,  Sylloge  plant,  foss.  I,  S.  40,  Taf.  18,  Fig.  3—11.  —  Syn.  Jmjlans 
laevigatahuAw'i^  i.  c.  Taf.  54,  Fig.  6  —  14. 

Vorkommen.  In  den  Schichten  der  ßraunkohlenformation  bei 
Hessenbriicken  und  Salzhausen.  (Blätter  und  Früchte.) 

Die  in  Ludwig's  Abhandlung  auf  Taf.  S8  abgebildeten  in 
Hessenbrücken  und  Salzhausen  aufgefundenen  Früchte,  welche  er  zu 
Juglfiiis  ventricosa  gestellt,  gehören  zu  der  vorhergehenden  Art.  Die 
von  ihm  mit  genannter  Art  vereinigten  Blattfossilien  sind  keine  Ju- 
^^«ws-Blättchen.  Die  in  cit.  Abhandlung  unter  der  Bezeichnung  Juglrms 
laevigata  abgebildeten  Früchte  sind  von  denen  der  Carya  ventricosa 
nicht  verschieden. 

Carya  bilinica  Ung. 

Unger,  Sylloge  plant,  foss.  I,  S.  39,  Taf.  17,  Fig.  1—10.  —  Syn.  Jitglans 
bilinica  Ung.  Blätterabdrücke  aus  dem  Schwefelflötze  von  Swoszowice 
in  Galizien  in  Haidinger's  naturwiss.  Abhandl.  Bd.  III,  Abth.  1. 
S.  126,  Taf.  14,  Fig.  20. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkohle  von  Salzhausen,  im  Thon- 
stein  von  Münzenberg.  (Blättchen.) 

In  der  Klipstein'schen  Sammlung  sah  ich  einige  Juglandeen- 
Blättchen,  welche  unzweifelhaft  dieser  Art  angehörten.  Sie  stammten 
aus  den  oben  angegebenen  Localitäten. 

Carya  subcordata  Ettingsh. 

Taf.  V,  Fig.  14. 

C.  foliolis  petiolntis  orato-obfonf/is,  basi  rofundata  emarginalis 

apice   acuminatis,    murgine  serrulatis,    nervatione  camptodroma, 

nervis   secundariis   utrinque    13—14,   rumosis,    inter  se  unasto- 


Oö4  V.     E  f  t  i  II  o  9  ),  a  „  s  (>  n. 

mosmitihus,  hnshi  versus  (qyproximdtis ;  ncrvis  tertiarüs  siih  angnlo 
recto  exeimtibus,  temdssimis  vix  conspicuis. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkohle  von  Salzhausen. 

Die  Ähnlichkeit  dieses  Juglandeen-Bliittchens  mit  den  Blättchen 
der  Carya  hilinica  ist  unverkennhar,  und  ich  möchte  keinen  Anstand 
nehmen  dasselhe  der  genannten  Art  einzureihen,  wenn  nicht  einige 
Unterscheidungsmerkmale,  welche  icli  für  wesentliche  halte,  mich  da- 
von ahhielten.  Ahgesehen  von  dem  längeren  Stiel,  der  auch  an  den 
Endhlättchen  von  Carya  hilhiica  zuweilen  vorkommt,  hat  das  Blätt- 
ehen eine  hreitere  ahgerundete  und  fast  herzförmig  ausgerandete 
Basis,  eine  geringere  Zahl  von  Secundärnerven  und  rechtwinklig 
entspringende  Tertiärnerven. 

Carya  argute-serrata  Ettingsh. 
Syn.   Jugluns  luevigatu  Ludwig,   Falaeontogr.  VIII,  Tal'.  b4,  Fig.  1 — 5. 
(Nur  die  Blältcben.) 

C.  foUolis  breviter  petiolatis,  oblongis  vel.  lanceolatis,  eirgute 
serratis,  basi  obliquis,apice  ncuminatis ;  nervatione  brochidodroma, 
ueri'is  secnndarns  mimerosis,  arcubus  laqueorum  jwominentibiis ; 
nervis  tertiarüs  abbreviatis,  dictyodromis. 

Vorkommen.  Im  Thonsteine  zu  Müuzenherg.  (Blättchen.) 
Die  Blättchen  dieser  Art  sind  denen  i\av  Pterocarya  denticulata 
sehr  ähnlich,  unterscheiden  sich  jedoch  von  denselben  durch  die  ge- 
stielte Basis  und  die  stark  hervortretenden,  vom  Rande  mehr  entfern- 
ten Schlingenbogen. 

Ord.  Anacardiaceae. 

Pistacia  Tlcücnil  l  ng. 

Unger.  Sylloge  plant,  foss.  I,  p.  46,  fab.  XXI,  fig.  i». 

Vorkommen.  In  der  Bi'iunikohlenformation  von  Salzhausen. 
(SteinIViieht.) 

Es  scheint ,  (la(5»  eiin'ge  der  von  Ludwiga.  a.  0.  unter  der 
Bezeichnung  Trapa  globosa  abgebildeten  Früchte  hieher  gehören. 

Rhus  delcta  Heer. 

Taf.  V.  Fig.  11. 
Heer,  Tertiärflora  der  Schweiz.  Bd.  III,  S.  8;{,  Taf.  127,  Fig.  8;  Taf.  iöi, 
Fig.  26.    —    Syn.    lUins  pteleaefoUa  Ludwig  I.  c.    S.  140,    Taf.  54, 
Fig.  18. 

Vorkommen    in  der  Blätterkohle  von  Salzhausen. 


Die  fossil«  Flora  der  iiltereii  Rriiiiiikohlciifnrniation  der  Wctteriiu.  ÖÖO 

Ein  kleineres  Blättchen  dieser  Art,  welches  mit  den  im  citirten 
Werke  auf  der  Tafel  127.  Fig.  8  dargestellten  Blättchen  in  allen 
Eigenschalten  ühereinstimmt.  Zu  diesen  paßt  auch  das  von  Ludwig 
1.  c.  als  Rhus  pteleaefolia  bestimmte  Blättchen. 

Rhas  münzcnbergensis  Ettingsh. 
Syn.  liosn  aiigtistifolia  Ludwig,  Palaeontographica  VIII,  S.  142.  Taf.  39 
Fig-  8. 

R.  foliolis  breviter  petiolntis,  ohlonfjis*  hast  obliquis,  margine 
serrulntis,  nervatione  brochidodroma ,  nervo  primario  distincto, 
ncrvis  secundariis  tennibus,  fle.vnosis,  ramosis,  nervis  tertiariis 
sab  angulo  recto  exeuntibn»,  dictyodromis. 

V  0  r  k  0  m  m  e  n.  Im  Thonsteine  von  Münzenberg. 

Wegen  der  auffallenden  Ähnlichkeit  dieses  Theilblättchens  mit 
denen  von  Rhus  stygia  Ung.  kann  es  wohl  nur  der  Gattung  Rhus 
angehört  haben.  Man  unterscheidet  dasselbe  von  genannter  Art 
durch  die  mehr  schiefe  und  deutlich  gestielte  Basis. 

Rhus  Noeggerathi  Web.,  welchen  Heer  im  allgemeinen  Theile 
seines  Werkes,  Bd.  III,  S.  302,  unter  den  Pflanzenfossilien  von  Mün- 
zenberg aufgezählt,  ist  mir  bis  jetzt  aus  der  fossilen  Flora  der 
Wetterau  nicht  zugekommen. 

Class.  Calyciflorae. 

Ord.  Oombretaceae. 

Terminalia  radobojana  Ung. 

Unger,  Chloris  protogaea,  p.  142,  Taf.  48,   Fig.  1,2.  —  Tertiärflora  d. 
Schweiz,  Bd.  III,  S.  32,  Taf.  108,  Fig.  10—12. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkohle  von  Salzhausen. 

Unter  den  von  mir  untersuchten  Pflanzenfossilien  der  Wetterau 
sah  ich  nur  ein  einziges  Blatt  dieser  Art,  welches  mit  dem  in  Heer's 
Tertiärflora  Taf.  108,  Fig.  12  abgebildeten  Blatte  genau  überein- 
stimmt. 

Ord.  Halorageae. 

Trapa  globosa  Ludw. 
Ludwig.    Palaeontographica,    Bd.   Vill,    S.    141,  Taf.  S8,    Fig.  23—27; 
Taf.  60.  Fig.  2,  a-f,  4,  a,  h,  6,  7,  a—c. 

Vorkommen.  In  der  Braunkohlenformation  von  Salzhausen ; 
bei  Schlechtenwegen,  Zell,  Oberingelheim  und  Gonzenheim. 


(Söb  V.     E  t  t  i  n  14  s  h  a  ii  s  e  n. 

Die  Zusammengehörigkeit  dieser  Fossilien,  als  auch  die  Bestim- 
mung derselben  als  Trapa-¥ vüchie  scheint  mir  sehr  zweifelhaft  zu 
sein.  Die  auf  der  Tafel  58,  Fig.  23,  24,  27  dargestellten  Früchte 
zeigen  viele  Ähnlichkeit  mit  der  Frucht  vun  Pistucia  Mettenii  Ung., 
und  könnten  dieser  Art  angehören. 

Class.  Kosiflorae. 

,Ord.  Pomaceae. 

Cratiiegus  wettenivica  Ettingsh. 
Syn,  Crataegus  imisa  hu  A  VI \^,  Palaeontogr.  VIII,  S.  142,  Taf.  59,  Fip.  9. 

C.  foUis  breviter  petiolatis,  ovato-ellipticis,  utrinque  ohtusius- 
ciills  diiplicafo-serratis ,  nervationc  craspedodroma,  nervo  pri- 
maria valido,  recto,  nervis  secunduriis  utrinque  H — 6,  pronnueu- 
fibus ,  inferioribuH  sub  füifju/is  tili — OH  ,  superioribus  sub  angulis 
40 — HO  orientibus  simplicibds  puullo  arcuatis;  nervis  tertiarüs 
inconspicuis. 

Vorkommen.   Im  Thonsteine  von  Münzenherg. 

Crataegus  incisa  Wej)er  aus  der  Tertiärflora  der  nieder- 
rheinischen Braunkohlenformation  hat  ei-längliche,  ehigeschnitten 
gelappte  Blätter  mit  feinen  nicht  hervortretenden,  mehr  oder  weniger 
verästelten  Secundärnerven,  darf  also  mit  der  Wetterauer-Art  nicht 
verwechselt  werden.  Die  ebenfalls  ähnlichen  Blätter  der  Crataegus 
bilinica  Ett.  unterscheiden  sich  von  unserer  Art  durch  die  zartere 
Textur,  die  ei-rhomhische  Form,  eine  kurze  Zuspitzung  an  beiden 
Enden ,  den  gekerbten  Rand  und  die  unter  spitzeren  Winkeln  ent- 
springenden, oft  gabelspaltigen  Secundärnerven. 

Pyrus  Phytali  Ung. 
UnfTcr.  Sylloge  plant,  foss.  III,  p.  HS.  tat).  XVIH,  fi},'.  16— i8. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkohie  von  Salzhausen.  (Blätt- 
chen.) 

Das  kleine  Blättchen  Fig.  16  weicht  nicht  nur  in  der  Form, 
sondern  auch  durch  den  sehr  kurzen  Stiel  von  den  übrigen  unter 
dieser  Benennung  vereinigten  Blättchen  ab  und  stimmt  mit  denen 
der  Weinmaunia  microphijlla  Ett.  mclir  üherein,  zu  welcher  es 
vielleicht  gehört. 


Die  fossil»'  Klora  lier  älteren  IJiiiimiiotileiitdniiaUuu  der  VVetterau.  Öö7 

Ord.  Amygdaleae. 

Amygdalus  dura  Ludw. 
Ludwig,   Palaeonlogr.  VIII,    S.  143,  Taf.  59,    Fig.  3,  6,  a—c.  —  Syii. 
Amygdalus  pereger  Ludw.  1.  c.  S.  143,  Taf.  59,  Fig.  3,  4,  7.  a,  b. 

Vorkommen.  Bei  Rockenberg  und  Münzenberg  (Blätter, 
Früchte.) 

Die  als  Amygdalus  pereger  bezeichneten  Reste  von  Rockenberg 
vereinige  ich  mit  A.  dura  Ludw.  Die  Bestimmung  der  von  Lud- 
wig zu  Amygdalus  gestellten  Blätter  läßt  wohl  noch  Zweifel  zu. 

Prunus  Ruscana  Ludw. 
Ludwig,  Palaeontographica,  Bd.  VIU,  S.  144,  Taf.  59,  Fig.  10. 

Vorkommen.  Bei  Großsteinheim.  (Steinkerne.) 
Bis  jetzt  konnten  in  der  fossilen  Flora  der  Wetterau  keine 
Blätter  gefunden  werden,  welche  sich  mit  diesen  unzweifelhaften 
PrwwMS-Steinkernen  vereinigen  ließen.  Die  von  Ludwig  unter  der 
Benennung  Prunus  grandif'olia  abgebildeten  Blätter  aus  dem  Eisen- 
sandsteine bei  Rockenberg,  können  nicht  als  PrwwMs-Blätter  be- 
trachtet werden. 

Class.  Ijeg'uiniiiosae. 

Ord.  Papilionaceae. 

Dalbergla  wetteravica  Ettingsh. 
Taf.  V,  Fig.  8,  vergrößert  8  b. 
Syn.   Cytisiis  lattsiliquata  Ludwig,  I.  c.  S.  145,  Taf.  58,  Fig.  14—17,  a — c. 

D.  f'oliis  pinuaiis,  foliolis  inmto-oblougis  apicem  versus  pmillo 
aiigustatis,  obtiisiusculis,  nervatione  dictyodroma ,  nervo  prirnario 
distincto,  recto  apicem  versus  attenuato ,  nervis  secundariis  tenu- 
issimis,  approximatis  fleocuosis,  ramosis,  nervis  iertiariis  vLv  con- 
spicuis  legumine  stipitato,  elliptico,  utri7ique  acuto ,  membranaceo 
compresso  piano,  indehiscente,  obsolete  reticulato,  inonospermo. 

Vorkommen.  Bei  Salzhausen  und  Hessenbrücken.  (Hülsen 
und  Blättchen.) 

Die  von  Ludwig  unter  der  Benennung  Cytisus  latisiliquata 
abgebildeten  Früchte  aus  der  Blätterkohle  von  Salzhausen  gleichen 
den  bisher  als  i)rt/^;er(jf/a-Hülsen  betrachteten  Fruchtfossilien.  Von 
den  Hülsen  der  Dalbergia  primaeva  Ung.,    mit  welchen  sie  in  der 

Sitzb.  (I.  inathem.-naturw.  Cl.  LVH.  Bd.  l.  Ahtli.  57 


OoS  V.     E  f  f  i  n  i:  s  li  ;i  11  s  f  n. 

Form,  Coiisisteuz  iiiul  Adoriwig  ühereiiisliiniiieii,  uuterschoidoii  sie 
sich  durch  den  Mangel  des  Flügels. 

Vorliegendes  Fiederblättchen  aus  derselben  Lagerstätte  stimmt 
seiner  Nervation  und  Form  nach  mit /)^/M6'r(//a-Hlättchen  am  meisten 
überein.  Von  den  bisher  beschriebenen  fossilen  Arten  gleicht  es 
kleineren  Blättchen  dev  Da/bcrgia  prinuicra  Vng.  (S.  HeerTer- 
tiärtlora,  IM.  HI,  Taf.  i3:j,  Fig.  22  und  23),  unterscheidet  sich  jedoch 
von  denselben  durch  die  mehr  genähericn  Sccundäruerven. 

Unter  obiger  Bezeichnung  glaubte  ich  diese  Hülsen  und  Blätt- 
ehen vereinigen  zu  sollen. 

Palacolobiain  sotzkiaiium  Ung. 
Taf.  V,  Fif>.  ti.  7. 
Unger,   Fossile  Flora  von  Sotzka,    S.  5(5,   Taf.  41  ,  F'ig.  6,  7.  —  Heer, 
Tertiärflora  d.  Schweiz,  Bd.  Ilf,  S.  100,  Taf.  l.'U,  Fijr.  3-7. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkolile  von  S;dzhausen. 

Diese  in  der  Klips  t  ei  nschen  Saiiindung  aufbewahrten  Le- 
guminosen-Fiederblättchen stimmen  besonders  mit  den  von  Heer 
dargestellten  Blättchen  des  Palaeolobium  sotzkianum  in  der  Tracht 
und  Nervation  genau  überein. 

Caesalplnia  Townshendi  Heer. 
Heer,   Tertiürflora,    Bd.  III,   S.  111,   Taf.    137,    Fig.  26  —  37.    —    Syn. 
Glycyrrhiza  tertiana  Ludw.  1.  c.  S.  140,  Taf.  58,  Fig.  18—21. 

Vorkommen.  Im  Thonsteine  von  Münzenberg. 

Die  von  Ludwig  zu  G/yci/rrhiza  gebrachten  Papilionaceen- 
Blättchen  1.  c.  Fig.  19  und  20  passen  nach  allen  Eigenschaften  sehr 
gut  zu  den  Blättchen  Fig.  30  b,  33  und  35  b  aus  der  Tertiärflora  der 
Schweiz.  Das  größere  mit  einem  deutlichen  zarten  Stiele  versehene 
Hlällchcn  Fig.  20  aus  iMünzenhcrg  entspricht  den  deutlich  gestielten 
Blättchen  Fig.  3ö  a  und  31  von  Locie.  Oh  das  von  Ludwig  ab- 
gebildete auf  einem  langen  Stiele  beliiulliche  IJIättchen  Fig.  18  hie- 
her  gehört,  vermag  ich  nicht  zu  enlscheiden.  Dies  wäre  nur  dann 
annehmbar,  wenn  man  es  als  Endblättehen  eines  gefiederten  Blattes, 
noch  auf  einem  Reste  der  zarten  Spindel  befestigt,  betrachten  könnte. 
Das  auf  Tafel  138,  Fig.  27  in  Heer's  Werk  dargestellte  Bruchstück 
eines  gefiederten  Blattes  stimmt  mit  den  Blal trösten  der  Caeattlp'niid 
Townshendi  jedenfalls  besser,  als  mit  denen  der  (Vissia  lignilnm 
überein. 


Dil-  fossili-  l-'lora  di-r  iiltercii  nr:Hink<)lilfiif<irninlion  der  Wettcrau.  889 

PodegODiom  oligoncore  Ettingsh. 
Taf.  V,  Fig.  9. 

P.  foliis  pinnatis,  foliolis  ellipticis,  brevksime  petiolatis, 
utrinqiie  rotundatis,  integerrimis ;  nervatione  brochidodioma,  nervo 
primär io  distiiicto,  excurrente,  nei^vis  secinidariis  iitrhique  6 — 7, 
tenuibus,  snbflexuosis,  basilaribus  sub  avyulo  acutiore  insertis. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkolile  von  Salzhausen. 

Die  verlängert  elliptische,  an  beiden  Enden  abgerundete  Form 
und  die  zwei  grundständigen  Secundärnerven,  von  welchen  einer 
etwas  stärker  hervortritt,  verleihen  diesem  Blättchen  das  Gepräge 
eines  Pof/o^o/j«/7«-Blättchens,  obgleich  es  wegen  der  geringen  Zahl 
der  Secundärnerven  von  allen  bis  jetzt  bekannt  gewordenen  Arten 
dieser  Gattung  wesentlich  abweicht. 

Cassia  Fischeri  Heer. 
Heer,  Tertiärflora  der  Schweiz,  Bd.  III,  S.  119,  Taf.  137,  Fig.  62-65. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkohle  von  Salzhausen. 

Aus  der  genannten  Lagerstätte  kam  ein  Leguminosen-Blättchen 
zum  Vorscheine,  welches  mit  dem  auf  der  Tafel  137,  Fig.  63  in 
citirtem  Werke  dargestellten  Blättchen  genau  übereinstimmt. 

Cassia  Phaseolites  Ung. 

Unger,  Fossile  Flora  von  Solzka,  S.  38,  Taf.  44,  Fig.  1-5;  Taf.  45, 
Fig.  1—9.  Heer,  1.  c.  S.  119,  Taf.  137,  Fig.  66—74  und  Taf.  138, 
Fig.  1  —  12. 

Vorkommen.  In  der  Blätterkohle  von  Salzhausen,  im  Thon- 
steine  von  Münzenberg. 

Die  Blättchen  dieser  in  den  Schichten  der  älteren  Tertiärfor- 
mation  sehr  verbreiteten  Papilionacee  sah  ich  in  der  Klip- 
stein'schen  Sammlung  in  nicht  wenigen  wohlerhaltenen  Exemplaren, 
von  denen  ich  jedoch  keine  Abbildung  gebe,  da  sie  mit  den  schon 
von  Unger  dargestellten  Blättchen  genau  übereinstimmen. 


o<  * 


890  V.     E  t  t  i  II  {j  s  h  :i  11  s  e  n. 

Plantae  dubiae  vel  non  descriptae, 

fladonia  roseii;  Liehen  albincus,  L.  diffusus  Liidw. 
Ludwig,  Palaeontograpliica,  Hd.  VIII.  S.  61.  Taf.  9,  Fig.  1—3. 

Vorkommen.  Bei  Salzhausen  und  Münzenberg. 
Im  plastLschen  Thon  von  Priesen  l)ei  Bllin  kommen  Ausschei- 
dungen und  Concretionen  vor,  welche  manchmal  Zeichnungen  bil- 
den, die  den  angegebenen  als  Flechten  sehr  zweifelhaften  Naturpro- 
ducten  vollkommen  gleichen. 

Liehen  orbienlatus  Ludw. 
Ludwig,  1.  c.  S.  62,  Taf.  9,  Fig.  4,  4a. 

Vorkommen.  In  der  Braunkohle  von  Salzhausen. 

Sparganinm  grandiflorum  Ludw. 
Ludwig,  I.  c.  S.  88,  Taf.  12,  Fig.  5,  5a,  6,6a. 

Vorkommen.  Im  Thoneisenstein  von  Rockenberg. 

Manicaria  sp.l  Ludw. 
Ludwig,  1.  c.  S.  85,  Taf.  19,  Fig.  8. 

Vorkommen.  Im  Thonsteine  von  Münzenberg. 
Dieser  Rest  läßt  sich   als  ein  Blattstück  der  an  bezeichneter 
Localität  vorkommenden  Sabal  major  betrachten. 

Thnites  Langsdorfii  Brongn.  sp. 
Unger,  Syn.  plant,  foss.  p.  191.  —  Gen.  et  spec.  plant,  foss.  p.  348.  — 
Goeppert,  Monograjiliie  der  fossilen  Coniferen.  S.  183. 

Vorkommen.  In  Salzhausen. 

Taxodioxylon  Goepperli  Hart. 
H artig,    bot.    Zeitung,    Febr.   1848.    —    Goeppert,    Monographie  der 
fossilen  Coniferen,  S.  162. 

Vorkommen.  In  der  Braunkohle  von  Salzhausen. 

Pinites  Pnniilio  Goepp. 
Goeppert,  Org.  Reste  im  Bernstein  L  S  95.  —  Endlicher,  Syn.  Conif. 
p.  289.  —   Unger,  Gen.  et  spec.  plant,  foss.  p.  366. 

Vorkommen.   Mit  Vorigen  in  Salzhausen. 
Fällt  wahrscheinlich  mit  einer  der  von  Ludwig  aufgestellten 
Pmus-Ai'ten,  wie  P.  orbicularis  oder  /'.  uvif'ormis  zusammen. 


C.v.lClIni.isInN.s.'il.  Il.r  Inss-il,-  l'l.pr.,   ,1...-  i.ll.-i--n   11,  n,n,knl,I,Ml„,nr,l,.H,    .InW.II 


l-'i.Hii.slirniiif      iifui/n//i/iin//r.\-  .  :i.lli/rnii.t   i/fr/iiiiiiiiri  .U  lhii-iiii.\   /i/i/i.\/riiiii  .  ■/.  Hiliiln     liriiiii/iiiiirlli .  fi.  ■Siiiilrijr     ijniinli/hli<i 
(i>Fl/rrilliiliilii  ./<.l-'iiii.\-  fil'/iii/lliK  ..').  I''(iijii.v    ril.vliuimrfniKi  .  Kl   Dllirili.s    Dri/ilr/lllli 
Sil7.iiii!>-slp.iliT  k   AkMililW.iiMlIi  iiMlinw.CI    l,VM  llil   I  Alilii-l«(;S. 


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■I.Aiir  lill/(.vlriii  ii    /l.lliiiiirliti  l'Irjiiiliilit .  ,'i  .Sii/riilru'ilr.v  ii/i(irl^iiriiili-v    i.lhir/ 
(iliirf„h,i    10  It  Ardiriii/iiiliii:!,   iiirllrrit niiinii 
,Sii>iMiiL'.sl,,il  k  Ak-M.l  ,1  W,  ,„,,il,  „Mliu'w.CM.VIl.Mil.l.Alilh  IHlii; 


v.i;ilir,..sl.aiis.-i,.  Ilie  fnssilo  FIüt;.  rl  all:  B™mil«o),lpnl..rr,mli..ii  .1  VtVll 


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/■fi/m/i/nrns  ffrrt/rir/'n .  ^.3.  //.  nm.r  naiilinr.\-.lt  f  lili/i.\lriiiii  lO.F.  liirllriiioirii  .'l.'i  (iiiiiii  iiniiiiiun   Itiinr,,/,,/,,,,,  .D.Oinluimviuurii    i'rhriirli  ^, 
j^rri .  6.  Acrr  inilinMinn  .  ).  /)/o.v/ii//yi.v  linirliijxe/idla  .  /•  13. 1)ri/fi/i<lrni'lr.y  lii^/iiliim   H  ('iiiiiii.\  //iiiiriiirrm^.  /5.  Bnn/Miri  i//iffer/ ■ 
,Sil7.iiiie-»h.d<.i-l<,ri.s  Akiidd.Kniiitli  ii;itiiiw,n,I,VII  liil  I  .\l,lh  Kl««. 


I'.v  Kll,-,.:;-sl.'.,MS.-M    Uie  (os«,l.-  ri,.iv,  ,l,.-.it:  Hr-mi,ik«hU-„f„nnali.,n  d  .Wpllerau 


K4t;  Km-ti.ilei(<m   htli 

l.2.ll,ß.7.Acfr  Irilulialiiin.i  A.tirnrhnKinni .  ■>.  Mijr.vhie  /Jo/y/ihorn    ,^ .  A'nottijniii.i    iri-llrr. 
Silzunssl.  il.Tk.^Vk.iil  il.W  Müitli  ii.iliiiw  11  I.VII .  B,l.  I  Alilii .  l«liS. 


Lull  II  ijsdt  111  tl  fckKgt-u  Staa1cär.ick«i 


(  A  i;iliii»sh:uis..n.Di.-  fossile  Flm-:i  il.  .-ilt:  HraunküMdifnmialmi  d.¥ette 


1 1  >,-..  i-Jiat  ny<,„r   lull  LitJi  11  iieilT  m  i  k  l:  Hotu  Stastsdnioke: 

t-tklaxlnii'  /ir/rii/irits.  :!,  Iii/irii/ui   ijruiidi.v    'i.  Mnl/iiij/,ir(.\lniiii    Irii/oiiiriini  li,,')./-.  lo  ■fc/ii/iilii.v  liffnUum- ■    S.ßiMcrgiu. 

mrltrriimrn .  ß.  l  Hiil.rnhtljiiitn  xnl :  kiiiiiiii,,  .')  roi/orjrmiuiii  oliffonriirr .  /Il  Hliuniiiii.i  //rem .  //  /i/ii/.v  i/r/r/ri   /'/.  Cnr-i/n  iiihrnn/^ila . 

Silüuiiasli.ilcr  kjiiN.Akaa.iLW.matli.imlunf.l'l.l.Ml.Ba  lAl.lh.lsri» 


Zu  pag.  891. 


Tabelle  zur  Vergleichnng 

der  fossilen  Flora  der  älteren  Wetterauer  Braunkohlenformation  mit  den  verwandten  Tertiärfloren. 

Aufzählung  der  Arten 

Fundorte  der 

Wettcrauer  Pflanzcn- 

füssiliea 

Terti 
derS 

rDora 

TertiärHoren  in  Üslcrreich  und  Ilcuischland 

Tcrliärö 
in  Frank 

".'''!                  Tcrliarlloren  in  Italien 
eieli 

Tnrtiär- 
lloren  in 

chweiz    To 

ngrische       A 
Stufe 

quitanische 
Stufe 

Lausanne-       He 
Stufe           St 

Iv.       Öninjer- 
jfe         Stufe 

oiiaocii 

Flore 

ne                    Tongriseh.  Aquit-    Mitt.      Öuinjer      Ellglaud 
1          '               Stufe        Stufe   Mioe.       Stufe 

i 

1 

1 

"   1 

s  1 

5    1 
3     4 

1l 
11 

6 

1    i 

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-    1  ii    i 

s 
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16     17 

1 

1-= 
18 

il         -s 

f         "1                                                  »                                  .5 

iSlEiaSH^            M      ■<      S            1             NÄ            ^      M      C            CO            |< 

23    24    2j    20    27     2s     29   30    3I        32        33     34     35    3G   37        38        39    4 

1 

0    41       42 

43 

Rc^lo  1.  Thallophyta. 

Chi  SS.  Algae. 
Ort].  Conferraceae. 

Cititfrrva  crinatiit  L  ii  d  w 

OrH.  Cbaraceae. 
rhuragvaili,l,f,ru\\a,-v 

Class.  Fuugi. 
Onl.  Hyphomycetea. 

Ph/llcrium  rru:sü  A.  B  i-a  i.n 

Onl.  PTrenomjcetfiB. 

Splmerh  ßrnunii  H  c  e  i- 

m-nilalri  Kr  es.  i't  Mey.  .. 

„         l,„-/,i„raLuAyy 

Mv,„:,.„  ;,/,.,„  II  „er 

fhurUlium  rmimim  L  u  (1  w 

Ih/ntfritim  itpci/rfiphoides  Goepp.  . 

Xt/timii/fs  lhi/t/tiwt/i'iu-8  II  0  p  r 

Ithydsma  Uliiii  L  li  d  w 

Ord.  GaBteromycetes. 

Scleroliiim  populicola  11  n  c  r 

l'helunitea  tignititm  F  r  e  s 

„         strohitina  Pres 

Onl.  Hymenomyoetes. 
Pctiza  Riihatii-a  L  u  d  w.    .    . 
lIi/dni'mAri/illm' L»d,y ]'.'. 

ncslü  ri.  ('oniinpliyla. 

A.   Ar«ljl,.||,„i,.s. 

l' 1.1  SS.  Musci. 

Ord.  Bryaceae. 

Iltipiium  carhontiriiim   Lu  d  w 

Sitzl).  A.  iMlIidii.-iialurw.  Cl.  LVll.  IJd. 

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AuftäWung  der  Arten 

Fundorte  der 
Welterauer  Pflanzen- 

Tertiärflora 

Tertiärfloren  in  Österreich  und  Deutschland 

Tertiärfloren 
in  Frankreich 

Terliärlloren  in  Italien 

Tcrtiär- 
floren  in 

fossllien 

der  Schweiz    j^ 

igrische        A 
Stufe 

quitanische 
Stufe 

Lausanne- 
Slufe 

Helv. 
Stufe 

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Stufe 

Oligocäne 
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Stufe 

Mitt. 
Mioc. 

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43 

C 1  a  s s.  Calamariae. 

Ord.  Equiaetaceae. 

Physagenia  Parlatorii  Heer 

Class.  Filices. 
Ord.  Polypodiaceae. 

Pteris  sahhauscnensis  L  u  d  w 

„      GoKÄi  Heer 

„      Satyrorum  L  u  d  w 

Phegopteris  stiriaca  U  ii  g.  sp 

Aspidium  Fücheri Heer 

„         valdense  Heer 

„         Meyeri  Heer 

Ord.  Schizaeaceae. 
Lygoditim  Gaudiiti  Heer 

Class.  Selagines. 

Ord.  iBOeteae. 
hoetes  Scheiuhzeri  Heer 

B.  IHoiiocoljledunes. 

Class.  Glumaceae. 

Ord.  Gramineae. 

Arundo  Goepperti  M  ü  n  s  t  sp 

PhragmUes  oeningeiisis  A.  Braun  . 
Poacilee  laevis  A.  Braun 

Ord.  Cyperaceae. 

Cyperus  Siremtm  Heer 

Cyperiies  stigmosus  L  u  d  w 

Class.  Coronariae. 
Ord.  Smilaceae. 

Smilax  grandifulia  Uns; 

„       ovata  L  u  d  w.  sp 

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Au/zUhluiig  der  Arten 

Fundorte  der 
Welterauer  PHanzen- 

Tertiärflora 

TertiärQoren  in  Österreich  und  Deutschland 

Tertiärlloren 
in  Frankreich 

Tertiärfloren  in  Italien 

Tertiär- 
lloren in 

rossilien 

der  Schweiz 

ToDgriscLe 
Stufe 

Aquitanisclie        Lausanae- 
Stufe                    Stufe 

Helv.       Öninger- 
Slufe           Stufe 

Oligociine 
Floren 

Eocen 

Tongrisch. 
Stufe 

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Stufe 

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Mioc. 

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Stufe 

England 

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43 

Closs.  Scitamineae. 

Onl.  Musaceae. 
Mtttiiip/ii/ltiitn  wctleravicuni  Ett.  ... 

Class.  Fluviales. 

Ord.  N^adeae. 
Zanir/irilia  bimfutiatn  f.udw 

(.'In SS.  Spadiciflorae. 

Onl    Tjrphaceae. 

'J'i/p/ta  InlUsimn  A.  B  ra  ii  n 

ein»».  Principes. 
Onl.  Palmao. 

Stifutl  iiiitjitr  \ '  II  \i.  »ji. 

„      /.,m,„m,m.lln,„(;n..p 

l'iilnruKinillir  Darmammipn  Vng 

luisrulilitr^  iinmtlirnriK  (Joppi).  el 
S  1 

r.  6jllliui»|ii'rllian. 

("In SS.  Coniferae. 

Olli.   Cupressineae. 

l'ffttfUt  i'iir<i]nit'ii  L II  il  w 

t  nltilrin  Itruiigttiarti  K  n  (1 1.  ap 

Liliiirnh-tia  snliconwidea  E  n  d  1.  sp. . 

Tim  ja  Itoesglerana  L  u  d  w 

l'ti.vittUiim  ilitbiiim  Storni),  ap 

tili/pliistroltus  t'itrnpacns  Heer  .... 
Ciiprrntiitt'a  Itrofigniarti  Goepp.  .  . 
(  upi-cmtinoxfjhn  nodosum  ü  o  e  p  p. . 

0  r  d.  Abiotineae. 
i^iyiioia  Lnngsdmfii  Hiongn.  sp. 

/*ifi//A-  vigwa  U  n  g,  ap 

.,     Mcllcnii  U  n  g.  ap 

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IV 


Aufzahlung  der  Arten 

Fuodorl 

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P(l,ir7r.n. 

Tertiärllora 
<lcr  Schweiz 

Tertiärlloren  in  Österreich  und  Deutschland 

Tcrtiärlloren 
in  Franlireich 

TertiärOoren  in  Italien 

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lloren  i 

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fossilicn 

Tongrische        A 
Stufe 

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Helv. 

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43 

PiituB  rt'pando-squamosa  L  ii  d  w. . 

„     orliiculartit  L  u  d  w 

„     ileiii/ieimentie  L  u  il  w 

„     onformis  L«dw 

„     pittasiroidrs  U  n  g'. 

„      iJrosmna  L  »ul  w. 

„     luti-sqiiaviosa  L  u  d  w 

„     duhiaW^^r 

Pinifea  PvoColarix  G  n  e  p  p 

0  rd.  Taxiueae. 

Taxus  margarllifera  L  u  d  w 

Tnxlifs  A//('fi'ii  Ci  oi']i\t 

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D.  Aplalae. 

Class.  Juliilorae. 

Ord.  Myricacefte. 

Mi/riea  XHmlohoiii-Hsin  E  1 1.  sp.    .  .  . 

H      inviHa  Lud  w.  sp 

„      Ludwiffii  litt 

Ord.  Betulaceae. 

Ihtula  priscfi  K  1 1 

„      *fl/:A«/m7/('HmGoepp.  .. 

„       tirciKita  i.iid  w 

.,       Ilro/i;/niiir(ii  Kit.. 

.1///MÄ  lü-frffilciuii  ij  o  f  p  p.  sp.    . 

..     yru.i/i.Vui^ 

Ord.  Cupuliferaa. 

Carpitius  llfcrii  K  1 1. 

„         aiiUhaunvneusitihxuXw.  . 

ÜHtri/n  tmii(i/u-rn's  Kit 

Cunjliis  imiguin  Heer 

Faqus  attemtala  G  o  c  n  p.  . 

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„      castaneai'folia  U  n  g 

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Fundorte  der 
Wetlcrauer  Fflanzen- 

Tertiärllora 

TertiärDoreu  in  Österreich  und  Deutschland 

Tertiiirllorcn 
in  Franlircich 

Tcrtiärdorcn  in  Italien 

Tcrtiär- 
lloren  in 

Aufzählung  der  Arten 

fossilicn 

der  Seh 

veiz    To 

n  {frische 
Stufe 

Aquitaniselie 
Stufe 

Lausnniie- 
Stufe 

Helv 
Sluf 

Öningcr- 
Stufe 

Oligiocäiie 
Floren 

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Stufe 

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Castanea  münzenbergens 
Quereus  Drijmeja  U  n  g. 

Dn/adum  E  tt. 
„       germanica  Uns 
,       furei„crm<,  Ro. 

stetnheimcmis  1 

Gmelini  k.  Bia 
„       tephrodes  Ung. 

Gorfe/tHeer.. 
„       Klipsfeimi  E 1 1. 
„       angusliloba  A.  1 
„        Cliarpentieri  H  e 

Ord.  ITlmacea 

t7"Hi«  /?ro«n(VUng.   ,  . 
„       Unigifolia  Ung. 

Brannü  Heer.  . 
Planm,  VngeriEU..,. 

Ord.  Horeae 

Firns  lancifoliu  Liidw.  s 
„     aviiminnttt  Lud«'. 
„     KtipKlcimi  EU... 
„     wctlcravica  Ett.  . 
„     Uapimrs  Ett.  ..  . 
„     (i/mc/"u//a  A.  Brau 
„     populiua  Heer  , 

Ord.  Artocarpe 

Arlocarpiäium  iceUcran 

Oi'd.  Balsami&u 

Liqtiidambar  eifropaeum 
proteiisiim 

Ord.   SaUcinea 

Popitlits  Uitior  A.  Braui 

tir(f«»a(a  A.  Br 

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VI 


Fundorte  der 

Tert 

äillora 

TcrtiärBorcn  in  Österreich  und  Deutschland 

Tertiärfloren 
in  Frankreich 

Tertiärfloren  in  Italien 

Tertiär- 
floren in 

Aufzählung  der  Arten 

f'ossllien 

der  Schweiz 

Tongrische 
Slufe 

Aquitanische 
Stufe 

LausHiine- 
Slufe 

Helv. 
Stufe 

Öninger- 
Stufe 

Oligocäne 
Floren 

Eocen 

Tongrisch. 
Stufe 

Aqnil. 
Stufe 

Mitt. 
Mioc. 

Öninger 
Stufe 

England 

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Salix  varians  G  o  e  p  p 

„     media  A.Braun 

„      Vulkana  Ludw.  . 

riass.  Oleraceae. 

Ord.  Nyotagineae. 
Pisonia  ovaia  I.u  d  w 

Cl»8  9.  Thymelaeae. 

Ord.  Laurineae. 

Cinnamomum  Selieuchzeri  Heer 
»          ianceolatnm  Un(j. 
„          Jtosumaessleri  H  o 
„         speclahite  Heer. 
„         polymorphtim 

A.Brauns 

Daplinogeiic  Ludwigii  E 1 1 

Ord.  Bantalaceae. 

Santalum  arheronlicum  E  1 1.  .  .  . 
Mysea  ornithobrüvia  Ung 

n     Vcriumni  Ung 

„     europaea  Unp 

„     obovuta  Web 

Ord.  Daphnoideae. 

sp.. 

p..  .    - 

...   H 

+ 
+ 

+ 

„      vinusla  Ludw 

„      Apollinis  Vng 

Ord.  Froteaceae. 

Hakea  Dnjaiidmidcs  E 1 1 

»     iovtUravica  Ell. 

VII 


Aufzählang  der  Arten 

Fundorte  der 
Wettcrauer  PÜanzcn- 

Tertiärllori 

Tertiärllorcn  in  Österreich  und  Deutschland 

Tertiärllorcn 
in  Frankreich 

Tertiärlloren  in  Italien 

Tertiär- 
Hören  in 

fossilien  1 

der  Schweiz 

ToDgriaclie 
Stufe 

Aquitanisctie 
Stufe 

Lnusanne- 
Slufe 

llelv. 

Stufe 

Öninger- 
Stufo 

Oligocäne 
Floren 

Eocen 

Ponpriscti.    Aquit. 
Stufe          Stufe 

MUt. 
.Mioc. 

ÖnioBer 
Stufe 

England 

1 

1 

3 

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1 

1 

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1 

1 

1 

1 

1 
38 

1 
39 

40 

41 

1 
42 

43 

Bmtksia  Ungeri  E 1 1 

Dryaitdroides  batiksiaefolia  Heer.  . 

„          lignitum  U  n  g.  sp.  ... 

„          dubia  L«dw 

„          LudwigU  E 1 1 

„  acuminata  Ung.  sp.  . 
aciilangicla  Elt 

„           Hagenbachi  Heer  sp. 

„           Hassiaca  Ludw.  sp,  . 

E.  Gajuopelalae. 

Class.  Caprifoliaoeae. 

0  r  d.  Rubiaceae. 

Cinchonidium  büinicinn  Ett 

Gardenia  Welzlen  Heer 

Randia  prodroma  U  n  g 

Class.  Contortae. 

Ord.  Oleaceae. 

Loniciera  dubia  U  n  g 

Ord.  Apocynaceae. 
ApocynophyUum  pachyphgltum  Ett. 
„                Alcyonidum    U  n  g. 

LudtcigiiEtl 

„                toetleravicumVn^. 
„                 cordatum  U  n  g.  .  .  . 
„                Carissa  U  n  g 

Ord.  Gentianeae. 
Menyantkes  terliaria  Heer 

Class.  Tubiflorae. 

Ord.  Couvolvulaceae. 

Porana  macrantha  Heer 

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VIII 


Wtl 

luniliirle  der 
er;iuer  l'llanien- 

Tei'l 

ärllora 

Terliärlloren  in  ÖstciTcich  und  DeulschUnd 

TiTliärlloren 
in  Frankri'ich 

Terliärlloren  in  Italien 

Terliär- 
lloren in 

fossNii'n 

iler  Schtt'ciz 

Tongrische 
Sliifc 

Aqiiilanische 

SlllfB 

Li.llsnnne- 
■Stiiff 

Hi-lv. 
SliilV 

Üiiin^fer- 
Slule 

üli|;ocüne 
Floren 

Eocen 

To,iBii,ch 
Slufe 

4,|uil 
Slufe 

MiU. 
Mine. 

Oniii{;er 
Stufe 

England 

Aufzählung  der  Arten 

1    ■ 

1       2 

1    ?  i" 
3    4     s 

1^ 

6 

1   1 

7      8 

9 

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10 

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12 

13 

14 

1 
15 

16 

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24 

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34 

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38 

39 

4U 

1 

42 

43 

Class.  Petalanthae. 
Or.l.  Myrsineae. 

Myrsitte  üoniphora  U  n  g. 4~ 

Ord.  Sapotaceae. 

Sapolaciles  apocytiokh'S  E  1 1 .    -f- 

Bumelia  Ptcjaditin  l'  n  g 

Ord.  Ebenaceae. 
Diospt/ros  bnic/ti/ficpa/n  A.  B  i-a  u  n  .     .    -)- 

„         loloidi'S  U II  j? .    -f- 

Macreigfitia  mümenbergensis  Ei\.  ,  .    +    - 

Ord.  Styraceae. 
Si/mphcos  gregarm  .4.  B  ra  u  n   .  .  .  .     .    + 

Class.  Bicomes. 
Ord.  Vaccinieae. 
Vaccinltim  sligniosmtt  Ludw.  sp.  .  .      .    -f" 

Ord.  Ericaceae. 
Anclromcdn  pratoyaea  U  n  g -f 

F.  Bialjiietalac. 
ein  SS.  Discanthae. 

0  rd.  Araliaceae. 

Araliop/ii/tliim  didihim  E  1 1 +    . 

Hederu  serrula  Ludw .    -(- 

Ord.   Ampelideae. 
Vitis  U'utoinra  A.  Braun                       .    -t- 
„     Brauiiii  Ludw...,                        .    ^ 

■++•..                      .          .                 .          .+. 

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Ord.  Corneae. 

Coriiiis  Lmiwigii  Ell +    . 

„     paucinerris  E  1 1 +. 

Ord.  Hamamelideae. 

Parrolia  pris/iaa  Ell.  ip .4. 

IX 


AofzaMnng  der  Arten 

Fundoile  der 
Wetlerauer  Pflanzcn- 

Tcrliärllora 

Terliärfloi'fn  in  Öslcrrcic.h  und  Dculschland 

Tciliäiiloren 
in  Frankrcicli 

Terliärlloren  in  Italien 

TtTtiär- 
Horen  ir 

fossllicn 

der  Schweiz 

Tongrische 
Stufe 

Aquitaniache 
Stufe 

[.aiisanne- 
Sliife 

Helv. 
Stufe 

Öninger- 
Slufe 

Oliwocüne 
Floren 

Rocen 

Tongrisch. 
Stufe 

Aquit- 
Stufe 

Milt. 
Mioc. 

Öning.- 
Slufe 

Englani 

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1 

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1 

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Class.  Corniculatae. 

Ord.  Saxifragsoeae. 
Weiiimannia  microphylla  Ett 

Class.  Polyoarpicae. 
Ord.  Anonaoeae. 

Anona  lignittim  U  n  g 

Ord.  Uagnoliaceae. 

Magmlia  Ih/fmnmii  LuA  w 

„       LudtngiiEU 

Class.  Nelumbia. 

Ord.  Nymphaeaceae. 

Nymphaea  Doliobim  L  u  d  w 

Class.  Parietales. 

Ord.  FassUorae. 

Passiflora  Braunii  L  u  d  w 

Class.  Columniferae. 

Ord.  Tiliaceae. 

Grewia  crenala  U  n  g.  sp 

Ord.  Bättneriaceae. 

Dombeyopsis  Decheni  Web.. 

Class.  Acera. 

Ord.  Aoerineae. 

Acer  trilohatum  A.  Braun 

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„     Bruckmanni  k.  Braun 

„     mütnenbergense  L  u  d  w.  . 

„     iWi-iii«»m  Web. 

^Sit/1>-  '1.  iiuithein.-iiaturw.  Cl.  r.Vtl.  R.I 

Wet 

Kundorle  der         TcrliärOora                 Turllärlloren  in  Üslcrreich  und  Deulschland 
erauar  Pllanzen- 

TerliäfDorcn                 Te,,|ärtloren  in  Italien 
in  Frankreich 

Tertiär- 
Hören  in 

fossilien           li«!'  Seh« 

*^'2     Tonj^rischi; 
Stufi- 

Aquitanische 
Stufe 

LiusanOB 
Sl.ife 

Helv. 
Sliife 

Uiiinj^er-          Oüt^ocäne 
Stufe                 Floren 

Eocen 

Pongriscti 
Stufe 

\quil 
Stufe 

.Mill. 
Mioc 

Öniiiger 
Stufe 

England 

Aufzahlung  der  Arten 

1     i 

3      4        S        6       7      8      9 

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.5 

1 
38 

39 

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41 

12 

i 

13 

Ord.  Ualpighisoese. 

laalpighinalrum  IfulonirumVAt + 

„             roclceiilterffi'iitie  KU.      .     • 

Ord.  Sapindaceae. 

+     .        . 

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„         mümi^nliergeims  KU +    . 

Pillliii  Vn".                            \- 

.   1    . 

Cupnnia  grandin  U  n  fr + 

Class.  Frangulaoeae. 
Ord.  Celastrineae. 

ßvomtniiis  wettrrafinis  Ktt. + 

Crlastrits  iigtiiliciis  Kit. ^~    . 

+ 
+ 

1- 
+ 

Ord.  Bhamneae. 

t'alit/nis  Taschei  L  u  d  w.  sp -\- 

'/.iitiplniK  pintacinn  Unfj .    ~\- 

It/inmiiiis  Ilfi-rä  Ell +    h 

+      •        . 

.     +       . 

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„       IhT/ini!  W i'.h +   + 

„       rockfulii-rgemis  Kit 

C 1  ii  s  s.  Terebinthineae . 

0  rd.  Juglandeae. 

Jni/lun^  rü^trafa  C>oe\t\u. |- 

„       (tftimitialn  A.  Ui-iiuii.             +  + 

„       dubia  Ludw 

Citrija  i'ostata  Stürnb,  sp -f-  -f 

„       vfiUricosa  ßroi)<;ii.  sp j- 

+ 

-H     . 

.    +  -1-  . 

.      ...-!■ 

-    .     +    .      .      . 

„      suieordala  E 1 1 + 

n       argiite-serrnta  KU f- 

Ord.  Anaoardiaceac. 
I*is(acia  Mi'ttftiii  II II  g.                     .         + 

Ulms  d.'leln  Hcor,  .    .                 + 

„     iiiiiir.tnlifigcmis  V.U.              ■    +    • 

Fundorte  der         Tcrliärflo 

j                 Tcitiärlloren  in  ÖsliTreich  und  Ileutschland 

Tertiärllorcn 
in  Frankreich 

Tertiärlloren  in  Italien 

Tertiär- 

Wederauer Pllanzen- 

fossilien            '^0'  Sohw 

lloren  in 
England 

"■      Tonfrisihe 

Aijiiitfliiisclie 

Lausiione- 

Helv. 

diiinfer- 

Uligocäne 

Eücei,  ■T»"«''»'''' 

Aquit 

Mitt. 

Öniaj.- 

Aufzählung  der  Arten 

Slufe 

Stufe 

Stiifc 

Slufe 

Slufe 

Floren 

Slufe 

Slufe 

Mine. 

Slufe 

Ti 

5  ti 

Is,  1  .,  1 

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28     29 

30    31 

32 

33    34 

3 

36 

37 

38 

3« 

4o]  4 

42 

43 

Class.  Calyoiflorae. 

0  r  d.  Gombretaceae. 

Tei'initialia  rado^iojuua  \J  n^. 

•       +      . 

.       ■      +     . 

+ 

.    Cl 

G 

Oid.  Halorsgeae. 

Trapa  glohosa  L  u  d  w 

•      +      . 

Class.  Rosiflorae. 

Ord.  Pomaceae. 

Crataequs  wettcravica  E 1 1 

f      .        . 

Pi/rusPhi/laliVag 

•      +      • 

Ord.  Amygdaleae. 

Amygdalim  dura  L  u  d  w. 

f      .      + 

Prunus  RuscanaLuA^..    

.    s 

Class.  Legumiuosae. 

Ord.  Papilionaceae. 

Dutliergia  wetteravicu  Ell 

4-    . 

-f-     . 

I'alaeolobium  solzkianum  Ung.   ] !! 

-j-    . 

.       +     .      . 

•     +     •        • 

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Carsatpiuia  Ttconshcudi  Heer...    -] 

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•      +      •      .     - 

Podogonium  oUgoneure  E  1 1. 

+ 

-     .       .      .       . 

Cuesia  FincheriHeer .'.'. 

„      Fltaseoliten  U  n  g - 

+    . 

-    +    • 

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....     4 

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+ 

Plantae  dubiae  sedis. 

riadimiae  rl  Urheuis  sp.  Ludw.  . 

+     . 

.^pargnuium  graudifiiirum  Ludw.. 

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TImkcs  Langsdorfii  B  r  o  n  g  n.  sp.  . 

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Taxodioxylon  Gouppcrli  Hurt.  ...     '. 

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l*mUcs  Pumilio  G  u  e  p  p 

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FutUvulilee  kaUrnmrdhcimnsis 

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12 

Die  fossile  Flora  der  ültereii  ßraiiiikohleiiformation  der  Wetterau.  0*7  1 

Ataktoxjlon  Linkü  Hart. 

Hartisr,  bot.  Zeitung  I.   c.   Goeppert,    Monographie  der  fossilen  Coni- 
fen-n,  S.  164. 

Vorkommen.  In  der  Braunkohlenformation  der  Wetterau. 

Cytisos  angaste-siliqnata  Ludw. 
Ludwig,  Palaeontographica,  Bd.  VIII,  S.  144,  Taf.  58,  Fig.  9. 
Vorkommen.   Im  Thoneisenstein  von  Roekenberg. 
Dieser  Rest   scheint  mir  keine  Hülse,    sondern    nur   ein   ein- 
gerolltes Blattbruchstiick  zu  sein. 

Follicolites  kaltennordhelniensis  Zenk. 
Zenker,  Jahrb.  f.  Min.  u.  Geol.  1833.  S.  177,  Taf.  4,  Fi^r.  1—7.  —  Syn. 
Carpolithes  minntulits  Sternb.  Flora  d.  Vorwelt,  B.  I,  4.  S.  41.  Tut.  33. 
—    Hippuphae   dispersa  et  striata  Ludwig,  1.   c.    S.    112,    Taf.   43, 
Fig.  13,  IS— 18,  20. 

Vorkommen.  In  der  Braunkohlenformation  der  Wetterau, 
sehr  verbreitet. 

Das  Blattfossil,  welches  Ludwig  zu  dieser  noch  immer  nicht 
genügend  bestimmten  Frucht  bringt,  betrachte  ich  als  ein  Legumi- 
nosen-Theilblättchen. 


oO^  V.     li  t  t  i  II  g  s  h  :i  II  s  e  n. 


Übersicht    der    Tafeln. 


Tafel  I. 

Fig.     1 — 2.  Ili/sterinm  o])cgraj)/toides  G  0  e  p  p.  sp.  auf  Blättern  von  ^cer  ^nVo- 

haturn  aus  der  Blätterkohle  von  Salzhausen.    Fig.  2  b.    Derselbe  Pilz 

vergiößi'rt  dargestellt. 
„       3,  Blatt  von  Quercus  germanica  U  n  g.  sp.  aus  der  Blätterkohle  von  Salz - 

liausen. 
„      4.  Blntt  von  Querciia  k'lip^teinii  ¥At.  aus  derselben  Lagerstätte. 
„       5.  Kiitzclien  von  Belula  Brongiiiartii  Ett.  aus  derselben  Lagerstätte. 
„       6.  Blatt  von  Smilax  ffratidifolia  Ung.  von  ebendaher. 
„      7.  Blatt  von  ^r/oear/)/c?m/n  weileravicum  Ett.   aus    dein  Thonsteine  von 

Münzenberg. 
„       8.  Blatt  von  Ficus popiäina  Heer  aus  Salzhausen. 
„       9.  HVaÜ  \on  Fagtis  castaneacfolia  \]  n\^   aus  Alünzenborg. 
„     10.  Blatt  von  Quercus  Dnjadum  Ett.  aus  Münzenberg. 

Tafel  II. 

Fig.     1,  2  und  G.  Blätter  von  Ficus  welteravica  Ett.  aus  der  Blätterkohle  von 

Salzhausen. 
„       3.  Blatt  von  Acer  Klipsteinii  Ett.  aus  Münzenberg. 
„       4.  Blatt  von  Bumelia  Plcjudum  Ung.  von  ebendaher. 
„      U.  Blatt    von   Sapotacites  apoci/noidcs    Ett.    aus   der   BläUerkolile    von 

Salzhausen. 
„       7.  Blatt  von  Quercus  Gmclini  \.  Braun  aus  derselben  Lagei^täile. 
„       8.  Blatt  von  Quercus  Drymeja  Ung.  aus  Münzenberg. 
„       9.  Blatt  von  Ficus  tiliacfolia  A.  Braun  sp.  aus  derselben  Localilät. 
„     10    und     H.    niülter    von    Artocarpldium    wctteravicum    Ett.     aus    der 

Blältei'kolile  von  Salzhausen. 

Tafel  III. 
Fig.      1.   Blatt   von    Sijuiptocoa  grcijuriu    A.    JJraiin    aus   der  Blätterkohle  von 
Sal/.hausen. 
„       2,  3  und  11.  Blätter  von  Ficus  Dapitncs  Ett.  aus  derselben  Localität. 
„       4  —  ;).   Blätter  von  Cinnamomuui  (anceo/alum  Ung.  sp.  aus  Münzenberg 
„       G.  li\i\ii  \o\i  Acer  iudivisu7n  W ah.  aus  der  Blätterkohle  von  Saizhausen. 
„      7.  BlatI  von  Uiospyros  hrucliysepala  A.  Braun  aus  genannter  Localität. 
,,       H.   Blatt  von  Ficus  h'lipsleiuii  Ell.  aus  Salzhausen. 


Üie  fossile  Flora  der  iilteren  Braunkohlenformation  der  Welferau.  ö9o 

Fijj-.  !).  Itlalt  von  Cinnanioniitm  Scheuehzeri  Heer  aus  derselben  Lagerstätte. 

„  10.  Bhitt  von  Firns  lüfllcrav/ra  Ktt.  aus  Münzenberg. 

„  12   und  13.   Bliilter  von  Dri/atidroides  lig?ii(ion  Un<j.  sp.  aus  Münzenberg. 

„  14.  BiiU  von  Ctirnus  jmucinervin  Ett.  aus  der  Blütlerkohle  von  Salzbausen. 

„  lö.  Bliilt  von  Banksia  i'/igci  Et\.  aus  Münzenberg. 

Tafel  IV. 

Fi^.    1.  2.  4,  6  und  7.  Bliitter  von  Acer  trüobatum  A.  Braun  aus  derWetterau. 
„     3.  Blaft  von  Acer  Bnickmnuin  k.  Braun  aus  der  Bliitterkohle  von  Salz- 

Ir.iusen. 
„     5.  Blatt  von  Mj/rsine  Doryphora  Ung.  aus  der  genannten  Loealität. 
„     8.   Blatt  von  El'ohi/>hus  toettcravicus  Ett.  von  ebendaher. 
„    9.  Blatt  von  Rhainnus  Decheni  Web.  aus  derselben  Lagerstätte. 

Tafel  V. 

Fig.  1.  Blalt  von  Cclaslnts  lignilicus  Ett.  aus  dem  Thonsteine  von  Münzen- 
berg. 

„  2.  Blatt  von  Ciipauia  grandis  üng.  aus  der  Bliitterkohle  von  Salz- 
bausen. 

„       3.   Blatt  \ox\  Malplghiastrum  teiitonicuni  Ett.  aus  der  genannten  LocalÜät. 

„      4.  U,  12  und  13.  Theilblättclien  von  Sapindus  lignitum  Ung.  von  ebend. 

„       8    !]lättchen  von  Dalbergia  wcltrravica  Ett.  von  ebendaher. 

,,       5  b.  üie  Nervation  dieser  Art  vergrößert  dargestellt. 

„      6  und  7.  Blättchen  von  Palaeolobium  solzkianum  üng.  aus  Salzhausen. 

„  D.  Blättchi-n  von  Podogoimtm  uUgoneure  Ett.  aus  der  genannten  Lager- 
stätte. 

„     10.  Blatt  von  Rhainnns  Ilecrii  Ett.  aus  derselben  Lagerstätte. 

„     11.  Theilhliitfelien  von  B/ius  delela  Heer  aus  derselben  Loealität. 

„    14.  Theilblättchen  von  Carya  subcordafa  Ett.  von  ebendaher. 


894  P  o  s  (•  |)  n  y. 


Über  concentrhch  - schalige   Miueralhildungen. 
Von  F.  Posepny. 

(Mit  2   Tafeln.) 
(Vorgelegt  in  der  Sitzung  am  23.  April  1868.) 

Die  concentrisch-schaligen  Mineralbildungen,  zu  deren  specieller 
Kenntniss  die  folgenden  Blätter  einen  Beitrag  liefern  sollen,  sind 
schon  öfter  besehrieben  und  verschieden  benannt  worden. 

Schmidt  i)  reihte  diese  Erscheinung  in  seinem  System  der 
Ganggebilde  den  regelmäßigen  Schalenbildungen  als  concentrisch 
schalige  Ausfüllungsfossilien  an.  v,  Cotta^)  zählt  sie  zuerst  all- 
gemein als  concentrisch  lagenfürmige  Textur,  sodann  bei  der  brec- 
cienartigen  Ausfüllung  der  Gänge  als  radial  krystallinische  Textur 
auf.  V.  Groddecks)  trennt  die  innere  Structur  der  Erzmittel  von 
der  Textur  ihrer  Mineralaggregate,  und  nennt  sie  die  concentrisch 
lagenfürmige  Textur  u.  s.  f.  Die  gebräuchlichsten  Namen:  Bingerze, 
Kokardenerze  sind  nur  auf  das  Vorkommen  von  Schalen  von  Erzen 
anwendbar;  der  Ausdruck  Sphärengestein  ist  zu  unbestimmt,  und 
läßt  sich  nicht  auf  alle  Fälle  anwenden. 

Ich  habe  hier  überhaupt  jene  concentrisch  schaligen  Bildungen 
(in  präexistirenden  Bäumen)  zusammengefasst,  deren  Schalen  einen 
fremden  Kern  derartig  concentrisch  umschliessen,  daß  die  Krystalli- 
sation  in  Bezug  auf  diesen  Kern  nach  auswärts  gerichtet  ist. 

Die  Beschaffenheit  des  Kernes  ist  es,  welche  diesen  Bildungen 
den  eigenthümlichen  Charakter  verleiht.  Ist  der  Kern  verhältnißmäßig 
klein,  so  sind  es  auch  die  denselben  umhüllenden  Sphäroide,  und  sie 
werden  deßhalb  schon  an  einem  Handstücke  zahlreich  vertreten  sein ; 
während  bei  großen  Kernen  noch  größei'e  Sphäroide  entstehen,  von 
denen  man  auf  einem  Handstücke  entweder  einige  wenige  Sphäroide 

1)   Si'liinidt.    Beiträg-e  zu  der  Lehre  von  den  Gängen  1827,  pag.  1. 
*J    Br.   Coltii.  Lehre  von  den  Erzlagerstätten  1839,  pag.  .33. 

^)   V.   Groddeck.  Über  die  Erzgänge  des  nordwestlichen  Oherharzes.  Zeitscliril't  der 
deiitselicn  geologisclien  (iesellsehaff  1866.  pag    ßOIL 


über  concentrisfh-schalige  Mineralliildungen.  öaO 

oder  blos  Bruchslücke  eines  einzigen  Sphäroides  sehen  kann.  Man 
kann  somit  Überrindungen  in  kleinem  und  solche  in  größerem  Maß- 
stab unterscheiden ,  wobei  sich  freilich  keine  genaue  Grenze  zwi- 
schen beiden  ziehen  läßt.  Diese  Untersfheidung  ist  auch  dadurch 
motivirt,  daß  sich  in  den  großen  Schalen  wieder  kuglige  Überrin- 
dungen im  Kleinen  zeigen. 

Sphäroidische  1  berriodangen  im  Kleinen. 

Streng  genommen  dürften  auch  die  Krystalle  mit  Kernen  hieher 
gehören,  da  sie  Überrindungen  sind,  deren  Masse  aber  zu  einem  ein- 
zigen Krystallindividuum  gruppirt  ist.  Allein  ich  müI,  um  Weitläufig- 
keit zu  vermeiden,  hier  von  diesem  Falle  absehen,  und  auf  die 
Specialarbeit  Tsch  ermak's  «)  verweisen.  Man  kann  nach  der  Be- 
schaffenheit des  Kernes  vorzüglich  drei  Fälle  unterscheiden: 

1.  Der  Kern  ist  ein  einzelner  Krystall, 

2.  derselbe  ist  ein  krystallinisches  oder  amorphes  Aggregat, 

3.  derselbe  ist  ein  kleines  mechanisch  abgetrenntes  Gesteins- 
stückchen, und  gehört  entweder  dem  Nebengestein  des  Hohlraumes, 
oder  den  älteren  Bildungen  innerhalb  dieses  Hohlraumes  an. 

Ein  schönes  Beispiel  für  den  ersten  Fall  beschreibt 
Schmidts).  Es  ist  dies  eine  merkwürdige  Schlottenausfüllung  im 
Kalksteine  zu  War  st  ein  in  Westphalen.  Sie  besteht  aus  oblongen 
Sphäroiden  von  etwa  5  und  2  Linien  Dicke,  deren  Kern  ein  2  bis 
2'/2  Linien  langer  regelmäßiger,  mit  Prismen  und  Dihexaederflä- 
chen  umschlossener  Krystall  von  gelbem  Eisenkiesel  ist.  Derselbe  ist 
mit  einem  dünnen  weißen  erdigen  Überzuge  ringsum  angeflogen, 
worauf  dann  concentrische  Lagen  von  dickfaserigem  Eisenkiesel, 
dei'en  Kanten  sich  allmälig  abrunden,  folgen.  Die  so  entstehenden 
Sphäroide  berühren  sich  nur  leicht  an  der  Oberfläche,  und  die  Zwi- 
schenräume sind  bald  vollständig,  bald  nur  theilweise  mit  körnigem 
Eisenkiesel  bedeckt,  und  die  im  letzteren  Falle  gebildeten  Drusenräume 
mit  einer  dünnen  Lage  von  wasserhellem  Quarz  und  Eisenglanz  aus- 
gekleidet. 


*)   G.  Tschermak  über  Calcitkiystalli'  mit  Kernen.  SitÄUiigsb.  d.  k.  Akad.  d.W. XL. 

pa«:.  109. 
-)   L.  c.  pap.  8Jt. 


Oifß  PosepiiT 

Der  zweite  Fall  ist  gewiß  selir  häufig  anzutrelTen.  Ich  führe 
hier  i)los  einige  Fälle  aus  dem  noch  wenig  hekannten  Goldherghaue 
von  Verespatak  in  Siehenhürgen  an.  Als  Ansfiillungsmassen  vcm 
Kliilten  und  stoekartigen  Trümmern  treten  rosenrolhe,  hier  allge- 
mein Manganspath  genannte  Gangmassen  aul",  die  l)ei  genauerer 
Betrachtung,  die  eben  durch  Schliffe  möglich  gemacht  wird,  con- 
eentrisch- schalige  Üherrindungen  zeigen.  Man  bemerkt  darin 
wenigstens  drei  verschiedene  Mineralien,  die  am  häufigsten  in  nieren- 
tormigen  und  traubigen,  oft  aber  auch  in  vollständig  kugeligen 
(lestalten  lagenweise  mit  einander  wechseln.  Das  Innerste  dieser 
Mineralien  ist  schön  rosenroth  und  verursacht,  daß  die  ganze  Gang- 
masse auf  den  ersten  Eindruck  rosenroth  erscheint.  Es  ist  ganz  dicht 
und  hat  nahezu  Quarzhärte.  Darauf  folgt  gegen  Außen,  d.  h.  an  der 
Tonvexität  der  Nieren  und  Sphäroide  eine  0.1  Linie  dicke,  feinkörnige, 
weiße,  undurchsichtige  Lage,  welche  alle  Gestalten  des  ältesten  Mine- 
rals vollständig  wiederholt.  Die  jüngsten  Lagen  bestehen  aus  einem 
feinkrystallinischen,  etwas  durchscheinenden  Mineral,  Avelches  häufig 
in  den  nnausgefüllt  gebliebenen  Räumen  kleine,  etwas  braungelb 
gefärbte,  undeutlich  krystallinische  Drusen  bildet.  Oft  aber  folgt 
noch  darauf  ein  wasserheller  Quarz,  welcher  entweder  diese  kleinen 
Drusenräume  vollständig  ausfüllt  oder  kleine ,  aus  wasserhellen 
Kryställchen  bestehende  Drusen  bildet. 

Wird  nun  ein  geschliffener  Splitter  dieser  Gangmassen  mit  ver- 
dünnter Salzsäure  behandelt,  so  wird  unter  lebhaftem  Brausen  die  dritte 
Lage  vollständig  gelöst,  die  zweite  in  eine  weiße,  schwammige,  poröse 
RIasse  verwandelt,  die  nach  dem  Austrocknen  außerordentlich  stark 
an  der  Zunge  hängt,  während  die  innerste  Lage  nicht  im  Geringsten 
angegriffen  wird. 

Die  Lösung  enthält  sandige  Kieselsäure-Gallerte,  zeigt  nebst 
der  Kalk-  und  Mngnesia-  eine  starke  Älanganreaction,  so  daß  man, 
obgleich  eine  vollständige  chemisch  mineralogische  Analyse  noch 
niclil  vorliegt,  annehmen  kann,  daß  die  innerste  Lage  31angankiesel 
(lihodonit),  die  äußerste  Manganspath  (Rhodochrosit)  mit  bedeu- 
tenden Antlieilen  von  kohlensaurem  Kalk  und  Magnesia  ist,  die  mitt- 
lere aber  eine  Mischung  des  Silicates  mit  den  Carbonaten  bildet. 

Die  Erscheinung  ist  auf  Tafel  I  durch  möglichst  naturgetreue 
IJilder  einiger  Schliffe  anschaulich  gemacht.  Das  Vorkommen  der 
solirlcn    Sphäroiih;    ist    besonders    in    Fig.    4    deutlich,    welche   die 


über   concentriscli-schaliffe  Mineralhildungen.  oUT 

ganze  Ausfüllung  der  sogenannten  Silberkluft  des  Orlaer  Erbstoiiens 
darstellt. 

Das  Nebengestein  ist  ein  diesem  Bergi-eviere  eigenthümlieher 
Sandstein  mit  Bruchstücken  des  bekannten  Oiiarzandesit  oder  Dacit. 
In  der  Klultausfüllung  zeigt  sich  am  Liegenden  die  so  eben  beschrie- 
bene mangaiihältige  Mineraliensnite  in  nierenförmigen  und  ausge- 
zeichnet tranhigen  und  sphäroidischen  Gestalten.  Darauf  folgt  hier 
eine  Zone,  bestehend  aus  feinen  Lagen  A'on  verschieden  gefärbtem 
Clialcedon  und  krystaliinischem  Quarz.  Sie  bezeichnet  hier  durch  die 
symmetrische  Anordnung  ihrer  Lagen  die  Schlußbildung  der  Kluft, 
allein  später  ist  gegen  das  Hangende  zu  eine  neue  Kluft  aufgerissen, 
die  aus  grobkrystallinischem  Quarze  und  einer  Schnur  von  derbem 
Fahlerz  erfüllt  wurde. 

Fig.  i  zeigt  einen  Theil  der  Füllung  eines  Stocktrums  des  soge- 
nannten Manganstockes  der  Rakosi-Grube.  Es  ist  hier  vorzüglich  die 
nierenförmige  Ausbildung  entwickelt,  doch  findet  man  im  Durch- 
schnitte die  Nierenlagen  ganz  in  sich  abgeschlossen,  d.  h.  unregel- 
mäßige, concentrisch- schalige  Körper  bildend,  und  darunter  sind 
auch  kleine  Sphäroide  verstreut.  Die  rosenrothe  Färbung  tritt  hier 
auch  aus  einer  Lage  in  die  andere,  und  scheint  somit  einer  späteren 
Metamorphose  ihren  Ursprung  zu  verdanken.  Oft  stellt  sich  eine  gelb- 
lich-braune Färbung  ein,  und  die  dichte  splittrige  Masse  zeigt  neben 
der  Mangan-  auch  eine  starke  Eisenreaction,  und  dürfte  vorwaltend 
Eiseuspath  (Siderit)  sein.  Das  Nebengestein  ist  hier  eigentlich 
Dacit,  doch  erscheint  auf  dem  Bilde  eine  Hornsteinschale,  wie  solche 
auf  diesem  Punkte  häufig  auftreten,  als  unmittelbares  Liegende. 

Fig.  2  zeigt  eine  Drusenwand  aus  demselben  Manganstocke. 
Kleine  Erzpartien,  meistens  Kupferkies,  bilden  den  Kern  von  kleinen, 
unregelmäßigen,  aus  Chalcedonmasse  bestehenden  Sphäroiden,  welche 
von  den  nierenförmigen  Lagen  der  manganhaltigen  Zone  einge- 
schlossen sind,  und  innerhalb  welcher  sich  abermals  einige  Chalce- 
donschnüre  finden.  An  der  Drusenspitze  bemerkt  man,  wie  die  rosen- 
rothe Färbung  absetzt,  während  sich  die  nierenförmigen  Lagen 
darüber  hinaus  erstrecken.  Hier  tritt  unter  den  Carbonaten  der 
Siderit  am  häufigsten  und  in  grösseren  Massen  auf. 

Fig.  3  stellt  das  Vorkommen  von  gediegen  Gold  innerhalb  der 
Maiiganzone  desselben  Stockes  dar.  Es  findet  sich  in  körnigen  Aggre- 
gaten innerhalb  der  Quarzlagen,  welche  die  einzelnen  Sphäroide  von 


898  P  0  s  e  p  II  y. 

einander  trennen,  dringt  aber  auch  durch  diese  Quarzlagen  bis  in  die 
Sphäroide  ein.  In  der  Mitte  des  SchlifTes  liegt  ein  Segment  eines 
ungemein  zart  concentrisch  schaligen  Sphäroids  in  der  Chalcedon- 
masse.  Auf  den  ersten  Blick  glaubt  man  eine  organische  Bildung  vor 
sich  zu  sehen,  doch  läßt  die  Kleinheit  desselben  eine  nähere  Unter- 
suchung kaum  zu.  Das  Segment  beträgt  etwa  ein  Drittel  der  ganzen 
Peripherie,  die  einzelnen  Lagen  weiden  ziemlich  scharf  durch  die 
radialen  Begränzungen  abgeschnitten.  Es  hat  somit  den  Anschein, 
daß  man  ein  Bruchstück  einer  einst  ganzen  Kugel  vor  sich  hat. 

Über  den  dritten  Fall,  wo  der  Kern  ein  kleines  mechanisch 
abgetrenntes  Gesteinsstückchen  ist,  ist  es  wohl  nicht  nöthig,  ein  spe- 
cielles  Beispiel  vorzuführen;  denn  seine  Bepräsentanten,  die  Erbsen- 
st/ine,  Pisolithe  und  Oolithe  sind  eine  allgemein  bekannte  Erscheinung. 
Bl'züglich  letzterer  verweise  ich  auf  die  Zusammenstellung  Zirkels  i). 

Sphäroidische  tlberrindnngen  im  Grossen. 

Offenbar  kann  vorzugsweise  der  dritte  Fall  im  Großen  seine  Aus- 
bildung erreichen.  Nach  demselben  Eintheilungsprincipe  der  Beschaf- 
fenheit des  Kernes  kann  man  unterscheiden: 

1.  Bildungen,  deren  Kerne  die  Bruchstücke  eines  älteren  Wand- 
Absatzes  selbst  sind. 

2.  Bildungen,  deren  Kerne  dem  Nebengestein,  oder  der  weitern 
Umgegend  angehören.  Man  könnte  auch  nach  der  Form  und  Gestalt 
eckige  und  abgerundete  Kerne  zur  Unterscheidung  wählen,  wodurch 
Gangmassen  entstehen,  die  den  Breccien  und  Conglomeraten  entspre- 
chen, und  die  man  Brocken-  und  Sphärengesteine  genannt  hat.  Allein 
diese  beiden  Formen  pflegen  häufig  neben  einander,  ja  sogar  auf  einem 
und  demselben  Stücke  aufzutreten,  und  können  somit  nicht  zur  Charak- 
terisirung  der  speciellen  Ausbildung  dieser  Erscheinung  dienen. 

t.Die  Kerne  gehöre  n  den  Wandbildungen  selbst  an. 
—  Die  früheren  Anschauungen  in  Sachen  der  Gangbildung  ließen 
das  Vorkommen  der  Bruchstücke  älterer  Gangmassen,  und  ihre 
Umhüllung  von  jüngeren  Gebilden  räthselhaft  und  unerklärlich 
erscheinen.  Gegenwärtig  gibt  es  nur  wenig  Beviere,  in  welchen  nicht 
ihr  Vorkommen  außer  allen  Zweifel  gesetzt  ist.  Besonders  häufig 
finden  sie  sicli  am  nordwestlichen  Oberharze  und  sind  besonders  in 

V)    Dr.  F.  Zirkel.  Lehiliiicli  «k-r  Pftrofjrapliie.  pa^;.  60. 


ilber  concentrisfh-schali-^e  Mineralhilduiigeii.  899 

jüngster  Zeit  durch  Groddeck«)  in  ihrer  ganzen  Mannigfaltigkeit 
aufgefaßt  und  besehrieben  worden.  G.  Fallers)  und  M.  V. 
Lipoids)  signalisirten  dieses  Vorkommen  von  Schemnitz  u.  dgl. 

Ich  will  hier  ein  Beispiel  ebenfalls  aus  Siebenbürgen  vom 
Magdana-Gang  in  Ruda  anführen,  wovon  Fig.  6  einen  Schliff  mög- 
lichst naturgetreu  darstellt. 

Der  Magdana-Gang  hat  die  in  Siebenbürgen  ungewöhnliche  Mäch- 
tigkeit bis  zu  sechs  Klaftern  und  besteht  aus  mehreren  Gangtrüm- 
mern in  einem  aus  den  Auflösungsproducten  des  andesitischen  Neben- 
gesteines bestehenden  Ganggesteine. 

Einige  dieser  Trümmer  bestehen  ausschließlich  aus  feinkörnigem 
Caicit,  und  sind  häufig  mannigfach  zerbrochen,  gestört  und  die  Bruch- 
stücke in  die  milden  lettenartigen  Nebengesteine  eingedrückt.  Diese 
Störungen  zeigen  sich  besonders  in  der  Nähe  von  jüngeren  erzigen 
Trümmern,  und  häufig  erscheinen  sie  auch  von  den  jüngeren  Gang- 
mineralien derselben  umhüllt. 

Der  Schliff  Fig.  6  zeigt  einen  sehr  einfachen  Fall.  Die  Kerne 
bestehen  aus  fein  krystallinischen  Calcitmassen,  die  manchen  krystal- 
linischen  Kalksteinen  sehr  ähnlich  sind,  bei  welchen  sich  aber  durch 
Verschiedenheiten  in  Form  und  Färbung,  und  Spuren  von  Drusen, 
die  lagenförmige  Anordnung  noch  erkennen  läßt.  Rings  um  die  ziem- 
lich scharfkantigen  Bruchstücke  findet  sich  eine  Kieslage,  die  allen 
aus-  und  einspringenden  Winkeln  folgt.  Diese  Bruchstücke  stecken 
in  einer  milden  klastischen  Masse,  innerhalb  welcher  einige  Kiespar- 
tien verstreut  sind. 

Das  Ganze,  die  Bruchstücke,  die  Kieshülle  und  theilweise  auch 
die  klastische  Cementmasse  sind  von  dünnen  Schnüren  eines  feinkör- 
nigen durchsichtigen  Calcits  durchgesetzt,  und  etwas  gegeneinander 
verworfen. 

Einen  ungleich  complicirteren  Fall  bildet  das  Vorkommen  der 
concentrischen  Überrindungen  in  den  stockartigen  Lagerstätten  des 
Verespataker  Goldbergbaues,  besonders  jenes  des  wegen  seines  ein- 
stigen Reichthums  berühmten  Katrontza-Stockes. 

*)  A.   V.   Groddeck.  Über  die  Erzgänge  des  N.  W.  Oberharzes. 

2)   G.    Fall  er.     Der    Sehemnitzer     Metallbergbau.     Berg-    und    Hiittenw.    .lahrbiioh 

XIV.  Bd.,  pag.  98. 
^)   M.  V.   Lipoid.   Der   Bergbau  von  Schemnitz.  Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt 

1867,  pag.  423. 


»00  Po« 


e  p  II  y. 


Inmitten  des  dieser  Localität  eigenHifimlichen  Dacites  treten 
schlott-  und  spaltentürmige  Räume  auf,  die  mit  eigenthümliclien  poly- 
genen  Conglomeraten  und  Breccien  ausgefüllt  sind.  Gesteinsfragmente 
von  Dacit,  Karpatliensandstein  und  Glimmerschiefer  stecken  in  einer 
schwarzen,  tlionigen,  mit  Kies  imprägnirten  Masse,  die  hier  Glamm 
genannt  wird  •).  In  der  Nähe  der  ErzfülirMiig  ist  sowohl  der  Dacit, 
als  auch  die  Glammstöcke  von  vielen  Klüften  durchsetzt,  und  das 
(iestein  mit  Kieselerde  imprägnirt,  welches  sodann  in  seiner  Gesammt- 
heit  den  abhauwürdigen  Katrontza-Stock  darstellt.  Gegenwärtig  ist 
hlos  noch  der  tiefste  Theil  dieses  Erzmittels  am  ErhstoUen  der 
Beobachtung  zugänglich,  und  die  sphäroidisclien  Bildungen  charak- 
terisiren  die  edelsten  Mittel. 

Fig.  5  stellt  ein  möglichst  einfaches  Beispiel,  eine  naturgetreue 
Zeichnung  einer  SchlitTtläche  dar.  Um  einen  Kern  von  mannigfach 
metamorphosirtem  Dacit  läuft  eine  dünne  Zone  von  feinkörnigem  Gold. 
An  den  Ecken  des  SchlilTes  liegen  Segmente  von  anderen  Dacitkernen, 
ebenfalls  mit  einer  Hülle  von  gediegen  Gold,  der  Zwischenraum  wird 
aber  von  der  bereits  beschriebenen  manganhältigen  Gesleinssuite  ein- 
genommen, worin  das  rosenrothe  in  Salzsäure  nicht  auflösliche  und 
zersetzbare  Mineral  vorwaltet.  An  anderen  Stellen  aber  gesellen  sich 
zu  den  Dacitgeröllen  noch  Karpathensandstein  und  Glimmerschiefer- 
Bruchstücke,  wobei  aber  vorzüglich  blos  die  Dacitgerölle  mit  Gold 
umhüllt  sind.  ()l'ters  wird  diese  Metallage  durch  eine  Mischung  von 
Kies  und  Gold,  oft  von  reinem  Kies  substituirt. 

Häufig  werden  die  Zwischenräume  zwischen  den  Gesteins- 
stücken mit  verquarztem  Glamm,  einem  schwarzen,  feinkörnigen 
muschelig  brechenden  Hornstein  erfüllt  vorgefunden.  Wo  aber  die 
Gangmassen  entwickelt  sind,  bestehen  sie  nicht  allein  aus  der  man- 
ganhältigen Mineraliensuite,  sondern  häufig  auch  aus  ihren  Zer- 
setzungsproducten  und  aus  den  nächst  jüngeren  .Absätzen  von  Clial- 
cedon  und  krystallinischem  Quarz,  der  oft  in  den  häufigen  Drusen- 
räumou  zu  großen  Krystallen  angescliossen  ist.  An  den  reichsten 
Punkten  der  nun  abgebauten  oberen  Mittel  soll  sogar  das  gediegene 
Gold  das  Bindemittel  der  Gesteinsfragmente  gebildet  haben  a).  Leider 


')    Posepny.  Verespataker  Erzrevier.  Sitzb.  d.  k.  k.  geol.  Reiclisanstalt  1867.  Nr.  S. 
2)    F.  V.   Mauer,  der  üoldbergbau  von  Veresp.ilak.  Jahrb.  der  k.  k.  geol.  Reichsanstal» 
II.  Jahr.'.,  2.  Heft,  pa-j.  Tl. 


llber  coiicftitiisch-sctinlipe  Mirieralbildiingeii.  Uü  I 

sind  in  keiner  Sammlung  Proben  dieser  Anhriiclie  vertreten,  man 
kann  aber  an  der  Möglichkeit  nicht  zweifeln,  daß  die  Goldlage, 
die  mitunter  nocli  gegenwärtig  einen  halben  Zoll  stark  wird,  den 
ganzen  Raum  zwischen  den  Gesleiiisfragmenten  ausfüllen  könnte,  so 
daß  für  den  Absatz  der  sjtäteren  Gangmineralien  kein  Raum  mehr 
übrig  blieb. 

Ebenso  wie  diePisolitlien  die  Repräsentanten  der  Jetztbildung  der 
ersten  Abtheilung  der  sphäroidisclien  Überrindungen  waren,  eben  so 
kann  man  für  diese  zweite  Abtheilung,  nebst  den  bekannten  Absätzen 
an  den  Dornenreisern  der  Gradirwerke,  Repräsentanten  in  den  Jetzt- 
bildungen nachweisen.  Sie  finden  sich  in  einigen  verlassenen  Gruben 
und  schon  Schmidt»)  beschrieb  eine  solche  Erscheinung  aus  den 
alten  Bauen  zu  Riegelsdorf  und  Bieber,  die  dort  unter  dem 
Namen  Vogelnester  bekannt  sind. 

Auch  mir  ist  eine  solche  Erscheinung  beim  Besuche  der  längere 
Zeit  verlassenen  Grubentheile  vom  Offenbanyer  Revier  in  Sieben- 
bürgen vorgekommen,  die  einige  Modificationen  zeigt  und  eine 
Beschreibung  verdient.  In  dem  ungefähr  vor  30  Jahren  verlassenen 
sogenannten  Spiegelspathstollen  im  Berge  AtVinis  bei  Offenbänya, 
der  dem  Contacte  von  krystallinischem  Kalkstein  mit  einer  auf- 
gelösten Andesitvarietät  nachgetrieben  ist,  schwitzt  sowohl  von  der 
Kalkseile  als  auch  von  der  Contactspalte  in  dem  First  ein  stark  kalk- 
haltiges Wasser  aus  und  tropft  auf  die  Sohle,  welche  nun  gegen- 
wärtig mit  kalkigen  Absätzen  auf  mehrere  Zoll  Dicke  bedeckt  ist. 
An  einigen  Stellen,  wo  die  Tropfen  von  dem  First  häutiger  fallen, 
bilden  sie  in  der  KalktufTmasse  der  Sohle  eine  kleine  kesseiförmige 
Vertiefung,  in  der  sodann  einige  erbsen-  bis  haselnußgroße,  Aveiße 
lose  Körper  liegen.  Das  Ganze  hat  in  der  That  eine  Ähnlichkeit  mit 
einem  mit  Eiern  halbangefüllten  V^ogelneste.  Diese  Körper  sind  selten 
ganz  rund,  sondern  häufiger  kantig,  wobei  aber  die  Kanten  stark 
abgerundet  sind,  was  offenbar  in  ihrer  Lage  neben  und  überein- 
ander seine  Ursache  hat.  Wenn  man  die  Lage  dieser  Körper  etwas 
stört,  dann  aber  mit  dem  Ganzen  schüttelt,  so  fallen  die  meisten 
auf  ihren  alten  Platz  zurück,  und  ordnen  sich  nach  der  Lage  ihrer 
Kanten  an. 

Fig.  7  stellt  eine  Ansicht  dieser  Erscheinung  von  oben  dar.  Man 
bemerkt   daran  die   sich   mannigfach    verzweigenden,   rippenartigeu 

^)    Beiträg-p  7.11  der  Lehre  von  lieii  Gäng-eii  |):ig.  42. 


902 


s  e  ji  II  y. 


Wülste,  deren  Rücken  ganz  glatt  ist,  deren  Abfälle  aber  ungemein 
zart  ausgefranst  sind,  ferner  auch  einzelne  Buckel,  die  einst  solche 
lose  Körper  waren,  jetzt  aber  bereits  mit  derTuffmasse  zusammenver- 
wachsen sind.  Der  obere  Theil  dieser  angewachsenen  Gerolle  ist 
glatt,  gegen  die  Ränder  zu  wird  ihre  Oherfläche  rauh,  und  an 
den  Rändern  selbst  in  ähnliclier  Weise  ausgefranst,  wie  an  den 
Rändern  der  Wülste.  So  lange  aber  diese  Körper  lose  sind,  so  sind 
sie  ganz  glatt.  Im  Durchschnitte  zeigt  es  sich,  daß  diese  Körper 
schalige  Überrindungen  über  einem  Kerne  sind.  Die  einzelnen  Lagen 
bestehen  aus  einem  feinkörnigen  und  faserigen  KalktulTe,  und  werden 
durch  dünne  porösere  Mittel  von  einander  getrennt.  Der  Kern  ist 
meist  ein  kleines  Stückchen  von  einem  milden  aufgelösten  Andesite, 
wie  er  an  einem  Ulm  und  an  der  First  ansteht.  Eben  solche  Bröckchen 
sind  der  TufFmasse,  welche  die  Sohle  des  Stollens  bedeckt,  häufig 
eingemengt. 

Fig.  8  zeigt  einen  Durchschnitt  eines  solchen  Gerölles  in  natür- 
licher Größe  und  Stellung,  die  drei  Kanten  sind  offenbar  durch  die 
Lage  zwischen  drei  anderen  Gerollen  entstanden,  während  der  obere 
Theil  rund  ist.  Früher  so  lange  dieser  Körper  durch  den  auffallenden 
Wassertropfen  bewegt  und  durch  die  dadurch  verursachte  Bewegung 
der  Flüssigkeit,  womit  die  ganze  Höhlung  gefüllt  war,  gehoben  und 
gewendet  werden  konnte,  waren  die  Lagen  concentrisch.  Später  ent- 
standen schon  einige  Excentricitäten,  da  sich  der  Körper  nicht  mehr  frei 
bewegen  konnte,  und  endlich  blieb  nur  den  oberen  Körpern  ein 
gewisser  Spielraum  übrig,  während  die  unteren  bereits  unbeweglich 
wurden.  Hiebei  ist  nur  aulYallend,  dafJ»  die  Zwischenräume  zwischen 
den  bereits  fixen  Gerollen  nicht  ausgefüllt  sind,  und  daß  sich  auf 
ihnen  keine  ferneren  Kalktufflagen  mehr  absetzten. 

Dieselbe  Erscheinung,  etwas  modificirt,  fand  ich  im  östlichen 
Feldorte  des  Segengottesstoll  ens  von  Oflenbanya,  welches  kaum 
zehn  Jahre  außer  Betriebe  steht.  Das  Feldort  befindet  sich  ebenfalls 
am  Contacte  von  krystallinischem  Kalkstein  und  Andesit;  aber  die 
Scheidung  ist  nicht  scharf,  sondern  beide  Gesteine  greifen  mannig- 
fach in  einander  ein,  und  die  Zwischenräume  sind  mit  einer  Breccie 
ausgefüllt,  die  aus  undeutlicher  geriebener  und  aufgelöster  Andesit- 
masse  mit  einzelnen  Bruchstücken  von  verhältnißmäßig  wenig  ange- 
griffenem Andesit  besteht.  In  dem  Kalkstein  zeigen  sich  häufig 
Imprägnationen  von  Kies,  Zinkblende  und  Bleiglanz.  Die  entblößten 


Ül>er  (•oiK'ffntriscli-sflialicre  Minf>rHll>il<liiii;^en.  1)03 

Kalksteinflächen  sind  mit  einei*  leinen,  platten,  blendend  weißen  Hiille 
bedeckt,  die  vorwaltend  aus  Kalkcarbonat  besteht,  beim  Auflösen  in 
Salzsäure  aber  ansehnliche  Mengen  von  Kieselsäure-Gallerte  hin- 
terläßt. 

An  einigen  Vertiefungen  in  der  Sohle  liegen  unregelmäßige 
Gesteinssplitter,  wie  sie  durch  Sprengarbeit  erzeugt  werden,  und 
sind  von  derselben  weißen  Hülle  ringsum  bedeckt.  Beim  Ablösen  die- 
ser Krusten,  welche  übrigens  bei  Aufbewahrung  der  Stücke  selbst 
abspringen,  kömmt  eine  schwarze,  nach  dem  Austrocknen  intensiv 
braune  Lage  zum  Vorschein,  welche  unmittelbar  den  Kern  deckt.  Der 
Kern  war  in  allen  untersuchten  Stücken  ein  Kalkstein  mit  den 
erwähnten Erzimprägnationen.  Die  schwarze,  erdige,  stark  abfärbende 
Masse  löst  sich  in  Salzsäure  zu  einer  dunkelrothbraunen  Flüssigkeit, 
die  beim  Erwärmen  plötzlich  farblos  wird  und  Cblorgas  reichlich 
entwickelt.  Es  ist,  wie  auch  andere  Reactionen  bestätigen,  vorwal- 
tend Braunstein,  und  da  in  diesem  beinahe  immer  mehrere  mangan- 
haltige  Mineralien  miteinander  gemischt  vorkommen,  so  scheint  dieß 
auch  hier  der  Fall  zu  sein,  und  unter  denselben  Pyrolusit  vorzu- 
walten. Merkwürdig  ist,  daß  die  zweite  Schichte,  nähmlich  die  Car- 
bonate,  wie  ihre  blendend  weiße  Farbe  schon  zeigt,  keine  Spur  von 
Mangan  enthalten.  Es  kann  also  der  Braunstein  nicht  ein  Product  der 
Ausscheidung  dieser  Massen  sein,  sondern  muß  früher  selbstständig 
niedergeschlagen  worden  sein.  Fig.  9  zeigt  ein  Segment  eines  solchen 
Gesteinkeiles  in  natürlicher  Größe. 

Die  beiden  angeführten  Erscheinungen  zeigen,  daß  sich  sphä- 
roidisch  schalige  Uberrindungen  auch  in  einer  von  der  Bildung  der 
Pisolithen  abweichenden  Art  bilden  können,  und  das  letzte  angeführte 
Beispiel  ist  zugleich  ein  Beleg  für  die  Möglichkeit  der  Jetztbildung 
des  Braunsteins. 

Ein  interessantes  Beispiel,  wo  die  späteren  Einflüsse  eine  Lage 
aus  den  concentrisch  schaligen  Sphäroiden  ganz  entfernt  haben,  führt 
Schmidt  9  von  der  Eisensteingrube  Huth  bei  Hamm  an  der  Sieg 
an.  Man  baut  hier  an  einem  Gange,  der  in  größeren  Teufen  aus  Spath- 
eisenstein  und  Quarz  besteht,  Avobei  der  Erstere  in  den  oberen 
Teufen  in  verschiedene  seeundäre  Eisen-  und  Manganerze  umgewan- 
delt ist.  Die  concentrisch  schaligen  Kugelbildungen  bestehen  in  den 


')  h.  c.  pag.  6t. 
Sitzb.  d.  raathem.-naturw.  Cl.  LVU.  Bd.  I.  Abtli.  58 


904  P  ..  s  f  p  II  y. 

unteren  Teufen  aus  abwechselnden  Schalen  von  Spatheisenstein  und 
Qn;uz,  in  den  oberen  Tenfen  findet  sich  statt  ersterem  Brauneisen- 
stein oder  ein  ganz  leerer  Raum.  Die  innern  Wände  der  Quarzhohl- 
kugeln zeigen  durchaus  Eindrücke  von  den  rhomboedrischen  Kry- 
stallen,  welche  die  Oberfläche  der  vormals  hier  befindlich  gewesenen 
sphärischen  Schalen  von  Spatheisenstein  bedruseten,  und  die  Ober- 
fläche der  Quarzkiigeln  ist  ebenfalls  wieder  mit  unvollkommen  aus- 
gebildeten,  dicht  an  einander  stehenden  Quarzkrystallen  ringsum 
besetzt.  Gewöhidich  ist  nicht  eine  Spur  von  Eisenstein,  oder  von 
irgend  einem  andern  Fossil  in  ihnen  zunickgebiieben  und  man  findet 
mehrere  Kubikklafter  betragende  Stellen,  voll  von  ^/j  bis  4  Zoll 
großen  sphärischen  Räumen ,  deren  innere  Wände  jene  Krystallein- 
drücke  zeigen  und  von  denen  jeder  wieder  eine  Hohlkugel  von 
Quarz,  ganz  lose  und  herausnehmbar,  in  sich  enthält,  die  deren 
nicht  selten  wiederholt  auf  gleiche  Weise  umschließt.  Wegen  der 
(»l't  mehrere  Linien  breiten  Räume  zwischen  den  sich  umgebenden 
Qiiarzsphäroiden  geben  dergleichen  Stücke  ein  rappelndes  Geräusch, 
Avenn  man  sie  schüttelt.  Da  jene  Quarzmassen  ohne  alle  Risse  und 
Offnungen  sind,  so  scheint  es  räthselhaft,  aufweiche  Weise  der 
Spatheisenstein  bis  anf  die  geringste  Spur  entweichen  konnte.  Er 
mußte  offenbar  in  wässeriger  Lösung  durch  die  ihn  umgebenden 
Quarzmassen  hinweggeführt  M'orden  sein. 

Um  nun  wieder  auf  die  Bildungsweise  zurückzukommen, beginne 
ich  mit  dem  beschriebenen  Vorkommen  von  Verespatak.  Hier  sind 
die  einzelnen  Lagen  nicht  gleichartig,  sondern  bestehen  aus  Silicaten 
und  Carlionaten,  die  mit  einander  in  einem  gewissen  genetischen 
Zusammenhange  zu  stehen  scheinen.  Die  inneren  Partien  mit  den 
ringsum  angesetzten  Lagen  mußten  hier  anfangs  noch  frei  schweben, 
waren  aber  schon  fixirt,  als  sich  die  jüngsten  Carbonatlagen  und  der 
Quarz  absetzte.  Allein  die  ersteren  treten  auch  später,  d.  h.  in  den 
jüngeren  Bildungen  vereinzelt  auf,  und  es  ist  der  Schluß  ganz  folge- 
richtig, daß  sie  auf  anderen  Stellen  entstanden  und  gewachsen  sind, 
und  daß  sie  bei  zunehmender  Masse  analog  den  Erbsensteinen 
sinken  mußten,  und  hier  also  in  einem  verhältnißmäßig  tieferen 
Niveau  fixirt  wurden.  Wie  die  in  Fig.  1  und  2  vorgestellten  Vor- 
kommen zeigen,  ist  es  hiichst  wahrscheinlich,  daß  zur  Zeit  der  Bil- 
dung dieser  ältesten  Lagen  der  manganhaltigen  Mineralien  noch  ein- 
zelne Frzpartikelchen   in  demselben  Medium  schwebten,  die  sodann 


rixT  concentrisch-scli.iliffe  Miiieralbildiingen  00, 'i 

von  diesen  liildun^^en  eonoentriseh  iinigt'l)en  wurden  und  unter  die 
ührigen  spliäroidisclien  und  nierenl'örnn'gen  Absätze  gelangten.  Ja,  es 
ist  auch  wahrscheinlich,  daß  Blättchen  und  Körner  von  gediegenem 
Golde  auf  eine  ähnliche  Weise  hinein  gelangten,  sich  in  die  gallert- 
artige noch  weiche  Masse  einsenkten  und  von  späteren  Bildungen 
ganz  umschlossen  wurden,  denn  man  findet  sie  mitten  unter  diesen 
Bildungen,  deren  äußerst  fein  lagenförmige  Textur  keine  Störun- 
gen durch  Zerklüftung  und  Zerspaltung  zeigt.  Wollte  man  sie  aber 
durch  eine  Verdrängung  ähnlich  dem  Vorkommen  von  Hamm  erklä- 
ren, so  müßten  sie  sodann  die  Form  einer  ganzen  verdrängten  Lage 
haben. 

Faßt  man  alle  die  Verespataker  Erzlagerstätten,  die  durch  die 
manganhältige  Mineraliensuite  bezeichnet  sind,  zusammen,  so  findet 
man,  daß  die  Schwefelverbindungen  und  das  gediegene  Gold  in  ver- 
schiedenen Lagerstätten  und  verschiedenen  Tiefen  derselben  nicht 
einen  und  denselben  Platz  in  der  Reihe  der  successiven  Bildungen  ein- 
nahmen. In  größeren  Teufen  und  besonders  im  Katrontzastocke  bilden 
sie  die  ältesten  Bildungen  überhaupt,  also  bei  den  concentrisch  scha- 
ligen Bildungen  eine  unmittelbare  Umhüllung  des  Kernes.  An  dem  soge- 
nannten Manganstocke  ist  diese  Lage  frei  von  Gold,  dieses  findet  sich 
innerhalb  der  Manganzone  eingesprengt,  an  den  Stöcken  derLunzester 
Grube  findet  es  sich  in  Blättern  innerhalb  der  Quarzzone ,  und  das 
gewöhnlichste  Vorkommen  ist  das  in  Drusenräumen  über  dem  jüngsten 
zu  Krystallen  angeschlossenen  Quarze.  Dieses  letztere  Vorkommen  ist 
es,  welches  wegen  seiner  Schönheit  am  meisten  auffällt,  und  beinahe 
ausschließlich  in  den  Mineraliensammlungen  repräsentirt  ist.  Dieser 
Umstand,  daß  man  in  den  Sammlungen  das  Gold  als  jüngste  Bil- 
dung repräsentirt  fand,  so  wie  sein  gemeinschaftliches  Vorkommen  mit 
Schwefelverbindungen  etc.  veranlaßte  die  Annahme,  daß  das  gedie- 
gene Gold  nicht  eine  ursprüngliche  Bildung  ist,  sondern  aus  der  Zer- 
setzung der  Schwefelverbindungen  stammt.  Ich  will  an  diesem  Orte 
nicht  in  diese  Frage  näher  eingehen,  bemerke  aber,  daß  in  allen  den 
angeführten  Fällen  keine  Spur  von  Zersetzung  an  den  Schwefel- 
verbindungen wahrzunehmen  ist,  zwischen  welchen  und  innerhalb 
welcher  sich  gediegen  Gold  findet.  Es  ist  somit  die  Ursprünglichkeit 
der  tiefsten  Lagen  des  Katrontzastockes  nicht  zu  bezweifeln,  in  so 
weit  man  überhaupt  die  Ursprünglichkeit  in  dem  Kreislaufe  der  ein- 
zelnen StofTe  verfolgen  kann. 

S8* 


90(>  Posepnf 

Da  diese  Melalllage  bei  dem  in  Fig.  5  repräsenlirten  Vorkommen 
die  älteste,  an  andern  Stellen  dieses  Vorkommens  aber  blos  durch 
eine  dünne  Quarzlage  von  dem  Gesteinskerne  getrennt  ist,  überall 
aber,  wo  die  Zersetzung  nicht  weit  vorgeschritten  ist,  von  unge- 
störten concentriscben  Lagen  der  Manganzone  umgeben  wird,  so 
kann  man  wohl  schließen,  daß  der  Gesteinskern  frei  in  dem  Hohl- 
räume lag,  in  welchem  die  Flüssigkeiten  circulirten,  aus  welchen 
sich  diese  Absätze  bilden  konnten.  Nun  ist  es  wohl  nicht  leicht 
denkar,  daß  diese  mitunter  mehrere  Pfund  schweren  Kerne  durch  die 
Triebkraft  dieser  circulirenden  Flüssigkeit  schwebend  erhalten 
worden  wären,  noch  weniger  kann  man  aber  von  der  Bewegung  durch 
Auftropfen  dieser  Flüssigkeit  reden.  Bei  der  Durchmusterung  meh- 
rerer Bepräsentanten  dieses  Vorkommens  findet  man  auch  aneinander 
liegende  Kerne  und  es  hängt  die  Auffindung  dieser  Berührungspunkte 
von  der  Lage  des  geführten  Durchschnittes  ab.  Diese  Kerne  bestehen, 
wie  bereits  erwähnt,  meist  aus  Dacit,  zuweilen  aber  auch  aus  Glim- 
merschiefer und  Karpathensandstein,  denselben  Gesteinen,  welche  die 
Gerolle  der  Glammmassen  enthalten.  Es  unterliegt  also  in  diesem 
speciellen  Falle  keinem  Zweifel,  daß  in  der  Nähe  der  Erzführung  das 
schwarze  thonige  Bindemittel  dieser  Conglomerate  ausgespült  werden 
mußte,  um  die  Gerolle  desselben  frei  zu  legen.  Mitunter  finden  sich 
Reste  dieser  Massen  noch  in  den  ZAvischenräumen,  wie  dieß  auch  in 
Fig.  5  zum  Vorsclieine  kommt,  wo  eine  Partie  dieses  Thones,  durch 
nachfolgende  Verquarzung  zu  einem  schwarzen  Hornstein  umgewan- 
delt, noch  übrig  geblieben  ist.  Es  entstand  durch  die  Fortführung 
des  Bindemittels  eine  Ansammlung  von  locker  aufeinander  liegenden 
Gerollen,  in  deren  Zwischenräumen  sich  die  Flüssigkeiten  bewegten 
und  deren  frei  liegende  Flächen  mit  den  Niederschlägen  aus  diesen 
Flüssigkeiten  bedeckt  wurden.  Ist  nun  bei  einigen  dieser  Kerne  eine 
Tmlegung  erfolgt,  so  könnte  sie  durch  die,  bei  den  Absätzen  erfolgte 
Störung  des  Gleichgewicbtes,  und  sodann  auch  mittelbar  durch  die 
Strömung  der  Flüssigkeit  erklärt  werden. 

Mit  der  Erklärung  der  ringsherum  geschlossenen  Minerallagen 
der  concentrisch  schaligen  Bildungen  hatte  sich  auch  Schmidt  sehr 
angelegentlich  beschäftigt,  ja  diese  Erscheinung  hatte  ihm  einen 
der  wichtigsten  Belege  für  seine  damalige,  gegenwärtig  durch  unzäh- 
lige Beobaebtungen  in  den  verschiedensten  Bergbauen  als  richtig 
anerkannte  Ansiebt  geliefert,  daß  die  liildung  der  Gangspalten  nur 


über  ooiicenlrisch-schiiiige  Miiieiiilliil(luii;,'eii.  007 

sehr  allmiilig  und  große  Zeiträume  eiiiiiehmend  gesehali,  und  dal!»  die 
Ausfüllung  dieser  Spalten  mit  diesem  successiven  ÖOnen  und  Erwei- 
tern der  Spalte  vom  Anfang  an  gleichzeitig  fortgeschritten  ist. 

„Hereingehrochene  Stücke",  sagt  er,  „mußten  daher  sehr 
bald  und  ohne  mit  einem  Male  tief  nieder  zu  sinken,  an  denjenigen 
Stellen  zwischen  den  Salbändern  an  der  Spalte  sich  sperren  ,  wo 
sich  solche  so  verengte,  daß  Erstere,  wegen  ihrer  Größe,  nicht 
mehr  durchzukommen  vermochten.  So  konnten  nun,  da  dergleichen 
Verengungen  der  Spaltenöfliiung  bei  ein  und  demselben  Gange 
niederwärts  in  großer  Menge  sich  finden  mußten  und  da  auch  die 
Bruchstücke  von  sehr  verschiedener  Grüße  waren,  in  sehr  verschie- 
denen Teufen  zugleich,  viele  solcher  Stücke  Ruhestätten  finden,  auf 
denen  sie  ringsum,  mit  nach  außen  krystallisirteii  Gangmassen  über- 
zogen wurden.  Bei  der  allmäligen  weiteren  ÖlTnung  sanken  sie,  sich 
oft  sperrend,  immer  etwas  mehr  abwärts,  und  änderten  dabei 
stets  ihre  Berührungspunkte  mit  den  Salbändern,  die 
bereits  zu  beiden  Seiten  mit  denselben  Gangmassen,  mehr  oder 
weniger  stark  bekleidet  waren.  Dadurch  mußten  sie  endlich  nicht 
allein  ringsum  von  eben  den  Schalen  umzogen  werden,  welche  die 
Seitenwände  der  Spalte  selbst  bedecken,  sondern  es  mußten  auch  bei 
solcher  Art  der  Gangentstehung,  die  hereingebrochenen  Stücke  in 
allen  Teufen  und  in  jeder  Breite  der  Gänge  mitten  in  den  Gang- 
massen festgehalten  werden."  Es  unterliegt  wohl  keinem  Zweifel,  daß 
auf  diese  Art  viele  sphäroidische  Bildungen  in  Gängen  entstanden 
sind;  bei  dem  Vorkommen  von  Verespatak  ergibt  sich  wie  oben  aus- 
einandergesetzt auch  noch  eine  andere  Erklärung.  Wie  aus  dem 
Gesagten*),  sowie  auch  von  andern  Beobachtern 2)  Veröffentlichten 
hervorgeht,  bilden  die  Verespataker  und  die  ihnen  ähnlichen  Olfen- 
burger  und  Nagyager  Glammmassen  nebst  den  Stöcken  auch  äußerst 
unregelmäßige,  Zickzack  gehende  Spaltenausfüllungen,  und  in  einigen 
Durchschnitten  scheinbar  ganz  isolirte  Ausfüllungen  von  Adern  und 
Putzen  in  den  Eruptivgesteinen.  Ohne  mich  hier  in  eine  Lösung  dieser 
Räthsel  einzulassen,  muß  ich  bemerken,  daß  hier  eine  Bewegung  des 
Gesteins  zur  Zeit  derAblagerung  der  Gangmineralien  (insoferne  sich 


•)   Posepny.   Verespittaker  Erzrevier,  Sitzungsberichte  d.  k.  k.    geolofj.   Relehsniisf 
1867,  Nr.  5. 

'^)   B.  V.    Cotta.    Die  ErzhigerstüUeii  L'iigiuas  uinl  Sielienhürgens  1862.  pag.  73. 


Ö08 


e  l>  n  ). 


»1er  Ausdruck  Giirig-  auf  diese  höchst  uiiregclniälJii^eii  Hiiume  aiis- 
dehuen  lälU)  nicht  ein  solches  Resultat  haben  konnte,  wie  bei  den 
regelmäßigen,  weit  fori  streichenden  und  mächtigen  Spalten. 

Sehen  wir  nun,  wie  sich  das  Vurkonmien  von  Ruda  auf  Grund 
seiner  Eigeuthiinilichkeiten  erklären  läßt.  Wie  aus  der  vorausgelas- 
senen  Beschreibung  hervorgeht,  hat  man  es  unzweifelhaft  mit  Bruch- 
stücken von  Gangmassen  zu  thun,  deren  ursprünglicher  Biidungsort 
nicht  weit  entfernt  sein  kann.  Die  mit  einer  Kieshülle  umgebenen 
Bruchstücke  werden  von  einer  aufgelösten  Andesitniasse  zusammen- 
conglomerirt,  die  in  ihrer  Masse  selbst  eingesprengte  Kiese  zeigt.  Das 
Vorkommen  von  Kiesiniprägnationen  ist  zwar  überhaupt  ein  charak- 
teristisches iMerkma]  von  aufgelösten  Gesteinen,  und  meist  auch  der 
Nähe  der  Erzfülirung;  in  dem  gegenwärtigen  Falle  verdient  aber 
diese  Imprägnation  eine  gewisse  Berücksichtigung. 

Die  Erfahrung  lehrt,  daß  diese  in  dem  Nebengestein  einge- 
sprengten Kiese  keine  oder  bloß  unbedeutende  Mengen  von  nutzbaren 
Metallen  halten,  während  die  Kiese  der  Gangbildungen  selbst  verhält- 
nißmäßig  bedeutende  Mengen  derselben  enthaiten;  ferner  daß  in  dem 
Nebengestein  meist  keine  anderen  Metallverbindungen  als  Kiese  vor- 
kommen. Das  deutet  wohl  darauf  hin,  daß  der  Absatz  der  Schwefel- 
verbindungen in  der  Spalte  selbst  mit  dem  Absatz  des  Schwefeleisens 
im  Nebengesteine  nicht  in  unmittelbarer  genetischer  Verbindung 
steht.  Dieser  Umstand  verdient  nicht  genug  der  Aufmerksamkeit 
empfohlen  zu  werden.  Bei  Erzlagern,  deren  Entstehung  durch  Meta- 
morphose einer  Gesteinsschicht  nachgewiesen  werden  kann,  gilt  von 
den  Kiesiniprägnationen  des  weiteren  Hangenden  und  Liegenden  das- 
selbe. Im  gegenwärtigen  Falle  haben  wir  es  mit  einem  solchen  soge- 
nannten tauben  Kies  zu  thun,  und  es  kann  die  Frage  entstehen,  ob 
die  Kiesriuden  statt  durch  Niederschläge  auf  freie  Gesteinsflächeu 
gebildet  zu  sein,  nicht  durch  den  Absatz  aus  Flüssigkeiten  entstanden 
sind,  die  in  der  dieselben  conglomerirenden  Gesteiusmasse  gleich- 
zeitig die  Kiesimprägnation  veranlaßt  haben? 

Der  in  Fig.  6  möglichst  naturgetreu  dargestellte  Durchschnitt 
erweckt  die  Ansicht,  daß  die  Bruchstücke  bereits  mit  dieser  Rinde  umhüllt 
in  diese  gegenwärtige  Anordmiiig  gelangten,  und  daß  somit  die  erstere 
Annahme  mehr  Wahrscheinüclikeit  für  sich  !iat.  Der  in  der  Hindc- 
masse  dieser  Uberriiulungen  eingesprengte  Kies  kann  enlweiler  aus 
ziisaiiuiiengebrocheneii   KiesriiHlen,  oder  durch  spätere  selbstständige 


Oder  cünL'eiitrisfli-SL'hali;L;e  .Miiii-ialliililuiiyeii.  DO«' 

-Biiduiig  entstanden  sein.  Wollte  man  annehmen,  daß  die  Kiesrinden 
eben  so  wie  die  gewöhnlichen  Kiesimprägnationen  des  Nebengesteins 
der  Erzlagerstätten,  also  durch  AusrüIIung  von  Hohlräumen  entstanden 
sind,  welche  durch  Autlösung  und  Abspülung  von  liiezu  geeigneten 
Gesteinseiementen  des  Gesteins  erzeugt  wurden;  so  müIUe  man  zuerst 
eine  primäre  Umhüllung  der  Gangbrueiistücke  mit  solchen  iMineraüen, 
und  sodann  auch  das  Vorhandensein  von  Hohlräumen  rings  um  diese 
Gangbruchstücke  annehmen.  In  dem  gegenwärtigen  Falle,  wo  die  Bruch- 
stücke Kalk  sind,  käme  dieser  Erklärung  der  Umstand  gut  zu  statten, 
daß  man  annimmt,  die  Flüssigkeiten  wären  sauer,  oder  in  Bezug  auf  den 
Kalk  ätzend  gewesen,  und  hätten  somit  durch  Auflösung  der  Kaiktheil- 
chen  in  der  Cementmasse,  so  wie  auch  an  der  Oberfläche  der  Kalkbruch- 
stücke  den  Raum  für  den  Ansatz  des  Kieses  geschafTen.  Dieser  Ansicht 
nach  hätten  wir  also  eine  Umrindung  durch  Metamorphose  vor  sich. 


Überblickt  man  nun  das  Ganze  über  die  Erscheinung  der  con- 
centrisch  schaligen  Rindenhildungen  Gesagte,  so  ergibt  sich,  daß 
hiemit  die  Mannigfaltigkeit  der  Formen  bei  Weitem  nicht  erschöpft 
ist,  und  daß  zu  ilirer  Erklärung  nicht  ein  und  derselbe  Vorgang  ange- 
nommen werden  kann.  Doch  so  viel  ist  wohl  allen  diesen  Erschei- 
nungen gemeinschaftlich,  daß  sie  jenen  speciellen  Fall  eines  chemi- 
schen Absatzes  bezeichnen,  der,  statt  wie  in  der  Regel  an  den  Wan- 
dungen des  mit  den  respectiven  Lösungen  erfüllten  Raumes  erfolgt  zu 
sein,  auf  starre  Körper,  die  durch  irgend  eine  Veranlassung  in  die 
Lösung  hineingelangt  sind,  sich  ringsherum  angesetzt  hatte. 

Der  innige  Zusammenhang  aller  der  Absatzformen  hat  sich  nun 
bei  der  Vorführung  einiger  speciellen  Fälle  gezeigt,  so  z.  B.  ist  die 
Anordnung  der  Absätze  bei  den  Mandeln  ')  und  bei  denUberrindungen 
im  Princip  diametral  entgegengesetzt,  doch  von  einander  gegenseitig 
bedingt.  Beide  diese  Anoi-dnungen  kommen  in  den  Verespataker 
Stöcken  neben  einander  vor,  denn  dieselben  Gebilde  sind  in  Beziehung 
auf  den  durch  mehrere  Gerolle  nahezu  abgeschlossenen  Raum  eine 
Mandel-  oder  Geodenbildung,  in  Beziehung  aber  auf  eines  dieser 
Gerolle  eine  Überrindung. 

Diese  concentrisch  schaligen  Gebilde  haben  aber  für  die  Auf- 
fassung der  Erzlagerstätten  eine  besondere  Bedeutung.    Die  an  deni 


1)  G.  Tschermak.    Beitrag  zur  Rildimirs-rpsubichte  der  Maiidelstüiiie.  Sitzun^'sb.  der 
Wieuer   Akad.  XLVIl  pag.  1U2. 


910 


e  p  II  y. 


verhnitiiilSmäßig  kleinen  Gebilde  beobachleten  Erscheinurrgen  gelten 
aucb  für  die  im  Großen  vorwaltende  Entwicklung  der  Absätze,  die 
einen  solchen  Überblick  nicht  erlauben. 

Sie  bilden  einen  wichtigen   Beleg  zu  der  Erklärung  der  Erzab- 
lagerung durch  chemische  Thätigkeit  überhaupt. 

Sie  erklären  aber  auch  die  specielle  Art  und  Weise  dieses  che- 
mischen Absatzes.  So  widerlegen  sie  gründlich  die  Ansicht,  daß  die 
Absätze  der  Gangmineralien  durch  ein  Herabsickern  ihrer  respeetiven 
Lösungen  an  den  Spaltenwänden  entstanden  sein  sollen.  Man  hat  sich 
hiebei  die  Spalte  frei  von  Wasser  gedacht,  trotzdem,  daß  die  Resul- 
tate des  Studiums  der  Wassercirculation  und  die  bergmännischen 
Erfahrungen  dieser  Annahme  widersprechen.  Die  Existenz  was- 
serfreier Räume  im  Gestein  kann  nur  in  solchen  Fällen  stattfinden, 
wo  die  Gesteinsregion  über  der  Thalsohle  erhaben  ist,  und  wo  über- 
haupt die  sogenannten  Grundwässer  einen  rascheren  natürlichen 
oder  künstlichen  Abfluß  haben,  als  die  Zuströmung  beträgt.  Solche 
Fälle  werden  offenbar  nur  selten  vorkommen,  und  Absätze  in 
solchen  Höhlungen  werden  ganz  eigenthümliche  Charaktere  haben, 
so  z,  B.  durch  Slalaktitenbildungen  etc.  bezeichnet  sein. 

Endlich  verspricht  ein  eingehendes  Studium  dieser  Bildungen  im 
Kleinen  ein  werthvolles  Material  zur  Beantwortung  subtilerer  Fragen 
über  Erzbildung  abzugeben.  Der  Wechsel  von  leichtlöslichen  und  von 
schwer  unti  für  unseren  gegenwärtigen  Stand  der  Kenntnisse  ganz 
rinlöslichen  Lagen  widerlegen  die  Annahme,  daß  diese  verschiedenen 
Lagen  Niederschläge  aus  entsprechend  concentrirten  Lösungen  sein 
könnten.  Die  einzelnen  in  den  großschaligen  Absätzen  vorkommenden 
kleinen  Sphäroide  mit  verschiedenen  Kernen  und  Umhüllungen  deuten 
daraufhin,  daß  die  Processe  an  verschiedenen  Punkten  derselben  Cir- 
eulation  der  Lösungen  auch  verschieden  waren.  Da  man  nur  verdünnte 
Lösungen  in  den  Spalten  annehmen  kann,  so  folgt  daraus,  daß  die 
schwerlöslichen  Verbindungen  erst  durch  das  Hinzukommen  eines  zwei- 
ten Agens  einer  zweiten  Flüssigkeit  niedergeschlagen  werden  konnten. 
Kurz,  das  Studium  dieser  Bildungen  kann  wesentlich  dazu  beitragen, 
die  Resultate  des  chemischen  Aufeinanderwirkens  electro-positiver  und 
electro-negativer  Bcstandtheile  der  auf-  und  absteigenden  Lösungen 
und  überhaupt  den  ganzen  Erzbildungsproceß  aufzuklären. 

Aus  dem  (ianzen  ergibt  sich,  daß  die  concentrisch  schaligen 
Rimlenliildiingcn  eine  größere  Verbreitung  haben  müssen,  und  daß  sie. 


Pos.'i.nv.  n.er  coruHiiLr;    srhalii^V  MiiiprallMl.lm.üf n. 


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Sil/.vui^'.slj  (l.k.Akiid.d.W.  iimlli.iialurK.CI.LVll.Bfl.I.AI)tli.l8f)S. 


l'osepiiv,  l'ber  ccmceiiLr;    .scfiuJiijV  Miiifi-aUuldunüPa. 


Tal'.  II 


JiTit.Polzer  Htii  Aus  d  k kZof-xi. Staatsdru-ckerei. 

Sil/.iiifi^'.sl)  (l.k  Ak;ui.d.\\'.iiii)lli.iiiili(rw.(I.LA7I.ßd.l.AI>tli,l8()S. 


Über  fonceiitrisch-schalige  MineiiilliiUluiigeu,  911 

wenn  auch  nur  sporadisch,  in  den  meisten  Erzbildungen  angetroffen 
werden  können,  sobald  man  darnach  sucht.  Am  häufigsten  dürften 
sie  wohl  in  stockartigen  und  CoiitactlagersläUen  und  auf  mächtigen 
Gängen  zu  finden  sein,  werden  aber  auch  auf  schmalen  Gängen  und 
auf  Lagern  nicht  fehlen.  Von  den  letzteren  wenigstens  nicht  in 
solchen,  denen  ein  Ursprung  durch  Metamorphose  zugemuthet  werden 
kann.  Nebstdem  finden  sie  sich  noch  außerhalb  eigentlicher  Erzlager- 
stätten bei  vielen  Mineralbildungen,  wenn  die  Bedingungen  ihrer  Bil- 
dung vorhanden  waren. 


Erklärung  der  Tafeln. 


Fig.  1.  Die  Zone  der  manganhältigen  Mineraliensuite  aus  dem  Rdkosi 
Manganstock  in  Verespatak. 

Fig.  2.  Eine  Drusenpartie  aus  demselben. 

Fig.  3.  Eine  Partie  aus  derselben  LagerstiiHe  mit  dem  Vorkommen  von 
gediegen  Gold. 

Fig.  4.  Die  sogenannte  Siiberkluft  am  Erbstoilenshorizonte  in  ihrer 
ganzen  Mächtigkeit. 

Fig.  5.  Repräsentation  des  Vorkommens  am  Katronizastock  in  Verespatak. 

Fig.  6.  Rindenbildung  vom  Magdanagang  zu  Ruda. 

Fig.  7.  Die  sogenannten  Vogelnester  vom  Spiegelspathstollen  zu  Offen- 
bdnya. 

Fig.  8.  Der  Durchschnitt  eines  Einzelnen  der  concentrisch  schaligen 
Sphäroide. 

Fig.  9.  Rindenbildung  vom  östlichen  Feldorte  des  Segengottesstollens  zu 
Oflenbänya. 

Sämmtliche  Figuren  sind  möglichst  naturgetreue  Bilder  im  natürlichen 
Maßstab  und  mit  Ausnahme  von  Fig.  7  Darstellungen  von  Schuften.  In  Fig.  1 
bis  5  sind  für  die  manganhältige  Mineraliensuite  die  natürlichen  Farben  beibe- 
halten, der  Quarz  durch  blaue,  die  Schwefelverbindungen  durch  schwarze 
Farbe,  das  gediegene  Gold  durch  Gelb,  von  dem  Nebengestein  der  Hornstein 
in  Fig.  1,4  und  5  durch  dunkelbraune,  der  Sandstein  in  Fig  4  durch  braune,  der 
verquarzte  Dacit  in  Fig.  ü  durch  blaue  Farbe  bezciclmei 


912  li  'I  !•  II "  f  f. 


Beiträge  zur  Kenntniß  der  Structur  des  Knorpels. 
Von  Dr.  N.   Bubnoff. 

(Aus  (lein  Institute  für  experimentelle  Pathologie  der  Wiener  Universität.) 
(Mit    \    Tafel.) 

Man  nimmt  gewölnilich  an,  daß  die  hyalinen  Knorpeln  keine 
Blutgeläße  enthalten.  Nur  Leydig  i)  gibt  an,  daß  die  Knorpel 
einiger  Fische  Gefäße  führen.  Im  Übrigen  aber  ist  bekanntlich  die 
Gefäßlosigkeit  der  Knorpel  Ausgangspunkt  der  Schwann'schen 
Untersuchungen  gewesen  und  stützten  sich  darauf  die  Anschauungen 
über  Entzündung  gefäßloser  Gewebe.  Meine  Untersuchungen,  die  ich 
zu  dem  Zwecke  anstellte,  um  Aufschluß  über  die  Ernährungsweise  des 
Knorpelgewebes  zu  erhalten,  führten  mich  dagegen  zu  dem  Schlüsse, 
daß  diese  Ansicht  keine  richtige  ist.  Ich  untersuchte  Rippen  und  Ge- 
lenksknorpel YonMenschen  und  verschiedenen  Thieren  in  allenLebens- 
perioden,  theils  nach  der  Injection  der  Gefäße  mit  Berlinerblau,  theils 
frisch  oder  nach  der  Färbung  mit  Carmin,  und  überzeugte  mich 
hierbei,  daß  in  allen  Knorpeln  nicht  nur  der  Kinder  und  junger 
Thiere,  sondern  auch  vollkommen  erwachsener  Individuen  stets 
Blutgetliße  vorhanden  sind.  An  injicirten  Präparaten  kann  man  die- 
selben schon  mit  bloßem  Auge  sehen. 

Die  Gefäße  vertheilen  sich  im  Knorpel  in  verschiedenen  Richtungen. 
Die  Arterien,  welche  fast  stets  von  Venen  begleitet  sind,  verästeln 
sich  in  unregelmäßiger  Weise;  es  gelang  mir  jedoch  nicht,  ihre  En- 
digungsweise  zu  verfolgen.  Die  Gelaßwandungen  derjenigen  Thiere, 
die  (las  mittlere  Lebensalter  überschrillen  haben,  zeigen  die  Eigen- 
thümlichkeit,  daß  dieAdventitiagrößtentheils  verknorpelt  ist,  während 
die  Muscularis  und  Intima  unverändert  bleiben,  zuweilen  beobachtet 
man  selbst  innerhalb  der  Muscularis  einige  Knorpelzellen.  —  In 
seltenen  Fällen  beobachtet  man  auch  bei  jungen  Thieren  eine  solche 


')    H:in(ll)ucli  .1.t  llisl.   18")«. 


Beiträge  zur  Kt'liiitiiiß  der  Structur  des  Kooipels.  «7  1  u 

Veränderung  der  Gefiißwandungen.  —  Die  Geläße  liegen  stets  in 
besonderen  Canälen  des  Knorpels,  welche  von  einer  Bindegewebs- 
schieht  ausgekleidet  sind.  In  den  Gelenksknorpeln  z.  B.  des  Schulter-, 
des  Hüft-  und  des  Kniegelenkes,  dringen  die  Blutgefäße  von  den 
Ligamentis  teribus  et  cniciatiöus  aus,  in  den  Knorpel  ein.  An  der 
Eintrittsstelle  gehen  von  dem  Hauptstanim  kleinere  Aste  radienförmig 
nach  verschiedenen  Seiten  aus,  ab. 

Nachdem  ich  mich  durch  meine  Untersuchungen  überzeugt 
hatte,  daß  die  Knorpel  Gefäße  enthalten,  wurde  mir  die  Art  und 
Weise  der  Ernährung  derselben  leichter  verständlich. 

Die  Knorpelzellen  brauchen  daher  die  Ernährungsflüssigkeit 
nicht  nothwendig  von  den  Blutgefäßen  des  Perichondriums  aus  zu 
beziehen,  sondern  erhalten  dieselben  direct  von  den  in  dem  Knorpel 
selbst  sich  verzweigenden  Gelassen.  Von  den  Knorpeln,  welche  die 
Gelenksenden  der  Knochen  überkleiden,  nahm  man  an,  daß  sie  nur 
von  den  Blutgefäßen  der  zunächst  angrenzenden  Knochenpartie 
ernährt  wurden,  da  man  das  Vorhandensein  eines  Perichondriums 
läugnete.  Meine  Untersuchungen  zeigten  mir  dagegen,  daß  auch 
diese  Knorpeln  ein  Perichondrium  besitzen,  und  daher  zum  Theil  von 
demselben  ihr  Ernährungsmaterial  beziehen  und  daß  außerdem  von 
Seiten  des  Knochens  Gefäße  nicht  nur  an  den  Knorpel  herantreten, 
sondern  auch  mehr  oder  weniger  weit  in  denselben  eindringen. 

Unaufgeklärt  bleibt  es  nur,  wie  die  Ernährung  derjenigen  Zellen 
zu  Stande  kommt,  die  weiter  entfernt  von  den  Blutgeläßen  liegen, 
oder  in  deren  Nähe  man  wenigstens  keine  Blutgefäße  nachweisen 
kann ,  während  die  Theilung  der  Zellen  doch  auf  einen  regen 
Ernährungsvorgang  hindeutet.  Schon  mehrmals  ist  die  Vermuthung 
ausgesprochen  worden,  und  in  neuester  Zeit  von  Reitz  '),  daß  im 
Knorpel  besondere  Safteanälchen  vorhanden  sein  könnten,  vermittelst 
welcher  die  Parenchymflüssigkeit  zu  den  Zellen  hingeleitet  wird. 
Bisher  jedoch  hatte  die  histologische  Untersuchung  diese  Vermuthung 
nicht  bestätigt. 

Um  mich  zu  überzeugen,  ob  nicht  vielleicht  dennoch  Safteanäl- 
chen im  Knorpel  vorhanden  sind  und  man  dieselben  durch  eine 
besondere  Untersuchungsmetliode  sichtbar  machen  könne,  behandelte 
ich  frische  Knorpeln  mit  Goldchlorid  und  Osmiumsäure. 


1)   Sitzungsberichte,   Jäiiiier-Hcft,    löGb. 


914  B  u  1)  II  o  f  f. 

Das  erstere  jedoch  ergab  mir  keine  besonderen  Resultate,  feine 
Schnitte  oder  größere  Stücke  von  Knorpeln  dagegen,  die  ich  mit 
Osmiumsäure  von  verschiedener  Concentration  (1/4000  —  Vsooo)  be- 
handelte, zeigten  mir  folgendes:  In  der  Zwischensubstanz  traten 
dunkle,  ziemlich  breite  Linien  auf,  die  meist  von  einer  Zelle  zur 
andern  verliefen,  und  das  Bild  von  feinen  Canälchen  darboten.  Von 
den  meisten  Zellen  gingen  zwei  solcher  Linien  an  den  diametral 
entgegengesetzten  Seiten  aus,  von  manchen  dagegen  selbst  drei  und 
vier  Linien.  An  der  Eintrittstelle  der  Linien  in  die  Zellen  zeigten  sich 
zuweilen  feine  Öffnungen.  Solche  Bilder  erhielt  man  am  deutlichsten 
und  vollständigsten,  wenn  man  die  Knorpel  8 — 12  Stunden  in  einer 
Lösung  von  »/^o  Pct.  liegen  ließ,  oder  wenn  man  eine  Lösung  von 
derselben  Concentration  lebenden  Thieren  in  den  Knorpel  injicirte. 
Sonst  sieht  man  in  der  Zwischensubstanz  weiter  keine  Veränderun- 
gen eintreten.  Die  Knorpelzellen  dagegen  schrumpfen  nicht  unbe- 
trächtlich, und  werden  mehr  weniger  dunkelbraun,  zuweilen  fast  ganz 
schwarz  gefärbt.  Zu  gleicher  Zeit  wird  ihr  Zusammenhang  mit  der 
Kapsel  gelockert,  so  daß  sie  nicht  selten  durch  den  Schnitt  heraus- 
fallen und  man  sieht  anstatt  Zellen  daim  rundliche  Lücken  in  der 
Zwischensubstanz.  Da  man  bei  der  oben  näher  erwähnten  Behand- 
lungsweise  des  Knorpels  mit  Osmium  die  Linien  mit  großer  Constanz 
und  in  ziemlich  regelmäßiger  Vertheilungsweise  auftreten  sieht,  so 
glaube  ich  annehmen  zu  müssen,  daß  ich  keine  zufälligen  Kunst- 
producte  vor  mir  hatte,  sondern  daß  sie  gewissen,  dem  normalen 
Knorpel  eigenthümlichen  Anordnungen  entsprechen.  Die  dunklen 
Linien  lassen  sich  kaum  anders  als  im  Knorpel  vorhandene  Canäl- 
chen deuten.  Die  dunkle  Färbung  würde  man  sich  dann  in  Folge 
der  Reduction  der  Osmiumsäure  durch  die  eiweißhaltige,  in  den 
Saftcanälchen  vorhandene  Parenchymtlrissigkeit  erklären ,  dafür 
spricht  auch,  daß  sie  zuweilen  mit  feinen  ÖlVnungen  in  die  Zellen 
enthaltenden  Räume  endigen.  Fraglich  kann  nur  bleiben ,  ob  das, 
was  sich  nach  der  Behandlung  mit  Osmiumsäure  als  Canälchen 
repräsentirt,  auch  im  Leben  ein  Canälchen  ist,  oder  ob  nur  eine 
eigenthümliche  Anordnung  der  Grundsubstanz  des  Knorpels  eine 
solche  Veränderung  möglich  macht.  Die  schon  vielfach  hervor- 
gehobene chemische  Ungleichheit  in  den  Verdickungsschichten  der 
Knorpelzellen  (Grundsubstanz)  muß  dabei  jedenfalls  in  Betracht 
gezogen  werden. 


linliMi.lr.    /ur    K.MMlIni.v.s-    <U-V   NimmIi.i-    iI.s    Kn.,rj,r-Is 


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SilzHiiL'.vl..,l.k.Aka,l,.Hl-.mii1li.iK.l.i.-w.Cl.l.VII.lli).I.AIilli.l.'i(iS. 


Beiträge  zur  Keiintniß  der  Struetur  de»  Knorpels.  9  1  i> 

Sollten  fernere  Untersuchungen  meine  Annahme  über  die 
Bedeutung  dieser  Linien  bestätigen,  so  wäre  hiermit  die  Ernährungs- 
weise des  Knorpels  in  genügender  Weise  erklärt. 


Erklärung  der  Abbildungen. 


Fig.  1.  Querschnitt  eines  Blutgefäßes,  mit  verknorpelter  Adventitia,  aus  einem 

Rippenknorpel  eines  erwachsenen  Hundes. 
„    2.  Querschnitte    von   Blutgefäßen ,    aus    dem    Kniegelenksknorpel    eines 

Kindes. 
„    3.  Ellbogen-Gelenksknorpel  des  Oberarmknochens  eines  zwei  Monate  alten 

Kindes. 

a  blutgefäßreiche  Schichte  gegen  die  Gelenkhöhle  hin. 

b  faserige  Schichte   mit  wenig  Blutgefäßen  vom  Charakter  des  Peri- 
chondriura. 

c  Knorpel. 
„    4.  Rippenknorpel  vom  Hunde  nach  der  Behandlung  mit  Osmiumsäure  in 

dem  die  dunklen  canalförmigen  Linien  sichtbar  sind. 


SITZUNGSBERICH I E 


DER 


KAISEHLK  IIElX  AKADEMIE  DEK  WISSENSCHAFTEN. 

MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE  CLASSE. 

LYII.  BA\«. 

ERSTE  ABTHEILÜNG. 

5. 

Enthält  die  Abhandlung-en  aus  dem  Gebiete  der  Mineralogie,  Botanik, 
Zooiog'ie,  Anatomie,  Geolotji^ie  und  Paläontologie. 


Sit/I).  .1    mMtli.'Mi.-tiatuiw.  Cl.  LVII.  B.l.  I.  Al.tli.  39 


1)19 


XIII.   SITZUNG  VOM   14.   MAI   1808. 


Herr  Prof.  Dr.  A.  Bauer  hinterlegt  ein  versiegeltes  Schreiben 
zur  Wahrung  seiner  Priorität. 

Herr  Prof.  Dr.  J.  Gott  lieb  in  Graz  übersendet  drei  Abhand- 
lungen seines  Assistenten,  des  Herrn  F.  Ullik,  und  zwar:  1.  „Über 
einige  Cölestine  und  ihre  Zersetzungsproduete";  2.  „Über  die  Ein- 
wirkung A'on  gelöstem  kohlensauren  Kalk  auf  schwefelsauren  Stron- 
tian ,  und  über  das  Verhalten  von  schwefelsaurem  Strontian  zu 
Chlorcalcium  bei  Gegenwart  von  Weingeist",  und  3.  „Untersuchung 
des  Talkes  vom  Greiner  im  Zillerthal  in  Tirol". 

Herr  Prof.  Dr.  E.  Brücke  legt  eine  Abhandlung:  „Zur  Ana- 
tomie des  Ovariums  der  Säugethiere"  von  dem  Stud.  med.  Herrn 
A.  V.  Winiwarter  vor. 

Herr  J.  Haiin  überreicht  eine  Abhandlung,  betitelt:  „Die 
Temperatur-Abnahme  mit  der  Höhe  als  eine  Function  der  Wind- 
richtung". 

An  Druckschriften  wurden  vorgelegt: 

Akademie  der  Wissenschaften,  Königl.  Preuss.,  zu  Berlin:  3lonats- 

bericht.   Decemher  1867.   Berlin;   8». 
Apotheker- Verein,  allgem.  österr.:  Zeitschrift.  6.  Jahrg.  Nr.  9. 

Wien,  1868;  8o. 
Astronomische  Nachrichten.  Nr.  1691—1693.  Altona,  1868;  4o. 
Beobachtungen,  31eteorologische,  angestellt  in  Dorpat  im  Jahre 

1867,  redigirt  und  bearbeitet  von  Arthur  v.  Oettingen.  Dor- 
pat, 1868;  8o. 
• —  magnetische  und  meteorologische ,  zu  Prag.  XXVTII.  Jahrgang. 

1867.  Prag,  1868;  4». 
Comptes  rendus  de  seances  de  l'Academie  des  Sciences.  Tome 

LXVI,  Nrs.  16—17.   Paris,  1868;  4o. 
Cosmos.    3'  Serie.    XVH"  Annee.    Tome  II,   18  — 19^  Livraisons. 

Paris,   1868;  S". 

39^ 


920 

Frauen  fei  d,  Georg  Ritter  von.  Neu  aufgefundene  Abbildung  des 
Dronte  und  eines  zweiten  kurzflügeligen  Vogels,  wahrscheinlich 
des  Poule  rouge  au  bec  de  bdcasse  der  Maskarenen  in  der 
Privatbibliothek  S.  M.  des  verstorbenen  Kaisers  Franz.  Mit 
4  Tafeln.   Wien,  1868;  Folio. 

Gesellschaft,  k.  k.  niähr.-schles. ,  zur  Beförderung  des  Acker- 
baues, der  Natur-  und  Landeskunde  in  Brunn:  Mittheilungen. 
1867.  Brunn;  4". 

Gewerbe -Verein,  n.  -  i>. :  Verhandlungen  und  Mittheilungen. 
XXIX.  Jahrg.  Nr.  18—19.  Wien,  1868;  8o. 

Hauer,  Franz  Ritter  von,  Geologische  Übersichtskarte  der  österr. 
Monarchie  nach  den  Aufnahmen  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt. Blatt  Nr.  IV,  in  groß  Folio  nebst  erläuterndem  Texte. 
Wien,  1868;  4o. 

Istituto,  R.,  Veneto  di  Scienze,  Lettere  ed  Arti:  Atti.  Tome  XIII% 
Serie  IIP,  Disp.  A\  Venezia,  1867—68;  8». 

Land  böte.  Der  steierische.  L  Jahrgang.  Nr.  8.  Graz,  1868;  4«. 

Lesehalle  der  deutschen  Studenten  zu  Prag:  Jahresbericht. 
1.  Februar  1867— Ende  Jänner  1868.  Prag,  1868;  8». 

Lot  OS.  XVIII.  Jahrgang.  April  1868.  Prag;  8o. 

Magazijn  voor  Landbouw  en  Kruidkunde.  N. R.  \[l.  Deel,  12.  Aflev. 
Utrecht,  1868;  8". 

Mittheilungen  aus  J.  Perthes'  geographischer  Anstalt.  Jahr- 
gang 1868,  IV.  Heft.  Gotha;  4«. 

Moniteur  scientifique.  273"  Livraison.  Tome  X*",  Annee  1868. 
Paris;  4". 

Musee  Teyler:  Archives.  Vol.  L  Fase.  3.  Harlem,  Paris,  Leipzig, 
1868;  4o. 

Notizen  über  elektrische  Säulen  und  deren  Anwendung  beim  Tele- 
graphenwesen etc.  Wien.  1868;  8o. 

Osservatorio  del  R.  Collegio  Carlo  Alberto  in  Moncalieri:  Bullet- 
tino  meteorologico.   Vol.  III,  Nr.  3.  Torino,  1868;  4». 

Pessina,  Luigi  Gabriele,  Questioni  naturali  e  ricerche  meteorolo- 
giche.  I  &  IH.  Napoli,  1865  &  1868;  8o. 

Reichsajnstalt,  k.  k.  geologische:  Verhandlungen.  1868,  Nr.  8. 
Wien;  4o. 

Revue  des  cours  scientifiques  et  littdraires  de  la  France  et  de 
l'etranger.  VAnnee,  Nrs.  22—23.  Paris  &  Bruxelles.  1868;  4o. 


921 

Vierteljahre  ssclirift  für  wissenschaftl.  Veterinärkunde:  XXIX. 
Band,  I.  Heft.  (Jahrgang  1868.  I.)  Wien;  8». 

Wagner,  Moriz,  Die  Darwin  "sehe  Theorie  und  das  Migrations- 
gesetz der  Organismen.  München,  1868;  8«. 

W^iener  Landwirthschaftliehe Zeitung.  Jahrg.  1868,  Nr.  16,  18—19. 
Wien;  4o. 

—  medizin.   Wochenschrift.   XVIII.   Jahrg.    Nr.    36  —  39.    W^ien, 
1868;  4«. 

Zeitschrift  des  Österreich.  Ingenieur-  und  Architekten -Vereins. 
XX.  Jahrgang,  3.  &  4.  Heft.  Wien,  1868;  4». 

—  für  Chemie,  von  Beilstein,  Fittig  und  Hübner.  XI.  Jahr- 
gang. N.  F.  IV.  Band,  9.  Heft.  Leipzig,  1868;  8o. 


022  V.     W  i  n  i  w  a  r  f  e  r. 


Zur  Anatomie  des   Ovariums  der  Säugethiere. 
Von  Sind.  med.  A.  v.   Winiwarter. 

(Aus  dem  physiologischen  Institute  der  Wiener  Universität.) 
(Mit  1   Tafel.) 

Bekanntlich  besteht  das  Ovarium  der  Säugethiere  aus  drei, 
mehr  oder  weniger  markirt  von  einander  abgegrenzten  Schichten: 
dem  Markstroma,  der  Rindensubstanz  und  einer  Hülle.  Das  Driisen- 
stroma,  der  physiologisch  wichtigste  Theil  des  Organs,  enthält  die 
GraaTschen  Follikel,  die  größeren  central,  die  minder  ausgebildeten 
peripher  gelagert  und  eingebettet  in  ein  dichtes ,  faseriges  Gewebe, 
das  sich,  außer  durch  seinen  Reichthum  an  Gefäßen,  durch  eine 
große  Menge  spindelförmiger  Bindegewebszellen  auszeichnet  und 
hiedurch  sich  dem  Typus  des  embryonalen  Bindegewebes  nähert. 

Seit  Köllikeri)  zuerst  darauf  aufmerksam  gemacht  liatte,  es 
sei  möglich,  daß  in  jenem  Stroma  auch  organische  Muskelfasern  vor- 
kommen, hat  man  zu  wiederholten  Malen  nach  jenen  Gebilden  im 
Ovarium  gesucht.  Rouget^)  glaubte  die  Existenz  von  Muskel- 
fasern im  Ovarium  bewiesen  zu  haben,  doch  gibt  er  nicht  an,  in 
welcher  Schichte  er  sie  gefunden  habe,  noch  wodurch  sich  ihm  die 
fraglichen  Fasern  als  contractile  Elemente  kundgegeben.  Aebys), 
der  principiell  mit  den  Ansichten  Rouget's  einverstanden  war,  gibt 
zuerst  eine  Beschreibung  und  Abbildung  jener  als  Muskelfasern  er- 
kannten Zellen.  Sie  finden  sich  nach  ihm  nur  in  Ovarien,  die  reife 
(iraaf'schc  Follikel  enthallen;  es  sind  Spindelzellen  mit  deutlich 
ovalem  oder  länglichem  Kern,  deren  Längsaxen  sämmtlich  mit  dem 
betreiTenden  Faserzuge  parallel  sind.  Er  gibt  übrigens  selbst  zu.  daß 
die  Form  der  von  ihm  gesehenen  Zellen  nicht  hinreichend  prägnant 


1)  Mikroskopisclie  Anatomie  II.  Bd. 
*)  .Journal  de  la  pliysiologie  I.  lid. 
*)   Müller's   Archiv  1.H61. 


Zur  Anatomie  des  Üvariiinis  der  Säug-ethiere.  O-^S 

sei,  um  durch  dieselbe  allein  jeden  Zweifel  an  ihrer  Natur  be- 
seitigen zu  können.  Klebs')  er\\älint  in  seinem  Aufsatze  nur,  er 
habe  das  Stronia  des  Ovarinms  bei  säninillichen  Säugethieren  äußerst 
reich  an  glatten  Muskelfasern  gefunden.  Grohe^)  stimmt  den  An- 
gaben Aeby's  bei. 

Die  fraglichen  Zellen  lassen  sich  nach  ihm  vom  Ililus  aus  bis 
beinahe  an  die  Follikel  verfolgen,  sie  begleiten  die  größeren  Gefäße. 
Später  schloß  sich  noch  His»)  den  erwähnten  Autoren  an. 

K  ö  1 1  i  k  e  r  *) ,  F  u  n  k  e  5) ,  L  u  d  w  i  g  <*)  u.  A.  halten  jenen  gegen- 
über ihre  Anschauungen  von  der  rein  bindegewebigen  Natur  des 
Drüsenstromas  aufrecht  und  Heule  ^j  erklärt  die  Annahme  von 
Muskelfasern  im  Drüsenstroma  herbeigeführt  durch  eine  Verwechs- 
lung der  Bindegewebszellen  mit  den  Muskelfasern  der  Gefäßscheiden 
im  Markstroma.  Die  directen  Reizungsversuche,  welche  Pflüger^j, 
der  zuerst  Contractionen  an  den  Ovarien  der  ungeschwänzten 
Batrachier  nachgewiesen  hatte,  an  Säugetbierovarien  anstellte,  ent- 
schieden weder  für  die  eine  noch  für  die  andere  Ansicht. 

In  Rücksicht  auf  die  angeführten  Angaben  ist  zuerst  zu  bemer- 
ken, daß  nur  die  Existenz  von  Muskelfasern  in  der  Rinde,  also  im 
Drüsenstroma  des  Ovariums,  Gegenstand  einer  Streitfrage  ist.  Daß 
Muskelfaserzüge  vom  Ligamentum  ovarii  aus  dnrch  den  Hilus  in  das 
Organ  eintreten  und  eine  Strecke  weit  in  die  Marksubstanz  vordrin- 
gen, ist  eine  schon  vor  längerer  Zeit  von  Heule  constatirte  und  von 
allen  Autoren  angenommene  Thatsache.  Von  diesen  Fasern,  von 
denen  He  nie»)  bemerkt,  daß  sie  nur  als  Gefäßscheiden  aufzufassen 
sind,  ist  also  hier  ganz  abzusehen. 

Es  handelt  sich  nun  die  Frage  zu  entscheiden:  kommen  im 
Drüsenstroma  des  Ovariums  der  Säugetbiere  wirklich  Fasern 
vor,  die  ihrer  Gestalt  nach  für  Muskelfasern  gehalten  werden  können, 
und  sind  diese  Fasern  wirklich  contractiler  Natur? 


1)  Virchow's  Archiv   XXI. 

2)  Virchow's  Archiv  XXVI. 

')  Archiv  für  mikroskopische  Anatomie  1861),  I. 

*)  Gewebelehre.   S.  Auflage. 

^)  Lehrbuch  der  Physiologie  etc.   Ili.  Bd. 

8)  Lebrituch  der  Physiologie  etc.    II.  Bd. 

7j  Anatomie.    II.  Bd. 

8)  Müller's   Archiv    ISiiO. 

9j  A.   a.   O. 


924  V.     Win  i  Wärter. 

Das  Materiale,  welches  ich  zu  meiner  Untersuchung  benutzte, 
•waren  Ovarien  vom  Menschen,  vom  Kaninchen,  vom  Hund,  von  der 
Katze,  vom  Rind  und  vom  Schwein,  welche  letztere  namentlich 
außerordentlich  günstige  Objecte  darbieten,  und  an  welchen  ich 
auch  vorzugsweise  gearbeitet  habe.  Die  zu  untersuchenden  Ovarien 
wurden  ausnahmslos  erwachsenen  Individuen  entnommen,  und  zwar 
sowohl  von  trächtigen  als  von  nichtträchtigen  Thieren.  Die  frischen 
Ovarien  wurden  entweder  durch  3 — 6  Tage  in  einer  ziemlich  ver- 
dünnten Chromsäurelösung  oder  in  absolutem  Alkohol  gehärtet,  oder 
sie  wurden  in  einer  Mischung  von  Essig  und  Kreosot  einige  Secun- 
den  gekocht,  dann  aufgespannt  und  getrocknet.  Die  gehärteten  Prä- 
parate wurden  theils  aus  freier  Hand  geschnitten,  theils,  wenn  es 
kleinere  Objecte  waren,  früher  in  eine  Mischung  von  Öl  und  Wachs 
(Per emeschko)  eingebettet.  Die  Schnitte  aus  Chromsäureprä- 
paraten wurden  in  einer  Mischung  von  Alkohol  und  ein  paar  Tropfen 
NH3  ausgewaschen  und  hierauf  tingirt.  Als  Tinctionsmittel  ver- 
wendete ich  Carmin,  Fuchsin,  Pikrinsäure  (Schwarz),  Chlorpalla- 
dium (Schulze). 

Zerfasert  man  einen  feinen  tingirten  Schnitt  durch  die  Rinden- 
substanz oder  isolirt  man  die  Gebilde  des  Stromas  durch  NO.  und 
ClOr,,  KO,  so  findet  man  im  Allgemeinen  dreierlei  Typen  von 
Spindelzellen.  Der  erste  Typus  ist  eine  Faser  mit  ziemlich  kleinem 
runden  Kern,  ohne  besonders  hervortretendes  größeres  Kernkörper- 
ciien.  Dann  findet  man  Spindelzellen  mit  sehr  großen  elliptischen 
Kernen,  die  gewöhnlich  zwei  größere  und  viele  kleinere  Körperchen 
in  ihrem  Innern  erkennen  lassen.  Diese  beiden  Zellenarten  bieten 
ganz  entschieden  das  Aussehen  von  Bindegewehselementen  dar.  Die 
dritte  Art  von  Spindelzellen  ist  es ,  die  man  für  Muskelfasern  zu 
halten  geneigt  wäre.  Es  sind  dies  lange  schmale  Fasern  mit  einem 
länglich  stäbchenförmigen,  oft  an  einem  Ende  kolbig  aufgetriebenen, 
meistens  nicht  ganz  median  liegenden  Kern,  der  gewöhnlich  zwei  bis 
drei  größere  und  viele  kleinere  Kernkörperchen  enthält.  Um  den 
Kern  liegt  eine  geringe  Menge  Protoplasma;  die  Fortsätze  sind  bei- 
läufig zwei  bis  dreimal  so  lang  als  der  Kern  (s.  Abbildung  1). 

Die  Kei'ue  dieser  sowohl  als  der  früher  erwähnten  Zellen 
scheinen  ziemlich  leicht  aus  dem  Protoplasma  der  Zelle  auszutreten, 
da  ich  in  zahlreichen  Zerfaseriingspräparaten  theils  ganz  freie,  theils 
nur  noch  partiell  mit  dem  Zellenleibe  zusaumieiihängende,  Stäbchen- 


Zur  Aiiatoiiiie  ili-s  Oviiriiims  der  Säugethiei  e.  yZit 

förmige,  ovale  und  runde  Kerne  gefunden  habe  (s.  Abbildung  2). 
Diese  drei  Arten  von  Fasern  habe  ich  in  allen  von  mir  untersuchten 
Ovarien  gesehen,  ich  muß  aber  besonders  hervorheben,  daß  zwischen 
ihnen  zahlreiche  Übergangstormen  liegen. 

Untersucht  man  nun  an  feinen  Schnitten  durch  die  Rindensub- 
stanz, auf  welche  Weise  die  erwähnten  Zellen  angeordnet  sind,  so 
ergiebt  sich ,  daß  ihre  Züge  ein  mehr  weniger  regelmäßiges  Netz- 
werk  darstellen,  in  dessen  Maschen  die  Graafschen  Follikel  ein- 
gebettet sind.  Betrachtet  man  einen  Längs-  oder  Querschnitt  durch 
das  ganze  Ovarium  des  Schweines,  bei  dem  die  erwähnte  Netzform 
Mohl  am  deutlichsten  ausgeprägt  ist,  so  sieht  man  mit  freiem  Auge 
eine  ziemlich  scharfe  Abgrenzung  der  Markschichte  von  der  Driisen- 
schichte.  Die  erstere  erscheint  beinahe  nur  aus  Gefäßen  bestehend, 
weßhalb  sie  auch  am  frischen  Ovarium  deutlich  röthlich  gefärbt  ist. 
Von  ihr  aus  strahlen  fächerförmig  parallel  gefasert-,  oft  durch  bogen- 
förn)ige  Anastomosen  mit  einander  verbundene,  an  gehärteten  Präpa- 
raten sehr  leicht  isolirbare  Gewebsbündel  aus,  die  zwischen  den 
größeren  Follikeln  durchziehen  und  sich  gegen  die  Peripherie  zu 
arcadenartig  zu  tbeilen  scheinen,  so  daß  je  ein  größerer  Follikel- 
durehschnitt  in  einen  solchen  Bogen  zu  liegen  kommt.  Um  den  Folli- 
kel selbst  aber  existirt  noch  ein  in  sich  selbst  zurückkehrender  Ring, 
dessen  Fasern  aber  unter  dem  Mikroskope  von  den  früher  erwähnten 
Gewebszügen  nicht  streng  gesondert  erscheinen.  Gegen  die  äußerste 
Peripherie  zu,  so  wie  auch  in  geringerem  Grade  zwischen  den 
Lücken  der  radiär  verlaufenden  Züge  wird  die  Verlaufsrichtung  der 
einzelnen  Bündel  eine  sehr  unregelmäßige,  so  daß  ein  dichtes,  für 
das  unbewatTnete  Auge  gleichförmig  derb  aussehendes  Flechtwerk 
entsteht,  zwischen  dessen  in  allen  Richtungen  sich  durchkreuzenden 
Strängen  die  kleineren  Graafschen  Follikel  liegen  und  das  nach 
außen  zu  eng  mit  der  Peritonealhülle  verwachsen  ist.  Ahnlich  wie 
lieim  Schwein  ist  das  Verhalten  am  Ovarium  des  Rindes,  weniger 
deutlich  an  dem  des  Kaninchens,  des  Hundes,  und  besonders  des 
Mensehen,  bei  dem  auch  die  Marksubstanz  imVerhältniß  zur  Rinden- 
substanz sehr  mächtig  entwickelt  ist.  Doch  finden  wir  auch  hier  im 
Wesentlichen  dieselbe  Anordnung. 

Untersucht  man  einen  solchen  Schnitt  bei  stärkerer  Vergrößerung, 
so  lösen  sich  jene  mit  freiem  Auge  sichtbaren  Züge  auf  in  eine 
Menge  parallel  zu  der  Längsrichtung  des  Zuges   gestellte  Spindel- 


926  V.     \V  i  M  i  w  ii  r  I  e  r. 

Zellen  mit  zahlreichon,  Itesoiulers  auf  Znsatz  von  Essigsäure  deutlich 
siolithartüi  Kernen.  In  ihnen  kommen  alle  drei  Arten  der  früher  be- 
sehriebeiien  Zellen  vor  und  zwar  nielil  streng  von  einander  abge- 
grenzt, sondern  in  Lagen,  die  nielir  oder  weniger  in  einander  über- 
gehen oder  es  erscheinen  aueh  alle  drei  Arten  in  einem  und  dem- 
selben Faserzuge  regellos  neben  einander  gestellt  (s.  Abbildung  3). 
Doch  scheinen  die  Zellen  der  zweiten  und  dritten  Art  nicht  viel 
weiter  als  bis  zum  peripheren  Rand  der  größeren  Follikel  vorzukom- 
men, über  welehe  Grenze  hinaus  dann  nur  Fasern  der  ersten  Art 
angetrolVen  werden.  In  wie  weit  dies  Verhallen  mit  dem  Wachsthum 
der  Follikel  Hand  in  Hand  geht,  ist  mir  für  jetzt  nicht  möglich  zu 
constatiren. 

Da  nur  die  Fasern  der  dritten  Art  mit  Muskelfasern  verwechselt 
werden  konnten,  so  wendete  ich  auf  sie  die  verschiedenen  Reagen- 
tien  an. 

Mit  Carmin  tingirten  sich  ihre  Kerne  jederzeit  sehr  schön, 
ebenso  wie  die  runden  Kerne  der  Bindegewebszellen,  wahrend 
die  großen  ovalen  Kerne  gewöhnlich  etwas  blaßer  bleiben. 
Fuchsin,  das  an  gekochten  und  getrockneten  Präparaten  die  Muskel- 
fasern schön  roth  färbt,  während  das  Bindegewebe  l)laß  bleibt, 
tingirte  alle  drei  Arten  von  Kernen  jederzeit  gleich  stark,  während 
die  Zellen  gleicbmässig  blaßroth  wurden  und  die  lebhaft  roth  gefärb- 
ten Gefäßdurchschnitte  bewiesen,  dalJ»  der  Mangel  der  Färbung  kein 
Fehler  der  Methoile  j-ci.  Auch  die  doppelte  Tinction  mit  Carmin  und 
Pikrinsäure,  bei  welcher  sich  Gefäßdurchschnitte  und  die  Epithelial- 
auskleidung  der  Follikel  schön  gelb  färbten,  gab  mir  keine  Differen- 
zirung  zwischen  den  fragliehen  Zellen  und  gewöhnlichem  Binde- 
gewebe.  Ebenso  wirkungslos  war  die  Tinction  mit  Chlorpalladium, 

Nachdem  ich  nun  die  aufgezählten  Reagentien  versucht  und 
kein  Resultat  bekommen  hatte,  nnlernahm  ich  elektrische  Reizungs- 
versuche am  frischgetödteten  Thiere.  Ich  benützte  zu  diesen  Ver- 
suchen die  Ovarien  des  Schweines,  des  Hundes  und  des  Kaninchens. 
Bei  Anwendung  des  Rotationsapparates  sowohl,  wie  bei  der  des  con- 
stanlen  Stromes  konnte  ich  trotz  der  sorgfältigsten  Beobachtung 
niemals  irgend  welehe  Veränderunü:  am  Ovarium  selbst,  ein  Hervor- 
treten  der  Graal'schen  Follikel  oder  dergleichen,  wahrnehmen; 
berührte  ich  das  Ovarium  nahe  am  llilus  oder  zufällig  am  lignmeutum 
ovarii  selbst,   so    schien  es    etwas  gegen    den  Uterus    gezogen   zu 


Zur  Anatomie  des  Üvariunis  der  Säugetliiere.  92T 

werden.  Die  an  denselben  Tliieren  oft  noch  später  versuchten  Rei- 
zungen anderer  (Jehilde  musculöser  Natur  rieten  jederzeit  Contrac- 
tionen  hervor.  Man  könnte  mir  hier  den  Einwand  machen,  daß  die 
Muskelfasern,  wenn  solche  überhaupt  existirten,  in  so  gerintfer  Zahl 
im  Ovarium  vorhanden  sind,  daß  sie  bei  dem  ziemlich  derben  Stroma 
des  Ovariuras  keine  sichtbaren  Constructionen  geben  könnten.  Dem 
stelle  ich  aber  die  Thatsache  entgegen,  daß  die  früher  beschriebenen 
Fasern  einen  bedeutenden  Antheil  haben  an  den  mächtigen  Zügen, 
die  das  Ovarium  durchsetzen  und  also  durch  sie  ganz  wohl  könnte 
eine  Reactionserscheinung  gegeben  werden.  Hienach  stimmen  meine 
Beobachtungen  auch  mit  den  Versuchen  Pflü  ger's  überein,  deren 
Resultatlosigkeit  in  Bezug  auf  die  gegenwärtige  Frage  ich  oben  an- 
gedeutet habe.  Hält  man  zu  diesen  Erfahrungen  die  Thatsache  von 
der  morphologisch  unmöglichen  strengen  Trennung  der  einzelnen 
Zellenarten  von  einander,  so  erscheint  folgende  Annahme  als  gerecht- 
fertigt : 

Es  finden  sich  im  Drüsenstroma  des  Eierstockes  der  Säuge- 
thiere  spindelförmige  Zellen  mit  langen,  stäbchenförmigen  Kernen, 
die  man  als  Muskelfasern  gedeutet  hat.  Da  sich  aber  diese  Zellen 
chemisch  nicht  wie  Muskelfasern  verhalten  und  auch  auf  elektrische 
Reizung  keine  Contraction  derselben  zu  beobachten  ist,  so  hat  man 
kein  Recht  sie  als  Muskelfasern  zu  bezeichnen  oder  ihnen  irgend 
welche  contractile  Eigenschaften  zuzuschreiben.  Ihr  Aussehen  zeigt, 
wie  oben  näher  beschrieben  ist,  gewisse  Eigenthümlichkeiten;  in 
ihrem  Verhalten  gegen  die  bis  jetzt  versuchten  Tinctionsmittel 
schließen  sie  sich  dem  Bindegewebe  an. 


D-iS  *•    \V  i  II  i  w  M  rl  e  r.    Ziit    Aicitmiiic  des  Ov^iriiiins  (lpr  .S»iii.'ellii<'i-e. 


E  r  k  I  ä  I"  II  n  ^f   d  e  v   X  li  lii  I  d  u  n  <f  e  ii. 


1.  Isolirte  Füserii  aus  di-m  Uriisensfroma  des  Ovariums  a,  b,  c.  Mit  länglich- 
sliibelieiiCörniis'cni  Kerno:  u)  vuniHindo,  b)  vom  Kaninchen,  c)  vom  Schweine, 
d)  Faser  mit  j,noßi'm  ovalem,  ej  mit  kleinem  rundlichem  Kerne  aus  dem  Ova- 
rium  des  Schweines.  Verfi^rößeriin«;:  3!)ü. 

2.  Isolirte  Kerne  aus  einem  /.erfaserten  Ovarium  des  Schweines.  Vergrö- 
ßerung 350. 

3.  Schnitt  durch  die  Rindensuhstanz.  Ein  Stück  des  einen  großen 
Follikel  unischließcudeo  F:<ser7,ug('s  aus  dem  Ovarium  des  Schweines.  Ver- 
größerung 340. 

Die  Vcrgrößerungszahlen   wurden  durch  diiectes  Messen  mittelst  Ocular- 

mikronu'ter  hesliimnt. 


Wiiiiwjirfef.  Zur  AiiatouLif  d.  Uvaiiiiiiis  d.  .Siiiioetliipi'«^. 

I. 


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Mineral -chemische   Unter  snchunqeu. 
Von  Franz  niik, 

Assistenten  der  Chemie  an  der  teehnisclieji  Huclischule  zu  (iratz. 

I.  Über  einige  Cölestine  und  ihre  Zersetzungsproducte. 

Das  Mineraliencabinet  des  hiesigen  landsch.  Joanneum's  besitzt, 
vielleicht  als  Unicum,  ein  Exemplar  eines  cölestinähnlichen  Minerales, 
welches  aus  Tirol,  und  zwar  vom  Greiner  im  Zillerthal  stammt,  und 
durch  sein  ganz  ungewöhnliches  Vorkommen  auffällt.  Es  findet  sich 
eingewachsen  im  Taikschiefer,  in  welchem  nebstbei  noch  Krystalle 
von  Dolomit,  und  die  bekannten  ausgezeichneten  Spargelsteine  ein- 
gebettet liegen.  Haid  inger  erwähnte  zuerst  jenes  Mineral  in  den 
Berichten  der  Freunde  von  Naturwissenschaften  in  Wien  3.  Bd. 
1848,  S.  104,  wo  er  es  als  Cölestin  anführt.  Unter  demselben  Namen 
ist  dessen  Vorkommen  angegeben  in  „Li ebener  und  Vorhauser, 
Mineralien  Tirols"  und  in  Zepharpvich'  mineralogischem  Lexikon 
S.  117.  Der  Mangel  jedweder,  der  Bestimmung  als  Cölestin  zu  Grunde 
liegenden  Daten,  sowie  das  ungewöhnliche  V^orkommen  veranlaßten 
Herrn  Oberbergrath,  Professor  v.  Zepharovich  zu  einer  näheren 
Untersuchung  des  Minerales;  er  fand  das  specifische  Gewicht  dessel- 
ben in  zwei  Bestimmungen  zu  4-096  und  4-092  also  zu  hoch  für 
Cölestin,  und  die  Winkel  der  Spaltungsflächen  zwischen  jenen  des 
Cölestins  und  des  Schwerspathes  stehend.  Zu  dem  constatirte  Herr 
Professor  Dr.  Gott  lieb  durch  spectralanalitische  Untersuchung 
einen  hohen  Barytgehalt,  so  daß  durch  diese  Untersuchungen  die 
Verschiedenheit  dieses  Minerals  von  Cölestin  dargetlian  war.  Eine 
Analyse  desselben  zur  Ermittlung  der  näheren  chemischen  Verhält- 
nisse erschien  daher  wünschenswerth.  Nebst  dem  eben  erwähnten 
Mineral  befindet  sich  in  derselben  Sammlung  noch  eine  Suite 
ebenfalls  im  Talk  vom  Giteiner  eingewachsener  Massen,  die  zu  erste- 
rem  in  der  innigsten  Beziehung  stehen.  Das  äußere  Ansehen  laßt 
dieselben  deutlich  als  Zersetzungsproducte  erkennen;  es   sind  zer- 


930  i^Hik. 

fressene,  zellige  Müssen  von  theils  weiter,  llieils  schmutzig  briiimlich- 
gelber  Farbe,  mit  in  den  Richtungen  der  Spaltbarkeit  des  Cölestins 
liegenden  Zellwänden.  Letztere  sind  bei  einigen  Exemplaren  pa- 
pierdünn und  die  Zellen  mehr  oder  weniger  mit  einer  erdigen 
weilJicn  Substanz  erfüllt,  bei  einem  Exemplar  jedoch  ziemlich  dick 
unil  (est  und  die  Zellräume  hohl  ohne  bemerkbare  Ausfüllung.  Die- 
jenigen mit  den  dünnen  Zellwänden  sind  daher  auch  mürbe  und 
leicht  zerreiblich.  Diese  Massen  weisen  sich  als  Produkte  der  Zer- 
setzung jenes  oben  angeführten  angeblichen  Cölestins  dadurch  aus, 
daß  an  einzelnen  Stellen  des  letzteren  der  unmittelbare  Übergang  in 
erstere  deutlich  sichtbar  ist. 

Es  schien  nun  die  Ermittlung  der  chemischen  Natur  auch  dieser 
Zersetzungsproducte  von  Interesse  zu  sein,  hinsichtlich  der  daraus 
zu  schöpfenden  Erkenntniß  des  Vorganges,  welcher  bei  der  Zer- 
setzung stattgefunden  hat. 

Das  reine  unzersetzte  Mineral  ist  deutlich  krystallinisch,  zeigt, 
wie  schon  erwähnt,  nahezu  die  Spaltbarkeit  des  Cölestins,  ist  durch- 
scheinend und  besitzt  Glasglanz.  Es  besteht  aus  schwefelsaurem  Baryt 
und  schwefelsaurem  Strontian  nebst  ganz  geringen  Mengen  unwesent- 
licher Beimengungen.  Da  die  Trennung  des  Strontians  vom  Baryt 
bekanntlich  zu  den  mißlichen  Aufgaben  der  quantitativen  chemischen 
Analyse  gehört,  so  erachte  ich  es  für  nothwendii^,  einiges  über  die 
Methode,  nach  welcher  jene  Trennung  ausgeführt  wurde,  anzugeben. 
Als  die  einzige,  brauchbare  Methode,  welche  zu  befriedigenden  Resul- 
taten führt,  erwies  sich  die  von  H.  Rose,  die  sich  auf  das  verschie- 
dene Verhalten  von  schwefelsaurem  Baryt  und  schwefelsaurem  Stron- 
tian zu  einer  Lösung  von  kohlensaurem  Amnion  gründet.  Da  durch 
Letztere  das  Baiytsalz  bei  gewöhnlicher  Temperatur  unverändert 
bleibt,  der  schwefelsaure  Strontian  aber  nach  kurzer  Einwirkung  in 
kohlensaures  Salz  verwandelt  wird,  so  läßt  sich  dann  leicht  mit  ver- 
dünnter ChlorwasserstofVsäure  der  Strontian  vom  unveränderten 
schwefelsauren  Baryt  trennen.  [)ie  Methode  ist  namentlich  dann 
ziemlich  zuverlässig,  wenn  sie  in  der  Weise  ausgeführt  wird,  daß 
man  die  Salze  zunächst  in  lösliche  Form  bringt,  die  Lösung  mit 
einem  Überschuß  von  schwefelsaurer  Ammonlösung,  der  man  zweck- 
mäßig etwas  schwefelsaures  Kali  zugesetzt^ hat,  und  dann  mit  einer 
ziendich  concentrirten  Lösung  von  kohlensaurem  Amnion  versetzt. 
Das  Ganze  läßt  man  dann  unter  häufigem  Umrühren  G  bis  8  Stunden 


Mineralogische  Untersuchungen.  931 

stehen.  Idi  habe  mich  von  der  Genauigkeit  des  Verlalireiis  wieder- 
holt über/A'ugt  durcli  Untersuchung  der  bei  den  verschiedenen  Ana- 
lysen erhaltenen  geti-ennten  Basen,  die  als  schwefelsaure  Salze  gewo- 
gen und  dann  in  Chlorverbindungen  überl'iihrt  wurden,  vor  dem  Sjiec- 
tralapparate.  Damit  bei  vorherrschender  Menge  des  einen  nicht  etwa 
die  Reaction  einer  geringen  Menge  des  anderen  verdeckt  würde, 
behandelte  ich  die  trockenen  Chloride  mit  absolutem  Alkohol.  Beim 
Barytsalz  wurde  das  in  Alkohol  Gelöste  auf  Strontian  geprüft,  während 
das  Strontiansalz  mit  einer  unzureichenden  Menge  Alkohols  behandelt 
wurde,  um  einen  kleinen  Rückstand  zu  erhalten;  dieser,  in  welchem 
sich  also  die  Baryumverbindung  concentrirt  haben  mußte,  wurde 
dann  auf  Baryt  untersucht.  Unter  den  ziemlich  häufig  angestellten 
Versuchen  kamen  nur  zwei  Fälle  vor,  wo  ich  bei  dem  Barytsalz  im 
Spectralapparate  eine  Strontianreaction  erhielt,  aber  so  schwach, 
daß  nur  eine  äußerst  geringe  Menge  Strontian  darin  enthalten  sein 
konnte;  in  allen  übrigen  Fällen  erwiesen  sich  die  getrennten  Salze 
als  rein.  Das  unzersetzte  Mineral  wurde  zur  Analyse  mit  kohlensaurem 
Natron  aufgeschlossen.  Strontian  und  Baryt  wurden  nach  H.  Rose's 
Methode  getrennt,  aus  der  salzsauren  Lösung  des  Strontians,  in  der 
sich  auch  das  Eisenoxyd,  die  Thonerde  und  Magnesia  befanden, 
mittelst  Schwefelsäure  der  Strontian  gefällt.  ImFiltrate  wurden,  nach- 
dem Eisenoxyd  und  Thonerde  zuvor  vorsichtig  mit  Ammon  abgeschie- 
den waren,  die  noch  gelösten  geringen  Mengen  von  schwefelsaurem 
Strontian  und  schwefelsaurem  Kalk  durch  oxalsaures  Ammon  ausge- 
fällt. Zur  Bestimmung  des  Kalkes  neben  dem  Strontian  diente  die 
indirecte  Methode.  Beide  wurden  als  Oxyde  gewogen,  dann  unmittel- 
bar im  Tiegel  mit  etwas  Schwefelsäure  übergössen,  der  Überschuß 
letzterer  vorsichtig  verjagt,  geglüht  und  abermals  gewogen.  Bei  so 
geringen  Mengen  läßt  sich  der  kohlensaure  Strontian  leicht  vor  dem 
Gasgebläse  in  Strontian  verwandeln.  Die  indirecte  Methode  ist  zm  ar 
sonst  sehr  unzuverlässig,  in  diesem  Falle  aber  ganz  gut  anwendbar, 
da  für's  erste  die  Oxyde  als  solche  gewogen  werden  und  dann  bei 
der  Überführung  in  schwefelsaure  Salze  keine  Zwischenoperatiooen 
nöthig,  also  Fehlerquellen  ausgeschlossen  sind.  Das  zum  Aufschließen 
verwendete  kohlensaure  Natron  habe  ich  mir  eigens  zu  diesem  Zwecke 
im  chemisch  reinen  Zustande  dargestellt. 


932  i'iiik. 

lis  wurden  germidpii  : 

Baryt 32   115  Schwefels.  Bai-yt  .    .  48-906 

Strontian 28-265                 „         Strontian  50-091 

Kalk 0-264                 „         Kalk    .    .  0639 

Schwefelsäure   .    .    .     38-979  Eisenoxyd  u.Thonerde     0   157 

Eisenoxyd  u.Thonerde     0-157  Magnesia 0*101 

Magnesia  .    .    .    ,    .       0-101  Kieselsäure    ....  0-190 

Kieselsäure    ....       0190  1 00  •  084 
100-071 

Eine  zweite  Analyse  gab  folgende  Hesultate: 

Baryt 31-178  Schwefels.  Baryt  .    .  47  480 

Strontian 28  833                 „         Strontian  51-097 

Kalk 0-226                 „         Kalk    .    .  0-549 

Schwefelsäure.    .    .  39-198  Eisenoxyd  u.  Thonerde  0-220 

Eisenoxyd  u.Thonerde  0-220  Magnesia 0-192 

Magnesia 0-192  Kieselsäure   ....  0-302 

Kieselsäure    ....  0-302  99.340 

100    149~ 

Das  Mineral  gab  selbst  bei  andauerndem  Glühen  vor  dem  Gas- 
gebläse bei  mehreren  Versuchen  nicht  den  mindesten  Gewichts- 
verlust. 

Es  ist  bisher  kein  Mineral  bekannt  geworden,  welches  aus 
nahezu  gleichen  Mengen  von  schw^efelsaurem  Baryt  und  Strontian 
besteht,  wie  jenes  im  Talk  von  Greiner  eingewachsene.  Schwerspäthe 
mit  geringem  Strontiangehalt,  und  Cölestine  mit  geringem  Barytgehalt 
sind  wohl  bekannt.  Ein  Cölestin  jedoch,  der  eine  namhaftere  Menge 
von  schw  efelsaurem  Baryt  enthält ,  ist  der  von  Nörten  bei  Hannover. 
Quenstedt  sagt  darüber  in  seinem  „Handbuch  der  Mineralogie, 
2.  Auflage,  1863,  S.  454«:  „Bemerkenswerlh  ist  der  frische  und 
verwitterte  von  Nörten  bei  Hannover,  welcher  den  dortigen  Jurakalk 
durchsetzt.  Grüner  (Gilberts  Ann.  1819,  Bd.  60,  S.  72)  hat 
gezeigt,  daß  dieser  neben  73  Pct.  schwefelsauren  Strontian,  26  Pet. 
schwefelsauren  Baryt  enthält;  die  meisten  werden  durch  Verwitte- 
rung ganz  mehlig,  dann  steigt  umgekehrt  der  Barytgehalt  auf  75  Pct." 
Es  scheint  dieser  barythaltige  Cölestin  also  eben  so  eine  Zersetzung 
erlitten  zu  haben,   wie  das  Mineral  vom  Greiner,  worauf  ich  später 


Mineralogische  Untersucliuiigen.  </00 

noch  zurückkommen  werde.  In  einem  Schwerspath  aus  dem  Binnen- 
thal in  der  SchAv^eiz  fandSartorius  v.  Waltershausen  9-07  Pct. 
schwefelsauren  Strontian  (Rammelsberg,  Mineralchemie  S.  259)  und 
nannte  ihn  Barytoeölestin.  Denselben  Namen  gab  Thomson  einem 
Minerale  von  Kingstown  in  Canada,  welches  aber  nach  Hunt  (Ram- 
melsberg,  Mineralchemie  260)  nichts  anderes  als  Cölestin  ist.  Den 
größten  Ansprucb  auf  den  Namen  Barytoeölestin  hätte  nun  jedenfalls 
das  Mineral  vom  Greiner.  Nebst  dem  Schwerspath  aus  dem  Binnen- 
thal sind  noch  einige  andere  bekannt,  die  einen  beträchtlichen  Stron- 
tiangehalt  zeigen  und  deren  Analysen  Rammeisberg  in  seiner  Mine- 
ralchemie S.  259  anführt;  so  der  Schwerspath  von  Clausthal  mit 
6"75  Pct.  schwefelsauren  Strontian,  der  Calstronbaryt  von  Schoharie, 
New-York  mit  7-1  Pct.  und  der  Schwerspath  aus  den  Braunkohlen 
von  Görzig  mit  15-12  Pct. 

Das  Vorkommen  von  Baryt  in  den  Cölestinen  scheint  auch  nicht 
gerade  selten  zu  sein;  ich  werde  später  Analysen  zweier  von  ver- 
schiedenen Fundorten  stammender  Cölestine  mittheilen,  in  denen 
ich  nicht  unbedeutende  Mengen  von  Baryt  nachgewiesen  und  be- 
stimmt habe. 

Die  Exemplare  der  bereits  erwähnten  Zersetzungsproducte  des 
Minerals  vom  Greiner  zeigen  schon  beim  bloßen  Anblick  merkliche 
Verschiedenheiten,  welche  in  ihnen  die  Repräsentanten  verschiedener 
Stadien  der  Zersetzung  vermuthen  lassen.  Es  erschien  deßhalb  ange- 
zeigt mehrere  der  verschiedenen  Stücke  zu  untersuchen,  um  aus  dem 
Ergebniß  der  Analysen  auf  den  Gang  des  Zersetzungsprocesses  schlie- 
ßen zu  können.  Die  Producte  brausen  alle  mehr  oder  weniger  mit 
Chlorwasserstoffsäure  auf  und  enthalten  Kohlensäure,  die  aber  nicht 
an  Baryt,  sondern  blos  an  Strontian  und  Kalk  gebunden  ist.  Ich  habe 
vier  derselben  analysirt  und  bezeichne  sie  mit  I.,  II.,  III.,  IV. 

Die  Analyse  geschah  in  der  Weise,  daß  die  gewogene,  zuvor 
bei  100  Grad  getrocknete  Substanz  mit  Chlorwasserstoffsäure  behan- 
delt, und  dann  der  gelöste  und  ungelöste  Theil  für  sich  analysirt 
wurden.  Zur  Trennung  von  Baryt  und  Strontian  diente  wieder  die 
Methode  von  H.  Rose;  bezüglich  der  Bestimmung  des  Kalkes  gilt 
dasselbe,  was  ich  oben  bei  der  Analyse  des  reinen  Minerals  darüber 
angegeben  habe.  Der  aus  den»  löslichen  Theil  gefällte  schwefelsaure 
Strontian  wurde  durch  kohlensaures  Ammon  vollständig  in  kohlen- 
saures Salz  umgewandelt,  und  ließ  sich  mittelst  des  Spectralappara- 

Sil/Ji.  (1.  inatliem.-nadii-w.  Cl.  LVII.  Cd.  I.  Ahtli.  60 


934 


U  1  i  i  k. 


tes  kein  Baryt  darin  wahrnehmen.  Zur  Bestimmung  der  Kohlensäure 
wurde  aus  einer  gewogenen  Menge  der  Lei  100°  getrockneten  Sub- 
stanz mit  verdünnter  Salzsäure  alles  Lösliehe  ausgezogen,  die  Lösung 
zur  Trockene  gebracht,  der  Rückstand  einige  Zeit  bei  200  Grade 
erhitzt,  wieder  gelöst,  fdlrirt,  und  das  Chlor  durch  Fällung  mit 
Silberlösung  bestimmt.  Aus  der  gelundenen  Menge  des  Chlors 
wurde  die  Kohlensäure  l)crechuet.  Die  Wassorbestimmung  geschah 
in  einer  l)esonderen  früher  bei  100  getrockneten  Portion  durch 
Glühen  und  nachherige  Behandlung  mit  kohlensaurem  Ammon  und 
schwaches  Glühen. 


l.  gab  folgende  Resultate : 

Strontian 

Kalk 

Magnesia 

,     j  Eisenoxyd  und  Thonerde 

<-^  ^        /  Kohlensäure 

►S  -^        V  Kieselsäure 

.  _•      /Ban-t 

«  il        l  Strontian 

S    ^  r=     Magnesia 

r*    «    ö)   / 
-2    3  £    1  Eisenoxyd  und  Thonerde 

C  j|        I  Schwefelsäure    .... 

^  Q  fr. 

•— '  "^        \  Kieselsäure 

Wasser 

Schwefels.   Baryt 

„  Strontian 

Kohlensaur.  Strontian 

Kalk 

„  Magnesia 

Magnesia 

Eisenoxyd  und  Thonerde     .... 

Kieselsäure 

Wasser 


0- 

871 

0 

057 

0 

372 

0 

589 

0 

604 

0 

204 

61 

936 

0 

531 

0 

507 

0 

429 

33 

001 

0 

380 

0 

•900 

100 

•381 

94 

320 

0 

941 

1 

241 

0 

102 

0 

361 

0 

707 

1 

018 

0 

584 

0 

900 

100 

174 

Minornloj'lsclio  Uiitersupliiiii'rpn. 


93^ 


Zwei  Bestimmungen  der  Kohlensäure  gaben  0  •  S92  u.  0  •  626  Pct. 
Das  Mittel  daraus  =  0-604.  Das  specifische  Gewicht  wurde  als 
Mittel  zweier  Bestimmungen  (4-387  und  4-388)  zu  4-388  ge- 
funden. 

Dieses  Zersetzungsproduct  war  jenes  schmutzig  braungelb 
gefärbte  mit  festen,  dicken  Zellwänden,  und  fast  leeren  Zellräumen. 
Die  Färbung  rührt  jedenfalls  vom  Eisenoxyd  her,  welches  auch  darin 
in  verhältnißmäßig  viel  größerer  Menge  enthalten  ist,  als  in  den 
anderen  Zersetzungsproducten. 

IL  III.  und  IV.  zeigen  alle  sehr  dünne  Zellwände  und  die  Hohl- 
räume ausgefüllt  mit  einer  pulverigen,  weißen  Substanz.  Die  Zell- 
wände bestehen  bei  allen  vorwiegend  aus  schwefelsaurem  Baryt, 
während  die  ausfüllende  Substanz  der  Hauptmasse  noch  kohlensaurer 
Strontian  ist. 

II.  gab  folgende  Besultate : 

Kohlensäure  als  Mittel  aus  zwei  Bestimmungen  (1-706  und 
1-94)  1-823  Pct. 

Strontian 

Kalk 

Magnesia 

Eisenoxyd  und  Thonerde    , 

Kohlensäure 

Kieselsäure 


-::   .5  H 
c   _2 


t     t 

o    3 


a   S 


Baryt 

Strontian 

(Magnesia 

Eisnoxyd  und  Thonerde 
Schwefelsäure  .  .  .  , 
Kieselsäure  .  .  .  .  , 
Wasser 


Schwefels.   Baryt    .    . 
,^  Strontian 

Kohlensaur.  Strontian 
Kalk     .    . 


3 

•5S0 

0 

-461 

0 

-028 

0 

-115 

1 

823 

0 

202 

60 

660 

0 

238 

0 

309 

0 

138 

32 

211 

0 

219 

0 

564 

100 

578 

92 

378 

0 

421 

5- 

057 

0-823 


60° 


936 


U  1 1  i  k. 


Magnesia 

Eisenoxyd  und  Thonerde 

Kieselsäure 

Wasser 


0-397 
0-253 
0-421 
0-564 


100-314 


Das  specifische  Gewicht  fand  ich  als  Mittel  zweier  Bestimmun- 
gen (4-424  und  4-417)  zu  4-422. 

Bei  IIL  erhielt  ich  folgende  Besultate : 

SpeciOsches  Gewicht   als  Mittel   aus   drei  Versuchen  (4-320, 
4-322,  4-304)  =  4-315. 


Die  Analyse  ergab: 
Strontian 


«  =3      . 

s-      «      «^ 


^ 

U 


c    o 


Kalk 

Magnesia 

Eisenoxyd  und  Thonerde 

Kohlensäure 

Kieselsäure     


:o 

1/) 

'  ^ 

«1 

Ol 

'S 

^ 

^ 

3 
:.T5 

H 

o 

^ 

c 

O 

Baryt 

Strontian 

Magnesia 

Eisenoxyd  und  Thonerde 
Schwefelsäure    .... 

Kieselsäure     

Wasser 


Schwefels.   Baryt 85 

„  Strontian 

Kohlensaur.  Strontian 

Kalk 

Magnesia 

Eisenoxyd  und  Thonerde 

Kieselsäure 

Wasser 


9 

-326 

0 

•033 

0 

-037 

0 

-033 

4 

•107 

0 

070 

55 

•877 

0 

182 

0 

074 

0 

090 

29 

757 

0 

103 

0 

634 

100 

323 

85- 

092 

0 

321 

13 

287 

0- 

059 

0 

111 

0- 

123 

0 

173 

0- 

634 

99- 

800 

Mineralogische  Untersuchungen.  9o7 

IV.  zeigte  folgende  Zusammensetzung: 

,  ^         ,Strontian 

I  I          Kalk 

I  -  r=  j  Magnesia 

^  I  ^  \  Eisenoxyd  und  Tlionerde    . 

ü  ^        /  Kohlensäure 

►S  -2        V  Kieselsäure     ...... 

.    _•        /  Baryt 

«  äI        [  Sti-ontian 

?    ^^  — *     Magnesia 

:f    p    <L>   /       » 

o    =  ^    \  Eisenoxyd  und  Tlionerde    . 

S     :='  J 

Qj  j^        /  Schwefelsäure 

►S  -^        V  Kieselsäure 

Wasser 

Schwefels.    Baryt 

„  Strontian 

Kohlensaur.  Strontian 

„  Kalk 

Magnesia 

Eisenoxyd  und  Thonerde 

Kieselsäure 

Wasser 


Der  Übersicht  wegen  und  um  eine  leichtere  Vergleichung  der 
Zusammensetzung  der  Zersetzungsproducte  untereinander  und  mit 
der  des  reinen  Minerals  möglich  zu  machen,  habe  ich  die  Mengen  der 
Hauptbestandtheile,  wie  sie  die  Analysen  ergeben  haben,  in  folgender 
Tabelle  zusammengestellt: 


19 

121 

0 

•349 

0 

•191 

0 

•163 

8 

421 

0 

•122 

4S 

256 

0 

•639 

0 

•321 

0 

•32o 

24 

137 

0 

•366 

0 

•460 

99 

•871 

68 

•917 

1 

•131 

27 

2S7 

0 

623 

0 

512 

0 

488 

0 

488 

0 

460 

99- 

876 

ß  e  s  t  a  n  d  t  h  e 

Schwefels. 

Schwefels. 

Schwefels. 

Kohlens. 

Kohlens. 

Baryt 

Strontian 

Kalk 

Strontian 

Kalk 

Unzerselztes 

.1. 

48-906 

50-091 

0-639 





Mineral 

B. 

47-480 

51-097 

0-549 

— 

— 

( 

IV. 

68-917 

1131 



27-257 

0.623 

Zersetzungs- 

in. 

83-092 

0-321 

— 

13-278 

0-059 

producte       1 

II. 

92-378 

0-421 

— 

5-057 

0-823 

I. 

94-320 

0-941 

— 

1-241 

0-102 

938  uiiik. 

Aus  dieser  Tabelle  erkennt  man  sehr  leicht  die  Art  und  den  Ver- 
lauf der  Zersetzung  des  Barytocölestins  vom  Greiner.  Der  schwefel- 
saure Slrontian  ist  in  allen  Zersetzungsproducten  bis  auf  einen  kleinen 
Rest,  der  schwefelsaure  Kalk  gänzlich  verschwunden;  dagegen  treten 
kohlensaurer  Strontian  und  kohlensaurer  Kalk  auf,  und  die  Menge 
des  kohlensauren  Strontians  nimmt  von  IV.  bis  I.  bedeutend  ab.  Es 
blieb  also  der  schwefelsaure  Baryt  unverändert,  während  der  leichter 
angreifbare  schwefelsaure  Strontian  und  schwefelsaure  Kalk  in  koh- 
lensaure Salze  umgewandelt  wurden;  der  kohlensaure  Strontian  ist 
dann  durch  Einwirkung  kohlensäurehältiger  Wässer  nach  und  nach 
fortgeführt  worden.  In  1.  ist  somit  die  Veränderung  am  weitesten  fort- 
geschritten, indem  der  kohlensaure  Strontian  fast  gänzlich  entfernt 
worden,  so  daß  fast  nichts  anderes  als  schwefelsaurer  Baryt  zurück- 
blieb. 

Es  entsteht  nun  die  Frage,  wodurch  die  Umwandlung  des  schwe- 
felsauren Strontians  in  kohlensauren  erfolgt  ist.  Bei  dem  bekannten 
Verhalten  der  schwefelsauren  Salze  von  Baryt  und  Strontian  zu  den 
Lösungen  der  kohlensauren  Alkalien,  welche  bei  gewöhnlicher  Tem- 
peratur blos  auf  den  schwefelsauren  Strontian  wirken,  liegt  die  Ant- 
wort sehr  nahe,  daß  auch  im  vorliegenden  Falle  die  Metamorphose 
des  schwefelsauren  Strontians  durch  kohlensaure  Alkalien  enthaltende 
Wässer  vollzogen  wurde.  Es  ist  nun  gewiß  anzunehmen,  daß  derlei 
Wässer  in  der  Natur  vorkommen;  denn  bei  der  vielfach  beobachteten 
Zersetzung  alkalihaltiger  Silikate  durch  Einwirkung  von  in  Wasser 
gelöster  Kohlensäure  können  leicht  kohlensaure  Alkalien  von  dem  die 
Gesteine  durchsickernden  Wasser  aufgenommen  werden.  Jedenfalls 
haben  aber  solche  Wässer  bei  weitem  nicht  die  Bedeutung  im  Haus- 
halte der  Natur,  wie  sie  jenen,  welche  kohlensauren  Kalk  gelöst  ent- 
halten, zuzuschreiben  ist,  da  letztere  Wässer  bei  der  allgemeinen 
Verbreitung  des  kohlensauren  Kalkes  so  zu  sagen  überall  sich  finden. 
Diese  Betrachtung  ließ  mich  den  Gedanken  fassen,  daß  vielleicht  der 
durch  Vermittlung  von  Kohlensäure  in  Wasser  gelöste  kohlensaure 
Kalk  dieselbe  Wirkung  auf  schwefelsauren  Strontian  äußern  könne, 
wie  die  kohlensaurenAlkalien.  Da  hierüber  keine  Beobachtungen  vor- 
liegen, so  leitete  ich  darauf  bezügliche  Versuche  ein,  welche  zu  dem 
Resultate  führten,  daß  wirklich  der  in  Lösung  befindliche  kohlensaure 
Kalk  den  schwefelsauren  Slrontian  in  kohlensaures  Salz  umzuwandeln 
vermag.  Dadurch  wird  es  nun  wahrscheinlich  gemacht,  daß  die  Zer- 


mineralogische  Uiitersut'liungen.  939 

Setzung  des  Barytocülestins  vom  Greiner  die  Einwirkung  von  kohlen- 
sauren Kalk  enthaltendem  Wasser  zur  Ursache  hat.  Diese  Ansicht 
gewinnt  an  Wahrscheinlichkeit  durch  den  Umstand,  daß,  wie  aus 
obenstehender  Tahelle  ersichtlich,  in  zwei  Fällen,  nämlich  in  den 
Zersetzungsprodukten  IL  und  IV.,  mehr  kohlensaurer  Kalk  gefunden 
wurde,  als  der  Menge  des  in  dem  reinen  Mineral  enthaltenen  schwefel- 
sauren Kalkes  entspricht.  Das  Nähere  über  die  Versuche,  durch 
welche  ich  die  Thatsache  der  Einwirkung  des  kohlensauren  Kalkes 
auf  schwefelsauren  Strontian  constatirt  habe,  werde  ich  weiter  unten 
in  einem  eigenen  Abschnitte  mittheilen. 

Ich  habe  früher  erwähnt,  daß  das  Vorkommen  von  Baryt  in  den 
Cülestinen  nicht  so  selten  zu  sein  scheint.  Außer  dem  barytreichen 
Cölestin  von  Nörten  bei  Hannover  sind  solche  von  mehreren  Fund- 
orten bekannt,  in  denen  eine  geringe  Menge  Baryt  enthalten  ist, 
die  aber  in  keinem  Falle  2  Pct.  erreicht  (Rammeisberg,  Min. 
Chem.  260).  Im  hiesigen  Mineraliencabinet  des  landsch.  Joanneums 
sind  zwei  Culestine  vorhanden,  die  ich  analysirt,  und  darin  ziemlich 
bedeutende  Mengen  von  Baryt  gefunden  habe.  Der  eine  ist  von 
Frankstown  in  Pensilvanien  der  andere  aus  Siebenbürgen.  Ich  kann 
ein  einfaches  und  sicheres  Verfahren  angeben,  um  in  einem  Cölestin 
seihst  äußerst  geringe  Mengen  Baryt  nachzuweisen.  Man  schließt  das 
Mineral  mit  kohlensaurem  Natron  auf,  löst  die  erhaltenen  kohlen- 
sauren Salze  in  verdünnter  Chlorwasserstoffsäure  auf,  und  läßt  einen 
kleinen  Theil  der  Lösung  auf  einem  Uhrschälchen  über  Schwefel- 
säureverdampfen. Chlorstrontium  und  Chlorbarium  krystallisiren  dabei 
in  den  ihnen  eigenthümlichen,  von  einander  ganz  verschiedenen 
Formen,  und  die  langen  dünnen  Prismen  des  Chlorstrontiums  diffe- 
renziren  sich  so  gut  von  den  Blättchen  des  Chlorbariums,  daß  man 
letztere  mit  freiem  Auge,  oder  bei  äußerst  geringen  Mengen  mit  Hülfe 
der  Loupe  ganz  deutlich  erkennen  kann.  Man  braucht  dann  nur  noch 
ein  solches,  auch  noch  so  winziges  Blättchen,  auf  einen  Platindraht 
aufzunehmen  und  in  die  Flamme  eines  Gasbrenners  zu  halten,  um 
durch  die  charakteristische  Färbung  der  Flamme  sich  mit  der  größten 
Sicherheit  von  der  Gegenwart  des  Baryts  zu  überzeugen. 

Vom  Cölestin  von  Frankstown  fand  ich  sonst  nirgends  eine 
Analyse,  als  die  einzige  in  Rammelsberg's  Min.  Chem.  S.  260  von 
Klaproth,  welcher  S8  Pct.  Strontian  und  42  Pct.  Schwefelsäure 
angibt.  Dieser  Cölestin  besitzt  eine  stänglige  Structur.  An  dem  Exem- 


940  iiiik. 

plar,  von  welchem  ich  die  zur  Analyse  verwendeten  Mengen  nahm, 
sind  deutlich  mehrere  Centra  walirzunehmen,  von  denen  die  Stengel 
radial  auslaufen.  In  der  Nähe  des  Centrunis  sind  die  Stengel  sehr  dünn 
und  werden  gegen  die  Peripherie  ziemlich  dick  und  breit,  wo  sie 
auch  endlich  in  freie  Enden  ausgehen,  welche  deutliche  Krystall- 
flächon  zeigen.  Dort  sind  sie  auch  fest,  halbdurchsichtig,  g'lasglänzend, 
farblos,  während  sie  um  das  Centruin  matt,  gelblichweiß  und  sehr 
leicht  zerreiblich  erscheinen.  Diese  Verschiedenheit  veranlaßte  mich 
einen  Theil  von  der  Peripherie  und  einen  vom  Centrum  zu  analysiren. 

Der  Theil  von  der  Peripherie  gab  folgende  Resultate: 

Strontian 49-i)o7        Schwefels.   Stroatian     87-824 

Baryt 7  278  „  Baryt      .     11-083 

Schwefelsäure.    .    .     42-212        Eisenoxyd  u.  Thonerde      0-123 
Eisenoxyd  u.Thonerde      0-123        Kieselsäure    ....       0-679 


Kieselsäure    ....       0-679  99  707 
99-849 
Das  specifische  Gewicht  fand  ich  zu  3 -933. 

Der  leicht   zerreibliche   Theil    vom   Centrum   zeigte  folgende 
Zusammensetzung  : 

Strontian 41-785        Schwefels.    Strontian  74-031 

Baryt 16-255                 „          Baryt      .  24-752 

Magnesia 0-304        Magnesia 0-304 

Eisenoxyd  u.Thonerde      0-282        Eisenoxyd  u.Thonerde  0-282 

Schwefelsäure  .    .    .    41-011        Kieselsäure  ....  0-565 


Kieselsäure    ....       0-565  99-935 

100-202      , 

Als  specifisches  Gewicht  dieses  Theiics  fand  ich  4  019.  Kohlen- 
saure Salze  waren  keine  vorhanden. 

Die  ])eiden  Partien  unterscheiden  sich  daher  durch  den  Baryt- 
gehalt, welcher  um  das  Centrum  grüßer  ist  als  an  der  Peripherie. 
Dieser  Umstand  und  die  BeschalTenheit  des  centralen  Theiles  führen 
zu  dem  Schlüsse,  daß  dieser  Cölestin  gegen  das  Centrum  hin,  wo  die 
Stängel  sehr  dünn,  daher  leichter  angreifbar  sind,  eine  Zersetzung 
erlitten  hat  durch  llinwegführung  von  schwefelsauren  Strontian.  Es 
ist  dies  eine  ganz  ähnliche  Erscheinung  wie  die,  welche  Quen  st  cd  t 
bei  dem  Cölestin  von  Nürten  bei  Hannover  anführt. 


Miiieralog-ische  rnlersiicluingen.  "41 

Für  den  Cülestiii  von  Siebenbürgen,  der  breilstänglige  Struclur 
und  gtlbliehweiße  Farbe  besitzt,  und  an  welcbem  keine  angegrifTcnen 
Stellen  bemerkbar  waren,  fand  icb  nachstehende  Zusammensetzung: 

Strontian 47  •  029  Schwefels.  Strontian  83  •  344 

Baryt 10 -452                „         Baryt  .    .  lo-91G 

Schwefelsäure.    .    .  41-800  Eisenoxyd  u.  Thonerde  0-257 

Eisenoxvdu.Thonerde  0'257  Kieselsäure   ....  0-578 


Kieselsäure   ....       0-578  100-095 

100- IlÖ 


II.  Über  die  Einwirkung  von  gelöstem  kohlensauren  Kalk  auf 
schwefelsauren  Strontian  und  über  das  Verhalten  von  schwefel- 
saurem Strontian  zu  Chlorcalcium  bei  Gegenwart  von  Weingeist. 

Im  vorigen  Abschnitte  habe  ich  auf  Versuche  hingedeutet,  die 
ich  zur  Beantwortung  der  Frage  anstellte,  ob  in  kohlensaurem  Wasser 
gelöster  kohlensaurer  Kalk  den  schwefelsauren  Strontian  in  Carbonat 
umzuwandeln  im  Stande  ist.  Zu  diesen  Versuchen  wendete  ich  ganz 
reinen  durch  Fällung  mit  Schwefelsäure  erhaltenen,  schwefelsauren 
Strontian  an,  welcher  mit  einer  Lösung  von  kohlensaurem  Kalk  in 
kohlensäurehältigem  Wasser  behandelt  wurde.  Diese  Lösung  stellte 
ich  dar  durch  Einleiten  von  Kohlensäure  in  frisch  bereitetes  Kalk- 
wasser bis  zum  Verschwinden  des  entstandenen  Niederschlages.  Zur 
Bereitung  des  Kalkwassers  diente  theils  ein  aus  einem  Kalkstein 
gebrannter,  sehr  fetter  Kalk,  theils  Ätzkalk,  den  ich  mir  selbst  aus 
ganz  chemisch  rein  dargestellten  kohlensauren  Kalk  bereitet  hatte. 
Beide  Kalke  wurden  vor  ihrer  Verwendung  sorgfältig  mittelst  des 
Spectralapparates  auf  Strontian  geprüft,  und  als  frei  davon  erkannt. 
Der  ersterwähnte  gebrannte  Kalk  wurde  noch  einer  zweiten  Unter- 
suchung unterworfen.  Die  in  der  Natur  vorkommenden  Kalksteine 
können  geringe  Mengen  von  kieselsaurem  Alkali  enthalten.  Man  hat 
nun  die  Beobachtung  gemacht,  daß  wenn  man  den  aus  solchen  Kalk- 
steinen gebrannten  Kalk  mit  Wasser  übergießt,  das  Alkali  frei  wird 
und  in  Lösung  geht.  Leitet  man  in  ein  solches  Kalkwasser  Kohlen- 
säure, so  muß  sich  kohlensaures  Alkali  bilden  und  die  Benützung 
einer  solchen  Kalkcarbonatlüsunt'zu  den  erwähnten  Versuchen  könnte 


942  uiiik. 

eine  Täuschung  bcAvirken,  indem  eine  Einwirkung  auf  schwefelsauren 
Strontian  dem  kohlensauren  Kalk  zugeschrieben  würde,  die  vielleicht 
nur  das  kohlensaure  Alkali  ausgeübt.  Um  dies  zu  vermeiden,  wurde 
eine  größere  Menge  des  gebrannten  Kalkes  zunächst  mit  ziemlich 
viel  Wasser  wiederholt  behandelt,  die  erhaltenen  Flüssigkeiten  besei- 
tigt, und  erst  das  rückständige  Kalkhydrat  zur  Gewinnung  des  zu  den 
Versuchen  benützten  Kalkwassers  verwendet.  Zuvor  wurde  dieses 
Kalkhydrat  noch  mit  zwei  Litres  Wasser  übergössen,  die  so  erhaltene 
Lösung  mit  kohlensaurem  Ammon  versetzt,  filtrlrt  und  das  Filtrat  in 
einer  Platinschale  bis  auf  ein  Minimum  eingedampft;  wäre  noch 
freies  Alkali  im  Kalkwasser  vorhanden  gewesen,  so  müßte  der  Rest 
der  Flüssigkeit  kohlensaures  Alkali  enthalten  und  daher  eine  alkalische 
Reaction  gezeigt  haben ;  es  war  aber  nicht  die  geringste  Spur  einer 
solchen  wahrzunehmen. 

Ich  stellte  die  Versuche  auf  zweierlei  Art  an.  Es  wurde  einer- 
seits der  schwefelsaure  Strontian  in  einer  Flasche  wiederholt  mit  der 
kohlensauren  Lösung  des  Kalkcarbonats  übergössen,  und  jedesmal 
unter  öfterem  Umschütteln  eine  längere  Zeit  damit  in  Berührung 
gelassen,  Mobei  das  Gefäß  nur  lose  bedeckt  war.  Andererseits  wurde 
die  Digestion  in  wohlverschlossener  Flasche  vorgenommen,  so  daß 
keine  namhafte  Menge  Kohlensäure  entweichen  konnte,  und  die  Car- 
boiiate  zum  größten  Theil  gelöst  bleiben  mußten.  Im  ersteren  Falle 
Avurde  dann  der  schwefelsaure  Strontian,  dem  die  abgesetzten  Carbo- 
nate  (liauptsächlich  kohlensaurer  Kalk)  beigemengt  waren,  mit  ver- 
dünnter ChlorwasserstoiTsäiwe  behantielt,  die  Lösung  abGltrirt.  Ich 
hatte  nun  zu  berücksichtigen,  daß  der  schwefelsaure  Strontian  in 
reinem,  noch  mehr  in  säurehaltigem  Wasser  merklich  löslich  ist.  Um 
den  gelösten  schwefelsauren  Strontian  Avegzuschaffen ,  dampfte  ich 
dieLösungbis  fast  zur  Trockene  ein  und  versetzte  sie  dann  mit  Wein- 
geist, in  welchem  sich  die  Chloride  lösen  und  der  schwefelsaure 
Strontian  als  Rückstand  bleiben  mußten.  Nach  dem  Filtriren  wurde 
die  weingeistige  Lösung  abgedampft  und  der  Rückstand  vor  dem 
Spectralapparate  geprüft,  wobei  eine  lebhafte  Strontianreaction  sich 
zeigte.  Um  sicher  zu  gehen,  machte  ich  einen  Gegenversuch,  indem 
ich  reinen  schwefelsauren  Strontian  mit  einer,  mit  Chlorwasserstoff- 
säure angesäuerten  Lösung  von  ganz  reinem  Chlorcalcium  digerirte, 
abfdtrirte,  die  Flüssigkeit  eindampfte  und  so  wie  früher  verfuhr, 
nämlich   mit  Weingeist  behandelte  u.  s.  w.  In  diesem  Falle  hätte 


Mineralogische  Untersucliungen.  943 

in  der  weingeistigen  LiJsung  kein  Strontian  enthalten  sein  sollen,  was 
aber  dennoch,  wie  die  spectralanalytisehe  Untersuchung  nachwies, 
der  Fall  war.  Dahei  fiel  mir  auf,  daß  der  durch  Weingeist  gefällte, 
vermeintliche  schwefelsaure  Strontian  aus  lauter  leinen  Nadeln  bestand, 
also  jene  Form  hatte,  in  welcher  sich  der  Gyps  gewöhnlich  abschei- 
det, während  der  schwefelsaure  Strontian,  wie  ich  A'ielfach  beobach- 
tet habe,  in  solchen  Fällen  stets  körnig  oder  pulverig  abgeschieden 
wird.  Die  spectralanalytisehe  Untersuchung  des  im  Weingeist  unlös- 
lichen Niederschlages  ergab  auch,  daß  derselbe  keine  Spur  Strontian 
enthielt,  sondern  reiner  schwefelsaurer  Kalk  war.  Es  findet  daher 
eine  Umsetzung  des  schwefelsauren  Strontians  mit  Chlorcalcium  in 
schwefelsauren  Kalk  und  Chlorstrontium  statt.  Bei  mehreren  Ver- 
suchen mit  reiner  neutraler  Lösung  von  Chlorcalcium,  die  ich  auf 
schwefelsauren  Strontian  wirken  ließ,  erhielt  ich  ganz  dasselbe  Re- 
sultat. Ich  konnte  somit  auf  diese  Weise  nicht  ermitteln,  ob  bei  meinen 
Versuchen  ein  Theil  des  Strontiumsulphates  durch  den  kohlensauren 
Kalk  in  Carbonat  verwandelt  wurde,  und  es  blieb  mir,  um  zum  Ziele 
zu  gelangen,  nichts  anderes  übrig,  als  folgenden  Weg  einzuschlagen: 
Die  vom  schwefelsauren  Strontian  abfiltrirte  chlorwasserstofTsaure 
Lösung  wurde  bis  fast  zur  Trockene  abgedampft,  mit  Weingeist 
behandelt  und  der  ausgeschiedene  schwefelsaure  Kalk  quantitativ 
bestimmt;  in  der  weingeistigen  Lösung  wurde  die  Menge  des  Stron- 
tians ermittelt.  War  nun  in  der  ursprünglichen  Lösung  blos  schwefel- 
saurer Strontian  vorhanden,  so  mußte,  wenn  der  in  der  weingeisti- 
gen Lösung  bestimmte  Strontian  auf  schwefelsauren  berechnet 
wurde,  der  letztere  mit  jener  Menge  schwefelsauren  Strontians  über- 
einstimmen, die  dem  quantitativ  ermittelten  schwefelsauren  Kalk 
äquivalent  ist.  Zeigte  sich  ein  Uberschuss  an  Strontian,  so  konnte 
dieser  nur  von  der  Umwandlung  des  ursprünglichen  schwefelsauren 
Strontians  in  kohlensaures  Salz  herrühren.  Ich  erhielt  nun  bei  allen 
Versuchen  einen  bedeutenden  Uberschuss  an  Strontian,  Avie  die  nach- 
stehenden Daten  beweisen.  Die  Bestimmung  des  Strontians  neben 
dem  Kalk  in  der  weingeistigen  Lösung  geschah  fast  durchgehends 
auf  indirectem  Wege,  imd  zwar  in  der  bereits  früher  angegebenen 
Art  der  Ausführung,  welche  Fehlerquellen  ziemlich  ausschließt, 
wodurch  jene  sonst  verpönte  Methode  ganz  gut  brauchbar  wird. 
Zunächst  wurden  Strontian  und  Kalk  als  Oxalsäure  Salze  gefällt  und  - 
als  Oxyde  gewogen.  Da  ich  hier  mit  beträchtlicheren  Mengen  zu  thun 


944  üiiik. 

hatte,  so  führte  icli,  um  die  Oxyde  rein  aus  den  Oxalsäuren  Salzen 
zu  erhalten,  letztere  zuerst  in  salpetersaure  Salze  über;  denn  diese 
lassen  sich  leichter  vollsländig  in  Oxyde  verwandeln  als  die  kohlen- 
sauren Salze.  Die  Oxalsäuren  Salze  wurden  zuerst  durch  schwaches 
Glühen  in  kohlensaure  verwandelt,  diese  im  Tiegel  in  Salpetersäure 
gelöst,  abgedampft,  und  durch  höchst  vorsichtiges  und  allmählig 
gesteigertes  Erhitzen  bis  zum  heftigen  Glühen,  die  salpetersauren 
Salze  zersetzt.  Weiterhin  blieb  das  Verfahren  dasselbe,  wie  ich  es 
beim  Barytocölestin  beschrieben. 

Es  wurden  4  Grm.  schwefelsaurer  Strontian  wiederholt  mit  einer 
Portion  von  löO  Kuh.  C.  der  kohlensauren  Kalkcarbonatlösung  behan- 
delt und  diese  jedesmal  zwei  Tage  lang  damit  in  Berührung  gelassen. 
I..  Nach  6maliger    Behandlung    erhielt    ich    0-0091    Grammes 
durch   Weingeist    gefällten    schwefelsauren    Kalk,    welche 
0'0122  schwefelsauren  Strontian  entsprechen;   aus  der  wein- 
geistigen Lösung  0-1940  Kalk  +  Strontian,  0-4596  Sul- 
phate,  daher  0-26o6  Schwefelsäure,   woraus  sich   ergeben 
0-0314  schwefelsaurer  Strontian;  davon  jene  0-0122  abge- 
zogen, bleiben  0-0192  als  jene  Menge  schwefelsauren  Stron- 
tians ,  welche  in  kohlensauren  umgewandelt  wurde ;  von  der 
ganzen  Menge  beträgt  dies  0  •  48  Pet. 

II.  Nach  12maliger  Behandlung:  0-0102  schwefelsauren  Kalk, 
entsprechend  0-0138  schwefelsauren  Strontian;  0-4291 
Kalk  +  Strontian,  1-0239  Sulphate,  0-5948  Schwefelsäure; 
daher  0  -  0494  schwefelsauren  Strontian  0  -  0494—0  -  0138  = 
0  -  0356  umgewandelter  schwefelsaurer  Strontian  =  0-89  Pct. 

ni.  Nach  16maliger  Behandlung:  0-0106  schwefelsauren  Kalk, 
entsprechend  0-0143  schwefelsauren  Strontian;  aus  der 
weingeistigen  Lösung  0-0718  schwefelsauren  Strontian; 
0  •  07 18  —  0  -  0 1 43  gibt  0  -  0575  =  1-44  Pct.  umgewandelten 
schwefelsauren  Strontian.  Bei  diesem  Versuche  geschah  die 
Strontianbestimmung  direct  nach  der  Methode  von  H.  Rose 
durch  Fällung  der  Kalk  und  Strontian  enthaltenden  Lösung 
mit  einem  großen  Überschuß  einer  Lösung  von  schwefel- 
saurem Amnion  und  längeres  Kochen,  wobei  schwefelsaurer 
Strontian  niederfällt,  schwefelsaurer  Kalk  als  Doppelsalz 
gelöst  bleibt. 


;\liiieralogist'lie  l'iitersucliuiiyen.  945 

Bei  den  auf  die  zweite  Art  angestellten  Versuchen,  nämlich 
durch  Digestion  des  schwefelsauren  Strontians  mit  derKalkcarbonat- 
lösung  in  verschlossenem  Gefäße,  erhitzte  ich  die  abgegossenen  und 
filtrirten Flüssigkeiten  zum  Sieden,  um  die  Carbonate  zu  fällen;  diese 
wurden  danr,  um  etwa  mit  niedergerissenen  schwefelsauren  Stronlian, 
der  früher  in  Lösung  gegangen  sein  konnte,  zu  entfernen,  mit  viel 
Wasser  gewaschen.  Ich  fand  aber,  daß,  trotzdem  ich  so  lange 
gewaschen  hatte,  bis  das  Waschwasser  nicht  die  mindeste  Reaction 
auf  Schwefelsäure  mehr  gab,  dennoch  die  Lösung  der  Carbonate  in 
verdünnter  Chlorwasserstoffsäure  noch  Schwefelsäure  enthielt,  und 
schlug  daher  denselben  Weg  ein,  wie  bei  den  vorerwähnten  Ver- 
suchen. Es  wurden  angewendet  4  Grm.  schwefelsaurer  Strontian 
und  diese  wiederholt  mit  160  Kuh.  C.  der  kohlensauren  Carhonat- 
lösung  digerirt,  welche  jedesmal  drei  Tage  lang  unter  häufigen  Um- 
schütteln damit  in  Berührung  blieb. 

I.  Nach  4maliger  Behandlung  wurden  erhalten:  0*008  Grm. 
schwefelsaurer  Kalk,  entsprechend  0*0108  schwefelsauren 
Strontian,  0*1470  Strontian  +  Kalk,  0*3432  Sulphate, 
0*1962  Schwefelsäure;  daraus  ergibt  sich  0*0372  schwe- 
felsaurer Strontian;  0*0372  —  0*0108  =  0*0264  umge- 
wandelter schwefelsaurer  Strontian  =  0*66  Pct.  der  ganzen 
Menge. 
II.  Nach  lOmaliger  Behandlung:  0*0122  schwefelsaurer  Kalk, 
entsprechend  0  *  0 1 6o  schwefelsauren  Strontian ;  0  *  468  Stron- 
tian +  Kalk,  1*1068  Sulphate,  0*6388  Schwefelsäure  somit 
0*0808  schwefelsauren  Strontian;  0*0808  —  0  0165  = 
0  *  0643  =  1*6  Pct.  umgewandelten  schwefelsauren  Strontian. 

Zur  Controle  des  analytischen  Verfahrens  stellte  ich  folgende 
Versuche  an :  Schwefelsaurer  Strontian  wurde  mit  einer  Lösung  von 
vollkommen  reinem  Chlorcalcium  digerirt,  abfiltrirt  und  die  Flüssig- 
keit ganz  so  durch  Abdampfen,  Fällen  mit  Weingeist  u.  s.  w.  behan- 
delt, wie  bei  den  früheren  Versuchen.  Die  Menge  des  gefällten  schwe- 
felsauren Kalks  hatte  dann  dem  aus  der  weingeistigen  Lösung  bestimm- 
ten schwefelsauren  Strontian  zu  entsprechen,  was  auch  der  Fall  war. 

I,  Ich  erhielt  0 * 0276  schwefelsauren  Kalk;  diese  entsprechen 
0*0372  schwefelsauren  Strontian;  aus  der  weingeistigen 
Lösung    0*7806    Strontian    +    Kalk,     1*9016    Sulphate, 


946  uiiik. 

1-113  Schwefclsiiure;  daraus  ergibt  sich  0-03G8  sclnvefcl- 
saurer  Strontian. 

If.  Durch  Fälluiiij  mit  Weingeist  erhalten  0-01G4  schwefel- 
sauren Kalk,  entsprechend  0*0221  schwefelsauren  Strontian; 
aus  der  weingeistigen  Lösung  0-4636  Strontian  -\-  Kalk, 
1-1177  Sulphate,  0-6541  Schwefelsäure;  daher  0-0223 
schwefelsauren  Strontian. 


III.  Untersuchung  des  Talkes  vom  Greiner  im  Zillerthale  in  Tirol. 

Dieses  Mineral  bildet  das  Bluttergestein  für  den  von  mir  analy- 
sirten  Barytocölestin  und  seine  Zersetzungsprodructe.  Ich  habe  diesen 
grünen  Talkschiefer  hauptsächlich  deßhalb  untersuclit,  um  den  rich- 
tigen Wassergehalt  zu  ermitteln.  In  Rammelsberg's  Min.  Chem. 
S.  517,  ist  eine  Analyse  dieses  Minerals  von  K ob  eil  angeführt, 
welcher  darin  nur  2-3  Pct.  Wasser  fand;  nebstdem  noch  einige 
Analysen  desselben  Minerals  von  andern  Fundorten,  welche  Analysen 
alle  einen  viel  niedrigeren  Wassergehalt  aufweisen,  als  sonst  in  der 
Mehrzahl  der  Talke  vorhanden  ist.  Rammeisberg  meint,  daß  der 
geringere  Wassergehalt  wahrscheinlich  in  der  Analyse  liege,  Avas 
ich  in  Bezug  auf  den  Talk  vom  Greiner  wirklich  nachzuweisen  im 
Stande  war.  Ich  fand,  daß  dieses  Mineral  einen  Theil  seines  Wassers 
bei  gelinder  Hitze  verliert,  der  größere  Theil  aber  erst  bei  sehr 
hoher  Temperatur  sich  austreiben  läßt.  Durch  längeres  Erhitzen  im 
Platintiegel  in  der  Flamme  eines  gewöhnlichen  Gasbrenners  erhielt 
ich  auch  nur  einen  Gewichtsverlust  von  2-148  Pct.,  also  nahezu  die- 
selbe jMenge  Wasser,  die  Kobell  fand.  Beim  Erhitzen  vor  dem 
Gasgebläse  aber  bis  zu  constantem  Gewicht,  ergab  sich  ein  Gewichts- 
verlust von  4-879  Proc.  Diese  Wassermenge  ist  jene,  die  sich  im 
Durchschnitt  auch  bei  der  Mehrzahl  der  Talke  findet.  Wie  ich 
bereits  bemerkt  habe,  scheint  in  dem  von  mir  untersuchten  Talke 
ein  Theil  des  Wassers  inniger  gebunden  zu  sein,  da  er  erst  bei 
hoher  Temperatur  fortgeht.  Es  deutet  dies  folgender  Versuch  an: 
1-0698  Grm.  des  Minerals  wurden  im  Platintiegel  zunächst  bei 
dunkler  Rothglühhitzc  geglüht.  Nach  anderthalbstündigem  Glühen 
wog  die  Substanz  1-0553-;   bei   weiterem  durch  l^/o  Stunde  fort- 


Mineralogische  Untersuchungen.  947 

gesetzten  Glühen  zeigte  sich  kein  Aveiterer  Gewichtsverlust;  das- 
selbe war  der  Fall  als  ich  zum  drlttenmale  dieselbe  Zeit  hindurch  bei 
der  angegebenen  Temperatur  erhitzte;  der  erhaltene  Gewichtsverlust 
entspricht  l*35ö  Pct.  Wasser.  Ich  setzte  nun  das  Glühen  hei  starker 
Hellrothglühhitze  6  Stunden  lang  fort,  in  der  Weise,  daß  ich  in 
Zeiträumen  von  1 1/3  zuiy.  Stunden  das  Glühen  unterbrach  und  eine 
Wägung  vornahm.  Das  Gewicht  nahm  stetig  ab  und  war  auch  nach 
dem  sechsstündigen  Erhitzen  noch  nicht  constant;  es  beträgt  1-0203. 
Schließlich  vor  dem  Gasgebläse  geglüht,  blieb  das  Gewicht  bei 
1  •  Ol  88  unverändert.  Der  ganze  Gewichtsverlust  betrug  also  4  •  767  Pct. 
Eine  vollständige  Analyse  des  Talkes  lieferte  folgendes  Ergebniß: 

Kieselsäure 61-506 

Magnesia 30-275 

Eisenoxydul 1-382 

Thonerde 1-079 

Strontian 0-697 

Kalk 0-359 

Wasser 4-879 

100-177 

Das  Vorhandensein  von  Strontian  wurde  durch  den  Spectral- 
apparat  nachgewiesen.  Die  zur  Analyse  verwendete  Menge  war  zwar 
von  einem  Handstück  genommen,  welches  durchaus  Talk  war  und 
nichts  Bemerkbares  von  den  eingewachsenen  Mineralien  enthielt; 
möglicherweise  konnten  aber  doch  kleine  nicht  leicht  sichtbare  Parti- 
kelchen des  strontianhaltigen  Minerals  darin  enthalten  sein,  von 
denen  dann  der  gefundene  Strontian  herstammen  würde. 


048 


XIV.  SITZUNG  VOM  22.  MAI   1868. 


Der  Präsident  legt  die  soeben  erschienene  von  Hrn. Dr. L.  R ed- 
len bac  her  bearbeitete  Abtheilung  „Coleopteren"  vom  II.  Bande  des 
zoologischen  Theils  des  Novara-Reisewerkes  vor. 

Es  werden  folgende  eingesendete  Abhandlungen  vorgelegt: 

„Über  das  Isophloridziii"  und  „Über  die  Kapseln  der  Roßkasta- 
nienfriichte"  von  Herrn  Prof.  Dr.  F.  Rochleder  in  Prag. 

„Über  einige  Bestandtheile  von  Fraxinus  excelsior  L."  von 
Herrn  Dr.  W.  Gintl,  Assistenten  bei  der  Lehrkanzel  der  Chemie 
an  der  k.  k.  Universität  zu  Prag. 

„Geschichte  des  k.  k.  Hof- Naturalien- Cabinetes  in  Wien". 
IL  Abtheilung,  von  Herrn  Dr.  L.  J.  Kitzinger  in  Pest. 

„Ichthyologische  Notizen"  VII.,  von  Herrn  Dr.  F.  Stein- 
dach n  e  r. 

„Über  die  Vertheilung  der  Muskeln  des  Oesophagus  beim  Men- 
schen und  Hunde"  von  Herrn  E.  Klein. 

„Beiträge  zur  Kenntniss  des  Kehlkopfes  und  der  Trachea"  von 
Herrn  E.  Verson. 

„Beiträge  zur  Kenntniss  des  Baues  der  Placenta  des  Weibes" 
von  Herrn  Dr.  W.  Reitz. 

Herr  Baron  F,  Thümen  in  Krems  übersendet  ein  handschrift- 
liches Werk :  „Hypsometrie  von  Siebenbürgen"  und  ersucht  um  eine 
Subvention  zu  dessen  Herausgabe. 

Herr  Prof.  Dr.  E.  Brücke  übergibt  eine  Abhandlung:  „Über 
die  Musculatur  der  Atrioventricularklappen  des  Menschenherzens** 
von  Herrn  Dr.  C.  Gassenhauer. 

Herr  Prof.  Dr.  V.  Pierre  zeigt  einen  von  Dinkler  modificir- 
ten  T  r  e  V  e  1  y  a  n'schen  Apparat  vor. 

Herr  Prof.  F.  Simony  spricht  über  seine  Untersuchungen  der 
Seen  des  Traungebietes. 


949 

Herr  Dr.  A.  v.  Biesiadecki  legt  zwei  Abhandlungen  vor, 
und  zwar:  «)  „Zottenenchondrom  des  Darmbeines,  Enchondromatöse 
Thromben  der  Vena  iliaca  und  Pulmonalterien",  und  6)  „Über  Tuber- 
kelbildung in  Blutcoagulis", 

Der  Präsident  Herr  Hofrath  Dr.  K.  Rokitansky  überreicht 
zwei  Abhandlungen  und  zwar:  d)  „Zur  Anatomie  der  indurativen 
Pneumonie"  von  Herrn  Dr.  N  i  e.  W o r o  n i c h i n  aus  St.  Petersburg, 
und  h)  „Zur  Anatomie  der  ödematösen  Haut"  von  Herrn  Dr.  Wil- 
liam Young  aus  New  York. 

An  Druckschriften  wurden  vorgelegt: 
Akademie  der  Wissenschaften,  k.  bayer.,  zu  München:  Sitzungs- 
berichte. 1867.  H.,  Heft  4;  1868.  I.,  Heft  1.  München;  8o. 
Annales  des  mines.  VP  Serie.   Tome  XH,   5'  Livraison   de  1867. 

Paris;  8«». 
Apotheker- Verein,    allgem.  Osten*.:    Zeitschrift.  6.  Jahrgang, 

Nr.  10.  Wien,  1868;  8o. 
Archives  desmissionsscientifiques  et  litteraires.  H^ Serie.  TomelV., 

3^  Livraison.  Paris,  1868;  8o. 
Comptes  rendus  des  seances  de  l'Academie  des  Sciences.  Tome 

LXVI,  Nr.  18.  Paris,  1868;  4«. 
Cosmos.    3*  Serie.    XVIP  Annee,    Tome   II,  20*  Livraison.   Paris, 

1868;  8o. 
Gesellschaft,  Deutsche  geologische:  Zeitschrift.  XX. Band,  I.Heft. 

Berlin,  1868;  8». 
G  e  w  e  r  b  e  -  V  e  r  e  i  n ,    n.  -  ö. :     Verhandlungen    und    Mittheilungen. 

XXIX.  Jahrg.,  Nr.  20.  Wien,  1868;  8». 
Heidelberg,     Universität:     Akademische    Gelegenheitsschriften, 

1867—68.  4o  &  8o. 
Landbote,  Der  steierische,  L  Jahrgang.  Nr.  9.  Graz,  1868;  4». 
Mittheilungen   des  k.  k.  Genie-Comite.   Jahrg.    1868,  4.  Heft. 

Wien;  8o. 
Moniteur  scientiüque.    274*  Livraison.    Tome  X%   Anne'e    1868, 

Paris;  4o. 
Museo  publieo  de  Buenos  Aires:  Anales.  Entrega  4'\  Buenos  Aires, 

1867;  Folio. 
Revue   des  cours   scientifiques   et   litteraires   de  la   France   et  de 

l'etranger.  V*  Annee,  Nr.  24.  Paris  &  Bruxelles,  1868;  4". 

Sitzb.  d.  matheni.-n.Tfiirw.  CI.  T.VH.  Bd.  I.  Abth.  61 


950 

Rosetti,  Francesco,  Süll'  uso  delle  coppie  termoelettriche  nella  mi- 

sura  delle  temperature.   (Estr.  dal  Nuovo  Cimento,  tomo  26.) 

Pisa,  i868;  80. 
Societas  Entomologica  Rossica:  Horae.   T.   V.   Nr.  3.   Petropoli, 

1867;  So. 
Societe  Imperiale   de  Medecine  de  Constantinople:    Gazette  me- 

dicale  d'orient.   XP  Annee,  Nrs.  9  — 11.  Constantinople,  1867 

a  1868;  4o. 
Verein,  naturwissenschaftlicher,  zu  Bremen:  Ahhandlungen.  I.  Bd., 

3.  Heft.  Bremen,  1868;  80. 
Wiener  Landwirthschaftliche  Zeitung.   Jahrg.  1868,  Nr.  20—21. 

Wien;   4». 
—  Medizin.   Wochenschrift.    XVIII.   Jahrg.   Nr.   40  —  41.   Wien, 

1868;  40. 


Yoiiny:.    Zur  Anatomie  der  ödemafösen  Haut.  9 Ol 


Zur  Anatomie  der  ödematösen  Haut. 
Von  Dr.  William  Toung  aus  New-York. 

(Aus  dem   pathologisch-anatomischen  Institute  in  Wien.) 
(Mit  1   Tafel.) 

Ich  ging  an  die  Untersuchung  der  ödematösen  Haut  mit  der 
Voraussetzung,  daß  diese  uns  einen  leichteren  Einblick  in  einige, 
an  einer  normalen  Haut  nur  schwierig  zu  ermittelnde  Verhältnisse 
gestatten  wird. 

Ich  hoffte  hauptsächlich  den  Verlauf  und  den  Bau  der  Lymph- 
gefäße, SP  wie  das  Verhältniß  derselben  zu  den  Blutgefäßen  er- 
mitteln zu  können.  Es  haben  sich  im  Verlaufe  der  Untersuchung 
noch  andere  nicht  uninteressante  Ergebnisse  über  die  Entwickelung 
des  Bindegewebes  herausgestellt,  die  hier  ihre  Berücksichtigung  fin- 
den sollen. 

Die  Untersuchungsmethoden,  die  angewendet  wurden ,  waren : 
Injection  der  Lymphgefäße  einerseits  mit  löslichem  Berlinerblau, 
anderseits  mit  einer  i/a  Pct.  Lösung  von  Nitras  argenti  durch  die 
Einstiehsmethode,  so  wie  Härtung  der  ödematösen  Haut  in  «/o  P*^t. 
Chromsäurelösung. 

Eine  ziemlich  geraume  Zeit  konnte  ich  bei  der  Injection  der 
Lymphgefäße  zu  keinem  günstigen  Resultate  kommen.  Ich  führte 
dieselbe  so  aus,  daß  ich  die  Canüle  in  das  Coriumgewebe  der  öde- 
matösen Haut,  die  meist  Amputationsstümpfen  unmittelbar  nach  der 
Operation  entnommen  wurde,  eingeschoben  habe,  und  die  Injection 
unter  einem  mäßig  starken  Drucke  eines  Hering'schen  Apparates 
vornahm. 

Ich  bekam  auf  diese  Weise  eine  nur  sehr  mangelhafte  Füllung 
mit  der  Lösung  von  Berlinerblau  und  gar  nie  eine  epitheliale  Zeich- 
nung mittelst  Silber,  wie  eine  solche  für  die  Lymphgefäßwandungen 
verlangt  wird. 

Der  Grund  dafür  lag,  wie  ich  mich  später  überzeugte,  in  der 
Füllung    der  Lymphgefäßwege    mit    einer  theils  Albumen-,    theils 

61* 


952  V .,  u  H  jf. 

schleimhältigeii  Flüssigkeit,  welche  durch  die  Einwirkung  des  sal- 
petersauren Silbers  in  denselben  in  Form  von  bräunlieh  geliirbten 
unregelmäßigen  Klümpchen  coagulirte,  und  dadurch  die  Einwirkung 
des  Silbers  auf  die  Gefäßwandungen  behinderte. 

Bei  der  Injection  mit  Berlinerblaulösung  drang  dieselbe  nur  in 
die  tiefer  gelegenen  Lymphgefäße  des  Corium  imd  nur  höchst  selten 
in  die  des  oberen  hinein.  Ich  habe  mich  jedoch  überzeugt,  daß  die 
Injection  in  den  meisten  Fällen,  wenigstens  auf  kleinen  Strecken,  gün- 
stige Resultate  liefert,  wenn  mau  die  das  Gewebe  tränkende  Flüssig- 
keit möglichst  vollkommen  aussickern  läßt. 

Dieses  gelingt  immer ,  wenn  man  bis  in  das  Unterhautzell- 
gewebe reichende  Einschnitte  macht  und  die  Haut  einige  Stunden 
lang  hängen  läßt.  Die  früher  prallgefülUe  Haut  wird  schlaff  und  die 
Injectionsmasse  dringt  jetzt  mit  Leichtigkeit  in  die  leeren  Räume 
hinein.  Die  untersuchten  Haulstücke  liabe  ich,  wie  gesagt,  meist  den 
Amputationsstümpfen  entnommen,  an  denen  z.  B.  in  Folge  von  Caries 
der  Knochen,  Oedem  der  Finger  zugegen  war.  In  zwei  Fällen  habe 
ich  auch  die  Blutgefäße  injicirt.  Überdies  untersuchte  ich  die  öde- 
matöse  Haut  der  Scrota  und  eine  solche  vom  Knie. 

Die  injicirlen  Hautstücke  wurden  in  Alkohol  gehärtet  und  die 
Schnitte  in  Glycerin  untersucht.  Die  Resultate,  zu  denen  ich  gekom- 
men bin,  sind  in  Kürze  folgende:  Die  Injection  mit  löslichem  Ber- 
linerblau führte  in  Bezug  auf  den  Verlauf  der  Lymphgefäße  zu  dem- 
selben Resultate,  zu  welchem  Teich n» an n  (Das  Saugadersystem, 
Leipzig  1861)  gelangt  ist.  Sie  bilden  im  Corium,  sowohl  der  Finger 
als  des  Scrotums,  mehrfache  Lagen  eines  dichten  Netzwerkes,  welche 
durch  verhältnißmäßig  breite  und  zahlreiche  Aste  mit  einander  ana- 
stomosiren.  Es  gelang  mir  übrigens  auf  diese  Weise  nie  Lymph- 
gefäße in  den  Papillen  der  Finger  nachzuweisen. 

Die  Injection  mit  Silber  gestattete  die  Structur  der  Wandungen 
dieser  Lymphgefäße  genauer  zu  studiren.  Ich  bekam  nur  nicht 
immer  eine  gleiche  Färbung  der  Wand,  indem  an  einigen  Präparaten, 
ja  an  einzelnen  Stellen  desselben  Präparates,  Zeichnungen  zu  Stande 
kamen,  welche  bald  der  Kittsubstanz  der  Epithelialzellen,  bald 
blos  den  Kernen  derselben  entsprachen;  manchmal  bezeichnete  eine 
braungelbe,  der  Gefäßwand  anliegende  moleculäre  Masse  den  Verlauf 
des  Lymphgefäßes.  Wie  immer  sich  das  Bild  gestaltet  haben  mag, 
bekam  man  doch  einen  deutlichen  Contour  der  Lymphgefäße,  so  daß 


Zur  Anatomip   der  ödematösen   Haut.  9o3 

man  niclit  allein  ihren  Verlanf  verfolgen,  sondern  anch  die  Strnctiir 
der  Gefäßwand,  iiamentlieli  naeh  Imbibition  in  Karmin,  stndiren 
konnte. 

Man  überzeugt  sich  auf  diese  Weise,  daß  die  die  Kittsubstanz 
repräsentirenden  braunen  Fäden  von  geschlängeltem  Verlaufe  in  den 
engeren  Gefäßen  des  oberen  Coriums  kleinere ,  in  den  breiteren 
größere  Räume  umschließen,  welche  abgerundete,  der  Längsaxe 
der  Blutgefäße  parallele,  zwei  und  auch  mehrmal  so  lange  als  breite 
Vierecke  darstellen.  Namentlich  an  den  breiten  Asten,  welche  die 
Anastomosen  zwischen  den  einzelnen  Lagen  bilden,  sind  diese  Vier- 
ecke im  Verbältniß  zur  Länge  sehr  schmal.  Niemals  fand  ich 
Stellen,  an  denen  bei  vollständiger  Färbung  der  Kittsubstanz  der 
Zellen  auch  ihre  Kerne  durch  Silber  gefärbt  worden  waren,  so  wie 
umgekehrt  die  braune  Färbung  der  Kittsubstanz  nur  höchst  unvoll- 
ständig zu  Stande  kam,  wenn  Kerne,  die  ich  für  solche  der  Epithelien 
halten  mußte,  sich  braun  gefärbt  haben. 

Die  Imbibition  der  Schnitte  in  karminsaurem  Ammoniak  ließ 
die  Kerne  als  ovale,  licht  rosaroth  gefärbte,  bläsclienähnliche  Gebilde 
hervortreten,  welche  in  das  Lumen  der  Gefäße  zur  Hälfte  liinein- 
ragten  (Fig.  3).  Die  in  den  Lymphgefäßen  des  unteren  Coriums  auf- 
tretenden Klappen  bestehen  aus  einer  doppelten  Lage  solcher  kern- 
haltiger Zellen. 

Es  ist  von  Vi'^ichtigkeit ,  das  Verbältniß  der  Blutgefäße  zu  den 
Lymphgefäßen  hervorzuheben. 

Es  ist  wohl  richtig,  daß,  wie  allgemein  angegeben  wird,  die 
Lymphgefaßverzweigungen  unabhängig  von  den  Blutgefäßnetzen 
verlaufen,  namentlich  für  das  untere  Corium. 

Im  oberen  Corium  liegt  jedoch  fast  immer  ein  meist  um  1/3  en- 
geres Blutgefäß  unmittelbar  dem  Lymphgefäße  an,  und  im  untersten 
Corium  sind  es  hie  und  da  zwei,  welche  dasselbe  beiderseits  be- 
gleiten (Fig.  3)  1).  Oft  bekam  ich  auch  Bilder  aus  dem  oberen 
Corium,  welche  dafür  sprachen,  daß  wenigstens  eine  kleine  Strecke 
das  BlutgefälJt  mitten  in  der  Höhle  des  Lymphgefäßes  verlief,  ohne 
daß  ich  dies  jedoch  mit  Bestimmtheit  behaupten  könnte ,  da  an 
dünnen  Schnitten  nur  sehr  kleine  Stücke  der  Gefäße  vorlagen,  an 


1)  Vergleiche:  Über  das  Lymphgeräßsystem  des  Frosches  von  Dr.  Langer,  diese  Be- 
richte 33.  Bd.   Aprilheft. 


934  Y  0  u  n  g. 

dickeren  dagegen  sich  nicht  entselieiden  ließ,  ob  nicht  das  Hlulgefäß 
unterhalb  der  unteren  Lymphgefäßwand  gelegen  ist.  Nur  ausnahms- 
weise fand  ich  an  mit  Silber  injicirten  Präparaten  hie  und  da  in  den 
Papillen  der  Finger  ein  central  gelegenes,  bis  zur  Mitte  derselben 
hinaufreiciiendes  Lymphgefäß ,  am  Scrotum  eine  kleine  in  die 
flachen  Papillen  hineinreichende  Lymphgefäßschlinge.  —  Die  Weite 
dieser  Gefäße  war  an  verscliiedenen  Präparaten  in  Folge  des 
verschiedenen  Grades  des  Ödems  auch  derartig  wechselnd,  daß  ich 
es  mit  Zahlen  auszudrücken  unterlasse;  im  Allgemeinen  kann  man 
sagen,  daß  die  Breite  der  Lymphgefäße  selbst  die  dreifache  Breite 
der  nächst  anliegenden  Blutgefäße  überschreiten  könne. 

■  Die  epithelähnliche  Zeichnung  liegt  in  den  Lymphgefäßen  des  obe- 
ren Corium  unmittelbar  über  Bindegewebsfibrillen,  die  blos  dichter  als 
anderwärts  das  Gefäß  umgeben.  In  den  Gefäßen  des  unteren  Corium 
schiebt  sich  aber  zwischen  die  Epithelialzellen  und  das  umge- 
bende Bindegewebe  ein  mäßig  dichtes  Netz  von  elastischen  Fasern 
hinein,  welches  schon  He  nie')  zum  Erkennen  der  Lymphgefäße  ge- 
braucht hat  (Fig.  3). 

Außer  diesen  von  Epithelien  begrenzten  Lymphcanälen  füllen 
sich  aber  im  subcutanen  Bindegewebe  auch  andere  viel  größere  Räume 
mit  der  Injectionsflüssigkeit,  namentlich  um  den  Einstichcanal  herum. 

Diese  Räume,  der  eigentliche  Sitz  der  das  Ödem  bedingenden 
Flüssigkeit,  bilden  keine  für  sich  abgeschlossenen  Loculi,  sondern  sie 
werden  von  Bindegewebsfäden  und  Zellen  durchsetzt,  welche  am 
Schnitte  ein  Maschenwerk  darstellen. 

Dickere  aus  einer  Summe  von  Fasern  und  Zellen  gebildete 
Stränge  schließen  nämlich  große  Räume  ein,  welche  ihrerseits 
durch  isolirte  Zellen  und  Fasern  in  kleinere  abgegrenzt  werden. 
Diese  dickeren  Stränge  verlaufen  im  oberen  Corium  meist  den  Blut- 
gefäßen entlang  und  bilden  da  ein  engeres  Maschenwerk,  als  im 
unteren  Corium,  in  welchem  die  Blut-  und  Lymphgefäße  meist  in  der 
Mitte  eines  solchen  Raumes  verlaufen.  Die  Größe  dieser,  so  wie  der 
secundären  Maschenräume,  hängt  von  dem  Grade  des  Ödems  ab. 
In  den  höchsten  Graden  desselben  aber  begrenzen  sehr  dünne  Faser- 
bündeln die  primären  Maschenräume,  während  vollkommen  isolirte 


')    Lelubiith  der  Anülomie    IV.  Bd.    S.  413. 


Zur  Anatomie  der  ödematösen  Haut.  95  5 

Bindegewebszellen  nnd  Fasern  die  secundären  Räume  durchziehen 
(Fig.  4). 

Beide,  namentlich  aber  die  Protoplasmasubstanz  der  Binde- 
gewebszellen schließen  einen  feinen  moleculären  bräunlichen  Silber- 
niedersclilag  ein. 

Man  kann  sich  an  solchen  Präparaten,  da  sich  die  Zellen  mit 
ihren  langen  Fortsätzen  auf  weitere  Strecken  verfolgen  lassen,  mit 
Leichtigkeit  überzeugen,  daß  beinahe  jeder  Bindegewebs- 
fibrille   eine  Bindegewebszelle   entspricht. 

Der  Leib  der  Zelle  ist  spindelförmig,  imbibirt  sich  in  Karmin 
stark  roth  und  schließt  einen  stärker  imbibirten  Kern  ein.  Die  Fort- 
sätze dieses  Zellenleibes  stellen  die  Bindegewebsfibrillen  dar,  sie 
theilen  sich  zwei-  auch  dreifach  und  färben  sich  in  Karmin  nur 
blaßroth. 

In  den  secundären  Räumen  findet  man  überdies  frei  im  Maschen- 
raume  liegende,  die  farblose  Blutzelle  an  Größe  etwas  übertreffende, 
entweder  runde  oder  ovale  oder  auch  einigermaßen  spindelförmige 
Zellen,  welche  am  zahlreichsten  in  der  Nähe  der  Blutgefäße  liegen, 
ja  manchmal  dieselben  scheidenartig  umgeben. 

Auf  dieses  letzterwähnte  Verhältniß  habe  ich  auch  Hautstücke 
untersucht,  welche  in  Folge  lang  andauernden  Ödems  hypertrophirt 
waren  und  wo  es  zu  einer  Art  von  Pachydermie  gekommen  ist. 
Diese  zeichnete  sich  aus  durch  ein  besonderes  Reichthum  an  solchen 
freiliegenden  Zellen  und  auch  an  vermehrten  Spindelzellen,  welche 
verschieden  lange  bindegewebige  Fortsätze  zeigten. 

Diese  Untersuchung  weist  uns  also  nach,  daß  beim  Ödem  der 
Haut  die  dasselbe  bedingende  Flüssigkeit  in  Räumen  sich  befindet, 
welche  zum  Theile  von  Bindegewe])sbalken,  zum  Theile  von  voll- 
kommen isolirten  Bindegewebszellen  und  Fasern  durchzogen  werden ; 
daß  diese  Räume  keine  Loculi  darstellen  und  keine  besondere  sie 
begrenzende  Membran ,  die  etwa  von  Epithelialzellen  gebildet  wäre, 
besitzen;  daß  diese  Räume  überdies  von  Canälen  durchzogen  wer- 
den, welche  entweder  vom  Epithel  allein  oder  von  solchem  und  einem 
elastischen  Netzwerke  begrenzt  werden.  Da  ich  mir  unmöglich 
vorstellen  kann,  daß  die  Flüssigkeit  beim  Ödem  die  Bindegewebs- 
fasern und  Zellen  derartig  aus  ihrem  Contact  bringt,  daß  sie  nicht 
mehr  ernährt  werden  könnten  (wenn  dieses  geschieht,  so  tritt  wohl 
Gangrän  ein),  so  muß  ich  glauben,  daß  aueli  in  der  normalen  Haut 


956  Y  o  II  n  g. 

zwischen  den  Fasern  sich  mit  Flüssigkeit  gefüllte  Räume  hefinden, 
welche  beim  Ödem  ausgedehnt  wurden.  Ich  muß  sie  wohl  für 
präexistirende  und  nur  beim  Ödem  stark  ausgedehnte  Lymphräume 
erklären.  Dafür,  daß  dies  nicht  abgeschlossene  Loculi  oder  vielfach 
gewundene  Canäle  sind,  spricht  außer  dem  Mangel  einer  besonderen 
sie  begrenzenden  Membran  der  Umstand,  daß  die  sie  erfüllende 
Flüssigkeit  durch  einen  verhältnißmäßig  kleinen  Einstich  von  weiten 
Strecken  sich  entleert.  Wieso  diese  Räume  mit  den  von  besonderen 
Wandungen  begrenzten  Lymphcanälen  zusammenhängen,  bin  ich 
nicht  in  der  Lage  zu  entsciieiden.  Ich  kann  nur  darauf  aufmerksam 
machen,  was  schon  Recklinghausen  gethan  hat,  daß  zwischen 
den  Epithelialzellen  der  Lymphgefäße  im  Vergleiche  zu  jenen  der 
Blutgefäße  zahlreichere  und  größere  Stomata  vorkommen  i). 

In  Folge  der  Isolirung  der  Bindegewebsfasern  und  Zellen  durch 
die  Flüssigkeit  läßt  sich  auch,  Avas  man  an  der  normalen  Haut  nicht 
verfolgen  kann,  die  Entwickelung  der  Bindegewebsfasern  aus  den 
Bindegewebszellen  verfolgen,  wie  dieses  in  neuester  Zeit  Kus ne- 
tz off  a)  für  das  Unterhautzellgewebe,  Obersteiner  s)  für  die 
Sehne  nachgewiesen  haben.  Man  überzeugt  sich  nämlich  an  der 
ödematösen  Haut  mit  Leichtigkeit,  daß  der,  aus  gekörnter  in  Kar- 
min sich  roth  imbibirender  Protoplasmasubstanz  bestehende  spin- 
delförmige Leib  der  Bindegewebszelle  meist  beiderseits  zu  einer 
dünnen  einfachen  oder  sich  dichotomisch  theilenden  Rindegewebs- 
faser  wird,  welche  sich  chemisch  von  dem  Protoplasma  der  Zelle 
difTerenzirt,  indem  sie  sich  in  Karmin  nicht  mehr  färbt,  und  eine 
homogene  starre  Masse  darstellt.  Es  läßt  sich  ferner  constatiren, 
daß  die  spindelförmige  Bindegewebszelle  aus  runden,  frei  in  den 
Lücken  des  Gewebes  liegenden  Zellen  sich  entwickle,  indem  letztere 
oval,  nachträglich  spindelförmig  werden. 

Diese  frei  in  den  RäumcAi  der  Haut  liegenden  Zellen  sind  offen- 
bar jenen  gleich,  welche  in  den  Lücken  der  Cornea  wandern,  und 
von  Recklinghausen  deßhalb  als  wandernde  Zellen  bezeichnet 
wurden,  deren  Ursprung,  da  sie  einerseits  in  der  Höhle  der  Blut- 


*)   Vergleiche  Ludwig  u.  Tomsn  :   Die  Lymphwege  des  Hodens  und   ihr  Verhältniß 

zu  den  Blut-  und  Samengefäßen.   Riese  Berichte  46.  Bd,  S.  221. 
*)  Berichte  der  k.  k.  Akad.  der  Wissenschaften.   Bd.  S6,   S.  2S1, 
')   Dto.   S.  162. 


YiiiMii:'    Zur  Aiialomio  drr  odemalüseii  llaiil. 


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Zur  Anatomie   der  fldematösen   Häuf.  95  / 

gefäße,  andererseits  am  dichtesten  um  die  Blutgefäße  liegen,  in  den 
farblosen  Blutzellen  zu  suchen  ist,  weßhalb  sie  auch  als  Exsudat- 
zellen zu  bezeichnen  wären. 


Erklärung    der    Abbildungen. 

Fig.  i.  Aus  der  Haut  eines  ödematösen  Scrotum.  60fache  Vergrößerung. 
Die  Lymphgefiiße  durch  i/o  Pct.  Silberlösung  injicirt.  Die  Kerne  der  Epiflielien  der 
Lymphgefäße  bräunlich  gefärbt,  a  Querschnitt  der  tieferen  Lage  der  Corium- 
Lymphgefäße,  b  mittlere  Lage  derselben,  c  Lymphgefäßschh'ngen  der  Ober- 
fläche, rf  Blutgefäße. 

Fig.  2.  Aus  der  ödematösen  Haut  eines  Fingers,  a  und  b  zwei  parallel 
verlaufende  Lymphgefäße  durch  einen  breiten  Ast  c  mit  einander  anastomo- 
sirend,  d  Ostium  eines  tiefer  verlaufenden  Astes. 

Die  Kittsubstanz  der  Epithelialzellen  durch  Silber  schwarzbraun  gefärbt. 
Bei  /"Stomata. 

Fig.  3.  Querschnitt  eines  Lymphgefäßes  aus  dem  Scrotum,  dessen  Lumen 
durch  ein  Stück  faj  der  unteren  Lymph-Gefäßwand  zumTheile  verdeckt  ist,  in 
Carmin  roth  imbibirt,  b  in  das  Lumen  des  Gefäßes  stark  prominirende  Kerne 
der  Epithelialzellen ,  c  an  der  Wand  haften  gebliebene  Lymphzellen ,  rf  Netz- 
werk von  elastischen  Fasern  gebildet,  /'ein  Blutgefäß,  welches  unterhalb  der 
Wand  des  Lymphgefäßes,  g  ein  zweites,  welches  an  der  Wand  desselben 
verlauft. 

Fig.  4.  Aus  dem  tiefsten  Corium-Stratuin  eines  stark  ödematösen  Scrotum. 
a  Bindegewebsbündeln,  welche  größere  Bäume  abgrenzen,  die  wiederum  durch 
isolirt  verlaufende  Bindegewebszellen  und  Fäden  durchzogen  werden,  b  große, 
mehrere  Fortsätze  ausschickende  Bindegewebszellen,  welche  bei  c  eine  kern- 
lose Anhäufung  von  Protoplasmasubstanz  zeigen,  von  welcher  ebenfalls  dicho- 
tomisch  sich  theilende  Fortsätze  ausgehen.  Auf  diese  Weise  kommt  ein  Netz- 
werk von  Fasern  gebildet  zu  Stande,  in  dessen  Knotenpunkten  keine  Kerne  zu 
finden  sind,  d  und /"zwei  mit  einander  zusammenhängende  Bindegewcbszellen, 
ff  runde,  den  farblosen  Blutzellen  an  Größe  gleichende  Zellen  (Wamlerzellen). 
Fig.  2,  3  u.  4  gezeichnet  unter  Hartnack's  Obj.  8  und  Ocul.  3. 


9  J)  8  \V  I)  r  o  n  i  c  h  i  n . 


Zur  Analomie  der  imhirativen  Pneumonie. 
Von  Dl'.  Nicolaus  Woronicliin  aus  St.  Petersburg. 

(Aus  dem  patliol.-anat.  Institute  in  Wien.) 
(Mit  einer  Tafel.) 

Eine  Induration  ganzer  Lungenflügel ,  als  Ausgang  einer  crou- 
posen  Pneumonie,  die  man  auch  als  chronische  Pneumonie  bezeich- 
net, gehört  zu  den  Seltenheiten. 

Ich  habe  Gelegenheit  gehabt,  drei  indurirte  Lungen  genau  un- 
tersuchen zu  können.  Sie  stammten  von  plötzlich  verstorbenen  und 
unbekannten  Individuen,  die  sanitäts-polizeilich  obducirt  wurden 
und  deren  Krankengeschichte  mir  aus  diesem  Grunde  unbekannt  ist. 
In  allen  Fällen  war  es  die  linke  Lunge,  welche  mittelst  dicker  und 
derber  Schwielen  mit  dem  Thorax  verwachsen  war.  Der  Unterlappen 
so  wie  der  hintere  Antheil  des  Oberlappens  waren  luftleer,  blutarm, 
sehr  dicht  und  derartig  derb,  daß  man  beim  stärksten  Drucke  mit 
dem  Finger  in  dieselben  nicht  eindringen  konnte,  der  vordere  An- 
theil des  Oberlappens  war  gewulstet,  blutreich  und  von  einer  kleb- 
rigen, spärliche  Luftbläschen  einschliessenden  Flüssigkeit  getränkt. 
Die  derbsten  Antheile  der  Lunge  zeichneten  sich  auf  dem  Durch- 
schnitte besonders  durch  Anämie  und  Trockenheit  aus.  Es  füllten 
die  stark  ausgedehnten  Alveolen  starre,  graugelbe  mohnkorngrosse 
und  kleinere  Exsudatmassen,  die  sich  durch  Druck  nicht  heraus- 
pressen Hessen.  Einzelne  erbsengrosse  Partien  der  Lungen  waren 
von  einem  homogenen  graugelben  Ansehen,  die  Alveolarwände  da- 
selbst unkenntlich.  An  der  Grenze  zwischen  der  lufthaltigen  und  der 
derben  Lungensubstanz  waren  die  Alveolarwände  in  Folge  einiger 
Injection  mit  Blut  deutlicher  von  der  Exsudatmasse  zu  unterschei- 
den. Beim  Schaben  entleerte  sich  eine  gelbliche,  klebrige  und  nur 
wenig  getrübte  Flüssigkeit,  in  welcher  vereinzelte  Eiter-  und  reich- 
liche Epithelialzellen  suspendirt  waren.  Bei  zwei  Individuen  fand 
sich  in  dem  unteren  Lappen  der  rechten  Lunge  eine  frische  grau- 


Zur  Anatomie  der  intlurativeii  Pneumonie.  959 

rollie  Hepatisation  vor,  beim  dritten  eine  hochgradige  Blenorrlioe 
der  Bronchien.  Die  Lungen  wurden  zum  Zwecke  der  Untersuchung 
in  verdünnte  Lösung  von  Chromsäure  eingelegt.  Schnitte  davon  ent- 
weder in  carminsaurem  Ammoniak  gefärbt  oder  auch  ungefärbt  in 
Damarfirniss  eingeschlossen  untersucht. 

Die  Untersuchung  ergab  nun  Folgendes.  An  der  Gränze  der 
Induration  sind  die  Blutcapillaren  der  Alveolen  von  angehäuften 
Blutzellen  ausgedehnt,  das  Gewebe  derAlveolarwand  etwas  gelockert. 
In  der  Höhle  des  Alveolus  findet  man  in  mäßiger  3Ienge  runde, 
gekörnte,  an  Größe  den  farblosen  Blutkörperchen  gleichende  Zellen, 
nebst  spärlichen  meist  Pigmentkörnchen  und  einen  deutlichen  Kern 
einschließenden  Epithelialzellen.  Diese  Zellen  liegen  lose  in  einem 
Netzwerke,  welches  aus  dünnen,  in  Carmin  sich  nur  schwach  roth 
iarbenden  Fäden  gebildet  wird. 

Je  näher  der  Induration,  desto  mehr  wird  der  Alveolus  durch 
in  ihm  angehäufte  Zellen  ausgedehnt,  selbst  etwa  auf  das  Maximum 
der  Inspiration.  Die  Alveolarwand  erscheint  verdünnt,  die  Blut- 
gefäße comprimirt.  Die  Zellen,  welche  den  Alveolus  ausfüllen, 
sind  in  der  nächsten  Nähe  der  Alveolarwand  etwa  von  der  Größe 
der  farblosen  Blutelemente,  nehmen  aber  gegen  die  Mitte  der 
Alveolen  an  Größe  stetig  zu,  wo  sie  selbst  dreimal  so  groß  sind; 
sie  schließen  einen  deutlichen  Kern  ein,  ihre  Protoplasmasabstanz 
ist  an  der  Peripherie  dichter  und  von  Carmin  stärker  roth  gefärbt, 
als  um  den  Kern  herum,  wo  sie  fein  gekörnt  ist.  Einige  dieser  Zellen 
und  zwar  die  größten  schließen  zwei,  ja  auch  mehr  Kerne  ein.  Diese 
Zellen  sind  durch  gegenseitigen  Druck  meist  polyedrisch  gestaltet,  es 
finden  sich  jedoch  Alveolen,  in  denen  sie  eine  Spindelform  annehmen, 
wo  sie  dann  dicht  die  Alveolarwand  überkleiden  und  einen  verhältniß- 
mäßig  sehr  dünnen  Zellenleib  besitzen. 

An  den  derbsten  Partien  der  Lungen  sind  die  Alveolen  noch 
mehr  ausgedehnt,  sie  schließen  ein  dichtes  Netzwerk  ein,  welches, 
gegen  die  Alveolarwand  scharf  begrenzt  (Fig.  II),  seine  ganze  Höhle 
ausfüllt.  Dieses  Netzwerk  besteht  aus  dünnen,  glatten  Fäden,  welche 
in  der  Peripherie  viel  dichter  als  im  Centrum  liegen  und  in  Folge 
dessen  periphere  kleinere  Maschem'äume  als  im  Centrum  begrenzen. 
In  den  Maschen  des  Netzwerkes  liegen  nur  hie  und  da  in  spärlicher 
Menge  Kerne,  die  denen  der  oben  beschriebenen  Zellen  gleichen, 
nebst  einer  spärlichen  molecularen  Masse. 


POO  \V  o  r  o  n  i  <•  li  i  II. 

In  größerer  Anzalil  sind  aber  solche  Kerne  zugegen,  welche  an  den 
Fäden  und  zwar  an  dem  Knotenpunkte  derselben  oder  auch  außerhalb 
dieser  haften.  Oft  findet  man  mitten  im  Netzwerke  eine  Gruppe  von 
Zellen,  wie  sie  oben  beschrieben  wurden,  zwischen  denen  nichts  von 
dem  oben  angegebenen  Netzwerke  nachzuweisen  ist. 

Die  Wand  des  Alveolus  ist  verdünnt,  schließt  nur  eine  spärliche 
Menge  von  Kernen  in  einem  leicht  streifigen  Bindegewehe  ein,  sie  ist 
scharf  begrenzt  und  manchmal  selbst  durch  eine  feine  Lücke  von 
dem  Netzwerke  getrennt.  An  ausgebreiteten  Stellen  verwischt  sieh 
jedoch  diese  scharfe  Grenze,  und  indem  die  Räume  des  Netzwerkes 
immer  kleiner  werden,  gelingt  es  nur  mit  Mühe,  die  Alveolarwand 
von  dem  dichten  Faserwerke  zu  unterscheiden. 

Rokitansky  ')  findet  bei  der  indurativen  Pneumonie  in  dem  den 
Lungen  entnommenen  Fluidum  den  Eiter-  und  Epithelialzellen  Gebilde 
beigemischt,  die  als  Bindegewebselemente  neuer  Bildung  angesehen 
Averden  müssen;  zuweilen  lasse  sich  die  Anhildung  von  runden  und 
spindelförmigen  Zellen  in  den  Gerüstbalken  entdecken. 

Nach  Förster  2)  beruht  der  Proceß  auf  Füllung  der  Lungen- 
bläschen mit  Exsudat  und  Zellen,  jedoch  ist  diese  Füllung  weniger 
massenhaft  als  bei  der  acuten  Form,  wogegen  sie  desto  länger  in  den 
Lungenbläschen  bleibt  und  deßhalb  zu  ihrer  Verödung  und  Zerstörung 
führt.  Das  interstitielle  Gewehe  betheiligt  sich  an  dem  Proceße  durch 
Neubildung  von  Kernen,  Zellen  und  zuweilen  auch  vom  Bindegewebe. 

Heschl  s)  findet  den  Sitz  der  Erkrankung  in  der  Alveolarwand 
und  läßt  die  spindelförmigen  Zellen,  welche  die  Alveolarwand  be- 
kleiden, aus  den  Kernen  der  Capillaren  sich  entwickeln. 

Fassen  wir  den  oben  beschriebenen  Befund  der  drei  Fälle  von 
Lungeninduration  zusammen,  so  haben  wir  gesehen,  daß  in  den 
vorderen  Antheilen  der  Oberlappen,  neben  einer  mäßigen  Injection  der 
Blutcapillaren,  in  der  Höhle  der  Alveolen  zum  Theile  Exsudatzellen,  zum 
Theile  vermehrte  Epithelialzellen  sich  befanden.  Außerdem  durchsetzte 
den  Alveolus  ein  Fibrinnetz,  welches  aus  dünnen,  in  Carmin  schwach 
imbihirten  und  aus  einer  punktförmig  angeordneten  Masse  gebildeten 


')   Lehrbuch  der  pathol.  Ana(.   III.  Bd.,  S.  70  und  7St. 
~)   Hand,  der  sp.  PaUiol.  Anal.    S.  249. 

')   Über  Lungeninduration    und    die    dabei   eintretenden  Veränderungen   der  Gefäße. 
(Prag.  Vjerteljahresscbrift  18S6.    III.  Bd.) 


Zur  Anafoinie  der  indurafiveii  Pneumonie.  96  j[ 

Fäden  besteht.  Je  näher  der  Induration,  desto  mehr  füllen  epithelähnliche 
Zellen  den  Alveolus  aus  und  dehnen  die  Alveolarwand  mit  Compression 
der  Blutgefäße  selbst  auf  das  Maximum  der  Inspiration  aus.  Diese 
Zellen  sind  in  der  Nähe  der  Alveolarwand  von  der  Größe  der  farb- 
losen Blutzellen  und  nehmen  gegen  das  Centrum  des  Alveolus  durch 
Massezunahme  der  Protoplasmasubstanz  an  Größe  zu,  die  kleinen 
schließen  einen,  die  größeren  manchmal  zwei,  auch  mehrere  Kerne 
ein.  Mit  ihrer  Größenzunahme  verändern  diese  Zellen  ihre  bisherige 
Gestalt,  sie  werden  spindelförmig,  selbst  zu  einem  langgezogenen 
Faden,  in  dem  der  Kern  nur  mit  Mühe  zu  entdecken  ist,  und  schicken 
mehrere  feine  Fortsätze,  die  sich  auch  theilen,  aus.  Auf  diese  Weise 
kommt  ein  von  feinen  Fäden  gebildetes  Netzwerk  zu  Stande,  in 
dessen  Räumen  nur  hie  und  da  feine  moleculare  Masse  lagert. 
Zuweilen  ist  ein  Theil  des  Alveolus,  und  das  ist  in  der  Regel  der 
centrale,  von  Zellen  erfüllt,  zwischen  denen  hie  und  da  ein  groß- 
maschiges Fibrinnetz  verläuft.  An  der  Stelle  der  stärksten  Induration 
erfüllte  den  Alveolus ,  dessen  Wände  sehr  stark  ausgedehnt  und 
comprimirt  erschienen,  ein  dichtes  Netzwerk,  gebildet  von  feinen 
glatten  Fäden,  dessen  Masciienräume  in  der  Peripherie  kleiner  als 
im  Centrum  waren,  dessen  größte  aber  kaum  die  Hälfte  einer  großen 
Zelle  einzuschließen  vermocht  hätte. 

An  einzelnen  Stellen  war  das  Netzwerk  von  der  Alveolarwand 
noch  deutlich  getrennt,  an  anderen  ziemlich  ausgebreiteten  dagegen 
setzten  sich  die  Fäden  in  die  Wand  des  Alveolus  fort  und  es  war 
eine  vollständige  Verschmelzung  zwischen  beiden  eingetreten.  Zupft 
man  den  Alveolarinhalt  aus  einer  in  Chromsäure  gehärteten  Lunge 
mit  einer  feinen  Pincette  heraus,  so  bekommt  man  meist  zerbröckelte 
Stücke  von  Zellen.  Aus  einer  frischen  Lunge  gelang  es  mir,  aus  der 
nächsten  Umgebung  der  indurirten  Lungenstellen  Zellen  zu  isoliren, 
welche  spindelförmig  oft  zu  feinen  Fäden  ausgezogen  waren,  ferner 
verhältnißmäßig  kleinere,  welche  mehrere,  sich  oft  dichotomisch 
theilende  Fortsätze  nach  mehreren  Seiten  abgaben. 

Es  fragt  sich  nun:  auf  welche  W^eise  ist  es  zur  Bildung  der  den 
Alveolus  ausfüllenden  Zellen  und  ferner  des  Netzwerkes  gekommen. 

Die  erste  dieser  Fragen  läßt  sich  auf  eine  positive  Weise  nicht 
beantworten.  Sicher  ist  es,  daß  sie  ihren  Ursprung  nicht  den  in  der 
Alveolarwand  gelegenen  Zellen  A'erdanken,  denn  selbst  an  jenen 
Stellen,  wo  der  Proceß  seinen  Höhepunkt  erreicht  hatte,  findet  man 


962  ^^  "  ''  "  "  i  *■  li  i  II. 

keine  Vermehrung  derselben.  Sie  konnten  sich  also  entweder  aus 
den  Epithelialzellen  entwickelt  haben  oder  sie  sind  Exsudatzellen. 
Für  die  erste  Ansicht  spricht  das  Vorkommen  von  Epithelialzellen. 
welche  zwei,  auch  drei  Kerne  einschließen,  so  daß  eine  Zeilentheilung 
angenommen  werden  kann:  dagegen  spricht  jedoch  das  verbältniß- 
mäßig  seltene  Vorkommen  der  mehrkernigen  Zellen  und  der  Umstand, 
daß  solche  sich  hlos  im  Centrum  des  Alveolus,  nicht  in  der  Peripherie 
vorfanden,  wo  in  der  Regel  die  kleinsten  und  allem  Anscheine  nach  auch 
jüngsten  Zellen  liegen.  Für  die  Ansicht,  die  Zellen  seien  als  Exsudat- 
zellen aufzufassen,  spricht  außer  dem  zuletzt  angeführten  Grunde 
der  Umstand,  daß  die  lilutget'äße  beim  Beginne  der  Erkrankung  von 
Blutzellen  vollgefüllt  M^^ren  und  daß  neben  den  epithelähnlichen 
Zellen  sich  auch  solche  vorlinden ,  welche  den  farblosen  Blutkörper- 
chen vollkommen  glichen.  Ich  glaube  deßhalb  schließen  zu  dürfen, 
daß  ähnlich  wie  es  Pagen  stech  er  bei  den  chronischen  Haut- 
krankheiten und  beim  Epithelioma  nachgewiesen  hat,  es  hier  zu 
einer  Exsudation  von  Zellen  gekommen  ist,  welche  in  längerm  Con- 
tacte  mit  den  Epithelialzellen  der  Alveolen  sich  zu  Epithelien  umge- 
stalten, wobei  übrigens  eine  Zeilentheilung  möglich ,  vielleicht  auch 
wahrscheinlicli  ist. 

Was  den  zweiten  Punkt,  die  Entwicklung  des  die  Alveolen 
ausfüllenden  Netzwerkes  anbetrifft,  so  steht  fest,  daß  dasselbe  den 
Zellen,  welche  den  Alveolus  ausgefüllt  haben,  seinen  Ursprung  ver- 
danke. Ich  habe  eine  Zeit  lang  daran  gedacht,  ob  dieses  sich  nicht 
auf  eine  ähnliche  AVeise  entwickele,  wie  E.  Wagner  »)  in  der 
Croupmembran  und  Bayer  2)  in  der  croupösen  Pneumonie  das 
Fihrinnetzwerk  aus  den  Epithelzellen  entstehen  lassen.  Ich  muß 
jedoch  dieser  Ansicht  eben  so  widersprechen,  wie  es  schon  Reitz») 
bei  der  croupösen  Entzündung  der  Luftröhre  gethan  hat. 

Ich  kann  dieses  Netzwerk  nicht  für  ein  Fihrinnetz  erklären, 
indem  es  sich  von  letzterem  durch  die  Glätte  und  Starrheit  der 
Fäden  und  durch  seine  Dichtigkeit  unterschied.  Das  Fibrinnetzwerk, 
welches  zwischen  den  Zellen  verlief,  scheint  zu  jener  molecularen 


1)  Archiv  für  pliys.  Heilkunde,  vr.  Heft   1866. 

'^)  Das  Epithel  der  Lung-enalveolen  und  seine  Bedeutung  in  der  croupösen  Pneumonie. 

Archiv  für  phys.  Heilkunde  1867. 
3)  Sitzungsher.  der  li.  k.  Akad.  der  Wissensch.  LV.  Bd.    Märzheft  1867. 


Zur  Anatomie  der  iudurativeii  Pneumonie.  HOO 

Masse,  welche  in  den  Maschen  des  Netzes  liegt,  zerfallen  zu  sein. 
Eben  so  wenig  kann  dieses  Netzwerk  ans  der  Kittsubstanz  oder  der 
verdichteten  peripheren  Protoplasmasubstanz  der  Zellen  ,  deren 
innerer  Theil  samnit  dem  Kerne  etwa  zerfallen  wäre,  entstanden 
sein,  da  auf  diese  Weise  wohl  wabenähnliche  Räume,  nicht  aber  ein 
aus  Fäden  bestehendes  Netzwerk  zu  Stande  gekommen  wäre.  Diese 
Räume  müßten  ferner  so  groß  sein ,  wie  die  früher  darin  gelegenen 
Zellen,  was  auch  nicht  der  Fall  ist.  Ich  muß  also  unbedingt  den 
größten  Theil  dieses  Netzwerkes  durch  Organisation  der  Zellen 
entstehen  lassen,  indem  es  mir  ja  gelungen  ist,  den  Übergang  dieser 
Zellen  zu  spindelförmigen  oder  mehrere  Fortsätze  ausschickenden 
Zellen  und  zu  langgezogenen  Fäden  zu  verfolgen.  Dieses  Netzwerk 
erinnert  unwillkürlich  an  jenes  Netzw^erk,  Avelebes  sicii  in  einem 
organisirenden  Blutthrambus  oder  in  zellenreichen  Polypen  entwickelt. 
Auch  diese  Netzwerke  besitzen  an  den  Knotenpunkten  verhältniß- 
mäßig  wenig  Kerne  und  bestehen  aus  ähnlichen  Fäden. 

Ich  muß  hiemit  als  Resultat  vorliegender  Untersuchung  ausspre- 
chen: 1.  daß  die  bei  der. indurativen  Pneumonie  den  Alveolus  aus- 
füllenden Zellen  als  Exsudatzellen  aufzufassen  sind;  2.  daf's  die  im 
Alveolargewebe  gelegenen  Zellen  sich  an  dem  Proceße  nicht  bethei- 
ligen, und  nur  die  Epithelialzellen  durch  ihre  Theilung  zur  Bildung 
jener  Zellen  vielleicht  beitragen;  3.  daß  diese  Exsudatzellen  durch 
längeren  Contact  mit  Epithelialzellen  gleichsam  durch  Ansteckung 
einen  epithelähnlichen  Charakter  annehmen,  und  endlich  4.  daß  diese 
den  Alveolus  ausfüllenden  Zellen,  indem  sie  sich  zu  spindelförmigen 
Zellen  oder  zu  solchen  mit  mehreren  Fortsätzen  umwandeln,  sich 
innerhalb  des  Alveolus  zu  einem  dichten  Netzwerke  organisiren  und 
nachträglich  mit  der  Alveolarwand  verschmelzen.  Die  Induration, 
welche  die  entzündete  Lungenpartie  einging,  findet  eben  in  dieser 
Organisation  der  Exsudatzellen  ihre  Erklärung. 

Herrn  Dr.  Biesiadecki,  der  so  gütig  war,  mir  bei  diesen 
Untersuchungen  behilflich  zu  sein,  spreche  ich  meinen  aufrichtigsten 
Dank  aus. 


yb-t  Woro  11  ichi  n.   Zur  Anatomie  di-r  indurativen  Pneumonie. 


Erklärung    der    Abbildungen. 


Fig.  1.  Aus  der  Nähe  der  indurirten  Lungenpartie,  n  Verdünnte,  ausge- 
dehnte und  von  runden,  bei  a'  spindelförmigen,  meist  den  farblosen  Blutkörper- 
clien  an  Größe  gleichenden  Zellen  umgebene  Alveoiarwand.  Der  Alveolus  b 
vollkommen  von  solchen  Zellen  ausgefüllt,  d  eine  große  Zelle  mit  zwei  Kernen, 
c  Fibrinnetz. 

Fig.  2.  Aus  der  Stelle  der  Induration  selbst,  a  Alveoiarwand  mit  leeren 
Blutgefiißen,  b  die  Alveolen  ausfüllendes  Netzwerk,  c  Kerne,  entsprechend  den 
Knotenpunkten  gelegen. 


Wororiirliiii.  Zur  .\iiali^iiii<'   ilcr  iiidiirat .  I'iipiiiiioiim- 


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S  tei  iidach  I»  ei.    Ichtliyologisclie  Notizen  (VII.)  965 


Ichthyologische  Notizen   (VII.) 
Von  dem  c.    M.   Dr.   Franz  Steindachner. 

(Mit   5  Tafeln.) 

1.  Ceutropristis  AyresI  nov.  spec 

In  der  Körperform  und  Zeichnung  des  Rumpfes  nahe  verwandt 
mit  Centropristis  radialis  und  C.  radians  Q.  Gaim  aus  Brasilien, 
doch  fehlt  die  violette  Binde  an  der  Dorsale ,  der  aufsteigende 
Rand  des  Vordeckels  ist  sehr  st^'k  geneigt  und  der  Vordeckel  ist  am 
hinteren,  vorgezogenen  Winkel  mit  nur  einer  Gruppe  größerer  Zahne 
besetzt.  Ein_großer  schwärzlichgrauer  Fleck  am  Deckel;  etwas  schief 
gestellte,  graue,  stark  verschwommene  Querbinden  am  Rumpfe  mit 
dunkleren  Querstreifen. 

Die  Kopflänge  ist  SVama'»  die  Leibeshöhe  nahezu  4i/5mal  in 
der  Totallänge,  der  längere  Querdurchmesser  des  ovalen  Auges  etwas 
mehr  als  4y5mal,  die  Stirnbreite  Si/jmal,  die  Kopfliöhe  nicht  ganz 
2mal,  die  etwas  geringere  Kopfbreite  unbedeutend  mehr  als  2mal 
in  der  Kopflänge  enthalten. 

Der  Unterkiefer  springt  ein  wenig  über  den  Zwischenkiefer  vor 
und  trägt  nach  außen  im  vordersten  oder  mittleren  Theile,  der 
Zwischenkiefer  aber  am  ganzen  Außenrande  (bis  zu  den  Mund- 
winkeln) eine  Reihe  kleiner  Hundszähne,  welche  im  Zwischenkiefer 
gegen  die  Mundwinkel  zu  an  Länge  und  Stärke  etwas  abnehmen. 
Nach  innen  folgt  im  letztgenannten  Knochen  eine  Binde  feiner,  dicht 
an  einander  gedrängter  Hechelzähnchen,  welche  gegen  die  Zwischen- 
kiefer-Mitte an  Breite  zunimmt  und  daselbst  am  hinteren  Rande 
von  2  kleinen,  schwachen  Hundszähnen  überragt  wird. 

Die  Zahnhinde  an  den  Seiten  des  Unterkiefers  ist  schmal,  die 
Zähne  der  Aiißenreihe  sind  sehr  klein,  die  der  innersten  Reihe  aber 
hakenförmig  gekrümmt  und  mindestens  eben  so  lang  und  stark  wie 
die  vordersten  Zähne  in  der  Mitte  des  Unterkiefers  zunächst  der  Sym- 
physe.   Das    hintere    Ende   des  Oberkiefers   fällt   unter  den  hinteren 

Sitzl).  <l.  matlieiii.-naturw.  Cl.   LVM.  Bd.  I.  AMh.  62 


gßß  Steindachner. 

Augenrand.  Die  breite  Stirne  trägt  zwischen  den  Augen  3  schwach 
vortretende,  ziemlich  stumpfe  Längsleisten. 

Der  Kopf  ist  mit  Ausnahme  der  Wangen,  des  Kiemendeckels, 
eines  Theiles  des  Unterdeckels  und  der  seitlichen  Hinterhauptsgegend 
scliuppenlos.  10  schiefe  Schuppem'eihen  liegen  zwischen  dem  hinteren 
Augenrand  und  dem  Winkel  der  Vordeckelleiste. 

Der  hintere  Hand  des  Vordeckels  ist  sehr  stark  nach  hinten  und 
unten  geneigt,  und  sehr  fein  und  dicht  gezähnelt;  die  Zähnchen 
nehmen  gegen  den  stark  vorspringenden  Winkel,  welcher  mit  langen 
gebogenen  Stacheln  besetzt  ist,  die  aber  fast  bis  zur  Spitze  durch 
eine  gemeinsame  Haut  verbunden  sind,  etwas  an  Länge  und  Stärke 
allmählig  zu. 

Am  Deckel  liegen  drei  Stacheln,  doch  ist  der  oberste  äu(krst 
kurz  und  kaum  sichtbar,  der  unterste  nur  wenig  länger  als  der  erste, 
der  mittlere  dagegen  erreicht  eine  ^emlich  beträchtliche  Länge,  ist 
comprimirt  und  weit  von  der  häutigen  Spitze  des  Unterdeckels  nach 
hinten  überragt.  Die  Suprascapula  ist  an  der  Außenfläche  zahnartig 
gestreift. 

Die  Profdlinie  der  Schnauze  ist  convex  und  fällt  schief  und 
bedeutend  stärker  zur  Mundspalte  ab,  als  die  Stirn-  und  Scheitel- 
linie sich  zum  Nacken  erhebt. 

Die  Profillinie  des  Rückens  ist  mäßig  gebogen,  ihr  Höhepunkt 
liegt  beiläufig  an  der  Basis  des  siebenten  Dorsalstachels. 

Der  stachelförmige  Tlieil  der  Dorsale  ist  am  oberen  Rand  con- 
vex und  erreicht  keine  bedeutende  Höhe.  Der  längste  vierte  Stachel 
übertrilft  nur  wenig  1/3  der  Kopflänge,  der  letzte  Stachel  ist  circa  1%  mal 
in  der  Hohe  des  darauffolgenden  Gliederstrahles  enthalten;  der  dritte, 
längste  Gliederstrahl  der  Dorsale  endlich  ist  ein  wenig  höher  als  der 
vierte  Dorsalstachel, 

Die  Länge  der  Pectorale  erreicht  circa  s/g.  die  der  Ventrale  «/, , 

der  Kopflänge.    Die  Anale  bildet  wie  die  Dorsale  nach  hinten  einen 

spitzen    Winkel    und    ist    wie    letztere     schuppenlos.      Der    dritte 

äugste  Analstachel  ist  circa  ä/gmal  so  hoch  wie  der  dritte  Gliederstrahl 

und  dieser  ebenso  hoch  wie  der  dritte  Gliederstrahl  der  Dorsale. 

Die  Caudale  ist  in  der  vorderen  größeren  Hälfte  mit  Schuppen  be- 
deckt, a/gmal  so  lang  wie  der  Kopf  und  am  hinteren  Rande  concav;  die 
Spitze  des  oberen  Caudallappens  reicht  etwas  weiter  nach  hinten  als 
die  des  unteren. 


Ichthyologische  Notizen  fV[|).  967 

Die  Seitenlinie  läuft  parallel  mit  der  Profillinie  des  Rückens  und 
durchbohrt  bis  zur  Basis  derCaudale  circa  49,  auf  der  Sch\vanzfloße 
2  —  3  Schuppen.  Die  größten  Rumpfschuppen  liegen  in  dem  von  der 
Brusltloße  überdeckten  Theile,  die  kleinsten  auf  der  Bauchfläche  und 
am  Nacken.  Über  der  Seitenlinie  zähle  ich  8  —  9,  unter  derselben 
(bis  zur  Bauchlinie)  19 — 20  Schuppen  in  einer  queren  Reihe, 

Die  Grundfarbe  der  Kopfseiten  ist  bei  Spiritusexemplaren  röth- 
I Ichbraun,  der  Rücken  bis  zur  zweiten  Schuppenreihe  unter  der 
Seitenlinie  schmutzig  hellbraun,  der  übrige  Theil  des  Rumpfes  schmu- 
tziggelb, doch  glänzt  das  Centrum  der  Schuppen  im  mittleren  Theile  des 
Rumpfes  silberfarben.  Äußerst  schwach  ausgeprägte  graue  Querbinden 
ziehen  vom  Rücken  bis  in  die  Nähe  der  Bauchfläche  hinab,  auf  jeder 
dieser  Binden  liegen  etwas  dunklere  Streifen  oder  kleine  Flecken. 
Die  Caudale  und  die  Gliederstrahlen  der  Dorsale  sind  braungrau 
gefleckt  oder  gebändert;  Anale,  Ventrale  und  Pectorale  gelb. 

Totallänge  des  beschriebenen  Exemplars  Ti/g". 
D.  10/12:. A.  7:  V.  1/5;  P.  17. 

Fundort:  Santos  (Brasilien). 

2.  Serranas  hameralis  Cuv.  Val. 

Da  diese  schöne  Art  von  Cuvier  und  Valenciehnes  nur 
oberflächlich  beschrieben  wurde,  so  gebe  ich  nachfolgend  eine  aus- 
führliche Schilderung  derselben  nach  zwei  vortrefflich  erhaltenen 
Exemplaren,  von  denen  eines  sich  im  Wiener  Museum  befindet. 

In  der  Form  des  Körpers  nähert  sich  Serranns  humeraUs  dem 
S.  scribu,  wie  Cuvier  und  Valenciennes  ganz  richtig  bemerken. 
Der  Kopf  ist  in  die  Länge  gezogen,  nach  vorne  zugespitzt,  circa  3 1/5 
bis  Z^/^m9\,  die  Leibeshöhe  nicht  ganz  4mal  in  der  Totallänge,  der 
Durchmesser  des  Auges  nahezu  6mal,  die  Stirnbreite  oi/omal,  die 
Schnauzenlänge  circa  32/5mal,  die  Breite  des  Kopfes  2i/3mal,  die  Kopf- 
höhe 2mal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Der  Unterkiefer  springt  über  den  Zwischenkiefer  vor,  die  obere 
Profillinie  des  Kopfes  erhebt  sich  fast  in  gerader  Linie  bis  zum  Be- 
ginne der  Dorsale  und  ist  in  der  Nackengegend  äußerst  schwach 
gebogen,  in  der  Stirngegend  unbedeutend  eingedrückt. 

Das  hintere  Ende  des  Oberkiefers  fällt  bei  geschloßenem  Munde 
mehr  oder  minder  bedeutend  hinter  die  Mitte  des  Auges.  Im  Zwischen- 
kiefer enthält  die  äußere  Zahnreihe  insbesondere  im  vordersten  Theile 

62' 


968  st  e  i  nd  a  Clin  e  r. 

bedeutend  stärkere  (etwas  gebogene)  Zähne  als  die  inneren  Reihen, 
M'elche  von  zahlreichen, spitzen  Hechelzähnchen  gebildet  werden;  ein 
Hundszahn  am  hinteren  Rande  der  innersten  Zahnreihe  fehlt  oder  ist 
nur  sehr  schwach  entwickelt. 

Im  Unterkiefer  liegen  ganz  vorne  in  der  AufSenreihe  jederseits 
5  —  6  hakenförmig  gekrümmte  Zähne,  welche  beträchtlich  länger 
und  stärker  sind  als  die  gegenüber  liegenden  des  Zwischenkiefers; 
an  der  Seite  des  Unterkiefers  endlich  enthält  die  innerste  Reihe 
größere  Zähne  als  die  äußere. 

Der  hintere  Rand  des  Vordeckels  ist  sehr  dicht  mit  gleichlangen 
Zähnchen  besetzt,  am  hinteren  Winkel  desselben  Knochens  und  an 
dem  daran  stossenden  hintersten  Theile  des  unteren  Randes  liegen  ein 
wenig  stärkere  Zähnchen  minder  dicht  an  einander  gedrängt. 

Die  Siiprascapula  ist  gezähnt.  Der  Kiemendeckel  endigt  in 
2  Stacheln,  von  denen  der  obere  äußerst  kurz  und  äußerlich  kaum 
sichtbar,  der  unlere  lang  und  platt  ist. 

Der  dritte,  längste  Stachel  der  Dgrsale  ist  2y5mal,  der  vierte 
etwas  mehr  als  ^'/gmal  in  der  Kopflänge  enthalten,  während  der  erste 
an  Länge  fast  nur  ^/g,  der  zM^eite  kaum  die  Hälfte,  der  lelzte  Dorsal- 
stachel circa  s/g  des  dritten,  höchsten  Dorsalstachels  erreicht.  Der 
erste  Gliederstrahl  der  Dorsale  ist  etwas  höher  als  der  vorangehende 
Stachel. 

Von  den  3  Analstacheln  übertrifTt  der  letzte  den  zweiten  ein 
wenig  an  Länge,  steht  ihm  aber  au  Stärke  ziemlich  bedeutend  nach 
und  ist  von  der  Rasis  gemessen  fast  Is/smal  so  lang  als  der  erste 
Stachel  der  Afterflosse. 

Der  hintere  Rand  der  Caudale  ist  concav,  etwas  schief  gestellt, 
das  obere  hintere  Ende  der  Flosse  reicht  daher  etwas  weiter  zurück 
als  das  untere. 

Die  Pectorale  ist  abgerundet,  etwas  kürzer  als  die  Caudale,  aber 
länger  als  die  Ventrale,  welche  genau  der  Hälfte  der  Kopflänge 
gleicht. 

Die  Seitenlinie  läuft  parallel  mit  der  oberen  Profillinie  des  Kör- 
pers längs  der  Rasis  der  Dorsale  und  durchbohrt  circa  64  Schuppen 
bis  zum  Reginne  der  Caudale. 

Die  Kiefer  und  die  Schnauze,  so  wie  ein  Theil  des  Suborbital- 
ringes sind  schuppenlos,  der  übrige  Theil  des  Kopfes  ist  beschuppt. 
Die  Caudale  ist  vollständig  beschuppt,  während  die  Anale  zum  groß- 


[chlhyologische  Notizen  (VII).  969 

ten  Tlieile,  der  gliederstrahlige  Theil  der  Dorsale  kaum  bis  zur 
Höllenmitte  der  Strahlen,  die  Stacheln  der  Dorsale  nur  am  vorderen 
Rande  mit  Schuppen  besetzt  sind. 

Der  Kopf  und  der  bei  weitem  grölJere,  obere  Theil  des  Rum- 
pfes sind  dunkel  röthlichbraun  (bei  Spiritusexemphiren),  die  untere 
Rumpfhälfte  ist  hellbraun  und  zunächst  der  Bauchseite  bräunlich 
weiß;  6 — 7  dunkle  Querbinden  laufen  von  der  Rückenlinie  bis  zum 
Bauchrande  hinab.  In  der  oberen  Hälfte  der  Rumpfxeiten  und  im  vor- 
deren Theile  der  Caudale  liegen  dunkelbraune  Flecken,  welche  am 
Schwanzstiele  fast  sechseckig  und  sehr  scharf  ausgeprägt  sind,  im 
vorderen  Theile  des  Rumpfes  aber  auf  einer  Körperseite  des  im 
Wiener  Museum  befindlichen  Exemplares  nur  sehr  schwach  hervor- 
treten. 

Am  Kopfe  zeigen  sicii  zahlreiche  blaue  Flecken  mit  sehr  dunk- 
ler Umrandung,  einige  derselben  fließen  im  unteren,  hinteren  Theile 
der  Wangengegend  zusammen  und  bilden  2 — 3  schief  zum  hinteren, 
unteren  Rande  des  Zwischen-  und  Unterdeckels  ziehende  Binden. 
An  der  Basis  der  Pectorale  liegt  ein  halbmondförmig  gebogener, 
schmaler  Streif,  vor  diesem  ein  sehr  großer  dunkelbrauner  Fleck, 
hinter  demselben  aber  eine  gleichfalls  halbmondförmige,  mäßig  breite 
Querbinde  auf  dem  vordersten  Theile  der  Pectoralstrahlen,  der  mit 
kleinen  Schuppen  überdeckt  ist.  Der  ganze  übrige  Theil  der  Brust- 
flossen ist  schmutziggelb   und  schuppenlos. 

Die  Anale  und  Ventrale  sind  blaugrau,  am  dunkelsten  zunächst 
den  Strahlenenden;  die  Dorsale  ist  am  beschuppten  Theile  dunkel 
röthlichbraun  wie  der  Rücken,  am  schuppenlosen  Tlieile  aber  bräun- 
lichschwarz. 

D.  10/14;  A.  3/7;  L.  lat.  ""ej— 

circa  33  (big  zur  BauchliiiieJ. 

Totallänge:  10  Zoll. 
Fundort:  Chile. 

3.  Serranas  macalato-fasciatas  nov.  spec. 

Der  Kopf  dieser  Art  ist  minder  zugespitzt,  die  ohere  Profillinie 
des  Kopfes  stärker,  die  Profillinie  des  Rückens  längs  der  Dorsalbasis 
schwächer  gekrümmt,  der  obere  Rand  des  stacheligen  Theiles  der 
Dorsale  tiefer  eingeschnitten    als    bei  der  früher  beschriebenen  Art. 


970  S  t  e  i  n  d  :i  «•  li  n  e  r. 

Der  dritte  Ddisalslachel  ist  sehr  lang  wie  bei  Serr.  humerulis  und 
Serr.  albomaculiitus  etc. 

Zahllose  rundliche  braune  Flecken  am  ganzen  Körper,  auf  der 
Dorsale  und  Caudale,  8  —  7  grauschwarze,  schwach  abgegränzte 
Querbinden  am  Rumpfe. 

Die  Kopflänge  ist  circa  Ss/igmal,  die  Körperhöhe  etwas  mehr  als 
4mal  in  der  Totallänge,  der  Äugendiameter  nahezu  öi/jmal,  die 
Stirnbreite  ^^^m^X,  die  Schnauzeniänge  Iiy^mal,  die  Kopfhöhe 
ly^mal,  die  Kopfbreite  2yßnial,  die  Länge  der  Pectorale  lygmal, 
die  der  Ventrale  circa  Ei/amal,  die  Länge  der  Caudale  lyjmal  in  der 
Kopflänge  enthalfen. 

Der  Unterkiefer  überragt  den  Zwischenkiefer  nach  vorne  nur 
wenig.  Eine  Reihe  stärkerer  und  längerer  Zähne  in  der  äußeren  Zahn- 
reihe des  Zwischenkiefers,  von  denen  die  größten  ganz  vorne  liegen ;  ein 
schwacher  Hundszahn  jederseifs  am  vordei-en  Ende  der  hintersten 
Zahnreihe,  welche  wie  die  übrigen  mittleren  Reihen  von  zarten  Hechel- 
zähnen gebildet  wird,   önterkieferzähne  wie  bei  Serr.  humeralis. 

Feine  Zähnchen,  dicht  an  einander  gedrängt  am  hinteren  Rande 
des  Vordeekels,  etwas  stärkere  und  minder  dicht  neben  einander 
liegende  Zähnchen  am  Vordeckelwinkel. 

Der  obere  Stachel  des  Kiemendeckels  ist  äußerst  kurz,  äußer- 
lich kaum  sichtbar,  der  untere  lang  und  plattgedrückt. 

Der  erste  Dorsalstachel  ist  Is/jUial  in  der  Höhe  des  zweiten, 
dieser  mehr  als  3mal  in  der  Höhe  des  dritten,  längsten  Dorsalstachels 
enthalten,  welcher  kaum  2mal  in  der  Kopflänge  und  circa  l^/ämal  in  der 
Körperhöhe  begriffen  ist.  Der  letzte  Dorsalstachel  ist  2s/5mal  in  der 
Höhe  des  dritten  Stachels  und  etwas  weniger  als  1 '/amal  in  der  des 
ersten  Gliederstrahles  derselben  Flosse  enthalten. 

Der  zweite  Analstachel  ist  bedeutend  stärker  und  nur  wenig 
kürzer  als  der  dritte.  Die  größte  Höhe  der  Anale  am  vorletzten  Glie- 
derstrahle übertrifft  ein  wenig  die  des  gliederstrahligen  Theiles  der 
Dorsale  oder  y'j  der  Kopflänge.  Dorsale  und  Anale  sind  nach  hinten 
zr.gespitzf. 

Die  Caudale  ist  am  hinteren  Rande  sehr  schwach  conve.x,  die 
obere  hintere  Spitze  derselben  reicht  weiter  als  die  untere  zurück, 
und  überragt  wie  diese  den  hinteren  Caudalrand.  Die  Seifenlinie  läuft 
nahezu  jiarallel  mit  der  Rückenlinie  und  dm-chbohrt  circa  68  Schup- 
pen bis  zur  Rasis  der  Caudale. 


Ichthyologische  Notizen  (VII).  971 

Der  vordere  Theil  des  Suborbitalringes,  die  Kiefer,  die  Schnauze, 
der  vordere  Theil  der  querüber  schwachgebogenen  Stirne  und  der 
größte  Theil  des  Zwischendeckels  sind  unbeschuppt.  Der  glieder- 
strahlige  Theil  der  Dorsale  und  Anale  sind  etwas  mehr  als  zur  Hälfte, 
der  stacheltragende  Theil  der  Rückenflosse  nur  zunächst  den  Seiten- 
rändern der  Stacheln  mit  sehr  kleinen  Schuppen  besetzt,  die  Cau- 
dale  ist  fast  ganz  überschuppt. 

Der  Körper  (mit  Ausnahme  der  Bauchseite)  so  wie  die  Dorsale 
sind  von  schmutzig  hellröthlichbrauner  Färbung,  welche  gegen  die 
Bauchseite  allmählig  in  ein  weißliches  Grau  übergeht.  Zahlreiche 
braune,  rundliche  Flecken,  welche  zuweilen  in  der  Mitte  bläulich 
sind,  liegen  am  Kopfe,  Rumpfe,  auf  der  Dorsale,  Caudale  und  Anale; 
die  Flecken  in  der  oberen  Hälfte  des  Rumpfes  und  am  Kiemendeckel 
sind  etwas  größer  als  die  auf  den  Wangen,  auf  der  Caudale  und  in 
der  unteren  Rumpfhälfte  gelegenen  Flecken.  Sieben  dunkle  Quer- 
binden mit  verwaschenen  Rändern  ziehen  von  der  Rückenlinie  bis 
zur  Bauchgränze  hinab,  nur  die  vorderste  Binde,  welche  vor  dem 
Beginne  der  Dorsale  liegt,  reicht  nicht  einmal  bis  zur  Höhe  der  Supra- 
scapula  hinab,  ist  aber  intensiver  gefärbt  als  die  übrigen.  Eine 
schmälere  Binde  erstreckt  sich  vom  unteren  Augen rande  schief  nach 
hinten  fast  bis  zur  Mitte  des  unteren  Zwischendeckelrandes.  Die 
Flecken  an  den  Wangen  und  am  Suborbitalring  sind  in  der  Mitte 
bläulich  und  nur  am  Rande  dunkelbraun.  Die  Pec'orale  ist  gelblich, 
die  Ventrale  schmutzig  bläulichgrau,  zunächst  der  Basis  grünlich- 
grau und  am  hinteren  Theile  des  Außenrandes  weißlich;  beide  Flos- 
sen sind  ungefleckt.  Die  Flecken  der  Anale  sind  bei  dem  von  uns 
untersuchten  Exemplare  nur  schwach  entwickelt,  in  der  Mitte  heller 
als  am  Rande,  vielleicht  im  Leben  bläulich  und  braun  gerandet,  eben 
so  die  Flecken  im  hintersten  Theile  der  Caudale  imd  in  der  oberen 
kleineren  Hälfte  des  gliederstrahligen  Theiles  der  Dorsale.  Zwischen 
den  Stacheln  der  Dorsale  fließen  die  großen  dunkelbraunen  Flecken 
der  unteren  Reihe  zu  einer  Längsbinde  zusammen. 

D.  10/14;  A.  3/7;  L.  lat.  -^ 

32  (bis  zur  Bauclilinie). 

Länge  des  beschriebenen  Exemplares  9"  9". 
Fundort:  Mazatlan, 


97,4  S  t  e  i  II  <1  a  c  h  II  e  r. 

4.  Pagras  (fhrysophrys)  laticeps  Cuv.  V^al. 

Bei  einem  1 1  »/a"  langen  Exemplare  ist  die  Körperhöhe  22/smal, 
die  Kopflänge  3>/4nial  in  der  Totallänge  enthalten,  die  Höhe  des 
Kopfes  übertrifft  die  Länge  desselben  ein  wenig,  die  Breite  des  Ko- 
pfes gleicht  der  Hälfte  der  Kopflänge,  während  die  Länge  des  Augen- 
diameters  nicht  ganz  42/3mal,  die  Schnauzenlänge  circa  2'/3mal,  die 
Stirnhreite  Ss/^mal  in  der  Kopflänge  enthalten  ist.  Die  Stirnbreite 
ühertrilVt  somit  das  Auge  bei  dem  von  uns  untersuchten  Exemplare 
nur  um  «/g  des  Augendiameters,  während  sie  bei  alteti  Individuen 
1 '/a  Diameter  des  Auges  gleicht,  die  Schuauzenlänge  schwankt 
zwischen  y.  (bei  Ex.  von  1 1  '/g"  Länge)  bis  2  Augenläugen  (nach 
Güntiier). 

Die  Höhe  des  Suborbitalringes  steht  der  Länge  desselben  nach 
und  ist  3%mal,  die  Länge  3mal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Der  dritte  und  vierte  Dorsalstachel  sind  nahezu  gleich  lang,  die 
höchsten  der  Flosse;  jeder  derselben  ist  an  Höhe  circa  3/7  der  Kopflänge 
gleich;  der  letzte  Stachel  der  Dorsale  ist  ebenso  lang  wie  der  zweite 
und  circa  Si^mal  in  der  Kopflänge  enthalten;  die  größte  Höhe  des 
von  Gliederstrahlen  gebildeten  Dorsaltheiles,  welcher  im  unteren 
Höhendrittel  beschuppt  ist,  erreicht  Y,4  der  Kopflänge. 

Die  schwach  sichelförmig  gekrümmte,  zugespitzte  Pectorale  ist 
ebenso  lang  wie  der  Kopf.  Der  erste  Gliederstrahl  der  Ventrale  ist 
in  einen  kurzen  Faden  ausgezogen  und  etwas  mehr  als  Is/ämal,  der 
zweite  Gliederstrahl  etwas  mehr  als  2mal,  die  Caudale,  welche  am  liinte- 
ren  Bande  winkelförmig  eiugeliuchtet  isl,  circa  I  '/^nialinder  Kopflänge 
enthalten.  Die  Caudallappen  sind  zugespitzt.  Die  Seitenlinie  erstreckt 
sich  nur  bis  zur  Basis  der  Schwanzflosse  und  durchbohrt  59  Schup- 
pen; zwischen  derselben  und  der  Basis  des  ersten  Dorsalstachels 
liegen  9,  zwischen  der  Bauchlinie  und  der  Seitenlinie  circa  20  Sdiup- 
peii  in  einer  Querreihe.  Stirue,  Schnauze  und  Kiefer  sind  schuppen- 
los. 11  — 13  schiefe  Schu|>j»enr('ih»'ii  liegen  zwiscl)en  dem  hinteren 
oberen  Bandtheile  des  Suborbitalringes  und  dem  Winkel  der  \'or- 
deckelleiste,  auch  der  Baum  zwischen  letzterer  und  dem  hinteren 
Bande  der  Praeoperkels  ist  mit  Ausnahme  eines  sehr  schmalen  Sau- 
mes beschuppt. 

Vier  Hundszähne  liegen  vorne  im  Zwischen-,  sechs  im  Unter- 
kiefer,  die  äußeren  derselben  sind  länger  und  stärker  als  die  mitt- 


Ichfhyolooische  Notizen  (VII).  973 

leren.  An  den  Seiten  des  Zwischenkiefers  folgen  in  der  Außenreihe 
vier  bis  fünf  Kegelzähne  und  zuletzt  drei  bis  vier  Molarzähne,  von 
denen  der  hinterste  klein  ist. 

Im  Unterkiefer  liegen  seillich  in  der  äußeren  Zahnreihe  zwei 
bis  vier  kegelförmige  Zähne,  von  denen  der  letzte  bereits  den  Über- 
gang zu  den  Molarzähnen  durch  starke  Abstumpfung  seiner  Spitze 
vermittelt,  zwei  große  und  drei  bis  fünf  kleine  Molarzähne.  Die 
übrigen  inneren  Zähne  an  den  Seiten  der  Kiefer  sind  sehr  klein,  kör- 
nig und  bilden  eine  nach  vorne  rasch  an  Breite  zunehiminde  Binde. 

Die  obere  Profillinie  des  Kopfes  fällt  steil  zur  Schnauze  ab  und 
ist  nur  in  der  Scheitelgegend  schwach  convex,  in  der  Stirn-  um] 
Schnauzengegend  aber  schwach  concav. 

Der  ganze  Körper  ist  im  Leben  intensiv  rosenroth,  nur  der 
Suborbitalring  und  die  Schnauze  sind  röthlich  violett.  Ein  schwarzer 
Fleck  liegt  an  der  Pectoralachsel  und  an  der  Basis  der  letzten  Glie- 
derstrahlen der  Rückentlosse.  Der  äußere  Rand  der  Kiemenstrahlen- 
haut  und  der  häutige  hintere  Rand  des  Kiemendeckels  sind  schwarz 
gesäumt. 

D.  12/11;  A.  3/8. 

Die  im  Museum  zu  Paris  und  London  befindlichen  Exemplare 
wurden  vom  Cap  der  guten  HolTiiung  eingesendet;  das  im  Wiener 
Museum  aufbewahrte  Individuum  stammt  aus  Mauritius. 

5.  Pagras  coeroleostidos  spec.  Cuv.  Val. 
S  y  n.   Chri/sopkri/s  coeruleosticta  C.  \^ 

Wie  wenig  (Jewicht  auf  die  Zahl  der  Molarzabnreihen  im  Zwi- 
schen- und  Unterkiefer  gelegt  werden  kann,  zeigt  die  Untersuchung 
dieser  Art. 

Wir  besitzen  vier  große  Exemplare  von  I82/3  —  20"  Länge  und 
finden  bei  dreien  derselben  nur  zwei  Reihen  großer  Molarzähne  an  den 
Seiten  des  Zwischen-  und  Unterkiefers,  die  dritte  Reihe  kleiner  Mo- 
larzähne im  Zwiscbenkiefer  mag  vielleicht  bei  jungen  Individuen 
stets  vollständig  entwickelt  sein,  bei  alten  zeigt  sich  in  der  Regel 
nur  ganz  vorne  eine  Andeutung  derselben  durch  das  Vorkommen  von 
zwei  bis  drei  Molarzähnchen,  die  neben  dem  ersten  oder  den  beiden 
ersten  Molarzähnen  der  zweiten  Reihe  liegen.  Bei  dem  vierten  Exem- 
plare unserer  Sammlung  ist  die  dritte  Reihe  fast  vollständig  aus- 
gebildet. 


974  Steindacliner. 

Die  Höhe  des  Körpers  ist  etwas  mehr  als  3 — Si/gmal,  die  Kopf- 
länge genau  oder  unhedeutend  weniger  als  4mal  in  der  Totallänge 
enthalten.  Die  Höhe  des  Kopfes  übertrifft  ein  wenig  die  Kopflänge, 
die  größte  Breite  der  Stirne  zwischen  den  vorderen,  aufgeworfenen 
Augenrändern  ist  23/4 — 22/3mal ,  der  Augendiameter  nahezu  ömal 
in  der  Kopflänge  enthalten. 

Der  hintere  Rand  des  Oberkiefers  fällt  beiläufig  unter  die  Mitte 
des  Auges,  die  Höhe  des  Suhorbitalringes  steht  der  Länge  desselben 
etwas  nach  und  übertrifft  die  Augenläiige  um  1/3  der  letzteren.  Acht 
bis  neun  schiefe  Schuppenreihen  liegen  zwischen  dem  Suborbital- 
ringe und  dem  Winkel  der  Vordeckelleiste. 

Die  obere  Profillinie  des  Kopfes  erhebt  sich  steil,  in  mehr  oder 
minder  starker  Bogenkrümmung  bis  zur  Basis  des  vierten  Dorsal- 
stachels. 

Die  beiden  ersten  Dorsalstacheln  sind  kurz,  der  erste  erreicht 
an  Höhe  2/3  des  zweiten,  dieser  ist  3 — 33/5mal  in  der  Höhe  des 
dritten  enthalten.  Der  vierte  Stachel  der  Dorsale  ist  etwas  höher 
als  der  dritte  und  circa  2  — 2i/2ni'*l  ''i  ^^^'  Kopflänge  begriffen. 

Die  Pectorale  gleicht  an  Länge  der  Höhe  des  Körpers  ganz  ge- 
nau oder  steht  ihr  nur  wenig  nach.  Die  Spitze  der  horizontal  zurück- 
gelegten Brustflossen  fällt  in  senkrechter  Richtung  über  die  Basis  des 
zweiten  bis  vierten  Gliederstrahles  der  Anale. 

Der  dritte  Analstachel  ist  etwas  länger  und  schwächer  als  der 
zweite. 

Die  Seitenlinie  erstreckt  sich  nur  bis  zur  Basis  der  mittleren 
Caudalstrahien  und  durchbohrt  49  —  50  Schuppen;  zwischen  der 
Seitenlinie  und  der  Basis  des  ersten  Dorsalstachels  liegen  ß^/s— '^> 
zwischen  ersterer  und  der  Basis  der  Ventrale  circa  16  Schuppen  in 
einer  Querreihe. 

Kopf  und  Rumpf  sind  im  Leben  rosenroth  und  mit  mehr  oder 
minder  zahlreichen  braunen  oder  violetten  Flecken  von  unregel- 
mäßiger Gestalt  gesprenkelt. 

Die  untere  Körperhälfte  und  der  Suborbitalring  zeigen  einen 
lebhaften  Silber-  oder  Goldreflex.  Anale  und  Ventrale  sind  bläulich-, 
die  Caudale  röthlich-violelt ,  und  zwar  am  dunkelsten  zunächst  den 
freien  Rändern  der  Strahlen.  Der  hintere,  häutige  Rand  des  Kiemen- 
deckels, welcher  in  einem  platten  Stachel  endigt,  ist  schwärzlich, 
ebenso    die  Hinterseite  der  Pectoralbasis,  seltener  die  Achselgrube. 


Ichthyologische  Notizen  (Vfl).  975 

P.  coei'uleosticfus  kommt  ziemlich  häufig,  doch  seltener  als  Dentex 
filosiis,  D. vulgaris,  Pagriis  vulgaris  tio,.  an  der  Ostkiiste  Teneriles 
vor  lind  w'wA  Sama  maroqiiera  genannt. 

D.  11/11;  A.  3/7—8;  P.  16;  L.  lat.  19^ . 

16 

6.  Dentei  filosos  Valenc. 

Kommt  sehr  häufig  an  der  Ostküste  Tenerife's  vor,  wir  besitzen 
viele  Exemplare  von  6"  10" — 22"  Länge. 

Die  Länge  des  Kopfes  ist  stets  etwas  mehr  als  4mal,  die  Körper- 
höhe bei  jüngeren  Individuen  ^^/^m^\,  bei  älteren  Sy^mal  in  der 
Totallänge,  der  Augendiameter  bei  ersteren  S'/gmal,  ])ei  letzteren 
circa  omal,  die  Stirnbreite  3*  5  —  Ss/jmal  in  der  Kopflänge  enthalten. 
Der  Suborbitalring  ist  stark  entwickelt,  viel  länger  als  hoch;  acht 
Schuppenreihen  liegen  hinter  demselben.  Der  hinter  der  Vordeckel- 
leiste liegende  Tlieil  des  Vordeckels  istschuppeiilos,  fein  quergestreift, 
bei  jungen  Individuen  zeigen  sich  deutliche  Spuren  von  Zähnchen 
am  hinteren  Rande  und  Winkel  des  Praeoperkels.  Der  Kiemendeckel 
endigt  in  einen  platten  Stachel. 

Die  schwach  sichelförmig  gebogene  Pectorale  ist  f;ist  oder  ge- 
nau so  lang  wie  der  Kopf  und  reicht  etwas  Aveiter  zurück  als  die 
Ventrale,  deren  erster  Gliederstrahl  fadenförmig  verlängert  ist  und 
mit  seiner  Spitze  in  der  Regel  die  Darmmündung  berührt. 

Der  erste  Dorsalstaehel  ist  la/smal  in  der  Länge  des  zweiten, 
dieser  2^/.,v[\^\  in  der  des  vierten  Dorsalstachels  enthalten,  welcher 
nahezu  halb  so  lang  wie  der  Kopf  ist;  der  dritte  höchste  Dorsal- 
stachel reicht  mit  seiner  fadenförmigen  Spitze  häufig  über  das  Basis- 
ende der  Dorsale  hinaus,  zuweilen  ist  auch  der  vierte  Dorsalstachel 
fadenförmig  verlängert,  doch  stets  kürzer  als  der  dritte.  Die  Caudale 
steht  an  Länge  dem  Kopfe  nur  wenig  nach.  Der  dritte  Analstachel 
ist  etwas  länger  und  unbedeutend  schwächer  als  der  zweite  Stachel 
der  Anale,  eben  so  lang  wie  der  letzte  Dorsalstachel  (=  1/3  der 
Kopflänge)  und  etwas  kürzer  als  die  ersteren  Gliederstrahlen  der 
After-  und  Rückenflosse,  welche  etwas  weniger  als  2y5mal  in  der 
Kopflänge  enthalten  sind. 

Die  Seitenlinie  durchbohrt  61—62  Schuppen  bis  zur  Caudal- 
basis.  Acht  Schuppen  liegen  zwischen  der  Seitenlinie  und  der  Basis 
des  ersten  Dorsalstachels,  vier  zwischen  dem  letzten  Dorsalstachel 


976  S  l  e  i  n  (1  ;«  c  h  II  e  r. 

und  der  Seitenlinie,  14  zwischen  letzterer  und  der  Basis  der  Ventrale, 
an  welcher  eine  lange  Flügelschuppe  liegt.  Ein  violetter  Fleck  am 
oberen  hinteren  Ende  des  Kiemendeckels,  ein  zweiter  viel  kleinerer 
an  der  Basis  der  zwei  letzten  Gliederstrahlen  der  Dorsale. 

Die  blaß  rothviolette  Dorsale  und  Anale  trägt  zwei  Längsreihen 
gelblicher  Flecken,  zwisclien  diesen  liegt  eine  durch  violette,   dicht 
an  einander  gedrängte  Punkte  gebildete  Binde.  Die  Grundfarbe  des 
Körpers  ist  matt  rosenrotli,  gegen  die  Baucliseite  silberig. 
D.  12/10;  A.  3/8. 

V  u  1  g ä  r  n  a  m  e :  Serrnda  (Tenerile),  nicht  Pargo,  wie  V  a  1  e  n- 
cionnes  nach  Berthelot's  Mittheilimg  angibt. 

7.  Dentcx  (Ueterogiialliodou)  iilamentosus  Rüp  p. 

Die  Leibeshöhe  gleicht  der  Länge  des  Kopfes  hei  Exemplaren 
von  8'/o"  Länge  und  ist  ein  wenig  mehr  als  4i/3mal  in  der  Total- 
länge mit  AusschluIJ»  des  zuweilen  fehlenden  faudalfadens  oder  Syjmai 
in  der  Körperlänge  (ohne  Caudale},  die  Länge  des  Augendiameters 
SYänial,  die  Sciinauzenlänge  Syemal,  die  Stirubreite  nahezu  4nial, 
die  größte  Höhe  des  Präorbitale  etwas  mehr  als  4mal,  die  Kopfhöhe 
1  '/smal,  die  Kopfhreite  2mal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Im  vorderen  Tlieile  des  Zwischenkiefers  liegen  in  der  äußeren 
Zahnreihe  jedcrseits  drei,  gegenüber  im  rnterkiefer  sechs  Hunds- 
zahne,  die  des  Zwischenkiefers  sind  gröfJ»er  als  die  Hundszähnchen 
des  Unterkiefers.  Der  Oberkiefer  ist  nahe  dem  unteren  Rande  mit 
einer  stumpfen  Leiste  versehen,  das  hintere  Ende  dieses  Knochens 
fällt  in  senkrecbter  Richtung  unter  den  vorderen  Augenrand.  Der 
Suborbitalring  ist  2mal  so  lang  wie  hoch,  die  größte  Höhe  desselben 
steht  der  Länge  des  Auges  ein  wenig  luich,  am  vorderen  Ende  des 
unteren  Suborhitalrandes  liegt  eine  seichte  Einbuchtung.  Drei  Schup- 
penreihen füllen  den  Raum  zwischen  dem  hinleren  Rande  des  Sub- 
orbitalringes und  der  Vordeckelleiste  aus,  eine  vierte  kurze  Reihe 
viel  kleinerer  Seluippen  ist  zum  Tli(!ile  von  dem  hinteren  Rande  des 
Suborbitals  überdeckt. 

Der  zwiscJien  der  V' ordeckelleiste  und  dem  hinteren  und  unteren 
Rande  des  Vordeckes  liegende  Theil  istschuppenlos,  von  Poren  durch- 
setzt und  gestreift,  am  ganzen  freien  Rande  selbst  äuf^erst  zart  gezälint. 
Eine  Schuppenreilie  liegt  am  Zwischendeckel,  zwei  und  weiter  nach 
oben  nur  eine  Schuppenreihe  am  Unterdeekel,   drei  Schuppenreihen 


lohthyologisclie  ?(otizeii  (VII).  977 

am  Kiemeiideckel,  w  elclier  nach  hinten  in  eine  .stachelähnliche  Spitze 
endigt.  Stirne,  Schnauze,  Kiefer  und  Suborbitalring  .sind  schuppen- 
los.  Die  obere  Profillinie  des  Kopfes  ist  am  stärksten  in  der  Schnau- 
zengegend gebogen.  Sechs  Kiemenstrahlen;  Nebenkiemen  stark  ent- 
wickelt. 

Die  zehn  Dorsalstaeheln  sind  ziemlich  zart  und  nehmen  wie  die 
Gliederstrahlen  derDorsale  bis  zum  letzten  allmählig  an  Länge  zu,  der 
letzte  Stachel  ist  unbedeutend  melir  als  2i/^.mal  in  der  Kopflänge 
enthalten.  Die  Länge  des  ersten  Gliederstrahles  der  Dorsale  über- 
trifft die  des  vorangehenden  Stachels  ein  wenig,  der  vorletzte  und  letzte 
längste  Strahl  der  Dorsale  erreicht  nahezu   die  Hälfte  der  Kopflänge. 

Der  erste  Gliederstrahl  der  Ventrale  ist  fadenförmig  verlängert, 
ebenso  lang  wie  der  Kopf  und  bleibt  mit  seiner  Spitze  nur  um  die 
Breite  einer  kleinen  Bauchschuppe  von  der  Basis  des  ersten  Anal- 
stachels entfernt. 

Die  Höhe  der  Analstrahien  nimmt  bis  zum  hinteren  zugespitzten 
Ende  der  Flosse  ein  wenig  zu;  der  dritte  Stachel  ist  circa  la/smal 
in  der  Höhe  des  letzten  Gliederstrahles  enthalten  und  etwas  länger 
als  der  zweite. 

Die  Seitenlinie  läuft  parallel  mit  der  schwach  gebogenen  Profil- 
linie des  Rückens  und  durchbohrt  bis  zur  Basis  der  Caudale,  welche 
am  hinteren  Rande  tief  eingescbnilten  und  mehr  als  l'/^m^'  i'i  tler 
Kopflänge  enthalten  ist,  49S(;huppen;  4'/o  Schuppen  liegen  zwischen 
der  Seitenlinie  und  der  Basis  des  ersten  Dorsalstachels,  S'/o  zwi- 
schen ersterer  und  der  Basis  des  letzten  Gliederstrahles  der  Dorsale, 
zwischen  der  Seitenlinie  und  der  Basis  der  Ventralen  8,  zwischen 
ersterer  und  der  Darmmündung  10  Schuppen  in  einer  Verticalreihe. 

Die  größten  Schuppen  liegen  im  größeren  mittleren  Theile  der 
vorderen  Rumpfhälfte. 

Die  Caudale  ist  vollständig  überschuppt. 

Die  obere  Hälfte  des  Körpei's  ist  rosenroth,  die  untere  nach  all- 
mähligem  Übergange  hell  goldgelb,  die  Bauchfläcbe  silberfarben.  Ein 
stark  verschwommener,  dunkelgrauer  großer  Fleck  nimmt  (wie  bei 
Synagris  japonicus^  iWe  obere  Hälfte  des  Kiemendeckels  ein.  Über  die 
Mitte  der  einzelnen,  unter  der  Seitenlinie  liegenden  Sehuppenreihen, 
welche  schief  von  vorne  und  unten  nach  hinten  und  oben  ziehen,  läuft 
ein  silberglänzender  Längsstreif  hin.  Höchstwahrscheinlich  dürfte  bei 
frischen  Exemplaren  eine  ziemlich  breite  gelbe  Binde  längs  der  Seiten- 


978  Steindachner. 

liiiie,  eine  zweite  Ijiiigs  der  Basis  der  Dorsale  und  auch  eine  dritte  längs 
der  Analbasis  sich  vorfinden,  wie  schwache  Sjmren  bei  den  von  uns 
untersuchten  entfärbten  Individuen  andeuten.  Ein  violetter  Strich 
läuft  nahe  am  oberen  Rande  der  Dorsalstaeheln  hin. 

Mit  di(^ser  bereits  von  Rüppel  beschriebenen  und  angebildeten 
Art  sind  Dentex  iiemiirwi  und  nematophorus  ßlkr.  am  nächsten  ver- 
wandt, sie  können  jedoch  nicht  leicht  mit  D.  ßlumentosus  Rüpp.  ver- 
wechselt werden,  da  bei  D.Syn.  nenmrus  die  Körperhöhe  4y4nial  in 
der  Körperlänge  enthalten  ist  und  der  Kopflänge  bedeutend  nachsteht, 
während  bei  D.  (Syn.)  nematophorus  Blkr.  die  2  ersten  Dorsal- 
stacheln fadenförmig  verlängert  sind.  Die  gleichfalls  dem  D.  fila- 
mentosus  sehr  nahe  stehende  Art  Spams  japonicus  Bl.  soll  nur 
43  Schuppen  längs  der  Seitenlinie  und  keine  Hundszähne  im  Unter- 
kiefer haben  (s.  Dr.  Günther's  Cat.  Brit.  Mus.  Fish.  1. 1.,  pag.  378). 

Fundort:  Mauritius. 

D.  10/9;  A.  3/7;  L.  lat.  49. 

8.  Deutei  (Heterognathodon)  Smitkii  nov.  spec. 

Diese  Art  hält  bezüglich  der  Körpergestalt  die  Mitte  zwischen 
Dentex  (^HeterognathodonJ  Petersii  und  D.  flaviventris  m. 

Die  Kiirperhöhe  übertrifft  die  Länge  des  Kopfes  und  ist  genau 
4nial  (3i  oHial  iu  der Körperlänge  ohne  Caudale),  die  Kopflänge  aber 
etwas  weniger  als  ^i/^vi\\\\  (Sy^mal  in  der  Körperlänge)  in  der  To- 
lallänge,  der  Durchmesser  des  Auges  3'/6mal,  die  Schnauzenlänge 
genau  3mal,  die  Stirnbreite  mit  Einschluß  der  schmalen,  häutigen 
Augendecke  3y5mal,  ohne  diese  4y5mal,  die  Kopfhöhe  ly^^mal,  die 
Kopfbreite  genau  2nial ,  die  Länge  der  Pectorale  1  i/4mal ,  die  der 
Ventrale  circa  Is/gmal  in  der  Kopflänge  enthalten.  Die  Caudale  ist 
eben  so  lang  wie  der  Kopf. 

Sechs  Hakenzähne  liegen  ganz  vorne  im  Zwischenkiefer  in  der 
Außenreihe,  dagegen  neun  bis  zwölf,  aber  bedeutend  kleinere,  in 
der  Mitte  des  Zwischenkiefers;  stärker  als  letztere  und  zugleich  etwas 
länger  sind  die  vier  bis  fünf  darauf  folgenden  Zähne  der  Außenreihe 
an  den  Seiten  des  Unterkiefers. 

Der  Suhorbitalring  ist  fast  nur  hall»  so  hoch  wie  lang  und 
nimmt  nach  vorne  rasch  an  Höhe  zu,  welche  circa  1  "/amal  in  der 
Augenlänge  enthalten  ist.  Drei  Schuppenreihen  liegen  zwischen  dem 


Ichthyologische  Notizen  fVII).  979 

hinteren  Rande  des  Suborbitalringes  und  der  Leiste  des  Vordeckeis, 
dessen  freie  Ränder  sehr  schwach  gezähnt  sind. 

Die  Stirne  ist  querüber  schwach  concav,  die  Schnauze  fällt  in 
schwacher  Bogenkrünimung  schief  zum  vorderen  Mundrande  ab. 
Kiefer,  Stirne,  Schnauze  und  Suborbitalring  sind  schuppenlos. 

Die  Stacheln  der  Dorsale  bilden  mit  ihrem  oberen  Rande  einen 
convexen  Bogen  und  nehmen  bis  zum  sechsten  an  Höhe  zu.  Der  erste 
Dorsalstachel  ist  etwas  mehr  als  zweimal,  der  zweite  1  '/omal  in  der 
Höhe  des  sechsten  enthalten,  welclier  etwas  mehr  als  ^4  der  Kopf- 
länge erreicht. 

Der  vierte  Gliederstrahl  der  Dorsale  ist  etwas  höher  als  die 
übrigen  und  halb  so  lang  wie  der  Kopf. 

Der  dritte  längste  Stachel  der  Anale  übertrifft  ein  wenig  ein 
Drittel  der  Kopflänge ,  der  darauf  folgende  längste  Gliederstrahl  der 
Anale  ist  2~/-^m^],  der  letzte  3>/5mal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Die  Caudale  ist  vollständig  beschuppt  und  am  hinteren  Rande 
sehr  tief  eingeschnitten.  Der  obere  Caudallappen  übertrifft  den  un- 
teren an  Länge. 

Der  erste  Gliederstrahl  der  Ventrale  ist  schwach  fadenförmig 
verlängert  und  bleibt  mit  seiner  Spitze  um  die  Länge  dreier  Bauch- 
sehuppen  von  dem  Beginne  der  Anale  entfernt. 

Die  Seitenlinie  läuft  parallel  mit  der  gleichförmig  gebogenen 
Profillinie  des  Rückens  und  durchbort  circa  50  Schuppen,  von  denen 
die  letzte  bereits  über  die  Basis  der  mittleren  Caudalstrahlen  fällt. 
Vier  Schuppen  liegen  zwischen  der  Basis  des  ersten  Dorsalstachels 
und  der  Seitenlinie ,  zehn  zwischen  letzterer  und  der  mit  einer 
langen,  spitzen  Spornschuppe  versehenen  Basis  der  Ventrale. 

Die  obere  Körperhälfte  ist  rosenroth,  die  untere  silberfarben. 
Eine  breite  orangegelbe  Binde  läuft  genau  über  die  Höhenmitte  der 
Körperseiten ,  verliert  sich  aber  am  Beginne  des  Schwanzstieles  in 
die  Grundfarbe.  Eine  zweite  schmälere  gelbliche  Binde  beginnt  am 
Ende  des  Hinterhauptes  und  zieht  längs  der  Basis  der  Dorsale  bis 
zum  hinteren  Ende  dieser  Flosse  hin.  Zahlreiche,  winkelförmig  ge- 
brochene, violette  Streifen,  deren  Winkelspitzen  genau  in  die  Schup- 
penreihe der  Seitenlinie  fallen,  liegen  über  der  Seitenbinde  des 
Rumpfes  und  convergiren  mit  ihren  Schenkeln  nach  vorne. 
D.  10/9;  A.  3/7;  L.  lat.  50. 

Fundort:  Cap  der  guten  Hoffnung. 


yöU  S  (  e  i  II  d  a  c  li  II  e  r. 

In.  UiuMiiuloii  corvinaeformc  n.  spec. 

Die  Höhe  des  Körpers  ist  Ss/smal,  die  Kopflänge  etwas  weniger 
als  4mal  in  der  Totallänge,  die  Länge  des  Auges  4y7mal,  die  Stirn- 
breite SYsmal,  die  Schnaiizenlänge  23/5mal,  die  Länge  der  Pectorale 
1  '/jnial,  die  der  Ventrale  weniger  als  ly^inal  in  der  Kopflänge  ent- 
halten. 

Die  Mnndspalte  ist  von  geringer  Länge;  bis  zum  hinteren  Ende 
des  Oberkiefers  gemessen,  welches  senkrecht  unter  den  vorderen 
Augenrand  fällt,  a/^  der  Kopflänge  gleich. 

Die  Kieferzähne  sind  sehr  fein,  spitz,  kurz,  die  Zähne  der 
Außenreihe  im  Zwischen-  und  Unterkiefer  nur  wenig  länger  als  die 
übrigen;  nach  vorne  reichen  beide  Kiefer  gleich  weit. 

Der  liintere  Rand  des  Vordeckels  ist  stark  nach  hinten  und  unten 
geneigt  und  mit  circa  16  Zähnen  besetzt,  deren  Spitzen  nach  oben 
und  hinten  gewendet  sind. 

Am  hinteren  abgerundeten  Winkel  desselben  Knochens  liegen 
einige  wenige,  weiter  auseinander  gerückte  und  etwas  stärkere  Zähne; 
die  kleinen  Zähne  des  unteren  Randes  ragen  mit  ihren  Spitzen  kaum 
über  die  Hauteinfassung  hinaus. 

Die  Schnauze  ist  mäßig  gebogen  und  fällt  bedeutend  steiler  nach 
unten  und  vorne  ab,  als  die  Frolillinie  der  Stirne  und  des  Scheitels 
sich  nach  iiinten  in  schiefer  Richtung,  fast  ohne  Krümmung  erhebt. 

An  der  Unterseite  des  Unterkiefers  zeigt  sich  eine  centrale 
Grube,  vor  dieser  liegen  zwei  Poren. 

Der  Kopf  ist  mit  Ausnahme  der  Vorderfläche  der  Schnauze  und 
der  Kiefer  vollständig  mit  ziemlich  großen  Schuppen  bedeckt.  Zwi- 
schen dem  unteren  Rande  des  Auges  und  des  Vordeckels  liegen  circa 
acht  Längsschuppenreihen,  von  denen  drei  auf  den  unteren  Augen  • 
ring  fallen.  Ein  eigentlicher  Deckelstachel  fehlt. 

Die  Dorsale  ist  zwischen  dem  stacheligen  und  gliederstrahligen 
Theile  stark  eingebuchtet,  die  Stacheln  der  Rückenflosse  sind  nur 
von  mäßiger  Stärke  und  [jäiige.  Der  erste  Dorsalstachel  ist  sehr  kurz; 
der  vierte  höchste  ist  nur  wenig  länger  als  der  dritte  und  unbedeu- 
tend mehr  als  2mal,  der  letzte,  welclier  den  vorletzten  an  Länge 
übertrifl't,  nicht  ganz  4mal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Die  Analstacheln  sind  ziendich  stark,  doch  von  geringer  Länge. 
Der  zweite  derselben    ist  bedeutend    stärker,   doch  nur  wenig  länger 


Ichthyologische  Notizen  (VII).  98  1 

als  der  dritte  und  erreicht  nur  1/3  der  Kopflänge,  während  jeder  der 
beiden  darauffolgenden  Gliederstrahlen  circa  äa/jinal  in  der  Kopf- 
länge enthalten  ist. 

Der  Stachel  der  Ventrale  gleicht  an  Länge  dem  7.  der  Dorsale 
und  iihertrifft  nur  wenig  ein  Drittel  der  Kopflänge;  der  erste  Glieder- 
strahl ist  in  einen  kurzen  Faden  ausgezogen,  dessen  vSpitze  um  die 
Länge  von  7  Bauchschuppen  von  der  Darmmündung  entfernt  hieibt; 
die  Pectorale  ist  mäßig  zugespitzt. 

Die  Seitenlinie  läuft  parallel  mit  der  Profillinie  des  Rückens  und 
durchbohrt  bis  zur  Basis  der  mittleren Caudalstrahlen  50 — öl  Schup- 
pen, auf  letzterer  noch  5 — 6  kleine  Schuppen.  Zwischen  der  Basis 
des  ersten  Dorsalstachels  und  der  Seitenlinie  liegen  S'/,»  zwischen 
letzterer  und  der  Basis  der  Ventrale  10 '/a — 11  Schuppen  in  einer 
verticalen  Reihe. 

Über  den  Rand  des  Rückens  erhebt  sich  eine  Reihe  kleiner 
Schuppen  und  bildet  eine  Scheide  längs  der  Basis  der  Dorsale,  wäh- 
rend die  höhere  Scheide  der  Anale  aus  zwei  horizontalen  Schuppen- 
reihen besteht.  Die  Gliederstrahlen  der  Dorsale  und  Anale,  sowie  die 
Unterseite  der  Ventralen  sind  zunächst  den  Strahlenrändern  zum 
größten  Theile,  die  Caudale  aber  vollständig  beschuppt. 

Die  Seiten  des  Kopfes  sind  bräunlich  violett,  der  Rücken  hell- 
braun; die  untere,  größere  Rumpfhälfte  zeigt  eine  gelblichweiße  Fär- 
bung mit  einem  grünlichen  Schimmer.  Die  Schuppen  des  oberen  grö- 
ßeren Rumpftheiles,  des  Kopfes  und  der  Kehle  sind  an  derBasis  dunkel- 
braun; über  die  Mitte  der  einzelnen  (horizontalen)  Schuppenreihen 
der  oberen  Rumpfhälfte  (über  der  Höhe  der  horizontal  zurückgelegten 
Pektoralen  bis  zur  Rückenlinie  hinauf)  läuft  eine  bräunlichgraue  Längs- 
binde, über  jede  der  noch  übrigen  unteren  Reihen  nach  allmäliligem 
Übergange  eine  goldgelbe,  gleichfalls  ziemlich  breite  Längsbinde. 

Die  gelbliche  Grundfarbe  der  Dorsale  geht  gegen  die  Spitze  der 
Strahlen  in  ein  wässeriges  Grau  über:  die  größere  obere  Hälfte  der 
Rückenflosse  ist  braun  punctirt;  vor  der  Spitze  der  einzelnen  Dorsal- 
staehelii  liegt  ein  schiefer,  schmaler,  schwarzbrauner  Strich,  hinter 
derselben  ein  kleiner  Fleck  auf  der  Flossenhaut.  Caudale,  Pectorale, 
Ventrale  und  Anale  sind  schmutzig  dunkelgelb;  erstere  Flosse  geht 
gegen  den  hinteren,  eingebuchteten  Rand  in  ein  gelbliches  Grün  über. 

An  den  Wangen  zeigen  sich  bei  dem  von  uns  untersuchten  Exem- 
plare 2 — 3  goldgelbe,  schmale  Binden,  von  denen  die  beiden  oberen 

Sitxb.  (I.  mathfiii.-natiirw.  (1.  IAH.  B<l.  I.  Ahth.  G3 


982  Steindachner. 

parallel  mit  dem  unteren  Augem*ande  laufen;  die  erste  Binde  liegt 
unmittelbar  am  unteren  Augenrande  selbst,  fehlt  aber  auf  einer  Seite 
des  Kopfes,  die  zweite  begränzt  den  unteren  Rand  des  Suborbital- 
ringes, die  dritte  Binde  endlich  zieht  vom  Mundwinkel  etwas  schief 
nach  oben  zum  hinteren  Winkel  des  Vordeckels. 

D.  12/15;  A.  3/7. 

Die  von  uns  beschriebene  Art  hat  bezüglich  der  Zeichnung  des 
Körpers  und  der  Schwäche  der  Dorsalstacheln  einige  Ähnlichkeit  mit 
Pristipoma  macrophlhalmus  Blkr. ;  ob  der  Beschuppung  der  Glie- 
derstrahlen  in  der  Dorsale  und  Anale  gehört  sie  zur  Gattung  Haemu- 
lon,  vermittelt  aber  bereits  den  Übergang  dieser  Gattung  zu  Pristi- 
poma, indem  die  Schuppen  nur  ziemlich  breite  Binden  längs  und 
zunächst  den  Rändern  der  Gliederstrahlen  bilden. 

Fundort:  Santos. 

11.  Prislipoma  fuhomaculatom  spec.  Mitch. ,  Holbr. 

Die  Höhe  des  Körpers  ist  etwas  weniger  als  Sy^mal,  die  Länge 
des  Kopfes  4mal  in  der  Totallänge,  der  Diameter  des  Auges  42/5mal, 
die  Länge  der  Schnauze  2V5mal,  die  Breite  der  Stirne  Ss/smal,  die 
Länge  derPectorale  etwas  mehr  als  li/gmal,  die  der  Ventrale  Is/smal 
in  der  Kopflänge  enthalten. 

Die  Mundspalte  ist  von  mäßiger  Länge  und  bis  zum  hinteren  Ende 
des  Oberkiefers  gemessen,  welches  in  senkrechter  Richtung  etwas 
hinter  den  vorderen  Augenrand  fällt,  5/1«  der  Koptlänge  gleich;  der 
vordere  Rand  des  Zwischenkiefers  überragt  nur  ganz  unbedeutend 
den  Unterkiefer  und  trägt  wie  dieser  eine  Binde  spitzer  Zähnchen, 
vor  welcher  eine  Reihe  etwas  längerer  und  stärkerer  Zähne  liegt. 
Eine  centrale  Grube  am  Unterkiefer,  vor  dieser  zwei  Poren. 

Der  hintere  Rand  des  Vordeckels  ist  mälSig  nach  hinten  und 
unten  geneigt  und  mit  zahlreichen  Zähnchen  besetzt,  deren  Spitzen 
nach  oben  gewendet  sind;  der  Vordeckelwinkel  ist  stark  abgerundet 
und  wie  der  untere  Rand  zahnlos.  Der  Deckel  endigt  in  zwei  zarte 
Stacheln. 

Die  obere  Profillinie  des  Kopfes  erhebt  sich  steil  bis  zum  ziem- 
lich stark  gekrümmten  Nacken,  ist  in  der  vorderen  Stirn-  und  in  der 
Schnauzengegend  sehr  schwach  gebogen,  in  der  Scheitelgegend 
aber  schwach  concav. 


Ichthyologische  Notizen  (VII).  983 

Die  Dorsalstacheln  sind  ziemlich  stark  und  erreichen  keine  l>e- 
deutende  Höhe;  der  längste  vierte  Stachel  ist  circa  2iT\al,  der  letzte 
3mal  in  der  Länge  des  Kopfes  enthalten.  Die  Gliederstrahlen  der 
Dorsale  nehmen  gegen  das  hintere  Ende  der  Flosse  allmählig  an 
Höhe  ab ,  die  ersteren  Strahlen  sind  etwas  länger  als  der  voran- 
gehende letzte  Dorsalstachel. 

Die  Stacheln  der  Anale  sind  im  \'erhältniß  zu  ihrer  geringen 
Länge  von  bedeutender  Stärke,  der  zweite  ist  etwas  länger  und  stär- 
ker als  der  dritte,  dessen  Länge  circa  -/^  der  Kopflänge  beträgt;  der 
erste  Gliederstrahl  der  Anale  übertrifTt  den  letzten  Stachel  um  mehr 
als  i/i,  der  dritte  um  '/g  seiner  Länge.  Die  Caudale  ist  am  hinteren 
Rande  stark  eingebuchtet,  der  obere  Caudallappen  etwas  länger  als 
der  untere  und  circa  1  '/smal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Die  Caudale  ist  vollständig  beschuppt.  Dorsale  und  Anale  sind 
schuppenlos,  bewegen  sich  aber  innerhalb  einer  Schuppenscheide, 
welche  gegen  die  3Iitte  dieser  beiden  Flossen  allmählig  an  Höhe  zu- 
nimmt und  daselbst  von  2 — 3  horizontalen  Schuppenreihen  gebil- 
det wird. 

Die  Pectoralen  sind  im  basalen  Theile,  die  Ventralen  auf  der 
Unterseite  der  Strahlen  beschuppt.  Der  Kopf  ist  nur  an  den  Lippen, 
an  der  Vorderseite  der  Schnauze,  dem  unteren  Theile  des  Suborbital- 
ringes und  auf  dem  vordersten  Theile  der  Unterseite  des  Unterkiefers 
schuppenlos.  Die  Seitenlinie  ist  von  der  Basis  des  ersten  Dorsalsta- 
chels noch  einmal  so  weit  wie  von  der  des  letzten  Gliederstrahles  der 
Rückenflosse  entfernt  und  durchbohi't  bis  zur  Basis  der  mittleren 
Caudalstrahlen  53 — 54,  auf  der  Caudale  selbst  circa  8  Schuppen. 
Sämmlliche  Scliuppen  fühlen  sich  sehr  rauh  an,  da  sie  am  hinteren 
Rande  mit  sehr  zahlreichen  Zähnchen  besetzt  sind.  Die  Schuppen- 
reihen unter  der  Seitenlinie  laufen  horizontal,  die  über  der  Seiten- 
linie gelegenen  ziehen  schief  nach  oben  und  hinten. 

Die  Grundfarbe  der  Körperseiten  ist  isabellfahl  mit  Silbersehim- 
mer,  die  Bauchfläche  isabellgelb.  An  der  Basis,  zuweilen  auch  in  der 
Mitte  der  Schuppen  über  der  Seitenlinie  liegt  ein  verschwommener 
graubrauner  Fleck,  wodurch  schwach  vortretende  Binden  gebildet 
werden,  welche  der  Lage  der  Schuppenreihen  entsprechend  in  schiefer 
Richtung  nach  hinten  und  oben  laufen.  Hie  und  da  zeigen  sich  grofie, 
ganz  unregelmäf^ige,  graubraune  Wolkenrtecken;  ein  rundlicherstark 
verwaschener  Fleck   von   gleicher   Färbung    sitzt   am    Beginne    der 

63« 


984  Steinda  ebner. 

Seitenlinie.  Die  Schuppen  unter  der  Seitenlinie  bilden  horizontal 
laufende  Reihen,  an  der  Basis  derselben  liegt  ein  goldgelber,  schwach 
bräunlieh  umsäumter  Fleck,  stellenweise  wird  er  aber  durch  einen 
bräunlichen  Querstrich  ganz  verdrängt. 

In  ziemlicher  Entfernung  vor  dem  hinteren  Caudalrande  so  wie 
über  dem  unteren  Analrande,  und  fast  parallel  mit  diesem  läuft  eine 
schwarzgraue,  stark  verschwommene  Binde  hin.  Die  obere  Hälfte  des 
von  Gliederstrahlen  gebildeten  Theiles  der  Dorsale  und  die  ganze  Flos- 
senhaut zwischen  den  Dorsalstacheln  ist  gleichfalls  wässerig-schwarz- 
grau oder  bräunlich,  indem  sich  daselbst  zahllose  dunkle  Pünktchen 
anhäufen;  in  dem  gliedersti'ahligen  Theile  der  Dorsale  liegen  an  der 
unteren  Gränze  der  oberen,  dunkel  gefärbten  Hälfte  ovale  Flecken  von 
schwarzbrauner  Färbung,  kleinere  und  schwächer  vertretene  runde 
Flecken  zunächst  der  gelblichen  Basis.  Die  Ventrale  ist  grauschwarz 
gesprenkelt. 

Fundort:  Santos;  bisher  war  diese  Art  nur  von  den  Küsten 
Georgiens  bis  nach  Virginien  bekannt. 

D.  12/15;  A.  3/10;  P.  17. 

Dr.  Günther  stellt  Diagramma  cavif'rons  C.  Y.  in  das  Ge- 
schlecht Pristipoma,  wir  theilen  diese  Ansicht  in  Übereinstimmung 
mit  Prof.  Peters  nicht,  da  bei  D.  cavifrons  die  Gliederstrahlen  der 
Anale  und  Dorsale  ganz  beschuppt  sind  und  die  Centralgrube  am 
Kinn  fehlt. 

12.  Pentaroge  uiarmorata  spec.  C.  Val. 

Die  Höhe  des  Körpers  steht  der  Kopflänge  ein  wenig  nach  und 
ist  unbedeutend  mehr  als  Sy^mal,  die  Kopflänge  Z^/^mdA,  die  Länge 
des  Auges  nahezu  4mal,  die  Breite  der  concaven  Stirne  G'/^mal,  die 
Länge  der  Schnauze  4'/3mal,  die  Länge  der  Pectorale  etwas  weniger 
als  1  '/imal.  die  der  Ventrale  circa  1  '/omal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Die  Mundspalte  ist  schief  gestellt,  beide  Kiefer  reichen  nach 
vorne  fast  gleich  weit  und  sind  wie  der  Vomer  und  die  Gaumenbeine 
mit  zahlreichen  Hechelzähnen  besetzt.  Das  hintere  Ende  des  Ober- 
kiefers fällt  in  senkrechter  Richtung  etwas  vor  den  hinteren  Augen- 
rand. Das  Praeoculare  ist  nach  hinten  in  einen  langen,  schwach  auf- 
wärts gebogenen  Stachel  ausgezogen,  dessen  Spitze  ziemlich  weit 
den  hinteren  Augenrand  überragt;    unter  der  Basis  dieses  Stachels 


Ichlhyologfische  Notizen  (VII).  983 

welcher  fast  '/g  der  Kopflänge  erreicht,  liegt  am  hinteren  Ende  des 
unteren  Praeocularrandes  ein  ganz  kleiner  Stachel,  dessen  Spitze 
nach  unten  und  hinten  gekehrt  ist. 

Der  hintere  Rand  des  Vordeckels  trägt  4  Stacheln,  von  denen 
der  oberste  sehr  lang  und  spitz  ist,  während  die  3  unteren  nur  eine 
sehr  geringe  Länge  zeigen. 

Das  Auge  nimmt  das  zweite  Viertel  der  Kopflänge  ein,  der  obere 
Augenrand  ist  schwach,  leistenförmig  erhöht  und  setzt  sich  hinter 
dem  Auge  mit  dem  der  entgegengesetzten  Seite  divergirend  bis  zum 
seitlichen  hinteren  Ende  des  Kopfes  fort.  Die  Stirne  ist  in  der  Mitte 
halhrinnenförmig  vertieft. 

Die  Dorsalstacheln  heginnen  unmittelbar  hinter  dem  Ende  des 
Hinterhauptes  und  sind  ziemlich  stark  nach  hinten  gebogen,  der  erste 
Stachel  ist  halb  so  lang  wie  der  dritte,  diese  nur  unbedeutend  länger 
als  der  vierte  und  circa  2mal  in  der  Kopflänge  enthalten.  Der  letzte 
Dorsalstachel  ist  nur  5/7  der  Höhe  des  daraufi^olgenden  Gliederstrahles 
gleich,  der  längste  dritte  Gliederstrahl  der  Dorsale  ist  ebenso  lang 
wie  der  vierte  Dorsalstachel. 

Der  zweüe  Analstachel  übertrifft  den  dritten  ein  wenig  an  Länge 
und  Stärke,  ist  aber  kürzer  als  der  erste  oder  zweite  Gliederstrahl 
derselben  Flosse. 

Der  Rücken  ist  aschgrau,  die  Unterseite  des  Körpers  weißlich, 
bräunliche  Marmorflecke  liegen  an  den  Seiten  des  Körpers  und  des 
Kopfes.  Ein  äußerst  großer  schwarzbrauner  Fleck  nimmt  fast  die 
ganze  Mitte  und  Höhe  der  stacheligen  Dorsale  (zwischen  der  vierten 
bis  siebenten  Stachel)  ein,  ein  kleinerer  Fleck  kommt  zwischen  den 
drei  letzten  Dorsalstacheln  vor.  Die  übrigen  Flossen  mit  Ausnahme 
der  Ventrale  sind  in  schiefer  oder  querer  Richtung  marmorirt.  Vor  dem 
oberen  Theile  des  hinteren  Pectoralrandes  und  parallel  mit  diesem  liegt 
eine  schwärzlichbraune  Binde.  Die  Körperhaut  umhüllt  ganz  schlaff  den 
Körper,  ist  ziemlich  dick  und  schuppenlos.  Das  von  uns  untersuchte 
Exemplar  ist  Hi/«"  lang  und  trägt  13  Stacheln  und  9  Gliederstrahlen 
in  der  Dorsale. 

Fundort:  Südküste  Neuhollands. 

13.  Corrina  fasciata  spec.  Tschudi. 

Von  dieser  seltenen  Art  besitzt  das  Wiener  Museum  ein  Pracht- 
exemplar aus  Chile.    Es  ist  nahezu  9  Zoll  lang,  an  den  Körperseiten 


986  S  i  e  i  n  d  a  o  h  u  e  r. 

dunkelbraun,  last  sclnvärzlicli;  nur  eine  breite,  silbergraue  Querbinde 
läuft  unterhalb  der  Basis  des  letzten  Stachels  und  der  drei  ersten  Glie- 
derstralilen  der  Dorsale  zum  Bauchrande  hinab;  Spuren  einer  zweiten 
Querbinde  bemerkt  man  unterhalb  der  mittleren  Gliederstrahlen  der 
Bückenflosse.  In  der  oberen  Körperhälfte  zeigt  sich  ein  hell  bläulich- 
grauer, in  der  unteren  ein  silbergrauer  Metallschimmer. 

Die  Höhe  des  Körpers  ist  bei  dem  von  uns  untersuchten  Exem- 
plare nicht  Si/gmal,  wie  Dr.  Günther  angibt,  sondern  kaum  3mal, 
die  Kopflänge  nahezu  4mal  (S'/gmal)  in  der  Totallänge,  die  Länge 
des  Auges  43/^mal,  die  Stirnbreite  S'/imal,  die  Schnauzenlänge  circa 
33/4mal,  die  Kopfbreite  circa  l^/^mal,  die  Länge  der  Ventrale,  welche 
der  der  Pectorale  gleicht,  circa  lYäUial   in  der  Kopflänge  enthalten. 

Der  Unterkiefer  läßt  sich  unter  den  Zwischenkiefer  schieben 
und  ist  wie  dieser  mit  einer  Binde  äußtersl  dicht  an  einander  ge- 
drängter Hechelzähnchen  besetzt,  vor  \^elchen  eine  Beihe  etwas  län- 
gerer Zähne  steht.  An  der  Unterseite  des  Unterkiefers  liegen  zwei 
Paare  großer  Porengruben  nebeneinander:  vor  diesen  an  der  Unter- 
lippe bemerkt  man  eine  ganz  kleine,  zwischen  diesen  eine  etwas  grö- 
ßere Pore. 

Der  hintere  Rand  des  Vordeckels  ist  etwas  schief  gestellt,  und 
mit  zahlreichen  Zähnchen  besetzt,  Avelche  denen  des  abgerundeten 
hinteren  Praeoperkel- Winkels  etwas  an  Länge  nachstehen.  Der  Kie- 
mendeckel endigt  in  zwei  Stacheln,  welche  durch  einen  halbmondför- 
migen, iiberhäuteten  Einschnitt  von  einander  getrennt  sind.  Die 
Schnauze  springt  an  dem  uns  vorliegenden  Exemplare  minder  stark 
und  höckerförmig  über  dieStirne  vor,  als  bei  dem  von  Tschudi  abge- 
bildeten Individuum,  weßhalb  auch  der  Eindruck  an  der  Stirne  sich 
scliwächer  gestaltet,  und  ist  vorne  stark  abgestumpft.  Kleine  Zähn- 
clien  liegen  am  Rande  der  Suprascapula. 

Der  erste  Dorsalstachel  ist  äußerst  kurz,  der  zweite  und  dritte 
erreichen  die  bedeutendste  Höhe  der  Flosse,  welche  etwas  mehr  als 
2mal  in  der  Kopflänge  enthalten  ist;  die  darauffolgenden  Stacheln 
nehmen  bis  zum  vorletzten  stufenweise,  rasch  an  Länge  ab;  der  letzte, 
etwas  längere  ist  circa  halb  so  lang  wie  der  zweite  Stachel.  Die  mitt- 
teren,  längsten  Gliederstrahlen  der  Dorsale  sind  2  «/.mal,  der  erste 
fast  23/4mal,  der  letzte  ömal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Der  hintere  Rand  der  Caudale  ist  etwas  schief  gestellt,  die  Cau- 
dale  in  ihrer  größten  Ijängenansdehnung  nur  y^  der  Kopflänge  gleich 


Ichthyolog:ische  Notizen  (VII).  987 

und  wie  die  Gliederstrahlen   der  Dorsale   und  Anale  vollständig  mit 
kleinen  Schuppen  überdeckt. 

Der  erste  Analstachel  ist  äußerst  kurz,  der  zweite  sehr  lang, 
doch  etwas  kürzer  als  der  dritte  Dorsalstachel  und  von  sehr  bedeu- 
tender Stärke  (mehr  als  noch  einmal  so  stark  wie  die  Stacheln  der 
Dorsale).  Der  erste  Gliederstrahl  der  Anale  kommt  an  Länge  s/g  ^'es 
Kopfes  gleich.  Der  Stachel  der  V'entrale  ist  schlank,  fast  ebenso  lang 
wie  der  zweite  Analstaehel. 

Die  Seitenlinie  läuft  parallel  mit  der  stark  gekrümmten  Profil- 
linie des  Rückens  und  durchbohrt  bis  zur  Basis  der  Caudale  circa  52 
bis  o3  Schuppen,  indem  sie  sich  aber  fast  bis  zum  hinteren  Rande 
der  Schwanzflosse  fortzieht,  durchbohrt  sie  auf  letzterer  noch  circa 
20  Schuppen. 

Am  Kopfe  sind  nur  die  Vorderfläche  der  Schnauze,  die  Lippen 
und  ein  Theil  der  Unterseite  des  Unterkiefers  schuppenlos.  Die  größ- 
ten Körperschuppen  liegen  in  der  vorderen,  längeren  Rumpfhälfte 
zwischen  der  Seitenlinie  und  der  Pectoralhöhe,  die  kleinsten  auf  den 
Flossen  und  auf  der  Kehle.  Die  Pectorale  ist  nicht  schuppenlos,  wie 
sie  Tschudi  abbildet,  sondern  in  dem  größeren  vorderen  Theile 
der  Außenfläclie,  die  Ventrale  an  der  Unterseite  zunächst  und  auf  dem, 
äußeren  Rande  der  einzelnen  Strahlen  mit  kleinen  Schuppen  über- 
kleidet. Die  Flossen  sind  schwärzlich  und  nur  an  der  Basis  bald 
schmutzig  röthlichgelb  wie  die  Ventrale,  bald  schmutzig  olivenfarben 
wie  die  Pectorale  und  die  Dorsale.    Die   Pectoralgrube  ist  goldbraun. 

c.  10 

D.  11/25;  A.  2/9;  L.  lat.  ^^^sF  (+20  auf  der  Caudale). 

21 

14.  Scomber  loo  Cuv.  Val. 

Unseres  Erachtens  stellt /Sc  microlepidotus  Rüpp.  (Neue  Wir- 
belth.  z.  Fauna  Abyss.,  Fische  pag.  38,  Taf.  11,  flg.  2)  nur  die 
Jugendform  des  S.  loo  vor;  wir  besitzen  aus  dem  rothen  Meere  ein 
kleines  Exemplar  letzterer  Art,  welches  ganz  genau  Rüppels  citirter 
Abbildung  entspricht  und  von  Scomher  loo  nicht  getrennt  werden 
kann.  Nach  Günther  wäre  bei  Sc.  microlepidotus  die  Körperhöhe 
der  Kopflänge  gleich;  wir  finden  aber  letztere  stets  mehr  oder  minder 
bedeutender  als  erstere,  wofür  auch  Rüppels  Figur  spricht;  insbe- 
sondere wird  die  Körperhöhe    bei  ganz  jungen  Individuen  beträcht- 


0  (S  8  S  t  f  i  II  (1  a  e  li  11  e  r. 

licli  von  ilei'  Kopflänge  übertroffen.  Die  Schwanzflosse  ist  ferner  hei 
sänimtlichen  Arten  in  der  .Ingend  unverluiltiiißmäßig  schwächer  ent- 
wickelt als  in  vorgerückterem  Alter,  daher  die  geringe  Grüße  der- 
selben nicht  charakteristisch  für  Sc.  microlepidotus.  Die  Schuppen 
der  Brustgegend  sind  endlich  bei  Scomber  loo  viel  größer  als  die 
übrigen,  was  sowohl  Cuvier,  Valenciennes  als  Bleeker  unerwähnt 
lassen. 

Wahrscheinlich  dürfte  auch  Sc.  chrysozonus  R  ü  p  p.  nicht  von 
Sc.  loo  verschieden  sein,  wenigstens  kommen  bei  mehreren  Exem- 
plaren letztgenannter  Art  aus  Java  Spuren  zweier  goldig  schimmern- 
der Flecken  hinter  den  Augen  vor. 

Das  Wiener  Museum  besitzt  viele  Exemplare  des  Sc.  loo  von 
Java,  Manila  und  Hongkong  (Sc.  microlepidotus  Kner,  Nov.  Fische). 

15.  Scomber  niolaccensis  BIkr. 

Zwei  vom  Cap  der  guten  Hofinung  eingesendete  Exemplare 
stimmen  genau  mit  Bleeker's  Beschreibung  von  S.  molucceusiH 
überein,  besitzen  aber  11  Gliederstrahlen  in  der  Anale;  da  jedoch 
nach  Bleeker  auch  bei  Sc  loo  die  Zahl  Aav  letzteren  zwischen  10 
und  1 1  schwankt,  so  ist  hierauf  kein  besonderes  Gewiciit  zu  legen, 
zumal  ich  auch  bei  drei  Exemplaren  des  S.  rtiolaccensis  von  Amboina 
(durch  Dolesciiall  eingesendet)  11  Gliederstrahlen  in  der  Anale 
finde. 

V'omer-  und  Gaunienzähne  fehlen  den  von  uns  untersuchten  In- 
dividuen von  5"  9"  —  6"  Länge;  die  Körperhohe  ist  genau  oder 
unbedeutend  mehr  als  Jimal,  die  Koj)flänge  4nial  in  der  Totallänge, 
die  Länge  der  Schnauze  3"  i  — 33/-,mal,  der Augeiidiameter  ein  wenig 
nielir  als  4mal,  die  Stirnbreite  circa  5mal,  die  Breite  des  Kopfes  2^/3 
mal,  die  Länge  der  Ventrale  circa  2'/3mal,  die  der  Peclorale  circa 
2'/4mal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Die  Kieferzähne  sind  äußerst  zart  und  zahlreich,  die  Schujipen 
um  die  Pectorale  merklich  größer  als  die  übrigen,  dieses  gilt  insbe- 
sondere von  jenen  unter  der  Pectoralbasis  bis  zur  unteren  Profillinie 
des  Bauches  (vor  den  Ventralen)  und  den  unmittelbar  hinter  dem 
Seiiidtergüi'lel  gelegenen  Scliup|ien.  Die  gröf!»te  Höhe  der  ersten  Dor- 
sale über  den  zweiten  oder  dritten  Stachel  gleicht  genau  oder  nahe- 
zu der  Hälfte  der  Kopflänge;  eine  Schwimmblase   lehlt. 

Der  Stachel  vor  der  Anale  ist  nur  äußerst  schwach  angedeutet. 


Iththyologisclie  Notizen  (VII).  989 

All  der  liasis  der  Pectorale  liegt  ein  scliinaler  dunkler  Quer- 
strich, der  iialbniondfürmig  gebogen  ist.  Dunkelliraune,  runde  Flecken 
in  2 — 3  Längsreihen  zunächst  der  Rückenlinie. 

D.  9-10/:i/V;  A.  l/^/V. 

16.  Scomber  kiinagurta  Cuv. 

Bei  einem  ganz  kleinen,  nur  81/4"  langen  Individuum  dieser 
Art,  welche  durch  die  Kürze  der  Schnauze  und  die  Breite  der  Stirne 
ausgezeichnet  ist,  beträgt  die  Körperhöhe  fast  nur  i/j  (bei  älteren 
Individuen  circa  ''/os),  die  Kopflänge  Y,,  der  Totallänge,  während  der 
Augendiameter  und  die  Schiiauzenlänge  circa  Sy^mal,  die  Stirnbreite 
4'/2mal  in  der  Koptlänge  enthalten  ist. 

17.  Scomber  colias   Linne. 

(=  Sc  imeuniatophorua  Delaroche). 

Es  unterliegt  keinem  Zweifel,  daß  Sc.  pneumaiophoinis  major 
Seh  leg.  mit  der  gleichnamigen  europäischen  Art  identisch  sei  und 
daher  auch  im  stillen  Ozean  vorkomme,  da  wir  selbst  erst  kürzlich 
ein  vortrefflich  erhaltenes  Exemplar  von  der   Küste  Chiles  erhielten. 

18.  Pelamys  chilensis  Cuv.  Val. 

Bei  einem  14"  langen  Exemplare  aus  Chile  ist  die  Körperhöhe 
etwas  mehr  als  ö'  .nial,  die  Kopflänge  nicht  ganz  4'/sma!,  die  Länge 
der  Pectorale  O'/^nial  (nach  Günther  7mal)  in  der  Totallänge,  die 
Stirnbreite  etwas  mehr  als  Ss/gmal,  die  Augenlänge  ein  wenig  mehr 
als  7mal,  die  Länge  der  Schnauze  circa  3mal,  die  Kopfbreite  2*/4mal 
in  der  Kopflänge  enthalten. 

Der  Zwischenkiefer  überragt  ein  wenig  den  Unterkiefer,  das  hin- 
tere Ende  des  Oberkiefers  reicht  in  senkrechter  Richtung  fast  um  die 
Hälfte  der  Augenlänge  über  den  hinteren  Augenrand  hinaus. 

f).  17-  1/3/1 1/VIIl;  A.  i/3/9/Vl. 

Meines  Erachtens  fällt  Pel.  orientalis  mit  Pel.  chilensis  zusam- 
men, nach  Dir.  Schlegel  sollen  zwar  hinter  der  Anale  9  falsche 
Flösselchen  bei  erstgenannter  Art  liegen,  doch  zeigt  die  Abbildung 
(Tab.  52)  deren  nur  6  wie  bei  Pel.  orientalis.  In  den  Längenver- 
hältnissen der  einzelnen  Körpertheile  zu  einander  ist  kein  Unterschied 


1)90  S  t  e  i  n  dach  11  e  r. 

zwischen  P.  chilensis  und  orientalis  zu  finden,    wie  aus  der  von  uns 
gegebenen,  kurzen  Beschreibung  zu  entnehmen  ist. 

19.  Thyrsites  promcthcus  sp.  Cuv.  Val. 

Diese  Art  ist  sehr  gemein  an  den  Küsten  Tenerife's  zunächst 
Santa  Cruz  und  erreicht  durchschnittlicli  eine  Länge  von  24 — 26". 

Die  Höhe  des  Leibes  ist  bei  kleinen  Individuen  von  13"  Länge 
nahezu  8mal,  bei  erwachsenen  in  der  Regel  etwas  mehr  als  73/5  bis 
etwas  weniger  als  8mal,  die  Kopflänge  etwas  mehr  als  4'/5 — 43/9 
mal  in  der  Totallänge,  der  Augendianieter  4'/4 — 4mal,  die  Stirn- 
breite 53/5-  last  ^Yämal,  die  Schnauzenlänge  2^/4 — 22/3mal,  die 
Kopfbreite  fast  31/3-  etwas  mehr  als  l'/^mal,  die  Kopfhöhe  21/5 
bis  ^^/^m^X,  die  Länge  der  Pectorale  nahezu  2 — l3/4mal  in  der  Kopf- 
länge enthalten.  Zwei  Paare  auffallend  großer,  säbelförmig  gekrümm- 
ter, comprimirter  Zähne  liegen  am  vorderen  Ende  des  Zwischen- 
kiefers, 2  nur  halb  so  große  Zähne  am  vorderen  Ende  des  vorsprin- 
genden Unterkiefers.  Die  (einreihigen)  Zähne  an  den  Seiten  des 
Unterkiefers  nehmen  gegen  die  Mundwinkel  bis  zu  dem  drittletzten 
Zahne  allmählig  an  Länge  und  Stärke  ein  wenig  zu,  die  drei  letzten 
aber  ein  wenig  ab.  Eine  lange  Reihe  von  Zähnen  liegt  an  den  Gau- 
menbeinen. 

Der  Körper  ist  nicht  schuppenlos  wie  ihnValenciennes  abbildet, 
sondern  der  ganze  Rumpf,  die  Anale,  Caudale,  die  zweite  Dorsale, 
der  größte  Tlieil  der  Pectorale  und  des  Kopfes  sind  dicht  mit  rund- 
lichen Schuppen,  die  sich  stark  überdecken,  besetzt.  Die  Seitenlinie 
macht  unter  der  Basis  des  vierten  Dorsalstachels  eine  rasche  Biegung 
nach  unten,  läuft  hierauf  von  der  Gegend  des  sechsten  oder  achten 
Dorsalstachcls  bis  etwas  vor  dem  Beginne  der  Afterflosse  ein  wenig  unter 
oder  genau  in  der  Höhenmitte  des  Rumpfes  fast  in  horizontaler  Rich- 
tung fort;  weiter  nach  hinten  aber,  sich  allmählig  senkend,  liegt  die 
Seitenlinie  fast  noch  einmal  so  weit  von  der  Rücken-  als  von  dem 
gegenüber  liegenden  Theile  der  Bauchlinie  entfernt. 

Die  erste  Dorsale  enthält  stets  18  Stachelstrahlen,  von  denen  die 
höchsten  (7.  bis9.)  nur  '/^  der  Koptlänge  erreichen.  Die  zweite  Dorsale 
wird  von  zwei  Stachel- und  17 — 18  Gliederstrahlen  gebildet,  aufweiche 
noch  zwei  l'^lösselchen  folgen.  Vor  der  Anale  liegen  zwei  kurze,  spitze 
Stacheln,  in  der  Anale  selbst  14 — 15  Strahlen,  hinter  diesen  zwei 
Flösselchen,    welche    wie    in    der    Dorsale    durch    einen    sclimalen 


Icl.thyologisohe  Notizen  (VII).  991 

Hautsaum  mit  dem  letzten  Strahle  der  vorangehenden  Flosse  verbun- 
den sind.  Die  höchsten,  vorderen  Gliederstrahlen  der  zweiten  Dor- 
sale sind  in  der  Regel  3mal,  seltener  nur  circa  23/^ — 2*/5nial,  die  der 
Anale  3 1/3  —  S'/imal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Die  Caudale  ist  am  hinteren  Rande  sehr  tief  eingeschnitten  und 
erreicht  bis  zur  Basis  der  vordersten  Stützstrahlen  gemessen  ~/^  der 
Kopflänge. 

Bei  jungen  Individuen  von  13"  Länge  sind  die  beiden  Ventral- 
stachel (jederseits  einer)  stets  ganz  deutlich  entwickelt,  last  so  lang 
und  so  stark  wie  die  Vorstacheln  der  Anale  bei  den  Curaux-kvi^n 
und  liegen  weit  vor  der  Pectorale  an  der  Kehle;  bei  alten  Individuen 
verkümmern  sie  in  der  Regel  zum  größten  Theile  und  sind  last  voll- 
ständig von  der  Bauchhaut  überdeckt,  so  daß  man  äußerlich  nur  die 
Spitze  wahrnehmen  kann. 

Vulgärname:   Conejo  (Teneril'e). 

Die  bei  weitem  größere,  obere  Körperhälfte  ist  purpur-  oder 
violetthraun,  die  untere  silbergrau  und  mit  violetten  Puncten  über- 
säet, die  Flossen  sind  schwärzlich. 

20.  Centrophorns  ovalis  Cuv.  Val. 

Das  in  unserem  Besitze  befindliche  Prachtexemplar  von  der  Ost- 
küste Tenerile's  ist  genau  28"  lang;  da  die  Körperhöbe  8"  beträgt, 
so  gleicht  letztere  nur  2/7  (nach  Cuv.  Val.  1/3)  der  Totallänge,  die 
Kopflänge  verhält  sich  zur  Totallänge  wie  61/2  '  28  oder  ist  4Yi3mal 
(nach  Valenc.  ömal)  in  der  Gesammtlänge  enthalten.  Die  Länge  des 
Auges  steht  nur  ganz  unbedeutend  der  Breite  der  knöcheinen  Stirne 
zwischen  der  Mitte  der  oberen  Augenränder  nach  und  ist  etwas  mehr 
als  S'/a  —  33/5mal,  die  Länge  der  Augenhöhle  aber  3ina]  in  der 
Kopflänge  begriffen.  Die  hintere  Nasenöffnung  liegt  in  geringer  Ent- 
fernung vor  dem  Auge  und  bildet  einen  quergestellten,  langen  Schlitz, 
die  vordere  Narine  ist  oval  und  viel  kürzer  als  die  hintere.  Die 
Schnauze  ist  breit,  vorne  last  flach  und  fällt  steil  zum  vorderen  Ende 
der  Mundspalte  ab,  welche  ziemlich  rasch  nach  vorne  sich  erhebt. 
Das  hintere  Ende  des  Oberkiefers  fällt  bei  geschlossenem  Munde 
senkrecht  etwas  hinter  das  vordere  Längendrittel  des  Auges.  Unter- 
und  Zwischenkiefer  sind  nur  mit  einer  Reihe  schlanker  Zähnchen  be- 
setzt. Die  vordere  Spitze  des  Unterkiefers  überragt  ganz  unbedeutend 
den  Zwischenkiefer.  Der  hintere  Rand  dos  Vordeckels  ist  schief  nach 


992  S  t  e  i  n  d  ii  0  h  n  e  r. 

hinten  und  unten  geneigt,  concav,  der  untere  Rand  convex,  der  Vor- 
deckehvinkel  stark  abgerundet,  nach  hinten  vorgezogen  und  mit  län- 
geren Zähnehen  besetzt  als  der  hintere  Rand.  Das  breite  Randstück 
des  Vurdeckels  zwischen  der  Leiste  und  den  freien  Rändern  ist  ge- 
streift, schuppenlos.  Die  Wangen  sind  beschuppt,  doch  liegen  die 
Schuppen  unter  einem  dünnen  Hautüberzuge  verborgen. 

Der  Suborbitalring  ist  lang,  dodi  von  geringer  Höhe,  kaum  halb 
so  lioch  wie  lang.  Der  hintere  Rand  des  dünnen  Zwisclien-  und  Un- 
terdeckels ist  sehr  zart  gezähnt,  beide  Knochenstücke  sind  wie  der 
Kiemendeckel  überschuppt,  die  Schuppen  aber  sind  viel  kleiner  als 
sie  Lowe  abbildet.  Die  ganze  Oberseite  des  Kopfes,  der  vordere 
Theil  des  Suborbitalringes  und  der  Unterseite  des  Unterkiefers  so 
wie  das  Randstück  des  Vordeckels  sind  schuppenlos,  an  dem  hinteren 
Theile  der  Unterkiefer-Unterseite  imd  des  Suborhitalringes  sind  die 
Schuppen  wie  auf  den  Wangen  mit  einer  dünnen  Haut  überkleidet. 
Die  Dorsale  beginnt  mit  ihren  kurzen  Stacheln  in  senkrechter  Rich- 
tung etwas  vor  dem  hinteren  zugespitzten  Ende  des  Kiemen-  und  Un- 
terdeckels, und  erhebt  sich  längs  der  sieben  Staclieln  nur  allmälig,  rasch 
aber  längs  der  daraulTolgenden  drei  einfachen  und  der  beiden  ersten 
gespaltenen  Gliederstrahlen,  welche  letztere  yia  der  Kopflänge 
erreichen,  und  2mal  so  lang  als  der  letzte  Dorsalstachel  sind.  Der 
letzte  Dorsalstrahl  ist  22/5mal  in  der  Höhe  des  längsten  Gliederstrables 
enthalten,  der  erste  Dorsalstachel  ist  halb  so  lang  wie  der  siebente. 
Ahnlich  verhält  es  sich  mit  der  Anale,  deren  Stachel  kurz  sind,  wäh- 
rend der  zweite  gespaltene  längste  Gliederstrahl  23/4mal  in  der  Kopf- 
länge enthalten  ist;  der  dritte  Analstachel  erreicht  an  Länge  ^7  des 
höchsten  Gliederstrahles  derselben  Flosse.  Die  Basislänge  der  Anale 
verhält  sich  zu  der  der  Rückenflosse  wie  2  :  3^3  und  übertrifft  ein 
wenig  die  Kopflänge. 

Die  Caudale  ist  an»  hinteren  Rande  concav,  die  Caudallappen 
sind  zugespitzt  und  fast  so  lang  wie  der  Kopf.  Die  Caudale,  die  Glie- 
derstrahlen der  Dorsale  inid  der  Anale  sind  bis  in  die  Nähe  des  freien 
Rindes  dicht  mit  kleinen  vSdiuppen  besetzt. 

Die  Pectorale  ist  säbelförmig  gekrümmt,  zugespitzt,  sehr  lang 
und  reicht  mit  der  horizotital  zurückgelegten  Spitze  in  senkrechter 
Richtung  bis  zur  Basis  des  ersten  Analstachels;  sie  enthält  zwei  unge- 
gelbeilte    und  zwanzig  gespaltene  Gliederstrahlen.   Die  Ventrale  ist 


[Ghthyologische  Notizen  (Vif).  993 

kurz,  scluippenlos ;  der  längste  zweite  Gliederstrahl  ist  kaum  halb  so 
lang  wie  die  Pectorale. 

Sämnitliche  Schuppen  sind  eycloid;  die  Schuppen  an  der  Seite 
des  Runnples  sind  am  hinteren  Rande  stark  abgerundet,  am  vorderen 
fast  vertical  abgestutzt,  stets  etwas  höher  als  lang,  und  zwar  in  der 
vorderen  Körperhälfte  höher  als  in  der  hinteren.  Die  Bauclischuppen 
sind  nach  hinten  zugespitzt,  mehr  als  2mal  so  lang  wie  hoch  und  am 
vorderen  Rande  zuweilen  mehrfach  ausgezackt.  Die  Schuppen  auf  der 
Dorsale  und  Anale  sind  vorne  und  hinten  zugespitzt  und  viel  länger 
als  hoch.  Zahllose  concentrische  Ringe  laufen  über  die  Fläche  sämmt- 
licher  Schuppen;  die  Zahl  der  schwach  ausgeprägten  Radien  am  vor- 
deren bedeckten  Schuppenfelde  ist  gering. 

Die  Seitenlinie  läuft  parallel  zur  mäßig  gebogeneu  Rückenlinie 
und  durchbohrt  circa  100 — 106  Schuppen.  Zwischen  der  Seitenlinie 
und  dem  letzten  Strahle  der  Dursale  liegen  12  —  13  Schuppen, 
10 — 11  zwisclien  ersterer  und  dem  letzten  Analstrahle  in  einer  ver- 
ticalen  Reihe. 

18  Schuppen  zählt  man  zwischen  der  Basis  der  mittleren  Dor- 
salstrahlen, 20 — 21  zwischen  der  Basis  des  ersten  Dorsalstachels, 
circa  47  zwischen  dem  tiefsten  Punkte  der  Bauchlinie  und  der  Sei- 
tenlinie in  einer  Querreihe. 

Die  größten  Schuppen  des  Rumpfes  liegen  etwas  unter  der  Seiten- 
linie in  der  vorderen  Rumpfhälfte,  gegen  die  Basis  der  Dorsale  nehmen 
die  über  der  Seitenlinie  befindlichen  Schuppen  ein  wenig  an  Große  ab. 

Die  mit  Haut  überdeckten  Theile  des  Kopfes  sind  im  Leben 
bläulichgrau-violett,  mit  zahllosen  Poren  besetzt.  Die  obere  Hälfte 
des  Rumpfes  bis  zur  Seitenlinie  ist  schmutzig  violet,  die  untere  silber- 
grau (nach  dem  Tode  goldbraun)  und  mit  schmalen  violetten,  win- 
kelförmig gebrochenen  Querbinden  von  der  Färbung  der  oberen 
Rumpfhälfte  geziert. 

Vulgärname:  Pampano  (Tenerife). 

D.  7/3/27;  A.  3/1/21;  P.  2/20;  C.  10/8/7/10;  V.  1/5. 

Abdominalwirbel  10,  Caudalwirbel  15;  8  Rippenpaare. 

21.  Schoettea  scalariplnnis  Steind. 
S  y  n.  Scorpts  boops  P  e  t. 

Dr.  Günther  bezieht  diese  von  mir  in  die  Familie  dev  Psetti- 
dae  Bleeker  (oder  nach  Günther's  Systeme  in  die  Familie  der 


994  S  t  e  i  n  (1  a  ch  n  e  r. 

Caraini'idae)  gereilite  Gatltiiig  iiiid  Art  nach  Prof.  Peter's  Vorgange 
zu  den  Sqnamiplnncs  ,  und  /war  in  die  Gattung  Scoiyis;  ich  glaube 
aber  letztere  Auffassung  als  unrichtig  und  unnatürlich  bezeichnen  zu 
sollen.  Während  bei  Scorpis  die  Stacheln  zahlreich,  kurz,  gedrungen, 
und  ausgesprochen  heteracanth,  die  Schuppen  ziemlich  kleii»  und 
ctenoid  sind ,  findet  man  an  Seh-  scahiripinnis  nur  fünf,  rasch  an 
Höhe  zunehmende,  sehr  schlanke,  homacanthe  Stacheln  und  große, 
glatte,  cycloide  Schuppen  mit  zahlreichen  concentrischen  Streifen, — 
somit  Eigenthümlichkeiten,  wie  sie  bei  VUdax,  Pejnpheris,  Pset- 
tus  etc.  zu  finden  sind.  Nebenbei  will  ich  noch  erwähnen,  daß  bei 
Scorpis  die  Zunge  stark  bezahnt,  he'i  Schtietiea  zahnlos  sei.  Letztere 
Gattung  errinnert  nur  in  der  äußeren  Form  an  die  Squamipinnes , 
dem  Wesen  nach  aber  gehört  sie  in  die  große  Ordnung  der  Scombern, 
und  wenn  Dr.  Günther  Prof.  Peter's  Ansiclit  aus  Überzeugung 
für  die  richtige  hält,  so  adoptirt  er  hieniit  die  Familie  der  Squami- 
pinnes nach  dem  von  Cuvier  und  Valeneiennes  in  der  Hist.  nat. 
des  Poissons  entwickelten  Principe,  und  löst  indirect  die  Familie 
der  Caraiigidne  G  ü  n  th.  auf,  die  übrigens  aus  heterogenen  Elementen 
gebildet  isf,  wie  Prof.  Kner  bereits  bemerkte. 

22.  Salarias  trldactylus  Bl.   Sehn. 
(iS«/.  alticns  Cuv.   Val.) 

Wir  erhielten  von  Herrn  Baron  Ransonnet  mehrere,  vortrelV- 
lich  erhaltene  Exemplare  aus  Ceylon  zur  Untersuchung.  Bei  beiden 
Geschlechtern  entwickelt  sich  am  Hinterhaupt  ein  häutiger  Kamm, 
doch  ist  er  l)ei  den  Männchen  mehr  als  noch  einmal  so  hoch  als  bei 
den  Weibehen,  auch  die  Dorsal-  und  Analstrahlen  sind  bei  ersteren 
viel  höher  als  l)ei  letzteren. 

Die  Höhe  des  Körpers  ist  bei  den  Weibchen  73/4  —  Ty^ma!, 
bei  den  IMännchen  8mal,  die  Kopflänge  7  —  ßs/^mal  in  der  Totallänge, 
der  Augendiameter  genau  oder  etwas  mehr  als  4mal,  die  Kopfhöhe 
ohne  den  Scheilelkamm  i  '/g  —  \^/r,xnn\,  die  Kopfbreite  1  '/^  —  1  Vsmal 
in  der  Kopflänge  enihalten.  In  der  Ventrale  zähle  ich  stets  nur  drei 
Strahlen,  niehl  vier,  wie  Cuvier  und  Valeneiennes. 

Die  Dorsale  ist  durch  einen  tiefen  Einschnitt  in  zwei  Hälften 
getheilt,  der  höchste  Strahl  der  ersten  Abtheilung  bei  den  Männchen 
fast  ebenso  lang  oder  et\\as  länger  wie  der  Kopf,  bei  den  Weibchen 
dagegen  circa  1  </amal  in  der  Kopflänge  enthalten.  Die  letzten  Dor- 


rchthyologische  Notizen  (VK).  991) 

salstrahlen  reichen  zurückgelegt  bei  den  Weibchen  genau  bis  zur 
Basis  der  Caudale,  bei  den  Männchen  noch  etwas  über  die  Basis 
hinaus;  die  Anale  ist  bei  beiden  Gesciileehtern  gleich  stark  entwickelt. 

Bei  den  Weibchen  liegen  zahlreiche  dunkel  bläulichgraue,  oft 
fast  bläulichschwarze  Querbinden  an  den  Seiten  des  Kopfes  und  Bum- 
pfes,  welche  durch  hellgraue,  schmälere  Zwischenräume  getrennt 
sind.  Der  Kopf  ist  sammt  dem  Kamme  mit  dunkeln  Punkten  übersäet, 
ebenso  der  bei  weitem  größte,  vordere  Theil  der  Pectorale  und  das 
obere  Endstück  der  hellen  Zwischenbinden  amBumpfe.  Der  obere  Band 
der  Dorsale  und  der  untere  der  Anale  ist  weiß  eingefaßt;  der  übrige 
Theil  der  Dorsale  ist  entweder  bläulichschwarz,  mit  schmalen  hellen 
Querstrichen  zwischen  zwei  Strahlen,  oder  es  sind  nur  die  Strahlen 
selbst  und  das  oberste  Stück  der  Flossenhaut  zunächst  unter  dem 
weißen  Saume  bläulichschwarz ,  der  größere  Best  aber  ist  durch- 
sichtig, weißlich  und  mit  schwärzlichen  Querlinien,  welche  nur  bis 
zur  Höhenmitte  der  Flosse  reichen,  geziert.  Die  Anale  zeigt  eine 
Beihe  dunkler  Flecken  in  halber  Höhe  der  Strahlen. 

Bei  den  Männchen  ist.  die  Färbung  des  Körpers  blauschwarz.  Die 
hellen  Querbinden  des  Bumpfes  sind  äußerst  schmal,  der  Kopf  ist 
mit  dunkeln  Pünctchen  besetzt.  Die  Dorsale  zeigt  wie  der  Körper 
eine  schwärzliche  Fäi'hung,  der  helle  Bandsaum  ist  nur  sehr  schwach 
angedeutet.  Die  Anale  ist  bläulich-grauschwarz,  doch  breit  und  hell- 
gesäumt, wie  bei  den  Weibchen. 

Die  C;iudale  ist  1  '/omal,  die  Pectorale  circa  1  '/^  —  1  i/smal,  die 
Ventrale  y4mal  so  lang  wie  der  Kopf.  Der  Band  der  Ober-  und  Un- 
terlippe ist  zart,  lappenförmig  ausgezackt. 

Totallänge  der  beschriebenen  Exemplare:  3  bis  S'/a"  Länge. 

D.  ~;  A.  2/27—26  bei  Männchen,  1/26  bei  Weibchen;  P.  lo;  V.  3. 

23.   Salarhis  meleagris  C.  V. 

Auch  bei  den  Weibchen  dieser  Art  ist  der  Scheitelkamm  nur 
äußerst  schwach  entwickelt,  bei  den  Männchen  aber  ziemlich  hoch; 
etwas  unter  dem  hinteren  Ende  desselben  liegt  in  derBegel  ein  kleines, 
einfaches  Tentakel,  welches  von  Cuvier  und  Valenciennes 
übersehen  wurde.  Das  Augententakel  ist  vielleicht  nur  zur  Laichzeit 
(bei  beiden  Geschlechtern)  stark  gefiedert  und  sehr  lang,  sonst  ein- 
fach  oder  dreizackig  und  etwas  kürzer  ;  das  kurze  Nasententakel  ist 


996  Steindachner. 

alter  stets  niehrfacli,  last  bis  auf  den  Grund  getlieilt.  Auch  die  him- 
nielblauenPiincle  findensicli  nui*  zur  Laichzeit  bei  beiden  Geschlech- 
lern  vor. 

Die  Dopsalflossenhaut  reicht  nach  hinten  bei  den  von  uns  unter- 
suchten drei  Weibchen  nur  bis  zur  Basis  der  Caudale,  bei  den  Männ- 
chen aber  fast  immer  noch  bedeutend  weiter  zurück.  Bei  einem 
großen  Weibchen  und  einem  kleinen  Männehen  unserer  Sammlung 
ist  die  Pectorale  und  die  vordere  Hälfte  der  Dorsale  dicht  mit 
schwärzlichbraunen  Piinctclien  besetzt.  Die  Querbinden  des  Bunipfes 
sind  bei  ganz  jungen  Individuen  viel  deutlicher  entwickelt  (bis  zur 
Bauchlinie)  als  hei  alten,  die  Dorsale  und  Caudale  bei  ganz  jungen 
Weibchen  gelblichbraun  mit  zahlreichen  dunklen  Puncten  in  mehreren 
Reihen  besetzt,  bei  Männchen  und  erwachsenen  Weihchen  aber  bläu- 
lichschwarz und  mit  hellen  schiefen  Linien  geziert. 

Die  Kopflänge  ist  etwas  mehr  oder  weniger  als  6 — 5y,mal,  die 
größte  Leiheshöhe  bei  jüngeren  Männchen,  die  sich  durch  eine  ge- 
drungene Körpergestalt  auszeichnen,  ömal,  bei  älteren  aber  wie  bei 
eben  so  großen  Weihchen  (von  4"  Länge)  circa  Gmal  in  der  Total- 
länge, die  Länge  des  Auges  4mal  in  der  Kopflänge  enthalten.  Die 
Schnauze  fällt  mehr  oder  minder  steil  ab  und  ist  entweder  sehr 
sehwach  convex  oder  concav. 

D.  jj^;  A.  1/19  bei  Weibchen.  2/20—23;  V.  2;  P.  14. 

Wir  besitzen  vier  Exemplare  von  Cap  York  (drei  Weibchen,  ein 
Männchen)  und  8  (Männchen)  aus  der  Umgebung  von  Rockhumplon. 

24.  Salarias  llneatus  C.   V. ,  B I  k  r. 

Der  Scheitelkamm  ist  bei  den  Weibchen  nur  schwach  ange- 
deutet, bei  den  Mäimchen  länger  und  höher  als  bei  Salarias  melea- 
r/rls,  dnii  Awgenlentakel  3— 5mal  gespalten,  bald  länger  bald  kürzer. 
Der  Kopf  fällt  nach  vorne  fast  seidcrecht  ab  und  ist  etwas  mehr  als  6  bis 
üs/5mal,die  Körperhöhe  e^/smal  (bei  einem  Männchen  von  Sa/i'Länge) 
bis  yy.mal  (bei  eiuem  Weibchen  von  2"  10'/^'"  I-'^inge)  enthalten. 

Die  Dorsale  ist  tief  eingeschnitten,  die  Strahlen  derselben  sind 
bei  den  Männchen  bedeutend  länger  als  bei  den  Weibchen.  In  der 
oberen  Körperhälffe  liegen  undeutlich  abgegränzte,  dunkle  Flecken 
oder  Querbinden;  die  feinen  Längsstreifen  des  Rumpfes  lösen  sich 
gegen  das  hintere  Ende  des  K()rpers  in  Punete    auf  und  setzen  sich 


Ichthyologische  iNolizen  (VII).  997 

über  den  vordersten  Theil  der  Caiulale  fort;  die  dunkeln  Streifen 
der  Dorsale  sind  bei  den  Weibchen  unserer  Sammlung  schmäler  als 
bei  den  Männchen,  ßei  letzteren  zeigt  die  Anale  einen  breiten,  bläu- 
iichschwarzen  Saum;  bei  ersteren  ist  der  untere  Analrand  hell  ge- 
säumt, darüber  jedoch  läuft  eine  schmale  bläulichschwarze  Binde  hin. 

D.  ;  A.  5^  (bei  einem  Männchen)  —  ^(bei  einem  Weibchen). 

Wir  erhielten  drei  Exemplare  dieser  Art  von  der  Ostküste  Au- 
straliens (bei  Rockhampton),  bisher  war  Seil,  lineatus  nur  von  Java 
bekannt. 

2ö.  Magil  brasiliensis  Agass. 

Unter  den  von  Herrn  Salm  in  aus  Mazatlan  eingesendeten  Fi- 
schen, befindet  sich  eine  Mugil-Art,  welche  ganz  genau  mit  Dr. 
Günther's  Beschreibung  von  .)/.  brasiliensis  übereinstimmt.  Diese 
Art  kommt  somit  an  der  ganzen  Ostküste  Amerika's,  von  Westindien 
und  Guiana  bis  Brasilien,  an  der  Westküste  von  Chile  bis  Califor- 
nien  vor. 

Daß  Mugil  liza  Gay  mit  M.  Rammelsbergii  T  s  c  ii  u  d  i  identisch 
sei,  erscheint  mir  in  so  ferne  etwas  zweifelhaft,  als  wenigstens  Gay 's 
Abbildung  erstgenannter  Art  neun  Gliederstrahlen  in  der  Anale  zeigt. 

26.  Cossyphus  atrolombos  C.  V. 

Syn.  Coss.  perditio  Q.  Gaim. 

Wir  besitzen  ein  wohlerhaltenes,  weibliches  Exemplar  dieser 
Art,  welchem  der  hintere  Hundszahn  vollständig  fehlt,  aus  Mauritius. 

Die  Oberseite  des  Kopfes  ist  blaß  rüthlichviolett,  die  Seiten 
desselben  aber  zeigen  eine  schmutzig  blauviolette  Grundfarbe,  beide 
Kopftheile  sind  dicht  mit  runden,  schwefelgelben  Flecken  besetzt. 
Die  Rumpfseiten  sind  intensiv  rosenroth,  Bauch  und  Brust  bläulich- 
grauviolett;  auf  den  Schuppen  der  vorderen  Rumpfhälfte  liegen  wie 
am  Kopfe  runde  schwefelgelbe  Flecken,  welche  sich  stellenweise  zu 
Längsbinden  vereinigen;  im  übrigen  Theiie  des  Rumpfes  bemerkt 
man  einen  grünlichgelben  Saum  an  den  Rändern  der  einzelnen 
Schuppen. 

Ein  großer,  grauschwarzer  Fleck  zieht  sich  über  die  Schuppen- 
reihen, welche  auf  den  Gliederstrahlen  und  den  drei  letzten  Stacheln 
der  Dorsale  liegen,  und  die  darauffolgenden  Rumpfschuppen  bis  zur 
Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  LVII.  Bd.  I.  Abth.  64 


998  S  •  <-■  i  II  (1  ii  i'  li  11  e  r. 

Seitenlinie,  doch  ist  das  ganze  Centrum  letzterer  Schuppen  bereits 
rosenroth  oder  selbst  nur  der  vordere  Schuppenrand  schwärzlich. 
Vor  diesem  dunkeln  Flecke  liegt  ein  mehr  in  die  Quere  gezogener 
blaß  rosenrother  Fleck.  Der  ganze  stachelige  Tlieil  der  Dorsale  ist 
grauschwarz. 

Die  Pectorale  ist  im  vorderen  Tlieile  röthlich,  und  gelb  gefleckt, 
im  mittleren  Quertheile  gelblich,  am  hinteren  Randsliicke  aber  schmu- 
tzig grauviolett. 

Die  Anale  ist  grauviolett  und  mit  gelben  Flecken  in  3 — 4  Längs- 
reilien  besetzt.  Die  Strahlen  der  Caudaie  sind  schmutzig  rothviolett, 
die  Haut  zwischen  denselben  aber  ist  schwelelgelb.  Die  Gliederstrah- 
len der  Dorsale  sind  an  und  zunächst  dem  obern  Ende  gelb,  weiter 
nach  unten  röthlich ;  schwärzliche  Streifen  ziehen  von  dem  großen 
schwarzen  Schuppenflecke  über  die  Verhindungshaut  der  Glieder- 
strahlen ziemlich  weit  hinauf. 

Die  inneren  Strahlen  der  Ventralen  sind  rosenroth,  die  Flossen- 
haut zwischen  diesen  gelb,  die  äußeren  Strahlen  schmutzig  grau- 
violett und  stellenweise  gelb  gestreift  oder  gefleckt.  Die  Koptlänge 
ist  etwas  mehr  als  5mal,  die  Körperhöhe  circa  Si/gnial,  die  Länge 
der  stark  zugespitzten  Ventralen  43/4mai,  die  der  Pectorale  Sy^inal 
in  der  Totallänge  (bis  zur  äußersten  Spitze  des  oberen  ('audallappens 
gerechnet),  die  Augenlänge  Ss/. mal,  die  Stirnbreite  4mal,  die  Schnau- 
zenlänge circa  Sy^mal  in  der  Kopflänge  enthalten.  Die  Caudallappen 
sind  stark  zugespitzt  und  erstrecken  sich,  insbesondere  der  obere,  be- 
trächtlich weit  über  den  hinteren  convexen  Rand  der  Caudaie  hinaus. 

Zehn  bis  zwölf  Reihen  von  Schuppen  liegen  zwischen  dem  Auge 
und  dem  Winkel  der  schwach  vorspringenden  Leiste  des  Vordeckels ; 
das  Randstück  des  letzteren  hinter  der  Leiste  ist  schuppenlos.  Längs 
der  Seitenlinie  liegen  33 — 34  Schuppen. 

D.   12/10;  A.  3/13. 

Totallänge  des  beschriebenen  Exemplares  1 1  '/o  '• 

Höchst  wahrscheinlich  sind  C.  bilunulatns,  atrolumbus  und  per- 

ditio  (vielleicht  auch  C.  macrurus,  C.  maldat  C.  V.)  Varietäten  einer 

und  derselben  Art. 


Ichtliyologische  Notizen  (VIIJ.  999 

27.   Troohocopus  scrofa  spec.   Cuv.   Val. ,  Günllier. 

Syii.  Lahrus  scrufa  Cuv.  Val.,  Hist.  nat.  XIIF,  pag.  93. 
Crenilabrns  caninus  Lowe. 

Diese  an  der  Ostküste  Tenerife's  sehr  häufig  vorkommende  Art 
zeigt  autTaliende  Unterschiede  in  der  Färbung  und  Zeichnung  des  Rum- 
pfes, welche  vielleicht  mit  dem  Geschiechte  im  Zusammenhange  stehen. 
Die  Kürperseiten  sind  nämlich  bei  manchen  alten  Individuen 
(Var.  A.)  bis  zur  Bauchfläche  hinab  rosenroth,  die  einzelnen  Schup- 
pen in  der  Mitte  und  am  vorderen  Ende  etwas  dunkler  als  am  hintern 
freien  Rande. 

Bei  der  zweiten  Varietät  (Männchen?)  geht  die  röthliche  Fär- 
bung des  Rückens  unterhalb  der  Seitenlinie  in  eine  breite  orange- 
gelbe Längsbinde  über;  an  der  indigoblau  umsäumten  Aftermündung 
liegt  ein  großer,  halbmondförmiger,  violetter  Streif,  dessen  concave 
Seite  nach  vorne  gerichtet  ist,  und  welcher  sich  über  circa  7  Schuppen 
hinaufzieht.  Sämmtliche  Schuppen  unter  der  breiten  gelben  Seiten- 
binde von  der  Pectoral-  bis  zur  Caudalgegend  sind  mit  einem  halb- 
mondförmigen, schmutzig  grauvioletten  Flecke  geziert,  nur  ein  großer, 
ovaler  Raum  an  der  Bauchtläche  zwischen  der  Basis  der  Ventrale  und 
der  Anale  ist  einfarbig  gelblich  oder  röthlich,  oder  auch  von  5 — 6 
schwach  ausgeprägten  und  etwas  gebogenen  bläulichvioletten  Quer- 
streifen durchzogen. 

Bei  eben  dieser  zweiten  V^arietät,  welche  höchst  wahrscheinlich 
nur  die  männliche  Form  des  T.  scrofa  darstellt,  so  wie  bei  Var.  A. 
läuft  stets  eine,  bei  jungen  Individuen  sehr  scharf  ausgeprägte,  gelb- 
lichgrüne oder  auch  violette  Binde  vom  vorderen  Augenrande  ziem- 
lich weit  nach  vorne  über  die  Schnauze,  eine  zweite  zieht  über  den 
hinteren  Theil  der  Stirne;  bei  alten  Individuen  erlöschen  diese  beiden 
Querbinden  fast  gänzlich. 

Bei  beiden  Varietäten  oder  Geschlechtern  (?)  ist  die  Anale  zu- 
nächst der  Basis  öfters  braun  gefleckt,  und  der  mittlere  Theil  der 
Caudale  (zwischen  den  zehn  mittleren  Strahlen}  bis  zum  hinteren 
vertical  abgestutzten  oder  schwach  concaven  Rande  indigoblau,  doch 
minder  lebhaft  bei  Var.  A.  (Weibchen?)  als  bei  Var.  B.  (Männchen?). 
Der  große,  gleichfalls  indigoblaue  Fleck  zwischen  den  4 — 6  ersten  Dor- 
salstacheln fehlt  nie;  die  Pectorale  ist  gelb,  gegen  die  Basis  röthlich, 
die  Anale  schwefelgelb  mit  einem  rosenrothen  Stiche  auf  den  Strahlen. 

64° 


1000  .S  t  e  iii.l  i.  o  h  I.  er. 

Die  größte  Körperhöhe  gleicht  der  Kopflänge  (ohne  den  häu- 
tigen Operkelanhang)  und  ist  circa  3mal  in  der  Körperlänge  (ohne 
Caudale)  enthalten.  Die  Länge  der  Schnauze  kommt  hei  jungen  In- 
dividuen zwei,  bei  alten  circa  drei  Augenlängen  gleich.  Die  Länge 
des  Auges  selbst  verhält  sich  zur  Koptlänge  je  nach  dem  Alter  wie 
1:5 — 6i/a.  Zahlreiche  Schuppenreihen  (10 — 12)  liegen  auf  den 
Wangen. 

Vorne  im  Zwischenkiefer  stehen  vier,  unter  sich  fast  gleich 
große  Hundszähne,  während  im  Unterkiefer  die  zwei  mittleren  Hunds- 
zähne oft  nur  halb  so  groß  als  die  beiden  äußeren  sind.  Auf  diese 
Fangzähne  folgen  nach  hinten  circa  zwanzig  konische  Zähne  (in  einer 
Reihe)  im  Unterkiefer  und  circa  zwölf  im  Zwischenkiefer,  an  dessen 
hinterstem  Ende  noch  ein  großer  nach  vorne  gebogener  Hundszahn 
sitzt,  der  bei  alten  Indi\iduen  eine  auffallende  Stärke  erreicht.  Eine 
breite  Binde  körniger  Zähne  liegt  zwischen  den  vorderen  Hunds- 
zähnen und  den  ersteren  konischen  Zähnen  der  beiden  Kiefer. 

Die  Pectorale  breitet  sich  fächerförmig  aus.  ist  etwas  länger  als 
die  Ventrale  und  weniger  als  2mal  in  der  Koptlänge  enthalten. 

Die  Dorsalstacheln  nehmen  bis  zum  letzten  nur  ganz  wenig  an 
Höhe  zu,  der  letzte  ist  13/5  —  lYjmal  in  der  Höhe  des  längsten  Glie- 
derstrahles enthalten,  welcher  selbst  bald  die  Hälfte,  bald  nur  3/7  der 
Kopflänge  erreicht.  Eine  Schuppem-eihe  legt  sich  über  die  mittleren 
Strahlen  der  ganzen  Dorsale  und  Anale.  Die  Spitzen  der  beiden  Caudal- 
lappen  überragen  ein  wenig  den  hinteren  Rand  der  mittleren  Strahlen. 

D.  77^^;  A.  3/13;  P.  2/16;  L.  lat.  J^^är. 

^"~l^  16—18 

Wir  besitzen  sechs  Exemplare  von  9"  6'" — 20"  3"  Länge. 

Vulgärname:  Pez  perro  (Tenerife). 

Bei  jungen  Individuen  von  circa  O'/a"  Länge  ist  der  ganze  hin- 
tere Rand  des  Vordeckels  und  der  Winkel  mit  zahlreichen  Zähnchen 
besetzt,  welche  im  höheren  Alter  vollständig  verschwinden;  aus  die- 
sem Grunde  ist  das  Geschlecht  Pteragoyus  Pet. ,  Günth.  einzu- 
ziehen, da  man  sonst  genöthigt  wäre,  junge  Individuen  einer  und  der- 
selben Art  in  das  Geschlecht  Pteragogus,  alte  dagegen  in  die  Gat- 
tung Cossyphvs  oder  Trochocopns  zu  reihen.  Auch  das  Geschlecht 
Trochocopus  dürfte  vielleicht  bei  Untersuchung  einer  größeren  An- 
zahl von  Individuen  von   7V.  opercularis  und  Darwinii  einzuziehen 


|pliUiyolog:ische  Notizen  fVir).  1  001 

sein,  da  zum  mindesten  eine  Reihe  von  Schuppen  an  der  Basis  der 
Dorsale  und  Anale  bei  Tr.  scrof'a  liegt,  letztgenannte  Art  daher  nui- 
wegen  der  großen  Anzahl  der  Schuppen  längs  der  Seiteidinie 
(49^50)  aus  dem  Geschlechte  Cossyphus  im  Sinne  Günt  hei-' s 
entfernt  werden  kaini,  worauf  aber  nach  meinem  Dafürhalten  nicht 
viel  Gewicht  gelegt  werden  dürfte,  wenn  andere  Merkmale  fehlen. 

28.  Centrolabrus  tratta  Lowe  (spec). 
Syn.  Acantholabrus  viridis  Valenc. ,  Ichthyol,  des  lies  Canar. 
„  romerittis  Valenc,  ibid. 

„  romerus  Val.,  ibid. 

Cremlnhrun  trutta  Lowe,  Proc.  Zool.  Soc.  1833. 

Sämmtliche  von  Valenciennes  in  der  „Ichthyologie  des  Res 
Canaries"^  beschriebenen  Acantholabriis-  (Centrolabrus-)  Arten  ge- 
hören nur  einer  einzigen  Art  an,  welche  sowohl  bezüglich  der  Zahl 
der  Stacheln  in  der  Dorsale  und  Anale,  als  auch  in  der  Zeichnung 
und  Färbung  des  Körpers  sehr  bedeutend  variirt. 

Unter  sechs  Exemplaren  unserer  Sammlung  besitzen  vier  Indi- 
viduen 17,  ein  Exemplar  16,  ein  sechstes  nur  15  Stacheln  in  der 
Dorsale,  fünf  Exemplare  4,  und  ein  Exemplar  5  Analstacheln,  die  Zahl 
der  Gliederstrahlen  in  der  Dorsale  und  Anale  beträgt  8 — 9.  Die  Kopf- 
länge ist  in  der  Regel  nicht  ganz4mal  (S-'/g),  seltener  bei  ganz  kleinen 
Individuen  4'/5mal,  die  Körperhöhe  3'/^ — S'/amal  in  der  Totallänge 
enthalten.  Hinter  den  großen  Zwischentieferzähnen  liegen  einige  (in 
der  Regel  vier)  kleine  körnige  Zähnchen  in  der  dicken  Gaumenhaut 
verborgen  und  bilden  somit  eine  zweite  Zahnreihe.  Der  schwärzliche 
Fleck  auf  der  Mitte  des  Schwanzstieles  fehlt  zuweilen,  oder  ist  nur 
schwach  angedeutet. 

Eine  dunkelbraune  unterbrochene  Längsbinde  liegt  längs  der 
Seitenlinie,  eine  zweite  am  oberen  Rande  des  Rumpfes,  die  rostrothen 
Querbinden  sind  bald  mehr  bald  minder  stark  entwickelt  und  verlieren 
sich  allmälig  gegen  den  Bauch  zu.  Am  schärfsten  treten  die  Quer- 
binden dort  hervor,  wo  sie  sich  mit  den  beiden  Längsbinden  kreuzen. 
Der  dunkle  Feck  am  hinteren  Augenrande  fehlt  nie,  zuweilen  setzt 
er  sich  nach  vorne  längs  des  unteren  Augenrandes  fort. 

L,    lat.      34-35 


10  (h\s  zur  Ventralbasis). 

Vulgärname:  Romero,  Romerito  (Tenerife). 


1002  S  t  e  in  d  a  c- )i  II  e  r. 

29.  Ncrophis  Damerili  n.  sp. 

Die  Länge  des  Sclinabels  bis  zum  vorderen  Aiigenrande  gleicht 
der  Hälfte,  die  Länge  des  Auges  i/g  der  Kopflänge.  Über  dem  Kie- 
mendeekel läuft  eine  stumpfe  Leiste  hin,  welche  zum  hinteren  Rande 
des  Auges  zieht  und  von  einer  schwärzlichen  Linie  begleitet  ist, 
welche  jenseits  des  Auges  längs  des  schwach  erhöhten  seitlichen 
Schnauzenkieles  bis  zum  vorderen  seitlichen  Ende  der  mäßig  com- 
primirten  Schnauze  sich  fortsetzt.  Die  Stirne  ist  concav,  die  Schnauze 
erhebt  sich  in  der  Mittellinie  zu  einer  zarten,  ganzrandigen  Leiste. 

Der  Kiemendeckel  ist  zart  gestreift,  die  einzelnen  Streifen  laufen 
radienförmig  vom  oberen,  vorderen  Winkel  des  Operkelis  aus. 

Der  Rumpf  zeigt  sieben  mehr  oder  minder  schwach  vortretende 
Kanten,  die  Ringe  des  Rumpfes  sind  wi(f  die  Stirn-  und  Scheitel- 
gegend mit  sehr  kleinen  Grübchen  zwisr^hen  schwaciien  Erhabenheiten 
und  mit  zarten  Querleistchen  besetzt.  Die  Dorsale  beginnt  hinter  dem 
20.  Ringe  und  besteht  aus  37  Strahlen,  deren  Basis  sich  über 
zehn  Ringe  ausdehnt,  von  denen  drei  dem  Schwänze  angehören. 

Der  Schwanz  ist  nahezu  2mal  so  lang  als  der  übrige  Körper  mit 
Ausschluß  des  Kopfes  und  wird  von  circa  ßü  Ringen  gebildet. 

Die  Caudale  ist  schwach  entwickelt  und  enthält  sechs  kurze 
Strahlen.  Peetorale  und  Anale  fehlen. 

Zahlreiche,  silbergraue  Querstreifen  mit  dunkler  Umrandung 
liegen  am  ganzen  Rumpfe,  erlöschen  aber  häufig  bei  Exemplaren, 
welche  längere  Zeit  in  Weingeist  aufbewahrt  liegen.  Die  Grundfarbe 
ist  hell-  oder  dunkelbraun,  seltener  olivengrün. 

Wir  besitzen  sechs  Exemplare  von  Bombay,  das  größte  der- 
selben ist  11  ",  das  kleinste  0"  lang. 

30.   Monacanthus  hippocrepis  Q.  Gaim. 
Syn.  Mon.  variabilis  Richards.,  Voy.  Ereb.  Terr. ,  Fish.  paff.  67.  pl.  83 
fig.  1-6. 

Ein  im  Privatbesitze  des  Herrn  Hofrathesvon  HyrtI  befindliches, 
14y4"  langes  Exemplar  aus  der  Umgebung  von  Melhourne  in  Au- 
stralien zeigt  eine  bedeutend  gestrecktere  Körper-  und  insbesondere 
Kopfgestalt  als  das  von  Richards on  i.  c.  beschriebene  und  abge- 
bildete Individuum,  ferner  eine  größere  Anzahl  von  Strahlen  in  der 
zweiten  Dorsale  und  in  der  Anale,  stimmt  jedoch  in  der  Beschuppungs- 


klitliyoloRisfliP  Noll/.cn  (V(l).  1003 

weise  und  in  der  Art  der  Be7.,ThMung,  zum  Theile  fiucli  iu  der  Zeich- 
nung mit  M.  hippocrepis  überein,  dürfte  daher  von  letztgenannter 
Art  niclit  speeifiseh  verschieden  sein.  Die  Länge  des  Kopfes  bis  zum 
hinteren  Augenrande  ist  nahezu  4mal,  die  grüßte  Höhe  des  Leibes 
etwas  mehr  als  3i /^mal  in  der  Totallänge,  der  Durchmesser  des  kreis- 
runden Auges  Si/amal,  die  Länge  der  Pectorale  Z-/^mv>,\,  die  der  Cau- 
dale  etwas  mehr  als   lyjmal  in  der  Kopflänge   enthalten. 

Der  erste  Stachel  der  ersten  f)orsa!e,  welcher  senkrecht  über 
der  Mitte  des  Auges  eingelenkt  ist,  spaltet  sich  abnormer  Weise  bei 
dem  von  uns  untersuchten  Exemplare  in  drei,  wellenförmig  gebogene 
Aste;  der  mittlere  längste  ist  nahezu  1  "/omal  in  der  Koptlänge  ent- 
halten. Der  zweite  Dorsalstachel  ist  sehr  kurz  und  von  ziemlich  be- 
trächtlicher Stärke,  comprimirt.  Die  zweiteDorsale  enthält 39  Strahlen, 
von  denen  einzelne  gabeltVirmig  getheilt  sind,  die  Anale  .36,  die  Pec- 
torale 13  Strahlen. 

Zunächst  der  Basis  der  langen  zweiten  Dorsale  und  der  Anale 
liegen  mehrere,  stellenweise  unterbrochene,  mäßig  breite,  längs  der 
Mitte  der  Rumpfseiten  sehr  schmale  dunkle  Längsstreifen;  in  der  Pec- 
toralgegend  nur  auf  einer  Körperseite  ganz  unregelmäßige,  braune 
Wolkenflecken.  Vier  sehr  starke  gedrungene  Stacheln  mit  nach  vorne 
gebogener  Spitze  sitzen  auf  breiter  knöcherner  Basis  in  der  Mitte  des 
Schwanzstieles  in  zwei  Reihen.  Die  einzelnen  ovalen  oder  rhomben- 
förmigen  Schuppen  erheben  sich  zu  einem  querstehenden  Kamme, 
welcher  in  der  Regel  in  3 — 5  kurze,  stumpfe  Spitzen  oder  Zähnchen 
endigt;  nur  bei  .Männchen  zeigen  die  vor  den  vier  Caudalstachein 
liegenden  Schuppen  ziemlich  lange,  schlanke,  an  der  Spitze  haken- 
förmig nach  vorne  gebogene  Borstenzähne. 

31.  Arius  argyroplearon  C.  Val. 

Syn.  Ariodes  acutus  h\kv. ,  Prodr.  Silur.,  pag.  87. 

»       argyropleuron  BIkr. ,  Atl.  Ichthy.  Silur,  p.  40,  pi.  59. 

Wir  besitzen  ein  großes  Exemplar  (Weibchen)  dieser  Art, 
welches  in  der  Form  des  Kopfes  genau  mit  dem  von  Dr.  Bleeker 
abgebildeten  Exemplare,  einem  Weibchen,  übereinstimmt,  doch 
ist  der  Occipitalfortsatz  etwas  breiter  (aber  sciimäler  als  bei 
Ar.  tonggol  und  Ar.  macrocephalus)  und  an  den  Seitenrändern 
schwach  gebogen,  die  Zahnbinde  des  Zwischenkiefers  bedeutend 
länger  (wie  bei  Ar.  macrocephalus),  die  Zahnplatten  am  Gaumen  sind 


1004  Steindachner. 

weiter  aus  einander  gerückt  (wie  bei  Ar.  macrocephalns),  doch  eben 
so  breit,  wie  sie  Bleeker  bei  Ar.  argyropleurun  abbildet.  Die  Zähne 
am  Vomer  fehlen  bereits,  doch  nach  den  Grübchen  auf  den  beiden 
Platten  zu  schließen,  dürften  sie  ziemlich  zahlreich  gewesen  sein. 
Die  Länge  des  deprimirten  Kopfes  bis  zum  hinteren,  häutigen  Ende 
des  Kiemendeckels  ist  3'/6™fil»bis  zum  hinteren  Ende  des  Occipital- 
fortsatzes  circa  23/5mal,  die  Körperhöhe  genau  5mal  in  der  Körper- 
länge (bis  zur  Basis  der  mittleren  Caudalstrahlen),  der  Durchmesser 
des  tief  gelegenen  Auges  circa  S^/jmal  in  dem,  hinter  dem  Auge  be- 
findlichen Kopftheile  und  etwas  weniger  als  3mal  in  der  Schnauzen- 
länge, die  Breite  der  Mundspalte  3mal,  die  Kopfbreite  Is/^mal  in  der 
Kopflänge  enthalten.  Die  Stirnbreite  beträgt  81/3  Augenlängen.  Die 
Höhe  der  Dorsale  erreicht  circa  3/4  der  Kopflänge.  Der  innerste  Ven- 
tralstrahl ist  bei  Weibchen  nach  hinten  und  zugleich  etwas  nach  außen 
mit  einem  eigenthümlichen,  quergestellten,  ziemlich  steifen  Anhange 
versehen;  in  welcher  Beziehung  er  mit  dem  Fortpflanzungs-Acte  steht, 
ist  noch  unbekannt. 

Die  Höhe  der  Fettflosse  ist  circa  4«/3mal  in  der  der  ersten  Dor- 
sale enthalten,  oder  der  Länge  des  Auges  gleich,  die  Basislänge  der- 
selben circa  li/omal  in  Höhe  enthalten.  Die  Zunge  bildet  nach  vorne 
zwei  freie  bogenförmige  Lappen,  welche  in  der  Mitte  durch  eine  Ein- 
buchtung von  einander  getrennt  sind. 

32.  Macrones  planiceps  spec.  Kühl  &  v.  Hass. ,  Cuv.  Val. 
S  y  n.  Ilemibagrus  planiceps  B  1  k  r. 

V^on  dieser  Art  finden  sich  zwei  kleine,  41/2  und  42/3"  lange 
Exemplare  im  Wiener  Museum  aus  Java  vor;  bei  diesen  ist  die  Kopf- 
länge nur  32/3mal  in  der  Körperlänge,  die  Kopfbreite  1 1/2^^1,  die 
Kopfhöhe  etwas  mehr  als  2mal,  die  Augenlänge  genau  4mal  in  der 
Kopflänge  enthalten.  Der  Stachel  der  Dorsale  ist  nahe  am  oberen 
Ende  und  zwar  am  vorderen  Rande  mit  zwei  zarten,  nach  unten  ge- 
kehrten Haken  besetzt,  die  im  höheren  Alter  verscliwinden  mögen. 
Die  Entfernung  der  Fettflosse  vom  hinteren  Basisende  der  strahligen 
Dorsale  ist  etwas  geringer  als  die  Basislänge  derselben. 

33.  Pleoronectes  Gllli  n.  sp. 

In  der  Zahl  i\tv  Dorsal-  und  Analstrahlen  stimmt  diese  Art  mit 
Pleiironectes  nücrocepha/us  überein,  doch  ist  die  Länge  des  Kopfes 


Ichthyologische  Notizen  (VH).  1  OOS 

nur  42/5 mal,  die  größte  Leibeshöhe  genau  2mal  in  der  Körperlänge 
(ohne  Caudale)  enthalten. 

Die  Mundspalte  ist  klein,  aufwärts  gerichtet;  auf  der  augenlosen 
Seite  liegen  in  beiden  Kiefern  ziemlich  große,  platte  Zähne;  die 
Lippen  sind  wulstig. 

Das  untere  Auge  ist  etwas  kleiner  als  das  obere  und  erreicht  an 
Länge  ^4  des  Kopfes.  Eine  stark  erhöhte,  unbeschuppte  Leiste  trennt 
die  Augen  von  einander. 

Die  Dorsale  beginnt  vor  der  Mitte  des  oberen  Auges,  ganz  nahe 
hinter  der  kleinen  hinteren  Nasenöffnung  der  augenlosen  Kopfseite 
und  enthält  an  dem  von  uns  beschriebenen  Exemplare  89  Strahlen, 
von  denen  die  höchsten  im  dritten  Viertel  der  Flossenlänge  nur  2/» 
der  Kopflänge  erreichen. 

Die  Pectorale  der  rechten  Körperseite  wird  von  elf,  die  der  linken 
von  zehn  Strahlen  gebildet,  deren  längste  nicht  ganz  2mal  in  der 
Kopflänge  begriffen  sind. 

Die  Ventralen  beider  Körperseiten  gleichen  sich  an  Länge, 
welche  circa  2s  ^mal  in  der  Kopflänge  enthalten  ist. 

Vor  der  Anale  ragt  kein  Stachel  hervor.  Die  Anale  selbst  besteht 
aus  72  Strahlen,  erreicht  dieselbe  Höhe  wie  die  Dorsale  und  endigt 
wie  letztere  in  äußerst  geringer  Entfernung  vor  der  Caudale,  welche 
am  hinteren  Rande  fächerförmig  abgerundet  und  ebenso  lang  wie  der 
Kopf  ist.  Die  Seitenlinie  beschreibt  unmittelbar  hinter  dem  Kopfe 
einen  sehr  flachen  und  kurzen  Bogen,  dessen  hinteres  Ende  in  eine 
senkrechte  Linie  mit  der  äußersten  Spitze  der  horizontal  zurückge- 
legten Pectorale  fällt  und  läuft  hierauf  in  horizontaler  Richtung  bis 
in  die  Nähe  der  Caudale,  zu  welcher  sie  sich  schwach  erhebt. 

Die  Schuppen  beider  Körperseiten  sind  nahezu  gleich  stark  ent- 
wickelt, oval  und  cycloid.  Am  Kopfe  ist  nur  der  vorderste  Theil 
(Schnauze,  Lippen  und  mittlere  Augenleiste)  schuppenlos. 

Totallänge  des  beschriebenen  Exemplares,  welches  auf  beiden 
Körperseiten  einfarbig  dunkelbraun  ist,  10 '/o". 

Fundort :  Eismeer  bei  Nordisland. 

34.  Apioniehthys  Ottonis  n.  spec. 

Das  Wiener  Museum  besitzt  schon  seit  geraumer  Zeit  zwei 
trefflich  erhaltene  Exemplare  eines  Pleuronectideu,  welcher  wohl 
zweifellos  in  die  von  Kaup  aufgestellte  Gatt.   Aphnichthys  gehört. 


10 OH  S  t  f  i  n  .1  11  (■  li  II  e  r. 

Die  Körpei'geslali  ist  binif'örmiy,  nach  liinteii  zugespitzt,  die 
Kopflänge  y'/^rnal,  die  gi-ö(5»te  Leibesliühe  circa  Sy^mal;  die  lange, 
zugespitzte  Caudale  4y,;mal  in  der  Totallänge  enthalten.  Die  Augen 
sind  aulTallend  klein,  punkll'önnig;  das  obere  Auge  steht  vor  dem 
unteren;  die  Eiitreriiinig  der  Augen  von  einander  beträgt  circa  '/g 
der  Koptlänge. 

Am  oberen  Minidrande,  zwischen  den  Augen,  liegt  ein  Naseu- 
luch  in  einer  mäßig  «eilen  und  langen  Tube.  Aul"  der  augenlosen, 
d.  i.  linken  Kopiseite  ist  die  Narine  scheibenförmig  erweitert  und  am 
Rande  zart  gelappt;  sie  liegt  wie  die  röhrenförmige  Narine  der  rech- 
ten Kopfseite  am  oberen  Mundrande,  doch  viel  weiter  nach  vorne, 
der  abgerundeten  Spitze  des  Unterkiefers  gegenüber,  an  der  Wurzel 
des  sogenannten  Sichelschnabels,  welcher  über  die  Symphyse  des 
Unterkiefers  mehr  oder  minder  bedeutend  binabi-eicht. 

Der  Unterkiefer  trägt  nur  auf  der  blinden  Kopfseite  feine  Zähn- 
chen, der  obere  Rand  der  Unterlippe  ist  auf  der  Augenseite  mit 
circa  16 — 17  Cilien  besetzt,  welclie  gegen  den  Mundwinkel  an  Länge 
abnehmen.  Die  Öffnung  des  Kiemendeckels  bildet  ein  kurzer  Schlitz. 

Die  Dorsale  beginnt  an  der  Wurzel  des  häutigen  Schnauzen- 
hakens oder  selbst  an  der  Spitze  desselben,  und  enthält  70 — 73  ein- 
fache Strahlen,  von  denen  die  längsten  die  Mitte  der  Flosse  ein- 
nehmen und  an  Höhe  (Mrca  der  Hälfte  der  Koptlänge  gleichkommen. 
Die  Ventrale  der  Augenseite  beginnt  in  geringer  Entfernung  liinter 
der  Sj)itze  des  Unterkiefers,  enthält  vier  oder  fünf  Strahlen,  und  geht 
ohne  Unterbrechung  in  die  Anale  über.  Bei  keinem  der  von  uns  un- 
tersuchten (zwei)  Exemplare  zeigt  sich  die  geringste  Spur  einer 
Ventrale  an  der  augenlosen  Körperseite.  Die  Anale  wird  von  52 — 54 
Strahlen  gebildet,  die  längsten  liegen  in  und  etwas  vor  der  Mitte 
der  Flosse,  und  sind  ebenso  hoch  wie  die  der  Dorsale.  Nach  hinten 
nehmen  sowohl  die  Dorsal-  als  Analstrahlen  an  Höhe  ab  und  verei- 
nigen sich  mit  den  Randstrahlen  der  langen,  zugespitzten  Caudale; 
doch  bezeichnet  eine  seichte  Einbiiclitung  die  Gränze  der  einzelnen 
Flossen,  die  vielleicht  bei  frischen  Exemplaren  nicht  wahrnehmbar 
sein  mag. 

Die  Seitenlinie  ist  einfach  und  durchbohrt  auf  der  rechten  Kör- 
perseite in  ihrem  durchgängig  horizontalen  Verlaufe  zwischen  dem 
hinteren  Kopfende  und  der  Basis  der  Caudale  circa  87 — 90  Schuppen, 
setzt  sich  aber  noch  über  einen  Theil  der  Caudale  selbst  fort.  Die 


Ichthyologisclie  Noiizpii  (VII).  1  007 

Scliuppen  der  Aiigenseite  sind  ctenoid,  die  viel  kleineren  der  augen- 
losen Körperseite  cycluid.  Die  größten  Schuppen  der  Augenseite 
liegen  an  und  zunächst  dem  oberen  und  dem  vorderen  Rande  des 
Kopfes  und  am  Nacken,  etwas  kleinere  an  der  Wange.  Eine  Reihe 
ctenoider  Scliu[ipen  sitzt  auf  jedem  Strahle  der  Dorsale,  Ar)ale,  Veur 
Irale  und  Caudale;  die  Schuppen  fallen  aber  auf  letzlerer  Flosse 
leicht  ab. 

Körperjarhung  bei  Spiritusexemplaren:   hell  bräunlichgelb. 

Körperlänge  der  beschriebenen  Exemplare:   3". 

Fundort:  Sicilien.  Im  zoologischen  Museum  zu  Wien  durch 
Prof.   Otto. 


1008  S  tei  n  dae  hner.    Iclitliyolooische  Notizen  (V[I). 


Erklärung  der  Abbildungen. 


Tafel  I. 

Cenlroprisfis  Ayresi  n.  sp. 

Tafel  II. 

Fi}j.   \.   Serranus  mactihitn-fascialus  n.  sp. 

Tafel  III. 

Fig.  1.  Dentex  (Heterognathodon)  Smithin.  sp. 
„    2.    Trochocopus  scrofa,  juv.,  mas. 

Tafel  IV. 

Cenlrophonis  ovidits  C.  V.,  Var. 

Tafel  V. 

Fig   1.  Schlundzähne, 
„    2.  Zahnpolster  und  Zahnleislen  des   Üesophagi(a  von  Ccutt-uplioniü  oKulis 
C.  V. 


Sieindachner.  lolithyologische  Nutizen    mi). 


£d  Künopcky  n  d  N"at  ^ez  u  hth 


Silziung'sT).d.k.Akad-d.W:matli.iiaturw.Cl.tVIL  Bd.JI, Abth.l8 


Aus  d  k  "k  Hof  u  StaatEdTTicTteTe: 


Sleindaclincr.   Ichlhv.pluiJische  Xotizen    TWI. 


Ed  KoTwpicky  n  i  Hat  ^es  u  JiCv 


Silzan^sbd.k.Akadd.W.matli.Tiamrw  ClUTl    Bd    I  AhHi  1868. 


»  d  kkHoi-u  StftiUs^lrackirre: 


Steindachner.   Iphthvtilugische   Xulizeii    TATI). 


Ed  Koiwpicky  n  oLMat  ges  u  hCh 


Ä'itzuiigsi>.d,k.\kü(J  d.W.maÜi.naturw.a.LVIL  Bd  JI.Abth  1Hfi8. 


Aa-K  d  kk  H'.£-ri  StÄOiBdrackere 


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MfiiulailmtT  liliUmilu^nisclw  Notizen  'VR' 


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Eduaid  Konopicl^y  n  d  NaT  gel  u  lith 


Sitzungsb  dkAkad  d.Wmalh  naluru-  11    I.VIl  Bil  I  Ahlii  IKliB 


A  iililoi  u  3(aa«diuckeT! 


.Steimlathiier:  UhÜi.yolo^i.sclie  Notizen    Vli  ' 

1. 


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EauaidKonopic]<y  n  d  Nat  gez  u  :i 


A  d  kliH'jf-u  Staatsdruckeiei 


Sitzuagsb  dk  Akad.d.W.math  aaturw  Cl.  LVR  Bdl  Al»th.L868. 


Ileitz.   Beiträge  z.  Kenntiiili  d.  Baues  <1.  l'laceiita  d.  Weilies.  1  009 


Beiträge  zur  Kenntniß  des  Baues  der  Placenia  des  Weibes. 
Von  Dr.  ^V.  Reitz. 

(Aus  dem  Institute  für  experimentelle  Pathologie  der  Wiener  Universität.) 

(Mit   1   Tafel.) 

Bei  der  Untersuchung  der  Placenta  uterina  des  Weibes  traf 
man  zwischen  den  bekannten  epitelioiden  Zellen  noch  Zellen  (Fig.!), 
die  in  einer  Kapsel,  deren  Wand  deutlich  Kerne  wahrnehmen  ließ, 
eingelagert  erschienen. 

In  der  granulirten  Zelle  liegt  ein  großer  Kern,  in  welchem  wie- 
der zwei  kugelige  Kernkörperchen  angetroffen  wurden.  In  den  Kern- 
körperchen  selbst  unterscheidet  man  wieder  ein  kleines  anscheinend 
noch  kugeliges  Körperchen  (nucleololus)  mit  einer  centralen  dunk- 
leren und  peripheren  helleren  Stelle. 

Die  Kapseln,  der  grobkörnige  Inhalt,  Kern  und  Kernkörper- 
chen, sowie  ihre  kolossale  Größe,  verleihen  ihnen  eine  auffallende 
Ähnlichkeit  mit  Ganglienzellen. 

Was  die  glatten  Muskelfasern  anbelangt,  die  zuerst  Ecker  und 
später  Kamen ew  i)  in  der  Placenta  uterina  beschrieben  haben,  so 
wurde  von  allen  anderen  Forschern  das  Vorhandensein  derselben 
vollständig  geläugnet. 

Bei  meinen  Untersuchungen,  und  gerade  an  isolirten  Präparaten, 
bei  Placenten,  die  nach  der  Angabe  von  Sassinsky  a)  mit  Salz- 
säure behandelt  worden  waren,  konnte  ich  mich  auf  das  Bestimm- 
teste von  der  Anwesenheit  derselben  in  den  äußeren  Schichten  der 
Placenta  uterina  überzeugen. 

Es  fanden  sich  hier  die  glatten  Muskelfasern  sogar  in  einer 
ziemlich  beträchtlichen  Anzahl  und  öfters  schichtenweise  angeordnet. 


1)  Mikrosk.    Unters,     der    Blutgefäße     des    Muttertheiles    der    Placenta.     Medicinsky 
Westnik   Nr.  13. 

2)  Zur  Lehre  über  die  Strnetur  der  Placenta.   Vir  eh.   Archiv.    Oofob.-Heft  1867 


10  10  Keit/. 

Nicht  in  allfii  diesen  Zellen  lieC'»  sieh  ein  stäbchenl'örniiger  Kern 
nachweisen.  Allein  icli  muß  hervorheben,  daß  viele  Muskelfasern  des 
seInvangeren  Uterus  ebenfalls  keine  stäbchenlörmigen,  sondern  mehr 
rundliehe  und  ovale  Kerne  besitzen;  icjj  konnte  mich  davon  häufig 
bei  der  Untersuchung  der  Gebärmutter  von  Meerschweinchen, 
Kaninchen  und  weißer  Mäuse  überzeugen.  An  manchen  dieser  Zellen 
konnte  man  aber  auch  einen  deutlichen,  vollständig  ausgeprägten 
stäbchenförmigen  Kern  demonstriren,  w(»bei  die  Elemente  aufs  Voll- 
ständigste mit  den  glatten  Muskeln  des  Uterus  übereinstimmten. 
Außerdem  befinden  sieh  freilich  in  den  verschiedenen  Schichten  der 
Placenta  eine  beträchtliche  Anzahl  spindelförmiger  Zellen,  deren 
Charakter  sich  aus  dem  Ansehen   nicht  näher  bestimmen  läßt. 

Die  Zellen  der  Piacentn  foetalis  haben  vor  Kurzem  durch  Sas- 
sinsky  eine  erneuerte  Bearbeitung  erfahren.  Kr  bestätigt  die  Über- 
kleidung  der  Zotlen  durch  ein  Ptlasterepithel;  außerdem  gibt  er  an, 
daß  das  Pflasterepithel  noch  von  einem  Cylinderepithel  überzogen 
sein  kann;  insoferne  nämlich  die  Zotten  in  die  Uterindrüsen  hinein- 
wachsen, bleibe  das  Cylinderepithel  derselben  auf  den  isolirten  Zotten 
haften. 

Meine  Untersuchungen  lehren  mich  über  das  Verhalten  des 
Überzuges  Folgendes :  Es  kommen  an  den  von  Sassinsky  bezeich- 
neten Stellen  Zotten  vor,  welciie  Cylinderepithel  tragen.  Unter  die- 
sen ist  aber  weiter  keine  Epithelschichte  anzutreffen ,  es  gränzt  das 
Cylinderepithel  an  den  Zottenraum,  welcher  die  Blutgefäße  trägt. 
Die  jungen  Zotten  sind  nicht  von  Cylinderzellen  bekleidet,  aber  auch 
nicht  von  Pflasterzellen,  überhaupt  nicht  von  abgegrenzten  Zellen- 
körpern. Die  jungen  Zotten  bestehen  aus  Protoplasma  mit  zahlreich 
eingebetteten  Kernen.  Die  Zotten  wachsen  bekanntlich  aus,  und  das 
geht  so  vor  sich,  daß  aus  der  Substanz  einer  Zotte  Protoplasmataden 
oder  Knoten  hervorgetrieben  werden.  Der  Faden  oder  Knoten  ver- 
längert und  verdickt  sich,  es  häufen  sich  Kerne  an.  und  noch  immer 
hat  man  es  mit  keiner  nachweisbaren  Zellengruppe,  sondern  nur  mit 
einer  zusammenhängenden  Protoplasmamasse  zu  thun.  Auch  nach- 
dem die  Zotten  hohl  geworden  sind,  kann  man  durch  Silherlösungen 
keine  Contouren  kenntlich  machen,  welche  auf  Zellengrenzen  schlie- 
ßen ließen. 

Aus  dieser  Protoplasmamasse  mit  eingestreuten  Kernen  wird 
ein    aus  Cvlinderzellen    bestehender   Zottenmantel  gebildet.    So  muß 


Beiträge  zur  Kenntniü  des  Baues  der  Placenla  des  Weihes.  101  1 

man  die  Sache  auffassen  in  Anbetracht  der  nebeneinander  liegenden 
Entwickehingsstul'eii. 

Man  findet  ladenl'ürmige  solide  Zotten,  dann  dickere,  dann  solche 
mit  vielen  Kernen,  solche  die  im  Inneren  eine  Höhle  bergen,  und  end- 
lich solche,  welche  um  die  Höhle  herum  nur  Cylinderzellen  tragen. 
Ich  muß  noch  beifügen ,  daß  ich  den ,  die  Zotten  nach  außen  be- 
grenzenden Saum,  der  schon  von  Goodir  und  Schröder  van  der 
Kolk  als  eine  selbstständige  Membran  aufgefaßt  wird,  nach  der  Me- 
thode Sassinsky  manchmal  abgehoben  und  isolirt  von  der  Grund- 
substanz wahrnehmen  konnte;  dabei  sah  man  häufig  die  Kerne  durch 
eine  mehr  oder  minder  beträchtliche  Masse  der  Grundsubstanz  von 
dem  Saume  getrennt. 

Ich  weiß  nicht,  ob  die  Grenzmembran  schon  im  Leben  existirt. 
An  frischen  Zotten  kann  man  mit  den  besten  Vergrößerungen  keine 
doppelten  Contouren  nachweisen.  Die  Membran,  welche  nach  der 
Methode  Sassinsk  y  (Maceration  in  Salzsäure)  stellenweise  abge- 
löst gefunden  wird,  kann  ein  Product  der  Gerinnung  der  oberfläch- 
lichen Protoplasmaschichte  sein.  Es  ist  auch  nicht  wahrscheinlich, 
daß  sich  auf  den  als  Protoplasma  auswachsenden  Fäden  eine  Mem- 
bran bildet,  da  man  nachträglich  über  die  Cylinderzellen  die  frei  an 
der  Oberfläche  liegenden  Zellencontouren  siebt. 

Meine  Untersuchungen  ergeben  eine  bis  jetzt  unbekannte  Art 
der  Epithelbildung. 

Es  theilt  sich  hier  ein  großer  Protoplasmaklumpen  in  die  einzel- 
nen Zellen  ab. 

Der  Vorgang  als  solcher  ist  uns  nicht  unbekannt,  denn  die  Fur- 
chung des  Eies  ist  ja  ein  ganz  analoger  Vorgang.  Es  ist  aber  diese 
Thatsache  von  weiterem  Belange  in  Rücksicht  auf  den  Streit  der  dar- 
über geführt  wird,  ob  die  Capillargefäße  aus  Zellen  zusammengesetzt 
sind.  Vom  Standpunkte  der  Entwickelung  aus  gesehen,  behauptet 
Stricker,  die  Gefäße  wachsen  als  Protoplasmafäden  aus,  während 
die  Silberinjection  einen  aus  Zellenplatten  zusammengesetzten  Bau 
verrathen. 

In  den  Zotten  der  Placenta  foeialis  haben  wir  einen  Schlüßel 
zur  Lösung  bekommen,  denn  diese  wachsen  sicher  nur  als  solide 
Fäden  aus,  und  sind  am  Ende  sieher  aus  Zellen  zusammengesetzt. 

Die  Gefäße  der  Zotten  liegen  der  Zottenwand  nicht  direct  an, 
sie   tlottiren    vielmehr   in    einem   ZoHenraiime,   den  man   also  einen 


1012      Reit/..    Beitriigi-  zur  Keiiiitnil.N  des  Bimi-s  der  Placcntii  des  Weihes, 

perivasculären  Raum  nennen  kann.  Dieser  Raum  war  gewöhnlich  am 
mächtigsten  an  den  Zottenenden  zn  beobachten.  An  den  Zottenaiis- 
wiichsen,  wo  die  Gefäße  eben  nur  hineinragten,  fand  man  den  peri- 
vasculären Raum  immer  stark  entwickelt. 

In  welcher  Art  die  Gefäße  in  die  neugebildeten  Zotten  hinein- 
wachsen,  konnte  ich  nicht  eruiren,  man  sah  immer  die  Gefäße 
schlingenförmig  in  die  Zotten  hineinragen;  nur  höchst  selten  traf  man 
zapfenförmige  Auswüchse  der  Gefäßwand  vor. 

Bei  dem  Meerschweinchen  fand  sich  in  dem  Theile  des  Uterin- 
gewebes, welches  als  die  Decidua  serotina  bezeichnet  wird,  eine  bei- 
nahe ganz  aus  Gefäßen  und  deren  Auswüchsen  bestehende  Lage. 
Hier  konnte  man  deutlich  (Fig.  3)  das  directeAuswaehsender  Adven- 
titia  der  Gefäße  beobachten,  an  der  Stelle  des  Auswachsens  war 
gewöhnlich  ein  Kern  wahrzunehmen:  dabei  sah  man  die  Gefäße  in 
lange,  fadenförmige  Spitzen  auslaufen.  Man  traf  häufig  ganze  Maschen- 
werke,  die  einzig  und  allein  von  den  Gefäßauswüchsen  gebildet 
wurden. 


Erklärung  der  Abbildungen. 


Fig.    1,  Eine  einer  Ganglienkiigel  iilinlichc  Zelle    aus  der  Placenla  uterina  des 
Weibes. 

(Immers.  Syst.  Nr.  lU.  Ücul.  3.  Hartnak.) 
„    2.  Eine  Zolle  aus  einer  frischen  Placenla  des  Weibes. 

(Immers.  Syst.  Nr.  iO.  Ocul.  3.) 
„    3.  Gefäße  aus  der  Decidua  serotina  des  Meerschweinchens. 
(Syst.  7.  Ocul.  3.) 


Jieifz.  Ziii- Koiiiiliiiss  des  ßaucs  dri'  nacejita 
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J-^x"  d  k!k.5  ■"  Vi-  ?'l">u:.- 


Sitzmi^sl).cL.k.Akad.d.W.Mintliri;rlii7«.('l.LMI."Ba.l.Abtli.l868. 


Vi  tz  i  n  }ier.    ricscliiclite  des  k.  k.  Ilof->'iiliiiiilifiical)iii<'ts  zu  Wien.         l  0  1  1> 


Geschichte  des  kais.   kön.  Ilof-Ntduralieu-Cahinctes  zu  Wien. 
Von   dem  w.   M.  Dr.   Lcop.  Jos.  Fitzinger. 

II.  Abtheilung. 

Periode  unter  Franz  IL  (Franz  I.  Kaiser  von  Österreich)  bis  zu  Ende 
des  Jahres  1815. 

Zwölf  Jahre  sind  verflossen,  seit  ich  die  erste  Abtheilung  meiner 
„Geschichte  des  kais.  kün.  Hot-Naturah'en-Cabinetes  7a\  Wien",  welche 
die  älteste  Periode  bis  zum  Tode  Kaisers  Leopol  d  II.  1792  umfaßt, 
in  den  Sitzungsberichten  der  mathem.  naturwissenschaftl.  Classe  der 
kaiserl.  Akademie  der  Wissenschaften  (XXI.  B.  Jahrgang  I806. 
Juli-Heft)  veröffentlicht  habe. 

Mannigfaltige  Arbeiten  anderer  Art,  insbesondere  aber  im 
Gebiete  der  Zoologie,  mit  welchen  ich  in  der  Zwischenzeit  beschäf- 
tiget war,  so  wie  mein  gegen  das  Ende  des  Jahres  1861  erfolgter 
Übertritt  in  den  Ruhestand  und  vollends  meine  hierauf  stattgefundene 
Übersiedelung  nach  München  und  späterhin  nach  Pest,  waren  die 
Ursache,  aus  welcher  ich  an  eine  Wiederaufnahme  dieses  so  lange 
unterbrochenen  Gegenstandes  nicht  denken  konnte;  indem  ich  seit 
meiner  Abwesenheit  von  Wien  fast  bis  in  die  neueste  Zeit,  durch 
dienstliche  Verhältnisse  genöthiget,  mich  mit  völlig  heterogenen 
Dingen  zu  beschäftigen  und  meine  volle  Thätigkeit  der  mir  über- 
tragenen Einrichtung  und  Leitung  zoologischer  Gärten  zuzuwenden 
hatte. 

Jetzt,  wo  diese  Verhältnisse  sich  geändert  haben  und  ich  mich 
wieder  so  wie  einstens,  ernsteren  Studien  und  einem  literarischen 
Wirken  hingeben  kann,  habe  ich  auch  diesen  längst  begonnenen 
Gegenstand  wieder  in's  Auge  gefaßt  und  einer  mir  von  einer  sehr 
achtbaren  Seite  zugekommenen  Aufforderung  zu  Folge,  denselben  in 
Angrifl'  genommen. 

Sit/.b.  <1.  inafhpm.-natiirw    Cl.  LVII.  I!d.  I.  Ahtli.  63 


1014  K  i  (  /.  i  n  s  .'  1-. 

Ich  gebe  daher  hier  einen  Abriß  der  Gesehichte  dieser  Anstalt 
aus  der  ersten  Hälfte  der  Periode  unter  der  Regierung  Kaisers 
Franz  IL,  später  Franz  I.  Kaiser  von  Österreich,  bis  einschließig 
des  Jahres  1815,  und  hoffe  in  kurzer  Zeit  auch  die  Bearbeitung  der 
zweiten  Hälfte  dieser  Periode  bis  zum  Tode  des  Kaisers  1835  der 
kaiserl.  Akademie  der  Wissenschaften  vorlegen  zu  können. 


Periode  unter  Franz  II.  (Franz  I.  Kaiser  von  Österreich)  bis  zu  Ende 

des  Jahres  1815. 

Erst  Kaiser  Franz  H.,  dem  Erben  der  väterlichen  Neigung  zur 
Naturkunde  war  es  vorbehalten,  die  Vollendung  der  bereits  unter 
seinem  erlauchten  Vater  begonnenen  Aufstellung  der  kaiserlichen 
Naturalien-Sammlung,  welclie  er  mit  wahrhaft  kaiserlicher  Freige- 
bigkeit zu  fördern  strebte,  anzuordnen. 

Kurz  nach  dem  Antritte  seiner  Regierung  im  Jahre  1792  ließ 
der  Kaiser  nach  dem  Beispiele  Maria  Theresia's  und  ihres  Mit- 
regenten Joseph  an  die  k.  k.  Hofkammer  in  Münz-  und  Bergwesen 
neuerdings  den  Befehl  ergehen,  alles  Neue  und  Merkwürdige  von 
Mineral-Producten  aus  den  sämmtlichen  Bergwerken  seiner  Erbstaaten 
an  das  kaiserliche  Naturalien-Cabinet  einzusenden. 

Mehrere  Gesandte  an  den  fremden  Höfen  im  Auslande  erhielten 
die  Weisung  zum  Ankaufe  und  zur  Aufbringung  mineralogischer 
Seltenheiten  der  Reiche,  in  denen  sie  sich  befanden. 

Legations-Secretär  Koste  zu  Lissabon  schickte  zu  wiederholten 
Malen  theils  von  ihm  selbst  gesammelte,  theils  durch  Kauf  an  sich 
gebrachte,  portugiesische  und  brasilianische  Mineralien  ein,  worunter 
sich  ein  roher  weißer  Topas  im  Gewichte  von  263/4  Loth  befand. 

Graf  von  Lodron-Laterano,  kais.  österreichischer  Gesand- 
ter zu  Stockholm,  sandte  eine  beträchtliche  Anzahl  schwedischer 
Erze  und  Steine  im  Tausche  gegen  andere  Mineralien  ein. 

Die  allgemein  bekannt  gewordene  bedeutende  Vervollkommnung, 
welche  die  kais.  Naturalien -Sammlung  bereits  erlangt  hatte,  bewog 
viele  Freunde  der  Naturwissenschaften  dieselbe  durch  (ieschenke 
zu  bereichern. 


Geschichte  des  k.  k.  H-ir-Natiinilreiicahinels  zu  Wien.  1015 

F  ('  r  (I  i  II  a  n  d  III.,  Grossherzog  von  Toskana,  ließ  eine  ausgezeich- 
nete Saminking  toskanischer  Mineralien  zusammenstellen,  die  er  der 
kaiserliehen  Sammlung  zum  Geschenke  machte. 

Die  Erzherzoge  Anton,  Johann  Baptist  und  Reiner  theil- 
ten  mit  der  kaiserlichen  Sammlung  die  auf  ihren  Reisen  selbst  gesam- 
melten Naturalien. 

Feldmarschall  Prinz  Ferdin  a  nd  von  Württemberg,  Com- 
mandant  von  Wien,  brachte  aus  Rußland  mehrere  schöne  russische 
und  sibirische  Mineralien,  die  er  der  kaiserlichen  Sammlung  zum 
Geschenke  machte. 

Fürst  Pros  per  von  Sinzendorf  zu  Ernsthrunn ,  Graf 
Johann  von  Malakofsky  und  andere  Güterbesitzer  sandten  der 
kaiserlichen  Sammlung  die  Mineralproducte,  welche  auf  ihren  Be- 
sitzungen vorkamen. 

Lord  Greville  sandte  eine  Reihe  prachtvoller,  meist  krystalli- 
sirter  Diamantspathe  und  Korunde. 

Der  Directors-Adjunct  Abbe  Stütz  verehrte  der  kaiserl.  Samm- 
lung ein  Bruchstück  des  am  19.  Februar  1785  zu  Eichstädt  in 
Baiern  gefallenen  Meteorsteines,  das  er  um  das  Jahr  1789  als  ein 
Geschenk  von  dem  Dtmherrn  von  Hompesch  zu  Eichstädt  erhielt. 
Es  war  dieß  der  vierte  Meteorit,  welchen  das  kaiserl.  Naturalien- 
Cabinet  bis  dahinaufzuweisen  hatte;  denn  außer  der  am  26.  Mai  1751 
zu  Agram  in  Croatien  gefallenen  Meteor-Eisenmasse  und  einem  großen 
am  3.  Juli  1753  zu  Tabor  in  Böhmen  gefallenen  Meteorsteine,  welche 
schon  im  Jahre  1778  aus  der  kaiserl.  Schatzkammer  in  dasNaturalien- 
Cabinet  übertragen  wurden,  besaß  dasselbe  nur  noch  ein  ansehn- 
liches Bruchstück  des  Meteoreisens  von  Krasnojarsk  in  Sibirien, 
welches  wahrscheinlich  im  Jahre  1782  bei  Auflösung  der  Theresiani- 
schen Akademie  aus  der  Sammlung  derselben  ausgewählt  wurde  und 
aus  der  Sammlung  des  Doctor  Cliristian  Lu  d  wig  Stiegl  i  tz, 
Rathsherrn  zu  Leipzig,  stammt. 

Auch  die  Conchylien-Sammlung  wurde  durch  den  Ankauf  einer 
Auswahl  aus  der  schönen  Sammlung  des  Chevalier  Bourdin 
bereichert,  und  Lord  Greville  schickte  eine  nicht  unbeträchtliche 
Anzahl  sehr  schöner  und  wohlerhaltener  Conchylien,  die  er  aus  China 
erhalten  hatte,  für  die  kaiserliche  Sammlung  ein. 

Die  Verdienste,  welche  sich  Johann  Carl  Megerle,  Sohn 
des  Custos  Johann  Baptist  Megerle,  bei  der  neuen  Aufstellung 

6ö^ 


1016  F  i  t  2  i  n  rr  e  1-. 

ilei' kais.  Natui'ulicn-Saniinlung-  im  Jahre  1791  erworben,  bestimmten 
den  Kaiser,  denselben  zum  Custos-Adjuncten  am  kaiserlichen  Natura- 
lien-Cabinete  im  Jahre  1792  zu  ernennen. 

Durch  die  im  Jahre  1793  angeordnete  Errichtung  einer  mit  den 
kaiserl.  Appartements  der  Hofburg  in  Verbindung  gestandenen  Terrasse 
oberhalb  des  Augustiner  Ganges  und  der  an  denselben  angereihten 
Säle,  welche  die  Sammlungen  der  Naturalien,  physikalischen  Instru- 
mente, Mosaiken,  Münzen  und  Antiken  enthielten,  wurde  die  Einwül- 
bung  des  Augustiner  Ganges  erforderlich  und  mußte  in  Folge  dieser 
eingetretenen  Veränderung,  die  über  dem  Eingange  zur  Naturalien- 
Sammlung  angebrachte  Bronce-Büste  Kaisers  Franz  I.  hinweg- 
genommen und  derselben  eine  andere  Stelle  angewiesen  werden, 
daher  sie  in  einen  der  Säle  des  Naturalien -Cabinets  gebracht  und 
daselbst  auf  einem  Sockel  aufgestellt  wurde. 

1793  kaufte  der  Kaiser  auch  von  dem  seit  der  unterm  10.  ücto- 
ber  1793  erfolgten  Aufhebung  der  Falkonerie  zu  Lachsenburg  quies- 
cirten  berittenen  Falkoniere  Joseph  Natterer,  eine  Sammlung 
inländischer  Säugethiere  und  Vögel,  so  wie  auch  eine  kleine  Samm- 
lung von  Insekten  aus  der  Umhegend  von  Lachsenburg,  für  100 
Stück  Ducaten. 

Im  Mai  1794  ließ»  der  Kaiser  diese  Samndung  in  die  kais.  Hof- 
burg nach  Wien  bringen  und  durch  Natterer,  welchem  er,  unter 
Beibehaltung  seines  Quiescenten-Gehaltes  von  562  Gulden,  die  Auf- 
sicht über  dieselbe  übertrug,  um  sie  vor  Verderben  zu  schützen,  in 
einem  großen  Saale  unterhalb  des  astronomischen  Thurmes  auf- 
stellen. 

Natterer  erhielt  zugleich  den  Auftrag,  diese  Sammlung  mit 
allem  Fehlenden  aus  der  Monarchie,  besonders  aber  mit  ungarischen 
Sumpf-  und  Wasservögeln  zu  vermehren,  die  in  Wien  leichter  zu 
bekommen  waren. 

179Ö  imternahm  der  Directors-Adjunct  Abbt*  Stütz  mit  Herrn 
von  Wild  bürg  eine  Reise  nach  Siebenbürgen  und  brachte  für  die 
kaiserliche  Sammlung  manche  interessante  Mineralien  mit. 

Jene  kleine  Sammlung  inländischer  Thiere,  welclie  der  Kaiser 
von  Joseph  Natterer  gekauft,  gab  den  Im[)uls  zur  Gründung 
eines  eigenen  zoologischen  Museum's,  das  der  Kaiser  im  Jahre  1796 
in"s  Leben  zu  rufen  beschloß  und  welches  mit  seinem  physikalischen 
und  Kunst-Cabinete  in  Verbindung  gebracht  werden  sollte  '), 


fieschichle  iIps  k.  k.  Hof-Nafuralienpahinefs  zu  Wien.  1  Ol  T 

Die  Direction  über  dieses  neue  Institut,  welches  die  Benennung 
..Physikalisches  und  astronomisches  Kunst-  undNatur-Thier-Cahinct" 
erhielt,  und  das  ein  Privat-Eigenthuni  des  Regenten  war,  ühertrug 
er  dem  Director  seines  physikalischen  Cabinetes  Abbe  Simon 
Eberle,  so  wie  er  mit  der  Aufsicht  über  den  zoologischen  Theil 
den  quiescirten  Falkonier  Joseph  Natter  er,  mit  jener  über  den 
physikalischen,  Joseph  Dietrich  als  Mechanicus  betraute. 

Der  Thätigkeit  und  eifrigen  Bemühung  Joseph  Natterer's 
gelang  es  schon  in  kurzer  Zeit,  den  zoologischen  Theil  dieser  Samm- 
lung mit  inländischen  Vögeln  zu  vermehren  und  mit  einheimischen 
Siiugethieren  zu  bereichern ,  so  daß  die  neue  Anlage  sehr  bald  eine 
ziemlich  vollständige  Sammlung  von  heimathlichen  Säugethieren  und 
Vögeln  aufzuweisen  hatte. 

1796  ließ  der  Kaiser  auch  die  im  Schlosse  Ebersdorf  befindlich 
gewesene  Sammlung  von  Hirsch-  und  Rehgeweihen,  Gems-  und  Stein- 
bockhörnern, welche  mehrere  sehr  merkwürdige  Mißbildungen  von 
Geweihen  enthielt,  nach  Wien  in  die  kaiserliche  Hofburg  bringen, 
um  sie  in  seinem  neugegründeten  Thier-Cabinete  aufstellen  zu  lassen. 

Ein  gegen  das  Ende  desselben  Jahres  zufällig  eingetretenes 
Ereigniß  war  die  Veranlassung,  dem  neuen  Cabinete  auch  einen 
Repräsentanten  des  Menschengeschlechtes  zuzuführen. 

Am  21.  November  1796  starb  zu  AVien  in  seinem  75.  Lebens- 
jahre, A  n  g  e  1 0  S  0 1  i  m  a  n ,  ein  Neger  aus  dem  Stamme  der  Galla's  und 
seit  vielen  Jahren  eine  in  der  Residenz  allgemein  bekannte,  aber  auch 
geschätzte  und  sehr  geachtete  Persönlichkeit.  Die  Schönheit  seiner 
fein  geschnittenen  Gesichtszüge,  so  wie  auch  die  Zartheit  und  Eben- 
mäßigkeit seines  Baues,  welche  sich  bis  in  das  späteste  Greisenalter 
in  wunderbarer  Weise  erhalten  hatten,  erregten  in  dem  Kaiser  den 
Wunsch,  denselben  auch  der  späteren  Zukunft  zu  erhalten  und 
durch  einen  Künstler  auf  die  sorgfältigste  Weise  präpariren  zu 
lassen,  um  ihm  einen  Platz  in  seinem  neugegründeten  Museum 
anzuweisen. 

Die  Familie  Soliman's,  durch  den  Director  Abbe  Eberle  von 
diesem  Wunsche  des  Regenten  in  KenntnilJ"  gesetzt,  willigte  in  jenes 
Begehren  und  der  Bildhauer  Fra  nz  Thal  1er,  später  Medailleur  im 
k.  k.  Münz-  und  Antiken-Cabinete,  übernahm  die  Präparation,  welche 
im  Hofe  des  k.  k.  Hofbibliothek- Gebäudes  in  einer  Wagenremise 
vorgenommen  wurde. 


1018  I-  i  (  /.  i  M  ff  e  r. 

Seine  Leistung  ülierti-al'  aticli  jede  Er\Niirlung,  denn  (leslalt 
sowohl  als  Gesichtszüge  waren  ein  getreues  Ahbild  des  lebenden 
Originals,  von  welchem  Thallei'  unmittelbar  nach  dem  Tode  einen 
Gypsabguß  abgenommen  halte. 

Angelo  Soliman  war  in  stehender  Stellung  mit  zurück- 
geriicktem  rechten  Fuße  und  vorgestreckter  linker  Hand  dargestellt, 
mit  einem  Federgürtel  um  die  Lenden  und  einer  Federkrone  auf  dem 
Haupte,  die  beide  aus  rothen,  weißen  und  blauen,  ab^^echselnd  an 
einander  gereihten  Straußt'edern  zusammengesetzt  waren.  Arme  und 
Beine  waren  mit  einer  Schnur  weißer  Glasperlen  geziert  und  eine  breite, 
aus  gelblichweißen  Münz  -  Porcellanschnecken  (Cypraea  moneta) 
zierlich  geflochtene  Halskette  hing  tief  bis  an  die  Brust  herab. 

Zur  Aufstellung  dieser  neu  angelegten,  mit  der  physikalisch- 
astronomischen  und  Kunstsammlung  vereinigten  Thiersammlung  hatte 
der  Kaiser  über  Antrag  des  Directors  Abbe  Simon  Eberle  den 
linken  Flügel  des  Holbibliothek- Gebäudes,  den  Joseph  H.  1784 
durch  einen  Aufbau  gleichmäßig  erhöhen  ließ,  bestimmt,  in  welchem 
bis  zum  Jahre  1792  das  Geueral-Hofbauamt  seine  Amtslocalitäten 
hatte,  und  das  dritte  Stockwerk  seither  zu  Natural- Wohnungen  für  den 
Hof-Bihliotheks-Präfeclen  Gottfried  Freiherrn  van  Swieten 
und  denScriptor  derHof-BibliothekChristian  Lenz  benützt  wurde. 

Nachdem  die  Natural-Wohnungen  noch  im  Jahre  179t)  geräumt 
worden  waren,  wurde  mit  der  Einrichtung  der  Localitäten  zur  Auf- 
nahme der  Sammlungen  begonnen,  und  für  eine  malerische  Herstel- 
lung der  für  die  Thiersammlung  bestimmten  Räumlichkeiten,  welche 
durcligehends  mit  einem  Parketboden  versehen  waren,  nach  der 
Angabe  des  Directors  Eberle,  unter  Zuziehung  von  Künstlern  Sorge 
getragen. 

1797  wurden  diese  Arbeiten  vollendet  und  die  physikalisch- 
astronomische und  Kunst-Sammlung  sowohl,  als  auch  die  Thier- 
Sammlung  in  den  ihnen  zugewiesenen  Räumen  aufgestellt. 

Für  die  erstere  wurde  das  erste  Stockwerk,  für  die  letztere 
das  Erdgeschoß,  der  Halbstock  im  rechten  Trakte  des  Gebäudes  und 
das  zweite  Stockwerk  in  eben  diesem  Trakte  bestimmt. 

In  demselben  Jahre  hatte  der  Kaiser  seinem  Conferenz-  und 
geheimen  Cabinets-Minister  Franz  Grafen  von  Colloredo  die 
Oberst-Kämmerers-Würde  und  in  dieser  Eigenschaft  auch  die  Sorge 
über  das  kaiserl.  Naluralien-Cabiiiet  übertragen. 


Geschichte  des  k.  U.  Hof-NHtiir:tlienealiinpts  zu  Wien.  1  0  1  jJ 

In  Folge  eines  von  demsell)en  an  den  Kaiser  erstatteten  Vor- 
trages wurde  der  bisherige  Directors-Adjunct  Abbe  Andreas  Stütz 
zum  k.  k.  Rathe  und  zweiten Director  desNaturalien-Cabinetes  ernannt, 
Director  Ludwig  Freiherr  von  Baillou  erhielt  den  Titel  eines 
ersten  Directors ,  Custos  Johann  Baptist  Megerle  wurde  zum 
Directors-Adjuncten  und  Custos -Adjunct  Johann  Carl  Megerle 
zum  Custos  befördert,  die  Custos-Adjunetens-Stelle  aber  eingezogen. 

Mittlerweile  starb  auch  der  frühere  Directors-Adjunct  des  kais. 
Naturalien -Cabinetes  Carl  Haidinger,  welcher  sich  so  viele  und 
große  Verdienste  um  diese  Anstalt  erworben  hatte,  als  Bergrath  und 
Referent  bei  der  kaiserl.  Hofkammer  in  Münz-  und  Bergwesen,  zu 
Wien,  am  16.  März  im  41.  Jahre. 

Custos  Johann  Carl  Megerle  unternahm  in  eben  diesem 
Jahre  eine  Reise  nach  Dalmatien  und  bereicherte  nach  seiner  Rück- 
kunft die  kaiserliche  Sammlung  mit  der  von  ihm  gemachten  Ausbeute 
an  Mineralien,  Conchylien,  Strahlthieren  und  Zoopbyten.  Auch  wurde 
noch  eine  große  Menge  höchst  seltener  und  werthvoller  Conchylien 
aus  der  Sammlung  des  Doctors  Joachim  Johann  Nepomuck 
S  p  a  1 0  w  s  k  y  und  des  Herrn  Leopold  v  o  n  F  i  c  h  t  e  1  für  bedeutende 
Summen  angekauft. 

Das  neuerrichtete  Thier-Cabinet  erhielt  durch  den  Ankauf  meh- 
rerer bedeutender  Sammlungen  ausländischer  Thiere,  als  der  pracht- 
vollen Sammlung  exotischer  Insekten  und  Arachniden  des  Freiherrn 
von  Block  in  Dresden,  einer  Reptilien-Sammlung  und  der  berühmten 
ornithologischen  und  entomologischen  Sammlungen  des  Herrn  Ger- 
ning  in  Frankfurt  a.  M.  einen  sehr  bedeutenden  Zuwachs  und  auch 
die  kaiserl.  Menagerie  zu  Schöubrunn  trug  nicht  wenig  zu  seiner 
Vergrößerung  bei. 

Ausserdem  wurden  viele  inländische  Thiere  erworben  und  durch 
den  Ankauf  einer  kleinen  Sammlung  menschlicher  Eingeweidewürmer 
von  Dr.  Lengsfeld,  practischem  Arzte  in  Wien,  der  Grund  zu 
einer  helminthologischen  Sammlung  gelegt. 

Gegen  Ende  des  Jahres  1797  war  die  Aufstellung  der  Samm- 
lungen, welche  Director  Eberle  im  Vereine  mit  Joseph  Natter  er, 
dem  die  Aufsicht  über  den  zoologischen  Theil  derselben  übertragen 
war,  und  mit  dem  Mechaniker  Joseph  Dietrich,  welcher  über 
die  physikalisch -astronomische  und  Kunst -Sammlung  die  Aufsicht 
führte,  besorgt  hatte,  beendet  um!  wurde  das  neu  angelegte  zoologisch- 


[»hysilciilisrli-iisli'diioiiiist'lic  Caltiiicl  noch  aiii  2.  iJeceniLer  desselben 
Jahres  dem  Besiiehe  des  Publicunis  erölVnet,  nachdem  kurz  vorher 
die  Vorschriften  bekannt  gegeben  worden  waren,  nach  welchen  man 
sich  hierbei  zu  benehmen  hatte. 

Für  den  Besuch  war  kein  bestimmter  Tag  ausdrücklich  festge- 
stellt worden  und  konnte  dieses  Cabinet  beinahe  täglich,  mit  Aus- 
nahme der  Sonn-  und  Feierlage,  besichtiget  werden;  doch  w^^r  der 
Zutritt  nur  einzelnen  Personen  und  kleineren  Gesellschaften  gestattet, 
die  sich  zur  Erlangung  von  Eintrittskarten  an  den  Director  wenden 
mußten. 

Dieselben  enthielten  eine  in  Kupfer  gestochene  Darstellung  des 
linken  Flügels  des  Hofbibliothek-Gebäudes,  in  welchem  sich  dieses 
Cabinet  l)efand  und  wurde  auf  deren  Rückseite  Tag  und  Stunde  zu 
deren  Benützung  ersichtlich  gemacht. 

Über  dem  Hauptthore  des  Gebäudes  war  eine  Tafel  mit  der 
Aufschrift  ,,K.  K.  Physikal.  Kunst  und  Natur  Kabinet."  angebracht. 
Um  unmittelbar  von  seinen  Appartements  aus  durch  die  Gewächs- 
häuser seiner  oberhalb  des  Augustiner  Ganges  befindlichen  Terrasse 
in  die  neu  angelegte  Sammlung  gelangen  zu  können,  ließ  der  Kaiser 
den  hinteren  Seitentheil  des  linken  Flügels  des  Hofbibliothek-Gebäudes, 
in  welchem  dieselbe  aufgestellt  war,  mittelst  eines  gedeckten  Brücken- 
ganges,  der  über  den  schmalen  Hofraum  an  der  Rückseite  der  Hof- 
Bibliothek  gespannt  war,  mit  einem  am  äußersten  Punkte  der  Terrasse 
gelegenen  Gewächshause  in  Verbindung  setzen,  so  daß  er  von  der 
Hofburg  aus  ebenen  und  gedeckten  Weges  durch  die  lange  Reihe 
von  Glashäusern  bis  in  das  Naturalien-Cabinets-Gebäude  am  Josephs- 
platze gelangen  konnte,  indem  jene  Brücke  in  einen  Corridor  im 
zweiten  Stockwerke  dieses  Gebäudes  führte. 

Die  erste  Aufstellung  des  zoologischen  Theiles  dieser  Sammlung 
war  nicht  nur  keine  wissenschaftliche,  sondern  sogar  von  höchst 
cigenthümlicher,  ja  fast  bizarrer  Art. 

Director  Eberle  hatte  die  Absicht,  durch  eine  anziehende  und 
geschmackvolle  Zusanmienstellung  der  Tliiere  nach  ihrem  ^'aterlande, 
ihrer  Lebensweise  und  ihren  Sitten,  in  eigens  zu  diesem  Beluife  pas- 
send decorirten  Zimmern,  die  Aufmerksamkeit  des  Publicums  rege  zu 
machen,  und  erreichte  —  w  ie  der  Erfolg  auch  lehrte  —  vollkommen 
hierdurch  sein  Ziel. 


riescliiclite  iles  k.  k.  ll(il->';iliiiiilk'iK'jil)iiif(s  zu  Wien.  10121 

Im  Allgemeinen  l)()t  diese  Aufstellung  einige  Ähnlichkeit  mit 
jener  unserer  heutigen  zooplastisehen  Museen  dar,  doch  mit  dem 
großen  Unterschiede,  dali  die  hier  zur  Schau  gestellten  Thiere  be- 
züglich ihrer  Ausführung,  sowohl  in  Auffassung  ihres  Charakters,  als 
auch  in  der  Nachahmung  ihrer  natürlichen  Stellungen,  weit  hinter 
den  dermaligen  Leistungen  in  der  Kunst  der  Präparation  zurück- 
standen. 

Die  Rückwände  der  einzelnen  Gemächer  stellten  gemalte  Land- 
schaften von  mannigfaltig  verschiedenem  Charakter  dar  und  mehrere 
derselben  waren  der  Umgebung  von  Wien  entnommen. 

Künstliche  bemooste  Felsgruppen,  Bäume  und  Strauchwerk,  aus 
Glas  nachgeahmte  Wasserfälle,  Bäche  und  Teiche,  theatralisch  aus- 
geführte Meereswogen ,  Rasen ,  Geröhre  und  Getreidefelder ,  Ruinen, 
ländliche  Gebäude ,  worunter  auch  ein  Maierhof ,  Taubenschlag  und 
Brunnen  u.  s.  w.  bildeten  den  Zwischengrund,  der  nach  vorne  zu 
durch  hohe  und  bis  an  die  Decke  reichende,  aus  großen ,  zwischen 
mit  weißer  Ölfarbe  angestrichenen  Holzstäben  eingerahmten  Glas- 
tafeln zusammengesetzte  Wände  abgeschlossen  war. 

liier  waren  nun  die  verschiedenen  Säugethiere  und  Vögel,  nebst 
einigen  ausgestopften  Amphibien,  in  ziemlich  natürlichen  Stellungen, 
ihrem  Aufenthalte  und  ihrer  Lehensweise  möglichst  entsprechend,  in 
mannigfaltige  Gruppen  vertheilt,  so  daß  fast  jede  Wand  ein  für  sich 
abgeschlossenes  und  mit  Thieren  aller  Art  belebtes  landschaftliches 
Bild  darstellte. 

Diese  von  einander  abgesonderten  Bilder  waren  aber  nicht  nach 
einer  bestimmten  geographischen  Reihenfolge ,  sondern  bunt  anein- 
ander gereiht,  denn  bald  schloß  sich  eine  asiatische,  afrikanische 
oder  amerikanische  an  eine  europäische  Landschaft  an,  bald  eine 
tropische  oder  eine  Wüstengegend  an  eine  Landschaft  aus  dem  hohen 
Norden  oder  aus  dem  gemäßigten  Europa. 

An  eine  systematische  Anordnung,  so  wie  dieß  eine  wissen- 
schaftliche Anstalt  erfordert,  konnte  bei  dieser  Art  der  Aufstellung 
allerdings  nicht  gedacht  werden,  aber  nicht  einmal  die  Namen 
der  einzelnen  hier  zur  Anschauung  gebrachten  Thiere  waren  dem 
Besucher  ersichtlich  gemacht,  der  sich  damit  begnügen  mußte,  die- 
selben nach  vorausgegangener  besonderer  Anfrage,  aus  dem  Munde 
der  in  den  verschiedenen  Abtheilungen  vertheilten  Dienerschaft  zu 
erfahren. 


1022  *         F.t..i..f,'or. 

Der  zoologische  Theil  dieses  Cabinetes  mhv  in  drei  Zimmern 
und  einen)  Saale  im  Erdgeschosse,  in  einem  Zimmer  im  Halbstocke 
und  in  vier  großen  Zimmern  im  zweiten  Stockwerke  des  Gebäudes 
aulgestellt. 

Im  Erdgeschosse,  vom  Eingange  links,  traf  man  im  ersten  Zim- 
mer eine  asiatische  Waldlandschaft  an,  in  welcher  ein  Axishirsch, 
ein  Moschusthier  und  mehrere  in  Asien  vorkommende  Papageien  und 
Singvögel  vertheilt  waren. 

Das  zweite  Zimmer  enthielt  eine  bewaldete  Felsengegend  mit 
Wölfen,  Bären,  Luchsen,  einem  Hirsche,  einem  Dachse,  der  eben  aus 
seiner  Höhle  kroch,  und  mehreren  Adlern  und  Falken. 

Das  dritte  Zimmer  bot  eine  europäische  Waldgegend  dar,  in 
welcher  ein  Wildschwein ,  ein  Damhirsch  und  ein  Reh  von  Hunden 
angegriffen  und  einige  Füchse  von  denselben  verfolgt  wurden,  wäh- 
rend mehrere  Eichhörnchen,  Siebenschläfer,  inländische  Singvögel, 
Speclite  und  Fasanen  theils  auf  den  Bäumen,  theils  im  Strauchwerke 
angebracht  waren. 

Im  Erdgeschoße  zur  Rechten  trat  man  in  einen  großen  Saal, 
dessen  Wände  drei  verschiedene  landschaftliche  Darstellungen  ent- 
hielten. 

Eine  afrikanische  Wüste,  mit  einigen  Zebra's,  Antilopen,  einem 
Kameele  und  Dromedare,  einem  Stachelschweine,  einem  Strauße  und 
mehreren  Geiern. 

Ferner  eine  Viehweide,  mit  einem  Maierhofe,  in  welchem  man 
einen  Stier,  mehrere  Hausschweine ,  einen  Hund  und  mehrere  Haus- 
katzen bemerkte,  während  Sperlinge  und  Schwalben  die  Giebel  des 
Daches  umflatterten  oder  auf  denselben  saßen,  und  verschiedene 
Schafe  und  Ziegen,  von  einem  Hunde  gehütet,  auf  der  Weide  ver- 
theilt waren. 

Endlich  eine  Polargegend ,  welche  mit  einer  Meereslandschaft 
in  Verbindung  stand,  wo  sich  in  ersterer  ein  Elenthier,  mehrere 
Rennthiere  und  Robben,  in  letzterer  einige  Delphine,  Sturmvögel, 
Seeschwalben  und  Möven  befanden. 

Im  zweiten  Stockwerke  gelangte  man  in  dem  zur  Rechten  lie- 
genden Trakte  des  Gebäudes  in  ein  großes  Zimmer,  welches  eine 
ziemlich  reich  ausgestattete  Bibliothek  aus  dem  Gebiete  der  Experi- 
mental-Pbysik,  Optik  und  Astronomie,  nebst  einigen  wenigen  natur- 
histiirischen  Werken  enthielt,  die  in  hohen,  in  ihrer  oberen  sowohl 


Gescilicilte  des  k.  k.  Hof-Natiiralieiicithiiicls  /-u  Wien.  1  0/^3 

als  untereil  Hälfte  mit  Glastliüren  verschlossenen  Wandschränken  aus 
dunkelbraunem  Holze  aufgestellt  war. 

Die  übrigen  vier  großen  Zimmer  füllte  wieder  der  zoologische 
Tlieil  der  Sammlung. 

Das  erste  derselben  brachte  folgende  drei  landschaftliche  Dar- 
stellungen zur  Anschauung. 

Eine  tropische  Waldlandscliaft  mit  Affen,  großen  Fledermäusen, 
einigen  exotischen  Katzenarten,  Beutelthieren ,  Papageien,  Tukanen, 
ausländischen  Spechten,  Singvögeln  und  Tauben. 

Sodann  eine  ländliche  Gegend  mit  einem  alten  Schloßtburme, 
einem  Taubenschlage  und  einer  Müble,  über  deren  Triebrad  sich  das 
künstlich  aus  Glas  nachgeahmte  Wasser  in  den  nahen,  durcli  eine 
Schleuße  ahgesperrten  Bach  stürzte  und  woran  sich,  durch  ein  in 
der  alten  Schloßmauer  angebrachtes  Zwischengitter  getrennt,  eine 
offene  Gebirgslandschaft  mit  einem  Dorfe  im  Hintergrunde  reihte ,  in 
welcher  man  eine  Bauernhütte,  einen  großen  Hühnerstall  und  einen 
Quellbrunnen  bemerkte,  dessen  fließendes  Gewässer  gleichfalls  künst- 
lich aus  Glas  dargestellt  war  und  sich  in  einen  kleinen  Teich  ergoß. 
Hier  sah  man  die  verschiedensten  Haushühner  und  Tauben  mit  Trut- 
hühnern und  Pfauen  bunt  durcheinander  gemengt,  während  sich  Haus- 
gänse und  Enten  auf  dem  Teiche  und  an  seinen  Ufern,  so  Mie  auch 
am  Mühlbache  umhertrieben  und  Kaninchen,  Batten  und  Mäuse  sich 
in  der  Nähe  der  Gebäude  vertheilten. 

Ferners  eine  Alpenlandschaft  mit  Wald  und  einem  künstlicb  aus 
Ghis  nachgebildeten  Wasserfalle,  In  derselben  bemerkte  man  einige 
Gemsen,  iMurmelthiere  und  Alpenhasen,  Scbneehühuer,  Auerhühner, 
Steinhühner  und  Adler,  die  in  der  verschiedensten  Weise  hier  grup- 
pirt  waren. 

Das  zweite  Zimmer  bot  abermals  drei  Landschaften  dar,  und 
zwar : 

Eine  Felsengegend  mit  Wasserpartien ,  in'  welcher  man  einen 
Pelekan,  einige  Pinguine  und  Schwäne  nebst  mehreren  ausländischen 
Gänsen  bemerkte. 

Dann  eine  Gebirgslandschaft  mit  einigen  Buinen  und  einem  Via- 
ductc,  unter  welchem  ein  über  Felshk)cke  stürzender  Gebirgsbach 
hervorbrach,  dersichimThale  weiterschlängelte  und  über  welchen  eine 
kleine,  aus  Birken  zusammengefügte  Holzbrücke  führte,  in  deren 
Nähe  auch  ein  Heuschober   angebracht  war.    An    diese  Landschaft 


1024  Fit  /.in  «...-. 

schloß  sieh,  durch  ein  zwischen  zwei  Steinpfeilern  angebrachtes  Gitter- 
thor getrennt,  eine  waldige  Gebirgsgegend  an,  in  welcher  sich  eine 
offene  II olzliütte,  ein  Sehitpl'bruiinen  und  aufgehäufte  Fässer  und  Faß- 
dauben, nebst  einigen  Biudergeräthschaften  befanden.  Hier  waren 
verscliiedene  Eulenarten,  Fledermäuse,  Falken,  Raben  und  Marder  in 
natürlich  zusammengestellten  Gruppen  vertheilt. 

Endlich  eine  Teichlandschaft  mit  Geröhre,  wo  man  die  mannig- 
faltigsten, wild  vorkommenden  europäischen  Gänse  und  Enten  theils 
auf  dem  Teiche  und  an  seinen  Ufern ,  theils  im  Geröhre  angebracht, 
betrachten  konnte. 

Das  dritte  Zimmer  enthielt  gleichfalls  drei  verschiedene  land- 
schaftliche Bilder,  nämlich: 

Eine  europäische  Waldgegend,  welche  von  einer  sehr  großen 
Anzahl  der  verschiedenartigsten  inländischen  Singvögel,  von  Krähen- 
arten, Waldhühnern  und  Fasanen  belebt  war. 

Daneben  befand  sich  eine  offene  Feldgegend  mit  Getreidefel- 
dern, in  welcher  sich  Feldhühner,  Wachteln  und  Lerchen  nmher- 
trieben,  Hamster,  Feldmäuse  und  Wiesel  in  ihren  Verstecken 
lauerten,  Hasen  von  Hunden  verfolgt  wurden  und  Falken  ihre  Beute 
umschwärmten. 

Hierauf  folgte  eine  an  eine  Gebirgsgegend  sich  anschließende 
Teichlandschaft  mit  Geröhre,  welche  nebst  einer  großen  Anzahl  in- 
ländischer Sumpfvögel  ,  auch  einen  Biber  und  einige  Fischottern  in 
sich  schloß. 

Das  vierte  Zimmer  endlich  enthielt  blos  eine  einzige  Landschaft, 
die  eine  tropische  Waldgegend  mit  Strauchwerk,  Wasserpartien 
und  Geröhre  darstellte.  Hier  bemerkte  man  ein  Wasserschwein,  einen 
Tapir,  einige  Bisamschweine  und  sehr  viele  amerikanische  Sumpf-  und 
Singvögel  in  mannigfaltiger  Weise  gruppirt. 

In  demselben  Zimmer,  links  vom  Ausgange,  von  welchem  man 
durch  einen  langen  Corridor  in  die  Bibliothek  und  durch  diese  wieder 
auf  die  ihuipUreppe  gelangle,  befand  sich  in  der  Ecke  ein  mit  grüner 
Ölfarbe  angestrichener  Glasschrank,  dessen  Thür,  welche  die  Vor- 
derwand des  Schrankes  bildete,  mit  einem  Vorhänge  aus  grünem 
Taffet  verkleidet,  und  der  in  seinem  linieren  hellrolh  angestrichen 
war.  In  diesem  Schranke  war  Angelo  Soliman  verwahrt,  der 
dem  besuchenden  Publicum,  bevor  dasselbe  jene  Abtheilung  verließ, 
von  einem  Diener  besonders  jjrezeifft  wurde. 


Geschichte  des  k.  k.  Hof-Naturalieiicabiiiets  zu  Wien.  1025 

Die  dem  Ausgange  aus  dieser  Sammlung  gegenüber  liegenden 
Gemächer  im  zweiten  Stockwerke  des  linken  Traktes  des  Gebäudes, 
welche  aus  drei  Zimmern  und  einem  Vorzimmer  bestanden,  wurden 
theils  als  Werkstätte  für  den  Mechaniker  des  physikalisch-astronomi- 
schen- und  Kunst-Cabinetes  zur  Herstellung  physikalischer  Instru- 
mente, theils  zur  Aufbewahrung  des  hierzu  benöthigten  Materials  und 
der  erforderlichen  Geräthschaften  verwendet. 

Die  Treppe  abwärts  gelangte  man  endlich  im  Halbstocke  zur 
Linken  in  ein  großes,  im  rechten  Trakte  des  Gebäudes  liegendes 
Zimmer,  welches  die  Grundlage  zu  einer  Sammlung  von  Reptilien, 
Fischen,  Insekten,  Arachniden,  Conchyüen  und  Würmern  enthielt. 

Die  Reptilien  waren  größtentheils  in  Glas-Pokalen  verschie- 
dener Form  und  Größe  in  Weingeist  aufbewahrt  und  in  mehreren 
offenen  W'andscliränken  aufgestellt,  und  in  einem  ähnlichen  Wand- 
schranke befand  sich  auch  eine  kleine  Sammlung  menschlicher  Ein- 
geweidewürmer in  Gläsern  in  Spiritus  aufbewahrt.  Einige  wenige 
Reptilien,  sowie  auch  eine  geringe  Anzahl  von  inländischen  Fischen 
waren  ausgestopft  auf  hölzernen  ,  hellgrau  grundirten  Wandtafeln 
aufgehangen. 

EinTheil  der  Conchylien  war  bilderartig  inRahmenkästclien  unter 
Glas  auf  besonderen  Tischen  längs  der  W^ände  ausgestellt,  ein  anderer 
Theil  derselben,  sowie  auch  eine  Sammlung  von  Bernsteinen,  meist  In- 
sekten eingeschlossen  enthaltend  —  die  jedoch  sämmtlich  erst  zu  An- 
fang des  Jahres  1798  acquirirt  wurden  —  in  zwei  zierlichen  Cassetten. 
Von  Insekten  waren  nur  einige  Laden  mit  Schaustücken  von 
Käfern  und  eine  Anzahl  exotischer  Schmetterlinge,  nebst  einigen 
Skorpionen  und  spinnenartigen  Tliieren  auf  Tischen  zwischen  den 
Fenstern  aufgestellt.  Diese  beiden  letzteren,  sowie  auch  die  Schmet- 
terlinge, welche  aus  der  berühmten  Block'schen  Sammlung  stamm- 
ten, waren  so  aufgestellt,  daß  jedes  einzelne  Individuum  in  einem 
besonderen  kleinen  Glaskästchen,  dessen  Wände  durch  hellgrün  ge- 
färbte Papierstreifen  zusammengehalten  wurden,  eingeschlossen,  und 
mittelst  einer  Stecknadel  auf  einem  Korkstückchen  befestigt  war,  so 
daß  man  das  Object  von  allen  Seiten  betrachten  konnte. 

Der  größte  Theil  der  Sammlung  der  Insekten  und  Arachniden 
war  aber  nicht  zur  Schau  gestellt,  sondern  wurde  abgesondert  theils 
in  Kästchen,  theils  in  Laden,  in  einigen  verschlossenen  Schränken 
aufbewahrt. 


1026  Kit  /.  i  Hf-  er. 

Die  Sammlung  von  llöniorn  und  Geweihen  war  zu  jener  Zeit 
gleichfalls  noch  nicht  aufgestellt  und  wurde  dieselbe  in  einem  Ma- 
gazine im  Dachgeschosse  untergebracht. 

Im  dritten  Stockwerke  des  Gebäudes  war  aulJter  der  Natural- 
wohnung  des  Directors  und  der  Wohnung  für  den  Aufseher  und 
einen  Diener,  auch  eine  große  Localität  als  Tischler-  und  Schlosser- 
Werkstätte,  eine  kleinere  als  Präparations -Zimmer  benützt,  und 
der  Halbstock  im  linken  Trakte  des  Gebäudes  als  Wohnung  für 
den  Portier. 

1798  erhob  der  Kaiser  den  Director  Abbe  Simon  Eberle  in 
Anerkennung  seiner  Verdienste  bei  der  Errichtung  und  Anordnung 
der  seiner  Leitung  anvertrauten  Sammlungen  in  den  österreichischen 
Adelsstand  und  verlieh  ihm  gleichzeitig  auch  die  Würde  eines  infu- 
lirten  Proltstes  und  das  ungarische  Indig'enat. 

In  demselben  Jahre  schenkte  Marie  Carolin  e ,  Königin  von 
Neapel,  derkaiserl.  Sammlung,  in  zwei  zierlich  gearbeiteten  Cassetten, 
eine  Reihe  von  geschnittenen  und  zum  Theile  zu  Ringen  verarbeiteten 
sicilianischen  Rernsteinen,  die  größtentheils  Insekten  in  sich  ein- 
geschlossen entliielten,  wie  auch  eine  Sammlung  durciiaus  sehr 
kleiner  und  selbst  mikroskopischer  Conchylien,  von  denen  jede  ein- 
zelne Art  in  einer  besonderen  Kapsel  zwischen  zwei  Vergrößerungs- 
gläsern eingeschlossen  war;  ferners  eine  Sammlung  von  Conchylien 
des  Mittelmeeres  in  kleinen  Exemplaren,  die  in  sechsunddreissig 
kleinen,  von  vergoldeten  Stabrahmen  umgebenen  Wandtafeln  nach 
Art  der  Schaubilder  unter  Glas  bewahrt  und  auf  dunkel  blaugrauem 
Grunde  aufgeklebt,  symmetrisch  vertheilt  waren. 

Gleichzeitig  sandte  sie  auch  als  Geschenk  für  diese  Sammlung 
ein  ausgestopftes  sechsjähriges  Negermädchen,  das  zierlich  präpa- 
rirt,  in  sitzender  Stellung  dargestellt  war,  mit  einer  blauverzierten 
gelben  Seidenschürze  umgeben,  einer  Krone  aus  gelben,  blauen  und 
rothen  Straußfedern  auf  dem  Kopfe  und  einer  Schnur  weißer  Glas- 
perlen um  Hals,  Arm  und  Reine;  eine  Acquisition,  welche  im  Cabinete 
in  demselben  Schranke,  in  dem  Angel o  Soliman  aufgestellt  war, 
iliicii  Platz  fand. 

In  eben  diesem  Jahre  unternahm  Custos  Johann  Carl  Me- 
gerle  eine  Rereisung  der  Provinzen  Selilesien  und  Galizien,  und 
brachte  eine  nicht  unansehnliche  Menge  von  Mineralien  für  die  kais. 
Sammlung  mit. 


Geschichte  des  k.  k.  Hof'-NiitiiialicniMhinefs  zu  Wien.  1  0!2  < 

Auch  gründete  er,  um  einen  lebhafteren  Verkehr  in  den  Natuia- 
lienhandel  zu  bringen,  zugleich  aber  auch  den  überspannten  Forde- 
rungen der  Händler  Einhalt  zu  tliun,  ein  besonderes  Auctions-Institut 
für  Naturalien,  im  Bürgerspitalsgebäude  zu  Wien, 

1799  am  14.  August  starb  der  "pensionirte  Hofmaler  des  kais. 
Naturalien-Cabinetes  Franz  Joseph  Wiedon  zu  Wien,  im  96.  Le- 
bensjahre. 

Gegen  das  Ende  desselben  Jahres  kehrte  auch  Georg  Scholl, 
welcher  als  Gärtnergehilfe  mit  Franz  Boos  schon  im  Octoberl785 
auf  Befehl  Jose  ph'sH.  eine  naturhistorische  Reise  nachdem  Cap 
der  guten  Hoffnung  angetreten  hatte,  nach  einem  Aufenthalte  von 
mehr  als  dreizehn  Jaliren  vom  Cap  zurück,  während  Boos  schon 
am  I.Februar  1T88  dasselbe  verlassen  hatte,  und  Scholl  daher  noch 
eilf  Jahre  daselbst  zubringen  mußte.  Er  brachte  nebst  vielen  anderen 
Naturalien  für  die  kaiserl.  Sammlung  auch  den  Balg  und  das  Skelett 
eines  16  Fuß  hohen  Giraffen-Männchens  (ßamelopardaUs  Girajf(i) 
mit,  das  er  von  dem  holländischen  Oberst  Gordon  in  der  Capstadt 
angekauft  hatte,  und  welches  das  dritte  Exemplar  war,  das  zu  jener 
Zeit  in  die  europäischen  Museen  kam.  Seine  Ausbeute  bestand  in 
einer  sehr  bedeutenden  Sammlung  vieler  seltener  Thierhäute  und 
Vogelbälge,  worunter  sich  auch  das  damals  noch  so  selten  gewesene 
capische  Erdferkel  (^Orycierojms  capensis)  befand,  in  einer  schönen 
Reihe  von  capischen  Mineralien  und  in  einer  überaus  reichen  Samm- 
lung von  Cap-Pflanzen. 

Bald  nach  der  Rückkehr  Scholl's  sandte  der  Kaiser  den  Gärt- 
ner Enzel  nach  den  vereinigten  Staaten  von  Nord-Amerika,  um  so- 
wohl lebende  Pflanzen  für  seinen  in  der  Ungergasse  in  der  Vorstadt 
Landstrasse  gelegenen  Privatgarten,  als  auch  Naturalien  für  die 
kaiserl.  Cabinete  einzusammeln. 

Im  Jahre  1800  wurde  vom  Kaiser  über  Antrag  des  Directors 
von  Eberle  für  das  zoologisch-physikalisch-astronomische  Cabinet 
ein  besonderes  Personale  untergeordneter  Dienerschaft  bewilliget. 
Ludwig  Celanfi  erhielt  die  Stelle  eines  Cabinetsdieners,  und  zwei 
Zimmerputzer,  zwei  Hausknechte  und  ein  Portier,  welche  seither  nur 
provisorisch  bei  diesem  Cabinete  in  Verwendung  standen,  wurden 
definitiv  für  diese  Anstalt  bestimmt. 

In  eben  diesem  Jahre  unternahm  der  zweite  Director  des  kais. 
Naturalien-Cabinetes  Abbe  Andreas  Stütz   auf  Veranlassung  des 


1028  FitzingiT. 

Staats-  und  Cüiit'ereiiz-Miiiistors  Anton  Graten  von  Pergen 
eine  Reise  nach  Carlsbad  und  in  die  nächst  gelegenen  Bergstädte, 
unti  kehrte  mit  einer  reichen  Ausheute  an  Mineralien  zurück ,  die  er 
l'iir  die  kaiserliche  Sammlung  bestimmte. 

Im  Jahre  1800  legte  auch  der  Aufseher  im  Thier-Cabinete 
Joseph  Natter  er  eine  kleine  Menagerie  inländischer  Vögel  am 
kaiserl.  Cabinetean,  von  denen  die  größeren  theils  frei,  theils  in 
großen  Käfigen  eingeschloßen ,  unter  den  Giebeln  des  Daches,  die 
kleineren  aber  in  einem  seiner  Wohnzimmer  gehalten  wurden. 

Die  interessanteste  Acquisition,  welche  das  Thier-Cabinet  im 
Jahre  1801  gemacht,  war  der  Balg  eines  jungen  javanischen  Nas- 
horns (Rhinoceros  javanicus).  Es  war  und  ist  dieß  bis  zur  Stunde 
noch  das  erste  Exemplar  dieser  Art,  das  lebend  nach  Europa  gebracht 
wurde;  ein  vierzehn  Monate  altes  Männchen,  das  in  demselben  Jahre 
in  Holland  ausgeschilVt  wurde,  für  die  kaiserl.  Menagerie  zu  Schön- 
bruiin  bestimmt  war,  jedoch  während  der  Reise  schon  in  Hamburg 
zu  Grunde  ging. 

1801  ließ  Director  von  Eberle  auch  auf  Befehl  des  Kaisers 
den  verstorbenen  Mulaten  Pietro  Michaele  Angiola,  welcher 
als  Thierwärter  in  der  kaiserl.  Menagerie  zu  Schönbrunn  gedient 
hatte,  durch  Filippo  Agnello,  einen  Venetianer,  der  mit  der  Prä- 
paration von  Thierbälgen  wohl  vertraut  war,  ausstopfen.  Er  war 
bestimmt,  in  der  Sammlung  auf  dem  in  derselben  befindlich  ge- 
wesenen Kameele  reitend,  aufgestellt  zu  werden  und  wurde  daher  in 
reitender  Stellung  ausgeführt,  eine  Lanze  in  beiden  Händen  haltend, 
mit  der  er  einen  Stoß  rechts  nach  abwärts  führte,  mit  einer  rothcn 
Schürze  aus  Wollenstoff  umgeben  und  einem  weißen  Turban  auf  dem 
Haupte. 

Aber  noch  in  demselben  Jahre  sah  sich  der  Kaiser  veranlaßt, 
den  Director  Abbe  Simon  von  Eberle  in  den  Ruhestand  zu  ver- 
setzen und  die  Entfernung  des  Cabinetsdieners  Ludwig  Celanfi 
zu  verfügen.  Die  ungeheuren  Summen,  welche  Director  von  Eberle 
oft  ohne  vorausgegangene  Bewilligung  des  Kaisers  und  bisweilen 
selbst  in  verschwenderischer  Weise  für  die  neuen  Sammlungen 
verausgabt  hatte,  und  welclie  die  Privat-Chatouille  des  Begenten 
trafen ,  so  wie  auch  einige  Unregelmäßigkeiten  in  der  Geliahrung, 
bewogen  den  Kaiser  zu  diesem  Beschlüsse,  so  wie  die  Entfernung 
des    Cabinetsdieners     [judwi<i-    Celanfi    mancherlei    Mißbrauche 


fiescilichfe  des  k.  k.  Hof-N:itiir:ilii'nc;iliiiu'ts  zu  Wien.  lU^cl) 

wegen  stattfand,  die  ihm  iti  seiner  Stellung  zur  Last  gelegt  werden 
konnten. 

Gleichzeitig  sali  sich  der  Kaiser  bestimmt,  die  Direction  über 
das  zoologisch -physikalisch -astronomische  Cabinet  dem  zweiten 
Director  des  kaiserl.  Naturalien-Cabinetes  Abbe  Andreas  Stütz 
provisorisch  zu  übertragen  und  zu  gestatten,  daß  Joseph  Natterer 
der  Jüngere,  älterer  Sohn  des  Aufsehers  im  Thier-Cabinete 
Joseph  Natterer,  unentgeltlich  an  diesem  Cabinete  Dienste 
leisten  dürfe. 

1802  im  Januar  wurde  das  zoologisch-pbysikalisch-astrnno- 
miscbe  Cabinet  mit  dem  scbon  längst  vorher  bestandenen  Naturalien- 
Cabinete  vereiniget,  obgleich  das  erstere  ein  Privat-Eigentbum  des 
Kaisers,  das  letztere  Eigentbum  des  Staates  war. 

Die  Direction  über  dieses  neue  Institut,  welchem  der  Titel 
„Vereinigtes  Naturalien-,  physikalisches  und  astronomisches  Ca- 
])inet"  beigelegt  wurde,  erhielt  der  bisherige  zweite  Director  des 
Naturalien-Cabinetes  Abbe  Andreas  Stütz,  dessen  Gehalt  gleich- 
zeitig auch  erhöht  wurde. 

Am  23.  Februar  desselben  Jahres  starb  der  erste  Director  des 
Naturalien-Cabinetes  Ludwig  Freiherr  von  Baillou,  welcher 
schon  seit  langer  Zeit  kränkelte,  zu  Wien,  im  7L  Jahre. 

Die  erste  Directors-Stelle  des  Naturalien-Cabinetes  ging  nun  ver- 
tragsmäßig als  ein  Erbtheil  an  dessen  einzigen  Sohn  Jo  sepb  Jo- 
hann F  r  e  i  h  e  r  r  n  von  Baillou  über,  welcher  dieser  Würde  jedoch 
für  sich  und  seine  allfälligen  Nachkommen  entsagte,  um  sein  Leben 
der  ()konomie  zu  weihen  und  auf  sein  Gut  Hustopetsch  nach  Mähren 
zu  übersiedeln. 

Der  zweite  Director  Andreas  St  ütz  wurde  daher  jetzt  alleini- 
ger Director  und  die  zweite  Directors-Stelle  eingezogen. 

Über  Antrag  des  Directors  Stütz  wurde  an  dem  nun  vereinig- 
ten Cabinete  eine  zweite  Custos-Stelle  für  die  physikalisch-astrono- 
mische Abtheilung  creirt  und  der  Ex-Jesuit  Abbe  Christoph 
Stelzhammer,  Professor  der  Physik  und  Naturgeschichte  am 
k.  k.  Tberesianum,  für  dieselbe  bestimmt. 

Custos  Jobann  Carl  Megerle  hatte  die  mineralogische  Ab- 
tbeilung,  so  wie  auch  die  Sammlungen  der  Crustaceen,  Conchylien, 
Strahlthiere  und  Zoophyten  zu  besorgen,  und  Director  Stütz  über- 
nahm die  übrigen  Fächer  der  Zoologie;  doch  wurde  schon  am  2.  Mai 

Sitzli.  d.  inat!ieiii.-natTirw.  Cl.  LVII.  Bd.  I.  Alitli.  6tJ 


1030  Fitzinger. 

.loh all II  Georg  Megerle,  der  jüngere  Sohn  des  Directors- 
Adjuiicten  Joha  n  n  Haplist  Megcrle,  unentgeltlich  als  Gehilfe  für 
die  enluniologische  Abiheilung  des  vereinigten  Naturalien-Cabinetes 
bestimmt. 

Um  zwischen  den  beiden  nunmehr  miteinander  vereinigten 
Naturalien-Cabineten,  von  denen  sich  das  eine  am  Josephsplatze,  das 
andere  im  Augustiner-Gange  befand,  eine  Verbindung  herzustellen, 
ließ  Director  Stütz  im  Gebäude  des  ersteren  eine  Wendeltreppe 
errichten,  welche  von  dem  im  zweiten  Stockwerke  desselben  befind- 
lich gewesenen  Corridore  in  den  schmalen  Hofraum  an  der  Rück- 
seite des  Hofbibliothek-Gebäudes  führte,  von  welchem  man  durch 
eine  daselbst  angebrachte  Thür  in  den  Augustiner-Gang  gelangen 
konnte. 

Die  erste  Sorge  des  neuen  Directors  war  es,  den  Werth  dieser 
mit  so  vielem  Eifer  und  so  bedeutenden  Kosten  gesammelten  zoolo- 
gischen Schätze  durch  eine  zweckmäßige  Verbindung  mit  dem  wis- 
sentschaftlichen  Interesse  zu  erhöhen. 

Er  behielt  zwar  die  eben  so  originelle  als  kostspielige  Art  der 
Aufstellung  im  Allgemeinen  bei,  verband  aber  damit,  so  weit  es  thun- 
licli  war,  systematische  Ordnung  und  Bestimmung. 

Seine  Anordnung  gründete  er  auf  das  von  dem  damaligen  Ad- 
juncten  des  Professors  der  speciellen  Naturgeschichte  an  der  Wiener 
Universität,  Carl  Schreibers,  schon  im  Jahre  iSOI  vorgetragene 
System  der  neueren  französischen  Naturforscher  C  u  v  i  e  r,  G  e  o  f  f  r  o  y, 
La  C  e  p e  d  e ,  L a m a  r  k  und  L  a t r  e  i  11  e ,  welche  über  die  Zoologie 
ein  helles  Licht  verbreiteten,  und  dieser  Wissensciiaft  eine  durchaus 
andere  Richtung  gaben. 

Wenn  auch  Director  Stütz  keine  systmatische  Reihenfolge  bei 
seiner  neuen  Aufstellung  erzielen  konnte,  da  er  bei  der  vorgenom- 
menen Veränderung  in  der  Vertheilung  der  Thiere  durch  die  schon 
vorhanden  gewesenen,  landschaftlichen  Bilder,  welche  die  Umgebung 
derselben  darzustellen  hatten,  in  der  Erreichung  eines  solchen 
Zweckes  gehindert  war,  so  gelang  es  ihm  doch  eine  Trennung  der 
Säugethiere  von  den  Vögeln  und  eine  Zusammenstellung  derselben 
nach  natürlichen  Ordnungen,  wenigstens  theilweise  zu  Stande  gc- 
briieht  zu  haben. 

Nach  dieser  Veränderung  in  der  Aufstellung  befanden  sich  im 
Erdgeschoße  zur  Linken: 


Geschiolilo  des  k.  k.  Hof-Naturaliencaltincts  zu  Wien.  103  l 

im  ersten  Zimmer  in  einer  asiatischen  Waldlandschaft,  ein  Theil 
der  AlTen ; 

im  zweiten  Zimmer,  welches  eine  hewaldete  Felsengegend  dar- 
stellte, die  Fortsetzung  der  Affen,  die  Fledermäuse,  Nagethiere,  Beu- 
telthiere,  Faulthiere,  Giirtelthiere,  Ameisenfresser,  Landbären,  Eis- 
bären, A\'asclibären,  Vielfrassc  und  Dachse; 

im  dritten  Zimmer,  wo  eine  europäische  Waldgegend  die  Um- 
gebung bildete,  die  Wölfe,  Hunde,  Füchse,  Katzen,  Luchse,  Marder 
und  Wiesel. 

Im  großen  Saale  im  Erdgeschoße  zur  Rechten,  waren  an  jener 
Wand,  welche  das  Bild  einer  afrikanischen  Wüste  darliot,  die  Anti- 
lopen, ein  Kameel,  auf  welchem  der  ausgestopfte  Mulate  Pietro 
Michael e  Angiola  als  Reiter  paradirte,  ein  Dromedar,  einige 
Zebras,  ein  Tapir  und  ein  junges  Nashorn  aufgestellt; 

an  der  anderen,  welche  eine  Viehweide  mit  einem  Meierhofe 
darstellte,  die  Rinder,  Schafe,  Ziegen  und  Schweine;  und 

an  der  dritten,  welche  den  Anblick  einer  Polargegend  und  einer 
daran  gereihten  Meereslandschaft  gewährte,  die  Hirsche,  Robben 
und  einige  Delphine. 

Im  zweiten  Stockwerke  zur  Rechten  befand  sich,  so  wie  früher, 
im  ersten  Zimmer  die  Bibliothek. 

In  den  übrigen  vier  Zimmern,  welche  jetzt  ausschließlich  die 
Vogel-Sammluug  umfaßten,  waren  folgende  Veränderungen  vorge- 
nommen worden. 

Im  ersten  Zimmer  waren  in  jener  Abtheilung,  welche  eine  tro- 
pische Landschaft  enthielt,  der  Strauß  und  Casuar,  nebst  ausländi- 
schen Hühnerarten  und  Tauben  aufgestellt; 

in  der  Abtheilung,  welche  eine  ländliche  Gegend  zur  Anschauung 
brachte,  Haushühner,  Haustauben,  Truthühner  und  Pfauen;  endlich 

in  der  eine  Alpenlandschaft  darstellenden  Abtheilung,  Schnee- 
hühner, Steinhühner,  Auerhühner,  Waldhühner  und  Fasane. 

Im  zweiten  Zimmer  befanden  sich  in  der  Abtheilung,  welche 
eine  Felsengegend  mit  Wasserpartien  darbot,  Möven,  Seeschwalben, 
Sturmvögel,  Pelekane  und  Pinguine; 

in  jener,  welche  eine  Gebirgslandschaft  mit  Ruinen  enthielt, 
Geier,  Adler,  Falken  und  Eulen;  und 

in  der  eine  Teichlandschaft  mit  Geröhre  vorstellenden,  Schwäne, 
Gänse    und   verschiedene   Enten. 

(3G'' 


10:i2  !•  i  t/.  iiiger. 

Im  ili'itfon  Zimmer  waren  in  der  Abtiieilung,  welche  das  Bild, 
einer  europäischen  Waldgegend  darbot,  die  mannigfalligsten  Sing- 
vögel, Krähen  und  Schwalbenarten  verllieilt; 

in  jener,  welche  eine  oHene  Foldgegend  zur  Anschauung  brachte, 
Trappen  und  verschiedene  Feldhühner;  und 

in  der  Abtheilung,  welche  eine  Gebirgsgegend  und  eine  sich 
hieranschließende  Teichlandschaft  mit  Geröhre  enthielt,  die  zahl- 
reichen Arten  der  Sumpfvögel. 

Das  vierte  Zimmer  endlich,  welches  als  tropische  Waldgegend 
ausgestattet  war,  umfaßte  die  Papageien,  Tukane,  Paradiesvögel, 
Colibrl's  und  Spechte. 

Der  Schrank  mit  Angelo  Soliman  und  einem  kleinen  Neger- 
mädchen war  an  seiner  früheren  Stelle  geblieben. 

In  der  Aufstellung  des  im  Halbstocke  untergebracht  gewesenen 
Theiles  der  zoologischen  Sammlung  ist  damals  keine  Veränderung 
vorgenommen  worden  und  ebensowenig  in  der  Verwendung  der 
übrigen  Localitäten  des  Hauses. 

Dagegen  war  die  Mehrzahl  der  Säugethiere  und  Vögel  bereits 
mit  kleinen  geschriebenen  Etiketten  versehen  worden,  welche  nebst 
den  systematischen  Namen,  auch  die  deutschen  Trivialnamen  ent- 
hielten und  an  den  Thieren  selbst  befestigt  worden  waren. 

Zum  Besuche  dieses  Cabinetes  wurden  die  Mittwoche,  mit  Aus- 
nahme eines  eingetretenen  Feiertages  bestimmt,  wo  die  hier  aufge- 
stellten Sammlungen  während  der  Vormittagsstunden  besichtiget 
werden  konnten. 

Der  Eintritt  war  aber  eben  so  wie  vorher,  nur  gegen  besondere 
Karten,  —  dieselben,  welche  sclion  frülier  eingeführt  waren,  — 
gestattet,  und  mußte  man  sich  zu  deren  Erlangung,  unter  Angabe 
des  Namens  und  Charakters  schrill  lieh  an  den  Director  wenden. 
Fremde,  Gelehrte  und  vorher  angemeldete  größere  Gesellschaften 
fanden  an  jedem  Wochentage  Zutritt. 

Die  kleine  Menagerie,  welche  der  Aufseher  im  Thier-Cabinete 
Joseph  Natterer  im  Jahre  iSOO  am  kaiserl.  Naturalien-Cabinete 
angelegt,  Murde  von  Director  Stütz  seit  1802  nur  zur  Verfolgung 
rein  wissenschaftlicher  Zwecke  und  vorzüglich  zur  Beobachtung  der 
Lebensweise,  Fortpflanzung  und  Sitten  kleinerer,  insbesondere  aber 
inländischer  Vögel  bestimmt. 


Gt'scliichte  des  k.  k.  lli)l'-N:i(iiiiilieiicabiiiL'ls  zu  Wien.  lOüO 

1803  im  Mai  sandte  Graf  von  Savorgnan,  welcher  die 
Absielit  Iiatte  dem  kaiserl.Cabinete  eine  größere  Sammlung  nord-afri- 
kanisclier  Naturalien  als  Geschenk  darzubringen,  den  zu  jener  Zeit 
durch  seine  Kunst  in  der  Präparation  von  Thierbälgen  berühmt  ge- 
wordenen Venezianer  Filippo  Agn eil 0  auf  seine  eigenen  Kosten 
nach  Ägypten,  um  für  die  kaiserliche  Sammlung  Naturalien  aller  Art, 
vorzüglich  aber  zoologische  Gegenstände  einzusammeln.  Es  war  der- 
selbe, welcher  schon  im  Jahre  1801  den  Mulaten  Pietro  Michaele 
Angiola  für  das  kaiserl.  Cabinet  präparirt  hatte. 

Der  Kaiser,  welcher  große  Vorliebe  für  Botanik  besaß  und  in 
seinen  Appartements  selbst  ein  reiches  Herbarium  bewahrte,  in  wel- 
chem sich  auch  die  von  Georg  Scholl  am  Cap  der  guten  Hoffnung 
gemachte  Pflanzenausbeute  befand,  faßte  den  Beschluß,  mit  seinem 
Thier-Cabinete  auch  eine  botanische  Sammlung  zu  verbinden. 

Mit  der  Ausführung  dieses  Planes  wurde  im  Jahre  1803  be- 
gonnen, indem  der  Kaiser  angeordnet  hatte,  daß  alle  Saft-  und  Fett- 
pflanzen, Avelche  sich  in  Herbarien  nicht  wohl  aufbewahren  lassen, 
im  blühenden  Zustande  in  farbigem  .Wachs  nachgebildet  werden 
sollten,  damit  dieselben  dem  Thier-Cabinete  angereiht  werden 
könnten. 

Zu  diesem  Behufe  wurden  die  beiden  Kammer-Wachsarbeiter 
Franz  Stell  und  Johann  Ja  ich,  welche  schon  Joseph  II.  nach 
Florenz  gesendet  hatte  um  sich  unter  der  Leitung  des  Abbe  Fontana 
bei  dem  berühmten  Mascagni  —  der  auch  die  anatomischen 
Wachs-Präpaiate  für  die  medieinisch-chirurgische  Josephs-Akademie 
angefertiget  hatte,  —  in  ihrer  Kunst  auszubilden,  beauftragt,  die 
verschiedenen,  in  den  Gewächshäusern  zu  Schönbrunn  befindlichen 
Salt-  nnd  Fettpflanzen  {^Plantae  succulentae)  —  so  oft  sich  eine 
derselben  im  Biüthenstande  befinde,  —  naturgetreu  in  farbigem 
Wachs  auszuführen;  weßhalb  auch  den  genannten  beiden  Künstlern 
ein  eigenes  Locale  im  Gartengebäude  des  Menagerie-Directors  und 
Hofgärtners   Franz  Boos  in  Schönbrunn  biezu  angewiesen  wurde. 

Gleichzeitig  begannen  dieselben  auch  auf  Befehl  des  Kaisers 
eine  Sammlung  der  verschiedenartigsten  Obstsorten  und  ihrer  Varie- 
täten, so  wie  der  mannigfaltigsten  eßbaren  Früchte  in  Wachs  für  das 
kaiserl.  Cabinet  auszuluhren. 

In  demselben  Jahre  w  urden  die  zu  jener  Zeit  berühmt  gewe- 
senen Roseinniiller'sehen  Präparate,  die  stufenweise  Entwickelung 


1034  Fitzinfrer. 

des  llulincs  im  Eie  darstellend,  in  24  Gläsern  in  Spiritus  aufgestellt, 
für  die  kaiserl.  Sammlung  angekauft,  so  wie  auch  einer  von  den  am 
2().  April  1803  zu  FAigle  in  Frankreich  gefallenen  Meteorsteinen. 

1803  fand  sich  der  Kaiser  auch  bewogen,  die  Verdienste, 
welche  sich  der  Directors-Adjunkt  des  vereinigten  kaiserl.  Naturalien- 
Cabinetes  Johann  Baptist  Megerle  —  der  schon  42  Jahre  an 
dieser  Anstalt  diente  —  erworben,  dadurch  zu  lohnen,  daß  er  ihm 
in  den  österreichischen  Adelsstand  mit  dem  Prädicate  von  Mühlfeld 
erhob. 

1804  am  9.  Jänner  wurde  Joseph  Natterer  der  Jüngere, 
welcher  seit  1801  unentgeltliche  Dienste  am  Thier-Cabinete  leistete, 
zum  Aufsehers-Adjuncten  dieses  Cabinetes  mit  einem  Jahresgehalte 
von  200  Gulden  ernannt. 

Die  mittlerweile  beendigte  Präparation  des  Balges  der  von 
Georg  Scholl  im  Jahre  1799  vom  Cap  gebrachten  10  Fuß  hohen 
Giraffe  durch  den  Präparator  Track  unter  der  Aufsicht  des  berühmten 
Statuars  Professor  Martin  Fischer,  welcher  später  1806  auch 
das  Skelet  derselben,  das  der  Kaiser  dem  Wiener  Universitäts-Mu- 
seum geschenkt,  zusammengesetzt  und  aufgestellt  hatte,  erforderte 
eine  bedeutende  Veränderung  in  einer  der  Räumlichkeiten  des  Cabi- 
netes, in  welcher  dieselbe  untergebracht  werden  sollte. 

Der  große  Saal  im  Erdgeschoße  zurrechten  Seite  des  Gebäudes 
mußte  beträchtlich  erhöht  werden,  was  nur  dadurch  zu  bewerk- 
stelligen war,  daß  das  über  demselben  gelegene  große  Zimmer  im 
Ilalbstocke,  wo  seither  die  Reptilien.  Insekten  und  Helminthen,  nebst 
einigen  in  Weingeist  aufbewahrten  Präparaten  aufgestellt  waren,  um 
mehrere  Fuß  gehoben  werden  mußte. 

Hierdurch  erlitt  die  frühere  Ausstattung  des  Saales  im  Erdge- 
schoße eine  wesentliche  Veränderung.  Die  Glaswände  mußten  hin- 
weggenommen, die  malerische  Ausschmückung,  so  wie  auch  die  plasti- 
sche gänzlich  beseitiget  werden;  und  dieß  war  der  Beginn  zu  einer 
durchgreifenden  allmähligen  Umgestaltung  der  bisherigen  Aufstel- 
lungsweise. 

Nachdem  diese  Arbeiten  noch  im  Jahre  1804  vollendet  worden 
waren,  wurden  die  Hauptwäiidc  des  großen  Saales  als  Grotte  decorirt 
und  nur  an  einer  Seitenwand  wurde  eine  Meereslandsehaft  ange- 
bracht. Die  Säugethiere,  welche  sich  früher  in  diesem  Saale  befanden, 
wurden  nebst  der  GiralVe  wieder  in  demselben  aufgestellt. 


Geschiciite  des  k.  k.  Hof-NatiiraliencaLinets  zu  Wien.  1035 

Das  höher  gelegte  große  Zimmer  im  Halbstocke  wurde  zur  Por- 
tierswohnung bestimmt,  welche  sich  früher  im  Halbstocke  zur  Linken 
befand  und  die  hierdurch  freigewordenen  Zimmer  zur  Aufstellung 
eines  Theilcs  der  Naturalien-Sammlung  verwendet,  indem  die  Samm- 
lung der  Insekten  und  Arachniden,  so  wie  die  vorhandenen  Conchy- 
lien  und  die  Bernstein-Sammlung  in  denselben  untergebracht  wurden. 

Dagegen  erheischte  die  Aufstellung  der  Reptilien,  Fische  und 
Würmer,  so  wie  der  mittlerweile  zu  Stande  gebrachten  Nachbil- 
dungen von  Saft-Pflanzen,  Obstsorten  und  Früchten  aus  Wachs,  und 
der  seither  acquirirten  Hölzer  und  anatomischen  Präparate  die  Räu- 
mung der  Gemächer  im  zweiten  Stockwerke  des  linken  Traktes  des 
Gebäudes,  welche  bis  dahin  als  Werkstätte  des  Mechanikers  der  phy- 
sikalischen Abtheilung  des  Cabinetes  und  zur  Aufbewahrung  von  Ma- 
terialien und  Geräthschaften  dieses  Cabinetes  benützt  waren.  Erstere 
musste  daher  aufgelassen  werden  und  letztere  wurden  in  einem  Ma- 
gazine des  Dachgeschosses  untergebracht. 

Für  die  hier  aufzustellenden  Sammlungen  v/urden  niedere,  ihrer 
ganzen  Höhe  nach  mit  Glasthüren  und  verglasten  Seitenwänden  ver- 
sehene Wandschränke  hergestellt,  in  denen  dieselben  in  folgender 
Weise  vertheilt  wurden. 

Im  ersten  kleinen  Zimmer,  das  nur  als  ein  Vorzimmer  betrachtet 
werden  konnte,  waren  die  Rosenmüll  er 'scheu  Präparate,  die  Ent- 
wickelung  des  Huhnes  im  Eie  darstellend,  in  24  Gläsern  in  Spiritus 
aufgestellt. 

Das  zweite  Zimmer  enthielt  einen  Theil  der  Sammlung  von 
Reptilien,  welche  theils  in  Glas-Pocalen  in  Alcohol  aufbewahrt,  theils 
ausgestopft  in  den  Wandschränken  auf  Querfächern  vertheilt  waren. 

Im  dritten  Zimmer  war  in  ähnlicher  Weise  die  Fortsetzung  der 
Sammlung  der  Reptilien,  so  wie  auch  die  kleine  Sammlung  von  Fischen 
und  menschlichen  Eingeweidewürmern  untergebracht. 

Das  vierte  Zimmer  endlich  enthielt  die  im  Jahre  1803  begonnene 
Sammlung  von  Saftpflanzen  aus  farbigem  Wachs,  wovon  schon  da- 
mals Repräsentanten  der  Gattungen  Cactus,  Stapelia,  Crinum,  Mag- 
noUa  und  Aloe  vorhanden  waren,  die  im  schönsten  Blüthenschmueke 
prangten. 

Jede  einzelne  Pflanze  befand  sich  in  einem  besonderen,  aus  Por- 
zellanerde geformten,  röthlichbraun  gefärbten  Blumentopfe,  der  auf 
einem  niederen,  gleichfalls   aus  Porzellanerde   hergestellten    Posta- 


1030  Kit/,  in- er. 

iiuMite  von  derselben  Farbe  ruhte,  auf  \v(;lchem  die  den  systematischen 
Namen  enthaltende  Etikette  angebracht  Avorden  war,  und  ähnlich 
wie  in  einem  Gewäcbsliause,  standen  die  einzelnen  Töpfe  reihen- 
weise auf  einem  Blumengestelle  in  den  an  den  Wänden  des  Zimmers 
angebrachten  Glasschränken. 

Ebenso  waren  auch  die  Obstsorten  und  Früchte  aus  Wachs,  so 
Avie  eine  Sammlung  nord-amerikanischer  Hölzer,  die  in  demselben 
•lahre  acquirirt  worden  war,  gleichfalls  in  einigen  Wandschränken 
auf  Querfächern  untergebracht. 

1804  sandte  der  Gärtner  Enzel,  welcher  sclion  1799  vom 
Kaiser  nach  Nord-Amerika  gesendet  worden  war,  um  lebende  Ptlanzen 
l'ür  seinen  Privat-Garten  in  der  Vorstadt  Landstrasse  und  Naturalien 
für  die  kaiserl.  Cabinete  zu  sammeln,  eine  niclit  unbedeutende  Menge 
von  Mineralien  und  zoologischen  Gegenständen,  unter  denen  sich 
über  200  Vogelbälge  befanden,  nebst  einer  Sammlung  von  Holzarten 
aus  den  vereinigten  Staaten  ein. 

Auch  Avurde  die  reiche  Sammlung  von  Insekten,  die  Leopold 
von  Fichtel  Avährend  seines  Aufenthaltes  in  Ost-Indien  zu  Stande 
brachte,  für  10.000  Gulden  angekauft. 

Um  der  Conchylien-Sammlung  eine  ansehnliche  Bereicherung 
zuzuführen,  kaui'te  der  Kaiser  die  berühmte  Sammlung  des  Nieder- 
länders de  Peche,  die  aus  der  höchst  bedeutenden  Sammlung  des 
Präsidenten  Bandeville  und  mehreren  anderen  Sammlungen  be- 
stand. Diese  vortrelTlich  erhaltene  Sammlung,  Avelche  durchaus 
prachtvolle  Exemplare  und  viele  Einzelnheiten  enthielt,  die  damals 
keine  andere  Sammlung  aufzuAveisen  hatte,  Avurde  vom  Kaiser  mit 
14.000  Gulden  bezahlt. 

In  demselben  Jahre  sandte  Graf  Lodron-Laterano,  kaiserl. 
österreichischer  Gesandter  zu  Stockholm,  eine  beträchtliche  Anzahl 
ausgestopfter  Vögel  von  der  schwedischen  Insel  St.  Bartheiemi  in 
Amerika,  einer  der  kleinen  Antillen,  für  die  kaiserl.  Sannnlung  ein. 

1805  Avurde  Ru  dol  pb  Graf  von  Wrbna  zum  Oberst-Käm- 
merer ernannt  und  ihm  in  dieser  Eigenschaft  auch  die  oberste  Aufsicht 
über  die  kaiserlichen  Naturalien-Sammlungen  übertragen. 

Über  Antrag  des  Directors  Stütz  wurde  die  von  Leopold 
Trat  tin  nick  herausgegebene  Sammlung  von  in  farbigem  Wachs 
dargestellten  eßbaren  und  schädlichen  Schwämmen  der  österreichi- 
schen Monarchie,  Avelche  von   den  beiden  Kammer-Wachs-Arbeilern 


fiescJiiclite  des  k.  k.  Hof-Niitiir;iliencaI)inets  zu  Wion.  1  ü .)  7 

Franz  Stoll  uiul  Julia  im  Jaich  höchst  naturgetreu  ausgeführt 
waren,  für  das  kaiserl.  Cabinet  angekauft,  ferners  nebst  einigen  Packen 
getrockneter  Pflanzen,  auch  eine  kleine  Holzsamnilung  und  die  be- 
kannte, von  Hinterlang  herausgegebene  forstbotanische  Sammlung. 

Um  während  des  zu  jener  Zeit  mit  Frankreich  ausgebrochenen 
Krieges  die  kaiserlichen  Sammlungen  für  den  Fall  einer  Icindlichen 
Besitznahme  der  Hauptstadt  vor  erhebliclieren  Schaden  zu  bewaliren, 
wurden  auf  Befehl  des  Kaisers  die  seltensten  und  kostbarsten  Mine- 
ralien, Conchylien,  Strahlthiere  und  Zoophyten  aus  derselben  ausge- 
schieden und  sorgfältigst  verpackt,  nebst  den  übrigen  Schätzen  und 
Kostbarkeiten  des  Hofes  und  des  Staates  nach  Ofen  in  Sicherheit 
gebracht. 

Die  Avenigen  Meteoriten,  welche  die  kaiserl.  Sammlung  bis  jetzt 
besaß,  erhielten  durch  ein  Fragment  eines  am  20.  November  1768 
zu  Mauerkirchen  in  Baiern  gefallenen  Meteorsteines,  welcher  von 
Professor  Cliladni  eingetauscht  wurde,  wieder  einen  Zuwachs. 

Im  Jahre  1805  erschien  auch  eine  vom  Custos-Gehilfen  Johann 
Georg  Megerle  von  Mühlfeld  herausgegebene  kleine,  aber  für 
den  Ökonomen  sehr  wichtige  Schrift  „Abhandlung  über  die  dem 
Getraide  und  Weinstocke  im  Erzherzogthume  Österreich  vorzüglich 
nachtheiligen  Tliiere'',  mit  einer  illuminirten  Kupfertafel,  zu  Wien 
in  8». 

Außer  den  bis  jetzt  hier  besonders  namhaft  gemachten  größeren 
Acquisitionen,  wurden  in  der  Periode  von  1792  bis  1806,  alljährlich 
mancherlei  Einkäufe  von  verschiedenen  Mineralien-Händlern  im  In- 
und  Auslande  gemacht;  so  von  Dussold,  Weiß,  Preschern  und 
Murawek  in  Wien,  von  Thal  aeker,  Barcigli,  Laune  y,  Mon- 
tageraud,  Nepperschmidt  und  anderen  im  Auslande. 

Auch  bei  den  vom  Mühlfeld'sclien  Auctions-Institute  für  Na- 
turalien abgehaltenen  Versteigerungen  wurden  fortwährend  Ankäufe 
gemacht  und  ebenso  wurde  auch  bei  der  öffentlichen  Versteigerung 
der  Naturalien-Sammlung  der  P.  P.  Minoriten  in  der  Alservorstadt, 
welche  außer  Mineralien  und  Petrefacten,  auch  Thiere  aus  verscliie- 
denen  Classen  und  vorzüglich  Concbylien  enthielt,  eine  nicht  un- 
beträchtliche Menge  natiirhistorischer  Gegenstände  für  die  kaiser- 
lichen Sammlungen  angekauft. 

Mit  dem  Jahre  1806  trat  für  die  kaiserl.  Naturalien-Samm- 
lungen eine  neue  Wendung  ein. 


1038  Fitzinger. 

Director  Stütz,  welcher  eifrigst  bestrebt  war  während  der  we- 
nigen.Tahre,  die  ihm  gegönnt  waren,  dem  vereinigten  Natnrah'en-, phy- 
sikalischen und  astronomischen  Cabinete  als  Leiter  vorzustehen, 
diese  Anstalt  nach  allen  seinen  Kräften  zu  heben  und  insbesondere 
dem  zoologischen  Theile  der  Sammlungen  eine  bis  dahin  entbehrte 
wissenschaftliche  Grundlage  zu  geben,  starb  unerwartet  schon  am 
11.  Februar  im  ö9.  Lebensjahre  zu  Wien. 

Sogleich  nach  dessen  Tode  beschloß  der  Kaiser,  die  Naturalien- 
Sammlungen  von  den  physikalisch-astronomischen  zu  trennen.  Erstere 
sollten  den  Namen  „Naturalien-Cabinet'S  letztere  die  Benennung 
„physikalisch-astronomisches  Cabinet"   erhalten. 

Um  die  Directors-Stelle  für  das  Naturalien-Cabinet  hatten  sich  drei 
achlungswerthe  Naturforscher  als  Bewerber  eingefunden.  Johann 
Paul  Carl  von  Moll  und  Leopold  von  Fichte),  welche  schon  bei 
der  neuen  Aufstellung  des  Naturalien-Cabinetes  unter  der  Regierung 
Leopold  II.  im  Jahre  1791  wesentliche  Dienste  leisteten  und  an 
derselben  regen  Antheil  nahmen,  und  Carl  Schreibers,  seither 
Assistent  bei  der  Lehrkanzel  der  speciellen  Naturgeschichte  an  der 
Wiener  Universität  und  supplirender  Professor,  welcher  von  dem 
damaligen  Oberst-Kämmerer  Rudolph  Grafen  von  Wrbna,  der 
ihn  schon  von  Jugend  an  kannte  und  ein  Gönner  seiner  Familie 
war,  hierzu  aufgefordert  wurde. 

Die  Wahl  des  Kaisers  fiel  auf  Schreibers,  da  derselbe  nicht 
nur  von  dem  Oberst-Kämmerer  für  diese  Stelle  in  Antrag  gebracht, 
sondern  auch  von  dem  Erzherzoge  Johann  Baptist  auf  das 
Wärmste  empfohlen  worden  war,  und  schon  im  März  erhielt  Schrei- 
bers seine  Ernennung  zum  Director  des  kaiserl.  Naturaliien-Cabinetes 
mit  einem  Jahresgehalte  von  1500  Gulden  und  dem  Genüsse  einer 
Naturalwohnung,  während  gleichzeitig  das  physikalisch-astronomische 
Cabinet  unter  die  Direction  des  bisherigen  Custos  desselben,  Abbe 
Chri  stoph  Sl  el  zhammer,  gestellt  wurde. 

Unmittelbar  nach  seiner  Ernennung  zum  Director  erhielt  Seh  rei- 
bers vom  Kaiser  den  Auftrag,  das  zoologische  Cabinet,  welches 
seither  blos  die  Schaulust  seiner  Besucher  befriedigen  konnte,  durch 
allmählig  vorzunehmende  Abänderungen  in  der  Aufstellimg  zweck- 
niälMger  und  belehrender  einzuriclilen  uuil  iiir  die  Vergrößerung 
1111(1  Erweiterung  dieser  Sammlung  nach  Maßgabe  der  Zeilverhält- 
nisse und  der  dargebotenen  Mille!  zu  sorgen. 


Gescliiclite  des  k.  k.  Hof-Naturaliencabinets  zu  Wien.  1039 

Gleichzeitig  wurde  er  vom  Kaiser  auch  aufgefordert,  einen 
Organisationsphm  zu  entwerfen  und  einen  Personal  -  Status  in 
Antrag  zu  bringen,  nach  welchem  die  verschiedenen  Sammlun- 
gen unter  Aufsicht  gestellt  und  wissenschaftlich  verwaltet  werden 
sollten. 

Die  Hauptaufgabe,  welche  sich  Schreibers  gestellt,  bestand 
darin,  die  kaiserl.  Sammlungen  möglichst  zu  bereichern  und  die 
nunmehr  seiner  Leitung  anvertraute  Anstalt  in  einerein  wissenschaft- 
liche, nach  dem  Vorbilde  des  Pariser  Museums  umzugestalten. 

Durch  die  Ausführung  dieses  Vorhabens,  das  Schreibers 
auch  mit  Beharrlichkeit  verfolgte,  begann  eine  für  das  Emporblühen 
dieses  Institutes  höchst  bedeutsame  Epoche. 

Die  erste  Vermehrung,  die  dem  zoologischen  Theile  des  kaiser- 
lichen Cabinetes  geworden,  bestand  in  einer  Sammlung  von  Arach- 
niden  in  Weingeist  und  einer  ungefähr  80  verschiedene  Arten  ent- 
haltenden Sammlung  thierischer  Eingeweidewürmer,  die  Schrei- 
bers nebst  einer  nicht  unbedeutenden  Anzahl  anatomischer  Präpa- 
rate, welche  er  noch  in  seiner  früheren  Stellung  als  Assistent  an  der 
V^iener  Universität  zu  Stande  gebracht  hatte,  dem  kaiserl.  Cabinete 
als  Geschenk  darbrachte. 

Bald  bot  sich  demselben  aber  eine  Gelegenheit  dar,  dem  kaiserl. 
Naturaüen-Cabinete  eine  sehr  bemerkenswerthe  und  wichtige  Acqui- 
sition  zuzuführen;  denn  kaum  hatte  er  Nachricht  von  dem  1806  er- 
folgten Tode  des  Ex-Jesuiten  Ignaz  Schiffermüller,  Titular- 
Canonicus  und  Director  des  nordischen  Stiftes  zu  Linz  erhalten,  als  er 
den  Ankauf  der  von  demselben  hinterlassenen  Sammlung  österreichi- 
scher Schmetterlinge  aus  der  Wiener  Gegend  beim  Kaiser  bewirkte. 

Diese  Sammlung,  welche  als  Beleg  zu  dem  classischen  Werke 
diente,  das  Schiffermüller  gemeinschaftlich  mit  Michael  De- 
nis, als  sie  noch  Professoren  an  der  Theresianischen  Akademie 
waren,  und  unter  Mithilfe  des  Herrn  Alois  von  und  zu  Goldegg 
und  Lindenburg,  eines  Zöglings  dieser  Anstalt,  anonym  unter 
dem  Titel:  „Systematisches  Verzeichniß  der  Schmelterlinge  der 
Wiener  Gegend"  zu  Wien  1776,  in  4.  herausgab,  ließ  Schrei- 
bers mittelst  besonderer  Tragbahren  von  Linz  nach  Wien  bringen, 
da  bei  der  damaligen  Eim'ichtung  der  zu  jener  Zeit  bestandenen 
Verkehrsmittel,  dieselbe  kaum  ohne  Schaden  zu  erleiden,  hätte  trans- 
portirt  werden  können. 


1040  Kitzinger. 

Dieselbe  war  streng  systematisch  geordnet,  mit  Etiketten,  von 
Schiffermüller's  eigener  Hand  geschrieben,  versehen  und  nach 
natürlichen  Gruppen  abgesondert,  in  kleinen  lilaugrau  grundirteu 
Kästchen  aufgestellt,  die  mit  einer  von  vergoldeten  Holzstähen  um- 
ralimten  Glasdecke  geschlossen  waren. 

Eine  nicht  minder  günstige  Gelegenheit  ereignete  sich  in  der- 
selben Zeit  durch  die  Versteigerung  des  berühmten  Lever'schen, 
nachmals  Parkinson'schen  Museums  zu  London,  das  eine  jjroße 
Menge  und  zum  Theile  höchst  seltene  Tliiere  enthielt. 

Eine  Vorstellung  des  Directors  Schreibers,  unterstützt  durch 
die  Fürsprache  des  damaligen  Oberst-Kämmerers  Rudolph  Gra- 
fen von  Wrbna,  unter  dessen  oberster  Leitung  die  kaiserlichen 
Cabinete  standen,  bewirkte  die  Genehmigung  des  Kaisers  zum  An- 
kaufe sämmtlicher,  demThier-Cabinete  fehlenden  Arten  nach  vorläufig 
von  Director  Schreibers  zu  bestimmenden  Ankaufspreisen,  und 
Leopold  von  Fichtel,  der  schon  seit  längerer  Zeit  mit  dem 
kaiserl.  Naturalien-Cabinete  in  innigem  Verbände  stand  und  auch  das 
Vertrauen  des  Kaisers  besaß,  wurde  —  da  er  eben  eine  Reise  nach 
England  beabsichtigt  hatte,  —  mit  dem  Auftrage  betraut,  dieses 
Geschäft  persönlich  vorzunehmen  und  zu  diesem  Behufe  mit  den 
nöthigen  Weisungen  versehen. 

Seinem  Eifer  gelang  es,  beinahe  alle  gewünschten  und  im  Auc- 
tions-Cataloge  bezeichneten  Arten  zu  erstehen,  wodurch  das  kaiserl. 
Naturalien-Cabinet,  wenn  auch  nicht  den  größten,  doch  den  wesent- 
lichsten Tlieil  dieses  großartigen  Museums  für  eine  Gesammtsumme 
von  ungefähr  18.000  Gulden  an  sich  brachte. 

Hierdurch  wurde  dasselbe  mit  82  Säugethieren,  204  Vögeln, 
()()  Reptilien  und  73 Fischen,  meist  aus  der  Süd-See,  nebst  noch  vie- 
len anderen  Naturalien  aus  verschiedenen  Thierclassen  bereichert, 
von^denen  die  Mehrzahl  nicht  nur  in  äußerst  seltenen  Arten,  sondern 
dem  größten  Theile  nach  auch  in  zu  jener  Zeit  noch  einzigen  Exem- 
plaren bestand. 

Diese  Reise  Leopold  von  Fichtel's  gab  auch  Veranlassung 
zur  (Gründung  einer  ethnographischen  Sammlung  2). 

Auch  wurde  eine  beträchtliche  Sammlung  von  Insekten  und 
anderen  Thieren  angekauft,  welche  Leopold  von  Fichtel  auf 
seinen  Reisen  in  England,  Frankreich,  Portugal  und  Spanien  theils 
selbst  gesammelt,  tlicils    (Uu-cli    Kauf  erworben    hatte  und  dadurch 


Cescliic'litc  «It's  k.  k.  ll()r-.Niitiii;ilii'iiCi(liiiiets  /.u  Wien.  1041 

dem    kaiserl.    Cabinete   eine    Vermelirung   von  08  Säugetbieren  und 
320  Vögeln  zugefübrt. 

Jobann  Natterer,  der  jüngere  Sobn  des  Aufscbers  amTbier- 
Cabinete  Josepb  Xatterer,  welcber  von  fniber  Jugend  an  zum 
Naturforscber  erzogen  und  sebon  zu  jener  Zeit  ein  geübter  Jäger 
und  tücbtiger  Präparator  war,  da  er  sieb  an  der  Seite  seines  Vaters 
hierzu  heranzubilden  reichliche  Gelegenheit  gefunden,  unternahm  auf 
Veranlassung  des  Directors  Schreibers  1806  seinen  ersten  wei- 
teren Ausflug  an  den  Neusiedler-  und  Platten-See  in  Ungarn,  durch 
welchen  die  kaiserl.  Sammlung  eine  nicht  unbedeutende  Bereicherung, 
vorzüglich  aber  an  Sumpf-  und  Wasservögeln  erhielt. 

Bald  nach  seiner  Rückkehr  begab  er  sich  abermals  nach  Un- 
garn, besuchte  einen  Theil  von  Croatien  und  kehrte  auch  von  dort 
mit  einer  reichen  Ausbeute  an  Vögeln  und  Insekten  zurück. 

Der  Zuwachs,  welchen  die  ornithologische  Abtheilung  des  kaiserl. 
Cabinetes  durch  diese  beiden  Reisen  Johann  Natterer's  erhielt, 
bestand  in  90  VogelbUlgen. 

Dem  kaiserlichen  Auftrage,  einen  neuen  Organisationsplan  und 
einen  Personal-Status  für  die  naturhistorisehen  Cabinete  zu  entwerfen, 
kam  Director  Schreibers  noch  in  demselben  Jahre  nach.  Bezüg- 
lich des  ersteren  hatte  er  sich  die  Einrichtungen  am  Pariser  Museum 
zum  Vorbilde  genommen,  w^ornach  jedes  einzelne  Fach  durch  eine 
hierzu  geeignete  Persönlichkeit  wissenschaftlich  verwaltet  werden 
sollte. 

Zugleich  erbat  er  sich  vom  Kaiser  die  Bewilligung  zur  Herstel- 
lung eines  Zubaues,  da  durch  die  vielen  Zuwächse,  w^elche  der  zoolo- 
gische Theil  des  kaiserl.  Xaturalien-Cabinetes  seither  erhalten  hatte, 
die  vorhandenen  Räumlichkeiten  desselben  bereits  unzureichend  er- 
schienen, die  neuerworbenen  Gegenstände  aufzunehmen. 

Nach  dem  von  Schreibers  hierzu  entworfenen  Plane,  sollte 
dieser  Zubau  im  großen  Hofraume  des  HofbiJ)liothek-Gebäudes  an 
der  Rückseite  der  Augustiner  Kirche  ausgeführt  werden,  drei  Stock- 
werke umfassen  und  über  denselben  mit  einer  Terrasse,  statt  eines 
Daches  versehen  werden. 

Mittlerweile  erhielt  der  Aufseher  im  Thier-Cabinete  Joseph 
Natterer  über  Antrag  des  Directors  Schreibers  den  Titel  eines 
ersten  Aufsehers  und  eine  Personalzulage  von  200  Gulden,  und  wurde 
unterm    26.   September   der  .Aufsehers-Adjunct    im  Thier-Cabinete 


1042  Fit/,  in -er. 

J  0  s  e  p  h  N  a  1 1  e  r  e  1"  (1  e  r  J  ü  n  g e  r  e,  zum  zweiten  Aufseher  mit  einem 
Gehalte  von  600  Gulden  ernannt. 

Johann  Georg  Meg  er  le  von  Mühl  feld,  welcher  seit  1802 
lici  der  entomologischen  Ahtheilung  des  Naturalien-Cabinetes  als 
(ieliilfe  unentgeltlich  Dienste  leistete,  trat  aus  dem  Verbände  dieser 
Anstalt  und  an  seine  Stelle  kam  im  Wege  des  Tausches  Franz 
Anton  Ziegler,  Officier  beim  k.  k.  General- Hot'tax-  und  Expedits- 
Amte,  welcher  sich  schon  damals  einen  Namen  in  der  Wissenschaft 
erworben  hatte,  und  wurde  durch  ein,  seinen  bisher  genossenen  Be- 
zügen gleichkommendes  Taggeld  für  seine  Dienstleistung  bei  der 
ontomolügischen  Abtheilung  entschädigt. 

1806  fand  auch  die  Wiederaufstellung  der  im  Jahre  1805  nach 
Ofen  in  Sicherheit  gebrachten  Naturalien  Statt  und  begann  die  neue 
Einrichtung  des  Thier-Cabinetes  durch  Director  Schreibers  und 
die  beiden  Aufseher  Joseph  Natterer  den  Älteren  und  Jün- 
geren, nach  wissenschaftlichen  Principien. 

Dieselbe  heschränkte  sich  jedoch  nur  auf  eine  wissenschaft- 
liche Determinirung  und  provisorische  Etikettirung  der  hier  aufge- 
stellten Arten  und  wurde  nur  allmählig  vorgenommen,  so  daß  der  Be- 
such des  Publicums  nicht  dadurch  gestört  wurde.  Der  Eintritt  war 
jeden  Mittwoch  gegen  die  bisher  bestandenen  Elinlaßkarten  gestattet, 
welche  immer  einen  Tag  früher  ausgegeben  wurden. 

Die  erste  Veränderung,  welche  Schreiber  sin  diesem  Cabinete 
vorgenommen  hatte,  bestand  darin,  daß  er  die  seither  in  demselben 
aufgestellt  gewesenen  drei  Repräsentanten  des  Menschengeschlech- 
tes, nämlich  die  beiden  Neger  und  einen  Mulaten,  entfernte,  und  in 
einem  Magazine  unterhalb  des  Dachbodens  aufbewahren  ließ, 

1806  erhöhte  auch  der  Kaiser  die  seither  zu  kleineren  Ankäufen 
von  Mineralien,  sowie  zur  Bestreitung  der  gewöhnlichen  Ausgaben 
des  Miueralien-Cabinetes  bewilligt  gewesene  Summe  jährlicher  800 
(iuldcii  ;uif  4000  Gulden,  wodurch  es  möglich  geworden  ist,  diese 
SüMiiidungsabtheilung  schon  in  kurzer  Zeit  nicht  nur  sehr  beträcht- 
lich 7.U  vermehren,  sondern  auch  die  in  derselben  bestandenen  Lücken 
auszufüllen. 

Von  hoher  Wichtigkeit  für  den  Avissenschaftlichen  Betrieb  der 
Naturgeschichte  am  kaiserl.  Natin-alien-Cabinete  war  der  von  Schrei- 
bers zu  gleicher  Zeil  gefaßte  Beschluß,  die  bis  dahin  so  unvollstän- 
dig i;ewcscnc  Bililiüllick  UMNerzüi-licli  zu  ergänzen  und  mit  allen  ihm 


(Jescliielite  des  k.  k.  Hi)f-i\atuialioiK'abin<'ts  tu  Wien.  1  043 

ZU  Gebote  gestandenen  Mitteln  auf  eine  Stufe  zu  erheben,  welche  den 
Anforderungen  der  Wissenschaft  ent.sjtrechen  konnte.  Es  sollten 
nicht  nur  die  Hauptwerke  aus  jedem  einzelnen  Fache,  sänimtliche 
Systeme  und  Handbücher,  sowie  die  vorzüglichsten  Heisebeschrei- 
bungen älterer  und  neuerer  Zeit  für  dieselbe  angekauft  werden,  son- 
dern auch  die  allermeisten  auf  die  Naturgeschichte  und  die  ihr  zu- 
nächst verwandten  Wissenschaften  Bezug  nehmenden  in-  und  aus- 
ländischen Journale ,  periodischen  Werke  und  Gesellschafts- 
schriften. 

Zur  raschen  Erreichung  dieses  angestrebten  Zieles,  das  er  un- 
verrückt verfolgte,  bestimmte  er  statt  des  bisher  unter  seinen  Vor- 
gängern für  diese  Bibliothek  verwendeten  Betrages  von  jährlichen 
800 — 1000  Gulden,  alljährlich  durchschnittlich  eine  Summe  von 
2000  Gulden. 

Die  Besorgung  der  Dienstgeschäfte  bei  derselben  übertrug  er  dem 
zweiten  Aufseher  am  Thier-Cabinete  Joseph  Natter  er,  während 
er  die  Oberaufsicht  und  Verwaltung  sich  selbst  vorbehalten  hatte. 

Eben  so  wurde  im  Mineralien-Cabinete  eine  Handbibliothek 
mineralogischer ,  geognostischer  und  paläontologischer  Werke 
angelegt  und  wurden  für  dieses  Cabinet  die  zur  Untersuchung 
und  Bestimmung  der  Mineralien  nöthigsten  physikalischen  Appa- 
rate, und  darunter  auch  eine  vortreiTliche  hydrostatische  Wage 
von  Kühn  angekauft. 

Schreibers  hatte  auch  die  Absicht,  in  dieser  Abtheilung  ein 
chemisches  Laboratorium  herzustellen  und  dasselbe  mit  allen  erfor- 
derlichen Bequisiten  zur  Vornahme  von  Analysen  auszustatten. 

In  demselben  Jahre  sah  sich  Custos  Johann  Carl  Megerle 
von  Mühlfeld  veranlaßt,  das  von  ihm  1798  gegründete  Auctions- 
Institut  lÜr  Naturalien  wieder  aufzugeben. 

1807  wurde  mit  der  Herstellung  des  kurz  vorher  vom  Kaiser 
bewilligten  Zubaues  begonnen. 

Auch  fand  der  von  Director  Schreibers  in  Antrag  gebrachte 
Personal-Status,  nach  welchem  die  Zahl  der  Custoden  des  kaiserl. 
Naturalien-Cabinetes  auf  vier  hätte  erhöht  und  zur  Erzielung  einer 
Pflanzschule  ebenso  viele  Practicanten  mit  Stipendien  für  die  einzel- 
nen Fächer,  doch  letztere  nur  immer  auf  die  Dauer  von  drei  Jahren 
hätten  angestellt  werden  sollen,  eine  jedoch  nur  theilweise  Genehmi- 
gung, indem  außer  dem  schon  vorhanden   gewesenen    Custos  im  Mi- 


I  044  F  i  tz  i  n  <;  p  r. 

neralien-Cabinete,  nur  noch  ein  Cnstos  im  Tliier-Cahinete  bewilliget 
wurde,  welche  Stelle  dem  seit  1806  gegen  ein  Taggeld  hei  der 
fiitoniülogischen  AhtlieiliiMg  verwendet  gewesenen  Franz  Anton 
Ziegler  mit  einem  Gehalte  von  1000  Gulden  verliehen  worden  war. 

Dagegen  wurden  die  beiden  Kammer- Wachsarheiter  Franz 
8 toll  und  Johann  Jaich,  welche  vorzugsweise  mit  der  Herstel- 
lung der  Nachbildungen  der  Saftptlanzen  und  Obstsorten  aus  Wachs 
bescliärtiget  waren,  dem  kaiserl.  Naturalien-Cabinete  zur  Dienstlei- 
stung zugewiesen. 

Dr.  Joliann  Gottfried  Bremser,  welcher  schon  seit  179t) 
praktischer  Arzt  in  Wien  und  ein  persönlicher  Freund  des  Directors 
Schreibers  war,  erhielt  von  demselben  die  Aufforderung,  sich  dem 
Studium  der  Eingeweidewürmer  zuzuwenden  und  zu  diesem  Bebute 
am  kaiserl.  Naturalien-Cabinete  in  unentgeltliche  Dienste  zu  treten, 
welcher  Aufforderung  Bremser  auch  unverzüglich  nachkam. 

Von  dieser  Zeit  an  begann  Schreibers  ein  besonderes  Augen- 
merk auf  die  Einsammlung  thierischer  Eingeweidewürmer  zu  richten 
und  dieselbe  gemeinschaftlich  mit  Dr.  B  remser,  den  er  soeben  hierzu 
gewonnen  hatte,  und  mit  dem  zweiten  Aufseher  am  Thier-Cabinete 
Joseph   Natterer   dem  Jüngeren,   planmäßig  zu  betreiben. 

Seinem  Plane  zu  Folge  sollte  von  sämmtlichen  inländischen 
Säugethieren,  Vögeln,  Beptilien  und  Fischen,  nach  Maaßgabe  ihrer 
Seltenheit,  eine  bestimmte  Anzahl  von  Individuen  anatomirt  und  auf 
Eingeweidewürmer  untersucht,  und  dieses  Verfaiiren  durch  fünf 
Jahre  mit  gleichem  Eifer  fortgesetzt  werden,  nach  welchem  Zeit- 
räume wohl  J)0 — 60.000  Individuen  bezüglich  der  in  ihnen  vorkom- 
menden Helminthen  hätten  untersucht  worden  sein  können. 

Unverzüglich  >vurde  zur  AusCülirung  geschritten  und  schon  in 
kurzer  Zeit  eine  nicht  unansehnliciie  Sammlung  zu  Stande  gebracht. 

Aber  auch  die  Sammlung  der  Meteoriten  gewann  wieder  einen 
neuen  Zuwachs,  indem  dieselbe  mit  einem  Stücke  des  Meteoreisens 
von  Tucuman  in  der  argentinischen  Bepublik  in  Süd-Amerika,  das  von 
Leopold  von  Fichtel  angekauft  wurde,  und  mit  einem  Bruch- 
stücke eines  der  am  13.  December  1798  zu  Benares  in  Ost-Indien 
gefallenen  Meteorsteine,  das  Lord  Greville  dem  kaiserl.  Cabinete 
zum  Geschenke  machte,  bereichert  wurde. 

Der  Kaiser  selbst  legte  1807  den  Grund  zu  einer  botani- 
seliiMi  Sammlung   an    dem   von   ihm    iii's  Leben  gerufenen  Cabinete, 


fieseliiclil.'  (Ir>  k.  k.  ll.ir-.Naturaliciicaliiiicls  /.ii  Wien.  104a 

da  er  demselben  sein  reiches  Privat-Herbarium  schenkte,  das  nebst 
den  von  den  beiden  Gärtnern  Georg  Seholl  am  Cap  und  Enzel 
in  Nord-Amerika  eingesainnielteii  Pflanzen,  noch  eine  Sammlung  der 
seltensten  exotischen  Gewächse  enthielt,  die  im  Laufe  der  Jahre  in 
den  Gewächshäusern  des  botanischen  Gartens  zu  Schönbrunn  culti- 
virt  worden  waren. 

Ebenso  wurde  diesem  Cabinete  eine  sehr  bedeutende  Sammlung 
getrockneter  ostindischer  Pflanzen  nebst  vielen  Samen  von  Lord 
Valentia  zum  Geschenke  dargebracht. 

In  demselben  Jahre  dehnte  Director  Schreibers  die  Herstel- 
lung von  Wachspräparaten  auch  auf  die  mannigfaltigen  Varietäten 
der  Kartoffel  und  auf  die  verschiedenen  Arten  der  in  Österreich  vor- 
kommenden Reptilien  aus,  die  nach  lebenden  Originalen  theils  von 
Franz  Stell,  theils  von  Johann  Ja  ich  angefertiget  wurden  und 
ließ  durch  den  letzteren  eine  größere  Anzahl  von  Nachbildungen 
eines  der  größten  Exemplare  des  dickleibigen  Olm's  (Hypochtlion 
Zoisii)  aus  der  Rupnizaquelle  bei  Rupa  in  Krain  herstellen,  die  an 
die  meisten  europäischen  Museen  vertheilt  wurden. 

Überhaupt  wurde  von  dieser  Zeit  an  die  Anfertigung  von  Saft- 
pflanzen, Obstsorten  und  Früchten  regelmäßig  und  eifrig  betrieben. 

1807  endlich  gab  Johann  Georg  Megerle  von  Mühl  fei  d, 
welcher  früher  bei  der  entomologischen  Abtheilung  des  kaiserl. 
Naturalien-Cabinetes  unentgeltlich  Dienste  geleistet  hatte,  das  von 
dem  verstorbenen  Director  dieses  Cabinetes  Abbe  Andreas  Stütz 
im  Manuscripte  zurückgelassene  Werk  „Mineralogisches  Taschen- 
buch" zu  Wien  und  Triest  in  12.  heraus,  welches  mancherlei  ge- 
schichtliche, wenn  auch  bisweilen  durch  Druckfehler  entstellte  Noti- 
zen, über  diese  Anstalt  enthält. 

Als  der  Kaiser  im  Jahre  1808  Kunde  von  dem  am  23.  Mai  jenes 
Jahres  nächst  Stannern  in  Mähren  stattgefundenen  Meteorsteinfaile 
erhielt,  beschloß  er,  dieses  merkwürdige  Ereigniß  allsogleich  durch 
eine  besondere  wissenschaftliche  Commission  ämtlich  erheben  und 
die  Thatsache  sicher  stellen  zu  lassen. 

Unverzüglich  wurde  Director  Schreibers  und  Alois  Beck 
von  Widmannstätten,  Director  des  k.  k.  Fabriks-Producten- 
Cabinetes  —  eine  als  Physiker  hochgeachtete  Persönlichkeit,  —  be- 
auftragt, sich  allsogleich  an  Ort  und  Stelle  zu  begeben,  das  Factum 
genau   und  in   wissenschaftlicher   Beziehung  zu    untersuchen,   eine 

Sitzb.  d.  matheni.-natiirw.  Cl.  LVli.  Bd.  I.  Al.th.  67 


1()4()  Kit/,  in  ^r,..-. 

möfjflichst  große  Anzalil  der  gelalleiien  Steine  für  das  kaiserl.  Natiira- 
Hcii-Cabinet  zu  erwerben  und  umständlichen  Bericht  über  die  geptlo- 
genen  Erhebungen  zu  erstatten. 

Die  beiden  Comniissäre  kelirten  mit  einer  großen  Anzahl  tlieils 
ganzer  Steine,  theils  höchst  charakteristisclier  Bruchstücke  dieses 
Meteoriten  zurück,  von  denen  27  für  die  kaiserl.  Sammlung  ausge- 
wählt wurden. 

Der  umfassende  Bericht,  den  Sclireibers  über  dieses  seltene 
Ereigniß  erstattete  und  welcher  noch  im  Jahre  1808  im  29.  Bande 
von  Gilbert's  „Annalen  der  Physik"  veröffentlicht  wurde,  enthält 
die  genauesten  Erhebungen  über  dieses  Phänomen  und  die  wichtig- 
sten Aufschlüsse  in  wissenschaftlicher  Beziehung. 

Durch  denselben  wurde  der  so  lange  Zeit  hindurch  bestrittene 
meteorische  Ursprung  ähnlicher  aufgefundenen  Stein-  und  Metall- 
massen über  jeden  Zweifel  erhoben  und  die  Aufmerksamkeit  der 
Naturforscher  ganz  besonders  auf  diesen  Gegenstand  gelenkt. 

Überhaupt  führte  dieses  Ereigniß  zu  vielen  neuen  wissenschaft- 
lichen Untersuchungen  und  Resultaten,  und  trug  jener  Bericht  nicht 
wenig  zu  einer  richtigen  Beobachtung  solcher  Phänomene  bei. 

Ebenso  gab  dasselbe  aber  auch  Veranlassung  zur  Anlegung  einer 
eigenen  Sammlung  dieser  seltenen  Naturproducte  im  kaiserl.  Naturalien- 
Cabinete,  welche  auf  ovalen  und  von  einem  Goldrande  umgebenen  Posta- 
menten aus  weiß  angestrichenem  Holze,  in  einem  besondern  Pultschranke 
im  ersten  Saale  des  Mineralien-Cabinetes  aufgestellt  worden  war. 

Seit  jener  Zeit  wendete  Director  Schreibers  seine  Aufmerk- 
samkeit vorzugsweise  diesem  Gegenstande  zu  und  betrieb  die  Ver- 
mehrung der  neu  angelegten  Sammlung  mit  besonderer  Sorgfalt  und 
Pflege. 

Noch  in  demselben, lahre  wurde  diese  Sammlung  auch  mit  einem 
Bruchstücke  eines  am  3.  September  18(>8  bei  Lissa  in  Bölinien  ge- 
fallenen Meteorsteines  bereichert,  welches  vom  königl.  böhmischen 
Guliernium  dem  kaiserl.  Cabinete  eingesendet  wurde. 

tSliS  schenkte  der  n.  ö.  Landscbafts-Phytograph  Leopold 
Trattinnick,  ein  sehr  geachteter  Botaniker,  sein  reichhaltiges,  gegen 
12.000  Arten  und  nahe  an  200.000  Exemplare  umfassendes  Herba- 
rium aus  allen  Theilen  des  Erdballs,  an  welchem  er  viele  Jahre  hin- 
durch gcsaniiiit'lt  halte,  dem  kaiserl.  Cabinete  und  mit  demselben  zu- 
gleich auch  die  Herbarien  der  rühmlichst  bekannten  Botaniker  Ehr- 


Gesell ii'hti-  «livs  k.  k.  Ilor-Natiiriilicni-Hl.iiu'ls  zu  Wii-ii.  1047 

bar  dt  und  Hoppe,  sowie  die  beiden  Specialtloreii  der  Wetterau, 
welcbe  875  Pflanzenarleii  enthielt  und  jene  der  Schweiz  des  Botani- 
kers Schleicher,  welclic  3272  Arten  umfaßte. 

In  Folge  dieses  werthvollen  Geschenkes  und  in  Anerkennung 
der  Verdienste,  welche  sich  Leopold  Trattinnick  auch  in  der 
Wissenschaft  erworben,  ernannte  der  Kaiser  denselben  zum  zweiten 
Custos  am  kaiserl.  Naturalien-Cabinete  oder  ersten  Custos  am  Thier- 
Cabinete  mit  einem  Jahresgehalte  von  1200  Gulden,  da  er  ihm  den 
Rang  vor  dem  im  Jahre  1807  zum  Custos  an  diesem  Cabinete  ernann- 
ten Franz  Anton  Ziegler  zu  verleihen  sich  bestimmt  fand. 

Durch  diese  Ernennung  erlangte  der  von  Director  Schreibers 
schon  im  Jahre  1806  in  Antrag  gebrachte  Status  wieder  eine  theil- 
weise  Verwirklichung,  sowie  durch  die  bewilligte  Vermehrung  der 
Dienerschaft  mit  zwei  Hausknechten  statt  der  im  Statusantrage  des 
Directors  beanspruchten  Zahl  von  vier. 

In  demselben  Jahre  begann  Johan  n  Natter  er,  der  jüngere 
Sohn  des  ersten  Aufsehers  im  Thier-Cabinete  Joseph  Natter  er 
des  Alteren,  seine  freiwillige  unentgeltliche  Dienstleistung  am 
Thier-Cabinete  und  trat  eine  Reise  nach  Steiermark  und  dem  Küsten- 
lande an,  um  für  dieses  Cabinet  zu  sammeln. 

Nach  seiner  Rückkehr  überließ  er  seine  auf  dieser  Reise  ge- 
machte Ausbeute  dem  kaiserl.  Cabinete  und  betheiligte  sich  mit 
großem  Eifer  an  der  von  Director  Schreibers  gemeinschaftlich 
mit  Dr.  Bremser  und  Joseph  Natterer  dem  Jüngeren,  be- 
triebenen Anatomie  von  Thieren  und  Aufsuchung  von  Eingeweide- 
würmern in  denselben. 

Im  Herbste  wurde  Dr.  Johann  Gottfried  Bremser  nach 
18  monatlicher  unentgeltlicher  Dienstleistung  zum  Stipendisten  am 
Thier-Cabinete  mit  einem  Jahresstipeiidium  von  300  Gulden  für  die 
Zeit  von  drei  Jahren  ernannt,  und  unterm  19.  November  1808  der 
vom  ersten  Aufseher  im  Thier-Cabinete  Joseph  Natter  er  dein 
Alteren  seither  bezogene  Quiescentengehalt  von  öt>2  Gulden  in 
einen  Activgehalt  umgewandelt  und  auf  600  Gulden  erhöht,  wobei 
demselben  auch  die  ihm  im  Jahre  1806  verliehene  Personalzulage 
von  200  Gulden  belassen  wurde. 

1808  wurden  auch  viele  und  zumTheile  sehr  bedeutende  Acqui- 

sitionen  für  die  verschiedenen  Abtheilungen  der  kaiserl.  Sammlungen 

gemacht. 

67' 


104<S  Fi  t/.  in«  er. 

Eine  der  umfangreichsten  war  wohl  die  großartige  Sanimhuig 
von  Naturalien,  welche  Graf  von  Savorgnan  dem  kaiseri.  Cabinete 
als  Geschenk  darbrachte  und  die  in  der  reichen  Ausbeute  bestand, 
welche  der  ebenso  thätige,  als  vortrefTliche  Sammler  und  Präparator 
Filippo  Agnello,  der  leider  ein  OpI'er  seines  Enthusiasmus  gewor- 
den, auf  seinen  zwischen  den  Jahren  1803 — 1806  auf  Kosten  des 
Grafen  von  Savorgnan  unternommenen  Reisen  in  Ägypten  und 
Arabien  zu  Stande  gebracht  hatte  »). 

Dieselbe  bestand  in  19  Säugethieren,  244  Vögeln,  einer  sehr 
großen  Anzahl  von  Reptilien,  unter  denen  sich  auch  mehrere  große 
Krokodile  befanden,  und  einer  überaus  großen  Menge  von  vortrefflich 
präparirten  Fischen  und  zwar  meist  in  großen  Exemplaren,  welche 
theils  im  adriatischen  und  mittelländischen,  theils  im  rothen  Meere 
und  im  Nil  gesammelt  wurden;  ferners  in  Insekten,  Arachniden  und 
Crustaceen,  in  Zoophyten,  vielen  getrockneten  Ptlanzen,  Früchten 
und  Samen,  und  mancherlei  Mineralien. 

Agnello  brachte  auch  eine  nicht  unbedeutende  Anzahl  von 
Antiken,  Münzen  und  allerlei  Geräthschaften  zusammen,  die  den 
kaiseri.  Sammlungen  eingereiht  wurden. 

Sehr  beachtenswerth  sind  auch  die  Erwerbungen,  welche  für 
die  entomologische  Abtheilung  des  Thier-Cabinetes  im  Jahre  1808 
gemacht  wurden,  denn  durch  den  Ankauf  der  durch  das  classische 
Werk  von  Fabricius  „Entomologia  emendata"  berühmt  gewordenen 
Sammlung  europäischer  Insekten  aus  allen  Ordnungen,  mit  Ausnahme 
der  Schmetterlinge,  des  Custos  des  kaiseri.  Naturalien-Cabinetes 
Johann  Carl  Megerle  von  Mühlfeld,  und  der  überaus  reichen 
Sammlung  europäischer  Schmetterlinge  des  Herrn  Gundian,  ge- 
wann dieselbe  eine  höchst  ansehnliche  Erweiterung. 

Endlich  erhielt  das  kaiseri.  Cabinet  in  jenem  Jahre  no<?h  von 
F rater  Narciß,  Ober-Krankenwärlcr  der  barmherzigen  Rrüder  in 
der  Leopoldstadt  zu  Wien,  einen  im  dortigen  Krankenhause  verstor- 
benen 38jährigen  Neger  Namens  Joseph  Hammerzum  Geschenke, 
der  als  Gärtnergehilfe  zu  Wien  im  Dienste  gestanden  hatte  und  die 
Zahl  der  Repräsentanten  des  Menschengeschlechtes  an  diesem  Cabi- 
nete zu  vervollständigen  bestimmt  war. 

Die  Haut  desselben  war  vom  Rildhauer  Wimm er  über  Holz 
gcsparinl  und  eine  der  vollendetsten  Leistungen  in  dieser  Art.  Dieser 
schöne  Neger,  rein  aethiopischer  Race,  \\ar  als  stehende  Figur  dar- 


rioscliiclile  des  k.   k.  Ili(f-Na(iii;ilieiical)iiiels  /.n  Wien.  1  040 

gestellt,  mit  zurückgesetztem  linken  Fuße,  emporgehobener  rechten 
Hand  und  nach  rechts  gewendetem  Kopfe,  welche  einen  aus  rothen 
und  blauen  Straußfedern  zusammengesetzten  Gürtel  um  die  Lenden, 
eine  Schnur  großer  weißer  Glasperlen  um  den  Hals,  und  eben  solche 
Fuß-  und  Armbänder  trug,  und  in  einem  geschmackvollen,  an  der 
Außenseite  mattgrün,  an  der  Innenseite  hochroth  angestrichenen 
Schranke  von  höchst  zierlicher  Arbeit  eingeschlossen,  dessen  an  allen 
vier  Seiten  angebrachte  und  mit  gekreuzten  Holzstäben  vergitterte 
Glasthüren  von  rechts  und  links  zu  öftnen  waren,  so  daß  man  die 
Figur  völlig  frei,  von  allen  Seiten  betrachten  konnte.  Im  Innerendes 
Schrankes  war  an  einer  der  Seitenthüren  eine  von  einem  vergoldeten 
Rahmen  umschlossene  ovale  Tafel  aufgehangen,  welche  unter  Glas 
eine  Widmungsurkunde  barg,  die  nebst  den  Namen  des  Gebers  und 
des  Künstlers,  welcher  diese  Figur  hergestellt,  auch  die  Angabe  des 
Alters  und  des  Standes,  sowie  den  Namen  des  Negers  enthielt. 

Ein  so  schönes  Bild  diese  Figur  auch  darbot,  so  konnte  sich 
Director  Schreibers  dennoch  nicht  entschließen,  dieselbe  im 
kaiserl.  Cabinete  öffentlich  zur  Schau  zu  stellen,  und  wies  ihr  daher 
einen  Platz  in  demselben  Magazine  unterhalb  der  Giebeln  des  Dach- 
geschosses an,  welches  auch  die  drei  übrigen  ausgestopften  Men- 
schen barg. 

Einen  Zettel  mit  der  Aufschrift  ,,Quid  Flora  una  dedit,  rapuil 
Venus  altera  manu"  hatte  Schreibers  beigefügt. 

1808  gewann  auch  die  am  kaiserl.  Cabinete  bestandene  Mena- 
gerie eine  Erweiterung  ihrer  Bestimmung,  indem  in  dieselbe  auch 
Säugethiere  und  Reptilien  aufgei»ommen  werden  sollten,  deren  Pflege 
den  Beamten  und  Besorgern  der  einzelnen  Sammlungsabtheilungen 
übertragen  und  denen  zugleich  zur  Pflicht  gemacht  wurde,  Beobach- 
tungen über  deren  Lebensweise  anzustellen,  woran  sich  auch  Direc- 
tor Schreibers,  der  die  Oberaufsicht  über  diese  Menagerie  führte, 
lebhaft  betheiligte. 

In  der  Zeit  von  1806  bis  1809  wurden  außer  den  besonders  hier 
angeführten  wichtigeren  Erwerbungen,  den  verschiedenen  Samm- 
lungsabtheilungen des  kaiserl.  Naturalien-Cabinetes  vielfache  theils 
größere,  theils  kleinere  Acquisitionen  zugeführt. 

Inbesondere  aber  wurden  für  die  mineralogische  Abtheilung 
zahlreiche  Ankäufe  von  Händlern  und  einzelnen  Privatpersonen  ge- 
macht und  darunter  manche  zu  sehr  namhaften  Summen ,    welche 


1050  i.-if/.i  ..,...■. 

niclit  ans  der  l'iii'  das  Miiieralieii-Cahiiiet  bestininiten  Jahres-Dotation 
bestritten,  sondern  für  welche  außerordentliche  Geldanweisungen 
vom  Kaiser  bewilliget  wurden,  die  in  dieser  dreijährigen  Periode 
nahe  an  14.000  Gulden  in  Anspruch  nahmen. 

Ilierhergehören  die  Ankäufe  von  den  Mineralien-Händlern  Moor, 
D  u  s  s  0 1  d ,  S  c  h  e  i  d  h  a  u  e  r ,  P  r  e  s  c  li  e  r  n  ,  M  u  r  a  w  e  k ,  Z  a  b  e  r- 
schnigg,  Kollmann  und  Unterholz  er  zu  Wien,  Augustin 
und  Gebhard  zu  Innsbruck  und  Weiß  zu  St.  Petersburg,  sowie 
auch  von  den  Herren  Apotheker  Schar  i  nger  und  Leopold  von 
Fiehtel,  von  welchem  letzteren  eine  große  Partie  von  Mineralien 
für  eine  Summe  von  5132  Gulden  erworben  wurde. 

Vorzüglich  wurde  hiebei  auf  nordische  und  französische,  so  wie 
auf  solche  Mineralien  Rücksicht  genommen,  welche  zu  einer  zweck- 
mäßigen Ergänzung  der  systematischen  Sammlung  und  insbesondere 
der  Handstücke,  welche  auf  Kosten  der  Schaustücke  seither  zu  wenig 
beachtet  wurden,   als  nothwendig  erkannt  worden  waren. 

Durch  diese  besonderen  Ankäufe  wurde  die  kaiserl.  Minera- 
lien-Sammlung während  der  genannten  drei  Jahre  um  einige  tau- 
send Stücke  vermehrt. 

Director  Schreibers,  der  stets  auch  große  Theilnahme  für 
die  physikalischen  und  chemischen  Wissenschaften  zeigte,  stellte 
zwischen  den  Jahren  1807—1809  am  kaiserl.  Cabinete  nach  den 
ihm  von  seinen  Freunden  in  Paris  gewordenen  Mittheilungen,  Ver- 
suche über  die  Rediiction  der  Alkalien  und  die  Darstellung  ihrer 
Metalloide  mittelst  Galvanismus,  mit  mehreren  zusammengesetzten 
Trogapparaten  an;  Versuche,  die  auch  vollkommen  gelangen  und  die 
ersten  dieser  Art  waren,  welche  in  Deutschland  vorgenommen  wur- 
den. Oftmals  hatte  er  dieselben  in  Gegenwart  von  Gelehrten  und 
selbst  des  Kaisers  wiederholt. 

1809  wurde  dem  seit  1808  beim  Thier-Cabinete  in  freiwillige 
unentgeltliche  Dienste  getretenen  J  o  h  a  n  n  Natterer  der  Titel  eines 
Practicanten,  doch  ohne  Bezug  eines  Stipendiums  verliehen. 

Auch  wurde  Director  Schreibers  durch  die  Erliebung  seines 
Oheims  Dr.  Joseph  Ludwig  Schreibers  und  dessen  Familie 
in  (It'ii  Uitterstand  der  österreichischen  Firblande,  geadelt. 

Seit  drei  Jahren  war  bereits  mit  voller  Thätigkeit  an  der  wis- 
senschaftlichen Umgestaltung  des  kaiserl.  Thier-Cabinetes  gearbeitet 
worden.  ;ils  |)l«l(/,lir|i  ein  unerwartetes    Ereigniß  eine  Störung  hierin 


Ce.sdiicilif  .k's  li.  k.  ll.)l-.N.i!.ii;ilic'iiciiliiii.  (s  /.ii  Wien.  I  Oo  I 

bewirkte  iiiiil  zugleich  ituch  dem  Autblühen  dieser  Aiislail  heininend 
in  den  Weg  trat;  denn  die  im  Jahre  1809  eingetretenen  Kriegsver- 
hältiiisse  hatten  der  im  raschen  Fortschreiten  begrilTen  gewesenen 
Vervollkommnung  der  kaiserl.  Sammlungen  großen  und  sehr  tühl- 
baren  Einhalt  gethan.  Die  Einfälle  des  französischen  Heeres  in  Öster- 
reich erheischten  eine  Sicherstellung  der  ausgezeichnetsten  und 
werthvollsten  Natur-  und  Kunstschätze  der  Kaiserstadt. 

Es  wurde  daher  auch  in  den  kaiserl.  Naturalien-Sammlungen 
eine  Auswahl  getrotfen  und  das  Vorzüglichste  und  Kostbarste  der- 
selben, sammt  allen  übrigen  Schätzen  und  Kostbarkeiten  des  kaiserl. 
Hofes  unter  der  Aufsicht  und  Leitung  des  Directors  v  o  n  S  c  h  r  e  i  b  e  r  s 
im  Frühjahre  nach  Temesvär  in's  ßanat  gebracht,  während  manche 
nicht  so  leicht  zu  transportirende  Objecte  in  sicheren  Verstecken 
untergebracht  worden  waren. 

Den  in  Wien  zurückgelassenen  Theil  der  Sammlungen  hatte 
von  Schreibers  der  Obhut  der  bei  denselben  angestellten  Beamten 
vertraut  und  dem  Stipendisten  Dr.  Johann  Gottfried  Bremser, 
von  dessen  Redlichkeit  und  Gewandtheit  er  versichert  war,  seiner 
umfassenden  Sprachkenntnisse  wegen  den  Verkehr  mit  den  feindlichen 
Behörden,  unter  Ertheilung  besonderer  Instructionen  übertragen. 

V^on  Schreibers  benützte  die  durch  diese  Reise  dargebotene 
Gelegenheit,  um  die  in  der  Umgegend  von  Temesvär  und  Mehadia 
vorkommenden  selteneren  Thierarten  für  das  kais.  Cabinet  zu  sam- 
meln und  nahm  zu  diesem  Behufe  den  als  unentgeltlichen  Practicanten 
an  dieser  Anstalt  verwendet  gewesenen  Johann  Natterer,  welcher 
sich  schon  früher  als  tüchtiger  Sammler  und  Präparator  bewährt  hatte, 
als  Begleiter  auf  dieselbe  mit. 

Letzterer  besuchte  während  dieser  Zeit  auch  einen  Theil  von 
Ungarn  und  dem  benachbarten  Slavonien,  und  kehrte  mit  einer  reichen 
Ausbeute  an  Thieren  nach  Temesvär  zurück. 

Die  Zahl  der  Acquisitionen,  welche  das  kaiserl.  Naturalien- 
Cabinet  in  der  Zwischenzeit  gemacht,  war  sehr  gering  und  sind 
unter  denselben  bei  der  mineralogischen  Abtheilung  nur  die  drei 
verschiedenen  Meteoriten  hervor  zu  heben ,  welche  derselben  zuge- 
wachsen waren;  nämlich  das  Fragment  eines  Meteorsteines  von  Siena 
in  Toskana  (gefallen  am  !(>.  Juni  1794),  das  sie  als  (Jeschenk  vom 
Artillerie  -  Obersten  F  r  a  n  z  v  o  n  T  i  h  a  v  s  k  y  erhielt,  ein  Bruchstück 
i\e$  Meteorsteines  von  Ensisheim  in  Elsaß  (gefallen  am  7    November 


J0Ö2  KM/,  in  -er. 

14{t2),  weli'lii's  Mitjor  von  Schwarz  dem  kaiserl.  Cfibiiiete  schenkte, 
uiul  ein  Stück  lies  iMeteoreisens  aus  Sachsen,  das  Präsident  Schlot- 
heim in  Gotha  der  kais.  Sammlung  verehrte. 

Unter  den  Zuwächsen,  welche  die  zoologische  Abtheilung  des 
Cabinetes  im  Jahre  1809  erhalten  hat,  verdient  vor  Allem  ein  wahr- 
haft prachtvolles  Exemplareines  13jährigen  weiblichen  Königs-Tigers 
(Tif/rin  regalisj  genannt  zu  werden,  das  seit  1799  in  der  kaiserl. 
Menagerie  zu  Schönbrunu  gelebt  hatte.  Dasselbe  wurde  von  dem 
Practicanten  Johann  Natterer  ausgestopft  und  ist  ein  wahres 
Meisterstück  in  der  Präparation,  indem  fast  jeder  einzelne  Muskel 
an  demselben  \\ahrgenommen  werden  kann. 

Im  Jahre  1809  gab  Custos  Leopold  T  r a  1 1  i  n  n  i  c  k  sein 
schon  1805  begonnenes  Werk  „Fungi  austriaci  iconibus  illustrati. 
()sterreich*s  Schwämme  in  fein  ausgemahlten  Abbildungen  darge- 
stellt", das  zu  Wien  in  sechs  Lieferungen  mit  18  Kupfertafeln  in  4". 
und  eben  so  vielen  Nachbildungen  in  Wachs,  erschienen  war,  umge- 
arbeitet und  vermehrt,  unter  dem  Titel  „Die  eßbaren  Schwämme  des 
österreichischen  Kaiserstaates"  mit  30  Kupfertafeln  und  einer  gleichen 
Anzahl  von  Wachspräparaten,  zu  Wien  und  Triest  in  8o.  heraus. 

Mittlerweile  war  auch  der  von  Director  vo  n  Sc  h  rei  bers  bean- 
tragte Zubau  im  Hofraume  des  Hofbibliothek -Gebäudes  längs  der 
Rückseite  der  Augustiner  Kirche  vollendet  worden.  Hierdurch  wurden 
drei  große  Säle  gewonnen,  von  denen  der  eine  das  Erdgeschoß,  die 
beiden  anderen  das  erste  und  zweite  Stockwerk  bildeten  und  welche 
die  ganze  Fronte  des  Gebäudes  einnahmen,  und  zur  Aufstellung  eines 
Theiles  der  Säugethier-Samnihing  bestimmt  waren.  Das  dritte  Stock- 
werk enthielt  ein  sehr  großes  und  drei  kleinere  Gemächer,  wovon 
das  erstere  als  Präparations-Locale,  die  letzteren  als  Naturalwohnung 
für  den  Aufseher  des  zoologischen  Cabinetes  bestimmt  werden  sollten, 
und  stand  mit  dem  alten  Gebäude  in  Verbindung. 

Über  dem  dritten  Stockwerke  wurde  eine  Terrasse  angebracht, 
die  mit  den  (Jeniächern  desselben  sowohl,  als  auch  mit  dem  Dach- 
g(^s('lloße  des  Hauptgebäudes  am  Josephsplatze  in  Verbindung  stand 
und  /um  Aiiatoiiiiren,  Abhäuten  und  Ausstopfen  großer  Thiere  ver- 
wendet werden  sollte. 

Außerdem  war  am  äußersten  Ende  des  neuen  Gebäudes  eine 
Treppe  angebracht  worden,  welche  vom  Erdgeschoße  bis  in  das 
letzte  Stttekucrk  reidiic   mid  mittelst  welcher  eine  fortlaufende  Ver- 


CescliiehtL-  .Ihs  k     k     ll..f-.N;itiiii.li.-:MaMiM;t<  zu  Wifii.  10;>3 

biiidung  der  alten  mit  den  neuen  Localitäteii  hergestellt  wurde.  Am 
Fuße  dieser  Treppe  führte  eine  hohe  Eingangsthür  in  den  Hotraum 
und  eine  zweite  eben  so  hohe  war  in  der  Mitte  des  Gebäudes  im 
Saale  des  Erdgeschoßes  angebracht,  damit  man  größere  Thiere  durch 
dieselben  in  die  Sammlung  bringen  konnte. 

Im  Januar  1810  kehrte  von  Schreibers  mit  den  geflüchteten 
Schätzen  wieder  nach  Wien  ziiriick. 

In  Folge  dieser  Reise  gewann  das  kaiserl.  Naturalien -Cabinet 
einen  bedeutenden  Z,uwachs  an  seltenen  und  zum  Theile  bis  dahin 
noch  nicht  bekannt  gewesenen  vaterländischen  Thieren,  die  von 
Schreibers  gemeinschaftlich  mit  dem  Practicanten  Johan  u  Nat- 
terer  gesammelt  hatte  und  darunter  öü  Bälge  von  Vögeln. 

Durch  die  während  der  feindlichen  Invasion  von  Dr.  Bremser 
mit  besonderer  Vorsicht  und  Klugheit  eingeleiteten  und  von  der 
kräftigen  Mitwirkung  des  zurückgebliebenen  gleich  patridtisch  gesinn- 
ten Cabinets-Personales  unterstützten  Verhandlungen  mit  den  feind- 
lichen Behi»rden  und  autorisirten  Plünderungs- Commissären  gelang 
es,  nicht  nur  jeden  Verlust  hintanzuhalten,  sondern  auch  jede  unan- 
genehme CoUision  mit  denselben  zu  vermeiden.  Sowohl  der  Stadt- 
Commandant  General  Andreossi,  als  auch  der  wissenschaftliche 
Commissär  Marcel  de  Serres,  mit  welchen  Bremser  vielfach  zu 
verkehren  hatte,  rühmten  dessen  freundliches  Entgegenkommen. 

Noch  lange  nach  der  Rückkehr  der  im  Jahre  1809  geflüchteten 
Schätze  fühlte  man  aber  noch  die  Folgen  des  Krieges,  bis  ein  mehr- 
jähriger Friede  neues  Leben  wieder  in  die  Wissenschaften  rief. 

Die  schon  zu  Anfang  des  Jahres  1810  beabsichtigte  neue  Ein- 
richtung des  Thier-Cabinetes  erheischte  vor  Allem  die  vom  Kaiser 
bereits  genehmigte  Räumung  der  bisher  von  dem  physikalisch-astro- 
nomischen Cabiuete  eingenommenen  Localitäten  im  ersten  Stock- 
werke des  linken  Traktes  des  alten  Gebäudes.  Dieselbe  wurde  daher 
unverzüglich  zur  Ausführung  gebracht  und  das  physikalisch-astro- 
nomische Cabinet  in  die  Gemächer  unterhalb  des  astronomischen 
Thurmes  in  der  Hofburg  übertragen. 

Gleichzeitig  wurden  auch  aus  der  Cabinets-Bibliothek  die  physi- 
kalischen, optischen  und  astrouumischen  Werke  ausgeschieden  und 
ebenfalls  dahin  gebracht. 

Das  erste  Geschäft,  welches  die  Thätigkeit  der  am  kaiserl. 
Naturalieu-Cabinete  angestellten   Beamten    in  Anspruch    genommen 


1054  K,t/.  inoor. 

hatte,  ujir    die    Eiiireihiiiig    der    nach    Ungarn    gelliiehteten    Natu- 
ralien. 

Im  Thier-Cabinete  wurde  nun  auch  nicht  nur  mit  der  Einrich- 
tung der  Localitäten  im  neuen,  sondern  auch  mit  der  Umgestaltung 
jener  im  alten  Gebäude  begonnen  und  die  Aulstellung  der  Samm- 
lungen in  Angriff  genommen. 

Die  Wandungen  der  Säle  im  neuen  Gebäude  wurden  gemalt 
und  jeder  derselben  stellte  ein  nach  oben  offenes  Amphitheater  aus 
Granit-Quadern  vor,  an  dessen  Rückwand  die  hier  aufgestellten 
Säugethiere,  auf  ovalen  Holzpostamenten  befestiget,  frei  auf  Staffe- 
leien standen,  die  ebenso  wie  jene,  granitähnlich  angestrichen  waren, 
und  wurden  von  dem  für  die  Besucher  bestimmten  Räume  durch  ein 
nicht  sehr  hohes,  aus  hölzernen  Lanzenstäben  zusammengesetztes, 
schwarz  angestrichenes  Gitter  abgeschlossen. 

Auf  jedem  einzelnen  Postamente  war  der  systematische  Name 
mit  schwarzen  Lettern  ersichtlich  gemacht. 

Auch  hatte  von  Schreibers  die  Absicht,  außerdem  noch  an 
den  Erkern  zwischen  den  Fenstern  Tafeln  anbringen  zu  lassen ,  auf 
denen  nebst  dem  systematischen  Namen,  auch  die  deutschen,  franzö- 
sischen und  englischen  Trivialnamen  angebracht  werden  sollten  ;  doch 
kam  dieses  Vorhaben  nur  theilweise  und  zwar  blos  im  Erdgeschoße 
des  neuen  Gebäudes  zur  Ausführung,  wo  die  Namen  der  dort  aufge- 
stellten Thiere  auf  großen,  grün  marmorirten  Holztafeln,  mit  schwar- 
zen Lettern  angegeben  waren.  Dagegen  wurde  später  auch  die 
deutsche  Benennung  den  systematischen  Namen  auf  den  Postamenten 
beigefügt.  Der  Fußboden  im  großen  Saale  des  Erdgeschoßes  im 
neuen  Gebäude  wurde  zur  Erzielung  einer  leichteren  Reinigung  des- 
selben mit  einem  Steinptlaster  aus  Porzellan-Ziegeln  belegt,  die 
beiden  Säle  in  den  Stockwerken  aber  wurden  mit  einem  einfachen 
Holzboden  versehen. 

Sehr  bedeutend  waren  auch  die  Veränderungen,  welche  bezüg- 
lich der  Aufstellung  der  Sammlungen  im  alten  Theile  des  Gebäudes 
vorgenommen  wurden. 

Die  früher  bestandene  malerische,  plastische  Ausstattung  wurde 
allenthalben  beseitiget  und  im  Erdgeschoße,  welches  nur  zur  Auf- 
nahme von  Säugethieren  bestimmt  war,  wurden  auch  die  lutcli  vor- 
handen gewrsrnt'n  Glaswände  hiiiweggenommen  und  der  Fußboden, 
wcjrlifi'  si'itlu'r.  so  wie  in  allen  Ausstellungs-Ijocaliti'iteii,  aus  Holz- 


r.eschiclitf  des  k.   k     ll(.f-iS;itiii:iliciic;iliiiiets  zu  Wien.  1  0  !>  S 

Parketeii  bestand,  eben  so  w  ie  im  Erdgesehoße  des  Neubaues,  durch 
ein  Steinpflaster  aus  Porzellan-Ziegeln  ersetzt.  Die  Decorirung  dieser 
Localitateu  und  die  Aufstellung  der  Säugethiere  in  denselben,  wurde 
jener  im  neuen  Gebäude  völlig  gleich  gehalten. 

Dagegen  wurden  im  zweiten  Stockwerke  im  rechten  Trakte  des 
alten  Gebäudes,  in  welchem  auch  ternerhin  die  Sammlung  der  Vögel 
belassen  werden  sollte,  neue,  aus  größeren  Tafeln  bestehende  und 
durch  sciimale  Holzstäbe  zusammengehaltene  Glaswände,  die  auf 
einem  Sockel  ruhend,  bis  an  die  Decke  reichten,  hergestellt,  hinter 
welchen  die  Vögel  auf  ovalen  Holzpostamenten  und  je  nach  Verschie- 
denheit der  Ordnungen  noch  auf  besonderen  niederen  Sitzstangen 
befestiget,  gleichfalls  auf  StalTeleien  aufgestellt  werden  sollten,  die 
ebenso  wie  die  Postamente  und  das  Holzgerüste  der  Glaswände,  mit 
weißer  Farbe  angestrichen  waren.  Die  Rückwände  in  diesen  Schrän- 
ken und  die  Zimmerdecke  waren  gemalt  und  stellten  einen  leicht 
gewölkten  Himmel  dar. 

Auf  den  Postamenten  der  einzelnen  Arten  war  der  systematische 
Name  und  auch  der  deutsche  Trivialname  in  deutlicher  Schrift  auf 
angeklebten  Papierstreifen  ersichtlich  gemacht. 

Im  linken  Trakte  des  Gebäudes  wurden  die  Localitäten  im 
zweiten  Stockwerke  zur  Aufstellung  der  Sammlungen  der  Reptilien  und 
Fische,  jene  im  ersten  Stockwerke  für  die  Sammlung  der  Eingeweide- 
würmer, und  die  im  Halbstocke  zur  Aufnahme  der  Insekten-  und 
Pflanzen-Sammlung  bestimmt. 

Die  Reptilien  und  Fische  wurden  zu  jener  Zeit  in  den  hier  schon 
vorhanden  gewesenen  Schränken  belassen,  doch  trachtete  man  die- 
selben besser  zu  vertheilen. 

Die  beiden  vorderen  Zimmer  sollten  als  Arbeitszimmer  benützt, 
die  Reptilien  im  dritten,  und  die  Fische  im  vierten  oder  letzten  Zim- 
mer dieser  Abtheilung  aufgestellt  werden. 

Im  ersten  Stockwerke,  das  ausschließlich  der  Sammlung  der 
Eingeweidewürmer  eingeräumt  worden  war,  erhielten  die  beiden 
ersten  Zimmer  gleichfalls  die  Bestimmung  als  Arbeitszimmer  ver- 
wendet zu  werden,  Avährend  das  dritte  und  vierte  zur  Aufnahme  der 
reichen  Sammlung  dienen  sollte. 

Im  Halbstocke  endlich  wurde  das  erste  und  zweite  Zimmer  der 
entomologischen,  das  dritte  und  vierte  der  botanischen  wSanmdung 
zugewiesen. 


lUÖO  Fi  I  /.  i  iin  ('  r. 

Was  die  Aiilslelliiiii»;  dieser  im  linken  Trakte  des  Gebäudes  unter- 
gebrachten Sammlungen  selbst  betrilTt,  so  konnte  nur  jene  der  Ein- 
geweidewürmer und  zum  Tlieile  auch  die  der  Pflanzen  insoweit  voll- 
endet werden ,  daß  es  möglich  war,  dem  Publicum  den  Eintritt  in 
diese  beiden  Abtheilungen  zu  gestatten. 

Für  die  Eingeweidewürmer-Sammlung  wurden  niedere  Wand- 
schränke und  ein  großer  Mittelschrank,  welcher  im  vierten  Zimmer 
untergebracht  worden  war,  hergestellt,  die  in  ihrer  oberen  Hälfte 
mit  Glasthüren  versehen,  und  zur  Aufstellung  der  Schaugegenstände 
bestimmt  waren,  während  die  untere  Hälfte  derselben  zur  Aufbewah- 
rung der  systematischen  Sammlung  diente. 

Diese  Schränke  waren  an  der  Außenseite  mit  einem  Anstriche 
nach  Art  des  Eichenholzes  versehen  und  die  Innenseite  derselben  in 
der  oberen  Hälfte  graulichweiß  grundirt. 

Hier  wurden  die  verschiedenen  Gattungs- Repräsentanten  mit 
ihren  zahlreichen  Arten  auf  den  Querfächern  der  Schränke  und  einige 
auch  oberhalb  derselben,  reihenweise  in  mit  Alkohol  gefüllten  Glas- 
Cylindern  aufgestellt,  die  mit  flachen,  aufgeschlilTenen  Glasdeckeln 
versehen,  mittelst  Rindsblase  hermetisch  geschlossen  und  über  der- 
selben mit  schwarzem  ülfirniß  überstrichen  waren. 

Jeder  einzelne  Cylinder  stand  auf  einem  aus  Holz  gedrehten 
Postamente,  das  gleichfalls  mit  schwarzem  ()lfirniß  angestrichen 
war  und  auf  einer  zierlich  geschriebenen  Etikette  nebst  dem  syste- 
niatischen  Namen  auch  den  Namen  des  Thieres  enthielt,  von  welchem 
der  Wurm  stammte. 

Die  für  die  Schausammlung  bestimmten  Würmer  waren  mittelst 
feiner  Seidenfäden  oder  weißer  Pferdehaare  an  den  zu  diesem  ßehufe 
durchlöcherten  Glasdeckeln,  oder  auch  an  hohlen,  schwimmenden 
Glaskugeln  aufgehangen,  jene,  welche  in  die  systematische  Samm- 
lung eingereiht  waren,  in  Fläschchen  mit  eingeriebenen  Glasstöpseln 
aufbewahrt. 

Im  letzten  Saale  war  die  von  Franz  Zaun  er  aus  carrarischem 
Marmor  gemeisselte  Büste  Kaisers  Franz  H.,  welchem  das  Tliier- 
("abinet  seine  Gründung  zu  verdanken  hatte,  auf  einem  Sockel  von 
künstlichem  grünen  Marmor  aufgestellt,  der  zwischen  zwei  mit  ver- 
goldeten Capitälen  versehenen  Säulen  von  nachgeahmtem  rotlien  Por- 
phyre, auf  einer  Ivsirade  von  mehi-eren  Stufen  stand,  hinter  welcher 
eine    mit  Tressen    besetzte   und    durch  Quastenschnüre   zusammen- 


Cescliifht.'  (It's  k.  k.  llol-NaliiialicncMliiiiPl^  /,ii  W  i>n.  1057 

gelialtene  Draperie  aus  dunkel  olivengrünem  Tuche,  zeltartig  ausge- 
spannt, sich  bis  an  die  Decke  des  Zimmers  erstreckte. 

Diese  Büste  war  mit  derselben  Decocirung  schon  früher  in  dem 
nämlichen  Locale  vorhanden  und  wurde  bereits  zur  Zeit  der  ersten 
Errichtung  dieses  Cabinetes,  im  Jahre  1797,  hier  aufgestellt. 

Für  die  Insekten-Sammlung,  an  deren  Ordnung  und  Aufstellung 
bis  dahin  noch  gar  nicht  gedacht  werden  konnte,  sowie  auch  für  die 
Herbarien  wurden  geschlossene,  mit  weißer  Ölfarbe  angestrichene 
Wandschränke  hergestellt,  in  welchen  dieselben  untergebracht  worden 
waren.  Jene,  welche  für  die  Insekten  bestimmt  waren,  wurden  nur 
mit  einfachen  Querfächern  versehen,  auf  denen  die  zahlreichen  Käst- 
chen und  Laden,  welcjie  den  gesammten  Samnihingsvorratii  enthielten, 
über  einander  aufgeschichtet  wurden,  die  zur  Aufbewahrung  der 
Herbarien  dienenden  hingegen,  sowohl  der  Länge  als  auch  der  Quere 
nach  in  abgeschlossene  Fächer  getheilt. 

Die  Hölzer,  Samen  und  trockenen  Früchte  waren  theils  in  einem 
langen  niederen  Wandschranke  nebst  den  Herbarien-Schranken  im 
dritten  Zimmer  untergebracht,  theils  in  einem  Glaspulte  oberhalb 
desselben,  während  die  forslbotanische  Sammlung  bilderarlig  unter 
Glas  in  Wandtafeln  über  diesem  Pulte  aufgehangen  war. 

Zur  Aufstellung  der  Sammlung  der  VVachsptlanzen  wurden  im 
vierten  Zimmer  dieser  Abtheilung  längs  der  Wände  bis  an  die  Decke 
reichende  Glaswände  hergestellt,  welche  genau  so  wie  jene  in  der 
Vogelsammlung  construirt  und  ausgestattet  w^aren,  und  ein  ebensolcher, 
aber  minder  hoher  Glasschrank  in  der  Mitte  dieses  Zimmers. 

Auf  den  im  Inneren  dieser  Schränke  angebrachten  Staffeleien 
waren  die  Blumentiipfe  mit  den  Wachspflanzen  der  Reihe  nach  gleich 
wie  in  einem  Gewächsbause  aufgestellt. 

In  dem  Zwischenräume,  welchen  die  Fenster  darboten,  waren 
Glaspulte  mit  den  aus  Wachs  geformten  Früchten,  Obst-  und  Kartoffel- 
Sorten  angebracht. 

Die  Reptilien  und  Fische  waren  einstweilen  nur  nothdürftig  theils 
in  den  vorhandenen  Schränken,  theils  auf  denselben,  längs  der  Wände 
und  in  der  Mitte  der  beiden  ihnen  zugewiesenen  Zimmer,  gleichwie 
in  einem  Magazine,  untergebracht. 

Dagegen  waren  die  Sammlungen  der  Säugethiere  und  Vogel, 
welche   man   in  Folge  des  neuen  Zultaues  in  fortlaufender  systema- 


10O(S  Fi  t /.  i  II  KP!-- 

tisclier  Keihenfoljjje  besichtigen  konnte,  vollkommen  geordnet  worden 
und  folgendermaßen  vertheilt. 

Im  Erdgeseliolie  zur  Linken  waren  im  zweiten  Zimmer  —  da 
das  erste  nur  als  Vorzimmer  benutzt  wurde  —  die  Affen, 

im  dritten  die  Fledermäuse  und  bärenartigen  Raubthiere,  und 

im  vierten  die  hunde-  und  katzenartigen  Raubthiere  aufgestellt. 

Der  große  Saal  zur  Linken  enthielt  die  Beutelthiere,  Nagethiere 

und  Zahnarmen  Thiere ,  so  wie  auch  die  Vielhufer  (Nashorn,  Tapir 

und  Schweine). 

Im  Saale  des  Erdgeschoßes  des  neuen  Gebäudes  waren  die 
Kameele,  Moschusthiere ,  Hirsche,  die  Giraffe  und  die  Antilopen 
aufgestellt; 

in  jenem  des  ersten  Stockwerkes  die  Ziegen,  Schafe  und 
Rinder;  und 

in  dem  Saale  des  zweiten  Stockwerkes  die  Pferde,  Robben 
und  Delphine. 

In  den  vier  übrigen  Zimmern  des  zweiten  Stockwerkes  im  alten 
Gebäude,  welche  die  Vogel-Sammlung  enthielten, 
waren  im  ersten  Zimmer  die  Raubvögel, 

im  zweiten  die  Klettervögel,  raben-  und  schwalbenartigen  Vögel 
und  die  Singvögel, 

im  dritten  die  Strauße,  hühnerartigen  Vögel  und  Sumpfvögel,  und 
im  vierten  die  Schwimmvögel  aufgestellt. 
Das  fünfte  Zimmer  endlich  enthielt,  wie  schon  ursprünglich,  die 
Bibliothek. 

Die  Bestimmungen  bezüglich  des  Besuches  dieser  Sammlungen 
blieben  dieselben,  wie  sie  im  Jahre  1802  von  Director  Stütz  vor- 
gezeichnet worden  waren,  nur  wurde  der  Eintrittstag  gewechselt  und 
von  Mittwoch  auf  Donnerstag  verlegt. 

Dagegen  wurden  neue  Karten  ausgegeben,  welche  eine  in 
Kupfer  gestochene  Ansicht  des  Hof-Bibliotheks-  und  Naturalien- 
Cabinets- Gebäudes  mit  der  vor  demselben  befindlichen  Josephs- 
Statue  enthielten. 

In  Wien  ansäßigen  Gelehrten  und  einzelnen  Wissenschafts- 
freunden wurden  diese  Karten,  unter  Bezeichnung  ihres  Namens  auf 
der  Rücksfitc  zur  l'orlw älirenden  Benützung  überlassen  und  konnten 
dieselben  während  der  Sonunerszeit  das  kaiserl.  Cabinet  auch  in  den 
Naehmittagsstuihlen  besichtigen. 


Geschicilte  i!es  k.  k.  llof-ISaturiiliuiuiiliiiiets  /.u  Wien.  1059 

Für  die  einzelnen  Abtlieilungen  des  kaiserl.  Naturalien-Cabinetes 
wurden  im  Laufe  des  Jahres  1810  mancherlei  Erwerbungen  gemacht. 
Die  entomologische  Abthcilung  gewann  durch  eine  von  dem  Insekten- 
Händler  Georg  Dahl  unternommene  Reise  nach  Kärnthen  einen 
nicht  unbeträchtlichen  Zuwachs. 

Eine  nicht  minder  ansehnliche  Vermehrung  wurde  derselben 
tlurch  die  von  dem  Practicanten  Joha  nn  Natterer  nach  Mähren 
gemachte  Reise  zugefülirt,  von  welcher  derselbe  auch  mehrere  sel- 
tenere Vögel-  und  Säugethier- Arten  für  die  kaiserliche  Sammlung 
brachte. 

Durch  einen  mit  dem  Pariser  Museum  eingeleiteten  Tausch 
wurde  die  Sammlung  der  Säugethiere  mit  17,  jene  der  Vögel  mit  23 
neuen  Arten  bereichert,  die  botanische  Abtheilung  mit  einer  ansehn- 
lichen Sammlimg  neuholländischer  Pflanzen.  Für  letztere  wurde  auch 
eine  reiche  Sammlung  von  Holzarten  aus  Österreich  angekauft. 

Das  Mineralien-Cabinet  acquirirte  eine  Auswahl  von  Mineralien 
im  Wege  des  Kaufes  von  Professor  Klaproth  in  Berlin  für  einen 
Betrag  von  990  Gulden,  und  die  Sammlung  der  Meteoriten  wurde 
durch  den  Ankauf  eines  Fragmentes  eines  Meteorsteines  von  Timochin 
im  Gouvernement  Smolensk  in  Rußland  (gefallen  am  13.  März  1807) 
und  eines  Stückes  des  Meteor-Eisens  von  Toluca  in  Mexiko,  welche 
beide  gleichfalls  von  Professor  Klaproth  in  Berlin  angekauft  wur- 
den, vermehrt. 

Am  15.  September  1810  wurde  dem  zweiten  Aufseher  am  Thier- 
Cabinete  Joseph  Natter  er  dem  Jüngeren  ein  Quartiergeld  von 
jährlich  80  Gulden  verliehen. 

Mit  dem  Schlüsse  jenes  Jahres  rückte  auch  der  von  Director 
von  Schreibers  schon  im  Jahre  1806  in  Antrag  gebrachte  Personal- 
Status  seiner  Verwirklichung  wesentlich  näher  entgegen,  indem 
unterm  30.  December  nicht  nur  die  seit  vier  vollen  Jahren  offen  ge- 
haltene, für  das  Thier-Cabinet  bestimmt  gewesene  vierte  Custos- 
Stelle  besetzt,  sondern  in  Folge  eines  besonderen,  vom  Oberst-Käm- 
merer kräftigst  unterstützten  Vorschlages,  außerdem  noch  zwei  neue 
solche  Stellen  für  dasselbe  creirt  wurden. 

Die  vierte  Custos-Slelle  mit  900  Gulden  Gehall  und  100  Gulden 
Quartiergeld  wurde  dem  Professor  der  allgemeinen  Naturgeschichte 
an  der  Universität  zu  Prag,  Dr.  Johann  Christian  Mikan, 
welcher  zur  Ve.'waitung  der  Samniluiigen   der  Reptilien   und  Fische 


](M)(|  Kit/.  i.,U.T. 

auserkoren  worden  war,  die  fünfte  mit  ()()0  Gulden  Gehalt  und 
100  Gulden  Qiiartiergeld,  dem  zweiten  Aufseher  im  Thier-Cabinete 
Joseph  Natterer  dem  Jüngeren,  der  die  Sammlungen  der 
Säugetliiere  und  Vögel  zu  überwachen  hatte,  verliehen;  die  sechste 
blieb  unbesetzt. 

Nachdem  jedoch  Professor  Dr.  M i  k  a  n  die  Annahme  dieser  Stelle 
abgelehnt  und  seine  Ernennung  zurückgelegt  hatte,  so  blieb  dieselbe 
auf  unbestimmte  Zeit  wieder  unbesetzt. 

Gleichzeitig  mit  diesen  Ernennungen  wurde  dem  Director  von 
Schreibers  in  Ansehung  seiner  sich  seither  erworbenen  Verdienste, 
vorzüglich  aber  wegen  seiner  besonderen  Dienstleistung  bei  Flüch- 
tung der  Schätze  des  Hofes  im  Jahre  1809  in  das  Banal,  der  Titel 
eines  k.  k.  Rathes  und  ausserdem  noch  eine  Gehaltszulage  von  jähr- 
lich 730  Gulden  aus  der  Privat-Casse  des  Kaisers  verliehen. 

Die  beiden  Kammer-Wachsarbeiter  Fra  nz  Stoll  und  Johann 
Ja  ich  wurden  mit  ihrem  bisherigen  Gehalte  von  600  Gulden  für 
beständig  dem  Personale  des  Naturalien-Cabinetes  als  Wachs-Bossirer 
eingereiht,  die  zweite  Aufsehersstelle  am  Thier-Cabinete  aber  ein- 
gezogen. 

Auch  wurde  die  bisherige  Benennung  des  kaiserl.  Naturalien- 
Cabinetes  geändert,  indem  dasselbe  von  jetzt  an  den  Namen  „Ver- 
einigte k.  k.  Naturalien-Cabinete"  erhielt. 

Mit  Beginn  des  Jahres  1811  ging  das  Thier-  und  Pflanzen- 
Cabinet,  welches  seither  ein  Privat-Eigenthum  des  Kaisers  war,  durch 
Schenkung  in  das  Eigenthum  des  Staates  über. 

Der  20.  März  gab  Veranlassung  zu  einer  Feier  am  kaiserl. 
Naturalien-Cabinete,  indem  der  greise  Directors-Adjunct  desselben, 
Johann  Baptist  Megerle  von  Mü  hl  fehl,  mit  der  ihm  vom 
Kaiser  für  seine  fünfzigjährige  treue  und  eifrige  Dienstleistung  bei 
dieser  Anstalt  verliehenen  großen  goldenen  Civil-Ehren-Medaille,  vom 
Oberst-Kämmerer  Rudolph  Grafen  von  Wrbna  in  Gegenwart 
des  gesammten  Personales  dieses  Institutes  geschmückt  worden  war. 

-Auch  die  Verdienste,  welche  sich  der  Stipendist  am  Thier- 
Cabinete  Dr.  Johann  Gottfried  Bremser  seither  erworben 
hatte.  wui'diMi  in  jenem  Jahre  bclohni ,  da  ihn  der  Kaiser  zum  sech- 
sten Custos  am  Naturalien-Cabinete  und  zwar  mit  der  Dienstleistung 
am  Thier-Cabinete,  mit  einem  Gehalte  von  600  Gulden  und  einem 
Quartiergelde  von  100  Gulden  ernannte. 


(Jcscliichli'  des  k.   U     Il(ir-Natili:.liriic;.l.iin!ls  zu  Wii'li.  1  ()Ö1 

Ebenso  wurde  .iiich  die  Besetzung  zweier  schon  im  Jahre  1806 
beantragten  Sli|iendisten-Stellen,  mit  welchen  ein  jährlicher  Bezug 
von  300  Gulden  verbunden  Avar,  für  die  Dauer  von  drei  Jahren  ge- 
nehmiget. Eine  derselben,  welche  für  das  Thier-Cabiiiet  bestimmt 
war,  wurde  dem  seit  1808  in  unentgeltlicher  Dieiistverwendung 
gestandenen  Practicanten  Johann  Natter  er  verliehen,  die  andere, 
welche  für  das  Mineralien-Cabinet  bewilliget  worden  war,  dem  bis- 
herigen Assistenten  an  der  Lehrkanzel  der  Chemie  bei  der  Wiener 
T'iiiversität,  Dr.  Benjamin  Scholz,  mit  der  Bestimmung  zur  Vor- 
nahme chemischer  Analysen.  Zwei  Stipendisten-Stellen  mit  200 
Gulden  blieben  unbesetzt. 

Zugleich  wurde  dem  Aufseher  im  Tbier-Cabiiiete  Joseph 
Natter  er  dem  Alteren,  ein  jährliches  Quartiergeld  von  80  Gulden, 
zuerkannt,  obgleich  derselbe  den  Genuß  einer  freien  Wohnung  im 
Naturaliencabinets-Gebäude  hatte. 

Eine  sehr  wichtige  Erwerbung  des  Thier-Cabinetes  in  jenem 
Jahre  war  der  Balg  eines  im  September  1810  in  der  kaiserl.  Mena- 
gerie zu  Schünbrunn  dem  Tode  erlegenen  17jährigen  Männchens  des 
indischen  Elephanten  (Elephas  indiciisj,  der  unter  der  Leitung  des 
greisen  Bildhauers  Professor  Martin  Fischer  präparirt  und  auf- 
gestellt worden  war  und  dessen  Skelet  der  Kaiser  der  Thierarznei- 
schule  zum  Geschenke  gemacht  hatte.  Es  war  dicß  einer  von  den 
beiden  Elephanten,  welche  im  Jahre  1799  für  die  kaiserl.  Menagerie 
angekauft  wurden  und  denen  seit  der  Römerzeit  nur  fünf  Individuen 
dieser  Art  vorangegangen  waren,  welche  lebend  nach  Europa  kamen. 
Durch  diese  Acquisition  gewann  das  kaiserl.  Cabinet  den  Repräsen- 
tanten einer  Thiergattung,  welche  bis  dahin  in  demselben  noch  nicht 
vorhanden  war. 

Von  den  übrigen  Bereicherungen,  welche  das  kaiserl.  Naturalien- 
Cabinet  im  Jahre  1811  erhielt,  sind  nur  ein  großer  Theil  der  Aus- 
beute an  Insekten  hervorzuheben,  welche  der  Insekten-Handler  Georg 
Dahl  von  seiner  nach  Ober-Ungarn  unternommenen  Reise  zurück- 
gebracht hatte  und  die  Sammlung  ausgestopfter  Vögel  des  Fürsten 
von  Bätth  yäny,  welche  nebst  einigen  Säugethieren  aus  dessen 
Sammlung,  vom  kaiserl.  Naturalien-Cabinete  angekauft  worden  war 
und  die  beide  zum  Theile  aus  der  Sammlung  des  Dr.  Joachim 
Johann  Nep.  Spalowsky  stammten.  Hierdurch  erhielt  das 
Thier  -  Cabinet    einen    Zuwachs   von    47S    Vögeln    und    4    Säuge- 

Sitzh.  d.  itiatlieni.-naturw,  Cl    I.VII.   Bd.  I.  Al.tli.  68 


IOC)  2  Kit/,  inger. 

tliieron,  so  wie  auch  den  Schädel  eines  Nilpferdes  (Hippopotamun 
amphibius). 

Custos  Johann  Carl  Megerle  vonMühlfeld  veröffentlichte 
1811  seinen  „Entwurf  eines  neuen  Systems  der  Schaltliiergehäuse" 
mit  Abbildungen,  im  fünften  Jahrgange  der  zu  Berlin  in  4"  heraus- 
gegebenen Zeitschrift  „Magazin  der  Gesellschaft  naturforschender 
Freunde  zu  Berlin". 

Auch  Custos  Leopol  d  Tratti  nnick  bereicherte  die  natur- 
historisclie  Literatur  mit  einem  neuen  Werke,  indem  er  die  Heraus- 
gabe seiner  „Observationes  botanicae  Tabularium  rei  herbariae  illu- 
strantes"  begann,  welche  in  vierHeften  zu  Wien  zwischen  den  Jahren 
1811 — 1815  in  4o  erschienen. 

Eine  von  Director  von  Schreibers  gemeinschaftlich  mit  den 
beiden  Custoden  Dr.  Johann  Gottfried  Bremser  und  Joseph 
Natter  er  herausgegebene  Schrift,  welche  unter  dem  Titel  „Nachricht 
von  einer  beträchtlichen  Sammlung  thierischer  Eingeweidewürmer 
und  Einladung  zu  einer  literarischen  Verbindung  um  dieselbe  zu  ver- 
vollkommnen" zu  Wien  1811  in  4o  erschien,  und  den  großen  Reich- 
thum  dieser  erst  seit  wenigen  Jahren  angelegten  Sammlung  nachwies, 
setzte  alle  Zoologen  über  die  außerordentliche  Menge  von  Helminthen, 
welche  das  kaiserl.  Cabinet  besaß,  in  Staunen,  da  dieser  Zweig  in 
den  allermeisten  Museen,  der  bedeutenden  Schwierigkeiten  wegen, 
die  mit  der  Pflege  desselben  verbunden  sind,  seither  gänzlich  ver- 
nachlässiget war. 

In  der  Tbat  war  es  von  Schreibers  auch  gelungen,  seinen 
im  Jahre  1807  entworfenen  Plan  im  Vereine  mit  Dr.  Bremser  und 
Joseph  Natterer,  so  wie  auch  unter  der  thätigen  Mitwirkung  des 
Stipendisten  Johann  Natterer  —  obgleich  dessen  Name  auf  der 
oben  angeführten  Schrift  nicht  genannt  ist,  —  in  glänzender  Weise 
zur  Ausliilirung  zu  bringen;  denn  während  der  kurzen  Zeit  von  vier 
Jahren  waren  bereits  über  60.000  Individuen  von  Thieren  anatomirt 
und  auf  Eingeweidewürmer  untersucht  worden. 

Bremser  fühlte  sich  so  sehr  von  dem  Interesse  für  diesen 
Zweig  der  Zoologie  begeistert,  daß  er  sein  ganzes  Leben  demselben 
zu  widmen  beschloß. 

Seit  1811  wendete  Director  von  Schreibers  seine  eigene 
Thätigkeit  vorzugsweise  der  Beobachtung  der  Lebensweise,  Fort- 
pflanzung und  Entwickelung  der    inländischen  Reptilien  zu,   so  wie 


r.esiliiclili'  lies   k.  L.   ll(if-Nntiii:iliiMi(:il.iii.-(s  zu  Wien.  1  0()1> 

der  Uiitersiicluing  des  inneren  Baues  derselben,  mit  besonderer  Rück- 
sieht anf  Geschlechts-  und  llaruorgane,  nicht  minder  aber  auch  der 
Vollendung  zweier  schon  während  seiner  Studienjahre  begonnenen 
Arbeiten,  deren  eine  eine  Monographie  der  österreichischen  Spinnen, 
die  andere  die  Monographie  der  Gattung  Praclitkäfer  (Buprestis) 
zum  Gegenstande  hatte. 

Er  hatte  bereits  eine  große  Masse  von  Materialien  zur  Heraus- 
gabe seiner  hierüber  gemachten  Beobachtungen  und  gewonnenen 
Erfahrungen  zusammengebracht  und  eine  sehr  bedeutende  Anzahl 
von  Zeichnungen  von  den  ausgezeichnetsten  Künstlern  anfertigen 
lassen,  welche  dieselben  hätten  erläutern  sollen;  denn  es  waren  nicht 
weniger  als  364  Tafeln  von  Prachtkäfern  (Buprestis)  und  213  Ta- 
feln österreichischer  Spinnen,  158  verschiedene  Arten  darstellend 
und  größtentheils  von  Bernhard  von  Sehr  öfter  gemalt,  so  wie 
91  Tafeln,  welche  der  Anatomie  und  Metamorphose  der  ein- 
heimischen Salamander,  und  11  welche  der  Anatomie  der  inländi- 
schen Frösche  gewidmet  waren,  beinahe  durchgehends  von  dem  vor- 
trefTlichen  Künstler  Frick  in  Farben  ausgeführt,  vollendet. 

1812  begann  Director  von  Schreibers  am  kaiserl.  Cabinete 
eine  Sammlung  von  Skeleten  anzulegen  und  gewann  zur  Ausführung 
dieses  Vorhabens  einen  tüchtigen  Präparator  in  der  Person  eines 
Zöglings  der  Thierarzneischule  Namens  Hermann,  der  in  kurzer 
Zeit  eine  Reihe  von  vortrefflich  präparirten  Skeleten  der  inländischen 
Frosch-  und  Salamanderarten  hergestellt  hatte,  an  die  sich  in  der 
Folge  auch  die  Skelete  der  Schlangen  und  Eidechsen,  und  der  Gat- 
tungs-Repräsentanten der  Vögel  und  Säugetbiere,  so  wie  zuletzt  auch 
jene  der  Fische  anschließen  sollten. 

In  eben  diesem  Jahre  trat  der  Stipendist  am  Thier-Cabinete 
Johann  Natterer  eine  naturwissenschaftliche  Reise  nach  Italien 
und  Neapel  an,  die  er  bis  Calabrien  ausdehnte  und  brachte  sehr  viele 
Thiere  der  verschiedensten  Classen  und  darunter  besonders  viele 
Vögel  und  Re[itilien  mit,  die  durchgehends  für  die  kaiserl.  Sammlung 
bestimmt  waren. 

Zu   gleichem   Zwecke    unternahm    auch    der  Insekten-Händler 

Georg  Dahl,  ein  sehr  geschätzter  Entomolog  und  überaus  tüchtiger 

Sammler,  eine  Reise  nach  Illyrien,    durch  welche  das  kaiserl.   Ca- 

binet  einen  sehr  bedeutenden  Zuwachs   für   die  Insekten-Sammlung 

erhielt. 

68' 


1(H)4  Kitzinger. 

Die  Abtlieilung  der  Concliylien  wurde  mit  der  berüliniten  Samm- 
lung mikroskopischer  Foraminiferen  bereichert,  ^^eIcheLeopol  d  von 
Fichtel  gemeinschaftlich  mit  Johann  Paul  Carl  von  Moll  zu 
Stande  gebracht  batte  und  die  den  Beleg  zu  jenem  Werke  bildete, 
das  diese  beiden  genannten  Naturforseher  unter  dem  Titel  „Testacea 
microscopica  aliaque  minuta  ex  generibus  Argonauta  et  Nantilus.  — 
Mikroskopische  und  andere  kleine  Schalthiere  aus  den  Geschlech- 
tern Argonaute  und  ScbilTer"  zu  Wien  1798  in  4»  mit  24  Kupfer- 
tafeln herausgaben.  Diese  Sammlung,  welche  die  einzige  aus  diesem 
Fache  war,  welche  zu  jener  Zeit  bestanden,  wurde  sammt  dem 
Manuuscripte  und  den  zu  obigem  Werke  gehörigen  Originalabbiidungen, 
für  den  höchst  geringen  Betrag  von  iöO  Gulden  von  Leopold  von 
Fichtel  angekauft,  und  war  für  das  kaiserl.  Cabinet  eine  umso  wich- 
tigere Acquisition,  als  der  weit  größere  Theil  derselben  in  Arten 
bestand,  welche  nicht  in  diesem  Werke  verötTentlicht  worden  waren 
und  von  denen  dieses  Cabinet  gleichzeitig  auch  die  Originalabbil- 
dungen erhielt. 

1812  wurde  das  reiche  Herbarium  kärntbnerischer  und  kraineri- 
scher  Pflanzen  des  im  Jahre  1805  zu  Klagenfurt  verstorbenen  Ex- 
Jesuiten Franz  Xaver  Wulfen,  Avelches  nahezu  an  4000  verschie- 
dene Arten  enthielt,  sammt  dem  Manuscripte  und  den  Originalabbil- 
dungen seines  zur  Herausgabe  bestimmt  gewesenen  Werkes  „Flora 
norica",  an  welchem  er  vierzig  Jahre  gearbeitet  hatte,  aus  dem  Nach- 
lasse desselben  für  das  kaiserl.  Cabinet  angekauft. 

Einen  ferneren  Zuwachs  erhielt  die  botanische  Abtheilung  durch 
den  Ankauf  einer  Sammlung  verschiedener  Holzarten  aus  Salzburg 
und  Galizien,  und  einer  nicht  unbedeutenden  Anzahl  von  aus  Ala- 
baster und  Gyps  nachgeformten  Obstsorten  und  Früchten. 

Von  höchster  Wichtigkeit  war  aber  die  Acquisition,  Avelche  die 
mineralogische  Abtheilung  für  die  Sammlung  der  Meteoriten  in  diesem 
Jahre  gemacht,  indem  sich  der  Magistrat  Elbogen  auf  Veran- 
lassung des  Directors  von  Schreibers  bestimmt  fand,  dem  kaiserl. 
Cabinete  die  schon  seit  Jahrhunderten  im  Rathhause  zu  Elbogen  unter 
dem  Namen  „der  verwünschte  Burggraf"  aulbewahrt  gewesene 
Meteor-Eisenmasse,  im  Gewichte  von  150  Pfund  ,  als  Geschenk  dar- 
zubringen. 

Außerdem  gelang  es  auch,  für  dieselbe  im  Wege  des  Tausches 
das  Fragment  eines  Meteorsteines   von  Weston    im  Staate  Connec- 


fiescliiclile  des  k.  k.  ii(jf->'Htiiialieiic;(binels  /.ii  Wien.  lObt) 

ticut  iti  Xord-Amerika  (gefallen  am  i4.  December  1807)  vom  Mine- 
ralien-Häiidlei-  ßartoii  zu  erhalten. 

Custos  Johann  Carl  Megerle  von  Mühlfeld  gab  eine 
entomologische  Abhandlung  heraus,  welche  unter  dem  Titel  „Bemer- 
kungen, Herichtigungen  und  Zusätze  zu  Illiger's  Zusätzen,  Berichti- 
gungen und  Bemerkungen  zu  Fabricii  Systema  Kleutheratorum''  zu 
Linz  in  8".  erschien. 

Am  14.  Mai  1812  wurde  das  von  den  Custoden  des  Naturalien- 
Cabinetes  seither  bezogene  Quartiergeld  jährlicher  100  Oulden  auf 
120  Gulden  erhöht. 

In  demselben  Jahre  trat  Georg  Jan,  ein  junger  Mann,  der 
sich  schon  seit  längerer  Zeit  dem  Studium  der  Botanik  und  Entomo- 
logie gewidmet  hatte,  als  freiwilliger  Practicant  bei  der  Abtheiluiig 
der  Pflanzen  und  Insekten  am  kaiserl .  Thier-Cabinete  ein. 

Die  Besorgung  der  Bibliothek,  welche  seither  dem  Custos 
Joseph  Natter  er  übertragen  gewesen  war,  wurde  nunmehr  dem 
Custos  Dr.  Bremser  zugewiesen. 

Seit  1812  wurde  auch  die  neu  errichtete  Terrasse  vorzugs- 
weise zur  Haltung  lebender  Thiere  während  der  Sommerszeit  be- 
stimmt und  dieselbe  zu  diesem  Behufe  mit  sehr  zweckmäßig  ein- 
gerichteten Käfigen  und  sonstigen  Behältnissen  ausgestattet.  . 

1813  trat  abermals  wieder  eine  Störung  in  dem  ruhigen  Fort- 
schreiten der  kaiserl.  Sammlungen  ein,  indem  durch  den  herein- 
gebrochenen Krieg  mit  Frankreich  zum  dritten  Male  eine  Flüchtung 
der  Schätze  des  kaiserl.  Hofes  geboten  erschien. 

Auch  dießmal  wurde  wieder  eine  Auswahl  der  kostbarsten  Gegen- 
stände der  kaiserl.  Sammlungen  getrotfen,  Avelche,  so  wie  im  Jahre 
1809,  unter  der  Leitung  des  Directors  von  Schreibers  nach  Un- 
garn hätten  geflüchtet  werden  sollen.  Krankheitsverhältnisse  hinderten 
ihn  jedoch  die  oberste  Aufsicht  über  diesen  Transport  zu  übernehmen 
und  wurde  dieselbe  daher  dem  Hofratbe  von  Braun  übertragen. 

Kaum  waren  diese  Güter  aber  in  der  nur  fünf  xMeilen  von  Wien 
entfernt  liegenden  Station  Fischamend  angelangt,  als  der  inzwischen 
veränderten  Sachlage  wegen,  der  Beiehl  zurRückkehr  gegeben  wurde 
und  die  verpackten  Sehätze  wieder  nach  Wien  zurückgebracht  werden 
mussten,  worauf  sodann  auch  allsogleich  zur  Einreichung  und  Auf- 
stellung der  Naturalien  in  den  betreflenden  Sammlungsabtheilungen 
geschritten  wurde. 


!()()()  Kitzinger. 

Am  28.  Mai  1813  starb  der  Directors-Adjuiict  des  kaiserl.  Na- 
turalien-Cabiiietes  Johann  Baptist  Megerle  von  Mühlfeld, 
welcher  bereits  zweiundfünfzig  Jahre  bei  dieser  Anstalt  thätig  war 
nnd  sich  mancherlei  Verdienste  um  dieselbe  erworben  hatte,  zu  Wien 
im  71.  Lebensjahre. 

Mit  seinem  Tode  ging  auch  die  seither  systemisirt  gewesene 
Directors-Adjuuctenstelle  beim  kaiserl.  Naturalien-Cabinele  ein  und 
wurde  der  mit  dieser  Stelle  verbunden  gewesene  Genuß  einer  unter- 
halb des  Mineralien-Cabinetes  im  Augustiner  Gange  gelegenen  und 
mit  diesem  Cabinete  mittelst  einer  Wendeltreppe  in  unmittelbarer 
Verbindung  gestandenen  Naturalwohnung,  dem  Custos  jenes  Ca- 
binetes  Johann  Carl  Megerle  von  Mühlfeld  zuerkannt. 

Dagegen  wurde  der  seit  1812  als  unentgeltlicher  Practicant 
bei  der  Abtheilung  der  Pflanzen  und  Insekten  am  Thier-Cabinete 
verwendet  gewesene  junge,  hoffnungsvolle  Naturforscher  Georg 
Jan,  zum  Stipendisten  bei  dieser  Abtheilung  mit  einem  jährlichen 
Bezüge  von  200  Gulden  auf  die  Dauer  von  drei  Jahren  ernannt  und 
trat  der  Weltpriester  Rochus  Seh üch  in  unentgeltliche  Dienste, 
um  sich  für  das  Fach  der  Reptilien  und  Fische  auszubilden. 

In  demselben  Jahre  unternahm  der  Stipendist  am  Thier-Cabi- 
nete Johann  Natter  er  eine  naturwissenschaftliche  Reise  in  das 
Küstenland  und  kehrte  mit  einer  ergiebigen  Ausbeute  von  Thieren 
aus  verschiedenen  Classen  zurück,  die  für  die  kaiserl.  Sammlung 
bestimmt  waren. 

Direofor  von  Schreibers,  welcher  seine  wissenschaftliche 
Thätigkeit  seit  1811  vorzugsweise  der  anatomischen  Untersuchung 
der  Harn-  und  Geschlechtsorgane  der  Reptilien  zugewendet  hatte, 
veröfTentlichte  in  diesem  Jahre  das  Resultat  seiner  Forschungen  in 
einer  besonderen  Abhandlung  „Über  den  Harn  der  Eidechsen  und 
die  vermeintliche  Harnblase  der  Amphibien"  im  Jahrgange  1813  von 
Gilbert's  „Annalen  der  Physik". 

Kinen  sehr  schätzenswerthen  Zuwachs  erhielt  im  Jahre  1813 
die  botanische  Literatur,  indem  Custos  Leopold  Trattinnick  die 
Herausgabe  seines  Werkes  „Archiv  der  Ge\\iichskunde"  begonnen 
hatte,  das  mit  250  Kupfertafeln  ausgestattet,  in  fünf  Lieferungen  zu 
Wien  zwischen  1813 — 1818  in  4»  erschienen  war,  so  wie  auch 
eines  anderen  Werkes,  das  unter  dem  Titel  „Ausgemahlte  Tafeln" 
als  Fortsetzung  des  vorgenannten,  mit  400  eolorirlen  Ku|ilVrtarelii  in 


Gesptiiclite  des  k.  k.  Ilt(f-N:ituriilieiifal)iiiets  zu  Wien.  1  (J()  I 

vier  Bänden   zu   Wien    in    4o  zwisclien   den  Jahren  1813 — 1814 
herauskam. 

1814  unternahm  der  Stipendist  am  Thier-Cabinete  Johann 
Natterer  abermals  eine  Reise  in  das  Küstenland,  um  für  das 
kaiserl.  Cabinet  Tliiere  einzusammeln  und  brachte  nebst  vielen 
anderen  Thieren  auch  41  Bälge  seltener  Vögel. 

Außer  der  zu  jener  Zeit  berühmt  gewesenen  Sammlung  zwei- 
flügeliger Insekten  (Dipteru)  des  Herrn  Gürtler  zu  Wien,  wurden 
keine  größeren  Acquisitionen  in  diesem  Jahre  für  die  einzelnen 
Abtheilungen  desselben  gemacht,  dagegen  aber  Ankäufe  kleinerer  Par 
tien  und  einzelner  Objeete  fast  aus  allen  Sammlungszweigen. 

Unter  denselben  verdient  ganz  besonders  das  Fragment  eines 
Meteorsteines  hervorgehoben  zu  werden,  der  am  15.  April  1812  bei 
Erxieben  in  der  preussischen  Provinz  Sachsen  gefallen  war  und  dem 
kaiserl.  Cabinetg  von  Professor  J  o  h  a  n  n  F  r  i  e  d  r  i  c  h  B  i  u  m  e  n  b  a  c  h 
zu  Göttingen  als  Geschenk  dargebracht  wurde. 

Wegen  des  im  September  jenes  Jahres  in  Wien  ^-warteten 
Fürsten-Congresses  wurde  die  Beendigung  der  Aufstellung  der 
zoologisch-botanischen  Sammlungen  mit  größtem  Eifer  und  auf- 
opfernder Thätigkeit  von  den  Beamten  dieses  Cabinetes  und  den 
ihnen  zugetheilten  Stipendisten  betrieben,  und  gelang  es  denselben 
dieses  schwierige  Geschäft  wenigstens  größtentheils  auch  rechtzeitig 
zu  bewerkstelligen. 

Der  sich  hierbei  erworbenen  Verdienste  wegen,  wurde  der  bis- 
herige fünfte  Custos  des  kaiserl.  Naturalien-Cabinetes  Joseph  Nat- 
terer der  Jüngere  zum  vierten  Custos  an  diesem  Cabinete  mit 
900  Gulden  Gehalt  und  120  Gulden  Quartiergeld  befördert,  wodurch 
eine  Stelle  besetzt  wurde,  welche  seit  ihrer  Creirung  ImDecember  1810 
offen  gehalten  wurde. 

Die  hierdurch  frei  gewordene  fünfte  Custos-Stelle  mit  600  Gulden 
Gehalt  und  120  Gulden  Quartiergeld  erhielt  im  Wege  der  Vorrückung 
der  seither  als  sechster  Custos  angestellt  gewesene  Dr.  Johann 
Gottfried  Bremser  und  die  sechste  Custos-Selle,  welche  gleich- 
falls mit  einem  Gehalte  von  600  Gulden  und  einem  Quarliergelde 
von  120  (julden  verbunden  war,  Abbe  Rochus  Sc  buch,  welcher 
seit  dem  Jahre  1813  unentgeltlich  am  kaiserl.  Cabinete  Dienste  ge- 
leistet und  die  Aufstellung  der  Sammlungen  der  Reptilien  und  Fische 
gemeinschaftlich  mit  Director  von  Schreibers  besorgt  halte. 


1068  FitiiMj,rer. 

Der  l)ei  der  mineralogischen  Abtheilung  des  kaiserl.  Natiiralien- 
Cabinetes  als  Chemiker  verwendet  gewesene  Stipendist  Dr.  Benja- 
min Scholz,  dessen  dreijährige  Dienstperiode  zu  Ende  gegangen 
war,  wurde  auf  fernere  drei  Jahre  in  seiner  bisherigen  Stellung  he- 
stätiget. 

Während  des  im  September  1814  begonnenen  Fürsten-Con- 
gresses  wurden  die  kaiserl.  Naturalien-Sammlungen  zu  wieder- 
holten Malen  von  den  in  Wien  versammelten  Regenten  und  Fürsten 
besucht. 

Als  Carl  August,  Großherzog  von  Sachsen -Weimar,  die 
schönen  Skelete  zur  Ansicht  bekam,  die  im  zoologischen  Cabinete 
aufgestellt  waren,  forderte  er  den  Director  von  Schreibers  auf, 
auf  seine  Kosten  von  den  selteneren  in  Österreich  vorkommenden 
Wirbelthieren  nach  und  nach  eine  Anzahl  vonSkeleten  von  demselben 
Präparator  Hermann,  der  diese  Skelete  hergestellt  hatle,  für  die 
Universität  zu  Jena  anfertigen  zu  lassen,  welchem  Verlangen  von 
Schreibers  auch  mit  gewohnter  Bereitwilligkeit  entsprach,  ob- 
gleich hierdurch  in  dem  rascheren  Fortschreiten  der  Vermehrung 
der  kaiserl.  Sammlung  eine  unvermeidlich  gewesene  Verzögerung 
entstand. 

1815  wurde  Director  von  Schreibers  vom  Kaiser  während 
seines  Aufenthaltes  in  Paris  im  Laufe  des  Sommers  nach  der  fran- 
zösischen Hauptstadt  berufen,  um  die  Ausscheidung  der  zur  Zeit  der 
französischen  Invasion  im  Jahre  1809  von  den  feindlichen  Behörden 
aus  der  Hof-Bibliothek,  der  Gemälde-Gallerie  und  dem  Münz-  und 
Antiken-Cahinete  zu  Wien  ausgewählten  Gegenstände,  welche  da- 
mals reclamirt  worden  waren,  aus  den  dortigen  Museen  zu  veran- 
lassen. 

Custos  Dr.  Bremser,  welcher  schon  früher  die  Absicht  hatte, 
Paris  zu  besuchen,  um  die  reichen  Schätze  des  dortigen  Museums 
kennen  zu  lernen  und  mit  den  zahlreichen  Gelehrten  dieser  Anstalt 
in  näheren  Verband  zu  treten,  schloss  sich  an  Schreibers  als  Be- 
gleiter auf  dieser  Reise  an. 

Später  Hess  Director  von  Schreibers  auch  den  Stipendisten 
am  Thier-Cabincte  Johann  Natterer  nach  Paris  kommen,  damit 
derselbe  die  Verpackung  der  zurückerhaltenen  Objecte  überwachen 
und  den  Transport  derselben  nach  Wien  besorgen  und  leiten  könne, 
zugleich  aber  auch   Gelegenheit  linde,   seine   Konnlnisse   an   dem   so 


Gesoliiclite  des  k.  k.  Hof-.Naturiilieticabiiiels  /ii  Wien.  lO')«) 

berühmt  gewordenen  Museum  und  den  zahlreichen  Sammlungen  von 
Privaten  zu  bereichern. 

Diese  Reise  des  Directors  von  Schreibers  nach  Paris  war 
für  die  kaiserlichen  Naturalien-Cabinete  von  manniglaitigem  Nutzen 
und  führte  denselben  in  allen  ihren  einzelnen  Fächern  wesentliche 
Bereicherungen  zu;  denn  nicht  nur  knüpfte  von  Schreibers 
Tauschverbindungen  mit  dem  Museum  der  Hauptstadt  Frankreichs 
und  vielen  französischen  Gelehrten  an,  sondern  erwirkte  auch  vom 
Kaiser  die  Bewilligung  zu  ansehnlichen  Ankäufen  von  Naturalien. 

In  Folge  seiner  Verwendung  schenkte  das  Pariser  Museum 
dem  kaiserl.  zoologischen  Cabinete  eine  beträchtliche  Anzahl  von 
Thieren  aus  seiner  eigenen  Sammlung.  Durch  dieses  Geschenk  er- 
hielt das  kaiserl.  Cabinet  nebst  21  Säiigethieren  und  122  Vögebi, 
viele  Reptilien  und  Fische,  und  eine  sehr  große  Menge  von  wirbel- 
losen Thieren  fast  aus  allen  Classen. 

Nicht  geringer  war  die  Vermehrung,  welche  den  kaiserlichen 
Cabineten  durch  die  Ankäufe  der  verschiedenartigsten  Naturalien  ge- 
worden, die  von  Schreibers  bei  den  Naturalien-Händlern  Launoy. 
Lambotin,  Roussel,  Dufresne  und  noch  mehreren  anderen  ge- 
macht hatte  und  welche  eine  Summe  von  9000  Francs  in  Anspruch 
nahmen. 

Im  Jahre  1815  wurden  aber  auch  noch  mancherlei  andere 
Acquisitionen  für  die  verschiedenen  Abtheilungen  der  kaiserlichen 
Cabinete  gemacht. 

Für  die  botanische  Abtheilung  wurde  die  von  E  r  n  e  s  t  W  i  t  m  a  n  n, 
nachmaligem  Professor  der  ökonomischen  Botanik  an  der  Wiener 
Universität  herausgegebene  forstbotanische  Sammlung  und  die  Flora 
von  Salzburg  von  Hinterhub  er  gekauft. 

Die  mineralogische  Abtheilung  erhielt  durch  Vermittlung  des 
kaiserl.  Ministers  Freiherrn  von  Hügel  von  dem  herzoglichen 
Bergrathe  Gramer  zu  Nassau  eine  Sammlung  nassauischer  Mine- 
ralien zum  Geschenke. 

Auch  die  SammUing  der  Meteoriten  wurde  wieder  vermehrt, 
indem  dieselbe  ein  Stück  der  Meteor-Eiseninasse  von  Lenarto  im 
Saroscher  Comitale  in  Ungarn  erhielt,  das  Freiherr  von  Brüdern 
in  Pest  derselben  zum  Geschenke  machte,  so  wie  auch  ein  Stück  des 
Meteoreisens   vom   Cap    der  guten    HotTnung,    das    im    Wege    des 


lOTO  Fi  ti^  in -er. 

Tausches  von  der  Gesellschaft  der  Wissenschaften  zu 
Harlem  erworben  wurde. 

Mehrere  literarische  Arbeiten,  die  Custos  Dr.  Bremser  mittler- 
weile begonnen  nnd  welche  seine  Zeit  vollauf  in  Anspruch  genommen 
hatten,  bestimmten  Director  von  Schreibers  ihn  von  der  seit  1812 
übernommenen  Besorgung  der  Bibliotheksgeschäfte  zu  entheben  und 
dieselben  wieder  dem  Custos  Joseph  Natter  er  zu  übertragen. 

Die  Vorliebe  für  Physik,  von  welcher  von  Schreibers  von 
jeher  beseelt  war  und  die  er  auch  zu  allen  Zeiten  bekundet  hatte, 
veranlassten  ihn  sich  zeitweise  mit  allerlei  physikalischen  Experi- 
menten zu  beschäftigen,  ohne  deßhalb  sein  Augenmerk  von  der 
Zoologie  abzuwenden  oder  seine  Thätigkeit  in  diesem  Gebiete  zu 
beschränken. 

Hierher  gehören  die  Versuche,  welche  er  zwischen  den  Jahren 
1812 — 1816  zur  Erzielung  einer  unausgesetzten  und  beständig 
andauernden  Pendelschwingung  mittelst  Galvanismus  durch  Anwen- 
dung Zamboni' scher  Säulen  anstellte,  so  wie  die  in  dieselbe  Zeit 
fallende  Herstellung  eines  von  ihm  ersonnenen  Hygrometers,  das  wie 
ein  gewöhnliches  Quecksilber-Thermometer  construirt  war,  doch  mit 
dem  Unterschiede,  daß  das  Quecksilber  statt  in  eine  Glaskugel,  in 
die  Harnblase  einer  Batte  eingeschlossen  war. 

Eben  so  veranlaßte  er  auch  Andere  zur  Vornahme  physikalischer 
Versuche  und  chemischer  Untersuchungen,  welche  Gegenstände  be- 
trafen, mit  denen  er  ebf.Mi  beschäftiget  war;  wie  die  Zustandebrin- 
gung  einer  künstlielieii  (  berrindung  der  Meteorsteine,  durch  plötz- 
liche Einwirkung  der  Weißglülihitze  auf  dieselben,  und  die  Analyse 
des  Harnes  der  Eidechsen  und  Frösche,  welche  beide  Aufgaben  er  in 
derselben  Periode  dem  Stipendisten  am  Mineralien-Cabinete  Dr.  Ben- 
jamin Scholz  übertrug;  endlich  die  Entwässerung  des  Weines 
durch  Verdunstung  mittelst  Anwendung  thierischer  Blasen,  womit  er 
zur  selben  Zeit  den  Custos  Dr.  Bremser  betraute;  ein  Gegenstand, 
auf  welchen  er  durch  die  Wahrnchnuing  geleitet  wurde,  daß  sich 
der  Wassergehalt  des  Alkohols  in  den  mit  Blase  verschlossenen  Prä- 
paraten-tJläsern  mit  der  Zeit  beträchtlich  verringert. 

Nicht  minder  unterstützte  er  auch  die  in  das  Gebiet  der  Natur- 
geschiciite,  Physik  und  Chemie  einschlagenden  Untersuchungen  und 
Versuche  fremder,  nicht  dem  kaiserl.  Natiiralien-Cabinete  angehören- 
den Personen  und  Qcstüttctc  ilinon.  dieselben   in  den   Bäumlichkeilcn 


(Jeseliii'hte  des  k.  k.  Hof-Naturalieiiciiliiiiets  zu  Wk-ii.  1  ü  /  I 

des  kaiserl.  Cabinetes  vorzunehmen,  auch  selbst  wenn  es  Versuche 
waren,  die  sich  auf  völlig  irrige  Voraussetzungen  gründeten  und 
deren  Mißlingen  man  schon  in  Voraus  als  gewiß  bezeichnen 
konnte. 

Ein  solcher  Versuch  war  die  von  Dr.  Jobann  Franz  Ries, 
nachmaligem  praktisciien  Arzte  zu  Szigeth  in  der  Marmaroser  Gespann- 
schaft in  Ungarn,  angestrebte  willkürliche  Züchtung  verschiedener 
Fliegenarten  mittelst  Anwendung  besonders  ausgewählter  Köder,  zu 
dessen  Vornahme  Director  vo  n  Schreibers  den»  Unternehmer  in 
den  Jahren  1812  — i81 6,  ein  eigenes  Locale  im  ohersten  Theile  des 
Dachgeschosses  unterhalb  der  Giebel  eingeräumt  hatte. 

Der  rasche  Aufschwung,  welchen  das  kaiserliche  Naturalien- 
Cabinet  in  der  hier  geschilderten  Periode  von  1792  bis  Ende  ISIS 
genommen  und  die  streng  wissenschaftliche  Richtung,  welche  bei 
Verfolgung  des  von  den  beiden  Directoren  Abbe  Stütz  und  Carl 
von  Schreibers  angestrebten  Zieles  eingeschlagen  wurde,  konnte 
für  die  Freunde  der  Naturgeschichte  nicht  ohne  wirksamen  Einfluß 
bleiben  und  mußte  auch  bald  unter  denselben  Nachahmung  finden. 

Als  ein  Reweis  dafür  mag  die  große  Zahl  von  Sammlungen  der 
verschiedenartigsten  Naturproducte  gelten,  welche  während  dieser 
Zeit  in  der  Hauptstadt  des  Reiches  entstanden  sind,  so  wie  auch  der 
rege  Handel  mit  Naturalien  aller  Art,  der  erst  \on  dieser  Zeit  an 
seinen  Anfang  genommen  und  schon  in  kurzer  Zeit  eine  so  große 
Ausdehnung  gewonnen  hatte  *). 


Mit  dem  Jahre  ISIS  ist  ein  Zeitabschnitt  in  der  Geschichte  des 
k.  k.  Hof-Naturalien-Cabinetes  abgeschlossen,  welcher  als  die  Ent- 
wickelungs-Periode  dieser  Anstalt  betrachtet  werden  kann. 

Seit  seiner  ursprünglichen  Gründung  im  Jahre  1748  durch 
Kaiser  Franz  I.  bis  zum  Sehluße  des  Jahres  ISlö,  bat  dasselbe  in 
einem  Zeiträume  von  68  Jahren  verschiedene  Phasen  seiner  allmähli- 
gen  Entwickelung  durchlaufen,  unter  denen  das  Jahr  1790,  wo  durch 
Kaiser  Franz  II.  ein  eigenes  zoologisches  Cabinet  geschaffen 
Avurde ,  und  das  Jahr  1806,  wo  dieses  Cabinet  durch  Director 
Schreibers  eine  streng  wissenschaftliche  Gestaltung  erhielt,  be- 
sonders hervori>elioben  zu  werden  verdienen. 


1072  K  i  t  i  i  11  or  e  r. 

Ich  behalte  mir  vor,  in  der  demnächst  erscheinenden  Fort- 
setzung der  Geschichte  dieser  eben  so  schönen  als  belehrenden  An- 
stalt, welche  unserem  Vaterlande  zur  wahren  Zierde  gereicht,  durch 
eine  getreue  Darstellung  der  stattgefundenen  Vorgänge  und  Ereig- 
nisse, deren  ferneres  Kniporblühen  in  schlichter  Schilderung  zur 
Anschauung  zu  bringen. 


IV  o  t  c  n. 


1)  ünstreitifj  war  Rudoljjli  II.  der  Gründer  der  Sammlung  physikalischer 
\md  astronomischer  Instrununte,  welche  er  theils  zu  Wien,  Iheils  zu  Prag  in 
seiner  Hoiburg  bewahrte. 

Manche  derselben  benutzten  Tychode  Brahe  und  K  ep  p  1  e  r  zu  ihren 
astonoinischen  Beobachtungen,  während  viele  andere  vom  Engländer  Dee,  dem 
bekannten  .Magier  K  u  d  o  I  p  h's,  auf  eine  Weise  bei  seinen  magischen  Künsten  und 
Geisterbeschwörungen  angewendet  wurden,  daß  er  sowohl  als  auch  Rudolph 
des  festen  Glaubens  waren,  es  wäre  ihnen  eine  gewaltige  Zaubergabe  eigen. 

Unter  den  nachfolgenden  Regenten  wurde  diese  Sammlung,  welche  zum 
Theile  mit  allerlei  Kunstschätzen,  Gemälden,  Antiken,  Münzen  und  anderen 
Seltenheiten  vereint,  in  der  kaiserlichen  Kunstkammer  im  zweiten  Stockwerke 
der  Staliburg  zu  Wien  aufbewahrt  wurde,  zum  Theile  aber  auch  in  der  Hofburg 
selbst  und  im  kaiserliehen  Lustschlosse  Ebersdorf  vertheiit  war,  wenig  oder 
gar  nicht  gepflegt. 

Erst  unter  Kaiser  Carl  VI.  gewann  dieselbe  17;>8  durch  den  im  voran- 
gegangenen Jahre  erfolgten  Ankauf  der  vom  Prinzen  Eugen  von  Savoyen 
liinterlassenen  physikülischen  und  a.stronomischen  Instrumente  einigen  Zuwachs, 
indem  hierdurch  nicht  nur  ein  großer  ßrennspiegel,  mehrere  ausgezeichnete 
Fernröhre  und  viele  andere  astronomische  und  optische  Instrumente  erworben 
wurden,  sondern  auch  das  berühmte,  von  Küe  helbecker  in  dessen  „Nach- 
rieht vom  kaiserlichen  Hofe"  (Zweite  Ausgabe,  Hannover  1732.  S**),  umständ- 
lieti  beschriebene  copernikaiiiscbe  Planeten-System,  welches  der  Engländer 
Rouwley  112^  nach  dem  .Muster  einer  früher  für  den  König  von  Großbritan- 
nien gearbeiteten  Maschine  dieser  Art  für  Eugen  verfertigte  und  welclies  der 
Kaiser  in  der  Hof-Biliothek  aufzustellen  befahl. 

Ihren  vorzüglichsten  Glanzpunkt  eneichte  diese  Sammlung  aber  unter 
Kaiser  Franz  I.,  welcher  dieselbe  gleichsam  neu  gründete,  indem  er  sie  zu 
einer  selbstsländigen  Sammlung  erhob  und  ihr  jene  des  Hauses  Lothringen 
zum  Grunde  legte. 

Er  ließ  die  bereits  vorbamienen  Instrumente  aus  der  Stallburg,  der  Huf- 
burg und  dem  Schlosse  Ebersdorf  in  das  zur  Aufstellung  seiner  neuen  Samm- 
lungen von  Gemälden,  Antiken,  .Münzen  und  .Mosaik-Gegenständen  eigen.s  ange- 
kaufte, vormals  giäflich  L  a  m  be  rg'sclie  Freihaus  in  der  Wallnerstraße,   das 


fiescliiclile  des  k.  k.  llor-N;iliiialii'iiciil)iiiels  /.ii  Wien.  1  0  <  3 

sogenannte  ..Kaiserhaus"  (spiiterliin  ein  Eigentlium  des  Grafen  von  Czernin) 
bringen,  und  vermehrte  sie  mit  unjieheuerem  Kostenaufwande,  nachdem  er  sie 
seiner  eisjenen  Sammlung  angereiht  liatte. 

So  kaufte  er  eine  der  größten  Eiektrisir-llaschinen  jener  Zeit,  den  größ- 
ten, selbst  noch  bis  jetzt  bekannten  Metall-Brennspicgel,  viele  andere  phyika- 
liscLe  und  astronomische  Instrumente,  die  mannigfaltigsten  optischen,  physika- 
lischen und  cliemischen  Apparate,  so  wie  die  verschiedenartigsten  mecha- 
nischen Kunstwerke  und  Modelle. 

Auch  ließ  er  1733  durch  den  berühmten  Mechaniker  .1  oha  nn  Georg 
Neßtfellj  den  er  eigens  nach  Wien  berufen  und  mit  einem  lebenslänglichen 
Gehalte  und  einer  goldenen  Gnadenkette  betheilt  hatte,  eine  höchst  kunstvolle 
Miischine,  das  copernikansche  Planeten-System  darstellend,  aus  Metall  verfer- 
tigen und  dieselbe  1754  neben  der  Rou  w  ley'schen  in  der  Hof-Bibliothek  auf- 
stellen, von  welcher  Maschine  Neßtfell  später  eine  umständliche  Beschrei- 
bung herausgab,  die  unter  dem  Titel  ..Beschreibung  der  copernikanischen 
Planeten-Maschine"  zu  Bamberg  in  Folio  erschien. 

Zum  Director  dieser  Sammlun«;  ernannte  der  Kaiser  im  Jahre  1748  den 
seit  1745  mit  der  Stelle  eines  Hof-M  ithematikers  und  Explanators  der  Mathe- 
sis  practica  et  speculativa  an  der  AViener  Universität  betraut  gewesenen  Abbe 
Johann  Marcy,  nachmaligen  Domherrn  zu  Leitmeritz  und  Soignies,  und  be- 
rief 1707  den  berühmten  Mechaniker  Friedrich  von  Knaus,  welcher  seit- 
her im  Dienste  des  Herzogs  Ca  rl  von  Lothringen  stand,  aus  Brüssel  als 
Hof-Mechanikus  nach  Wien. 

Nach  dem  Tode  Kaisers  Franz  I.  1765  ließen  Ma  ria  T  h  er  esia  und 
Joseph  diese  Sammlung  in  die  schon  17ti4  hergestellien  Säle  im  Augustiner 
Gange  der  kaiserlichen  Hofburg  bringen,  welche  zur  Auf  lalime  sowohl  dieser 
Sammlung,  als  jener  der  Nafuralion,  Münzen  und  Antiken  bestimmt  waren,  und 
stellten  dieselbe  nebst  allen  anderen  kaiserlichen  Sammlungen,  unter  die  Ober- 
aufsicht des  jeweiligen  Oberst-Kämmerers. 

Zwei  Säle  waren  der  Aufstellung  dos  neuen  physikalischen  Cabinetes  ge- 
widmet, 17G8  der  Hof-Mechanikus  Friedrich  von  Knaus,  dem  Director 
Abbe'  Marcy  als  Inspector  beigegeben  und  J  os  eph  Polansky  zum  Mecha- 
niker bei  demselben  ernannt. 

In  eben  diesem  Jahre  wurde  auch  die  Sammlung  auf  Befehl  der  Kaiserin 
durch  von  Knaus  neu  eingerichtet  und  das  von  dem  Weltpriester  Franz 
Borghesi,  vom  Nonsberge  aus  Tirol,  höchst  kunstvoll  und  sinnreich  verfer- 
tigte, mit  einer  Universaluhr  in  Verbindung  stehende  Planeten-System,  welches 
im  „Wienerischen  Diarium"  vom  18.  Mai  1768,  Nr.  40  beschrieben  ist,  für  die- 
selbe angekauft;  wofür  die  Kaiserin  dem  Erfinder,  nebst  einem  jährlichen  Ge- 
halte, auch  die  Erlaubniß  ertheilte,  in  diesem  Museum  arbeiten  zu  dürfen. 

Von  Knaus  verfertigte  in  der  Folge  viele  kunstreiche  Maschinen,  welche 
dieser  Sammlung  einverleibt  wurden  und  worunter  sich  vorzü^'lich  dessen  im 
Jahre  1760  vollendete  Schreibmaschine  au^zeichnet,  eine  metallene  Figur, 
deren  Hand  jedes  verlangte  Wort  zu  Papier  bringt  und  dabei  selbst  die  Feder 
in  die  Tinte  taucht. 


j  1)^  A  r  i  t  7.  i  n  R-  e  r. 

Eine  Beschreibung  der  wichtigsten  von  Knaus  erfundenen  Maschinen  er- 
schien von  einem  ungenannten  und  nur  mit  den  Buchstaben  P.  M.  a.  S.  S.  S 
bezeichneten  Herausgeber,  unter  dem  Titel  „Friedrichs  von  Knauss  selbst- 
schreil)entle  Wundermaschinen,  auch  melir  andere  Kunst-  und  Meisterstücke", 
son  vielen  Abbildungen  begleitet,  zu  Wien  1780  in  8". 

Nach  dem  1772  erfolgten  Tode  des  Abbe  M  arcy,  welcher  seit  1770  auch 
Director  der  physikalisch -mathematischen  Studien  an  der  Wiener  Universität 
«nd  der  Erfinder  vieler  neuen  Instrumente  war,  ernannte  die  Kaiserin  den  rühm- 
lichst bekannten  Physiker  und  Aleehanikcr  Joseph  Anton  Nagel,  welcher  seit 
1748  an  der  Stelle  Marcy's  das  Amt  eines  Hof-Mathematikers  bekleidete  und 
demselben  1772  auch  als  Director  der  physikalisch-mathematischen  Studien  an 
der  Wiener  Hochschule  gefolgt  war,  zum  Director  des  kaiserlichen  physikali- 
schen Cabinetes. 

Nagel,  welcher  schon  1749  eine  Abhandlung  „Über die  außerordentlichen 
Heuschrecken,  so  sich  in  Österreich  zeigten"  schrieb,  die  als  Manuscript  in  der 
kaiserl.  Hof-Bibliothek  aufbewahrt  wird,  im  Jahre  1748  auf  Kosten  Kaisers 
Franz  I.  und  Maria  T  h  e  r  e  s  i  a's  nach  Steiermark  und  Krain  gesandt  wurde, 
um  Mineralien  einzusammeln,  1730  England,  Frankreich  und  Holland  bereisen 
mußte,  um  daselbst  Naturalien  einzukaufen  und  in  demselbem  Jahre  in  Ungarn 
dieKarpathen  zu  untersuchen  halte,  erhielt  1768  von  der  Kaiserin  den  Befehl, 
wegen  des  am  21.  Februar  jenes  Jahres  in  Wien  und  dessen  Umgebung  stattge- 
fundenen Erdbebens,  die  Gegend  um  den  Schneeberg  einer  genauen  Untersu- 
chung zu  unterziehen.  Eine  Schilderung  dieses  Erdbebens  gab  er  in  einer  beson- 
deren Schrift,  die  unter  dem  Titel  „Ausführliche  Nachricht  von  dem  am 
21.  Hornung  1768  in  und  um  Wien  erlittenen  Erdbeben"  zu  Wien  1768  in  8" 
erschien. 

Im  Auftrage  der  Kaiserin  verfertigte  derselbe  auch  das  Modell  zu  einer 
Maschine,  mittelst  welcher  ganze  Baumstöcke  sammt  der  Wurzel  aus  dem  Boden 
gehoben  werden  konnten,  und  ein  anderes,  um  mit  aufrechtem  Körper  Flüsse 
durchschreiten  zu  können,  welche  beide  nebst  seinen  vielen  optischen  Zeichnun- 
«ren  im  Museum  aufbewahrt  wurden,  während  die  Beschreibungen  seiner  man- 
nigfaltigen Erfindungen  in  der  kaiserl.  Hof-Bibliothek  hinterlegt  wurden. 

In  den  1770ger  Jahren  wurden  auch  die  berühmte,  schon  1671  von  Georg 
Mayer  in  München  verfertigte  astronomische  Uhr  für  die  kaiserl.  Sammlung 
angekauft,  welche  mehrere  Zifferblätter  in  sich  faßt  und  die  regelmäßigen  Er- 
scheinungen im  Planeten-Systeme  anzeigt,  so  wie  die  schöne  D  e  s  a  g  u  1  i  e  r'sche 
mechanische  Optik  und  viele  Modelle  von  Bergwerksmaschinen. 

1781  erhielt  das  Museum  einen  zweiten  Mechaniker  in  der  Person  des 
J  oseph  l)  ietr  ich,  und  einen  Diener,  welcher  zugleich  auch  für  das  Münz- 
und  Medaillen-Cabinet  bestimmt  war,  bis  nach  dem  Tode  Polansky's  im  Jahre 
1783  Dietrich  dessen  Stelle  einnahm  und  jene  eines  zweiten  Mechanikers 
nicht  mehr  besetzt  wurde. 

Eben  so  blieb  auch  die  Stelle  eines  Inspectors  bei  dieser  Sammlung  unbe- 
setzt, als  Friedrich  von  Knaus,  welcher  dieselbe  seither  eingenommen 
halte,  am  14.  August  1789  im  66.  Lebensjahre  zu  Wien  starb. 


fiesi'hii'hU'  «les  k.  k.  Hnt'-NiiliiralieiK';tliiiiets  zu  Wii'ii.  1  ü  7  .1 

1791  ordnete  Kaiser  I^eopold  II.  eine  neue  Aufstellung  der  kaiserl.  Na- 
turalien-Samniiung  an,  und  da  dieselbe  eine  Erweiterung  des  Raumes  erforderte, 
auch  die  Räunning  der  beiden  an  die  Naturalien-Sammlung  ansfossenden  Säle, 
welche  die  physikalische  Sammlung  enthielten,  von  denen  der  eine  für  die  Na- 
turalien-Sammlung, der  andere  für  die  Sammlung  von  Mosaiken  bestimmt  wurde. 

Die  physikalische  Sammlung  wurde  daher  einstweilen  in  einem  großen 
Saale  im  sogenannten  Schweizerhofe  der  kaiserl.  Hofburg  untergebracht,  wo 
sie  so  gut  als  es  der  beschränkte  Raum  gestattete,  vorläufig  aufgestellt  wurde, 
bis  zur  Gewinnung  einer  anderen  Localität  Mittel  gemacht  werden  könnten. 
Eben  dieser  Beschränktheit  des  Raumes  wegen  wurde  aber  auch  ein  Theil  ent- 
behrlicher Instrumente  und  Apparate  dieser  Sammlung  an  verschiedene  Institute 
in  Wien  vertheilt. 

Der  bisherige  Director  Joseph  Anton  Nagel  wurde  gleichzeitig  in  den 
Ruhestand  versetzt  und  die  Aufsicht  über  diese  Sammlung  dem  Mechaniker 
Joseph  Dietrich  übertragen. 

Nach  dem  Tode  Leopo  Id's  II.  ließ  Kaiser  Franz  If.  1793  neben'jenem 
Saale,  in  welchem  die  physikalische  Sammlung  gedrängt  untergebracht  war. 
am  Ende  des  linken  Flügels  der  kaiserl.  Hofburg  einen  Saal  mit  einigen  Neben- 
gemächern und  einen  astronomischen  Thurm  erbauen,  in  der  Absicht,  mit  dem- 
selben die  physikalische  Sammlung  zu  verbinden  und  in  demjThurme  eine 
Camera  obscura  anzulegen. 

Doch  eine  vom  Kaiser  in  demselben  Jahre  angekaufte  Sammlung  ausge- 
stopfter inländischer  Säugethiere  und  Vögel,  so  wie  einer  kleinen  Sammlung 
einheimischer  Insekten,  stellte  der  Ausführung  seines  Planes  für  die  physika- 
lische Sammlung  einen  größeren  Raum  zu  gewinnen,  für  einige  Zeit  ein  neues 
Hinderniß  entgegen,  da  diese  zoologischen  Sammlungen,  welche  der  Kaiser  zu 
seinem  Privatgebrauche  bestimmte,  nirgends  anders  untergebracht  werden  konn- 
ten, als  in  dem  neuen  großen  Saale  unterhalb  des  astronomischen  Thurmes,  wo- 
hin sie  zu  Anfang  des  Jahres  1794  gebracht  wurden. 

Am  6.  Mai  1794  starb  auch  der  seit  1791  in  den  Ruhestand  versetzte 
Director  des  physikalischen  Cabinefes  Joseph  Anton  Nagel  zu  Wien  im 
78.  Lebensjahre. 

Abbe  Simon  Eberle,  welcher  sich  schon  früher  am  kaiserl.  Hofe  einen 
Ruf  als  Physiker  erworben  und  auf  den  Wunsch  Kaisers  Leopold  H.  schon 
1791  eine  Zusammenstellung  physikalischer  Instrumente  zum  Privatgebrauche 
des  Kaisers  besorgt  hatte,  wurde  1794  auch  von  Kaiser  Franz  mit  dem  Auf- 
trage betraut,  das  Observatorium  in  dem  neuerbauten  astronomischen  Thurme 
in  der  Hofburg  einzurichten. 

Hierauf  ernannte  ihn  der  Kaiser  1795  zum  Director  seines  neu  zu  errichten- 
den physikalischen  Cabinetes  und  Abbe  Simon  Eberle  legte  dem  3Ionarchen 
1796  einen  Plan  vor,  nach  welchem  dieses  physikalische  Cabinet  mit  dem  astrono- 
mischen und  einem  Kunst-  und  Thier-Cabinele  vereiniget  und  in  dem  linken 
Flügel  des  Hofbibliothek -Gebäudes  am  Josephsplatze  untergebracht  werden 
sollte. 


1070  F  i  t  i  i  n  <>  c  r. 

Der  Kaiser  genehmigte  diesen  Plan  und  das  neue  Cabinet  erhielt  nun  den 
Namen  „Physikalisches-  und  astronomisches  Kunst-  und  Nalur-Thicr-Cabinet". 

Da  sich  jedoch  zu  jener  Zeit  daselbst  noch  die  Naturalwohnungen  des  Hof- 
Mbliolliok-Priifccten  und  eines  Scriptors  dieser  Anstalt  befanden,  so  konnte  die 
Hi'alisirung  dieses  Planes  erst  im  Jahre  1797  erfolgen. 

Für  das  physikalisch-:istronomisclie  und  Kunst-Cabinet  wurden  das  erste 
»md  zweite  Stockwerk  im  linken  Trakte  jenes  Gebäudes  bestimmt,  die  Samm- 
lungen selbst  in  drei  Zimmern  des  ersten  Stockwerkes  aufgestellt,  die  Gemächer 
des  zweiten  Stockwerkes  aber  als  Werkstütte  für  den  Mechaniker  und  Auf- 
bewahrungs-Locaie  des  zur  Herstellung  jthysikalischer  Instrumente  nöthigen 
Materials  und  der  hierzu  erforderlichen  Geräthschaften  benützt. 

Im  dritten  Zimmer  dieser  Sammlung  wurde  die  Büste  Kaisers  Franz  II. 
aus  carrarischem  Marmor  von  Franz  Zauner,  auf  einem  Sockel   aufgestellt. 

Gegen  das  Ende  des  Jahres  1797  war  die  Aufstellung  der  Sammlungen 
heendifrt  worden  und  konnten  dieselben  noch  am  2.  December  der  Besichtigung 
des  Publicums  freigegeben  werden. 

1800  wurde  für  dieses  Cabinet  ein  besonderer  Diener  bewilliget  und  diese 
Stelle  Ludwig  Celanfi  verliehen. 

1801  fand  sich  der  Kaiser  bestimmt,  den  bisherigen  Director  Abbe  Simon 
von  Eberle  in  den  Ruhestand  zu  versetzen  und  in  Folge  dieses  Beschlusses 
wurde  auch  der  Cabinets-Diener  Ludwig  Celanfi  seiner  Stelle  enthoben. 

Die  Direction  über  dieses  Cabinet  wurde  nun  provisorisch  dem  zweiten 
Director  des  Naturalien-Cabinetes  Abbe  Andreas  Stütz  überfragen. 

Zu  Anfang  des  Jahres  1802  erfolgte  die  Vereinigung  dieses  Cabinetes,  das 
ein  Privat-Eigenthum  des  Kaisers  war,  mit  dem  alten  Naturalien-Cabinete,  welches 
seit  seiner  Gründung  im  Jahre  1748  als  Eigenthuin  dem  Staate  angehörte  und 
erhielt  dasselbe  jetzt  die  Benennung  „Vereinigtes  Naturalien-  physikaiisches- 
und  astronomisches  Cabinet". 

Gleichzeitig  wurde  der  Director  des  Naturalien-Cabinetes  Abbe  Andreas 
Stütz  mit  der  Direction  über  dieses  nunmehr  vereinigte  Cabinet  betraut. 

In  demselben  Jahre  wurde  der  bisherige  Professor  der  Physik  und  Natur- 
geschichte am  k.  k.  Thcresianum  Abbe  Christoph  Stelzh  am  m  e  r  zum^Custos 
bei  der  physikaliscli-astronomischen  Abtlieilung  dieses  Cabinetes  ernannt. 

1803  erhielt  diese  Abtheilung  wieder  einen  Diener  AI  bert  Jachs. 

1804- wurde  die  Werkstütte  des  Mechanikers,  welche,  seither  die  Localitäten 
im  zweiten  Stockwerke  des  linken  Traktes  des  Gebäudes  eingenommen  fhatte, 
aufgelassen,  da  dieselben  zur  Aufstellung  eines  Theiles  der  zoologischen  Samm- 
lunjjen,  so  wie  auch  der  Pflanzen  aus  Wachs  verwendet  werden  mußten. 

Im  Jahre  180(5,  am  1 1 . Februar,  starb  Director  Abbe  Andreas  Stütz,  im 
59.  Jahre  zu  Wien. 

Nach  dessen  Tffde  wurde  die  physikalisch -astronomische  Abtheilung  des 
kaiserl.  Cabinetes  unter  eine  besondere  Direction  gestellt,  Custos  Abbe  Chri- 
stoph  S  tel  zhammer  zum  Director  über  dieselbe  ernannt,  und  diese  nun- 
mehr sclbslständige  Sammlung  mit  dem  Namen  „Physikalisches  Cabinet«  be- 
reichnot.  Die  Custos-Stelle  wurde  aber  nicht  wieder  besetzt. 


fji'scliiclite  des  k.  k.  f!<)f-.Nnt\ir;ilieiicahiiiets  zu  Wien.  10/  i 

Als  im  .liilire  1810  die  Thier-Sninmiunf;en  neu  aufgestellt  werden  sollten, 
mußten  die  LocalitiUen,  weiche  das  physikalische  Cabinet  im  ersten  Stock- 
werke des  linken  Traktes  des  Gebäudes  seither  einfj^enonimen  hatte,  geräumt 
werden  und  wurde  dasselbe  in  die  vom  Kaiser  ursprünglich  für  diese  Sammlung 
bestimmte  Localität  von  zwei  Zimmern  unterhalb  des  astronomischen  Thurmes 
in  die  kaiserl.  Hofburg  verlegt. 

Abbe  Stelz hammer  zog  nun  in  dem  Saale  des  astronomischen  Thurmes 
die  Mittagslinie  und  begann  mit  der  Aufstellung  des  astronomischen  Theiles  der 
Sammlung,  welcher  mit  vielen  neuen  Instrumenten  vermehrt  wurde,  unterdenen 
sich  auch  ein  neun  Fuß  langes  N  e  wto  n'scbes  Teleskop  von  Her  seh  el,  ein 
großer  gregorianischer  Tubus  und  mehrere  Fernröhre  von  Do  II  and  und 
Ramsden  befanden. 

Hier  konnten  diese  Sammlungen,  welche  der  großen  Beschranktheit  des 
Raumes  wegen  nur  nothdürftig  untergebracht  worden  waren,  von  einzelnen 
Personen  und  Gesellschaften  nach  vorausgegangener  Verständigung  mit  dem 
Director  zwar  besichtiget  werden,  doch  war  kein  besonderer  Eintritt  für  das 
Publicum  festgesetzt. 

1813  starb  der  Mechaniker  dieses  Cabinefes  Joseph  Dietrich,  dessen 
Stelle  jedoch  nicht  wieder  besetzt,  sondern  gänzlich  eingezogen  wurde. 

In  demselben  Jahre  und  bevor  noch  die  Aufstellung  der  hier  angehäuften 
jihysikalischen  Apparate,  Instrumente  und  Geräthschaften,  so  wie  der  verschie- 
denen Kunsfgegenstände  beendiget  worden  war,  sah  sich  der  Kaiser  veranlaßt, 
den  größten  Theil  dieser  Sammlung  an  das  neu  errichtete  Polytechnische  Insti- 
tut zu  schenken,  wodurch  viel  an  Raum  gewonnen  wurde. 

Zwischen  den  Jahren  1820— 1824  hieltDirector  Abbe  Chr  ist  oph  Stelz- 
hammer in  den  Localitälen  der  kaiserl.  Sammlungen  während  der  Winter- 
monate Vorträge  über  Physik  und  Astronomie,  an  welchen  auch  Damen  theil- 
nehmen  konnten. 

1827  wurde  Johann  Albert  Jachs,  der  Sohn  des  Cabinets-Dieners 
Albert  Jachs,  seinem  Vater  adjungirt,  1830  erhielt  er  den  Titel  eines 
Custos  und  nach  dem  Tode  seines  Vaters  im  Jahre  1832  wurden  ihm  dieselben 
Rezüge  zuerkannt,  welche  dieser  seither  genossen  hatte,  Gehalt  und  Natural- 
wohnung. 

1840  am  10.  October  starb  der  greise  Director  dieses  Cabinetes  Abbe 
Christoph  Stelzhammer  zu  Linz  im  91.  Lebensjahre  und  Professor 
Dr.  Johann  Nep.  Hoffer,  seither  Lehrer  Ihrer  kaiserl.  Hoheiten  der  Herren 
Erzherzoge  Franz  Joseph,  Ferdinand  Maximilian  und  Carl  Lud- 
wig, wurde  an  dessen  Stelle  zum  Director  des  kaiserl.  Physikalisch-astronomi- 
schen Cabinetes  ernannt,  der  Gehalt  des  Titular- Custos  Johann  Albert 
Jachs  erhöht. 

Gleichzeitig  wurde  auch  die  Trennung  der  physikalischen,  von  der  astro- 
nomischen Sammlung  angeordnet,  und  erstere  in  einige  Gemächer  im  zweiten 
Stockwerke  des  rückwärtigen  Traktes  des  sogenannten  Reichskanzlei-Gebäudes 
verlegt. 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  I.VII.  Bd.  I.  Abth.  69 


ld7S  Fit/,  in  fr  er. 

18()(*  Winde  (Um- Direclor  Professor  Dr.  Johann  Nt-p.  Hoffer  in  don 
Ruhestand  versetzt  und  der  Beschluss  gefaßt,  die  Direelors  -  Stelle  dieses 
Cabinetes  eingehen  zu  lassen  und  die  physikalisch-astronomischea  Sammlungen 
nur  unter  die  Aufsicht  eines  wirkliehen  Custos  zu  stellen,  zu  welchem  der  bis- 
herige Titular-Custos  Johann  Albert  Jachs  ernannt  wurde. 

1868  am  12.  Mai  starb  auch  Custos  Johann  AlbertJachs. 

2J  Die  ethnographische  Sammlung  verdankt  ihre  Entstehung  Kaiser 
Franz  II.,  welcher  dieselbe  im  Jahre  18ÜG  gründete. 

Veranlassung  hierzu  gab  die  in  jenem  Jahre  zu  London  im  Versteigerungs- 
wege zu  Kauf  ausgebotene  Sammlung  des  berühmtenSeefahrers  J  ames  Cook, 
welche  derselbe  auf  seinen  wiederholten  Reisen  um  die  Welt  von  den  ürbewoh- 
nern  der  verschiedenen  Inseln  des  stillen  Oceans  zu  erwerben  Gelegenheit  fand 
und  bei  seiner  Rückkehr  nach  England,  nach  London  gebracht  hatte. 

Leopo  Id  V  0  n  Fi  ch  tel,  welcher  vom  Kaiser  beauftragt  war,  aus  dem  in 
demselben  Jahre  zur  öffentlichen  Versteigerung  gekommenen  Lever'schen,  nach- 
mals Parkinson'schen  nalurhistorischen  Museum  eine  Auswahl  der  seltensten 
und  kostbarsten  Thiere  jener  Sammlung  für  das  vom  Kaiser  im  Jahre  1796  in's 
Leben  gerufene  Thier-Cabinet,  welches  einen  Theil  desNaturalien-Cabinetes  bil-  . 
dete,  anzukaufen,  erhielt  auch  den  Auftrag,  die  ethnographische  Sammlung 
Cook's  auf  kaiserliche  Kosten  an  sich  zu  bringen. 

Diese  Sammlung  bestand  theils  aus  Kleidungsstücken  und  Putzgegenstän- 
den, theils  aus  Götzenbildern,  Waffen,  Werkzeugen,  Instrumenten  und  Geräth- 
schaften,  und  enthielt  210  verschiedene  Gegenstände. 

Hierunter  zeichneten  sich  vorzüglich  die  schweren  Dolche  und  Opfermes- 
ser aus  Beilstein  aus,  womit  die  ursprünglichen  Eingeborenen  von  Taiti  ihre 
Gefangenen  zu  schlachten  pflegten  ;  fei*ners  lange  und  schwere  hölzerne  Kriegs- 
keulen fPatapatoo's)  und  hölzerne,  mit  zierlichem  Schnitzwerke  versehene 
Lanzen  der  vormaligen  Bewohner  der  Freundschafts-  und  Sandw  ich-Inseln,  von 
Neu-Seeland,  dem  Nootka-Sunde  u.  s.  w.,  sodann  verschiedene  Stech-  und 
Schneidewerkzeuge,  Stämmeisen,  Meißel  und  Beile  aus  Basalt  und  Beilstein; 
Polirwerkzeugeaus  Thierzahnen,  Gravir-Instrumente  aus  Hayßschzähnen,  Tato- 
wirungs-Instrumente  aus  Holz,  Musik-Instrumente,  Kämme  aus  Holz  und  Knochen, 
Waschschlögel  (Clothbeater's)  aus  Holz,  Netznadeln  aus  feinen  Holzstäbchen 
und  zierlich  geflochtene  Körbe  ans  Schilf,  Stroh.  Bast  u.  s.  w. 

Zu  ilieser  Sanunlung,  welche  wegen  Mangel  eines  geeigneten  Locales  im 
kaiserl.  Naturalien-Cabinete  im  rechten  Flügel  des  Hofbibliothek-Gebaudes  am 
Josephspiatze  nicht  aufgestellt  w  erden  konnte  und  einstweilen  daselbst  in  einem 
Magazine  unter  den  Giebeln  des  Daches  untergebracht  werden  mußte,  kamen 
noch  im  Jahre  1808  mancherlei  Geräthschaflen  der  Bewohner  von  Ägypten  aus 
alter  und  neuer  Zeit,  welche  Filippo  Agnello  zwischen  den  Jahren  1803 
—  1806  auf  seinen  Reisen  gesammelt  und  die  Graf  von  Savorgnan  dem 
kaiserl.  Cabinete  zum  Geschenke  machte,  ferners  zehn  verschiedene  ethnogra- 
phische Gegenstände  der  ursprünglichen  Einwohner  von  Neu-Holland ,  welche 
von  demMineralien-Häruller  Duss  o  Id  und  dein  Naturalien-Händler  Unterhol- 
zer angekauft  wurden,  und  1816  ein  Geschenk  Seiner  kaiserl.  Hoheit  des  Herrn 


CcscIli.liU-  ilc-s  k.  \i.  l|or-N;,(iM:,llrn.Ml.iiM'ls  /.ii  WiiMi.  i  070 

K  rz  h  erz  ogs  Joh  a  nn  Bapt  i  s  t.  welches  in  zwölf  verschiciienon  othnofjra- 
phischen  Gegenständen  mehrerer  anderen  wilden  Völkerstämme  bestand. 

Erst  im  Jahre  1818  erhielt  diese  Sammliinfr  wieder  einen  bedeutenderen 
Zuwachs,  indem  Herr  Carl  Giesecke,  Professor  der  Mineralogie  zu  Dublin, 
ein  geborener  Augsburger,  welcher  sich  mehrere  Jahre  hindurch  in  Grönland 
aufgehalten  hatte,  seine  duselbst  gesammelten  Naturalien  und  ethnographischen 
Gegenstände,  in  dankbarer  Erinnerung  an  seinen  früheren  langjährigen  Aufent- 
halt in  den  österreichischen  Staaten  und  insbesondere  in  Wien,  Seiner  Maje- 
stät dem  Kaiser  zum  Geschenke  darbrachte. 

Diese  schöne  Sammlung,  welche  theils  in  Kleidungsstücken,  Fanggeräth- 
schaften  und  Jagdgeräthe,  theils  in  Modellen  von  Zelten,  Schlitten,  Fahrwerk- 
zeugen und  dem  hierzu  gehörigen  Geräthe  u.  s.  w.  bestand,  umfaßte  116  ver- 
schiedene Gegenstände,  unter  denen  die  Kleidungsstücke,  welche  fast  durch- 
gehends  aus  Seehundfellen,  mit  der  haarigen  Seite  nach  Außen  gekehrt,  theils 
aber  auch  aus  den  Bälgen  von  Eidergänsen  zierlich  gearbeitet  waren,  so  wie  die 
verschiedenen  Pfeile,  Bogen,  Speere,  Harpunen,  Wurfbretter  und  Schlingen 
zum  Fange  der  Seevögel,  besonders  hervorgehoben  zu  werden  verdienten. 

Eine  umständliche  Beschreibung  dieser  Sammlung  erschien  in  den  von 
Dr.  Franz  Sartori  zu  Wien  herausgegebenen  „Vaterländischen  Blättern"  im 
März  1819  in  Nr.  18  dieser  Zeitschrift. 

Von  1818  bis  1821  war  diese  Sammlung  sammt  den  naturhistorischen 
Gegenständen,  in  einigen  Gemächern  der  kaiserl.  Hofburg  im  zweiten  Stock- 
werke des  Reichskanzlei-Gebäudes  dem  Publicum  zur  Schau  gestellt.  1821  wur- 
den aber  die  Naturalien  den  verschiedenen  Abfheilungen  des  kaiserl.  Naturalien- 
Cabinetes  eingereiht,  der  ethnographische  Theil  derselben  hingegen,  sammt 
der  schon  seit  dem  Jahre  1806  in  einem  Magazine  des  Naturaüen-Cabinetes  auf- 
bewahrt gewesenen  Cook'schen  Sammlung  und  den  ihr  in  den  Jahren  1808 
und  1816  gewordenen  Zuwächsen,  mit  Ausnahme  der  von  Agnello  in  Ägypten 
gesammelten  Gegenstände,  in  das  kaiserl.  Lustschloß  Belvedere  am  Rennwege 
gebracht,  wo  sie  in  dem  im  unteren  Theile  des  Gartens  gelegenen  Gebäude  in 
einem  besonderen,  an  die  seit  1806  daselbst  befindliche  Ambraser-Sammlung 
anstossenden  Locale,  durch  den  C  u  sto  s  AI  ois  P  rimi  sser  aufgestellt  und 
dem  öffentlichen  Besuche  freigegeb;LMi  wurde.  Der  Eintritt  in  dieselbe  war  täg- 
lich Voniiittag  von  9 — 12,  Nachmittag  von  3 — 6  Uhr  gestattet. 

1821  schenkte  der  Großhändler  Herr  Joseph  Ritter  von  Dietrich 
dieser  Sammlung  einige  Götzenbilder  und  Geräthe  der  Ureinwohner  von 
vSt.  Domingo  (Hayti),  welche  der  Gärtner  Karl  Ritter  von  seiner  Reise 
mitgebracht  hafte. 

Im  Jahre  1822  gewann  dieselbe  abermals  einen  kleinen  Zuwachs  durch  21  ver- 
schiedene Gegenstände,  in  Kleidungsstücken  und  Geräthschaften  der  Chippe- 
way-Indianer  in  Nord-Amerika  bestehend,  welche  Herr  Klinger,  Pelzwaaren- 
Händler  in  Görz,  dem  Kaiser  zum  Geschenke  machte. 

Eine  höchst  ansehnliche  Bereicherung  erhielt  die  kaiserliche  ethnogra- 
phische Siimmlung  aber  durch  die  naturhistorische  Expedition,  welche  Kaiser 
Franz  I.  von  Österreich  in  Jahre  1817  nach  Brasilien  ausrüstete.  Das  die- 

69» 


1Ö80  Fit/,  inger. 

sen  Tl.f'il  «ior  kaisorliohen  Sammliintjen  belreft'ende  Ergol>niß  dor  brnsilianischcn 
Expedition,  währfnd  eines  Zeifiaiimes  von  lieinahe  vollen  20  Jahren,  bestand  in 
1600  ethnographischen  Gej^enständen  der  verschiedensten  Völkerstämme, 
welche  von  den  österreichischen  Naturforschern  Dr.  Johann  Emanuel 
Pohl,  Heinrich  W  i  1  li  e  1  m  Schott  und  Johann  N a  1 1  c  r  e  r  auf  ihren 
Reisen  in  Brasilien  gesammelt  und  nach  Wien  gesendet  wurden. 

Hiervon  entfielen  auf  Dr.  Johann  Emanuel  Pohl  für  die  Zeit  seines 
dortigen  Aufenthaltes  von  1817—1822,  115,  für  Heinrich  Wilhelm  Schott, 
für  dieselbe  Zeit  43,  und  für  Johann  Natterer  für  die  Zeit  von  1817—1836, 
1492  verschiedene  Gegenstände. 

Dieselben  wurden  in  dem  zur  Aufstellung  der  brasilianischen  Sammlungen 
im  Jahre  1821  eigens  gemietheten  gräflich  Harrach'sciicn  Hiiuse  Nr.  972  in 
der  Johannesgasse  in  der  Stadt,  in  einem  großen  Gemache  im  zweiten  Stock- 
werke die«es  Gebäudes,  in  hohen,  mit  Glasthüren  versehenen  Wandschränken 
aus  Eichenholz,  —  denselben,  in  welchen  sich  einst  die  von  Kaiser  Franz  I. 
im  Jahre  1748  angelegte  Naturalien-Sammlung  befand,  —  vom  Jahre  1821  an 
allmählig  durch  Gustos  Joseph  Natterer  aufgestellt,  und  wurde  dem  Publi- 
cum zur  Besichtigung  dieser  Sammlung  der  Zutritt  jeden  Sonnabend  von  9  bis 
12  Uhr  Voimitta>j  gt^gf"  besondere  Eintrittskarten  gestattet.  Fremde  und  Ge- 
lehrte fanden  nach  Übereinkunft  mit  den  Custodpn  des  kaiseri.  Naturalien-Cabi- 
netes  Josep  h  Na  ttcrer  und  Dr.  Johann  Emanuel  Pohl,  welche  auch 
diese  Sammlung  zu  überwachen  hatten,  tätlich  Zutritt  in  dieselbe. 

Sie  enthielt  Kunsterzeugnisse,  Kleidungsstücke,  Waffen,  Geräthschaften 
und  Utensilien  von  63  verschiedenen  Völkerschaften  und  Horden  aus  Brasilien 
und  5  anderen  Stämmen  ans  dem  an  Brasilien  grenzenden  ehemals  spanischen 
Antheile  von  Süd  -  Amerika,  welche  lelzlere  ausschließlich  von  Johann 
N  a  1 1  e  r  e  r  gesammelt  wurden. 

Die  von  D  r.  Johann  Emanuel  Pohl  mitgebrachten  ethnographischen 
Gegenstände,  rühren  von  den  Stämmen  der  Paragrammacras,  Apinages,  Coro- 
hoas,  Cayapos  und  Chavantes  aus  der  Provinz  von  Goyaz  und  von  den  Maxakalis 
und  Botokudos  aus  der  Provinz  Minas  Geräes. 

Jene  von  Heinrich  Wilhelm  Schott  eingesendeten  stammen  von  den 
Puris,  die  am  Flusse  Paraiba  in  der  Provinz  Rio  de  Janeiro  wohneu,  dann  von 
den  Coroados-  und  Coropos-Indiern  aus  dem  Gebiete  von  Canta-Gallo. 

Endlich  die  von  Johann  Nalterer  erworbenen  Gegenstände  bestehen 
in  Waff"en  und  Gerätliscliaften  theils  von  Creolen,  hauptsächlich  aber  von  den 
Camehe's-Indiern,  einem  Urstamine,  der  die  Steppen  von  Guarapoava  in  der 
Provinz  St.  Paulo  bewohnt,  ferners  von  den  Bororos,  Guanas,  Apiakas,  Parecis 
u.  s.  w.  aus  der  Provinz  Matogro.sso;  daim  den  Muras,  Alundurukus.  Karipunas 
und  anderen  aus  der  Provinz  Parä,  und  den  Banaiva,  Vaupe,  Jabahani,  Mainatari, 
Murunaui,  Panshiana,  V;ipesliana,  Pororolos,  Macushi,  Schuri,  Passe,  Poropuru' 
iVIura,  Catauischi,  Schubiri,  Kobe'u,  Varequeno.  Caishana,  Culina,  Mansherona, 
Omanas,  Ticunoas,  isburunas,  Mane,  Pareatintin,  Mandurucu  und  Maranhas  aus 
der  Provinz  Bio  negro. 


Gesc'hii'hte  des  k.  k.  Huf-Natiiralieni'iibiiH'ts  zu  \N  ien.  1  {)S  I 

Als  Kitiser  Ferdinand  I.  im  Jahre  1836  die  Auflösung  des  Brasilianischen 
Museums  und  die  Elntheilun"  der  in  demselben  aufbewahrt  gewesenen  Natura- 
lien in  die  verschiedenen  Abtlieiiunffen  des  kiiiserl.  Naturalien-Cabinctcs  ant;e- 
ordnet  hatte,  wurde  dio  ethnographische  Sammluni,'  dieses  3Iusoums  dem  Be- 
fehle des  Kaisers  gemiiß  im  Jahre  1837  mit  jener  seither  im  Belvcdere  neben 
der  Ambraser-Sammlung  aufgestellt  gewesenen  vereinigt  und  beide  Sammlungen 
wurden  in  das  sogenannte  Kaiserhaus  Nr.  ,349  in  der  Ungergasse,  in  der  Vor- 
sliidt  Landstraße,  welches  eine  Privatbesitzung  des  Kaisers  war,  gebracht  und 
in  sieben  Zinnnern  des  ersten  Stockwerkes  desselben  aufgestellt.  Die  Aufsicht  über 
diese  Sammlung  wunie  dem  Custos-Adjuncten  des  kaiserl.  Naturaiien-Cabinetes 
Job  an  n  N  att  er  er  übertragen,  der  die  Aufstellung  derselben  gemeinschaft- 
lich mit  seinem  Bruder  Custos  Jos  eph  Nat  ter  er  besorgte.  Auch  hier  war 
dem  Publicum  der  Zutritt  gegen  besondere  Eintrittskarten,  so  wie  seither  am 
Brasilianischen  Museum  gestattet. 

1838  erhielt  diese  Sammlung  einen  Zuwachs  von  60  verschiedenen  ethno- 
graphischen Gegenständen,  welche  der  berühmte  Beisende  Richard  H.  Seh  o  m- 
burgk  im  britischen  Guiana  gesanuiielt  und  dem  Kaiser  zum  Geschenke  darge- 
bracht hatte.  Dieselbe  enthielt  Kleidungsstücke,  Wallen  und  Geräthschaften  von 
sechs  verschiedenen  Stämmen,  und  zwar  von  den  Caribben,  Porocutu,  Macosie, 
Accawangen,  Mapesehana  und  Arawakken. 

Sehr  bedeutend  war  auch  die  Vermehrung,  welche  diese  Sammlung  im 
Jahre  18o9  durch  den  Ankauf  der  von  Herrn  Carl  Freiherrn  von  Hügel, 
auf  seinen  zwischen  den  Jahren  1830 — 1836  unternommenen  Reisen  in  Ägypten, 
Ost-Indien,  Caschmir,  China,  Neu-Holland  und  Neu-Seeland  gesammelten  ethno- 
graphischen Gegenstände,  welche  gleichzeitig  mit  den  von  ihm  gesammelten 
Maturalien  erworben  wurden,  erhalten  halte. 

Dieser  Zuwachs  bestand  in  Kleidungsstücken,  Waffen  und  Geräthschaften 
vieler  indischer  und  mehrerer  caschmirischer  Völkerstämme,  so  wie  auch  in 
einigen  Kunsterzeugnissen,  kostbaren  Shawls  u.  s.  w, ,  der  neueren  indischen 
und  caschmirischen  Industrie,  und  enthielt  »34  verschiedene  Gegenstände  in 
928  Stücken. 

In  demselben  Jahre  erhielt  die  kaiserl.  Sammlung  auch  einige  ethnogra- 
phische Gegenstände  von  Frau  Isa  he  11  a  von  Schreibers  zum  Geschenke, 
welche  dieselbe  von  ihrem  Vater  Joseph  Franz  Freiherrn  von  Jacquin 
gfcerbt  hatte,  und  die  noch  von  der  Ausbeute  ihres  Großvaters  Nico  laus  Jo- 
seph Freiherrn  von  Jacquin  herrührten,  welche  derselbe  auf  seinen 
zwischen  den  Jahren  17.^2  — 1739  unternommenen  Reisen  in  West-Indien  ge- 
macht hatte.  Es  war  dieß  aber  nur  ein  kleiner  Rest  derselben,  da  der  größle 
Theil  wahrscheinlich  im  Laufe  der  Jahre  zu  Grunde  gegangen  war  oder  viel- 
leicht auch  ei:ie  andere  Bestimmung  gefund -n  hatte;  doch  um  so  werthvoller, 
als  jene  Gcfjenstände  noch  von  den  alten  Caraiben  stammten. 

Sänimtliche  seit  dem  Jahre  1838  eiworhenen  Gegenstände  wurden  aber 
nicht  mehr  in  die  kaiserl.  Sammlung  eingereiht,  sondern  blieben,  in  Kisten  ver- 
packt, in  einem  Magazine  des  kaiserl.  Naturaiien-Cabinetes  in  Verwahrung,  da 
durch  die  mittlerweile  stattgefundene  Errichtung  der  koni''l,  lond)ai'diseh-vene- 


1082  Fitziiiger. 

tianischen  Leibgarde  im  Jahre  1840,  für  weiche  der  Kaiser  sein  I'iivatgebäude 
in  der  Ui){,aTgasse  hestiinmt  hatte,  die  unverzügliche  Räumung  dieses  Gebäudes, 
das  die  etiinograpLische  Sammlung  enthielt,  erforderlieh  wurde. 

Ohne  Verzug  wurde  daher  an  die  Verpackung  derselben  geschritten  und 
noch  im  Jahre  1840  die  ganze  Sammlung,  sammt  dem  seither  im  kaiserl.  Natu- 
ralien-Cabinete  aufbewahrten  Tlieile  derselben,  in  60  Kisten  verpackt,  der  kai- 
serlichen Anordnung  zu  Folge  in  das  kaiserl.  Schloß  im  Augarten  gebracht.  Nur 
zwei  Kisten,  einen  Theil  der  Hügel'sehen  Ausbeute  und  dif  von  Agnello  ge- 
sammelten Gegenstände  enthaltend,  blieben  in  einem  Magazine  im  kaiserlichen 
Naturalien-Cabinete  zurück. 

Seit  jener  Zeit  ist  diese  eben  so  reicliha'tige  als  kostbare,  aus  mehr  als 
31100  Stücken  bestehende  ethnographische  Siimmlung,  für  welche  keine  andere 
zu  ihrer  Aufstellung  geeignete  Räumlichkeil  ermittelt  werden  konnte,  der  Be- 
sichtigung des  Publicums  entzogen.  Aber  auch  selbst  in  diesem  verpackten  Zu- 
stande fand  sie  keine  bleibende  Stätte;  denn  als  nach  dem  Tode  des  Herrn  Erz- 
herzogs Joseph  Palatin  im  Jahre  1847,  dessen  Gemahlinn  s.immt  ihrer 
Familie  ihren  Aufenthalt  in  Wien  nahm  und  der  Kaiser  das  Schloß  im  Augarten 
zu  ihrem  Wohnsitze  bestimmt  hatte,  mußte  auch  die  ethnographische  Samm- 
lung wieder  weggeschafft  werden.  Dieselbe  wurde  daher  in  ein  anderes,  einem 
hohen  Mit^iliedi'  dos  kaiserlichen  Hofes  angehörig  gewesenes  Gebäude,  das  soge- 
nannte Modencserliaus  Nr.  27,  in  der  Herrengasse  in  der  Stadt  gebracht,  und  da 
dieses  mittlerweile  gleichfalls  eine  andere  Bestimmung  erhielt  und  zur  Unter- 
bringung verschiedener  Staats-Amter  verwendet  wurde,  noch  in  demselben  Jahre 
in  eine  der  großen  Remisen  der  kaiserl.  Hofwägen  im  Hofbibliotheks-Gebäude 
am  Josephspla'ze,  wo  sie  sich  dermalen  noch  befindet. 

Die  beiden  in  einem  Magazine  im  kaisei  1.  Naturalien-Cabinete  zurückbehal- 
tenen Kisten,  welche  einen  Theil  der  Hügel'sehen  Ausbeute  enthielten,  so  wie 
die  von  Agnello  in  Ägypten  gesammelten  und  am  Naturalien-Cabinete  aufbe- 
wahrt gebliebenen  Gegenstände,  wurden  beim  Brande  des  Museums  amSl.Octo- 
ber  1^48  ein  Raub  der  Flammen. 

Über  das  Schicksal  der  von  Franz  Boos  im  Jahre  1787  von  seiner  Reise 
nach  Afrika  hieher  gebrachten  Kleidungsstücke  und  Waffen  der  Bewohner  von 
Madagaskar,  ist  durchaus  nichts  bekannt  geworden. 

8)  Fillipo  Agnello  begab  sich  Anfangs  Mai  1803  von  Wien  nach  Vene- 
dig, verweilte  daselbst  vom  14.  Mai  bis  23.  Juli,  ging  hierauf  nach  Triest,  wo  er 
bis  zum  11.  August  zubrachte  und  trat  dann  die  Seefahrt  nach  Ägypten  an,  wo 
er  am  15.  September  in  Alexandria  eintraf. 

Hiir  verblieb  er  bis  zum  21.  Oclober,  verfügti-  sich  sodann  nach  Rosette, 
wo  er  vom  20.  Oetuber  bis  6.  November  verweilte  und  ging  hierauf  nach  Cairo, 
wo  er  sich  vom  12.  November  bis  zum  23.  Jänner  180i  aufhielt. 

Hierauftrat  er  die  Reise  nach  Ober-Ägypten  an,  besuchte  Benisouef,  Minieh, 
Monfalut,  Siut,  Girge,  die  Ruinen  von  Theben,  Karnak,  Denderah,  Esne  und 
Assuan,  und  kehrte  am  27.  Juli  wieder  nach  Cairo  zurück,  woselbst  er  bis  zum 
25.  September  verblieb.  Von  dort  begab  er  .sich  nach  Suez,  besuchte  Tor  imd 
den  Sinai  in  Arabien,  und  hielt  sich  bis  zum  15.  Februar  1805  in  Suez  auf. 


(Jpschichte  des  k.  k.  Hof-Niitiiraliencaliinets  /ii  Wien.  1  l)(S») 

Sodann  kelirte  er  abertiials  nach  Cairo  zurück,  wo  er  bis  zum  23.  August 
verweilte,  und  verfügte  sich  hierauf  nach  Damiette,  wo  er  bis  zum  17.  Februar 
1806  zubrachte. 

Nach  Cairo  zurückgekehrt,  hielt  er  sich  daselbst  bis  zum  8.  Mai  auf  und 
besuchte  noch  einmal  Rosette,  wo  er  jedoch  erkrankte  und  schon  nach  kurzer 
Zeit  dem  Tode  erlag. 

Seine  reichen  Sammlungen,  die  er  während  eines  dreijährigen  Aufenthalles 
in  Italien  und  Ägypten  zu  Stande  gebracht  hatte,  sandte  er  theilweise  in  ver- 
schiedenen Zeitabschnitten  an  den  Grafen  von  Savorgnan  nach  Wien. 

Der  in  Ägypten  zurückgebliebene  Theil  derselben,  so  wie  die  von  ihm  hin- 
terlassenen  Schriften  und  Effecten,  gelangten  nach  langwierigen  Verhandlungen 
mit  den  ägyptischen  Behörden,  im  Wege  des  kaiserl.  österreichischen  Consu- 
lates  zu  Alexandria,  erst  im  Jahre  1808  in  die  Hände  des  Grafen,  der  dieselben 
nebst  dem  hierunter  befindlich  gewesenen  Tagebuche  dieses  eifrigen  und  thäti- 
gen  Reisenden,  dem  kaiserl.  Naturaüen-Cabinete  überließ. 

*)  Während  der  Regierung  Franz  IL.  nachmals  Kaisers  Franz  I.  von 
Osterreich,  entstanden  in  derPeriode  von  1792 — 1815  nachbenannte  Naturalien- 
Sammlungen  von  Privaten  in  Wien. 

A.  Sammlungen  aus  verschiedenen  Naturreichen. 

1)  Die  Sammlung  der  Theresianischen  Akademie.  (Bestehend  aus 
Mineralien,  Conchylien  und  Insekten  )  Wurde  bei  der  Wiedereinsetzung 
dieses  Institutes  im  Jahre  1797  gegründet; 

2)  der  PP.  Carmeliten  in  der  Leopoldstadt.  (Mineralien,  vorzüglich 
aber  Conchylien,  nebst  einigen  Reptilien  enthaltend.)  Dieselbe  wurde  im 
Jahre  1794  von  P.  Alex.  Maria  Spatt  angelegt,  indem  der  Orden  nach 
Auflösung  der  Freimaurerloge  zur  wahren  Eintracht  einen  großen  Theil 
der  Sammlung  dieser  Loge  sammt  der  aus  carrarischem  Marmor  gemeißel- 
ten Büste  Born's  käuflich  an  sich  brachte.  Im  Jahre  1820  wurde  diese 
Sammlung  von  Herrn  Joseph  Pittoni  von  Dannenfeldt,  der  die 
wenigen  Reptilien  derselben  im  Wege  des  Tausches  an  das  k.  k.  Hof- 
Naturalien -Cabinet  abtrat,  die  Born'sche  Büste  von  Herrn  Moriz 
Grafen  von  Fries  gekauft; 

3)  Ihrer  kaiserl.  Hoheit  der  Frau  Er zherzoginn  Leopoldine.  (Minera- 
lien und  Conchylien.)  Wurde  von  der  Erzherzoginn  nach  ihrer  Vermäh- 
lung mit  Don  Pedro,  Kronprinzen  von  Brasilien,  im  Jahre  1817  nach 
Rio  Janeiro  mitgenommen. 

B.  Mineralien-Sammlungen. 

1)  Die  Sanmilung  des  Herrn  Franz  Joseph  Müller  von  Reichen- 
stein, k.  k.  Hofrathes; 

2)  der  Frau  Theresia  Barbara  von  Tambosch,  welche  dieselbe  von 
ihrem  verstorbenen  Gatten  Herrn  Johann  Sebastian  von  Müller, 
k.  k.  Hofrath  bei  der  böhmisch-österreichischen  Hofkanzlei  ererbte. 
Kam  nach  ihrem  Tode  1813  durch  deren  Erben  in  meinen  Besitz; 


1084  Kifiin 


ger. 


3)  des  Herrn  Tliaddäus  P  ei  t  Im  er  Edlen  von  Li  eilten  fels,  H<>t'- 
Concipisten  bei  der  Hofkaniiner  im  Münz-  und  Bergwesen.  F'iel  demselben 
als  ein  Erbtiieil  seines  Vaters  Johann  T  hadd  ä  u  s  Peithner  Edlen 
von  Lichtenfels  im  Jahre  1792  zu,  und  wurde  dann  später  einzeln  ver- 
kauft; 

4)  Seiner  kaiserl.  Hoheit  des  Herrn  Erzherzogs  Johann  Baptist. 
Dieselbe  wurde  zum  Theiie  auf  Kosten  des  Erzherzogs,  von  Dr.  Geb- 
hard  in  Tirol  gesammelt  und  enthielt  auch  die  von  Herrn  Nicolaus 
Joseph  Edlen  von  Jac quin  im  Jahre  1804  um  20.000  Gulden  ange- 
kaufte Sammlung; 

5)  Seiner  kaiserl.  Hoheit  des  Herrn  Erzherzogs  Rainer; 

6)  des  Herrn  Pros  per  Fürsten  von  Sinzendorf.  Befand  sich  zum 
Theiie  in  seinem  Schlosse  zu  Ernstbrunn  im  Kreise  V.  U.  M.  B.  inNieder- 
Oslerreich.  Die  Grundlage  derselben  liildete  eine  von  Herrn  Christi  an 
Haupt,  Hof-Steinschleifer  und  Mineralien-Händler  angekaufte  Sammlung. 
Wurde  vom  Grafen    Gregor   von    Rasoumovsky    gekauft; 

7J  des  Herrn  Alois  Fürsten  von  Liechtenstein.  Enthielt  die  Samm- 
lung des  Herrn  Leopold  Grafen  von  Kolowrat,  welche  der  Fürst 
nebst  dessen  Conchylien-Sammlung  um  30.000  Gulden  an  sich  brachte 
und  gelangte  nach  des  Fürsten  Alois  Tode  an  Herrn  Johann  Fürsten 
V  0  n  L  i  e  c  li  t  e  n  s  t  e  i  n  ; 

8)  des  Herrn  Nicolaus  Fürsten  von  Es t er h a zy,  Capitän  der  ungari- 
schen Leibgarde.  Kam  nach  dessen  Tode  1833  an  seinen  Sohn  Herrn 
Paul  Fürsten  von  Esterhazy; 

9)  des  Herrn  Moriz  Grafen  von  Fries.  Die  Sammlung  des  Fräuleins 
Eleonore  von  Raab  und  die  Born'selie  Büste  aus  der  Sammlung 
der  PP.  Carmeliten  enthaltend.  Wurde  um  das  Jahr  1824  öft'entlich 
versteigert.  Erstere  gelangte  in  den  Besitz  des  Herrn  Professors  Fer- 
dinand Zimmermann,  letztere  in  jenen  des  Herrn  Joseph  Pittoni 
von  Dannenfeldt  und  wurde  von  diesem  1827  im  Wege  des  Tausches 
Herrn  Naturalien-Cabinets-Director  von  Schreibers  überlassen.  Beim 
Brande  des  kaiserl.  Museums  am  31.  October  1848  fand  diese  Büste  in  den 
Flammen  ihre  Vernichtung; 

10)  des  Herrn  Rudolph  Graf  en  v  on  Wrbna.  Diente  dem  Ablic  Est  ner 
zur  Grundlage  seines  zwischen  den  Jahren  1794 — 1804  zu  Wien  in  drei 
Bänden  in  8".  erschienenen  Werkes:  „Versuch  einer  Mineralogie".  Wurde 
nach  dem  Tode  des  Grafen  1823  verkauft; 

11)  des  Herrn  Ferdinand  Grafen  von  Palffy.  Wurde  noch  bei  Lebens- 
zeiten des  Grälen  verkauft; 

12)  des  Herrn  Carl  Fr eilicrrn  von  Puliion,  k.  k.  privil.  Großhändlers. 
Enthielt  die  von  dem  königl.  spanischen  Hütten-Direclor  Anton  Zacha- 
rias  Helms  auf  seinen  Reisen  in  den  La  Plata-Staatcn  und  in  Peru  wäh- 
rend der  Jahre  1788 — 1791  gesammelten  Mineralien,  welche  größten- 
Iheils  in  dem  von  Helms  im  Jahre  1798  zu  Dresden  herausgegebenen 
;,Tagebuch  einer  Reise   durch  Peru,   von  Huenos-Ayres   an   dem   großen 


fiescliiflile  des  k.  k.  FIof-NHliiialiericybliiels  /.n  Wien.  1  üo;> 

Platafluße,  über  Pofosi  nach  Lima,  der  Haiiftslailt  des  Königreichs 
Peru"  beschriehen  sind.  Diese  Sammlung  wurde  von  d^m  Freiherrn 
von  Puthon  nachdem  Tode  Helms,  von  dessen  Witwe  um  HüODucaten 
gekauft  und  von  demselben  später  dem  Herrn  Jo  seph  von  Lcthenyey 
zum  Geschenke  gemacht; 
-13)  des  Herrn  von  Bienenleld,  k.  k.  privil.  Großliiindlers.  Die  Grundlage 
derselben  bildete  die  Sammlung  des  Herrn  Hei mb ich  1er  aus  der 
vorigen  Periode; 

14)  des  Herrn  Freiherrn  von  Kienmayer,  k.  k.  Appeliationsrathes« 
Wurde  nach  seinem  Tode  verkauft; 

15)  des  Herrn  Franz  von  Tihavsky.  k.  k.  Arlillerie-Obfrst.  Gelangte  nach 
dem  Tode  ihres  Besitzers  1822  durch  Erbschaft  an  Fräulein  Hamsa  von 
Z  abiedovitz; 

16)  des  Herrn  Johann  Fürsten  von  Liechtenstein,  k.  k.  Feldinar- 
schalls.  Dieselbe  war  ein  Erbtlieil  des  Herrn  Alois  Fürsten  von 
Liechtenstein  und  wurde  in  der  Folge  nach  Brunn  verschenkt; 

17)  des  Herrn  Johann  Rudolph  Grafen  von  Spork,  k.  k.  Feldmar- 
schall-Lieutenants ; 

18)  des  Herrn  Mathias  N  i  ed  er  niay  er,  Directors  der  k.  k.  Porzellan- 
und  Spiegel-Fabrik; 

19)  des  Herrn  B  e  n  e  d  i  c  t  L  a  m  p  r  e  c  h  t,  Profcß  der  ehemaligen  Abtei  Mnntscrut ; 

20)  des  Herrn  Abbe  Bach,  Cantors  an  der  Metropolitan  -  Domkircbe  zu 
St.  Stephan; 

21)  des  Herrn  Michael  Wutky,  akademischen  Malers.  Kam  spätir  an 
Herrn  Professor  Wagner; 

22)  der  Herren  Gebrüder  Morgenbesser.  Ihre  erste  Sammlung  ging 
durch  Kauf  für  7000  Gulden  an  Herrn  Apotheker  Scharinger  über, 
worauf  sie  sodann  eine  neue  Sammlung  anlegten; 

23)  des  Herrn  Scharinger,  Apothekers  zu  St.  Ulrich.  Feinen  großen  Theil 
derselben  bildete  die  frühere  Saninihing  der  Herren  Gebrüder  M  orge  n- 
bes  ser ; 

24)  des  Herrn  J  o  se  ph  v  o  n  Le  th  e  n  yey,  k.  k.  Artillerie-Oberstlioutenants 
und  Directors  der  Kanonengicßerei.  Zum  Theile  aus  der  Sammlung  des 
Herrn  Carl  Freiherrn  von  Pulhon  bestehend ; 

25)  des  Herrn  Johann  Carl  Megerle  von  Mühlfeld,  Custos  am  k.  k. 
Naturalien-Cabinete ; 

26)  des  Herrn  Joseph  Moser,  Apothekers  in  der  Josephstadt.  Kam  an 
den  bürgerlichen  Apotheker-Verein; 

27)  des  Herren  Ja  cob  Fri  edrich  van  der  Null.  Wurde  von  Friedrich 
Mobs  unter  dem  Titel  „Des  Herrn  Jacob  Friedrich  von  der  Null  Minera- 
lien-Kabinet"  in  drei  Ahtheilungen  umständlich  beschrieben,  welches  Werk 
1804  zu  Wien  in  8*.  erschien.  Nach  dem  Tode  vander  Nüll's  gelangte 
diese  Sammlung  im  Jahre  1827  durch  Kauf  für  einen  Betrag  von  18.000 
Gulden  an  dai  kaiserl.  Naturalien-Cabinet ; 


1086  Fit 


i  1  n  g'  e  r. 


28)  des  H<  rin  Franz  Stütz,  Doetors  der  Medicin.  Die  Sammlung  seines 
Brudors  A'  be  Andreas  Stütz  enthaltend; 

29)  des  Herrn  Abbe  Es  In  er.  Kam  durch  Kauf  an  den  Herrn  Grafen  von 
D  i  e  t  r  i  c  h  s  t  e  i  n  ; 

30)  des  Herrn  T  h  o  m  a  s  J  a  c  o  b  F  r  e  i  h  e  r  r  n  von  T  h  a  v  o  n  a  1 5 

31)  des  Herrn  Johann  S  t  r 0  m  m  e r,  Lihrers  am  k.  k.  Taubstunmien-Inslitnte. 
Die  Sammlunf^  des  Herrn  Abbe  Ni  eol  aus  Poda  enthaltend,  die  durch 
Erbschaft  auf  iiin  über<rinur.   Wurde  von  demselben  einzeln  veräußert; 

32)  des  Herrn  Grafen  von  U  i  e  tri  c  li  s  le  in.  Die  Grundlage  derselben 
bildete  die  Sammlunji:  des  Herrn  Abbe  Estner; 

33)  des  Herrn  Franz  Fla  düng,  l'rivat-Lehrers; 

34)  des  Herrn  Peter  Joris,  Directions-Adjuncten  der  k.  k.  Porzellan- 
Fabrik; 

35)  des  Herrn  Stephan  Edl  en  von  Keeß.  Ersten  Cunimissärs  der  Fabri- 
ken-Inspection ; 

30)  des  Herrn  Johann  Rudolph  von  Gersdorf,  General-,  Land-  und 
Haupt-Münzprobiers ; 

37)  des  Herrn  Joseph  Pittoni  von  Dannenfeldt.  Zum  Theile  aus 
der  Sammluntr  der  PP.  Carmeliten  in  der  Leopoldstadt  bestehend.  Kam 
1827  durch  Kaufan  Herrn  Franz  Edlen  von  Rosthorn  nach 
Wolfsberg  im  Lavanttliale  in  Kärntben ; 

38)  des  Herrn  Ignaz  Moser,  Apothekers  auf  der  Wieden  ; 

39)  des  Herrn  Franz  Freiherrn  von  Leithner,  Directors  der  k.  k. 
Salmiak-Fabrik ; 

40)  der  k.  k.  Land  wirthschafts-Ge  Seilschaft; 
i )  des  Benedictiner-Stiftes  zu  den  Schotten; 

42)  des  Herrn  Ferdinand  Grafen  von  Col  1  0  r  e  d  o-Ma  n  ns  f  e  Id.  Wurde 
in  dessen  Schloß  nacli  Staatz  im  Kreise  V.  U.  M.  B.  in  Nieder-Österreich 
gebracht ; 

43)  des  Herrn  Ferdinand  Zimmermann,  Professors  an  der  medici- 
nisch-chirurgischen  Joäcplis-Akademie.  Einen  großen  Tbeil  derselben 
bildete  die  \on  Born  beschrieiieiie  Sammlung  des  Friiuleins  Eleonore 
von  Raab,  nachmaligen  Frau  v  on  U  her  ta,  welche  in  den  Besitz  des 
Herrn  Moriz  Grafen  von  Fries  kam,  und  bei  der  um  das  Jahr  1824 
stattgefundenen  öffentlichen  Versteigerung  von  Herrn  Professor  Fer- 
dinand Zimmermann  erstanden  wurde.  Schon  vor  dem  Ankaufe  der 
Sammlung  des  Fräuleins  El  eo  n  ore  v  o  n  Raab,  verfaßte  derselbe  einen 
Calalog  seiner  Sammlung,  der  unter  dem  Titel  „Übersicht  der  aus  3717 
Nummern  bestehenden  Mineralien-Sammlung  des  Professors  Ferdinand 
Zinunermani."  1821  zu  AVien  in  80,  erschien.  Nach  dessen  Tode  wurde 
seine  ganze  Sammlung  vei kauft; 

44)  des  Herrn  PaulPartsch.  Kam  im  Jahre  1819  durch  Kauf  an  Herrn 
Sowerby  nach  London,  welcher  dieselbe  im  Auftrage  der  Herrn 
Heinrich   II  e  u  1  a  n  d  an  sich  brachte ; 


(iescilicilte  des  k.  k.  Hof-Niituralieneahiiiets  /.ii  Wien.  Iüö7 

45)  die  Saiiimluiij,'  Leopold  Fitzinger's.  Die  Gruiidliige  dersolljen  bildete 
die  Sammlung  der  Frau  Theresia  Barbara  von  Tarn bosch,  welche 
sie  von  ihrem  Gatten  Hofrath  Johann  Sebastian  von  Müller 
ererbte.  Wurde  1818  einzeln  verkauft; 

46j  des  Herrn  Ludwig  Edlen  vonüdvarnoky,  Hof-Agenten  der  unga- 
riseli-siebenbürgischen  Hofkanzlei.  Kam  späterhin  nach  Preßhurg; 

47)  des  Herrn  Friedrich  Egon  Landgrafen  von  Fürstenberg,  Obcr- 
Ceremonienmeisters.  Gelangte  durch  Kauf  in  den  Besitz  des  Herrn  Joseph 
Pittoni  von  Dannenfeldt; 

48)  des  Herrn  Michael  von  Held.  Wurde  spiiter  auf  dessen  Besitzung 
nach  Brunn  im  Gebirge  im  Kreise  V.  U.  M.  B.  in  Nieder-Ösleni-ich  gebracht; 

49)  des  Herrn  Ignaz  Römer,  Casse-Controllors  heim  k.  k.  Haupf-Münzamte ; 

50)  des  Herrn  Grafen  von  Andrassy.  Enthielt  nur  Mineralien  aus  dem 
Eisengeschlechte; 

51  )  des  Herrn  Marquis  von  Malaspina.  Bios  Edelsteine  enthaltend; 

52)  des  Herrn  von  Hoppe,  k.  k.  Staatsk'.fnzleirathes.  Ausschließlich  aus 
Edelstemen  bestehend.  Gelangte  nach  dessen  Tode  1821  als  ein  Verniiicht- 
niß  an  das  kaiserl.  Naturajien-Cabinet; 

53)  des  Herrn  J.  A.  F.  Fladung.  k.  k.  Hof-Kriegscommissärs.  Nur  Edel- 
steine enthaltend. 

C.  Pflanzen  •  Sammlungen. 

i)  Die  Sammlung  des  Herrn  Grafen  von  Sickingen.  Gelangte  im  Wege 
öffentlicher  Versteigerung  in  den  Besitz  des  Herrn  Franz  Edlen  von 
Portenschlag- Ledermayer; 

2)  des  Herrn  Emanuel  Pohl,  Doetors  der  Mediein.  Zum  Theile  aus  dem 
Herbarium  des  Herrn  Dr.  Ludwig  bestehend.  Kam  nach  seinem  Tode 
in  den  Besitz  seines  Sohnes  Dr.  Johann  Emanuel  Pohl; 

3)  des  Herrn  Heinrich  Schott,  k.  k.  Universitäts-Gärtners.  Fiel  nach  des- 
sen Tode  als  ein  Erbtheil  an  seinen  Sohn  Heinrich  Wilhelm  Schott; 

4)  des  Herrn  Franz  Edlen  von  Porte  nsehlag-L  edermay  er.  Theil- 
weiseaus  dem  Herbarium  des  Herrn  Gräfe  n  von  Sickingen  bestehend. 
Gelangte  nach  seinem  Tode  1823  als  ein  Vermächtniß  in  den  Besitz  des 
kaiserl.  Naturalien-Cabinetes; 

5)  des  Herrn  Em  an u  el  Veit h,  Doetors  der  Mediein; 

6)  des  Herrn  Johann  Baptist  Zahlbruckner,  Privat-Secretärs  des 
Herrn  Erzherzogs  Johann  Baptist; 

7)  des  Herrn  Stromayer; 

8)  des  Herrn  Paul  Partsch.  Ging  im  Wege  des  Tausöhes  an  Herrn 
Joseph  Pittoni  von  Dan  ne  nfel  d  t  und  zum  Theile  auch  an  micii  übir; 

9)  des  Herrn  Mayer,  Todtenbescirauers  der  k.  k.  Haupt-  und  Residenz- 
stadt Wien  ; 

10)  der  k.  k.  Lan  d  wir  thsc  h  afts-Gesel  Isc  haf  t ; 

11)  des  Herrn  M  u  ci  us  Tomm  asin  i.  Kam  späterhin  bei  seiner  Übersiedlung 
nach  Triesl ; 


1088  Kitzinger. 

1 2)  des  Herrn  Carl  K d  I  e  n  von  S  c hr c y b e  r ; 

13)  lies  Herrn  Georg  Jan,  Stipendisten  am  kiiiserl.  Naturaüen-Cabinete.  Kam 
hei  dessen  rbersiedcliinf^  im  Jahre  1816  nach  Parmit  ; 

1  l )  des  Herrn  E  r  n  e  s  t  W  i  t  m  a  n  n. 

I).  Thier-Sammlungen. 

n)  neliiiiiithen-Saininliin^en. 

1)  Die  Sauiinlung  des  Herrn  Lengs t'eld,  Doctors  der  Medicin.  Gelangte 
im  Jahre  1797  durch  Kauf  an  das  kaiserl.  Naturalien-Cabinet; 

2)  des  Herrn  Carl  Schreibers,  Assistenten  der  Lehrkanzel  der  Natur- 
geschichte an  der  Wiener  Universität.  Kam  18Ü6  als  Geschenk  an  das 
kaiserl.  Naturalien-Cahinet. 

b)  Confhjlleii-Saiumliiiiifen. 

1)  Die  Sammlung  des  Herrn  Alois  Fürsten  von  Liechtenstein.  Zum 
Theile  aus  der  Sammlung  des  Herrn  Leopold  Grafen  von  Kolowrat 
bestehend,  welche  der  Fürst  nebst  dessen  Mineralien-Sammlung  um  30.000 
Gulden  angekauft  hatte.  Naeb  dem  Tode  ihres  Besitzers  gelangte  diese 
Sammlung  durch  Erbschafl  an  Herrn  Johann  Fürsten  von  Liechten- 
stein: 

2)  des  Herrn  Nieolaus  Fürsten  von  Esterhazy.  Kam  nach  dessen 
Tode  1833  an  seinen  Sohn  Herrn  Paul  Fürsten  von  Esterhazy, 

3)  des  Herrn  Johann  Fürsten  von  Liechtenstein,  welche  derselbe 
von  Herrn  Alois  Fürsten  von  Liechtenstein  ererbte  ; 

4)  des  Herrn  Johann  Carl  Megerle  von  Mühlfeld,  Custos  am  k.  k. 
Naturalien-Cabinete.  Ein  Theil  derselben  wurde  in  den  1820ger  Jahren  an 
Herrn  P'reiher  rn  von  Ge  mm  i  n  gen  nach  Stuttgart,  der  andere  —  und 
zwar  jeder  eine  vollstiindige  Sammlung  enthaltend,  —  an  Herrn  Franz 
Joseph  Graten  von  Ho  eben  wa  rt  nach  Laibacb  verkauft,  welcher 
letztere  diese  Sammlung  dem  Landes-Museum  zu  Laibach  zum  Geschenke 
machte.  Freiherr  von  Gern  m  i  ngen  zu  Stuttgart  veräußerte  den  größ- 
ten Theil  dieser  von  Herrn  von  Mühlfeld  gekauften  Sammlung  im 
Jahre  1839; 

.'))  des  Herrn  Joseph  Wo  dl,  A])nthekers  auf  der  Freiung  in  der  Stadt.  Ging 
nach  dessen  Tode  in  den  Besitz  seinerGatliiin  Frau  A  n  ton  ia  W  ödl  über; 

(5)  des  Herrn  Joseph  Pittoni  von  Daunen  fei  dt.  Auch  die  Samm- 
lung der  PP.  Car  m  el  i  t  en  in  der  Leopoldsladt  enthaltend.  Eine  Auswahl 
derselben  wurde  1824  im  Tausehe  gegen  den  größten  Theil  seines  Her- 
bariums an  Herrn  Paul  Partsch  abgetreten,  die  Haupt-Sammlung  aber 
1827  an  Herrn  Sowerby  nach  London  verkauft; 

7)  des  Herrn  Porges,  Kaufmann.   Wurde  späterhin  einzeln  verkauft. 

c)  Ararhniden-Nainnilunsen. 

1)  Die  Saminung  des  Herrn  Carl  Schreibers,  Assistenten  bei  der  Lehr- 
kanzel der  Naturgeschichte  an  der  Wiener  Universität.  Kam  1806  als  Ge" 
schenk  an  das  kwiserl.  Naturalien-Cabinet; 


nesciliplilc  <lf'S  k.  k.  Hi)r-N:itiir:ilieii(';iliinels  zu  Wien.  |  OnO 

2)  (los  Herrn  Pantz,  k.  k.  Gubernialrathes.  Der  Herr  Besitzer  hafte  sämnit- 
liche  von  ihm  gesammelte  Spinnen  selbst  abgebildet  und  nach  mikro- 
skopischen Untersuchungen  vergrötiert  dargestellt.  Diese  Abbildungen 
gelangten  in  den  Besitz  des  Herrn  Doetor  Carl  Jäger. 

dj  Insekten-Sammlungen. 

1)  Die  Sammlung  des  Herrn  Anders,  Doetors  der  Medicin,  welche  schon 
unter  der  Regierung  Leopold's  U.  angelegt  wurde,  damals  aber  nur  auf 
Schmetterlinge  (Lcpidoptera)  beschränkt  war,  wurde  von  ihrem  Besitzer 
auf  alle  Ordnungen  der  Classe  der  Insekten  ausgedehnt.  Im  Jahre  1828 
wurde  dieselbe  partienweise  verkauft; 

2)  des  Herrn  Christian  Creutzer,  Secretärs  des  Herrn  Feldmarsehalls 
Franz  Moriz  Grafen  von  Lascy.  Sümmtliche  Ordnungen  mit  Aus- 
nahme der  Schmetterlinge  (Lcpidoptera)  enthaltend.  Theilweise  wurde 
diese  Sammlung  von  ihrem  Besitzer  in  seinem  im  Jahre  1799  zu  Wien  in 
8".  erschienenen  Werke  „Entomologische  Versuche"  beschrieben.  Nach 
seinem  Tode  wurde  sie  im  Jahre  1827  an  Herrn  Franz  Gerl  verkauft; 

3)  des  Herrn  Gundian.  Nur  aus  europäischen  Schmetterlingen  (Lcpido- 
ptera) bestehend.  Kam  im  Jahre  1808  durch  Kauf  an  das  k.  k.  Naturalien- 
Cabinet ; 

4)  des  Herrn  Jak  0  b  AI  bert  Radda,  fiirstl.  Liechtenstein-Oltingen'schen 
Wirthschaftsrathes.  Europäische  Schmetterlinge  (Lcpidoptera)  enthaltend. 
Gelangte  nach  dem  Tode  ihres  Besitzers  1805  durch  Kaufan  Herrn  Fer- 
dinand Ochsen  heim  er; 

5)  des  Herrn  Johann  Carl  Megerle  von  Mühl  fe  Id,  Custos  am  kaiserl. 
Naturalien-Cabinete.  Alle  Ordnungen  europäischer  Insekten  mit  Ausnahme 
der  Schmetterlinge  (Lepidoplera)  umfassend.  Kam  1808  durch  Kauf  an 
das  k.  k.  Naturalien-Cabinet,  worauf  M  ü  h  1  fe  1  d  neuerdings  eine  Sammlung 
in  demselben  Umfange  anlegte,  die  nach  seinem  Tode  1840  veräussert 
wurde; 

6)  des  Herrn  Carl  Schre  ibers,  Assistenten  bei  der  Lehrkanzel  der  Natur- 
geschichte an  der  Wiener  Universität.  Nur  die  Gattung  der  Prachtkäfer 
(^Buprestis)  umfassend; 

7)  des  Herrn  Franz  A.  Ziegler,  Custos  am  k.  k.  Naturalien-Cabinete.  Alle 
Ordnungen  enthaltend.  Hiervon  wurden  die  Zweiflügler  (Diptera)  imd 
Wi\xi^a^\<iT  (Hymenoptera)  im  Jahre  1827  an  Herrn  Professor  Georgjan 
nach  Mailand, der grössteTheil  der  Käfer  (Coleopterd)  an  Herrn  Sehüp- 
pel  in  Berlin  verkauft.  Der  Rest  der  Käfer  und  die  Sammlungen  aus  den 
übrigen  Ordnungen  wurden  abgesondert  veräussert; 

8)  des  Herrn  Abbe  Vincenz  Edlen  v  on  Mazzol  a.  Nur  europäische  und 
einige  wenige  exotische  Schmetterlinge  ^Le/7«V/o/9to-ß^  umfassend.  Kam  1823 
nach  dem  Tode  ihres  Besitzers  durch  Kauf  an  das  k. k.  Naturalien-Cabinet; 

9)  des  Herrn  Benedict  Podevin,  pensionirten  Professors  aus  den  Nieder- 
landen. Bios  aus  europäischen  Schmetterlingen  (Lcpidoptera)  bestehend. 
Gelangte  1827  durch  Kaufan  das  k.  k.  Naturalien-Cabinet; 


1090  Kitzinger. 

10)  ries  Herrn  Ferdinand  Ochsen  heimer.  k.  k.  Hot-Schauspielers.  Nur 
auf  europäische  Schmetterlinge  (Lcpldoptera)  beschrankt.  Wurde  nach 
dem  Tode  ihres  Besitzers  im  Jahre  1824  von  Seiner  kaiserl.  Hoheit  Erz- 
herzogJoseph,  Palatin  von  Ungarn, für  das  ungarische  National-Museum 
zu  Peslh  angekauft; 

11)  des  Herrn  (lürtler.  Nur  Zweiflügler  (Diptera)  enthaltend.  Gelangte 
nach  dessen  Tode,  im  Jahre  1814  durch  Kauf  an  das  k.  k.  Naturalien- 
Cabinet; 

12)  des  Herrn  Joseph  Pittoni  von  Dannenfeldt; 

13)  des  Herrn  B  er  n  ha  rd  von  Sehr  öt  t  er,  akademischen  Malers.  Siimmt- 
liche  Ordnungen  umfassend.  Wurde  im  Jahre  1831  partienweise  verkauft; 

14)  des  Herrn  J.  von  Gysselen,  pensionirten  k.  k.  Lieutenants.  Aus  allen 
Ordnungen  bestehend.  Wurde  nach  dessen  Tode  an  HerrnGrafen  Jeni- 
son  Walwort  h,  königl.  baierischen  Oberst-Jägermeister  nach  Regens- 
burg verkauft; 

15)  des  Herrn  Georg  Jan,  Stipendisten  am  k.  k.  Naturalien-Cabinete.  Bios 
Käfer  (Coleop(era)  enthaltend.  Kam  nach  der  Übersiedlung  ihres  Besitzers 
im  Jahre  1816  nach  Parma  und  späterhin  an  das  Museum  zu  Mailand; 

16)  des  Herrn  Johann  Vesque  vonPüttlingen.  Nur  europaische  Insek- 
ten, aber  aus  allen  Ordnungen  umfassend; 

17)  die  Sammlung  Leopold  Fitz  in  ger's.  Bios  auf  österreichische  Insekten 
aus  allen  Ordnungen  beschränkt.  Wurde  späterhin  in  einzelnen  Partien  an 
verschiedene  Sammler  verschenkt; 

18)  des  Herrn  Vi  ncen  z  Georg  Kininger,  Professors  an  der  Akademie  der 
bildenden  Künste.  Ausschliesslich  Schmetterlinge  (Lepidoptera)  enthal- 
tend. Wurde  nach  dem  Tode  ihres  Besitzers  von  Ihrer  Majestät  Maria 
Louise,  Herzoginn  von  Parma  angekauft; 

19)  des  Herrn  Besser,  Doctors  der  Medicin. 

e)  Vogel-Sainiulungen. 

1)  Die  Sammlung  des  Herrn  Fürsten  von  Batthydny.  Zum  Theile  aus 
der  Sammlung  des  Herrn  Dr.  Joachim  Johann  Nep.  Spalowsky 
bestehend.  Kam  im  Jahre  1811  durch  Kauf  an  das  k.  k.  Naturalien- 
Cabinet. 

f)  Säugethier-Saiuinlungen. 

1)  Die  Sammlung  des  Herrn  Fürsten  von  Bdtthyäny.  Aus  der  Sammlung 
des  Herrn  Dr.  Joachim  Johann  Nep.  Spalowsky  herrührend.  Ein 
kleiner  Theil  derselben  wurde  1811  vom  k.  k.  Naturalien-Cabinete  an- 
gekauft. 


neseliiohlc  <les  k.  k.  Hof-NiitiirMlieiicnl(int(.s  zu  Wien.  10"  l 


Anhang. 

Nataralienbandel  in  Wien. 
a)  Händler  mit  Produclen  aus  verschiedenen  Naturreichen. 

1)  Das  Auctions  -  Institut  für  Naturalien  aller  Art  im  Bürgerspitals- 
Gehäude,  dem  Kiirntnerthor-Tlieater  gegenüber.  In  dieser  Anstalt,  welche 
im  Jahre  1798  von  Jo  hann  C  ar  1  M  egerle,  Custos  am  kaiserl.  Natura- 
lien-Cabinete  gegründet  wurde,  und  die  sich  bis  zum  Jahre  1806,  wo  sie 
wieder  aufgelöst  wurde,  erhielt,  wurden  alijährlich  vier  bis  fünf  öffentliche 
Versteigerungen  ganzer  Sammlungen,  einzelner  Partien  oder  Stücke  vor- 
genommen. 

2)  Herr  Stephan.  Sein  Vorrath  bestand  aus  Mineralien  und  Conchylien,  und 
ging  nach  seinem  Tode  an  dessen  Sohn  über. 

3)  Herr  Ignaz  Schmid.  Er  befasste  sich  nur  mit  ungarischen  iMineralien 
und  mit  Conchylien.  Letztere  gingen  durch  Kauf  an  Herrn  Franz  A.  Zieg- 
ler, Custos  am  k.  k.  Naturalien-Cabinete  über. 

4)  Herr  Mathias  Unt  erhol  z  er.  Sein  Handel  umfasste  Mineralien,  Conchy- 
lien und  Insekten.  Nach  seinem  Tode  wurde  der  vorhandene  Vorrath  fin- 
zeln  und  in  größeren  Partien  veräußert  und  ein  Theil  der  Conchylien,  so  wie 
der  größte  Theil  der  Insekten  von  Herrn  Ludwig  Parreyß,  Naturalien- 
Händler,  angfkauft. 

3)  Herr  Johann  Stephan.  Sowie  sein  Vater,  dessen  Vorrath  er  ererbt 
hatte,  beschäftigte  er  sich  nur  mit  dem  Verkaufe  von  Mineralien  und 
Conchylien. 

h)  Mineralien-fländier. 

1)  Herr  Christian  Haupt,  Hof-Steinschleifer.  Der  größte  Theil  seines  Vor- 
rathes,  welcher  eine  ausgewählte  Sammlung  bildete,  wurde  von  Herrn 
Prosper  Fürsten  von  Sinzendorf  gekauft. 

2)  Herr  Weiß.  Er  war  im  Besitze  des  größten  und  ausgezeichnetsten  Vor- 
rathes.  so  wie  auch  des  ausgebreitetsten  Handels  im  In-  sowohl  als  Aus- 
lande. Im  Jahre  1803  übersiedelte  er  nach  St.  Petersburg. 

3)  Herr  Scheidhau  er. 

4)  Herr  Dus  so  id.  Derselbe  besaß  auch  eine  ausgewählte  Sammlung,  deren 
vorzüglichste  Stücke  von  Friedrich  Mohs  besonders  bezeichnet 
wurden. 

5)  Herr  Franz  Ko  1 1  ma  nn. 

6)  Herr  Preschern.  Beschäfligte  sich  hauptsächlich  mit  Mineralien  aus 
Tirol. 

7)  Herr  Norbert  Murawek.  Sein  Vorrath  bestand  größtentheils  aus  böh- 
mischen Mineralien. 


llH)^     F  i  t  z  i  iige  r.    Gescliiclile  dos  k    k.  Ho(-NatiiraIieiic:ibinels  zu  Wien. 

8)  Dio  Herren  Gebrüder  Moor.  Befaßten  sich  vorzugsweise  mit  dem  Han 
del  von  französischen,  nordischen  und  außereuropiiischen  Mineralien. 

9)  Herr  Pauer.  Gab  sich  nur  mit  dem  Verkaufe  siebenbürgischer  Minera- 
lien   üb. 

10)  Herr  S  teph  a  nie.  Sein  Handel  war  lediglich  auf  Edelsteine  beschränkt. 

11)  Herr  Z  a  be  r  sc  hni  gg.  Nach  dessen  Tode  ging  sein  V^orralh  an  seine 
Gattinn  Anna  Zaberschnigg  über. 

12)  Herr  Gavre.    Halte   sich   blos  mit  dem  Verkaufe  von  Edelsteinen  befaßt. 

13)  Herr  Bar  ton.  Sein  gesanimtor  A  orralh  gelangte  nach  seinem  Tode  in  den 
Besitz  seiner  Gattinn. 

14)  Herr  Vin  cenz  N  eul  ing,  Juwelier.  Befaßte  sich  nur  mit  dem  Verkaufe 
von  Edelsteinen,  von  welchen  er  den  ausgcwähltesten  Vorrath  besaß. 

15)  Frau  Anna  Zaberschnigg.  Betrieb  den  Handel  blos  in  so  lange,  als  der 
von  ihrem  Gatten  ererbte  Vorrath  reichte. 

16)  Frau  Barton.  Der  durch  Erbschaft  von  ihrem  Gatten  auf  sie  übergegan- 
gene Vorrath  wurde  in  größeren  und  kleineren  Partien,  und  auch  einzeln 
verkauft. 

17)  Herr  M.  Cohen,  k.  k.  Hof-Juwelier.  Sein  Handel  war  ausschließlich  auf 
Edelsteine  beschränkt,  von  welchen  er  eine  sehr  große  Auswahl  besaß. 
Eine  Sammlung  von  Diamanten,  nebst  den  zur  Bearbeitung  derselben  er- 
forderlichen Apparaten,  kam  18"il  als  Geschenk  an  das  k.  k.  Naturalien- 
Cabinet  und  wurde  von  Paul  Partsch  in  einem  besonderen  Werkchen 
beschrieben,  das  unter  dem  Titel  „Beschreibendes  Verzeichniß  einer  Samm- 
lung von  Diamanten  und  der  zur  Bearbeitung  derselben  nothwendigen 
Apparate,  welche  allerhöchst  Seiner  Majestät  dem  Kaiser  für  das  k.  k. 
Mineralien-Kabinet  in  Wien  alierunterthänigst  dargebrachtwurden,  von  dem 
k.  k.  Hofjuwelier  M.  Cohen"  1822  zu  Wien  in  4".  erschien. 

c)  Insekten-Händler. 

1)  Herr  Georg  Dahl.  Sein  gesammter  Vorrath,  welcher  alle  Ordnungen 
umfaßte,  ging  nach  dessen  Tode  durch  Kauf  1831  in  den  Besitz  des  Herrn 
Ernst  W.  Heeger  über. 

2)  Herr  Stentz.  Sein  Handel  war  nur  auf  inländische  Insekten  beschränkt. 


Aus  der  h.   l.    Hof-   und   Slaatsdrucker«i   iu  WJca. 


Verson.    Beiträ<jp  zur  Kenntniß  des  Kelilkopfes  iiiiil  der  Trachea.       IÜctO 


Beiträge  zur  Kenntniß  des  Kehlkopfes  nnd  der  Trachea. 
Von  Enrico  Verson. 

(Mit  1  Tafel.) 
Aus  dem   Institute  filr  experimentelle  Patholog'ie  der  Wiener  Universität. 

Nachdem  durch  die  Entdeckung  des  Laryngoscops  auch  der 
Kehlkopf  einer  genaueren,  diagnostischen  Untersuchung  zugänglitrh 
gemacht  worden,  ist  die  näliere  Kenntniß  der  Anatomie  dieses  Or- 
ganes  sicherlich  zu  einem  Bedürt'niß  geworden,  dem  indeß  durch  die 
bisherigen,  meist  makroskopischen  Beschreibungen  des  Kehlkopfes 
nicht  völlig  genügt  ist.  Bei  diesem  Umstand  erscliien  mir  die  erneute 
Behandlung  des  Gegenstandes  nicht  überflüßig  und  ich  will  die  dabei 
erhaltenen  Resultate  in  kurzem  zusanuuenstellen,  soweit  sich  mir 
die  Verhältnisse  als  neu,  oder  als  abweichend  von  früiieren  Angaben 
dargestellt  haben.  —  Gleichzeitig  mit  der  Untersuchung  des  mensch- 
lichen Kehlkopfes  und  der  Trachea,  stellte  ich  parallele  Studien  an 
jenen  des  Hundes,  der  Katze,  des  Kaninchens  und  des  Schafes  an. 

Gerüste. 

Die  Knorpeln  des  Kehlkopfes  lassen  sich  bekanntlich  der 
Structur  nach  in  hyaline  und  faserige  eintheilen;  eine  Scheidung, 
die  übrigens  hier  nicht  streng  durchführbar  ist,  insoferne  ein  und 
derselbe  Knorpel,  wie  von  Rheiner  (Beiträge  zur  Histologie  des 
Kehlkopfes.  Diss.  1852)  an  Aev  C.  anjtaeiioidea  nachgewiesen  wurde, 
beide  Typen  und  deren  Zwischenstufen  enthalten  kann. 

Zu  den  rein  faserigen  Knorpeln  wird  allgemein  auch  der  Sant  o- 
ri  ni'sche  gezählt,  was  jedoch  nicht  ausnahmslos  der  Fall  ist.  Ich  iiabc 
wenigstens  ein  Präparat  vor  mir,  an  welchem  dieser  Knorpel  nur 
eine  faserige  Rinde,  aber  einen  hyalinen  Kern  besitzt.  Erstere  bildet 
nur  eine  dünne  Zone,  in  welche  zum  Theile  Fasern  aus  der  Syn- 
chondrosis  arycorniadata  (Heule)  sich  verfolgen  lassen. 

Den  verschiedenen  Angaben  über  die  Structur  des  Coiyuscu/um 
triticeufu  gegenüber,  fand   ich    in    meinen    Fällen    dasselbe    immer 

Sitzb.  d.  malhe;ii.-n;>turw.  Cl.  LVII.  Hd.   I.  Abth.  70 


1094  Verson. 

hyalin,  und  muß  ich  die  besondere  Neigung  desselben  zur  Verknü- 
cherung  (Henle)  hervoi'hehen.  An  der  Leiche  eines  24jährigen 
Mannes  fand  ich  es  schon  zur  Hälfte  verknöchert. 

Heule  (Anatomie  Bd.  H.)  erwähnt  bei  Beschreibung  der  Arti- 
culatio  crico-ariitoeiioidea  einer  fettreichen  Synovialfalte,  welche 
zuweilen  von  der  lateralen  Ecke  her  in  das  Gelenk  vortritt.  Bei  fünf 
Kehlköpfen  fand  ich  dieselbe  einmal  wie  sie  He  nie  angiebt;  drei- 
mal aber  (und  darunter  war  eine  kindliche  Leiche)  schob  sich 
ein  fester,  weißgelhlicher  Keil  in  das  Gelenk  vor,  der  bei  mikro- 
skopischer Untersuchung  als  aus  straffem  Bindegewebe  mit  einge- 
streuten Zellen  bestehend  sich  ergab.  Beim  Kinde  waren  die  Zellen 
viel  zahlreicher  und  erschienen  gegen  die  freie  Spitze  zu  stark  abge- 
plattet; von  Fettgewebe  war  in  der  Nähe  keine  Spur  zu  sehen.  Dieses 
Zwischenstück,  welches  ich  nicht  anstehe,  als  Zwischenknorpel  zu 
bezeichnen,  ist  durch  die  Gelenkskapsel  straff  am  Gießbeckenknorpel 
geheftet,  während  ein  längeres  Kapselstück  es  mit  dem  Ringknorpel 
verbindet.  Hei  der  Neigung  des  Gießbeckenknorpels  nach  rückwärts 
folgt  es  daher  diesem,  und  während  es  die  stärkere  Krümmungsfläche 
des  fixen  Ringknorpels  corrigirt,  entgeht  es  gleichzeitig  der  Gefalir 
einer  Einklemmung.  Der  freie  Theil  des  Keiles  zeigt  kein  Epithel, 
wohl  lassen  sich  aber  an  der  verbindenden  Kapsel  randständige  Kerne 
nachweisen,  die  auf  ein  solches  hindeuten. 

Auch  die  Angabe  C.  Mayer's  (MerkeKs  Archiv  1826),  daß  in 
den  Stimmbändern  zuweilen  knorpelige,  scheibenförmige  Körper  vor- 
kommen, prüfte  ich,  aber  mit  demselben  negativen  Erfolge  wie 
Henle  (Anatomie  Bd.  II).  Was  das  obere  Stimmband  anlangt,  ließe 
sich  die  Angabe  höchstens  auf  ein  verirrtes  Knötchen  des  Wris- 
berg'schen  Knorpels  zurückführen,  der  häufig  in  Stücke  zerfällt. 
Im  unteren  Stimmband  f;ind  ich  aber  das  schon  von  Henle  (1.  c.) 
beschriebene  elastische  Knötchen  nie  verknorpelt.  Interessant  ist 
nur  der  Vergleich  dieses  Befundes  beim  Neugebornen,  mit  jenem 
beim  Erwachsenen.  Während  es  nämlich  bei  letzterem "  nur  aus 
dicht  verfiltzten,  elastischen,  Fasern  besteht,  sind  diese  beim 
Neugebornen  viel  weniger  dicht  angeordnet,  dafür  aber  ihre  Zwi- 
schenräume mit  kernhaltigen  Zellen  erfüllt,  welche  die  verschie- 
densten Entwicklungsstufen  der  Spindelform  zeigen.  Aus  ihnen 
seile  inen  sich  also  die  elastischen  Fasern  zu  ent- 
wickeln. 


Buiträ^re  zui-  Kcniitiiili  des  Kflilki>|»fi'.s  und  ili'r  Trneliea.  1  OVJÖ 

Ein    besonderes   Verhalten    zeigen    die    Stimmbänder    großer 
Hunde,   indem    dieselben    bis  weit   nach  vorne  von  der  C.  arytae- 
noidea   und   den    mit   ihr    verschmolzenen   Sa  ntonini 'sehen   und 
Wrisberg'schen    Knorpeln    (Rheiner)    aus,    verknorpeln    können. 
Man    findet    an    Querschnitten    des    oberen    Stimmbandes    einen, 
gegen    den   freien    Hand    zu    sieh   keilförmig    verjüngenden   Faser- 
knorpel;   das    untere    Stimmband    dagegen    schließt    eine    dünnere 
Faserknorpellamelle  ein,  welche  mit  der  unteren  Fläche  des  Bandes 
parallel  liegt.  Eine  weitere  Besonderheit  liegt  darin,  daß  am  hinteren 
Winkel  des  Morgagni'schen  Ventrikel  die  Stimmbänder  nicht  direct 
in  einander  übergeben,  dadurch,  daß,  wie  es  beim  Menschen  der  Fall 
ist,  ein  elastisches  Bündel  von  oben  nach  unten  mit  einem  von  unten 
heraufsteigenden    sich    kreuzt.    Der   hintere    Abschnitt    des    oberen 
Stimmbandes    krümmt  sich    vielmehr   nach  al)wärts,  streicht  durch 
den  Raum  des  Ventrikel  durch,  und  befestigt  sich  am  Grunde  des- 
selben. Durch  dieses  Verhältniß  wird  lateralwärts  ein  Blindsack  ab- 
gegrenzt,   der   die  directe  Fortsetzung  des  Ventrikel  darstellt.  Das 
untere  Stimmband  verläuft  nach  rückwärts  auf  einer  größeren  Strecke 
geradlienig  als  das  obere,  verlängert    sich  aber  endlich  nach  oben, 
und  verschmilzt  mit  der  inneren  (oberen)  Fläche  des  nach  abwärts 
gekrümmten,  falschen  Stimmbandes.  Auch  unter  dem  wahren  Stimm- 
bande  setzt  sich  der  Ventrikel  als  ein  kürzerer  Blindsack  nach  hinten 
fort.  Die  zwei  beschriebenen  Blindsäcke  bilden  also  die  directe  Fort- 
setzung des  Ventrikel,  und  sind  durch  eine  Scheidewand  von  einander 
getrennt,  welche  eigentlich  vom  oberen  Stimmband  gebildet  wird. 

Einen  intercalären  Trachealknorpel,  wie  Luschka  (Zeitschrift 
für  rat.  Med.  III.  Reiche  XI)  solche  für  den  Menschen  beschreibt, 
fand  ich  einmal  auch  bei  der  Katze. 

in  Q  s  k  e  I  n. 

Abgesehen  davon,  daß  zuweilen  einzelne  quergestreifte  Fasern 
des  Oesophagus  sich  verirren  können,  und  eine  mehr  oder  weniger 
lange  Strecke  in  der  hinteren  Faserhaut  der  Trachea  fortziehen, 
kann  ich  über  die  Muskeln  der  schönen  Darstellung  Henle's  nichts 
hinzufügen;  nur  konnte  ich  mich  nie  von  wirklicher  Endigung  der 
Fasern  des  M.  thyreo  arijtaenoideus  iiif.  in  das  gleiclibenaunte  Band 
überzeugen.  An  der  Grenze  z^\ischen  beiden  liegen  allerdings  die 
Muskelfasern     schütterer,     und     können     eine    solche    Vermulhung 

70* 


1096  -  Ver.on. 

erwecken;  aber  einen  l  Iterpfiing  tles  Sarcolemmn  in  die  Bandfasern, 
gelang  es  mir  nie  zu  beobachten. 

Was  die  mikroskopischen  Verhältnisse  der  quergestreiften 
Muskelfasern  anlangt,  .will  ich  erwähnen,  daß  ich  am  Kehlkopfe 
solche  mit  gabeliger  Zwei-  und  Dreilheilung  fand.  Es  scheint  über- 
haupt eine  solche  Verzweigung  nicht  so  l)eschränkt  vorzukommen, 
wie  angenommen  wird.  Ich  untersuchte  vergleichshalber  auch  andere 
Skcdctmuskeln  des  Kaninchens,  fand  aber  überall  einzelne  gabelig 
gelheilte  Fasern. 

Die  organischen  Muskelfasern  der  Trachea  beginnen  gleich 
hinter  dem  ersten  Ringknorpel,  indem  sie  zwischen  den  vorderen 
Flächen  der  Knorpelenden  ausgespannt  sind,  in  deren  Perichondriiim 
sii'  meist  mit  zarten  dünnen  Sehnen  übergehen;  oder,  was  seltener 
der  Fall  ist,  sie  verlieren  sich  in  die  Schleimhaut.  Sie  bilden  jedoch 
keine  nach  unten  zusammenhängende,  fortlaufende  Schichte,  sondern 
erscheinen  in  Absätzen  unterbrochen,  von  welchen  meist  mehrere 
einem  Kiiorpelringe  entsprechen;  sie  sind  dabei  durch  stärkere  Ein- 
schübe  der  hinteren  Faserhaut  von  einander  getreinit,  und  diese  dienen 
gleichzeitig  als  Straßen  der  Nerven  und  Gefäße,  welche  von  hinten 
her  die  Schleimhaut  versorgen.  Die  von  Kr  am  er  zuerst  beschrie- 
nen  longitudinalen  Muskelbündel  folgen  den  Absätzen  der  horizon- 
talen, indem  sie  meist  nicht,  wie  Kram  er  angibt,  aus  der  ßinde- 
gewelisliant  entspringen,  und  in  derselben  endigen,  sondern  tief  an 
den  beschrielienen  bindegewebigen  Scheidewänden  der  Muskel- 
schichte Ursprung  und  Ende  nehmen,  so  daß  sie  von  hinten  einen 
oder  mehrere  Absätze  derselben  umklammern. 

Eben  solche ,  aber  noch  stärkere  longitudinale  Muskelbündel, 
linde  ich  auch  an  der  Trachea  der  Katze  luul  des  Hundes,  welche 
(hircli  Contraction  derselben  bedeutend  vei'kürzt  werden  kann.  Die 
Kuorpelringe  legen  sich  dabei  ziegeldacliarlig  über  einander,  so  daß 
an  hier  gelegten  Horizontalschnitten  zwei  aufeinanderfolgende  Ringe 
gleichzeitig  getroflen  werden.  Der  Schnitt  zeigt  dann  zwei  con- 
cenlrische  Knorpelstreifen,  die  durch  elastisches  Gewebe  von  einander 
getrennt  sind. 

Wie  schon  Meckel  (Vergl.  Anat.  VI)  Iteschreibt,  reicht  die 
horizontale  Muskelschiclile  bei  Katzen-  und  llniuletracheen  Meit  über 
die  Ringknurpclendon  hinaus,  an  deren  äußeren  Flächen  sie  sich 
inserirt.   Sie  umgreilt  fast  ein  Drittel  i\i's  ganzen  Ringes,   und   kann 


Beiträge  zur  Keniilniß  iles  Kelilkopfes  iiiul  der  Tiache«.  1  09T 

sich  SO  mächtig  confrahiren,  daß  die  olTeneii  Ringenden  sich  weil 
übereinander  legen,  und  die  Sclileinihant  in  die  Lichtung  der  Trachea 
als  eine  longitudinale,  3  —  4  Linien  breite  Falte  vorgetrieben  wird, 
die  sich  auch  in  die  Bronchien  fortsetzt.  An  Thieren,  die  durch  Ver- 
Lhjtung  sterben,  erreicht  die  Contraction  gewöhnlich  den  höchsten 
Grad,  so  daß  die  Ringenden  dadurch  geknickt  werden  können. 

Endlich  sind  die  organischen  JMuskeilasern  auch  histologisch 
eigenthümlich,  in  soterne  sie  ungewöhnlich  kurz  sind,  und  einen  sehr 
langen  Kern  besitzen.  Der  Querschnitt  eines  Bündels  trilTt  daher  last 
in  jeder  Zelle  auch  den  Kern,  und  man  erhält  ein  elegantes  Bild  von 
zartem,  rund  maschigeni,  doppelt  contourirtem  Netzwerk,  in  dessen 
Lücken  regelmäßig  Kerne  erscheinen.  Letztere  lassen  noch 
d  e  u  1 1  i  c  li  ein  glänzendes  K  e  r  n  k  ö  r  p  e  r  c  h  e  n  erkennen. 
(Vergl.  Frankenhaeuser.  Die  Nerven  der  Gebärmutter  u.  s.  w.) 

Schleimhaat.  Drüseu.  Epithel. 

Die  Schleimhaut  des  Kehlkopfes  und  der  Trachea  schließt  aus- 
nahmslos in  ihrem  Gewebe  zahlreiche  runde,  ein-  oder  mehrkernige 
Zellen  in  sich,  welche  bis  dicht  unter  das  Epithel  reichen,  um  die 
Gefäße  herum  einen  Hof  bilden,  und  endlich  auch  um  die  Drüsen 
sich  drängen.  Stellenweise  ist  die  Grenze  des  Epithels,  wo  es  ge- 
schichtet ist,  ganz  verwischt,  und  es  ist  nicht  möglich  anzugeben,  wo 
die  genannten  Körperchen  aufhören,  die  Epithelialzellen  beginnen. 
Dieser  Befund,  der  an  physiologischen  und  pathologischen  Präpa- 
raten, an  Mensch  und  Thier,  immer  wiederkehrt,  läßt  vermuthen,  daß 
die  genannten  Körperchen  sog.  Wa  nderzellen  sind,  die  möglicher- 
weise an  der  Bildung  des  Epithels  betheiligt  sind.  Der  Umstand,  daß 
sie  immer  einen  mehr  weniger  dichten  Hof  um  die  Gefäße  bilden,  läßt 
die  Vermuthung  zu,  daß  sie  aus  den  Gefäßen  selbst  stammen. 

Es  ist  hier  der  Ort,  wo  ich  noch  einer  anderen  Beobachtung 
erwähnen  will.  Wie  das  für  Schaf,  Schwein  und  andere  Thiere  l)e- 
kannt  ist,  fand  ich  auch  bei  der  Katze  seitlich  an  der  Eingangsfalte 
des  Kehlkopfes  sogenannte  Follikeln,  d.  h.  Anhäufungen  von  Lyniph- 
körperchen  in  einem  zarten,  reichlich  (Jcläße  tragenden  Netzwerk, 
welches  durch  Verschmelzung  mit  Fortsätzen  versehener  Protoplasma- 
körper entstanden  zu  sein  scheint.  An  den  Knotenpunkten  des  Netz- 
werkes sehe  ich  wenigstens  deutliche  Kerne.  Diese  Follikeln,  gewölin- 
lich  von  stärkerem  Bindegewebe  umfaßt,  sah  ich  zuweilen  gegen  die 


1098  Verson. 

Schleimliaiit  hin  offen,  «illmälig  in  das  Gewebe  dieser  übergehen,  so 
daß  sich  ihre  Lymphkörperchen  bis  an  die  Epithelialzellen  er- 
strecken, in  welche  sie  durch  allmäiige  Formveränderung  überzugehen 
scheinen. 

Bezüglich  der  Drüsen  muß  ich  vor  allem  bemerken,  daß  ich 
nie,  auch  nicht  an  den  größten  Acini  des  Kehlkopfes  und  der  Trachea, 
ein  Ptlasterepithel  vorfand.  Ein  solches  wird  nur  an  schiefen  Schnitten 
vorgespiegelt,  an  welchen  nur  die  Basen  oder  Zelleukörper  quer  ge- 
troffen wurden.  Wohl  haben  die  Atisfüliruiigsgänge  zuweilen  niedrie- 
gere  Epithelialzclk-n  ;  jedoch  erscheinen  diese  beim  Menschen  immer 
einschichtig,  während  sie  beim  Hunde  häufig  zwei-  oder  dreischichtig 
gefunden  werden. 

Die  hintere  Fläche  des  Kehldeckels  verliert  bekanntlich  beim 
Erwachsenen  ihre  Flimmerdecke,  und  erscheint  von  einer  Epithel- 
schichte überzogen,  welche  den  Übergang  zwischen  den  Pflasterzellen 
der  Vorderseite  des  Kehldeckels  und  den  Flimmerzellen  des  eigent- 
lichen Kehlkopfes  bildet.  Diese  ganze  Epithelstrecke  zeigt  eine  weit 
geringere  Mächtigkeit  als  jene  der  Vorderfläche  der  Epigiottis,  und 
zeichnet  sich  von  letzterer  noch  besonders  dadurch  aus,  daß  ihre 
Begrenzung  nach  der  Schleimhaut  hin  eine  viel  schärfere,  und  gerad- 
linige ist.  Ihre  unterste  Schichte  besteht  regelmäßig  aus  pallisaden- 
artig  an  einander  gereihten  Cylinderzellen,  über  welchen  sich  mehr 
rundliche,  oder  polygonale  Zellen  zu  einem  Stratum  Malpighi  zusam- 
menstellen, bevor  sie  sich  zur  Hornschichte  abplatten.  Je  näher  man 
nun  dem  Epiglottiswulst  kömmt,  um  so  höher  erscheinen  die  ge- 
nannten Basalzellen,  während  die  darüberliegende  Zellenschichte 
entsprechend  dünner  wird.  Durch  ein  solches  Überhandnehmen  der 
unteren  Cylinderzellen  auf  Kosten  der  oberen  rundlichen  und  ahge- 
|ilatteten,  verschwinden  endlich  letztere  ganz,  und  die  ersteren  bilden 
sich  durch  einen  Flimmerbesatz  zu  den  Flimmerzellen  um.  Im  zweiten 
Viertel  ungefähr  der  hinteren  Epiglottisfläche  weist  aber  das  Epithel 
noch  eigenthündiche  Bildungen  auf,  die  sich  als  aus  Zellen  bestehend 
ergeben,  und,  bald  bauchig  aufgetrieben,  bald  mehr  pyramidal  von 
Gestalt,  mit  ihrem  Gipfel  mehr  oder  weniger  der  Hornschichte  sich 
nähern,  welche  darüber  ein  dünnes  Kanälchen  bis  zur  freien  Ober- 
fläche offen  läßt.  Es  sind  das  offenbar  dieselben  Bildungen,  welche 
kürzlich  S  c h  w a  1  b  e  (M.  Schultze's  Archiv,  Bd.  IV,  I  8G8)  und  L o  v  e  n 
(S.'iiultze's    Archiv,    Bd.    IV.)    an    den   Seifenflächen    der  umwallten 


neiträg-e  zur  Kenntniß  des  Kelilkopt'es  iiiitl  Jer  Trachea.  10«'«' 

Papillen  beschrieben,  und  welche  diese  Forseher  mit  den  Geschmaeks- 
nerven  in  Zusammenhang  bringen  zu  können  glauben.  Über  die 
Structur  genannter  Gebilde  komme  ich  im  Wesentlichen  zu 
denselben  Resultaten, M'ie  Schwalbe  und  Loven.  Es  sind  lang  ge- 
zogene, mehr  oder  weniger  breite  Zellen,  v\  eiche  meist  mit  breiterer 
Basis  aulsitzen,  ihr  schmächtigeres  Ende  der  freien  Oberfläche  zu- 
kehren, sich  aber  ringsherum  ganz  genau  an  die  u m - 
gebend  en  Epithelialz  eil  en  a  nlegen.  Querschnitte  der  Gebilde, 
die  mir  mehrmals  gelangen,  zeigen  mir  überdem  regelmäßig  eine 
centrale  runde  Lücke,  um  welche  die  beschriebenen  Zellen  sieh  im 
Kreise  lagern. 

Aus  dieser  kurzen  Beschreibung  ergibt  es  sich  schon,  daß  ich 
die  sogenannten  Stiftchen  als  die  peripheren  Enden  der  länglich 
ausgezogenen  Epilhelialzellen  ansehe,  die  sich  zufällig  (das  von 
Schwalbe  gegebene  Bild  der  hervorragenden  Stiftchen  kommt  nicht 
immer  zur  Anschauung)  von  den  umgebenden  Zellen  abgelöst  haben. 
Was  den  Härchenkranz  anlangt,  gelang  es  mir  nicht,  mich  von  dessen 
Vorhandensein  zu  überzeugen. 

Daß  also  diese  Knospenbildungen  keine  Geschmacksorgane 
seien,  scheint  mir  der  Fundort  derselben  an  der  hinteren  Epiglottis- 
fläche  schon  ein  genügender  Beweis.  Nachdem  ich  mich  aber  ebenso 
vergeblich  wie  Schwalbe  bemüht  habe,  einen  Zusammenhang  der- 
selben mit  Nervenfasern  darzustellen,  kann  ich  sie  auch  als  Nerven- 
endorgane nicht  ansehen.  Übrigens  will  ich  mich  vorderhand  bezüg- 
lich ihrer  Auslegung  eines  Urtheils  ganz  enthalten,  und  bemerke  ich 
nur  noch,  daß  dieselben  an  der  hinteren  Seite  der  Epiglottis  in  meist 
größeren  Abständen  von  einander  vorkommen,  ohne  eine  bestimmte 
Gesetzmäßigkeit  in  ihrer  Vertheilung  kundzugeben. 

Selten  am  Epiglottiswulst,  aber  sehr  häufig  an  der  unteren 
Fläche  des  falschen  Stimmbandes,  zeigen  die  Ausführungsgänge  der 
Drüsen  ein  schönes  Flimmerepithel  (vergl.  E.  Klein,  k.  k.  Wiener 
Acad.  1868),  welches  ziemlich  weit  bis  gegen  die  Acini  zu  sich 
erstreckt.  An  der  erstgenannten  Stelle  besitzt  die  Schleimhaut  noch 
nicht  Flimmerepithel.  Im  Übrigen  zeichnen  sich  solche  Ausführungs- 
gänge noch  durch  das  ansehnliche  Lumen  aus.  Ihr  Querdurchmesser 
(das  Epithel  mit  eingerechnet)  belrägt  bis  (>-3   Mm. 

Betreffs  der  Vertheilung  der  Drüsen  in  der  Trachea  muß  ich 
zunächst     für    die    vorderen    und    seillichen    Partien,    ganz     Ueitz 


1  100  Ve  rson. 

(Künstliche  Erzeiiguqg  von  croupöser  Pneumonie,  W.  Acad.  LV.  Bd. 
11.  Ahtiig.)  gegen  Hheiner  Leistiinnien ,  daß  sie  eine  zusammen- 
hängende Schichte  hilden,  die  auf  der  Höhe  der  Knorpeh-inge  nicht 
unterbrochen  erscheint.  An  der  liinteren  knorpelfreien  Fläche  ferner 
finde  ich  niclit,  wie  es  angegeben  wird,  die  Drüsen  in  der  Muskel- 
schiclite  eingebettet,  sondern  in  der  grüßten  Mehrzahl  der  Fälle 
liegen  sie  hinter  derselben  und  durchbohren  die  Muskelschichte  nur 
mit  ihren  Ausführungsgängen,  die  gerade  zur  Oberfläche  ziehen. 
Gleichzeitig  können  sie  aber  noch  eine  zweite,  dünnere  Schichte  vor 
der  Muskelhaut  bilden. 

In  Betreff  der  Epithelvertheilung  habe  ich  gegen  die  Angaben 
Rheiner's  (Würzburger  Verhandlungen  III)  noch  das  einzuwenden, 
daß  beim  Hunde,  wenigstens  im  hinteren  Abschnitte  des  Morgagni'- 
schen  Ventrikel,  Pflaster-  nicht  Flimmerepitbel  vorkommt.  Besonders 
in  den  früher  beschriebenen  Blindsäcken,  die  durch  Kreuzung  der 
Stimmbänder  entstehen,  findet  sich  ein  mächtiges  Pflasterepithel  vor, 
welches  ununterbrochen  mit  jenem  der  pli'cae  nryepiglutticae  und 
der  rima  glottidis  posterior  zusammenhängt.  In  dasselbe  treibt  die 
Schleimhaut  starke  Fortsätze  mit  Nerven   und   Gefäßen. 

Die  Flimmerzellen  der  frischen  Schleimhaut,  einem  kaum  ge- 
tödteten  Thiere  entnommen,  zeigen  besonders  bei  Wasserzusatz,  die- 
selben Veränderungen  wie  jene  des  Darmes  (Lypski):  sie  stoßen 
einen  Protoplasmaklumpen  mit  oder  ohne  Kern  aus,  an  dem  meistens 
die  Flimmern  haften  bleiben,  und  verwandeln  sich  so  zu  Becher- 
zellen. In  eminentem  Grade  findet  dieser  Vorgang  auch  hier  bei  der 
Katze  statt.  An  einfach  in  Chromsäure  gehärteten  Katzenpräparaten 
entfällt  eine  unversehrte  Zelle  auf  5  —  6  Becherzellen. 

Ganglien. 

Die  allgemein  verbreitete  Ansicht,  die  peripheren  Nervenver- 
zweigungen der  Kehlkoplsclilcimhaut  seien  mit  Ganglienzellen 
ausgestattet,  muß  ich  absolut  in  Abrede  stellen.  Dagegen  erscheinen 
die  Aste  des  Laryngens  sup.  und  das  Becurreiis  unmittelbar  vor 
ihrer  Verzweigung  in  die  Muskeln  (also  noch  in  der  hinteren  Faser- 
schichte), mit  zahlreichen  Ganglienzellen  besetzt.  In  der  hinteren 
Faserhaut  der  Trachea  fand  ich  überdieß  beim  Menschen,  bei  der 
Katze  und  beim  Hunde  wirkliche  Ganglien  von  rundlich  oblonger 
Form,  mit  dem  größten   Durchmesser   iler   Längsaxe   parrallel,   von 


Beiträge  zur  Keiiiiliiiß  ilis  Kelilkupfes  und  der  Trjichea.  1  101 

welchen  deutlich  Nervenfaserzüge  zur  organischen  Muskelschichte 
ziehen.  Daß  sie  mit  der  Innervation  der  letzteren  wirklich  in  Zusam- 
menhang stehen,  ergibt  sich  auch  aus  ihrer  verschiedenen  Anordnung 
beim  Menschen  und  bei  den  genannten  llausthieren.  Bei  letzteren, 
wo  die  Muskelschichte  weit  über  die  Knor  elringe  hinausreicht, 
erscheinen  sie  regelmäßig  seitlich  angeordnet,  hinter  den  Knorpel- 
ringen und  der  Muskelschichte.  Beim  Menschen  dagegen  sind  sie, 
entsprechend  der  Lage  der  organischen  Muskelfasern,  nur  hinter 
diesen  im  knorpeltVeien  Zwischenraum  vertheilt. 

An  einem  Katzenpräparat  mißt  der  quere  Durchmesser  eines 
solchen  Ganglions  Ol 7  Mm;  an  einem  Längsschnitte  messe  ich 
dessen  größten  Durehmesser  0-39  Mm.  Ein  anderes,  nienschliches 
Präparat  zeigt  mir  einen  runden  Querschnitt,  von  0  2  Mm.  Durch- 
messer, 

Ob  die  Zellen  dieser  Ganglien  nur  einen  oder  mehrere  Fortsätze 
in  verschiedene  Bichtungen  aussenden,  vermag  ich  nicht  zu  ent- 
scheiden. An  unversehrten  Zellen  konnte  ich  bis  jetzt  nie  mehr  als 
einen  Fortsatz  wahrnehmen.  Freilich  erlauben  aber  Schnittpräparate 
nie  ein  entscheidendes  Urtheil;  und  bei  so  kleinen  Gebilden  wie 
diese  Ganglien,  deren  Aufsuchung  mit  freiem  Auge  nicht  möglich  ist, 
war  an  eine  Isolation  der  Zellen  durch  Zerzupfen  frischer  Präparate 
nicht  zu  denken.  An  Schnittpräparaten  erscheinen  dieselben  meist 
einkernig,  einzelne  größere  enthalten  aber  deren  zwei. 


1  104         Verson.    Heitriige  /.uv  Keiiiitiiiß  des  Kehlkopfe»  und  der  Trachea. 


E  r  k  I  ä  r  u  n  g-    der    A  b  b  i  1  d  u  n  g  e  n. 


Fig.  1.  Längsdurclischnitt  der  Trachea;  Katze.  «^  Knorpelring,  i^  trans- 
versale Muskelschichte,  ej  Ganglien;  von  einem  derselben  tritt  ein  Bündel 
Nervenfasern  aus,  gleichzeitig  enthalt  dasselbe  eine  zweikernige  Ganglienkugel 
CeJ.  Bei  dj  erscheint  ein  schief  getroffenes  Längshündel  von  org.  Muskel- 
fasern.  (Hartnack  Oc.  3,  Ohj.  7.) 

Fig.  2.  Längsschnitt  der  hinteren,  häutigen  Wand  der  menschlichen 
Trachea;  topographisches  Präparat,  aj  Epithel,  bj  Schleimhaut  mit  einge- 
streuten Lymphkörperchen,  o}  obere  Drüsenschichte,  dJ  Querschnitte  der 
transversalen  Muskelschichte,  e)  Längsbündel  org.  Muskelfasern,  sich  in  der 
bindegewebigen  Scheidewand  h  inserircnd,  /")  Untere  Diüsenscliichte,  eingebettet 
in  die  äußere  bindegewebige  Faserschicht,  g)  Drüsenaust'ührungsgang,  die 
Muskelschicbte  durchbohrend, /^GefäßquerschniUe.  (Hartnack  Oc.  3,  Obj.4.) 

Fig.  3  und  4.  Epilhelknospen  in  der  hinteren  Kehldeckelfläche  (entspre- 
chend den  sog,  Schmeckbechern  Schwalbe's).  Bei  a)  erscheint  eine  runde 
Lücke,  die  als  Ausdruck  eines  quergeschnittenen,  centralen  Canals  gedeutet 
wird,  hj  Epidiellücke,  welche  das  über  der  Knospe  stehende  Epithel  durch- 
brictit.  Letzteres  bildet  eine  stärkere  Scliichle  als  an  den  umwallten  Papillen, 
wo  das  Epithel  überhaupt  dünner  erscheint.  Beide  Schnitte  sind  etwas  schief. 
(Hartnack  Oc.  3,  Obj.  8.) 

Fig.  S.  A  Querschnitt  der  Trachea  eines  verbluteten  Hundes,  a)  stellen 
die  sich  übereinander  schiebenden  Knorpelringenden  dar,  j3)  die  contrahirte 
Muskelschicbte,  7)  Schleimhaut.  Vergrößerung  2. 

ß,  C,  D,  E  Längsschnitte  der  Stimmbänder  des  Hundes.  Die  Schnitte 
folgen  sich  von  vorne  nach  hinten  aufeinander,  wobei  die  Spitze  des  Pfeiles  der 
Lichtung  des  Kehlkopfes  zugewendet  ist.  In  B  begrenzen  die  Stimmbänder 
einfach  den  Ventrikel.  Bei  dJ  ei'sciu'int  im  unteren  Stimmband  schon  eine 
dünne  Faserknor|)ellamelle.  In  r' krümmt  sich  das  obeie  Stiminband  (aJ  schon 
nach  unten  und  außen,  während  vom  Grunde  des  Morga  gn  i 'sehen  Ventrikels 
ihm  eine  Leiste  entgegenwäcbst.  Bei  cj  zeigt  auch  das  obere  SfiuunbaiHl  schon 
einen  Knorpelkern.  In  D  ist  die  Insertion  des  oberen  Stimmbandes  am  Grunde 
des  Ventrikels  vollendet,  wodurch  ein  Biindsack  fej  abgeschlossen  wird.  Die 
übrigen  Bezeichnungen  wie  früher.  In  E  endlich  hat  sich  auch  das  untere 
Stinimband  nach  oben  verlängert  und  ist  mit  dem  falschen  Stimmbaiid  ver- 
schmolzen. Dadurch  wird  ein  neuer  Blindsack  (f)  abgeschlossen,  der  vom 
Blinilsack  e)  durch  das  obere  Stimmband  getrennt  ist. 

bJ  Liff.  thyreoarytaenoideum  inf.  g)  M.  thyreoarylaenoideus  int.  —  Natür- 
liche Große. 

Fig.  G.  Querschnitt  von  org.  Muskelfasern  aus  der  mensehlieheii  Trachea. 
(Hartnack   Oc.  3,   Imm.    Nr.  10.) 


ViTson.  Zur  Ki-iiiiliiiss  ilrs  Ki-Iilkiiiilcs  imil  der  Trudica  . 


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Gu  SS  i' iib  a  u  0  r.     Üiicr  ilii'  .Muskulatur  der  Atrioventriculiirklii|ipen  •■tc.     1  1  03 


Über  die  Muskulatur  der  Alrioventricularklappen   des 
Meuscheuherzens. 

Von  Dr.  Carl  Cfossenbaoer. 

(Aus  dem  physiologischen  Institute  der  Wiener  Universität.) 

Seitdem  Kürschner  (1840  Wagner's  Handwörterbuch  der 
Physiol.  II.  B.)  angab,  daß  nicht  nur  in  den  Atrioventricularklappen 
vieler  Säugetliiere,  sondern  auch  in  denen  des  Menschen  querge- 
streifte Muskelfasern  vorkommen,  sind  vielfach  histologische  Unter- 
suchungen der  Atrioventricularklappen  in  der  Literatur  verzeichnet. 

Während  manche  Autoren  das  Vorkommen  von  Muskelfasern  in 
den  erwähnten  Klappen  des  Menschen  gänzlich  in  Abrede  stellten, 
und  K  ü  r  s  c  h  n  e  r's  Angaben  auf  die  Säugethiere  beschränken  wollten 
(wieReid),  so  erklärten  Andere  das  Vorkommen  quergestreifter 
Muskelfasern  in  den  Atrioventricularklappen  des  Menschen  für  in- 
constant,  (Baum garten,  Müller's  Archiv  1843). 

Nega  nimmt  in  seinen  „Beiträgen  zur  Kenntniß  der  Function 
der  Atrioventricularklappen  des  Herzens",  1851  und  18ö2(Caspar's 
Wochenschrift),  eine  Fortsetzung  der  Vorhofsmuskelfasern  in  die 
Klappen  an.  Savnry  (18o2)  suchte  die  widersprechenden  Ansich- 
ten dadurch  zu  erklären,  daß  die  innersten  Fasern  der  Vorhofsmus- 
kulatur bald  mehr  oder  weniger  weit  jenseits  des  Anheffungsrandes 
der  Klappe  am  Oslium,  in  der  Klappe  selbst  ihren  Ursprung  nehmen, 
bald  auch  nur  vom  Anhel'tungsrande,  die  Klappe  selbst  somit  an  sol- 
chen Stellen  keine  Muskellasern  enthalte.  Donder's  (Physiol.  des 
Menschen  1856)  sprach  sich  gegen  Kürschner  aus. 

Rokitansky  fand  Muskelfasern  in  Ki;ippen  hypertrophischer 
Herzen  und  auch  Müller,  Rigot  und  Bouiliaud  beslaliuten 
K  ü  r  s  c  h  n  e  r's  Entdeckuntr. 


1104  G  u  3  s  e  11  b  it  u  e  r. 

Erst  Ij u d  w  i gJ  0 s  e  p  h  (V  i  r c h  o w's  Archiv  für  pathol.  Anat.  und 
Physiol.  XIV.  B.  18o8),  der  in  seiner  Arbeit:  „Über  die  Ringe  und 
Klappen  des  menschlichen  Herzens"  selbständig  zur  Kenntniß  einer 
Klappennuiskulatur  gekommen  ist,  gibt  eine  etwas  genauere  Beschrei- 
bung derselben.  Aber  auch  die  von  Joseph  auf  mikroskopische 
Untersuchung  gegründete  und  ganz  bestimmt  ausgesprochene  An- 
sicht, daß  sowohl  die  Valviila  bicuspidaUs  als  tricuspidalis  des 
Menschen  eine  „Klappenmuskulatur"  besitze,  die  sich  als  Fortsetzung 
der  Vorhofsmuskulatur  erweise,  und  in  Längs- und  Querbündeln  znn- 
genförmig  zulaufend,  in  der  Regel  bis  zu  ein  Drittheil  der  Klap[ien- 
länge  reiche,  wurde  von  Luschka  (Anatomie  des  Menschen,  18ü3j 
für  irrig  erklärt,  und  das  Vorkommen  von  Muskelfasern  in  den  Klap- 
pen als  zufälliges  mit  derFunction  der  Klappen  in  keinem  Zusammen- 
hange stehend  bezeichnet. 

Kölliker  (Handbuch  der  Gewebelehre  des  Menschen,  1867} 
sagt:  „Vom  äußersten  Saume  der  mittleren  Lage  derAtrioventricular- 
klappen  entspringen  hie  und  da  einzelne  Muskelfasern  des  Vorhofes, 
dagegen  sind  die  Klappen  sonst  frei  von  Muskeln";  dabei  führt  in- 
dessen Kölliker  Josep h's  Angaben  an. 

Henle  (Handbuch  der  system.  Anat.  des  Mensch.  HL  B.  1868) 
erwähnt  kurz  die  von  Kürschner  entdeckte  Thatsache,  und  stellt 
die  direct  aus  der  Herz\\and  in  die  Klappe  übertretenden  glatten 
Muskelbündel  mit  seiner  dritten  Chordenreihe  zusammen,  wobei  er 
unbestimmt  läßt,  ob  die  Muskelfasern  aus  der  Ventrikehvand  oder 
derdes  Atrium  kommen,  obgleich  er  in  einer  Anmerkung  die  oben  von 
Savory  angegebene  Erklärung  der  widersprechenden  Beobach- 
tungsresultate anführt. 

Der  Widersprüche  dieser  Angaben  wegen  habe  ich  aul'  Prof. 
Brücke's  Anregung  eine  Untersuchung  der  Atrioventricularklappen 
des  Menschen  vorgenommen  und  deren  Resultat  hier  niedergelegt. 

Das  Materiale  boten  die  Atrioventricularklappen  von  zwanzig 
Herzen,  wovon  sechzehn  aus  Leichen  Erwachsener,  vier  von  neuge- 
bornen  Kindern  waren. 

Nachdem  die  Herzen  nach  Kürschner's  Angabe  48  Stunden 
unter  Wasser  der  Wintertemperatur  ausgesetzt  waren,  wurden  die 
Klappen  herausgeschnitten,  hierauf  24  Stunden  in  Weingeist  gelegt 
und  ilann  ausgespannt  getrocknet.  Die  feinen  Sehnitte,  welche  in 
sänmitlichen    Lappen    beider    Vciitrikc!    continiiirlich     auf    einander 


über  die  Muskulatur  der  Atrioveiiticularklappen  des  Meiischenher/.ens.    1  lOo 

geführt  wurden,  legte  ich  so  an,  daß  sie  in  zwei  aufeinander  senk- 
rechten Richtungen  verliefen,  beide  senkrecht  auf  die  Klappe,  die  eine 
radiär  gegen  die  imaginäre  Ventrikelaxe,  die  andere  tangential. 

Dabei  wurden  viele  Schnitte  absichtlich  über  die  Abgangsstelle 
der  Klappe  am  Ostium  hinausgeführt,  um  sowohl  die  Fortsetzung  der 
Vorhofsmuskulatur  in  die  Klappe  selbst  deutlich  übersehen,  als  auch 
den  Übergang  des  die  Annuli  fibrocartUagines  constituirenden  Ge- 
webes in  die  Klappe,  deren  überwiegenden  Bestandtheil  dasselbe 
ausmacht,  besser  verfolgen  zu  können.  Die  Schnitte  wurden  mit 
karminsaurem  Ammoniak  tingirt.  Die  iMuskelfasern  selbst  wurden 
als  solche  an  den  deutlichen  Querstreifen  erkannt.  Man  sieht  nun  an 
so  präparirten  Längsschnitten  der  Klappe  unter  dem  Endocardium, 
welelies  sich  vom  Atrium  auf  die  Klappe  fortsetzt,  unmittelbar  auf 
dem  vom  Faserring  in  die  Klappe  eintretenden  Gewebe  autliegend, 
IMuskelfasern,  die  sich  als  Fortsetzungen  der  innersten  Muskelschichte 
des  Atrium  unter  seinem  Endocardium  in  die  Klappe  selbst  erweisen, 
und  bis  auf  verschiedene  Tiefe  in  die  Klappe  eindringen. 

Diese  Muskelfasern  gehen  constant  in  auf  einander  senkrechten 
Bündeln  von  der  Vorhofsmuskulatur  ab,  so  zwar,  daß  die  Muskel- 
fasern, welche  unmittelbar  unter  dem  dem  Vorhofe  zugewandten  Endo- 
cardium liegen,  in  einem  in  der  Längsachse  der  Klappe  auf  die 
Oberfläche  senkrecht  gerichteten  Querschnitte  als  Längsfasern  sicht- 
bar sind,  somit  als  Längsfasern  radiär  gegen  die  imaginäre  Ventrikel- 
achse vom  Anheftungsrande  der  Klappe  in  derselben  laufen. 

Unter  dieser  Längsmuskelfaserschichte  liegt  senkrecht  darauf 
eine  Schichte  von  Muskelfasern,  die  im  Breitendurchmesser  der 
Klappe  verlaufen,  da  sie  an  solchen  Längsschnitten  im  Querschnitt 
erscheinen. 

An  Schnitten,  welche  von  der  Abgangsstelle  der  Klappe  am 
Ostium  angefangen  im  Breitendurchmesser  derselben  geführt  wurden, 
siebt  man  umgekehrt  unter  dem  Endocardium  die  Querschnitte  der 
in  den  Längsschnitten  als  Längsfasern  erschienenen  Muskelfasern, 
und  unmittelbar  darauf,  oder  durch  eine  dünne  Schichte  von  Binde- 
gewebe getrennt,  Längsmuskelhündcl,  die  an  Längsschnitten  im 
Querschnill  gesehen  wurden,  somit  im  Breitendurchmesser  der 
Klappe  verlaufen.  Die  Lage  dieser  Muskelbünde]  zu  einander  und  den 
übrigen  Geweben  der  Klappe,  sowie  ihre  Verlaufsrichtungen  in  der 
Klappe  sind  an   diesen    Schnitten  topographisch  deutlich  ersichtlich. 


IJOß  fiusspiibnuer. 

Was  die  M;ieliti|ikeit  dieser  Miiskelbüiidel  anlangt,  so  ist  sie  eine 
verschiedene:  einmal  naeli  den  verschiedenen  Herzen,  aus  denen  die 
Klappen  genommen  wurden,  dann  nach  den  Klappen  des  rechten  und 
linken  Ventrikels,  verschieden  auch  nach  den  Lappen  der  Valv.  bicusp. 
und  tricuftpid;;!is. 

Im  Alijjfemeinen  kann  man  sagen,  daß  die  Muskelbündel  in  den 
Klappen  Erwachsener,  entsprechend  deren  Entwicklung,  stärker  seien, 
als  in  denen  neugeborner  Kinder. 

Vergleichende  Messungen  an  Schnitten  aus  denselben  Lappen 
von  Kindern  und  Erwachsenen  ergaben  Verhältnisse  von  1:2,  1:3, 
1 :4,  bald  auch  nur  2:3,  3:5.  Vergleichungen  der  Stärke  der  Muskel- 
bündel aus  Klappen  Erwachsener  unter  einander  geben  verschiedene 
Resultate.  Bald  ist  ihre  Mächtigkeit  nur  wenig  von  einander  abwei- 
chend, bald  jedoch  in  dem  Grade,  daß  den  obigen  ähnliche  Verhält- 
nisse gefunden  wurden.  Absolut  am  mächtigsten  sind  die  Muskel- 
bündel im  vorderen  oder  sogenannten  Aortenlappen  der  Valüu/a  bicus- 
pidalis,  wo  der  Dickendurchmesser  der  Längs-  und  Querbündel  zu- 
sammen an  der  Ahgangsstelle  der  Klappe  gewöhnlich  0-150  Millim., 
0-190  Millim.,  0-209  Millim.  bis  0-259  Millim.  betrug. 

Diesen  zunächst  an  Mächtigkeit  stehen  die  Muskelbündel  des  vor- 
deren Lappens  der  Valmila  triciispidalis,  dann  des  Scheidewandlap- 
pens derselben,  dann  die  des  hinteren  Lappens  der  Valvula  mitralis 
und  zuletzt  die  des  hinteren  Lappens  der  Valvula  bicnspidalis.  Diese 
Angaben  sind  jedoch  nur  richtig,  wenn  man  die  Muskelbündel  der  Lap- 
pen eines  und  desselben  Herzens  mit  einander  vergleicht.  Abweichun- 
gen in  den  Klappen  verschiedener  Herzen  kommen  häufig  genug  vor. 

Auch  die  Dickendurchmesser  der  Längs-  und  Querbündel  hal- 
ten nicht  immer  dieselben  Verhältnisse  ein. 

Im  Allgemeinen  sind  die  Längsmuskelfaserbündel  stärker  als 
die  Querfaserbündel.  So  ergaben  Messungen  an  fünfzig  verschiedenen 
Längsschnitten  für  die  Längsbündel  ein  arithmetisches  Mittel  von 
0-0(J5  Millim.  Dicke,  während  an  denselben  Schnitten  für  die  Quer- 
bündel im  Mittel  nur  0-054  Millim.  Dicke  gefunden  wurde. 

An  einzelnen  Schnitten  Jedoch  betrug  manchmal  die  Dicke  der 
Querbündel  0-09  Millim.,  0-081  Millim.,  0-073  Millim.,  während  die 
entsprechenden  Längsbündel  nur  0-087  Millim.,  0*079  Millim., 
0-070  Millim.  Durchmesser  halten.  Diesen  Messungen  zufolge  kann 
man  (lemnach  sagen,  daß  dieLängsbüiidel  stärker  seien  als  die  Quer- 


über  die  Muskulatur  der  Atrioventriculiirklappen  des  Mensclionhcr/.ens.    1107 

bündel.  Eine  weitere  Frage  war,  wie  weit  reichen  diese  Muskel- 
fasern in  die  Klappe? 

Zur  fJeantvvortung  wählte  ich  solche  Längsschnitte,  an  welchen 
man  die  Muskelfasern  enden  sah,  somit  deren  Länge  vom  Anheftungs- 
rande  derKlappe  direct  messen  konnte.  Dabei  ergaben  sich  sehr  ver- 
schiedene Resultate ,  je  nachdem  die  Schnitte  im  größten  Längen- 
durchmesser des  Lappens  oder  mehr  gegen  den  den  Haupteinschnitten 
entsprechenden,  die  größeren  Lappen  untereinander  verbindenden 
Klappensaum,  oder  endlich  in  diesem  sehr  schmalen  Klappensaum 
selbst  geführt  waren. 

Am  weitesten  reichen  die  Muskelfasern  in  die  Klappe  dort,  wo 
sie  am  längsten  ist;  gegen  den  schmalen  Klappensaum  dringen  sie 
M^eniger  tief  ein,  und  im  Cbergangssaume  der  Lappen  überschreiten 
sie  nur  wenig  den  Anheftungsrand. 

An  Aortenlappen,  deren  Länge  im  getrockneten  Zustande 
15  Millim.,  14  Millim.,  13  Millim.  betrug,  fand  ich  die  Muskelfasern 
5-67  Millim.,  5-08  Millim.,  4*9  Millim.  tief  in  die  Klappe  eindringen. 
An  den  Übergangssäumen,  deren  Länge  2,  3  bis  4  Millim.  betrug, 
reichten  sie  von  0*98  bis  il  Millim.  tief  hinein.  An  den  übrigen 
Lappen  wurden  ähnliche  Zahlen  gefunden,  nur  um  wenige  Bruch- 
theile  kleiner,  als  die  angegebenen. 

Im  Allgemeinen  kann  man  somit  sagen,  daß  Joseph's  Angabe, 
die  Muskelfasern  reichten  bis  zum  dritten  Theil  der  Klappenlänge, 
richtig  sei.  Es  gilt  dieß  sowohl  für  die  Lappen,  als  auch  für  die 
saumförmigen  Partien,  welche  den  Ausschnitten  entsprechen.  Bis- 
weilen wird  dieses  Dritttheil  von  den  Muskelfasern  nicht  unbeträcht- 
lich überschritten.  Zu  erwähnen  ist  noch,  daß  die  Querbündel  stets 
früher  endigen,  als  die  Längsbündel.  In  der  Regel  reichen  die  Quer- 
bündel um  0-5  bis  1-8  Millim.  weniger  weit  in  die  Klappe,  als  die 
Längsbündel 

Faßt  man  diese  Angaben  kurz  zusammen,  so  ergibt  sich  daraus 
Folgendes : 

In  den  Atrioventricularklappen  des  Menschen  kommen  Längs- 
und Querbündel  quergestreifter  Muskelfasern  vor,  die  unter  dem 
vom  Atrium  kommenden  Endocardiuni  liegen,  in  der  Regel  allmählig 
an  Mächtigkeit  abnehmend  den  dritten  Theil  der  Klappenlänge  er- 
reichen, häufig  überschreiten,  und  dort  im  Bindegewebe  endigen,  wo 
an  der  äußeren  oder  der  der  V^entrikehvand   zugewendeten  Klappen- 


jIOo  fiussenbauer. 

fluche  sich  die  Chorden  zweiter  Ordnung  inseriren.  Die  Enden  der  ein- 
zehien  Muskelfihrillen  stehen  nicht  unmittelhar  mit  den  Insertionen 
der  zweiten  Chordenreihe  in  Verbindung,  sondern  sind  durch  das  vom 
Faserring  in  die  Kl.'tp()en  eintretende  Gewebe  von  ilinen  getrennt. 
Die  IMuskelliiindel,  in  siinimllichen  Lappen  der  Atrioventricularklappen 
für  sich  betrachtet,  aiinien  somit  die  Form  der  Lappen  nach,  erreichen 
aber  nur  den  dritten  Theil  der  Lappenläiige,  oder  etwas  darüber  und 
endigen  mit  einem  mebr  minder  gezackten  im  Ganzen  krummlinigen 
Begrenzungsrande.  Letzteres  mußte  aus  Messungen  der  Muskelbün- 
del in  continuirlich  aufeinander  folgenden  Längsschnitten  gefolgert 
M'erden. 

Bei  diesen  Untersuchungen  zog  ich  auch  das  vom  Faserring  in 
die  Klappe  eintretende  Gewebe  in  Betracht,  da  in  der  Literatur  ver- 
schiedene Ansichten  über  dessen  Structur  verzeichnet  sind. 

Dieses  Gewelie  besteht  aus  ßindegewebsbündeln,  welche  bald 
aus  breiteren  bandartigen,  meist  gerade  in  der  Klappenlänge  verlau- 
fenden Fasern,  bald  aus  dünnen  und  dann  wellenförmig  angeordneten 
Bindegewebsfihrilien  eine  bei  schwacher  Vergrößerung  anscheinend 
formlose  Sul)stanz  zusammensetzen,  in  der  zahlreiche  Bindegewebs- 
körperchen  zu  sehen  sind.  Ein  elastisches  Fasernetz,  welches  am 
Anheftiingsrande  der  Klappe  an  den  Faserring  und  gegen  das  Endo- 
cardium  besonders  mächtig  ist,  durch  Zusatz  von  Essigsäure  noch 
deutlicher  wird,  ist  in  diesem  Bindegewebe  eingestreut.  Deutlich 
sieht  man  den  Zusammenhang  dieses  elastischen  Fasernetzes  mit  der 
elastischen  Schichte  des  Klappen-Endocardiums.  Nirgends  jedoch  kann 
man  Knorpelzellen  finden,  weder  an  frischen  noch  an  getrockneten, 
noch  an  mit  Beagentien  behandelten  Präparaten,  selbst  bei  Anwen- 
dung sehr  starker  Vergrößerung.  Deßhalb  sind  auch  die  Bezeichnun- 
gen :  „elastisch,  fascrknorpelig"  (Josep  h)  oder  „bindegewebsfaser- 
knorpelig"  (Luschka)  für  dieses  Gewebe  seinem  histologischen 
Baue  nach  nicht  entsprechend.  Bei  starken  Vergrößerungen  treten 
die  oben  angegebenen  Elemente  deutlich  iiervor.  Noch  weniger  Zwei- 
fel kann  über  die  Natur  dieses  Gewebes  walten,  wenn  man  die  Klap- 
pen neugeborner  Kinder  untersucht,  wo  dieses  Gewebe  noch  mehr 
den  embryonalen  Charakter  an  sich  trägt. 

Zudem  liahen  bereits  meiirere  Autoren  (Kölliker,  He  nie, 
H  yrtl)  sich  für  die  bindegewebige  Natur  dieses  vom  Faserring  stam- 
menden Gewebes  ausgesprochen. 


ri)pr  ilie  .Mu.tkiihiliir  iler  Altiiivriitric'nlarkl;i|>| Jim  .Muiix'liriilieriiriiy.    |  109 

Es  besteht  somit  eine  Atrioventricularklappe,  von  der  inneren 
oder  der  dem  Atrium  zugekehrten  Fläche  angefangen,  aus  folgenden 
deutlich  unterscheidbaren  Stratis: 

1.  Aus  dem  relativ  stärkeren  Endocardium  vom  Atrium  mit 
seinem  Epithel,  einer  elastischen  und  Bindegewebsschichte. 

2.  Aus  der  Klappenmuskulatur  bis  zu  %  der  Klappenlänge  oder 
darüber  reichend,  wo  dann  das  Endocardium  mit  dem 

3.  vom  Faserring  kommenden  fibrösen  Bindegewebe,  dem  mäch- 
tigsten Bestandtheil  der  Klappe,  bis  zu  ihrem  freien  Rande  ver- 
schmilzt. 

4.  Aus  dem  V'entrikel-Endocardium,  welches  dünner  und  an  den 
Stellen  durchbrochen  ist,  wo  sich  die  Chorden  zweiter  Ordnung  an 
der  Ventrikelfläche  der  Klappe  inseriren,  um  das  fibröse  Bindegewebe 
zu  verstärken. 

Ludwig  Joseph  (Physiologie  der  Herzklappen,  Virchow's 
Archiv  für  pathol.  Anat.  XVIII.  1860)  versuchte  direct  die  Wirkung 
dieser  Muskelfasern  in  den  Klappen  zu  bestimmen,  indem  er  mit  dem 
Inductionsstrome  an  frischen  Herzen  von  Kaninchen  dieselben  zur 
Contraction  erregte.  Dadurch  sollen  die  Hauptlappen  wellenförmig 
in  Falten  gelegt  und  gegen  das  Ostium  venosum  zusammengeschoben 
werden.  Indessen  ist  dieser  Versuch  nicht  vorwurfsfrei,  da  die  Con- 
traction in  einem  seitlich  geöffneten  Herzen  von  der  im  Leben  bedeu- 
tend abweicht.  Auch  konnte  auf  diese  Weise  keine  isolirte  Contrac- 
tion der  Längs-  und  Querfasern  erzielt  werden.  Überdieß  bietet  die 
Kleinheit  der  Klappenmuskulatur  der  Sicherheit  der  Beobachtung  viele 
Schwierigkeiten  dar.  Zwar  versuchte  ich  die  Wirkung  der  Muskel- 
fasern an  Herzen  von  Kätzchen,  die  ausgeschnitten  und  eröffnet  unter 
verdünnter  Kochsalzlösung  fortpulsierten,  direct  zu  beobachten,  aber 
ohne  Erfolg. 

Ich  gewann  keine  Sicherheit  darüber,  welche  Impulse  aus  dem 
Innern  der  Klappe  herstammten,  welche  von  aul^en  kamen.  Ich  war 
also  auf  die  Vorstellungen  angewiesen,  welche  sich  aus  dem  anato- 
mischen Befunde  ableiten  lassen.  Zunächst  wird  es  aus  dem  bekann- 
ten Verlaufe  der  Herzcontraction  und  dem  Orte,  an  dem  die  Muskel- 
fasern vorkommen,  wahrscheinlich,  daß  ihre  Zusammenziehung  mit  dem 
Ende  der  Vorhofsystole,  vielleicht  tbeilweise  noch  mit  dem  Anfange 
der  Kammersystole  zusammenfällt.  Die  Ringfaserji werden  das  Ostium 
atrioventriculare  zu  verengern  suchen,  oder  wenn  dieses  fixirt  ist,  die 

Sitzl).  d.  msthem.-naturw.  Gl.  LVII.  B«l.  1.  Abth.  71 


I   I   I  II      (.  II  5  •-(■  11  li  ;i  iicr.    l'li.  il.  Miiskiil:iliir  il.  Alrioventriculiiiklappen  p(c. 

Klappe  einer  Ebene  annähern,  welche  man  sieh  durch  ihre  ringför- 
mige  Anheftung  gelegt  denkt.  Die  Längsfasern  werden  für  sich 
allein  die  Lappen  der  Klappe  verkürzen,  wenn  sie  aber  mit  den 
Riiigfasern  zusammenwirken,  so  werden  sie  helfen  denjenigen  Theil 
der  Klappe,  in  welchem  sich  die  letzteren  befinden,  einer  Ebene  anzu- 
nähern, welche  man  sich  durcb  die  ringförmige  Anheftung  gelegt  denkt. 
Welche  Bedeutung  kann  nun  eine  solche  Action,  die  ohnehin  mit  sehr  ge- 
ringer Arbeitskraft  ausgeführt  wird,  für  die  Mechanik  des  Herzens 
haben? 

Für  die  Herzarbeit    im    Großen  und    Ganzen  kann  sie  bei  ihrer 
Schwäche  nicht  in  Betracht  kommen,  auf  das  Spiel   des  Ventils  aber 
wird  sie  einen  Einfluß   ausüben.  Ich  denke   mir  darüber  Folgendes: 
Wenn   die  Klappe    rein    passiv,    wie  ein  aus  Blase  oder  Gold- 
schlägerhaut gemachtes  Ventil   bewegt  wird,    so  muß  jedesmal  min- 
destens die  Menge  Blut  in  den  Vorhof  zurücktreten,  welche  sich  auf 
der  Vorhofseite  der  Klappe  noch   in  dem  Momente  befindet,    in  wel- 
chem der  Druck  in  der  Kammer  größer  wird,  als  der  Druck  im  Vor- 
hofe ist.   Diese  Menge  würde  bedeutender  sein,    wenn  sich  nicht  in 
Folge  der  sackförmigen  Gestalt  der  Kammer,  in    Folge    der  Rauhig- 
keit ihrer  Wände  Wirbel,  rückläufige    Ströme  hinter  den    Klappen 
bildeten,  welche  schon  während  des  Einströmens  des  Blutes  aus  dem 
Vorhofe    die    Klappensegel    mehr  oder  weniger  der  Mitte  zutreiben. 
Wenn  sie  aber  auch  hierdurch  beschränkt  ist,  so  wird  es  doch  immer- 
hin für  den  NutzefFect   förderlich   sein,   wenn  sie  durch  ein  anderes 
Mittel  noch  mehr  verringert  werden  kann.  Dieß  würde  der  Fall  sein, 
wenn  gegen  Ende  der  Vorhofsystole  durch  eine  andere  Kratt  als  die, 
welche  durch  das  Blut  übertragen  wird,    die  Klappe  unter  möglichst 
geringem  Widerstände  in  dem  Blute  gehoben,  einer  Ebene   genähert 
würde,  welche  man  sich  durch  die  ringlörinige  Anheftiing  der  Klappe 
gelegt  denkt.   Hierzu  würde  die  eigene  Muskulatur  der  Klappe  dienen 
können.   Denke    ich   mir,    daß   sich   erst   die  Längsfasern,  dann  die 
Ringfasern  zusammenziehen ,    so  wird  die    Klappe  über  eine  Partie 
Blut  hinweggehoben,  dieselbe  gelangt    von  ihrer  >'orhofseite  auf  ihre 
Kammerseife    und    die   Menge   des   beim  nun  eintretenden  Klappen- 
schluße  irn  Vorhofe  verbleibenden  Blutes  ist  dadurch  vermindert. 


Klein,   niier  .lif  Vi'rllioilunu  ticr  Miiskclii  ilos  Ofsoidiacnv  o(c.  1   i  I   1 


Über  die  Vertheihuig  der  Muskeln  des  Oesophagus. 
Von  Emanael  Klein. 

Aus  dem  Institute  für  experimentelle  Pathologie  der  Wiener  Universität. 
(Mit   1   Tafel.) 

Im  Oesophagus  kommen  bekanntlich  zwei  zur  Schleimhaut  in 
verschiedener  anatomischer  Beziehung  stehende  Muskellagen  vor: 
eine  der  Schleimhaut  selbst  angehörende  Muscularis  muco- 
sae, und  eine  zweite,  welche  die  Schleimhaut  von  außen  umgibt. 
Beide  Muskelhäute  zeigen  beim  Menschen  und  beim  Hunde  sowohl 
in  Bezug  auf  die  sie  constituirenden  Theile,  als  auch  in  Bezug  auf 
ihren  Verlauf  und  ihre  Vertheilung  ein  verschiedenartiges  Verhalten. 

Die  Muscularis  mucosae  des  menschlichen  Oesophagus  be- 
steht aus  Bündeln  glatter  Muskelfasern,  welche  eine  der  Längsaxe 
parallele  Richtung  haben.  Nach  Henle  (dessen  Anatomie  II.  Band) 
M'ird  die  Grundsubstanz  der  Schleimhaut  durch  diese  0-2  bis  0*3  Mm. 
breite  Lage  longitudinaler  organischer  Muskelfasern  in  eine  innere, 
zwischen  0"lo  und  O'ö.  Mm.  starke,  und  in  eine  um  Vieles  stärkere 
äußere  Bindegewebsschichte  getrennt.  Nach  zahlreichen  Längs-  und 
Querschnitten  des  Oesophagus  des  Kindes  bedürfen  diese  Angaben 
verschiedener  Zusätze. 

Die  Bündel  glatter  Muskelfasern  treten  beim  Menschen,  obwohl 
sehr  vereinzelt  und  klein,  ganz  plötzlich  auf,  so  daß  man  auf  Über- 
gangsschnitten aus  diesem  Verhältnisse  mit  Leichtigkeit  das  Ende 
des  Pharynx  und  den  Anfang  des  Oesophagus  erschließen  kann.  Es 
muß  bemerkt  werden,  daß  die  Bündel  dieser  Muskeln  durchaus 
nicht  so  zusammenhängende  Gruppen  darstellen,  wie  zum  Beispiel 
die  glatten  Muskeln  der  äußeren  Muscularis  des  Darmes  oder  die 
der  Ringsfaserhaut  des  unteren  Theiles  der  Speiseröhre,  das  heißt 
Gruppen  von  Bündeln,  die  nur  durch  spärliches  Bindegewebe  von 
einander  getrennt  sind;  vielmehr  sind  sie  durch  mehr  oder  weniger 

71- 


11)2  K  I  .'  i  n. 

starke  Lagen  von  Selileiinhaiitgewebe  von  einander  gesondert.  Je 
weiter  nach  abwärts,  desto  genäherter  sind  die  Bündel  einander,  so 
daß  im  untersten  Theile  des  Oesophagus  ein  Querschnitt  der  Miiscu- 
laris  mucosae  einer  zusammenhängenden   Muskelmasse  gleicht. 

Man  kann  demnach  sagen:  Die  M  us  ke  1  b  ii  ndel  der  ilfj/s- 
rnfaris  mncosne  sind  dem  innersten  unter  dem  Epithel 
g e I e g e n e n  T h e i  1  e  der  Schleimhaut  in  einer  kreisförmi- 
gen Zone  eingepflanzt,  deren  Breite  beim  Kinde  00525  bis 
0-1680  Mm.  beträgt. 

Das,  was  He  nie  als  innere  Ol  5 — 0*5  Mm.  breite  Schleimhaut- 
schichte beschreibt,  reduciert  sich  beim  Kinde  auf  Folgendes: 

An  sehr  dünnen  Schnitten,  die  von  einem  möglichst  frischen 
Präparate  gewonnen  wurden,  finde  ich  zwischen  dem  Epitiiel 
und  der  Muscularis,  besonders  scliön  an  Längsschnitten,  zu- 
meist ein  feines  kaum  0*01  Mm.  breites  Netzwerk,  in 
dessen  Masehen  mehr  oder  weniger  zahlreiche  rund- 
liche den  L  y  m  p  h  k  ö  r  p  e  r  c  h  e  n  ä  h  n  1  i  c  li  e  z  e  1 1  i  g  e  Elemente 
liegen. 

An  einzelnen  Stellen  ist  dieses  Netzwerk  zusammengedrängt 
durch  ein  kleines  Gefäß,  das  sich  eine  Strecke  weit  zwischen  der 
Muscularis  und  dem  Epithel  hinzieht,  um  auf  diesem  Wege  einzelne 
Capillaräste  zu  den  Papillen  abzugeben.  Die  Anzahl  dieser  Papillen 
ist  übrigens  beim  Kinde  weit  geringer  als  beim  Erwachsenen,  und 
nur  an  Querschnitten  häufiger,  sehr  spärlich  jedoch  an  Längsschnit- 
ten anzutreffen.  Nur  an  seltenen  Stellen  sieht  man  zwischen  Muscu- 
laris und  Epithel  vereinzelte  Bindegewebsfasern  neben  einander  ver- 
laufen, um  sich  alsbald  zu  dem  oben  beschriebenen  Reticulum  zu 
constituiren. 

Beim  erwachsenen  Menschen  kann  schon  eher  von  einer  inneren 
Schichte  die  Rede  sein;  diese  besteht  aus  zarten,  theils  lose  neben 
einander  der  Längsaxe  parallel  wellenförmig  verlaufenden,  theils  zu 
Netzen  vereinigten  Fasern;  die  Breite  <lieser  Schichte  habe  ich  0-126 
bis  0-289  Mm.  gefunden,  während  die  Breite  der  Muskellage  0-1785 
bis  0-25  Mm.  beträgt. 

In  dieser  inneren  Schichte  finde  ich  constant  die- 
selben lymphkörperchen  ahn  liehen  zelligen  Gebilde, 
wie  ich  sie  in  dem  oben  beschriebenen  Reticulum  des 
k  i n  d li c  h  e  n  O 0  p s p  h  a  g u  s   a  n g c g e  b e n  h  a  b c.    Sie    kommen 


über  die  Verlheiliing-  der  Muskeln  des  Oi-üopliiigus  efc.  I  1   1  ♦> 

beim  Erwa  clisene  n  theils  zerstreut,  tlieils  in  dichtge- 
drängten Haufen  vor,  halten  sieh  zumeist  an  die  hier 
zahlreich  verlaufenden  Gefäße  und  gehen  oft  ohne  Un- 
terbrechung in  die  tiefen  Lagen  des  Epithels  über.  In 
dieser  inneren  Schichte  der  Schleirnluuit  sieht  man  außerdem  zahl- 
reiche zerstreut  liegende  große  unregelmäßige  Bindegeuebskörper- 
chen,  die  sich  durch  ihr  ausgezeichnetes  körniges  Ansehen  urjd 
ihren  verhältnißmäßig  kleinen  Kern  von  anderen  hier  vorkommenden 
zelligen  Gebilden  unterscheiden. 

Nicht  alle  Bündel  der  Muscularis  mucosae  nehmen  einen  ge- 
streckten Verlauf;  von  einzelnen  zweigen  sich  kleinere  Bündelchen 
ab,  die  weiter  hinein  in  die  Schleimhaut  abbiegen,  um  dann  erst  nach 
abwärts  zu  verlaufen;  zwischen  diesen  Zweigbündelchen  und  dem 
Stammbündel  ziehen  größere  Gefäße.  Die  Breite  dieser  Muskellage 
ist  an  der  vorderen  Wand  des  Oesophagus  im  Allgemeinen  etwas 
größer  als  an  der  hinteren,  sie  erreicht  ihre  größte  Bieite  — 
U-t68  Mm.  beim  Kinde,  0-25  Mm.  beim  Erwachsenen  —  im  dritten 
Viertel. 

Der  Lage  und  der  V^ertlieilung  nach  anders  als  beim  Menschen 
verhält  sich  die  Muscularis  mucosae  beim  Hunde.  Sie  entwickelt  sich 
hier  nur  ganz  allmählig:  am  Anfange  des  Oesophagus  ist  von 
ihr  noch  nichts  zu  sehen,  erst  in  der  iMitte  des  ersten 
Viertels  treten  vereinzelte  kleine  Bündelcben  glatter 
Muskelfasern  in  der  Schleimhaut  auf.  Diese  besteht  über- 
wiegend aus  dicken  elastischen  Fasern,  welche  in  allen  möglichen 
Bichtungen  eng  miteinander  verfilzt  sind.  Man  kann  an  ihr  einen 
inneren  und  einen  äußeren  Theil  unterscheiden:  in  dem  letzteren,  in 
welchem  die  Musctilaris  mucosae  und  nach  außen  die  Drüsen  ein- 
gebettet sind,  tritt  das  Gewehe  der  Schleinihant  gegen  die  genannte 
Muskel-  und  Drüsenlage  bedeutend  zurück.  Die  Schleimiiaut  des 
Oesophagus  des  Hundes  unterscheidet  sich  somit  in  topographischer 
Beziehung  von  der  des  menschlichen  Oesophagus,  daß  die  Haupt- 
masse derselben  bei  diesem  nach  außen,  bei  jenem 
aber  nach  i  n  neu  von  der  Muscularis  liegt. 

Erst  gegen  das  Ende  des  zweiten  Viertels  haben  sich  die  Bündel 
der  Muscularis  mucosae  geordnet  und  bilden,  beiläufig  bis  an  die 
obere  Hälfte  des  vierten  Viertels  eine  nicht  über  0.12G  Mm.  breite 
Muskellage.   Im  letzten  Viertel  liegt  wohl  noch  ihre  llauitinasse  nach 


1114  Klein. 

innen  von  der  Drüsenschichte,  jedoch  sieht  man  hier  einzelne 
Bündel  auch  zwischen  den  Ac  inusgrupp  en  und  um  die- 
selben verlaufen.  DieAusführungsgänge  einiger  Drüsen 
am  unteren  Ende  des  letzten  Viertels  habe  ich  von  ein- 
zelnen Muskelfasern  eine  kurze  Strecke  gegen  das  Epi- 
thel hin  begleitet  gesehen.  Beim  Hunde  setzt  sich  die  Muscu- 
laris  mucosae  des  Oesophagus  in  die  Lage  längslaufender  glatter 
Muskelfasern  der  Magenschleimhaut  ohne  Unterbrechung  fort. 


Die  Muskelhaut,  welche  die  Mucosa  des  Oesophagus  von  außen 
umgiebt,  zerfällt  beim  Menschen  in  eine  äußere  der  Längsaxe 
parallel  laufende  und  in  eine  innere  quergerichtete  Bingsschichte.  Die 
Messungen  dieser  beiden  Muskellagen,  die  ich  am  kindlichen  Oeso- 
phagus vorgenommen  habe,  ergaben: 

I.  Viertel,  Längsfaserhaut 0-3 lä    Mm. 

Bingsfaserhaut 0-2o2       „ 

II.  Viertel,  Längsfaserhaut 0-294      „ 

Bingsfaserhaut 05145    „ 

III.  Viertel,  Längsfaserhaut 0273       „ 

Bingsfaserhaut 0-588      „ 

IV.  Viertel,  Längsfaserhaut 0-189      „ 

Bingsfaserhaut 0*609      „ 

Wir  sehen  hieraus,  daß  die  Angaben  von  Kolli ker  (Handbuch 
der  Gewebelehre  11.  Hälfte)  und  von  He  nie  (dessen  Anatomie)  mit 
diesem  Befunde  nicht  übereinstimmen,  indem  nach  der  Angabe  dieser 
Forscher  die  Dicke  der  Längsfaserhaut  die  der  Bingsmuskelschichte 
um  das  Doppelte  übersteigt,  während  ich  finde,  daß  die  Längs- 
faserhaut nur  im  obersten  Viertel  die  Bingsschichte  um 
Einiges  ü  b  e  r  t  r  i  f  f  t ,  nach  a  b  w  ä  r  t  s  j  e  d  o  c  h  d  i  e  B  i  n  g  s  f  a  s  e  r- 
li a  u  t  in  dem  Maße  an  Dicke  zunimmt,  als  d i e  L ä n g s f a s e r- 
haut  abnimmt,  so  daß  im  untersten  Viertel  die  erstere 
n  m  m  e  h  r  a  1  s  d  a  s  D  r  e  i  f  a  c  h  e  m  ä  c  li  t  i  g  e  r  i  s  t  a  1  s  d  i  e  1  e  t  z  t  e  r  e. 

Die  von  Schmauser  (Dissertatio  inauguralis  anatomico-histo- 
logica  1866)  gemachten  Angaben  über  dieses  Verhältniß  finde  ich 
nur  theilweise  wieder.  Nach  ihm  nimmt  die  anfangs  stärkere  Längs- 
muskelschiclile  in  der  hinleren  Waiidimg  vom  Mkhv.  cilcuphartjn- 


Üher  die  Verllieiliiiig^  der  Muskeln  des  Oesupliagus  etc.  t  I  1  .) 

geus  an  bis  zu  der  Stelle,  wo  die  Längsschichte  den  Oesophagus  voll- 
kommen umgiebt,  allmählig  ab,  in  der  vorderen  Wandung  dagegen 
nimmt  sie  gegen  eben  diese  Stelle  hin  mehr  zu.  Von  dieser  Stelle  an 
aber  wird  nicht  nur  die  Dicke  der  Muskelhaut  der  hinteren  Wan- 
dung nach  unten  hin  beständig  geringer,  sondern  ebenfalls  auch, 
aber  noch  in  stärkeren  Sprüngen,  die  der  vorderen  Wandung,  so 
daß  schließlich  sich  die  gesammte  Muskelhaut  des  ganzen  Umfangs 
des  Rohres  in  beinahe  gleichmäßiger  Dicke  von  dem  Anfange  des 
unteren  Drittels  bis  zum  Magen  fortsetzt.  Nur  die  Angabe  ,  nach 
welcher  die  äußere  Muskulatur  der  Speiseröhre  ihre  größte  iMächtig- 
keit  in  der  Gegend  des  dritten  Viertels  erreicht,  finde  ich  wieder, 
während  ich  mich  von  seinen  weiteren  Angaben,  daß  die  Längsiaser- 
haut  die  Ringsfaserhaut  im  unteren  Theile  des  Oesophagus  gleich  der 
Annahme  von  Henle  um  das  Dreifache  an  Stärke  übertreffen  soll, 
nicht  überzeugen  konnte. 

Die  Bündel  beider  Muskelschichten  sind  besonders  im  obersten 
Viertel  keineswegs  zu  einem  zusammenhängenden  Ganzen  vereinigt : 
ich  finde  nicht  selten  in  der  bezeichneten  Gegend  vereinzelte  Quer- 
bündelchen quergestreifter  Muskelfasern  in  dem  die  Schleimhaut 
und  die  äußere  Muskulatur  zusammenhaltenden  lockeren  submucösen 
GeM'ebe  verlaufen,  und  eben  so  ziehen  in  der  die  Längsschichte  von 
außen  umhüllenden,  aus  zahlreichen  elastisclien  Fasern  und  aus 
mehr  oder  weniger  gestreckt,  der  Längsaxe  parallel  verlaufenden 
Bindegewebsbündeln  bestehenden  Lage  einzelne  längsverlaufende 
quergestreifte  Muskelfasern  nach  abwärts. 

Es  ist  das  Erstere  nicht  zu  verwechseln  mit  den  innerhalb  der 
Ringsfaserhaut  herabsteigenden  Längsfasern,  die  nach  Henle  (des- 
sen Anatomie)  und  Luschka  (Über  den  Musculus  thyreo-pliaryngo- 
palatinus.  Virchov's  Archiv  42.  Band)  dem  unteren  Ende  des  Mus- 
culus thyreo-palatinus  und  der  mit  der  Spitze  an  die  hintere  Fläche 
des  Ringknorpels  befestigten  dreiseitigen  Membran  entstammen.  —  Die 
Fasern  der  Muskellagen  des  Oesophagus  sind  nach  übereinstimmen- 
den Angaben  im  obersten  Viertel  nur  quergestreift,  was  Welck er 
und  Schweigger-Seidel  (Vir c  hov's  Archiv  21.  Band)  und  in 
neuester  Zeit  Luschka  (ebendaselbst  42.  Band)  bestätigen.  Dem- 
zufolge würden  die  glatten  Muskelfasern  erst  im  zweiten  Viertel  und 
zwar  am  frühesten  in  der  Ringsfaserhaut  beginnen,  in  der  Längs- 
schichle  an  der  vorderen  Wand  (bereits  im  ohersten  Abschnitte  des 


1  1  1  ()  Klein. 

zweiten  Viertels)  frülier  als  an  der  hinteren;  am  weitesten  nach 
unten  hin  (bis  zum  untersten  Abschnitte  des  zweiten  V^iertels)  reichen 
die  quergestreiften  Muskeln  an  den  Seitenrändern.  Im  dritten  und 
vierten  Viertel  sind  nur  mehr  i^latte  Muskelfasern,  womit  von  den 
obengenannten  Forschern  die  Angabe  von  Ficinus  über  das  Vorkom- 
men von  quergestreiften  Muskelfasern  bis  an  die  Cardia  nicht  be- 
stätigt wird.  Auch  Treitz  hat  früher  schon  (Prager  Vierteljahr- 
schrift 1853,  I.)  die  animalischen  Muskeln  der  Längsschichte  in  der 
hinteren  Wand  tiefer  als  an  der  vorderen  herabsteigen  gesehen.  Diese 
Angaben  kann  ich  bis  auf  wenige  Punkte  nicht  bestätigen.  Ich  habe 
sowohl  beim  Kinde  als  auch  beim  Erwachsenen  schon  im  obersten 
Theile  des  ersten  Viertels  bald  außen  von  der  Längsfaserhaut  Bündel 
längslaufender,  bald  in  der  Ringsfaserhaut  Bündel  querlaufender, 
bald  zwischen  den  Fasern  der  Ringsschichte  Bündel  längslaufender, 
glatter  Muskelfasern  angetroffen;  ja  ich  habe  einmal  an  dem  Oesopha- 
gus eines  Erwachsenen  1  Cm.  unterhalb  des  oberen  Endes  die  Rings- 
faserhaut voi'wiegend  aus  glatten  Muskelfasern  bestehend  gefunden. 
An  der  vorderen  Wand  des  Oesophagus,  in  der  oberen  Hälfte  des 
zweiten  Viertels  bin  ich  auf  Stellen  gekommen,  an  denen  in  der 
Ringsfaserhaut  nur  vereinzelte  Bündel  von  glatten  Muskelfasern 
zwischen  den  überwiegenden  quergestreiften  anzutreffen  waren,  die 
Längsfaserhaut  jedoch  zum  größten  Theile  bereits  aus  glatten  Mus- 
keln bestand,  während  in  gleicher  Höhe  an  der  hinteren  Wand  die 
Ringsfaserhaut  zahlreiche,  die  Längsschiehte  nur  sehr  spärliche 
Bündel  glatter  Muskelfasern  besaß.  Von  demselben  Präparate  habe 
ich  an  einer  weiter  unten  gelegenen  Stelle  (untere  Hälfte  des  zweiten 
Viertels)  Schnitte  gewonnen,  an  welchen  sich  gerade  das  umge- 
kehrte Verhältniß  zeigte.  Es  waren  nämlich  an  der  vorderen  Wand 
in  der  Längsfaserhaut  die  glatten  Muskeln  gegen  die  quergestreiften 
zurückstehend,  es  nahmen  also  die  früher  spärlichen  quergestreiften 
Muskelfasern  wieder  an  Menge  zu.  während  an  der  hinteren  Wand 
die  quergestreiften  Muskeln  in  der  Ringsfaserhaut  gegen  eine  höher 
gelegene  Stelle  zahlreicher  anzutreffen  waren.  Daraus  folgt:  die 
glatteti  Muskelfasern  der  äußeren  Muskel  haut  fangen 
im  menschlichen  Oesophagus  bereits  im  ersten  Viertel 
a  n ;  f  ü  r  d  a  s  z  w  e  i  t  e  V  i  e  r  t  e  1  k  a  n  n  m  a  n  a  u  s  d  e  m  spärlichen 
Vorhandensein  von  quergestreiften  Muskelfasern,  ja 
selbst  aus  dem  Verschwinden  derselben  weder  für  die 


über  die  Vertlieilung  der  Muskeln  de»  Oesophagus  etc.  1117 

Längs  faserhaut  der  vorderen  Wand  noch  für  die  Rings- 
fase rhaiit  der  hinteren  Wand  den  Schluß  ziehen,  die- 
selben (die  quergestreiften  Muskeln)  hätte  n  s  c  hon  ga  nz  a  u  f- 
gehört,  man  kann  nur  sagen,  daß  die  absolute  Menge 
der  glatten  Muskelfasern  im  zweiten  Viertel  an  der  vor- 
derenWand  in  der  Längs-,  an  der  hinteren  in  der  Rings- 
faserhaut größer  ist.  In  der  unteren  Hälfte  des  Oesophagus 
finde  ich  beim  Menschen  auch  keine  anderen  als  glatte  Muskelfasern, 
muß  jedoch  hinzufügen,  daß  von  dem  innersten  Theile  der  Längs- 
faserhaut  stellenweise  sich  Bündel  abzweigen,  die  theils  zwischen  die 
Bündel  der  Ringsschichte  iiineinstreben ,  theils  dieselben  im  Halb- 
kreise umgreifen,  zumeist  ist  jedoch  die  Längsfaserhaut  von  der 
Ringsmuskelschichte  durch  eine  mäßige  Lage  von  Bindegewebe,  in 
welchem  größere  Gefäße  und  Nervenstämme  verlaufen,  getrennt. 
Auch  von  dem  inneren  Theile  der  Ringslaserhaut  zweigen  sich  ein- 
zelne stärkere  Bündel  ab,  die  zuerst  eine  schiefe,  dann  eine  ausge- 
sprochene längslaufende  Richtung  haben,  so  daß  im  letzten  Viertel 
innerhalb  der  Ringsfaserhaut  Gruppen  von  gerade  herablaufenden 
Muskelfasern  angetroffen  werden. 


Bei  Weitem  complicirter  und  ganz  verschieden  von  der  mensch- 
lichen ist  die  äußere  Muskulatur  des  Oesophagus  beim  Hunde. 

Am  Anfange  des  ersten  Viertels  finden  wir  eine  innere  stärkere 
quere  und  eine  äußere  schwächere  fast  längslaufende  Muskelschichte; 
beiläufig  von  der  Mitte  des  ersten  Viertels  bis  zur  Mitte  des  zweiten 
Viertels  ändert  sich  die  Verlaufsrichtung  dieser  Schichten  in  der  Weise, 
daß  beide  in  eine  zur  ursprünglichen  senkrechten  Richtung  über- 
gehen: die  Muskellage,  die  in  der  oberen  Hälfte  des  ersten  Viertels 
als  innere  Ringsfaserhaut  eine  horizontale  Verlaufsrichtung  hatte, 
gelangt  in  der  Mitte  des  zweiten  Viertels  in  die  verticale  Lage;  an 
den  zwischeniiegenden  Stellen  nehmen  die  Fasern  dieser  Schichte 
einen  nach  abwärts  zunehmenden  schiefen  Verlauf;  die  in  der  Längs- 
faserhaut verlaufenden  Bündel  gehen  im  entgegengesetzten  Sinne  aus 
der  verticalen  in  die  horizontale  Lage  über,  jedoch  geschieht  dies 
allmähliger  als  in  der  inneren  Schichte,  so  daß  die  Fasern  der 
äußeren  Muskelschichte  erst  am  Ende  des  zweiten  Viertels  vollkom- 
men in  die  Querlage  übergegangen  sind.   Die  Folge  dieser  Änderung 


1118  Klein. 

der  Richtung  ist,  daß  die  innere  Schichte,  die  in  der  oheren  Hälfte 
des  ersten  Viertels  Ringsfaserhaut  war,  in  der  Mitte  des  zweiten 
Viertels  zur  Längsfaserhaut  wird,  daß  eben  so  die  äußere  Schichte, 
die  in  der  oheren  Hälfte  des  ersten  Viertels  eine  zur  Längsaxe 
parallele  Richtung  hatte,  am  Ende  des  zweiten  Viertels  eine  ausge- 
sprocliene  Ringsfaserhaut  vorstellt  ,  sie  ist  zugleich  mächtiger  ge- 
worden als  im  ersten  Viertel,  so  daß  sie  jetzt  ebenso  breit  ist  als  die 
innere  Längsschichte;  daß  an  den  Stellen,  welche  zwischen  den  ge- 
nannten Regionen  liegen,  die  Richtung  der  Faserbündel  beider 
Schichten  eine  schiefe  ist,  und  endlich  daß  die  Fasern  der  einen 
Schichte  fast  senkrecht  gegen  die  der  anderen  verlaufen,  weil  die 
Ablenkung  der  einen  und  der  andern  Muskelhaut  im  entgegengesetz- 
ten Sinne  stattfindet. 

Im  dritten  Viertel  besteht  die  äußere  Muskelhaut  aus  einer 
äußeren  stärkeren  Rings-  und  einer  inneren  schwächeren  Längs- 
faserhaut. Mit  dem  Beginne  des  vierten  Viertels  zweigen  sich  von 
der  äußeren  Rings-  so  wie  von  der  inneren  Längsschichte  einzelne 
Fasern  ab,  um  eine  kurze  Strecke  ganz  außen  in  einer  zur  Längs- 
axe parallelen  Richtung  herabzulaufen.  Die  meisten  der  aus  der 
inneren  Längsfaserhaut  herstammenden  schief  zwischen  den  Fasern 
der  äußeren  Ringsschichte  verlaufenden  Muskeln  sind  bedeutend 
dünner  als  die  Muskelfasern  der  genannten  zwei  Schichten.  Erst  in 
der  unteren  Hälfte  des  letzten  Viertels  haben  sich  die  aus  der  äußeren 
Ringsschichte  stammenden  Muskelfasern  zu  einer  selbstständigen, 
zu  äußerst  gelegenen  Längsfaserhaut  constituirt:  die  früiiere  äußere 
Ringsfaserhaut  ist  jetzt  die  mittlere  zugleich  stärkste  Schichte  und 
verbleiht  in  ihrer  Querlage,  —  sie  übertrifft  die  äußere  Längsfaser- 
haut um  das  Drei-  bis  Vierfache  an  Breite  — ,  während  die  frühere 
innere  auch  jetzt  innere  Schichte  bleibt  und  aus  der  Längslage 
heraustritt,  um  sich  mehr  der  queren  Richtung  zu  nähern.  Es  muss 
noch  hinzugefügt  werden,  dass  an  der  vorderen  Wand  im  letzten 
Viertel  die  innere  Schichte  früher  als  an  der  liinteren  Wand  in  die 
Querlage  gelangt,  so  wie  auch  daß  die  mittlere  Schichte  nicht  bis 
zur  Cardia  in  ihrer  Querlage  verbleibt,  sondern  schon  viel  früher 
zu  einer  schiefen  und  dann  zu  einer  fast  längslaufenden  Lage  wird. 
Im  untersten  Tlieile  des  letzten  Viertels  verlaufen  auch  in  der  die 
Muskulatur  umhüllenden  aus  elastischen  Netzen  und  Fasern  bestehen- 
den Lage  vereinzelte  quergestreifte  Muskelfascni  in  (|iierer  Richtung. 


über  die  Vertlieilung  der  Muskeln  des  Oesoplia-jus  etc.  111" 

Fassen  wir  das  Gesagte  zusammen,  so  ergibt  sich:  In  der  oberen 
Hälfte  des  ersten  Vi  ertels  besteht  die  äußere  Muskel- 
haut aus  einer  äußeren  schwächeren  Längs- und  einer 
inneren  stärkeren  Rings  faserliaut;  in  der  unteren 
Hälfte  des  ersten  und  der  oberen  Hälfte  des  zweiten 
V  i  e  r  t  e  1  s  s  i  n  d  b  e  i  d  e  S  c  h  i  c  h  t  e  n  nahezu  gleich  s  t  a  r  k  u  n  d 
bestehen  aus  schief  verlaufenden  Fasern,  die  Fasern 
der  einen  Schichte  haben  gegen  die  der  anderen  eine 
senkrechte  Richtung;  indem  untersten  T  heile  des 
ZM'eiten  und  im  ganzen  dritten  Viertel  ist  die  innere 
Schichte  schwächer  und  zugleich  Längsfaserhaut,  die 
äussere  stärker  und  Ringsfaserhaut;  in  der  oberen 
H  ä  1  f  t  e  des  letzten  Viertels  kommen  nur  stellenweise 
drei  Schichten  vor,  eine  innere  Längs-,  eine  mittlere 
stärkste  Rings-  und  eine  äussere  schwächste  Längs- 
fase r  h  a  u  t ,  letztere  mit  ihren  Fasern  aus  der  inneren 
und  zum  grösseren  T heile  aus  der  äußeren  Schichte 
stammend;  i  n  d  e  r  unteren  Hälfte  des  letzten  Viertels 
kommen  constant  drei  Schichten  voi",  eine  innere 
schiefe,  eine  mittlere  stärkste  quere  und  eine  äussere 
schwächste  1  ä  n  g  s  1  a  u  f  e  n  d  e  Schichte. 

Die  glatten  Muskelfasern  treten  im  Oesophagus  des  Hundes  erst 
mit  dem  Anfange  des  letzten  Viertels  auf,  sie  beschränken  sich  aus- 
schließlich auf  die  innere  Schichte;  diese  besteht  erst  hart  an 
der  Cardia  ausschließlich  aus  glatten  Muskelfasern, 
während  wenig  höher  n o  cii  zahlreiche  q  u  e r g e s t r e i l't  e 
F  a  s  e  r  n  i  n  i  h  r  a  n  z  u  t  r  e  f  f  e  n  s  i  n  d  ,  alle  ü  b  r  i  g  e  n  S  c  h  i  c  h  t  e  n 
bleiben  v  o  1  k  o  m  m  e  n  frei  von  glatten  Muskeln. 


Von  Interesse  ist  der  Übergang  der  einzelnen  beschriebenen 
Muskellagen  an  der  Cardia  in  die  Muskellagen  des.  Magens:  die  der 
Cardia  zunächst  gelegenen  nur  aus  glatten  Muskelfasern  bestehenden 
Bündel  der  inneren  Schichte  legen  sich,  nachdem  sie  an  Mächtigkeit 
bedeutend  zugenommen  haben  und  in  eine  vollständige  Querrichtung 
übergangen  sind,  ohne  besonders  markirte  Abgrenzung  an  die  eben- 
falls sehr  mächtigen  Bündel  der  Ringsfaserhaut  des  Magens  an;  die 
von  dir  Cardia    entfernteren    Bündel    der    inneren  Schichte    ziehen. 


1120  Klein. 

indem  sie  aus  der  schiefen  in  die  Längsrichtung  übergehen,  in  die 
äußere  Längsniusculatur  des  Magens  über,  deren  innersten  Tbeil 
sie  bilden;  sie  bestehen  vorwiegend  aus  glatten  Muskelfasern.  Selbst- 
verständlich verlaufen  sie,  um  in  die  Läiigsfaserhaut  des  Magens  zu 
gelangen  ,  au(.Sen  um  die  hart  an  der  Cardia  gelegenen  queren 
Bündel  der  inneren  Schichte.  Die  mittlere  querlaufende  Lage  des 
untersten  Theiles  des  letzten  Viertels  hört  rasch  an  Breite  abneh- 
mend größtentheils  an  der  Cardia  auf,  indem  nur  einzelne  quer- 
gestreifte Muskelfasern  mit  dem  kleineren  Theile  der  äusseren  Längs- 
muskelhaut  des  Oesophagus  in  die  äußere  längslaufende  Muskel- 
schichte des  Magens  übergehen,  in  der  sie  den  äußersten  Theil 
bilden;  zwischen  den  überwiegenden  quergestreiften  Fasern  dieses 
äußersten  Theiles  treten  vereinzelte  Bündel  glatter  Muskelfasern 
auf.  Der  mittlere,  zugleich  stärkste  Tbeil  der  äußeren  Längsmuskel- 
haut  taucht  an  der  Cardia  selbst  auf  und  besteht  nur  aus  glatten 
Muskelfasern;  es  schiebt  sich  somit  an  der  Cardia  diese  Lage  glatter 
Muskelfasern  zwischen  die  aus  den  entfernter  gelegenen  Theilen  der 
iuneren  Schichte  des  Oesophagus  herkommenden  vorwiegend  aus 
glatten  Muskeln  bestehenden  Bündel  und  die  aus  der  äußeren  Längs- 
faserhaut  sich  entwickelnden  quergestreiften  Muskelfasern  ein. 

In  den  zwischen  der  inneren  Rings-  und  äußeren  Längsfaser- 
haut  des  menschlichen  Oesophagus  —  besonders  in  der  unteren  Hälfte 
desselben  —  verlaufenden  größeren  Nervenstänmien  finde  ich 
t  h  e  i  1  s  einzelne,  von  e  i  n  e  r  k  e  r  n  h  a  1 1  i  g  e  n  Kapsel  u  m  s  c  h  1  o  s- 
s  e  n  e  G  a  n  g  1  i  e  n  z  e  1  1  e  n ,  t h  e  i  1  s  z  u  s  a  nun  e  n  h  ä  n  g  e  n  d  e,  dem 
von  A  u  e  r  b  a  c  h  z  w  i  s  c  h  e  n  d  e  r  R  i  n  g  s-  u  n  d  L  ä  n  g  s  f  a  s  e  r  h  a  u  t 
des  Darmesbeschriebenen  Ganglienplexu  s  ähnlich  eG  e- 
bilde;  sie  stellen  Protoplasmakürper  von  wechselnder  Größe  dar, 
die  bald  eine  in  die  Länge  gezogene,  bald  rundliche  Gestalt  haben, 
durch  Fortsätze  stellenweise  zusammenhängen  und  nicht  immer 
einen  deutlichen  Kern  erkennen  lassen;  zwischen  ilinen  finden  sich 
zahlreiche  Nervenfasern  und  Axencylinder.  Auch  in  der  Schleim- 
haut des  menschlichen  Oesophagus  finde  ich  in  den  Nerven- 
stämmen neben  Nervenfasern  einzelne  Ganglienzellen. 
Diese  Thatsache  entspricht  somit  annähernd  dem  von  Meissner  in 
der  Mucosa  des  Darmes  entdeckten  G;inglienplexus. 

Beim  Hunde  gelingt  es  leichler  in  den  untfrren  Theilen  des 
Oesophagus   z  w  i  s  c  h  c  ti   d  c  r   i  ti  n  e  r  *•  ri  \j  ä  ri  n  s-   u  ii  d    d  e  r  ä  u  ß  c  - 


K.KIfiii.  VUn-  du-  Wi'llu-ilinif'  drv  .M,isl<..iii  .I.-n   l),.s„i,l,i 


S ._>-0€J'  ' 


iNil>'.mi;;>ilj,l.k„M<»il..l.W,Mnlli.iuilMrv>-.CI.I,VII  ImI.I  AijllilfiO.S. 


VUer  die  Verttipilinig  der  Miiski-lii  des  Oe.so|ili;i^iiM  ele.  1   1  -C  I 

ren  R  ingsfa  serh  aut  ebenfalls  theils  einzelne  einge- 
kapselte, tiieils  durch  Fortsätze  zusammenhängende 
Ganglienzellen  in  den  größeren  Xervenstämmen  aufzufinden; 
zumeist  sind  es  rundliche,  große  Ganglienzellen  mit  einem  großen 
runden,  blasigen,  scharf  contourirten  Kerne  und  einem  oder  mehreren 
Kernkörperchen. 

Nahe  über  der  Cardia  habe  ich,  hart  an  die  quergestreiften 
Muskelfasern  der  äußeren  Längsfaserhaut  anliegend ,  vereinzelte 
Ganglienzellen  gesehen. 


Erklärung  der  Abbildungen. 

Fig.  1.  Querschnitt  durch  die  innersten  Schichten' des  kindlichen  Oesophagus. 

letztes  Viertel.  Vergrößerung:  Hartnak  Object.  System  8,  Ocul.  3. 

A     Epithel,  obere  Lagen  fehlend. 

B     Reticulum,  in  seinen  Maschen  einzelne  zellige  Elemente. 

C    Ein  größeres  Bündel  glatter  Muskelfasern  der  Muscularis  mucosae 
querdurchschnitten. 
„    2.  Übergang  der  Muncularis  externa  des  Oesophagus  in  die  des  Magens 

vom  Hunde;   Vergrößerung:  H  a  rt  n  a  k  Object.  System  2,  Ocul.  3. 

A     Acinöse  Drüsen  der  Schleimhaut  des  Oesophagus. 

5»»  Submucöses  Gewebe. 

B     Innere  Schichte  der  äußeren  Muskelhaut. 

C     Mittlere  Schichte. 

D     Äußere  Schichte. 

E  Elastische  Faserlage,  die  äußere  Muskelhaut  des  Oesophagus  und 
des  Magens  umhüllend;  bei  e  einzelne  querdurchschnittene  quer- 
g«streifte  Muskelfasern. 

F     Ringsfaserhaut  des  Magens. 

G     Längsfaserhaut. 
„    3.  Ganglienzellen  in  einem  Nervenstamme  zwischen  der  inneren  und  mitt- 
leren  Müskelscbichte,    aus   dem   letzten   Viertel   des  Oesophagus   des 

Hundes.  Vergrößerung:   Hartnack  Object.  System  7.  Ocul.  3. 


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